Herbst 2019 Editionen Geschichte Kulturwissenschaft Über Literatur - Prolit

 
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Herbst 2019 Editionen Geschichte Kulturwissenschaft Über Literatur - Prolit
Herbst 2019

                      Editionen

                     Geschichte

              Kulturwissenschaft

                  Über Literatur
Herbst 2019 Editionen Geschichte Kulturwissenschaft Über Literatur - Prolit
Franz Kafka
Sämtliche Werke

 Die 1995 im Stroemfeld Verlag begonnene historisch-kritische
 Ausgabe Franz Kafka »Sämtliche Werke« wird im Wallstein Verlag
 fortgesetzt. Alle bereits erschienenen Bände werden in Kürze im
 Wallstein Verlag wieder lieferbar sein.
Herbst 2019 Editionen Geschichte Kulturwissenschaft Über Literatur - Prolit
Wallstein Verlag
                                                                                      3   Herbst 2019

Inhalt
Spitzentitel                                                   57 Die Lebenserinnerungen des Hamburger Architekten
  4   Stephen Greenblatt Die Erfindung der Intoleranz             Martin Haller (1835 –1925)
  6   Stefana Sabin AugenBlicke                                58 Hamburgische Biografie 7
  8   Irena Veisaitė   Ein Jahrhundertleben in Litauen         59 1968
 10   Jeffrey Herf Unerklärte Kriege                           60 Stadt macht Schule
 12   Werner Kohlert, Friedrich Pfäfflin Das Werk der          61 Recht – Verbrechen – Folgen
      Photographin Charlotte Joël                              62 Peter H. Stoldt Diplomatie vor Krieg
                                                               63 Jan-Christian Cordes Politik und Glaube
                                                               64 Friedensordnung und machtpolitische Rivalitäten
Editionen		                                                    65 Arend Mindermann Urkundenbuch der Bischöfe
 14   Franz Kafka »Du bist die Aufgabe«                           und des Domkapitels von Verden
 16   Kafka-Kurier                                             66 Josef Dolle Papsturkunden in Niedersachsen und
 17   Franz Kafka Oxforder Quarthefte 3 & 4                       Bremen bis 1198
 18   Walter Benjamin Ursprung des deutschen
      Trauerspiels                                             Kulturwissenschaften
 19   Samuel Beckett Der Verwaiser
 20   Zwischen den Kriegen. Blätter gegen die Zeit             67 Gesichter der Wissenschaft
 21   Fred von Hoerschelmann – Elisabeth Noelle-               68 Michael Davidis Schiller und die Seinen
      Neumann Briefwechsel                                     70 Heiner Goebbels Erkläre nichts. Stell es hin. Sag’s.
 22   Hedwig Pringsheim Tagebücher                                Verschwinde.
 23   Hermann Borchardt – George Grosz »Lass uns das           71 Katholische Aufklärung in Europa und Nordamerika
      Kriegsbeil begraben!«                                    72 Anna Christina Schütz Charakterbilder und
24    Giovan Pietro Bellori Das Leben des Domenico Fontana        Projektionsfiguren
25    Giovan Pietro Bellori Das Leben des François Duques­-    73 Susanne Wittek »So muss ich fortan das Band als
      noy & Das Leben des Alessandro Algardi                      gelöst ansehen.«
                                                               74 Matthias Bormuth Werdegänge
                                                               75 Ralf von den Hoff Handlungsporträt und Herrscherbild
Geschichte                                                     76 Constantin von Barloewen Zur Ambivalenz des Fort-
26 Alexander von Humboldt Minerale und Gesteine im                schritts in der Pluralität der Kulturen
   Museum für Naturkunde Berlin                                77 Exil. Erfahrung und Zeugnis
27 Margit Reiter Die Ehemaligen
28 Sandra Schnädelbach Entscheidende Gefühle                   Über Literatur
29 Sophie Schönberger Was heilt Kunst?
30 Michael Frey Vor Achtundsechzig                             78 Chiara Caradonna Opak
31 Jacob S. Eder Holocaust-Angst                               79 Blondzhende Stern
32 Jens Flemming Die Madsacks und der »Hannoversche            80 Gregor Babelotzky Jakob Michael Reinhold Lenz
   Anzeiger«                                                      als Prediger der »weltlichen Theologie« und des
34 Maren Richter »Aber ich habe mich nicht entmutigen             »Naturalismus«
   lassen«                                                     81 Friedrich Hölderlin Kritisch-historische Ausgabe
35 Lebensläufe im 20. Jahrhundert                                 von Franz Zinkernagel
36 Maria Anna Potocka Zofia Posmysz – Die Schreiberin          82 Nicolas von Passavant Nachromantische Exzentrik
   7566                                                        83 Ulrich Gaier | Monika Küble Der politische Mörike und
37 Gunilla Budde Feldpost für Elsbeth                             seine radikalen Freunde
38 Sonja Levsen Autorität und Demokratie                       84 Anke Bosse »Poetische Perlen« aus dem »ungeheuren
39 Anna Catharina Hofmann Francos Moderne                         Stoff« des Orients
40 Der deutsch-sowjetische Krieg 1941 –1945                    85 Zur Faustedition
41 Raul Hilberg und die Holocaust-Historiographie              86 Mareike Schildmann Poetik der Kindheit
42 Katja Berg Grenzenlose Unterhaltung                         87 Christa Bürger Mein Weg durch die Literaturwissen-
43 Susanne Sophia Spiliotis Die Zeit der Wirtschaft               schaft
44 Martina Steer Moses Mendelssohn und seine                   88 Rilkes Korrespondenzen
   Nachwelt                                                    89 Ein Gipfel für Morgen
45 Jürgen Heyde »Das neue Ghetto«?                             90 Judith Schalansky trifft Wilhelm Raabe
46 Forschen im »Zeitalter der Extreme«
47 Henry Marx Die Verwaltung des Ausnahmezustands              Periodica
48 The Holocaust in the Borderlands                            91 Goethe-Jahrbuch 2018
49 Political and Transitional Justice in Germany, Poland and   91 Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts 2019
   the Soviet Union from the 1930s to the 1950s                91 Das achtzehnte Jahrhundert 43/2
50 Die Dömitzer Brücken                                        92 Lessing Yearbook 46
51 Stadtgeschichte als Zeitgeschichte                          92 TEXT. Kritische Beiträge 16 /2019
52 Forschen in Sammlungen                                      92 Johnson-Jahrbuch 29 /2019
53 Tonia Sophie Müller »Minderwertige« Literatur und           93 Geschichte der Germanistik 55/56 (2019)
   nationale Integration                                       93 Jaspers Jahrbuch 6/2019
54 Helmuth Caspar Graf von Moltke Vom Kreisauer Kreis          93 Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte
   zum neuen Kreisau                                              91/2019
55 Karl Löwith                                                 94 Jahrbuch Sexualitäten 2019
56 100 Jahre Universität Hamburg                               94 ZeitRäume 2019
Herbst 2019 Editionen Geschichte Kulturwissenschaft Über Literatur - Prolit
Wallstein Verlag
                    Herbst 2019    4      Spitzentitel

