Appezeller POSCHT - Appenzeller-Vereine Schweiz

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Appezeller POSCHT - Appenzeller-Vereine Schweiz
Appezeller
           POSCHT

                                                      Foto: Roothus Gonten

                            November 2020 · Nr. 106

 Herausgeber: Appenzeller-Verein Basel und Umgebung
Appezeller POSCHT - Appenzeller-Vereine Schweiz
Die nächsten Anlässe                                        2

Appenzeller-Verein Basel und Umgebung      Appenzell Ausser- und Innerrhoden

                                           «Mystisch—Fotografien von Mäddel
                                           Fuchs», bis 17. Januar 2021,
Wegen der vom Bundesrat verfügten
                                           Brauchtumsmuseum Urnasch
Massnahmen zur Eindämmung der
Corona-Pandemie mussten leider bis
auf Weiteres alle Anlässe des Appen-
                                           «Himmel und Erde» Sonderausstellung
zeller-Vereins Basel und Umgebung
                                           300 Jahre Appenzeller-Kalender
abgesagt werden.
                                           bis August 2021
                                           Appenzeller Volkskunde-Museum Stein
                                           (s. auch S. 32, Appenzeller-Kalender digital)

                                           «Markus Weggenmann – Ein Bild schreit
                                           nach dem nächsten!»
                                           bis 11. April 2021,
                                           Kunstmuseum Appenzell

                                           «Chraanzrock ond Beechue – Adaptionen
                                           in Kunst, Mode und Kunsthandwerk»
                                           bis 14. Marz 2021, Museum Appenzell

                                           «Gret Zellweger 75»
                                           Bis zu Gret Zellwegers nachstem Geburtstag
                                           werden 75 Werke der Teufnerin ausgestellt.
                                           Bis 4. April 2021, Zeughaus Teufen

                                           Weitere Veranstaltungen finden Sie auf
                                           www.appenzell.ch
Die Veranstaltungen fur 2021 werden
wir Ihnen mitteilen, sobald etwas Klar-    Bitte beachten Sie die Hinweise der
heit daruber besteht, wie es mit den       Museen und Veranstalter auf Corona-
Einschrankungen weitergehen soll.          Massnahmen.
Appezeller POSCHT - Appenzeller-Vereine Schweiz
Inhalt / Editorial                                3

Inhaltsverzeichnis                             E schuuligi Zit.
2   Die nachsten Anlasse                       «E schuuligi Zit» sei es, schrieb der In-
                                               nerrhoder Landammann Roland Inauen
3   Inhalt / Editorial
                                               in seinem Bericht in der letzten APPE-
4   Zum Titelbild                              ZELLER POSCHT. An diesen Titel habe
                                               ich mich wieder erinnert, als der Bun-
7   Ein Appenzeller namens...                  desrat im Oktober die neuen Verord-
8   123. Hoptvesammlig                         nungen bekanntgab, mit denen er die
                                               Covid-19-Pandemie eindammen will. Es
9   Os em Vorstand                             soll noch Monate dauern, bis man wie-
10 Wanderung 2020                              der «normal» leben konne. «E schuuligi
                                               Zit» steht uns bevor, in der wir uns auf
15 Jubilarenanlass                             ein Minimum an Kontakten beschran-
                                               ken sollen, in der wir weiterhin nie-
                                               mand umarmen sollen, in der wir in
19 Frauen in der Appenzellermusik              allen offentlichen Gebauden eine Maske
                                               tragen sollen, in der wir nur noch zu
23 Eine Journalistenkarriere
                                               viert an einen Beizentisch hocken dur-
25 In Zeiten von Corona                        fen. Wahrlich «e schuuligi Zit».

27 Em Jakob sini Siite                         Die NZZ am Sonntag vom 1. November
                                               sagt uns, wie wir durch den Corona-
30 Gemeindefusion in Appenzell ARh             Winter kommen: bilden Sie Bubbles
31 «Bestimmungsbuchlein»                       (sich mit wenigen ausgewahlten Leuten
                                               treffen), kummern Sie sich um andere,
32 Appenzeller-Kalender digital                pflegen Sie ein Hobby, geniessen Sie
                                               Kultur, bewegen Sie sich, feiern Sie im
33 Bucher zu Weihnachten
                                               Freien (z.B. Weihnachten), kaufen Sie
34 Nabes for d Goofe                           ein, schenken Sie Blumen – und lesen
                                               Sie nicht zu viele Corona-News.
35 Die Sprache der Appenzeller
                                               Lesen Sie stattdessen die APPEZELLER
37 Hans Hurlemann uber...                      POSCHT. Wir haben Ihnen wieder eine
                                               attraktive Mischung aus (leider weni-
                                               gen) Vereinsnachrichten und Wissens-
39 Wer ist wer im Appenzeller-Verein           wertem, Interessantem und Unterhalt-
                                               samem aus Inner- und Ausserrhoden
                                               zusammengestellt. Wir wunschen Ihnen
                                               «e gueti Zit» und herzlich viel Gutes.
                                               Ihr Redaktionsteam
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Zum Titelbild                                       4

                        Das Appenzeller Hackbrett
                    Für das oesterreichische Volksliedwerk verfasst
                    von Matthias Weidmann, Fachmitarbeiter ZAV
                        Zentrum für Appenzellische Volksmusik

Das Appenzeller Hackbrett ist ein soge-       Das Appenzeller Hackbrett wird mit
nanntes dreilagiges Mittelsteghackbrett,      Ruten angeschlagen. Die Ruten sind so
das diatonisch gestimmt wird, wobei die       fein gefertigt, dass sie sich biegen lassen,
Mittelstege die Saiten im unteren Teil in     der Kopfteil ist entsprechend leicht, eine
Quinten, im oberen Teil in Sexten teilen.     Seite des Kopfteils ist mit Leder bezo-
Das Instrument wird ganz aus Holz an-         gen, um gedampft spielen zu konnen.
gefertigt, wobei fur den Rahmen meis-         Hackbrettruten werden aus verschiede-
tens Ahorn, fur Decke und Boden Tan-          nen Holzern gemacht, Ahorn, Nussbaum,
nenholz verwendet wird. Die Saiten sind       Birne und Kirsche werden am haufigs-
aus einer Phosphorbronce Legierung,           ten verwendet.
alle Saiten haben die gleiche Starke, je      Die Instrumente wurden fruher haufig
nach Bauart 0.40, 0.45 oder 0.5 mm. Der       von den Musikanten selber angefertigt.
Hackrettdraht wurde fruher auch in der        Zur Zeit gibt es im Appenzellerland zwei
Uhrenindustrie gebraucht. Das Appen-          Hackbrettbauer, die hauptberuflich als
zeller Hackbrett ist funfchorig, es gibt      Instrumentenbauer arbeiten. Johannes
auch drei- und vierchorige Schuler-           Fuchs wohnt in Meistersrute, Appenzell
instrumente. Der Hackbrettbau hat in          und Werner Alder hat seine Werkstatt in
der Schweiz eine turbulente Entwick-          Herisau.
lungsphase hinter sich.
                                              Im Appenzellerland gibt es eine Vielfalt
Das Appenzeller Hackbrett wird in ver-        von traditionellen Hackbrettstimmun-
schiedenen Grossen angefertigt. Das           gen. Jede Region und jede Musikantenfa-
„kleine“ Hackbrett ist 25 stimmig, gros-      milie braucht verschiedene Stimmun-
sere Instrumente haben 33 Stimmen, fur        gen. Heute sind noch drei Typen ge-
die tiefen Tone werden umwickelte Sai-        brauchlich, die Alder Stimmung aus Aus-
ten gebraucht. Die grossen Instrumente        serrhoden, die Hornsepp Stimmung aus
haben noch mehr Stimmen und vor al-           Innerrhoden und die Rechsteiner Stim-
lem im Bassbereich einen erweiterten          mung. Hans Rechsteiner war ein wichti-
Tonumfang, diese Instrumente werden           ger Lehrmeister, der als geburtiger In-
als „Konzerthackbrett“ bezeichnet. We-        nerrhoder im Kanton Appenzell Ausser-
gen des Nachklangs der tiefen Tone            rhoden lebte.
brauchen die grossen Instrumente ein          Das Appenzeller Hackbrett wird vorwie-
Dampfungspedal, der Rahmen muss mit           gend im Zusammenspiel mit Streichin-
Stahlstreben verstarkt werden. Eigent-        strumenten gespielt, bei den verschiede-
lich handelt es sich dabei nicht mehr um      nen Stimmungen werden die Tone des-
ein Hackbrett, eher ein kleines Cymbal.       halb so angeordnet, dass die haufig ge-
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Zum Titelbild                                  5

