Chirurgie - Berufsverband Österreichischer Chirurgen

 
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Chirurgie - Berufsverband Österreichischer Chirurgen
P.b.b. Zulassungsnummer: 05Z036134M, Verlagspostamt: A-1090 Wien

Chirurgie             Mitteilungen des Berufsverbandes Österreichischer Chirurgen (BÖC)
                      und der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie (ÖGCH)

                      Photodyname Therapie beim
                      Ösophaguskarzinom
                      Watch and wait nach neoadjuvanter
                      Therapie des Ösophaguskarzinom
                      Leben mit Stoma

                                                                                          2|2018
Chirurgie - Berufsverband Österreichischer Chirurgen
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                     w w w. a e r z t e s e r v i c e . c o m
Chirurgie - Berufsverband Österreichischer Chirurgen
Inhalt

     BÖC
     4    Editorial
          Autor: F. Herbst

     5    Der Stellenwert der endoskopischen Photodynamen Therapie (PDT)
          in der multimodalen Behandlung des fortgeschrittenen
          inoperablen Ösophaguskarzinoms
          Autor: J. Lindenmann, Graz

     8    Die Klassifikation der Adenokarzinome des

     12
          ösophagogastralen Übergangs nach Stein und Siewert
          Autor: J. Zacherl, Wien
          Watch & wait – Nach neoadjuvanter oder definitiver
          Radiochemotherapie beim Plattenepithelcarcinom des Ösophagus
                                                                                                                                                                 8
          Autor: P. M. Schneider, Wien

     16   Tun sie’s – oder tun sie’s nicht –
          Ergebnisse des Igls-Vienna-SexMed-Survey
          Autorin: L. Ucsnik, Wien

     21   Fortbildung
          Chirurgie2

     22   How I do it – Fingergestützte Notfallsthoracozentese/Thoraxdrainage
          AutorInnen: F. M. Smolle-Jüttner, E. Gschwandtner, J. Lindenmann, Graz.

     23

     25
          How I do it – Thoraxdrainage
          AutorInnen: B. Ghanim, E. Stubenberger
          Thoraxdrainagen: How we do it
                                                                                                                                                        10
          Autoren: J.Hutter, M.Lechner, Salzburg

     28   Postoperative Lebensqualität – Leben mit Stoma                                                                              SEXUALITY
                                                                                                                                   physiological assets

          Autorin: M. Signer, Linz
                                                                                                           Brain                    * Vessels                * Nerves, Muscles

     30   Junge Chirurgie – Die Sicht der Young Surgeons Austria                                        Hormones
                                                                                             Dopamine, Oxytocine, Estrogen,
                                                                                                Testosteron, Serotonin,
                                                                                                Prolactine, LH, TSH, …)
                                                                                                                                                             Sensomotoric NS

          AutorInnen: E. Gschwandtner, Graz, M. de Cillia, Salzburg, C. Pizzera, Graz             Autonome NS
                                                                                                  Desire &
                                                                                                                                   * Arousal              * Orgasm              * Resolution
                                                                                                  Excitement

     32   Junge Chirurgie – Aus der Sicht eines Ausbildungsverantwortlichen              Dysbalance of
                                                                                         Neurotransmitters
                                                                                         & Hormones
                                                                                                                           (Multi)Vessel Disease
                                                                                                                           ▸ Hypertension
                                                                                                                           ▸ Hypercholesterinemia/
                                                                                                                             triglyceridemia
                                                                                                                                                          (Poly)Neuropathia
                                                                                                                                                          ▸ Diabetes Mellitus
                                                                                                                                                          ▸ MS

          Autor: P. Lechner, Tulln
                                                                                         ▸ Depression                                                     ▸ Surgery
                                                                                                                           ▸ Diabetes Mellitus            ▸ Chemotherapy
                                                                                                                           ▸ Surgery                      ▸ Radiation
                                                                                                                           ▸ Chemotherapy
                                                                                                                           ▸ Radiation

                                                                                         © Lucia Ucsnik, MD, MAS, FECSM lucia.ucsnik@meduniwien.ac.at

     ÖGCH
     33   In Memoriam Professor Wolfgang Köle
     34   Massachussetts General Hospital Observership
          Autor: J.P. Jonas, Wien

     Service
     36   Ärzteservice Dienstleistungs GmbH: DSGVO
     37   Ihre Ansprechpartner
     38   Terminkalender
     39   Impressum

                                                                                        CHIRURGIE · Ausgabe 2/2018                                                                       3
Chirurgie - Berufsverband Österreichischer Chirurgen
ed
Editorial

Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Der 59. Österreichische Chirurgenkongress,
(www.chirurgenkongress.at) der vom
6.– 8. Juni 2018 in der Messe Wien abge-
halten werden wird, nähert sich mit großen
Schritten. Wir haben uns sehr bemüht, für
Sie ein wissenschaftlich hochqualitatives      Wir möchten besonders auch junge
Programm zusammenzustellen und                 Kolleginnen und Kollegen ansprechen
dafür auch internationale Referenten           und daher wurde die Zusammenarbeit mit
gewinnen können. Diesbezüglich gilt            den Young Surgeons Austria beibehalten.
mein besonderer Dank den beiden                Zusätzlich werden erstmals acht „Meet
Kongresssekretären, Herrn Doz. Dr. Thomas      the Experts“-Seminare mit limitierter
Sautner, und Herrn Doz. Dr. Tudor Birsan,      Teilnehmerzahl angeboten, die anhand
sowie den PräsidentInnen der assoziierten      von fallbasierten Diskussionen viele
Fachgesellschaften. Wie Sie wissen, lautet     relevante Themenbereiche der Allgemein-
das Thema „Personalisierte Chirurgie:          und Viszeralchirurgie abdecken werden.
Optimierung durch Kooperation“ und             Vorrangiges Ziel ist hier die möglichst
demgemäß liegt der Schwerpunkt auf             intensive Involvierung der TeilnehmerInnen,
interdisziplinären und interprofessionalen     die eingeladen sind, auch eigene Fälle         bestehen jeweils aus einem Viszeral-,
Themen. Dabei sollen neben klinisch und        mitzubringen.                                  Gefäß-, und endokrinen Chirurgen. Ziel
praktisch wichtigen Aspekten auch die                                                         ist die beste Teamperformance bei der
Ergebnisse translationaler Forschung           Als weiteres Highlight wird am Donnerstag,     Auflösung des jeweiligen Falls. Das
berichtet werden. „State of the Art“-          dem 7. Juni 2018, unter dem Titel              Auditorium ist eingeladen nach jedem
Lectures und eine Sitzung mit einem            „Champions League“ eine moderierte             Fall elektronisch abzustimmen. Das Team
„Leitlinien-Update“ vermitteln komprimiert     Besprechung und Lösung komplexer               mit den meisten Punkten gewinnt den
aktuellstes Wissen.                            Fälle aus den Bereichen Allgemein-und          Event, der Preis wird dann im Rahmen
                                               Viszeralchirurgie, Gefäßchirurgie und          der Abendveranstaltung am Donnerstag
                                               endokrine Chirurgie stattfinden, während       vergeben, zu der Sie natürlich sehr herzlich
                                               der es keine Parallelsitzung geben wird. Die   eingeladen sind.
                                               Fälle werden jeweils von einem Spezialisten
                                               präsentiert und zwei Moderatoren leiten        Neben dem wissenschaftlichen Programm
                                               die Diskussion. Es werden drei Teams           bietet der Kongress naturgemäß viele Mög-
                                               gegeneinander antreten, die aus den            lichkeiten zum Netzwerken und auch eine
                                               Regionen West (Vorarlberg, Tirol, Salzburg),   attraktive Industrieausstellung.
                                               Mitte/Süd (Oberösterreich, Steiermark,
                                               Kärnten), und Ost (Wien, Niederösterreich,     Ich hoffe sehr, Ihr Interesse geweckt zu
                                               Burgenland) rekrutiert wurden. Die Teams       haben, und freue mich Sie am Kongress
                                                                                              begrüßen zu dürfen.

                                                                                              Ihr

                                                                                              Friedrich Herbst
KORRESPONDENZADRESSE

                Univ. Prof. Dr. Friedrich Herbst, FRCS
                Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie
                Barmherzige Brüder - Krankenhaus Wien
                Johannes von Gott - Platz 1
                A-1020 Wien
                E-Mail: friedrich.herbst@bbwien.at

4   CHIRURGIE · Ausgabe 2/2018
Chirurgie - Berufsverband Österreichischer Chirurgen
d
Oberer Gastrointestinaltrakt

Der Stellenwert der endoskopischen Photodynamen Therapie
(PDT) in der multimodalen Behandlung des fortgeschrittenen
inoperablen Ösophaguskarzinoms
Autor: J. Lindenmann, Graz

Die Prognose von Patienten mit inoperablem fortgeschrittenem Ösophaguskarzinom ist nach wie vor schlecht, in der Regel werden
mediane Überlebenszeiten im Ausmaß von nur wenigen Monaten erreicht [1]. Das vorrangige Ziel in diesem palliativen Setting ist
die Verbesserung der Schluckfunktion, das Bremsen des Tumorwachstums und die Therapie bzw. Prävention von Tumor-assoziierten
Komplikationen. Vor allem die hochgradige Dysphagie stellt für den Patienten eine sehr belastende Symptomatik dar, welche sich
in einer deutlichen Reduktion der Lebensqualität bei ohnehin stark verkürzter Lebenserwartung widerspiegelt. Mit Hilfe der endo-
skopischen Photodynamen Therapie (PDT) wird eine rasche und nachhaltige Reduktion der endoluminalen Tumorload, verbunden
mit deutlich verbesserter Schluckfunktion und dadurch gesteigerter Lebensqualität, erreicht [2-4].