Über das Ende der religiösen
Vielfalt und Akzeptanz im alten
Rom – eingeläutet durch das
                                       Stephen Greenblatt
Christentum.
                                       Die Erfindung der
                                       Intoleranz
                                       Rom und das Christentum

Der Autor                                 Das alte Rom war in vielerlei Hinsicht fortschrittlich. Unzählige Götter und
Stephen Greenblatt, geb. 1943,            Religionen lebten in der Millionenstadt am Tiber nebeneinander – es war eine
ist Professor für Literatur­              politische Strategie des Weltreiches, andere Kulturen und deren Rituale zu
wissenschaft an der Harvard               integrieren, aber auch Religionskritik und Skepsis zu akzeptieren. Wie sich das
University. Er ist einer der              mit dem Aufkommen des Christentums änderte und wie religiöse Intoleranz
führenden Vertreter des »New
                                          und Toleranz entstanden, zeichnet Stephen Greenblatt in seinem Essay nach.
Historicism« und vor allem für
seine Arbeit zu Shakespeare               Damit zeigt er auch, wie sich aus der kultischen Vielfalt der Antike eine Gesell­
und der Renaissance bekannt.              schaft entwickelte, die auf Reinheit und Einheitlichkeit, auf Zerstörung und
Er wurde u. a. 2012 mit dem               Zensur setzte. Vor allem die materialistische Vorstellung völlig unbeteiligter
Pulitzer-Preis für sein Buch              Götter erwies sich bald als etwas, das unter keinen Umständen toleriert
»Die Wende« sowie 2016                    werden konnte und dessen Träger (ob Bücher oder Menschen) vernichtet
mit dem Holberg-Preis aus­
                                          werden musste.
gezeichnet.
Veröffentlichungen u. a.:
Die Geschichte von Adam und
Eva. Der mächtigste Mythos der
                                                   Greenblatt legt »den Blick frei
Menschheit (2018); Die Wende.
Wie die Renaissance begann
                                          auf unsere Gegenwart, in der die Moderne
(2012).                                         taumelt, bröckelt, sich verändert,
                                                so sehr wie nie seit der Aufklärung.«
                                                                                 Georg Dietz, SPIEGEL online
                                                                            zur Verleihung des Pulitzer-Preises
                                                                                              für »Die Wende«
Herbst 2019 Editionen Geschichte Kulturwissenschaft Über Literatur - Prolit
Wallstein Verlag
                              Spitzentitel   5   Herbst 2019

