Engadin - Engadin St. Moritz ...
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Engadin Sommer / Herbst Liebe Gäste
Diese Sommer- und Herbstausgabe des Engadin Magazins widmen
Deutschland wir dem Holz. Denn das einzigartige Engadiner Licht, das ungetrübt
von Mensch und Maschine das Tal zum Glänzen bringt, hat sich
Österreich
über Jahrhunderte auch in die Bäume und Wälder des Engadins
Frankreich SCHWEIZ GR AUBÜNDE N gebrannt. Daher entwickelten die heimischen Arven, Föhren und
Lärchen einen ganz eigenen Charakter, der einerseits von ihrem harten
OBERENGADIN Kampf gegen die Elemente erzählt und andererseits grosszügige
Italien
Sanftmütigkeit ausstrahlt – knorrig in der Form, aber voller weicher
Farbe und beruhigenden Düften.
Die Engadinerinnen und Engadiner
Cover: Val Trupchun
Bild von Romano Salis
Piz Cambrena, 3604 m
Piz Bernina, 4049 m
Piz Scerscen, 3971 m
Piz Roseg, 3937 m
Piz Tremoggla, 3441 m
Piz Palü, 3905 m
Karte: Rohweder
Piz Fora, 3363 m
Piz Corvatsch, 3451 m
Diavolezza, 2978 m
Piz Lagalb, 2959 m
Piz Murtèl, 3433 m
Piz Led, 3088 m
Piz Lavirun, 3058 m
Punta Casana, 3007 m
Diavolezza
Punta Saliente, 3048 m
Piz Surlej, 3188 m
Lago
Bianco
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Italien
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Berninapass
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M A LOJ A
Lej da Segl
Schweizerischer Nationalpark
Lej da Silvaplauna SILS
SURLEJ
S T. M O R I T Z B A D
PONTRESINA Lej da
Champfèr S I LVA PL A N A
St.Moritzersee
CHAMPFÈR
S T. M O R I T Z
DORF Julierpass
Corviglia
ZERNEZ
➞
LA PUNT- CELERINA
CINUOS-CHEL CHAMUES-CH SA ME DAN
S-CHANF ZUOZ BEVER
CHAPELLA MADULAIN
Nord06 EINSTIEG
14 Il scuttinöz da god Waldgeflüster.
18 FITNESS
20 Von Baum zu Baum
22 Schwitzen unter freiem Himmel
Mit den Fitnessprofis auf den Vitaparcours.
32 Für alle Muskeln Training mitten in der Natur.
34 S T Ü VA
36 Der Mittelpunkt des Wohnens
38 Da stüva a stüva Auf der Via Engiadina
alte Traditionen entdecken.
S. 82 48 Wanderparadies In die Bergwelt eintauchen.
50 N AT Ü R A
52 Aus besonderem Holz
54 Verwurzelt Engadiner Persönlichkeiten
und ihre Geschichten.
64 Naturperlen Der Wald und seine Schätze.
S. 66 S. 34 66 BIKEN
68 Das Spiel mit den Elementen
70 Holz in den Adern Mountainbikerin und Holz-
bildhauerin Nora Engels geht gerne an Grenzen.
78 Abgefahren! Biketrails ohne Ende.
82 C U LT U R A
84 Salonmusik
S. 98
86 Im Wald der Klänge Der Taiswald bei
Pontresina wird im Sommer zur Konzertbühne.
94 Tor zur Seele Kulturelle Ausflüge.
98 I L S P RO D OT S R EG I U N E L S
Bild Stüva: Schweiz Tourismus (Rob Lewis) / alle anderen: Filip Zuan
100 Superkräfte
102 Die Arve in der Wurst Roland Heuberger
experimentiert in seiner Metzgerei mit Bäumen.
112 Im Reich des Holzes Eine Sinnesreise.
114 P I N NWAN D
114 Eine Ideengalerie mit noch mehr Aktivitäten,
Restaurants, Unterkünften und kulturellen
Angeboten für traumhafte Ferien
im Oberengadin.
138 Vorschau Winter Alles rund ums
S. 18 S. 50
Thema «Weitsicht» im Engadin.
Inhalt E N G A D I N Magazin S O M M E R / H E R B S T InhaltBild: Christian Meixner Der Holzsteg mit Wald- blick: Am Lej da Staz in Celerina ist nicht nur der Sommer, sondern auch der Herbst ein Naturgenuss.
Bild: Hotel Waldhaus Sils (Gian Giovanoli) Wo Holz verschiedene Formen bekommt: Im Waldhaus in Sils Maria fanden bekannte Literaten neue Inspiration für ihre Werke.
Bild: Filip Zuan Morgenerwachen bei St. Moritz: wo der Duft von Tannennadeln und Moos in der Luft liegt.
Bild: Valentin Manhart Der von Bäumen umsäumte See: der Lägh da Cavloc in der Nähe des Malojapasses.
14 15
Il scuttinöz da god Tausende Gärtnerinnen
Sie sind die fleissigen Gärtnerin-
nen in unseren Wäldern: die
Waldgeflüster Waldameisen. In Schwerstarbeit –
bis zum 60fachen ihres
Waldfläche
Körpergewichts können sie
Rund 10 610 Hektar sind im
tragen – verteilen sie die Samen
Oberengadin mit Wald
der Bäume und Sträucher auf
bedeckt, was circa einen
dem Boden und tragen so zur
halben Hektar pro
Artenvielfalt bei. Auch sind sie
Einwohner ausmacht.
die heimlichen Herrscher des
Bergwaldes: Bis zu 100 000
Insekten verzehrt ein Ameisen-
volk an einem Tag. Im Engadin
finden sich sechs heimische
Arten der Waldameisen.
Waldbewohner
Der Taiswald bei Pontresina
ist ein Vogelparadies. Hier
fressen einem die Vögel gar
aus der Hand. Futter gibt’s
Das Haus im See an den Futterstellen.
Plaun da Lej – Drei Häuser aus Holz schaukeln
sachte mit den leisen Wellen in der Bucht bei Plaun
Arve – Pinus cembra – il dschember Lärche – Larix decidua – il larsch Fichte – Picea abies – il pign da Lej und warten auf ihre Besucher. Wer den Weg
Verbreitung: 47 % Verbreitung: 29.5 % Verbreitung: 19.9 %
übers Wasser antritt, wird mit einer Nacht im
Holzhaus belohnt. Denn ab der Sommersaison 2021 Schutzwald Stachlige Wunderwerke
bietet Antonio Walther, der das Restaurant Murtaröl Rund 40 Prozent des
Sils Maria – Was wie haarige
und das Hotel Cristallina in Plaun da Lej betreibt, Engadiner Waldes dient als
Wollknäuel aussehen mag, sind
auch drei Holzhäuser mitten im See als Übernach- Schutzwald vor Lawinen
Silser Kugeln. Wenn die Lärchen
tungsmöglichkeit an. engadin.ch/arvenholz und Murgängen.
im Herbst ihre Nadeln auf Reisen
schicken, trägt sie der Maloja-
i wind auf den Silsersee. Im Takt
des Windes tanzen sie vom Ufer
Weitere Holzhäuser aufs Wasser und zurück – bis,
welch Wunder, sie sich durch
Rustikales Bungalow
die Wellenbewegungen und das
Auf dem Camping Gravatscha in Samedan schläft
Hohe Wälder Hin und Her zu stacheligen
man in einem kleinen, modernen Haus mit Schlaf-
Die obere Waldgrenze liegt Kugeln formen. Wer keines der
bereich, Bad und Wohnzimmer. camping-gravatscha.ch
im Engadin zwischen 2200 Wunderwerke rund um den
Schlafen im Weinfass und 2300 m ü. M. Besonders Silsersee entdecken kann,
Föhre – Pinus sylvestris – il tev Vogelbeere – Sorbus Birke – Betula – il vduogn Im Fass auf dem Camping Madulain fühlt es sich schön ist beispielsweise der findet die süsse Variante aus
Verbreitung: 1.8 % aucuparia – il culaischem Verbreitung: 0.6 % (zusammen schon fast so an wie in einer Alphütte auf einer God Plazzers oberhalb des Schokolade in den lokalen
Verbreitung: 1.2 % mit anderen Laubbäumen)
einsamen Alp. campingmadulain.ch Stazerwalds in Celerina. Bäckereien.
