Wettbewerb - Der Treiber für die Gigabit-Gesellschaft - VATM-Jahrbuch 2017 Telekommunikation und Mehrwertdienste in Deutschland - KONZEPTUM

 
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VATM-Jahrbuch 2017
                        Telekommunikation und Mehrwertdienste in Deutschland

                     Wettbewerb – Der Treiber
                    für die Gigabit-Gesellschaft

 Mit freundlicher
Unterstützung von
Wettbewerb - Der Treiber für die Gigabit-Gesellschaft - VATM-Jahrbuch 2017 Telekommunikation und Mehrwertdienste in Deutschland - KONZEPTUM
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     VATM-Themen 2017

                                                                                                                                                       schnellste Netz für

                                                                                                                                                                                                              Generalsekretär der CDU
                                                                                                                                                                                                              Dr. Peter Tauber MdB
                                                                                                                                                       Wir wollen das
                                                                                                                                                       Deutschland.
     Gigabitfähige Infrastrukturen sind nur über einen Technologie-
     mix zu erreichen, der technologie- und anbieterneutral ist.
     Dr. Katarina Barley, MdB, Generalsekretärin der SPD

     Würden die Investitionen … so lange in die Zukunft verschoben, bis die
     Nachfrage und Zahlungsbereitschaft in ausreichendem Umfang vorhanden
     sind, würde bis zur Bereitstellung der Anschlüsse das Kostbarste aufs Spiel
     gesetzt, was es im Zeitalter der Digitalisierung gibt, nämlich Zeit.
     Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur

                                                                            Die Digitalisierung eines Unternehmens ist eine zutiefst

                                                                                                                                                          DIENSTE
                                  Nicola Beer, Generalsekretärin FDP
    Technologiegetriebene

                                                                            strategische Aufgabe. Digitalisierung muss interdiszipli-
    Germany“ ist das Ziel.

                                                                            när gedacht werden. Jürgen Hermann, Vorstandsvorsitzender der QSC AG
    Innovation „Made in

                                                                            Die Öffnung der Glasfasernetze
                                                                            schafft eine Win-Win-Situation und
                                                                            wird zum Enabler für die Gigabit-
                                                                            Gesellschaft. Valentina Daiber, Director Corporate
                                                                            Affairs der Telefónica Germany GmbH & Co. OHG
                                                                                                                            Trotz neuer Wege wird die klassi-

                                                                                                                            Zugangsregulierung auch in Zukunft

                                                                                                                            hinreichendes Wettbewerbsniveau
                                                                                                                            sche auf Marktmacht basierende

                                                                                                                            nötig sein, um auf absehbare Zeit ein

       Die Digitalisierung bindet hidden cham-                                                                                                                    Dr. Christoph Clément, Mitglied der Geschäftsleitung Legal,
                                                                                                                                                                  Regulatory & Corporate Security der Vodafone GmbH
       pions an den größten Markt der Welt an.
       Andreas Scheuer, MdB, Generalsekretär der CSU

    5G                                 Deutschland muss das Ausbautem-
                                       po erhöhen, um nicht den Anschluss
                                                                                                                            zu gewährleisten.

                                       zu verlieren. Uwe Nickl, Geschäftsführer Deutsche
                                       Glasfaser Holding GmbH
    Aus volkswirtschaftlicher Sicht

    struktur-unabhängige Wettbe-

                                                                            GLASFASER
    unbedingt erforderlich: infra-

    werb stärken und schützen.
                                      Rickman von Platen, Geschäftsführer

                                                                            Nur ein Fünftel der mittelständischen Unter-
                                                                            nehmen in Deutschland hat mit der digitalen
                                      mobilcom-debitel GmbH

                                                                            Vernetzung von Produkten und Dienstleistun-
                                                                            gen begonnen. Süleyman Karaman, Geschäftsführer Colt
                                                                            Technology Services GmbH
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Wichtige Kennzahlen der Wettbewerbsunternehmen
                                                                                                    2015                                2016                                    Veränderung
Umsätze                                                                                             31,0 Mrd. €                         32,0 Mrd. €                             + 04,87 %
Investitionen                                                                                       4,2 Mrd. €                          4,2 Mrd. €                              0,00 %
Anzahl DSL-Anschlüsse (ohne Reseller)                                                               10,5 Mio.                           11,1 Mio.                               + 05,71 %
Mit FTTB/H versorgbare Haushalte                                                                    2.100.000                           2.690.000                               + 28,10 %
• Anschlüsse nachfragender Haushalte                                                                510.000                             791.000                                 + 55,10 %
• Anteil der nachfragenden Haushalte                                                                24,3 %                              29,4 %                                  + 20,99 %
Anteil der Wettbewerber an mit FTTB/H                                                               87,6 %                              89,4 %                                  + 01,80 %
versorgten Haushalten

Anteil der Telekom an mit FTTB/H                                                                    12,4 %                              10,6 %                                  – 01,80 %
versorgten Haushalten
Gesamtvolumen Breitband-Internet-Verkehr (Festnetz)                                                 11,5 Mrd. GB                        13,9 Mrd. GB                            + 20,87 %
Gesamtvolumen Datenverkehr (Mobilfunk)                                                              510 Mio. GB                         774 Mio. GB                             + 51,76 %
Nutzung geographischer Rufnummern                                                                   2,2 Mio. Min./Tag                   2,4 Mio. Min./Tag                       + 09,10 %
von Telekom-Wettbewerbern

Anteil dieser geographischen                                                                        44,1 %                              48,0 %                                  + 08,84 %
Rufnummern an Servicerufnummern gesamt

Inhalt
Vorwort, Martin Witt, Präsident des VATM, Vorstandsvorsitzender 1&1 Telecommunication SE . ............................................ 6
Ausblick, Jürgen Grützner, Geschäftsführer VATM .................................................................................................................................... 8

Politische Weichenstellung 2017: Zukunft der Gigabit-Gesellschaft
Gastbeitrag Dr. Peter Tauber, MdB, Generalsekretär der CDU...............................................................................................................12
Gastbeitrag Dr. Katarina Barley, MdB, Generalsekretärin der SPD.......................................................................................................13
Gastbeitrag Andreas Scheuer, MdB, Generalsekretär der CSU...............................................................................................................14
Gastbeitrag Nicola Beer, Generalsekretärin der FDP.................................................................................................................................15
Statement Solveig Orlowski, Leiterin des VATM-Büros Berlin............................................................................................................... 16

Im Gespräch
Interview „Gigabit-Gesellschaft: Möglichkeiten und Herausforderungen“,
Prof. Dr. Thomas Fetzer, Lehrstuhlinhaber für Öffentliches Recht, Regulierungsrecht, Steuerrecht
der Universität Mannheim und
Martin Witt, Präsident des VATM, Vorstandsvorsitzender 1&1 Telecommunication SE ................................................................18

Interview „Die Zeit ist reif für Kooperationen“,
Johannes Pruchnow, Vorstandsbeauftragter für Breitbandkooperation bei der Telekom, und
David Zimmer, Vizepräsident des VATM, persönlich haftender Gesellschafter inexio
Informationstechnologie und Telekommunikation KGaA..................................................................................................................... 22

European Electronic Communications Code:
Europas Weg in die digitale Zukunft
Gastbeitrag Constanze Krehl, MdEP, telekommunikationspolitische Sprecherin
der SPD im Europäischen Parlament..............................................................................................................................................................26
Gastbeitrag Dr. Iris Henseler-Unger, Geschäftsführerin WIK GmbH und WIK-Consult GmbH.................................................28
Bericht aus Brüssel Carolin Proft, Leiterin des VATM-Büros Brüssel.....................................................................................................30
Statement Dr. Christoph Clément, Mitglied der Geschäftsleitung Legal,
Regulatory & Corporate Security Vodafone GmbH...................................................................................................................................31

