Energie extra 2.03 - BFE Publikationen

Die Seite wird erstellt Stefan-Di Witt
 
WEITER LESEN
energie extra 2.03
                                                                                                     Informationen                          April 2003
                                                                                          Bundesamt für Energie BFE
                                                                                                und EnergieSchweiz

                                                   Energieeffizienz
EDITORIAL

Liebe Leserin,
lieber Leser
                 Wenn von Kyoto und der
                 Reduktion des CO2-Ausstosses
                 die Rede ist, starren manche
                                                   zahlt sich aus
                 wie das Kaninchen vor der         Unser Unternehmen, die Mettler-Toledo Inter-         Vorteile. Die vielen Vorteile der Mitgliedschaft
                 Schlange auf das Jahr 2010.       national Inc., ist ein führender globaler Herstel-   beim Energie-Modell Zürich möchten wir nicht
                 Auf diesen Zeitpunkt hin sind     ler von Präzisionsmessinstrumenten mit einem         mehr missen: Einerseits brauchen wir die Be-
Reduktion und Energiepolitik des jetzigen          Umsatz von 1.2 Milliarden USD und 8700 Mit-          stätigung von Fachleuten, dass wir mit unseren
Jahrzehnts definiert. Was die Wirtschaft un-       arbeitenden. Die in der Schweiz als Mettler-To-      Massnahmen im Bereich Energie und Umwelt
ternimmt, um den international vereinbarten        ledo GmbH zusammengefassten Geschäftsbe-             grundsätzlich richtig liegen. Andrerseits können
Zielen nachzuleben, zeichnen wir in dieser         reiche beschäftigen rund 1400 Mitarbeitende,         wir so auf elegante Art die Auflagen des kanto-
Ausgabe nach. Auf einen Nenner gebracht,           produzieren Präzisionswaagen, analytische In-        nalen Energiegesetzes erfüllen. Der Moderator
geht es dabei um mehr Energieeffizienz.            strumente, Wägemesszellen und Elektronik. Sie        der Agentur berät uns überdies in unterneh-
Aber damit ist es natürlich nicht getan. Die       sind im Grossraum Zürich angesiedelt und ge-         mensspezifischen Energie-Fragen. Motiviert zum
Welt wird auch nach 2010 noch energie-             deihen dank Innovationskraft und ständiger           Beitritt in die Gruppe Energie-Modell Zürich
hungrig sein. Viele Drittwelt- und Schwellen-      Verbesserung der Kostenstruktur.                     wurden wir durch Kontakte mit anderen Mit-
länder werden sich kräftig entwickeln müs-                                                              gliedsfirmen. Die Gruppe umfasst 14 Mitglieder
sen, um uns ebenbürtig zu werden. Das geht         Kostenbewusst. Zum Kostenbewusstsein                 und trifft sich viermal pro Jahr. Die Zusammenar-
nicht ohne Energie! Entsprechend werden            gehört auch das Streben nach einer optimalen         beit lebt vom intensiven Erfahrungsaustausch.
viele Industrieländer lernen müssen, mit           Energieeffizienz. Aus diesem Grund sind wir
weniger Energie zu leben!                          auch der Gruppe Energie-Modell Zürich beige-         Dabei stossen wir immer wieder auf neue
Darum sind die Ziele für 2010 nur Etappen-         treten. Das Energie-Modell Zürich ist Teil der       Ideen und Verbesserungsmöglichkeiten, die im
ziele. Noch während wir sie ins Auge fassen,       Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW); es hilft      eigenen Betrieb noch nicht erkannt oder reali-
müssen wir uns bereits auf die Zeit nachher        ihren Mitgliedern bei den Massnahmen für             siert worden sind. So machte man uns im Rah-
vorbereiten. Sie wird hart sein: Das Szenario      mehr Energieeffizienz und weniger CO2-Aus-           men einer Gebäudesanierung auf neue Mög-
der 2000-Watt-Gesellschaft etwa (ein mögli-        stoss.                                               lichkeiten zur Steigerung der Energieeffizienz
ches Modell für die Zeit 2010-2050) sieht vor,                                                          aufmerksam. Wir berücksichtigten diese im Sa-
die jährlichen CO2-Emissionen um den Faktor                                                             nierungskonzept. Oder: Als wir einen Druck-
sechs schrumpfen zu lassen!                                                                             luftkompressor ersetzen mussten, wählten wir
In dieser Perspektive sind die Massnahmen,                                                              ein Modell, das die Nutzung der anfallenden
die im Hinblick auf 2010 eingeleitet werden,                                                            Abwärme ermöglicht.
keine Endziele. Es sind Lernschritte für später.
                                                                                                        Freiwillig. Die Mitgliedschaft in der Energie-
                            Werner Hadorn                                                               Modell Gruppe Zürich zahlt sich für uns aus. Der
                     Redaktor «energie extra»                                                           finanzielle Aufwand bewegt sich in einer Grös-
                                                                                                        senordnung von etwas über CHF 10 000 pro
PS: «energie extra» will Diskussionen                                                                   Jahr und umfasst externe und interne Kosten.
auslösen. Also: Schreiben Sie uns!                                                                      Die Erfahrung der letzten fünf Jahre hat gezeigt,
                                                                                                        dass dieses Geld für uns einen guten Return hat.
Aus dem Inhalt:
                                                                                                        Das freiwillige Engagement wird sich auch in

 2
          Schwerpunkt: Wie die Wirt-
          schaft ihre Energieeffizienz                                                                  Zukunft auszahlen. Die Mettler-Toledo GmbH
          steigern will.                           Hans-Ulrich                                          schafft bereits heute die Voraussetzungen, um
                                                                                                        sich später von einer CO2-Abgabe zu befreien.
                                                   Hofer
 8
              Pro und Contra: Zwei                                                                      Sollte die CO2-Abgabe eingeführt werden, ste-
              Meinungen zu den Abstim-                                                                  hen wir finanziell auf der guten Seite!
              mungen über Kernenergie.              Der Geschäftsführer des Präzisionsinstru-
              Autosalon Genf: Bundesrat             mente-Herstellers Mettler-Toledo GmbH in

10            Moritz Leuenberger stellt die
              energieEtikette vor.
                                                    Greifensee/Nänikon setzt sich im Rahmen der
                                                    Gruppe Energie-Modell Zürich für effiziente
                                                    Energienutzung ein:
                                                                                                                                  Hans-Ulrich Hofer,
                                                                                                                 Geschäftsführer Mettler-Toledo GmbH

12
              Berner Frühlingsmesse: Beim           «Sollte die CO2-Abgabe eingeführt
              Energy Roulette ein energie-          werden, stehen wir finanziell auf der
              effizientes Auto gewinnen …           guten Seite.»
2                                                                                                                                                              energie extra 2.03                  April 2003

                                                  KLIMAPOLITIK
Unser
Schwerpunkt
Dass wir von unserem hohen CO2-Verbrauch
herunterkommen, den Verbrauch fossiler
                                                  «Für Unter-
Energie einschränken, unsere Ressourcen effi-
zienter einsetzen und unser Klima schonen-
der behandeln müssen – wer würde heute
                                                  nehmen und
noch daran zweifeln? Die Frage ist längst
nicht mehr «ob», sondern «wie?».

