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AUSGABE 2 / 2017
INFORMATIK-OFFENSIVE
Der Kanton St. Gallen bekämpft mit der
IT-Bildungsoffensive den Fachkräftemangel in
der Informatik. Die HSR ist vorne mit dabei.
HOCHWASSERSCHUTZ AUS DEM 3D-DRUCKER
Die HSR arbeitet derzeit an einer Evolution im Hoch-
wasserschutz. Mit 3D-Scanner und 3D-Drucker werden
Modelle in ungekannter Detailtreue entwickelt.
UV-LICHT AUS LED GEGEN BAKTERIEN
Neuerdings können LEDs energiereiches
UVC-Licht emittieren und damit Bakterien
und Viren abtöten.
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HSR Magazin 2 / 2017Problem?
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TEL +41 52 234 56 11INFORMATIK-OFFENSIVE
Ein Team der HSR rettet an der European Robotics League Menschenleben mit kooperativen Drohnen. Illustration: Tobias Leuenberger
Liebe Magazinleserinnen, aber unseren sportlichen Kolleginnen und dierende anderer Bachelorrichtungen in Data
Liebe Magazinleser Kollegen im sumpfigen Hochmoor die Puste Science und Data Engineering oder als For-
ausging? Dann müssen wir uns so lange mit schende der HSR Institute. Lassen Sie sich
In der Umarmung der Informatik der Betaversion vergnügen, bis Nachschub durch die Vielfalt unserer Hochschulprojekte
«Wir benötigen pro Tag vier Umarmungen an Vitaminriegeln im Moorgelände ausgelie- in der angewandten Informatik inspirieren.
zum Überleben, acht Umarmungen zum fert worden ist. Wir, die Busreisenden, könn-
Leben, zwölf Umarmungen zum Wachstum» ten jedoch auch in festes Schuhwerk schlüp- Viel Spass beim Lesen!
sagte die US-amerikanische Familienthera- fen und den Sportskanonen
peutin Virginia Satir. Gemeint sind Umar- entgegenkommen. Sie aus dem Wald hinaus-
mungen von Mensch zu Mensch. Und wie führen, damit wir alle vereint auf dem Hori-
sieht es mit den Umarmungen durch Infor- zont in der aufgehenden Sonne den Release
matik aus? 2 sehen, die Fahrgastwünsche inklusive.
Wenn Menschen von der Informatik umarmt Ganz so romantisch ist das Aufeinandertref- Eva Tschudi
werden, können sie sich erdrückt fühlen oder fen von Usern und IT-Spezialistinnen nicht. Chefredaktorin
beflügelt. Die Informationstechnologie be- Was zählt ist die effiziente Zusammenarbeit
gleitet uns auf Schritt und Tritt, häufig eilt sie der beiden Gruppen, wobei die User hoch- P.S. Wenn schon umarmen, dann richtig.
uns Nutzerinnen und Nutzern voraus und wir qualifizierte Fachpersonen wie Ärzte, For- Wenn ich ins Auto steige – egal ob in mein
fürchten, sie an der nächsten Kreuzung aus scherinnen, Techniker oder Planerinnen sind, eigenes oder in ein Sharecar, könnte das Be-
den Augen zu verlieren. Dann haben wir die durch neue, automatisierte IT-Anwen- förderungsmittel mich mit Namen begrüssen
zwei Möglichkeiten: Entweder wir ziehen dungen ihre Leistungen schneller oder preis- und mir eine sichere Reise wünschen. Und
Weiterbildungsturnschuhe an und passen werter oder überhaupt erst erbringen kön- meinen Namen auf der Einstiegsleiste leuch-
unser Lauftempo der Geschwindigkeit der nen. Die Umarmung der IT-Möglichkeiten ten lassen. Ich brauche Zuneigung in der
technologischen Entwicklung an. Oder wir macht uns innovativer und wettbewerbsre- virtuellen Welt.
warten auf den nächsten Bus und lassen uns sistenter. Vorausgesetzt wir dämonisieren sie
zum Ziel fahren. Gemeinsam mit vielen ande- nicht, sondern beziehen sie in unsere Aufga- N.B. Virginia Satir wirkte zuletzt in Palo Alto
ren ÖV-Gästen, wobei der Weg nicht das Ziel ben mit ein. Oder wir lassen uns gänzlich auf in Kalifornien, wo grosse Tech-Unternehmen
ist. Den Weg kann nämlich niemand im sie ein: als Schülerinnen der neuen Informa- zuhause sind. Ist es ein Zufall oder war das
Detail beschreiben. Und was passiert, wenn tikmittelschule in Rapperswil, als Informatik- Bedürfnis der dortigen Bevölkerung nach
wir Fahrgäste am Ziel angekommen sind, studierende in neuen Vertiefungen, als Stu- Umarmungstherapie so gross?
4 HSR Magazin 2 / 2017INHALT
10 12
14 18
38 40 20
FOKUS THEMEN AKTUELLES
10 Digitale Evolution an der HSR 30 Drucken, tüfteln, testen: 46 Pensionierung, Textilaltro, Agenda
1 Jahr 3D-Lab an der HSR
12 Ein Drohnenteam als vielseitiger 47 News
Ersthelfer 32 Effizient, leicht, widerstandsfähig
48 Neue Professuren
14 Eine Software schützt 34 HSR Studentin hilft
Flüsse und Seen Spitzensportlern aufs Podest 49 Impressum
16 Algorithmus bestimmt DNA schnell 36 «Mir gönd in Zoo» 50 Sprungbrett
und genau
38 Mit UV-Licht aus LED-Lampen
18 HSR Absolventen digitalisieren gegen Bakterien und Viren
Baufirmen
40 Videos werden zur Erfahrung
20 Hochwasserschutz aus dem mit allen Sinnen
3D-Drucker
42 Der Sonne einen Schritt voraus
22 Weiterbildung für aktuelle
IT-Kompetenz 44 HSR arbeitet mit lokalem
Tourismus zusammen
24 So funktionieren lernende
Algorithmen
HSR Magazin 2 / 2017 5Expertenwissen
digital verschmelzen
Dieser Tage startete die Aufrichtephase unseres zweiten objekt zu produzieren. Bereits während des Aushubs
Studentenwohnheims in Rapperswil-Jona, unweit des kann die Produktion des Holzbaus in den Werkhallen be-
Campus. Während die Fundamentarbeiten nach minu ginnen. Die Maschinen werden vollautomatisch gesteuert
tiöser Planung acht Monate in – mit einer bisher nicht realisierba-
Anspruch nahmen, wird das Auf- «DIGITALISIERUNG IST KEIN ren Präzision.
richten der zwei Obergeschosse Digitalisierung ist kein Buzzword
BUZZWORD MEHR, SONDERN
15 Arbeitstage dauern. Beide Bau- mehr, sondern hat heute tief
phasen setzen eine detaillierte HAT HEUTE TIEFGREIFENDE REALE greifende reale Auswirkungen auf
Ausmessung des Geländes nach AUSWIRKUNGEN AUF GANZE ganze Branchen. Die HSR be
Bauplänen voraus und eine Über- BRANCHEN. » grüsste Anfang September rund
tragung der CAD-Daten in eine 220 Unternehmerinnen und Un-
automatische Baumaschinensteu- ternehmer zur Digitalisierungskon-
erung. Der Bagger, der Kran und die Säge werden zwar ferenz und liess Praxisbeispiele für sich sprechen. U nser
von Menschen bedient, die Maschinen werden jedoch DigitalLab@HSR realisiert gemeinsam mit Unternehmen
durch Daten gesteuert, die der Geometer, die A r
chi
- Digitalisierungsmöglichkeiten – von Start-ups bis zu gros-
tektinnen und der Bauunternehmer zuvor berechnet und sen Konzernen – und hilft, den Paradigmenwechsel vor-
in digitaler Form konsolidiert haben. Alle P lanungsschritte anzutreiben.
werden in einem digitalen Datenplan zusammengefasst
Prof. Dr.
