107 Die OPreMA - Deutsches Optisches Museum
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107 Februar 2019
AUSGABE
Die OPREMA Lolek & Bolek
1954 entstand bei Zeiss in Jena der erste Seit 55 Jahren begeistern sie mit
ostdeutsche Computer ihren Abenteuern
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DAS NATIONALE LIED
Ein Stück mit Chor
Premiere am 7. Februar 2019
www.theaterhaus-jena.deWillkommen 3
| inhalt | | vorwort |
Jena
Liebe
Leserinnen,
liebe Leser,
Sicher werden Sie mir da zustimmen:
Manche Dinge werden mit der Zeit einfach so
kompliziert, dass sie von einem Einzelnen, ja
selbst in der Gruppe nur noch unter erhebli-
chem Aufwand zu bewältigen sind — und es
auf allgemeine Erleichterung trifft, wenn dies
von einem Computer erledigt werden kann.
Anno 2019 dürfte dies sicher kaum noch ein
Problem von Bedeutung sein, noch vor gut
Die OPREMA 70 Jahren sorgte dessen Nichtvorhandensein
mancherorts jedoch für tüchtig rauchende
Köpfe — etwa bei Zeiss in Jena. Spezialisiert
auf die Herstellung von optischen Geräten
Wie man bei Zeiss 1954 den ersten ostdeutschen Computer erfand 14 stand hier zwar schon mehrere Jahrzehnte
lang auch die Produktion von Kameraobjek-
tiven auf dem Plan, Anfang der 1950er Jahre
war man jedoch an einem Punkt angekom-
men, wo es einfach jeden Zeitrahmen spreng-
te, dem Kollektiv an menschlichen ›Rechnern‹
all jene Berechnungen aufzubürden, die für
die Weiter- oder Neuntwicklung von Objekti-
ven notwendig waren. Materialeigenschaften
der Linsen gab es zu berechnen, ebenso deren
Verhältnis zueinander, zudem verschiedenste
Brechungen, Streuungen, Farbabbildungen
usw. genauestens durchzukalkulieren. Das
Problem: Der Computer als probates Hilfsmit-
tel der Wahl war zwar längst erfunden wor-
4 20 den — Stichwort: Konrad Zuse, 1941 — da ein
›Westprodukt‹ in der frisch gegründeten DDR
Interview mit Götz Alsmann 4 Das malerische Universum der jedoch nicht verfügbar. Was tat der findige
Ida Kerkovius 26 Zeissianer in seiner Not? Erfand den Compu-
TRAFO-Konzerte im Februar 5 ter kurzerhand neu — als programmgesteu-
Clevere Klimaschutz-Projekte gesucht 27 erten, vollautomatischen Relaisrechner, der
Air Waves im Glashaus 6 auf den Namen ›OPREMA‹ hörte, auch die
Ein Gespräch mit Kevin Richardson 28 kompliziertesten optische Berechnungen in
Premieren am Theaterhaus 8
Filme im Februar 29 Sekundenschnelle zu erledigen wusste und
John Garcia im F-Haus 9 der Objektiventwicklung im Hause Zeiss so
Neue DVDs 30 den ersehnten Schwung verlieh …
Mein liebstes Ding — Falls Ihnen dies jetzt zu schnell ging: Im
Historische Kostüme 10 Neue Bücher 31 Innenteil dieser Ausgabe können Sie die
Unnützes Wissen 11 Wir fragen, ihr antwortet 42 Entstehungsgeschichte dieses ersten funkti-
onsfähigen (und überdies begehbaren) Com-
Museum mit Wow-Effekt und puters auf ostdeutschem Boden in aller Ruhe
Aha-Erlebnis 12 nachlesen — und natürlich ebenfalls all das,
Kalender was uns sonst noch im Februar erwartet.
Ein Projekt zum Mitgestalten 19
Kulturkalender Februar 2019 32
Auge in Auge mit den Walen 20 Möge die ›Macht‹ des Computers mit
Filmempfehlungen Schillerhof Ihnen sein,
Die Geschichte von »Lolek und Bolek« 24 zum Herausnehmen 22 Ihr Stadtmagazin 07
07 — Das Stadtmagazin für Jena & Region Augen auf! 07 — Das Magazin für Gera & Ostthüringen4 September
Februar 2019
2012
| konzert |
Die Götz-Alsmann-Band war in
Paris, sie war am Broadway – und
jetzt? Jetzt geht die Jazz-musikali-
sche Reise nach Italien, in das Mut-
terland der Tarantella, der Canzone,
des mediterranen Schlagers. Das in
der tausendjährigen Stadt produ-
Foto: Fabio Lovino, Blue Note Germany
zierte neue Album »Götz Alsmann …
in Rom« schließt damit die Reise-
Trilogie ab. Wir sprachen mit ihm,
kommt er doch mit »… in Rom« am
8. März nach Erfurt.
Götz Alsmann
Paris, New York, Rom … Erfurt!
Hallo, Herr Alsmann, alles Gute noch zum ich das! Sie ist eine echte Erfurter Puffbohne!Sie sind mit Ihrer Band auf Tournee und
neuen Jahr. Wie und wo sind Sie — hoffent- Und nicht nur durch sie habe ich eine regel- kommen so auch nach Erfurt. Seit wann
lich gut — ins neue Jahr gekommen? rechte Freundschaft zu Erfurt entwickelt. Ich kennen Sie sich und arbeiten zusammen?
Götz Alsmann: Wir feiern Silvester komme seit 20 Jahren regelmäßig und es wa- Alsmann: Die Band ist ein Glücksfall. So
immer sehr privat, in gemütlicher Freundes- ren immer tolle Konzerte und natürlich mit etwas fällt einem nicht in den Schoß, auch
runde. Aber gleich danach ging es wieder los einem tollen Publikum! das muss man sich erarbeiten. Seit über 30
und ich hatte auch in diesem Jahr drei große Jahren spielen und arbeiten wir zusammen
ausverkaufte Neujahrskonzerte in Münster. »Zimmer frei« ist längst Geschichte, sind und jeder einzelne Musiker ist ein großartiger
Sie manchmal traurig darüber? Künstler. Und es gilt: Eine wirklich gute Band
Sie sind ja nicht nur ein begnadeter Musi- Alsmann: Es war eine tolle Zeit und ist mehr als die Summe ihrer Einzelteile.
ker, haben dafür etliche Auszeichnungen wenn man so was zwanzig Jahre gemacht
erhalten wie Echos, Goldene Stimmgabel hat, dann wird es Zeit für etwas Neues. Alle, Bei allem, was Sie tun — und das ist eine
German Jazz Awards usw. usf. Sie wurden die zu mir kommen und mir sagen, wie gerne ganze Menge — sind Sie auch noch pro-
auch zum »Brillenträger des Jahres« (2000) sie sich daran erinnern, beweisen mir damit: movierter Musikwissenschaftler und als
und als »Krawattenmann des Jahres« Man muss zum richtigen Zeitpunkt ausstei- Honorarprofessor in Münster tätig. Wann
(2004) sowie mit dem Münchhausen Preis gen. Ich weiß, dass das sehr schwer ist. Für haben Sie denn dafür noch Zeit?
der Stadt Bodenweiler geehrt. Wofür? Politiker, für Künstler, für alle. Alsmann: Wann? Tja, das muss man
Alsmann: Den Münchhausen-Preis gibt organisieren. Das übernimmt mein Manage-
es für Humor; er wurde schon an Journalis- Nun zur »Trilogie«, von der wir in Erfurt ment, dem ich genau dafür sehr dankbar bin.
ten, Komiker u.v.a. verliehen. Ein schöner den dritten Teil erleben: »… in Rom«. Sie
Preis.. Und »Krawattenmann« wollte ich waren davor in Paris (2011), dann in New Bei allem, was Sie machen, was davon tun
schon als kleiner Junge werden … Eigentlich York (2014) und zum Abschluss in Rom. Sie am liebsten?
bin ich nur Musiker geworden, damit ich täg- Wie geht es weiter? Könnte London eine Alsmann: Das, was gerade anliegt. Was
lich Krawatten tragen kann, um irgendwann Rolle spielen? gerade gefragt ist. Ob Rundfunk, ob Musik, ob
mal »K rawattenmann des Jahres« zu wer- Alsmann: Als Trilogie ist mit den drei als Moderator oder Entertainer, ob als Band-
den … Orten natürlich Schluss. Nein, London ist leader oder Dozent, alles ist toll.
nicht verlockend. Aber irgendwas Neues
Was glauben Sie, von wem haben Sie Ihre wird es geben nächstes Jahr. Mal sehen. In Sie kommen nach Erfurt am 8. März, das
Begabungen, sowohl die musikalische als diesem Jahr stehen erst einmal rund 80 Rom- ist der Internationale Frauentag. Wussten
auch die für Ihren ganz speziellen Humor? Konzerte an; es ist unser erfolgreichstes Pro- Sie das?
