Effi zient reparieren Flächenfräse - Baugewerbe Magazin
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101. Jahrgang | Einzelpreis: 21 €
Flächenfräse 12 \ 2019
Effizient
reparieren
BAU BAUMASCHINEN MANAGEMENT
Nachhaltig bauen Manitous Allrounder im Sichtbarer werden und
mit perlitverfüllten Wintereinsatz Fachkräfte finden mit der
Poroton-Ziegeln Google-for-Job-Box
Maschinen-Tracking:
Brandschutzputz für den Überblick behalten IT am Bau: ABE_Award
Hamburger Bieberhaus mit CareTrack für neue GeschäftsideenGUTES WERKZEUG FÜR GUTE ARBEIT. Der MAN TGE als Pritsche, Kasten oder Kombi. Für Anpacker, Zupacker, Einpacker, Wegpacker und alle, die im Handwerk und auf der Baustelle täglich schaffen. Für gute Arbeit braucht man gutes Werkzeug und im MAN TGE steckt die professionelle Nutzfahrzeugerfahrung von MAN. Das ist kein Van, das ist ein MAN. Mehr erfahren: www.van.man
3
Editorial
Martin Schrüfer
Tel. 089/25556-1180
E-Mail: mschruefer@weka-businessmedien.de
Für Pressemitteilungen: redaktion@baugewerbe-magazin.de
Das bleibt, das kommt
I
ch hoffe, dass im alljährlich-wahnwitzigen Auch die Online-Redaktion von Baugewer-
Endspurt um die letzten Aufträge (oder auch be Unternehmermagazin war nicht untätig. Die
Geschenke!) Ihnen die Muße für die Lektüre der dort veröffentlichten Nachrichten finden nicht
vorliegenden Ausgabe von Baugewerbe Unterneh- nur regelmässig ihren Weg in den gleichnamigen
mermagazin verbleibt. Wie immer in konzentrier- Branchennewsletter des Portals XING – sondern
tem Umfang und mit zurückhaltendem Layout werden auch sehr häufig geklickt. So haben eini-
(grell bedruckte Katalogwälzer gibt es ja zu Hauf) ge Meldungen in diesem Jahr die Marke von 2.000
legt die vorliegende Ausgabe einen kleinen Schwer- Aufrufen bereits überschritten. Und das alles ohne
punkt auf die Konjunkturerwartungen für 2020. Der Tricks und Schmu: www.baugewerbe-magazin.de
Blick in die Kristallkugel erfreut sich immer wieder ist IVW-Online geprüft, die Zahlen sind transparent
großer Beliebtheit. So hat auch Baugewerbe in die- und jederzeit vergleichbar.
sem Jahr mal wieder die Frage gestellt, was denn so
geht in 2020 – und was nicht. Manager aus der Bau- Verfügbar, transparent und ohne Tricks und
und Nutzfahrzeugbranche haben geantwortet, die Schmu wollen mein Redaktionsteam und ich auch
mitunter sehr unterschiedlichen Einschätzungen im kommenden Jahr für Sie schreiben. Hinter dem
lesen Sie ab Seite 12. Magazin liegt ein turbulentes Jahr, das uns mit
einem Jubiläum, auf das wir sehr stolz sind und
Direkt danach taucht das Magazin tief in die Welt vielen spannenden Begegnungen und Gesprächen
der Politik und Wirtschaft ein und berichtet über in guter Erinnerung bleiben wird.
einen sehr intensiven Branchentreff des VDBUM,
der eine großartige Idee hervorbrachte (S. 18). Das Jahr Nummer Einhunderteins hat für Bau-
Großartig geht es weiter mit Porrs Chef Karl-Heinz gewerbe Unternehmermagazin bereits begonnen.
Strauss, der exklusiv in Baugewerbe das Bestbieter- Bis es auch kalendarisch Zeit wird, aus der 19 die
verfahren propagiert. Eine kluge Einschätzung zur 20 zu machen,wünsche ich Ihnen eine friedliche
EU-Entsenderichtlinie rundet das Kapitel ab. Es gibt Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest, danach
einen Vorgeschmack auf 2020: im kommenden Jahr ruhige Tage und schließlich einen guten wie aus-
wird unser Magazin verstärkt Politik und Wirtschaft gelassenen Rutsch ins neue Jahr. Baugewerbe
in die Berichterstattung miteinbeziehen und Ihren Unternehmermagazin legt eine kleine Pause ein und
Themen, wie in dieser Ausgabe, ein umfangreiches ist in gedruckter Form am 11. Februar mit Ausgabe
Forum bieten. 1-2/20 wieder auf Ihrem Schreibtisch.
www.baugewerbe-magazin.de 12 \ 20194
INhalt
22
Politik und Wirtschaft BauMaschinEn ManagEMEnt
12 Baugewerbe konjunkturumfrage 33 flächenfräsen 42 digitalisierung
Exklusiv: Was erwartet die Branche? Effizienter fräsen mit Kemrock Exklusiv: Mit Googles Job-Box
Fachkräfte finden
18 VdBuM setzt Zeichen 34 kompaktlader
Verband für digitale Standardisierung Die Lader von Manitou im 44 digitalisierung
von Baumaschinen im BIM-Prozess Schneeräumeinsatz Produktionen effizient steuern dank
modernem Informationsmanagement
22 auftragsvergabe 35 tracking
Exklusiv: Porrs CEO Karl-Heinz Strauss Wie Volvo CEs Telematiksystem 46 it am Bau
über das Bestbieterverfahren die Produktivität steigert Scasa und Caaka gewinnen Award
24 Eu-Entsenderichtlinie 36 Mobilkrane
Was ändert sich durch die neuen Liebherrs neuer 800-Tonner
EU-Regeln für die Bauunternehmer?
26 Bilder aus 100 Jahren
Baugewerbe blickt erneut zurück nutZfahrZEugE
37 krane
Tadano macht die 100 Jahre voll
Bau ruBrikEn
38 Bau-lkw
28 Mauerwerksbau Exklusiv: On-Road wie Off-Road 3 Editorial
Nachhaltig: Massivbauweise solide: Renaults Hybrid-Truck C440
6 Rechtstipp
für die zweite Lebenshälfte 41 transporter
7 Aktuell / Meldungen
30 Mauerwerksbau Elektrisch zur Baustelle mit
Brandschutzputz von Maxit im dem neuen Opel Vivaro-e 8 Bilder der Monate
Hamburger Bieberhaus im Einsatz
Titelbild: Kemroc
48 Service: Termine /
32 deutsche Meisterschaft Unternehmen in dieser Ausgabe
Handwerker-Wettbewerb: Das sind die 50 Vorschau / Impressum
deutschen Meister
12 \ 2019 www.baugewerbe-magazin.deFord Transit Mit intelligenter Geschwindigkeitsregelanlage … … ansprechendem Design, Pkw-ähnlichem Innenraum und jeder Menge cleverer Fahrer-Assistenzsysteme – alles, damit Sie sich im Berufsalltag voll und ganz auf Ihren Job konzentrieren können. Gute Fahrt.
6
Aktuell
Rechtstipp
Foto: shutterstock
Compliance in der Branche
Im Kern geht es beim Begriff „Compliance“ um die Haftungsvermeidung:
Unternehmen sind angehalten, sich so zu organisieren, dass aus dem Unter-
nehmen heraus keine Rechtsverstöße begangen werden. Die Geschäftsführung
und die Mitarbeiter müssen sich also „compliant“ verhalten. Tun sie dies nicht,
besteht das Risiko persönlicher wie unternehmerischer Haftung. Frederick Brüning
Rechtliche Risiken werden unterschätzt in, dieses nicht zu überfrachten, sondern exakt
Bauunternehmen agieren in einem von hohem auf das jeweilige Bauunternehmen abzustimmen.
