Zeitschrift des Tiroler Jägerverbandes - April 2017 Jahrgang 69 www.tjv.at
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ICH BIN BÜCHSENMACHER UND JÄGER.
E I N E S DAVO N I S T M E I N B E R U F,
DAS ANDERE MEINE BERUFUNG.
Lukas J., Jäger und technische
Dokumentation bei STEYR MANNLICHER.
Von Jägern. Für Jungjäger.
JETZT ERHÄLTLICH!
JUNGJÄGERPROGRAMM 2017
WWW.JUNGJAEGERFOERDERUNG.ATZum Geleit
Offenheit und fairer Dialog
B eobachtet man die letzten Jahrzehnte und die Strömungen innerhalb der Jä-
gerschaft – und das in ganz Mitteleuropa – so muss man leider feststellen,
dass immer wieder der Wald-Wild-Konflikt die Beziehungen der Jägerschaft und
der Forstwirtschaft beeinträchtigt hat. Man kennt die immer wieder zitierten
Stereotypen, mit denen man sich bei allen möglichen und unmöglichen Gele-
genheiten in wechselnd qualitätsvoller Rhetorik immer wieder einzelne Gefechte
geliefert hat. Nun, genau dieses Fahrwasser wollte der Vorstand des Tiroler Jä-
gerverbandes, und ich als Landesjägermeister, vermeiden. Dabei wäre es so ein-
fach gewesen, mit altbekannten Vorurteilen und Argumenten Stimmung gegen
einen vermeintlichen Feind zu machen. Denn die Erfahrung zeigt, dass der Zu-
sammenhalt innerhalb einer Gruppe besser ist, wenn man einen gemeinsamen
Feind hat, gegen den es anzukämpfen gilt. Nun, dieses einfache Muster wollten
wir vermeiden und haben daher oft auf einfache „Punktesiege“ verzichtet. Nun
ist es so, dass einzelne Verantwortliche der Forstseite – allen voran der Chef der
Behörde – meinen, es sei angebracht, mit den Medien zuerst zu reden und die
Lage unangebrachterweise zu dramatisieren und dabei die in der Mariazeller Er-
klärung vereinbarten Prinzipien zu ignorieren! Wenn jemand, der Tirol nicht
kennt, die Zitate, die jüngst in der Tiroler Tageszeitung veröffentlicht wurden,
liest, dann meint er wohl, dass unser Heimatland ziemlich verwüstet sein muss –
von all dem Rot-, Reh- und Gamswild … ein Blick aus dem Fenster beweist das
Gegenteil. Diese Trendumkehr spiegelt sich auch in der 4. Aufnahmeperiode des
Wildeinflussmonitorings (WEM) wider, wo Tirol österreichweit die besten Er-
gebnisse zu verzeichnen hat – so ganz nach dem Motto „die Besten im Westen“.
Wir werden derartige Angriffe, auch wenn danach versucht wird, zu relativie-
ren und die Schuld einzelnen Redakteuren zu geben, nicht auf uns sitzen lassen
und jeden dieser Angriffe parieren, ohne in übertriebene Hektik zu verfallen!
Denn am Ende überwiegen der natürliche Waldzuwachs und alles, was durch
Menschenhand oder Wildeinfluss entnommen wird, und Tirol ist weit davon
entfernt zu versteppen. Wir werden aber auch dort, wo seitens der Jägerschaft
Nachholbedarf gegeben ist, den Finger in die Wunde legen und schwarze Schafe
zurück auf den rechten Weg geleiten. Das sind wir der Jagd in Tirol und unserer
Glaubwürdigkeit schuldig!
Ich wünsche Ihnen allen ein rasches Ende der „Notzeit“ und einen gelungenen
Start in ein neues Jagdjahr!
Weidmannsheil!
Anton Larcher
Landesjägermeister von Tirol
Foto: Rudigier (1) Jagd in Tirol 04
06 | 2017
2015 317 Pflanzenserie: Sal-Weide (Salix caprea L.)
20 Bleifrei: Bleifreie Büchsenmunition im Hochgebirge
Federwild: Die Großtrappe 10
3 zum geleit ■ Wald & Lebensraum ■ JAGD & GESCHICHTE
6 Foto des Monats 17 Pflanzenserie: Sal-Weide 43 Nostalgische Fundgrube
(Salix caprea L.) 44 Kunst: Wiener Hasenhaus
■ Forschung & Praxis
■ Jäger & Revier
08 EU befürwortet Überarbeitung der ■ Info & Service
Feuerwaffenrichtlinie 20 Bleifrei: Projektbericht – Bleifreie
08 Afrika – Nordeuropa: Adler im Anflug Büchsenmunition im Hochgebirge 46 Mitteilungen der Geschäftsstelle
09 Nationalpark Kalkalpen: zwei neue Luchse 30 Jägerwissen auf dem Prüfstand: 56 Jubilare im April 2017
09 Wolfsnachweise in Südtirol Testen Sie Ihr Wissen 57 Trophäenschau Bezirk Schwaz
09 Reviere: Verhängnisvolles Ende 58 TJV-Akademie
■ JAGD & Recht 60 Aus- und Weiterbildung
62 Aus den Bezirken
■ Wild & Ökologie 32 Wildschäden: Ein Anachronismus? 67 Vereine
Verschuldensunabhängige Haftung 68 Veranstaltungen
10 Federwild: Die Großtrappe für Wildschäden 71 Jäger in der Schule
4 Jagd in Tirol 04 | 2017 Fotos: Bildagentur Zoonar GmbH/shutterstock (1), Nikolina Mrakovic/shutterstock (1), TJV (1)INHALT
Wild| Impressum
& Ökologie
Jagd & Recht: Verschuldungsunabhängige Haftung für Wildschäden 32
78 Jagdhunde: Vereine
Impressum
Herausgeber Medieninhaber (Verleger):
Tiroler Jägerverband,
Meinhardstraße 9, 6020 Innsbruck,
Tel.: 0512-57 10 93, 0800-244 177
Fax: 0512-57 10 93-15, E-Mail: info@tjv.at
Schriftleitung: Mag. Martin Schwärzler (TJV)
Layout: Evelyn Schreder (Bezirksblätter)
Hersteller und Anzeigenverwaltung:
73 Kulinarium: Geröstete Rehleber mit Bezirksblätter Tirol GmbH, Eduard-Bodem-Gasse 6,
cremiger Polenta und Äpfeln 6020 Innsbruck, Tel.: 0512-320 4111,
74 Autotest: Toyota C-HR Zeitschrift des Tiroler Jägerverbandes
April 2017 • Jahrgang 69 www.tjv.at
Fax: 0512-320 720, E-Mail: jagd@jagdintirol.com
76 Bücherecke Redaktion:
TJV (Martin Schwärzler, Martina Just,
Christine Lettl, Miriam Traube, Anja Waldburger),
■ jagdhunde Bezirksblätter Tirol
Produktion, Bildbearbeitung: Evelyn Schreder
78 Vereine: Klub Dachsbracke, „Jagd in Tirol” wird an alle Mitglieder des Tiroler Jägerver-
Klub Tirolerbracke bandes kostenfrei abgegeben. Sie ist eine Fachzeitschrift,
welche die behördlichen Kundmachungen und Verlaut-
barungen zu veröffentlichen hat und zusätzlich über grund-
■ Humorvolles sätzliche Fragen und aktuelle Ereignisse auf dem Gebiet
des Jagdwesens, des Naturschutzes usw. informiert. „Jagd
in Tirol” erscheint am Monatsanfang. Redaktionsschluss ist
80 Klavinius der 10. des Vormonats. Für unverlangte Manuskripte und
Bilder wird keine Verantwortung übernommen. Namentlich
Das Titelbild dieser Ausgabe stammt oder mit Kürzel gezeichnete Beiträge geben nicht unbe-
81 Jagdmarkt-Anzeigen von Mag. Martin Schwärzler dingt die Meinung von Redaktion und Herausgeber wieder.
Fotos: Prem (1), Koidl (1) Jagd in Tirol 04
06 | 2017
2015 5Blind vor Liebe …
… sind die Auerhähne während der Balz. Zu
dieser Zeit erreicht der Testosteronspiegel des
Hahns das Hundertfache seines Normalwertes.