Entwicklung auf dem US-amerikanischen Markt
Statement Dr. Axel Spies, Rechtsanwalt Morgan, Lewis & Bockius, Washington DC, VATM-„Washington-Office“ ........32
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    Regulierung für Gigabit-Strukturen
    Gastbeitrag Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.......................................................................................................34
    Statement Dr. Frederic Ufer, Leiter Recht und Regulierung des VATM................................................................................................36

    Digitale Weichenstellung für Mittelstand, Industrie und Gesellschaft
    Gastbeitrag Christian Klose, Chief Digital Officer (CDO) AOK Nordost.............................................................................................38
    Gastbeitrag Dr. Peter Pascher, Leiter Fachbereich Betriebswirtschaft und
    Ländlicher Raum, Deutscher Bauernverband . ...........................................................................................................................................39
    Gastbeitrag Dr. Klaus Schartel, Leiter des Bereichs Mergers und Acquisitions /
    Kooperationen in der Rechtsabteilung Daimler AG..................................................................................................................................40
    Statement Jürgen Hermann, Vorstandsvorsitzender QSC AG................................................................................................................41

    Wegweiser Gigabit-Netze
    -> Gigabit-Infrastrukturen im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Politik
    Statement Uwe Nickl, Geschäftsführer Deutsche Glasfaser Holding GmbH..................................................................................42
    Statement Thorsten Scholz, Projektleiter Netzausbau DNS:NET Internet Service GmbH, und
    Andreas Kluge, Verbandsgeschäftsführer, Zweckverband Breitband Altmark...............................................................................44

    -> Richtig investieren, zielgenau fördern, flächendeckend ausbauen
    Statement Thorsten Klein und David Zimmer, persönlich haftende Gesellschafter inexio KGaA................................................45

    -> Stabile Regulierungsrahmen als Voraussetzung für Netzausbau und innovative Dienste
    Statement Norbert Westfal, Sprecher Geschäftsführung EWE TEL GmbH und EWE Vertrieb GmbH........................................46

    -> Geschäftskundenmarkt treibt Glasfaserausbau
    Statement Dr. Jürgen Hernichel, Vorsitzender der Geschäftsführung 1&1 Versatel.......................................................................48
    Statement Dr. Stefan Winghardt, Geschäftsführer Recht & Regulierung BT (Germany) GmbH & Co. oHG.......................49
    Statement Süleyman Karaman, Geschäftsführer Colt Technology Services GmbH.....................................................................50

    -> Intelligenter Netzausbau und digitaler Service
    Statement Sun Jie, Geschäftsführer ZTE Deutschland GmbH ..............................................................................................................51

    -> Satellitentechnologie: Chancen nutzen
    Statement Udo Neukirchen, Geschäftsführer Skylogic Germany GmbH......................................................................................... 52

    Hochleistungsfähige mobile Kommunikation wird Standard:
    Möglichkeiten des mobilen Datenverkehrs
    Statement Dr. Marc Schütze, Vorstand Drillisch Netz AG....................................................................................................................... 54
    Statement Rickmann von Platen, Geschäftsführer mobilcom-debitel GmbH............................................................................... 55
    Statement Valentina Daiber, Director Corporate Affairs Telefónica Germany GmbH & Co. OHG.............................................56

    Dialog- und Servicedienste: innovationstreibend und verbraucherfreundlich
    Statement Christian Plätke, Geschäftsführer IN-telegence GmbH.....................................................................................................58
    Statement Lars Heucke, Geschäftsführer nexnet GmbH.........................................................................................................................59
    Statement Dirk Moysich, Geschäftsführer net services GmbH & Co. KG........................................................................................... 60
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Symphony: Digitaler Marktplatz
Gastbeitrag: Online-Plattform für IP-basierte IKT-Dienste.................................................................................................................... 61

Themen, die den Markt bewegen
Statement Andreas Gaber, Gesellschafter und Geschäftsführer alladin-IT.....................................................................................62
Statement Hans Kühberger, CEO Ocilion IPTV Technologies GmbH...................................................................................................63
Statement Dr. Hubert Jäger, CTO Uniscon GmbH.....................................................................................................................................64

-> All-IP: Technologiewandel der Telekommunikationsnetze
Statement Oliver Jansen, Direktor Marketing & Productmanagement ecotel communication ag......................................65

-> S/PRI: Mit der Glasfaserschnittstelle auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft
Statement Alexander Kaczmarek, Geschäftsführer, und
Jörg Wiesner, Sales & Business Development Manager KONZEPTUM GmbH............................................................................... 66
Statement Elmar Körner, Geschäftsführer XConnect GmbH................................................................................................................67

Datenschutz und -sicherheit für die digitale Gesellschaft
Statement Roland Martinez, Geschäftsführer Cedros Gesellschaft für Datenverarbeitung mbH.............................................68
Statement Dr. Eric Heitzer, Partner der Anwalts- und Steuerberatungsgesellschaft DH&K..................................................... 69
Statement Guido Hermanowski, Mitglied der Geschäftsführung tekit Consult Bonn GmbH, und
Jana Braun, Leiterin Fachbereich ISO 27001 TÜV Saarland....................................................................................................................70

Markt, Meinung und Entwicklung
Statement Dr. Lutz Reingen, Head of Key Account Management coeo Inkasso GmbH . ........................................................... 72
Statement Dr. Karl Lichtblau, Geschäftsführer Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH.............................. 73
Statement Florian Pagenkemper, Rechtsanwalt und geschäftsführender Gesellschafter
bei KSP Kanzlei Dr. Seegers, Dr. Frankenheim Rechtsanwaltsgesellschaft mbH ............................................................................. 74
Statement Lars Overdiek, Geschäftsführer meliorate GmbH ...............................................................................................................75
Statement Betissa Philuk, Head of HR & Legal Nash direct GmbH . ................................................................................................. 76
Statement Stephan Meintrup, Managing Partner SCI Service Communication International GmbH .................................77

Kommunikation
Corinna Keim, Leiterin Kommunikation und Presse des VATM............................................................................................................. 78

