Weiterbildung Dokumentation des Bündnisses für Lebenslanges Lernen zur Umsetzung der Empfehlungen der Enquetekommission "Fit fürs Leben in der ...

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Weiterbildung Dokumentation des Bündnisses für Lebenslanges Lernen zur Umsetzung der Empfehlungen der Enquetekommission "Fit fürs Leben in der ...
Weiterbildung
 Dokumentation des Bündnisses für Lebenslanges Lernen
zur Umsetzung der Empfehlungen der Enquetekommission
       „Fit fürs Leben in der Wissensgesellschaft“
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DOKUMENTATION

2   Weiterbildung

    INHALTSVERZEICHNIS

    Grußwort  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 3

    Bündnis für Lebenslanges Lernen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 4

    Entstehung und Entwicklung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 4

    Bündnisarbeit bis heute
      • Der Digitale Weiterbildungscampus  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 8
      • Das Landesnetzwerk Weiterbildungsberatung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 15
      • Alphabetisierung in Baden-Württemberg .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 22

    Landesprogramm Weiterbildung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 25

    Best-Practice-Beispiele
       • Grundbildung / Alphabetisierung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .                                           26
       • Integration  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .      34
       • Inklusion .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .   40
       • Elternbildung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .             46
       • Einstieg / Wiedereinstieg in den Beruf  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .                                                50
       • Weiterbildung im Alter  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .                            56
       • Neue Medien und Mobiles Lernen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .                                               60
       • Aufsuchende Weiterbildungsberatung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .                                                    70

    Weiterführende Literatur  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 76

    Autoren und Institutionen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 78

    Impressum  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 79
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GRUSSWORT

Grußwort                                                                                                        3

Lebenslanges Lernen ist weniger ein permanenter formaler Bildungsprozess als vielmehr eine persönliche
Einstellung: die Bereitschaft, sich veränderten Bedingungen in allen Lebensbereichen zu stellen, neugierig zu
bleiben, sich nicht mit dem Erreichten zufrieden zu geben, aktiv das persönliche und gesellschaftliche Umfeld
mitzugestalten und so ein lebendiges Mitglied der Gesellschaft sein zu wollen. Lebenslanges Lernen ist daher
sowohl aus sozialen als auch ökonomischen Gründen für den Einzelnen wie für die Gesellschaft wichtig. Le-
benslanges Lernen hilft, mit sozialen Veränderungen umzugehen und sich besser den Herausforderungen des
Arbeitsmarktes zu stellen. Es schafft Selbstvertrauen und kann die Lebensqualität entscheidend verbessern.

Die vorliegende Dokumentation soll Wege in das lebenslange Lernen aufzeigen. Mit der Enquetekommis-
sion „Fit fürs Leben in der Wissensgesellschaft“, der ich als Fachexpertin angehört habe, ist seit 2011 auch
für die Weiterbildung ein neues Kapitel mit Empfehlungen aufgeschlagen worden, die wir im Bündnis für
Lebenslanges Lernen aufgegriffen haben. Als für das Bündnis verantwortliche Staatssekretärin freue ich mich,
dass wir mit dem Landesnetzwerk Weiterbildungsberatung, dem Digitalen Weiterbildungscampus, dem Lan-
desprogramm Weiterbildung und der Initiierung neuer Grundbildungsangebote und innovativer Ansätze ins-
besondere für bildungsferne Menschen wichtige Meilensteine schon gesetzt haben.

Diese Dokumentation soll zum einen das Erreichte innerhalb der bisherigen Bündnisarbeit darstellen, zum
anderen gleichzeitig Perspektiven für die nähere Zukunft unserer Weiterbildungspolitik aufzeigen. Beschrie-
ben werden insbesondere gute Beispiele unserer Projektförderung im Rahmen des Landesprogramms Weiter-
bildung, die auf diesem Weg weitere Beachtung und Nachahmung erfahren sollen. Ich würde mich freuen,
wenn unsere Dokumentation Ihr Interesse findet!

Mit besten Grüßen

Marion v. Wartenberg
Staatssekretärin
Ministerium für Kultus, Jugend und Sport
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BÜNDNIS FÜR LEBENSLANGES LERNEN

4   Bündnis für Lebenslanges Lernen
    Kiriakoula Damoulakis und Dr. Norbert Lurz

    ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG                              eines jeden Einzelnen ist eine wichtige gemeinsame
    Das Bündnis für Lebenslanges Lernen in Baden-           Aufgabe von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
    Württemberg wurde 2010 in seinen Grundzügen             Jede und jeder Einzelne trägt Verantwortung für ihre
    konzipiert, 2011 vom Land und von relevanten Trä-       und seine persönliche und berufliche Weiterbildung
    gern der Weiterbildung geschlossen und schließlich      entsprechend den individuellen Bedürfnissen und
    2012 in einer ersten Vollversammlung konstituiert.      Möglichkeiten.
    Damit wurde nach dem Ende des Weiterbildungs-
    kuratoriums ein lang diskutierter und von verschie-     Lebenslanges Lernen sichert den Fachkräftebedarf
    denster Seite geforderter Wunsch eingelöst, seitens     durch Qualität: Die berufliche Weiterbildung leistet
    des Landes ein Bündnis für Lebenslanges Lernen          einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des künfti-
    mit Vertreterinnen und Vertretern der Weiterbil-        gen Fachkräftebedarfs, indem sie die Qualifikation
    dung in Baden-Württemberg gründen zu wollen. Die        der Beschäftigten dem kommenden Bedarf anpasst.
    Idee basierte auf schon länger vorhandenen Überle-      Sie unterstützt dies mit qualitativ hochwertigen
    gungen diverser Arbeitsebenen in den zuständigen        Weiterbildungsangeboten und auch durch eine ent-
    Landesministerien. Dabei darf nicht vergessen wer-      sprechende Qualifizierung der in der Weiterbildung
    den, dass die Zuständigkeiten für die verschiedenen     tätigen Personen.
    Fachbereiche der Weiterbildung in Baden-Württem-
    berg auf verschiedene Ministerien verteilt sind. Bei-   Lebenslanges Lernen sichert die politische, soziale
    spielsweise ressortiert die allgemeine Weiterbildung    und kulturelle Teilhabe:   Die freiheitlich-demokra-
    im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, die        tische Grundordnung unseres Landes lebt davon,
    berufliche Weiterbildung im Ministerium für Finan-      dass möglichst alle Bürgerinnen und Bürger diese
    zen und Wirtschaft, die wissenschaftliche Weiterbil-    unterstützen und sich aktiv einbringen. Maßnahmen
    dung im Ministerium für Wissenschaft, Forschung         und Zugänge insbesondere der allgemeinen und po-
    und Kunst und die ländliche Erwachsenenbildung          litischen Weiterbildung in den Bereichen Integration
    im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbrau-         und Inklusion helfen dabei, Brücken zu bauen und
    cherschutz. Um die Fort- und Weiterbildung der          Teilhabe möglich zu machen.
    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landes selbst
    zu gewährleisten, war in Karlsruhe bereits die Füh-     Lebenslanges Lernen erfordert eine angemessene,
    rungsakademie des Landes eingerichtet worden.           verlässliche Finanzausstattung: Voraussetzung für
                                                            die Leistungsfähigkeit eines pluralen, bedarfsge-
    In der Bündnisurkunde vom 31. Januar 2011 verstän-      rechten, für alle Bevölkerungsgruppen erschwing-
    digten sich die Bündnispartnerinnen und -partner        lichen und flächendeckenden Bildungsangebots ist
    auf mehrere weitreichende Ziele, um insbesonde-         die Gewährleistung sowie die Fortentwicklung einer
    re das lebenslange Lernen in Baden-Württemberg          verlässlichen und bedarfsgerechten Finanzausstat-
    gemeinsam zu unterstützen und seine Bedeutung           tung. Dies erfordert gemeinsame Anstrengungen der
    nachhaltig in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu     Akteure aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und
    rücken. So wurde im Vereinbarungstext erklärt:          jedes Einzelnen. Die durch Artikel 22 der Landes-
                                                            verfassung garantierte Förderung der Erwachsenen-
    Lernen ist ein Lebensprinzip:Eine stärkere Veran-       bildung durch Land und Kommunen ist hierzu ein
    kerung von Weiterbildung in der Bildungsbiografie       wichtiger Beitrag.
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BÜNDNIS FÜR LEBENSLANGES LERNEN