brauchten Kreuztonarten gut zu spielen      kompliziert, es ist aber immer wieder
sind, die selten gespielten Tone der B      erstaunlich, wie schnell die Schuler mit
Tonarten werden klanglich und spiel-        den Tucken des Instruments zurecht-
technisch ungunstig am Rand platziert.      kommen. Das Appenzeller Hackbrett hat
Das Appenzeller Hackbrett wurde fru-        vor allem klangliche Starken. Durch die
her vorwiegend stehend gespielt. Dabei      diatonische Anordnung klingen die Ton-
kann das Instrument auf die Kiste ge-       arten verschieden, der Klang wird far-
stellt werden, was haufig akustische        big. Das Appenzeller Hackbrett hat einen
Vorteile hat. Heute werden verschiedene     kraftigen, hellen Klang, die leichten Ru-
Hackbrettstander angeboten, das Spie-       ten erlauben einen differenzierten An-
len im Sitzen ist ublich geworden.          schlag und ein virtuoses Spiel. Das Ap-
                                            penzeller Hackbrett passt klanglich zur
Das Appenzeller Hackbrett im Vergleich
                                            Appenzeller Streichmusik mit der vollen
mit dem chromatischen Salzburger
                                            Streicherbesetzung, es stellt gewisser-
Hackbrett:
                                            massen das Generalbassinstrument der
Die chromatische Stimmung ohne Mit-         Appenzeller Musik dar. Sein idiomati-
telsteg hat zweifellos Vorteile beim Er-    scher Klang spiegelt die Mentalitat der
lernen des Hackbrettspiels. Der syste-      appenzellischen Bevolkerung in allen
matische Aufbau und die Ubersichtlich-      Facetten der Frohlichkeit und der leisen
keit sind fur Schuler hilfreich, so kann    Melancholie wieder.
auch fruh mit dem Hackbrettspiel be-
gonnen werden. Das Spiel auf dem Ap-        www.roothus-gonten.ch
penzeller Hackbrett scheint dagegen

Werner Alder, Hackbrettbauer in
Herisau schreibt zur Geschichte des
Hackbretts:
Der Ursprung des Hackbretts liegt in        erstmals 1447 in einem Zurcher Rats-
Persien. Dort ist es als wichtiges, klas-   buch erwahnt, ranken sich viele Ge-
sisches Instrument (Santur) seit dem        heimnisse. Es soll an Konigshofen ge-
fruhen Mittelalter bekannt. Von dort        spielt worden sein. Spater als Tanz-
kam es nach China und Korea sowie           instrument abgewertet und eher ver-
nach Nordindien. Es ist durchaus mog-       achtet, blieb es vor allem im Appenzel-
lich, dass das trapezformige Hackbrett      lerland und im Toggenburg, aber auch
denselben Ursprung hat, denn die fru-       im Oberwallis erhalten. Das Hackbrett
hen, mit zwei Kloppeln gespielten In-       wurde vor allem in der Volksmusik
strumente auf italienischen Gemalden        eingesetzt.
um 1430 waren rechteckig und hatten
nur wenige Saiten. In der Schweiz           www.alder-hackbrett.ch
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Ein Appenzeller namens...                                       7

Ein Appenzeller namens Neff                           des Nachsts schon kaum mehr schlafen liess,
empfing nur Radio SRF                                 entschloss er sich, es zu besuchen,
und schatzte dessen Wunschkonzerte                    und um nach Blue Bayou zu buchen,
als wahrhaft echte Schweizer Werte                    ging er zum Reisedienst der Bahn,
und auch als kulturelle Quelle.                       zu Helbling und zu Hotelplan,
Speziell dem Sender «Musikwelle»                      die leider Blue Bayou nicht kannten.
war er von Herzen zugetan,                            Neff suchte dann in den Atlanten,
rief haufig dessen Leitung an                         schrieb voll Verlangen gar spontan
und wunschte fur sich immerzu                         die Sangerin Paola an,
Paolas Lied vom Blue Bayou.                           doch diese hatte andere Sorgen,
Stets zog es ihn dann sehnsuchtsvoll                  und Blue Bayou blieb Neff verborgen.
zu diesem sudlichen Atoll,                            Er ging dann mit der Heidimaus
von dem Paola sinnlich sang.                          in eine Jugi nach Wildhaus,
Es packte ihn ein starker Drang,                      sass dort vergnugt, wenn auch bekleidet,
sich im Lagunensand zu aalen,                         am Schwendisee, vom Vieh umweidet,
bekleidet nur mit Bastsandalen,                       und sah ins Toggenburg hinunter.
wo die Lagunerinnen schwimmen                         Da weiss man, sprach er froh und munter,
und nachts am Strand die Feuer glimmen.               von Saft und Wurst und Purli satt,
Als ihn dann dieses Paradies                          was man hat.

                       Diese Glosse erschien im Tagblatt vom 19. Januar 2016.

 Da erinnern wir uns doch daran, dass in diesem Corona-Sommer und -Herbst Herr und Frau Schweizer
               ihre Ferien nicht in fernen Ländern, sondern in der Heimat verbrachten.

                                                                        Eugen Auer

     Eine Auswahl der Glossen von Eugen Auer ist unter dem Titel «Ein Appenzeller namens…»
           erschienen. Band 2 bis Band 4 sowie eine CD sind im Buchhandel oder unter
                         www.verlagshaus-schwellbrunn.ch erhaltlich
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Vereinsleben — Hoptvesammlig                              8

          123. «Hoptvesammlig» (auf dem Zirkularweg)
           Ergebnisse der Abstimmungen und Wahlen

Ausgesandte Stimm- und Wahlkarten                                                 191
Eingegangene Stimm- und Wahlkarten                                                 89
Ungültig, da unfrankiert und erst am 6. August eingetroffen                         1
Korrekt ausgefüllte, rechtzeitig eingetroffene und somit gültige Unterlagen        88
Absolutes Mehr                                                                     45
Stimmbeteiligung                                                                   46 %

       Geschäft gemäss Traktandenliste                 JA     NEIN Enthaltung

1.     Protokoll der 122. Hauptversammlung             88
2.     Jahresbericht des Präsidenten                   88
3.     Mutationen                                      87                     1
4.     Jahresrechnung                                  88
5.     Revisorenbericht                                88
6.     Entlastung des Vorstands                        87                     1
7.     Festsetzung der Jahresbeiträge                  88
8.     Wahlgeschäfte (*)                               86                     2
9.     Jahresprogramm                                  87                     1

(*) Damit setzt sich der Vorstand fürs Vereinsjahr 2020/2021 wie folgt zusammen:
Verena Preisig (Vizepräsidentin), Margrit Thommen-Weder, Ernst Keller-Dräyer
(Kassier), Walter Merz-Gabathuler, Willi Schläpfer-Schmutz (Präsident)
und die Revisionsstelle besteht aus:
Marianne Saladin-Hersche (1. Revisorin), Heinz Krüttli-Manser (2. Revisor), Mirjam
Hersche (Suppleantin)
                                                Binningen, Ende August 2020

Der Vorstand dankt Marianne und Jakob Bodenmann herzlich dafür, dass sie sich
als «Stimm- und Wahlbüro» zur Verfügung gestellt und die Auszählungen und den
Bericht über die Resultate übernommen haben.
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Vereinsleben — Os em Vorstand                                   9

                          Die zweite Welle ist da!
                  Weitere Einschränkungen für das Vereinsleben

Schweren Herzens und mit grossem                  Vieles ist fur das Weihnachtsessen
Bedauern hat der Vorstand – unter                 und fur den Neujahrsapero schon in
Berucksichtigung der neusten Vor-                 die Wege geleitet worden und einmal
schriften des Bundesrats und Erwa-                mehr bleibt dieses Jahr nur die Ent-
gung aller Risiken – entschieden, die             tauschung, dass die Arbeit quasi «for d
beiden nachsten Veranstaltungen des               Chatz» gewesen ist.
Appenzeller-Vereins Basel und Umge-               Alle Mitglieder erhalten zusammen
bung abzusagen. Dies betrifft die                 mit dieser Ausgabe der APPEZELLER
Weihnachtsfeier und den Neujahrs-                 POSCHT ein Schreiben des Vorstands
apero. Nachdem schon der Jubilaren-
                                                  und – als kleines «Trosterli» – die lie-
anlass nicht stattfinden konnte, mus-
                                                  bevoll und mit viel Konnen gestaltete
sen wir jetzt auch auf die Begegnun-
                                                  Karte «Mitternachtsmesse» von der in
gen an den beiden Anlassen zum Ende
                                                  Rorschach geborenen und in Die-
und zum Anfang eines Jahres verzich-
                                                  poldsau lebenden Kunstlerin Agnes
ten. Wir konnen nichts anderes tun als
                                                  Bischof-Dudli.
abzuwarten, wie sich die Situation
entwickelt und hoffen, dass in einem              Der Vorstand wünscht Ihnen allen eine
halben Jahr vielleicht alles unter Kon-           besinnliche Adventszeit, schöne Weih-
trolle ist und wir uns dann wieder                nachten, «e guets Neus» – ond bliibed
ungehindert treffen konnen.                       gsond!