Margit Mönnecke und exakt abgeglichen. Die Digitalisierung ermöglicht es, Informationstechnologie im Studium
HSR Rektorin an verschiedenen Standorten gleichzeitig für ein Bau Auch im Unterricht tragen wir dem Wandel durch die
Digitalisierung vorausschauend Rechnung. Unser Infor-
matikstudium ist sehr breit aufgestellt und auch alle
anderen Studiengänge beziehen die neuen Möglich
keiten der Informatik verstärkt in den Unterricht mit ein.
Bereits heute ist der Umgang mit Daten zentral, wenn es
um Auswertungsmethoden, Simulationen, Artificial
Intelligence oder Cyber Security geht. Auch unsere
praxisorientierte Forschung macht sich das Data Engi-
neering in seinen vielen Formen zunutze, um Menschen
zu helfen, zum Beispiel durch personalisierte Medizin
oder durch das frühzeitige Erkennen von Überschwem-
mungs- oder Murganggefahr. Unsere IT-Kompetenzen
geben wir in der Weiterbildung im Rahmen von Master-
und Zertifikatslehrgängen weiter. Die steigenden An-
meldungen in den IT-Lehrgängen belegen, dass sich
auch erfahrene Berufsleute den neuen Informatikmög-
lichkeiten stellen wollen und müssen.
Die HSR ist gut aufgestellt, das breite Spektrum der Infor-
matik sowohl im Unterricht wie in der angewandten
Forschung weiter zu geben und zu nutzen. Damit das
auch morgen und übermorgen der Fall ist, planen wir
weiteren Kompetenzausbau beispielsweise in den Be
reichen Artificial Intelligence und angewandtes Data
Engineering.
6 HSR Magazin 2 / 2017BACHELORSTUDIENGÄNGE
AN DER HSR
Bauingenieurwesen
Elektrotechnik
Erneuerbare Energien und Umwelttechnik
Informatik
Landschaftsarchitektur
Maschinentechnik | Innovation
Raumplanung
Wirtschaftsingenieurwesen
> hsr.ch/bachelor
PAIECIHKRE N
Bachelor-Infotag:
28. Oktober 2017
hsr.ch/ infotag
S E
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DER MASTER
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INGENIEURE
Civil Engineering
Energy and Environment
Innovation in Products, Processes
and Materials
Plastics Technology
Raumentwicklung
und Landschaftsarchitektur
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8 HSR Magazin 2 / 2017Alle sprechen zurzeit von der Digitalisierung – zu Recht, denn dieses
Phänomen ist grundlegend und gilt sogar als Leitmedienwechsel:
nach Sprache, Handschrift und Druck dominiert nun die digitale
Kommunikation. Sie erfasst die Gesellschaft ganzheitlich, in der
ökonomischen Wertschöpfung wie in der kulturellen Entfaltung.
Die Digitalisierung ist auch für die Bildung zentral.
Angewandte
Digitalisierung
Der Kanton St.Gallen hat gute Voraussetzungen, um den Eine grosse Chance gerade auch für die HSR ist das
digitalen Sprung zu meistern: dezentral-autonome Kompetenzzentrum für Angewandte Digitalisierung. Es
Strukturen, Arbeitswille und Qualitätsbewusstsein so- besteht aus einem Digitalen Campus und forciert den
wie Verständnis für die «Bildung Wissens- und Technologie-Trans-
als Rohstoff». Auch bei uns sind fer (WTT) zwischen Hochschulen
«IM ZENTRUM STEHEN
aber Anstrengungen nötig, um und Wirtschaft. Mit dem Digitalen
das Beste aus der Digitalisierung BILDUNGSINVESTITIONEN FÜR Campus kann unter anderem eine
herauszuholen. Der Kantonsrat FACHKRÄFTE UND WIRTSCHAFT» Forderung der Industrie- und
hat die Motion «IT-Bildungs Handelskammer (IHK) erfüllt wer-
offensive» überwiesen. Ende Jahr den: Nach deren Erkenntnissen
Stefan Kölliker unterbreitet ihm die Regierung die Vorlage für einen besteht im Raum Bodensee-St.Gallen-Fürstenland eine
grossen Sonderkredit. Damit werden Efforts für digitale ungedeckte Nachfrage nach Informatik-Kadern.
Quantensprünge auf allen Schulstufen finanziert. Im
Zentrum stehen Bildungsinvestitionen für Fachkräfte Alleinstellungsmerkmal festigen
und Wirtschaft. Nicht ausser Acht gelassen werden dür- Solche werden an der HSR ausgebildet. Die Lösung: Die
fen aber auch Aktivitäten im Schulunterricht zur Förde- HSR baut mithilfe der IT-Bildungsoffensive ihren Infor-
rung des «Computational Thinking». matik-Studiengang – für den wir im August 2017 den Zu-
bringer der technischen Informatikmittelschule (IMS-T)
in Rapperswil eröffnet haben – auch für Studierende im
GEPLANT SIND VIER SCHWERPUNKTE Raum St.Gallen auf. Damit festigt sie ein Alleinstellungs-
n Pilotschulen für digitale Unterrichtsformen mit
merkmal und wird zum Musterbeispiel für die Stärkung
Lead der Pädagogischen Hochschule St.Gallen aller Schulstandorte in der neuen Fachhochschule im
n Forschungs- und Lehrschwerpunkt in Informatik
Kanton St.Gallen!
und Management an der Universität St.Gallen Stefan Kölliker, Regierungsrat und Vorsteher des
n Kompetenzzentrum für Angewandte Digitalisie- Bildungsdepartementes des Kantons St.Gallen
rung für die Fachhochschulen
n Vernetzungsplattform für Praktika von Studieren-
den in Wirtschaftsbetrieben sowie MINT-Förder-
programme für Schülerinnen und Schüler
HSR Magazin 2 / 2017 9Digitalisierung ist das Schlagwort der Stunde. Doch sie kann nicht
nur herbeigeredet werden. Für ihre Umsetzung braucht es fundiert
ausgebildete IT-Fachleute auf verschiedenen Stufen. Ausgebildete
Informatiker, praxisorientierte Informatik-Ingenieurinnen und eine
anwendungsorientierte Informatik-Forschung. Im Fahrwasser der
IT-Bildungsoffensive des Kantons St. Gallen stellt sich die HSR in der
Informatik in vier Kernbereichen mit verstärkten Ressourcen auf.
Digitale Evolution
an der HSR
HSR IT-Profis lehren an der Informatikmittelschule in Rapperswil-Jona
Der Kanton St. Gallen will den Fachkräftemangel Informatikstudium an einer Fachhochschule wie zum
in der Informatik mit der Informatikmittelschule Beispiel der HSR oder für den Berufseinstieg als aus-
(IMS-T) eindämmen. Die Schule ist mit der Kombina- gebildete Informatiker.
tion des Berufsabschlusses als Informatikerin oder Das ist insofern wichtig, als die Nachfrage nach In-
Informatiker und Berufsmaturität TALS schweizweit formatik-Ausbildungsplätzen weit höher liegt als das
ein Novum. Der Abschluss befähigt direkt für ein Angebot in der Wirtschaft besteht – dem gegenüber
steht ein hoher Bedarf an ausgebildeten Informatike-
rinnen und Informatikern.
Mit dem Abschluss an der Informatikmittelschule wer-
den künftig mehr junge Menschen Zugang zu einer
Informatikausbildung haben und so den Informatik-
Fachkräftemangel dämpfen können.