Der Bund hat die Frage in Gesetzen und Ziel-
                                                  Nachkommen»
setzungen beantwortet. Jetzt kommt es da-         Andreas Mörikofer, Leiter Bereich                                                                                                     Andreas Mörikofer,
                                                                                                                                                                                    Leiter Bereich Industrie
rauf an, diese Ziele zu erreichen und die nöti-   Industrie & Dienstleistungen beim                                                                                                     & Dienstleistungen
gen Massnahmen zu ergreifen. Gefragt ist          Bundesamt für Energie, zu Fragen über                                                                                                            beim BFE
dabei in erster Linie die Wirtschaft mit ihrem    die Zielvereinbarungen mit der Wirt-
zwar beträchtlichen Energieverbrauchsanteil,      schaft im klimapolitischen Umfeld.                                                                           Was geschieht, wenn die freiwilligen Massnah-
aber auch der Möglichkeit, steuernd in ihre                                                                                                                    men nicht ausreichen?
Produktionsprozesse einzugreifen. Es ent-         Herr Mörikofer, welchen Stellenwert haben                                                                    Erst wenn dies absehbar ist, kann eine CO2-Ab-
spricht der liberalen Praxis unseres Landes,      Zielvereinbarungen?                                                                                          gabe eingeführt werden – frühestens 2004. Als
dass die Ziele möglichst auf freiwilliger Basis   Zielvereinbarungen untermauern eine neue                                                                     Lenkungsabgabe ausgestaltet, fliessen die Er-
erreicht werden sollen.                           Form der Partnerschaft zwischen Bund und Un-                                                                 träge wieder an die Privathaushalte und Unter-
                                                  ternehmensgruppen. Darin verpflichten sich die                                                               nehmen zurück. Betriebe können eine Ver-
Das Bundesamt für Energie (mit dem Pro-           Unternehmen zu freiwilligen Massnahmen, um                                                                   pflichtung eingehen bzw. ihre bereits abge-
gramm EnergieSchweiz) und das Bundesamt                    die in Anlehnung an das Kyoto-Proto-                                                                schlossene Zielvereinbarung in eine Verpflich-
für Umwelt, Wald und Landschaft (BU-                        koll im CO2-Gesetz und im Programm                                                                 tung überführen, um von der CO2-Abgabe be-
WAL) haben ein ganzes                                       EnergieSchweiz verankerten Ziele zu                                                                freit zu werden.
Instrumentarium ent-                                         erreichen. Andrerseits anerkennt der
wickelt, das es jedem Un-                                     Bund die freiwilligen Massnahmen                                                                 Macht die Wirtschaft mit?
ternehmen erlaubt, mit an-                                    und berücksichtigt sie bei der Beur-                                                             Ja. Zur Zeit arbeiten über 600 Unternehmen,
gepassten Mitteln energie-                                     teilung der Notwendigkeit und                                                                   organisiert in rund 40 Zielvereinbarungsgrup-
effizienter zu produzieren.                                     Höhe einer allfälligen CO2-Abgabe.                                                             pen, an der Ausgestaltung ihrer Zielvorschläge.
                                                                 Unternehmen mit verpflichtungs-                                                               6 Pilotgruppen der Energie-Agentur der Wirt-
In diesem energie extra ver-                                      tauglichen Zielen erhalten die Op-                                                           schaft sowie der Verbund der cemsuisse haben
suchen wir, die Grundzüge                                          tion zu einer später möglichen                                                              ihre Zielvereinbarungen dem Bund bereits 2002
dieser recht einmaligen                                             Abgabebefreiung.                                                                           eingereicht. Sie wurden in einem unter Beizug
schweizerischen Lösung zu be-                                                                                                                                  von externen Experten standardisierten Audit
schreiben. Wer mehr darüber                                        Gibt es detaillierte Regelungen                                                             plausibilisiert. Damit hat das weltweit bis heute
wissen möchte, sei auf eine in-                                    für diesen Prozess?                                                                         einzigartige Modell der Gruppenbildung seine
formative, 6-seitige Broschüre                        Die Rahmenbedingungen für den Bereich                                                                    Bewährungsprobe bestanden.
von EnergieSchweiz (Titel:«Ener-                  Industrie, Gewerbe und Dienstleistungen sind in
gie- und CO2-Management schafft Unterneh-         der «Richtlinie über freiwillige Massnahmen zur                                                              Reichen die Zielvereinbarungen aus, um die
menswerte …») hingewiesen. Sie zeigt nicht        Reduktion von Energieverbrauch und CO2-Emis-                                                                 CO2-Abgabe zu vermeiden?
nur die Mechanismen der Zielvereinbarungen        sionen» vom 2. Juli 2001 umschrieben, die in ei-                                                             Der Bereich Industrie und Dienstleistungen um-
auf, sondern weist auch nach, warum Mass-         ner beispielhaften Zusammenarbeit zwischen                                                                   fasst über ein Drittel des CO2-Ausstosses der
nahmen zur Steigerung der Energieeffizienz        Bund (BFE/BUWAL) und Wirtschaft geschaffen                                                                   Schweiz. Die jüngsten CO2-Perspektiven (Prognos
auch wirtschaftlich interessant sind.             wurde.                                                                                                       2002) zeigen, dass aus heutiger Sicht auch mit
                                                                                                                                                               ehrgeizigen Zielvereinbarungen ohne CO2-Abga-
                                                                                                                                                               be eine Ziellücke bleiben wird – dies aufgrund
CO2-Emissionen Schweiz 2001 total 41.4 Mio t CO                                    2
                                                                                                                                                               des bedeutenden Anteils der Privathaushalte und
                                                                                                 Quelle: CO2-Inventar BUWAL 2000/2001 und Abschätzung gemäss

                            (energetische Emissionen)
                                                                                                                                                               insbesondere im Treibstoffbereich. Mit der Wirt-
          Industrie & Dienstleistungen                        Haushalte / Private                                                                              schaft getroffene freiwillige Vereinbarungen wer-
          (Brennstoffe)                                            (Brennstoffe)                                                                               den aber wesentliche Beiträge zur CO2-Redukti-
                           30%                            30%                                                                                                  on liefern und die Höhe einer allenfalls notwen-
                                                                                                                                                               digen CO2-Abgabe reduzieren helfen.

                                                                                                                                                               Wem nützen Zielvereinbarungen?
                                                                                                 Mikrozensus Mobilität 2000 (ARE)

                                                                                                                                                               Gewinnen werden nicht nur Betriebe der Wirt-
                                                                                                                                                               schaft und der öffentlichen Hand, die im Rah-
                                                                                                                                                               men von Zielvereinbarungen ihre Abläufe opti-
                                                                                                                                                               mieren, Energiekosten reduzieren und von ei-
                  14%                                 23%                                                                                                      ner Abgabebefreiung oder einer Rückvertei-
        Industrie &
                                  3%                                Haushalte / Private                                                                        lung profitieren. Gewinnen werden auch unse-
        Dienstleistungen                                            (Treibstoffe)                                                                              re Nachkommen mit einer intakten Umwelt.
                                  übrige
        (Treibstoffe)
                                  (insbesondere Tanktourismus)
April 2003            energie extra 2.03                                                                                              3

Freiwillig und                                                                            ZEMENTINDUSTRIE

partnerschaftlich                                                                         Pneus für Öl
                                                                                          Die erste Zielvereinbarung ist seit
                                                                                          dem 10. Februar unter Dach und
Zuständig für die Umset-                                                                  Fach. Als erste Branche unterschrieb
zung der energie- und                                                                     die Zementindustrie.
klimapolitischen Ziele
der Schweiz sind das                                                                      Das CO2-Gesetz und das Programm Energie-
Bundesamt für Umwelt,                                                                     Schweiz zeigen Wirkung. Bundesrat Moritz
Wald und Landschaft                                                                       Leuenberger hat mit der in der cemsuisse ver-
(BUWAL) sowie das Bun-                                                                    bundenen Zementindustrie eine Zielvereinba-
desamt für Energie                                                                        rung zur Begrenzung des CO2-Ausstosses un-
(BFE).                                                                                    terzeichnet. Mitglieder der cemsuisse sind die
                                                                                          drei Unternehmen Vigier Cement AG, Jura
Hauptinstrument ist das                                                                   Cement und Holcim Schweiz AG.
Programm Energie-
                            Philippe Roch, Direktor        Hans-Luzius Schmid, stv.
Schweiz, das an das         des Bundesamts für Um-         Direktor Bundesamt für         Verpflichtung. In der Zielvereinbarung ver-
erfolgreiche Programm       welt, Wald und Land-           Energie, Programmleiter        pflichtet sich die cemsuisse, die fossilen CO2-
Energie 2000 anknüpft.      schaft (BUWAL):                EnergieSchweiz:                Emissionen bis 2010 gegenüber 1990 um 44,2
                                                           «Im Rahmen des Pro-
                                                                                          Prozent zu reduzieren. Dies entspricht einer
                            «Das CO2-Gesetz, das
energie extra stellte       Kernstück der schweizeri-      gramms EnergieSchweiz          Verminderung der CO2-Emissionen von
den beiden Vorkämpfern      schen Klimapolitik, misst      liefert die Wirtschaft den     586 000 Tonnen. Möglich wird diese starke
für eine nachhaltige Kli-   freiwilligen Massnahmen        Tatbeweis für die Wirk-        Reduktion durch die grossen Anstrengungen
                            einen hohen Stellenwert        samkeit des freiwilligen
mapolitik die entschei-     bei. Freiwilligkeit hat Vor-   Ansatzes. Dieser wurde         der Zementindustrie, Kohle und Öl durch al-
dende Frage: Glauben        rang vor einem staatli-        mit dem Aktionspro-            ternative Brennstoffe zu ersetzen. Als alterna-
Sie daran, dass die         chen Eingriff. Mit ihrem       gramm Energie 2000 zum         tive Brennstoffe setzen die Zementunterneh-
                            breiten Engagement zur         ersten Mal erprobt und
Wirtschaft die Ziele der                                   mit dem Energie- und           men hauptsächlich Altöl, Trockenklär-
                            Reduktion der CO2-Emis-
CO2-Gesetzgebung auf        sionen nimmt die Wirt-         dem CO2-Gesetz gesetzlich      schlamm, Tiermehl (kein Knochenmehl), alte
freiwilliger Basis errei-   schaft die damit verbun-       verankert und verstärkt.       Lösungsmittel, Altpneus und Kunststoffabfäl-
chen kann – und will?       dene Selbstverantwor-          Zielvereinbarungen und         le ein – Stoffe, die sonst anderswie entsorgt
                            tung ernst und beweist,        Agenturen sind Eckpfeiler
                            dass der freiwillige Weg       dieses freiwilligen, part-     werden müssten.
                            gangbar ist. Die einzigar-     nerschaftlichen Ansatzes
                            tige Partnerschaft zwi-        des Programms Energie-         Die Zementunternehmen haben den interna-
                            schen Wirtschaft und           Schweiz, das die schwei-
                            Behörden ist international     zerischen Energie- und         tional hohen Anteil an alternativen Brennstof-
                            beispielhaft und stösst in     Klimaziele erreichen und       fen von heute rund 40 Prozent bereits erreicht
                            den USA und EU-Ländern         eine nachhaltige Energie-      und wollen diesen halten. Ausserdem hat sich
                            auf grosses Interesse.»        versorgung einleiten soll –
                                                           basierend auf energieeffi-
                                                                                          die Zementindustrie verpflichtet, auch die so
                                                           zienten Technologien und       genannten geogenen CO2-Emissionen um ins-
                                                           erneuerbaren Energien. Je      gesamt 30,3 Prozent zu reduzieren. Dabei
                                                           mehr EnergieSchweiz mit        handelt es sich um Emissionen, die beim Bren-
                                                           freiwilligen Massnahmen
                                                           erreicht, desto geringer ist   nen des Kalksteines freigesetzt werden. Diese
                                                           die allenfalls noch erfor-     zweite Reduktionsleistung ist im schweizeri-
                                                           derliche CO2-Abgabe.»          schen CO2-Gesetz zwar nicht vorgesehen,
                                                                                          wohl aber im Klimaprotokoll von Kyoto. Sie
                                                                                          kann darum an der schweizerischen CO2-Bi-
                                                                                          lanz angerechnet werden.