                      «Mitternachtsmesse» von Agnes Bischof-Dudli ©
                   Bild zVg von Druckpunkt-Balgach, www.appenzellerkarten.ch
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Vereinsleben — Wanderung 2020                          10

                  Diese Gegend ist ein Frauenland.
                                Von Walter Merz

Es war eine etwas spezielle Stimmung,    den auch unsere Kehlen gekuhlt, und
als sich 16 Unentwegte am 16. August     dies mit einem vom Prasidenten Willi
um viertel vor neun in der Bahnhofs-     Schlapfer offerierten Kaistener Ries-
halle von Basel trafen, mit Masken,      ling Sylvaner von Weinbau Schraner.
ohne Masken, mit Masken in Bereit-       Fein, suffig, kuhl. Eine Wohltat – merci
schaft. Mit Abstand zwar, aber davon     Willi!
auch nicht allzu viel. Man spurte
Corona, aber man spurte auch das         Diese Gegend sei ein Frauenland,
Bedurfnis, nach langerer Zeit wieder     schreibt Hansjorg Schneider in seinem
einmal zusammen zu sein. Man hatte       Buch «Kind der Aare», aus dem Willi
zwar ein aktuelles Gesprachsthema,       Schlapfer in seiner Begrussungsan-
aber bald interessierte auch noch ganz   sprache zitierte. Die Gegend sei «…re-
anderes als das Virus.                   giert von der Gottin Verena, die spater
                                         zur Heiligen erklart wurde. Sie hatte
Dann also: Maske auf und in einem
                                         die Macht, die physischen Gesetze auf-
SBB-Wagen der wahrhaft alteren Ge-
                                         zuheben. Sie ist von Solothurn auf ei-
neration nach Frick, wo sich Meta Di-
                                         nem Stein die Aare hinunterge-
em dazugesellte und die nun 17-
                                         schwommen bis nach Koblenz und
kopfige Gruppe – geleitet von Ursula
                                         dort einige Kilometer den Rhein hin-
Topkaya, assistiert von ihrem Mann
                                         auf nach Zurzach, wo sie begraben
Hasan, der wahrend der ganzen Wan-
                                         liegt unter dem Verena-Munster. Die
derung als hinterster Mann dafur be-
                                         machtigste, hilfreichste Gottin beid-
sorgt war, dass niemand verloren ging
                                         seits des Rheins…». Und weiter «…Das
(im Radsport sagt man dem auch
                                         Zentrum des Aargaus ist jenes goldene
«Besenwagen») – wo also die 17-
                                         Gebiet, in dem die Lenzburg, die Bru-
kopfige Gruppe den Bus nach Bozberg
                                         negg, die Habsburg, die Wildegg und
-Neustalden bestieg.
                                         Wildenstein stehen. Wobei Wildegg
Man hatte sich fur die «Appenzeller-     und Wildenstein nicht ihrer Wildheit
Wanderung» einen der warmeren Ta-        wegen so heissen, sondern nach der
ge dieses Sommers ausgesucht aber        uralten Gottin Wil. Das ist altes, stol-
Ursula fuhrte die Gruppe in weiser       zes Minnesanggebiet, mit dem Romer-
Voraussicht auf einem wunderbar          lager Vindonissa zu Fussen, wo Reuss
kuhlen Waldweg zur Linner Linde,         und Limmat in die Aare munden. Mit
unserem ersten Marschhalt. Da wur-       der Klosterkirche Konigsfelden, die
Vereinsleben — Wanderung 2020                            11

von der Konigin Elisabeth in Erinne-       sich und war sehr zufrieden.
rung an den ermordeten Konig Alb-
                                           Aber halt: vorab und zwischendurch
recht gebaut wurde. Mit der Kirche auf
                                           gab es Neues und Interessantes zu
dem Staufberg, wo die wunderscho-
                                           erfahren. Prasident Willi Schlapfer
nen Glasfenster hangen. Mit dem heili-
                                           begrusste die neu dazugekommenen
gen Baum des Aargaus, der Linde von
                                           Doris Sutterlin und Lisbeth und Bruno
Linn auf dem Bozberg oben. Ihr Alter
                                           Gehrig und die Mutter von Frau Zum-
wird auf 800 Jahre geschatzt. Aber
                                           brunnen und erklarte, woher Zeihen
wer kennt schon ihr wahres Alter…».
                                           seinen Namen hat. Und wer weiss, wie
                                           gut Willi Geschichten erzahlen kann,
Wie alt sie ist, wissen auch wir Appen-
zeller nicht. Aber machtig ist sie ohne    weiss es jetzt. Denn das ging so: «Wo
                                           s’Dorfli ordli gross gsi isch, hei si-n-em
Zweifel. Wenn kleine Kinder sie um-
rundeten, was kleine Kinder oft und        immer no kei Name gha. Do hei si emol
                                           Gmeind gha inere grosse Schure-n-
gerne machen, ging es jeweils eine
ganze Weile, bis sie wieder auftauch-      inne und hei birote und birote, aber i
                                           keim het oppis rachts wolle z’Sinn cho.
ten. So machtig ist sie, die Linner Lin-
                                           Do lauft grad der Tufel verbi und
de.
                                           ghorts. Do nimmt er e Hampfle Drack
Beeindruckt und sowohl geistig als         vo der Stross und haut-e-nes as Tanns-
auch bacchantisch gestarkt zog die         tor a und rueft: ‘Do heit er es Zei-
Gruppe weiter in Richtung Wasserfalle      he!’ (Zeiche). Do hei si de Ort Zeihe
im Sagmulital. Wasserfalle? Hat man        tauft». – Sagt der Volksmund.
vom hochsten Wasserfall des Aargaus
                                           Gute Neuigkeiten konnte der Kassier
gesprochen? Nur einer von dreien
                                           Ernst Keller vermelden: Rosmarie und
fuhrte noch etwas Wasser, die andern,
                                           Erwin Meier gehe es sehr gut. Erwin
an sich wohl eindrucklicheren, hatte
                                           mache gute und erfreuliche Fortschrit-
die Sommerhitze ausgetrocknet. Man
                                           te und sie beide lassen herzlich grus-
sehnte sich wohl auch hier nach Regen
                                           sen.
(wie war das doch schon wieder mit
                                           Ernst ergriff die Gelegenheit, um auch
dem Klimawandel?). Aber es war den-
                                           noch etwas Werbung fur das neue
noch ein schones, fast etwas voralpi-
                                           Buch von Peter Eggenberger «D’Heb-
nes, Schluchtlein, das an seinem Aus-
                                           amm vo Walzehuse» zu machen, von
gang den Blick auf eine wunderbare,
                                           dem einige Exemplare beim Verein
offene Landschaft freigab, die uns ins
                                           zum Kauf bereitlagen. Und schon war
Rossli nach Zeihen zum Mittagessen
                                           eines weg.
fuhrte. Zu Salat, Suppe und asiatisch
gewurztem Geschnetzeltem mit Nu-           Wohin die Reise nun gehen soll, er-
deln und Frites und zu einem schonen       klarte die Wanderleiterin Ursula Top-
kleinen Coupe Danemark. Man freute         kaya: zu der im Wald versteckt liegen-
Vereinsleben — Wanderung 2020                                         12

Apéro unter der Linde; merci Willi   Une leçon d‘histoire du président     Ursula und Hasan—Leitungsteam

Idylle am Weg nach Zeihen            Sägmülital – wasserloser Wasserfall   Da war doch noch etwas Wasser

Wehrhafte Schweiz                    Das Kreuz von 1874                    Gaben aus Wohn- und Schlafzimmern
Vereinsleben — Wanderung 2020                          13