                                                                                                                    5

Lebenslanges Lernen passt sich verändernden Lern-     Erstmals in Baden-Württemberg haben sich damit
bedürfnissen an:  Lerninhalte und Lernmethoden        Weiterbildungsträger, die untereinander in Konkur-
unterliegen laufenden Veränderungen. Daher wer-       renz stehen, Kommunen und Land, durchaus auch
den unter Ausschöpfung der technischen Möglich-       mit unterschiedlichen Interessen, auf beachtliche
keiten neue Lernformen bedarfsgerecht entwickelt      gemeinsame Ziele verständigt. Die unmittelbar da-
und nutzerfreundlich eingesetzt.                      vor im Dezember 2010 im baden-württembergischen
                                                      Landtag verabschiedeten Empfehlungen der En-
Lebenslanges Lernen erfordert die Vernetzung der      quetekommission „Fit fürs Leben in der Wissens-
Anbieter: Die Bildungsinstitutionen und Bildungs-     gesellschaft – berufliche Schulen, Aus- und Weiter-
zweige tragen durch Netzwerkbildung zur Trans-        bildung“ 1 sahen außerdem vor, dass dieses in der
parenz und zur weiteren Verzahnung der Weiter-        Entstehung begriffene Bündnis mit der Umsetzung
bildungsangebote bei.                                 der Empfehlungen für den Weiterbildungsbereich
                                                      beauftragt wird. Damit war der Arbeitsauftrag de-
Lebenslanges Lernen widmet sich verstärkt bil-        finiert: die Inhalte, die sich das Bündnis selbst ge-
dungsfernen Schichten:   Menschen ohne Schulab-       geben hat, und die konkreten Maßnahmen, die der
schluss, ohne Ausbildung oder ohne Arbeit sowie       Landtag dem Bündnis zur Umsetzung übertragen hat.
Analphabeten und andere bildungsferne Menschen
erhalten im Wege der Erwachsenenbildung durch         BÜNDNISARBEIT BIS HEUTE
gezielte Angebote, Programme und Maßnahmen des        Dem Bündnis für Lebenslanges Lernen gehören
Zweiten Bildungsweges eine zusätzliche Bildungs-      heute mehr als 45 baden-württembergische Dach-
chance.                                               organisationen und Verbände der allgemeinen, be-
                                                      ruflichen und wissenschaftlichen Weiterbildung
Lebenslanges Lernen bedeutet Mitgestalten:       Zu   sowie der beteiligten Ministerien an. Seit 2012 arbei-
wesentlichen Gestaltungselementen des lebenslan-      ten die Bündnispartner in zwei Arbeitsgruppen, der
gen Lernens gehören insbesondere die Transparenz      AG 1 – „Innovative Weiterbildungskonzepte“ und
der Bildungsangebote, die Verbesserung der Durch-     der AG 2 – „Weiterbildungsberatung“, zusammen,
lässigkeit des Bildungssystems und die Überführung    um insbesondere Maßnahmen zur Steigerung der
des Bildungserfolgs in Bildungsnutzen. An der Rea-    Weiterbildungsbeteiligung bildungsbenachteiligter
lisierung dieser Anforderungen tragen die öffent-
liche Hand, Sozialpartner, Bildungsanbieter und Un-
                                                      1 Vgl. Landtag von Baden-Württemberg, 14. Wahlperiode,
ternehmen eine gestaltende Gesamtverantwortung.         Drucksache 14/7400, Bericht und Empfehlungen der
Ehrenamtliches Engagement soll hierbei gestärkt         Enquetekommission „Fit fürs Leben in der Wissensgesell-
                                                        schaft – berufliche Schulen, Aus- und Weiterbildung“,
und unterstützt werden.                                 3.4 „Allgemeine und berufliche Weiterbildung“, S. 231 ff.
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BÜNDNIS FÜR LEBENSLANGES LERNEN

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                                                       AG 1                           FG
                                                       Innovative                     Neue Medien und Mobiles Lernen
                                                       Weiterbildungskonzepte         (Aktiv: Optimierung des Digitalen
                                                                                      Weiterbildungscampus u.v.m.)

                                                       AG 2                           FG
                                                       Weiterbildungsberatung         Landesnetzwerk
                                                                                      Weiterbildungsberatung
                                                                                      (Aufgabe abgeschlossen)

       BÜNDNIS FÜR LEBENSLANGES LERNEN
       Geschäftsstelle / Alle Partnerinnen und Partner

    Bündnisarbeit 2012 – 2013: Baumstruktur mit Arbeits- und Fachgruppen

      AG 1 – Innovative Weiterbildungskonzepte                        AG 2 – Weiterbildungsberatung

      Schwerpunkte:                                                   Schwerpunkte:
         Strategien zur Förderung des lebenslangen                         Modelle zur aufsuchenden Weiterbildungs-
         Lernens                                                           beratung
         Stärkung der Weiterbildungsbeteiligung                            Unterstützung und Weiterentwicklung des
         bildungsferner Erwachsener                                        Landesnetzwerks Weiterbildungsberatung
         Förderung und Weiterentwicklung innovativer                       Sensibilisierung, Beratung und Mentoring im
         Weiterbildungskonzepte                                            Bereich Grundbildung und Alphabetisierung
         Austausch, Vernetzung und Kooperation                             Einbeziehung bundes- und europaweiter
         zwischen der allgemeinen, beruflichen und                         Beratungsnetzwerke sowie Fördermaßnahmen
         wissenschaftlichen Weiterbildung                                  in diesem Bereich
         Unterstützung und Weiterentwicklung des                           Einbeziehung bundes- und europaweiter
         Digitalen Weiterbildungscampus                                    Gemeinschaftsprojekte im Bereich Weiter-
         Gemeinschaftsprojekte und öffentlichkeits-                        bildungsberatung und Qualifizierung
         wirksame Maßnahmen

    Schwerpunkte der Arbeitsgruppen „Innovative Weiterbildungskonzepte“ und „Weiterbildungsberatung“ auf einen Blick

    Gruppen – z. B. durch einen stärkeren Austausch                werden könnten. Ein erstes sichtbares Ergebnis der
    sowie kooperative, flächendeckende Projekte – zu               Fachgruppenarbeit ist die Optimierung und Weiter-
    unterstützen.                                                  entwicklung des Digitalen Weiterbildungscampus,
                                                                   der seit seiner Einrichtung durch das Ministerium für
    Innerhalb der AG 1 – „Innovative Weiterbildungs-               Kultus, Jugend und Sport 2014 von aktuell 62 Or-
    konzepte“ hat sich 2013 die Fachgruppe „Neue                   ganisationen der Weiterbildung als Lerninstrument,
    Medien und Mobiles Lernen“ als Untereinheit he-                virtuelles Klassenzimmer, Austauschplattform und
    rausgebildet. Sie setzt sich vor allem mit der Frage           Online-Beratungschat genutzt wird. 2
    auseinander, wie neue multimediale Instrumente für
    die Weiterbildung und insbesondere für die Ziel-               2 Zur Nutzung und Weiterentwicklung des Digitalen Weiter-
                                                                     bildungscampus siehe Beitrag „Der Digitale Weiter-
    gruppe der Bildungsbenachteiligten besser genutzt                bildungscampus“ in dieser Broschüre.
Weiterbildung Dokumentation des Bündnisses für Lebenslanges Lernen zur Umsetzung der Empfehlungen der Enquetekommission "Fit fürs Leben in der ...
BÜNDNIS FÜR LEBENSLANGES LERNEN

                                                                                                                          7

Rund 400 Gäste aus allen Bereichen der Weiterbildung nahmen am Fachkongress „Bündnis für Lebenslanges Lernen.
Ein Erfolgsmodell in Baden-Württemberg“ am 17. Juli 2014 im Haus der Wirtschaft Baden-Württemberg teil.