Ein brillianter Essay des Pulitzer-Preisträgers

                                                   Stephen Greenblatt
                                                   Die Erfindung der Intoleranz
                                                   Rom und das Christentum
                                                   Aus dem Englischen
                                                   übersetzt von Tobias Roth
                                                   Historische
                                                   Geisteswissenschaften, Bd. 12.
                                                   Herausgegeben von
                                                   Bernhard Jussen und
                                                   Susanne Scholz
                                                   ca. 100 S., ca. 5 Abb.,
                                                   Klappenbroschur
                                                   ca. € 12,– (D); € 12,40 (A)
                                                   ISBN 978-3-8353-3575-2
                                                   auch als E-Book
                                                   November            WG 1550
Herbst 2019 Editionen Geschichte Kulturwissenschaft Über Literatur - Prolit
Wallstein Verlag
                     Herbst 2019    6      Spitzentitel

Die Brille als kulturelles
und stilistisches Objekt.               Stefana Sabin
                                        AugenBlicke
                                        Eine Kulturgeschichte der Brille

Die Autorin                                Von Kaiser Neros grünem Smaragd, durch den er die Gladiatorenkämpfe be­
Stefana Sabin hat in Frankfurt,            obachtete, über die selbstgebastelte Brille von Benjamin Franklin, mit der er
Haifa und Los Angeles studiert             sowohl in die Nähe als auch in die Ferne gucken konnte, bis zu Marilyn Mon­
und 1982 mit einer literatur­              roes Katzen-Brille, die einen modischen Umschwung einläutete – und von dem
wissenschaftlichen Studie                  edlen Titurel der Gralsdichtung über Emma Bovary bis zu Harry Potter – das
promoviert. Seitdem ist sie
                                           Buch erzählt von historischen Gestalten und Figuren aus Malerei und Litera­
Mitarbeiterin im Feuilleton der
Neuen Zürcher Zeitung. Seit                tur, die alle eine Brille trugen.
2010 ist sie Redakteurin des                   Der Buchdruck, die Mechanisierung, die Automatisierung und die Digitali­
Onlinemagazins FAUST-Kultur.               sierung waren tiefgreifende und dauerhafte Veränderungen, die die sozialen,
Veröffentlichungen u. a.:                  kulturellen und wirtschaftlichen Verhältnisse derart umgestaltet haben, dass
Dante auf 100 Seiten (2015);               man gemeinhin von Revolutionen spricht. Aber es gibt auch schleichende
Politik ohne Gott. Wieviel Reli­
                                           Revolutionen: zum Beispiel wenn ein scheinbar banales Objekt die Lebens-
gion verträgt Demokratie?
(2014, mit Helmut Ortner);                 und Arbeitsbedingungen der Menschen grundlegend verändert. Ein solches
Shakespeare auf 100 Seiten                 Objekt ist die Brille. Man könnte behaupten, dass die Moderne mit dem
(2014).                                    medizinisch-philosophischen Paradigmenwechsel beginnt, der die Sehschwäche
                                           von einer Krankheit, die mit Pomaden und Tinkturen behandelt wurde, in
                                           eine Beeinträchtigung verwandelte, die sich mit technischen Instrumenten
                                           beheben lässt.
Herbst 2019 Editionen Geschichte Kulturwissenschaft Über Literatur - Prolit
Wallstein Verlag
                           Spitzentitel   7   Herbst 2019

Das ideale Geschenk
       für Menschen mit Durchblick!

