BIG BANG - Henn Consulting

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BIG BANG - Henn Consulting
acquisa                     Dialogmarketing
                            & E-Commerce
                                                                      03 | 2016
                                                                          www.acquisa.de

                            SOCIAL MEDIA
                            Instagram und Snapchat erfordern neue Ansätze

                            INTERVIEW DES MONATS
                            Wie Ebay Online und Offline verschmelzen will, erklärt
                            Deutschlands Vice President Stephan Zoll

                      BIG BANG
                          Die Digitalisierung verändert
 Mat-Nr. 00500-5194
                          den Vertrieb nicht nur in der Theorie
BIG BANG - Henn Consulting
BIG BANG - Henn Consulting
EDITORIAL

Sag ja!
                                            Liebe Leserinnen, liebe Leser,

                                            der Vertrieb ist der Motor des unterneh­
                                            merischen Erfolgs. Vereinfacht gilt: Je
                                            besser der Vertrieb, desto besser steht
                                            das Unternehmen da.

                                            Aber wie alles andere steht der Vertrieb
                                            vor radikalen Veränderungen. Und zwar
                                            wegen – genau! – der Digitalisierung.
                                            Das Internet, die Vernetzung und die
                                            immer steigende Menge an Daten ver­
                                            ändern die Beziehung zwischen Ver­
                                            trieb und Kunde. Oft kann der Außen­
                                            dienstmitarbeiter dem Kunden nicht
                                            viel Neues zum Produkt erzählen. Denn
                                            dieser hat sich intensiv informiert, An­
                                            bieter, Angebote und Preise verglichen.
                                            Dieser Kunde erwartet vor allem eins:
   CHRISTOPH PAUSE, Chefredakteur
                                            lösungsorientierte Beratung für seine
   Kontakt: christoph.pause@acquisa.de      ganz spezifischen Probleme.

                                            Mehr denn je kommt es auf die Fähig­
                                            keiten jedes einzelnen Mitarbeiters an.
                                 Und auf eine Führung, die Mitarbeiter befähigt,
                                 eigenständig, flexibel und am Kunden orientiert
                                 zu agieren. Dabei hilft die Technik, helfen Smart­
                                 phones, Mobile CRM und eine exzellente Daten­
                                 analyse. Der Vertrieb muss sich dem digitalen
                                 Wandel öffnen, die Zeiten von selbst entworfenen
                                 Excel-Listen sind vorbei.

                                 Viel Spaß beim Lesen,

                                 Ihr

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03/2016  www.acquisa.de                                                          3
BIG BANG - Henn Consulting
15                                                                                         30
SCHWERPUNKT Mit dem Dreiklang Strategieorientierung, strukturelle Verankerung              DIALOGMARKETING & SOCIAL MEDIA Social Media
und Vertriebsprozessmanagement bewältigt der Vertrieb die digitale Transformation.         sind in digitalen Marketingstrategien unverzichtbar.

INHALT 03/2016

08    NACHRICHTEN                                                        acquisa update
   Wo sind in den Unternehmen die Digitalchefs?
08	
   Es fehlt an Verantwortlichen für die digitale Transformation.
                                                                          NEUE DYNAMIK
                                                                          Die deutsche Werbeartikelbranche ver-
12    INFOGRAFIK DES MONATS
                                                                          zeichnet mit rund 3,5 Milliarden Euro
12    D
       ie wertvollsten Marken der Welt                                   Jahresumsatz neue Rekorde. Auf der
      Warum Apple die Konkurrenz hinter sich lässt.                       Werbeartikelmesse PSI ist die Dynamik
                                                                          und das neue Selbstbewusstsein der
                                                                          Branche zu spüren.
15    SCHWERPUNKT
   Die Chancen überwiegen
15	
   Die Digitalisierung als Megatrend erzeugt auch und gerade im         36   WERKSTATT
   Vertrieb Veränderungsdruck. Vertriebsmanager sollten syste-             Freuden der praktizierten Seriosität
                                                                        36	
   matisch auf »Digital Sales Excellence« setzen.                           Woran erkennt man ein seriöses Angebot und woran ein
   Weiterbildung: Gelernt ist gelernt
22	                                                                       ­unseriöses? Gibt es untrügliche A
                                                                                                            ­ nzeichen, oder interpretiert
   Verkaufen allein reicht nicht mehr. Von Vertrieblern werden              man mehr in Details hinein als nötig? Was eine Rolle spielt.
   technische Fähigkeiten, betriebswirtschaftliche Kenntnisse
   und ein umfangreiches Branchenwissen erwartet.
                                                                        56   CRM & DATA
   Digital Leadership: Führung im digitalen Zeitalter
24	
   Warum die digitale Transformation nicht nur die                         Customer Experience Research: Kunden besser verstehen
                                                                        56	
   Führungskräfte betrifft.                                                Wie Kunden denken und fühlen, wird immer öfter aus den
                                                                           operativen Daten entlang der Customer Journey gezogen. So
   Interview: »Unsere Kunden werden ganzheitlich betreut«
26	                                                                       sollen Unternehmen schneller reagieren können.
   Roland Noz, Geschäftsführer der Sick Vertriebs-GmbH,
   erklärt, wie sich produzierende Unternehmen rasant in
   Richtung Industrie 4.0 entwickeln.                                   60   PRAXIS-SCOUT
                                                                           Ständig unter Strom
                                                                        60	
30    DIALOGMARKETING & SOCIAL MEDIA                                       Wie der Energiekonzern RWE mit Eprimo eine Zweitmarke als
                                                                           Discounter im hartumkämpften Strommarkt etabliert.
30	Social Media Marketing: Brieffreundschaften 2.0
     Neue Plattformen rücken in den Fokus der Werbungtreibenden
     – mit ganz neuen Möglichkeiten. Es ist an der Zeit, alte Social-   62   E-COMMERCE & ONLINE-MARKETING
     Media-Strategien zu überdenken.
                                                                           Selektiver Vertrieb: Verkaufen ja, aber nicht überall
                                                                        62	
   Call Center: Neue Agents braucht das Land
34	                                                                       Mit selektiven Vertriebsmodellen versuchen Markenhersteller,
   Immer mehr Kanäle, immer hochwertigere Aufgaben: Die                    den Absatz ihrer Produkte zu kanalisieren. Das führt immer
   Rolle von Call-Center-Agents hat sich stark verändert.                  wieder zu gerichtlichen Auseinandersetzungen.

4                                                                                                                www.acquisa.de  03/2016
BIG BANG - Henn Consulting
62
                                                                                          E-COMMERCE & ONLINE-MARKETING Warum Markenhersteller ihren Händlern
                                                                                          den Verkauf über offene Online-Marktplätze untersagen.

                                                                                          66   INTERVIEW DES MONATS
                                                                                             »Online und Offline verschmelzen«
                                                                                          66	
                                                                                              Stephan Zoll, Vice President Ebay Germany, über die
                                                                                             ­besondere Bedeutung der kleinen und mittleren Händler.

                                                                                          68   SALES & SERVICE
                                                                                             Vertrieb der Zukunft
                                                                                          68	
                                                                                             In Zeiten digitaler Transformation muss sich der Vertrieb
                                                                                             radikal wandeln. Der Kongress Neosales 2016 greift die
                                                                                             ­wichtigsten Themen auf.

                                                                                          80   INHALT THEMENPORTAL
                                                                                          80   W
                                                                                                elche Rolle spielt der Service?
Fotos: 3D Vector/shutterstock.com; d1sk/fotolia.de; Snapchat; George Dolgikh/fotolia.de

                                                                                               acquisa zeigt, wie wichtig Customer Care wirklich ist.

                                                                                          82   THE FUTURE OF MARKETING
                                                                                             Haste noch nen Euro?
                                                                                          82	
                                                                                             Die Zukunft des Bargelds in digitalen Zeiten.