Alsmann: In unserer Familie gab es kei- gramm. Und auch hier gilt — wie für »Zim- Alsmann: Nein, es war mir jedenfalls
ne Musiker, aber eine große Musikbegeiste- mer frei« — man sollte aufhören, wenn es am nicht bewusst. Aber ich grüße an dieser Stelle
rung. Mein Vater hat mal in einer Tanzkapelle schönsten ist. alle Frauen und werde mir nur für sie beson-
gesungen und der Opa soll zu Kaisers Zeiten dere Mühe geben.
auf der Geige gefiedelt haben, aber ich habe Zu Ihren Städtereisen Rom — New York —
das nie erlebt. Ich vermute, dass ganz einfach Paris können Sie sicher viel erzählen. Ha- Danke fürs Gespräch
die Begeisterung aller Familienmitglieder für ben Sie mal an Buch/Bücher dazu gedacht? Interview: Sylvia Obst
die Musik auf mich übergeschwappt ist. Alsmann: Diese Städte sind toll, klar.
Aber wir waren nicht als Touristen dort,
Eigentlich kennt Sie (fast) jeder und jede sondern um zu arbeiten. Die Studios in die-
aus »Zimmer frei«, einer Fernsehsendung sen Weltstädten sind sehr teuer, da zählt jede Götz Alsmann und Alsmann-Band
mit Christine Westermann. Wissen Sie Stunde, Minute und Sekunde. Da bleibt ein- 08.03.2019, Alte Oper, Erfurt, 20 Uhr
übrigens, dass das eine Erfurterin ist? fach keine Zeit zum Sightseeing …
Infos und Karten: www.dasdie.de
Alsmann: Aber selbstverständlich weißFebruar 2019 5
| konzert |
Ganz gleich ob Vibraphon, Cello, Klavier, Geige,
Kontrabass, Gitarre oder Theremin. Im Februar liegt der
Fokus im Trafo fast ausnahmslos auf der innigen Bezie-
hung zwischen Musiker und Instrument. Den Anfang
macht Ausnahmeerscheinung Masayoshi Fujita, der an
diesem Abend von einem Cellisten begleitet wird. Allred & Broderick
Vibraphon trifft Theremin
Fotos: Erased Tapes / Patricia Haas / Jacob Romero / Powerline Agency / Jessica Knights
Nach seinen inter- Einst feierte Fabi- Josephine Foster ist eine Alchemistin,
national gefeierten an Altstötter mit der die ihre Karriere als Sängerin auf Hochzei-
Vorgängeralben setzt Band Sizarr Erfolge. ten und Beerdigungen begann und für die
Visionär Masayoshi Dann vollzieht sich Opernbühne bestimmt war. Bis heute fühlt
Fujita auch auf sei- ein Wandel, es ent- sich ihre Musik an, als sei sie aus der Zeit
nem neuen Album puppt sich ein weit gefallen. Verträumt und entrückt erzählt sie
»Book Of Life« seine gereifter Erzähler, aus Geschichten von Hoffnung und Verlust. Mini-
Mission fort, das Vi- Masayoshi Fujita Tanukichan Altstötter wird Jung- mal instrumentierte Songs, die gar nicht erst
braphon in den Mit- stötter. Ein seltsam versuchen, die Geschwindigkeit der moder-
telpunkt zu rücken. introvertiertes Pathos nen Welt zu erreichen
Entschlossen, über liegt der Musik inne, »Den Versuch zu unternehmen, die Luft zu
traditionelle Techni- die bedacht und fast zeichnen«, nennt Hekla das berührungslose
ken und Stile hinaus- zärtlich nach ihren Spielen des Theremins. Das Klangerlebnis
zugehen, präpariert Hörern greift. Ihre ist ebenso intensiv wie bizarr, Heklas zarte
Fujita sein Instrument Jungstötter Josephine Foster
Referenzen liegen in Stimme begleitet die breite Palette des Inst-
mit Metallstücken, der Schwere der Bad ruments bei ihren magischen Spaziergängen
Alufolie und anderen Objekten, tauscht Seeds, dem Schmerz Tuxedomoons, den alp- durch musikalische Grenzbereiche.(sha)
Schlägel gegen Cellobogen, stets auf der Su- traumhaften Songlandschaften Scott Wal-
che nach neuen klanglichen Möglichkeiten. kers, der Intensität Neil Youngs und der Zart- TRAFO-Konzerte im Februar:
Allred & Broderick ist das Projekt von Peter heit Marc Hollis’. 01.02.2019: Masayoshi Fujita
Broderick und seinem musikalischen Partner Da- Tanukichan ist das Soloprojekt von Han- 04.02.2019: Allred & Broderick
vid Allred. Ihr Album »Find The Ways« wurde nah van Loon aus der San Francisco Bay. Be-
05.02.2019: Tanukichan
in aller Abgeschiedenheit an der Küste Oregons reits in jungen Jahren mit klassischer Musik
aufgenommen und ist Zeugnis eines bemerkens- in Berührung gekommen, folgen auf Geige und 07.02.2019: Jungstötter
werten Experimentes. Zu hören sind lediglich Klavier bald Bass und Gitarre. Später experi- 21.02.2019: Josephine Foster & Hekla
die Stimmen der beiden, unterstützt von Geige mentiert van Loon mit Bluegrass und Jazz. Auf Konzertbeginn jeweils 20 Uhr
und Kontrabass. Kein Einsatz von Overdubs, ihrem Debütalbum »Sundays« treffen brütende
keine Bearbeitung, der allseits geforderten Gitarren auf den unangestrengten Gesang von Vorverkauf via TixforGigs, in der
Komplexität abschwörend, durch radikale Re- Loons, breiten sich im Hall aus und verschmel- Jenaer Bücherstube & im Radsport
Ritzel
duktion etwas Rohes und Ehrliches schaffend. zen in einer flirrenden Soundlandschaft.
Wir bleiben zuverlässig6 September
Februar 2019
2012
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Gefährdete Kunstgattung
Buchpräsentation im Kreativen Baubüro: Martin Maleschka widmet
sich in »DDR. Baubezogene Kunst – Kunst im öffentlichen Raum 1950 bis
1990« einer besonderen Facette der bildkünstlerischen Ausstattung ostdeut-
scher Stadtzentren und Wohngebiete.