Daher sind die liebestollen Auerhähne während
der Balz besonders aggressiv und schrecken
auch vor überlegenen Feinden nicht zurück.
Dieser Schnappschuss der Auerhahnbalz
im Sarntal gelang Bezirksjägermeister
Eduard Weger aus Südtirol.
6 Jagd in Tirol 04 | 2017April
Haselwild
2017 FOTO
WildDES
& Ökologie
MONATS
Wir suchen:
IHR FOTO DES MONATS
Fotografiebegeisterte Leser der „Jagd in
Tirol“ sind eingeladen, ihr „Foto des Monats“
an die Redaktion (foto@tjv.at) einzusenden.
Die Aufnahme sollte ein interessantes Motiv aus
Natur, Wald und Wild, Jagd, Forst oder Revier-
betreuung abbilden. Eine kurze Erläuterung zur
Person des Fotografen, dem Aufnahmeort und
den näheren Umständen der Aufnahme wäre
wünschenswert.
Als Gewinn winken die Veröffentlichung als
„Foto des Monats“ samt Erwähnung des Fotografen
in der JAGD IN TIROL, die Aufnahme in die
TJV-Bilder-galerie sowie ein
Victorinox HUNTER
Taschenmesser
mit TJV Logo.
Einsendeschluss:
07. des Vormonats
an foto@tjv.at
Die Bilder sollten eine
Dateigröße von ca. 5 MB haben.
Die Teilnahme erfolgt durch Übersendung eines oder mehrerer
Fotos ausschließlich per E-Mail. Die Teilnahme ist kostenlos. Die
Teilnehmer gewährleisten, dass sie an den übermittelten Fotos
sämtliche Rechte uneingeschränkt besitzen und keine Rechte
Dritter berühren. Insbesondere bei der Darstellung von Personen
versichern die Teilnehmer, dass keine Persönlichkeitsrechte verletzt
werden und die abgebildeten Personen mit einer Veröffentlichung
ihres Bildes einverstanden sind. Die Teilnehmer räumen dem TJV
mit der Einsendung und Teilnahme uneingeschränkt das Recht ein,
übermittelte Fotos unentgeltlich und in sämtlichen Medien zu nut-
zen und zu veröffentlichen.
Jagd in Tirol 04 | 2017 7Forschung & Praxis Aktuelles
EU befürwortet Überarbeitung
der Feuerwaffenrichtlinie
Das Europäische Parlament (EP) stimmte Mitte März der Überarbeitung der Feuerwaffenrichtlinie der EU zu.
Der ursprüngliche Entwurf der EU-Kommission wurde deutlich entschärft.
D as Europäische Parlament hat der Re-
form der EU-Feuerwaffenrichtlinie
zugestimmt. Vorgesehen sind unter ande-
rem Beschränkungen der Magazinkapazität
halbautomatischer Waffen, umfassendere
Regelungen zur Kennzeichnung und Rück-
verfolgbarkeit von Waffen und Waffentei-
len, zum Austausch von Daten unter EU-
Mitgliedsstaaten sowie dem Handel mit
Waffen und eine verschärfte Überwachung
der Eignung und Zuverlässigkeit von Waf-
fenbesitzern. Die EU-Kommission hat En-
de 2015 unter dem Eindruck der Anschläge
von Paris ein noch deutlich umfangreiche-
res Reformpaket vorgelegt. Experten haben Ob die Feuerwaffenrichtlinie konkrete Auswirkungen für die Jägerschaft hat, hängt nun von der Umsetzung der
bereits damals heftige Kritik geäußert und Richtlinien ins österreichische Recht ab.
den Großteil der Maßnahmen als ungeeig-
net für Terrorismusbekämpfung abgelehnt. zer in Österreich zukommen, hängt von der her nun auf die Umsetzung des EU-Rechts
Zu einer kompletten Zurückweisung konn- Umsetzung ins österreichische Recht ab. in nationales Recht konzentrieren und den
ten sich die Parlamentsabgeordneten nicht FACE-Generalsekretär Ludwig Willnegger Jagdvereinigungen zwecks Sicherstellung
durchringen, sie haben den Kommissions- erklärt hierzu: „Die Schlussabstimmung dessen reibungsloser Umsetzung ohne un-
entwurf aber deutlich entschärft. kann als gutes Ergebnis für die europä- nötige Bürden und Hindernisse für Jäger,
Im vergangenen Jahr hatte FACE inten- ischen Jäger gesehen werden, allerdings Besitzer sowie Hersteller von Feuerwaffen
siv auf eine Änderung des Wortlauts und bleiben Regelungen zu Genehmigungen, beistehen und diese unterstützen.“ FACE
Streichung ungerechtfertigter Beschrän- Lizenzen einschließlich deren Erneuerung will sicherstellen, dass Jäger Feuerwaffen
kungen des Vorschlags der Europäischen und Verlängerung sowie der Verwahrung und Munition sicher und ohne ungerecht-
Kommission zur Richtlinie hingewirkt von Feuerwaffen immer noch unklar. Dabei fertigte Bürokratie, Kosten oder Beschrän-
und wesentliche Änderungen sowie einen besteht die Gefahr einer Überregulierung kungen erwerben, besitzen, benutzen und
ausgewogeneren Wortlaut erreicht. Welche und damit unzureichenden Umsetzung in mit diesen reisen können. ❙
Änderungen im Einzelfall auf Waffenbesit- den Mitgliedsstaaten. FACE wird sich da- CL / Pressemitteilung FACE, DJV
Afrika – Nordeuropa: Adler im Anflug!
R und 10.000 Kilometer legen die Schrei-
adler von Afrika über Brandenburg bis
in den hohen Norden Europas zurück. Hier
destens 65 Tage. Das Besondere an ihrer
Reise: Dank der Ausstattung mit GPS-Sen-
dern können die Flugdaten der besenderten
suchen die Greifvögel ihre angestammten Tiere am Computerbildschirm genau mit-
Brutplätze auf – wenn alles gut geht. verfolgt werden. Unter www.schreiadler.org
Gerade relativ kleine Vertreter der Adler, auf „birdmap“ sind alle Routen der besen-
wie der Schreiadler, legen besonders weite derten Vögel zu finden.
Reisen zurück. Die Überwinterungsquar- Auch Österreich ist für viele Zugvögel Teil
tiere liegen im südlichen Afrika. Um recht- der Reiseroute. Im Frühjahr sind daher im-
zeitig zur Brutsaison wieder in Nordeuropa mer wieder außergewöhnliche Vogelarten
zu sein, haben die Adler im Februar bereits zu beobachten, wie etwa der Rallenreiher,
wieder ihre Rückreise angetreten. Bis die die Steppenweihe, der Raufußbussard oder
kleinen Greifvögel ihr Brutgebiet im Nor- auch der Schreiadler. ❙
den Europas erreichen, benötigen sie min- Christine Lettl
8 Jagd in Tirol 04 | 2017 Fotos: Swarovski Optik (1), Bildagentur Zoonar GmbH/shutterstock (1)Aktuelles | Reviere Forschung & Praxis
Ökologie
Nationalpark Kalkalpen: zwei neue Luchse
N achdem Anfang des Jahres noch nicht
feststand, wie das Luchsprojekt im Na-
tionalpark Kalkalpen weiterverläuft (wie
berichtet), konnten nun zwei Ersatztiere
von der Schweiz zur Stützung der Rest-
population im Nationalpark übersiedelt
werden.