                                                                                          Spitze. Die Schweiz steht in der nachhaltigen
                                                                                          Zementproduktion weltweit an der Spitze.
                                                                                          Die in der Schweiz entwickelte Verfahrens-
                                                                                          technologie findet zudem in vielen anderen
                                                                                          Ländern Anwendung und trägt so weltweit
                                                                                          zu einer nachhaltigen Produktionsweise bei.
                                                                                          Laut cemsuisse-Präsident Leo Mittelholzer hat
                                                                                          die Zementindustrie in den Einsatz von alter-
                                                                                          nativen Brennstoffen seit 1990 bereits 150
                                                                                          Mio. CHF investiert.

                                                                                          Im Bereich der Industrie ist cemsuisse die ers-
                                                           Klimakatastrophe: So sieht
                                                                                          te Branche, mit der das Departement für Um-
                                                           Zeichner Andreas Locher        welt, Verkehr und Kommunikation (UVEK) ei-
                                                           die Zukunft unseres            ne Zielvereinbarung unterzeichnet hat.
                                                           Planeten …
4                                                                                                      energie extra 2.03                   April 2003

ENERGIE-AGENTUR DER WIRTSCHAFT

                                                                                                         Nice to know
Aufspüren, analy-                                                                                        Zahlen und Fakten rund um Energie,
                                                                                                         Wirtschaft und die Energie-Agentur

sieren, umsetzen                                                                                         der Wirtschaft (EnAW).
                                                                                                         Wussten Sie zum Beispiel, dass …
                                                                                                         ■ … das schweizerische Energiegesetz seit
                                                                                                         Januar 1999, das CO2-Gesetz seit Mai 2000
Als Bindeglied zwischen der Wirtschaft                die Hand nehmen, desto wahrscheinlicher ist es,    in Kraft ist?
und dem Bund koordiniert und beglei-                  dass eine CO2-Abgabe überflüssig wird oder zu-
tet eine spezielle Agentur die konkre-                mindest weniger hoch angesetzt werden muss.        ■ … der Bundesrat die Botschaft, mit dem er
ten Massnahmen zur Steigerung der                                                                        dem Parlament die Ratifizierung des Kyoto-
Energieeffizienz sowie zur Reduktion                  Die EnAW hat zwei Kernangebote entwickelt:         Protokolls beantragt, im August 2002 ver-
der CO2-Schadstoffemissionen.                         ■ das Energie-Modell für Grossverbraucher          abschiedet hat? Unterzeichnet hat er es be-
                                                      ■ das Benchmark-Modell für kleine und mittle-      reits im Frühjahr 1998.
Im Kyoto-Protokoll bekennt sich die Schweiz zu        re Unternehmen (KMU).
einem wirksamen Klimaschutz und damit ver-                                                               ■ … die CO2-Abgabe frühestens 2004 ein-
bunden zu einer schrittweisen Reduktion der           Rund 60 ausgewiesene EnAW Spezialisten             geführt wird und an Bevölkerung und Unter-
CO2-Emissionen. Als Folge davon wurde das             (Moderatoren) helfen den Unternehmen nicht         nehmen zurückfliesst?
CO2-Gesetz erlassen. Dieses sieht vor, dass die       nur beim Aufspüren und bei der Analyse des
CO2-Emissionen bis ins Jahr 2010 gesenkt wer-         Energiesparpotentials, sondern auch bei der        ■ … der gesamte Energieeinsatz der
den, so dass die Ausstosswerte um 10 Prozent          Umsetzung der Massnahmen.                          Schweiz 2001 1 205 970 Tera Joule betrug
unter jenen des Jahres 1990 liegen.                                                                      (d. h. Billionen Joule; inklusive 3,2 % Aus-
                                                      Profit. Sämtliche Unternehmen, die der EnAW        fuhrüberschuss an Elektrizität)?
Mit gesetzlichen Normen allein kann dieses            beitreten, profitieren von gemeinsamen Pro-
ambitiöse Ziel jedoch kaum erreicht werden.           zesserfahrungen, vom Erfahrungsaustausch mit       ■ … der Verkehr mit 33,9 % 2001 grösster
Energie- und CO2-Gesetz sehen deshalb vor,            anderen Unternehmen und ganz konkret von           Energieendverbraucher ist, gefolgt von
dass die Wirtschaft ihre Aufgaben in der Ener-        Effizienz- und Kostenvorteilen. Sie erhöhen so     den Haushalten (27,7 %), der Industrie
giepolitik freiwillig erfüllt. Im Zentrum steht die   ihre Wettbewerbsfähigkeit. Sie können sich         (19,8 %) und den Dienstleistungen (17 %)?
Annahme, dass mit selbst gewählten Massnah-           auch – verpflichtungstaugliche Zielverein-
men energiepolitische Ziele eher erreicht wer-        barung vorausgesetzt – von einer allfällgen        ■ … die Schweiz Pro Kopf und Jahr 43 500
den als über Verordnungen.                            CO2-Abgabe befreien. Überdies können sie ihr       kWh verbraucht? Die USA kommen auf
                                                      energietechnisches Know-how ausbauen und           96 800, die OECD-Länder auf 54 400, die
Bindeglied. Namhafte Schweizer Wirtschafts-           ihr Image in der Öffentlichkeit als umwelt-        ganze Welt auf 19 200 kWh, Bangladesch
verbände stehen hinter der neuen Energiepoli-         freundliches Unternehmen stärken.                  auf 1600 kWh.
tik. Ende 1999 haben sie die Energie-Agentur
der Wirtschaft (EnAW) gegründet. Als Bin-             Das Bekenntnis zum Umweltschutz und zur Re-        ■ … der Energieverbrauch der Schweiz
deglied zwischen ihren Mitgliedern und dem            duktion der CO2-Abgabe zahlt sich somit mehr-      sich seit 1950 verfünffacht hat?
Bund koordiniert und begleitet die EnAW die           fach aus.
konkreten Massnahmen zur Steigerung der                                                                  ■ … die EnAW (obwohl hauptsächlich eine
Energieeffizienz sowie zur Reduktion der CO2-         Kontakt: Energie-Agentur der Wirtschaft,           virtuelle Organisation) eine Geschäftsstelle
Schadstoffemissionen.                                 Tel. 01 421 34 45, Fax 01 421 34 79 oder           im «Haus der Wirtschaft» an der Hegibach-
                                                      info@enaw.ch.                                      strasse 47 in Zürich eingerichtet hat? Kontakt:
Je mehr Unternehmen mit Hilfe der EnAW ihre                                                              Tel. 01 421 34 45, Fax 01 421 34 79 oder
Klimaschutzaufgaben aktiv und entschlossen an                                                            info@enaw.ch)?

                                                                                                         ■ … die Mitgliedschaft bei der EnAW je
                                                                                                         nach Unternehmensgrösse jährlich zwischen
                                                                                                         CHF 200 und über 6000 (für sehr grosse Un-
                                                                                                         ternehmen) kostet?

                                                                                                         ■ … der Bundesrat der Bundesversammlung
                                                                                                         laut CO2-Gesetz rechtzeitig Vorschläge zu
                                                                                                         Reduktionszielen für die Zeit nach dem Jahr
                                                                                                         2010 unterbreiten muss?