Zur kulturellen Hinterlassenschaft der DDR Kunst. Kunst im öffentlichen Raum 1950 bis
gehört eine bemerkenswert große Anzahl 1990« entstanden. Maleschka hat dafür 120
an Kunstwerken im öffentlichen Raum. Ih- erhaltene Kunstwerke zwischen Ostsee und
rer Bestimmung nach waren sie nicht bloß Erzgebirge ausgewählt und in einen archi-
schmückendes Element, sondern hatten po- tekturhistorischen Kontext eingebettet. Sechs
litische Botschaften beziehungsweise ideali- Touren führen durch die neuen Bundeslän-
sierte Bilder einer von Grund auf neu zu ent- der. Sie begleiten die Leser zu meist figurati-
wickelnden sozialistischen Gesellschaft zu ven, aber auch abstrakten oder ornamentalen
vermitteln. Die von den Auftraggebern vor- Werken, zu Skulpturen, Reliefs, Mosaiken,
gegebenen Inhalte wurden durch die ausfüh- Malereien sowie Emaille- und Metallarbeiten.
renden Künstler oft auf individuelle Art und Ergänzende Exkurse von Thomas Topfstedt
Weise und unter Anwendung vielfältigster zur Entwicklung der baubezogenen Kunst in
Techniken in bemerkenswerte Kunstwerke der DDR und von Peer Pasternack zur Kunst-
umgesetzt. stadt Halle-Neustadt sowie ein Interview von
Heute sind viele dieser Arbeiten akut von Luise Rellensmann mit dem Autor vertiefen Wandgestaltung aus Natursteinmosaik von
Lothar Zitzmann
der Zerstörung bedroht. Der Cottbusser Archi- verschiedene Aspekte dieses kulturell bedeu-
tekt Martin Maleschka hat es sich zur Auf- tenden Teils der DDR-Geschichte. Ein Künst-
gabe gemacht, diese gefährdete Kunstgattung lerverzeichnis und Künstlerbiografien runden
fotografisch zu erfassen. Über die Jahre hat den Band ab und machen aus ihm nicht nur »DDR. Baubezogene Kunst — Kunst im
er die derzeit umfangreichste Bild-Dokumen- einen kundigen Begleiter zu den Kunstwer- öffentlichen Raum 1950 bis 1990«
tation von baubezogener Kunst der DDR auf- ken, sondern auch eine wertvolle Dokumen- Buchpräsentation mit Martin Maleschka
gebaut. Daraus ist die als Architekturführer tation der vom Verschwinden bedrohten kul- 22.02.2019, 18 Uhr, Kreatives Baubüro,
Stauffenbergstraße 10, 07747 Jena
konzipierte Publikation »DDR. Baubezogene turellen Denkmäler der DDR.
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Bescheiden und charmant
1. Jenaer sendet Air Waves ihre
Craftbeer
Wellen aus New York. Am
14. Februar empfängt das
Dinner
Foto: Ebru Yildiz
TAKESHIS 23. Glashaus im Paradies Live &
keller Feb in Farbe.
rotdattel 18 uhr Air Waves
BOCK
Geschmacksharmonien
Das »Salü – Genuss am Fluss« lädt zum 1. Jenaer
Raffiniert demontiert
Butter bei die Fische: Das neue Pendant in den synthetisierten
Craftbeer-Dinner. Album von Air Waves ist ein Oberflächen von in guter Erinne-
Wein zum Essen kennt eigentlich des »Salü« ist von Speisen aus al- großer Wurf. Seit einigen Jahren rung gebliebener 80er-Jahre Pop-
jeder. Dass auch Bier ein hervorra- ler Welt inspiriert — um lokal zu nun schon sendet Nicole Schneit musik. Was manchmal so klingt
gender Essensbegleiter sein kann, verführen. Beste Voraussetzungen, von der eher unprätentiösen Sei- als würde Thalia Zedek von Zoot
ist hingegen manch einem neu. um die Harmonie eines Menüs aus te Brooklyns und veröffentlichte Woman »gebackupt« werden,
Gleichwohl gilt es auch hier, bestes den Töpfen des Salü in Kombina- mit »Warrior« im vergangenen bleibt stets quirlig und repetitiv,
Essen mit gutem Bier oder auch tion mit vier wunderbaren Craft- Frühjahr ein weiteres Meis- hat fast durchgängig Radiopoten-
bestes Bier mit gutem Essen zu Bieren — zwei davon »Jade Wölfe« — terwerk intimer Betrachtung, tial und bricht trotzdem nie mit
kombinieren. Das »Salü – Genuss zu genießen. Reservierung vorab queerer Identitätsverhandlung dem alten Indie-Lippenbekennt-
am Fluss« und »Jade-Wölfe« aus wird empfohlen. und fragiler Pop-Entwürfe. Auf nis.(sha)
Berlin laden daher am 23. Februar magische Weise demontiert es
2019 zum 1. Jenaer Craftbeer-Din- schwere Themen, ist subtil, raffi- Air Waves
ner ein. Als Wanderbrauer nimmt 1. Jenaer Craftbeer-Dinner niert und zugleich ermächtigend
23.02.2019, 18 Uhr, Salü 14.02.2019, 20 Uhr,
Stefan Wolf von der Jade Wölfe – Genuss am Fluss, und tröstend. Über 11 Songs spielt Glashaus im Paradies
Brauerei klassische deutsche Bier- Burgauer Weg 1a, Jena sich Schneit frei vom Vokabular
stile und interpretiert sie durch gedämpfter Songwriter-Rhetorik, Vorverkauf via TixforGigs, in
Tel. 03641–5342120 der Jenaer Bücherstube & im
sorgfältig ausgewählte asiatische und findet mit ihrer leicht hei-
post@salue-im-paradies.de Radsport Ritzel
Zutaten vor Ort neu. Die Küche seren Stimme ein wunderbaresFebruar 2019
2012 7
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DRACHENKINDER
Familien - Info - Tag
Samstag 23.02.2019
13:00 - 16:00 Uhr
Ray Wilson
ab 4 Jahren!
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Ray Wilson, der Ex-Sänger von Genesis, präsentiert www.drachenkinder.de
am 22. März im Jenaer Volksbad die größten Hits der Tel: 0176 - 20100253
Bandgeschichte und seiner Solokarriere. Kampfkunsttempel, Löbstedter Straße 47b, 07749 Jena
Facettenreiche Songstrukturen us« und »Shipwrecked« sowie
aus der progressiven Rock-Ära beliebte Livesongs wie etwa
der Band sowie die Pop-Hits »The Dividing Line«, welches
der 1970er bis 1990er Jahre ver- durch das gewaltige Schlagzeug-
schmelzen zu den unterschied- solo und das gigantische Duell
lichsten Arrangements — eine der Lead-Gitarren heraussticht.
neue Dimension von Genesis, Dazu gehört natürlich auch der
ohne das die Songs ihren Origi- Titeltrack »Calling all Stations«,
nalcharakter verlieren. Garant welcher neben weiteren Genesis-
dafür ist die einmalige Stimme Klassikern wie »No Son of Mine«,
von Ray Wilson. Dessen inter- »Carpet Crawlers«, »Mama« und
nationale Musikkarriere begann eigenen Liedern seiner Solokarri-
1994 mit der Grunge-Sensation ere zum Besten gegeben werden.
Stiltskin, als er die Charts mit Ray Wilson, der vom »Clas-
dem Nummer-1-Hit »Inside« sic Rock Magazin« als einer der
stürmte. Der Song lief jahrelang erstklassigen Sänger Großbritan-
als weltweiter TV-Spot der Jeans- niens ausgezeichnet wurde, ist
firma »Levi’s«. 1997 wurde der bekannt für seine starke, über-
Schotte dann Mitglied der briti- aus charismatische Bühnenprä-
schen Rocklegende Genesis, wo senz und begeisternden Auftritte.
er Phil Collins als Sänger ersetzte. Seine Show verspricht ein einzig-
Mit dem gemeinsam produzier- artiges Konzerterlebnis für jeden,
ten Genesis-Album »Calling all der gute Live-Musik zu schätzen
Stations«, das ihn auf eine er- weiß.
folgreiche Stadion-Tournee durch
ganz Europa und Nordamerika Ray Wilson & Band
führte, erlangte er schließlich 22.03.2019, 20 Uhr,
Weltruhm. Volksbad Jena
20 Jahre nach der Veröffentli- VVK-Tickets:
chung dieses legendären Albums Tel. 03641-498300
präsentiert Ray Wilson auf sei- www.tickets.vibus.de
ner aktuellen Tournee hieraus www.eventim.de
die besten Stücke. Im Repertoire Touristinformation Jena und
hat er selbstverständlich alle an allen bekannten
Vorverkaufsstellen
Hits wie »Congo«, »Not about8 Februar 2019
| theaterhaus jena |
Foto: Michael Stocker
Lasst uns singen! v.l.n.r.: Mona Lunte (Regieassistenz »Das
nationale Lied«), Kerstin Lenhart (Regie »Sauce
Hollandaise«) und Cornelia Stephan (Kostüme
»Sauce Hollandaise«).