Seit Jahren bemüht sich die Arbeitsgrup-
pe LUKA (Luchs Kalkalpen), den Luchs-
bestand in der Nationalpark Kalkalpen
Region zu heben, um sie vor einer neu-
erlichen Ausrottung zu bewahren. Dieser
Arbeitskreis setzt sich aus Vertretern des
Nationalpark OÖ Kalkalpen, des OÖ Lan-
desjagdverbandes, des Forschungsinstituts
für Wildtierkunde und Ökologie der Vet-
Med Wien, des Naturschutzbundes, des
WWF, des BMLFUW, der ÖBf sowie der
Bezirksbauernkammern Steyr Land und Da sich dort die Abnahme verzögerte, ha- keine Sekunde gezögert und das Angebot
Kirchdorf an der Krems zusammen. ben uns die Schweizer Kollegen die Luchse sofort angenommen“, freut sich Projektlei-
„Luchsmännchen Juri und Luchskatze Ai- umgehend angeboten. Da die Tiere gesund ter Dipl.-Ing. Christian Fuxjäger über die
ra waren eigentlich für das Luchsbestand- und weder miteinander noch mit unseren Ankömmlinge! ❙
stützungsprojekt im Pfälzerwald bestimmt. Luchsen vor Ort verwandt sind, haben wir Christine Lettl / NP Kalkalpen
Wolfsnachweise in Südtirol Verhängnisvolles Ende
Der Forstarbeiter Josef Kröll hat bei Durch-
forstungsarbeiten in der Eigenjagd Stum-
merberg im Februar ca. 30 m unterhalb
einer Forststraße dieses qualvoll verendete
Tier zwischen zwei Bäumen gefunden.
Anton Hollaus, Waldaufseher
I m vergangenen Herbst konnten am
Deutschnonsberg (Südtirol) erstmals
zwei Wölfe miteinander beobachtet wer-
nicht aus dem Trentino stammt. Nachdem
die beiden Wölfe seit Monaten zusammen
unterwegs sind, ist die Wahrscheinlichkeit
den. Dass es sich bei dem einen Tier um groß, dass man in den nächsten Monaten
einen männlichen Wolf handelt, ist schon Welpen bestätigen kann. Weiter vermuten
länger bekannt. Nun konnte das Amt für die Behörden auch im Gadertal (Grenze zu
Jagd und Fischerei Südtirol anhand einer Trient) sowie im Gebiet von Asiago (Trenti-
genetischen Probe nachweisen, dass es sich no) zwei weitere Rudelbildungen. Zu diesen
beim zweiten Wolf um ein Weibchen han- Wölfen liegen zurzeit jedoch noch keine ge-
delt. Die Untersuchung zeigte zudem, dass netischen Untersuchungen vor. ❙
es eine italienische Abstammung hat jedoch MJ
Fotos: Ninger/shutterstock (1), Sieghartsleitner/NP Kalkalpen (1), Hollaus (1) Jagd in Tirol 04 | 2017 9Wild & Ökologie FEDERWILD
Die Großtrappe
Die Großtrappe ist eine weltweit gefährdete Vogelart, die auch nach den aktuellen IUCN-Kriterien als „gefährdet“
eingestuft wird. Der weltweite Bestand umfasst derzeit ca. 50.000 Individuen. Die österreichischen Trappen-
bestände verteilen sich auf das westliche Weinviertel, das Marchfeld sowie die Rauchenwarther Platte in
Niederösterreich und im Burgenland auf dem Heideboden, die Parndorfer Platte und den Hanság im Seewinkel.
Sie zählt mit bis zu 16 Kilogramm zu den schwersten flugfähigen Vogelarten der Welt.
Autor: Dipl.-Ing. Manuel Wojta
10 Jagd in Tirol 04 | 2017FEDERWILD Wild & Ökologie
G
roßtrappen leben gesellig, meist in unvergessliches Ereignis. Die Paarungszeit Brutplatz mit Familientradition
kleinen Trupps nach Geschlechtern ist die einzige Jahreszeit, in der man den In Österreich sucht sich ein Großteil der
getrennt. Charakteristisch für die Eindruck hat, dass Hähne und Hennen an- Hennen im Umkreis von 5 km, verein-
Großtrappe, die einzige polygame Trappen- einander interessiert sind. So auffällig der zelt auch bis zu 10 km um den Balzplatz
art, ist ihre spektakuläre Balz, die sich in Hahn vor allem zur Brutzeit ist, so verbor- geeignete Nistmöglichkeiten. Interessant
Österreich hauptsächlich im April und Mai gen lebt die tarnfärbige Henne. Die Unter- dabei ist, dass die Hennen den Nistplatz
zumeist an den seit Generationen genutzten schiede der Henne zum Hahn sind in der
Balzplätzen abspielt. Dort kann man beo- Färbung zwar gering, in der Größe dafür
bachten, wie die Trappenhähne „stolz“ auf umso gewaltiger und in dieser Ausprägung
offenen Gras- oder Ackerlandschaften mar- einzigartig in der Vogelwelt.
schieren. Bei der Balz dreht der Hahn mit So ist die Henne weniger
einem Ruck das braungraue Flügelgefieder als halb so schwer
so um, dass die weißen Ellbogenfedern wie der Hahn und
und die weiße Unterseite des Flügelgefie- auch entspre-
ders zuoberst liegen. Der normalerweise chend kleiner.
gut getarnte Vogel verwandelt sich damit
in einen zuckenden, weißen Federball, der
paarungsbereite Weibchen über große Ent-
fernungen anlockt. Der Hahn investiert viel
Zeit und Kraft in die Balz, beteiligt sich je-
doch weder an der Brut noch an der Jun-
genaufzucht. Er ist also einfach nur „schön“
und „stolz“. Das Schauspiel der Trappen-
balz ist für den Beobachter auf alle Fälle ein
Foto: Bildagentur Zoonar GmbH/shutterstock (1) Jagd in Tirol 04 | 2017 11Wild & Ökologie FEDERWILD
Mit einem Gewicht von 16 kg gehört die Großtrappe zu den schwersten flugfähigen Vögeln.
meist nahe an dem Ort wählen, an dem sie die Brutgebiete im Kerngebiet der Bestände, ihres hohen Gewichts können sich die Groß-
selbst auf die Welt gekommen sind, wobei sondern auch neu besiedelte Brutplätze in ei- trappen sogar ohne Anlauf mit kräftigen
die meisten Trappen in den zentralen Brut- niger Entfernung davon zu schützen, da ihre Flügelschlägen in die Luft erheben. Sie sind
gebieten der Population brüten, andere aber lang andauernde Nutzung zu erwarten ist. auch ausgezeichnete Flieger, die mehr als
viele Kilometer davon entfernt. Hat sich eine 200 km pro Tag überwinden können. Jedoch
Trappenhenne einmal für einen Brutplatz leidet ihre Wendigkeit unter ihrem großen
entschieden, bleibt sie offenbar ein Leben Bitte nicht stören! Körpergewicht. Die Großtrappen in Mit-
lang dabei. Trappenhennen sind sehr brut- Die Trappen sind wachsame, störungsemp- teleuropa sind Teilzieher, die in besonders
platztreu, daher sind einzelne Brutplätze oft findliche Vögel, die auf Gefahrenquellen strengen Wintern einige hundert Kilome-
über Jahrzehnte besetzt. Für den Schutz der schon in weit über einem Kilometer Ent- ter wandern können, wobei sie sich jedoch
Großtrappe ist es umso wichtiger, nicht nur fernung mit Flucht reagieren können. Trotz großen Gefahren – zum Beispiel Kollisionen
mit Stromleitungen – aussetzen. Neben den
langen Strecken für die Wanderung zwi-
schen dem Sommer- und Winterquartier
legen Trappen aufgrund von Störereignis-
sen usw. meist nur kürzere Wege zurück. So
fliegen die hochgeschreckten Tiere entwe-
der weiträumige Schleifen und kehren nach
mehreren Minuten Flugzeit wieder zum Ab-
flugort zurück, oder sie fliegen großräumig
zu einer anderen Einstandsfläche.