                                                                                               RUBRIKEN & SERVICE

                                                                                                  FORUM
                                                                                               06	
                                                                                                     Wie entwickelt sich Social Media Marketing weiter?
                                                                                               13 	MEINUNGSMACHER
                                                                                                     Kommentar und Presseschau
                                                                                               14 	GERICHTSENTSCHEIDUNGEN
                                                                                               28    BÜCHER
                                                                                               78    KARRIERE UND STELLENMARKT
                                                                                               81 	VORSCHAU, IMPRESSUM

                                                                                          03/2016  www.acquisa.de                                              5
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FORUM

O-TÖNE ZUM THEMA SOCIAL MEDIA

Verschlafen Marketer die Social-Media-Entwicklungen?
»Der Social-Media-Boom in allen                          Ende aller bisherigen Bemühungen bedeuten.
Ehren. Trotzdem sollte man                               Eine E-Gitarre ist ein wundervolles Instrument,
zu­a llererst zwischen Paid und                          passt aber nicht unbedingt in ein Symphonie-
Earned Media unterscheiden. Bei                          orchester.«
Paid Media gelten die gleichen                           ALEXANDER DIX, Geschäftsführer von Wunder Media und
Spielregeln wie bei jedem ande-                          Head of Digital Media bei C3, München
ren Marketing Investment. Und
im Bereich Earned Media empfiehlt es sich, eine                           »Mit Facebook, Youtube & Co. hat
klare Vorstellung davon zu haben, wo sich die Ziel-                       sich das Unternehmensmarke-
gruppe aufhält, welcher Content für sie relevant                          ting mittlerweile angefreundet,
ist und wie man den Erfolg messen will – sonst ver-                       dennoch befindet man sich hier
zettelt man sich.«                                                        noch am Anfang der Professiona-
JOHANN HERMANN, CEO Adatics, München                                      lisierung. Klassische Kampagnen
                                                                          werden nicht kanaladäquat in die
»In den Marketingabteilungen muss verstanden             jeweiligen Social Networks übersetzt, Themen wie
werden, dass in sozialen Netzwerken auch sozial          Storytelling und Content Marketing kaum umge-
gedacht werden sollte – hochglanzpolierte Wer-           setzt. Die Vielzahl der sozialen Kanäle, die Menge
beanzeigen müssen unterhaltsamem Content                 an Inhalten und die Geschwindigkeit der Netz-
weichen. Dies braucht durchaus einigen Mut und           werke überfordern viele Unternehmen und sind
Selbstbewusstsein, doch nur wer sich etwas traut,        in ihren klassischen Strukturen kaum abdeckbar.
wird auch mit Erfolg in Form von Reichweite              Doch: Gerade hier liegen die Stärken von Agen-
belohnt. Ehe jedes erdenkliche Social Network            turen, die mit mehr Flexibilität professionellen
mit einer lieblos betreuten Fanpage belegt wird,         und kreativen Content schaffen und passgenau
sollte zunächst eine einzelne Plattform optimiert        distribuieren können.«
                werden. Erst wenn diese ihr Poten-       PEER WÖRPEL, Leiter Beratung Social Media bei Pilot
                zial ausschöpft und der Workflow         ­Hamburg, Hamburg
                klappt, sollten Gedanken zur
                Skalierbarkeit auf andere soziale        »Likes zu Umsatz zu machen,
                Netzwerke angestellt werden.«            ist auch eine Frage der Art des
                 DAVID ROST, Gründer und Geschäfts­      Unternehmens – ob Produkte
                 führer der Integr8 Media GmbH, Berlin   oder Dienstleistungen angebo-
                                                         ten werden. Facebook eignet sich
»Zunächst einmal raten wir zu                            nach wie vor sehr gut, vor allem
Gelassenheit. Sorgsame Prüfung                           im B2C-Bereich. Hier kommen
der neuen Kanäle oder Möglich-                           auch immer mehr ältere Menschen als potenzielle
keiten unter Abwägung, wie die                           Kunden in den Fokus. Durch Facebook Ads kann
Neuerung in den bestehenden                              man dabei sehr genau und effizient aussteuern.
Content-Marketing-Mix passen                             Jüngere Kunden erreicht man immer mehr durch
könnte. Wir vertreten ganz klar                          Dienste wie das Bildernetzwerk Instagram – durch
die Ansicht: Jede neue Anwendung kann eine               geschickte Motivauswahl kann ein Unternehmen
wundervolle Ergänzung zu den bestehenden                 so effizient auf sich aufmerksam machen. Pin-
Maßnahmen darstellen, kann aber auch das                 terest wiederum ist eine hervorragende Plattform,

6                                                                                              www.acquisa.de  03/2016
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um sich besser und breiter zu vernetzen, neue               mehr Produkte und Dienstleistungen finden so
Kunden neugierig zu machen.«                                den Weg zum Endverbraucher – bisherige Marke-
PATRICK PIETRUCK, Geschäftsführer der inhabergeführten      tingkonzepte werden hoch diversifizierten Ziel-
Online Agentur Web-Netz, Lüneburg                           gruppen und deren Ansprüchen
                                                            nicht mehr gerecht. Wer nicht
               »Ein Großteil der Firmen in                  intelligent und integriert (re-)
               Deutschland will Social Media                agiert, verliert Interessenten, Kun-
               Marketing machen und vergisst                den und Marktanteile.«
               dabei, Social Media zu sein.                 DENIS LADEMANN, Vorstand der
               Moderne Unternehmen können                   Suchdialog AG, Mannheim
               es sich schlichtweg nicht leisten,
               nicht mit dem Konsumenten                    »Viele Unternehmen haben seinerzeit das Thema
transparent zu kommunizieren. Youtube, Face-                Social Media vernachlässigt und wollen im Nach-
book & Co. haben bereits ihren zehnten Geburts-             hinein auf den Zug aufspringen, was in Facebook
tag gefeiert. Zeit, dass einige Unternehmen                 meist nur noch mit großen Werbebudgets gelingt.
umdenken: Weg von der Anglerperspektive hin                 Moderne Firmen setzen auf neue Trends wie Ins-
zum Dialog mit der Zielgruppe.«                             tagram oder Snapchat und platzieren sich schon
HENDRIK UNGER, Geschäftsführer & Social Media Experte der   früh auf dem Markt, bevor es alle tun. Nur wer neue
Kreativagentur 36grad GmbH, Köln                                            Wege geht, eine tolle Geschichte
                                                                            mit seinem Auftritt verknüpft
»Vor dem Hintergrund der Geschwindigkeit, in der                            und auf organisches Wachstum
neue reichweitenstarke Engagement-Tools entste-                             setzt, wird langfristig Erfolg mit
hen, müssen sich Marketingabteilungen inhaltlich,                           Social Media haben.«
organisatorisch und kulturell anders aufstellen.                              SEBASTIAN KABIS, Inhaber der Agentur
Inhaltlich ist eine stärkere technische Expertise                             Making the web, Gundelfingen
notwendig, um Funktionsweisen zu verstehen und
unmittelbar den Fit zu Strategie und Infrastruktur          »Social Media ist schon heute fester
abschätzen zu können. Daneben sind Innovations-             Bestandteil jeder professionellen
budgets wichtig, um schnell durch Pilotprojekte             Marketing-Kommunikation. Viele
Erfahrungen zu sammeln und ein Bewerten des                 Unternehmen tun sich allerdings
nachhaltigen Businesspotenzials des jeweiligen              schwer damit zu akzeptieren, dass
Tools möglich zu machen. Dieses                             es sich dabei nicht einfach nur um
Budget muss dabei im Sinne einer                            einen neuen, preiswerten Kanal
Failure Culture als Spielgeld ohne                          für Werbung handelt. Erst die richtigen Inhalte –
kurzfristigen ROI-Druck verstan-                            informativ oder unterhaltsam – und unterschied-
den werden.«                                                lichste Möglichkeiten der Interaktion mit und
ANDRÉ LUTZ, Geschäftsführer Defacto BE/                     unter den Zielgruppen sorgen für den Aufbau
ONE, Erlangen                                               nachhaltiger Beziehungen. Das alles muss an den
                                                            Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet, kreativ
»Social Selling, Buy Buttons und Lead-Formate ver-          realisiert und mit soliden Budgets ausgestattet wer-
wandeln Social Media in ein ernstzunehmendes                den, damit es zum Erfolg führt.«
Anfragen- und E-Commerce-Instrument; immer                  DR. GÜNTER LEWALD, Sprecher der B+D Agenturgruppe, Köln