Konkurrenzdruck geprägten Wettbewerbsumfeld. Zunehmend kommt der Druck zur Einführung
Dabei sind sie branchenspezifischen Risiken aus- eines Compliance-Management-Systems auch von
gesetzt: Beispielweise sind Submissionsabsprachen, außen: Sei es durch die mediale Berichterstattung,
Vorteilsgewährung, Betrug, verdeckte Arbeit- Maßnahmen der Ermittlungsbehörden oder seitens
nehmerüberlassung und Umweltdelikte regel- eines Kunden des jeweiligen Bauunternehmens, der
mäßig Gegenstand von Ermittlungsverfahren der zur Aufrechterhaltung der Geschäftsbeziehung auf
Strafverfolgungsbehörden. Unzureichende oder eigene Compliance-Richtlinien verpflichten will.
gar fehlende Compliance-Regelungen können für
Bauunternehmen, ihre Geschäftsführung und ihre Fazit
Mitarbeiter zivil- und strafrechtliche Folgen haben. „Compliance“ sollte für alle am Bau Beteilig-
ten zumindest in seinen Grundzügen bekannt
Einführung eines Compliance-Systems sein. Die Kosten, die für die Einführung eines
In Konzernen wird das Compliance-Management- Compliance-Systems erforderlich werden, sind
System durch einen sogenannten Compliance- gut investiert. Mithilfe eines auf das jeweilige
Officer organisiert, der häufig unabhängig von Bauunternehmen ab gestimmten Compliance-
bestehenden Hierarchien Verantwortung trägt. Management-Systems wird nicht nur die unter-
Für kleinere und mittelständische Bauunterneh- nehmerische Handlungsfähigkeit gewährleistet,
men, die in der Regel keinen Compliance-Officer sondern auch Haftungssicherheit für Unternehmen
haben, ist Compliance eine Aufgabe der Geschäfts- und Unternehmer geschaffen.
führung. Für die Frage, welche Maßnahmen und
Aufwendungen zur Umsetzung eines funktions-
fähigen Compliance-Management-Systems erfor-
derlich sind, muss zunächst das spezifische Risi- BaugewerBes experte
ko des jeweiligen Bauunternehmens ermittelt wer-
den. Bei kleineren und mittelständischen Bau- Frederick Brüning ist Rechtsanwalt
unternehmen sind die Strukturen meist über- und spezialisiert auf Bau- und Immo-
bilienrecht. Er ist Autor und als freier
schaubar, so dass sich mit relativ geringem Auf-
Lehrbuchautor für den Bereich Recht
wand ein hohes Maß an Compliance-Sicherheit
und Rechtsphilosophie tätig.
erzielen lässt. Die Kunst bei der Einführung eines www.kanzlei-bruening.com
Compliance-Management-Systems besteht dar-
12 \ 2019 www.baugewerbe-magazin.de7
Aktuell
DeR Blickpunkt / peRsonen
Der Blickpunkt der Ausgabe 12/19: Mehr als 3.000 Tonnen
Eisen: Die Ponte Dom Luís I überbrückt den Rio Douro an der
Atlantkiküste Nordportugals und verbindet die Stadt Porto mit
Vila Nova de Gaia – dort, wo der Portwein lagert. Die Fachwerk-
bogenbrücke ist ein Werk von Théophile Seyrig, einem deutsch-
stämmigen belgischen Bauingenieur, der 1869 mit Gustave Eiffel
das Unternehmen Eiffel gründete. Aus diesem Ingenieurbüro
stammt die 1877 eröffnete Eisenbahnbrücke Ponte Maria Pia
wenige hundert Meter flussaufwärts. Dann trennte sich Seyrig
von Eiffel und baute für ein anderes Unternehmen diese neue
Brücke, die 1886 eröffnet wurde. Kein Wunder also, dass die
beiden Bauwerke sich sehr ähneln und oft verwechselt werden.
Die genietete, eiserne Ponte Dom Luís hat eine Stützweite von
172 Meter, ist gut 385 Meter lang und rund 60 Meter hoch.
Foto: Petra Born, www.fotografie-pb.net
personen
KeilteC – Rolf Ehrmann pCi – Seit Anfang Oktober BauteC – Annick Horter
wird Keiltec ab Anfang Januar verstärkt Florian Stahl das übernimmt die Projektleitung
2020 als Leiter Vertrieb & Verkaufsteam der PCI Augs- der bautec, der international-
Geschäftsentwicklung unter- burg GmbH. Stahl hat die en Fachmesse für Bauen und
stützen. Die Keiltec GmbH ist Position des Verkaufsleiters Gebäudetechnik. Horter ist
ein Spezialist für die Projek- Nördliches Bayern/Baden- seit 2003 bei der Messe Berlin
tierung und Ausführung von Württemberg übernommen. und seit 2015 Projektleiterin
Betonkernaktivierungen, Fuß- Der gelernte Raumausstatter der belektro – Fachmesse für
boden- und Industrieflächenheizungen. Ehrmann sowie Groß- und Außenhandelskaufmann ist bereits Elektrotechnik, Elektronik und Licht tätig. Die
verfügt über umfangreiche Brancheexpertise. Sein seit über sechs Jahren im Vertrieb des Unternehmens 35-Jährige hat BWL mit dem Schwerpunkt Messe-,
beruflicher Werdegang führte ihn unter anderem in tätig, zuletzt war er Fachberater in der Region Kongress- und Eventmanagement, mit dem
die Betriebsleitung der Kreilac GmbH. Oberpfalz-Kelheim. Abschluss Diplom-Betriebswirtin (BA), studiert.
GEDA AkkuLeiterLIFT
Nördlingen, Deutschland
www.geda.de
www.baugewerbe-magazin.de 12 \ 20199
Aktuell
BildeR des MOnats
Sicherheit, die inspiriert
Mit diesem Motto und einem gut aufgehobenem Igel möchte
das Unternehmen CWS auf das Thema Schutzkleidung
aufmerksam machen. Das Unternehmen bietet seine Berufs-
kleidung im Mietservice an, pflegt und prüft diese regelmäßig.
In dem neu produzierten Imagevideo von CWS lässt sich ein
kleines Mädchen von der Warnschutzkleidung einiger Bau-
arbeiter inspirieren, um die Welt ein kleines bisschen sicherer zu
machen. Prominente Unterstützung erhält sie vom wohl welt-
Foto: CWS
weit bekanntesten Igel "Herbee", mit dem Instagram-Profil Mr.
Pokee und über 1,5 Millionen Followern ein kleiner großer Star.
www.baugewerbe-magazin.de 12 \ 201910
Aktuell
BildeR des MOnats
Gelber Herkules
Die Verladung einer Ölplattform in der mexikanischen Hafen-
stadt Tampico erforderte ein echtes Kraftpaket: 1.200 Tonnen
hatte der Liebherr-Raupenkran LR 13000 des Schwertrans-
portunternehmens Eseasa zu heben. Die Lasten mussten dazu
mit einem Radius von bis zu 38 Meter verladen werden. Norma-
lerweise werden die schweren Komponenten mit sogenannten
Jack-Up-Systemen auf SPMTs (selbstangetriebene Transport-
module) verladen und mit diesen auf die Barge gefahren. Das
dauert etwa 18 Stunden, die Verladung der Stahlstrukturen mit
dem LR 13000 hingegen nur drei. Der LR 13000 hebt bis zu
Foto: Liebherr
3.000 Tonnen und ist damit laut Unternehmensangaben der
weltweit stärkste Raupenkran konventioneller Bauart.
12 \ 2019 www.baugewerbe-magazin.de11
Aktuell
BildeR des MOnats
www.baugewerbe-magazin.de 12 \ 201912
Aktuell
KonjunKturumfrage
Foto: M_Creativa Images
Solide voran
2020 wird zweifelsohne in Zeiten des Brexits und anderer politischer
Unwägbarkeiten ein spannendes Jahr für die deutsche Wirtschaft. Doch was
erwartet die Bauunternehmer? Manager der Branche liefern eine Einschätzung.
d
ie Antwortenden sehen ihre Unternehmen
KonjunKturtrend
– insbesondere gestärkt durch ein erfolg-
reiches Geschäftsjahr 2019 – trotz einer Baugewerbe Unternehmermagazin bat die teilnehmenden
Vielzahl von Heraus forderungen gut für 2020 Manager, die Konjunkturerwartungen in ihrem Unternehmen,
aufgestellt. Die Erwartungen für die deutsche in ihrer Branche und in Deutschland allgemein einzuschätzen.