Der VATM
Der Verband stellt sich vor . ...............................................................................................................................................................................80
Das Präsidium des VATM ....................................................................................................................................................................................82
Das erweiterte Präsidium des VATM . ............................................................................................................................................................86
Geschäftsstelle und Ansprechpartner . ........................................................................................................................................................ 90
Die Mitgliedsunternehmen des VATM ..........................................................................................................................................................92
Wettbewerb - Der Treiber für die Gigabit-Gesellschaft - VATM-Jahrbuch 2017 Telekommunikation und Mehrwertdienste in Deutschland - KONZEPTUM
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                                Vorwort
                                Zukunft gestalten – den Weg für die
                                Gigabit-Gesellschaft 2025 bereiten!
                                Wir müssen uns endlich auf den Weg machen           so auch den Wettbewerb. Und beides können
                                – auf den Weg zum erfolgreichen Glasfaseraus-       wir – ja, müssen wir – gewährleisten, wenn der
    Martin Witt                 bau und der dringend erforderlichen Schaffung       Wandel zur Gigabit-Gesellschaft gelingen soll.
    Präsident des VATM und      von Gigabit-Netzen bis 2025. Neben dem En-
    Vorstandsvorsitzender der
                                gagement der Wirtschaft sind dafür dringend         Investitionsanreize zu setzen, ohne den Wett-
    1&1 Telecommunication SE
                                verbindliche politische Weichenstellungen er-       bewerb zu verlieren, muss unser gemeinsames
                                forderlich.                                         Ziel sein, auch wenn es etwas komplizierter sein
                                                                                    wird als Regulierungsabbau und neue Monopo-
                                Oberstes Ziel bei der Setzung von neuen Rah-        le. Dafür wird es aber auch zum Erfolg führen.
                                menbedingungen muss sein, dass wir neben            Den richtigen Ausgleich zu finden, ist die Auf-
                                der Investitionssicherheit für alle Marktteilneh-   gabe, die sich gerade stellt. Derzeit beschäftigen
                                mer weiterhin fairen Wettbewerb sicherstellen,      wir uns daher intensiv mit dem europäischen
                                damit die darauf fußende Anbietervielfalt die       Rechtsrahmen für elektronische Kommunika-
                                mannigfaltigen Anforderungen von Wirtschaft         tion (EECC), den regulatorischen Rahmenbe-
                                und Verbrauchern erfüllen kann. Den Ausbau          dingungen für einen beschleunigten Glasfa-
                                von Glasfasernetzen um den Preis von neuen          serausbau und den politischen Ideen aus der
                                Monopolen darf es nicht geben! Ziel von Li-         „Zukunftsoffensive Gigabit-Deutschland“ und
                                beralisierung und Regulierung waren nie nur         dem „Weißbuch Digitale Plattformen“. Sie mar-
                                billige Preise, sondern stets Innovation und        kieren Diskussionsprozesse, an denen sich der
                                bessere Dienste. Eine breite Palette von Anbie-     VATM gewohnt konstruktiv mit Lösungswegen
                                tern versorgt heute die deutsche Wirtschaft und     einbringen wird.
                                Haushalte mit leistungsfähigen, spezialisierten
                                Produkten, die ein einzelner Marktführer allein     Von diesen Herausforderungen und Chancen
                                niemals anbieten kann und anbieten wird.            zeugt das vorliegende Jahrbuch. In guter Tra-
                                                                                    dition bietet es eine umfassende Bilanz und
                                Regulierung schafft in einem Markt den es-          einen Ausblick für Telekommunikation und
                                sentiellen Wettbewerb, der aufgrund eines           Dienste in Deutschland. Besondere inhaltli-
                                Monopols oder einer Marktbeherrschung nicht         che Schwerpunkte bilden in dieser Ausgabe
                                existieren könnte. Regulierung ist keine Strafe,    Gastbeiträge mit Blick auf die Bundestags-
                                sondern ein Regulativ, ohne das Wettbewerb          wahl und aus Brüssel zum EECC. Wie immer
                                zugunsten der Verbraucher und Unternehmen           soll und wird das Jahrbuch auch zum weiteren
                                nicht existieren kann. Dieses zentrale Regula-      Diskurs und konstruktiven Dialog anregen.
                                tiv zu opfern, damit gerade das marktbeherr-
                                schende Unternehmen davon ablässt, seine            Ich wünsche Ihnen eine spannende und inter-
                                veralteten Kupfernetze weiter zu nutzen und         essante Lektüre.
                                endlich in moderne echte Glasfaseranschlüsse        Ihr
                                zu investieren, stellt die Welt auf den Kopf und
                                wird nicht zum gewünschten Ergebnis führen.

                                Es ist wichtig, sich stets zu vergegenwärtigen,
                                dass Bürger und Wirtschaft natürlich eine leis-
                                tungsfähige Infrastruktur brauchen, aber eben-      Martin Witt
Wettbewerb - Der Treiber für die Gigabit-Gesellschaft - VATM-Jahrbuch 2017 Telekommunikation und Mehrwertdienste in Deutschland - KONZEPTUM
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Wettbewerb - Der Treiber für die Gigabit-Gesellschaft - VATM-Jahrbuch 2017 Telekommunikation und Mehrwertdienste in Deutschland - KONZEPTUM
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                               Ausblick
                               Deutschland schnellstens
                               auf Digitalisierungskurs bringen
                               Bürger und Unternehmen werden echte Giga-         07.03.2017 im Rahmen der Netzallianz Digita-
                               bitanschlüsse und neue Dienste gleicherma-        les Deutschland).
    Jürgen Grützner            ßen brauchen. Aber über den Weg dorthin wird
    Geschäftsführer des VATM   trefflich gestritten. Natürlich ist es wichtig,   Eine einfache Lösung für Deutschland oder gar
                               50 oder gar 100 Mbit/s relativ flächendeckend     eine, die für ganz Europa passt, wird es nicht
                               verfügbar zu machen, statt bei 16 Mbit/s oder     so schnell geben. Und ohne eine saubere und
                               vielfach noch weniger zu verharren. Aber          vor allem ehrliche Faktenanalyse werden wir
                               wie und vor allem wie schnell es dann nach        uns in Deutschland weiterhin schwerer tun
                               100 Mbit/s weitergeht zum Gigabit-Olymp           als andere EU-Länder oder weltweite Wirt-
                               und wie stark sich dann Vectoring-Monopole        schaftszentren. Glasfaserkilometer zu zählen
                               als Hemmschuh erweisen werden, wird eher          statt Glasfaseranschlüsse, soll unseren inter-
                               wegdiskutiert. „Wir stehen gut da“, lautet ein    nationalen Rückstand ebenso kaschieren wie
                               häufiges Argument.                                die Bezeichnung von bloßen Kupfer-VDSL-An-
                                                                                 schlüssen als Glasfaseranschlüsse – Letzteres
                               Derweil bauen aber andere in Europa die besse-    findet man in der Telekom-Bilanz.
                               ren Netze – und werden die besseren Bandbrei-
                               ten und Angebote an die Wirtschaft machen         In Brüssel schaut man deshalb nicht mehr
                               können. Sicherlich ist unbestritten, dass dort    auf Deutschland, sondern auf Spanien, Portu-
                               FTTB/H deutlich langsamer ausgerollt werden       gal und Frankreich. Dort hat eine geschickte
                               kann als in Deutschland FTTC, d.h. die Glasfa-    Regulierung und die Öffnung der passiven
                               ser wird nur bis zum Kabelverzweiger statt di-    Infrastruktur Wettbewerb ermöglicht und
                               rekt ins Haus verlegt. Aber nach einem kurzen     gleichzeitig den Ex-Monopolisten zum Han-
                               Zwischenhype wird sich die Wahrheit nicht         deln und Ausbauen gezwungen. In Deutsch-
                               verleugnen lassen: Der eigentlich notwendige      land bieten die Wettbewerber der Telekom
                               und zukunftsfähige                                                          per FTTB/H oder HFC
                               FTTB/H Ausbau wird        „Insgesamt     stellen die  Wettbewerber          (TV-Breitbandkabel)
                               sich in Deutschland             90 Prozent aller genutzten                  schon bei 70 Prozent
                               immer weiter nach                                                           aller Anschlüsse weit
                               hinten verschieben.
                                                                    FTTB/H-Anschlüsse.“                    höhere Bandbreiten
                               Dieser Glasfaserausbau braucht realistisch        als VDSL/Vectoring an. Insgesamt stellen die
                               gesehen zehn Jahre – aber jeder Tag, an dem       Wettbewerber 90 Prozent aller genutzten
                               wir nur ein Zwischenziel und kein klares Giga-    FTTB/H-Anschlüsse.
                               bitziel verfolgen, verlängert diesen Zeitraum.
                               Unerklärlich, dass es trotz aller Mahnungen       Nicht Regulierungsverzicht, sondern harter
                               und zahlreicher Schreiben aus der Wirtschaft      Wettbewerb bringt neue Glasfaseranschlüsse.
                               nur gelingt, dass das Bundesministerium für       Das neue quasi Vectoring-Monopol im HVT-
                               Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ein     Nahbereich zugunsten der Telekom dient al-
                               „konvergentes Netz“ bis 2025 verspricht und       lein der längstmöglichen Nutzung des für den
                               eine „Infrastruktur für die Gigabit-Gesellschaft  Ex-Monopolisten höchst lukrativen Kupferan-
                               entsprechend den Bedürfnissen und Anwen-          schlusses und wird den Glasfaserausbau so
                               dungen der jeweiligen Nutzer“ („Zukunftsof-       lange wie möglich verhindern. Kupfer ist und
                               fensive Gigabit-Deutschland“ des BMVI vom         bleibt – auch bei Regulierungsabbau – das Gold
Wettbewerb - Der Treiber für die Gigabit-Gesellschaft - VATM-Jahrbuch 2017 Telekommunikation und Mehrwertdienste in Deutschland - KONZEPTUM
Zum zweiten Mal hatte der VATM gemeinsam mit den Branchenverbänden ANGA, BREKO und BUGLAS                                9
                                                sowie dem FTTH Council Europe im September 2016 zu einem großen Breitbandsymposium nach Berlin
                                                geladen. Kritisch beleuchteten die führenden deutschen TK-Verbände die Breitbandpolitik in Deutschland
                                                und forderten eine Gesamtstrategie der Bundesregierung für die Gigabit-Gesellschaft.

der Telekom. Wer Investoren, Wettbewerbsun-
ternehmen, aber auch der Telekom helfen will,
gemeinsame Gigabit-Ziele zu erreichen, der
muss auf weit wirkungsvollere Anreizmecha-
nismen setzen.