      Bundesrat                                                                                          ■ … die EnAW finanziert wird durch Beiträge
  Moritz Leuen-
     berger und                                                                                          der Trägerorganisationen und der an Zielverein-
EnAW-Präsident                                                                                           barungen teilnehmenden Unternehmen sowie
      Dr. Rudolf                                                                                         durch Leistungen, die der Bund bei ihr einkauft?
   Ramsauer bei
 der Unterzeich-
  nung des Rah-
  menvertrages
April 2003                  energie extra 2.03                                                                                                          5

                                                                                                            BEISPIEL EINKAUFSZENTREN

Erfolgreich                                                                                                 Mehr Gas
                                                                                                            Als Max Kugler, Moderator der Energie-Agen-
Die drei Beispiele auf dieser Seite zei-                                                                    tur der Wirtschaft (EnAW), am 4. April 2000 ei-
gen, wie die Wirtschaft mit Zielverein-                                                                     ne Reihe grosser Einkaufszentren informierte,
barungen ihre Energieeffizienz stei-                                                                        gab er damit den Startschuss zur Energie-Mo-
gert und dabei nicht nur die Umwelt                                                                         dell-Gruppe Einkaufszentren. Viermal jährlich
schont …                                                                                                    treffen sich seither die wichtigsten Exponenten
                                                                                                            aller Mitgliederunternehmen zu Gruppen-
BEISPIEL HOTELS                                                                                             Workshops. Hauptfokus: Energie. Erster Erfolg:
                                                                                                            Die Energiesensibilität in diesen Betrieben ist
Sparsamer duschen                                                                                           bereits merklich gestiegen.
2002 taten sich im Berner Oberland 49 Hote-
                                                     Energie sparen im Hotel: Induktionsherd
lières und Hoteliers zusammen und erklärten                                                                 Zurzeit zählt die Gruppe neun in der Deutsch-
den Beitritt zur «Energiespargruppe Hotelier-                                                               schweiz ansässige Unternehmen. Mit der Ziel-
Verein Berner Oberland». Verantwortlich für die-                                                            vereinbarung haben sie ihre Absicht erklärt, ih-
se Benchmark-Gruppe ist EnAW-Moderator Lo-                                                                  re Energieeffizienz zu steigern und die CO2-
renz Perincioli. Von Anfang an waren zwei star-                                                             Emissionen zu verringern. Massnahmen: Sanie-
ke Partner im Boot: der Präsident und der Ge-                                                               rungen an Lüftungen, Klima- und Heizungsan-
schäftsleiter des Hotelier-Vereins Berner Ober-                                                             lagen, Isolationen an Gebäudehüllen, vermehr-
land, Casi Platzer und Beat Anneler.                                                                        ter Gaseinsatz anstelle von Öl und viele weite-
                                                                                                            re, kleinere Betriebsoptimierungen.
Die Ziele der Gruppe sind hoch gesteckt: Durch
freiwillige Zielvereinbarungen sollen Energie- und                                                          Ziele. Bis 2010 dürften die Einkaufszentren ge-
Betriebskosten eingespart und die CO2-Emissio-                                                              genüber dem statistischen Ausgangsjahr 1990
nen im Vergleich zum Ausgangsjahr 2000/01 um                                                                eine CO2-Reduktion von rund 30 Prozent errei-
16 Prozent vermindert werden. Bereits 20 Betrie-                                                            chen. Punkto Energieeffizienz (Ziel: 10 Prozent
be liessen sich bisher dem sogenannten Energie-      Diese Brause spart Wärme und Wasser.                   Verbesserung in 10 Jahren) sind die Einkaufs-
Check unterziehen. Dabei wird jeder Betrieb indi-                                                           zentren auf Kurs: Sie konnte seit 2000 um zir-
viduell durch einen Energie-Ingenieur erfasst. Im    BEISPIEL THURGAU                                       ka 2 Prozent verbessert werden. Zu den CO2-
Visier: die energetischen Schwachstellen. Sofort-                                                           Emissionen fehlen noch konkrete Zahlen.
massnahmen reduzieren in jedem Betrieb mit           Selbstbefreiung
wenig Aufwand die Kosten.                            Die Energie-Modell-Gruppe Thurgau besteht aus
                                                     10 Unternehmen, deren Erzeugnisse unter-
Kostensparend. Hotelbetriebe können vielfäl-         schiedlicher nicht sein könnten: Zucker, Storen,
tig Energie sparen: durch Optimierung von Hei-       gepanzerte Fahrzeuge, Werkstatt- und Büroein-
zungsregelung, Lüftungssteuerung und Warm-           richtungen, Webmaschinen usw. Sie verfügt
wasserzirkulation und den Einsatz von moder-         aber über einen grossen gemeinsamen Nenner:
nen, Wasser und Heizenergie sparenden Dusch-         das Streben nach einer Reduktion des CO2-Aus-
brausen. Auch der Ersatz alter Geräte kann er-       stosses und nach optimaler Energieeffizienz.
staunliche Spareffekte auslösen. Perincioli:
«Am meisten bringt die Wärmedämmung von              Massnahmen. Dazu sind verschiedene Mass-
schlecht isolierten Gebäudehüllen inklusive          nahmen nötig: Anpassungen im Produktions-
neuer Fenster.» Weitere Massnahmen sind die          prozess, aber auch Wärmedämmungen von
Umstellung von Heizöl auf Erdgas oder – noch         Gebäuden und Leitungen und betriebliche Opti-
effektvoller – auf Holz (Nahwärmeverbund).           mierungen bei Haustechnikanlagen. Im Ver-              Einkaufszentrum Glatt:
                                                                                                            Neue Lüftungsanlage
Energiemassnahmen kommen in einer Zeit               gleich zu 1990 soll der CO2-Ausstoss der Gruppe
rückläufiger Übernachtungszahlen gerade              bis ins Jahr 2010 um mehr als 23 Prozent sinken
recht, um längerfristig Kosten einzusparen.          (von 95 700 auf 77 700 Tonnen CO2).                    Die Gruppen-Zielvereinbarung wurde mittlerwei-
                                                                                                            le vom Bund überprüft (Fachjargon: «auditiert»).
Am 2. Dezember 2002 prüften die Bundesämter          In der Zielvereinbarung sind die Energiever-           Resultat: Die Ziele sind genügend ambitiös. Die
für Energie und Umwelt alle Daten und Voraus-        brauchs-Produktionsdaten der Unternehmen für           drei Betriebe mit Verpflichtungsabsicht wurden
setzungen, Kennwertberechnungen und Ein-             die Jahre 1990 und 2000 erhoben und aufgrund           zusätzlich einzeln auditiert: Der Säntispark in
sparziele der Gruppe auf Herz und Nieren. Der        der voraussichtlichen Unternehmensentwicklung          Abtwil und das Einkaufszentrum Glatt in Walli-
Audit war erfolgreich. Die Hotelleriesuisse, der     und dem vorhandenen wirtschaftlichen Mass-             sellen haben die Prüfung bereits durchlaufen.
Dachverband der Schweizer Hotellerie, zeigt sich     nahmen-Potenzial auf 2010 hochgerechnet. Die           Beim Alpamare in Pfäffikon steht die abschlies-
interessiert und sieht in der Oberländer Energie-    Identifikation von wirtschaftlichen Massnahmen         sende Beurteilung noch aus. Positive Resultate
spargruppe ein Projekt mit Pilotcharakter. Die       ist ein ganz wesentlicher Teil der Zusammenar-         sind aber auch hier zu erwarten.
EnAW will gemeinsam mit dem Dachverband              beit zwischen EnAW-Moderatoren und beteilig-
der Schweizer Hotellerie im laufenden Jahr wei-      ten Firmen. Die Zielvereinbarungen sind so aus-        Fazit des jetzigen Gruppen-Moderators Stefan
tere Benchmark-Gruppen bilden und das Modell         gestaltet, dass sie bei der Einführung einer allfäl-   Miller: «Wir wollen beweisen, dass die An-
in der gesamten Schweiz verbreiten. Hotellerie-      ligen CO2-Abgabe in eine Verpflichtung über-           strengungen für die einzelnen Betriebe nicht
suisse empfiehlt seinen Mitgliedern den Beitritt,    führt werden können. Hält ein Unternehmen die          nur umweltpolitisch, sondern auch wirtschaft-
damit auch sie aktiv zur Reduktion von Ener-         Ziele ein, kann es sich auf diese Weise von der        lich von Vorteil sein können.»
gieverbrauch und CO2-Emissionen beitragen.           Bezahlung der Abgabe befreien.
6                                                                                                        energie extra 2.03                 April 2003