03/2016  www.acquisa.de                                                                                             7
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                                    KIENBAUM-STUDIE
      TICKER                        In den Unternehmen fehlen Digitalchefs
                                    In den meisten Unternehmen fehlen Verant-          organisiere, werde der Bedeutung des Themas
    FOLLOW US ON TWITTER            wortliche für die digitale Transformation. Laut    nicht gerecht, warnt Kienbaum. Ein innovativer
    Unter twitter.com/acquisa       einer Studie von Kienbaum wird sich daran auch     Ansatz sei der Aufbau einer Digital-Unit, einer
    finden Interessierte regel-     erst einmal nichts ändern. Nur elf Prozent der     separaten Einheit neben der Organisations-
    mäßig Aktuelles, Wissens-       insgesamt 80 befragten Firmen in Deutschland,      struktur des Unternehmens. Dazu brauche es
    wertes und Witziges aus         Österreich und der Schweiz haben demnach           neben eines Chief Digital Officer auch ein Team,
    Marketing, E-Commerce und       einen Hauptverantwortlichen für die Digitali-      das die relevanten Methoden für Innovation und
    CRM. Darüber hinaus gibt es     sierung von Geschäftsmodell und -prozessen.        Digital Business Development beherrsche.
    dort Hinweise auf vertiefen-    Gerade einmal sieben Prozent wollen in den         In denjenigen Unternehmen, die bereits die
    de Interviews und Tipps.        kommenden zwölf Monaten eine derartige Posi-       Position eines Digitalverantwortlichen geschaf-
www.twitter.com/acquisa             tion einrichten.                                   fen haben, ist diese meist auf Führungsebene
                                    Viele Unternehmen gehen das Thema statt-           angesiedelt. 56 Prozent der Verantwortlichen
     DARK STATT BIG DATA            dessen dezentral an. Knapp die Hälfte hat die      in den befragten Unternehmen sind Führungs-
     Deutsche Unternehmen ken-      Verantwortung keiner speziellen Abteilung          kräfte, ein Drittel ist Spezialist oder Experte und
     nen den Inhalt – und damit     zugeordnet, und wenn doch, dann der IT (35 Pro-    elf Prozent Geschäftsführer oder Vorstand.
     auch den Wert – von zwei       zent). Wer die digitale Transformation dezentral                             p www.kienbaum.de
     Dritteln ihrer gespeicherten
     Firmendaten nicht (»Dark
     Data«). Dies geht aus dem
     »Databerg Report« von Veri-
     tas Technologies hervor. Das
     ist der schlechteste Wert
     aller betrachteten Länder
     (EMEA-Durchschnitt: 54
     Prozent). Der Anteil von Da-
     ten, die redundant, veraltet
     oder unbedeutend sind, liegt
    ­hierzulande bei 19 Prozent.                                                                                   Ein klarer Verant­
www.veritas.com                                                                                                    wortlicher ist nötig,
                                                                                                                   um das Thema
    KUNDEN VERTRAUEN DM                                                                                            Digitalisierung zu
    Zum dritten Mal seit 2010                                                                                      steuern und voran­
    hat der Gfk-Verein rund                                                                                        zutreiben.
    2.000 Verbraucher reprä-
    sentativ zu ihrem Vertrauen
    in die zehn umsatzstärksten
    Einkaufsstätten für Güter       ANALYSE
    des täglichen Bedarfs be-
    fragt. Bei Dm fühlen sich
                                    Entscheider nutzen bevorzugt Fachmedien
    die Verbraucher demnach         Fachmedien sind die wichtigste berufsbezo-         bote von Unternehmen, vor Veranstaltungen
    besonders gut aufgehoben.       gene Informationsquelle der professionellen        mit 66 Prozent. Für 61 Prozent der Befragten
    Im Vertrauensranking des        Entscheider in Deutschland. Das zeigt die          spielen Besuche des Vertriebs eine Rolle, 55
    Gfk-Vereins führt die Dro-      B2B-Entscheideranalyse 2015/16 der Deut-           Prozent nennen Fachmessen. Direct Mailings
    geriemarkt-Kette vor Edeka      schen Fachpresse. Insgesamt werden mit ge-         erreichen 53 Prozent der Entscheider.
    und Rewe. Auf den Plätzen       druckten und digitalen Fachmedien 94 Pro-          33 Prozent nutzen Fachmedien heute häu-
    folgen Kaufland, Rossmann       zent der B2B-Kernzielgruppe erreicht.              figer als vor zwei Jahren, 56 Prozent genauso
    und Aldi. Die Plätze sieben     Am intensivsten genutzt wird die Fachzeit-         oft. Zwei Drittel nutzen Fachmedien sowohl
    bis zehn gehen an Real, Lidl,   schrift, das gaben 81 Prozent der Befragten        in gedruckter als auch in digitaler Form, wäh-
                                                                                                                                             Foto: Corbis

    Netto und Penny.                an, danach folgen mit 76 Prozent die digitalen     rend insgesamt nur ein Drittel ausschließlich
www.gfk-verein.org                  Fachmedienangebote. An dritter Stelle liegt        gedruckte oder digitale Angebote nutzt.
                                    mit 74 Prozent die Nutzung digitaler Ange-         p www.deutsche-fachpresse.de

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SOCIAL MEDIA                                         MARKENFÜHRUNG
Alles neu auf Facebook                               acquisa Short eBook des Monats
                                                     Viele Marken leiden an Alzheimer, sie haben vergessen, wo-
                                                     für sie stehen. So lautet die Diagnose des Marketingleiters der
                                                     Schweizer Spar-Gruppe, Wolfgang Frick. Das ist umso schlim-
                                                     mer, als die Marke ja gerade dafür sorgen soll, das eigene Un-
                                                     ternehmen und seine Angebote
                                                     vom Wettbewerb zu differen-
                                                     zieren. In unserem Short eBook
                                                     des Monats analysiert Frick,
                                                     weshalb die Marke unter dem
Die Redaktion acquisa hat ihren Facebook-Auftritt    Druck des Tagesgeschäfts und
runderneuert. Hier finden Sie News aus Online-       dem Zwang zur immerwäh-
Marketing, E-Commerce, Social Media, CRM und         renden Innovation so oft unter
Dialogmarketing sowie Stimmen aus der Branche        die Räder kommt. acquisa-Leser
und Impressionen von Messen und Events. Erfah-       können dieses Kapitel aus dem
ren Sie, was das Marketing in Zeiten der digitalen   Buch »Patient Marke« kostenlos
Transformation bewegt und wie die Experten dazu      herunterladen.
stehen. So bleiben Sie immer up to date.             p www.haufe.de/
p www.facebook.com/redaktion.acquisa                             acquisa-shortebook
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      TICKER

    KUNDENORIENTIERUNG              Wer vor dem Stand der Konkurrenz wirbt, verstößt nicht gegen Wettbewerbsrecht, ABER...
    In 14 Kategorien wurde der
    Deutsche Servicepreis für
    Kundenorientierung verlie-      WETTBEWERBSRECHT
    hen. Zwölf Unternehmen,
    die bereits im vergangenen      Werbung vor Messestand kein Verstoß
    Jahr ausgezeichnet wurden,
    überzeugten erneut. Dazu        Verteilt ein Aussteller unmittelbar vor dem         einer Messe kann jedoch nicht automatisch jeder
    gehören die Comdirect Bank,     Stand eines konkurrierenden Mitausstellers          Besucher, der sich in der Nähe eines Messe-
    die Commerzbank, Cos-           Werbematerial an Messebesucher, so stellt dies      standes befindet, dieser bereits als potenzieller
    mos Direkt, Devk, Knauber       keine wettbewerbswidrige gezielte Behinderung       Kunde dem Unternehmen zugerechnet werden.
    Erdgas, die Sparkassen-         von Mitbewerbern dar. Dies entschied – laut         Darüber hinaus reicht eine bloße Beeinträch-
    Direktversicherung sowie        einer Meldung des Ausstellungs- und Messe-          tigung der wettbewerblichen Entfaltungsmög-
    Vodafone. Laut Deutschem        Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (Auma) –         lichkeit eines Wettbewerbers für die Annahme
    Institut für Service-Qualität   das OLG Düsseldorf.                                 einer gezielten Behinderung nicht aus, denn
    ist das Serviceniveau konti-    Ein Wettbewerbsverstoß wegen Rechtsbruchs           der Wettbewerb ist darauf angelegt, auf Kosten
    nuierlich gestiegen.            scheidet aus, da die Ausstellungsbedingungen        der Mitbewerber einen Wettbewerbsvorsprung
www.disq.de                         des Messeveranstalters nicht den Charakter          zu erzielen. Wird Messebesuchern lediglich
                                    einer Rechtsnorm haben. Sie gelten ausschließ-      deutlich gemacht, dass es mehrere Anbieter
     SOCIAL MEDIA GEREIFT           lich im Verhältnis zwischen den jeweiligen Ver-     einer bestimmten Dienstleistung gibt, bietet
     Drei Viertel aller Unterneh-   tragsparteien. Auch wenn sie unter Umstän-          dies allenfalls Veranlassung, die Angebote der
     men sind in den Social Media   den das Marktverhalten der Aussteller regeln,       Parteien zu vergleichen, hindert also nicht die
     aktiv. Wie professionell sie   kommt ihnen keine Normqualität zu. Die Einhal-      wettbewerbliche Entfaltung des Mitbewerbers
     diese nutzen, wurde von        tung der Vertragsbedingungen durchzusetzen,         (Az. I-20 U 22/14).
     der Digital Transformation     sei allein Sache des jeweiligen Messeveranstal-     Auch wenn Aussteller gegen Mitaussteller keinen
     Group zusammen mit dem         ters, so das Gericht.                               Anspruch darauf haben, dass diese sich nicht auf
     Social Media Excellence        Auch eine gezielte Behinderung verneinte das        den Gängen vor dem eigenen Messestand auf-
     Kreis sowie der Hochschule     Gericht. Zwar wird eine unlautere Behinderung       halten und dort für ihre Produkte werben, müs-
     HTW Aalen untersucht. Er-      angenommen, wenn auf potenzielle Kunden, die        sen Aussteller, die dennoch auf Gängen werben,
     gebnis: B2C-Unternehmen        bereits dem Mitbewerber zuzurechnen sind, in        damit rechnen, dass dieses Verhalten vom Veran-
     schneiden besser ab als der    unangemessener Weise eingewirkt wird, um            stalter unterbunden und sanktioniert wird, so der
     B2B-Bereich, und am besten     sie als eigene Kunden zu gewinnen. Im Rahmen        Auma zu dem Urteil.p www. auma.de
     agiert die Telekommunika-
     tionsbranche, dicht gefolgt
     von Automotive und Media.
www.digital-transformation-       CUSTOMER CARE
     group.de
                                    Probleme im Service
    WENIGER BANKFILIALEN            Die Mehrheit der Befragten einer Pegasystems-Studie ist mit dem Service
    Drei von fünf Bankkunden        nicht zufrieden. 40 Prozent haben im vergangenen Jahr zwar gute oder
    gehen davon aus, dass es        sogar sehr gute Erfahrungen gemacht, dem stehen jedoch 60 Prozent
    in zehn Jahren kaum noch        gegenüber, die im gleichen Zeitraum den Kundenservice eines Unterneh-
    Filialen geben wird, so das     mens kontaktiert haben, um sich zu beschweren.
    Ergebnis einer Studie von       Am meisten nerven lange Wartezeiten (51 Prozent), gefolgt von der lan-
    Yougov. Bis dahin werden ih-    gen Suche nach dem richtigen Ansprechpartner (41 Prozent). 40 Prozent
    rer Ansicht nach auch Kredit-   wollen nicht bei jedem neuen Kontakt ihr Anliegen erneut erklären müs-
    und EC-Karten als Zahlungs-     sen und 32 Prozent bemängeln, dass sich viele Service-Mitarbeiter mit
    mittel ausgedient haben.        den Produkten oder Services nicht genug auskennen und ihnen auch
www.yougov.de                       deshalb keine Lösung anbieten können (22 Prozent).
                                                                                       p www.pega.com