Die konsequente Öffnung der Telekom-Infra-
struktur statt Deregulierung, klare Ausschrei-
bungsziele und Förderung von ausschließlich
echten Gigabitanschlüssen, stärkere Planungs-

                                                           Ein klares Plädoyer für gigabitfähige
                                                           Netze für die digitale Zukunft und
                                                           gegen Re-Monopolisierung veralteter
                                                           Kupferkabel-Leitungen hielt FDP-Chef
                                                           Christian Lindner in seiner Keynote auf
                                                           dem VATM-Sommerfest 2016 in Berlin.

                                                                                                                „Wir brauchen Glasfaser überall, langfristig sogar bis
                                                                                                             zu jedem Bauernhof.“ Das war das klare Statement von
                                                                                                                René Obermann, Partner der Investmentgesellschaft
                                                                                                              Warburg Pincus und Ex-Telekom-Chef, beim VATM-Tele-
                                                                                                             Kompass im März 2017 in Berlin. Unter dem Titel „Wahl-
                                                                                                              Check – Der richtige Weg zu Gigabit-Netzen“ diskutier-
                                                                                                                  ten mehr als 100 Gäste aus Politik und Verbänden.

sicherheit für neue Investoren und bereits in
FTTB/H investierende Unternehmen müssen
im Fokus der Politik stehen ebenso wie das
Verhindern von strategischem Überbau von
besten FTTH-Netzen mit schlechterem VDSL/
Vectoring. Eigenwirtschaftlicher Ausbau darf
nicht länger durch Förderung und Förderver-
fahren ausgebremst werden. Neue Förderung
muss da ansetzen, wo bislang keine Förderung
erfolgt ist. Bis heute wird mit der Branche nicht
über eine – auf FTTB/H ausgerichtete – Förder-
kulisse gesprochen, die eigenwirtschaftlichen
Ausbau soweit wie möglich anreizt und Dop-
pelförderung vermeidet.
Wettbewerb - Der Treiber für die Gigabit-Gesellschaft - VATM-Jahrbuch 2017 Telekommunikation und Mehrwertdienste in Deutschland - KONZEPTUM
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     Wichtigster Punkt ist aber eine gesamtwirt-      nalisierung von Regulierung, neue Monopole
     schaftliche Sichtweise für unser Land.           statt Wettbewerb, Übergangsziele ohne klare
                                                      langfristige Strategien verschlechtern unsere
     Geschäfts- und Privatkunden ist es gleich, wer   nationale Situation, statt endlich den Aufbruch
     gräbt und wer die Kabel im Boden verschwin-      zu schaffen.
     den lässt, die erstaunlicherweise aus purem
     Glas bestehen sollen. Vom Kunden gekauft        Der Weg zu einem flächendeckenden Gigabit-
     wird vielmehr der Dienst, nicht ein Kabel – ob  Anschlussnetz mit 5G-Versorgung ist äußerst
     nur als Internetzugang oder aber hochkomplex    komplex und daher ungemein anfällig für
     mit besonderer Sicherheitstechnik, Hosting,     einfache Scheinlösungen. Dennoch können
     Qualität oder gekoppelten Inhouseservices für   und müssen jetzt die politischen Eckpfeiler so
     stark spezialisierte Unternehmen. Nicht allein  gesetzt werden, dass der größtmögliche ge-
     die Glasfaser selbst, sondern die netzübergrei- samtwirtschaftliche Nutzen erreicht werden
     fende Verfügbarkeit dieser Dienste wird ent-    kann. Parallel dazu sollten die guten Gespräche
     scheidend sein, ob unsere Wirtschaft auf dem    mit den Ressorts in den zuständigen Ministe-
     Weg in die Gigabit-                                                        rien und der Bundes-
     Gesellschaft sein wird       „Die Wirtschaft braucht beides,               netzagentur deutlich
     und wir auf dem Land                                                       intensiviert werden.
                                       Giga-schnelle Netze und
     die digitale Spaltung                                                      Dann müssen aber
     verhindern können.              hochqualifizierte Dienste. “               auch Entscheidungen
     Für die vielen euro-                                                       getroffen werden – in
     pa- und weltweit operierenden Unternehmen,      Verantwortung für die Gesamtwirtschaft und
     aber auch für deutsche Handelsketten, Geld-     nicht an den verständlichen Interessen ein-
     institute oder Versicherungen mit zigfachen     zelner Marktteilnehmer orientiert oder unter
     Regionalvertretungen, ist es auch in Zukunft    Rücksichtnahme auf Bundesbeteiligungen.
     unverzichtbar, einen Anbieter bundesweit
     auswählen zu können, der die gewünschten        Die Politik muss diejenigen Kräfte unterstüt-
     Dienste von Telefonie über virtuelle Netzwerke  zen, die bereit sind, uns so schnell wie möglich
     und Daten-Hosting aus einer Hand anbietet.      auf Digitalisierungskurs zu bringen. Der so aus-
     Für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Un-      gelöste Wettbewerb ist der einzige verlässliche
     ternehmen wären Verschlechterungen gegen-       Treiber, mit dem wir langfristig wettbewerbs-
     über dem Status quo – als drohende Folgen ei-   fähig bleiben. Lassen Sie uns den Schlüssel
     ner falschen Deregulierungspolitik – fatal. Die umdrehen und jetzt durchstarten.
     Wirtschaft braucht beides, Giga-schnelle Netze
     und hochqualifizierte Dienste.

     Digitalisierung ist die Chance für unser Land,
     die wir nicht verspielen dürfen. Glasfaseran-
     schlüsse, der zukünftige 5G-Mobilfunkstan-
     dard und die Aufrüstung der HFC-Netze sind
     der Schlüssel dazu. Deregulierung ohne das
     richtige Augenmaß, eine kleinteilige Regio-
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     Jährliches Highlight am Rande der CeBIT:
        Zum VATM CeBIT-Abend trifft sich seit
     Jahren die Branche in entspannter Atmo-
      sphäre zum Networken und zum Dialog
               mit Politikern und Journalisten.

                                                  Intensive Diskussion um die Zukunft der
                                                  Regulierung in Deutschland standen
                                                  im Mittelpunkt des ersten „Diskurs im
                                                  Kranhaus“ im November 2016 von VATM
                                                  und BUGLAS. Gemeinsam eröffneten die
                                                  beiden Präsidenten Martin Witt, VATM
                                                  (li.), und Theo Weirich, BUGLAS,
                                                  die Diskussionsrunden.

  Als zuständiger EU-Kommissar für Digitale
Gesellschaft und Wirtschaft sprach Günther
Oettinger (Bildmitte) mit dem Präsidium des
            VATM auf der ANGA COM 2016.