                                                             len Arbeitsbeginn der neu eingerichteten Koordinie-
                                                             rungsstelle des Landesnetzwerks am 1. Januar 2015 hat
                                                             die gleichnamige Fachgruppe ihre Aufgabe erfüllt.4

                                                             Die AG 2 – „Weiterbildungsberatung“ befasst sich
                                                             seither mit der weiterführenden Unterstützung von
                                                             Maßnahmen zur aufsuchenden Weiterbildungsbe-
                                                             ratung, mit beratenden Begleitangeboten innerhalb
                                                             der Themenfelder Elternbildung, Grundbildung und
Staatssekretärin Marion v. Wartenberg mit Mitarbeiterinnen   Alphabetisierung sowie mit der bundes- und europa-
und Mitarbeitern aus dem Ministerium für Kultus, Jugend
und Sport Baden-Württemberg                                  weiten Netzwerkpflege in diesem Bereich. Im wei-
                                                             teren Verlauf des Jahres 2015 wird das Bündnis für
Parallel zur AG 1 hatte sich 2013 innerhalb der              Lebenslanges Lernen den Prozess unterstützen, der
AG 2 – „Weiterbildungsberatung“ die Fachgruppe               zur Verabschiedung eines Weiterbildungspaktes füh-
„Landesnetzwerk Weiterbildungsberatung“ heraus-              ren soll. Der Weiterbildungspakt wird ressort- und
gebildet. Diese hat bis Ende 2014, gemäß den Emp-            bereichsübergreifende Ziele der Weiterbildungspoli-
fehlungen der Enquetekommission „Fit fürs Leben              tik des Landes und der Träger für die nächsten fünf
in der Wissensgesellschaft“, 3 eine Gesamtkonzep-            Jahre konkretisieren und das Bündnis mit deren Um-
tion zur Einrichtung eines landesweiten Netzwerks            setzung beauftragen.
Weiterbildungsberatung, unter der Federführung des
Volkshochschulverbands Baden-Württemberg und in              3 Vgl. Landtag von Baden-Württemberg, 14. Wahlperiode,
                                                               Drucksache 14/7400, Bericht und Empfehlungen der
Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg, ent-            Enquetekommission „Fit fürs Leben in der Wissensgesell-
                                                               schaft – berufliche Schulen, Aus- und Weiterbildung“,
wickelt. Mit der Fertigstellung dieser Gesamtkonzep-           3.4.6 „Netzwerk Weiterbildungsberatung in Baden-
                                                               Württemberg“, S. 239–241.
tion, der Unterzeichnung der Gründungsurkunde
durch die Gründungsmitglieder sowie politische wie           4 Weiterführende Informationen zu den Aufgaben des Landes-
                                                               netzwerks Weiterbildungsberatung siehe Beitrag „Das Lan-
ideelle Unterstützer und dem anschließenden offiziel-          desnetzwerk Weiterbildungsberatung“ in dieser Broschüre.
Weiterbildung Dokumentation des Bündnisses für Lebenslanges Lernen zur Umsetzung der Empfehlungen der Enquetekommission "Fit fürs Leben in der ...
DER DIGITALE WEITERBILDUNGSCAMPUS

8   Der Digitale Weiterbildungscampus
    Roland Bauer

    Heute bekam ich die Nachricht, dass mein Kurs            • zu wenig individuelle Rückmeldungen zum Stand
    „Schopenhauers Metaphysik der Geschlechtsliebe“            des Lernens, als dass frühzeitig auf eventuelle
    aufgrund zu geringer Anmeldezahlen ausfallen muss          Versäumnisse reagiert werden könnte, usw.
    – schon wieder! Außerdem sollte ich für meine be-
    rufliche Weiterentwicklung unbedingt einen CAD1-         Diese kleine, keineswegs umfassende Aufzählung
    Kurs absolvieren. Aber wer bietet auf dem Lande          einiger alltäglicher, das Weiterbildungsverhalten
    schon so etwas an? Und abends nach der Arbeit noch       negativ beeinflussender Beispiele zeigt auf, dass die
    zwei Stunden zum nächsten Anbieter zu fahren,            klassische Weiterbildung alleine heutigen Anforde-
    das ist mir dann doch zu beschwerlich. Außerdem          rungen an lebenslanges Lernen nicht mehr gerecht
    habe ich gelesen, dass heute Martin Walser in Mün-       werden kann. Das zukünftige Weiterbildungs-
    chen eine Lesung hält. Zu gerne wäre ich da dabei!       angebot muss sich durch die Umsetzung vielfältiger
    Aber wie komme ich dahin? Und abends ohne Auto           methodisch-didaktischer Ansätze auszeichnen, weit
    komme ich gar nicht mehr zurück …                        über den klassischen Präsenzunterricht hinaus. Diese
                                                             Ansätze haben sich daran zu orientieren, den Unzu-
    WEITERBILDUNG: HINDERNISSE                               länglichkeiten konventionellen Unterrichts zu begeg-
    Mit solchen Gegebenheiten müssen sich viele abfin-       nen und für die Herausforderungen an die heutige
    den, die auf dem Land oder in einer anderen struk-       Weiterbildung Lösungen bereitzustellen.
    turschwachen Gegend leben, kein Auto besitzen
    und somit auf den öffentlichen Personennahverkehr        DIE LÖSUNG:
    (ÖPNV) angewiesen sind oder vielleicht sogar noch        TECHNOLOGIEUNTERSTÜTZUNG
    zusätzlich gesundheitliche Defizite aufweisen, die       Dabei wird schnell offensichtlich, dass Lösungen
    ihre Mobilität einschränken. Das sind nur wenige         nur mithilfe intelligenter Technologien angeboten
    Beispiele für erhebliche Hindernisse, die der Umset-     werden können: Wenn die Menschen nicht (mehr)
    zung des Prinzips „Lebenslanges Lernen“ im Wege          in der Lage sind, selbst zur Bildung zu gehen, muss
    stehen und in der öffentlichen Diskussion oft ausge-     dafür gesorgt werden, dass die Bildungsinhalte zu
    blendet werden. Die vielen anderen problematischen       den Menschen gebracht werden. Das ist in den
    Aspekte der konventionellen Weiterbildung seien          meisten Fällen ohne technologische Unterstützung
    dabei nur noch kurz am Rande erwähnt:                    nicht möglich. Auch die alte politische Forderung
    • wenig flexibel in vielerlei Hinsicht, bei gleichzei-   nach einem flächendeckenden und qualitativ hoch-
       tiger Forderung, dass wir – die Lernenden, die        wertigen Bildungsangebot, bei der es sich ja letztlich
       Erwerbstätigen, die Mitglieder der Gesellschaft –     um eine Aufforderung zur Überwindung strukturel-
       flexibler werden müssen;                              ler Nachteile handelt, kann unter finanziell akzep-
    • ineffektives Lernen auf Vorrat, weil das Gelernte      tablen Gegebenheiten nur angenommen werden,
       in dem Moment, in dem es angewendet werden            wenn intelligente technische Lösungen eine flä-
       soll, nicht mehr präsent ist;                         chendeckende Verteilung von hochwertigen Bil-
    • zu wenig oder zu starr organisierte Betreuung          dungsinhalten ermöglichen. Die Vermittlung immer
       durch die Lehrenden;                                  komplexer werdender Themen lässt immer häufiger
    • zu wenige interaktive Elemente in der Wissensver-      einen fächerübergreifenden Ansatz in der Wissens-
       mittlung, wie selbst manipulierbare Simulationen
       oder vielleicht sogar motivierende Lernspiele;        1 Computer Aided Design, computerunterstütztes Entwerfen.
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DER DIGITALE WEITERBILDUNGSCAMPUS

                                                                                                                      9

Dozent Stephan Langer bei einer virtuellen Weiterbildung am seinem Schreibtisch

vermittlung notwendig werden. Auch hier können                  technischen Möglichkeiten integriert sind, um neue
technisch unterstützte, virtuelle Szenarien hervor-             Weiterbildungskonzeptionen zu realisieren. Die zen-
ragende Dienste leisten und die Weiterbildung kann              trale Aufgabe des Digitalen Weiterbildungscampus
trotzdem bezahlbar bleiben. Die heute zur Ver-                  besteht somit darin, das klassische Repertoire an
fügung stehenden Technologien zur Unterstützung                 Bildungsszenarien durch technisch unterstütze Sze-
des Lernens und des Lehrens können dazu genutzt                 narien zu ergänzen. Die Betonung liegt dabei aus-
werden, die Weiterbildung methodisch-didaktisch                 drücklich auf dem Wort ergänzen: Ergänzen heißt
zu erweitern. Sie können sowohl die persönlichen,               nicht ersetzen.
individuellen Befindlichkeiten als auch die öffent-
lichen strukturellen Probleme überwinden helfen                 HERAUSFORDERUNGEN AN EINE
und dazu beitragen, das Weiterbildungsgeschehen                 MODERNE WEITERBILDUNG
insgesamt vielfältiger und interessanter und dadurch            Wie gehen die Betreiber des Campus an die Ergän-
effizienter, attraktiver und motivierender zu gestal-           zung des klassischen Weiterbildungskanons heran?
ten.                                                            Zunächst wurden die Herausforderungen an eine
                                                                moderne Weiterbildung systematisch herausgearbei-
Um die Vorteile technisch unterstützter Lehr- und               tet und analysiert. Eine kurze, stichwortartige Zu-
Lernszenarien allen, insbesondere Weiterbildungs-               sammenfassung der Analyse zeigt, ohne Anspruch
trägern als den Produzenten des Produkts Bildung,               auf Vollständigkeit, folgende Punkte auf:
zugänglich zu machen, wurde der Digitale Wei-                   1.	 Individualisierung von Bildungsprozessen:
terbildungscampus als zentrale technische Infra-                    Inhalte sollen gezielt auf die Bedarfe, die
struktur des Landes eingerichtet. Damit steht eine                  Anforderungen und die individuellen Lern-
Infrastruktur zur Verfügung, in die weitgehend alle                 bedingungen der Lernenden angepasst sein.
Weiterbildung Dokumentation des Bündnisses für Lebenslanges Lernen zur Umsetzung der Empfehlungen der Enquetekommission "Fit fürs Leben in der ...
DER DIGITALE WEITERBILDUNGSCAMPUS