      10                                                                                                      www.acquisa.de  03/2016
ACQUISA-UMFRAGE                                        WERBEARTIKEL IM MARKETING-MIX
                          Social Media nicht allen wichtig                       Individualisierte Produkte erhöhen den
                          Social Media Marketing ist schon länger in aller       Aufmerksamkeitswert beträchtlich
                          Munde. Aber die große Euphorie scheint vorbei zu
                          sein. Dabei lässt sich auf dem Kanal viel erreichen    Welche Rolle spielt der Werbeartikel im Rahmen moderner
                          – wenn man es strategisch angeht. Wir haben Sie        Marketingstrategien? Ist er tatsächlich nur ein »überflüssiges«
                          gefragt, wie wichtig Social Media Marketing wirk-      Give-Away, wie vielfach gerade von kleineren Unternehmen
                          lich ist. Hier die Ergebnisse.                         behauptet wird? Oder ist es ein strategisches Mittel, um Neu-
                          Unsere Umfrage ergab ein überraschend uneinheit-       kunden zu gewinnen und Bestandskunden zu binden? Viele
                          liches Bild davon, wie Marketingexperten die Rolle     Unternehmen haben diese Frage für sich bereits beantwortet
                          von Social Media einschätzen.                          und Werbeartikel in ihre Strategien einbezogen. Zurecht, wie
                          Für 44 Prozent der Befragten gehört Social Media       DIE6 meint, ein Verbund von 16 Werbemittel-Spezialisten.
                          Marketing ganz selbstverständlich in den Marke-        Denn dass sie die Situation damit völlig richtig beurteilt ha-
                          tingmix. Weitere 20 Prozent sind zudem der An-         ben, bestätigen Untersuchungen des Dima Marktforschungs-
                          sicht, dass das Thema wichtig ist und nun endlich      institutes (Mannheim). In umfassend angelegten Studien,
                          die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient.           durchgeführt im Auftrag des Gesamtverbands der Werbe-
                          Ein gutes Drittel jedoch ist weiterhin skeptisch bis   mittelwirtschaft (GWW), bestätigen die Forscher mit ihren
                          ablehnend: 27 Prozent finde es gut, dass der Hype      publizierten Ergebnissen, dass der Werbeartikel an einem
                          vorbei und sie sich wieder auf »richtiges« Marketing   Durchschnittstag 88 Prozent der Bevölkerung mit seiner Bot-
                          konzentrieren können und weitere neun Prozent          schaft erreicht. Damit liegt er mit Blick auf Kundenkontakte
                          hadern mit der sinkenden organischen Reichweite,       weit vor Werbemaßnahmen im Radio, im Fernsehen oder in
                          die die anfängliche Attraktivität für das Marketing    Printmedien.
                          (mit kleinem Geldbeutel) in der Zwischenzeit doch      Tatsache ist also, dass das Werbegeschenk vom großzügig in
                          geschmälert hat.                                       den Markt geworfenen Streuartikel längst zum unverzicht-
                          p www.acquisa.de                                      baren Marketingbestandteil avanciert ist, der bei klassischen
                                                                                 strategischen Maßnahmen auf gar keinen Fall unberücksich-
                                                                                 tigt bleiben sollte.
                                                                                 Individualisierung ist da-
                          E-COMMERCE                                             bei eine der wirksamsten
                                                                                 Optionen bei einer Viel-
                          So shoppen die Deutschen online                        zahl von Aktionen, bei
                          Viele Deutsche beginnen ihren Einkaufsbummel           denen Werbemittel mit
                          im Web und kaufen anschließend im Ladenge-             nachhaltigem Erfolg ein-
                          schäft. Dieses als Webrooming bezeichnete Ein-         gesetzt werden können.
                          kaufsverhalten tritt vermehrt beim Kauf von Elek-      Dabei liefern die eigenen
                          tronik auf. Das ist ein Ergebnis der Nielsen-Studie    Unternehmensaktivi-
                          »Global Connected Commerce Survey«.                    täten häufig die idealen
                          Was wo gekauft wird, hängt stark vom Produkt ab.       Steilvorlagen. Sei es die
                          In den virtuellen Einkaufskörben landen oft Klei-      Neueinführung eines
                          dung (76 Prozent), Bücher und Musik (75 Prozent)       Produkts, der Relaunch
                          sowie Reisen (57 Prozent). Verbrauchsgüter hinge-      der Corporate Identity,
                          gen werden eher im Laden gekauft. Schlusslichter       die aktuelle Werbekam-
                          sind online deshalb alkoholische Getränke (20 Pro-     pagne oder eine direkte
                          zent), Babyprodukte (17 Prozent) und frische Pro-      Ansprache bestimmter
                          dukte (neun Prozent). Ausnahme sind Pflegepro-         Zielgruppen, bei denen
                          dukte, die jeder zweite Deutschen bereits im Web       ein werbewirksamer
                                                                                                                                                   Fotos: Kretzschmar/DIE6; KHK/DIE6

                          gekauft hat.                                           Auftritt inszeniert wer-
                          Und warum kaufen Kunden im Web? 34 Prozent             den soll.
Foto: Behrendt & Rausch

                          suchen gezielt in Online-Werbeprospekten nach
                          Angeboten, 32 Prozent schätzen die Zeitersparnis
                          und 31 Prozent sehen den Vorteil darin, bei Händ-
                          lern kaufen zu können, die sie stationär schlecht        Individuelle Konzepte ent-
                          erreichen.                                              wickelt man am besten mit
                          p www.nielsen.com                                        einem Werbemittel-Profi.

                          03/2016  www.acquisa.de                                                                                           11
INFOGRAFIK

Die wertvollsten Marken der Welt
Google ist die einzige Marke weltweit, die laut »Brand Finance Global
500« sowohl in den Top 10 der stärksten als auch der wertvollsten
Marken auftaucht. Nämlich auf Rang zwei hinter Apple. Die dritt-
wertvollste Marke ist demnach Samsung, vor Amazon und Microsoft.
Während Apple den Platz an der Sonne behauptet hat, haben Google
und Samsung im Vergleich zum Vorjahr die Plätze getauscht. Über
­besonders große Sprünge nach vorne konnten sich Amazon (von acht
 auf vier) und Wells Fargo (von 15 auf 10) freuen. Frisch in die TOP 10 ist
 China Mobile gerutscht (Vorjahr: Platz elf).