Es wird höchst musikalisch im Februar am Jenaer Theaterhaus! In der Aufführung »Das nationale Lied« be-
kommen die Zuschauer einiges an Liedern zu hören — und zwar mit Hilfe eines Chores. Und auch in der zweiten
Premiere des Monats geht es turbulent zur Sache — der ›teenpark‹, die Jugendabteilung des Theaterhauses, begibt
sich in »Sauce Hollandaise« auf Entdeckungstour durch die Niederlande.
Ein Chorabend am Jenaer Theaterhaus? So Wie lange hält diese Gemeinschaft dann noch Wieder zurück in der Heimat, möchten
was hat es noch nicht gegeben. Doch mit der an? die Pfadfinder in einer Präsentation ihre Er-
Premiere von »Das nationale Lied« am 7. Fe- Man darf auf Grund des sich vielleicht et- gebnisse vorstellen. Doch entwickelte sich
bruar wird nun auch diese kulturelle Lücke was sperrig anhörenden Titels nicht denken, Holland während ihrer Reise wirklich zum
geschlossen. Bevor sich das Regieteam jedoch dass die Inszenierung eine Auseinanderset- gelobten Land für die »Thüringer Truthäh-
an die Arbeit machen konnte, hatte es mit zung mit Liedern aus vergangenen Diktaturen ne«? Oder ist auch dort nicht alles Gold, was
unvorhergesehenen Anlaufschwierigkeiten ist. »Nein, denn darum geht es uns im Stück glänzt? Die Antwort geben uns berühmte
zu kämpfen: »Unser Plan war zunächst, so nicht«, so Mona Lunte. »Es dreht sich allein Holländer höchstpersönlich — von Rudi Carell
viele Jenaer Chöre wie möglich in das Stück um Lieder, welche sich im Laufe der Zeit in über Rembrandt bis hin zu Frau Antje werden
mit einzubeziehen. Das Interesse war von unser kollektives Bewusstsein gesetzt haben, die jungen Schauspieler in verschiedenste
vielen Seiten da — nur leider hatten die meis- aber außerhalb von Deutschland kaum be- Rollen schlüpfen und ihre eigene Präsentati-
ten keine Zeit«, so Mona Lunte, welche die kannt sind. Diese Lieder sind nicht politisch on kapern.
Regieassistenz der Inszenierung durchführt. geartet und können aus den verschiedensten Übrigens: auf dem YouTube-Kanal des
»Die Chöre sind mit ihren eigenen Proben und Genres stammen. Jeder kennt sie einfach — Theaterhauses Jena finden sich gleich zwei
Auftritten wirklich nahezu ausgebucht. Da ist und allein dies ist unser vereinendes Ele- Trailer zur Inszenierung — aufgenommen in
wenig Spielraum für Extraproben am Thea- ment.« den Niederlanden. Denn der ›teenpark‹ war
terhaus mit einem ganz anderen Repertoire Und welche Lieder werden in Jena zu hö- höchstpersönlich vor Ort und hat recher-
und anschließend auch noch sechs Abenden ren sein? Das wird noch nicht verraten — las- chiert. Auf die Ergebnisse kann man mehr
Aufführung.« sen wir uns überraschen! als gespannt sein. (mst)
Was also tun? Das Theaterhaus fand eine
kreative Lösung: »Wir haben kurzerhand Reise in die Niederlande
einen Aufruf gestartet und quasi unseren Auch in der zweiten Premiere des Februars
eigenen Theaterchor extra für das Stück ge- spielen die Niederlande, der Herkunftsort der
gründet«, lacht Mona Lunte. »Nun haben sich künstlerischen Leitung ›Wunderbaum‹, eine
um die 30 Sängerinnen und Sänger gefunden Rolle. Denn in »Sauce Hollandaise« vom Sorry Not Sorry: am 07.02. (Premiere),
— eine schöne Chorgröße für unser Stück.« ›teenpark‹ — der Jugendabteilung des Thea- 08.02., 09.02, 14.02., 15.02. und 16.02.
Doch worum geht es in »Das nationa- terhauses — macht sich die Pfadfindergruppe jeweils um 20 Uhr.
le Lied« eigentlich genau? Lieder haben die »Thüringer Truthähne« auf nach Holland.
Sauce Hollandaise: am 20.02. um 19
Kraft, Menschen zu vereinen. Ganz besonders Regisseurin Kerstin Lenhart: »In Thüringen
Uhr (öffentliche Probe) sowie am 22.02.
tritt das zutage, wenn sich mehrere Menschen läuft in den Augen der Pfadfinder nämlich (Premiere), 23.02., 25.02. und 26.02.
zusammentreffen und gemeinsam singen. Es so einiges schief. Also treten sie eine Reise in jeweils um 20 Uhr. Beide Veranstaltun-
entsteht ein intensives Gemeinschaftsgefühl unser Nachbarland an, welches sowieso bald gen finden im Theaterhaus statt.
— solange alle ein und dasselbe Ziel verfol- vom Wasser überflutet wird. Da sollte man
gen. Doch was passiert, wenn jemand von alles Gute schnell noch mitnehmen, bevor es Karten sowie weitere Informationen
unter: www.theaterhaus-jena.de
außen versucht, dieses Gefüge zu zerstören? zu spät ist.«Februar 2019 9
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Das perfekte Geschenk
Ex-Kyuss Frontmann John
zum Valentinstag:
Foto: Agentur
Garcia schaut mit seiner
Tickets sichern für BOSSE
»Band of Gold« im Jenaer
– am 17. März macht er
F-Haus vorbei. John Garcia & The Band of Gold
mit seinem neuen Album
»Alles ist jetzt« in Erfurt
Die Wüste bebt! Halt. BOSSE
Seit über zwei Dekaden setzt Album stieg sogar bis auf Platz
John Garcias Stimme 56 der deutschen Charts,
Wach und voller Energie
den Standard für den sein Nachfolger, das Stillstand ist nicht sein Jedes durchschwitzte
Sta
Stoner Rock-Sound verlostdtmagazin 07 Akustik-Best Of »The Ding. BOSSE strotzt Stadtma
gazin 07 Konzert Liebe. Von
fü r
der kalifornischen a m 07.02das Konzert Coyote Who Spo- vor frischen musi- BOSSE »A
verlost 1
³ CD außen gibt’s un-
.2
Wüste. Sein mu- F -H a us 1 ³ 2 Fre019 im ke In Tongues« kalischen Ideen, lles ist je
tz t«. ei ngesch rä n kte
Zusendu n ika rten . Zusendu n
g
sikalisches Wir-
zu m 05.0
gen bitte
bis
erreicht 2017 im- unnachahmli- zu m 20.0 en bitte bis Sympathie — für
ken als Genre- E-Ma il a n 2 .2 0 19 per merhin Platz 94. chem Wortwitz E-Ma il a n 2.2019 per eine bemerkens-
:
Gründer mit den :
stadtmag leserpost@ Am 7. Februar und bemerkens- stadtmag leserpost@ werte Künstler-
azin07.de Die Gewin
a zi n07.de
wegbereitenden Die Gewin wird Garcia im werter Tiefen- benachric ne r w er de karriere, fernab
benachricner werden schrift htigt. Der n schriftlich
Kyuss spricht für htigt. Der Re
is t ausges
lic
chtsweg h Jenaer F-Haus sein schärfe in seinem is t ausges Rech
chlossen.tsweg von Eitelkeiten und
chlossen.
sich, aber auch seine komplettes neues So- Blick auf die Dinge. Starallüren.
nachfolgenden Projek- lo-Album plus ein Gre- BOSSE wirbelt auf.
te Slo Burn, Unida, Hermano atest Hits-Programm zum Künstlerisch, thematisch,
BOSSE — »Alles ist jetzt
und Vista Chino haben seinen Ruf Besten geben. Tickets sichern! emotional. Mit Hüftschwung und
2019«
als Ausnahmesänger weiter ge- (flb) Haltung. Mit Leichtigkeit und Bo- 17.03.2019, Thüringenhalle
festigt. Seit seinem erstem selbst- denhaftung. »Alles ist jetzt«, sein Erfurt
betitelten Solo-Album 2014 ist der John Garcia & The Band neues Album, ist modern, hell
US-amerikanische Rocksänger of Gold und klar — und ganz oben in den Tickets sichern unter:
Support: Dead Quiet www.eventim.de, www.
auf sich selbst gestellt und nicht deutschen Albumcharts.