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          Screenshot_Vitero: Bild
       eines virtuellen Konferenz-
      raums (mit anonymisierten
                      Teilnehmern)

     2.	 Arbeitsplatzorientierte Weiterbildung: Weiter-            gezielte, auf die Defizite reagierende Zuweisung
         bildungen in Präsenz haben viele positive                 von Lerninhalten wird möglich.
         Wirkungen wie Belohnungseffekte, Stärkung            10.	 Bildung von homogeneren Gruppen in Prä-
         des sozialen Miteinanders und auch durchaus               senzphasen durch vorbereitende Lernmodule:
         motivierende Erholungseffekte. Aber sie sind oft          Dadurch werden Präsenzphasen effektiver. Der
         teuer und ineffektiv, da sie nicht gewährleisten          Präsenzunterricht kann sich auf Inhalte be-
         können, dass Inhalte dann zur Verfügung stehen,           schränken und auf Methoden konzentrieren, in
         wenn sie benötigt werden: bei der konkreten               denen dessen Vorzüge und Potenziale besonders
         Problemlösung, direkt am Arbeitsplatz, zum                stark zur Geltung gebracht werden können.
         Zeitpunkt, an dem das Problem auftaucht.             11.	 Aktualität: Die Aktualisierung schnelllebiger In-
     3.	 Hohe Komplexität: Viele Problemstellungen                 halte, zum Beispiel in der EDV, wird erleichtert.
         und Fragen haben heute eine Komplexität              12.	Angebote zu Nischenthemen: Diese können
         erreicht, die Interdisziplinarität und fächerüber-        nun trotz eines real kleinen Marktes, also einer
         greifende Antworten erfordern.                            für ein Präsenzangebot zu geringen Nachfrage,
     4.	 Flexibilität: flexible Gestaltung der Lernorte und        betriebswirtschaftlich umgesetzt werden.
         Lernzeiten.                                          13.	Flächendeckendes Angebot: Auch qualitativ
     5.	 Intensivere Betreuung der Kunden bzw. Ler-                hochwertige Weiterbildung muss flächende-
         nenden: wird ermöglicht durch neue Konzepte.              ckend zur Verfügung stehen.
     6.	 Mediale Aufbereitung von Inhalten: Verbesse-         14.	 Digitale Spaltung der Bevölkerung: Diese Spal-
         rung der Weiterbildung insbesondere durch Si-             tung setzt sich in einer digitalen Spaltung der
         mulationen, Animationen, interaktive Elemente.            Bildungslandschaft fort, da viele Einrichtungen
     7.	 Motivation: Verbesserung der Motivation durch             die Herausforderungen schon alleine wegen
         ständige Feedbackmöglichkeiten.                           ihrer Größe nicht bewältigen können.
     8.	 Persönliche Kompetenzen: Führung eines per-          15.	 Geänderte Kommunikation: Kommunikations-
         sönlichen Kompetenzportfolios wird erleichtert.           wege ändern sich ebenso wie das Kommunika-
     9.	 Verbesserung der Diagnosemöglichkeiten: Aus-              tionsverhalten der Menschen, das sollte sich in
         zugleichende Defizite werden eher erkannt, eine           der Weiterbildung widerspiegeln.
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16.	 Teilhabe: Erhöhung der Partizipation am gesell-   nach den Technologien, den Applikationen gestellt;
     schaftlichen und kulturellen Leben auch bei       speziell bezogen auf den Digitalen Weiterbildungs-
     körperlichen Gebrechen.                           campus: Was kann dieser der Einrichtung und sei-
17.	 Verbesserung von Eingliederungsmaßnahmen:         nem Personal an technischen Möglichkeiten zur
     Erwerbstätige nach beruflichen Auszeiten haben    Verfügung stellen? Darauf folgen die Frage nach der
     bessere Möglichkeiten, wieder ins Erwerbsleben    Handhabung der Software, die Beschreibung eines
     zurückzukehren.                                   möglichen Anwendungsszenarios und zuletzt die
18.	Unterstützung des Bologna-Prozesses: Dem           – wesentlichste und vollkommen von der Technik
     Bachelor-Abschluss, dem häufig ein Arbeitsver-    losgelöste – Frage nach den Herausforderungen, die
     hältnis folgt, kann der Master berufsbegleitend   für die Einrichtung und ihr Klientel spezifisch sind.
     leichter nachgeschoben werden.                    Konkret: Wie soll und kann das Angebot meiner Ein-
                                                       richtung für (neue) Kunden aussehen, welche Mehr-
                                                       werte, die nur durch den Einsatz von Technik mög-
                                                       lich sind, möchte ich als Weiterbildungseinrichtung
                                                       ganz gezielt meinen Kunden bieten, welche neuen
                                                       Szenarien sollen für welche Zielgruppen gerade in
                                                       dieser Bildungseinrichtung das Portfolio erweitern?
                                                       Oder kurz die zentrale Frage: Weshalb soll das an-
                                                       gebotene Produkt Bildung weiterentwickelt werden
                                                       – von einem Standardprodukt zu einem variablen,
                                                       an die Kundenwünsche angepassten Einzelprodukt?
                                                       Diese Abfolge in der Fragestellung führt häufig dazu,
DAS VORGEHEN: THEORIE UND PRAXIS                       dass der bereits bei der Klärung der ersten Frage als
Die Herausforderungen sind benannt. Nun stellen        abschreckend empfundene technische Überbau die
sich die Fragen nach den methodischen Szenarien,       Veränderungsbereitschaft minimiert und die weitere
die gezielt auf diese Herausforderungen reagieren      Diskussion bis zur entscheidenden Frage nach dem
und diese annehmen können, und zu guter Letzt          spezifischen Nutzen verhindert.
nach den Technologien, die zur Umsetzung dieser
Szenarien in realen Lehr- und Lernumgebungen zum       DER DIGITALE WEITERBILDUNGSCAMPUS
Einsatz kommen müssen. Diese Reihenfolge – also:       ALS BERATUNGSINSTRUMENT
1. Beschreibung der Herausforderungen, 2. Ent-         Dieser Situation haben sich die Betreiber des Digi-
wicklung methodischer Kreativität und 3. Angebot       talen Weiterbildungscampus zu stellen und sie haben
technischer Lösungen zur Umsetzung der kreativen       darauf adäquat zu reagieren. So handelt es sich beim
Lösungen – ist, obwohl eigentlich eine Selbstver-      Campus zwar eigentlich um eine technische Infra-
ständlichkeit, auch heute noch bei der Einführung      struktur, er wird zurzeit aber vor allem als ein Be-
technisch unterstützter Lehr- und Lernszenarien in     ratungsinstrument und Schaufenster genutzt. Dabei
Bildungseinrichtungen keineswegs üblich.               geht es nicht darum, die technische Infrastruktur zu
                                                       erklären oder technische Tools bedienen zu können.
Die Vorgehensweise ist dort meist umgekehrt: Zu-       Der Fokus liegt – noch – eindeutig auf methodisch-
erst wird ganz allgemein die Frage nach der Technik,   didaktischen Fragestellungen, die mit fertigen, selbst
DER DIGITALE WEITERBILDUNGSCAMPUS