Reich gedeckter Tisch
auf extensiven Flächen
Die Nahrung der Großtrappe besteht über-
wiegend aus krautigen Pflanzen, Großin-
sekten und Mäusen. Im Winter ernähren
sich die Trappen überwiegend von Raps
Durch das Umdrehen des Flügelgefieders wird aus dem
braungrauen Hahn ein weißer Federball, welcher paa-
rungsbereite Weibchen über große Distanz anlockt.
12 Jagd in Tirol 04 | 2017 Fotos: Kovacs (2), Jesus Giraldo Gutierez/shutterstock (1)FEDERWILD Wild & Ökologie
und Luzerne, weshalb die Erhaltung dieser
Flächen sehr wichtig ist. Sogar im intensiv
genutzten Marchfeld haben die Landwirte
im Rahmen des österreichischen Pro-
gramms zur Förderung einer umweltge-
rechten, extensiven und den natürlichen
Lebensraum schützenden Landwirtschaft
(ÖPUL) große Flächen für den Trappen-
schutz zur Verfügung gestellt.
Die Letzten galt es zu schützen
Vom weltweiten Gesamtbestand der ca.
50.000 Individuen kommen etwa 2.400
Großtrappen in Mitteleuropa vor. Der Be-
stand der Großtrappe in Österreich ist von Der Geschlechtsdimorphismus bei
etwa 700-800 Individuen gegen Mitte des der Großtrappe ist in der Färbung
nur gering, aber bei der Größe
20. Jahrhunderts auf etwa 150-170 Anfang dafür umso deutlicher erkennbar.
der 70er Jahre und von etwa 100 Indivi- So wiegt die Henne weniger als
duen Ende der 70er Jahre auf etwa 60 gegen halb so viel wie der Hahn und ist
Ende des Jahrhunderts zurückgegangen. reichisch-ungarisch-slowakischen Popula- auch entsprechend kleiner.
Auch in Ostösterreich war die Großtrappe tion. Im Jahr 1990 lebten nur noch 50 bis 60
weit verbreitet. In den letzten Jahrzehnten Individuen in den Gebieten. Dank gezielter
hat sich dieser Bestand auf vier räumlich Schutzmaßnahmen hat sich der Bestand bis Gefahren von allen Seiten
beschränkte Vorkommen in den Regionen 2015 auf etwa 505 Individuen erholt. Geeig- Lange Zeit war der Hauptverlustfaktor der
Weinviertel, Marchfeld, Heideboden/Parn- nete Lebensräume gibt es derzeit allerdings störungsempfindlichen Tiere die intensive
dorfer Platte und Hanság reduziert. Diese nur noch in Bereichen mit großflächigen landwirtschaftliche Nutzung während der
sind Teil einer grenzübergreifenden öster- „Trappenschutzflächen“. Brut- und Aufzuchtzeit. Dies stellte vor
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allem für Gelege und Jungvögel, aber auch
für brütende Hennen eine schwerwiegende
Gefährdung dar. Trotz speziell angelegter
„Trappenschutzflächen“ kommt es auch
jetzt immer wieder vor, dass einzelne Hen-
nen unvorhergesehen außerhalb der spezi-
ellen Schutzflächen brüten, wo sie und das
Gelege durch landwirtschaftliche Maßnah-
men stark bedroht sind.
Kollisionen mit Stromleitungen stellten
lange Zeit die häufigste Todesursache der
Großtrappe in Österreich dar. Aufgrund
ihres hohen Gewichts von bis zu 16 Ki-
logramm und der damit verbundenen
schlechteren Wendigkeit kommt es häufig
zu Kollisionen mit Stromfreileitungen. Dies
passiert vor allem bei schlechten Sichtver- Trotz der enormen Größe und dem
hältnissen, beispielsweise in der Dämme- hohen Gewicht können sich die
rung, bei Niederschlag oder bei intensivem Großtrappen ohne Anlauf mit kräf-
tigen Flügelschlägen direkt vom
Sonnenlicht. Ebenso sind Vögel besonders Boden in die Luft erheben. Im Flug
gefährdet, mit einer Leitung zu kollidie- jedoch leidet die Wendigkeit unter
ren, wenn sie zu einer raschen Flucht oder wie Reiten, Radfahren, Fotografieren, Na- der Masse und schlecht sichtbare
Richtungsänderung gezwungen werden, turbeobachtungen und Flugverkehr mit Stromleitungen können zu tödlichen
Fallen werden.
beispielsweise im Falle einer Störung oder Kleinflugzeugen sind oft das Resultat von
bei plötzlichem Auftauchen eines Feindes. mangelndem Wissen der Öffentlichkeit
Ein weiterer Gefährdungsfaktor ist die Prä- oder zu geringer Wertschätzung der Groß-
dation durch Rotfuchs, andere fleischfres- trappe. Bereits eine einmalige Störung der es auch durch strenge Winter mit starkem
sende Säugetiere wie z. B. Dachs, Marder brütenden Henne kann zu einem Verlas- Frost und hoher Schneelage. Die Großtrap-
und Wildschwein sowie Aaskrähen und sen des Geleges führen, dies setzt die ver- pen sind dann gezwungen, Wanderungen
Greifvögel, die vor allem Gelege sowie lassenen Gelege und Jungtrappen einem zu unternehmen, auf denen es, aufgrund
juvenile und immature Großtrappen be- höheren Prädationsdruck aus. Zu weiteren von Kollisionen oder anderen Gefahren,
trifft. Störungen durch Freizeitaktivitäten Verlusten der gefährdeten Tierart kommt meist zu starken Populationseinbußen
kommen kann. Ebenso kann sich Stark-
regen und Hagel negativ auf die Trappen-
population auswirken. Die ungünstige
Witterung kann Gelege gefährden und die
Hennen zur Aufgabe des Geleges zwin-
gen. Anhaltende kalte oder nasse Witte-
rung kann auch Küken Unterkühlung und
Krankheiten aussetzen.
Große Schutzgebiete
für große Vögel
In Österreich gibt es bereits zahlreiche
konkrete Maßnahmen zum Schutz und
Management der mitteleuropäischen Po-
pulation der Großtrappe. Bis heute wurden
großflächige Schutzgebiete ausgewiesen, in
denen mehr als 5.500 ha Trappenschutz-
flächen angelegt wurden. Diese wurden
im Rahmen des Agrar-Umweltprogramms
ÖPUL (Österreichisches Programm zur
Förderung einer umweltgerechten, exten-
Anhaltende Schlechtwetterperioden können bei den Küken zu Unterküh-
lungen führen und machen sie anfälliger für Krankheiten. Beides endet
meist tödlich und bedeutet für die Population einen großen Verlust.
14 Jagd in Tirol 04 | 2017 Fotos: Kovacs (3)FEDERWILD Wild & Ökologie
siven und den natürlichen Lebensraum
schützenden Landwirtschaft) angelegt.
Diese Flächen werden idealerweise weder
gedüngt noch mit Schädlingsbekämpfungs-
mitteln gespritzt. Von Anfang April bis zum
Erntezeitpunkt bleibt das „Trappengetrei-
de“ völlig störungsfrei, da die Schutzflä-
chen weder betreten noch befahren werden
dürfen. Zusätzlich dazu existiert in allen
Trappengebieten Österreichs eine umfang-
reiche Gebietsbetreuung. Dies ist allerdings
nur durch eine enge Zusammenarbeit und
Einbeziehung der Landwirte, Jäger und der
regionalen Politiker in das Artenschutz-
projekt Großtrappe möglich. Besonders
hervorzuheben ist hier die zumeist ausge-
sprochen gute Zusammenarbeit zwischen
Naturschutz und Jagd beim Schutz der
Großtrappe, insbesondere durch freiwillige
Rücksichtnahmen auf die Balz- und Brut-
Damit diese spezielle Vogelart
plätze der Großtrappe bei der Bejagung der nicht ausstirbt bzw. die Bestände
Rehböcke sowie die teilweise intensivere wieder ansteigen können, ist sie
Bejagung des Rotfuchses vor der Brutzeit auf große, extensiv genutzte
der Großtrappe. Derzeit sind mehr als 100 Flächen und weitere Schutzmaß-
nahmen angewiesen.