Allgemeine Aspekte der PDT                        welche distante Tumorzellen eliminieren          Körpergewicht [4]. Da die Applikation dieses
Grundsätzlich basiert die Funktionsweise          können. Andererseits kommt es zur Aus-           Farbstoffes mit einer erhöhten Photosen-
der PDT auf der gezielten Illuminierung           bildung einer PDT-induzierten Anti-Tumor-        sitivität der Haut einhergeht, muss unmit-
von Malignomen mit Laserlicht nach vor-           Immunität, welche in weiterer Folge Tumor-       telbar danach für ausreichend Lichtschutz
angegangener intravenöser Photosensi-             rezidive verhindern könnte [7-10].               gesorgt sein, um das Risiko einer cutanen
bilisierung mit einem speziellen Farbstoff                                                         phototoxischen Reaktion möglichst gering
(Photosensitizer). Durch die Interaktion von      Klinische Aspekte der PDT                        halten zu können. Diesbezüglich werden die
lokal appliziertem Laserlicht, Sauerstoff         Die Indikation zur PDT besteht bei lokal fort-   Patienten genauestens instruiert, dass für
und dem, hauptsächlich im Tumorgewebe             geschrittenen, inoperablen Karzinomen der        die folgenden 6–8 Wochen entsprechende
akkumulierten Photosensitizer, wird eine          unteren Ösophagushälfte mit Tumorlokali-         Kleidung und Sonnenschutzcreme (z.B.
photochemische Reaktion innerhalb des             sation distal der Hauptcarina der Trachea.       Daylong®extreme- SPF 50+, Egerkingen,
Tumors in Gang gesetzt. Im Rahmen dieser          Besonders bei Karzinomen des oberen und          Schweiz) verwendet werden muss. Aus
komplexen Reaktion absorbiert der selektiv        mittleren Ösophagusdrittels muss vor der         diesem Grunde ist die uneingeschränkte
im Tumorgewebe gespeicherte Farbstoff die         PDT eine Ösophagogastroskopie und eine           Compliance der Patienten von großer
Energie des verwendeten Laserlichtes und          Tracheobronchoskopie erfolgen, um eine           Bedeutung.
produziert große Mengen an Sauerstoffra-          beginnende Tumorinfiltration der Atem-
dikalen. Diese schädigen in erster Linie          wege auszuschließen. Im Falle einer suspi-
die Mitochondrien der Tumorzelle, beein-          zierten Tumorinfiltration darf aufgrund des
trächtigen die Blutversorgung des Tumors          massiv erhöhten Risikos einer iatrogenen
und führen zur selektiven Zerstörung der          Perforation keine PDT durchgeführt werden.
Tumorzelle durch Nekrose und Apoptose             Zusätzlich zur exakten endoskopischen
[5,6]. Der Vorteil der PDT ist, dass die lokale   Exploration ist im Rahmen des onkochirur-
Tumornekrose bereits innerhalb der ersten         gischen Stagings auch eine genaue Bildge-
24 Stunden nach der PDT einsetzt und das          bung mittels Kontrastmittel-Thorax-CT und
umliegende gesunde Gewebe geschont                PET-CT sowie eine umfassende funktionelle
wird. Im Vergleich zur Strahlentherapie           Evaluierung erforderlich.
besteht bei der PDT keine Limitierung                                                                                    1a                          1b
durch Dosis-Akkumulation, die PDT kann            Im allgemeinen gelten für die PDT folgende
                                                                                                   Abb. 1a, 1b: Endoskopische Technik der Laser-
bei Bedarf theoretisch mehrmals wieder-           absolute Kontraindikationen: Tumorinfil-
                                                                                                   Applikation: Expandierter Ballon-Katheter, eingeführt
holt werden.                                      tration der Trachea, der Hauptcarina oder        über den Arbeitskanal des flexiblen Endoskops.
                                                  der Hauptbronchien, maligne ösophago-
Abgesehen vom beabsichtigten lokalen              tracheale bzw. mediastinale Fistel, Allergie
tumoriziden Effekt der PDT wird auch eine         gegen den verwendeten Photosensitizer,           Durchführung der PDT
systemische Entzündungsreaktion indu-             Incompliance des Patienten, terminale            48 Stunden nach intravenöser Photosen-
ziert. Im Rahmen dieser Akuten Phase-             moribunde Patienten.                             sibilisierung erfolgt die endoskopische
Reaktion kommt es zur komplexen Inter-                                                             PDT in Intubationsnarkose. Als Lichtträ-
aktion mit dem Immunsystem, in erster             Ist jedoch die Indikation zur PDT gegeben,       ger benutzen wir einen speziellen Ballon-
Linie durch Infiltration von Zellen der kör-      wird dem Patienten 48 Stunden vor der            Katheter (PhotoDynamicTherapy®), welcher
pereigenen Immunabwehr kombiniert mit             geplanten Intervention der, für die PDT          in gefaltetem Zustand über den Arbeitska-
vermehrter Produktion von Cytokinen und           essentielle Farbstoff, ein spezielles Häma-      lender des flexiblen Endoskops eingeführt
Entzündungsmediatoren. Einerseits wird            toporphyrin-Derivat (Photofrin®), intravenös     wird und anschließend durch Instillation
durch die PDT die Synthese von tumorspe-          verabreicht. Diese Photosensibiliserung          von destilliertem Wasser expandiert wird
zifischen cytotoxischen T-Zellen induziert,       erfolgt mit einer Dosierung von 2 mg/ kg         (Abb. 1). Wichtig ist, dass der expandierte

                                                                                                             CHIRURGIE · Ausgabe 2/2018                5
Chirurgie - Berufsverband Österreichischer Chirurgen
Oberer Gastrointestinaltrakt

                                                                                           3a                                                 3b

Abb. 2: Vollständig expandierter Ballon-Katheter     Abb. 3a, 3b: Applikation von rotem Laserlicht mit 630 nm Wellenlänge über den
mit breitem Kontakt zur Tumoroberfläche kurz vor     endoskopisch platzierten Ballon-Katheter während der PDT.
Beginn der PDT.

                                                                                                                 Schlussfolgerung
                                                                                                                 Im Laufe der vergangenen Jahre hat sich die
                                                                                                                 PDT als sehr effektive und sichere endosko-
                                                                                                                 pische Behandlungsmethode in der multi-
                                                                                                                 modalen Palliativtherapie des fortgeschrit-
                                                                                                                 tenen inoperablen Ösophaguskarzinoms
                                                                                                                 bewährt. Durch die schonende tumorizide
                                                                                                                 Wirkung wird rasch eine signifikante Ver-
                                                                                                                 besserung der Schluckfähigkeit erreicht
                                                                                                                 und damit die Lebensqualität nachhaltig
Abb. 4: PDT-induzierte endoskopische Tumor-Desobliteration: Subtotal stenosierendes Ösophaguskarzinom vor        gesteigert. Außerdem kann der Patient mit
PDT, 5 Tage nach PDT und 3 Monate nach PDT (Follow-up).                                                          Hilfe der PDT für weitere palliative Therapi-
                                                                                                                 emaßnahmen wie Chemotherapie, externe
                                                                                                                 Bestrahlung oder endoluminale Hochdo-
                                                                                                                 sis-Brachytherapie, konditioniert werden.
Ballon in seiner gesamten Zirkumferenz                 sprechend kann die Dauer der PDT von 20                   Abschließend sei erwähnt, dass sowohl
direkten Kontakt zum Tumor aufweist,                   bis zu 90 Minuten variieren.                              die exakte Durchführung der PDT, als auch
um eine möglichst großflächige effiziente                                                                        das notwendige endoskopisch-chirurgische
Bestrahlung gewährleisten zu können                    Follow-up nach PDT                                        Komplikationsmanagement ausreichende
(Abb. 2). Anschließend wird rotes Laserlicht           Etwa 5–7 Tage nach erfolgter PDT wird eine                Expertise verlangen, und die PDT daher nur
von 630 nm Wellenlänge und einer Ener-                 erste Kontroll-Endoskopie durchgeführt. Im                an darauf spezialisierten und erfahrenen
gie von 100 Joule/cm2 durch den Ballon                 Rahmen dieser wird der Therapieresponse                   High Volume-Zentren durchgeführt werden
appliziert, sodass der gesamte tumortra-               verifiziert und etwaige, das Ösophaguslu-                 sollte.                                    ■
gende Ösophagusabschnitt irradiiert wird               men obstruierende Tumornekrosen können
(Abb. 3), [3,4].                                       behutsam mechanisch entfernt werden.
                                                       Die nächste endoskopische Kontrolle ist
Die Bestrahlungsdauer wird vor der PDT                 einen Monat später, anschließend alle                     L I T E R AT U R
für jeden Patienten gesondert durch eine               drei Monate innerhalb des ersten Jahres,                  1.    Amdal CD. et al. (2011): Dis Esophagus 24:502–9.
                                                                                                                 2.    Lindenmann J. et al. (2010): Eur Surg. 42(5):220-28.
spezielle Dosimetrie-Formel mit Hilfe                  vorgesehen (Abb. 4), [4]. Bildgebende Ver-                3.    Lindenmann J. et al. (2011): Eur Surg. 43(6):355-365.
eines Computerprogrammes berechnet                     laufskontrollen mittels Thorax-CT werden                  4.    Lindenmann J. et al. (2012):
[11], beträgt aber pro Ballon-Position etwa            alle sechs Monate angefertigt, bei Bedarf                       Lasers Surg Med. 44(3):189-98.
                                                                                                                 5.    Dougherty TJ. et al. (1998):
20 Minuten. Je nach Länge des endolumi-                auch früher. Eine post-interventionell auf-                     J Natl Cancer Inst. 90(12):889-905.
nalen Tumorbefalles können auch mehrfa-                tretende Dysphagie stellt immer die Indi-                 6.    Dolmans DE. et al. (2003): Nat Rev Cancer. 3(5):380-7.
che Positionierungen des Ballon-Katheters              kation für eine vorzeitige Endoskopie mit                 7.    Castano AP. et al. (2005):
                                                                                                                       Photodiagn Photodyn Ther. 2:1-23.
notwendig sein, um so die gesamte Länge                eventueller Wiederholung der PDT dar.                     8.    Castano AP. et al. (2005):
des Tumors irradiieren zu können. Dement-                                                                              Photodiagn Photodyn Ther. 2:91-106.
                                                                                                                 9.    Castano AP. et al. (2006): Nat Rev Cancer. 6(7):535-45.
                                                                                                                 10.   Reginato E. et al. (2014):
                                                                                                                       Photochem Photobiol Sci. 13(9):1281-9.
KORRESPONDENZADRESSE                                                                                             11.   Maier A. et al. (2000): Lasers Surg Med. 27:350-57.