Die HSR unterstützt die Informatikmittelschule mit
wissenschaftlichen Mitarbeitenden. Sie werden im
Teilzeitpensum ihr Informatik-Know-how an die Ler-
nenden weitergeben. (MEW)
markus.stolze@hsr.ch
10 HSR Magazin 2 / 2017HSR Studierende behalten mit Data Science die Übersicht im Datenberg
Daten werden heute überall gesammelt: von bilder bewerten, wenn eine Maschine schnellere und
Smartphones, von Produktionsstrassen in zuverlässigere Diagnosen stellen kann? Oder wieso
Industriebetrieben, von Websites und On- sollten Menschen verdächtige Kreditkarten-Buchungen
lineshops, von Navigationssystemen, von prüfen, wenn Computer mit Zugriff auf Millionen täg-
Sensornetzwerken oder von Kameras. Diese liche Transaktionen die Hinweise auf Betrug viel besser
oft als Big Data bezeichneten Datenberge erkennen können?
auszuwerten und nützliche Erkenntnisse, Damit Know-how wie dieses seinen Weg in die Wirt-
Prozessverbesserungen oder Handlungs- schaft findet, bietet der Studiengang Informatik eine
empfehlungen daraus abzuleiten ist deshalb eigene Vertiefung in Data Engineering & Machine Intel-
zu einer eigenen Disziplin in der Informatik ligence für die angehenden Informatik-Ingenieurinnen
herangewachsen: Data Science. An der HSR und -Ingenieure an. Mit den Data-Science-Modulen
beschäftigen sich fast alle der 16 Institute in Deep Learning, Statistical Machine Learning, Parallel-
der angewandten Forschung und Entwicklung rechnen und Data Engineering bringen drei renom-
mit diesem Thema, denn kaum ein Fachbereich mierte Professoren ihr Praxiswissen aus der Forschung
kann es sich leisten, den Wettbewerbsvorteil einer in den Studiengang Informatik an der HSR ein. Ein
professionellen Datenwissenschaft nicht zu nutzen. Brückenmodul der HSR Mathematiker stellt zudem
Betrugsprävention für Kreditkarten, Predictive Mainte- sicher, dass die Studierenden mit dem nötigen mathe-
nance, energieeffiziente Routenplanung und diagnos- matischen Wissen ausgestattet werden, um die kom-
tische Bilderkennung, DNA-Analysen für personalisierte plexen Auswertungsmethoden anwenden zu können.
Medizin – die Anwendungsfelder für Data Science Data Science ist nämlich weit mehr als nur Informatik,
sind weitläufig und haben das Potenzial, ganze Be- sie verschmilzt Expertenwissen unter anderem aus den
rufszweige nachhaltig zu verändern. Zwei Beispiele: Bereichen Signalverarbeitung, Mathematik und Infor-
Warum sollte ein Arzt jeden Tag Hunderte Röntgen- matik. (MEW)
Cybersicherheit als wichtiger Bestandteil des Informatikstudiums
Cybersicherheit ist derzeit in aller Munde. Das und bietet folgende Module an: Netzwerksicherheit,
Schweizer Militär investiert in Cyber Defence, Internetsicherheit, Applikationen im Internet, Cloud-
Firmen heuern Sicherheitsspezialisten an, Infrastrukturen und Kryptografie. Durch eine zielge-
selbst Privatleute verschlüsseln immer kon- richtete Rekrutierung neuer Dozierender und mithilfe
sequenter ihre Kommunikation. Nach Viren- der Professorenschaft ist es dem Studiengang ein Anlie-
attacken wie WannaCry, Hackerangriffen gen, aktuelles Cybersicherheits-Know-how auf hohem
auf Industriebetriebe wie die Ruag, Niveau zu vermitteln. Mit zwei auf die Blockchain-Tech-
Wahlmanipulationen sowie militärischen nologie fokussierten Professuren und erfahrenen ex-
Hackerangriffen und weltweit steigenden ternen Dozierenden wie beispielsweise Ivan Bütler von
staatlichen Überwachungstendenzen ist der renommierten IT-Sicherheitsfirma Compass Security
das kein Wunder. Der Bedarf an Fachleuten nimmt die Cyber Security einen wichtigen Platz in der
für Cyber Security steigt. Die HSR engagiert Informatikausbildung an der HSR ein. (MEW)
sich seit Längerem in der Cyber-Security-Thematik
DigitalLab@HSR digitalisiert die Schweizer Wirtschaft
Das Interesse an der Digitalisierung ist in der Schwei- des IT-Konzerns Cognizant engagiert. So wird sicherge-
zer Wirtschaft riesig. Immer mehr Unternehmen in- stellt, dass gute Ideen nicht nur erzeugt, sondern auch
vestieren in digitalisierte oder teildigitalisiere auf den Weg gebracht werden, um einen konkreten,
Prozesse, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu nachhaltigen Mehrwert zu liefern. Dafür setzt das
erhalten oder Wettbewerbsvorteile zu erlan- DigitalLab@HSR auf eine selbst entwickelte Methode,
gen. Deshalb hat die HSR im Juni 2016 das die die Prinzipien von «digitalem Denken» mit Mecha-
DigitalLab@HSR eröffnet. Digitalisierungs- nismen zur industriellen Skalierung und multidiszipli-
willige Firmen können so auf die gebün- närem Know-how kombiniert. Seit der Eröffnung im
delten On-Demand-Kompetenzen aus Juni 2016 konnte das DigitalLab@HSR mehrere KMU
den Bereichen Technologie, Prozesse und und börsenkotierte Unternehmen bei der Digitalisie-
Change-Management zurückgreifen. Denn rung in unterschiedlichen Phasen begleiten. (MEW)
im DigitalLab@HSR sind mehr als 20 Fach-
leute der HSR, der Universität St. Gallen und Weitere Informationen auf www.digitallabathsr.ch.
HSR Magazin 2 / 2017 11Unbemannte Drohnen können in Gebieten operieren, die für
Menschen zu gefährlich sind. Den Praxisbeweis dafür hat das Team
«HSR Search and Rescue» des ILT Institut für Laborautomation und
Mechatronik in der Notfall-Disziplin der European Robotics League
angetreten. In einem Katastrophengebiet galt es, mit einer multi-
funktionalen Flugdrohne vermisste Menschen zu finden. Die Drohne
wurde mit dem Forschungspartner armasuisse W+T entwickelt.
Ein Drohnenteam
als vielseitiger Ersthelfer
Ein Erdbeben verwüstet eine Küstenregion, in der ein Tablet oder wahlweise auch per Funkfernbedienung. Die
Atomkraftwerk steht. Kurz darauf trifft ein Tsunami das gesamte Drohnensoftware basiert auf Open-Source-
Kraftwerk, in dem gerade noch die Evakuierung läuft. Lösungen und ist grösstenteils durch die Informatiker
Mehrere Arbeiter werden vermisst. Es gibt wahrschein- des HSR Instituts für Software entwickelt worden. «Wir
lich Lecks in diversen Pipelines, aus denen radioaktives haben in der Zusammenarbeit zwischen ILT und IFS ein
Material austritt. Einige davon führen direkt ins Meer. Für perfektes Beispiel für Interdisziplinarität an der HSR ge-
Menschen wäre es zu gefährlich, dieses mutmasslich sehen. Die räumliche Nähe im HSR Forschungszentrum
stark verstrahlte Gebiet zu betreten. Deshalb treffen hat einen flexiblen Austausch der Entwickler jederzeit
Notfall-Teams mit Luft-, Boden- und Unterwasser-Droh- möglich gemacht», sagt der Projektverantwortliche Prof.
nen ein. Sie sollen die Lage aufklären, müssen vermisste Dr. Christian Bermes.