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     erlebbaren Szenarien beantwortet werden. Dafür          Mit dem momentanen Status quo des Systems wird
     werden ausgewählte, intelligente Szenarien für ganz     den Weiterbildungsträgern die Möglichkeit geboten,
     bestimmte Zielgruppen, Herausforderungen oder In-       sich auf ihr Kerngeschäft, die Bildung, zu konzentrie-
     halte vornehmlich in Projekten exemplarisch umge-       ren. Der Campus befreit sie von zwar wichtigen, aber
     setzt, um modellhaft methodische (und nicht tech-       als Ballast empfundenen Aufgaben: Die technische
     nische) Lösungen zu zeigen, zu demonstrieren und        Administration ist gewährleistet, ein integriertes
     um die Beratung mit Beispielen zu konkretisieren.       Ticketsystem bietet den Trägern der Weiterbildung
                                                             zeitnahe technische Unterstützung, entsprechende
     Erst durch die Demonstration fertiger Lehr- und Lern-   Hard- und Softwarelösungen garantieren die Erfül-
     umgebungen wird die Notwendigkeit der dahinter          lung der Anforderungen an den Datenschutz ebenso
     stehenden Technik erkannt und akzeptiert, wird die      wie die Umsetzung der BSI-Richtlinien2 ; juristisch
     Kreativität, eigene Szenarien zu entwickeln, geför-     überprüfte Nutzervereinbarungen, SaaS 3- und Auf-
     dert und die Motivation zur Veränderung gestärkt.       tragsdatenverarbeitungsverträge sichern den eigenen
     Am Ende eines solchen mit Modellbeispielen angerei-     Betrieb rechtlich weitgehend ab.
     cherten Beratungsprozesses wird das zur Umsetzung
     individueller, selbst entwickelter Weiterbildungs-      Diese zentral administrierte, einheitliche Technik
     konzeptionen zugehörige Technikpaket geschnürt.         bedeutet aber nicht Gleichheit, sondern Vielfalt der
     In diesem Sinne ist auch die Arbeit der Fachgruppe      Erscheinungsbilder: Eine Vielfalt, die die Vielfalt der
     „Neue Medien und mobiles Lernen“ zu sehen. Die          Trägerlandschaft auf dem Campus widerspiegelt. Für
     Mitglieder der Fachgruppe, die Verantwortlichen der     die Akzeptanz einer zentralen Struktur ist dies für
     Modell- und Referenzprojekte, sollen als Multiplika-    viele auch miteinander konkurrierenden Einrich-
     toren in die Weiterbildungsszene hinein wirken.         tungen ganz wesentlich. Als Instrument der Eigen-
                                                             ständigkeit kann ein individueller „Skin“, ein indivi-
     DER DIGITALE WEITERBILDUNGSCAMPUS                       duelles Erscheinungsbild bei den Kunden, über den
     – EIN UMFASSENDES ANGEBOT                               selbst verwalteten Bereich innerhalb des Campus
     Ein technisch unterstütztes Weiterbildungsszenario      gelegt werden.
     zu entwickeln und aufzusetzen, ist das Eine. Damit
     verbunden sind aber weitere, weit über die reine        SYNERGIEN: WIRTSCHAFTLICHKEIT UND
     Weiterbildung hinaus gehende Aspekte zu beachten.       KOOPERATION
     Dazu gehören insbesondere die Administration von        Nicht nur das individuelle Erscheinungsbild, sondern
     Servern und die Verwaltung von Lizenzen, aber es        gerade die Generierung von Synergieeffekten ist ein
     gilt auch juristische, sicherheitstechnische und da-    großer Vorteil des Campus. Eine zentrale Struktur
     tenschutzrechtliche Anforderungen sowohl auf der        minimiert die Kosten durch eine verbesserte Ausnut-
     Software- als auch der Hardwareseite zu erfüllen.       zung der technischen und menschlichen Ressourcen
     Dieser Bereich überfordert viele Weiterbildungsein-     und fasst Aufgaben zusammen, die von den meisten
     richtungen noch eher als die technische Umsetzung       Bildungseinrichtungen nicht erfüllt werden können.
     von Weiterbildung. Und so wird spätestens bei die-
     sen Problemstellungen die Notwendigkeit und damit       2 Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik,
     die Sinnhaftigkeit einer zentralen technischen Infra-     siehe: www.bsi.bund.de.

     struktur offensichtlich.                                3 SaaS: Software as a Service.
DER DIGITALE WEITERBILDUNGSCAMPUS

                                                                                                                      13

Preisverleihung des eLearning AWARDs auf der Didacta 2015. Von links: Uwe Kohnle (Internetlehrer GmbH), Eva Peters
(Bundesagentur für Arbeit), Frank Siepmann (Herausgeber und Chefredakteur des eLearning Journals), Dr. Fabian Kempf
(Vitero GmbH) und Roland Bauer (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg).

Dazu gehören aufwendige Back-up-Möglichkeiten,                 DER DIGITALE CAMPUS: DAS
Sicherungssysteme, die eine hohe Zuverlässigkeit               „INSTRUMENT“, NICHT DIE „MUSIK“
des Systems garantieren, individuell angepasste Pro-           Dabei stellt der Digitale Weiterbildungscampus
grammierungen, die von mehreren Einrichtungen                  – und das sei hier besonders herausgestellt – aus-
beispielsweise als Plug-in benutzt werden können,              schließlich ein Angebot dar. Ein Angebot zur Um-
oder die Bereitstellung von Schnittstellen zu Verwal-          setzung methodischer Vielfalt, zur Bereitstellung
tungstools in den Einrichtungen.                               und Verteilung von Inhalten, zur Beantwortung
                                                               technischer Fragen usw. Er steht zur Nutzung zur
Eine gemeinsame Infrastruktur erleichtert auch die             Verfügung: Wie und in welcher Weise eine Bildungs-
Kooperationen der Einrichtungen untereinander.                 einrichtung die angebotenen technischen Möglich-
Insbesondere kann das Teilen von digitalen Inhal-              keiten einsetzt, um maximalen Nutzen für sich und
ten, das Content Sharing, bis hin zu einer großen              ihre Kunden zu generieren, darüber entscheidet sie
Marktplatzlösung weiterentwickelt werden. Damit                selbst. Sie entscheidet, welche Angebote des Campus
ließen sich die Zugriffszahlen auf Lernmodule erhö-            sie annimmt, welches Szenario umgesetzt wird, wel-
hen, um so eine „kritische Größe“ – also Anzahl – zu           che technischen Lösungen benötigt werden, welche
erreichen, mit der das System auch für professionelle          Inhalte über das System verteilt werden.
Inhaltsanbieter (Content-Provider) interessant wird.
Auf diese Weise eröffnen sich neue Verhandlungs-               Der Digitale Weiterbildungscampus entlässt keine
spielräume mit den Anbietern in Bezug auf den                  Einrichtung aus ihrer Verantwortung für die Bildung.
Preis, die Lizenzierung von Inhalten und das Recht             Im Gegenteil: Die Verantwortung wird gestärkt, da
zur Modularisierung dieser. Auch die gemeinsame                er Rahmenbedingungen schafft, gerade dieser Bil-
Durchführung von Veranstaltungen oder der Auf-                 dungsverantwortung intensiver, ohne ressourcen-
bau von Supportstrukturen wird finanziell möglich.             verbrauchenden technischen Ballast mitschleifen zu
Ebenso kann die Schulung des Personals effektiver              müssen, gerecht werden zu können.
organisiert und durchgeführt werden.
DER DIGITALE WEITERBILDUNGSCAMPUS

14

     RAHMENBEDINGUNGEN UND                                   und gleichzeitig die Verantwortung für die Weiter-
     FINANZIERUNG                                            entwicklung des Produkts Bildung, speziell in der
     Diese erweiterten Rahmenbedingungen für die Wei-        Erwachsenenweiterbildung, in hohem Maße in der
     terbildung sind sowohl technischer als auch finan-      Verantwortlichkeit der vielfältigen, selbstständigen
     zieller Natur. Technisch definieren sie sich weitest-   Bildungseinrichtungen liegt, werden nach einem
     gehend aus internetbasierenden Applikationen zur        konkreten Zeitplan die Erstattungsbeträge des Lan-
     Herstellung von digitalen Lerninhalten, deren Ver-      des an die Einrichtungen langsam abgeschmolzen.
     teilung über das Netz, zur Interaktion und zur Pflege   Das System sollte sich auf lange Sicht – so das Ziel
     sozialer Kontakte durch asynchrone Kommunika-           – finanziell selbst tragen und von den Trägern auto-
     tionsmittel wie ein Forum oder synchrone wie z. B.      nom betrieben werden.
     die beiden integrierten virtuellen Konferenzräume
     „Vitero“ und „Openmeetings“.                            FAZIT
                                                             Sowohl der innovative Ansatz, eine zentrale tech-
     Die finanziellen Rahmenbedingungen ergeben sich         nische Infrastruktur für die Weiterbildung aufzu-
     aus einer vorläufigen Kostenübernahme der tech-         bauen, als auch die Innovationen, die in den Modell-
     nischen Struktur durch das Land Baden-Württem-          projekten auf dem Campus umgesetzt werden, wur-
     berg. Diese scheint gerechtfertigt, da die Lösung der   den bereits mehrfach prämiert und ausgezeichnet:
     aufgeführten Herausforderungen an die Weiterbil-        Finalist beim European eLearning AWARD 2009,
     dung – und darüber besteht wohl allgemein Konsens       eLearning AWARD-Preisträger 2013 in der Katego-
     – eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellt. Zur   rie „Social Media“ und 2015 in der Kategorie „Virtual
     Organisation der Kostenübernahme wurden vier            Classroom“, 2015 Nominierung für den deutschen
     Leistungsmodelle entwickelt, die an die verschie-       E-Learning Innovations- und Nachwuchs-Award
     denen Bedarfe unterschiedlicher Träger angepasst        (d-elina) in der Kategorie „School“.
     sind. Einrichtungen können ein Modell buchen; die
     Leistungen werden dann über einen SaaS-Vertrag          Die Beachtung, die der Campus in der Öffentlich-
     jedem Träger zugesichert. Da viele Bildungseinrich-     keit findet und die sich in den diversen Preisen und
     tungen mit der Konzeption und der Durchführung          Anfragen widerspiegelt, zeigt, dass das Land Baden-
     technisch unterstützter Weiterbildungsangebote          Württemberg mit dieser Einrichtung einen richtigen
     Neuland betreten, stellt die Refinanzierung der im      und innovativen Weg eingeschlagen hat. Diese Auf-
     Vorfeld zu leistenden enormen Investitionskosten für    merksamkeit ist für uns Ansporn und Motivation,
     die notwendige Technik ein hohes finanzielles Risi-     den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und das
     ko dar. Diese Hürde darf aber nicht dazu führen, dass   Projekt fortzuentwickeln.
     die Weiterbildung in Baden-Württemberg stagniert
     und sich in einem hoch innovativen Bildungsbereich
     nicht fortentwickeln kann. Die Kostenübernahme
     durch das Land stellt damit eine bildungspolitisch
     wichtige Zukunftsinvestition dar.