Konjunktur insgesamt sind gemischt, während Diese Einschätzung wandeln wir in Pfeile um:
die Mehrheit der Befragten für die Bau-Branche
mit einer stabilen Marktlage rechnet. Dank voller sie wird deutlich steigen
Auftragsbücher scheint die Bauwirtschaft mögliche
gesamtkonjunkturelle Abkühlungen somit eher
gelassen zu sehen. sie wird leicht steigen
Die Wohnraumknappheit in Ballungsgebieten
benennt Christian Bertmaring von Unika als
eine der Ursachen für eine stabile Nachfrage in
sie wird etwa gleich bleiben
der Bau-Branche. Als Heraus forderungen für
die Bauwirtschaft werden unter anderem der
Fachkräftemangel in Deutschland, so wie das
umständliche Erlangen von Baugenehmigungen sie wird leicht sinken
genannt. Der Fachkräftemangel führe dazu, dass
Aufträge immer öfter erst verspätet durchgeführt
werden könnten, was ein gesamtwirtschaftliches sie wird deutlich sinken
Problem darstelle, so Wolf Christian Behrbohm,
Geschäftsführer von Layher. mm
12 \ 2019 www.baugewerbe-magazin.de13
Aktuell
KonjunKturumfrage
doKa
Weiterhin wachsend
Für 2020 rechnen wir als Deutsche Doka, mit einem ähnlich
hohen Wachstum wie schon 2019. Diese positive Prognose deckt
sich auch mit den Erwartungen für die Baubranche. So gehen
sowohl das ifo-Institut als auch der ZDB von einem Umsatzplus
von 5 % im Bausektor aus. Die Nachfrage nach unseren Rahmen-
schalungssystemen ist nach wie vor ungebrochen – ganz gleich,
ob es sich um bewährte Systeme wie Frami Xlife oder Framax
Xlife plus handelt, oder um Produktneuheiten wie die ultraleichte
Alu-Handschalung DokaXlight. Grund dafür ist sicherlich die
hohe Qualität und damit Langlebigkeit der Schalung. Im Bereich Ralf Bürger, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Doka
Dienstleistungen möchten wir Bauunternehmen ab 2020 mit Foto: Doka
unseren Digital Services begeistern, die wir im Zuge der bauma
bereits vorgestellt hatten: von der lieferantenunabhängigen App
„Smart Pouring“ zur Bestellung und Lieferung von Ortbeton bis
hin zu „Contakt“, einer digitalen Lösung zur tagesgenauen Takt-
planung, klaren Aufgabenzuweisung und zum Soll-Ist-Abgleich. Eigene Firma Branche Deutschland
FaSSi LadeKrane beigetragen. Mit unseren Produkten sehen wir ein enormes
Potenzial auf weitere Marktanteile. Vor dem Hintergrund, aber
Umsatzsteigerung erwartet auch durch weitere in Vorbereitung befindliche strategische
Schritte erwarten wir 2020 abermals eine Umsatzsteigerung in
Mit dem Geschäftsverlauf 2019 sind wir sehr zufrieden. Die hohem zweiprozentigem Umfang.
Umsatzsteigerung liegt bei uns sehr weit im zweistelligen
Prozentbereich. Im Absatz von Großkranen waren wir beson-
ders erfolgreich bei Kranverleihern und Montageunternehmen.
Hier hat die Branche prinzipielle Vorteile von leistungsstarken
Knickarmkranen erkannt, überdurchschnittlich investiert und viel
bei uns gekauft. In der Baustofflogistik konnten wir mit unseren
Baustoffkranen ordentlich punkten. Neue Mitarbeiter im Ver-
trieb haben erfreulich viele Verkaufserfolge erzielt und weitere
Regionen entwickelt. Zur Fassi Group gehören Marrel mit Abroll-
und Absetzkippern, Cranab mit Holz- und Recyclingkranen.
Jekko mit Mini- und Indoor-Raupenkranen und ATN mit Sche-
ren- und Hubarbeits- 2.000 GERÜSTE
bühnen, die über ei- AUFGEBAUT.
gene Vertriebswege
vermark tet werden.
Bei Abrollkippern
2 KOLLEGEN
konnten wir eben- STÜRZEN SEHEN.
falls gegen etablierte
Anbieter aufholen. 1 LEBEN.
Cranab ist in der Forst-
und Recyclingbranche PASS DRAUF AUF.
Geschäftsführer Wolfgang Feldmann, Fassi Ladekrane bekannt und hat gut
Foto: Fassi zum Umsatzwachstum ENRICO M., GERÜSTBAUER
Meine Geschichte auf www.1leben.info
Eigene Firma Branche Deutschland
www.baugewerbe-magazin.de 12 \ 201914
Aktuell
KonjunKturumfrage
Ford nutzFahrzeuge
Zuversichtlich mit neuen Lösungen
Wir gehen von einem herausfordernden 2020 aus. Einige
Stichworte sind hier CO2-Grenzwerte und -Besteuerung, Elektri-
fizierung, Brexit und die sich eintrübenden Konjunkturaussichten.
Dennoch sind wir zuversichtlich, dass wir unser Ergebnis in 2020
gegenüber diesem Jahr nicht nur halten, sondern sogar leicht
ausbauen können. Wir setzen dabei zum einen auf unsere rund-
erneuerte, attraktive Produktpalette einschließlich kundenorien-
tierter Antriebslösungen wie mild-Hybrid und Plug-in Hybrid. Und
zum anderen glauben wir, dass unsere wichtigsten Kundengruppen
– das Handwerk und der Mittelstand – auch künftig eine große
Nachfrage nach Nutzfahrzeugen und nutzfahrzeugspezifischen
Dienstleistungen haben. Stichworte sind hier Last Mile Delivery
und Modernisierung/Erneuerung von Fuhrparks. Das wird der
Transit/Tourneo Custom PHEV sein – also ein Nutzfahrzeug
(Transit Custom) beziehungsweise eine Großraum- Limousine
(Tourneo Custom) mit Plug-in-Hybrid-Antrieb und einer rein elek-
trischen Reichweite von über 50 Kilometern. Hinzu kommt: Als
Teil der Unternehmensstrategie, moderne Konnektivitätsfunktio-
nen auch für die Nutzfahrzeug-Baureihen anzubieten, führen wir
sukzessive das FordPass Connect-Modem ein. Diese Technologie Thomas Juraschek, Leiter Nutzfahrzeuge, Ford Deutschland
ermöglicht es Fuhrpark-Verantwortlichen, die laufenden Einsatz- Foto: Ford Nutzfahrzeuge
kosten ihrer Fahrzeuge durch Lösungen wie Ford Telematics und
Ford Data Service zu senken. Dem gleichen Zweck dient die neue
App „FordPass Pro“, die ab sofort im Apple App-Store sowie auf
Google Play kostenlos herunterladbar ist und sich insbesondere
an kleinere Firmen und selbstfahrende Transit-Besitzer wendet. Eigene Firma Branche Deutschland
geda-dechentreiter
Der Mensch im Mittelpunkt
Bauaufzüge sind bei Neubauten und Renovierungen nach wie
vor ein wachsender Markt. Um die Produktivität an Baustellen
zu steigern und Sicherheit zu gewährleisten, wird der Einsatz
von Höhenzugangstechnik zukünftig unerlässlich. Deutsch-
land, Skandinavien und Großbritannien sind innerhalb Europas
die größten Wachstumsmärkte im Bauaufzugsbereich. GEDA
entwickelt nicht nur Bauaufzüge für sehr hohe Gebäude,
sondern auch Hilfsmittel wie den GEDA AkkuLeiterLIFT für
Handwerker auf kleineren Baustellen. Nur die Unternehmen,
die in Zukunft Höhenzugangstechnik zur Personen- und
Materialbeförderung bereitstellen, werden am Markt gute
Fachkräfte finden. Unsere Sparte Industrieaufzüge, die welt-
weit auf Ölplattformen, Baustellen oder dem größten Riesen-
Johann Sailer, Geschäftsführender Gesellschafter, GEDA-Dechentreiter rad der Welt in Dubai eingesetzt werden, finden durch den
Foto: GEDA hohen Komfort- und Sicherheitsstandard ebenfalls großen
Anklang im Markt. Unser USP ist der Mensch im Mittelpunkt
– zufriedene, langjährige Mitarbeiter, faire und konstrukti-
ve Partnerschaft zum Kunden sowie enge und vertrauens-
volle Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten und Partnern
Eigene Firma Branche Deutschland machen den Unterschied!
12 \ 2019 www.baugewerbe-magazin.de15
Aktuell
KonjunKturumfrage
hS-Schoch
Gleichbleibend hohes Niveau erwartet
Tatsächlich erwarten wir für unser Unternehmen keine großen
Konjunkturschwankungen, sondern ein gleichbleibendes hohes
Niveau. Für Quartal 1 + 2 nächstes Jahr können wir bereits
volle Auftragsbücher verzeichnen. Im Gegenteil, als Full-Liner
der Branche mit eigens hergestellten Produkten, sowie
Handelsprodukten, gehen wir sogar von einen Wachstum im
Jahr 2020 aus. Das liegt natürlich auch daran, dass wir uns in
der dankbaren Situation befinden, in der sich unser Kunden-
stamm aus Endkunden, Händler und Hersteller zusammensetzt.