(zusammen mit der Grauerle)
Die Hölzer im Engadin
Bilder links: Alamy, Adobe Stock
Wer durch die Wälder des Engadins streift, wird sie nicht übersehen: die Arve und ihre Kräuter und Beeren im Wald
Freunde wie beispielsweise die Lärche, die sich im Herbst in ein so wunderbar goldenes
Kleid wirft. Fast jeder zweite Baum im Engadin ist eine Arve, jeder dritte eine Lärche.
Sie sind die heimlichen Schätze von Spitzenkoch Fabrizio Zanetti: die Beeren und
Ihre Rinden sind ihre schützende Haut, die sich im Laufe der Zeit verändert, rissig wird, Kräuter der heimischen Wälder und Wiesen. Als Bündner Bub kennt er sie gut und nimmt
abblättert und auch Narben trägt. Gute Beobachter können Bäume anhand deren Rinde Gäste immer mal wieder mit auf eine Kräuterwanderung. suvrettahouse.ch
bestimmen. Also Augen auf beim nächsten Streifzug!
Auftakt E N G A D I N Magazin S O M M E R / H E R B S T Auftakt17
Top 5: Sommer-
Genuss am Bucketlist
Fünf Dinge, die man
laufenden Meter. im Engadiner Sommer
erlebt haben muss:
In einer der Schreinereien
ein paar Arvenspäne
einsammeln für sein
www.engadin.ch eigenes Arvenkissen.
Sich nach dem Sprung
in den kühlen Lej da Staz
auf dem Holzsteg in die
Sonne legen.
Einen dicken Baum
auf dem Weg zum
Muottas da Schlarigna
Das Tor ins Oberengadin umarmen.
Maloja – Wie ein Adlerhorst thront er über dem Abgrund oberhalb von Maloja: der Das Arvenmenü im
majestätische Torre Belvedere. Uralte Bergföhren und knorrige Arven umsäumen ihn Restaurant Krone in
fast so, als hätten sie ihn eingezäunt. Wer ein paar Schritte vom Turm weggeht, La Punt probieren.
entdeckt in nächster Nähe tiefe Gletschermühlen. Ein beschilderter Weg führt zu den
elf Wunderwerken, teils über Holzpfade mitten durch die Hochmoore. Der Turm Eine Fahrt mit dem
sowie die umliegenden Bergföhrenwälder gehören zum Naturschutzgebiet von Pro blauen Engadiner
Natura. Im Innern des Turms thematisiert eine Ausstellung die Landschaftsge Holzkanu auf dem
schichte von Maloja. pronatura-gr.ch Silsersee unternehmen.
20
Die besten Sitzbänke
1 Ausblick aus luftiger Höhe
Edelweiss-Sitzbank in
Flugzeugsitzoptik, Furtschellas.
Schreinereien verarbeiten
2 Pause mit Lesespass im Oberengadin jährlich über 5000 m3
Holz, mit anderen Worten: zwei
Sitzbank mit Bücherbox in
Olympische Schwimmbecken voll Holz.
Plan Fedoz.
3 Atemberaubender Seenblick
Baumstammsofa, Piz da l’Ova
Cotschna auf 2700 m Höhe.
4 Rast mit Steinwildwissen Zur ältesten Königin
Bank mit Anekdoten Pontre- Der Weg von Pontresina zum Muottas da Schlarigna erfordert Bein-
siner Wildhüter, Paradisrunde. arbeit, entschädigt jedoch mit wunderbarer Aussicht auf die
5 Siesta mit Weitsicht Engadiner Berge und Täler. Beim Abstieg Richtung Alp Staz und
Engadin. Diese Berge, diese Seen, dieses Licht. Bergbahnticket inklusive ab
Bild: Alamy
mehr als einer Übernachtung. Sitzbänke Purtum mit Aussich- Stazersee wacht die älteste Arve übers Oberengadin.
Für weitere Informationen: ten nach La Punt Chamues-ch.
engadin.ch/bbi
AuftaktFitness
«Wer die Welt bewegen will,
sollte erst sich selbst bewegen.»
S O K R AT E S
Bild: Filip Zuan20 21
Von Baum zu Baum Vitaparcours: Seit 1968 trainieren Schweizerinnen und
Schweizer im Wald Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit
auf eigens dafür eingerichteten Übungsparcours. Ins
Leben gerufen wurde dieser Fitnessclub an der frischen
Luft von einer Männerriege aus Wollishofen in Zürich.
Im Sommer trainierten die Herren im Wald und nutzten
dort, was die Natur zu bieten hatte: Baumstrünke, herun
tergefallene Äste und umgestürzte Baumstämme. Da
aber Unordnung in den Schweizer Wäldern nicht gerne
gesehen ist, räumte der Förster die Trainingsutensilien
der Männer regelmässig auf. Also stellte die Gruppe
bei der Gemeinde den Antrag, einen Pfad mit Posten
anzulegen, der für die ganze Bevölkerung zugänglich
sein sollte. Als Sponsor konnte die Vita-Versicherung –
heute Zurich-Versicherung – gewonnen werden.
Erfolgsverwöhnt: Damit nahm die Erfolgsgeschichte
Vitaparcours ihren Anfang. Nur fünf Jahre nach der
Einweihung der ersten Strecke konnte der hundertste
Vitaparcours der Bevölkerung übergeben werden. Heute
gibt es in der ganzen Schweiz rund 500 Pfade, die von
der Stiftung Vitaparcours aufgebaut wurden. Auch
im Ausland stiess die Idee auf Begeisterung, zum Bei
spiel in Deutschland mit dem «Trimm-dich-Pfad».
Abwechslungsreich: Wer sich im Engadin durch Wald
fitness in Form halten möchte, muss sich entscheiden:
Gleich sechs Parcours gibt es, mit Streckenlängen von
900 Metern bis 2,8 Kilometern. Beim Training hält
man sich entweder an die vorgeschlagenen Übungen
Auf dem Vitaparcours werden Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit trainiert. oder lässt der Kreativität freien Lauf.
Bild: Filip Zuan
Fitness E N G A D I N Magazin S O M M E R / H E R B S T Fitness23
Schwitzen unter Der Wald ist ein
Ort der Entschleu-
freiem Himmel
nigung und des
tiefen Durchatmens.
Er ist aber auch
ein Ort, an dem
man Muskeln bren-
nen und das Herz
schneller schlagen
lassen kann.
Ein Parcours für alle: Die beiden Text A N N A - S O P H I E H E R B S T
Sportler Vanessa Stössel und Bild F I L I P Z U A N
Leandro Fornito passen die
Übungen auf dem Vitaparcours
ihrem Fitnesslevel an. Fitness24 25
Ausdauer: Die Übungen
auf dem Vitaparcours
werden mit Joggen
verbunden.
Zusatzübungen
für Hartgesottene
D ie Japaner sind sich sicher: der Wald macht ge
sund. Schon eine Stunde zwischen den Bäumen
soll das Immunsystem verbessern und Blutdruck, Puls
sowie Stresslevel senken. Für den wohltuenden Auf
enthalt im Wald haben die Japaner gar einen eigenen
Ein Bein auf den Begriff. «Shinrin Yoku» bedeutet übersetzt so viel wie
Baumstrunk stellen
und sich vom
«ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen», kurz
Boden abstossen. Waldbaden. Ein Training auf dem Vitaparcours ent
spricht wohl nicht der klassischen Vorstellung vom Bad
im Wald, der positive Effekt auf die Gesundheit jedoch
bleibt. Denn mit seinen verschiedenen Stationen bietet
er die ideale Infrastruktur für ein forderndes Ganz
körpertraining in der freien Natur. Mit dieser Absicht
haben sich auch Vanessa Stössel und Leandro Forni
to an diesem Sommermorgen auf den Vitaparcours in
Pontresina begeben. Den Anleitungen auf den Tafeln
schenken sie dabei wenig Beachtung. Stattdessen wird
der Parcours zur Spielwiese, auf der sie ihrer Kreativi
tät freien Lauf lassen und eigene Übungen kreieren.
Das hintere Knie
anheben und in die In Sachen Sport sind die beiden alles andere als
Höhe springen.