     Da aber eine Dauerförderung des Digitalen Wei-
     terbildungscampus zurzeit (noch) nicht in Sicht ist,
DER DIGITALE WEITERBILDUNGSCAMPUS

                                                                                                                                                                                                                                           15

                                  INTERNET

                                             Digitaler Weiterbildungscampus                                                                                                                                     Backupsystem
                                                                 lifetime-learning.de                                                                                                                             MANAGEMENT NETZ
                                                                              vimotion GmbH Friedhofstrasse 26 71566 Althütte                                                                                     vimotion GmbH
                                              REVERSE PROXY
                                                                                                                                                                                                                  Friedhofstrasse
                                                                                                                                                                                                                         Logs     26abt

                                                                                                                                                                                                                  71566 Althütte
                                                                                                                                                                                                                      DB Server  DB Server
                                                                                                                                                                                                                  Germany
                                                                                                                                                                                                                       Template   Config

                                                                                                                                                                                                                                                         Management-System/Backoffice
                                                                                Anwendungen und Dienste

                                             WEBSERVER NETZ
                                                                                                                                                                                                      Backup      Postfach
                                                                                                                                                                                                                       Round11 10   Trac
                                                                                                                                                                                                      Targert           Cube
                                                                                                                                                                                                      Server      71564 Althütte
                                    Web V-Server        Web V-Server n-te
                                                                                                                                                                                                                  Germany
                                                                                                                                                                                                                        Test      Webserver
                                                                                                                                                                                                                         Systeme          Config
                                  DNS1        ILIAS    Ether-      Open-                                       AUTH. NETY
                                  DNS2                 pad         fire
                                                                                                                                                                    VPN           vimotion                        T   +49   (0) 7183Reverse
                                                                                                                                                                                                                        Webserver     42898-0
                                                                                                                                                                                                                                            Proxy
                                                                                                              Authentifizierungs
                                                                                                                   -Dienst                                                                                        F   +49Template      Config
                                                                                                                                                                                                                            (0) 7183 42898-44
                                  Open        Selenium Mail        vimotion
                                                                                                                                                                                  Admin VLAN
                                  Meetings
                                                                                                                                                                                 Developer VLAN                   M   info@vi-motion.de
                                                                                                                                                                                                                       Reverse Proxy
                                                                                                                  Server VM                                                                                                          Monitoring
                                                                                                                                                                                                                  W      Template
                                                                                                                                                                                                                      www.vimotion.de

                                                                                                                                                                                                                         DB-Logs        Webserver
                                                                                                                                                                                                      Syslog/                             Logs
                                                                                                                                                                                                      Server
                                                 DB NETZ                                                                                                                                              Reporting        Reverse Proxy     Backup
                                         DB VM                DB2 VM                                                                                                                                                       Logs           Logs

                                              DB 1

                                                                DIENST(E)                                                                                   DIENST(E)                                                 DIENST(E)
                                                                 V-Server                                                                                    V-Server                                                  V-Server
Hardware/Betriebssoftware

                            Dateisystem verschlüsselt                                                                                                                     Dateisystem verschlüsselt         Dateisystem verschlüsselt

                                  Buffer Cache                                                                                                                                   Buffer Cache                       Festplatten-Treiber

                                      DRBD                             TCP/IP                                                                            TCP/IP                     DRBD                               RAID
                                                                                                                                                                                                                -Festplatten
                               Festplatten-Treiber                  NIC Treiber                                                                       NIC Treiber            Festplatten-Treiber

                                   RAID                                                                                                                                                RAID
                                   -Festplatten                                                                                                                                 -Festplatten
                                                                                                                                            HARDWARE                                                                                   HARDWARE
                                                                                                                                            128 Kerne                                                                                  16 Kerne
                                                                                                                                            1 TB Arbeitsspeicher                                                                       64 GB Arbeitsspeicher
                                                                                                                                            Betriebssystem Debian                                                                      Betriebssystem Debian
                                                                                                                                            SELinux                                                                                    SELinux

                                                                                                          vimhost01a           vimhost01b                                                                             vimhost01c

     Der Digitale Weiterbildungscampus: Steckbrief mit technischen Fakten
                                                                                                                                                                                                                  Gf: Harald Grübele
                                                                                                                                                                                                                  Marken Nr.: 30 2010 026 719
                                                                                                                                                                                                                  USt-IdNr.: DE298925586
                                                                                                                                                                                                                  HRB 751731

                                                                                                                                                                                                                  Bankverbindung
                                                                                                                                                                                                                  Commerzbank Backnang
                                                                                                                                                                                                                  IBAN: DE65 6024 1074 0793 6560 00
                                                                                                                                                                                                                  BIC: COBADEFFXXX
DAS LANDESNETZWERK WEITERBILDUNGSBERATUNG

16   Das Landesnetzwerk
     Weiterbildungsberatung
     Mareike Bahn, Prof. Dr. Christiane Schiersmann, Melanie Skiba, Silke Taubert-Vikuk und Willi Zierer

     „Wir wollen mit dem Landesnetzwerk Weiterbil-                     wurde im Rahmen des Bündnisses für Lebenslanges
     dungsberatung den Bildungsmarkt transparent ma-                   Lernen an der Umsetzung dieser Empfehlung gear-
     chen. Damit unterstützen wir junge Menschen und                   beitet. Dazu wurde im Zeitraum Dezember 2012 bis
     Erwachsene bei ihrer Entscheidung für ein Weiter-                 November 2014 das Landesnetzwerk mit Fördermit-
     bildungsangebot“, so betonte Staatssekretärin Marion              teln des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport
     v. Wartenberg die Bedeutung des Landesnetzwerks                   aufgebaut. Federführend war hierbei der Volkshoch-
     Weiterbildungsberatung am 17. Oktober 2014, als                   schulverband Baden-Württemberg e. V. in Koopera-
     dieses im Rahmen einer Auftaktveranstaltung im                    tion mit dem Institut für Bildungswissenschaft der
     Neuen Schloss in Stuttgart offiziell gegründet wurde.             Universität Heidelberg.
     Bei dem Festakt waren 55 Einrichtungen dem Netz-
     werk als Gründungsmitglieder offiziell beigetreten.               Die übergeordnete Zielsetzung des Projekts ist es, ein
                                                                       flächendeckendes Netzwerk aus Trägern zu schaffen,
     Den entscheidenden Impuls zum Aufbau des Lan-                     das leicht zugängliche Weiterbildungsberatung für
     desnetzwerks Weiterbildungsberatung setzte eine                   alle Bürger und Bürgerinnen Baden-Württembergs
     Empfehlung der Enquetekommission des Landtags                     ermöglicht. Dadurch können Ratsuchende zukünf-
     „Fit fürs Leben in der Wissensgesellschaft – be-                  tig wohnortnahe, kostenfreie und qualitätsgesicherte
     rufliche Schulen, Aus- und Weiterbildung“, deren                  Weiterbildungsberatung in Anspruch nehmen, um
     Bericht am 15. Dezember 2010 im Landtag verab-                    die für sie geeignete Weiterbildungsmöglichkeit zu
     schiedet wurde. In den vergangenen zwei Jahren                    finden.