07.02.2019, 20 Uhr, F-Haus, undercover.de oder an allen
minder erfolgreich unterwegs BOSSEs Antrieb: Jeder Schritt
Jena bekannten Vorverkaufsstellen
als zu besten Kyuss-Zeiten: Das nach vorne setzt Energie frei.10 Februar 2019
| mein liebstes ding |
Fotos: Sabine Weiß / Fotozentrum der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Wenn Sie mitten in Jena auf eine in
historischen Gewändern gekleidete
Dame treffen, stehen die Chancen
ziemlich gut, Sabine Weiß vor sich zu
haben. Denn die selbstständige Gäs-
teführerin bietet Kostümführungen
passend zu geschichtlichen Gegeben-
heiten der Saalestadt an. Das Beson-
dere: mit großer Leidenschaft näht
sie alle ihre Kleider selbst – auf einer
gut 100 Jahre alten Nähmaschine.
Das WWWW der Liebhaberin:
Sabine Weiß als Elise Abbe — natürlich in Wer: Sabine Weiß
einem selbstgenähten Kostüm
Was: Historische Kostüme
Seit wann: Nähen schon immer,
Eine etwas andere historische Kostüme
seit ihrer Tätigkeit als
Stadtführerin
Stadtführung Wo: Jena
»Zugegeben, ich musste mich schon etwas auch hinbekommen. Da war ich immer sehr Kleidungsstücke für sich und ihre Familie
überwinden, das erste Mal in einem histo- erstaunt und wollte es ihr natürlich irgend- selbst entworfen und genäht — und dabei
rischen Kostüm durch die Stadt zu laufen«, wann nachmachen.« spaßenshalber auch einmal an einem Wett-
schmunzelt Sabine Weiß. »Aber ich dachte Die Großmutter hat Sabine Weiß auch bewerb teilgenommen. »1993 war das. Ich
mir: Augen zu und durch! Und wenn jemand ihre Nähmaschine vermacht — eine mittler- präsentierte ein selbst genähtes Abendkleid
Interesse daran hat, warum ich so durch die weile gut 100 Jahre alte Apparatur der Marke und für meinen Sohn hatte ich Jacke und
Stadt laufe, dann kann man mich ja einfach ›Singer‹ mit klassischem Fußantrieb. »Die Hose angefertigt, alles in einer Farbe. Und tat-
darauf ansprechen.« Maschine funktioniert tadellos und arbeitet sächlich haben wir damit Preise eingeheimst,
Doch der Reihe nach: Sabine Weiß ist seit ganz wunderbar«, weiß die Stadtführerin so schlecht konnte das also nicht sein«, lacht
2006 zertifizierte Stadtführerin. »In dieser zu berichten. »Sie schafft auch ohne elekt- die Stadtführerin. »Aber irgendwann war es
Zeit bot die Stadt Jena einen Kurs zur Aus- rischen Motor dicken Stoff und ist natürlich damit vorbei. Meine Söhne wollten, je älter
bildung von Gästeführern an. Das konnte ich ein ganz besonderes Erinnerungsstück für sie wurden, verständlicherweise die selbst-
mir zunächst gar nicht vorstellen, weil ich bis mich. Ich habe zwar auch noch eine elektri- genähten Sachen nicht mehr anziehen. Den
dahin selten vor fremden Leuten gesprochen sche Nähmaschine aus DDR-Zeiten, aber die- Spaß am Nähen habe ich dadurch jedoch
habe. Ich habe mich trotzdem angemeldet se kommt nur ganz selten zum Einsatz. Eine nicht verloren und es auch nicht aufgegeben.
und dann schnell gemerkt, was Jena für eine ganz moderne Nähmaschine brauche und Und so bin ich auch auf Grund der Umstände
interessante Stadt ist. Was hier alles passiert besitze ich gar nicht.« meines beruflichen Werdeganges auf die his-
ist, was man alles erzählen kann — das ist torischen Kostüme gestoßen.«
ganz großartig! Denn auch als Einheimische
wusste ich viele Dinge noch gar nicht. Schnell Genäht wird meist im Winter
hat sich bei mir eine Begeisterung für das Ent- Wo findet Sabine Weiß denn die Vorlagen
decken der Historie der Stadt entwickelt, wel- für ihre Kostüme? »Es gibt sowohl in alten
che bis heute anhält.« als auch in neuen Publikationen viele Schnit-
Im Unterschied zur Leidenschaft für die te und Muster, an denen man sich orientieren
Geschichte wurde das Nähen Sabine Weiß kann. Aber das ist nicht für jedes Kostüm
von klein auf in die Wiege gelegt. »Meine der Fall — und da hilft mir das Internet. Ich
Großmutter und auch meine Mutter haben schaue bei historischen Gemälden und Zeich-
immer viel genäht und uns mit Kleidung nungen, wie die Menschen sich gekleidet
versorgt. Ich kann mich erinnern, dass ich haben und entwickle daraus meine eigenen
In historischer Aufmachung während
als Kind meiner Großmutter Skizzen mit einer Stadtführung
Entwürfe.« Die Anfertigung eines Kostüms
Kleidern angefertigt habe und zu ihr sag- dauert allerdings seine Zeit. »Meist nutze ich
te, dass ich es genau so haben möchte. Und Zunächst hat Sabine Weiß ganz in der dafür die Wintermonate, da ist als Stadtfüh-
das hat sie trotz der kindlichen Zeichnungen Tradition von Mutter und Großmutter viele rerin auf Grund der Witterung leider immerFebruar 2019 11
| wissen |
Hätten Sie’s
weniger zu tun als in den wärmeren Jahres-
zeiten. Aber das ist natürlich gleichzeitig eine
gute Gelegenheit, neue Kleider zu nähen.«
gewusst?
Mit ihrem ersten historischen Kostüm hat
sich Sabine Weiß zum Beispiel in die Zeit um
das Jahr 1800 begeben: »Hochgezogene Tail-
le, Puffärmel, lange Handschuhe, das war
damals ziemlich en vogue. Der Schnitt war —
bis auf den von mir benutzten Samt, der doch Nützlich wie ein Schokoriegel für
recht schwierig zu nähen ist — relativ einfach Zwischendurch: Stadtmagazin 07 verbreitet
und somit ein guter Einstieg in die Welt der
historischen Kostüme.« Zudem achtet sie auf unnützes Wissen. Bitte miteinander teilen
die Verwendung von Stoffen, die auch zur und schmecken lassen!
Zeit der jeweiligen Mode verwendet wurden.
»Das macht es noch authentischer für mich,
sowohl beim Nähen als auch bei den Führun- 909 Müsli schreibt man in
gen.«
Stadtführungen — ob nun mit oder ohne der Schweiz Müesli.