Anfänger: Neben ihrer Beschäftigung als Community
Managerin bei On unterrichtet Vanessa Yoga und
Barre, ein vom Ballett inspiriertes Training. Leo hat
gar seinen Job als Tierpfleger zugunsten des Sports an
den Nagel gehängt und ist als Trainer im Zürcher
Fitnessclub Balboa tätig. Zudem arbeitet er als Personal
Trainer und ist in den sozialen Medien unter dem
Namen «leo.moves» bekannt. Seine Art zu trainieren
lässt sich nicht in eine Schublade stecken, der Fo
kus liegt darauf, das gesamte Bewegungsspektrum des
Körpers zu nutzen. Denn: «Im Alltag und selbst
Kontrolliert landen beim Sport bewegen sich die meisten bloss in einem
und runtersteigen.
Mit dem anderen
sehr beschränkten Radius, dabei würden unsere
Bein wiederholen. Gelenke und Muskeln theoretisch viel mehr zulassen.»
Fitness E N G A D I N Magazin S O M M E R / H E R B S T Fitness26 27
Der Wald als Spielplatz 1 Zuoz D E R K U R Z E 2 Samedan D E R H Ü B S C H E 3 Celerina D E R H O L Z I G E
Die Vitaparcours befinden sich im schönsten Streckenlänge: 0,9 km Streckenlänge: 2,3 km Streckenlänge: 2,4 km
Stadion der Welt – mitten in der Natur. Jeder Leistungskilometer: 1,5 km Leistungskilometer: 3,3 km Leistungskilometer: 3,0 km
Steigung: 30 m Steigung: 100 m Steigung: 60 m
Parcours ist vermessen nach Länge, Steigung
Start: oberhalb Golfzentrum Start: beim Schützenhaus Start: bei der Kirche San Gian
und Leistungskilometer, daneben soll aber auch
geplaudert, gelacht und gar geflirtet werden. Der Parcours ist kurz, aber heftig, Steil und sehr gepflegt ist dieser Im Wald bei Celerina begleitet
S-chanf
wenn man vom Parkplatz unten Parcours. Und die Holzschnitzel einen der Duft von frisch geschla-
Alle Vitaparcours in der startet. Fürs Höhentraining: unter den Schuhen sind angenehm genem Holz und für eine Abküh-
Schweiz haben 15 Posten Mehrere Runden absolvieren! und riechen gut. lung ist der Lej da Staz nicht weit.
Zuoz
und 43 Übungen, die mit den 1 Bever
drei Farben Blau für Aus
Bever
dauer, Gelb für Beweglich- Madulain
START
START
keit/Geschicklichkeit und START
La Punt
Rot für Kraft gekennzeichnet Chamues-ch START
sind. Hie und da gibt es
Kurzparcours, wie jenen in Celerina
Staz
Zuoz, mit mindestens golf course Celerina
6 Posten. Alle Parcours START Staz
können rund um die Uhr golf course
START
Bever
genutzt werden. H
H
2
Samedan
4 Pontresina D E R F LU SS R E I C H E 5 St. Moritz D E R S T E I L E 6 Maloja D E R W I L D E
Streckenlänge: 2,7 km Streckenlänge: 2,8 km Streckenlänge: 2,5 km
Celerina 3
Leistungskilometer: 2,9 km Leistungskilometer: 4,0 km Leistungskilometer: 2,6 km
Steigung: 20 m Steigung: 120 m Steigung: 50 m
Start: Punt Ota/Rusellas Start: Nähe katholische Kirche Start: Cresta am Silsersee
St. Moritz
St. Moritzer-
am St. Moritzer See
see
5 4 Pontresina
Der flache Parcours ist wohl Bei den Höhenmetern werden Der Parcours ist abwechslungs-
einer der schönsten und führt Kalorien verbrannt und die Augen reich, mal über Wurzeln im
Champfèr
entlang des Ova da Roseg sowie gar noch mit ein paar Blicken Wald, mal über Weiden mit
durch lockeres Waldgebiet. auf den hübschen See verwöhnt. Pferden und mal durchs Moor.
Silvaplana Pontresina
Surlej START Lej da Segl
Lej da Pontresina
START Lej da Segl
Silvaplana Lake St. Moritz START
Lake St. Moritz START
Plan
Surovas Curtinac
Plan
Surovas Curtinac
Lej da START
Segl
START
6
Maloja Legende: leicht mittel schwer
Fitness28 29
Kraft: Um die Muskula
tur zu stärken, wird bei
den Posten mit dem
eigenen Körpergewicht
gearbeitet.
Zusatzübungen
für Hartgesottene
Das beweist Leo dann auch gleich, indem er an
den Ringen mühelos eine Übung ausführt, die bei den
meisten schon beim blossen Zusehen ein ungutes
Gefühl in den Schultern auslöst.
Mit gestreckten
Armen an den
Ringen hängen.
Kopfhörer? Überflüssig
Auf die Körper Für die akustische Untermalung des Trainings sorgt
spannung achten.
hier am Eingang zum Val Roseg einzig und allein
die Natur. Auf schnelle Beats und mitreissende Klänge
in den Ohren kann getrost verzichtet werden, viel
lieber lauscht man dem Rauschen des Flusses, dem
Zwitschern der Vögel und dem Rascheln der Blätter.
Unterwegs von einer Station zur nächsten hat man die
Wahl: entweder beim schnellen Laufen den Puls noch
weiter in die Höhe treiben oder gemächlich joggend
eine aktive Pause einlegen. Sanft gibt der Waldboden
unter den Schuhsohlen nach, kleine Äste knacken
Die Beine anwinkeln unter den Füssen und die unebene Beschaffenheit des
und seitlich hoch
ziehen. Bewusst Terrains fordert Konzentration und Balance. Und
die seitlichen Bauch dank der Sonnenstrahlen, die zwischen den Baumwip
muskeln anspannen.
feln hindurch ihr goldenes Licht auf den Parcours
werfen, müssen sich Sportlerinnen und Sportler auch
um ihren Vitamin-D-Haushalt keine Sorgen machen.
Natürliches Doping
Das Training auf den verschiedenen Vitaparcours in
den Engadiner Wäldern ist eine Wohltat für Körper und
Geist. Gleichzeitig ist es auch wirkungsvoller, als wenn
die gleichen Übungen an einem anderen Ort ausge
führt würden. Grund dafür ist die hohe Lage – Pontresi
na liegt auf stolzen 1800 Metern über Meer. Der Luft
Zurück in die Aus druck hier ist um einiges tiefer als im Flachland und
gangsposition, dann
auf der anderen
damit auch die Sauerstoffkonzentration in der Luft.
Seite wiederholen. Während man davon bei einem Spaziergang oder einer
Fitness E N G A D I N Magazin S O M M E R / H E R B S T Fitness30 31
Zusatzübungen
für Hartgesottene
leichten Wanderung kaum etwas bemerkt, gerät man
bei anstrengenderen Aktivitäten schneller ausser Atem.
Das bekommen auch Vanessa und Leo zu spüren, da
sie sich normalerweise in deutlich tieferen Lagen
Auf allen Vieren aufhalten. Glücklicherweise ist der menschliche Körper
starten und die äusserst anpassungsfähig. Um der geringeren Sauer
Knie leicht vom
Boden heben. stoffkonzentration im Blut entgegenzuwirken, beginnt
die Niere bald damit, grössere Mengen des Hormons
namens Erythropoetin zu produzieren. Das wiederum
führt dazu, dass im Knochenmark mehr rote Blut
körperchen gebildet werden. Deren Aufgabe ist es,
Sauerstoff von den Lungen in jeden Winkel des Körpers
zu transportieren. Eine grössere Menge an roten
Blutkörperchen bedeutet also, dass das Blut mehr Sau
Beweglichkeit:
erstoff transportieren kann und die Muskeln besser Dehn- und Geschick
versorgt werden. Sobald man sich wieder tiefer unten lichkeitsübungen sorgen
Eine Hand und den für Abwechslung.
im Tal befindet, kann sich dieser Effekt in gesteiger
entgegengesetzten
Fuss nach vorne ter Leistungsfähigkeit zeigen. Übrigens: Das Hormon
setzen, das Knie Erythropoetin, besser bekannt unter der Abkürzung
kommt zum Ellbogen
der gleichen Seite. EPO, wird von Athleten zuweilen als Dopingmittel ver
wendet – eine höchst illegale und potentiell gefährli
che Praxis. Die grösste Gefahr vom Höhentraining im
Engadin liegt hingegen darin, dass man danach nur
widerwillig ins vergleichsweise langweilige Fitnessstu
dio zurückkehrt.