                    Assoz.Prof. Priv.Doz. Dr. Jörg Lindenmann
                    Klinische Abteilung für Thoraxchirurgie
                    und Hyperbare Chirurgie
                    Universitätsklinik für Chirurgie
                    Medizinische Universität Graz
                    Auenbruggerplatz 29/3
                    A-8036 Graz
                    E-Mail: jo.lindenmann@medunigraz.at

6    CHIRURGIE · Ausgabe 2/2018
Chirurgie - Berufsverband Österreichischer Chirurgen
Nur wer reinschaut,
                    weiß, was für ihn rausschaut.

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Chirurgie - Berufsverband Österreichischer Chirurgen
Oberer Gastrointestinaltrakt

Die Klassifikation der Adenokarzinome des
ösophagogastralen Übergangs nach Stein und Siewert
Autor: J. Zacherl, Wien

In der westlichen Welt ist in den letzten Jahrzehnten eine deutliche Zunahme der Inzidenz des Adenokarzinoms der Speiseröhre
zu verzeichnen, dessen typische Lokalisation das distale Ösophagusdrittel ist. Parallel dazu hat die Häufigkeit cardianaher Magen-
karzinome zugenommen, obwohl die Häufigkeit aller Magenkarzinome insgesamt stark abgenommen hat. Kurz: Unter den ösoph-
agogastralen Malignomen ist es zu einer Konzentrierung von Adenokarzinomen im Bereich des Speiseröhren-Magen-Übergangs
gekommen (Pohl, 2005). (Abb. 1)

                                                                         Lange Zeit existierte keine einheitliche Klassifikation der Tumore im Übergangsbereich,
                                                                         sodass die chirurgisch-therapeutische Strategie der einzelnen Zentren zum Teil kaum
                      30
                                                                         nachvollziehbar und die Ergebnisse nicht vergleichbar waren. Einige Arbeitsgruppen
                      25                                                 interpretierten cardianahe Malignome als Ösophaguskarzinome, andere als Magenkar-
                             Kardia CA                                   zinome. Wiederum andere Gruppen sahen diese Tumore als eigene Entität an. Diese
 Rate per 1,000,000

                      20
                                                                         divergierenden Interpretationen der Organ-Zugehörigkeit hat alleine schon in Hinblick
                      15                                                 auf die Kategorisierung des Tumorstadiums Bedeutung, denn TNM Klassifikation und
                                                                         Stadieneinteilung von Ösophaguskarzinomen unterscheidet sich von jener der Ma-
                      10
                                                       Ösophageales
                                                                         genkarzinome. Um zumindest bezüglich des Stagings Klarheit zu schaffen, wurde in
                                                       Adeno-CA
                       5                                                 der 7ten Version der TNM Einteilung der UICC (Union International Contre le Cancer)
                                                                         festgelegt, dass alle Karzinome, die den ösophagogastralen Übergang infiltrieren, in
                       0                                                 der TNM Einteilung wie Ösophaguskarzinome zu kategorisieren sind.
                       1975     1980     1985   1990      1995    2000

   Pohl & Welch. J Natl Canc Inst 2005;97:142-146
                                                                                                                                           suchungsmodalität fest, sondern beziehen
Abb. 1: Inzidenzentwicklung cardianaher
Adenokarzinome 1975-2000 (aus Pohl 2005): Deutliche                                                                                        Informationen aus Endoskopie, Computer-
Zunahme neu diagnostizierter AEGs                                                                                                          tomographie, gegebenenfalls Endosono-
                                                                                     - 5 cm                                                graphie und Kontrastmittel-Breischluck, ja
                                                                           AEG I                                                           letztlich sogar den intraoperativen Befund
Bedeutung der AEG-Klassifikation für                                                - 1 cm                                                 mit ein.
die chirurgische Resektionsstrategie                                      AEG II       EGJ
Des Problems der Standardisierung der                                               + 2 cm                                                 Da sich diese Klassifikation auf rein topo-
                                                                          AEG III
chirurgisch-technischen Strategie der Ade-                                          + 5 cm
                                                                                                                                           graphische Eigenschaften dieser Tumore
nokarzinome des ösophagogastralen Über-                                                                                                    bezieht, ist sie keine tumorbiologische
gangs hat sich die Münchner Arbeitsgruppe                                                                                                  Einteilung. Allerdings weisen die 3 Typen
um Prof. Siewert besonders angenommen.                                                                                                     unterschiedliches Lymphknotenbefalls-
Sie hat die AEG-Klassifikation etabliert und                                                                                               muster – insbesondere was die carinanahe
diese seit 1982 als Basis für die Festlegung                                                                                               und mediastinale Lymphknotenbeteiligung
                                                                          modifiziert aus: Stein HJ, Zacherl J, Siewert JR.
der operativen Strategie herangezogen.                                    Adenokarzinom des gastro-oesophagealen Übergangs: Chirurgische   betrifft – auf (Feith, 2005; Schiesser, 2010).
                                                                          Strategien. In: Magenchirurgie (Hrsg.: Meyer)
Erste Ergebnisse wurden 1987 publiziert                                                                                                    Diese Tatsache beeinflusst neben der
(Siewert, 1987). Die Einteilung der Adeno-                               Abb. 2: Schema der topographischen Einteilung nach                Primärtumorlokalisation und -ausbreitung
karzinome des ösophagogastralen Über-                                    Siewert                                                           das bevorzugte Resektionsausmaß der ein-
gangs (AEG: Adenocarcinoma of the esoph-                                                                                                   zelnen AEG Typen:
agogastric junction) nach Siewert umfasst                                und das subcardiale Magenkarzinom (AEG
alle Adenokarzinome, die sich innerhalb                                  Typ III, 2 cm bis 5 cm aboral der EGJ).                           Während die AEG-Klassifikation für die
einer 5 cm Grenze oral und 5 cm aboral                                                                                                     Typen I und III eine eindeutige Resektions-
des Speiseröhren-Magen-Übergangs (EGJ)                                   Diese Einteilung orientiert sich an der Loka-                     strategie (Typ I: Ösophagusresektion, ÖR;
befinden. Die Einteilung ist eine rein ana-                              lisation des Tumorzentrums und macht                              Typ III: transhiatal erweiterte Gastrektomie,
tomisch-topographische und unterscheidet                                 die Identifikation der ösophagogastralen                          TeGE) vorgibt, variieren die strategischen
3 Typen (siehe auch Abb. 2, 3, 4, 5):                                    Junktion (Grenze zwischen Ösophagus und                           Optionen beim Typ II (ÖR; TeGE; Ösopha-
                                                                         Magen, EGJ) notwendig, was durch tumor-                           gogastrektomie, ÖGE) je nach individuel-
Das Adenokarzinom des distalen Ösopha-                                   bedingte Destruktion und eine eventuell                           ler Einschätzung der Erreichbarkeit einer
gus (AEG Typ I; 5 cm bis 1 cm oral der EGJ),                             vorhandene Hiatushernie anspruchsvoll                             mikroskopisch im Gesunden geführten
das sogenannte Cardiakarzinom (AEG                                       sein kann. Die Autoren legen sich bei der                         Resektion, die das primäre Resektionsziel
Typ II; 1 cm oral bis 2 cm aboral der EGJ)                               AEG-Evaluation auf keine spezielle Unter-                         darstellt (Mariette 2011).

8                          CHIRURGIE · Ausgabe 2/2018
Chirurgie - Berufsverband Österreichischer Chirurgen
Tabelle 1: Definition der AEG-Klassifikation, operative Strategie und Ergebnisse der Resektion bei AEGs
(aus Feith, 2005)

 Siewert Typ                         AEG I                       AEG II                        AEG III
 Lokalisation                   - 5 cm bis - 1 cm           - 1 cm zu + 2 cm             + 2 cm bis + 5 cm
                                     zur EGJ                     von EGJ                      von EGJ
 OP Strategie               Ösophagusresektion              TeGE, ÖR oder                       TeGE
                                (ATE > THE)                     ÖGE
 LAD                              2-Feld-LAD              Standard-LAD bis           D2 + hint. unt. Mediast.
                                                               2-Feld                   (=Standard-LAD)
 Barrett                              80 %                         6%                            1%
 peritumoral
 Intestinaler Typ                     81 %                        55 %                          39 %
 (Lauren)                                                                                                                                                       3a
 Undifferenzierter                    54 %                        60 %                          73 %
 Tumor (G3/G4)
 w/m                                   1:11                        1:5                            1:2
 N+                                   52 %                        65 %                          78 %

 N+ infra-/                           15 %                         1%                            0%
 supracarinal
 N+ hinteres unteres                  50 %                        11 %                           5%
 Mediastinum
 R-0 Rate                             82 %                        77 %                          70 %