Die Branche und den Markt allgemein sehe ich in 2020 als
stabil bis wachsend an. Wir gehen davon aus, dass sich nichts
an der positiven Baukonjunktur von 2019 ändert. Wir sind DER
Full-Liner in der Branche. Mit unseren Standard-, Sonder- und Marcel Schoch, geschäftsführender Gesellschafter der HS-Schoch Gruppe
Foto: HS-Schoch
Abbruchprodukten, sowie unserem großen Mietpark, unserem
Know-How in der Regeneration und unseren eingesetzten
verschleißfesten Materialien haben wir de facto für jeden das
Eigene Firma Branche Deutschland passende Produkt beziehungsweise Dienstleistung.
WiLheLm Layher
Herausforderung Fachkräftemangel
Aufgrund der guten Baukonjunktur haben wir in den letzten drei
Jahren eine Rekordnachfrage nach Systemgerüsten für den wirt-
schaftlichen und sicheren Höhenzugang erlebt. Und auch für das
kommende Jahr sind die Auftragsbücher unserer Kunden bereits
gut gefüllt. Gleichzeitig ist der Mangel an qualifizierten Fach-
kräften schon seit einiger Zeit deutlich spürbar. In der Folge kön-
nen Aufträge immer öfter nur verspätet durchgeführt werden,
was gesamtwirtschaftlich ebenfalls ein Problem darstellt – zum
Beispiel bei Infrastrukturmaßnahmen wie Brückensanierungen.
Hier setzt unsere Philosophie Layher Lightweight an. Wir bieten
Systemlösungen, die sich durch wenige und leichte Bauteile
sowie logische Aufbaufolgen nicht nur schnell und damit wirt-
schaftlich, sondern auch sicher und ergonomisch montieren las-
sen. Dank passender System-Ausbauteile kann zudem eine Viel-
zahl an Lösungen realisiert werden, zum Beispiel auch Treppen-
türme, Überbrückungen oder Wetterschutzdächer für witterungs-
unabhängiges Bauen. Auf diese Weise lässt sich die Rentabilität
von Projekten steigern, die Dauer von Baustellen verkürzen und
gleichzeitig die Belastung von Monteuren senken – im Hinblick
auf die Lebensarbeitszeit im Bauhandwerk ein wichtiger Fokus.
Wolf Christian Behrbohm, Geschäftsführer Wilhelm Layher Foto: Wilhelm Layer Eigene Firma Branche Deutschland
www.baugewerbe-magazin.de 12 \ 201916
Aktuell
KonjunKturumfrage
Saint-gobain abraSiveS SpanSet
Anwenderfreundlichkeit ist gefragt Chancen dank Digitalisierung
2019 war für die Branche – und Die Konjunktur wird sich branchenspezifisch unterschiedlich
auch für Saint-Gobain Abrasiv- entwickeln. Unternehmen mit Geschäftsmodellen, die auf Digi-
es und unsere Marke Norton talisierung, erneuerbare Energien, alternative Antriebskonzepte
Clipper – erneut ein sehr gu- und Nachhaltigkeit setzen, werden zu den Gewinnern gehören.
tes Jahr. Insbesondere das Die strukturellen Veränderungen in der Automobilindustrie und
Branchen-Highlight, die Fach- bei den Zulieferern der Hersteller werden mindestens temporär
messe bauma, hat uns ein sehr ein schlechteres Geschäftsklima zur Folge haben. Wir gehen
ein gutes Momentum verliehen. davon aus, dass sich die beiden Trends in unserem Geschäfts-
Wir konnten eine Vielzahl von modell egalisieren und wir auch 2020 und darüber hinaus durch
neuen Lösungen präsentieren, Projekte unsere eigene Konjunk-
die auch sehr gut vom Markt tur schreiben. 2020 werden wir
angenommen wurden. Für Produktneuheiten zur Ladungs-
Martin Büsch, Leiter Marketing DACH, 2020 erwarten wir eine stabile sicherung auf der IAA Nutzfahr-
Saint-Gobain Abrasives Markt lage bei einer insgesamt zeuge und zur Hebetechnik auf
Foto: Saint-Gobain Abrasives
schwächeren Gesamtkonjunktur. der BreakBulk in Bremen und der
Diese wird sich mittelfristig auch auf den Bausektor auswirken, WindEnergy in Hamburg vorstel-
die starken Zuwachsraten der letzten Jahre werden unserer Ein- len. Obgleich ich jetzt noch keine
schätzung nach nicht mehr erreicht werden. Gleichzeitig sehen Details verraten möchte, kann
wir wachsenden Bedarf an möglichst anwender- und umwelt- festgehalten werden, dass auch
freundlichen Lösungen. Entsprechend passen wir unser Leis- wir auf Digitalisierung und die
tungsspektrum weiter an und sind sehr zuversichtlich, dass diese Entwicklungen von Produkten mit
Werner Glasen, Prokurist und Leiter
wir gemeinsam mit unseren Kunden weiterhin erfolgreich am hoher Bedarfsentsprechung für Produktmanagement / Marketing
Markt platzieren werden. Marktnischen setzen. Foto: Spanset
Eigene Firma Branche Deutschland Eigene Firma Branche Deutschland
uniKa
Nachfrage nach Qualität bleibt das Jahr 2020 dennoch von einer weiterhin stabilen Nachfrage
nach qualitativ hochwertigen Mauerwerksprodukten aus. Unser
Wohnungsbau und Wohnraumknappheit sind derzeit Themen, Unternehmen wird in 2020 konsequent in Technologien instal-
die man als politische Dauerbrenner bezeichnen kann. Landauf lieren, die eine deutlich engere
und landab stehen alle Ballungszentren der Republik vor der glei- Vernetzung mit den Kunden
chen Aufgabe, ausreichenden und vor allem auch bezahlbaren mit sich bringen und die jeder
Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Aufgrund der in weiten von uns bereits aus dem Um-
Teilen ausufernden Rahmenbedingungen zur Erlangung von feld von Paketdienstleistern
Baugenehmigungen sowie aberwitzigen politischen Weichen- kennt. So werden unsere Kun-
stellungen zur Deckelung von Mietpreisen, erwarten wir Ver- den zukünftig automatisiert
lagerungen von Bauprojekten in weniger stark regulierte Regionen über den Stand ihrer Bestellung
mit guter Anbindung an die Ballungszentren. Daher gehen wir für auf dem Laufenden gehalten,
und es wird auf den Baustellen
nur noch mit digitalen Liefer-
scheinen gearbeitet.
Christian Bertmaring,
Geschäftsführer der Unika
Eigene Firma Branche Deutschland Foto: Unika
12 \ 2019 www.baugewerbe-magazin.de17
Aktuell
KonjunKturumfrage
voLvo trucKS
Abkühlung in Sicht Innovationen punkten. Besonders solche Lösungen wie I-Shift
Crawler Gear, was das Anfahrverhalten und Manövrieren in
Der allgemeine Trend zeigt nicht gen Norden. Für das Bau- schweren Situationen verbessert, dazu unser Dynamic Steering
segment hingegen können wir keine Abkühlung feststellen. und die liftbare Tandem-Antiebsachse, um nur einige zu nennen.