            Fotos: Frank Ossenbrink
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                                            Politische Weichenstellung 2017:
                                            Zukunft der Gigabit-Gesellschaft

                                            Gastbeitrag
                                            Das schnellste Netz für Deutschland

                                            Deutschland gehört heute zu den wirtschaft-      Vorteile nutzen können. Durch die Verknüp-
                                            lich leistungsfähigsten Ländern der Welt. Wir    fung von Informationen können allerdings
     Dr. Peter Tauber, MdB                  genießen im internationalen Vergleich einen      tiefe Einblicke in das Leben von Bürgern er-
     Generalsekretär der CDU Deutschlands
                                            hohen Lebensstandard und großen Wohl-            langt werden. Viele Bürger machen sich zwar
     (Foto: Tobias Koch)
                                            stand. Diese Erfolge sind insbesondere mit der   Sorgen um ihre Privatsphäre, aber sie agieren
                                            Politik der CDU verknüpft. Beim Status quo       ohne Schutz im Netz, weil ihnen Maßnahmen
                                            können und wollen wir aber nicht stehenblei-     zum Datenschutz und zur Datensicherheit
                                            ben, denn unsere Gesellschaft verändert sich.    nicht bekannt sind oder zu umständlich er-
                                            Die Wirtschaft wird immer globaler und die       scheinen. Wir setzen uns dafür ein, dass all-
                                            Digitalisierung aller Lebensbereiche ist schon   tagstaugliche Konzepte für den Selbstdaten-
                                            weitgehend Wirklichkeit.                         schutz entwickelt werden.

                                            Die Digitalisierung wird immer entscheiden-      Voraussetzung zur Nutzung der digitalen
                                            der, wenn es darum geht, Städte lebenswert       Techniken ist ein leistungsstarkes und schnel-
                                            zu gestalten und ländlichen Räumen mehr          les Internet. Die Eisenbahn war der Kata-
                                            Zukunftsperspektiven zu geben. Deshalb wol-      lysator der ersten industriellen Revolution,
                                            len wir Smart Cities entwickeln und ländliche    diese Rolle nehmen heute schnelle Internet-
                                            Regionen zu Smart Areas machen. Beispiele        anschlüsse für die Digitale Revolution ein. Die
                                            dafür sind intelligente Straßen, Strom- und      Industrieunternehmen können Innovationen
                                            Wärmenetze, Elektromobilität und WLAN-           und neue Geschäftsfelder nur dann anstoßen
                                            Netze. So gehört die Ausstattung des ÖPNV        und erschließen, wenn sie an eine moderne
                                            mit freiem WLAN zu einem attraktiven Mo-         und sichere funk- und festnetzbasierte Breit-
                                            bilitätsangebot.                                 bandinfrastruktur angeschlossen sind. Sie ist
                                                                                             die Basis für die Arbeitsplätze der Zukunft.
                                            Vernetzte, intelligente und ganzheitliche Lö-
                                            sungen eröffnen Chancen für ein neues Zu-        Wir wollen das schnellste Netz für Deutsch-
                                            sammenführen von Arbeiten, Wohnen und Le-        land. Um eine hochbandbreitige Versorgung
                                            ben durch Telearbeit. Zugleich entstehen neue    sicherzustellen, investieren wir bereits bis
                                            wirtschaftliche Chancen in Gewerbe, Dienst-      2020 vier Milliarden Euro in eine flächende-
                                            leistungen, Landwirtschaft und Tourismus         ckende moderne funk- und festnetzbasierte
                                            vor Ort. Patienten können mit Telemedizin        Breitbandinfrastruktur aus einem Technolo-
                                            optimal betreut, die Energie in Städten und      gie-Mix von VDSL, Kabel, Satellit, Mobilfunk
                                            Gemeinden effizient eingesetzt, der Verkehr      und Glasfaser. Die CDU fordert eine Anbin-
                                            in Ballungsgebieten reibungslos gesteuert        dung auch dünn besiedelter ländlicher Ge-
                                            werden. Wir werden auch das E-Government         biete, da Breitband-Verbindungen zu den
                                            voranbringen, da es die Menschen unabhän-        elementaren Dingen der Daseinsvorsorge ge-
                                            gig macht von Öffnungszeiten und die Er-         hören. Wo die Wirtschaftlichkeit nicht gege-
                                            reichbarkeit der Behörden verbessert.            ben ist, gibt es das Breitbandförderprogramm
                                                                                             des Bundes. Dieses erfolgreiche Programm
                                            SmartCars, SmartHomes und Smartphones            wollen wir finanziell weiter ausbauen und
                                            machen unser Leben angenehmer und si-            verstetigen. Bis 2020 soll zudem der Mobil-
                                            cherer. Wir wollen, dass die Verbraucher die     funkstandard 5G sichergestellt werden.
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Gastbeitrag
Schnelles Internet überall – die Gigabit-Gesellschaft
ist unsere Zukunft
Der Ausbau schnellen Internets ist eine Zu-       in der Regierungszeit von CDU/CSU und FDP
kunftsaufgabe für unser Land. Hohe Bandbrei-      geschah, war eindeutig zu wenig. Erst 2013 hat
ten und ein hoher Digitalisierungsgrad sind für   das Thema auf Initiative der SPD richtig Fahrt    Dr. Katarina Barley, MdB
                                                                                                    Generalsekretärin der
unsere Gesellschaft und die Zukunftsfähigkeit     aufgenommen. Mit dem Breitbandförderge-
                                                                                                    Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
unseres Wirtschaftsstandorts von zentraler        setz haben wir die richtigen Weichen gestellt.
                                                                                                    (Foto: Susie Knoll)
Bedeutung. Die Zukunft liegt in der Gigabit-      Die Anforderungen der Zukunft mit mehreren
Gesellschaft.                                     Mbit/s sind aber nur über ein Glasfaser-Giga-
                                                  bitnetz zu verwirklichen.
Die SPD hat klare Vorstellungen vom Ziel und
vom Weg dahin. Alle Menschen sollen Zugang        Die Digitalisierung verändert unsere Gesell-
zu schnellem Internet haben. Unabhängig vom       schaft. Die Gigabit-Gesellschaft hat neben
Wohnort. Privathaushalte ebenso wie Unter-        der technischen Seite für uns auch eine sozi-
nehmen. Ein Zugang zu schnellem Internet ist      ale und gesellschaftspolitische Komponente.
für viele Tätigkeiten des Alltags bereits heute   Veränderung erzeugt bei manchen Menschen
Grundvoraussetzung. Für unsere Kommunika-         Ängste. Manche fürchten um ihren Arbeits-
tion, das Arbeiten oder die unternehmerische      platz. Manche sind wegen des neuen hohen
Tätigkeit ist das Highspeed-Internet häufig       Tempos überfordert und andere fühlen sich be-
ebenso Voraussetzung wie für das Einkaufen        droht von der digitalen Datensammelwut. Für
im Netz, Unterhaltung oder andere Annehm-         die SPD gilt deshalb: Wir wollen die Chancen
lichkeiten. Deshalb wollen wir für alle einen     der Digitalisierung nutzen, ohne die Risiken zu
Rechtsanspruch auf schnelles Internet. Es ent-    ignorieren. Wir wollen die Gigabit-Gesellschaft
scheidet nicht nur über die Innovationsfähig-     im Sinne unserer Werte Freiheit, Gerechtigkeit
keit unseres Landes und den Wirtschaftsstand-     und Solidarität gestalten. Wir müssen die Men-
ort Deutschland, sondern auch über unseren        schen dazu in die Lage versetzen, sich in der
künftigen Wohlstand.                              digitalen Welt beruflich und privat bewegen
                                                  und souverän über die eigenen Daten verfügen
Die Gigabit-Gesellschaft wird nur mit der dafür   zu können. Dazu gehören nicht zuletzt gute
notwendigen Infrastruktur zu erreichen sein.      Arbeitsbedingungen, neue Arbeitszeitmodelle
Wir wollen den Ausbau des Gigabitnetzes.          und Angebote beruflicher Qualifizierung und
Dieser muss flankiert werden durch die Wei-       Weiterbildung. Das ist unser Anspruch an gute
terentwicklung und Förderung des 5G-Mobil-        Arbeit in der Gigabit-Gesellschaft.
funkstandards. Gigabitfähige Infrastrukturen
sind nur über einen Technologiemix zu errei-      Wenn wir den technischen Ausbau des Net-
chen, der technologie- und anbieterneutral ist.   zes in diesem Sinne politisch begleiten, dann
Das ist die gemeinsame Aufgabe von Politik        können wir die Chancen der Digitalisierung für
und Wirtschaft. Wir benötigen bis 2025 private    unsere Gesellschaft nutzen.
und öffentliche Mittel in Höhe von 100 Milliar-
den Euro. Der Staat wird sich mit 10 Milliarden
Euro beteiligen. Der Staat sorgt also für einen
Teil der Finanzierung, reguliert und setzt An-
reize. Die Wirtschaft übernimmt den anderen
Teil der Finanzierung. Was in diesem Bereich
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                                 Politische Weichenstellung 2017:
                                 Zukunft der Gigabit-Gesellschaft