Auf diese Art ein paar i
Meter vorkriechen,
dann dasselbe rück An die Arbeit!
wärts machen. Alle Infos und Routen sowie
Videos von Leo und Vanessa:
engadin.ch/vita-parcours-story
Fitness E N G A D I N Magazin S O M M E R / H E R B S T Fitness32 33
Für alle Muskeln Beine auspowern
Über gepflegte Waldwege, auf
rauem Schotter und verwilderten
Paddeln für die Arme
Plaun da Lej – Am Ufer des
Silsersees liegt ein blaues Kanu,
Training mitten in der Natur Wiesenpfaden entlangrennen
oder im Zickzack an Felsen vor
dessen Skelett eine filigrane
Holzkonstruktion ist. Es wurde
bei: Trailrunning ist Joggen von Engadin St. Moritz
für Fortgeschrittene. Ihr Terrain Tourismus eigenhändig gebaut
ist das natürliche Gelände, egal und ist nun für Abenteurer,
wie steil und welcher Unter die ihre Armmuskeln aktivieren
grund hnen zu Füssen liegt. wollen, startklar. Ein bisschen
engadin.ch/trailrunning Vorsicht ist beim Ein- und
Ausstieg geboten, aber wer
einmal sitzt, gleitet Paddelschlag
um Paddelschlag ganz sanft
und leise über den See.
engadin.ch/wassersport
Tief durchatmen mit Bergluft
Celerina – Auf dem Vitaparcours im Stazerwald
werden auch Yogis glücklich. Denn hier stehen
Holzplattformen bereit, um mitten im Wald die
frische Bergluft einzuatmen und den Energiefluss
ins Gleichgewicht zu bringen. Der Tag könnte mit
1. Für Einsteiger:
In 1 ½ Stunden auf die
Sonnengruss und Vogelgezwitscher nicht besser idyllische Alp Staz laufen
beginnen. engadin.ch/yoga-im-stazerwald und im Lej da Staz eine
Runde schwimmen. Die Baumeroberer
Pontresina / S-chanf – Hoch oben
i
2.
in den Bäumen von Baumstamm
Weitere Yoga-Angebote zu Baumstamm balancieren,
Für Könner:
klettern oder fliegen und sich ein
Der 4-stündige Trail
Yoga-Weekends bisschen wie Tarzan fühlen – in
«Fuorcla Val Champagna»
Yoga-Weekends mit u. a. Ursina Badilatti, den Seilparks in Pontresina
mit steilem Auf- & Abstieg,
Karl Staub und Ana Forrest. und S-chanf warten Parcours mit
aber wunderbarer Aussicht.
ursina.ch unterschiedlichen Schwierig
keiten darauf, erobert zu werden.
3.
Reiten und Yoga
Sollte es mal nicht so schönes
Entspannung auf dem Ross und auf der Matte.
Für Profis: Wetter sein: Im Serlas Parc in
reitenundyoga.ch
Auf der knapp 4-stündigen S-chanf können die Kletterküns
Yoga auf dem SUP «Paradis & Pischa»-Route te im Trockenen geübt werden.
Mittwochs von 8.30 – 10 Uhr auf dem Silvaplanersee. das Bernina-Massiv und die govertical.ch, parc-alpin.ch,
silvaplana.ch/sommer/events/sup-yoga alpine Tierwelt entdecken. serlas.ch
Kondition beim Golfen
Auf einer 18-Loch-Runde werden bis zu i Sportlich feiern
200 Schwünge absolviert und bis zu zehn Kilometer Golfanlagen Der Bergführerverein Pontresina St. Moritz feiert sein 150-jähriges Bestehen und
Bild links: Filip Zuan
zurückgelegt. Wer also glaubt, Golf sei kein Sport, Engadine Golf Club in Für die lädt vom 22. bis 24. Juli 2021 zu verschiedenen Aktivitäten wie Klettern an Baumstämmen,
liegt falsch. Im Herbst, wenn die Bäume in allen Samedan und Zuoz-Madulain passende
Kino oder Ausstellung ein.
Farben leuchten, wird der Abschlag nicht nur zum sowie Kulm Golf St. Moritz. Golfkleidung
Fitnessprogramm, sondern zum Hochgenuss. engadin.ch/golf sorgt KJUS.
Fitness E N G A D I N Magazin S O M M E R / H E R B S T FitnessStüva
«In der Stüva wurde geboren,
gelebt und gestorben.»
G I A N R E T O R A I N A LT E R , A R C H I T E K T, D E R
DA S H AU S, I N W E LCH E M SI CH D I E AB G E B I LD E T E
S T Ü VA B E F I N D E T, R E N O V I E R T H AT.
Architekten: KLAINGUTI + RAINALTER SA, architects ETH/SIA, Zuoz
Bild: Nicola Pitarro36 37
Der Mittelpunkt dern und schlicht – vor allem wegen des wohligen Am-
biente geschätzt. Das war nicht immer so: Als die Ölfarbe
des Wohnens aufkam, übermalten die Bauern das Holz, um der Stube
ein moderneres und wohlhabenderes Aussehen zu ver-
leihen und sie vielleicht auch ein bisschen frischer wir-
ken zu lassen, denn in den Stüvas stank es gerne mal
nach nassen Stallkleidern, die hier am Ofen getrocknet
wurden. Seit Jahren schätzt man vermehrt die naturbe-
lassenen Holzwände, weshalb die Farbe wieder abgelaugt
wird – einzelne Farbreste sind mancherorts noch in den
Astlöchern sichtbar.
Holz: Für die Vertäfelung, die Decken und Möbel in den
Engadiner Stuben wird meist Arvenholz verwendet. Dies
vor allem, weil sich die Arve als Weichholz gut schnitzen
lässt. Zudem duftet das Holz nicht nur herrlich, sondern –
so sagt man – schafft ein angenehmes Raumklima und
sorgt für einen beruhigenden Schlaf. Ausserdem hält das
ätherische Öl der Arve im Sommer die Fliegen fern und
Der Erker gehört zur Engadiner Stube. So hatten Neugierige alles im Blickfeld. im Winter speichert das Holz die Wärme. Für den Haus-
bau ist das Holz aber wegen seiner geringen Tragfähig-
keit ungeeignet. Deshalb werden Stubenböden aus Lär-
Tradition: In der traditionellen Engadiner Stube, im chen-, Fichten- oder Föhrenbrettern gefertigt.
Romanischen «Stüva» genannt, hielt sich die Familie am
liebsten auf. Es war der wärmste und gemütlichste Raum Mobiliar: Eine typische Einrichtung einer Engadiner
im Haus, da er über einen Ofen verfügte. Dieser wurde Stube setzt sich aus folgenden Elementen zusammen:
von der benachbarten Küche, der «Chadafö», aus beheizt. einem Ofen, einem eingebauten Buffet, einer umlaufen-
Die geringe Höhe der Stube, die kleinen Fenster und der den Sitzbank, einem Schiefertisch mit Stabellen und
Bild: Daniel Martinek, Museum Engiadinais
mit Erde gefüllte Zwischenboden trugen ausserdem dazu einem Eckregal mit Bibel. Wer genau hinschaut, ent-
bei, dass die Wärme erhalten blieb. Noch heute werden deckt hinter dem Ofen eine schmale Treppe, die durch
die Stuben – ob traditionell mit Schnitzereien oder mo- eine Klappe in die darüberliegende Schlafkammer führt.
Stüva E N G A D I N Magazin S O M M E R / H E R B S T Stüva39
Auf der vierten
Etappe der
Weitwanderung
Via Engiadina von
Da stüva
Bever nach Zuoz.
a stüva
Die Via Engiadina führt durch Arven- und Lär-
chenwälder, über kleine Bäche, weite Alpen
wiesen – und von einer Holzstube zur nächsten.