                                                     ENERGIESPARWOCHEN
KANTON ZÜRICH

Gemeinsam
Verschiedene kantonale Energiege-
setze verfolgen eine ähnliche Strate-
                                                     Bauchwärts
gie wie die eidgenössischen Energie-                 Eine Motivationskampagne von Ener-
und CO2-Gesetze. So liegt es nahe,                   gieSchweiz trägt trotz angespannter
beim Vollzug der Gesetze Synergien                   Wirtschaftslage Früchte.
zu nutzen. Der Kanton Zürich tut es.
                                                     Der Apfel rollt in den Firmen, die Energiespar-
Seit 1995 gibts im Zürcher Energiegesetz ein         wochen von EnergieSchweiz durchführen. Die
neues, innovatives Instrument: Wer sich ver-         Motivationskampagne dauert jeweils bis drei
pflichtet, bestimmte Effizienzverbesserungszie-      Wochen – das frische und knackige Kernobst
le einzuhalten, wird von der Anwendung ener-         soll als natürlicher Energiespender den Energie-
gietechnischer Detailvorschriften entbunden.         spargedanken vom Kopf in den Bauch von Mit-
1300 Energie-Grossverbraucher mit einem              arbeitenden transportieren und bewusst ma-
jährlichen Wärmebedarf von mehr als 5 GWh            chen, dass nicht nur Technik zur Energieopti-
oder einem jährlichen Strombedarf von mehr           mierung beiträgt.
als 0,5 GWh können davon profitieren.
                                                     Engagiert. Seit 1995 betei-
Grossverbraucher können sich individuell             ligten sich etwa 65 Firmen
oder in einer Gruppe zur Einhaltung der Ziele        und ähnlich viele öffentliche
verpflichten. Gruppenvereinbarungen haben            Verwaltungen mit insgesamt
den Vorteil, dass nur das Gruppenresultat, je-       etwa 50 000 Mitarbeitenden am
doch nicht die Einzelresultate der Gruppen-          Sparprogramm für den Arbeitsalltag. Geschätzte
mitglieder für die Beurteilung herangezogen          bisherige Einsparung: 30 Millionen kWh – etwa
werden. Wer sich nicht auf dieses Vorgehen           der Jahresverbrauch von 8000 Haushalten.
einlassen will, muss sich auf Anweisung der          «Trotz Rezession ist bei den Firmen die Nachfra-
zuständigen Behörde den Energieverbrauch             ge nicht eingebrochen», freut sich Myrta Burch      Strom- und Wärme-
analysieren lassen und zumutbare Redukti-            von Promocom Group, verantwortlich für Ver-            energieverbrauch
                                                                                                           werden gemessen;
onsmassnahmen durchführen. Diese Bestim-             trieb und Durchführung von Energiesparwo-           Grafiken zeigen den
mung haben weitere Kantone übernommen.               chen. Beispiele sind die Basler Kantonalbank, die   Mitarbeitenden, was
                                                     Maschinenfabrik Bühler in Uzwil und Canon                   sie mit ihren
                                                                                                         Verhaltensänderun-
Sichtbare Erfolge. In der 5-jährigen Einfüh-         (Schweiz) in Dietlikon oder die Allgemeine Pla-           gen bewirken.
rungsphase haben bereits über 50 Unterneh-           kat Gesellschaft (APG) in Winterthur und Lau-         Verantwortlich für
men einzeln oder in Gruppen eine Vereinba-           sanne. «Die meisten Mitarbeitenden engagieren        die Energiesparwo-
                                                                                                               chen ist Myrta
rung für Energie-Grossverbraucher abge-              sich für einen sinnvollen Einsatz von Energie»,                    Burch.
schlossen. Die mittlere jährliche Effizienzsteige-   stellt Burch fest. Einsparungen von 9 bis 11 Pro-
rung liegt bei etwa 2 Prozent. Die Erfahrungen       zent beim Strom lassen sich sehen.                  ■ Massnahmen. Die Handlungsspielräume ha-
dieser Pilotphase überzeugen: Viele wichtige                                                             ben je nach Branche unterschiedliches Gewicht.
Grossverbraucher sind bereits erfasst. Zu den        Drei Pfeiler sorgen für nachhaltige Resultate:      In vielen Fabriken surren sich die Stromzähler
Pilotgruppen gehören der Convention Pool             ■ Implementieren. EnergieSchweiz bietet Akti-       schwindlig. Werden beispielsweise Lagerhallen
Zürich (eine Vereinigung von zwölf Vier- und         onsmittel (Flyer, Stände, Intranet, Plakate, Eco-   nicht unnötig beleuchtet, bleibt manche kWh in
Fünfstern-Hotels), der Flughafen Zürich, die         Drive-Tage und Beratungsangebote) an, die auf-      der Steckdose. In Bürogebäuden kann mit klu-
Gruppe der Druckereien, eine Gruppe von              einander abgestimmt sind und individuell an         gem Temperaturmanagement viel Wärmeenergie
neun Unternehmen am linken Zürichseeufer             den Betrieb angepasst werden können. Ein Vor-       gespart werden: 21° C statt 24° C Raumtempe-
oder das Energie-Modell Zürich mit 14 der            bereitungsteam besorgt die Implementierung im       ratur im Winter sparen gegen 20 Prozent Energie
grössten Stromverbraucher des Kantons.               Unternehmen. Das Management übernimmt die           und sind obendrein gesünder. Handelsfirmen
                                                     Rolle des opinion leaders, Techniker und Haus-      können vor allem bei der Mobilität sparen: Dank
Bund und Kanton ziehen am gleichen Strick,           dienst analysieren Heizungen, Klimaanlagen und      Eco-Drive-Kursen verbrennen Fahrzeuge locker
wenn mit einer Universalvereinbarung Energie-        Gebäudeisolierungen. EDV-Leute nehmen den           15 Prozent weniger Sprit. Die Informationskam-
Grossverbraucher die kantonal verlangte Ener-        Stromhunger von Computern und Peripherie-           pagne weist auf solche Handlungsspielräume hin
gieeffizienzsteigerung sowie die national ver-       geräten unter die Lupe, Kommunikationsexper-        und motiviert zum Mitmachen.
langte Reduktion der CO2-Emmission in einer          ten besorgen den internen Infofluss über Mass-
einzigen Vereinbarung regeln. Dabei geht der         nahmen und Resultate, informieren aber auch         EnergieSchweiz bietet die Energiesparwochen in
Kanton Zürich davon aus, dass mit der Einhal-        Kunden und Akteure im Markt.                        zwei Versionen an: Die Version Full Size unter-
tung der eidgenössischen Energie- und CO2-           ■ Messen. Strom-, wo möglich auch Wärme-            stützt die Unternehmen bei Vorbereitung und
Anforderungen auch die kantonalen Effizienz-         energieverbrauch werden gemessen und zeigen         Durchführung durch Spezialisten. Projektbe-
ziele erreicht sind. Die Erarbeitung der Verein-     Optimierungsmöglichkeiten auf. Graphisch mit        schrieb und Aktionsmittel gibts als Druckvorla-
barung, die Plausibilisierung im Rahmen von          Referenzmessungen verglichen, zeigen die Re-        gen auf einer CD-ROM. Bei der Version Light
Audits und das jährliche Reporting werden da-        sultate den Mitarbeitenden die Wirkung ihrer        stellt eine Fachperson das Programm in zwei bis
durch einfacher, der administrative Aufwand          Verhaltensänderungen auf. «Die Messungen            vier Stunden vor. Die Unternehmen führen die
geringer, und es gibt nur einen Ansprechpart-        werden auch nach der Aktion fortgesetzt und         Energiesparwochen mit den angebotenen In-
ner: die Energie-Agentur der Wirtschaft.             orientieren periodisch über die nachhaltige Wir-    strumenten auf der CD-ROM selbst durch.
                                                     kung», erklärt Myrta Burch.                         Siehe auch: www.energiesparwochen.ch
April 2003                  energie extra 2.03                                                                                                                  7