Kostüm — sind für Sabine Weiß immer noch
etwas ganz Besonderes: »Man lernt ständig 910 Doga ist eine Form des Yogas, bei der Hunde entweder als
neue Menschen kennen, erlebt viele Din- Requisite verwendet werden oder selbst Übungen durchführen.
ge und hat mittlerweile auch schon einiges
an Anekdoten angehäuft.« So hat sich zum
Beispiel der Besuch eines Philosophieprofes-
911 Krokodile können nicht kauen.
sors aus Sapporo in Japan bei Sabine Weiß
eingeprägt. »Dieser war zum ersten Mal in 912 In Bulgarien leben 55,7 Prozent der 25- bis 34-jährigen bei
Jena und nannte die Stadt auf Grund der den Eltern.
großen Anzahl der Philosophen, welche
hier tätig waren, sein persönliches Mekka. 913 Den Berechnungen eines britischen Anthropologen zufolge
Er war begeistert von den Orten, die in Jena
zu entdecken sind. Und wir haben natürlich hat ein Mensch einen durchschnittlichen Nährwert von 125.822
auch einen Ausflug nach Weimar zu Goethes Kilokalorien.
Wohnhaus gemacht — der Professor war solch
ein glühender Verehrer, dass er sogar die Stu- 914 Wenn Beethoven komponierte, schüttete er sich stets etwas
fen hinauf zu Goethes Wohnung mit einem
Maßband vermessen hat«. Das Vermessen Eiswasser über den Kopf.
hatte aber einen Grund: Die Bauweise der
Treppenstufen war für ihre Zeit einmalig in 915 Neun-H ist der härteste Bleistiftgrad.
Deutschland, der Dichter hatte sie von seiner
großen Italienreise mitgebracht. »Das wusste 916 Michael Jackson hat 1993 ein Patent auf eine Illusion zur
ich damals auch noch nicht. Als Professor hat
mein Gast das natürlich genau untersucht«,
Überwindung der Schwerkraft angemeldet.
schaut Sabine Weiß freudig zurück. »An sol-
che Begegnungen erinnert man sich allzu ger- 917 Wer ein Kilogramm abnehmen will, muss im Durchschnitt
ne. Das macht meinen Beruf so liebenswert.« 7.000 Kalorien verbrennen.
Sabine Weiß bietet aber nicht nur Stadt-
führungen in historischen Gewändern an, zu 918 Bis 1984 war Australiern der Geschlechtsverkehr mit Kän-
denen sie sich immer eine eigene Geschichte
der dargestellten Charaktere einfallen lässt. gurus bei Strafe untersagt. Nur wer nachweisen konnte, dass er
Ihr Angebot ist vielfältig und thematisch währenddessen betrunken war, ging straffrei aus.
breit gefächert. Von allgemeinen Rundgän-
gen zu 500 Jahren Stadtgeschichte, der Be- 919 Die Stoffwechselerkrankung Trimethylaminurie führt dazu,
schäftigung mit den großen Jenaer Tüftlern
Carl Zeiss und Otto Schott bis hin zu Reise- dass die Betroffenen nach altem Fisch riechen.
begleitungen in das Jenaer Umland reicht ihr
Spektrum. Ob für eine Familie oder eine gan- 920 Brachet ist der alte deutsche Name des Monats Juni.
ze Reisegruppe, ob kurze oder ausgedehnte
Führungen in deutscher oder in englischer 921 Liberia, Myanmar und die USA sind die einzigen Länder auf
Sprache — Sabine Weiß hat für alle etwas im der Welt, die kein metrisches System verwenden.
Angebot.(mst)
922 Der Staat Vatikanstadt weist die weltweit geringste Geburten-
Weitere Informationen zu Sabine Weiß rate aller Staaten auf.
und ihren Führungen sind zu finden
unter: www.jena-stadtfuehrung.de12 Februar 2019
| optik |
Optikgeschichte interaktiv
(be)greifbar machen und mit neu-
ester Forschung und Wissenschaft
verknüpfen: Nach Schließung Mitte
2019 und zweieinhalb Jahren Umbau
soll das »Deutsche Optische Muse-
um« (D.O.M.) zu einem überregiona-
len Anziehungspunkt werden. Über
eine Stiftung tragen Zeiss AG, Zeiss-
und Abbe-Stiftung, die Universität
und die Stadt Jena das Vorhaben.
Blick auf das »Deutsche Optische Museum« (D.O.M.)
Museum mit Wow-Effekt
und Aha-Erlebnis
»Per aspera ad astra« — »Über raue Pfade zu Da sind etwa ein über medizinischen Diagnos-
den Sternen.« Wenn Prof. Dr. Timo Mappes 300 Jahres altes, silber- tik oder der Laserherstel-
im fast 100 Jahre alten Hörsaal des Optischen nes Augenmodell, ein lung. Oberstes Prinzip:
Museums am Zeiss-Platz seine Vorlesung zu kunstvolles Schmuckte- Überraschungseffekt und
»Meilensteinen der Optik« hält, hat er auf leskop Napoleons oder nachhaltige Wissensver-
der Wand ihm gegenüber eine Weisheit des ein Prunkmikroskop mittlung sollen an den
Philosophen Seneca vor Augen. Beinahe zu- des Pariser Ingenieurs Stationen stets Hand in
mindest. Denn unter der Übermalung zum Magny von 1751, das nur Hand gehen.
Vorschein gebracht, ist bisher bloß das »P«. ein Dutzend Mal und für Einblicke in Fülle,
Der Restaurierungsfund, der sich alten Fotos Herrschaften wie »Son- Qualität und Details der
verdankt, ist eine Art Vorbote für den Umbau nenkönig« Ludwig XV. Sammlung werden künf-
des Hauses, an dem der Optikexperte seit hergestellt wurde. Und tig hingegen ein Schau-
über einem halben Jahr gemeinsam mit ei- wer weiß schon, dass depot und regelmäßige
nem engagierten Team tüftelt. sich unter den fast 4.000 Prof. Dr. Timo Mappes S o nde r au s s te l lu n g e n
Seit Juli 2018 in Personalunion Univer- Brillen der Sammlung bieten. Gemeinsam mit
sitätsprofessor und Gründungsdirektor des auch Sehhilfen von Hölderlin, Virchow und interessanten Vorträgen im dann bauzeitlich
D.O.M. soll es unter seiner Ägide zu einem Helmut Kohl befinden? rekonstruierten Hörsaal sollen sie zum mehr-
»Leitmuseum der Optik« und »Schaufens- Unter der Devise »Mehr Platz für weniger, maligen Museumsbesuch und so deutlich
ter der Optikforschung« mit internationaler dafür relevante Exponate« wird deshalb das über 50.000 Gäste im Jahr ins D.O.M. locken.
Ausstrahlung werden. Größtes Faustpfand: D.O.M. auf 1.500 Quadratmeter Ausstellungs- Eine gehörige Schippe drauflegen will man
eine weltweit einzigartige Optiksammlung, fläche zulegen. In deren Mittelpunkt werden deshalb auch im Service. Neben einem aus
die 20.000 Objekte zählt, seit Jahren aber im künftig Mitmachstationen stehen, an denen Gründen der Barrierefreiheit dringend benö-
Dornröschenschlaf schlummert. die Besucher die physikalischen Grundla- tigten neuen Eingang, wahrscheinlich an der
Um sie wachzuküssen, steht dem 1924 als gen der Optik selbst erkunden, begreifen Ostseite des Hauses, soll es auch einen Muse-
Optikerschule erbauten Gebäude ab Mitte und neue Technologien in ihrer Anwendung umsshop und ein Café geben, das sich Timo
des Jahres eine Komplettsanierung ins Haus: verstehen können. Wie das aussehen kann? Mappes nicht nur als verdientes Verschnauf-
Dieser bedürfen jedoch nicht nur Wasser und Indem man etwa das Farbspektakel, das Blü- plätzchen für Ausstellungsbesucher vorstel-
Elektrik. Bitter Not tut vor allem ein neues Mu- ten unter ultravioletter Strahlung für Insek- len kann. In den Abendstunden in eine Art
Fotos: Andreas Klossek / Anne Günther, FSU Jena
seumskonzept. »Zu text- und objektlastig, we- ten entfachen, sichtbar macht und den Bogen Businesslounge verwandelt, könnte das Café
nig Interaktives, die Texte nur auf Deutsch«, weiter von den Entdeckungen des UV-Lichts zu einer deutlichen Belebung des Carl-Zeiss-
benennt Timo Mappes zentrale Mankos der und der Fluoreszenz zur Hochleistungsmikro- Platzes beitragen.(akl)
jetzigen Präsentation, die aus dem Jahr 1996 skopie von heute spannt.