Abkürzungen                                                                                                                                                     3b
ATE abdominothorakale Ösophagusresektion (Ivor Lewis)       ein signifikant besseres Überleben erreicht
THE transhiatale Ösophagusresektion (Orringer)
                                                            werden konnte (Omloo, 2007).
TeGE transhiatal erweiterte Gastrektomie
ÖR Ösophaugsresektion
ÖGE Ösophagogastrektomie                                    Beim Typ II wurden in einigen Studien
LAD Lymphadenektomie                                        Vergleiche zwischen der erweiterten Gas-
w weiblich                                                  trektomie und der Ösophagusresektion
m männlich
                                                            angestellt. Zusammenfassend zeigt sich
N+ zumindest ein histologisch positiver Lymphknoten
                                                            dabei, dass R-0 Rate und Prognose bei
                                                            Fokusierung/Erweiterung der Resektion
                                                            auf den Ösophagus im Vergleich zur trans-
                                                            hiatal erweiterten Gastrektomie nicht
Die Lymphadenektomie ist von der konkre-                    signifikant unterschiedlich sind (Sasako,
ten Resektionsart abhängig, sie schließt                    2006; Koeter, 2016; Feith, 2006; Martin,
die D2-Lymphknotenstationen (bei Magen-                     2015; Kurokawa, 2015). Bei Sasako et al.
hochzug mit Ausnahme der Stationen 4, 5,                    war die Morbidität im Allgemeinen und die
6) und die Lymphknoten des hinteren unte-                   pulmonale Komplikationsrate im Speziel-
ren Mediastinums (Stationen 110–112) ein,                   len im Vergleich zur transhiatal erweiterten
bei der transthorakalen Ösophagusresek-                     Gastrektomie signifikant erhöht bei zusätz-
tion auch die paratrachealen (105, 106) und                 lich signifikant häufigerer Notwendigkeit
infracarinalen Stationen (107–109) im Sinn                  der Fremdblutsubstitution (Sasako, 2006).
der 2-Feld-Lymphadenektomie (Schiesser,                     In einer weiteren Studie war das Gesamt-
                                                                                                                                                                3c
2010; Mariette, 2011).                                      überleben nach TeGE tendenziell sogar
                                                            besser als nach linksthorakoabdomineller            Abb 3a: Gastroskopie – AEG I
In einigen nicht-randomisierten Studien                     Ösophagogastrektomie (Kurokawa, 2015),              Obstruierender Tumor im distalen Ösophagus
war beim AEG Typ I kein prognostischer                      allerdings mit marginaler Signifikanz.
                                                                                                                Abb 3b: Hydro-CT – AEG I
Unterschied zwischen der transhiatalen                                                                          coronale Rekonstruktion
abdominozervikalen Ösophagusresektion                       Beim Typ III bringt die abdominothorakale           Pfeile markieren EGJ
(mit Standard-Lymphadenektomie) und der                     Erweiterung im Vergleich zur radikalen TeGE
                                                                                                                Abb 3c: Resektionspräparat nach Ivor Lewis OP bei
abdominothorakalen Ösophagusresektion                       erwartungsgemäß ebenso keinen Überle-               AEG I
(mit en bloc 2-Feld-Lymphadenektomie)                       benszugewinn (Kurokawa, 2015).                      Rote Linie: SCJ
festzustellen (Feith, 2005). Seit Veröffent-                                                                    Grüne Linie: Tumorrest nach neoadjuvanter
                                                                                                                Chemotherapie
lichung der einzigen randomisierten Studie                  Bezüglich der postoperativen Aufenthalts-           Blaue Linie: EGJ
zu diesem Thema gilt die transthorakale                     dauer, Morbidität und Letalität haben Day
Ösophagusresektion mit 2-Feld-Lymphade-                     und Mitarbeiter zwischen TeGE, Ivor Lewis           Abkürzungen
                                                                                                                EGJ Esophagogastric junction
nektomie beim Karzinom als Standard, da                     (ATE) und Orringer Operation (THE) keine            SCJ Squamocolumnar junction
mit diesem Zugang bei Lymphknotenbefall                     signifikanten Unterschiede festgestellt             AEG Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs

                                                                                                                          CHIRURGIE · Ausgabe 2/2018                9
Chirurgie - Berufsverband Österreichischer Chirurgen
Oberer Gastrointestinaltrakt

                                                                                           der neoadjuvanten Therapie davontragen
                                                                                           als gastroösophageale Adenokarzinome
                                                                                           anderer Lokalisation (Ronellenfitsch, 2013).

                                                                                           Methodische Einschränkungen
                                       Abb 4a: Gastroskopie – AEG II
                                       Antegrader Blick: Tumorulcus an der EGJ             Als Kritik an dieser Form der Klassifika-
                                                                                           tion sei erwähnt, dass methodisch nicht
                                       Abb 4b: Gastroskopie – AEG II                       definiert ist, welche Untersuchungsmoda-
                                       Retrograder Blick                                   lität die führende, der Goldstandard, ist.
                                       Weiße Pfeile markieren tumorösen
                                       Ulcusrandwall                                       Vielmehr wird von den Autoren eine nicht
                                                                                           näher bezeichnete Berücksichtigung der
                                       Abb 4c: Hydro-CT – AEG II                           Ergebnisse verschiedener Untersuchun-
                                       coronale Rekonstruktion                             gen inklusive der intraoperativen Einschät-
                                       Pfeile markieren EGJ
                                                                                           zung empfohlen, die wiederum Spielraum
                                                                                           für individuelle Interpretationen zulässt.
                                       Abb 4d: Resektionspräparat nach Transhiatal
                                  4a   erweiterter Gastrektomie bei AEG II
                                                                                           Außerdem kann es durch Tumordestruk-
                                       Rote Linie: SCJ                                     tion fallweise unmöglich sein, den öso-
                                       Blaue Linie: EGJ                                    phagogastralen Übergang als essentiellen
                                       Grüne Linie: Tumorrest nach
                                       neoadjuvanter Chemotherapie
                                                                                           Bezugspunkt dieser Klassifikation zu defi-
                                                                                           nieren. Auch der Begriff „Tumorzentrum“
                                       Abkürzungen                                         lässt einen gewissen Interpretationsspiel-
                                       EGJ Esophagogastric junction
                                                                                           raum zu, was zu einer Unschärfe bei der
                                       AEG Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs
                                                                                           Einteilung führen kann.

                                                                                           Zurückhaltung sei geboten, auf Basis der
                                                                                           AEG Einteilung im Einzelfall Rückschlüsse
                                                                                           auf tumorbiologische Eigenschaften zu
                                                                                           ziehen. Vielmehr handelt es sich bei den
                                  4b                                                       einzelnen Typen um eine unterschiedliche
                                                                                           Durchmischung verschiedener Entitäten.
                                       (Day, 2016), wobei allerdings die TeGE              Als Beispiel dafür sei zu erwähnen, dass
                                       numerisch die höchste Letalität aufwies,            der intestinale Wachstumstyp in den AEG
                                       nämlich 3,9 % versus 1,1 % nach THE und             Typen zwar in unterschiedlicher Häufigkeit
                                       2,6 % nach ATE.                                     repräsentiert ist, aber in allen 3 Gruppen
                                                                                           vorkommt. Peritumorale Barrett Schleim-
                                       Offenbar hat die AEG-Klassifikation auch            haut kommt zwar besonders häufig beim
                                       einen prognostischen Einfluss, wobei                Typ I zur Darstellung, ist aber auch bei Typ
                                       AEG III Tumore die schlechteste Prognose            II, selten bei Typ III zu beobachten (Feith,
                                       aufweisen (Feith, 2006), was in Anbetracht          2006).
                                       der höchsten Rate an undifferenzierten
                                       Tumoren und Lymphknotenbefall und der               Zusammenfassend ist es also nicht gerecht-
                                  4c   niedrigsten R0-Rate der 3 AEG Typen gut             fertigt, dieser anatomisch-topographischen
                                       nachvollziehbar ist (Feith, 2006).                  Einteilung eine tumorbiologische Unter-
                                                                                           scheidbarkeit abzuverlangen.
                                       In Hinblick auf die perioperative Therapie
                                       sei darauf hingewiesen, dass in die meis-           Abschließend wird festgehalten, dass die
                                       ten bisher publizierten großen Studien zur          AEG-Klassifikation nach Siewert die erste
                                       neoadjuvanten und perioperativen Chemo-             und bislang einzige Einteilung ist, die sich
                                       therapie sowohl Magenkarzinome als auch             bei der chirurgisch-strategischen Differen-
                                       Adenokarzinome des ösophagogastralen                zierung der AEGs international durchgesetzt
                                       Übergangs eingeschlossen waren (Cun-                hat und auch in Guidelines berücksichtig
                                       ningham, 2006; Ychou, 2011; Mariette,               wird. Sie dient bis in die Gegenwart sowohl
                                       2011). Studien zur präoperativen Radio-             im alltäglichen klinischen Entscheidungs-
                                       chemotherapie beziehen sich eher auf Typ I          prozess der Resektionsplanung als auch
                                       und II Karzinome (van Hagen, 2012), Stu-            in der Konzeption klinischer Studien als
                                       dien zur adjuvanten Radiochemotherapie              grundlegende Einteilung. Unter Rücksicht-
                                       eher auf Typ II und Typ III Karzinome (Mac-         nahme auf die genannten Kritikpunkte
                                       donald, 2001). Insgesamt gibt es Hinweise,          stellt die Siewert´sche Klassifikation eine
                                       dass cardianahe Adenokarzinome auf die              wertvolle Unterstützung im standardisier-
                                       neoadjuvante Chemotherapie histopatho-              ten multidisziplinären Management der
                                       logisch besser ansprechen (Lorenzen, 2012)          Adenokarzinome des ösophagogastralen
                                  4d   und einen größeren Prognose-Benefit von             Übergangs dar.                             ■