den Kapelle Eichkreuz. Und fur alle,      Zeiher stellten daher in Fronarbeit
die wieder einmal in diese Gegend         Banke auf. Als in den 1930er Jahren
kamen, empfahl sie auch den nahen         gar der Wunsch aufkam, beim Eich-
und sehenswerten Vogelpark «Am-           kreuz eine Kapelle zu bauen, startete
bigua», in dem vor allem Papageien        das Dorforiginal Johann Uebelhardt,
und Sittiche leben.                       auch Zeiherhans genannt, der im
Nicht von «Wander-Vogeln» war in          Herznacher Armenhaus lebte und un-
der Einladung die Rede gewesen, son-      ter anderem mit der Herstellung von
dern vom «Wander-Schuppel». Dieser        Reisigbesen und dem Verkauf von
Schuppel also bewegte sich so schnell     Waldfruchten etwas Geld verdiente,
es die Hitze erlaubte, uber den Eichhof   eine Geldsammlung zugunsten des
zur Kapelle Eichkreuz, die durch einen    Projekts.
gewundenen Pfad im Wald zu errei-         Die Kapelle wurde dann aus Holz ge-
chen war und schonen Schatten spen-       baut. Bis heute wird sie vor allem von
dete und wo Ursula Topkaya deren          Glaubigen aus den benachbarten Dor-
Geschichte und Eigenheiten erklarte:      fern besucht, welche die Ruhe des Or-
1874 sei der Waldsamenhandler Jo-         tes schatzen. Eher selten finden religi-
hann Wendelin Burgi aus Oberzeihen,       ose Andachten statt.
Vater von drei Kindern, kurz vor der      Der vordere Teil der Kapelle mit dem
Geburt des vierten Kindes auf einer       Kreuz von 1874 ist uberdacht, jedoch
Baustelle schwer verunfallt. Gott habe    nach drei Seiten hin offen. Neben dem
jedoch die Gebete der frommen Fami-       Kreuz stehen zwei Bildstocke, die den
lie erhort und habe den Vater rasch       Gekreuzigten sowie Jesus am Olberg
genesen lassen. Zum Dank fur die wie-     zeigen. Eine kleine «Grotte» mit einer
dererlangte Gesundheit und fur die        Figur der Maria von Lourdes lenkt
gluckliche Geburt eines Sohnes woll-      etwas von der Leidensgeschichte Jesu
ten Burgi und seine Frau Sekunda          ab. An den Kapellenwanden sind reli-
westlich des Weilers Oberzeihen ein       giose Bilder zu sehen, die einst in
altes Holzkreuz durch ein neues erset-    Wohnstuben und Schlafzimmern hin-
zen. Mit der wohlwollenden Unterstut-     gen und von den Eigentumern hier-
zung der Pfarrer von Herznach und         hergebracht wurden. Das Kreuz steht
Zeihen erhielten die Burgis sowohl        heute auf Zeiher Boden, die Kapelle
vom Landeigentumer als auch vom           auf dem Land des benachbarten Bau-
Gemeinderat Herznach die Bewilli-         ernhofs und ist Privatbesitz, wahrend
gung fur ein neues Kreuz auf der An-      das Kreuz Eigentum der beiden Kirch-
hohe im Gebiet Eichgatter ohne Prob-      gemeinden Zeihen und Herznach-
leme.                                     Ueken ist.
Das Kreuz wurde von Glaubigen aus         Dass in dieser andachtigen Umgebung
der Region gerne aufgesucht. Einige       auch noch zwei, drei Witze zum Bes-
Vereinsleben — Wanderung 2020                         14

ten gegeben wurden, sei hier nur am    Fazit: es war ein ausgesprochen scho-
Rande vermerkt.                        ner und erlebnisreicher Tag. Und: der
                                       langjahrige Wanderleiter Edgar Sut-
Nun denn, der Weg fuhrte den Schup-
                                       terlin hat mit Ursula Topkaya eine
pel am Orchideen-Paradies Sarbe (wo
                                       sehr wurdige Nachfolgerin gefunden.
auch das scharfste Auge leider keine
                                       Ursula hat – mit Unterstutzung von
Orchidee erblicken konnte) vorbei
                                       Hasan – eine abwechslungs- und lehr-
nach Herznach, wo der Bus und ein
                                       reiche Wanderung «in fremden Lan-
drohendes Gewitter fast gleichzeitig
                                       den» organisiert, an die man sich ger-
eintrafen, man aber doch noch kurz
                                       ne erinnern wird. Und so kann man in
Zeit hatte, ein Foto des Verena-
                                       Abwandlung des Titels «Diese Gegend
Brunnens aufzunehmen, um dann wie-
                                       ist ein Frauenland.» aus dem Text von
der maskiert in Richtung Frick und
                                       Hansjorg Schneider sagen: «Dieser Tag
Basel gefahren zu werden.
                                       war in Frauenhand.»
                                       Danke, Ursula! Es war sehr schon.
Vereinsleben — Jubilarenanlass                         15

             Ein rhetorischer Blick auf den abgesagten
               Jubilarenanlass vom 23. Oktober 2020
                               Von Willi Schläpfer

Alles war parat: die Einladungen, das      chen, von seinem 1820 geschriebenen
Schutzkonzept, Kevin und sein Hack-        «Entwurf einer nie gehaltenen An-
brett-Intermezzo, die Streichmusik, die    trittspredigt vor einer Landgemeinde»
Namensschilder und Präsente, die im        zu ein paar «Gedanken zur nie gehal-
Herbst 2020 unumgänglichen Masken,         tenen Begrussungsrede am Jubilaren-
aber dann kam es leider über Nacht         anlass 2020» anregen lassen.
kurzfristig doch ganz anders… abge-
sagt!
                                           Als Text hat Hebel Psalm 73, 28 «Aber
Nicht nur Johannes Merz, der Begrun-       das ist meine Freude, dass ich mich zu
der der appenzellischen Mundart, des-      Gott halte und meine Zuversicht setze
sen 1826 in St. Gallen im Herisauer        auf Gott, den HERRN, dass ich verkun-
Dialekt veroffentlichtes Werk «Des         dige all dein Tun.» gewahlt; ich ent-
poetischen Appenzellers sammtliche         scheide mich fur 2. Konige 2, 24: «Da
Gedichte in seiner Landessprache»          kamen zwei Baren aus dem Wald und
weite Beachtung gefunden hat, ist von      zerrissen zweiundvierzig junge Leu-
Johann Peter Hebel inspiriert worden,      te.» So steht es in der Einheitsuberset-
auch drei weitere Ausserrhoder             zung und in der «Zurcher Bibel» heisst
Schriftsteller erweisen dem grossten       es: «Und aus dem Wald kamen zwei
Poeten in der alemannischen Sprache        Barinnen und rissen zweiundvierzig
und ausgezeichneten Erzahler, der in       von den Kindern in Stucke.»
Basel als Kind zugezogener, einfacher      So oder so: «Heavy Stuff!»
Eltern auf die Welt gekommen ist, im-
mer wieder ihre Reverenz:
Julius Ammann, Werner Longatti und,        Liebe Jubilarinnen und Jubilare im
fur mich der bedeutendste unter            Hofgut «Grosstannen»
ihnen, Heinrich Altherr. Ein Dichter
                                           Mit dieser schon etwas eigenartigen
bin ich, weissgott, nicht, aber mit Jo-
                                           Stelle aus dem alten Testament, wo
hann Peter Hebels Schaffen habe ich
                                           zwei Baren oder Barinnen 42 Kinder
mich fast mein ganzes Leben lang be-
                                           oder junge Leute zerreissen, begrusse
fasst.
                                           ich Sie herzlich bei Handschins im
Drum habe ich mich, Hebels Qualitat        Hofgut «Grosstannen» in Bubendorf.
kann und werde ich aber nie errei-         Der Prophet Elischa, oft wird er auch
Vereinsleben — Jubilarenanlass                       16

einfach Elisa genannt, ruft die Tiere,    (gewesen), dass gefahrliche Tiere oder
weil die jungen Burschen ihn mit          Wesen gereizt werden konnen, wenn
«Kahlkopf, komm herauf» verspottet        sie bei ihrem Namen angesprochen
haben. Aber darum geht es nicht, son-     werden: «Wenn man vom Teufel
dern um die in unserer Kultur heilige     spricht…». Deshalb ist es empfehlens-
Zahl 40, 42 ist davon eine Nebenform,     wert, sich davor durch Tabunamen,
die Differenz vernachlassigbar, und       z.B. «Gottseibeiuns», zu schutzen. Der
eben um die Baren.                        Bar ist das grosste und gefahrlichste
                                          Raubtier im nordlichen Europa, die
                                          Furcht und der Respekt vor ihm riesig
40 Leute haben sich heute angemel-        und darum ist wohl auch die germani-
det. 40 Franken bezahlen die Gaste fur    sche Entsprechung des lat. «ursus»
Speis und Trank. 40 Tage blieb Moses      und griech. «arktos» άρκτος ausge-
auf dem Berg Horeb und danach kam         storben und durch «bero» ersetzt wor-
er mit den 10 Geboten herunter. 40        den, das einfach «Der Braune» bedeu-
Tage und 40 Nachte wanderte spater        tet, also doch recht harmlos ist. Im
der Prophet Elias zu diesem heiligen      angelsachsischen Heldengedicht «Beo-
Berg, dem Horeb, ich stelle mir darun-    wolf» steckt auch ein Bar, nur wird er
ter einen mittelostlichen Santis vor,     hier als «Bienen-Wolf» bezeichnet und
wo sich ihm Gott offenbarte. 40 Tage      ruckt damit ganz in die Nahe vom
und 40 Nachte fastete Jesus in der        «Honigdieb», wie der Bar auf Russisch
Wuste, als der Versucher an ihn heran-    heisst: «Medwed» медведь. Dieser
trat. (Ein wenig aus der Reihe tanzen     Honig-Baren-Kreis schliesst sich heute
da Ali Babas 40 Rauber. Aber so eng       dann wieder, wenn nach dem Essen
wollen wir es schon nicht sehen.)         alle Jubilarinnen und Jubilare als
Mit 40 Jahren war ein Mann (sic!) im      «Bhaltis» von Margrit Thommen-
alten Rom «senex», also alt, aber damit   Weder, aufgewachsen in Berneck/SG,
konnte er wenigstens «Senator» wer-       ein kleines Topfchen mit echtem, fei-
den – und ebenfalls von «senex» abge-     nem, sussem Maispracher Honig be-
leitet sind die Ausdrucke «Pro Senec-     kommen.
tute» oder, das gibt es und kommt
eben auch vor, «senil».
                                          Dass wir den Landesnamen dem Abt
                                          von St. Gallen verdanken und den
Sogar beim Kult um den Baren spielt
                                          «Nachfahren» vom Hl. Gallus grad
die Zahl 40 eine grosse Rolle.
                                          auch noch den Baren geklaut haben,
Davon aber etwas spater, zuerst ein       unserer ist zwar einiges wilder als der
paar Worte daruber, wie unser Wap-        gezahmte des irischen Missionars, ist
pentier zu seinem Namen gekommen          bekannt, weniger vielleicht, dass prak-
ist. Der Glaube ist weit verbreitet       tisch alle Festtage der Heiligen, die
Vereinsleben — Jubilarenanlass                        17