stammt. Auf 700 Quadratmetern rangeln bis- Oder 170 Jahre alte Experimente des Deutsches Optisches Museum
her 2.000 Ausstellungsstücke um die Gunst Schweizers Colladon zur Umlenkung von Carl-Zeiss-Platz 12
des Besuchers, dem das Übermaß an Objek- Licht durch Wasserstrahlen effektvoll ins Dienstag bis Freitag: 10–16.30 Uhr
ten leicht über den Kopf wächst. Highlights Szene setzt und anschließend zeigt, wie sich Samstag / Sonntag: 11–17 Uhr
unter den Exponaten bleiben so auf der Stre- die moderne Glasfaser-Optik unserer Tage
des Lichtleiter-Prinzips bedient — etwa in der www.deutsches-optisches-museum.de
cke und sollen nun ins rechte Licht rücken:Februar 2019 13
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Februar 2019
2012
| historie |
Die OPREMA: erste funktionstüchtige digitale Rechenmaschine in der DDR und zugleich das Herzstück des ersten ostdeutschen Rechenzentrums
Ein ›Großrechner‹ made in Thüringen
Aus der Not(Wendigkeit) heraus entstanden, von gigantischen AusmaSSen und mit Abertausenden von
klackernden Relais bestückt erledigte sie hochkomplexe Aufgabenstellungen gewissenhaft und bin-
nen weniger Sekunden: Die vor 65 Jahren bei Zeiss in Jena konstruierte ›Optische Rechenmaschine‹ war der erste
auf ostdeutschem Boden entstandene Computer.
D
as Ende des Zweiten Welt- lers ohnmächtigen Befehl der hatte, verkündete die sofortige, insbesondere auch eines Groß-
kriegs läutete für den Jena- »Verbrannten Erde« umsetzen nahezu komplette Demontage ih- teils seines wissenschaftlichen
er Zeiss-Betrieb die wohl würden und das Werksgelände res Werks. Personals beraubt, war der
beschwerlichste Episode der sprengte, kaum hatte man sich Mehr als 270 Techniker und Zeiss-Betrieb im Sommer 1947 zu
Unternehmensgeschichte ein. Da schließlich von dem Schock er- Mitarbeiter aus den Entwick- einem Kernbetrieb zusammenge-
sich die optischen Werkstätten holt, dass die amerikanischen lungs- und Fertigungsabteilungen schrumpft, dem nichts anderes
während der Kriegsjahre insbe- Truppen, die am 13. April 1945 in wurden umgehend mitsamt Fa- blieb als aufzugeben — oder den
sondere auch mit der Entwick- der Stadt einrückten, im Rahmen milien und Hausrat per Sonder- Neuanfang zu wagen.
lung und Herstellung von Geräten einer »Carl-Zeiss-Werk-Mission« zug in die Sowjetunion verfrach-
befasst hatten, die in militäri- getauften Operation neben den tet, das Zeiss-Werk selbst zudem Fortschritt
schen Bereichen Anwendung fan- wichtigsten Konstruktionsbü- binnen weniger Monate von der u numgänglich
den — wie etwa die Entwicklung chern und Patenten, der 2.000 Drehbank bis zur Kloschüssel Mit Erlaubnis der Sowjeti-
automatisierter Flugzeugzielgerä- Stück umfassenden, überaus fast zur Gänze demontiert und bis schen Militäradministration be-
te, stand der Betrieb ganz oben kostbaren Zeiss-Objektiv-Samm- zum nachfolgenden Juni in mehr gann man nach und nach Teile
auf der Zielliste der Luftangriffe, lung und verschiedenen Pro- als 7.000 Eisenbahnwaggons gen des innerstädtischen Werksge-
die im März 1945 von den alli- duktionsgerätschaften auch 200 Osten abtransportiert. Lediglich ländes neu einzurichten. Gemäß
ierten Kräften auf Jena geflogen Wissenschaftler aus den eigenen sechs Prozent der vorhandenen der nunmehr gültigen Losung
wurden. Kaum waren die Bom- Reihen in den Westen bzw. in Zeiss-Fertigungsanlagen wurden »Friedensproduktion in Friedens
bardements überstanden — das die USA verbracht hatten, ereil- verschont — damit man vor Ort qualität« fertigte man in der
Zeiss-Werk wie auch die angren- te die gebeutelten Zeissianer am Reparationsaufträgen nachkom- Folge zunächst ausschließlich
Fotos: ZEISS Archiv
zende Altstadt trugen erhebliche 22. Oktober 1946 die ultimative men könne. Seiner Konstruk- traditionelle Zeiss-Produkte wie
Schäden davon, kaum war das Hiobsbotschaft: Die Sowjetische tions- und Fertigungsunterlagen, etwa Mikroskope, Brillen, Ka-
Schreckensszenario abgewandt, Militäradministration, die die Laboratorien, Produktionsge- meraobjektive und Feinmessge-
dass Wehrmachtstruppen Hit- Amerikaner in der Stadt abgelöst rätschaften und -anlagen sowie räte. Experimente mit Neu- oderFebruar 2019 15
Weiterentwicklungen hingegen deutschen Optik-Konkurrenten
wurden vorerst hintenan gestellt. Leitz in Wetzlar längst digitale
Nachdem der Wiederaufbau Rechenautomaten zum Einsatz
des mittlerweile in einen »Volks- kamen, trat man in Jena auf der
eigenen Betrieb« der DDR umge- Stelle: Ein Import aus dem Wes-
wandelten Zeiss-Werks Anfang ten kam nicht in Frage, eine Ei-
der 1950er bereits recht weit ge- genentwicklung wiederum setzte
diehen war, gelangte man aller- entsprechende Spezialisten vor-
dings allmählich zu der Einsicht, aus — die jedoch nicht da waren.