Mrd. Dollar

150

135

120

105

 90

 75

 60

 45
                                                                                                                         Grafik: Haufe-Lexware/Kerstin Fikentscher

 30

 15

  0
          Apple     Google Samsung Amazon Microsoft Verizon                   AT&T   Walmart   China       Wells
                                                                                               Mobile      Fargo

12                                                                                           www.acquisa.de  03/2016
Der Vertrieb ist tot
Die Aussage in der Überschrift wurde hierzulande in den ver-     und langfristigen Nutzen für den Kunden bringt – vor allem
gangenen Monaten sehr kontrovers diskutiert: so viele Ex-        auch gegenüber alternativen, konkurrierenden Vertriebska-
perten, so viele Meinungen. Wie üblich in der Betriebswirt-      nälen. Damit rückt auch die langfristige Kundenzufriedenheit
schaftslehre und damit in den S ­ ozialwissenschaften gibt es    anstelle der kurzfristigen Transaktion ins Zentrum (übrigens
hier nicht richtig oder falsch. Die Standartantwort heißt zu     auch beim variablen Lohnanteil). Kurz gesagt: Es braucht in
recht: »Es kommt darauf an!«: In diesem Fall, wie der Ver-       ­Zukunft Verkäufer und keine Vertriebler – also solche Mit-
trieb in einem Unternehmen verstanden und gelebt wird. Ich        arbeiter, welche nur Produkte distribuieren und damit lang­
persönlich glaube, dass derjenige Vertrieb, welcher keinen        fristig den Begriff Vertrieb im Sinne von »die Kunden vertrei-
wirklichen Nutzen bringt, in der Tat tot ist. Und das auch zu-    ben« leben. Damit ist der Vertrieb wirklich tot – es lebe der
recht. So brauche ich zum Beispiel niemanden, der mir das         Verkauf.                                                    •]

wiedergibt oder erzählt, was ich im Internet schon selber in
Erfahrung gebracht habe. Hingegen wird es diejenigen Ver-
triebsmitarbeiter, welche dem Kunden einen echten Mehrwert                                           AUTOR
liefern, immer brauchen. Dies setzt jedoch voraus, dass die
                                                                                                     Dr. Christian Huldi
Geschäfts- und Vertriebsleitung, und vor allem die Vertriebs-
mitarbeiter selber, ihren Job neu erfinden.                                                          ist Inhaber der Datacrea AG
Anzufangen ist diesbezüglich schon mal beim Selbstverständ-                                          aus der Schweiz. Er berät
nis: kein unqualifiziertes, empathieloses Aufschwatzen des-                                          seit 25 Jahren Unternehmen
jenigen Produktes mit der höchsten Marge und damit dem                                               in allen Fragen des strate­
                                                                                                     gischen Kundenbeziehungs-
höchsten Bonus und keine reine Bestellannahme. Gefragt
                                                                                                     ­­­managements.
ist eine auf den Bedürfnissen des Kunden aufsetzende Lö-
sungsfindung basierend auf einer soliden Ausbildung. Ent-                                            p christian.huldi@
scheidend ist, dass der Vertriebsprozess an sich einen echten                                        datacrea.ch

                    Die Digitalisierung nutzen
Die Digitalisierung der Arbeits-            interessanter waren, besser bezahlt        eine Sonderkonjunktur erlebt, setzen
welt beschäftigt die »Frankfurter           und weniger gefährlich als zuvor. So       immer mehr Immobiliendienstleister
Allgemeine­ Zeitung«. »Wir durchleben       ersetzten Industrieroboter in den acht-    auf Big Data, wie die Fachzeitschrift
eine Phase radikalen technologischen        ziger Jahren viele Arbeitsplätze. Die      »Immobilien­wirtschaft« in ihrer März-
Umbruchs«, schreiben die klugen             Anpassungsphase war hart. Nach dem         Ausgabe berichtet. Globalisierung
Köpfe aus Frankfurt. Man spreche von        Übergang aber standen die deutsche         und Digitalisierung schaffen riesige
einer vierten industriellen Revolution,     Wirtschaft und ihre Beschäftigten bes-     Datenmengen. Doch erst wenn diese
weil die Digitalisierung in ihren Folgen    ser da als zuvor. So könnte es auch mit    zu zweckorientiertem Wissen veredelt
der Einführung von Dampfmaschine,           der Digitalisierung sein. »In diesem       werden und sichergestellt ist, dass die
Fließband und Industrieroboter gleich-      Sinne sollten wir nicht überlegen, ob      jeweils benötigten Informationen zum
komme. Gleichwohl machen die FAZ-           und wie wir die Digitalisierung bremsen,   richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort
Redakteure auch Mut, denn der Wan-          sondern wie wir sie für uns nutzen«, so    den richtigen Entscheidungsträgern in
del bedeute noch lange nicht, dass wir      das Fazit der FAZ.                         geeigneter Form zur Verfügung stehen,
nichts mehr zu tun hätten. Jede Stufe       Die Immobilienbranche scheint dies         tragen sie zum nachhaltigen Erfolg bei.
der Industrialisierung kostete viele Jobs   bereits umzusetzen. Auch wenn sie          KLAUS DIETZEL, Redaktion acquisa,
– und schuf neue. Arbeitsplätze, die oft    aufgrund niedriger Zinsen derzeit          klaus.dietzel@acquisa.de

03/2016  www.acquisa.de                                                                                                      13
GERICHTSENTSCHEIDUNGEN

      RECHTSTICKER                      § Werbeeinwilligung bei Gewinnspielteilnahme
                                             OLG FRANKFURT

                                        Mit Urteil vom 17.12.2015 (Az. 6 U 30/15) hat    samkeit der Einwilligung stehe es dabei auch
                                        das OLG Frankfurt sich zu zwei interessanten     nicht entgegen, wenn die notwendigen Infor-
      CLOUD-SPEICHER                    Fragen der Einholung einer Werbeeinwilli-        mationen über Cookies nicht bereits in der Er-
      Nach einem Urteil des             gung im Zusammenhang mit der Durchfüh-           klärung selbst, sondern in einem verlinkten
      LG Heidelberg stellt das          rung eines Gewinnspiels geäußert. Zum ei-        Text gegeben werden.
      Hochladen fremder Fotos in        nen hat das Gericht entschieden, dass eine im    HANDLUNGSEMPFEHLUNG:
      die eigene Internet-Cloud         Zusammenhang mit der Teilnahme an einem          Begrüßenswert ist die Entscheidung der
      keine Urheberrechtsverlet-        kostenlosen Gewinnspiel eingeholte Einwilli-     Richter, eine »Auskreuzlösung« für die Ver-
      zung dar, weil es an einer        gung eines Verbrauchers in Telefonwerbung        wendung eines Cookies im Rahmen der In-
      rechtswidrigen Zurschau-          durch andere Unternehmen unwirksam sei,          ternetwerbung zuzulassen. Nach der Recht-
      stellung oder Verbreitung         wenn die Einwilligungserklärung einen Link       sprechung des BGH bleibt eine solche Gestal-
      der Bildnisse fehle (LG           auf eine Liste von 59 Unternehmen enthält        tung für Einwilligungen in Werbung mittels
      Heidelberg, Urteil v.             und der Verbraucher für jedes Unternehmen        E-Mail, SMS, Telefon und Fax aber unzulässig;
      2.12.2015 - Az.: 1 O 54/15).      separat ein Feld »Abmelden« anklicken muss,      hier muss die Einwilligung jeweils durch ei-
http://lrbw.juris.de                    um keine Telefonwerbung zu erhalten. Zum         ne gesonderte Angabe erfolgen, so dass ein
                                        anderen hielt das Gericht jedoch eine Einwil-    aktives Ankreuzen notwendig ist. Auch sonst
      APP-TITELSCHUTZ                   ligung in die Nutzung eines Cookies für die      bleiben Werbeeinwilligungen im Zusammen-
      Der I. Zivilsenat des Bundes-     Auswertung des Nutzungsverhaltens zum            hang mit Gewinnspielteilnahmen ein Minen-
      gerichtshofs hat entschie-        Zweck der Ausspielung interessenbasierter        feld. Das Gericht meinte, die Opt-out-Gestal-
      den, dass Apps für mobile         Werbung für wirksam, die im Wege eines           tung bzgl. der Telefonwerbung sei hier zu
      Endgeräte grundsätzlich           Opt-out (also durch Gewährung der Möglich-       aufwendig, um dem Nutzer eine realistische
      Werktitelschutz genießen          keit zum Entfernen eines vorangekreuzten         Prüfung zu ermöglichen.
      (BGH, Urteil vom 28. Januar       Häkchens) erteilt werden konnte. Der Wirk-       p www.lareda.hessenrecht.hessen.de
      2015 - I ZR 202/14 - wetter.de)
http://juris.bundesgerichtshof.de

     INHALT TEILEN
    Das OLG Frankfurt hat
    ­geurteilt, dass ein Nutzer
                                        § Umsetzungsfrist für Werbewiderspruch
                                             LG FREIBURG