Personen finden und retten sowie radioaktive Lecks ent-
decken und so schnell wie möglich schliessen. Drei Teams, drei Drohnen, eine Mission
Was im ersten Moment nach einer futuristischen Version Bei der European Robotics League ist das HSR Team zu-
des Kraftwerksunglücks von Fukushima 2011 klingt, ist sammen mit Teams der Fachhochschule Kiel und der
die Missionsbeschreibung der Emergency Grand Chal- Fachhochschule Luzern in der Notfall-Disziplin angetre-
lenge 2017, die im Rahmen der European Robotics ten. Kiel steuerte eine Unterwasser-Drohne bei, die Lu-
League (ERL) in Piombino in Italien veranstaltet wurde. zerner brachten ihre Boden-Drohne mit. Um im Wett-
Ende September nahm ein Team der HSR mit einer unbe- kampf alle Aufgaben erfüllen zu können, mussten die
mannten Flugdrohne daran teil. drei Teams zusammenarbeiten. Drei Aufgaben mussten
kooperativ bewältigt werden: 1. Vermisste Arbeiter des
3D-Karten und fliegende Notfallkoffer Atomkraftwerks finden; 2. Die Lage im Erdbebengebiet
Eine fliegende Drohne bewegt sich mit ihren sechs Roto- um das Atomkraftwerk aufklären, aktuelle Kartendaten
ren blitzschnell von einem Punkt zum nächsten. Sie filmt erstellen und mit anderen Drohnen teilen; 3. Pipelines in-
die Umgebung und verwandelt die Kameradaten in spizieren sowie mögliche Lecks finden und stopfen.
Echtzeit in eine aktuelle 3D-Karte der Umgebung. Sie Um die Missionen zu bewältigen, mussten die drei Teams
teilt die Informationen mit anderen Drohnen, die im die Stärken ihrer jeweiligen Drohnen kooperativ nutzen.
Wasser oder an Land operieren. Wird eine verletzte Per- Deshalb setzt die HSR Drohnensteuerung auf das Teilen
son entdeckt, kann sie sogar einen rund ein Kilogramm von Informationen. Mit der Flugdrohne war das HSR
schweren Notfallkoffer aufnehmen und der verletzten Team am schnellsten unterwegs und konnte die Lage aus
Person bringen. der Luft schnell einschätzen sowie umfassende Karten-
Die drei HSR Ingenieure des ILT Instituts für Laborauto- daten für die anderen Teams bereitstellen.
mation und Mechatronik sind mit einem schlanken Per Tablet lassen sich Informationen mit den anderen
Steuerungs-Setup angetreten, das auch in schwierigem Teams teilen – ein Druck aufs Display und die Kieler und
Gelände schnell per Stativ aufgestellt werden kann. Ge- Luzerner sahen auf ihren Karten, wo vermisste Personen
steuert wird die Drohne per Touch-Steuerung auf einem liegen oder wo radioaktive Lecks zu stopfen sind.
12 HSR Magazin 2 / 2017Zivil nutzbares Entwicklungsprojekt weniger intensiv geschulte Soldaten Mini-Drohnen si-
Zwei Preise konnte das HSR Team an der ERL gewinnen. cher steuern können müssen. Deshalb forscht das HSR
In der Disziplin Luft-See reichte es zusammen mit der Un- Team an einem Mensch-Maschine-Interface, welches
terwasser-Drohne der Fachhochschule Kiel für den drit- eine sichere und effiziente Bedienung der Kamera-Droh-
ten Platz. Viel wichtiger für das HSR Team war jedoch der nen mit minimaler Ausbildung der Piloten sowie unter
«Stehaufmännchen-Preis», wie ihn Projektingenieur widrigen Feldbedingungen zulässt. Der HSR Projektleiter
Sergio Miracco nennt – der «Preseverance Award». Denn Simon Göldi ist Offizier in der Infanterie und kennt die
der ERL-Wettkampf war gleichzeitig der erste Praxistext militärischen Herausforderungen aus eigener Erfahrung:
für die HSR Drohnensteuerung, die im Rahmen eines «Der Preseverance Award wurde dafür verliehen, dass
Forschungsprojekts für armasuisse W+T entwickelt wird. unser Setup während 10 Tagen im Einsatz durch seinen
Das Milizsystem der Schweiz bringt es mit sich, dass auch modularen Aufbau und die hohe Adaptionsfähigkeit
einsatzfähig blieb und auch nach Beschädigungen
schnell wieder in der Luft war.»
Die Drohnensteuerung besteht aus Tablet, Augmented-
Reality-Headset sowie einem Controller. Per Controller
wird die Drohne gesteuert, auf dem Tablet können je
nach Lagekontext nützliche Funktionen gewählt werden
und per AR-Headset erhalten der Pilot sowie alle weite-
ren mit einer AR-Brille ausgerüsteten Soldaten E insicht in
die aktuellen Drohnendaten. Diese Fähigkeiten sollen im
Sommer 2018 gemeinsam mit der Hochschule Luzern
und der ETH Zürich in der Schweiz vorgestellt werden.
(MEW)
christian.bermes@hsr.ch
Die Drohne wird primär über ein Touch-Interface sowie Live-Ka-
merabilder gesteuert (Bild links) – wichtige Informationen kön-
nen mit Ortsangabe (POI) eingefügt werden. Das Setup ist sehr
leicht transportierbar (Bild unten) und besteht aus dem Stativ mit
der Steuerungs-Hardware sowie zwei baugleichen Flugdrohnen.
HSR Magazin 2 / 2017 13Bei starken Regenfällen sind Abwasserreinigungsanlagen teils mit
den Wassermassen überfordert. Ein Teil des Abwassers gelangt dann
ungeklärt in die Umwelt. Die HSR hat zusammen mit Partnern aus
Forschung und Industrie ein Regelungssystem entwickelt, das
Schweizer Flüsse und Seen mit der vorhandenen Infrastruktur durch
intelligente Software-Steuerung besser schützt.
Eine Software schützt
Flüsse und Seen
Die Abwasserreinigungsanlagen (ARA) in der Schweiz hand der Vorgaben des Betreibers, wie viel Wasser in die
sind darauf ausgelegt, das bei trockenem Wetter anfal- Regenbecken der ARA weitergeleitet werden soll. Wenn
lende Abwasser zu behandeln. Bei mittlerem Regen fällt ein Regenbecken mit einem dynamischen Abflussregler
jedoch so viel Regenwasser aus umliegenden Siedlungen ausgestattet ist, passt INKA die Weiterleitmengen in
an, dass es die ARA teils überlastet. Der Grund dafür ist, Echtzeit automatisch an sich verändernde Bedingungen
dass ARAs für einen wirtschaftlichen Betrieb nicht auf die an. Der Betreiber hat darüber auf Wunsch jederzeit die
seltenen starken Regenfälle ausgelegt werden können. finale Kontrolle. Das Resultat: Weniger ungeklärtes
Deshalb wird der Wasserüberschuss in sogenannten Re- Abwasser und Schmutzstoffe in Flüssen und Seen und
genbecken zwischengespeichert und später zur ARA verbesserter Gewässerschutz – ohne teure Investitionen
weitergeleitet. Wenn die Speicherkapazität der Regen- in neue Betonbecken.
becken überschritten wird, gelangt das unbehandelte
Schmutzwasser direkt ins Gewässer. Um das Risiko sol- Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen
cher Entlastungen zu minimieren, haben die Gemeinden Das INKA-System kann nicht nur den aktuellen Zustand
viel Geld in Speicherbecken investiert, welche vor allem in optimieren, sondern auch Einsicht in die grundlegende
den 1970er und 1980er Jahren erbaut wurden. Oft wur- Funktionsweise des Abwassersystems liefern und so
den diese nicht mit Mess- und Regeltechnik ausgestattet, Verbesserungspotenzial aufzeigen. Mit aufgezeichneten
weil es früher sehr aufwändig und teuer war, die oft ent- Messdaten von vergangenen Regenereignissen lassen
legenen Becken mit Strom zu versorgen und aus der sich statistische Auswertungen erstellen und die komple-
Ferne zu überwachen. xen Zusammenhänge in den Kanalnetzen visualisieren.