Die Nachfrage für unsere Fahrzeuge ist in dem Baubereich
weiterhin un gebrochen, was auch so bleiben sollte. In der
Gesamtbetrachtung sieht es leider nicht ganz so gut aus. Wie
man überall lesen kann, sind die Zahlen in der Gesamtbranche
rückläufig. Auch Volvo Trucks hat weltweit für die ersten drei
Quartale dieses Jahres einen stärkeren Rückgang der Bestellun-
gen im Vergleich zum Vorjahr melden müssen. In Deutschland
sieht es etwas besser aus. Hier haben wir weiterhin eine gute
Nachfrage. Mit Blick auf die letzten zehn Jahre ist das Niveau
noch immer hoch. Ich gehe davon aus, dass sich der Markt auch
im nächsten Jahr weiter nur geringfügig abkühlen wird. Gro-
ße Aufwärtsbewegungen erwarte ich allerdings nicht. Auch in
2020 werden wir im Bausegment mit unseren teils einzigartigen
Emanuel Lauf, Director New Vehicle Sales Volvo Trucks in Deutschland
Eigene Firma Branche Deutschland Foto: Volvo Trucks Deutschland
zeppeLin baumaSchinen
Auftragspolster für die Branche
Bauunternehmen quer durch alle Bausparten hatten in diesem
Jahr Vollauslastung zu verzeichnen – die Baubranche schiebt
ein großes Auftragspolster vor sich her. Im deutschen Bauma-
schinenmarkt dürfte das 2018 erreichte Allzeithoch 2019 erneut
übertroffen werden. Noch kann das Baugewerbe die schwä-
chelnde Konjunktur stützen, die nach einem langen Aufschwung
an Dynamik verloren hat. Unserer Einschätzung nach bleiben
die Aussichten grundsätzlich positiv, denn es besteht nach wie
vor eine verstärkte Nachfrage nach Bauleistungen. Das wird
beflügelt durch eine günstige Zinspolitik. Was die Entwicklung
bestimmt, sind die Baupreise, die genauso angestiegen sind
wie die Preise für das Bauland. Zu einem limitierenden Faktor
ist der Fachkräftemangel geworden, der immer deutlicher zu
Tage tritt. Von vielen Marktakteuren wird 2020 als ein Jahr der
Trendwende gesehen – sie erwarten, wie Zeppelin auch, eine
Normalisierung des Marktes. Eine neue Ära bei Baumaschinen
läutete Caterpillar zum einen mit der neuen Generation der Cat
Ilka Kallin, Bereichsleiterin Marketing Zeppelin Baumaschinen Kettenbagger ein – Hightech pur in Form von einer integrierten
Foto: Zeppelin Baumaschinen 2D- oder optionalen 3D-Steuerung, einer automatischen Hub-
und Schwenkbegrenzung sowie einer integrierten dynamischen
Waage, um Bauunternehmen weiter in ihrer Produktivität nach
vorne zu bringen. Zum anderen steht der vollzogene Genera-
tionswechsel bei den Cat Minibaggern für eine neue Richtung
im Fahrerkomfort wegen ihrer bislang in der Branche einzig-
Eigene Firma Branche Deutschland artigen Joystick-Lenkung.
www.baugewerbe-magazin.de 12 \ 201918
Politik und Wirtschaft
VDBUM setzt zeichen
VDBUM-Präsident
Auf dem Weg zur
Peter Guttenberger
nahm das Mandat an,
die Entwicklung einer
neutralen Web- oder
FMS-Schnittstelle
Schnittstelle
voranzutreiben.
Fotos: VDBUM/Spoo
Der vom Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik (VDBUM)
ausgerichtete Branchentreff „Digitale Standardisierung für Baumaschinen
und Baugeräte im BIM-Prozess“ setzte Zeichen: Die überwältigende Mehrheit der
Teilnehmer erteilte dem Verband das Mandat, die Entwicklung einer neutralen
Web- oder FMS-Schnittstelle voranzutreiben.
W
ir wollen den Status quo und das Stim- ISO Norm 15143-3 zur Datenstandardisierung von
mungsbild der Branche erfassen“, sag- Erdbaumaschinen geschaffen.
te VDBUM-Präsident Peter Guttenber- Im Impulsvortrag der zweitätigen Veranstaltung
ger bei der Begrüßung der 152 Teilnehmer, die am bezeichnete Dr. Rainer Bareiß (Wolff & Müller Hol-
29. und 30. Oktober in das Veranstaltungszentrum ding GmbH & Co. KG) die Schaffung einer Platt-
Coreum in Stockstadt/Rhein gekommen waren. Ziel form für alle Maschinen als unabdingbar. „Wenn
des ersten Branchentreffs dieser Art sei, Möglich- jeder Hersteller seinen eigenen Standard etabliert,
keiten zur Optimierung der digitalen Produkte zu dann werden wir nicht zusammenarbeiten kön-
erarbeiten. Der VDBUM treibt die Digitalisierung im nen“, warnte Bareiß. Diese Herausforderung mar-
Baumaschinenbereich seit Langem voran und hatte kierte das Schwerpunkthema von acht Podiums-
über den Arbeitskreis Telematik die Grundlagen der gesprächen, in denen rund 40 Experten das Thema
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Politik und Wirtschaft
VDBUM setzt zeichen
Digitalisierung aus den Blickwinkeln der Veranstal- ter von Steuerungstechnik äußerten den Wunsch,
tungsteilnehmer – Anwender, Anbieter, Vermieter alle relevanten Maschinendaten in einer Cloud vor-
und Serviceanbieter – vertieften. Die Gesprächsrun- zufinden. Dafür müssten die Maschinenherstel-
de begann mit dem Thema „Bauanwendungen der ler ihre Schnittstellen öffnen und perfekt beschrei-
digitalen Wissenschaft und künstlichen Intelligenz“ ben. Klärungsbedarf zeigte sich hinsichtlich der
unter der Moderation von Prof. Dr. Jan Scholten Frage, wer als Eigentümer der Daten zu betrachten
(IBAF-Institut für Baumaschinen, Antriebs- und ist. Markus Lange (Zeppelin Baumaschinen GmbH)
Fördertechnik GmbH). Dr. Marcus Müller (Stra- nannte die ISO-Norm 15143-3 eine Arbeitsgrund-
bag AG) begrüßte Experten zum Thema „Steue- lage auf dem Weg zu einer herstellerübergreifenden
rungs- & Innovationssysteme“. Zur „Digitalen Effi- Standardisierung. Am Beispiel Leerlauf beschrieb er,
zienz in der Bauwirtschaft“ befragte Prof. Manfred dass die Definitionen der einzelnen Unternehmen
Helmus (Universität Wuppertal) Vertreter aus Bau- derzeit weit auseinander liegen.
industrie und Mittelstand. Baumaschinen- und Die Vertreter der Hersteller von Anbaugeräte-
Baugerätehersteller beantworteten die Fragen von herstellern würden eine Bedienung über die Haupt-
Richard Honig (Max Bögl Transport & Geräte GmbH steuerung bevorzugen. Um ihren Kunden aktuell
& Co. KG) zur „Standardisierung der Telematik für einen Mehrwert zu bieten, befinden sich mehrere
Maschinen und Gerätetechnik“. Moderator Manfred Unternehmen im Austausch, erarbeiten Schnittstel-
Caillé sprach mit Anbaugeräteherstellern über die len und einheitliche Standards. Auch auf dem Miet-
„Standardisierte Ansteuerung von Anbaugeräten“. markt spielt die Digitalisierung eine zunehmend
Fabian Markmann (Liftcontor GmbH) interviewte wichtige Rolle, etwa bei Fragen zum Standort, den
„Vermieter im digitalen Bauprozess“. Wolfgang Lüb- Einsatzzeiten oder dem Wartungsbedarf.
berding (VDBUM-Geschäftsstellenleiter) moderier- Künstliche Intelligenz (KI) wird in der Baubrache
te die abschließende Runde „Herstellerunabhängige eine wichtige Position einnehmen. Bis die autono-
Softwarelösungen als ganzheitliche oder Teilanwen- me Baustelle aber Realität wird, werden noch Jah-
dung“. Erstmals bei einer VDBUM-Veranstaltung re vergehen. Dr. Ralf Schäfer (Fraun hofer Hein-
hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, mit Fragen rich-Hertz-Institut) erklärte, dies sei dann möglich,
und Anregungen über das Smartphone direkt an den wenn KI-gestützte Baumaschinen gelernt hätten,
Podiumsgesprächen mitzuwirken, was zu einem verlässlich die richtigen Entscheidungen zu treffen.
lebendigen Austausch führte. Auf die Frage nach konkreten KI-Einsatzbereichen
nannte Prof. Frank Will (TU Dresden) die Boden-
Offene Schnittstellen gewünscht erkennung, Prof. Manfred Helmus (Bergische
Vertreter der Bauindustrie mit einem gemischten Universität Wuppertal) sah bei Verträgen und
Maschinen- und Anbaugerätebestand sowie Anbie- der Bauausführung Möglichkeiten zur Erhöhung
Prof. Frank Will,
Prof. Manfred Helmus,
Dipl.-Ing. Florian Wenzler
und Dr. Ralf Schäfer
(v.l.n.r.) diskutierten als
Vertreter von Universitäten
und Hochschulen über Bau-
anwendungen der digitalen
Wissenschaften und
künstlichen Intelligenz.
www.baugewerbe-magazin.de 12 \ 201920
Politik und Wirtschaft
VDBUM setzt zeichen
Mehr als 150 Teilnehmer
kamen zum VDBUM
-Branchentreff nach
Stockstadt.
der Sicherheit, Dipl.-Ing. Florian Wenzler (TU Gut“, sagte die Digital Learning Strategy-Expertin
München) ergänzte dies um die Personen- und und rief die Unternehmen auf, sich neuen Arbeits-
Warenerkennung. Dass viele Entwicklungen nicht und Organisationsformen zu öffnen. Die Rolle von
schneller gelängen, liege auch an veralteten Lehr- Führungskräften in der digitalen Welt ändere sich,
inhalten und der schlechten Ausstattung mancher „sie werden zu Trainern“. Auch Qualifizierung müs-
Hochschule, kritisierte Prof. Helmus. Er forder- se neu gedacht werden, da die Halbwertzeit von Wis-
te eine Aufstockung der Geldmittel für Forschung sen rapide sinke, im EDV-Bereich betrage sie gerade
und Lehre. einmal zwei Jahre.