Etappe 1 – Maloja bis Silvaplana
D er Fluss Fedecla rauscht vor dem Hotel Maria in Sils Richtung
Silvaplanersee. Die Hälfte der ersten Etappe der Via Engiadina
ist bereits geschafft. Hinter einem liegt das idyllische Dorf Grevasal-
vas, wo einst «Heidi» verfilmt wurde, vor einem die Engadiner Seen-
landschaft. Für die kleine Pause in Sils wird die Route bei Sils Föglias
verlassen, um ins Dorf abzusteigen. Bereits mit dem ersten Schritt
über die Türschwelle des Hotel Maria umhüllt einen der wohlige
Mantel der Arve. Die «Stüva Marmoré» war in den 1930er-Jahren ein
Kolonialwarenladen und später Gründungslokal des Curling Club Sils.
Der schwarze Specksteinofen dient nur noch zur Zier, in der Nase
stellen wir uns aber den Duft von brennendem Holz vor, das einst
manche Stube beheizte. Heute kitzelt der Duft von währschaften Cor-
dons bleus die Nase. Glücklicherweise nistet sich die Hauspezialität
bei dieser Wanderung nicht auf den Hüften ein.
Abstecher zum Hotel Maria
E TA P P E 1
2039 m ü. M.
Grevasalvas
Blaunca
Sitzbank auf Plaz
Feuerstelle
Bild: Schweiz Tourismus (Rob Lewis)
Z I E L: Silvaplana
2400
Fratta
START : Maloja
Sils Föglias,
2200
2000
1800
1600
1400
1 km 3 km 5 km 7 km 9 km 11 km 12,7 km
Stüva40 41
Erster Stopp:
in der «Stüva
Marmoré»
Nach der ersten Etappe freuen sich müde Beine auf ein bisschen im Hotel Maria
in Sils.
Entspannung. Und diese finden sie in der «Conrad’s Mountain Lodge»
in Silvaplana. Als die Familie Conrad das Gebäude 1952 kaufte, war
es lediglich eine Dépendence eines anderen Hotels. Auch das einstige
Hotel Conrad ist mit dem heutigen nicht zu vergleichen. Im Sommer
2018 wurde die Lodge vollständig renoviert und unter der Leitung
von Cindy Conrad neu eröffnet. Seither dominieren im Innern Holz
und Stein und verbinden die raue Bergwelt mit modernem Design.
Die einheimische Lärche beispielsweise hat nun in Form von Wand-
verkleidung, Bett und Sauna ein neues Zuhause gefunden.
Bild 1: Dan Zaugg, Hote Maria / Bild 2: Filip Zuan / Bild 3,4: Bergrestaurant Trutz / Bild 5: Hotel Arturo / Bild 6: Conrad̓s Mountain Lodge
Ein herrlicher
Aussichts
punkt: Berg
Etappe 2 – Silvaplana bis Celerina restaurant
A
Trutz bei der
uch wenn das Bergrestaurant Trutz bei der Bergstation Suvret- Bergstation
ta-Randolins keine typische Stüva aufweist, auf der Via Engia- Suvretta-
Randolins.
dina führt kein Weg an ihr vorbei – und das ist auch gut so. Denn
egal, ob von der Sonnenterrasse oder von innen – die Aussicht über
die Oberengadiner Seenlandschaft könnte nicht besser sein. Das
Gasthaus gehört zum Suvretta House, das bereits auf eine über hun-
dertjährige Geschichte zurückblickt. Mit der Aussicht im Blick
und einer Gerstensuppe, Polenta oder einem Kaiserschmarren auf
der Zunge möchte man noch lange hier verweilen. Die zweite Etappe
endet aber erst in Celerina, ein paar Höhenmeter gilt es noch zu
überwinden. Wenigstens mit einem guten Gefühl und vollem Magen.
Gut schlafen
und essen: im
Wäre das Hotel Arturo in Celerina eine Bühne, würde das Holz in Hotel Arturo
diesem Stück die Hauptrolle spielen. Wer ankommt, nimmt im in Celerina
Naturspeichersee Lej Alv
(links) und in
Lej Alv, 2558 m ü. M.
Arvenstübli «Stüva da Dschember» Platz, lässt sich kulinarisch der «Conrad’s
Mountain
Lodge» in
Bergrestaurant Trutz
Quattro Bar
E TA P P E 2 Silvaplana.
Z I E L: Marguns
Alp Suvretta
START : Silvaplana
2400
2200
Celerina
2000
1800
1600
1400
1 km 3 km 5 km 7 km 9 km 11 km 13 km 14,7 km
Stüva E N G A D I N Magazin S O M M E R / H E R B S T Stüva42 43
Blick auf La Punt
Chamues-ch:
auf der vierten
verwöhnen und geniesst die Stunden in der heimeligen Atmosphä- Etappe von
Bever nach Zuoz.
re. Bevor’s ins Bett geht, können Zigarren- und Digestif-Liebhaber
noch einen Abstecher in die «Stüva per fümer» machen und fallen
dann in einem der rustikal eingerichteten Zimmer in die wei-
chen Federn. Am nächsten Morgen beginnt der Tag früh, denn eine
längere Strecke liegt vor den Füssen der Wanderer. Im Arven-
Frühstücksäli verführt ein Buffet voller Leckereien, während der
Geruch der Arve ein letztes Mal die Nase kitzelt.
Etappe 3 – Celerina bis Bever
V on der Familie von Salis, die als eine der wichtigsten Familien
im Engadin und Bergell galt, bekam die Chesa Salis ihren
Namen und ihr heutiges Aussehen. Das ehemalige Bauernhaus aus
dem Jahre 1590 wurde 290 Jahre nach seiner Erbauung zur herr-
schaftlichen Wohnstätte umgebaut. Die dreigeschossige Veranda aus
Holz auf der Südseite und die reichen Verzierungen an der Haus
fassade verleihen der Chesa einen Hauch eines Palazzos. Seit 1981 Der stilvolle
Palazzo: Chesa
verzaubert das Haus nicht nur von aussen, sondern Gäste dürfen Salis in Bever.
in den 18 hübschen Zimmern mit ihren Stuckverzierungen und der
traditionellen Holzverkleidung nächtigen. Es ist ein Ort, an dem
sich die Seele wohlfühlt.
Munt de la Bês-cha, 2490 m ü. M.
Muntatsch, Clavadatsch
E TA P P E 3
Val Zuondra
START: Marguns
Muntatsch, Clavadatsch
Alp Muntatsch
Bild: Schweiz Tourismus (Rob Lewis)
2400
Muntarütsch
2200
Z I E L: Bever
2000
1800
1600
1400
1 km 3 km 5 km 7 km 9 km 9,9 km
Stüva E N G A D I N Magazin S O M M E R / H E R B S T Stüva45
Etappe 4 – Bever bis Zuoz
E igentlich sieht die Via Engiadina in
La Punt keine Pause vor, aber ein
Abstecher lohnt sich dennoch – viel-
leicht sogar über Nacht. Hier in der
Krone sind seit über 18 Jahren Sonja
und Andreas Martin am Werk. Während
sich Sonja um das Wohl der Gäste
kümmert, tüftelt Andreas in der Küche
an Menüs mit Arvenholz. Auf die
Idee gekommen ist er vor rund sieben
Jahren bei einem Spaziergang, als er
spontan ein paar Zapfen mitgenommen
hat. Mittlerweile verwendet er fast al-
les von der Arve: die Zapfen in Alkohol
eingelegt und zu Schnaps verarbeitet,
die Rinde mit Gemüse fermentiert, mit
den Arvenspänen werden Fisch oder
Lammfilets geräuchert und die Nadel-
spitzen in Beignets verarbeitet. Die He-
rausforderung beim Kochen sei, dass
die Arve sehr intensiv sei und voll von
ätherischen Ölen. Neben den Tellern
ist auch das Interieur eine Augenweide.
Mit dem Aus- und Umbau wurden die
«Ruch und Partner Architekten» beauf-
tragt. Sie kombinierten einheimische
Massivhölzer wie Arve, Lärche und
Ahorn und schufen damit ein architek-
tonisches Gesamtkunstwerk.