10   CHIRURGIE · Ausgabe 2/2018
REFERENZEN
                                             Abb 5a: Gastroskopie – AEG III
                                             Retrograder Blick                                   1. Cunningham D et al. Perioperative chemotherapy
                                                                                                     versus surgery alone for resectable gastroesophageal
                                             Abb 5b: Hydro-CT – AEG III                              cancer. N Engl J Med 2006;355:11–20.
                                             coronale Rekonstruktion                             2. Day RW et al. Defining the Impact of Surgical
                                             Pfeile markieren EGJ                                    Approach on Perioperative Outcomes for Patients
                                                                                                     with Gastric Cardia Malignancy. J Gastrointest Surg
                                                                                                     2016;20:146-153.
                                             Abb 5c: Resektionspräparat nach Transhiatal
                                                                                                 3. Feith M et al. Adenocarcinoma of the Esophagogastric
                                             erweiterter Gastrektomie bei AEG III
                                                                                                     Junction: Surgical Therapy Based
                                             Blaue Linie: EGJ
                                                                                                 4. Koëter M et al. Perioperative Treatment, Not Surgical
                                             Rote Linie: 5 cm aboral der EGJ
                                                                                                     Approach, Influences Overall Survival in Patients with
                                             Grüne Linie: Tumorrest nach
                                                                                                     Gastroesophageal Junction Tumors: A Nationwide,
                                             neoadjuvanter Chemotherapie
                                                                                                     Population-Based Study in The Netherlands. Ann Surg
                                                                                                     Oncol 2016;23:1632-1638.
                                             Abkürzungen
                                      5a                                                         5. Kurokawa Y et al. for the Japan Clinical Oncology
                                             EGJ Esophagogastric junction
                                                                                                     Group (JCOG9502). Ten-year follow-up results
                                             AEG Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs
                                                                                                     of a randomized clinical trial comparing left
                                                                                                     thoracoabdominal and abdominal transhiatal
                                                                                                     approaches to total gastrectomy for adenocarcinoma
                                                                                                     of the oesophagogastric junction or gastric cardia. Br J
                                                                                                     Surg 2015;102:341-348.
                                                                                                 6. Lorenzen S et al. Prediction of response and prognosis
                                                                                                     by a score including only pretherapeutic parameters
                                                                                                     in 410 neoadjuvant treated gastric cancer patients.
                                                                                                     Ann Surg Oncol 2012;19:2119-2127.
                                                                                                 7. Macdonald JS et al. Chemoradiotherapy after surgery
                                                                                                     compared with surgery alone for adenocarcinoma of
                                                                                                     the stomach or gastroesophageal junction. N Engl J
                                                                                                     Med 2001;345:725-730.
                                                                                                 8. Mariette C et al. Oesophagogastric junction
                                                                                                     adenocarcinoma: which therapeutic approach?
                                      5b                                                             Lancet Oncol 2011;12:296–305.
                                                                                                 9. Martin JT et al. Should gastric cardia cancers be
                                                                                                     treated with esophagectomy or total gastrectomy? A
                                                                                                     comprehensive analysis of 4.996 NSQIP/SEER patients.
                                                                                                     J Am Coll Surg 2015;220:510-520.
                                                                                                 10. Omloo JMT et al. Extended Transthoracic Resection
                                                                                                     Compared With Limited Transhiatal Resection for
                                                                                                     Adenocarcinoma of the Mid/Distal Esophagus: Five-
                                                                                                     Year Survival of a Randomized Clinical Trial. Ann Surg
                                                                                                     2007;246:992–1001.
                                                                                                 11. on 1602 Consecutive Resected Patients. Surg Oncol
                                                                                                     Clin N Am 2006;15:751–764.
                                                                                                 12. Pohl H et al. The role of overdiagnosis and
                                                                                                     reclassification in the marked increase of
                                                                                                     esophageal adenocarcinoma incidence. J
                                                                                                     Natl Cancer Inst. 2005;97:142-146.
                                                                                                 13. Ronellenfitsch U et al. GE Adenocarcinoma Meta
                                                                                                     analysis Group. Perioperative chemo(radio)therapy
                                                                                                     versus primary surgery for resectable adenocarcinoma
                                                                                                     of the stomach, gastroesophageal junction, and
                                                                                                     lower esophagus. Cochrane Database Syst Rev
                                                                                                     2013;31:CD008107.
                                                                                                 14. Sasako M et al. for the Japan Clinical Oncology Group
                                                                                                     (JCOG9502). Left thoracoabdominal approach versus
                                                                                                     abdominal-transhiatal approach for gastric cancer of
                                      5c                                                             the cardia or subcardia: a randomised controlled trial.
                                                                                                     Lancet Oncol 2006;7:644–651.
                                                                                                 15. Schiesser M et al. Surgical strategies for
                                                                                                     adenocarcinoma of the esophagogastric junction.
KORRESPONDENZADRESSE                                                                                 Recent Results Cancer Res 2010;182:93-106.
                                                                                                 16. Siewert JR et al. Cardia cancer: attempt at a
                                                                                                     therapeutically relevant classification. Chirurg
                                                                                                     1987;58:25–34.
               Johannes Zacherl
                                                                                                 17. van Hagen P et al. Preoperative chemo- radiotherapy
               Zentrum für Speiseröhren- und Magenchirurgie                                          for esophageal or junctional cancer. N Engl J Med
               Abt. f. Chirurgie                                                                     2012;366:2074–2084.
               St. Josef Krankenhaus                                                             18. Ychou M et al. Perioperative chemotherapy compared
                                                                                                     with surgery alone for resectable gastroesophageal
               Auhofstraße 189, 1130 Wien                                                            adenocarcinoma: an FNCLCC and FFCD multicenter
               Email: johannes.zacherl@sjk-wien.at                                                   phase III trial. J Clin Oncol 2011;29:1715-1721.

Mit Genehmigung der CT-Bilder von Prof. Wolfgang Schima.

                                                                                                           CHIRURGIE · Ausgabe 2/2018                   11
Oberer Gastrointestinaltrakt

„Watch and Wait“
Nach neoadjuvanter oder definitiver Radiochemotherapie
beim Plattenepithelcarcinom des Ösophagus
Autor: P. M. Schneider

Patienten mit lokal-fortgeschrittenem Plattenepithelcarcinom des Oesophagus (PEC) ohne systemische Metastasen (cM0) erhal-
ten entweder eine neoadjuvante Radiochemotherapie (neoCRT) mit geplanter Resektion oder eine definitive Radiochemotherapie
(dCRT). In den letzten Jahren hat sich für Patienten mit inkomplettem Response oder locoregionärem Rezidiv nach dCRT die Salvage
Ösophagektomie als einzig verbliebene kurative Option etabliert. Daraus hat sich zwischenzeitlich eine weitere Alternative nach
neoCRT und dCRT entwickelt, das sogenannte „watch and wait“, das heisst eine aktive Observationsstrategie (Endoskopie mit PE,
endoskopischer Ultraschall und PET-CT alle 3-4 Monate in den ersten 2 Jahren) mit Selektiver Ösophagektomie bei Tumorpersistenz
oder locoregionärem Rezidiv. Dieses Konzept ist Gegenstand aktueller prospektiver randomisierter Studien.