etwas mit Baren zu tun haben, im          Mauritius.) – 9. November: Saint Ursin
Winterhalbjahr gefeiert werden. Gal-      de Bourges oder «en Berry» – 20. De-
lus am 16. und Ursula am 21. Oktober      zember: St. Ursicinus (Saint Ursanne),
und, in Freising bei Munchen, Corbini-    der wie die heiligen Gallus und Corbi-
an am 20. November, um hier schon         nian einen wilden Baren «in Gottes
einmal drei zu nennen. Das ruhrt da-      Namen» gezahmt hat – 1./2. Februar:
her, dass der Bar, dieses machtige        siehe oben.
Raubtier, quasi als Herr uber die Zeit
betrachtet worden ist und so als
                                          Ich konnte, einfach weil es so schon
«Zeitmesser» dient, gerade in Land-
                                          passte, die Reihe schon am 20. August
strichen, wo die Jahreszeiten doch
                                          beginnen, dem Festtag vom Hl. Ber-
sehr ausgepragt sind.
                                          nard de Clairvaux. Doch ausser dem
                                          «Barigen» im Namen hat dieser be-
Wenn es kalt wird, begibt er sich in      ruhmte Kirchenvater, Zisterzienser-
den Winterschlaf und wacht erst im        monch usw. mit «Meister Petz» rein
Fruhjahr wieder auf. Da eine Zeitspan-    gar nichts zu tun – und «einen Baren
ne, die zwar keine Ewigkeit dauert,       aufbinden», das sollte man der Zuho-
aber doch recht lang ist und haufig mit   rerschaft auch in der launigsten Rede
40 Tagen und 40 Nachten ausdruckt         nie und nimmer. Dass aber, vor allem
wird, erstaunt es wenig, dass stets       im Alpenraum, in der dunklen Jahres-
rund 40 Tage zwischen den wichtigs-       zeit vermummte, verhullte, oft pelzige
ten Baren-Heiligen liegen, alle im        Gestalten auftauchen, das stimmt und
Herbst und Winter, bis dann anfangs       hat, da ist sich die Forschung einig,
Februar, die Tage werden langsam          schon etwas mit dem Kult um den
wieder langer und heller, «Maria          schlafenden Braunen zu tun.
Lichtmess» gefeiert wird, in Irland das
keltische Fruhlingsfest «Imbolc» und      Allen, die mehr uber die Mythologie
in gewissen Teilen der franzosischen      des appenzellischen Wappentiers er-
Pyrenaen wird die Rosetta, eine weib-     fahren mochten, sei das grossartige,
liche Strohpuppe, symbolisch mit ei-      leider bloss auf Franzosisch erhaltli-
nem Baren, einem verkleideten jungen      che Buch von Michel Pastoureau emp-
Mann, vermahlt – und danach ist Fas-      fohlen: «L’ours. L’histoire d’un roi de-
nachtszeit!                               chu» – nicht nur wegen des Titelblatts.

Aber hier nun, zum Nachrechnen, die
relevantesten Heiligen mit einem Ba-      Zum Schluss wunsche ich allen Jubila-
ren-Bezug: 30. September: St. Urs (&      rinnen, Jubilaren und den eingelade-
Viktor) von Solothurn (Wie die heilige    nen Gasten, denen Ernst Keller-Drayer
Verena waren sie Gefahrten von St.        dann schon noch die 40 Franken ab-
Vereinsleben — Jubilarenanlass                            18

knopfen wird, einen Barenhunger und                    Doch lassen wir das; wir wissen ja
noch etwas: Die Romer haben statt 40                   inzwischen: «Wenn man vom Teufel
XL geschrieben und «quadraginta»                       spricht…» – und wer will das schon?
gesagt. Daraus ist auf Italienisch
«quaranta», auf Spanisch «cuarenta»
                                                       Ein barenstarkes Fest und «e Guete»!
und auf Franzosisch «quarante» ge-
worden und davon abgeleitet …                          Willi Schläpfer

      Wappen von Freising in Bayern mit dem
            Bären des hl. Korbinian

Seit 1910 zeigt das Gemeindewappen von Berneck/SG                 Wappen von St. Ursanne
 den Bär als «redendes» Wappenmotiv sowie einen
Rebstock als Hinweis auf den Weinbau in Berneck seit
                 dem 9. Jahrhundert.
Appenzellermusik                                19

                   Frauen in der Appenzellermusik
           Ein Blick in die Maturaarbeit von Samira Neff aus Appenzell

Rolf Rechsteiner, der langjährige Chef-    tel der 122 Seiten umfassenden Arbeit
redaktor des Appenzeller Volksfreunds      ein, die vor allem die Entwicklung des
(eine Würdigung finden Sie auf Seite       letzten Jahrhunderts umschreibt.
23) hat am 9. Januar in einem Artikel
eine Zusammenfassung der 122-              Zwei unterschiedliche
seitigen Maturaarbeit von Samira Neff      Lebenswelten
beschrieben. Die Mitglieder des Appen-     Von alters her haben Manner und
zeller-Vereins Basel und Umgebung          Frauen in Innerrhoden gesungen. Da-
kennen Samira als begnadete Cello-         bei blieben sie unter sich; Manner san-
Spielerin der Meedle-Streichmusik          gen im sennischen Alltag, bei der Stall-
«Vielsaitig» vom grossen Appenzeller-      arbeit und nahmen in geselliger Runde
Konzert von 2018 in der Offenen Kirche     ein paar Rugguseli. Frauen und Mad-
Elisabethen in Basel.                      chen sangen wahrend der «Stobede»
                                           gern zur Arbeit am Stickrahmen; Ratz-
                                           liedli und Jodel durften gleichermas-
                                           sen gepflegt worden sein. Interessant
                                           ist, dass sich zuerst bei den Frauen
Jodelklubs sind in Innerrhoden eine
                                           Solosangerinnen hervortaten wie etwa
reine Männerdomäne. Samira Neff
                                           das «Mazenauelers Tonneli» (um
geht deshalb der Frage nach, ob
                                           1900), und dass sich Frauengruppen
Frauen in der Appenzellermusik
                                           unterschiedlicher Grosse bildeten, die
heute eine Selbstverständlichkeit
                                           den Jodelgesang auf Buhnen und
sind. Sie kommt zu interessanten
                                           Volksfeste trugen. Erwahnt seien die
Schlüssen.
                                           funf «Bohlemeedle» aus Gonten, die
Samira Neff gliedert ihr Werk in die       rein weibliche, siebenkopfige «Jodler-
zwei Kapitel «Gesang» und «Instru-         gruppe Frohsinn» oder Kathri Fassler
mentalmusik» aus gutem Grund: die          und Lucia Schiegg-Dorig, die als
Prasenz der Frauen weist deutliche         «Geschwister Dorig» grosse Bekannt-
Unterschiede auf. Die Maturandin ging      heit erlangten. Die beiden Schwestern
ihre Forschung mit vorhandener Fach-       sind Grosstanten der Autorin und wa-
literatur an und hat ihre Erkenntnisse     ren im Lauf ihrer Karriere mit fast
in personlichen Interviews mit Sze-        allen Appenzellerformationen ihrer
nenkennern und Experten gestutzt.          Zeit unterwegs. Im personlichen Inter-
Diese Mitschriften nehmen einen Vier-      view gaben sie gerne Auskunft.
Appenzellermusik                               20