Mit der weiten Verbreitung der mobilen Kommunikation Damit Schwächen im Kanalnetz gezielt erkannt werden
sind auch die Überwachung und die Funktionsweise der können, lässt sich jedes Abwassersystem modular nach-
Regenbecken in den Fokus gerückt. Zusätzlich ist be- bauen und mit historischen Messdaten verknüpfen. Ent-
kannt geworden, dass bei Speicherbecken, die ein wich- wickelt wurde INKA zusammen mit Eawag, Unimon, Ste-
tiges Element im Gewässerschutz darstellen, die vorhan- batec, Hunziker Betatech und dem UMTEC Institut für
dene Speicherkapazität nicht voll genutzt wird. Umwelt- und Verfahrenstechnik der HSR. Finanziert
wurde das Projekt vom Bundesamt für Umwelt und den
INKA versorgt die ARAs intelligent und Projektpartnern. Angehenden Ingenieurinnenn und In-
automatisch genieuren des HSR Studiengangs «Erneuerbare Energien
Das neue INKA-Regelungssystem verspricht, diese teuer und Umwelttechnik» steht das Wissen aus diesem Pro-
erkaufte Speicherkapazität besser auszunutzen. Das jekt und vielen weiteren aus der angewandten For-
System bekommt aktuelle Sensor-Messdaten aus den schung und Entwicklung der HSR zur Verfügung.
Speicherbecken sowie weitere Information über die (MEW)
ARA, das Kanalnetz und die Wetterlage. Damit berech- michael.burkhardt@hsr.ch
net INKA die aktuelle, optimale Nutzung der verfügbaren
Speicher- und ARA-Leistung. Das System beurteilt an-
14 HSR Magazin 2 / 2017Bild oben: Bei starken
Regenfällen gelangen
teilweise ungeklärte
Abwässer in Flüsse und
Seen.
Bild rechts: In Kombi
nation mit solchen
pneumatischen Ab-
flussreglern kann das
INKA-System durch in-
telligente Steuerung
die Gefahr minimieren,
dass ungeklärte Ab-
wässer in die Umwelt
gelangen.
HSR Magazin 2 / 2017 15Ein Krebs-Tumor verrät durch sein Erbgut (DNA), welche Medika-
mente am besten gegen ihn helfen – wenn die DNA schnell und
exakt bestimmt werden kann. An der HSR wurde ein Verfahren
entwickelt, das die menschliche DNA schneller und genauer bestim-
men kann als alle aktuellen Lösungen weltweit. Fünf Patente w urden
darauf angemeldet. Der HSR Basecaller ist ein grosser Schritt in die
Zukunft der personalisierten Medizin.
Algorithmus bestimmt
DNA schnell und genau
Die Medizin wird derzeit revolutioniert. Die Begriffe mit dieses Vorgehen auch für die Behandlung anderer
«Präzisionsmedizin» und «personalisierte Medizin» sa- Krankheiten üblich wird, muss die Analyse der menschli-
gen bereits, wohin die Reise gehen soll. Heute gibt es chen DNA exakter, schneller und damit kostengünstiger
Medikamente gegen bestimmte Krankheiten. Künftig werden. An der HSR wurde von Prof. Dr. Guido Schuster
soll es personalisierte Medikamente für jeden Patienten ein Verfahren entwickelt, das die Grundbausteine der
für jedes Krankheitsbild geben – basierend auf der Ana- menschlichen DNA schneller und genauer bestimmen
lyse der menschlichen DNA. kann als alle anderen Lösungen, die es weltweit bisher
In der Krebsmedizin werden heute bereits teilweise gibt. Bestätigt wurde das unter anderem vom Broad Ins-
DNA-Analysen für eine individuelle und damit wirksa- titute vom Massachusetts Institute of Technology und
mere Bekämpfung von Krebs-Tumoren eingesetzt. Da- Harvard in Boston, USA.
So sieht DNA mit ihren vier paarweise angeordneten
Basen im Detail aus. Beim Menschen besteht die DNA
aus rund 3,27 Milliarden Basenpaaren.
16 HSR Magazin 2 / 2017Adenin Thymin Guanin Cytosin
Nach 10 Lesezyklen Die vier Bausteine des Lebens Erkennung der richtigen Base visuell kaum mehr möglich
(Reihe oben) lässt sich Geschwindigkeit und Präzision sind bei der DNA-Ana- (siehe Bildvergleich). Das menschliche Auge hätte keine
die dominante (hellste)
Base noch mit blossem lyse die wichtigsten Faktoren. Für eine komplette Se- Chance mehr und für einen Computer wird es ebenfalls
Auge erkennen. Nach quenzierung eines Menschen müssen rund 3,2 Milliar- sehr schwierig.
100 Lesezyklen (Reihe den Basenpaare bestimmt werden – das sogenannte
unten) ist das für einen
Menschen nicht mehr Basecalling. Denn die DNA besteht aus vier Bausteinen, Der Computer bringt sich die Analyse selbst bei
möglich. den Nukleotiden. Jedes Nukleotid besteht aus Zucker, Trotzdem haben Prof. Dr. Guido Schuster und sein Team
Phosphat und einer von vier verschiedenen Basen: Ade- eine Lösung gefunden. Dafür haben sie auf Unsuper-
nin, Thymin, Guanin und Cytosin. Für die Vision der vised Machine Learning gesetzt – ein Verfahren, bei dem
personalisierten Medizin ist es nötig, den Grossteil der sich ein selbstlernender Algorithmus schrittweise selbst
relevanten Basenpaare fehlerfrei und schnell zu bestim- trainiert. Weil jeder Zyklus dem vorhergehenden bioche-
men. Der Teufel steckt hierbei im Detail. Denn die Ana- misch sehr ähnlich ist, kann das HSR Verfahren zuverläs-
lyse basiert auf einem Bildanalyse-Verfahren, das jeweils sig den nächsten Zyklus prognostizieren. Ausgehend
die dominante (hellste) Base erkennen und korrekt zu- vom ersten Lesezyklus nutzt der Algorithmus also das
ordnen muss. Das Problem dabei: Wenigstens 100 Lese- Konzept des iterativen (schrittweisen) Lernens und ent-
zyklen sind für eine medizinisch verwendbare Analyse wickelt so eine bisher unerreichte Genauigkeit. (MEW)
nötig, jedoch ist bereits nach 20 bis 40 Zyklen die visuelle guido.schuster@hsr.ch
FUTUR-PREIS
FÜR HSR BASECALLER
Der HSR Basecaller wurde Anfang Mai
2017 mit dem Hauptpreis der Stiftung
zur Förderung und Unterstützung tech-
nologieorientierter Unternehmungen
Rapperswil (kurz: Stiftung FUTUR)
ausgezeichnet. Der Preis ist mit 10 000
Franken dotiert und wird jährlich für
wissenschaftliche Innovationen mit
Prof. Dr. Guido Schuster
erhält den FUTUR-Preis gesellschaftlicher Relevanz vergeben.
für den HSR Basecaller.
HSR Magazin 2 / 2017 17In der Rapperswiler Altstadt arbeitet ein Informatik-Start-up,
das aus fünf HSR Absolventen besteht. Die jungen Software-
Ingenieure entwickeln die digitale Vernetzung der Schweizer
Baubranche. Mit ihrer Software wollen sie die Abläufe auf Bau-
stellen effizienter und planbarer organisieren. Sie sehen ihre
Lösung als Instrument, um den Preisdruck in der Baubranche in
produktive Bahnen zu lenken.