                                                Stefana Sabin
                                                AugenBlicke
                                                Eine Kulturgeschichte
                                                der Brille
                                                ca. 96 S., ca. 30 Abb., geb.
                                                ca. € 18,– (D); € 18,50 (A)
                                                ISBN 978-3-8353-3546-2
                                                auch als E-Book
                                                August   WG 1559
Herbst 2019 Editionen Geschichte Kulturwissenschaft Über Literatur - Prolit
Wallstein Verlag
                     Herbst 2019    8    Spitzentitel

Die Autobiographie einer der
herausragenden litauischen
Intellektuellen im bewegten
                                        Irena Veisaite
20. Jahrhundert.
                                        Aurimas Švedas
                                        Ein Jahrhundertleben
                                        in Litauen

Irena Veisaitė                            In 13 Gesprächen mit Aurimas Švedas erzählt Irena Veisaite∙ ihr bewegtes
geb. 1928, studierte Germa­               Leben. Ein Leben für die Kunst und die Kultur in Litauen, den Kulturaus­
nistik und promovierte 1963               tausch mit Deutschland und das tragische politische Schicksal ihres Landes –
über Heinrich Heines späte                die Besatzungen durch die deutsche Wehrmacht und die Sowjetunion. Sie
Lyrik. Bis 1997 war sie Lektorin          erlebt Ausgrenzung, Gewalt, Vernichtung. Ihre Mutter wird 1941 von Solda­
an der Pädagogischen Hoch-
                                          ten der Wehrmacht ermordet. Als Jüdin überlebt sie das Ghetto von Kaunas.
schule in Vilnius. Sie war
Mitglied in verschiedensten               Nach Kriegsende muss sie den Antisemitismus der Stalinära ertragen. Sie er­
Kommissionen für Kunst                    zählt von ihrem Studium in Moskau und Leningrad, von den Anwerbe­-
und Kultur in Litauen. 2012              ver­suchen der Geheimdienste, von ihren Ehen und von der schmerzlichen
erhielt sie die Goethe-Medaille          Trennung von der Tochter, die nach England geht. Und Irena Veisaite∙ spricht
des Goethe-Instituts für ihr              über Freundschaften, u. a. mit Arvo Pärt. Sie schildert, wie es zur Einrichtung
Lebenswerk. Die Laudatio hielt
                                          des Thomas-Mann-Kulturzentrums in Nidden kam und ihr Engagement für
Aleida Assmann. Irena Veisaitė
spricht sieben Sprachen.                  die Soros-­Stiftung, die sich u. a. für die demokratische und pluralistische Ge­
                                          sellschaften in Osteuropa einsetzt. Ein Jahrhundertleben.
Aurimas Švedas                                Noch in hohem Alter ist sie eine entscheidende Persönlichkeit bei der
ist Associate Professor für              ­Errichtung einer pluralistischen Gesellschaft in Nordosteuropa.
Geschichte an der Universität
Vilnius. Seine Themenschwer-
punkte sind Osteuropa, Kultu-
relles Gedächtnis und Oral
History.
Veröffentlichungen u. a.:
In the Captivity of the Matrix:
Soviet Lithuanian Historio­
graphy, 1944–1985 (2014).
Herbst 2019 Editionen Geschichte Kulturwissenschaft Über Literatur - Prolit
Wallstein Verlag
                                        Spitzentitel   9   Herbst 2019

        »Ich wage zu behaupten, dass sich Ihr Leben
im zwanzigsten Jahrhundert in einem Theater des Grauens,
  des Absurden und der Metaphern abgespielt hat.«
                       Aurimas Švedas

                                                             Irena Veisaitė
                                                             Aurimas Švedas
                                                             Ein Jahrhundertleben
                                                             in Litauen
                                                             ca. 400 S., ca. 10 Abb.,
                                                             geb., Schutzumschlag
                                                             ca. € 24,– (D); € 24,70 (A)
                                                             ISBN 978-3-8353-3556-1
                                                             auch als E-Book
                                                             August WG 1118
Herbst 2019 Editionen Geschichte Kulturwissenschaft Über Literatur - Prolit
Wallstein Verlag
                     Herbst 2019    10      Spitzentitel