God Arvins, God Drosa
E TA P P E 4
Acla Albertini
God da Plaz
Bild: Ralph Feiner, Hotel Krone
START: Bever
La Punt
2000
1800
1600
1400
Schlafen mitten 1 km 3 km 4,8 km
im Holz: Hotel
Krone in La Punt. Stüva46 47
Energie tanken
in der warmen
Stube: im Auf der Via Engiadina
Hotel Veduta In Zuoz endet die vierte Etappe und fast hätte hier
in Cinuos-chel. Wer keine Lust hat, die einzelnen
auch eine Dorfgeschichte geendet. Denn 1499 fiel das
Unterkünfte selber auszuwäh-
ganze Dorf den Flammen zum Opfer. Zuoz wurde len und zu buchen, überlässt die
aber wieder vollständig aufgebaut, auch das Dorta. Als Organisation Eurotrek. Der
Reiseveranstalter übernimmt
Gian Rico Blumenthal es vor knapp dreissig Jahren
auch den Gepäcktransport.
kaufte, hauchte er dem Haus neues Leben ein. Aus engadin.ch/via-engiadina
einer Pizzeria wurde eine vom Bündnerland und
Für Langstreckenläufer
Veltlin inspirierte Küche und aus dem Heustall ein
Die Via Engiadina im Oberenga-
originelles, gemütliches Restaurant mit diversen din kann Richtung Unterengadin
Stuben, sorgfältig mit Jagd- und Landwirtschafts- um weitere sechzig Kilometer bis
nach Tschlin verlängert werden.
utensilien dekoriert. Geschichten lauern in jeder Ecke.
maps.engadin.ch
Wer mutig ist, klettert die Leiter hoch und isst in
Bild 1: Yanik Buerkli, Hotel Restorant Veduta / Bild 2: Hotel Restorant Veduta / Bild 3: Schweiz Tourismus (Rob Lewis)
der niedrigsten Stube des Hauses. Glücklicherweise Noch mehr Stuben
Im Museum Engiadinais in
muss nur beim Stehen der Kopf eingezogen werden.
Holz vom St. Moritz kann in die Geschichte
Boden bis zur der Stüvas eingetaucht werden.
Decke: im Denn das Herzstück der Ausstel-
Dorta in Zuoz. lung sind die bis 500 Jahre
alten Stuben, deren gesamte Ein-
richtung behutsam gereinigt
Etappe 5 – Zuoz bis Zernez und konserviert wurde.
N
museum-engiadinais.ch
icht ganz auf der letzten Etappe gelegen, aber
einen Abstecher wert: das Veduta in Cinuos-chel
(Gemeinde S-chanf). In der Stube von Gudench und
Sabrina Campell riecht es nicht nur nach heimeligem
Holz, sondern auch nach feinen Capuns und Bünd-
ner Gerstensuppe. Im Herbst tischt Gudench gerne
sein erlegtes Wild auf und serviert auch gleich die Ge-
schichte dazu. So haben Wanderfreunde nicht nur die
nötige Energie für die letzten Kilometer, sondern auch i
gleich den passenden Gesprächsstoff und das Wissen, Via Engiadina Oberengadin
um in Nationalparknähe gar einen Hirsch zu erspähen Alle Routen und Angebote:
oder zumindest im Herbst röhren zu hören. engadin.ch/via-engiadina
Feuerstelle Bos-chetta Bach
Plaun dalla Bes-cha
ZIEL / START: Zuoz
God Muntatsch-Ertas Vallanzun
E TA P P E 4 E TA P P E 5
Sitzbank Arschaida
1991 m ü. M.
Abstecher zum Veduta
Plaun Grand
Sitzbank Purtum I
Alp da Brail
Acla Albertini
God God
2400
God da Brail
in Cinuos-chel
God Murter
2200
2000
Z I E L: Zernez
1800
1600
1400
5 km 7 km 9 km 11 km 2 km 4 km 6 km 8 km 10 km 12 km 14 km 16 km 18 km 19.4 km
Stüva E N G A D I N Magazin S O M M E R / H E R B S T Stüva48 49
Wanderparadies Von Kopf bis Fuss
Mit den Produkten von Mammut
ist man für mehrere Wander
580
In die Bergwelt eintauchen tage in den Bergen gerüstet und
gar auf Unvorhergesehenes
Kilometer lang ist das
Wanderwegnetz im Oberen-
vorbereitet. mammut.com
gadin und hat knapp
1 Schöne Beine*
100 verschiedene Routen.
engadin.ch/wandern
Die Hose «Runbold Light» für
Frauen ist dank des leichten und
dehnbaren Materials für heisse
Sommertage optimal. Und sie ist 4049 m ü. M.
wasserabweisend, falls es mal
unerwartet zu regnen beginnt.
1 2 3
2 Pack den Rucksack!
Der Rucksack «Ducan 24» ist In die Höhe steigen
leicht und verfügt über einen Der Piz Bernina ist mit
Netzrücken, damit zumindest der 4049 m ü. M. der höchste
Rücken bei anstrengenden Gipfel der Ostalpen. Die Tour der Mächtigen
Passagen nicht ins Schwitzen
Bernina-Massiv – Neben der Via Engiadina lockt
kommt.
eine weitere Mehrtageswanderung durch die
3 Schlaf gut! Engadiner Berglandschaft. Auf der Bernina-Tour
Im Schlafsack «Relax Down» mit ihren 7500 Metern Höhendifferenz und einer
schläft es sich besonders ruhig, Länge von 75 Kilometern wird das Bernina-
weil das Kopfteil aus geräusch- Massiv in fünf Etappen erkundet. Von Poschiavo aus
losem Material gefertigt ist. geht es zu Fuss über den Berninapass und die
In die Höhe fahren
Fuorcla Surlej bis nach Maloja. Einer der Höhepunk-
Die Standseilbahn Muottas
4 Allwetter Jacke* te ist die Übernachtung im Berghaus Diavolezza mit
4
Muragl war die erste
Mit der Jacke «Convey Tour HS Blick auf Pers- und Morteratschgletscher.
touristische Bergbahn
Hooded» ist man gegen Wind engadin.ch/bernina-tour-wandern
Graubündens.
und Regen geschützt und bleibt
unter der Jacke dank des
atmungsaktiven Stoffs trocken. i
Weitere Mehrtageswanderungen
5 Auf guten Sohlen*
Der Wanderschuh «Sapuen High Via Valtellina
Gore-Tex®» ist wasserdicht, passt Die Säumerroute führt in acht Etappen
sich dem Fuss an und unter- vom Montafon übers Engadin ins Veltlin.
stützt durch neue Technologien
das natürliche Abrollen, um In der Höhe übernachten Via Albula / Bernina
mit Freude und genügend Die Chamanna Georgy auf Entlang der UNESCO-Welterbe-Strecke
5
Energie den Berg zu erklimmen. 3175 m ü. M. ist die höchst- der Rhätischen Bahn von Thusis nach Tirano.
gelegene Hütte im Engadin. engadin.ch/weitwandern
*Verfügbar ab Sommer 2021
Wandern mit mehreren Gängen
Essen und Wandern ohne grossen Rucksack: Auf der Via Gastronomica warten drei
Restaurants mit Vorspeise oder Frühstück, Hauptgang und Dessert auf hungrige Wandervögel.
Die Route ist frei wählbar und dauert zwei bis drei Stunden. engadin.ch/via-gastronomica
Stüva E N G A D I N Magazin S O M M E R / H E R B S T StüvaNatüra
L’iffaunt e’l vduogn
«Suvenz tar te eau giaiva
tü vduogn taunt grand e bel.
Gugent eau charezzaiva
tia alva, lamma pel.
La föglia auncha fras-cha,
Schi cò haun naiv, favuogn
bütto tia ramm’in tras-cha,
e cupicho mieu vduogn.»
Göri Klainguti,
Lehrer, Biobauer, Schriftsteller
und Maler aus dem Engadin.
Das Kind und die Birke
Oft ging ich zu dir,
du grosse Birke, du Schönste.
Ich liebkoste
deine weisse, weiche Haut.
Noch frisch deine Blätter hingen,
Bild: Alamy
da kam Schnee und Föhn,
sie rissen an den Ästen
und warfen meine Birke um.52 53
Aus besonderem Holz verzaubert, bevor sie ihre Nadeln zu Boden fallen lässt. So
schützt sie sich in den Wintermonaten vor übermässiger
Schneelast. Und da sie besonders anspruchslos ist, wächst
ihr hartes, resistentes Holz auch auf steinreichen Böden
und an den kältesten Orten bis hinauf auf 2400 Meter.
Ein anderer Baum, der diesen harten Bedingungen sogar
bis auf über 2800 Meter zu trotzen vermag, ist die Arve.