    sich durch die Verwendung           Das LG Freiburg hat sich im      richt zu lang. Die Richter ha-   nehmen grundsätzlich un-
    der Funktion »Teilen« bei           Rahmen einer Kostenent-          ben zwar anerkannt, dass Un-     verzüglich erfolgen. Es ist des-
    Facebook fremde, rechts-            scheidung vom 14. Januar         ternehmen zur Umsetzung in       halb begrüßenswert, dass das
    widrige Inhalte nicht zu-           2016 (3 S 227/14) dazu geäu-     gewissen Grenzen – und ab-       Gericht das Bestehen einer
    eigen mache und deshalb             ßert, innerhalb welcher Frist    hängig von der Intensität der    Umsetzungsfrist anerkennt.
    nicht dafür hafte (OLG              ein Widerspruch gegen den        Beeinträchtigung durch zu        Doch das Unternehmen darf
    Frankfurt, Urt. v. 26.11.2015       Erhalt postalischer Werbung      erwartende Werbung – Zeit        diese nicht zu lang ausdeh-
    - Az.: 16 U 64/15).                 umgesetzt werden müsse.          zur organisatorischen Um-        nen. Es sollte sich an den Vor-
www.lareda.hessenrecht.hessen.de        Dem Kläger in dem Aus-           setzung eines Werbewider-        gaben der Datenschutzauf-
                                        gangsverfahren wurde durch       spruchs zuzubilligen sei. Ein    sichtsbehörden orientieren,
    E-COMMERCE                          die Beklagte wiederholt (am      Zeitraum von nahezu einem        die ein Mailing nach Zugang
    In der Auseinandersetzung           19. März sowie am 16. April      Monat sei nicht notwendig.       eines Widerspruchs nur zu-
    um Weiterempfehlungs-               2014) Briefkastenwerbung         HANDLUNGSEMPFEHLUNG:             lassen, wenn die konkrete
    funktionen im Web werden            zugesandt, obwohl der Kläger     Die Umsetzung des Wider-         Werbeaktionen angelaufen
    die Daumenschrauben an-             bereits sofort nach der ersten   spruchs gegen die künftige       ist und sich die Kontaktdaten
    gezogen: Das OLG Hamm               Postzusendung vom 19. März       Verarbeitung oder Nutzung        des Betroffenen schon in der
    hat einen Händler für eine          2014 der Zusendung von Wer-      der Kontaktdaten eines Be-       technischen Verarbeitung be-
    Funktion in Haftung genom-          bung widersprochen hatte.        troffenen für Werbung muss       finden.
    men, die auf dem Online-            Dieser Zeitraum war dem Ge-      in dem betreffenden Unter-       p http://lrbw.juris.de/
    Marktplatz Amazon stan-
    dardmäßig angeboten wird.             Die Meldungen und Berichte auf dieser Seite wurden verfasst von Rechtsanwalt Dr. Flemming
www.acquisa.de                                                        Moos, Osborne Clarke, Hamburg.

      14                                                                                                       www.acquisa.de  03/2016
SCHWERPUNKT

                                            Fotos: 3D Vector/shutterstock.com; d1sk/fotolia.de; Collage: Kerstin Fikentscher

BIG BANG
    Die Digitalisierung verändert
    den Vertrieb nicht nur in der Theorie
SCHWERPUNKT _ Digitalisierung im Vertrieb

Die Chancen überwiegen
Die Digitalisierung als Megatrend erzeugt auch und gerade im Vertrieb Veränderungsdruck.
Doch weder Verdrängung noch Aktionismus bieten sich als adäquate Reaktionen an.
­Stattdessen sollten Vertriebsmanager systematisch auf »Digital Sales Excellence« setzen.

Übersicht                                Ausspähen ihrer Nutzer beruhen (etwa         Lieferverpackungen und vor allem auch
                                          Google, Facebook) und so Insights lie-       von Retouren erscheinen zunehmend
Weiterbildung im Vertrieb          22
                                          fern und Targeting ermöglichen – oder        problematisch, sodass es nicht verwun-
Digital Leadership                 24    ist es Cyber-Stalking? Andererseits frisst   dert, dass derzeit eine Gegenbewegung
                                          die Revolution auch gerne mal ihre Kin-      zu beobachten ist, die den ethischen
Interview                          26    der: Second Life, Farmville und Groupon      Konsum von traditionellen (=analogen)
                                          sind allesamt einmal als »das nächste        und lokalen Leistungen propagiert.
                                          große Ding« gefeiert worden und mitt-        Nicht alles, was technisch geht, wird
                                          lerweile weitgehend entzaubert. Der-         auch gesellschaftlich akzeptiert: Selbst
Text _ L
        ars Binckebanck und              zeit enttäuschen Twitter und Linkedin        Google musste seine Datenbrille man-
       Rainer Elste                       die Börsenphantasien. Dienste wie Uber       gels Akzeptanz erst einmal wieder vom
                                          und Airbnb jazzen die Share Economy,         Markt nehmen. Aspekte des Verbraucher-
                                          doch in der Praxis wollen regelmäßig zu      und Datenschutzes werden zunehmend
Die Wirtschaft des 21. Jahrhunderts       viele teilhaben von dem, was zu wenige       intensiv diskutiert. Cyberkriminalität
wird neben der Globalisierung vor         zu teilen bereit sind.                       führt zu Unsicherheiten im Umgang mit
allem durch die rasant fortschreitende                                                 digitalen Technologien. Rankings wer-
Digitalisierung geprägt. Die hiermit                                                   den manipuliert, Profile »gefaked« und
                                          Kommt eine Gegenbewegung?
verbundene zeitlich und örtlich unbe-                                                  »Likes« gekauft. Sogenannte Shitstorms
schränkte Verarbeitung von Daten er-      Veränderungen im gesellschaftlichen          lassen soziale Netzwerke zu digitalen
möglicht die Umwandlung herkömm-          Medien- und Konsumverhalten sind             Prangern mutieren, und Politiker drän-
licher Prozesse in IT-Routinen. Diese     gleichzeitig Ursache und Wirkung der         gen Social Media zur Selbstzensur gegen
Transformation ermöglicht effektivere     Digitalisierung. Der Siegeszug des E-        Hetzer auf zunehmend »a-sozialen Platt-
Kundenlösungen und effizientere Ab-       Commerce erscheint unaufhaltsam.             formen«. Der potenzielle Know-how-Ver-
läufe, sie gefährdet aber auch bewährte   Allerdings zeigt sich eine zunehmende        lust durch Hacker und Industriespiona-
Geschäftsmodelle und verunsichert         soziale Fragmentierung in digitalaffine      ge treibt auch Unternehmen im interna-
Menschen innerhalb und außerhalb der      und digitalferne Schichten. Auch inter-      tionalen Wettbewerb um.
Unternehmen.                              national fällt die Wachstumsdynamik          Unternehmensintern hat die Digitali-
In der Wirtschaft lässt sich ein digi-    der Entwicklungsländer insbesondere          sierung mittlerweile wohl jeden Aspekt
taler Darwinismus beobachten: Ama-        deswegen ab, weil die Industrieländer        der Wertkette erfasst. Die zunehmende
zon ersetzt Quelle, Zalando jagt Görtz    aufgrund ihrer besseren technolo-            Geschwindigkeit in der Abfolge von In-
und Apple killt Nokia. Agfa, Kodak und    gischen Infrastruktur bei der Digitali-      novation, Imitation, Variation und Sub-
Photo Porst sind prominente Opfer der     sierung die Pole Position innehaben.         stitution erweitert die strategischen Op-
Digitalfotografie. Innerhalb einer De-    Die ökologischen Auswirkungen des ex-        tionen von Unternehmen, etwa um digi-
kade hat sich der Konsum von Musik        plodierenden Paketliefervolumens, von        tale und hybride Geschäftsmodelltypen
von tragbaren Abspielgeräten zunächst                                                  oder Möglichkeiten der Individualisie-
auf MP3-Player und sodann auf andere                                                   rung durch One-to-One-Marketing und
digitale Formate wie das Streaming ver-                                                Mass Customization. Im Einkauf wer-
lagert. Immer öfter sind es branchen-                                                  den digitale Technologien im Rahmen
fremde Unternehmen, die den Status                                                     des E-Procurement eingesetzt und er-
Quo hinterfragen und mithilfe digitaler                                                möglichen automatisierte Prozesse auf
Technologien etablierte Platzhirsche in                                                der Basis von Electronic Data Interchan-
Bedrängnis bringen. Neue Player ent-                                                   ge (EDI), die Nutzung elektronischer
stehen, deren Geschäftsmodelle im                                                      Multi-Supplier-Kataloge sowie virtuelle

                                                   16_
Wesentlichen auf dem massenhaften                                                      Marktplätze und Online-Auktionen.