Reine Männerwelt                         2005 aufgelost wurde.
Man kann sich die Frage stellen, wa-     Einigen Idealisten ist es zu verdanken,
rum die Innerrhoder Jodelchore reine     dass das heimische Liedgut vermehrt
Mannergesellschaften sind, wahrend       und gezielt gepflegt wurde. Dolf Mett-
in Ausserrhoden Vorjodlerinnen zum       ler rief die «Singmeedle» ins Leben,
Einsatz kommen. Samira Neff erklart      die von 1984 bis 1994 als achtkopfige
dies in ihrer Bilanz zum ersten Kapi-    Frauengruppe aktiv waren. Sepp Her-
tel: «Viele Mannerchore entstanden       ger trat mit Oberdorfer Schulern und
aus Vereinen, dem Militar oder einfach   Schulerinnen – teilweise in Tracht – an
aus Kollegengruppen heraus. Bruno        die Offentlichkeit und sang mit ihnen
Mock betont in seiner Dissertation,      vorwiegend aus dem «Innerrhoder
dass das «Ommehocke» ausschlagge-        Liederbuch». Gleichzeitig entstand um
bend war fur die Grundung mehrerer       Josef Dorig die «Singgruppe Appen-
Innerrhoder Jodelchore. Das kann ein     zell» als erster offizieller Jugendchor.
bedeutender Mitgrund sein, warum es      Vier Lehrkrafte fuhrten seine Bestre-
Frauen nicht in die Chore schafften.»    bungen weiter; die «Schuelegoofe vo
Kathri Fassler sagt dazu, dass es zu     Appezoll» spielten bis zu ihrer Auflo-
ihrer Zeit keine Moglichkeit gegeben     sung 2016 mehrere Tontrager ein.
habe fur eine Frau, mitzusingen. Sie
hatte es aber auch nicht gewollt; zwi-   Samira Neff stellt fest, dass in Sanger-
schen einer mannlichen Ubermacht         kreisen aktuell vor allem der weibli-
hatte sie sich zu exponiert gefuhlt.     che Nachwuchs sehr stark ist. Sie
Kommt dazu, dass sich in Innerrhoden     selbst singt mit in der vierkopfigen
zahlreiche Manner finden, die sich       Gruppe «Meedle», die Guido Neff auf-
dank ausgepragter Falsettstimme aus-     gebaut hat, um mit ihnen das Pro-
gezeichnet als Vorsanger eignen.         gramm seiner Familienstreichmusik
                                         stilvoll zu erweitern. Sie ist auch Mit-
Chöre halten die Stellung                glied der «Streichmusik Vielsaitig»,
                                         was die Brucke zum zweiten Kapitel
Frauenstimmen waren dagegen sehr         «Instrumentalmusik» schlagt.
gefragt in Kirchenchoren, die immer
als gemischte Formationen zur Ehre
                                         Eine Männerdomäne fällt
Gottes sangen. Schon Anfangs des 20.
Jahrhunderts existierte auch ein rei-    Tanzanlasse haben ebenfalls eine lan-
ner Frauenchor, der bis 1950 als Da-     ge Tradition. Doch war das «Uuf-
menchor firmierte. 1952 gab es ledig-    mache» vor 1950 reine Mannersache.
lich zwei gemischte Jodelclubs, zum      Als Ausnahme sind Familienkapellen
einen das «Landjugendchorli» als ge-     zu nennen, in denen auch Tochter zum
mischten Nachwuchschor und das           Zug kamen und – sofern es eine Wirte-
«Innerrhoder Trachtechorli», das         familie war – sogar offentliche Auftrit-
21

Stickerinnen beim «zo Stobede goh»                    Kathri und Lucia           Mazenäuelers Tönneli

Cäcilia Kegel mit dem «Echo vom Kronberg»        Familienmusik Gmünder, «Bären» Gonten

Josefa Rusch mit          Meedle in den Anfangszeiten                    «Meedle Striichmusig» 1990
ihren Brüdern

Streichmusik Vielsaitig (2. von links: Samira Neff)                      2018 – Elisabethenkirche Basel
Appenzellermusik                               22

te hatten. Bekannt war vor dem zwei-      gebildet und der Tanzmusikantenver-
ten Weltkrieg etwa die Familie Kegel      band erfreut sich zahlreicher Neuzu-
in Gonten, die als gemischte Formati-     gange. 1958 zahlte er ein einziges Mit-
on «Echo vom Kronberg» aufmachte.         glied, inzwischen sind funfzehn Pro-
Auch die Familie Gmunder vom «Ba-         zent der Mitglieder Frauen – Tendenz
ren Gonten» pflegte als Kapelle zu-       steigend, wie Samira Neff festhalt. Die
sammen zu musizieren, allerdings          18-Jahrige blickt selber zuruck auf
nicht in der heute typischen Formati-     zwolf wunderschone Jahre im Kreis
on.                                       der «Meedle» und als Instrumentalis-
                                          tin.
Weil im ersten Weltkrieg samtliche
Tanzanlasse verboten waren, legten                     Rolf Rechsteiner
zahlreiche Musikanten die Hande in
den Schoss, was zu einer dramati-
schen Ausdunnung des Angebots fuhr-       Anmerkung der Redaktion: Wer nun
te. Madchen und junge Frauen kamen        Lust bekommen hat, sich intensiver mit
gleichwohl erst nach dem zweiten          der hervorragenden Arbeit von Samira
Weltkrieg zum Zug. Alois Dobler von       Neff zu befassen, kann die vollständige
der «Loosmuhle» engagierte sich in        Maturaarbeit bei ihr anfordern:
der Nachwuchsforderung, und nach
                                          (samira.neff@bluewin.ch) – bitte mit
ihm Josef Dobler («Hornsepp»), der
                                          Angabe «Mitglied im Appenzeller-
eine «Goofestriichmusig» auf die Bei-
                                          Verein Basel und Umgebung».
ne stellte, aus der sich eine mannliche
und eine weibliche Formation entwi-
ckelte. Seine reine «Meedlestriich-
musig» setzte sich ab 1990 gut in Sze-
ne. Franz Manser («de Baazli») er-
wahnt im Interview mit der Autorin,
Frauen waren auf der Musikantenbuh-
ne schon fruher durchaus willkommen
gewesen. Die Ablehnung war eher           Und noch eine kleine, aber äusserst be-
vom Volk her spurbar. Man beachte:        merkenswerte Notiz zum Schluss: wer
Die Einfuhrung des Frauenstimm-           Samira Neff «googelt», kann feststellen,
rechts veranderte die Welt in Appen-      dass sie an der Maturafeier des Gymna-
zell Innerrhoden.                         siums St. Antonius Appenzell im Som-
                                          mer 2020 als Beste von allen mit dem
Ab 1990 forderte die Musikschule Ap-      Notendurchschnitt von 5,77 ausgezeich-
penzell das Instrumentalspiel nach        net wurde. Da verneigen wir uns und
Noten – mit durchschlagendem Erfolg.      sagen: So virtuos wie am Cello so auch
Nachwuchsformationen haben sich           am Gymi!
Eine bemerkenswerte Journalistenkarriere                      23

              «Wenn du deinen Senf dazugeben willst,
                        muss er gut sein»

Unter diesem Titel schrieb Kathrin        tikel, bei denen Profil und Meinung
Alder am 5. August in der NZZ einen       gefragt sind; etwa zur Landsgemeinde
«Rückblick auf eine bemerkenswer-         oder, seltener, zu politischen Geschaf-
te Journalistenkarriere in Appen-         ten unter dem Jahr, die aus der Stan-
zell Innerrhoden».                        deskommission kommen.»
                                          Weiter schreibt Kathrin Alder: «’Man
Nach 20 Jahren als Chefredaktor des       darf den Leuten an den Karren fahren,
«Appenzeller Volksfreunds» ging Rolf      aber man darf keinen Totalschaden
Rechsteiner dieses Jahr in Pension. Die   verursachen’, lautete Rechsteiners
NZZ widmete ihm zum Abschied eine         Credo. Schliesslich lauft man sich am
ganze Seite. Wir zitieren hier zwei Ab-
schnitte aus Kathrin Alders Text. Sie
schreibt:
«Rolf Rechsteiner ist ausgebildeter
Primarlehrer. 23 Jahre lang hat er in
der Innerrhoder Exklave Oberegg un-
terrichtet und dabei sporadisch aus
dem Dorf im «ausseren Landesteil»
berichtet. Damals schrieb er seine Tex-
te auf der Schreibmaschine, die Fotos
badete er bei sich im Keller und
schickte den Streifen per Post nach
Appenzell in den «inneren Landesteil»,
wo die Zeitungsseiten noch mit Pa-
pierfahnen geklebt wurden. Heute ist
das freilich anders. Technisch ist die
Redaktion auf dem neusten Stand, das
Team besteht aus vier schreibenden
Redaktorinnen       und     Redaktoren
(inklusive Chefredaktor) und zwei
Blattmachern. Der Chefredaktor un-
terscheidet sich von den anderen Au-
toren nur darin, dass er «halt auch die
grossen Brocken» schreibt, die Leitar-                  FOTO: CHRISTOPH RUCKSTUHL/NZZ
Eine bemerkenswerte Journalistenkarriere                   24

nachsten Tag wieder uber den Weg.       operativer und hilfsbereiter Mann,
Und am ubernachsten wieder.             von dem wir stets ohne viel Federle-
Lokaljournalismus ist kein einfaches    sens Texte, Fotos und Unterlagen fur
Gewerbe. Erst recht nicht, wenn man     unsere Publikation erhielten. Dafur
sich wie Rechsteiner zwei Jahrzehnte    sind wir ihm dankbar und wir wun-
lang mit den lokalen Grossen beschaf-   schen dem gewiss etwas erleichterten
tigen oder vielmehr arrangieren         Rolf Rechsteiner herzlich «vill
muss.» Wie sich Rolf Rechsteiner mit    Gfreuts» fur die kommenden Jahre.
der Obrigkeit beschaftigte und arran-
gierte und welche Schwierigkeiten
                                        PS. Der Spruch, den Kathrin Alder als
ihm dabei begegneten, beschreibt Ka-
                                        Titel uber ihren Artikel gesetzt hat,
thrin Alder in ihrem Artikel sehr
                                        stand – als Rechsteiner anfing als Jour-
schon – nebst einem Seitenblick auf
                                        nalist zu arbeiten – auf einem Tonbe-
die Gepflogenheiten im politischen
                                        cher in der Redaktion: «Wenn du dei-
Leben in Innerrhoden.
                                        nen Senf dazugeben willst, muss er gut
Fur uns von der APPEZELLER POSCHT       sein». Das habe er sich stets zu Herzen
war Rolf Rechsteiner ein enorm ko-      genommen.
In Zeiten von Corona                                          25