                                 Gastbeitrag
                                 Aufbruch in die Gigabit-Gesellschaft –
                                 für die Wertschöpfung von morgen
                                 Wir führen Deutschland ins Gigabit-Zeitalter!    ten wir an einem neuen Fonds, der kreativen
                                 Die Digitalisierung schafft neue Chancen für     Unternehmensgründern helfen soll, schneller
     Andreas Scheuer, MdB        Wirtschaft und Gesellschaft – wir werden         zu wachsen. Ziel ist, die Wagnisfinanzierung
     Generalsekretär der
                                 diese Chancen nutzen, die richtigen Weichen      deutlich zu stärken.
     Christlich-Sozialen Union
                                 stellen und der Gigabit-Gesellschaft weiter
                                 Leben einhauchen. Wir fördern Innovatio-        Wir schaffen gemeinsam mit der Wirtschaft
                                 nen, sorgen gemeinsam mit der Wirtschaft        Datenautobahnen für die Wertschöpfung von
                                 für schnelle Datenautobahnen und schaffen       morgen. Das bayerische Breitband-Förderpro-
                                 so den digitalen Aufbruch.                      gramm ergänzt die starken Initiativen des
                                                                                 Bundes. Bayernweit sind in rund 500 Gemein-
                                 Unser Weg zur Gigabit-Gesellschaft steht:       den erste Ausbauprojekte bereits abgeschlos-
                                 Wir machen Bayern zum ersten Gigabit-           sen – in über 1.000 Gemeinden laufen aktuell
                                 Bundesland und setzen Impulse für die Digi-     Baumaßnahmen. Allein bei diesen Projekten
                                 talisierung Deutschlands. Mit einem neuen       werden über 26.000 km Glasfaserleitungen
                                 Strategieprozess stellen wir die zentralen Wei- neu verlegt. Die schnellen Datenautobahnen
                                 chen: Alle Vorschläge,                                             sind die Lebensadern der
                                 Maßnahmen und Pro-              „... mit dem Einsatz von           Gigabit-Gesellschaft. Nur
                                 jekte werden in einem          17,5 Mio. Euro haben wir            so können wir die Chancen,
                                 Masterplan gebündelt,                                              die etwa in Big Data liegen,
                                 um der Digitalisierung
                                                             bereits rund 127 Mio. Euro an nutzen. Daten sind die zen-
                                 einen neuen Schub zu          Investitionen mobilisiert.“ tralen Rohstoffe des 21. Jahr-
                                 geben. Die Anwendung                                               hunderts und verändern die
                                 reicht dabei vom autonomen Fahren über das      Wertschöpfung fundamental. Diesen Wandel
                                 mobile Internet der Dinge, den Einsatz intelli- werden wir gestalten und den Wirtschafts-
                                 genter Roboter bis hin zur digitalen Medizin    standort ins digitale Zeitalter führen.
                                 und der Cybersicherheit.
                                                                                 Die Digitalisierung ist eine Revolution und
                                 Die Gigabit-Gesellschaft braucht Innovati-      schafft umfänglich neue Chancen für Unter-
                                 onskraft. Diese Kraft wollen wir stärken und    nehmen, Gründer wie auch für das Privatle-
                                 Räume für Innovation und Neues schaffen.        ben der Menschen. Sie eröffnet besonders
                                 Hierzu zählen etwa die Digitalen Gründer-       dem ländlichen Raum neue Chancen und bin-
                                 zentren in Bayern: Wir fördern Zentren für      det hidden champions an den größten Markt
                                 digitale Start-ups in jedem Regierungsbezirk    der Welt an. Sie ermöglicht flexiblere Arbeits-
                                 und bringen so die Infrastruktur für Innova-    zeiten und kann Arbeit zu den Menschen brin-
                                 tionen, Impulse und die Wertschöpfung von       gen und nicht umgekehrt. Alle sollen von die-
                                 morgen in alle Landesteile! Durch eine Verbes-  sem umfassenden Wandel profitieren, das ist
                                 serung der Gründerfinanzierung stärken wir      unser Anspruch als werteorientierte Volkspar-
                                 das Gründergeschehen: Der Wachstumsfonds        tei. Wir schaffen heute die Grundlagen für die
                                 Bayern hat eine starke Hebelwirkung – mit       Gigabit-Gesellschaft von morgen und sichern
                                 dem Einsatz von 17,5 Millionen Euro haben wir   so die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes
                                 bereits rund 127 Millionen Euro an Investitio-  im 21. Jahrhundert!
                                 nen mobilisiert. Auch auf Bundesebene arbei-
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Gastbeitrag
Sieben Schritte in eine digitale Zukunft

Digitalisierung ist die Zukunftstechnologie        4. Arbeit 4.0: Künftig wird der Wechsel zwi-
schlechthin. Keine innovative Technologie hat      schen verschiedenen Berufen, zwischen ver-
sich je so rasant entwickelt. 60 Prozent der       schiedenen Arbeitgebern sowie zwischen             Nicola Beer
                                                                                                      Generalsekretärin der Freien
neu eingeschulten Kinder werden in Berufen         Selbstständigkeit und Angestelltenverhältnis
                                                                                                      Demokratischen Partei (FDP)
arbeiten, die wir heute noch nicht kennen.         die Regel. Deshalb muss auch die Altersvorsor-
Doch Deutschland tut bisher zu wenig. Die          ge modularer werden; unterschiedliche Vorsor-
Freien Demokraten wollen, dass Deutschland         geelemente aus dem gesamten Leben müssen
international Vorreiter wird, indem es seine in-   miteinander kombiniert und mitgenommen
dustrielle Stärke mit den neuen digitalen Mög-     werden können – inklusive privater Vorsorge.
lichkeiten verbindet. Technologiegetriebene In-
novation „Made in Germany“ ist das Ziel, statt     5. Forschungsförderung: Unternehmen sollten
nur Zulieferer zu sein für E-Commerce-Plattfor-    einen bestimmten Prozentsatz ihrer Personal-
men ausländischer Konzerne wie Amazon. Wir         aufwendungen für Forschung und Entwick-
Freien Demokraten fordern deshalb ein neues        lung als Steuergutschrift (Forschungsprämie)
Bundesministerium für Digitales, das verant-       erhalten. Für digitale Anlagegüter wollen wir
wortlich die Fäden zusammenführt, um von           einheitliche und verkürzte Abschreibungsfris-
E-Government über E-Mobility und E-Health          ten von höchstens drei Jahren.
bis E-Security unser Land nach vorn zu bringen.
Für uns sind sieben Schritte relevant, um          6. Verkehrsoffensive: Ob auf der Straße, Schie-
Deutschland in die digitale Zukunft zu führen:     ne, über Wasser oder in der Luft – intelligente
                                                   Verkehrssysteme und Mobilität 4.0 mit voll-
1. Flächendeckender Netzausbau: Hier hinkt         automatisiertem und autonomem Fahren
Deutschland sträflich den Bedürfnissen hinter-     sorgen für mehr Sicherheit und mehr Effizienz
her. Die Zukunft eines leistungsfähigen digita-    hinsichtlich Wirtschaftlichkeit, Zeit, Umwelt-
len Netzes liegt im Gigabit-Bereich – und damit    schutz und Infrastrukturnutzung. Deshalb
in Glasfaser- und der 5G-Mobilfunk-Technolo-       wollen wir Freiräume für die unbürokratische
gie. Hier muss verstärkt investiert werden.        Entwicklung von kreativen und innovativen
                                                   Angeboten schaffen, ohne dabei Datenschutz
2. Digitale Kompetenz in der Bildung: Kinder       und Privatsphäre zu gefährden.
müssen frühzeitig lernen, mit Digitalisierung
umzugehen – und Lehrer müssen fit gemacht          7. Datensicherheit: Die erfolgreiche Nutzung
werden, damit sie das entsprechende Wissen         digitaler Möglichkeiten setzt eine umfassende
vermitteln können. Digitale Kompetenz ist er-      Sicherheitsstrategie voraus. Nationale Lösun-
folgsrelevant für unsere Volkswirtschaft.          gen können aber langfristig alleine nicht beste-
                                                   hen. Wir fordern, die europäischen Fähigkeiten
3. Gründeroffensive: Wir wollen ein bürokratie-    zu bündeln.
freies Jahr für Start-ups und Erleichterungen
für nebenberufliche Gründungen sowie für           Diese Schritte sind unerlässlich, um Deutsch-
Crowdfunding. Wir brauchen ein Venture-            lands wirtschaftliche Stärke auch in Zukunft zu
Capital-Gesetz. In den ersten drei Jahren nach     sichern. Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren.
Unternehmensgründung wollen wir den Frei-
betrag bei der Gewerbesteuer verdoppeln.
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                                      Politische Weichenstellung 2017:
                                      Zukunft der Gigabit-Gesellschaft