                                                   AUSSICHTEN
INSTRUMENTE

Das Management
ist einbezogen                                     Immer mehr dabei
Wie man von den Zielvereinbarungen                 Nach eineinhalb Jahren operativer                    tionsprozesse, Gebäudeheizungen und weitere
zu konkreten Massnahmen kommt.                     Tätigkeit befindet sich die Energie-                 betriebliche Infrastruktur. Sechs Zielvereinbarun-
                                                   Agentur der Wirtschaft (EnAW) mit                    gen wurden im Jahr 2002 bereits vom Bund au-
Die Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW)          ihrem Umsetzungskonzept für Ener-                    ditiert. Diese Vereinbarungen umfassen insge-
begleitet die Mitgliedunternehmen bei der          gie- und CO2-Gesetz auf Erfolgskurs.                 samt über 120 Firmen, 42 Grossunternehmen
Umsetzung der Zielvereinbarungen. Sie un-                                                               und 79 KMU. Weitere sechs Gruppen stehen
terstützt dabei ihre Mitglieder bei der Errei-     Die dezentral organisierte Energie-Agentur ist       unmittelbar vor der Auditierung. Bei diesem Ver-
chung der Zielvereinbarungsvorgaben. Ihre          2002 stark gewachsen und beschäftigt im              fahren prüft der Bund, ob die festgelegten Ziele
Instrumente sind:                                  Mandatsverhältnis rund 60 Moderatoren. Die           ambitiös genug sind.
■ Gruppensitzungen mit den Unternehmen             der Energie-Agentur der Wirtschaft ange-
■ bilaterale Sitzungen zwischen Moderatoren        schlossenen Unternehmen repräsentierten              Die Energie-Agentur steht in Kontakt mit knapp
und Firmenvertretern                               2002 rund einen Viertel der insgesamt von der        500 weiteren Firmen (zusammengefasst in rund
■ Produkte/Kurse aus bestehenden Program-          Wirtschaft ausgestossenen CO2-Menge. In Zah-         60 Gruppen). Der Arbeitsstand variiert zwischen
men und neu entwickelte Produkte/Kurse.            len ausgedrückt, sind das rund 2,5 Mio Tonnen        Einstieg in den Zielvereinbarungsprozess bis zur
                                                   CO2. Bis Ende 2003 wird eine Gesamtmenge             fertig ausgearbeiteten Zielvereinbarung.
Gruppensitzungen stossen die eigentliche           von 3 Millionen Tonnen CO2 erwartet.
Umsetzungsarbeit zur Verbesserung der Ener-                                                             Zukunft. Im laufenden Jahr wird sich die Ener-
gieeffizienz und zur Reduktion des CO2 an. In      Engagement. Gesamthaft profitieren gegen             gie-Agentur nebst der Akquisition von neuen
den von den Moderatoren geleiteten Sitzun-         600 Unternehmen von der Zusammenarbeit               Grossverbraucher- und KMU-Gruppen vor
gen nehmen in der Regel alle Unternehmen ei-       mit der Energie-Agentur. Die Unternehmen             allem darauf konzentrieren, die bereits einge-
ner Energie-Modell-Gruppe teil. Die Anzahl         engagieren sich entweder in einer Energie-           bundenen Unternehmensgruppen so zu be-
Vertreter ist Firmensache und hängt vom The-       Modell-Gruppe oder in einer Benchmarkgrup-           treuen, dass sie die in den Zielvereinbarungen
ma ab. Normalerweise steht ein Schwer-             pe für KMU.                                          gemachten Vorgaben erreichen können.
punktthema im Zentrum der Sitzung. Dieses          ■ Das Energie-Modell ist auf Grossverbraucher
wird nach der aktuellen Interessens- und Pro-      aus dem Industrie- und Dienstleistungssektor         Damit beginnt die eigentliche Umsetzungspha-
blemlage der Gruppenmitglieder ausgewählt.         ausgerichtet. Diese werden in Gruppen von 8          se. Hier wird die Energie-Agentur neue Produk-
                                                   bis 15 Unternehmen zusammengefasst, die –            te erarbeiten, bestehende einsetzen oder wei-
Die Sitzungen finden in der Regel im Quar-         moderiert durch die EnAW – gemeinsam nach            terentwickeln. Geplant ist ausserdem die Imple-
talsrhythmus statt und bezwecken neben all-        Möglichkeiten zur Steigerung der Energieeffizi-      mentierung eines Monitoringsystems. Mit
gemeinem Erfahrungsaustausch                       enz suchen.                                          diesem System werden jährlich die Daten der in
■ die Bestandesaufnahme der Fortschritte bei       ■ Mittlere und kleinere Unternehmen beschäf-         Zielvereinbarungen eingebundenen Firmen
der Massnahmenumsetzung                            tigen in der Regel kein Personal, das über ho-       erfasst. Im 2003 wird die Zahl der dem Bund
■ die Diskussion von aufgetretenen Proble-         hes technisches Wissen bezüglich Energie und         zur Prüfung (Auditierung) abgegebenen Ziel-
men und deren Lösung                               Umwelt verfügt. Für sie ist das Benchmark-Mo-        vereinbarungen massiv ansteigen.
■ die Information über bevorstehende Mass-         dell* ideal. In Gruppen von 30 bis 50 Unter-
nahmen (Zeitplan).                                 nehmen wird eine stark
                                                   vereinfachte Methode zum
Häufig wird während einer Gruppensitzung           Ermitteln der Ziele für die
auch ein speziell interessantes Objekt besich-     CO2-Intensität und die Ener-
tigt. Die Gruppensitzungen dienen auch der         gieeffizienz angewandt.
Überwachung: Ist ein Unternehmen bei der           Anders als beim Energie-
Realisierung von Massnahmen säumig und be-         Modell steht hier nicht das
einflusst so das Resultat der Gruppe negativ,      Einsparpotenzial aufgrund
werden an den Gruppensitzungen Korrekturen         von Massnahmen, sondern
eingeleitet. Ein Gruppenreglement hält im Ex-      die Entwicklung des spezifi-
tremfall zu ergreifende Sanktionen fest.           schen Verbrauchs (z.B. CO2-
                                                   Ausstoss pro Tonne Pro-
Als besonders erfolgreich haben sich Grup-         dukt) im Vordergrund. Die
pensitzungen erwiesen, wenn jährlich eine          Zielgrösse wird anhand ei-
Management-Review durchgeführt wird. Dar-          nes Benchmarks bestimmt.
an nimmt neben den technikversierten Fir-          Zielvereinbarungen. Die Ziele und die für die         Beispiel einer EnAW-Sitzung: Moderator
menvertretern auch das Management in               Zielerreichung notwendigen Massnahmen wer-           Bernhard Hautle (hinten rechts) mit Indu-
                                                                                                          strievertetern der Gruppe «Bern 2010».
möglichst hoher Charge teil. Dabei geht es         den in so genannten Zielvereinbarungen festge-
                                                                                                        * Das Benchmark-Modell eignet sich für kleine und mittlere
mehr um Strategie als um Technik. Eine             halten. Die Zielvereinbarungen können so ge-         Unternehmen ohne spezialisiertes Fachpersonal für Energie
Erfolgskontrolle zeigt den Entscheidungsträ-       staltet werden, dass sie sich später in Verpflich-   und Umwelt. Energieeffizienz und CO2-Fracht werden über
                                                                                                        den Verlauf des spezifischen Energieverbrauchs bzw. der spe-
gern, ob ihr Unternehmen auf Kurs ist oder         tungen überführen lassen. Sie ermöglichen es         zifischen CO2-Emissionen bestimmt. Im Vordergrund stehen
(falls nicht), was zu tun ist – das heisst: wel-   den Unternehmen, sich von einer allfälligen          also nicht Massnahmen zum Ausschöpfen des Energiepotenzi-
                                                                                                        als, sondern die Entwicklung des spezifischenVerbrauchs. Das
che Ressourcen freigestellt werden müssen.         CO2-Lenkungsabgabe zu befreien. Umgesetzt            Ziel wird mit einem Referenzpunkt (benchmark) gesetzt. Min-
                                                   werden die Zielvereinbarungen mit einer Viel-        destens 30 Unternehmen bilden eine (von der EnAW begleite-
                                                                                                        te) Gruppe. Weil der Prozess in diesem Modell weniger kom-
                                                   zahl von Massnahmen in den Bereichen Produk-         plex ist, sind auch die Mitgliederbeiträge kleiner.
8                                                                                                      energie extra 2.03                          April 2003

Pro
                                                                            «Die Zeit ist
                                                                              reif für den
                                                                               Atomausstieg»
                                                                                      Eva Kuhn ist Präsidentin der
                                                                                      Schweizerischen Energie-
                                                                                      Stiftung (SES) und empfiehlt
Die Zeit ist reif, jetzt die Stromversorgung der                                      ein zweifaches Ja zum Verlassen
Zukunft ohne Atomkraftwerke einzuleiten.                                              des «Atompfads».
«Wir haben 40 Prozent zu viel Strom, wir sind
Netto-Exporteur.» Das sagt Ueli Forster, Präsi-    (www.energieschweiz.ch; Fact-Sheet «Potenzia-        gen zu erwarten – so bei der «Blackbox» Nach-
dent des Wirtschaftsverbandes economiesuisse       le»). Einerseits bietet es sich geradezu an, die     rüstungskosten sowie bei den Stilllegungs- und
(FACTS 36/2002). 40 Prozent – das entspricht       massiven und teuren Stromüberschüsse abzu-           Entsorgungskosten. Hinzu kommt, dass die Risi-
exakt der gesamten Stromproduktion der fünf        bauen. Davon profitiert insbesondere die Was-        kokosten nicht im entferntesten berücksichtigt
Schweizer AKW. Derselbe Verband führt die          serkraft, weil deren Marktwert dadurch steigt.       sind.
Kampagne gegen die Volksinitiativen «Strom         Andererseits sind die wirtschaftlich erschliessba-
ohne Atom» und «MoratoriumPlus». Haupt-            ren Ersatzpotenziale mehr als ausreichend. Geht      Reif. Die Zeit ist reif, jetzt die Stromversorgung
argument: Der Ersatz von 40 Prozent Atom-          man grosszügig von einem AKW-Ersatzbedarf            der Zukunft ohne Atomkraftwerke einzuleiten:
strom sei nicht möglich. Das verstehe, wer will.   von 15 Mia. kWh aus, sind die Ersatzpotenziale       Effizientere Nutzung von Elektrizität senkt die
                                                   – vorsichtig geschätzt – doppelt so gross als        Stromkosten für Wirtschaft und Haushalte auf
Das von economiesuisse vorgeschobene Forum         überhaupt nötig.                                     der Verbrauchsseite um 1 Milliarde Franken pro
«Sichere Stromversorgung Schweiz» propagiert                                                            Jahr. Wasserkraft, Strom aus erneuerbaren
das magische Zahlenpaar 60–40: 60 Prozent          Doppelt so teuer. Der Bundesrat beziffert die        Energien und hocheffiziente Energieumwand-
Wasserkraft, 40 Prozent Atomstrom sorgen für       Kosten des schrittweisen Atomausstiegs unter         lung durch Wärmekraftkopplung sind die Al-
eine sichere Stromversorgung. Nur: Diese Zah-      Einhaltung der Klimaschutzziele für den Zeit-        ternativen auf der Produktionsseite.
len beziehen sich auf die Produktion und nicht     raum 2004 bis 2030 auf 27,8 Milliarden Fran-
auf den Verbrauch.                                 ken.2 Das ergibt rund 1 Milliarde Franken pro        Oder soll der Technologiestandort Schweiz den
                                                   Jahr. Demgegenüber liegen die Kosten für den         Anschluss an diesen globalen Zukunftsmarkt
Ersetzbarkeit unbestritten. Schauen wir            Weiterbetrieb der Atomkraftwerke bis 2019/           verschlafen? Die Schweizer Solarbranche
doch einmal genauer hin: Gemäss Aussagen           2021 (Beznau I + II, Mühleberg), 2039 (Gös-          braucht einen politischen Schub und einen
des Forums lag die schweizerische Strompro-        gen) und 2044 (Leibstadt) bei 24,020 Milliar-        starken Heimmarkt. ABB setzt auf Windenergie
duktion 2001 bei 70,174 Mia. kWh1. Der Lan-        den Franken3. Hinzu kommen – von den AKW-            und die Mikroturbine zur dezentralen Stromer-
desverbrauch betrug im selben Jahr 53,7 Mia.       Betreibern optimistisch geschätzte – Still-          zeugung. Sulzer hat bei der Brennstoffzelle
kWh. Das ergibt einen Überschuss von 16,474        legungs- und Entsorgungskosten von rund 15           (noch) die Nase vorn. Wo bleiben Aufbruch-
Mia. kWh. Das entspricht der Jahresproduktion      Milliarden Franken.                                  stimmung und Pioniergeist?
der vier Atomkraftwerke Beznau I, Beznau II,
Mühleberg und Gösgen von 16,203 Mia. kWh           Denkt man den «Atompfad» («Option Kern-              Wecken wir die Schweiz aus ihrem
(2001). Was soll also das Geschwätz von der        energie») konsequent zu Ende, muss auch der          Dornröschenschlaf – mit einem kräftigen
drohenden «Stromlücke»?                            nahtlose Ersatz der alten Atomkraftwerke durch       2 x JA zu Strom ohne Atom und Moratori-
                                                   neue eingerechnet werden. Strom ohne Atom            umPlus. Die Zeit ist wirklich reif!
Dass die Atomkraftwerke ersetzt werden kön-        hat das getan. Das Ergebnis: Die Totalkosten für     Weitere Infos: www.stromohneatom.ch
nen, ist unbestritten. Die Frage ist bloss: Wie,   den «Atompfad» liegen mit 57,327 Milliarden          1
                                                                                                          Nicht eingerechnet sind hier die Bezugspflichten aus
wann und zu welchen Kosten? Wers nicht             Franken doppelt so hoch wie die Kosten des           französischen Atomkraftwerken in der Grössenordnung
glaubt, soll sich einmal beim Bundesamt für        Atomausstiegs gemäss Strom ohne Atom. Und            von 10–15 Milliarden kWh pro Jahr.
                                                                                                        2
                                                                                                          Szenarien zu den Initiativen Strom ohne Atom
Energie kundig machen                              bei vielen Kostenposten sind böse Überraschun-       sowie MoratoriumPlus, Prognos 2001
                                                                                                        3
                                                                                                          dito