Assessor jur. Phillip Fischer (scope & focus
Zu wenig BIM-Kenntnis Service-Gesellschaft mbH) referierte zum The-
Zum Thema „Digitale Ausschreibungsformate und ma Datenrechte und gab der Branche auf, einen
BIM-Planungen“ hatte der VDBUM-Vertreter von gemeinsamen Verhaltenskodex zu entwickeln, bevor
Auftraggebern der öffentlichen Hand und privaten der Gesetzgeber unerwünschte Regelungen treffe.
Großinvestoren eingeladen, die aber leider kurzfris-
tig absagten. Damit dieses Thema aber auf der Agen- Aufschlussreiche Speed-Workshops
da blieb, sprang VDBUM-Geschäftsführer Dieter Im Anschluss durchliefen die Teilnehmer in klei-
Schnittjer als Moderator ein und sprach mit Marcus nen Gruppen sechs 30-minütige Workshops, in
Wruck (DigiBau GmbH) über den aktuellen Stand. denen gemeinsam mit den Workshop-Leitern aus
Wruck berichtete, dass auf der Bahnstrecke Karls- Bauwirtschaft und Industrie Denkmodelle und
ruhe-Basel einige Building Information Modeling- Lösungsansätze erarbeitet wurden. Da die Meinung
Projekte (BIM) gelaufen sind und die Bahn hier 2020 der Teilnehmer nach jeder Station digital abgefragt
in die digitale Ausschreibung gehen wolle. Gleich- wurde, konnte VDBUM-Präsident Peter Guttenber-
zeitig, das zeigte die folgende Gesprächsrunde, ver- ger bereits zum Veranstaltungsende neben dem
fügen viele Planer noch über wenig Kenntnis in gewünschten Stimmungsbild auch konkrete Ergeb-
Sachen BIM. Auch gibt es in diesem Bereich derzeit nisse des Branchentreffs vorstellen.
zu viele Insellösungen, da Standards und Schnitt- Im Workshop „Telematik / Baumaschinen &
stellen noch nicht definiert sind. Alexander Kropp Geräte“ freute sich Workshop-Leiter Jens Kleinert
(Max Bögl BIM-Team) wies darauf hin, dass vieler- (GP Papenburg Maschinentechnik GmbH) über
orts Führungskräfte mittleren und höheren Alters „kontroverse und konstruktive Diskussionen“. 53,13
die Entwicklungen nicht mit der gebotenen Dyna- Prozent der Teilnehmer erachteten eine Ausweitung
mik steuerten, gerade sie müssten aber vorangehen der ISO auf alle Baugerätearten als sehr wichtig, wei-
und die Mitarbeiter motivieren. teren 30 Prozent ist das Thema überwiegend wichtig.
Diese Thematik nahm Saskja Grossmann (One- Eine deutliche Mehrheit sprach sich für eine Erwei-
stoptransformation AG) zu Beginn des zweiten Ver- terung der Telematik auf andere Datenarten wie
anstaltungstags auf. „Menschen sind das wichtigste Qualität, Menge, Geländemodell, Planungsdaten
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Politik und Wirtschaft
VDBUM setzt zeichen
aus. Der Frage, ob der VDBUM ein Mandat erhalten ses Workshops fest, dass der VDBUM das Thema
soll, hauptamtlich die Entwicklung einer neutralen Warenwirtschaft künftig stärker begleiten sollte.
Web- oder FMS-Schnittstelle, die den Anforderun-
gen der Bauwirtschaft Genüge leistet, im Detail tech- Mehrheit für digitalen Zwilling
nisch voranzutreiben und dabei auch gleich Anfor- Die Dokumentation aller Betriebsdaten einer Bau-
derungen an neue Datenarten zu berücksichtigen, maschine zur Gewinnung weiterer Erkenntnisse
stimmten fast 90 Prozent der Teilnehmer voll oder erachteten fast alle Teilnehmer des von Martin Kuhn
überwiegend zu. „Wir haben eine neue Aufgabe (Strabag BMTI GmbH & Co. KG) moderierten Work-
bekommen“, fasste Peter Guttenberger dieses deut- shops „Werkstatt- und Gerätedisposition / Digitaler
liche Votum zusammen. Zwilling“ als sehr wichtig oder wichtig. Die Versor-
Mehr als 75 Prozent der Befragten nannten im gung mit Stammdaten durch die Hersteller und auch
von Peter Schmid (Max Bögl Transport und Ge- der Ressourceneinsatz zur Stammdatenverwaltung
räte GmbH & Co KG) moderierten Workshop „Tele- im Unternehmen sehen die Teilnehmer als mittel-
matik / Anbaugeräte“ die Lokalisierung und Identi- mäßig an. Die Mehrheit sieht die Notwendigkeit,
fizierung von Anbaugeräten per Tracking & Tracing zu jeder Baumaschine einen digitalen Zwilling zu
als sehr wichtig bzw. wichtig. Den Herstellern wird führen und würde bei einer Veräußerung den digi-
jedoch aufgegeben, robuste Tracker mit langer Bat- talen Zwilling in vollem Umfang bereitwillig mit-
terielaufzeit zu produzieren, deren Preise auch in liefern. Michael Radwe (Zeppelin Lab GmbH), der
Relation zum Wert günstiger Anbaugeräte stehen. den Workshop „Datenformate / Systemarchitektur“
Eine deutliche Mehrheit von mehr als 75 Prozent leitete, zeigte sich erfreut über den hohen Wissens-
wünscht die Übertragung von Daten des Anbau- stand der Teilnehmer, die die Cloud mehrheitlich als
geräts in das Trägergerät, gut die Hälfte spricht sich Datenspeicher und Kollaborationsplattform nutzen
für die Übertragung dieser Daten in die Cloud aus. würden und die einheitliche Bereitstellung von ERP-
Rund 80 Prozent der Befragten des Workshops Schnittstellen als wichtig erachten.
„Angebots-und 3-D-Auftragsdaten“, der von Hei- VDBUM-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Jan Schol-
ko Karstedt (Strabag BMTI GmbH & Co. KG) gelei- ten erklärte, dass der Verband die Ergebnisse ana-
tet wurde, sind überwiegend der Meinung, dass die lysieren werde. Eine Fortführung der Veranstaltung
Disposition durch Auftragsdaten unterstützt wer- erwarte er eher in kleineren Expertenkreisen. Beein-
den kann. Mehr als 60 Prozent gaben an, bisher kei- druckt zeigte sich Scholten vom jungen Teilnehmer-
ne oder nur in sehr geringem Maße BIM-Modelle zu kreis in den IT-Gesprächsrunden des ersten Veran-
bauen oder vom Bauherrn zu erhalten. „Im Works- staltungstages. „Diese Generation wird die Lösun-
hop ‚Baulogistik / Warenwirtschaft‘ wurde die Not- gen entwickeln und umsetzen. Wir müssen die jun-
wendigkeit deutlich, Schnittstellen und Plattformen gen Leute an uns binden und ihre Denkweisen ver-
zu schaffen, die einen Austausch ermöglichen“, sag- stehen.“ Der Großteil der Besucher hatte am Treff
te Workshop-Leiterin Carolin Schwarz (Max Bögl teilgenommen, um sich ein Bild zu machen, wo die
Stiftung & Co. KG). Die aktuelle Kommunikations- Digitalisierungsmaßnahmen des eigenen Unterneh-
qualität zwischen Baustelle und Disposition schätz- mens einzuordnen sind und sich mit anderen Ver-
ten die Teilnehmer als verbesserungswürdig ein. bandsunternehmen zu vernetzen, um für die anste-
Peter Gutenberger stellte zu Ergebnissen die- henden Aufgaben gerüstet zu sein.