                                      Bericht aus Berlin
                                      Weiterentwicklung der Breitbandstrategie des
                                      Bundes über 2018 hinaus ist überfällig
                                      Die 18. Legislaturperiode neigt sich dem Ende      muss es uns gelingen, den vor uns liegenden
                                      zu und die politische Diskussion in Berlin im      Strukturwandel zu nutzen und in zukunftssi-
     Solveig Orlowski                 Frühjahr 2017 ist naturgemäß immer stärker         cheren Bereichen zahlreiche neue Arbeitsplät-
     Leiterin des VATM-Büros Berlin   vom Bundestagswahlkampf geprägt. Trotzdem          ze zu generieren. Die Erfahrung der letzten
                                      sind sich das CSU-geführte Bundesministeri-        Monate zeigt, dass der Breitbandmarkt ange-
                                      um für Verkehr und digitale Infrastruktur und      botsseitig funktioniert. Sobald deutlich höhere
                                      das Bundeswirtschaftsministerium unter der         Bandbreiten verfügbar sind, werden diese auch
                                      Sozialdemokratin Brigitte Zypries darüber ei-      immer stärker nachgefragt und genutzt – vor-
                                      nig, dass das 50-Mbit/s-Ziel längst nicht aus-     her gar nicht absehbare neue und innovative
                                      reicht, um Deutschland im Digitalisierungs-        Anwendungen werden so entstehen.
                                      wettlauf erfolgreich voranzubringen.
                                                                                         Der Faktor Zeit spielt auch im internationa-
                                      So hat sich die von Bundesverkehrsminister         len Wettbewerb die entscheidende Rolle. Nur
                                      Alexander Dobrindt initiierte Netzallianz          wenn wir jetzt beginnen, die Netze zu bauen,
                                      kürzlich in ihrer „Zukunftsoffensive Gigabit-      die wir spätestens in zehn Jahren zweifelsfrei
                                      Deutschland“ dafür ausgesprochen, bis zum          benötigen, haben wir eine Chance, diese riesi-
                                      Jahr 2025 eine konvergente gigabitfähige In-       ge Infrastrukturausbauaufgabe fristgerecht zu
                                      frastruktur zu errichten. Parallel dazu hat das    lösen. Daher brauchen wir Ziele und konkrete
                                      Bundeswirtschaftsministerium das Weißbuch          Leitlinien, die genau dies sicherstellen, und
                                      „Digitale Plattformen“ erarbeitet, in dem auch     nicht – wie zurzeit – allein auf die Erreichung
                                      Aussagen zu zukunftssicheren Breitbandnet-         eines nicht zukunftsfähigen Zwischenziels
                                      zen enthalten sind. So sollen innerhalb der        ausgerichtet sind. Nur dann kann es gelingen,
                                      nächsten zehn Jahre flächendeckend giga-           sinnvolle technische Zwischenschritte und För-
                                      bitfähige Infrastrukturen errichtet werden.        dermaßnahmen von solchen zu unterscheiden,
                                      Dies ersetzt jedoch nicht ein klares politisches   die das Erreichen bereits mittel- und langfristi-
                                      Bekenntnis der Bundesregierung zum Ausbau          ger Ziele verzögern oder verteuern.
                                      von Gigabit-Netzen bis zum Bürger und zum
                                      Unternehmen. Insofern sehen wir die Weiter-        Auch Regulierungsziele müssen konsequent
                                      entwicklung der Breitbandstrategie des Bun-        neuen zukunftsweisenden politischen Vorga-
                                      des über 2018 hinaus als längst überfällig an.     ben folgen. Insofern begrüßen wir grundsätz-
                                      Sie sollte so schnellstmöglich an die schon heu-   lich auch die jüngst eingeleitete Konsultation
                                      te absehbaren, zukünftig deutlich höheren Be-      der Bundesnetzagentur zur künftigen Regulie-
                                      dürfnisse der Wirtschaft und der Gesellschaft      rung von Glasfaseranschlussnetzen. Wichtig
                                      angepasst werden.                                  scheint uns jedoch, hier den Fokus gleicherma-
                                                                                         ßen auf einen schnellen Infrastrukturausbau
                                      Sowohl im Bereich der Privatkunden als auch        und auf die Beibehaltung funktionsfähigen
                                      in der Wirtschaft werden Datenmengen und           Wettbewerbs zu legen. Für eine erfolgreiche
                                      Qualitätsanforderungen in den nächsten Jah-        Digitalisierung der Wirtschaft im internationa-
                                      ren derart anwachsen, dass wir gigabitfähige       len Standortwettbewerb brauchen wir sowohl
                                      Netze durchgängig als echte Anschlussnetze         gigabitfähige Anschlussnetze als auch die Di-
                                      benötigen werden. Nur so bleibt die deutsche       gitalisierung treibenden Dienste auf diesen
                                      Wirtschaft wettbewerbsfähig. Vor allem aber        Netzen.
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                                                Interview
                                                Gigabit-Gesellschaft:
                                                Möglichkeiten und Herausforderungen
                                                Bei der Digitalisierung von Gesellschaft und       Martin Witt: Unsere Erfahrungen bei der Ent-
                                                Wirtschaft sind hochleistungsfähige digitale       wicklung von Angebot und Nachfrage zeigen:
     Prof. Dr. Thomas Fetzer                    Infrastrukturen der entscheidende Standort-        Ist erst einmal das Angebot da, entwickelt
     Lehrstuhlinhaber für Öffentliches Recht,
                                                faktor. Sie sind Voraussetzung für internationa-   sich auch die Nachfrage sehr schnell. So zum
     Regulierungsrecht und Steuerrecht der
                                                le Wettbewerbsfähigkeit, für die Entwicklung       Beispiel in VDSL-Ausbaugebieten, wo sich eine
     Universität Mannheim
                                                von Innovationen und die Schaffung neuer           hohe Nutzungsquote von Anschlüssen mit ho-
                                                Arbeitsplätze in Deutschland und Europa.           hen Bandbreiten entwickelt. Es tut sich sowohl
                                                Doch verzeichnen andere europäische Län-           auf der Angebots- als auch Nachfrageseite
                                                der wie Spanien, Portugal, Frankreich und          etwas. Neben dem voranschreitenden Glasfa-
                                                Skandinavien einen massiven Ausbau der             serausbau unseres Tochterunternehmens 1&1
                                                Gigabit-Strukturen, während in Deutschland         Versatel, haben wir bei 1&1 daher auch eine
                                                diese Gigabit-Geschwindigkeiten noch wenig         eigene Open-Access-Plattform entwickelt, die
                                                nachgefragt werden. Über Möglichkeiten der         regionale Glasfaser-Netze verknüpft und uns