Im Gegensatz zur Lärche ist ihr süsslich duftendes Holz
weich und leicht, und sie behält ihre Nadeln auch im
Winter. Das führt dazu, dass fast alle alten Arven grosse
Narben von abgerissenen Ästen aufweisen. Die ausladen-
den Arme können dem dicken Schnee nicht standhalten.
Trotzdem stehen nirgends so viel mächtige alte Arven,
wie im Engadin. Eines der prächtigsten Exemplare hat
über 600 Jahre unter der Rinde und einen Stammum-
fang von fast sieben Metern. Es steht mit seiner unbe-
schadeten Krone auf Celeriner Boden.
Der Stammbaum der Engadiner Familie Frizzoni von 1300 bis 1845.
Verästelte Stammbäume: Alt wie diese Arve sind auch
manche Geschlechter im Tal, etwa die Familie von Plan-
Harte Bedingung: Wer im Engadiner Hochtal wach- ta, die von Salis, die Saratz oder die Familie Frizzoni. Ihre
sen und Wurzeln schlagen will, muss einiges ertragen. weitzurückgreifenden Stammbäume machen deutlich,
Zwar wird man hier oben an vielen Tagen mit Sonne wie tief verwurzelt die Engadiner mit ihrer Hochebene
verwöhnt, doch zerren Wind, Trockenheit, plötzliche sind. Fünf Persönlichkeiten von heute, die teilweise
Wetterumschwünge und kalte, schneereiche, lange auf einen dieser Stammbäume zurückschauen können,
Winter an den Kräften. haben uns Einblicke in ihre spannenden Lebensge-
schichten gewährt und uns verraten, welcher Baum sie
Überlebenskünstler: Unter solch Naturgewalten gedei- mit seiner besonderen Ausstrahlung berührt. Sie tra-
hen nur Bäume aus besonderem Holz. Einer davon ist
Bild: Kulturarchiv Oberengadin
gen Wind und Wetter im Gesicht und im Herzen. Es sind
die Lärche, die das Tal im Herbst mit ihrer Leuchtkraft wahre Überlebenskünstler.
Natüra E N G A D I N Magazin S O M M E R / H E R B S T Natüra55
Verwurzelt
Fünf Persönlichkeiten und fünf
Bäume, die eines gemeinsam haben:
Göri Klainguti, L E H R E R , B I O B A U E R , S C H R I F T S T E L L E R & M A L E R
Sie alle lieben das Engadin.
Göri Klainguti fühlt sich speziell verbunden mit einer einzigartigen Lärche auf der Alp Müsellas ob
Chamues-ch. Er kennt sie schon seit seiner Kindheit, als der alte Baum mit seiner krummen
Text P I A B O L L M A N N & A N N A - S O P H I E H E R B S T Krone noch ganz alleine dastand und ins Tal hinabblickte. Sie passte gut zum kleinen Göri, dem
Bild F I L I P Z U A N alles Praktische fremd war, der sich in seinen romanischen Gedanken zu Hause fühlte und schon
früh begann, sie auf Papier zu schreiben und zu malen. Seine Liebe zum Romanischen war es
auch, die ihn nach seinem Lehrerstudium in Zürich nicht nach Indien reisen, sondern ins Engadin
zurückkehren liess. Dort angekommen, interessierten ihn plötzlich die praktischen Seiten des
Lebens und so wurde der junge Lehrer Biobauer. Einstweilen ist die Lärche von anderen Bäumen
eingeholt worden und steht jetzt mitten in einem Wald. Göri Klainguti hat seine «Bauerei», wie er
seinen Biohof nennt, an seine Tochter weitergegeben. Schreiben und malen tut er noch immer.
Natüra56 57
Ladina Kobler-Giovanoli, H O T E L I È R E & G U T E S E E L E
Der Familie Giovanoli begegnet man in Sils Maria überall, zum Beispiel im Geschäft Giovanoli
Sport & Moda, im Hotel Privata oder auch im Hotel Seraina. Die gute Seele des Hauses Seraina:
Ladina Kobler-Giovanoli. Zwar hat sie das Hotel schon vor einigen Jahren an ihren Sohn und
dessen Frau übergeben, zurückgezogen hat sie sich deswegen aber noch lange nicht. «Nona»,
wie sie alle nennen, kreiert kunstvolle Blumengestecke, kocht aus selbstgesammelten Früchten
und Beeren Konfitüren für das Frühstücksbuffet und pflegt den Garten, in dem im Sommer
auch Tomaten wachsen. Abgesehen von einem Jahr, das sie als 18-Jährige an der Hotelfachschu-
le in Lausanne verbrachte, lebte Ladina Kobler-Giovanoli stets im Engadin. Besonders zur
Natur in ihrer Heimat verspürt sie eine tiefe Verbundenheit – so auch zur widerstandsfähigen
Arve, der Königin der Alpen.
Natüra E N G A D I N Magazin S O M M E R / H E R B S T59
Dr. Nuot Saratz, A N W A LT & J Ä G E R
Die gemeinsame Geschichte von der Familie Saratz und der Gemeinde Pontresina geht weit
zurück. Bereits im 12. Jahrhundert wurde der Name Saratz in einer Urkunde erwähnt. Trotz dieses
eindrücklichen Stammbaums, war für Nuot Saratz nicht immer klar, dass er ins Engadin gehört.
Nach seinem Jurastudium wollte er eigentlich die Welt erkunden. Als sich aber die Möglichkeit
ergab, ein altes, ihm schon seit seiner Kindheit liebgewordenes Engadinerhaus zu bewohnen,
kehrte er zurück. Bald darauf traten Ratsuchende in seine Stube und Nuot Saratz gründete seine
Anwaltskanzlei. So ist er nach und nach in tragende Rollen innerhalb der Gemeinde und des
Hotel Saratz hineingewachsen. Nuot Saratz bezeichnet Bäume als Zeitzeugen: «Zuerst kommen
sie nicht vom Fleck und plötzlich sind sie gross.» Auch seine als Bub gepflanzten Bäume sind
gross geworden und haben tiefe Wurzeln geschlagen, genau wie er selbst.
Natüra60
Katharina von Salis, E T H - P R O F E S S O R I N , S P I T Z E N S P O R T L E R I N & F R A U E N R E C H T L E R I N
«Sie hören ja, wie verwurzelt ich im Engadin bin», sagt Katharina von Salis in breitestem
Berndeutsch gleich zu Beginn des Gesprächs. Denn obwohl die Geologin von einem im Engadin
bedeutenden Adelsgeschlecht abstammt, wuchs sie in der Nähe von Bern auf. Doch seit rund
30 Jahren lebt sie in Silvaplana in einem antiken Engadinerhaus; davor war ihr Leben jahre-
lang von Ortswechseln geprägt worden. Im Dorf ist sie keine Unbekannte. Sie will an Entschei-
dungen teilhaben und hat keine Angst davor, ihre Meinung kundzugeben. Eine Eigenschaft,
die sie nicht immer beliebt macht, ohne die sie aber nicht als Spitzensportlerin, ETH-Professorin
und Frauenrechtlerin Geschichte geschrieben hätte. Katharina von Salis ist eine Kämpferin –
wie auch der Baum oberhalb von Silvaplana, der durch das tote Holz eines vom Blitz getroffenen
Artgenossen hindurch in die Höhe wächst.
Natüra E N G A D I N Magazin S O M M E R / H E R B S T63
Duri Casty, B I O B A U E R & J O C K E Y
Das Herz von Duri Casty schlägt für Pferde. Das wird eindrücklich spürbar, wenn der legendäre
Skijöring-Fahrer mit seinen kräftigen und doch sanften Händen seine Pferde berührt. Schon
als kleiner Junge hatte er eine besondere Verbindung zu Tieren und war so der ideale Nachfolger
für den Zuozer Bauernhof seines Onkels. Dort hält er neben den Pferden auch Schafe und
Hühner und produziert aus deren Mist Strom für 100 Wohnungen. Damit die Tiere am Ende ihrer
Tage nicht lange leiden müssen, findet sich auf dem Hof auch ein Raum für den Metzger. Für
Duri Casty hat sich im Leben «alles nach Wunsch ergeben», denn er findet es da am Schönsten,
wo man aufwächst. Wenn er mitten unter Pferden mit guten Freunden romanisch spricht
und der Wind den unvergleichlichen Duft der Arven zu ihm trägt, dann wird er eins mit seinem
geliebten Engadin. Für ihn stehen die schönsten Bäume ob der Alp Serlas.