                    Covid-19 führte zur Hotelschliessung
                                     Von Peter Eggenberger

Das 1870 eroffnete Hotel Kurhaus-Bad                  dereroffnet werden konnte. Im Zuge
(heute Hotel Walzenhausen) gehort                     von Covid-19 erfolgten aber ab Marz
mit seinen rund 100 Gastebetten zu                    2020 viele Stornierungen mit entspre-
den grossten Beherbergungsbetrieben                   chenden Einbussen auf der Einnah-
im Appenzellerland. 2016 wurde das                    menseite. Kommt dazu, dass sich die
in der Vergangenheit verschiedentlich                 weitere Zukunft auch fur die Appen-
erweiterte und erneuerte Haus ge-                     zeller Gastrobranche wenig verheis-
schlossen. Gross war deshalb die Freu-                sungsvoll prasentiert, so dass das
de im Herbst 2019, als das traumhaft                  Pachtverhaltnis aufgelost und das Ho-
uber dem Bodensee gelegene Hotel-                     tel per Ende September geschlossen
Restaurant mit neuen Pachtern wie-                    wurde.

Covid-19 führte zur Schliessung des traditionsreichen Hotels Walzenhausen. Bild Peter Eggenberger
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Em Jakob sini Siite                             27

                   E Bänkli - ond no e chli meh!
                              Von Jakob Bodenmann

I de letschte Uusgob vo usere             Wie da Bildli zaged, ond wie n i im
«Appezeller Poscht» ha n i ober e paar    Verlauf vo de Johr vo oppe n eme Bsu-
Bankli pricht, vo welne me i de Omge-     echer oder eme Gascht khort ha, isch
big vo de Buehlerer Wissegg e herrle-     es nud no d Uussicht ond d Rueh gsee,
chi Uussicht cha gnusse. D Idee, as mer   wo s gnosse hond, Chraft, hond s mer
die Geged amene wiitere Publikum          gsaat, chommer do tanke. Vis-a-vis
chonnt oder vilicht sogar mosst           zom Bankli, of de rechte Siite, gsaacht
schmackhaft oder zom Mondsch-             me ebe no de Alpste – vo de Fahnere
te mosst bekannt mache, chonnt nud        bis zom Santis – i sinnere ganze
vo mer. Es sond d Enderlin Schwosch-      Grossi.
tere, wo i dere Geged ufgwachse ond
dehem sond, noch bim Gern-Beizli.         Zuefallig ischt der, wo of dem Bankli
                                          hocked, min Schwoger, «Sigi» het mer
                                          em gsaat. Er ischt vor e paar Johr
                                          gstorbe ond wa n er i so eme Moment
                                          for si, i sim Innerschte empfonde het,
                                          bliibt sis Gheimnis. Wie, so frog i mi,
                                          wor er acht di huttig Zit iischatze. Er
                                          ischt, wie mer saat, en «studierte»
                                          Puur gsee. Was omm en omme pas-
                                          siert ischt, het en intressiert. Er isch
                                          uffgschlosse gsee ond het sini Menig
                                          gern kund tue. Froge chonid mer en
                                          naturlig nomme. Zom Gfell ischt er vo
Em Jakob sini Siite                             28

dere Pandemie, wie mer si jetzt erle-      um vo userem Verein 1897-1997, bin i
bid, veschont blebe. Hett i en gfroget,    of verschiedeni Stelle gstosse, wo i
welem vo de viele n Experte, wo mit        dem Sinn ebefalls bemerkenswert
erne Menige uufgwartet hond, as er         send:
em eenschte globe wor, hett er d Frog
omtrait ond zo mer gsaat: Welem            1917
globscht denn du? Sag mer s wadli!
Sini Antwort: Jo, genau, de seb hetti i    «In Anbetracht der kritischen Zeit, so
au gnoh!                                   die Antwort an Herrn Hartmann (alias
                                           Chemifeger Bodemaa), für die Planung
Do ischt mer die Siite mit em Johres-      eines musikalischen Abends, wird Ab-
programm vom Appezellerverein Ba-          stand genommen. Er wird auf spätere
sel mit dene viele rote Balke gad          Zeiten vertröstet».
zrecht cho. Si zaaged iidrocklig, off wa
mer hond mose ond all no mond ve-          1918
zichte ond Rucksicht neh.
                                           «Im übrigen wurde mit Befriedigung
                                           zur Kenntnis genommen, dass, einem
                                           neuen Bundesbeschluss zu Folge, die
                                           Kantonsregierungen nun ermächtigt
                                           sind, die Polizeibewilligungen bis 2 Uhr
                                           zu erteilen. Diese Erleichterung verhin-
                                           derte allerdings nicht, dass die August-
                                           feier wegen der grassierenden Grippe-
                                           Epidemie dahinfallen musste.»

                                           1934
                                           «So ist nun wieder ein Jahr verflossen,
                                           welches uns manch schöne und heitere
                                           Stunden gebracht hat, vielleicht für
                                           manche Mitglieder das einzige Vergnü-
                                           gen in der heutigen Krisenzeit. Hoffen
                                           wir, dass das kommende Jahr in dieser
                                           Hinsicht besser sei.»

                                           1939
Gerechterwis moes mer aber au sage,
as fruehner au nud alls rond glauffe n     «Die Durchführung der Jahresfeier z.B.
ischt. Bim Doreluege vo usere              musste ausfallen: 'Infolge des ausgebro-
Feschtschreft zom 100-johrige Jubila-      chenen Krieges wurden unsere Sänger
Em Jakob sini Siite                             29

zur Verteidigung unseres lieben Vater-      sei nicht der richtige Ausdruck dafür,
landes an die Grenze gerufen.»              eine Katastrophe sei daraus entstan-
                                            den. Er wolle darauf verzichten auf die
1940                                        sechs Jahre des Jammers, des Elends,
                                            des Kummers, des Todes, des Hungers
«Wenn schon die Jahresfeier im vergan-      und der Niedertracht einzugehen.»
genen Jahr 'infolge des ausgebrochenen
Krieges' ausfallen musste fand sich
                                            1956:
trotz Grippe und Kriegszeit eine stattli-
che Zahl an Männlein und Weib-              «Die Monatsversammlung vom 1. De-
lein     zum traditionellen 'Worscht-       zember stand unter dem Schock der
möhli'.»                                    furchtbaren Ereignisse in Ungarn, wo
                                            ein freiheitsliebendes Volk in aussichts-
1942                                        loser Lage gegen die Übermacht der
                                            russischen Soldaten kämpft. Tausende
«Die von wirtschaftlicher Krise geschüt-    von Flüchtlingen verlassen das gemar-
telten und von Konflikten gekennzeich-      terte Land aus Angst vor einer Deporta-
neten Jahre haben ihre Spuren hinter-       tion nach Russland. Den Aufzeichnun-
lassen.»                                    gen im Protokoll kann entnommen wer-
                                            den, dass politische Ereignisse ihren
1945                                        Einfluss gar auf das Vereinsleben eines
«Als Mitte Mai dieses Jahres nach all       Kantonalvereins auszustrahlen vermö-
dem schweren Leid endlich der Frieden       gen.»
verkündet wurde, hat sich der Verein
entschlossen, an frühere Jahre anknüp-
fend, wieder eine Jahresfeier durchzu-      Ond em Schluss no drei Bemerkige:
führen. Es macht allerdings den An-
schein, dass den Mitgliedern nicht so       War s nud gschiider, me chonnt Chraft
recht zum Feiern zu Mute war.»              of eme Bankli tanke?
                                            Eigentli wor ee Bankli jo lange!
1946
                                            E Freud, as es so Bankli oberhopt geet!
«Nachdem sich das Leben im Verein
allmählich wieder normalisiert hatte.
begann es in den 30er Jahren zu kriseln.
Konferenzen um Konferenzen wurden           Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser,
abgehalten, bis sich 1939 aus dem           wunsche ich viel Erholung auf einem
'Wetterleuchten rings um uns herum          der zahlreichen «Bankli», quer ubers
ein ganz schweres Gewitter entladen         Land verstreut, die zum Verweilen
hat. 'Ein Gewitter', betont der Chronist,   einladen.
Gemeindefusion in Ausserrhoden                                  30

              Statt zwanzig nur noch vier Gemeinden
                                     Von Walter Merz
                       Quelle: Regierungsrat Appenzell Ausserrhoden 11.8.20