                                                                   17                                 www.acquisa.de  03/2016
nen. Neben der hierbei im Vordergrund
                                                                          stehenden Analyse von Produktdefekten
                                                                          und einer möglichen Online-Wartung er-
                                                                          möglicht die Vernetzung auch die Erstel-
                                                                          lung und Verfeinerung von Nutzungs-
                                                                          und Nutzerprofilen.
                                                                          Im Marketing haben digitale Technolo-
                                                                          gien innerhalb der vergangenen Dekade
                                                                          eine zunehmend unüberschaubare Viel-
                                                                          zahl innovativer Kommunikationsmög-
                                                                          lichkeiten entstehen lassen; Suchma-
                                                                          schinen- und Social Media Marketing,
                                                                          Integration von Multi- und Mobile- Me-
                                                                          dia in den Medienmix sowie klassische
                                                                          Banner, Content Marketing, Customer
                                                                          Touchpoints, Web Analytics und Gamifi-
                                                                          cation sind Stichworte, ohne die derzeit
                                                                          kein Werbegipfel mehr auskommt. Im
                                                                          Vertrieb schließlich konzentriert sich
                                                                          die Diskussion auf die Nutzung von E-
                                                                          CRM. Entlang der Customer Journey
                                                                          erfolgt die IT-gestützte Datensammlung
                                                                          kanalübergreifend, was zu großen und
                                                                          komplexen Datenbeständen führt, die
                                                                          wiederum mithilfe von Analysetools
                                                                          (Data Mining und OLAP) aufbereitet und
                                                                          für Vertrieb und Marketing zur Verfü-
                                                                          gung gestellt wird – etwa im Rahmen
   Achtung Baustelle Ver-     Unternehmen transformieren ihre Pro-        eines Customer Profiling. Aber auch die
 trieb: Die Digitalisierung   duktionsanlagen, Lagersysteme und           vertriebliche Nutzung von Social Com-
 sorgt für einen radikalen    Betriebsmittel zu Smart Factories und       merce, E-Pricing, Konfiguratoren, Blen-
 Wandel in den Vertriebs-     vernetzen sie als Cyber-Physical Sys-       ded Learning oder auch Augmented Re-
organisationen deutscher      tems (CPS) weltweit. Beschäftigte in der    ality eröffnet immer neue Potenziale für
            Unternehmen.      Produktion tragen digitale Wearables        den Erfolg im Wettbewerb von morgen.
                              am Körper, welche menschliche Fehler
                              vermeiden und die Arbeitssicherheit
                                                                          Alles disruptiv – oder was?
                              erhöhen sollen. Der 3D-Druck ermög­
                              licht dezentrale Produktion on Demand       Die Vielfalt und die Geschwindigkeit
                              und Rapid Tooling. Das E-Supply Chain       der beschriebenen Entwicklungen
                              Management umfasst darüber hinaus           führen in der Unternehmenspraxis zu
                              die Planung, Steuerung und Integration      großer Verunsicherung. Das wiederum
                              sämtlicher Waren-, Informations- und        ruft eine ganze Armada von selbster-
                              Finanzflüsse entlang der Lieferkette mit-   nannten Gurus, vertriebsstarken Bera-
                              hilfe moderner Informations- und Kom-       tern und opportunistischen Trainern
                              munikationstechnologien, etwa RFID-         auf den Plan. Ihr Mantra: Unternehmen
                              Chips. Das Internet der Dinge verbindet     müssen sich radikal neu erfinden nach
                              Produktionsmittel und Alltagsobjekte        dem Bestseller-Motto »disrupt or be
                              mit dem Internet und untereinander. Die     disrupted«. Tatsächlich ist Disruption
                              entstehenden Datenströme lassen sich        mittlerweile ein unsäglicher Kampfbe-
                              im Rahmen von Big Data nutzen, um           griff geworden, mit dem praktisch alles
                              etwa vermehrt Produktnutzungsdaten          gerechtfertigt wird, was irgendwie mit
                              zu analysieren, die von verschiedensten     Digitalisierung zu tun hat und damit
                              Maschinen und Fahrzeugen an Manage-         also automatisch wichtig ist.
                              ment, Hersteller und/oder Servicepart-      Nur leider hat sich kaum jemand die
                              ner in Echtzeit übermittelt werden kön-     Mühe gemacht, sich mit den kon- [ …

03/2016  www.acquisa.de
SCHWERPUNKT _ Digitalisierung im Vertrieb

      p      INFO         ENTWICKLUNGSPFADE DER DIGITALISIERUNG IM VERTRIEB

Die Digitalisierung im Vertrieb lässt sich anhand von zwei                  mensspezifische Anwendung, niedrige Imitationsgefahr). Bei der In-
­organischen Entwicklungspfaden beschreiben.                                ternalisierung wiederum können drei Grade unterschieden werden:
                                                                            Bündelung von Know-how in der IT–Funktion, Installation von Lead-
Einerseits kommen mit dem technischen Fortschritt immer wieder              Spezialisten ohne Funktionszugehörigkeit oder breite funktionale Ak-
neue Technologieoptionen hinzu. Unternehmen können hier hinsicht-           zeptanz und funktionenspezifische Ausbildung von Kernkompetenzen
lich der Adoption zwischen einer Wasserfall-Strategie (einer Tech-          für digitale Technologien.
nologie folgt sequenziell die nächste) und einer Sprinkler-Strategie        Digital Sales Excellence impliziert, dass für verschiedene Technolo-
(mehrere Technologien werden simultan adaptiert) wählen. Ande-              gien unterschiedliche Kompetenzniveaus strategisch geboten sind.
rerseits haben Unternehmen hinsichtlich der Intensität der Adop-            Der Dreiklang von Strategieorientierung, struktureller Verankerung
tion verschiedene Möglichkeiten. So können sie hinsichtlich einer           und Vertriebsprozessmanagement ermöglicht hier eine unterneh-
Technologie etwa auf die Adoption gänzlich verzichten, mit externen         mensspezifisch sinnvolle Konfiguration. So bietet die Digitalisierung
Dienstleistern zusammenarbeiten (Kosten und Risiko gering, gene-            im Vertrieb durch den systematischen Einsatz neuer Technologien
rische Anwendung, hohe Imitationsgefahr) oder das Know-How als              hervorragende Möglichkeiten für eine umfassende und nachhaltige
Kernkompetenz internalisieren (Kosten und Risiko hoch, unterneh-            Transformation des Vertriebs.

                   Fokus                                                                      Internationalisierung von Know-how
                 Adoption
                              Keine Adoption      Externe Spezialisten                                      Anwendungs-               Vertriebliche
 Fokus                                                                          IT-Spezialisten
 Technologie                                                                                                 Spezialisten            Kernkompetenz
 Technologie 1
                                               Stra
                                                   tegie
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                                                                       stru
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                                                                                         eran
                                                                         Digi                 keru
                                                                                tal S              ng
 Technologie 4                                                                        ales              Vert
                                                                                           Exce              rieb
                                                                                                llen              spro
                                                                                                     ce                zessm
                                                                                                                             anage
                                                                                                                                   men
                                                                                                                                       t
 Technologien

Quelle: Binckebanck & Elste

zeptionellen Grundlagen der Theorie               Funktionalität auf diese Kundengrup-                    heren Ansprüchen und Zahlungsbereit-
der disruptiven Innovation nach Chris­            pe zuschneiden und sich zunächst ent-                   schaften ins Visier – wobei sie auf die
tensen auseinanderzusetzen. Disrup-               sprechend niedrigpreisig positionieren.                 Neuerungen aufbauen, denen sie ihre
tive Innovationen lassen sich demnach             Wenn die Platzhirsche nicht mit »er-                    anfänglichen Erfolge zu verdanken hat-
eben nicht mit jedem Durchbruch                   haltenden« beziehungsweise evolutio-                    ten. Wenn die Mainstreamkunden die-
in einen Topf werfen, der die Wettbe-             nären Innovationen reagieren, nehmen                    ses Angebot in großer Zahl akzeptieren,
werbsstrukturen einer Branche verän-              die Angreifer mit Qualitäts­u pgrades                   kommt es zur Disruption, das heißt sie
dert. Vielmehr geht es um einen Pro-              sukzessive Marktsegmente mit hö-                        schwenken auf die neuen Produkte, die
zess, in dem ein kleines Unternehmen                                                                      sie zunächst als minderwertig angese-
mit geringen Mitteln einen etablierten                                                                    hen haben, um und freuen sich dabei
Marktteilnehmer herausfordert. Denn                                                                       über den geringeren Preis. Disruptoren
letztere konzentrieren sich meist auf                                                                     beschreiten also den Pfad vom Rand zur
hochwertige Leistungen für ihre an-                                                                       Mitte des Marktes und jagen den Platz-
spruchsvollsten Kunden und vernach-                                                                       hirschen zuerst Marktanteile und dann
lässigen dabei untere Marktsegmente,                                                                      Gewinne ab – weil die Platzhirschen
die weniger profitabel erscheinen. ­Dies                                                                  das alte Spiel immer besser zu spielen
nutzen neue Anbieter, die ihre Ange-                                                                      versuchen statt die neuen Spielregeln

                                                               18_
bote in Bezug auf Zweckmäßigkeit und                                                                      anzuerkennen.