 Zur Abstimmung                                    (KKW) auf 40 Jahre mit Verlängerungsmöglich-
                                                   keit (fakultatives Referendum) sowie einen
                                                                                                        entwickeln und im Markt einzuführen.
                                                                                                        ■ Verantwortbar: Der weitere Betrieb der
 Am 18. Mai 2003 stimmt das Schweizer              Bewilligungsstopp für neue KKW und für Leis-         KKW ist auch verantwortbar, weil unsere Anla-
 Volk u. a. auch über zwei Atominitiati-           tungserhöhungen während zehn Jahren.                 gen im internationalen Vergleich sicher sind.
 ven ab. Beide streben den Ausstieg aus                                                                 Die Bundesbehörden überwachen die KKW
 der Kernenergie an, unterscheiden sich            Bundesrat, Parlament und das BFE                     dauernd und gewährleisten die Sicherheit der
 jedoch im Zeithorizont.                           lehnen die beiden Initiativen ab.                    Anlagen und der Transporte von Kernmaterial
                                                   Ihre Begründung:                                     auch in Zukunft.
 ■ «Strom ohne Atom» verlangt die Stilllegung
 der drei älteren Kernkraftwerke Beznau I und II   ■ Sinnvoll: Der weitere Betrieb der KKW ist          energie extra hat zwei Exponentinnen
 sowie Mühleberg zwei Jahre nach der Volksab-      sinnvoll, weil zusätzliche Stromimporte und fos-     der Befürworter und Gegner eingela-
 stimmung und der beiden neueren (Gösgen und       silthermische Kraftwerke die Versorgungssicher-      den, zu den beiden Vorlagen Stellung
 Leibstadt) nach 30 Betriebsjahren.                heit und die Umwelt gefährden. Ausserdem             zu nehmen.
 ■ «MoratoriumPlus» verlangt eine Befristung       braucht es Zeit, um wirtschaftlich und ökolo-
 des Betriebs der bestehenden Kernkraftwerke       gisch vertretbare Alternativen zu den KKW zu
April 2003                  energie extra 2.03                                                                                                    9

                                                Contra
                                                Nationalrätin Doris Leuthard
                                                (CVP) empfiehlt ein doppel-
                                                tes Nein zu den «schädlichen
                                                                                                       gungsfrage stellt sich so oder so – unabhängig
                                                                                                       vom Volksentscheid über die beiden Initiativen.

                                                Ausstiegs-Initiativen».                                Keine Alternativen. Was aber gibt es für Al-
                                                                                                       ternativen, um die 40-prozentige Versorgungs-

«Strom aus Kern-                                      Vorteile. Die fünf Kernkraftwerke produzieren
                                                      rund 40 Prozent unseres Stroms. Das sind 25
                                                                                                       lücke, die durch das Stilllegen der Kernkraftwer-
                                                                                                       ke entstehen würde, zu schliessen? Eine Reduk-
                                                                                                       tion des Stromverbrauchs, erneuerbare Energi-
    kraftwerken                                       Mia. kWh. 60 Prozent stammen aus einheimi-
                                                      scher Wasserkraft. Dieser Schweizer Strommix
                                                                                                       en, fossile Energien oder der Import von Strom?

  ist ökologisch                                      hat sowohl technisch als auch ökologisch und
                                                      wirtschaftlich grosse Vorteile. Die Produktion
                                                                                                       Energiesparen ist weiterhin angesagt. Letztlich
                                                                                                       müssen wir aber zur Kenntnis nehmen, dass

  und technisch                                       von Strom durch Kernenergie kann ohne eine
                                                      Belastung unserer Luft durch CO2 geschehen.
                                                                                                       der Stromverbrauch in der Schweiz trotz Appel-
                                                                                                       len und Energiesparprogrammen in den letzten
                                                                                                       20 Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Eine
    vorteilhaft»                                      Bei einem Ausstieg hingegen fallen mindestens
                                                      9 Mio. Tonnen Schadstoffe an, zusätzlich zu
                                                                                                       starke Reduktion des Stromverbrauchs ist un-
                                                                                                       realistisch. Heute machen Wind- und Solar-
                                                      den 17 Mio. Tonnen aus dem Strassenverkehr.      strom lediglich rund 0,03 Prozent unserer
                                                      Aus gesundheits- und umweltpolitischer Sicht     Stromproduktion aus. Auch wenn dieser Anteil
  Bundesrat, Ständerat und Nationalrat lehnen         ist dies nicht zu verantworten. Die CO2-Abgabe   noch erhöht werden kann, wird es nicht mög-
  beide Atom-Initiativen deutlich ab. Die Initiati-   wäre zudem nicht zu verhindern.                  lich sein, mit Wasser, Wind und Sonne die Ver-
  ven laufen darauf hinaus, dass die Schweizer                                                         sorgung der Schweiz sicherzustellen.
  Kernkraftwerke vorzeitig stillgelegt werden         Zuverlässig und ohne grosse Preisschwankun-
  müssen. Dies ist verbunden mit hohen Kosten,        gen versorgten die Anlagen unsere Wirtschaft     Bei der letzten Abstimmung über den Atom-
  steigenden Preisen und Steuern, grösserer Aus-      und die Haushalte in den letzten 30 Jahren mit   Ausstieg wurde Solarstrom als die grosse Zu-
  landabhängigkeit und einer zunehmenden Be-          Strom. Bei einem Ausstieg fallen während 40      kunftslösung angepriesen. Trotz finanzieller
  lastung unserer Luft mit Treibhausgasen.            Jahren Mehrkosten von mindestens 1 bis 1,5       Unterstützung durch den Bund, trotz Steueran-
                                                      Mia. CHF an. Strompreiserhöhungen zulasten       reizen in den Kantonen hat sich die Technik
  Einmal mehr waren die Diskussionen im Parla-        der Konsumenten und Konsumentinnen wären         nicht durchsetzen können. Man geht von Ge-
  ment geprägt von ideologischen Grabenkämp-          unumgänglich.                                    stehungskosten von über einem Franken pro
  fen. Unbestritten ist: Die Schweizer Kernkraft-                                                      kWh aus (im Vergleich dazu kostet Wasserkraft
  werke werden mit Sorgfalt betrieben, und an         Zwar bleibt die Entsorgungsfrage auf politi-     4 bis 8 Rappen und Kernkraft 4 bis 6 Rappen).
  den Sicherheitsstandard müssen auch in Zu-          scher Ebene im Moment ungelöst. Technisch
  kunft grosse Anforderungen gestellt werden.         ist die Lagerung der Abfälle jedoch möglich.     Neu wird Windenergie angepriesen. Auch die-
  Lieber aber sind wir für die Sicherheit der Anla-   Zurzeit werden die Abfälle im Zwischenlager      se Art von Energie ist zu fördern. Sie hat aber
  gen selber verantwortlich, als dass wir Strom       (ZWILAG) in Würenlingen sicher gelagert. In      ein Problem: Der Wind weht, wann, wo und
  von ausländischen Anlagen kaufen und die            den nächsten 20 Jahren ist aber unbedingt ein    wie er will. Wegen dieses unregelmässigen An-
  Verantwortung delegieren.                           Endlager zu realisieren. Klar ist: Die Entsor-   falls, müssten mit konventionellen Öl-, Gas-
                                                                                                       oder Kohlekraftwerken grosse Ersatzkapazitä-
                                                                                                       ten aufgebaut werden.