     Gruppenbild vor dem Neuen Schloss in Stuttgart: Gründungsmitglieder und ideelle Unterstützer des Landesnetzwerks
     Weiterbildungsberatung nach Unterzeichnung der Gründungsurkunde am 17. Oktober 2014
DAS LANDESNETZWERK WEITERBILDUNGSBERATUNG

                                                                                                                       17

Mit der Zielsetzung waren folgende Aufgaben ver-              Die Bestandsaufnahme erfolgte durch eine Online-
bunden:                                                       Befragung der Leitungen von Einrichtungen, die
• Durchführung einer wissenschaftlichen Bestands-             Weiterbildungsberatung anbieten, sowie deren Be-
  aufnahme von Einrichtungen der Weiterbildungs-              ratenden. Für eine bessere Interpretation der Ergeb-
  beratung in Baden-Württemberg;                              nisse wurden zusätzlich Experteninterviews zu eini-
• Etablierung eines Qualitätsmodells für Einrich-             gen Frageblöcken durchgeführt.
  tungen der Weiterbildungsberatung (gemeinsame
  Qualitätsmerkmale sowie Kompetenzprofil für                 Die Einrichtungen, die Weiterbildungsberatung an-
  Beratende);                                                 bieten, wurden im Hinblick auf ihre institutionelle
• Erweiterung der Kompetenzen der Beratenden                  Zuordnung in drei Gruppen in Anlehnung an das
  durch ein Weiterbildungsangebot;                            Adult Education Survey (AES), an Gnahs (2010) so-
• Entwicklung eines Finanzierungsmodells zur För-             wie an Zeuner und Faulstich (2009) eingeteilt in
  derung der trägerneutralen Beratungsleistungen;             • private Träger,
• Verbesserung der Informationsmöglichkeiten für              • gesellschaftliche Großgruppen und
  Beratende und Ratsuchende über die Datenbank                • öffentliche Träger.
  auf www.fortbildung-bw.de.
                                                              Tabelle 1 zeigt die Einteilung des Rücklaufs der
WISSENSCHAFTLICHE                                             Bestandsaufnahme nach Anbietern zu den drei ver-
BESTANDSAUFNAHME                                              schiedenen Trägergruppen. Abbildung 1 zeigt die
Um einen Überblick über die bestehenden Möglich-              Verteilung der 136 antwortenden Einrichtungslei-
keiten der Weiterbildungsberatung zu bekommen,                tungen auf die Träger.
führte das Institut für Bildungswissenschaft der Uni-
versität Heidelberg im Herbst 2013 eine Bestandsauf-          Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die
nahme von Weiterbildungsberatungseinrichtungen                antwortenden Einrichtungen unterschiedliche Be-
in Baden-Württemberg durch. Die Ergebnisse der                ratungsschwerpunkte anbieten. Obwohl gezielt
Bestandsaufnahme werden nachfolgend stark zusam-              Weiterbildungsberatungseinrichtungen in der Befra-
mengefasst dargestellt.                                       gung angesprochen wurden, zeigt die Rückmeldung

 TRÄGER                        ANBIETER
 Öffentliche Träger            Arbeitsagenturen, Hochschulen, Landkreis, Kommune/Stadt, Kontaktstelle Frau und
                               Beruf, Regionalbüros/Netzwerk für berufliche Fortbildung, Volkshochschulen,
                               Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, öffentliche Schulen,
                               ESF geförderte Träger
 Gesellschaftliche             Arbeitgeberverbände, Arbeitsgemeinschaft ländlicher Erwachsenenbildung,
 Großgruppen                   Beratungsstellen für Menschen mit besonderem Beratungsbedarf, Diakonie, Kirchen,
                               Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, gemeinnützige Vereine,
                               Fördervereine, Familienbildungsstätten, Akademie e. V.
 Private Träger                gewerbliche und private (Weiter-) Bildungsträger, Steinbeis, freiberufliche/selbst-
                               ständige Beratende, eigenes Institut, Versicherungen/Konzerne/Arbeitgeber, Stiftungen

Tabelle 1: Einteilung in Trägergruppen
DAS LANDESNETZWERK WEITERBILDUNGSBERATUNG

           40                 37

                     40
                     53                  37
18

     Anzahl der Antwortenden

         37 private Träger     53
         53 öffentliche / staatliche Träger

             Anzahl der Antwortenden
         40 gesellschaftliche Großgruppen
                                                                                      persönliche Beratung innerhalb von Sprechzeiten
                  37 private Träger                                                                                                         84%
                  53 öffentliche / staatliche Träger                                                                               70%
                                                                                                                                  65%
                  40 gesellschaftliche Großgruppen
                                                                                               persönliche Beratung innerhalb von Sprechzeiten
                                                                                      Telefonberatung
        Beratung zur Frage
           derAbbildung
               beruflichen                         77%                                                                49%                            84%
                         1: Träger der Einrichtungen
            Weiterbildung
                                                                                                                            57%             70%
           Qualifizierungs-                                                                                        43%                   65 %
                  beratung                       58%
                                                                                              Telefonberatung
                                                                                      Online-Beratung (z.B. Mail, Chat, Video-Chat)
                  Beratung zur Frage
                     der beruflichen                          77%                               16 %                            49%
        Beratung zu Fragen
                      Weiterbildung
           der allgemeinen                     52%                                                  23%                            57%
             Weiterbildung
                     Qualifizierungs-                                                      10%                              43%
                           beratung                        58%
               Kompetenz-                                                             Gruppenberatung
                                                                                             Online-Beratung (z.B. Mail, Chat, Video-Chat)
             entwicklungs-                    51%
                 beratungzu Fragen                                                                       16 %         49%
                Beratung
                     der allgemeinen                    52%                                                    2343%
                                                                                                                 %
                  Beratung
                       Weiterbildung
                 für Frauen                   48%                                                   10 30%
                                                                                                       %
                        Kompetenz-                                                              Gruppenberatung
                      entwicklungs-                    51%                       0%     10%   20%      30%   40%   50%    60%   70%   80%   90 %   100%
              Beratung für beratung                                                                                             49%
             Menschen mit                  41%                                          private Träger
     Migrationshintergrund Beratung                                                                                         43%
                          für Frauen                   48%                              öffentliche / staatliche Träger
                                                                                                                   30%
     berufliche Reflexionen
          (Supervision und           37%                                                gesellschaftliche Großgruppen
                                                                                           0%     10%    20%    30%   40%    50%   60%   70%   80%   90 %   100%
                 Coaching)
                        Beratung für
                       Menschen mit                  41%                                       private Träger
                                                                                 Abbildung 3: Beratungsformen     nach Trägern mit Termin
              Beratung für
              Migrationshintergrund
                      sozial       30%                                           (Mehrfachnennungen möglich)
                                                                                               öffentliche / staatliche Träger
             Benachteiligte
              berufliche Reflexionen
                  (Supervision und               37%                                              gesellschaftliche Großgruppen
              Beratung fürCoaching)
                Menschen       24%                                                (siehe Abb. 2), dass diese häufig ein darüber hinaus-
          mit Behinderung
                      Beratung für
         Bildungsprämien-
                            sozial            30%                                 gehendes Beratungsangebot haben. Die wichtigste
                     Benachteiligte
                 beratung    22%                                                  Beratungsform über alle Beratungsanbieter hinweg
                        Beratung für
                          Menschen     24%                                        ist die persönliche (face-to-face) Beratung. Daneben
     Beratung zu Fragen der
                    mit Behinderung
         wissenschaftlichen         16%                                           hat die Telefonberatung bei allen befragten Einrich-
             Weiterbildung
                   Bildungsprämien-
                            beratung  22%
                                                                                  tungen ebenfalls eine große Bedeutung. Ratsuchen-
         Arbeitsvermitllung
        für Arbeitsuchende         14%                                            de in Baden-Württemberg müssen in der Regel bis
            und Arbeitslose
             Beratung  zu Fragen der                                              maximal zwei Wochen auf einen Beratungstermin
                 wissenschaftlichen            16%
                 Existenz-
                     Weiterbildung
               gründungs-         14%
                                                                                  warten. Ein Beratungsgespräch dauert in den meis-
                 beratung
                 Arbeitsvermitllung                                               ten Fällen bis zu 60 Minuten. Weiterhin konnte fest-
                 für Arbeitsuchende            14%
              Beratung
                     undim
                         Arbeitslose                                              gestellt werden, dass Beratung in unterschiedlichen
               Kontext von        10 %
          Fallmanagement Existenz-                                                Sprachen (z. B. Englisch, Französisch, Spanisch,
                         gründungs-        14%
                            0% 10% 20% 30% 40%
                           beratung
                                               50% 60% 70% 80% 90%                Italienisch, Türkisch, Russisch, Polnisch, Litauisch,
                        Beratung im
                                                                                  Peruanisch, Rumänisch, Serbokroatisch, Ungarisch)
                         Kontext von          10 %                                angeboten wird.
                    Fallmanagement