Jäger in das Artenschutzprojekt eingebun- Vogelart zu leisten, werden in mehreren
den. Die gute Zusammenarbeit und inten- Ländern umfangreiche Schutzprojekte
sive Kooperation und insbesondere der mit finanzieller Unterstützung der Euro-
Informationsaustausch mit der lokalen Jä- päischen Union umgesetzt. In Österreich vier österreichischen und fünf ungarischen
gerschaft sind auch für die Zukunft geplant läuft mittlerweile das dritte große LIFE Projektgebieten im Vordergrund. Insbeson-
und für ein weiteres Populationswachstum Projekt zum Schutz der Großtrappe. Zwei dere werden Maßnahmen gesetzt, die den
der Großtrappe zwingend notwendig. LIFE Projekte zum Schutz der Großtrappe Lebensraum verbessern und die Gefahr von
wurden bereits erfolgreich abgeschlossen. Leitungskollisionen mithilfe von Erdverka-
Aufgrund des Erfolges der beiden voran- belungen reduzieren sollen. Erstmalig wer-
LIFE Projekt gegangenen österreichischen LIFE Pro- den Großtrappen auch mit GPS-Sendern
Um der weltweit gefährdeten Großtrap- jekte konnte im Juli 2016 das bisher größte ausgestattet, um noch mehr Informationen
pe in Mitteleuropa auch in Zukunft das LIFE Projekt ins Leben gerufen werden. In über das Migrationsverhalten und die Be-
Überleben zu sichern und einen Beitrag diesem Projekt steht vor allem der grenz- wegung der Großtrappe zu erfahren. In den
zur Erhaltung dieser außergewöhnlichen überschreitende Schutz der Großtrappe in bisherigen LIFE Projekten konnten durchWild & Ökologie FEDERWILD
Dank der Markierung von Leitungen bzw. der Erdver-
kabelung konnte die Todesrate durch Kollisionen mit
Hochspannungsleitungen massiv gesenkt werden.
der Großtrappe bei gleichzeitiger Abnahme
der Mortalitätsrate und des Anteils an Kol-
lisionsopfern. Im Rahmen des ersten LIFE
Projektes konnte die Todesrate durch Kolli-
sionen von 50 % bis 71 % der Todesfälle in
den vier Jahren vor Beginn der Umsetzung
der Maßnahmen auf 14 % bis 38 % im Pro-
jektzeitraum gesenkt werden.
Ein weiteres Ziel der Projekte ist die Ver-
mittlung des besonderen Werts der Erhal-
tung regionaler Kulturlandschaften und
der Notwendigkeit eines integrierten Na-
turschutzes im Rahmen von Natura 2000
und LIFE. Dies wurde vor allem durch die
gezielte Einbeziehung von Landwirten,
Jägern, Politikern aber auch vieler interes-
sierter Hobbybeobachter erreicht, indem
intensive Gespräche geführt, Vorträge ge-
die Erdverkabelung und Markierung von Im darauffolgenden LIFE+ Projekt konn- halten und gemeinsame Exkursionen in
Leitungen bereits unglaubliche Erfolge ge- ten im Projektzeitraum weitere insgesamt die Trappengebiete unternommen wurden.
feiert werden. So wurden zum Beispiel im 33,1 km Mittelspannungsleitungen zuerst Der Schutz der Großtrappe wird auch in
ersten LIFE Projekt insgesamt 47,4 km be- unter die Erde verlegt und anschließend Zukunft weiterhin angestrebt, sodass sich
stehender 20 kV Mittelspannungsleitungen die bestehenden Freileitungen abgebaut der Bestand weiter erholen und stabilisie-
abgebaut und unter die Erde verlegt. Somit werden. Zusätzlich wurden weitere 3,9 km ren kann. Dies erfordert allerdings nicht
sind durch das LIFE Projekt wieder größe- Hochspannungsleitungen mit Vogelwarn- nur nationale Maßnahmen, sondern auch
re leitungsfreie Flächen für die Großtrappe fahnen markiert. Die Wirksamkeit dieser eine fortgesetzte enge internationale Zu-
entstanden. Außerdem wurde die Markie- Schutzmaßnahmen konnte mit dem Moni- sammenarbeit der betroffenen Länder. ❙
rung von insgesamt 153 km bestehender toring der Erfolgskontrolle belegt werden.
110, 220 und 380 kV Hochspannungslei- So kam es im Zeitraum von 2002 bis 2015
tungen in den Projektgebieten zur Gänze zu einem signifikanten Anstieg des Brutbe- Dank großflächigen Schutzgebieten,
abgeschlossen. standes der westpannonischen Population in welchen sich mehr als 5.500 ha
Trappenschutzflächen befinden,
konnten sich die Bestände etwas
erholen. Auch weiterhin soll der
Schutz gewährleistet werden, so-
dass sich der Bestand erholen und
stabilisieren kann.
16 Jagd in Tirol 04 | 2017 Fotos: Kovacs (1), Rotheneder (1)xxxxx Jagdhunde
✃
Auss
(Salix caprea L.) chne
Sal-Weide
und iden
sam
meln
!
Familie:Weidengewächse (Salicaceae)
Wenn am Palmsonntag Gläubige aus aller Welt dem Einzug Je-
su nach Jerusalem gedenken, dann gehören zu großen Palmbu-
schen gebundene Palmkätzchen dazu. Die mit allerlei Schmuck
verzierten, rutenförmigen Triebe der Sal-Weide symbolisieren mit
ihren pelzigen Knospen am Ende langer Haselnuss-Stangen die
Palmwedel, die die jubelnde Menschenmenge zu Jesu Füßen legte
und damit die römische Besatzungsmacht nachhaltig provozierte.
Autor: Thomas Gerl
Merkmale Standort
In Mitteleuropa kommen ca. 30 verschiedene Weidenarten vor, die z. T. Sal-Weiden besiedeln fast den gesam-
sehr schwierig voneinander zu unterscheiden sind. Lassen sich die win- ten eurasischen Großkontinent vom
zigen Hochgebirgspflanzen wie z. B. die Kraut-Weide noch ziemlich ein- Atlantik bis zum Pazifik und von den
deutig bestimmen, wird es bei den strauch- und baumförmigen Arten arktischen Regionen im Norden bis zum
deutlich schwieriger, weil sich alle Weidenarten immer wieder unterei- Mittelmeergebiet im Süden. Die Art hat
nander kreuzen und Hybrid-Sorten mit Merkmalen verschiedener Arten also eine breite ökologische Amplitude
bilden. Auch die Sal-Weide bildet mit mindestens 6 weiteren Weiden- hinsichtlich ihrer klimatischen Standort-
arten Bastarde, die Botaniker bei der Bestimmung im Feld manchmal ansprüche.
verzweifeln lassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Wei-
Die Sal-Weide zeigt eine eher baumförmige Wuchsform und erreicht in denarten meidet die Sal-Weide aber
ihren ca. 60 Lebensjahren Höhen zwischen 2 und 10 Metern, in sehr sel- Standorte mit konstant hoher Boden-
tenen Fällen auch einmal etwas mehr. Ihr Stamm ist von einer gräulichen feuchtigkeit wie z. B. Auen, zeigt sich
Borke bedeckt, die im Alter rautenförmige Risse bekommt. ansonsten aber sehr tolerant gegen-
Die rotbraunen, spitzen Knospen sitzen spiralig um die graugrünen über den verschiedensten Bodeneigen-
Zweige. Aus der von einer einzigen Schuppe bedeckten, kapuzenför- schaften und ist sogar auf schwerme-
migen Knospe entfalten sich nach der Blütezeit die sehr variablen Blätter. tallbelasteten Böden noch immer recht
wuchskräftig. In Tirol besiedelt die Sal-
Weide als typische Pionierbaumart ge-
meinsam mit der Birke vor allem vom
Menschen beeinflusste Standorte wie
Schutthalden oder Brachflächen bis
hinauf in knapp 1.800 m Meereshöhe.