HSR Absolventen
digitalisieren Baufirmen
Moderne Baustellen werden immer komplexer. Egal ob Nicht wieder auffindbare Informationen, unerledigte
Wohnhaus oder Produktionshalle – nicht selten sind 50 Aufgaben und die Unmenge an Mails im Posteingang
oder mehr Unternehmen beteiligt. Von der Funda- lassen die beteiligten Mitarbeiter häufig ohne Über-
mentlegung über die Haustechnikinstallation bis zur blick vor einem Berg Arbeit stehen. Das kostet Zeit und
energieeffizienten Selbstversorgung mittels Solaran- Geld und ist in der Baubranche ein bekanntes Problem.
lage und Wärmedämmung ist eine Baustelle heute ein Deshalb hat der HSR Maschinentechnik-Absolvent
Ameisenhaufen voller Spezialisten. Büsser zusammen mit Sandor Balogh und Georgios
Das Software-Start-up BBC Systems AG in Rapperswil- Chaitidis, beide aus der Baubranche, BBC Systems ge-
Das Team von BBC Jona hat evaluiert, wie effizient Baustellen heute orga- gründet. Balogn und Chaitidis, beide Architekten,
Systems besteht aus nisiert sind. «Bei grösseren Bauprojekten werden teils bringen das Know-how zu den Prozessen in der Bau-
diesen fünf HSR Absol- mehr als 50 000 Mails mit viel Text, unzähligen Bildern, branche, Büsser bildet die Schnittstelle zur techni-
venten sowie zwei
Mitgründern aus der PDFs, Plänen, Word- und Exceldateien zwischen allen schen Entwicklung. Dieses Praxiswissen bringt die
Baubranche. Akteuren versendet», sagt Mitgründer Silvio Büsser. Firma mit den Fähigkeiten von vier direkt von der HSR
rekrutierten Informatik-Absolventen zusammen. Zu-
sammen entwickeln sie derzeit eine Software, die es
Bauherren, Planern, Ämtern und Unternehmern leich-
ter machen soll, den Überblick und die Planungshoheit
über ihre Baustellen zu behalten und gleichzeitig Miss-
verständnisse unter den Unternehmen zu vermeiden.
Im Januar 2018 soll die Smino genannte Lösung auf
der schweizweit grössten Baumesse Swissbau präsen-
tiert werden.
Digitalisierung hat die Branche wachgerüttelt
Büsser schätzt den Zeitpunkt für eine neue Lösung als
günstig ein: «Das Aufkommen der digitalen Bauwerks-
datenmodellierung (BIM) sowie die Digitalisierung von
Baustellen im Ausland hat die Baubranche aufge-
scheucht. Im Fahrwasser dieser Entwicklung suchen
viele Baufirmen derzeit nach effizienten, digitalen
Lösungen.»
Eine solche Lösung will BBC Systems mit der Software
Smino anbieten. Die Software ist eine cloudbasierte
Web-Applikation, mit der die gesamte Kommunika-
tion und Planung einer Baustelle zentral koordiniert
18 HSR Magazin 2 / 2017HEUTE MORGEN
ohne Smino mit Smino
Ineffiziente Prozesse werden kann. «Bauleitungen sind heute fast nur am Nähe zur HSR wichtig
(links) sind bei Bau Reagieren, also mit administrativen Aufgaben oder Ab- «Es gibt viele Ansätze aus der Baubranche, aber bisher
projekten ein grosses
Problem. Mit der neuen klärungen bei Kommunikationsproblemen beschäf- war die Software-Branche relativ innovationsscheu –
Software soll die Ab- tigt», sagt Büsser. Mit Smino sollen sie wieder agieren die Wünsche des Bausektors haben sich bisher nicht in
stimmung aller Akteure und proaktiv steuern können. Lösungen manifestiert», erklärt Büsser. Er rechnet des-
bei einem Bauprojekt
zentral (rechts) gesteu- halb damit, dass Smino nach der Präsentation an der
ert und überwacht Baustellen zentral organisieren und steuern Swissbau-Messe einige Aufmerksamkeit erhält. Nicht
werden können. Das will die Software über eine zentrale, projekt zuletzt deshalb hat BBC Systems seinen Sitz in der Rap-
basierte Organisation erreichen. Alle Firmen mit allen perswiler Altstadt, keine fünf Minuten vom Campus
Mitarbeitern, die an einer Baustelle beteiligt sind, wer- der HSR entfernt. «Wir rechnen mit einem erhöhten
den darin erfasst. Bei Bedarf können sie auch entfernt Personalbedarf nach der Lancierung unserer Software,
oder neue hinzugefügt und mit Projektaufgaben ver- und erhalten deshalb unsere guten Kontakte zur HSR»,
knüpft werden. Ebenso haben alle Beteiligten immer sagt Büsser.
Zugriff auf die aktuellen Baupläne, Arbeitsprotokolle Ein schneller Zugriff auf gut ausgebildete Informatik-
und Materialbestellungen. Auch für grobe Probleme Ingenieurinnen und Ingenieure ist ein wichtiger Er-
wie etwa eine Pleite gegangene, am Projekt beteiligte folgsfaktor für das junge Start-up. Neben gut ausgebil-
Firma, hat Smino eine Lösung: Geht ein Unternehmen deten Arbeitskräften erhofft sich BBC Systems von der
Konkurs, können sämtliche offenen Aufgaben direkt Nähe zur HSR auch eine vertiefte Zusammenarbeit
an ein neu erfasstes Unternehmen übergeben werden über Studien- und Bachelorarbeiten. «Davon profitiert
– inklusive der vollständigen Dokumentation aller bis- der Studiengang Informatik genauso wie wir», erklärt
her geleisteten Arbeiten. Büsser. Während die derzeit an der HSR studierenden
«Die Idee hinter Smino ist, dass alle an einem Baupro- Informatikerinnen und Informatiker attraktive, praxis-
jekt beteiligten Akteure jederzeit die Kontrolle und die bezogene Aufgabenstellungen für Studien- und Ba-
Übersicht über die Abläufe auf der Baustelle behal- chelorarbeiten erhalten, kann das junge Start-up Teile
ten», erklärt Büsser: «Jeder sieht jederzeit alle relevan- der Weiterentwicklung seiner Software so vorantrei-
ten Daten.» Über ein Berechtigungssystem wird sicher- ben.
gestellt, dass übergeordnete Planungsinstrumente wie Im Januar 2018, wenn Smino der Baubranche vor
die Baupläne oder Dokumente wie Arbeitseinteilun- gestellt wird, wird sich zeigen, ob der Optimismus der
gen und Zeitpläne beispielsweise nur vom Architekten jungen Unternehmer auf fruchtbaren Boden fällt.
oder der Bauleitung editiert werden können. Ausser- (MEW)
dem wird die komplette Dokumentation der Baustelle silvio.buesser@bbc-systems.ch
inklusive aller garantierelevanten Daten für die Bau-
herrschaft automatisch im Verlauf der Bauarbeiten
generiert. Eine aufwändige Abschluss-Dokumentation
entfällt.
HSR Magazin 2 / 2017 19Eine Talsperre bricht, Wassermassen rasen innerhalb weniger Sekun-
den durch eine Schlucht in Richtung Bahnschienen und Strassen.
Reicht der Abflusskanal, um das Wasser zu zähmen? Solche Fragen
können an der HSR im Wasserbau-Labor künftig dank 3D-Druck noch
genauer, schneller und günstiger als bisher beantwortet werden.
Hochwasserschutz
aus dem 3D-Drucker
Die Kanten, Spalten und Windungen wirken, als wären Schlucht schlagartig öffnet und so einen Bruch der
sie echt. Eine in der Realität meterhohe, verschlungene Sperre simuliert, fliessen innerhalb von wenigen Sekun-
Schweizer Schlucht steht im Wasserbau-Labor des IBU den Zigtausende (simulierte) Kubikmeter Wasser durch
Institut für Bau und Umwelt an der HSR. Nur ist sie hier die Plastik-Schlucht. Das Wasser fliesst realitätsgetreu
lediglich rund zwei Meter lang, einen halben Meter hoch durch die Miniatur-Schlucht, bevor es in den Abfluss
und besteht aus rund 104 im 3D-Drucker erstellten kanal rast. Der Kanal soll die Flut zähmen und bündeln,
Kunststoff-Bauteilen und unzähligen Schrauben. damit die Bahnschienen und Strassen im Tal nicht unkon-
Wenn Projektingenieurin Andrea-Kristin Bachmann trolliert überschwemmt werden.
die massstabsgetreu nachgebildete Talsperre vor der Mit dem Versuch kann genau vorhergesagt werden,
welche Folgen ein Bruch der Talsperre für die Bevölke-
rung und die Umwelt um die Schlucht hätte. Ebenso lässt
sich untersuchen, ob der Abflusskanal die rasenden
Wassermassen im Notfall ausreichend bündeln und
ableiten kann. Zeigt der Versuch, dass ein Bruch der Tal-
sperre eine Gefahr wäre, können präventive Baumass-
nahmen ergriffen werden, bevor ein Notfall eintritt.