                                        0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90%

              Abbildung 2: Beratungsschwerpunkte in den Einrichtungen
                                                                                  In Bezug auf die Qualifikationen des Beratungs-
              (Mehrfachnennungen möglich)                                         personals hat die Befragung ergeben, dass 56 % der
DAS LANDESNETZWERK WEITERBILDUNGSBERATUNG

                                                                                                                       19

Leitungen und 68 % der Beratenden bereits über be-          ETABLIERUNG EINES QUALITÄTS-
ratungsspezifische Zusatzqualifikationen und Zertifi-       MODELLS FÜR EINRICHTUNGEN DER
kate verfügen. Dennoch gaben die Befragten an, in           WEITERBILDUNGSBERATUNG

verschiedenen Bereichen Bedarf an Weiterbildungen           Zur Erreichung der genannten Ziele und zur inhalt-
zu haben, so beispielsweise im Bereich der Kompe-           lichen Ausgestaltung des Landesnetzwerks hat der
tenzerfassung, -bewertung und -bilanzierung oder            Volkshochschulverband Baden-Württemberg in Ab-
zum Thema Rahmenbedingungen professioneller                 stimmung mit der AG 2 – „Weiterbildungsberatung“
Beratung. Somit lässt sich ein Weiterbildungsbedarf         im Rahmen des Bündnisses für Lebenslanges Lernen
feststellen, um die Professionalität der Beratenden         und dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport
langfristig sicherstellen zu können. Als Motivation für     eine Fachgruppe aus Expertinnen und Experten aller
die Teilnahme an Weiterbildung lässt sich konstatie-        Bereiche der Weiterbildungsberatung gebildet.
ren, dass die Beratenden ihre beruflichen Kenntnisse
und Fähigkeiten ausbauen möchten und die Mög-               Die wichtigste Aufgabe dieser Expertengruppe war
lichkeit eines sozialen Austauschs mit anderen Bera-        es, die Qualität der Beratungen im Landesnetzwerk
tenden begrüßen.                                            zu definieren und festzulegen, wie diese gewährleis-
                                                            tet werden kann. Hierzu hat die Fachgruppe Fol-
Die Mehrzahl der befragten Einrichtungsleitungen            gendes konsensual erarbeitet:
(75 %) erwartet einen (leichten) Anstieg der Nach-          • ein gemeinsames Verständnis von trägerneutraler
frage nach Weiterbildungsberatung. Für die Zukunft             und interessensensibler Weiterbildungsberatung,
wünschen sich die Beratungsanbieter eine Arbeits-              das unter anderem die Orientierung an den
entlastung des Beratungspersonals und eine stär-               Interessen und Vorstellungen des Ratsuchenden
kere finanzielle Unterstützung der Einrichtungen.              sowie die Berücksichtigung des Weiterbildungs-
Die sachliche Ausstattung der Einrichtungen wurde              angebots verschiedener Träger beinhaltet,
durchweg als „gut“ bewertet und kann demzufolge             • Qualitätsmerkmale guter allgemeiner und
als gute Voraussetzung für verschiedene Beratungs-             beruflicher Weiterbildungsberatung, welche die
settings gewertet werden.                                      Anforderungen an die Mitgliedseinrichtungen
                                                               enthalten, sowie
Die Arbeit in Netzwerken und Kooperationen wird             • ein Kompetenzprofil für Beratende, das beschreibt,
von den befragten Anbietern von Weiterbildungsbe-              über welche Kompetenzen Personen verfügen sol-
ratung als sehr wichtig angesehen. Als hinderlicher            len, die im Rahmen des Landesnetzwerks beraten.
Faktor für die Netzwerkbildung und Kooperation
zwischen Weiterbildungsberatungsanbietern wurde             Diese Qualitätsgrundlagen müssen die Einrichtun-
von den Einrichtungen als zweitwichtigster Grund            gen bei ihrem Beitritt erfüllen und durch Unter-
die Kategorie „Bisher gibt es keinen (objektiven)           zeichnen einer Selbstverpflichtungserklärung an-
Akteur, der Kooperationen anregt und organisiert“           erkennen. Dabei kann die Umsetzung der Quali-
angekreuzt. Das Landesnetzwerk als trägerneutraler          tätsmerkmale und der Beraterkompetenzen in zwei
Akteur bietet seinen Mitgliedern zukünftig auf über-        Stufen erfolgen:
regionaler Ebene die Möglichkeit, sich mit anderen          • Ein großer Teil der Qualitätsmerkmale und Be-
Anbietern der allgemeinen und beruflichen Weiter-              raterkompetenzen muss bereits zum Beitrittszeit-
bildungsberatung auszutauschen und zu kooperieren.             punkt in den Einrichtungen realisiert sein (Stufe 1).
DAS LANDESNETZWERK WEITERBILDUNGSBERATUNG

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                                                                     Qualitätsmodell

                                                                Selbstverpflichtungserklärung

                   Abbildung 4:
        Das Qualitätsmodell des
                                         Anerkennung bzw. Erfüllung                 Anerkennung der
              Landesnetzwerks
                                         der Qualitätsgrundlagen:                   Rahmenbedingungen:

                                         Gemeinsames Verständnis                    Koordinationsstelle
                                         trägerneutraler und interessen-
                                         sensibler Weiterbildungs-                  Einrichtung eines Kuratoriums
                                         beratung
                                                                                    Fördermodalitäten
                                         Qualitätsmerkmale guter
                                         Weiterbildungsberatung

                                         Kompetenzprofil für Beratende

     • Weitere Qualitätsmerkmale müssen nach spätes-             Diese Weiterbildung setzt sich aus 120 Stunden in
       tens zwei Jahren in den LNWBB-Mitgliedsein-               Präsenzveranstaltungen und 60 Stunden im Selbststu-
       richtungen voll umgesetzt sein (Stufe 2).                 dium zusammen und umfasst folgende drei Module:
                                                                 • Modul 1 (Basismodul): Beratungsprozess und
     Eine Einrichtung kann gemäß diesem Modell nur                 Beratungssettings
     dann dem Landesnetzwerk beitreten, wenn sie ge-             • Modul 2: Rahmenbedingungen professioneller
     währleistet, dass die in ihrer Organisation geleistete        Beratung (organisationale und gesellschaftliche
     Weiterbildungsberatung den Mindestanforderungen               Rahmenbedingungen)
     (Stufe 1) entspricht. Darüber hinaus erkennen die           • Modul 3: Aspekte des Beratungssystems (perso-
     Einrichtungen mit ihrem Beitritt auch die Rahmenbe-           nenbezogene Dimensionen, Kompetenzmodelle
     dingungen des Netzwerks an, in denen unter anderem            und -erfassung)
     die Fördermodalitäten sowie die Organisationsstruk-
     tur des Netzwerks geregelt sind. Dem Landesnetzwerk         Nach einem erfolgreichen Durchlaufen aller drei
     können nur juristische Personen beitreten.                  Module sollten die Teilnehmenden in der Lage sein:
                                                                 • eine angemessene Anliegensklärung sowie
     In Abbildung 4 wird das Qualitätsmodell des Lan-              Situationsanalyse durchzuführen und gemeinsam
     desnetzwerks zusammenfassend dargestellt.                     mit den Ratsuchenden Lösungsperspektiven zu
                                                                   entwickeln;
     ERWEITERUNG DER KOMPETENZEN                                 • neuartige Beratungssettings (Online- und Tele-
     DER BERATENDEN                                                fonberatung) umzusetzen;
     Das Ziel des Landesnetzwerks, die Beratungsqualität         • ihr Beratungshandeln systematisch zu reflektieren;
     in den Beratungseinrichtungen in Baden-Württem-             • ihr Beratungshandeln an anerkannten Qualitäts-
     berg zu verbessern, wurde durch ein Weiterbildungs-           merkmalen auszurichten;
     angebot für Beratende unterstützt. Beratende, die           • bei der Entwicklung von individuellen Weiterbil-
     bereits in der trägerneutralen Beratung tätig sind            dungsperspektiven für Ratsuchende die bildungs-
     oder zukünftig durch ihre Einrichtung an dieser Stel-         politischen, arbeitsmarktpolitischen und rechtli-
     le eingesetzt werden sollen, erhielten die Möglich-           chen Rahmenbedingungen mit einzubeziehen;
     keit, mit einer finanziellen Eigenbeteiligung von 100       • gemeinsam mit den Ratsuchenden deren Kompe-
     Euro pro Modul an insgesamt drei Weiterbildungs-              tenzen und Ressourcen zu identifizieren.
     modulen teilzunehmen.
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