MERKMALE der sal-weide: Pelzig aussehende
Palmkätzchen im Winter, die sich zu Einzelblüten mit
Staubfedern und gelben Staubbeuteln entwickeln.
Fotos: Mariusz S. Jurgielewicz/shutterstock (1), Gerl (1), motorolka/shutterstock (1) Jagd in Tirol 04 | 2017 17Jagdhunde xxxxxx
✃
Rotbraune, spitze Knospen
sitzen spiralig um den Zweig. Futterquelle für unzählige Insektenarten Weibliche blühende Weidenkätzchen
Meist sind sie mehr oder weniger elliptisch, mit gezähntem oder gebuchtetem Rand. Die bläuliche Unterseite der Blätter
ist dicht, weißlich behaart. Am Grund der Blattstiele sitzen zwei nierenförmige Nebenblätter. Wie alle anderen Weiden-
arten ist auch die Sal-Weide getrenntgeschlechtlich zweihäusig, d. h. man findet Individuen mit nur männlichen bzw.
nur weiblichen Blütenorganen. Die Einzelblüten sind dabei bei beiden Geschlechtern in Kätzchen zusammengefasst, die
in warmen Wintern oft bereits im Februar aus ihrer Knospenschuppe hervorquellen. Die Tragblätter jeder Einzelblüte in
diesem Blütenstand sind an ihrer Spitze lang silbrig behaart und verleihen den Palmkätzchen so ihr pelziges Aussehen. In
den eiförmigen Kätzchen mit den männlichen Blüten werden etwa im März in jeder Einzelblüte 2 gelb gefärbte Staubblät-
ter sichtbar, die aus den pelzigen Tragblättern hervorragen. Die eher zylinderförmigen weiblichen Kätzchen tragen einen
silbrig behaarten Fruchtknoten, aus dem sich dann meist im Juni je eine trockene, haarige Kapselfrucht entwickelt. Die
Bestäubung erfolgt durch Insekten, die durch Nektardrüsen am Grund der Einzelblüten angelockt werden.
Wissenswertes
Durch die frühe Blütezeit und das vergleichsweise reichhaltige Nek-
tarangebot hat die Sal-Weide im Frühling eine enorme ökologische
Bedeutung als Futterquelle für unzählige Insektenarten. So ernäh-
ren sich nicht nur unsere Honig-Bienen, sondern fast 100 einheimi-
sche Schmetterlingsarten, davon 16 vom Aussterben bedrohte, von
der Sal-Weide. Das Schneiden von Palmbuschen sollte vor diesem
Hintergrund in jedem Frühjahr mit Augenmaß betrieben werden.
Die Sal-Weide ist aber nicht nur bei Insekten beliebt. Wie der aus
dem lateinischen Wort für „Ziege“ abgeleitete botanische Name
„caprea“ schon andeutet, lieben Wiederkäuer und damit auch unser Reh- und Rotwild die saftigen Blätter des Baumes als
Äsung und die oft dichten Weidengestrüppe als Einstandsgebiet. Die langen rutenförmigen Triebe der Weiden waren seit
alters her ein wichtiges Material, um Körbe und Zäune zu flechten und wurden in manchen ärmeren Regionen sogar ver-
wendet, um Schnürsenkel zu ersetzen. Damit man möglichst gut zu bearbeitende Zweige erhält, werden die Weiden radikal
geschnitten, so dass sich die besondere Wuchsform der „Kopfweiden“ bildet, die in Form von langen Alleen vor allem in
Norddeutschland noch heute das Landschaftsbild prägen. Die enorme Regenerationsfähigkeit des Baumes beflügelte im
abergläubischen Mittelalter die Phantasie. So ranken sich mancherlei Mythen zur Wirkung auf die Libido des Menschen
rund um die Weide. Einerseits glaubte man, mit einem Absud an Weidenblättern die Begierde der Männer eindämmen zu
können, andererseits sollte ein Tee aus Weidenblättern verhindern, dass Frauen schwanger werden und Scheidenzäpfchen
aus Weidenblättern galten noch im 16. Jahrhundert als eines der wirksamsten Verhütungsmittel.
Auch wenn wir heute über solchen Aberglauben nur milde lächeln können, so verhalf uns die Weide doch zu einem gewal-
tigen medizinischen Durchbruch. Schon im Altertum wusste man, dass das Kauen von Weidenrinde fiebersenkende und
schmerzstillende Wirkung hatte. Die in der Pflanze enthaltene Salicylsäure hatte aber unangenehme Nebenwirkungen. 1897
gelang es dem Chemiker Felix Hofmann, ein Angestellter der kleinen Farbenfabrik Friedrich Bayer & Co., die Salicylsäure so
zu verändern, dass die erwünschten Wirkungen erhalten blieben und die Nebenwirkungen fast vollständig verschwanden.
Er erfand das Aspirin, das bis heute umsatzstärkste Medikament der Welt und aus einer kleinen Farbenfabrik wurde der
weltweit operierende Pharmakonzern BAYER, dessen ökonomische Erfolgsgeschichte letztlich mit einer Weide begann.
18 Jagd in Tirol 04 | 2017 Fotos: Gerl (1), by Paul/shutterstock (1), Starover Sibiriak/shutterstock (1), Elena Koromyslova/shutterstock
Foto:
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Projektbericht:
Bleifreie Büchsenmunition
im Hochgebirge
Autor: Univ.Prof. Dipl.-Biol. Dr. Klaus Hackländer
B
leihaltige Büchsenmunition steht ten Beute von Raubtieren oder dient Aas- Knochenmark gespeichert. Somit werden
weltweit seit Jahrzehnten in der fressern als willkommene Nahrung, wenn für Wildtiere am Ende der Nahrungskette
Kritik. Egal ob Teilzerleger oder es verludert. In beiden Fällen werden die selbst kleinste Mengen an Blei über kurz
massestabile Deformationsgeschosse: Im Bleirückstände im Wild durch die Magen- oder lang zum Problem. Da vor allen Din-
Wildkörper bleibt mehr oder weniger Blei säure der Fleischfresser zu Bleisalzen umge- gen das zentrale und periphere Nervensys-
zurück, das zu sehr ernstzunehmenden Ge- wandelt und werden somit „bioverfügbar“, tem angegriffen werden, führen die Bleiver-
fahren für Tier und Mensch führen kann. also in das Blut aufgenommen. Das Blei bindungen zu Funktionsstörungen, die die
Liegt ein Stück nicht im Feuer und wird sammelt sich in den stoffwechselaktiven Bewegungsfähigkeit, den Stoffwechsel und
nicht aufgefunden, wird es später zur leich- Organen wie Leber und Niere bzw. wird im viele andere lebenswichtige Körperfunk-
20 Jagd in Tirol 04 | 2017 Foto:BLEIFREI Jäger & Revier
tionen beeinträchtigen. Der kalifornische mehr Blei als in 100 g Getreide, weshalb das
Kondor wäre fast wegen der Bleiproble- deutsche Bundesamt für Risikobewertung
matik ausgestorben, in Mitteleuropa trifft (BfR) Schwangeren und Kleinkindern vom
es immer wieder Seeadler, Steinadler (Ti- Genuss von Wildbret abrät, welches mit
rol 2013) sowie Geier, wie zuletzt 2012 ein bleihaltiger Munition erlegt wurde. Nach-
Bartgeier in Tirol. dem die Gewinnung von Wildbret und die
Ebenso wie Adler und Geier steht auch der Erhaltung eines gesunden (!), artenreichen
Mensch am Ende der Nahrungskette und Wildbestands die Hauptargumente für die
sammelt damit giftige Bleiverbindungen in Jagd sind, liegt es also auf der Hand, nach
seinen Organen und im Skelett an. Zahl- Alternativen zu bleihaltiger Munition zu
reiche Studien aus den USA und Europa suchen.