                                                                                 19                                            www.acquisa.de  03/2016
Aus der Theorie lassen sich wichtige       dierten Ansätzen ableiten. Im Gegenteil:   Digitalisierung im Vertrieb an Verän-
Erkenntnisse ableiten. So bezeichnet       Längst nicht alle disruptiven Innova-      derungswiderständen zu scheitern.
Disruption kein momentanes Ereig-          tionen sind erfolgreich. Erfolgsfaktor     Vertriebsorganisationen, die sich dem
nis, sondern einen Prozess. Und zwar       im Management ist eben nicht die Be-       Fortschritt in dieser Form verweigern,
einen Prozess, dessen Ergebnis wesent-     reitschaft, das eigene Geschäftsmodell     droht aufgrund verspäteter oder unter-
lich von der Reaktion der etablierten      über Bord zu werfen, sondern auch          lassener Reaktion die Disruption. Hier
Marktteilnehmer abhängt, wobei deren       weiterhin die Fähigkeit, Leistungen mit    können Führungskräfte nur versuchen,
verspätete oder Nicht-Reaktion häufig      überlegenem Kundenutzen anzubieten.        mit Change Management rechtzeitig ge-
darauf zurückzuführen ist, dass die        Dabei werden digitale Technologien ei-     genzusteuern.
Veränderungen sich eben nicht als Big      ne fundamentale, jedoch nicht notwen-      Eine zweite typische Reaktion findet
Bang, sondern zunächst als schleichend     digerweise revolutionäre Rolle spielen.    sich bevorzugt in der Marketingabtei-
darstellen. Platzhirsche müssen also ih-   Sie sind kein Selbstzweck, sondern ge-     lung und überträgt sich von dort in
ren Markt richtig definieren und auch      horchen den klassischen ökonomischen       die Vertriebsorganisation. Die eigene
solche Geschäftsmodelle beobachten,        Gesetzmäßigkeiten von Effektivität und     Begeisterung für digitale Innovationen
die scheinbar keine Konkurrenz für die     Effizienz. Ihr Einsatz muss dazu beitra-   wird auf die Kundenseite übertragen.
eigenen Aktivitäten darstellen. Und sie    gen, Kundenbedürfnisse effektiver zu       Kunden wird (fälschlicherweise) unter-
müssen auf eine Disruption reagieren,      befriedigen und gleichzeitig die Unter-    stellt, mit dem Unternehmen auf mög-
wenn sie geschieht. Allerdings sollten     nehmensziele effizienter zu erreichen.     lichst vielfältige und innovative Art und
sie dabei nicht in Panik verfallen und                                                Weise, in Echtzeit und auf Augenhöhe
ein Geschäft begraben, das immer noch                                                 interagieren zu wollen. Also wird jede
                                           Technologiefeindlicher Vertrieb
Gewinne abwirft. Im Gegenteil sollten                                                 neue Plattform, Technologie und Hyste-
sie die Beziehungen zu ihren wich-         Zunächst einmal ist im Vertrieb leider     rie sofort in das Kommunikations- und
tigsten Kunden weiter stärken, indem       häufig eine latente Technologiefeind-      Distributionssystem des Unternehmens
sie in erhaltende Innovationen investie-   lichkeit zu konstatieren. Da wird dann     integriert, denn man will ja immer vor-
ren, während sie sich gleichzeitig mit     gerne postuliert, dass alle Kunden den     ne dabei sein. Leider fehlt den Technik-
neuen Technologien auf Wachstums-          persönlichen Kontakt schätzten und         freaks häufig das Verständnis für die
möglichkeiten konzentrieren, die sich      technischen Schnick-Schack ablehnen.       Ressourceneffekte ihres permanenten
aus der Disruption ergeben.                Gleichzeitig werden neue Technologien      Beta-Versuchslabors. Die überpropor-
Aus der Theorie der disruptiven Innova-    im Innenverhältnis als Kostenkiller und    tional steigenden Kosten des wachsen-
tion lässt sich also keine Überlegenheit   Kontrollinstrumente gebrandmarkt           den Technologieeinsatzes gehen in der
neuer Geschäftsmodelle gegenüber tra-      und bekämpft. Im Ergebnis droht die        Praxis häufig eben nicht mit ent- [ …
SCHWERPUNKT _ Digitalisierung im Vertrieb

                                                                                            entierung. Dabei sind (in vertikaler und
p    Die Digitalisierung scheint
                                                                                            horizontaler Abstimmung mit anderen
     für den Vertrieb oft noch eine
                                                                                            Strategieelementen des Unternehmens)
     terra incognita zu sein. Doch
                                                                                            wesentliche Entscheidungstatbestände
     das ist nicht zielführend,
     selbst wenn der »klassische«
                                                                                            im strategischen Vertriebsmanagement
     Vertrieb nicht obsolet werden dürfte.                                                  zu berücksichtigen. Zunächst schaffen
                                                                                            Kundendefinition, -segmentierung und
                                                                                            -priorisierung die Basis für die Marktbe-
                                                                                            arbeitung. Welche Rolle können hierbei
     Lars Binckebanck, Rainer Elste (Hrsg.),                                                digitale Technologien zur Individualisie-
                Digitalisierung im Vertrieb,                                                rung von Leistung und Kommunikation
          Springer Fachmedien, 664 Seiten,                                                  (One-to-One-Marketing, Mass Customiza-
              64,99 Euro (Buch), 49,99 Euro                                                 tion) spielen? Bei der Identifikation stra-
                                   (E-Book)                                                 tegischer Wettbewerbsvorteile als Aus-
                                                                                            gangspunkt für die Differenzierung und
                                                                                            Positionierung von Leistungsangeboten
                                                                                            ist der potenzielle Beitrag des Vertriebs
                                                                                            zum Geschäftsmodell des Unterneh-
sprechender Zahlungsbereitschaft der           mensspezifisch gewichtet. Digitalstra-       mens zu untersuchen. Ist der Vertrieb
Kunden einher. Die Digitalisierung im          tegen nutzen neue Technologien unter         Kernkompetenz des Unternehmens
Vertrieb scheitert dann an ihren aus-          Beachtung der internen Ressourcenaus-        oder lässt er sich digital substituieren?
ufernden Kosten und es entsteht eine           stattung zur simultanen Steigerung von       Die richtige Kundenbeziehungsstrategie
Flanke für disruptive Angreifer.               Kundenutzen und Wirtschaftlichkeit.          kann als Integrationsmechanismus die
Eine genau gegenläufige Reaktion kon-          Weder laufen sie technischen Moden           unternehmensweite Kundenorientie-
zentriert sich einseitig auf potenzielle       hinterher, noch unterschätzen sie das        rung über interne Schnittstellen hin-
Effizienzgewinne digitaler Technolo-           in der Kundeninteraktion verankerte Po-      weg sicherstellen (Total Customer Expe-
gien. Diese Perspektive entstammt zu-          tenzial zur Beziehungsführerschaft im        rience Management). Ist CRM ein Kürzel
meist dem Controlling und hält über            Wettbewerb. Kurzum: Sie streben nach         für ein IT-System oder wird hierunter
den Kostendruck auf das Management             Digital Sales Excellence.                    eine Philosophie verstanden, die mit-
Einzug in Vertriebsorganisationen. Im                                                       hilfe digitaler Technologien zum stra-
Mittelpunkt stehen dann nicht differen-                                                     tegischen Wettbewerbsvorteil werden
                                               Digital Sales Excellence
zierte Kundenwünsche, sondern Poten-                                                        kann? Schließlich sind im Rahmen der
ziale für interne Kosteneinsparungen.          Mit Digital Sales Excellence bezeichnen      Vertriebskanalstrategie verschiedene
Die vermeintliche »Black Box« Vertrieb         wir den innovativen und prozessorien-        Alternativen für einen Multikanalver-
soll transparent gemacht, Prozesse             tierten Einsatz von digitalen Technolo-      trieb zu bewerten. Wie ist der relative
automatisiert und Ressourcen einges-           gien im Rahmen vertriebsstrategischer        Stellenwert des persönlichen Verkaufs
part werden. Algorithmen sollen teure          Grundsatzentscheidungen, konzeptio-          im Vergleich zu web-basierten Vertriebs-
menschliche Aktivitäten substituieren          neller Rahmenbedingungen sowie ope-          kanälen zu bewerten?
und Datenbanken sollen Kundenbezie-            rativer Vertriebsprozesse mit dem Ziel,      Der zweite Faktor ist die strukturelle
hungen managen. Doch ohne Berück-              Absatzergebnisse nachhaltig zu steigern      Verankerung in der Vertriebsorgani-
sichtigung des Kundennutzens solcher           und den Vertrieb als eigenständigen          sation. Empfehlenswert ist hierfür die
Maßnahmen sinkt die Interaktionsqua-           Wettbewerbsvorteil zu positionieren. Die-    Verwendung eines normativen Struk-
lität im Vertrieb. Ein Regime der Spar-        se Definition beinhaltet drei Erfolgsfak-    turmodells, bei dem alle relevanten
füchse macht die Vertriebsorganisation         toren für die Digitalisierung im Vertrieb.   Entscheidungsfelder des Vertriebsma-
nicht nur für Disruptoren angreifbar:          Erster Erfolgsfaktor ist die Strategieori-   nagements simultan zusammengestellt
Einseitige Kostensenkungsprogramme                                                          und hinsichtlich ihrer Beziehungen
stärken langfristig fast immer den Wett-                                                    zueinander verknüpft werden. Bewährt
bewerb.                                                                                     hat sich die Unterscheidung und sepa-
Vor diesem Hintergrund erscheint es                                                         rate Betrachtung von Konzeptionsebene
sinnvoll, externe Kundenorientierung                                                        (strukturelle Rahmenbedingungen, ins-
und interne Wirtschaftlichkeit glei-                                                        besondere Vertriebsziele und -systeme,
chermaßen in eine ganzheitliche Stra-                                                       Vertriebsorganisation, vertriebliche
tegiekonzeption einfließen zu lassen,                                                       Steuerungssysteme, Kundenbeziehungs-
die das Verhältnis von disruptiven und                                                      management sowie Vertriebskultur und

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erhaltenden Innovationen unterneh-                                                          -philosophie), Führungsebene (Rolle der

                                                                        21                                  www.acquisa.de  03/2016
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