Neoadjuvante und definitive                    Nachsorge mit mindestens viermonatlicher       locoregionären Kontrolle und dem geringe-
Radiochemotherapie beim PEC:                   Re-Evaluation in den ersten zwei Jahren und    ren Einsatz von palliativen Behandlungen
Probleme und Konsequenzen                      dann möglichst halbjährlich für weitere drei   (z. B. Stents) aber der Pferdefuss ging zu
Für die häufigen lokal-fortgeschrittenen       Jahre (7).                                     Lasten einer signifikant höheren Mortali-
(cT2N+M0,cT3-4NxM0) Tumore gibt es                                                            tät und Morbidität im Chirurgie-Arm. Die
2 etablierte Behandlungspfade, die mit         Nach Implementierung der Salvage Option        90-Tage-Mortalität war 9,3 % mit Chirurgie
jedem Patienten besprochen werden müs-         an erfahrenen Zentren gibt es Weiterent-       gegen nur 0,8 % im Beobachtungsarm. Die
sen. Der Referenzstandard ist aktuell die      wicklungen dieses Konzepts mit a priori pri-   Tatsache, dass die signifikant verbesserte
neoCRT analog dem CROSS-Protokoll (1) mit      märer (neoCRT und dCRT) CRT und geplanter      locoregionäre Tumorkontrolle im chirur-
geplanter Resektion, die bis dato die bes-     aktiver Observation beim kompletten Res-       gischen Arm nicht zu einem Überlebens-
ten publizierten Langzeitergebnisse beim       ponse mit der Möglichkeit der „Selektiven      vorteil geführt hat, ist ein klassisches Bei-
PEC aufweist. Als Alternative dazu ist die     Ösophagektomie“ im Falle eines locoregio-      spiel für eine Multicenter-Studie mit einem
potentiell kurative dCRT (2,3) zu sehen, die   nären Rezidivs bei M0 (8,9). Dieses Konzept    hochkomplexen Patientenklientel bei dem
insbesondere beim operativen Risikopati-       wird derzeit in verschiedenen kontrollierten   eine Salvage Ösophagektomie zu einer
enten zu favorisieren ist.                     und randomisierten Studien überprüft.          deutlich höheren Mortalität als erwartet
                                                                                              führen kann, die dann den eigentlichen
„Einige“ Patienten der dCRT Gruppe wer-        Daneben gibt es immer wieder Patienten,        Stellenwert der chirurgischen Resektion
den aber nie einem Ösophaguschirurgen          die diese Fragen nach genuin neoadjuvan-       konterkariert.
zur Beratung vorgestellt, andere verwei-       ter Therapie bei sehr gutem klinischem und
gern eine chirurgische Option a priori und     bildgebendem Verlauf unabhängig von Stu-       Die deutsche Multicenter-Studiengruppe
andere sind keine guten Kandidaten für         dien aufwerfen.                                von Stahl und Kollegen (3) hat eine ähnli-
eine chirurgische Resektion aufgrund von                                                      che randomisierte Studie durchgeführt, bei
Komorbiditäten oder auch einem Abfall des      Radiochemotherapie mit und                     der zusätzlich eine Induktions-Chemothe-
Performance-Status nach Vorbehandlung          ohne chirurgische Resektion:                   rapie zur CRT durchgeführt wurde, um die
mit konsekutiver Umstellung der neoCRT         aktuelle „kritische“ Studienlage               systemische Versagerrate zu reduzieren.
auf eine dCRT (4).                             Es gibt derzeit zwei randomisierte kontrol-    Diese Studie randomisierte 172 Patienten
                                               lierte Studien, die den potentiellen zusätz-   in einen CRT-Arm plus Chirurgie und einen
Die dCRT hat 2 besondere Subgruppen            lichen Gewinn einer chirurgischen Resek-       CRT-Arm ohne Chirurgie. Die Ergebnisse
geschaffen mit einerseits Tumorpersistenz      tion nach definitiver/primärer CRT beim        zeigten wiederum eine signifikant bessere
oder andererseits locoregionärem Tumor-        PEC untersucht haben (2,3). Die französi-      locoregionäre Rezidivrate im Chirurgie-Arm.
und/oder Lymphknotenrezidiv. Für diese         sche Multicenter-Studie von Bedenne und        Desweiteren war das krankheitsfreie Über-
Patienten besteht ohne systemische Meta-       Kollegen (2) randomisierte Patienten, die      leben nach 2 Jahren signifikant besser im
stasierung (M0) die Option einer Salvage       auf die primäre CRT angesprochen haben,        Chirurgie-Arm mit 64 % zu 41% im Beob-
Ösophagektomie an einem erfahrenen Zen-        entweder in einen Chirurgie-Arm (C) oder in    achtungsarm (p=0,003). Im Gegensatz zum
trum (5,6). Da diese Option aber erheblich     einen Beobachtungs-Arm (B). Das mediane        französischen Trial, das nur klinische Res-
von der Art der Nachsorge abhängig ist         Überleben waren 17,7 (C) vs. 19,3 Monate       ponder der chirurgischen Resektion zuge-
(strukturierte versus Nachsorge bei Symp-      (B) und das 2-Jahres-Gesamtüberleben           führt hat, wurden in der deutschen Studie
tomen) und aus ethischen Gesichtspunkten       war 34 % vs. 40 % (n.s.) respektive. Es gab    alle Patienten randomisiert und diese
jedem Patienten zustehen sollte, verlangt      zwar klare Vorteile im chirurgischen Arm       zeigte dann einen Gesamt-Überlebens-
diese Vorgehensweise eine intensive aktive     bezüglich einer signifikant verbesserten       vorteil im Chirurgie-Arm nach drei Jahren

12    CHIRURGIE · Ausgabe 2/2018
Randomisierte Studien zur definitiven Radiochemotherapie des Ösophaguscarcinoms

 Referenz                                Zeitraum        Histologie          N      Schema                                   Ergebnisse

 Cooper, et al. (RTOG85-01)             1986–1990        PEC/AC            129      CRT vs. RT                               26 % vs. 0 % 5-J OS

 Minsky, et al. (RTOG94-05)             1995–1999        PEC/AC            236      CRT mit höherer RD vs. Standard          56 % vs. 52 % Krankheitspersistenz

 Bedenne et al.                         1993–2000        PEC/AC            259      CRT vs. CRT + S                          17.7 % vs. 19.3 % MS

 Stahl et al.                           1994–2002        PEC                172     ICRT vs. ICRT + S                        24 % vs. 31 % 3-J OS
                                                                                                                             (p=0.02) Chirugie verbessert DFS

Tabelle 1: modifiziert nach Referenz 4
PEC: Plattenepithelcarcinom; AC: Adenocarcinom; CRT: Radiochemotherapie; OS: Gesamtüberleben; ICRT: Induktionschemotherapie + Radiochemotherapie;
DFS: krankheitsfreies Überleben; C: Chirurgie; RT: Radiotherapie; QOL: Lebensqualität

 Morbidität und Mortalität der „Salvage Ösophagektomie“

 Referenz                                      N               R1 ( %)              Leckage ( %)               Ø Spitalaufenthalt          30T-Mortalität ( %)
                                                                                                                                          Hospitalmortalität 

 Swisher et al.                                13                 20                      38*                        29.4*                          15

 Nakamura et al.                               27                 33                      22                          40                            8

 Tomimaru et al.                               24                33*                       21                         na                            13

 Chao et al.                                   27                37*                      15*                        22.4                           29*

 Oki et al.                                    14                 50                      29                          na                             7

 Borghesi et al.                               10                70*                      20                          21                            10

 Nishimura et al. (11)                        46                  0                       22                          47                            15

 Tachimori et al.                              59                 15                      31*                         38                            8*

 Marks et al.                                  65                 5                       18                          12                             3

 Markar et al.(6)                             308                7.5               17.2* (p=0.01)                     na               8.4  (28.8 % bei ≥ 55Gy)

Tabelle 2: modifiziert nach Referenz 4
*signifikanter Unterschied zur Kontrollgruppe (wenn angegeben) ; na: nicht angegeben; T: Tage, R1: R1 Resektion;
Ø Spitalaufenthalt: durchschnittlicher Spitalaufenthalt in Tagen

(31 % vs. 24 %, p=0,002). Dieser Sachver-                  Tabelle 1 zeigt eine Zusammenstellung die-               vorgebracht: Patienten mit persistieren-
halt ist in der „Stahl Studie“ mit der sehr                ser Ergebnisse.                                          der Erkrankung und Patienten mit einem
hohen Mortalität im Chirurgie-Arm (12,8 %                                                                           locoregionären Rezidiv. Diese Patienten
vs 3,5 %, p=0,003) besonders erstaunlich.                  Zusammenfassend zeigen diese beiden                      haben wenig Behandlungsalternativen und
In letzter Konsequenz zeigt diese Studie,                  Studien, dass Patienten, die auf die CRT                 sollten unbedingt von einem erfahrenen
dass Patienten, die chirurgisch reseziert                  ansprechen, dem Risiko der erhöhten Mor-                 Speiseröhrenchirurgen gesehen werden,
wurden zwar weniger wahrscheinlich an                      talität der chirurgischen Resektion in die-              mit dem die Option einer Salvage Ösopha-
ihrem Krebs starben, dafür aber einem                      sem Multicenter-Setting ausgesetzt waren                 gektomie evaluiert werden sollte. Es gibt
signifikant erhöhten Risiko an der chirur-                 und der potentielle Vorteil betreffend des               zwischenzeitlich viele prospektive, nicht
gischen Behandlung zu versterben, ausge-                   krankheitsfreien Überlebens durch die zu                 randomisierte und retrospektive Serien, die
setzt waren.                                               hohe Mortalität der chirurgischen Behand-                die Durchführbarkeit der Salvage Resektion
                                                           lung wahrscheinlich egalisiert wurde.                    bevorzugt beim Plattenepithelcarcinom,
Eine wirklich interessante Beobachtung in                                                                           aber auch beim Adenocarcinom gezeigt
einer Subgruppenanalyse war, dass Non-                     Eine interessante Hypothese aus diesen                   haben. Der überwiegende Anteil sind kleine
Responder mit R0-Resektion ein 3-Jahres-                   Studien ist allerdings, dass Non-Respon-                 Serien mit 10 bis 65 Patienten. In einem
Überleben von 32 % erzielten im Gegensatz                  der einen grösseren Nutzen von der chir-                 ersten Review von Gardner-Thorpe (10) aus
zu Respondern mit mehr als 50 % 3-Jah-                     urgischen Resektion zu haben scheinen als                2007 wurden 105 Patienten aus 9 Serien
res-Überleben und zwar unabhängig vom                      Responder.                                               analysiert. Über 50 % der Salvage Resektio-
Behandlungsarm.                                                                                                     nen wurden für eine persistierende Erkran-
                                                           Salvage Ösophagektomie                                   kung und 43 % für locoregionäre Rezidive
Allerdings liegen die Lokalrezidivraten nach               Die dCRT als mögliche therapeutische                     durchgeführt. Eine wirklich interessante
alleiniger dCRT in den 4 bekannten Stu-                    Strategie beim PEC des Oesophagus hat                    und zutiefst ethische Frage über die dCRT
dien sehr hoch zwischen 40 und 75 % (4).                   zwei chirurgisch relevante Subgruppe her-                ist die nach dem Prozentsatz an Patienten,

                                                                                                                             CHIRURGIE · Ausgabe 2/2018         13
Oberer Gastrointestinaltrakt

 Nicht-randomisierte Phase II Studien mit „Selektiver Ösophagektomie“

 Referenz [Zeitraum]              Patienten            n        Histologie      Endpunkte                                   Ergebnisse

                                                                                Path. Response, Überleben,
 Wilson and Lim;                                                                                                            Endoskopischer Response 77 %,
                               T1–3, N0–1, M0          32        PEC/AC         Organerhalt, Morbidität/
 [1993–1996] (8)                                                                                                            Selektive Option machbar
                                                                                Mortalität

 Ariga et al.;                                                                  OS, DFS, QOL,
                               T1–3, N0–1, M0         99           PEC                                                      26 % Cross-Over zur OP
 [2001–2005] (9)                                                                Morbidität/Mortalität