belegen, dass Personen aus Jägerhaushalten Bei der Suche nach Alternativen gilt es na-
deutlich höhere Bleiwerte im Blut aufwei- türlich, bestimmte Standards aufrechtzuer-
sen als Normalbürger. Jägerinnen und Jäger halten. Bleifreie Geschosse müssen ebenso
gehören damit zu den Extremverzehrern wie die ballistisch bewährte Bleimunition
und setzen sich selbst einer Gefahr aus, zwei Dinge erfüllen: sowohl Sicherheit
wenn sie regelmäßig Wildbret zu sich neh- im Jagdbetrieb (minimaler Ricochet bzw.
men, das mit bleihaltiger Munition erlegt keine Gellergefahr) als auch unmittelbare
wurde. Der Normalbürger ist durch Wild- Tötungswirkung. Von bleifreier Munition
bret weniger gefährdet, da er nur etwas sollte man darüber hinaus keine andere
mehr als ein halbes Kilogramm Wildfleisch toxische Wirkung erwarten. Zusammen
pro Jahr zu sich nimmt. Für diese Perso- sind dies sehr hohe Ansprüche an die Mu-
nengruppe gilt, dass sie mehr Blei über Ge- nitionshersteller, die noch nicht von jedem
müse und Getreide zu sich nimmt. Absolut Produzenten erfüllt werden konnten. Aber
gesehen findet sich aber in 100 g Wildbret durch die gestiegene Nachfrage aus der Jä-
gerschaft und dem erklärten Ziel z. B. der
Die Praxistauglichkeit blei-
österreichischen Landesjägermeister, mit- freier Büchsenmunition im
telfristig bei Büchsengeschossen auf blei- Hochgebirge wurde erprobt.
freie Munition umzusteigen, arbeitet die
Industrie mit Hochdruck an der Weiterent-
wicklung von bleifreien Geschossen. Revieren zu testen. Die Ergebnisse zeigten
Umfangreiche Praxistests an der Hoch- eindeutig, dass das Material alleine (Blei
schule für nachhaltige Entwicklung Ebers- oder Alternativen) keinen statistischen
walde (Gremse und Rieger 2014) haben Einfluss auf die Fluchtstrecke, die Schweiß-
eindrucksvoll belegt, dass es schon jetzt produktion (Ausschuss vorhanden, Nach-
bleifreie Büchsenmunition gibt, die die suche möglich) oder die Wildbretqualität
oben genannten Kriterien für adäqua- hatte. Die komplexe Ballistik jagdlicher Ge-
te Alternativgeschosse vollends erfüllt. schosse führte dazu, dass nicht eine Varia-
Doch in den jagdlichen Journalen gibt es ble alleine (Blei oder Nicht-Blei), sondern
immer wieder Unkenrufe, die die Jäger- die Wechselwirkungen zwischen Geschoss,
schaft verunsichern. So kam zum Beispiel Wildart und Schussdistanz zu betrachten
der Bundesverband Deutscher Berufsjäger sind. Ob ein Tier im Feuer fällt und dabei
zur Erkenntnis, dass bleifreie Munition zu wildbretschonend erlegt wird, ist also nicht
höheren Fluchtstrecken führen soll. Man alleine davon abhängig, welches Geschoss
verglich bleihaltige mit bleifreier Munition, man verwendet, sondern aus welcher Dis-
ohne auf die ballistischen Eigenheiten der tanz man schießt und um welche Wildart
Geschosse im Detail einzugehen. So wur- es sich handelt. Für jede Wildart gibt es
den nicht vergleichbare Produkte miteinan- daher für einen entsprechenden Bereich
der verglichen und bleifreie Büchsenmuni- an Schussdistanzen geeignete und weniger
tion für untauglich erklärt. Was sich wohl geeignete bleihaltige und bleifreie Büchsen-
die knapp 22 % der deutschen Jägerinnen munition.
und Jäger dabei gedacht haben, die bereits Ziel dieser Untersuchung war es, für die
auf bleifreie Munition umgestellt haben Hauptwildarten Rot-, Reh- und Gamswild
und seither zufriedenstellende Jagderfolge sowie für die unterschiedlichen Schussdis-
verzeichnen können (Hoffmann 2013)? tanzen, die jagdliche Brauchbarkeit ver-
In Ergänzung zu den überzeugenden Da- schiedener bleifreier Geschosse speziell
ten aus Eberswalde hatten sich die Öster- unter den jagdlichen Bedingungen in Tirol
reichischen Bundesforste AG (ÖBf) und zu überprüfen. Der Begriff der jagdlichen
die Salzburger Jägerschaft zum Ziel gesetzt, Brauchbarkeit wurde in Absprache mit dem
die Wirkung bleifreier Munition in ihren Tiroler Jägerverband definiert.
Fotos: Rudigier (2) Jagd in Tirol 04 | 2017 21Jäger & Revier BLEIFREI
tief, Leber/Pansenbereich mittig, Leber/
Pansenbereich hoch), Ausschussgröße
(keine, bis 20 mm, bis 40 mm, bis 60 mm,
bis 100 mm, ab 100 mm), Schusskanal (ge-
radlinig, nicht geradlinig)
Angabe zu Verletzungen: Flucht- und
Schweißfährte (kein Schweiß, wenig
Schweiß, reichlich Schweiß, regelmäßig,
Sonstiges), verletzte Organe [Herz (wahr/
falsch), Lunge (wahr/falsch), Leber (wahr/
falsch), Gr. Gescheide (wahr/falsch), Kl.
Gescheide (wahr/falsch), Sonstiges (wahr/
falsch), Hämatome/Blutergüsse allg.
(wahr/falsch)], Organverletzungsgrad (kei-
ner, normal, stark beschädigt, nicht ver-
wertbar). Für jede gemeldete Erlegung liegt
ein Datensatz vor. Die Daten beruhen auf
den Angaben der insgesamt 80 Erleger. Es
wurden keine Geschosse vorgegeben. Die
Daten wurden im normalen Jagdbetrieb
Die Tiroler Jäger bewerteten 31 Variablen in den Erlegungsprotokollen.
erhoben. Angaben in m beruhen auf Schät-
zungen, Wildgewichte (aufgebrochen, ohne
Haupt) wurden mittels Waage in der Wild-
Datenaufnahme Beurteilung: Wildbretzustand (sehr gut, kammer erhoben. Die protokollierten Erle-
Die Erlegungsprotokolle wurden vom Tiro- gut, befriedigend, mangelhaft), Gesamt- gungen fanden zwischen 2014 und Oktober
ler Jägerverband in Absprache mit dem Ins- beurteilung (sehr gut, gut, befriedigend, 2016 in Tiroler Revieren statt.
titut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft schlecht, sehr schlecht)
(IWJ) konzipiert und in eine Eingabemaske
eingebaut. Es wurden 31 Variablen abge- Einschätzung Jäger: Tötungswirkung (sehr Klassifikation und Analyse
fragt. Für die Situation der Schussabgabe/ gut, gut, befriedigend, schlecht, sehr Für die jagdliche Bewertung der Erlegungs-
Erlegung wurden neben den Informationen schlecht), Präzision (sehr gut, gut, befriedi- protokolle wurden Hauptfaktoren heran-
zur Waffe und Munition folgende Parame- gend, schlecht, sehr schlecht) gezogen und in Brauchbarkeitskategorien
ter berücksichtigt: Bei der Angabe (wahr/ zusammengefasst.