Am Ende des Branchen-
treffs wurden bereits die
Ergebnisse der Workshops
vorgestellt.
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Politik und Wirtschaft
AuftrAgsvergAbe
Karl-Heinz Strauss.
Foto: Astrid Knie
Die Chancen des
Bestbieterverfahrens
Die deutsche Bauindustrie leidet unter einem Image-Problem: Wenn die Kosten
komplexer Mammut-Projekte aus dem Ruder laufen, haben in aller Regel die
beteiligten Bauunternehmen den Schwarzen Peter. Schnell wird der Bauindustrie
dann mangelnde Leistungsfähigkeit und Verlässlichkeit attestiert.
Die Faktenlage ist dabei eine ganz andere. Karl-Heinz Strauss, CEO der PORR AG.
D
enn deutlich über 95 Prozent aller hiesigen Bestbieterprinzip beinhaltet
Bauprojekte werden problemlos innerhalb bedeutende Qualitätskriterien
des ursprünglich vereinbarten Zeit- und Es sind besonders die prominenten Infrastruk-
Kostenrahmens realisiert und zur Zufriedenheit turbauten wie der BER-Flughafen Berlin und das
aller Beteiligten übergeben. Dennoch existieren Bahnprojekt Stuttgart 21 oder die prestigeträchtige
erhebliche Verbesserungspotenziale bei der Rea- Elbphilharmonie, die das Branchenimage in der
lisierung großer Bauvorhaben, insbesondere der Öffentlichkeit prägen. Dabei werden die Bau-
öffentlichen Hand. Und hier sind wir als Bauunter- unternehmen häufig zu Unrecht wegen angeblicher
nehmen gefordert, unsere Prozesse zu verbessern Kostenexplosionen an den Pranger gestellt, denn
und die Effizienz zu erhöhen. Dabei müssen sich die Hauptursache von Problemen sind überwiegend
aber auch die Rahmenbedingungen bei den Auftrag- unrealistische Budgets. Es ist leider die gängige Pra-
gebern verändern, beispielsweise die Vorplanungs- xis, dass der Preis für die Auftraggeber das ausschlag-
stufen deutlich vertieft werden. gebende Kriterium für die Auftragsvergabe darstellt
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Politik und Wirtschaft
AuftrAgsvergAbe
und die übrigen Zuschlagskriterien zu wenig Gewich- vorhaben deshalb so lange dauern, weil Planungs-,
tung erfahren. Im Gegensatz zu dem Billigstbieter- Genehmigungs- und Planfeststellungsverfahren viel
prinzip, in dem ausschließlich der Preis entscheidet, zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Deshalb sollten
fließen beim Bestbieterprinzip auch bedeutende die Chancen der Digitalisierung konsequent genutzt
Qualitätskriterien in die Entscheidung ein. Darunter werden. Denn dies schafft auch gegenüber den
verstehe ich beispielsweise technische Lösungen zur Auftraggebern hohe Planungssicherheit und maxi-
Bauzeitverkürzung oder zur Minimierung von Risi- male Transparenz. Dabei sind Lean Construction
ken, das Logistikkonzept oder die Wiederverwertung und BIM mehr als Schlagworte, sondern bei PORR
von Ausbruchsmaterial. Eine stärkere Vergabepraxis bereits heute gelebte Praxis, um durch verschlank-
nach dem Bestbieterprinzip hätte erhebliche Vorteile te Prozesse die Wertschöpfung signifikant zu erhö-
für Bauzeit, Qualität und in Folge auch auf der Kos- hen. Deshalb war es ein wichtiger Schritt der Bun-
tenseite. Ein weiterer bedeutender Faktor, der mei- desregierung, BIM ab 2020 bei allen neu zu planen-
nes Erachtens viel zu sehr unberücksichtigt bleibt, ist den Infrastrukturprojekten als Standard festzulegen.
der verpflichtende Nachweis der kaufmännischen Zudem werden zusätzliche finanzielle Mittel für die
Leistungsfähigkeit aller Bieter. Dies ist essentiell für Einführung der BIM-Methodik auf Bauherrenseite
den Erfolg vor allem großer Bauvorhaben. bereitgestellt. So sind sehr fundierte Schwachstellen-
analysen schon in der Entwicklungsphase mit Risiko-
Reformbedürftiges Vergabesystem und Kostenminimierung möglich.
Grundsätzlich ist das deutsche Vergabesystem bes- Bereits 2015 hat die Reformkommission „Bau
ser als sein Ruf, aber es bleibt reformbedürftig. Vor von Großprojekten“ Empfehlungen ausgesprochen
allem sind wir in Deutschland bei der Realisierung und deren Umsetzung initiiert. Beispielhaft möch-
großer Infrastrukturprojekte viel zu langsam. Ich te ich die frühzeitige Einbindung der Baupartner mit
nenne nur das Beispiel Stuttgart21. Im Jahr 1994 dem Stichwort „Kooperatives Planen im Team“ nen-
wurde der Öffentlichkeit von den damals verant- nen. Eine weitere erhebliche strukturelle Verbesse-
wortlichen politischen Entscheidungsträgern das rung ist die Aufhebung der strikten Trennung von
zukunftsweisende Großprojekt erstmals vorgestellt. Planung und Ausführung durch „integrierte Pro-
Heute schreiben wir das Jahr 2019. Und wenn ein jektabwicklung mit Mehrparteienverträgen“. Das
Vierteljahrhundert nach der Präsentation der Idee Ziel dieses innovativen Ansatzes besteht im Sys-
immer noch keine Züge unter Stuttgart hindurchrol- temwechsel und Kulturwandel für die Realisierung
Alles aus einer Hand:
len, dann stimmt etwas nicht. Allein von der Projekt- komplexer Bauvorhaben. Alle diese Beispiele zeigen, Bei den Bavaria Towers
vorstellung bis zum Abschluss der Finanzierungs- dass die Problemlage von den Entscheidungsträgern (München) umfasste der
vereinbarung 2009 sind 15 Jahre vergangen. Wenn zumindest erkannt wird. Es wurden auch schon ent- Leistungsumfang der
PORR neben schlüssel-
Terminpläne derart ausufern, dann darf man sich sprechende Schritte eingeleitet. Somit besteht die
fertiger Errichtung
nicht wundern, dass auch die Kosten entsprechend berechtigte Hoffnung, dass die beschlossenen Maß- auch Generalplaner-
steigen. Ein weiteres Problem verbirgt sich im Übri- nahmen und künftige Ausschreibungen nach dem leistungen der PORR
gen hinter unpräzisen Formulierungen bei der Bau- Bestbieterverfahren zu einer signifikanten Kosten- Design & Engineering,
die Beratung, die Ob-
aufgabenstellung. Es muss sichergestellt sein, dass und Terminverbesserung führen. Ich prognostiziere:
jekt- und Fachplanung,
nicht verdeckte Risiken auf den Auftragnehmer Auf diese Weise lassen sich in Zukunft selbst hoch- Mieterausbau und
überwälzt werden. komplexe Infrastrukturvorhaben innerhalb der vor- -management sowie Leis-
gegebenen Zielmarken realisieren. tungen zur Erlangung der
LEED-Gold-Zertifizierung.
Digitalisierung sorgt für Planungssicherheit Foto: PORR AG
und Transparenz
Ein Projekt von PORR für BMW in München hat
gezeigt, dass es auch anders geht: Der ursprüngliche
Entwurf des Architekten für ein Bürogebäude, das
3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Platz bie-
tet, überstieg das Budget um zehn Millionen Euro.
Mittels Value Engineering wurden Optimierungs-
potenziale identifiziert, so dass der vorgegebene
Kostenrahmen eingehalten und zudem der Zeitplan
um sechs Monate unterschritten werden konnte. Ein
Erfolgsfaktor war die partnerschaftliche Bestleistung
aller Projektbeteiligten.
Erfreulicherweise hat die Politik die Defi zite
erkannt und arbeitet mit Hochdruck an Lösungen.
So kommt ein von der Bundesregierung erstell-
tes Gutachten zu dem Ergebnis, dass Infrastruktur-
www.baugewerbe-magazin.de 12 \ 201924
Politik und Wirtschaft
EU-EntsEndErichtliniE
Was die Reform
bedeutet
Künftig sollen für entsandte Arbeitnehmer europaweit die gleichen
Lohnbedingungen wie für einheimische Arbeitnehmer gelten. Was sich für
Bauunternehmen ändert und welche Probleme bleiben, verrät Dr. Axel Boysen.