                                                                                Response, Organerhalt,
 Swisher et al.;               T1–3, N0–1, M0                                                                               1-J Überlebensziele nicht erreicht,
                                                       41        PEC/AC         Morbidität/Mortalität
 [2003–2006] (14)                  (+M1a)                                                                                   Machbarkeit gezeigt
                                                                                Machbarkeit

Tabelle 3: modifiziert nach Referenz 4
PEC: Plattenepithelcarcinom; AC: Adenocarcinom; OS: Gesamtüberleben; DFS: krenkheitsfreies Überleben; QOL: Lebensqualität

die letztlich eine Salvage Option bekom-                menhang mit Salvage Operationen ist der                  lichst aber zumindest in Hybrid-Technik
men sollten und diese aus welchen Grün-                 Patient grundsätzlich darauf hinzuweisen,                (laparoskopisch/rechts thorakal offen) oder
den auch immer nie erhalten haben und                   dass die Therapie-assoziierte Morbidität                 auch als zweizeitiges Verfahren mit Trennung
damit eine reelle Heilungschance verpasst               und Mortalität erhöht ist (4,6,13). Tabelle 2            von Resektion und Rekonstruktion durch.
haben. Diese Frage lässt sich auch auf-                 zeigt eine Zusammenstellung über die Mor-
grund der „hohen Dunkelziffer“gegenwärtig               bidität und Mortalität dieses Vorgehens.                 Watch and Wait und das Konzept der
überhaupt nicht beantworten. Es gibt aktu-                                                                       Selektiven Ösophagektomie
ell nur eine japanische Serie von Nishimura             In der grossen französischen Multicenter-                Studien, die die CRT mit und ohne Chir-
und Kollegen (11) zu dieser Thematik, die               Studie (30 Zentren) zur Salvage Oeso-                    urgie beim Plattenepithelcarcinom des
berichteten, dass 16 % der Patienten mit                phagektomie (n=308) verglichen mit der                   Oesophagus untersucht haben, konnten
thorakalem PEC des Oesophagus, die eine                 neoCRT und geplanter Resektion (n=540)                   aufzeigen, dass eine Heilung ohne chirur-
dCRT an ihrer Institution erhielten, letztlich          zeigt sich ein ähnliches Gesamt-Überleben                gische Resektion möglich ist. Dies führte
einer Savage OP zugeführt wurden. Diese                 (43,3 vs. 40,1 %). Es zeigt sich aber eine               zum Konzept der Selektiven Oesophagek-
Prozentzahl erscheint mir in Anbetracht der             signifikante Erhöhung der Anastomosen-                   tomie, bei der a priori der Patient ausge-
bekannten Ansprech- und Rezidivraten sehr               leckagen (17,2 % vs. 10,7 %, p=0,007) und                sucht wird, der nach neoadjuvanter oder
niedrig und wirft erneut die Dringlichkeit              ein signifikant schlechteres 3-Jahres-Über-              definitiver Radio-Chemotherapie zwin-
der genannten Fragen auf.                               leben und krankheitsfreies Überleben in                  gend eine weitere locoregionäre Therapie
                                                        der Gruppe mit persistierender Erkrankung                braucht. Inkomplette Responder würden
Dies hat zweifelsfrei Konsequenzen für die              im Vergleich zum Lokalrezidiv (40,9 % vs.                nach diesem Konzept chirurgisch reseziert
Nachsorge von Patienten nach definitiver                56,2 %, p=0,046) nach dCRT (6).                          und klinisch komplette Responder würden
CRT, denn locoregionäre Rezidive, die nur                                                                        einer Watch and Wait Strategie zugeführt.
aufgrund von Symptomen diagnostiziert                   Die Mortalität ist mit Sicherheit abhängig               Es gab zwei kürzlich nicht randomisierte
werden, sind generell weiter fortgeschrit-              von der Erfahrung des Zentrums und kann                  Studien, die dieses selektive chirurgische
ten als solche, die im Rahmen einer sys-                wie am MD Anderson Cancer Center in                      Vorgehen nach definitiver Therapie beim
tematischen Nachsorge entdeckt werden.                  Houston auf eine akzeptable Rate von unter               Plattenepithelcarcinom untersuchten. In
Das bedeutet, dass ein Patient auch auf-                4 % gesenkt werden (5). Dabei spielt die                 der Studie von Wilson und Lynn (8) mit 32 %
grund des Nachsorgetyps u.U. keiner Sal-                Höhe der Strahlendosis eine wichtige Rolle,              resezierter Fälle erschien das selektive Vor-
vage-Operation zugeführt werden kann.                   denn die französischen Kollegen haben in                 gehen machbar. In der Studie von Ariga und
Aus diesem Grund wird empfohlen, dass                   einer sehr sorgfältigen Analyse gezeigt,                 Kollegen an 99 Patienten mit PEC zeigte
Patienten unbedingt einer regelmässigen                 dass unter Berücksichtigung der Möglich-                 sich ein 26 % Cross-Over zur Salvage Ope-
Endoskopie mit PE und endoskopischem                    keit einer Salvage Option die Gesamtstrah-               ration. Keine dieser Studien war ausgelegt,
Ultraschall (der EUS wird für die Beurteilung           lendosis nicht ≥ 55Gy sein sollte (5, 15).               um eine Überlegenheit gegenüber einer
der Lymphknoten, nicht für die Beurteilung                                                                       geplanten trimodalen Therapie (neoCRT +
der Organwand durchgeführt) kombiniert                  Es gibt augenblicklich keine Studienliteratur,           Chirurgie) zu beweisen. In einer weiteren
mit einem PET-CT alle 3-4 Monate in den                 die eine limitierte Lymphadenektomie im                  Phase-2-Studie mit Plattenepithel- und
ersten zwei Jahren (4,7) und dann am bes-               Rahmen der Salvage Resektion untersucht                  Adenocarcinomen (RTOG-Protokoll 0246)
ten sechsmonatlich für weitere 2-3 Jahre                hat und deshalb wird generell eine kom-                  wurde die Durchführbarkeit dieses Vorge-
nachgesorgt werden sollten. Bis zu 95 %                 plette Resektion mit einer systematischen                hens in einem multi-institutionellen Setting
der Patienten entwickeln ihr Rezidiv nach               2-Feld-Lymphadenektomie empfohlen (4).                   gezeigt. Interessant war, dass bei Patien-
definitiver CRT innerhalb von zwei Jahren               Wir führen die Salvage Resektion in geeig-               ten, die eine selektive Resektion bekamen,
und 99 % nach drei Jahren (12). Im Zusam-               neten Fällen komplett minimalinvasiv, mög-               der Chirurg, der aufgrund der Voruntersu-