Wenn Antizionismus und Anti­
semitismus aufeinandertreffen:
Die DDR als inoffizieller Kriegs-
                                         Jeffrey Herf
gegner Israels.
                                         Unerklärte Kriege
                                         gegen Israel
                                         Die DDR und die westdeutsche radikale Linke,
                                         1967–1989

Der Autor                                   Der US-amerikanische Historiker Jeffrey Herf untersucht das weite Spektrum
Jeffrey Herf, geb. 1947, ist                der Feindseligkeiten seitens der DDR und der westdeutschen radikalen Linken
Professor für Geschichte an                 gegenüber Israel: von Propaganda über Waffenlieferungen an arabische Staaten,
der University of Maryland.                 die sich mit Israel im Kriegszustand befanden, bis hin zum demonstrativen
Forschungsschwerpunkte:                     Schulterschluss mit terroristischen Organisationen. Der untersuchte Zeitraum
Moderne europäische Geschichte,
                                            reicht vom Jahr 1967 bis 1989 und umfasst den Sechstage-Krieg (1967), den Jom-
Deutsche Geschichte des
20. Jahrhunderts, Geschichte                Kippur-Krieg und den Libanon-Krieg (1982) sowie die terroristischen Anschläge
des Holocaust.                              der PLO und anderer Organisationen.
Veröffentlichungen u. a.:                       Herf leistet in seiner überfälligen Studie zweierlei: Er liefert neue Erkennt­
The Jewish Enemy. Nazi Propa-               nisse über das Ausmaß der Kooperation der westdeutschen radikalen Linken
ganda During World War II and               mit terroristischen Organisationen, vor allem aber kann er überzeugend belegen,
the Holocaust (2006); Zweierlei
                                            dass die DDR, und andere Ostblockstaaten, einen weit größeren Einfluss auf
Erinnerung. Die NS-Vergangen-
heit im geteilten Deutschland               den Nahostkonflikt genommen hat, als bislang angenommen.
(1998).
Wallstein Verlag
                                   Spitzentitel   11   Herbst 2019

»Eine ausgezeichnete Übersicht
    über die wachsende Feindseligkeit
  in der deutschen Linken gegenüber Israel.«
                  Walter Laqueur

                                                        Jeffrey Herf
                                                        Unerklärte Kriege
                                                        gegen Israel
                                                        Die DDR und die westdeutsche
                                                        radikale Linke, 1967–1989
                                                         Aus dem Englischen übersetzt
                                                         von Norbert Juraschitz
                                                         ca. 560 S., ca. 10 Abb.,
                                                         geb., Schutzumschlag
                                                         ca. € 39,– (D); € 40,10 (A)
                                                         ISBN 978-3-8353-3484-7
                                                         auch als E-Book
                                                         Oktober   WG 1557
Wallstein Verlag
                     Herbst 2019      12      Spitzentitel

Die Photographien einer großen
Unbekannten – Charlotte Joël.
                                           Werner Kohlert | Friedrich Pfäfflin
                                           Das Werk der Photographin
                                           Charlotte Joël
                                           Porträts von Walter Benjamin bis Karl Kraus,
                                           von Martin Buber bis Marlene Dietrich