                                                Gigabit-Gesellschaft und Herausforderungen         als bundesweit tätigem Anbieter erlaubt, An-
                                                an Wirtschaft, Politik und Regulierung sprach      schlüsse zu vermarkten.
                                                der VATM mit dem Prof. Dr. Thomas Fetzer,
                                                Lehrstuhlinhaber für Öffentliches Recht, Re-       Aber die Branche muss noch stärker aufs Gas-
                                                gulierungsrecht und Steuerrecht der Univer-        pedal drücken. Die Telekom hat sich angesichts
                                                sität Mannheim, und Martin Witt, Präsident         ihrer Festlegung auf eine FTTC/Vectoring-Stra-
                                                des VATM und Vorstandsvorsitzender der 1&1         tegie gerade als FTTB/H-Investor verabschie-
                                                Telecommunication SE.                              det. Also müssen die vielen Wettbewerber
                                                                                                   gemeinsam das Steuer übernehmen und die
     Martin Witt
                                                Gibt eine schwache Nachfrage in Deutschland        Infrastruktur der Zukunft ausrollen.
     Präsident des VATM und
     Vorstandsvorsitzender der                  nicht gerade denjenigen Recht, die beim Glasfa-
     1&1 Telecommunication SE                   serausbau im Bremserhäuschen sitzen?               Welche Dienste, welche Entwicklungen sind
                                                                                                   aus Sicht der Telekommunikationsbranche/
                                                Thomas Fetzer: Wir führen diese „Henne-Ei-         aus Sicht der Wissenschaft die entscheidenden
                                                Diskussion“, ob zuerst neue innovative Dienste     Treiber für mehr Nachfrage nach Glasfaserge-
                                                und Anwendung die Massennachfrage nach             schwindigkeit?
                                                flächendeckenden Breitbandinfrastrukturen
                                                stimulieren müssen oder ob eine flächende-         Witt: Fakt ist: Die Nachfrage nach bandbrei-
                                                ckende Netzinfrastruktur Voraussetzung für         tenintensiven Diensten wird in Zukunft so im-
                                                das Entstehen dieser Dienste ist, jetzt schon      mens schnell ansteigen, dass sie sich mit der
                                                seit einigen Jahren. Damit verlieren wir aber      herkömmlichen Kupferdrahttechnologie schon
                                                wichtige Zeit beim Breitbandausbau. Da für         bald nicht mehr bewältigen lassen wird. Strea-
                                                mich außer Frage steht, dass auf Sicht von 5       men in HD-Qualität, hochauflösendes TV, M2M,
                                                bis 10 Jahren eine flächendeckende Versor-         IoT, neue Anwendungen in den Bereichen E-
                                                gung mit Gigabitnetzzugängen unabdingbar           Health, smart Grid, E-Learning – fast täglich
                                                sein wird, ist ein weiteres Zuwarten keine zu-     kommen neue digitale Anwendungen dazu,
                                                kunftsfähige Strategie. Selbst wenn wir heute      die das Leben einfacher und komfortabler ma-
                                                für eine Avantgarde bauen sollten, wird dies       chen. Hinzu kommt, dass die Kombination der
                                                künftig allen zugutekommen.                        verschiedenen Anwendungen den Ausschlag
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für die leistungsfähigste Infrastruktur gibt.      keine akzeptablen Zeiten. Hierfür brauchen
Denn in der Regel werden mehrere Dienste           wir Gigabit-Infrastruktur. Oder denken Sie an
zur selben Zeit und in den meisten Fällen von      E-Mobility oder robotergestützte Operationen
mehreren Personen gleichzeitig genutzt.            – hierbei darf es nicht zu Zeitverzögerungen
                                                   kommen, die Reaktionszeit spielt in diesen Be-
Fetzer: Schon heute wird von vielen Menschen       reichen die entscheidende Rolle.
ein schneller Internetzugang als so essentiell
empfunden, dass sie bei einem Wohnortwech-         Fetzer: Sehr richtig. Deshalb ist es wichtig,
sel darauf achten. Will man das Leben in länd-     die Diskussion um den Breitbandausbau weg
lichen Gebieten attraktiv gestalten, muss es       von reinen Downloadgeschwindigkeiten zu
auch dort Hochgeschwindigkeitsnetze geben.         lenken. Für unternehmerische Anwender ist
Ein erheblicher Teil unserer Wirtschaftsleistung   der Upload mindestens ebenso wichtig. Hinzu
geht auf mittelständische Unternehmen zu-          kommt, dass insbesondere Echtzeitanwendun-
rück, die gerade nicht in Ballungsgebieten mit     gen wie Smarthome mitunter nicht sonderlich
exzellenter Breitbandversorgung angesiedelt        bandbreitenintensiv sind, sondern andere Qua-
sind. Diese Unternehmen werden künftig exis-       litätsanforderungen etwa im Hinblick auf Jit-
tentiell auf hochleistungsfähige Netze ange-       ter, Latenz oder Packet Loss viel wichtiger sind.
wiesen sein, um wettbewerbsfähig bleiben zu        An diesen Anforderungen muss sich auch der
können. Wir müssen daher einen flächende-          Netzausbau orientieren.
ckenden Ausbau mit Hochgeschwindigkeits-
netzen anstreben. Dort, wo feststeht, dass sich    Wo sind die Weichen aktuell noch falsch gestellt,
private Investitionen nicht lohnen, müssen Ver-    wo sind wir bereits auf dem richtigen Weg?
sorgungslücken durch staatliche Fördermaß-
nahmen oder kommunale Ausbauinitiativen            Fetzer: Ich habe den Eindruck, dass wir aktu-
geschlossen werden.                                ell eine ganze Menge von richtigen Weichen-
                                                   stellungen beobachten können: Die Kosten-
Welche neuen Anforderungen an die Qualität         senkungsrichtlinie und das sie umsetzende
gehen mit den zu erwartenden gewaltigen Da-        DigiNetzG dienen der Reduzierung der Netz-
tenströmen der Zukunft einher?                     ausbaukosten. Der neue Kodexentwurf der
                                                   Europäischen Kommission gibt ein Konnek-
Witt: Verschiedene Anwendungen haben ver-          tivitätsziel vor, das auf Netze ausgerichtet ist,
schiedene Anforderungen an die Infrastruktur.      die über FTTH-/FTTB-Leistungscharakteristika
TV in hochauflösender 4K- oder 8K-Qualität         verfügen. Die Bundesnetzagentur will ver-
erfordert zum Beispiel eine hohe Download-         stärkt Investitionsanreize in hochleistungsfä-
geschwindigkeit. Das Verlagern von Daten und       hige Breitbandnetze setzen, und im Weißbuch
Geschäftsprozessen in die Cloud, Smart-Home-       „Digitale Plattformen“ des Bundeswirtschafts-
Systeme oder Anwendungen im E-Health-              ministeriums findet sich ein entsprechendes
Bereich wiederum benötigen eine stabile und        Bekenntnis, notfalls auch den Rechtsrahmen
leistungsfähige Uploadgeschwindigkeit. Eine        entsprechend anzupassen.
einzelne MRT-Aufnahme ist bis zu 5GB groß
und braucht beim Versand über einen VDSL-          Aber natürlich gibt es auch noch Stellschrau-
50-Anschluss länger als eine Stunde. Das sind      ben für Verbesserungen: Die Breitbandförde-
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