dass es nicht ausreichen würde, Zwar war ein Großteil der 1946 in
das Werk lediglich wieder in die Sowjetunion entführten Tech-
den alten Zustand zu versetzen niker und Wissenschaftler nach
und die gleichen optischen Ge- Ableistung ihrer ›Entwicklungs-
rätschaften zu produzieren wie arbeit‹ mittlerweile wieder in die
eh und je. Schon allein, um sich Heimat zurückgekehrt, doch aus-
am Markt behaupten zu können gerechnet jene Spezialisten, von
und den Anschluss an die stetig denen man sich hier am ehesten
fortschreitende technologische Abhilfe erhoffen konnte, steck-
Dr. Herbert Kortum Dr. Wilhelm Kämmerer
Entwicklung zu behalten, erwies ten noch auf der »Insel des Ver- (1907 — 1979) (1905 — 1994)
es sich als unumgänglich, Vor- gessens« fest. Zu diesen gehörte
aussetzungen für Innovationen auch Herbert Kortum, der Leiter Die Geburtsstunde che Fördersumme von einer Mil-
zu schaffen. Ebenso, weil viele eines Entwicklungsbüros bei der OPREMA lion Mark bewilligt bekommen
der feinmechanisch-optische Vor- Zeiss. Dieser hatte sich bereits Wie es sich zeigte, waren hatte, wurde das Projekt sofort in
haben, die nun ins Augen gefasst 1944 eingehender mit der Idee zumindest Kortum und Kämme- Angriff genommen. Bis Silvester
wurden, schlichtweg eines viel befasst, einen programmgesteu- rer während ihrer Robinsonade 1954 w/sollte man die OPREMA
zu großen zeitlichen und perso- erten Rechenautomaten für die nicht gänzlich untätig. Auf regel- fertiggestellt haben — als Zwil-
nellen Aufwands bedurften. Ge- umfassenden Optikberechnun- mäßigen Strandspaziergängen lingsmaschine mit zwei identi-
rade bei der Entwicklung neuarti- gen zu bauen. Eine Umsetzung über ihre »Insel des Vergessens« schen Relaiscomputern, die, wie
ger Optiken zeigte sich, wie sehr der Idee hatte jedoch zunächst diskutierten sie die theoretische Kortum es in seinem Projektan-
man der Zeit hinterherhinkte. Für der Zusammenbruch des Dritten Machbarkeit verschiedener op- trag beschrieb, »parallel zueinan-
das 1953 fertiggestellte, sechslin- Reichs und danach die Zwangs- tischer Weiterentwicklungen der laufen und dabei ihre Ergeb-
sige Fotokamera-Objektiv »Flek- verpflichtung durch die Sowjets daheim in ihrem Zeiss-Entwick- nisse stets selbst kontrollieren, so
togon 2,8/35mm« bedurfte es verhindert, welche ihn genauso lungslabor — unter anderem und daß ein Versagen sofort erkannt
beispielsweise mehrerer Tausend wie den Mathematiker Wilhelm ohne zu ahnen, dass man eben wird.«
einzelner Rechenoperationen, die Kämmerer, einen seiner engsten dort im fernen Jena sich etwas Um das vereinbarte Zeitziel
von mehreren Dutzend mensch- Mitarbeiter, zur ausführlichen derartiges mit zunehmender erreichen zu können, wurde der
lichen ›Rechnern‹ in tagelanger ›Wissensweitergabe‹ mit nach Dringlichkeit herbeiwünschte von Wilhelm Kämmerer geleite-
Arbeit händisch vorgenommen Moskau nahmen. Aufgrund ihrer auch die Möglichkeit eines pro- te Mitarbeiterkreis, der anfangs
worden waren — und dies ledig- Fachkenntnisse wurden sowohl grammgesteuerten, digitalen aus acht Mathematikern und
lich, um die Optik ein einziges Kortum als auch Kämmerer und Rechenautomaten. Mehr als eine Ingenieuren bestand, im Lau-
Mal durchzurechnen. Und es war eine ganze Anzahl weiterer Spe- im Geiste gefasste Skizze eines fe des Jahres auf 250 Personen
abzusehen, dass zukünftige Ob- zialisten nach Ablauf der ver- solchen Computers war es dann aufgestockt. Emsig wurde über
jektive noch komplizierter aufge- einbarten fünf Jahre nicht sofort zwar nicht, die die beiden Zeis- Monate hinweg getüftelt und
baut sein würden. nach Hause geschickt, sondern sianer nach ihrer ›Entlassung‹ im gerechnet, entwickelt und kon-
für weitere eineinhalb Jahre auf November 1953 wieder mit nach struiert, wurden Kabel gezogen,
Fehlende Spezialisten eine von der Außenwelt isolierte Jena zurückbrachten, den Auf- Relais gesteckt, Lötstellen ange-
1953 — zwölf Jahre nach der Insel im Seliger-See nordwest- trag, in Eigenregie und innerhalb bracht und Stecktafeln entwor-
Erfindung des ersten funktions- lich von Moskau verbannt. Man möglichst kurzer Zeit eine Opti- fen. Tatsächlich wurde die OPRE-
fähigen Computers durch Konrad hoffte, dass die Wissenschaftler sche Rechenmaschine (OPREMA) MA pünktlich zum 31. Dezember
Zuse — gab es natürlich längst in ihrer dortigen Quarantäne zu konstruieren, hatten sie den- 1954 fertiggestellt. Sie entpuppte
eine Alternative, mit der sich den Anschluss an aktuelle For- noch wenig später auf dem Tisch. sich als ein wahres Monstrum
deren Berechnung erheblich ver- schungsstände verlieren und da- Nachdem man sich beim Mi- von Computer, gegen den sich
kürzen ließ — allerdings nicht in mit auch für niemanden anders nisterium für Maschinenbau die die von Konrad Zuse entworfe-
der DDR. Während beim west- mehr von Interesse sein würden. Erlaubnis geholt und die staatli- nen Rechnermodelle geradezu »16 September
Februar 2019
2012
» handlich ausnahmen: Auf einer rationen anbelangte: Die OPRE- Rechner betrieb und, da eine
Grundfläche von 55 Quadratme- MA benötigte für gewöhnliches große Nachfrage bestand, auch
tern hatten Kämmerer und sei- Multiplizieren oder Dividieren für Berechnungen von Aufga-
ne Mitarbeiter insgesamt 17.000 eine knappe Sekunde während benstellungen aus optikfremden
Relais und 90.000 Gleichrichter das Zuse-Modell dies in einer Bereichen zur Verfügung stellte —
in der Anlage verbaut, 500 Kilo- Dreiviertelsekunde zu erledigen etwa für das Bauwesen oder die
meter Kabelleitungen verlegt und wusste. Kernforschung. Was den eigenen
geschätzte eine Million Lötstellen Optik-Forschungsbereich betraf,
gesetzt. Alle Relais — ein Relais Zurück zur Weltspitze konnte Zeiss dank der OPREMA
entsprach einem Bit — waren in Diesen Wimpernschlag an nicht nur endlich all die kompli-
breiten Bändern entlang der 73 technologischem Vorsprung zierten Objektivkonstruktionen
Meter langen Außenfronten an- wusste man bei Zeiss indes fürs angehen, die schon lange auf
geordnet worden, während die erste recht locker hinzunehmen: der ›Wunschliste‹ standen, son-
Verschaltungen der Rechenappa- Die binnen eines Jahres entwor- dern keine 15 Jahre, nachdem das
ratur selbst geschützt im Innern fene und konstruierte OPREMA Unternehmen von den Sowjets
der Anlage lagen, die übrigens funktionierte auf Anhieb — das fast bis auf die letzte Maschine
durch eine Tür betreten werden war es, worauf es ankam. Denn demontiert worden war, auch
konnte. hinsichtlich der zu bewältigen- allmählich wieder zur Spitze der
Blick auf das Innenleben
Im Kontrast zu ihren wuch- den optischen Berechnungen be- der OPREMA führenden Optik-Hersteller auf-
tigen Ausmaßen hatte die OP- wirkte der Zeiss-Rechner einen schließen — wo es sich bis heute
REMA einen Strombedarf von Quantensprung, konnte dieser Eher unerwartet stand zusätz- zu behaupten weiß. Zur Erinne-
gerade einmal 30 Watt. Zuses doch zuverlässig, ohne zu ermü- lich zu diesem enormen Zeitge- rung an das ›wundersame Wir-
handlicher »Z5«-Computer, der den und in einem Bruchteil der winn alsbald sogar die doppelte ken‹ der OPREMA befindet sich
als aktuelles Topmodell bei der sonst notwendigen Zeit die Ar- Rechenleistung zur Verfügung: heute auf dem Jenaer Uni-Cam-
Konkurrenz in Wetzlar seiner beit all jener ersetzen, die sonst Es hatte sich herausgestellt, dass pus eine Gedenktafel — gleich
Rechenarbeit nachging, bedurf- mit rauchenden Köpfen über die ursprüngliche OPREMA-Zwil- gegenüber von jenem einstigen
Foto: ZEISS Archiv
te hierfür der fast 170-fachen Tage und Wochen hinweg all die lingsanalage wirklich absolut Bau 13a des Zeiss-Hauptwerks,
Menge — war dafür jedoch einen Zahlenkolonnen zusammenrech- fehlerfrei arbeitete, woraufhin in dem die gigantische Rechen-
Zacken schneller, was die Aus- neten, die bei der Entwicklung man diese fortan als zwei unab- maschine einst mit ihren Relais
führung einzelner Rechenope- von neuen Optiken anfielen. hängig voneinander arbeitende klapperte.(mei)
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