Am 20. Marz 2018 wurde die Volksini-                abgeschlossen hat, liegen erste grobe
tiative «Starke Ausserrhoder Gemein-                Richtungsentscheide vor. Der Regie-
den» eingereicht. Diese verlangt eine               rungsrat baut auf diesen vorlaufigen
Anderung der Kantonsverfassung,                     Ergebnissen auf und unterbreitet drei
>wonach die Gemeinden in der Verfas-                Varianten zur Vernehmlassung, die er
sung nicht mehr aufgezahlt werden,                  als moglichen Gegenvorschlag zur
>wonach bestimmt wird, dass der                     Volksinitiative sieht.
Kanton Zusammenschlusse von Ge-
                                                    Variante 1: Reduktion der Anzahl
meinden fordert und unterstutzt und
                                                    Gemeinden von heute 20 auf neu 4
das Gesetz das Nahere regelt und
                                                    (starke Reduktion)
>wonach der bisherige Bestand und
das bisherige Gebiet der Gemeinden                  Variante 2: Reduktion der Anzahl
weiterhin gelten bis zum Inkrafttreten              Gemeinden von heute 20 auf neu 4 bis
eines entsprechenden Gesetzes.                      16 Gemeinden (mittlere Reduktion)
                                                    Variante 3: Streichung der Namen der
Im Dezember 2018 wurde das Gesuch
                                                    Gemeinden aus der Verfassung (Art. 2
vom Regierungsrat an den Kantonsrat
                                                    KV) und Aufnahme einer neuen
uberwiesen, der es im Februar 2019
                                                    Rechtsgrundlage in der Verfassung
an den Regierungsrat zuruckwies mit
                                                    betr. administrative und finanzielle
dem Auftrag, einen direkten Gegen-
                                                    Unterstutzung von Gemeindefusionen
vorschlag auszuarbeiten.
                                                    (keine Reduktion)
Weil parallel zur eingereichten Initia-
                                                    Der Regierungsrat favorisiert die Vari-
tive, welche eine Teilrevision der Kan-
                                                    ante 1 und zieht diese den Varianten 2
tonsverfassung verlangt, eine Totalre-
                                                    und 3 vor. Fur den Regierungsrat stellt
vision der Kantonsverfassung bevor-
                                                    Variante 1 mit einem Vorschlag von
steht, wollte der Regierungsrat der
                                                    neu 4 Gemeinden eine zwar radikale,
Verfassungskommission nicht vorgrei-
                                                    doch zielfuhrende Moglichkeit dar, um
fen und wartete mit der Bearbeitung
                                                    die kunftigen Gemeindestrukturen
der Initiative ab, bis die Kommission
                                                    grundlegend neu zu ordnen. Eine Neu-
ihren Entwurf unterbreitet hatte.
                                                    strukturierung wurde zentral durch
Nachdem die Verfassungskommission                   den Kanton erfolgen. Die Gemeinden
die erste Phase ihrer Arbeiten fur die              waren von aufwandigen und an-
Totalrevision der Kantonsverfassung                 spruchsvollen Fusionsverfahren ent-
Gemeindefusion in Ausserrhoden                               31

lastet. Gleichzeitig wurden damit              Bevolkerung: Vorderland 13‘569 Per-
Strukturen geschaffen, die ohne weite-         sonen, Mittelland 17‘272 Personen,
res als Wahlkreise fur ein einfaches           Hinterland 8‘648 Personen, Herisau
Proporzverfahren fur den Kantonsrat            15‘745 Personen (STATPOP-Zahlen
dienen konnten.                                per 31. Dezember 2018).
Mit der Vorstellung einer Reduktion            Im Anschluss an das Vernehmlas-
von 20 auf 4 Gemeinden orientiert              sungsverfahren werden die Ergebnis-
sich der Regierungsrat an den funktio-         se ausgewertet, allfallige Anderungen
nalen Raumen, welche die fruheren              gepruft und dem Regierungsrat die
Bezirke Vorderland, Mittelland und             Vorlage zuhanden des Kantonsrates
Hinterland nach wie vor bilden. Hinzu          unterbreitet. Die erste Lesung im Kan-
kommt Herisau als einwohnermassig              tonsrat ist fur Fruhling 2021 geplant,
grosste Gemeinde des Kantons. Bei              die zweite Lesung im Herbst 2021. Die
dieser Aufteilung ergeben sich folgen-         Anderung soll mit der Annahme durch
de Grossenverhaltnisse hinsichtlich            die Stimmberechtigten in Kraft treten.

Weniger Chancen dürfte dagegen die Idee des Hundwiler Bürgers Walter Knöpfel haben, bei
den Revisionen der Kantonsverfassungen in beiden Appenzell eine Wiedervereinigung mitein-
zubeziehen. Diese Idee wird kontrovers diskutiert und dürfte bei den Stimmberechtigten auf
wenig Gegenliebe stossen—oder wie es der Ausserrhoder Nationalrat David Zuberbühler in
einem Kommentar im Anzeige-Blatt formulierte, «sei ein Zusammenschluss unrealistisch, so-
lange es weiterhin zwei separate Tourismusorganisationen gebe und nicht einmal eine ge-
meinsame Marketingorganisation möglich sei».

         «Bestimmungsbüchlein» für Appenzellerhäuser

Der Heimatschutz Appenzell Ausser-             Streusiedlungslandschaft auflistet. Die
rhoden schenkt sich zum 110. Ge-               Broschure lasst sich wie ein «Bestim-
burtstag eine kleine Publikation.              mungsbuchlein» nutzen. Die Kapitel
                                               sind aufgeteilt in Platzierung, Nutzung,
Der Architekt Thomas Kunzle hat zu-
                                               Volumetrie, Konstruktion und Gestal-
sammen mit alt Kantonsbaumeister
                                               tung. «Bauidentitat im Streusiedlungs-
Otto Hugentobler, Kurator Thomas
                                               gebiet von Appenzell Ausserrhoden»
Fuchs und Architekt Stephan Flueler
                                               kann bezogen werden unter:
ein Leporello gestaltet, das die Merk-
male der Appenzellerhauser in der              admin@heimatschutz-ar.ch
Appenzeller Kalender digital                                              32

Unter der www-Adresse https://www.e-periodica.ch/digbib/volumes?UID=apk-002
hat die ETH Zürich im Auftrag der Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden sämtli-
che Appenzeller Kalender von 1722 bis 2019 digitalisiert. Auch zu finden unter
www.appenzelldigital.ch/appenzeller-kalender

In Zeiten von Fake-News:
Einer, der zum ersten Mal in seinem Leben «of Zöri abe» reiste und dort unter anderem auch
den Zoo besuchte, wurde nach seiner Rückkehr gefragt, wie es denn gewesen sei im Zürcher
Zoo. «Jää, en choge Log alls mitenand, derigi Tierer geet‘s gär nüüd!»

«Moetter, wettscht nüd au emol en Bubichopf mache?» – «För waa söll etz ii en Bubichopf
mache?» – «Jo wäscht, miis Gampiross bruucht en neue Schwanz».

En Richter säät: «Jä, Meischter Müller, d Chonde eso öbers Ohr z haue isch soviel as Diebstahl.»
Droff de Müller: «Jä wessid ehr, Herr Richter, wemmer i de hüttige Zitt en ehrlige Maa will
bliibe, so gohts nüd anderscht.»
                                               Aus verschiedenen Jahrgängen des Appenzeller Kalenders
Bücher zu Weihnachten                                       33

 Aus der Fülle von neuen und neu aufgelegten Büchern schlagen wir Ihnen fünf vor,
  die uns besonders aufgefallen sind. Vielleicht ein schönes Weihnachtsgeschenk?

Peter Eggenberger                  Peter Eggenberger                 Mäddel Fuchs, Albert Tanner
Vo gschiide ond tomme Lüüt         D Hebamm vo Walzehuuse            Appenzeller Welten
2017, 128 Seiten                   119x195 mm, 128 Seiten            203x300 mm, 352 Seiten
Fr. 22.–                           Fr. 22.–                          Fr. 79.– mit 2 CDs
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Gret Zellweger—Appenzellerland             Kurt Haberstich—Traumhaftes Appenzellerland
2020, 210x305 mm, 164 Seiten               297x190 mm, 280 Seiten
Fr. 48.–                                   Fr. 38.–
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Näbes för d Goofe                                34

                           Ääs zwää Chatzegschrää
                                  Von Walter Merz

So lehrte uns unsere Mutter, aufgewachsen in Gais, das Zählen von eins bis zwanzig:

• Ääs zwää Chatzegschrää
• Dreu vier Rossgschierr
• Föf sechs Heltechs
• Sibe n acht öber de Bach
• Nüü zeä hani gseä
• Älf zwölf Hase n ond Wölf
• Drizeh vierzeh Triiber
• Föfzeh sechzeh Wiiber
• Sibezeh achzeh nünzeh zwänzg Appezeller Chatzeschwänz

PS Weiss jemand, wer oder was ein «Heltechs» ist?
walter.j.merz@gmail.com ist dankbar für Hinweise

(s. dazu auch im Beitrag von Joe Manser, Seite 36, rechte Spalte)
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