14     CHIRURGIE · Ausgabe 2/2018
chungen vermutete, dass eine persistie-        dität, hohem biologischen Alter, hoher        L I T E R AT U R A N G A B E N
rende Erkrankung vorlag, in 17 von 18 Fällen   suprabifurkaler Tumorlage, schwieriger        1. van Hagen P et al. (2012): Preoperative
recht behalten hatte. Der einzige Patient      technischer bis fraglicher Resektabilität         chemoradiotherapy for esophageal or junctional
der mit einem pathologisch kompletten          oder auf dezidierten Wunsch des Patien-           cancer. N Engl J Med 22: 2074-84
                                                                                             2. Bedenne L et al. (2007): Chemoradiation followed
Response reseziert wurde, hatte auf der chi-   ten im Interdisziplinären Tumorboard mit          by surgery compared with chemoradiation alone in
rurgischen Behandlung bestanden. Diese         der Frage einer definitiven CRT modifiziert       squamous cancer of the esophagus: FFCD 9102. J Clin
Studie unterstreicht den positiv prädiktiven   nach CROSS mit einer Gesamtdosis von              Oncol 25(10):1160-8
                                                                                             3. Stahl M et al. (2005): Chemoradiation with and
Wert des erfahrenen Ösophaguschirurgen         maximal 56 Gy mit der Option der Salvage          without surgery in patients with locally advanced
bei der multimodalen Behandlung einen          oder Selektiven Ösophagektomie ausser-            squamous cell carcinoma of the esophagus. J Clin
residuellen Tumor vorherzusagen (14). Die      halb von Studien vor und führe diese bei          Oncol 23(10):2310-7.
                                                                                             4. Hofstetter WL. (2014): Salvage esophagectomy. J
Ergebnisse der genannten Studien sind in       positiver Entscheidung mit entsprechen-           Thorac Dis 6 Suppl 3: 341-9
Tabelle 3 zusammengefasst dargestellt.         der strukturierter Nachsorge konsequent       5. Marks JL et al. (2012): Salvage esophagectomy after
                                               durch.                                            failed definitive chemoradiation for esophageal
                                                                                                 adenocarcinoma. Ann Thorac Surg 94(4):1126-32
Die französische Studiengruppe FREGAT hat                                                    6. Markar S et al. (2015): Salvage Surgery After
2013 eine hochinteressante Intention-to-       Im Alltag sollte grundsätzlich jeder Pati-        Chemoradiotherapy in the
Treat Fallkontroll-Studie (15) mit 222 Pati-   ent, der eine dCRT erhält, oder nach kom-     7. Management of Esophageal Cancer: Is It a Viable
                                                                                                 Therapeutic Option? J Clin Oncol 33(33): 3866-73
enten mit komplettem klinischen Response       plettem Response nach einer neoCRT aus        8. Sudo K et al. (2014): Importance of surveillance and
(n=59 nur Surveillance „gematcht“ 1:2 mit      verschiedenen Gründen nicht wie geplant           success of salvage
                                                                                             9. strategies after definitive chemoradiation in patients
118 resezierten Patienten) vorgelegt und       operiert wird, in ein aktives Überwachungs-
                                                                                                 with esophageal cancer. J
konnte aufzeigen, dass das mediane Über-       programm zur frühen Detektion der Tumor-      10. Clin Oncol 32(30): 3400-5
leben mit 83 Monaten im Chirurgie-Arm und      persistenz respektive des locoregionären      11. Wilson KS, Lim JT. (2000) Primary chemo-radiotherapy
                                                                                                 and selective oesophagectomy for oesophageal
31 Monaten im Surveillance-Arm hochsigni-      Rezidivs eingeschlossen werden. Patienten
                                                                                                 cancer: goal of cure with organ preservation.
fikant zugunsten der chirurgischen Resek-      sollte auch darüber informiert werden, dass       Radiother Oncol 54(2):129-34
tion (p= 0,001) war und dies muss bei der      Nachteile eines Vorgehens hinsichtlich der    12. Ariga H et al. (2009): Prospective comparison of
                                                                                                 surgery alone and chemoradiotherapy with selective
aktuellen Beratung von Patienten zwingend      Überlebenschancen mit Selektiver oder Sal-        surgery in resectable squamous cell carcinoma of the
berücksichtigt werden.                         vage Chirurgie keinesfalls auszuschliessen        esophagus. Int J Radiat Oncol Biol Phys 5(2):348-56
                                               sind.                                         13. Gardner-Thorpe J et al. (2007): Salvage
Schlussfolgerung                                                                                 oesophagectomy after
                                                                                             14. local failure of definitive chemoradiotherapy. Br J Surg
Zusammenfassend erscheint das Konzept          Alle diese Patienten müssen immer                 94(9):1059-66
von Watch and Wait mit selektiver Chirur-      einem erfahrenen Ösophaguschirurgen           15. Nishimura M et al. (2007): Salvage esophagectomy
                                                                                                 following
gie zwar machbar, sollte derzeit aufgrund      am Zentrum vorgestellt werden, der die        16. definitive chemoradiotherapy. Gen Thorac Cardiovasc
der noch unklaren Studienlage im Regelfall     Möglichkeit einer kurativen „Selektiven           Surg 55(11):461-4
nur im Rahmen von Studien durchgeführt         oder Salvage Ösophagektomie“ mit dem          17. Urschel JD, et al. (2003): Salvage or planned
                                                                                                 esophagectomy after chemoradiation therapy for
werden.                                        Patienten bespricht. Dies darf niemals die        locally advanced esophageal cancer--a review. Dis
                                               alleinige Aufgabe unserer geschätzten             Esophagus 16(2):60-5.
Im eigenen Vorgehen stelle ich ausgewählte     Partner, der Onkologen oder Radioonko-        18. Jamel S, Markar SR. (2017): Salvage esophagectomy:
                                                                                                 safe therapeutic strategy? J Thorac 9(Suppl 8): 799-808
Patienten mit PEC und erhöhter Comorbi-        logen, sein.                            ■     19. Swisher SG et al . (2017): Final Results of NRG
                                                                                                 Oncology RTOG 0246: An Organ-Preserving Selective
                                                                                                 Resection Strategy in Esophageal Cancer Patients
                                                                                                 Treated with Definitive Chemoradiation. J Thorac
                                                                                                 Oncol 12(2):368-374
KORRESPONDENZADRESSE                                                                         20. Piessen G et al. (2013): Is there a role for surgery for
                                                                                                 patients with a complete clinical response after
                                                                                                 chemoradiation for esophageal cancer? An intention-
                   Prof. Dr. med. Paul Magnus Schneider                                          to-treat case-control study. Ann Surg 258(5):793-9;
                                                                                                 discussion 799-800
                   Chairman, Viszeral-Onkologisches Tumorzentrum
                   Zentrum für Viszeral-, Thorax- und spezialisierte Tumorchirurgie
                   Klinikum Hirslanden
                   Witellikerstrasse 40, CH-8032 Zürich, Schweiz
                   E-Mail: paul@professor-schneider.ch

                                                                                                      CHIRURGIE · Ausgabe 2/2018                    15
Sexualmedizin

Tun sie’s – oder tun sie’s nicht
Ergebnisse des Igls-Vienna-SexMed-Survey
erhoben im Rahmen des Österreichischen Chirurgentags 2017
Autorin: L. Ucsnik, Wien

                                                                                      Rüstzeug für „Sexuelle Gesundheit“ –
                                                                                      kurz, knapp und knackig
     Sexualmedizin –                                                                  Anatomische wie biochemische Gegeben-
     integrativer Bestandteil auch in der Chirurgie                                   heiten beeinflussen maßgeblich die physi-
                                                                                      schen Möglichkeiten für sexuelle Aktivität
     Chirurgie und Sexualmedizin haben auf den ersten Blick wenig miteinander zu      und Intimität. Die Chirurgie mit ihren opera-
     tun. Auf den zweiten Blick entkräftet sich das Vorurteil::                       tiven, interventionellen als auch konserva-
                                                                                      tiven perioperativen Maßnahmen hat mehr
     ··
      Koloproktologie – wo Nerven-schonende OP-Techniken über Kontinenz
      ebenso wie über sexuelle Funktion entscheiden; das Leben mit Stoma eine
                                                                                      Auswirkungen auf die Erregungskurve und
                                                                                      ihre beeinflussenden Phasen, als sie mög-
        aktiv gelebte Partnerschaft beeinträchtigt; HIPEC / PIPAC bei Indikation      licher Weise bedenkt:
        „Ovarektomie“ Patientinnen abrupt in die „chirurgische Menopause“
        versetzen können.                                                             ··
                                                                                       Interesse und Lust auf sexuelle Akti-

     ··
      Gefäß- und Aortenchirurgie – in der gilt: ohne Durchblutung kein „Feuer“
      in den Lenden, keine Erektion, keine Lubrikation; bei Läsion des Plexus
                                                                                       vität werden nebst visuellen Reizen
                                                                                         bestimmt von zentraler wie peripherer
                                                                                         hormoneller Wirkung. Traumatische
        hypogastricus superior, bei der ggf. eine retrograde Ejakulation als
                                                                                         Erlebnisse und dazu zählen für Pati-
        Komplikation eintreten kann.
                                                                                         entInnen auch operative Eingriffe, post-
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      Endokrinen Chirurgie – wo durch Einflussnahme auf die Hypothalamo-
      Hypophyseren und Hormon-bildenden Drüsen-Achse wie Schilddrüse
                                                                                         traumatische Belastungssituationen,
                                                                                         Schmerzen, depressive Verstimmung
        und Nebenniere, Fertilität, die Fähigkeit zur Reproduktion aber auch die         im Krankheitsverarbeitungsprozess
        Geschlechtshormon-Produktion mitbetroffen sein können.                           haben somit eine Auswirkung auf die

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      Metabolischen Chirurgie – bei der sich nicht nur das Körperbild ändert,
                                                                                         Sexualität.
      sondern auch Fertilität; hier ist Verhütung von Seiten der ChirurgInnen
        zu thematisieren durch die Gefahr von kindlicher Mißbildung
                                                                                      ··
                                                                                       Erektion bzw. Lubrikation im Kontext
                                                                                       der Erregung sind abhängig von der
        (Neuralrohrdefekt durch reduzierte Resorption von Vit B12). Die Studienlage      Durchblutungssituation des Beckens.
        zeigt auf, dass Grenz-überschreitende Erfahrungen der PatientInnen mit           Adipositas, arterielle Hypertonie,
        Ursache für das Essverhalten sind, womit das Thema „Missbrauch“ welcher          Hyperlipidämie, Diabetes Mellitus,
        Art auch immer mit am „Tisch“ liegt.                                             Herzinsuffizienz, Nikotinabusus und

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      Mamma-Chirurgie – wo Brüste postoperative in Form und Größe verändert
      sind und das Thema „Frau sein“ und „Frau bleiben“ auf’s Tablett bringen;
                                                                                         in Folge periphere Gefäßerkrankungen
                                                                                         beeinträchtigen diese. Die Erektionsfä-
                                                                                         higkeit des Penis ist gleichsam Antenne
        Narben und der Eindruck einer geänderten Attraktivität wirken physisch wie
                                                                                         und Leitsymptom in der Diagnostik für
        psychisch auf Sexualität und Intimleben nach. Die Hormonersatztherapie
                                                                                         das Fortschreiten von Herz-Kreislauf-
        versetzt PatientInnen abrupt „chemisch“ ins Klimakterium und damit in
                                                                                         Erkrankung. Erst ist dieser betroffen,
        einen Zustand, den betroffene Patientinnen als „Neutrum“ frei von Lust
                                                                                         dann die Durchblutung des Herzens
        und Interesse beschreiben. So manche Lust-betonte Beziehung wandelt
                                                                                         und in Folge die Gefahr für zereb-
        sich in ungewolltes „Brüderlein & Schwesterlein“ sein, das - wird keine
                                                                                         rale Ischämien mit Verzögerung von
        Unterstützung geboten - so manche Beziehung und Familie scheitern
                                                                                         2–3 Jahren.
        lassen und in die Scheidung führen kann in weiterer Konsequenz.

     ··
      Transplantchirurgie – wo betroffene PatientInnen durch neue körperliche         ··
                                                                                       Orgasmus aber auch die Entspannung
                                                                                       sind abhängig von Nervenbahnen,
      Leistungsfähigkeit und geänderte Hormonsituation durch funktionierende
                                                                                         -funktion als auch der Balance der
        Stoffwechsel wieder auf ein Leben in einer aktiven Partnerschaft und damit
                                                                                         Neurotransmitter. Sie haben Auswir-
        auf Sexualität hoffen.
                                                                                         kung auf die Fähigkeit und Stärke der
                                                                                         Entladung der entstandenen sexuellen
                                                                                         Spannung als auch Entspannung.

16    CHIRURGIE · Ausgabe 2/2018
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