falsch) war ein Ankreuzen, zum Teil mit Schusseigenschaften: Schussentfer-
Mehrfachantworten, möglich. nung (bis 50 m, bis 100 m, bis 150 m, bis Die Hauptfaktoren sind:
200 m, bis 250 m, bis 300 m, ab 300 m), ➠ Wildbretqualität
Eigenschaften Wild/Jagd: beschossene Anschuss/Schusszeichen [Herzschweiß ➠Fluchtstrecke
Wildart (Rehwild, Rotwild, Schwarzwild, (wahr/falsch), Lungenschweiß (wahr/ ➠ Schweiß
Damwild, Gamswild, Muffelwild, Stein- falsch), Leberschweiß (wahr/falsch), Pan-
wild, sonstige), Geschlecht (m, w), Behaa- sen/Gescheide (wahr/falsch), Schnitthaare Die Ausprägungen jeder dieser Hauptfak-
rung (Sommerhaar, Winterhaar), Brunft (wahr/falsch), Knochensplitter (wahr/ toren wurden in akzeptabel und nicht ak-
(wahr/falsch), Bewegungsjagd (wahr/ falsch), Wildbret (wahr/falsch)], Ein- zeptabel zusammengefasst.
falsch), Alter (bis 1 J., bis 2 J., bis 5 J., bis schuss (Haupt, Träger, Stich, Vorderlauf,
10 J., bis 15 J., ab 15 J.), Gewicht (bis 10 kg, Hinterlauf, Rippen, Rückgrat, vor Blatt- Wildbretqualität: sehr gut, gut und befrie-
bis 20 kg, bis 45 kg, bis 75 kg, bis 120 kg, schaufel tief, vor Blattschaufel mittig, vor digend = akzeptabel, alle anderen Bewer-
bis 150 kg, bis 200 kg, bis 250 kg, bis 300 Blattschaufel hoch, auf Blattschaufel tief, tungen führen zur Bewertung: nicht akzep-
kg, ab 300 kg) auf Blattschaufel mittig, auf Blattschaufel tabel
hoch, hinter Blattschaufel tief, hinter Blatt-
Verhalten des Wildes: Vor dem Schuss schaufel mittig, hinter Blattschaufel hoch, Fluchtstrecke: Fluchtstrecken unter 40 m =
(ziehend, flüchtig, äsend/vertraut, alar- Leber/Pansenbereich tief, Leber/Pan- akzeptabel, alle anderen Bewertungen füh-
miert/gestresst, Sonstiges), nach dem senbereich mittig, Leber/Pansenbereich ren zur Bewertung: nicht akzeptabel
Schuss [nicht gezeichnet (wahr/falsch), hoch), Ausschuss (keiner, Haupt, Träger,
gezeichnet (wahr/falsch), nicht beobachtet Stich, Vorderlauf, Hinterlauf, Rippen, Schweiß: regelmäßig oder reichlich oder
(wahr/falsch), bleibt stehen (wahr/falsch), Rückgrat, vor Blattschaufel tief, vor Blatt- auch ohne Angabe (kein Schweiß, Son-
taumelnd/fallend (wahr/falsch), Sonstiges schaufel mittig, vor Blattschaufel hoch, auf stiges), wenn die Flucht unter 15 m weit an-
(wahr/falsch)], Fluchtstrecke (am An- Blattschaufel tief, auf Blattschaufel mittig, gegeben wurde sowie zusätzlich immer ein
schuss, bis 15 m, bis 40 m, bis 75 m, bis auf Blattschaufel hoch, hinter Blattschau- Ausschuss vorhanden war = akzeptabel, alle
150 m, ab 150 m, Fangschuss/abgefangen, fel tief, hinter Blattschaufel mittig, hinter anderen Bewertungen führen zur Bewer-
bereits verendet, nicht gefunden) Blattschaufel hoch, Leber/Pansenbereich tung: nicht akzeptabel
22 Jagd in Tirol 04 | 2017 Foto: Schönfeld (1)BLEIFREI Jäger & Revier
SchweiSS Fluchtstrecke Ausschuss Bewertung Hauptwildarten Rot-, Reh- und Gamswild
durchgeführt. Weiterhin wurden jeweils
reichlich Schweiß vorhanden ➠ akzeptabel
Schussdistanzen bis 200 m und über 200 m
reichlich Schweiß nicht vorhanden ➠ nicht akzeptabel zusammen und getrennt analysiert.
regelmäßig vorhanden ➠ akzeptabel
regelmäßig nicht vorhanden ➠ nicht akzeptabel
wenig Schweiß ➠ nicht akzeptabel
Ergebnisse
Für die Hauptwildarten Rot-, Reh- und
kein Schweiß alle anderen Distanzen ➠ nicht akzeptabel Gamswild lagen ausreichend Abschusspro-
kein Schweiß am Anschuss vorhanden ➠ akzeptabel tokolle vor, um auch je eine eigene Auswer-
kein Schweiß am Anschuss nicht vorhanden ➠ nicht akzeptabel tung der Brauchbarkeit durchzuführen.
Sonstiges alle anderen Distanzen ➠ nicht akzeptabel Wildartenverteilung: 514 Stück Rotwild,
346 Stück Rehwild, 129 Stück Gamswild
Sonstiges am Anschuss nicht vorhanden ➠ nicht akzeptabel und 66 Stück anderer Wildarten.
Sonstiges am Anschuss vorhanden ➠ akzeptabel Die verwendeten Kaliber spiegeln die Be-
Tabelle 1: Bewertung Schweißfährte sonderheiten der Jagd im Gebirge wider.
Es dominieren hier die .308 und .270 so-
wie die .243 Winchester. Insgesamt wur-
Die Bewertungen der drei Hauptfaktoren die einzelnen Auswertungen wurden je- den Erlegungsprotokolle von 16 unter-
werden daraufhin zu drei Brauchbarkeits- weils Teilmengen der gesamten Erlegungs- schiedlichen Geschossen ausgewertet. Die
kategorien zusammengefasst. Wenn alle protokolle herangezogen. In einem zwei- Geschosse RWS Evolution Green und Bar-
drei Hauptfaktoren (Wildbretqualität, ten Schritt wurde daraufhin geprüft, ob die nes VOR-TX TTSX wurden am häufigsten
Fluchtstrecke und Schweiß) als akzeptabel Gesamtbrauchbarkeit und/oder die einzel- verwendet. Auch Blaser CDC, Hornady
bewertet wurden, wird die Brauchbarkeit nen Hauptfaktoren abhängig von den ver- GMX und Federal Trophy Copper wur-
als brauchbar bewertet. wendeten Kalibern, Geschossen und der den in ausreichender Zahl protokolliert.
Kombination von Geschoss und Geschoss- Bei den übrigen 11 Geschossen liegen nur
masse sind. Diese Analyse wurde über alle geringe Stichproben vor. Dies ist bei der
Wie die Bewertung erfolgt Erlegungsprotokolle und getrennt für die Interpretation der Ergebnisse zu berück-
Wenn mindestens einer der Hauptfaktoren
als akzeptabel bewertet wurde, wird die
Brauchbarkeit als bedingt brauchbar ein- wildbretqualität Fluchtstrecke schweiss brauchbarkeit
gestuft. Wenn alle drei Hauptfaktoren als akzeptabel akzeptabel akzeptabel ➠ brauchbar
nicht akzeptabel bewertet wurden, wird nicht akzeptabel akzeptabel akzeptabel ➠ bedingt brauchbar
die Brauchbarkeit als nicht brauchbar ein-
gestuft. akzeptabel nicht akzeptabel akzeptabel ➠ bedingt brauchbar
Für jedes Erlegungsprotokoll liegt danach akzeptabel akzeptabel nicht akzeptabel ➠ bedingt brauchbar
eine Einstufung in brauchbar, bedingt
nicht akzeptabel nicht akzeptabel akzeptabel ➠ bedingt brauchbar
brauchbar oder nicht brauchbar vor.
Wenn mehrere Schüsse auf ein Tier ab- akzeptabel nicht akzeptabel nicht akzeptabel ➠ bedingt brauchbar
gegeben wurden (Fangschüsse) oder eine nicht akzeptabel akzeptabel nicht akzeptabel ➠ bedingt brauchbar
sehr lange Nachsuche stattfand, wurden
nicht akzeptabel nicht akzeptabel nicht akzeptabel ➠ nicht brauchbar
diese Protokolle nicht für die Bewertung
der Wildbretqualität herangezogen. Für Tabelle 2: Bewertung Brauchbarkeit
Die einzige Wildschaden-
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