Lohngerechtigkeit EU-weit
Die Reform sieht folgende Änderungen vor, um
EU-weit für mehr Lohngerechtigkeit für entsandte
Mitarbeiter zu sorgen: Alle Arbeitnehmer sollen im
Einsatzland den gleichen Tariflohn wie dort beschäf-
tigte, vergleichbare Ortsarbeitskräfte erhalten. Das
gilt auch für Ansprüche auf Urlaubs-, Weihnachts-
oder Schlechtwettergeld. Bestimmte Zuschläge und
Tagegelder sowie Sonderzahlungen gelten zukünftig
auch für entsandte Mitarbeiter. Entsendekosten,
etwa der Transport zum Arbeitsort oder Kosten für
die Unterbringung, dürfen nicht mehr vom Lohn
abgezogen werden.
Einsätze von Arbeitnehmern im EU-Ausland
Dr. Axel Boysen ist werden erstmals befristet und dürfen nicht länger
Managing Partner bei als zwölf Monate dauern. Eine Verlängerung auf 18
der auf Mitarbeiter-
Monate soll mit einem Sonderantrag möglich sein.
entstendung spezialisierten
Diese Regelungen gelten auch für die Bauindustrie
Kanzlei Fragomen Global
LLP in Frankfurt. und das Bauhandwerk. Praktisch relevant sind
Foto: Fragomen hauptsächlich Entsendungen von Bauarbeitskräften
aus dem Ausland in das Hochlohnland Deutschland.
Während die Kritik deutscher Unternehmen, die
G
leicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Mitarbeiter ins EU-Ausland entsenden, sich an der
Ort!“ – so simpel wie einleuchtend wird das bürokratischen Belastung entzündet, die die jewei-
Ziel der Reform der EU-Entsenderichtlinie ligen nationalen Entsendegesetze mit sich bringen,
in der Öffentlichkeit gern zusammengefasst. Sie soll geht die Kritik des Bausektors in eine andere Rich-
hauptsächlich dafür sorgen, dass Arbeitnehmer, tung. Dort sorgt man sich um unzureichenden Wett-
die aus einem anderen EU-Land nach Deutschland bewerbsschutz zugunsten der heimischen Bauwirt-
entsandt werden oder umgekehrt, nicht schlechter schaft gegenüber der ausländischen Konkurrenz.
behandelt werden als einheimische Beschäftigte. Die Pflicht für ausländische Bauunternehmen, ihren
Als starkes Zeichen im Kampf gegen Lohndumping, nach Deutschland entsandten Mitarbeitern künftig
Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung wurde die deutschen Branchentariflöhne zahlen zu müs-
die Reform 2018 verabschiedet und soll ab Juli 2020 sen, wird zwar als Wettbewerbsentlastung akzep-
endgültig in allen EU-Staaten umgesetzt werden. tiert. Dennoch geht dies vielen deutschen Bau-
In Deutschland muss deshalb das Arbeitnehmer- unternehmern nicht weit genug. Streitpunkt ist das
entsendegesetz angepasst werden. unterschiedliche Niveau der Sozialabgaben.
Während der Gesetzgeber in Frankreich die
Reform bereits weitestgehend umgesetzt hat, Preiskampf durch Sozialversicherungsbeiträge
herrscht in Deutschland immer noch Unsicherheit Grund hierfür ist, dass Sozialabgaben für nach
darüber, was diese beinhaltet und was sich konkret Deutschland zeitweilig entsandte Bauarbeits-
für Unternehmen und Arbeitgeber ändern wird. kräfte auch in Zukunft ausschließlich in deren Hei-
12 \ 2019 www.baugewerbe-magazin.dePOROTON®-T7®, -S8® und -S9®
matstaat fällig werden. Somit verbleiben für ausländische
Bauunternehmen erhebliche Vorteile durch geringere Lohn-
DIE ERSTEN
KLIMA
kosten wegen der geringeren Arbeitnehmer- und Arbeit-
geberanteile in der heimatlichen Sozialversicherung. So sieht
die Realität auf deutschen Baustellen aus: Die meisten Unter-
NEUTRALEN
nehmen, die ihre Mitarbeiter nach Deutschland entsenden,
kommen aus Ländern wie Polen oder Rumänien, wo die
Kosten für Sozialabgaben deutlich niedriger sind. Viele deut-
sche Bauunternehmen würden sich daher wünschen, dass ihre
ZIEGEL
ausländischen Konkurrenten künftig nicht nur einen Brutto-
lohn nach deutschem Tarifniveau zahlen müssten, sondern
zusätzlich auch den Arbeitgeberanteil in die deutsche Sozial-
versicherung. Sie fürchten sich vor allem vor Briefkasten-
firmen, die keinen eigenen Geschäftsbetrieb an ihrem offiziel-
len Geschäftssitz haben und nur zum Schein dort angestellte
Schlagmann Poroton ist der führende Anbieter von
Arbeitskräfte nach Deutschland „entsenden“.
Mauerziegeln in Süddeutschland. Wir wollen als
Änderung des Sozialversicherungsrechts unrealistisch Marktführer auch in puncto Nachhaltigkeit
So verständlich dieser Wunsch nach einer entsprechen- unserer Verantwortung gerecht werden.
den Gesetzesänderung aus Wettbewerbssicht sein mag, so
unrealistisch ist er aus rechtlicher Sicht. Denn eine solche In enger Zusammenarbeit mit Klimaschutz-Experten
Maßnahme stünde in direktem Konflikt mit den europäischen haben wir eine 3-Säulen-Strategie entwickelt.
Verordnungen zur Sozialversicherung. Diese Verordnungen Mit den Maßnahmen dieser Strategie sind unsere Top-
sehen vor, dass ein zeitweilig ins Ausland entsandter Arbeit-
Produkte, die perlitgefüllten POROTON®-T7®, -S8® und -S9®
nehmer prinzipiell im Sozialversicherungssystem seines
die ersten klimaneutralen Ziegel.
Heimatlandes verbleibt. So soll gewährleistet werden, dass
Arbeitnehmer eine möglichst kontinuierliche Versicherungs-
historie in einem einzigen Sozialversicherungssystem auf- Detaillierte Informationen dazu und über unsere
bauen, nach dem Prinzip: eine Rente – aus einem System. Aktivitäten für Artenschutz, Regionalität und
Dieses Schutzinteresse entsandter Arbeitnehmer ist aus Biodiversität finden Sie unter:
Sicht des europäischen Gesetzgebers schützenwerter als das schlagmann.de/klimaneutraleziegel
Interesse der Arbeitgeber aus Hochlohnländern an einem
Wettbewerbsschutz. Für eine entsprechende Änderung der
europäischen Entsenderichtline und eine Anpassung natio-
naler Entsendegesetze besteht auch rechtlich kein Raum. ren , Emissionen v
Die EU-Verordungen zur Sozialversicherung gelten für alle ie spa erm
eid
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Mitgliedsstaaten unmittelbar und zwingend. n er e
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E
Ausweg: regelmäßige und tiefgreifende Kontrollen
Eine Reform des EU-Sozialversicherungsrechts zum Ausgleich
von Wettbewerbsnachteilen für Arbeitgeber aus Hochlohn-
Kompensation dur
ländern ist also nicht realistisch. Aussichtsreicher wäre die
etzen
Forderung nach regelmäßigeren und tiefgreifenderen Kontrol-
len bei den Unternehmen, aber auch auf den Baustellen. So TÜV NORD CERT
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würde unlauteren Geschäftsmodellen Einhalt geboten.
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Solche Kontrollen würden dabei helfen, Phänomene wie
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Lohndumping durch Schwarzarbeit und Scheinentsendun-
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gen einzudämmen. Phänomene, deren Bekämpfung bereits
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1996 bei der Einführung der ersten EU-Entsenderichtlinie im
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Fokus standen und den Anstoß für die aktuelle Reform gelie-
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fert haben. Angesichts der knappen Personalressourcen bei der roje
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Finanzkontrolle Schwarzarbeit müsste dafür erheblich Perso- te
nal aufgebaut werden. Dies vor dem Hintergrund, dass der Staat
über viele Jahre den öffentlichen Dienst abgeschmolzen hat.
Es ist naiv zu glauben, die Verschärfungen des Arbeitnehmer-
entsendegesetzes würden ausreichen, wenn deren Einhaltung
nicht konsequent kontrolliert und durchgesetzt wird.
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