Schneller, flexibler, günstiger, realitätsnah
Die Schlucht ist im 3DLab der HSR entstanden (siehe
Artikel auf Seite 30/31). Die insgesamt 104 Bauteile wur-
den in rund 1200 Stunden Druckzeit hergestellt. Rund
2,4 Kilometer Kunststoff-Filament mit einem Gewicht
von rund 21 Kilogramm wurden dabei verbraucht. Was
nach viel Aufwand klingt, ist tatsächlich eine enorme
Erleichterung und Kostenersparnis im Vergleich zu bishe-
rigen Modellbau-Verfahren im Wasserbau.
«Früher hat man solche Modelle zusammen mit einer
mechanischen Werkstatt nach exakten Plänen hand-
Simulierter Notfall im werklich herstellen müssen – heute können wir mit 3D-
Kunststoffmodell: Scannern eine Schlucht vermessen, die Daten im Com-
Nachdem die Talsperre
im Modell gebrochen puter in einzelne Bauteil-Pläne umwandeln und das
ist, ergiessen sich mass- Ganze einfach im 3D-Drucker ausdrucken», erklärt IBU
stabsgetreu 23 000 Ku- Projektingenieurin Bachmann. Auch der Materialauf-
bikmeter Wasser durch
die exakt nachgebil- wand ist gesunken. Komplexe Modelle wurden bisher
dete Schlucht. gefräst, teilweise mit Verlusten von zwei Dritteln des
20 HSR Magazin 2 / 2017Mit Laserscannern wird Baumaterials. Weil das Schmelzschicht-Verfahren im Bachmann. So ist das IBU Wasserbau-Labor nicht mehr
die Schlucht zentime- 3D-Drucker additiv funktioniert, gibt es keine Material- von der Kapazität einer Werkstatt abhängig und kann
tergenau vermessen
und in ein Computer- verluste. gleichzeitig auch die bisher tote Zeit über Nacht nutzen.
modell umgewandelt Der grosse Vorteil: 3D-Drucker drucken auch nachts, für
(oben). Diese Daten das Schlucht-Modell waren die sechs Schmelzschich- Genauere Ergebnisse
werden so bearbeitet,
dass das realitätsnahe tungs-Drucker im HSR 3DLab teilweise über das Wo- Auch wissenschaftlich ist das 3D-Kunststoff-Modell bes-
Modell aus insgesamt chenende komplett ausgelastet. Ein Teil nach dem ande- ser als herkömmliche Wasserbau-Modelle. Weil die
104 Einzelteilen im ren wurde gedruckt. «Mit dem 3D-Druckverfahren ist Schlucht mit 3D-Scannern zentimetergenau erfasst
3D-Drucker gefertigt
werden kann (unten). der Aufwand für den Modellbau geringer: Ich bin schnel- wurde, stimmt jedes Detail des Modells mit der Realität
ler, kann alles alleine machen und wenn Änderungen am überein. «So können wir das Verhalten des Wassers ex-
Modell nötig sind oder beschädigte Teile ausgetauscht akt nachvollziehen und damit steigt die Qualität der Tes-
werden müssen, passe ich einfach die Daten der betrof- tergebnisse», sagt Bachmann.
fenen Teile an, drucke sie über Nacht aus und kann am Derzeit testet das IBU auch andere Anwendungen für
nächsten Tag sofort wieder Versuche durchführen», sagt das 3D-Druck-Verfahren im Wasserbau. So wurden bei-
spielsweise verschiedene Varianten einer Geschiebe-
sperre untersucht, die bei Murgängen die Gemeinden
Brienz, Hofstetten und Schwanden im Kanton Bern vor
angespülten Schlammlawinen und Felsen schützen sol-
len. Der dafür essenzielle Mittelteil der Sperre wurde
vom IBU in acht verschiedenen Varianten im 3D-Drucker
angefertigt und jeweils einzeln in das Modell eingesetzt.
So konnte das IBU in sehr kurzer Zeit ermitteln, welche
Variante den besten Schutzfaktor bietet, ohne bei unge-
fährlichen Murgängen den Abfluss zu stark zu stoppen.
Das IBU will in künftigen Projekten sowie durch Projekt-
arbeiten mit Studierenden mit dem Modell der Schlucht
noch weitere Erfahrungen sammeln und die Vorteile von
Modellen aus dem 3D-Drucker prüfen. Die bisherigen
Versuche deuten an, dass in nicht allzu ferner Zukunft
vor allem Bauteile mit komplexen Geometrien für Was-
serbau-Modelle aus dem 3D-Drucker kommen könnten.
(MEW)
Computer Mesh 3D-Druck-Modell Original
andrea-kristin.bachmann@hsr.ch
HSR Magazin 2 / 2017 21Es gibt wenige Branchen, in denen Wissen so schnell verjährt wie in
der Informatik. An der HSR manifestiert sich das durch eine erhöhte
Nachfrage nach Informatik-Weiterbildungen. Entsprechend wird das
Angebot laufend angepasst. Das Spektrum reicht vom Tageskurs bis
zum dreijährigen Studium.
Weiterbildung für
aktuelle IT-Kompetenz
Die Bedeutung der Informatik hat in den letzten Jahren Das Feedback unserer Absolventinnen und Absolven-
in allen Bereichen des Lebens sehr stark zugenommen. ten sowie der aktive Austausch mit Industrievertretern
Immer mehr Produkte und Dienstleistungen sind soft- liefert dabei die nötigen Impulse, um das Angebot
wareintensiv geworden. Das beginnt bei der Jura- fortlaufend den wechselnden Bedürfnissen anzupas-
Kaffeemaschine, die uns heute ungeahnte Möglich- sen.
keiten an Personalisierung und Individualisierung bei
den Rezepturen anbietet, und endet bei der Regelung
von B eleuchtung, Lüftung und Heizung via Smart- IT-WEITERBILDUNG AN DER HSR
phone in unserem Zuhause. Die Weiterbildung an der HSR umfasst die Bereiche
Wir sind an digitale Helfer gewöhnt – für die Organisa- Technik und Informationstechnologien, Bau- und
tion unserer täglichen Aufgaben, zur Budgetkontrolle, Planungswesen, Energie- und Umwelttechnik sowie
zur Einreichung der Steuererklärung, zur Aufzeich- fachübergreifende Angebote. Die Durchführungen
nung und Auswertung unseres Schlafs und unserer reichen vom Tageskurs bis zum dreijährigen Weiter-
Trainingsintervalle und für die Planung unserer Alters- bildungsstudium.