                                                                                                       Die einzig realistische Alternative zur Kernkraft
                                                                                                       sind massive Stromimporte aus x-beliebigen
                                                                                                       Quellen oder der Bau von grossen Gaskraft-
                                                                                                       werken. Beide Lösungen sind jedoch uner-
                                                                                                       wünscht, weil sie die Luft zusätzlich belasten
                                                                                                       und die Schweizer Stromversorgung vom Aus-
                                                                                                       land abhängig machen.

                                                                                                       Zusammenfassend empfehle ich ein doppeltes
                                                                                                       Nein zu den Initiativen. Sie erweisen sich bei
                                                                                                       genauer Analyse als schädlich, weil sie zu einer
                                                                             Kernkraftwerk
                                                                             Gösgen: Nach              grösseren Auslandabhängigkeit führen, höhere
                                                                             30 Betriebsjahren         Preise für Wirtschaft, Steuerzahler und Konsu-
                                                                             ausschalten?              menten mit sich bringen und die Umwelt zu-
                                                                                                       sätzlich belasten.
10                                                                                                      energie extra 2.03                 April 2003

                                                   INTERVIEW
AUTOSALON GENF

Mitten drin
Im Automekka an der Rhone stiessen
                                                   «Reges Interesse»
energieeffiziente Fahrzeuge beim
neuen Stand des Projekts EcoCar auf                Susanne Wegmann, Medienverant-                       der Kundschaft auf das neue Konzept eines
reges Interesse.                                   wortliche von e’mobile, zieht nach                   Elektrofahrzeugs mit Range Extender sein. Bei
                                                   dem Autosalon eine positive Bilanz.                  diesem Serienhybrid können die Batterien beim
«Nun sind wir mitten drin», freute sich e’mo-                                                           Fahren bei Bedarf durch einen kleinen Benzin-
bile-Präsident René Bautz. Der Verband fördert     energie extra: Wie gross war das Interesse           motor nachgeladen werden, was die Reichwei-
die Verbreitung umweltschonender Fahrzeuge         des Publikums im Vergleich zu den Vorjahren?         te verdoppelt. Die reinen Elektroautos sehen
und war schon in den Vorjahren an einem klei-      Susanne Wegmann: Schon bei früheren Sa-              deren Anbieter vorläufig als Nischenprodukt.
nen Stand am Genfer Autosalon präsent.             lons stellten wir reges Interesse für alternative,
                                                   umweltschonende Antriebssysteme fest. Der            Welches Bilanz zieht e’mobile nach dem
Neu. Im Hinblick auf den Salon 2003 wurde          neue Stand EcoCar mitten in der Hauptaus-            diesjährigen Autosalon?
im Rahmen des Projekts EcoCar ein neuer            stellung erleichterte es den Besuchern, gezielt      Konzept und Standort des EcoCar-Standes ha-
Stand gestaltet. In Halle 5 befand er sich in      Informationen zu den effizienten Fahrzeugen          ben sich bewährt. Der
unmittelbarer Nachbarschaft zu den grossen         auf dem Markt zu erhalten. Wir führten deutlich      Stand mitten in der Aus-
italienischen Marken. Im attraktiven Umfeld        mehr beratende Gespräche als in den Vorjahren.       stellung erleichtert es
konnten die Besucher erstmals eine Auswahl                                                              wesentlich, das breite
von energieeffizienten Fahrzeugen bestaunen.       Wer besuchte den Stand?                              Publikum anzusprechen.
Am Infodesk standen Fachleute Red und Ant-         Erläuterungen vor der offenen Kühlerhaube
wort. Bautz: «Der Stand sollte das Interesse       wirkten auf viele anziehend, die zufällig vorbei
des breiten Publikums für die effizienten Fahr-    schlenderten. Gezielt den Stand aufgesucht ha-
zeuge mit Alternativantrieb wecken.»               ben sowohl Private wie auch Behörden- und                 Stand-Betreuerin
                                                                                                           Susanne Wegmann
                                                   Firmenmitglieder, die sich für die Möglichkeiten
Unter einer riesigen energieEtikette für Neu-      einer effizienten, umweltschonenden Mobilität
wagen kauerten putzige Waschbären, die             interessieren. Dazu kam die potenzielle Kund-               Chantal Purro,
Maskottchen der Infokampagne zur Lancie-           schaft der Anbieter, die auf unserem Stand ein         Leiterin der Wasch-
rung der schlauen Etikette. «Achten Sie beim       Fahrzeug ausgestellt hatten.                           bär-Kampagne, und
                                                                                                                 autoschweiz-
Kauf eines neuen Wagens auf die energieEti-                                                                    Präsident Tony
kette – wählen Sie ein sparsames Fahrzeug»,        Welche Themen standen im Vordergrund?                       Wohlgensinger
appellierte der Leiter von EnergieSchweiz,         Grosser Informationsbedarf besteht bezüglich              präsentieren die
                                                                                                              energieEtikette.
Hans Luzius Schmid, an die Salonbesucher.          Erdgasautos und Gastankstellennetz. Beliebt
                                                   war auch der Verbrauchskata-
Premieren. Mit Erd- und Biogas betriebene          log von EnergieSchweiz und
Fahrzeuge gelten als vergleichsweise umwelt-       dem TCS mit den Effizienzka-
schonend. Die Gasverbund Mittelland AG,            tegorien der energieEtikette.
die welsche Gaznat SA und die Erdgas Ost-
schweiz AG haben deshalb die Gasmobil AG           Gab es unter den gezeigten
gegründet. «Bis 2010 sollen 70 000 gasbe-          Fahrzeugen einen Renner?
triebene Fahrzeuge auf Schweizer Strassen          Die vier Erdgasfahrzeuge stan-
verkehren», fordert Philippe Petitpierre, Präsi-   den eindeutig im Rampenlicht.
dent von Gasmobil. Diese Zahl entspräche et-
wa 2 Prozent des Fahrzeugbestandes. Heute          Warum sind in der Schweiz
rollen etwa 500 solche Fahrzeuge auf               erst 500 dieser Fahrzeuge im-
Schweizer Strassen.                                matrikuliert?
                                                   Das Tankstellennetz ausserhalb
Unter den gezeigten Fahrzeugen befanden            des Raums Zürich ist noch
sich zwei Schweizer Premieren: der Fiat Doblò      lückenhaft, landesweit gibt es
Bipower, der mit Erdgas und Benzin fährt, so-      erst 26 Stationen. Damit fehlte
wie der überarbeitete Citroën Berlingo élec-       bisher für die Anbieter der Anreiz, ihre Modell-
trique. Zu sehen waren auch das Hybridfahr-        palette wesentlich zu erweitern. In den nächsten      Das Projekt EcoCar wurde vom Verband
zeug Toyota Prius, von dem schon mehr als          Jahren soll die Zahl der Tankstellen vervielfacht     e’mobile lanciert und hat die Markförderung
100 000 Stück gefertigt wurden, und der in         werden. Mehrere Konzerne haben auf diese An-          von umweltschonenden Fahrzeugen zum
Kleinserie hergestellte Smart Bi-Fuel (Benzin      kündigung reagiert und neue Modelle lanciert.         Ziel. Partner sind EnergieSchweiz, die Auto-
und Erdgas).                                                                                             mobilverbände, die Fahrzeuganbieter und
                                                   Obwohl seit Jahren angeboten, sind Elektroau-         Verbände der Energiewirtschaft. e’mobile
Der Stand von EcoCar stiess auf reges Interes-     tos in erster Linie wegen der schweren Batteri-       führt im Rahmen von EcoCar in der ganzen
se (siehe nebenstehendes Interview). Deshalb       en mit geringer Leistungsdichte nie über ein          Schweiz Informationsveranstaltungen mit
ist für René Bautz klar: «Wir wollen den Be-       Mauerblümchendasein hinausgekommen. Ist               Probefahrten durch und bietet unabhängige
suchern auch an künftigen Autosalons at-           eine Trendwende in Sicht?                             Beratung an (www.e-mobile.ch, info@e-mo-
traktive Modelle präsentieren!»                    Vorerst dürften die Hybridfahrzeuge weiter an         bile.ch).
                                                   Boden gewinnen. Interessant wird die Reaktion
Sie können auch lesen