Natüra64 65
Naturperlen Zu Ehren der Retterin
Bergell – Ein Schlaraffenland für
Marroniliebhaber: Ob geröstet
Gefiederter Förster
Arven haben häufig mehrere
Stämme. Dass sie miteinander
Der Wald und seine Schätze auf offenem Feuer oder köstlich
verarbeitet, am Kastanienfest
verwandt sind, muss aber nicht
sein. Gar häufig wachsen sie
warten geschätzte hundert Le aus unterschiedlichen Samen.
ckereien zum Probieren. Dazu Grund dafür ist er: der Tannen
gesellt sich der rauchig-aromati häher. Der grau-schwarze Vogel
sche Duft, der immerfort um ist der Förster der wohlriechen
die Nase weht. Das Bergell feiert den Bäume im Engadin. Für
seine Frucht mit einem Fest seinen Wintervorrat klaubt er
für die Sinne. Dazu finden die besten Nüsse aus den
während vier Wochen vielfältige Arvenzapfen und lagert sie in
Aktivitäten rund um die Baumstrünken, Steinhaufen und
braune Knolle statt, die einst Böschungen. Von seinen rund
Generationen ernährte. 20 000 Verstecken findet er knapp
bregaglia.ch/kastanienfestival 80 Prozent wieder. So keimen
tausende Arvensamen geschützt
vor Wind und Frost – auch an
Cervelat & Schokobanane gleicher Stelle. Für den Fall, dass
der Häher alle Vorräte vertilgt,
Ob aussichtsreich auf der Krete, lauschig am
hat die Arve ebenso vorgesorgt:
Bachbett oder gemütlich am See, das Engadin
Alle vier bis fünf Jahre produziert
ist ein kleines Brätelparadies. Insgesamt
sie überreichlich Zapfen.
39 öffentliche Grillstellen finden Abenteurer hier.
engadin.ch/feuerstellen
Wilde Weisheiten i
Samedan & Madulain – Für wen Höchste Feuerstelle Europas
sind tote Bäume tonnenschwe Sass Queder auf 3066 m ü. M., ca. 30 min.
re Energieriegel? Warum säumen von der Bergstation Diavolezza entfernt,
meist nur Erika und Berg Holz bei der Bergstation erhältlich.
föhrenwälder die Südhänge? Auf
dem Naturpfad La Senda und Plätzchen am See
Halbinsel Chastè, ca. 20 min. von Sils Maria Lautes Röhren
dem Waldlehrpfad in Madulain
aus, Rost und Brennholz vorhanden. Von Mitte September bis Mitte
erfahren Entdecker Lehrrei
Oktober durchdringt ihr Röhren
ches und Kurioses über den Wald
Bräteln in der Burg die Wälder. Bis zu 300 Schreie
und seine Tiere. Auf spieleri Ruine Guardaval, ca. 30 min. von Madulain, stösst ein brunftiger Rothirsch
sche Art lernen sie, wie nützlich Holzdepot vor Ort. in der Stunde aus, um seine
und wichtig die Natur für die Rivalen zu beeindrucken und
Bild links: pixabay.com / Bild rechts 3: pixabay.com
Region und den Menschen ist. Familienidyll die Hirschkühe für sich zu
bio-divers.ch Feuerstelle und Kinderspielplatz Golfseen, 8 min. gewinnen. Im nahe gelegenen
engadin.ch/waldlehrpfad-madulain vom Golfplatz Samedan, inkl. Rost und Holz. Nationalpark geht’s mit Guides
auf die Pirsch durch das Val
Mingèr und das Val Trupchun.
Wunderwerke: Versteckt «Ir a cler funschs» Wer Glück hat, erspäht dabei
zwischen Moos und Ästen ebenso Steinböcke, Gämsen und
wachsen im Oberengadin Mit dem Pilzkontrolleur Raffaele Greco geht’s auf die Suche Murmeltiere. Übrigens: Das
rund 750 Pilzsorten, nach den essbaren Schätzen im Wald. Dabei zeigt und erklärt Naturschauspiel ist auch im
250 davon sind essbar. Val Roseg zu beobachten.
er die Merkmale der heimischen Pilze. gemeinde-celerina/pilzkontrolle
graubuenden.ch/hirschbrunft
Natüra E N G A D I N Magazin S O M M E R / H E R B S T NatüraBiken
«Ich gehe gerne an meine Grenzen.
Denn wenn du die eigenen
Grenzen überwindest, dann ist das
eine tiefe Befriedigung.»
NORA ENGELS, BIKERIN & HOLZBILDHAUERIN
Bild: Filip Zuan68 69
Das Spiel häufiger mit Holz. Beim Bau von Biketrails gehören
Holzkonstruktionen mittlerweile zum Standardreper-
mit den Elementen toire. Neu sind sie indes nicht. Bereits vor zwanzig
Jahren haben Mountainbiker im kanadischen Vancou-
ver an umgestürzten Bäumen schmale Lattenpfade
befestigt, um in den Wäldern nördlich der Grossstadt
2013
S Foppettas Trail
einen Weg durch das scheinbar unüberwindbare
Fallholz zu finden. Aus der Not wurde eine Tugend
Flow TIPP
und diese «North-Shore-Trails» fanden weltweit
Table-Sprünge
Hoch statt weit Nachahmer. Der Trend zu Holzelementen auf Biketrails
springen, da die
Tretstück
Landungsmöglich-
keiten kurz sind.
war geboren.
Steindrop Table-Sprünge T I P P Holzbrücke
Speed gewinnen,
um die nächste
Gravitationskraft nutzen: Etabliert haben sich auch
sogenannte «Wall-Rides». Die fast senkrecht in die
Steilwandkur-
Holzkurve ve möglichst
Holzkurve
hoch zu fahren.
Kurven gelegten Holzwände ermöglichen es, weitge-
Holzbrücke
T I P P Holzkurve
Langsame Fahrer
fahren die Kurve
unten, schnelle
S Foppettas Trail neu
1900
hend ohne Geschwindigkeitsverlust die Richtung zu
nehmen den obe-
ren, steileren Teil. wechseln – eine ordentliche Portion Mut vorausge-
setzt. Wie die Bobfahrer im legendären Horseshoe des
Vorsicht bei Nässe:
Die Holzelemen-
te sind auf dem
gesamten Trail
ohne Maschengit-
Olympia Bob Run St. Moritz-Celerina nutzen die Bi-
ker die Gravitationskraft, um in fast horizontaler Lage
ter ausgestattet.
durch die Kurve zu brettern.
1825
Champfèr
Auf dem Waldboden: Holz begleitet die Mountainbiker
Der Flowtrail «Foppettas» wurde um 650 Meter verlängert. aber schon seit jeher. Denn es gibt für sie nichts Schö-
neres, als über einen samtigweichen Waldtrail zu düsen.
Wie auf dem Foppettas Trail bei Champfèr im Oberen-
Aus der Not heraus: Mountainbiken ist mehr als pure gadin. Das Holz, ob unter den Rädern oder im Blickfeld
sportliche Ertüchtigung. Seziert man die Sportart auf des Fahrers, macht diese Abfahrt einzigartig. Ab An-
ihren Kern, liegt ihr Reiz im permanenten Spiel mit den fang 2021 ist dieser Flowtrail gar in verlängerter Form
Elementen der Natur. Ein Spiel mit Steinen, der Erde, befahrbar. Dann gibt’s für die Mountainbiker ganze
mit Wurzeln, Laub, ab und an mal Schnee – und immer 650 Meter mehr Abfahrtsgenuss bis ins Dorf Champfèr.
Biken E N G A D I N Magazin S O M M E R / H E R B S T BikenHolz in den
Adern
Nora Engels ist Künstlerin und Sportlerin.
Diese zwei scheinbar gegensätzlichen Leiden-
schaften bringt sie im Oberengadin zusammen.
Text T H O M A S G I G E R
Bild F I L I P Z U A N
In die Kurve liegen: Auf
dem Foppettas Trail sorgen
Holzelemente für jede
Menge Fahrvergnügen.Sie können auch lesen