vorsorge. Überall werden wir von Software unter-
stützt. Neue, bisher unbekannte Anwendungen ver- DAS AKTUELLE ANGEBOT IM BEREICH
ändern unseren Alltag, unser Verhalten, unsere INFORMATIK
Gewohnheiten: Die Art, wie wir uns fortbewegen MAS Software Engineering, MAS Human Computer
(Carsharing, Taxidienste), die Art, wie wir Musik hören Interaction Design, CAS Front End Engineering, DAS
(Streaming) oder wie wir uns ernähren (Kochportale Enterprise Application Development, CAS Desktop
inklusive Lebensmittel-Onlineshop). Application Development, CAS Web Application
Development, CAS Mobile Application Development
Nachfrage nach IT-Weiterbildung steigt und verschiedene Vertiefungsrichtungen, z.B. in
Diese Vielfalt an Informatikanwendungen erfordert Cloud-Entwicklung, Database Development und
spezialisierte Weiterbildungen für unterschiedliche
Internet of Things / Industrie 4.0
Anspruchsgruppen. Das spürt die HSR auch in der Wei-
terbildung. Die Nachfrage nach spezifischen IT-Ange- FOLGENDE CAS- UND MAS-ANGEBOTE
boten hat in den letzten Jahren markant zugenom- SIND DERZEIT IN PLANUNG
men. Data Engineering und Analytics, Software Testing,
Bei der Konzeption von neuen Angeboten orientiert ALM Application Lifecycle Management, Screen
sich die HSR im Wesentlichen an vier Rollen, wie sie Design, IT Architecture / SW Architecture, Advanced
auch in der Arbeitswelt wahrgenommen werden. Die Themen in Web- und Front-End-Engineering
Weiterbildungen unterscheiden zwischen Beratern,
User-Researchern, Interaction-Designern und Soft- Weitere Informationen: www.hsr.ch/weiterbildung
ware-Entwicklern.
22 HSR Magazin 2 / 2017Das Weiterbildungsangebot orientiert sich dabei ent- ausserdem neue, bisher nicht dagewesene Möglich-
lang der Kernkompetenzen der HSR. Gezielte Koope- keiten in Beratung, Weiterbildung und Technologie-
rationen mit anderen Hochschulen und Industriepart- transfer. Mit dieser gezielten Verbindung von Theorie
nern stellen die Inhalte der Weiterbildungen auf eine und Praxis erreichen wir, dass die angebotenen The-
praxisnahe Basis. Mit dem neu gegründeten Digi- men den aktuellen und zum Teil auch schon künftigen
talLab@HSR und seinem Bezug zum Studiengang Bedürfnissen Rechnung tragen. (PNE)
Wirtschaftsingenieurwesen eröffnen sich für die HSR peter.nedic@hsr.ch
«Für IT-Spezialisten steigt ab 45 das Risiko, arbeitslos zu werden»
Das Interview mit Peter Nedic führte Willi Meissner, Redaktion
Die steigenden Studierendenzahlen der HSR Wei- fragt? Welche Wissensbereiche sind im Wandel? Bei der
terbildung zeigen, dass auch erfahrene IT-Berufs- Suche nach der richtigen Weiterbildung empfehle ich un-
leute auf neue Kenntnisse angewiesen sind. Ein bedingt, die Unterstützung von Profis in Anspruch zu neh-
grosser Teil der rund 400 Studierenden nimmt an men, indem man sich an die Personalabteilung wendet,
IT-Weiterbildungen teil. Im Interview reflektiert
eine öffentliche Berufsberatung oder eine private Lauf-
Peter Nedic, Leiter Weiterbildung, die Gründe dafür. bahnberatung aufsucht.
Herr Nedic, die Weiterbildung an der HSR bereitet Die Studierenden sind also vor allem auf sich
derzeit im Vergleich zu anderen Themen verstärkt allein gestellt?
neue IT-Angebote vor. Warum? Wir führen regelmässig Informationsveranstaltungen
Peter Nedic, Peter Nedic: Die Teilnehmerzahlen der HSR Weiterbil- durch. Damit wollen wir sicherstellen, dass potentielle
HSR Weiterbildung dung sind ein Beleg dafür, dass die ausgeschriebenen Studierende und ihre Arbeitgeber über die Informationen
Angebote der HSR im Moment den Bedürfnissen des verfügen, die für die richtige Weiterbildungswahl aus-
Marktes sehr gut entsprechen. Die zusätzlichen Ange- schlaggebend sind. Wir bieten auch persönliche Studien-
bote bereiten wir aufgrund von Rückmeldungen und beratung und die Möglichkeit, Probelektionen zu absol-
Anfragen unserer Absolventinnen und Absolventen so- vieren. Unternehmen sollten zudem vor dem Hintergrund
wie aus der Wirtschaft vor. des Fachkräftemangels in der IT-Branche eigenen Mit
arbeitenden Sorge tragen und deren kontinuierliche
Wie erklären Sie sich, dass die Nachfrage nach Weiterbildung unterstützen. Im Arbeitsmarkt sind nicht
Erwachsenen-Weiterbildung vor allem im genügend junge, frisch ausgebildete Arbeitskräfte vor-
IT-Bereich so stark steigt? handen, um Vakanzen besetzen zu können.
Informationstechnologien sind einem überdurchschnitt-
lich starken Wandel unterworfen. Wissen hat hier eine In welchen Abständen empfiehlt sich eine
relativ kurze Halbwertszeit. Die laufende Digitalisierung IT-Weiterbildung?
beschleunigt das noch zusätzlich. Im Vergleich zu ande- Mitarbeitende sollten alle fünf Jahre eine Neubeurteilung
ren Berufsfeldern steigt für IT-Spezialisten ab 45 Jahren ihrer beruflichen Situation vornehmen und eine substan-
das R isiko, arbeitslos zu werden. Experten sind sich einig: zielle Weiterbildung mit einem anerkannten Abschluss ab-
Weiterbildung ist wichtig, um die Arbeitsmarktfähigkeit solvieren, um die eigene Arbeitsmarktfähigkeit zu erhalten.
zu erhalten.
Warum eine Weiterbildung an der HSR besuchen?
Kommen die Studierenden also vor allem aus eige- Unsere Studierenden profitieren von der Nähe der Studi-
nem Antrieb, um den Anschluss nicht zu verlieren? engangleitungen und Professoren zur angewandten For-
Sowohl Arbeitnehmer auch als Arbeitgeber stehen in schung und Entwicklung an der HSR. Durch diese Nähe
der Verantwortung. Karrieren und Lebensläufe verlau- entstehen innovative und relevante «State of the Art»-
fen heute weniger linear. Laufbahnen sind äusserst indi- Weiterbildungen. Die Angebote sind berufsbegleitend
viduell geworden. Vorgespurte, lineare und hierarchische absolvierbar und richten sich primär an Berufsleute mit ei-
Karrieren sind sowohl in grossen wie auch in den klei- nem Hochschulabschluss sowie an langjährige Berufs-
nen, eher familiär geführten Betrieben dabei, zu ver- praktikerinnen und -praktiker.
schwinden. Mitarbeitende sind vermehrt selber für die Die Freundschaften, die während der Weiterbildungen
eigene Laufbahnplanung verantwortlich. Die passende entstehen, sind sicher ein gutes Argument für eine Wei-
Weiterbildung zu finden, ist Teil dieser Verantwortung. terbildung an der HSR. Sie werden oft auch nach dem
Studium gepflegt. Wir verfolgen mit Spannung, wenn
Woher wissen die Studierenden, welche Angebote ehemalige Studierende neue spannende Ideen verwirkli-
ihnen beruflich wirklich etwas nützen? chen. Aktuelle Beispiele sind «Freshjobs», eine Job-Platt-
Die Kenntnis der eigenen Kompetenzen ist der Ausgangs- form für Stellen im Web-Umfeld oder der viermal jährlich
punkt, um in der Berufswelt bestehen zu können und für stattfindende «UX Brunch» und nicht zuletzt «We shape
sich den richtigen Platz zu finden. Was kann ich gut? Was Tech – The Swiss Network for Women in Tech and Inno-
ist mir wichtig? Was interessiert mich? Welche Themen vation». Bei all diesen Initiativen waren unsere Absolven-
motivieren mich? Welche Kompetenzen sind künftig ge- tinnen und Absolventen beteiligt.
HSR Magazin 2 / 2017 23Sie können auch lesen