Die Autoren                                   Über Charlotte Joël (1887–1943), die Photographin vieler berühmter Porträts,
Werner Kohlert, geb. 1939, hat                ist bis heute wenig bekannt. Bis in die dreißiger Jahre hat sie fünfundzwanzig
nach dem Studium an der Film-                 Jahre lang ein Atelier in Charlottenburg geführt, nahe dem Berliner Bahnhof
hochschule in Babelsberg als                  Zoo. Als Jüdin musste sie es aufgeben. Viele von denen, die vor ihrer Kamera
Autor, Kameramann und Regis-                  saßen, tragen große Namen: Walter Benjamin und seine Familie etwa, Martin
seur im ehemaligen DEFA-Stu-
                                              Buber, Marlene Dietrich, die spätere Frau Theodor W. Adornos Gretel Karplus,
dio für Dokumentarfilme in Ber-
lin gearbeitet, nach 1990 für den             Karl Kraus oder Gustav Landauer. Ihre emphatischen Aufnahmen von Kindern
mdr/Fernsehen in Thüringen.                   erschienen in Zeitschriften und wurden von Postkartenverlagen herausgegeben.
Filme: u. a. über Schinkel und                Doch von ihr selbst ist kein Porträt überliefert.
Lenné, über Herder, Goethe und                    Wer war diese Frau, die so einen bedeutenden Kundenkreis hatte? Persön­
Schiller, über Becher und                     liche Aufzeichnungen sind nicht bekannt. Nur in wenigen erhaltenen Briefen
Tucholsky.
                                              gibt sie etwas von sich preis.
Friedrich Pfäfflin, geb. 1935,                    Werner Kohlert hat zusammengetragen, was über ihr Leben, ihre Arbeit
hat nach zwanzigjähriger Tätig-               und ihr jüdisches Schicksal in Erfahrung zu bringen war. Friedrich Pfäfflin
keit als Verlagsbuchhändler
ein Vierteljahrhundert die
                                              hat über Jahre in öffentlichen und privaten Sammlungen ihre Photographien
Museumsabteilung des Schiller-                aufgespürt und den Werkkatalog erarbeitet.
Nationalmuseums in Marbach                        Endlich bekommt Charlotte Joël die Aufmerksamkeit, die sie schon lange
geleitet. In den Jahren 1968                  verdient.
bis 1973 erschien der von ihm
initiierte, von Heinrich Fischer
herausgegebene Reprint der
»Fackel« von Karl Kraus in über
35.000 Exemplaren. Bei Wall-
stein veröffentlichte er u. a. Karl
Kraus: Briefe an Sidonie Nád-
herný von Borutin 1913-1936
(2005).
Wallstein Verlag
                           Spitzentitel   13   Herbst 2019

Eine große Photographin wird
                    wiederentdeckt

                                                 Werner Kohlert
                                                 Friedrich Pfäfflin
                                                 Das Werk der Photographin
                                                 Charlotte Joël
                                                 Porträts von Walter Benjamin
                                                 bis Karl Kraus, von Martin
                                                 Buber bis Marlene Dietrich

                                                 Mit einem Essay von
                                                 Werner Kohlert und
                                                 einem Werkverzeichnis
                                                 von Friedrich Pfäfflin
                                                 ca. 304 S., ca. 250 Abb.,
                                                 geb., Schutzumschlag
                                                 ca. € 24,90 (D); € 25,60 (A)
                                                 ISBN 978-3-8353-3488-5
                                                 auch als E-Book
                                                 Oktober   WG 1951
Wallstein Verlag
                     Herbst 2019     14      Editionen

Kafkas Aphorismen sind
Schlüsseltexte zum Verständnis
seines Denkens.
                                          Franz Kafka
                                          »Du bist die Aufgabe«
                                          Aphorismen

Der Herausgeber                              Die Aphorismen und Denkbilder, die Kafka während eines etwa acht Monate
Reiner Stach, geb. 1951, studierte           währenden Aufenthalts in dem böhmischen Dorf Zürau auf mehr als hundert
in Frankfurt a. M. Germanistik,              nummerierte Zettel notierte, gehören zu den geheimnisvollsten seiner Texte.
Philosophie und Mathematik.                  Sie umkreisen klassische philosophische Fragen wie das Verhältnis von Wahr­
Nach seiner Tätigkeit als Wissen-            heit und Lüge, Gut und Böse, geistiger und sinnlicher Welt, und dennoch
schaftslektor für mehrere Ver-
                                             verzichten sie auf jegliches Fachvokabular und sprechen stattdessen in Bildern.
lage arbeitete er ab Mitte der
neunziger Jahre an einer drei-                   Mit dieser kommentierten Ausgabe der Zürauer Aphorismen zeigt Reiner
bändigen Biographie über Franz               Stach, dass Kafkas konsequente Bildlogik den Weg zu einem Verständnis
Kafka, die mittlerweile inter­               dieser scheinbar hermetischen Sätze eröffnet. Jedem Aphorismus ist eine Seite
national als Standard-Bio­                   mit Materialien beigegeben: bedeutsame Korrekturvorgänge Kafkas, parallele
graphie anerkannt ist.                       Aufzeichnungen aus seinen Zürauer Notizheften sowie Erläuterungen des
Auszeichnungen:
                                             Herausgebers zur vielfältigen thematischen und bildlichen Vernetzung der
Sonderpreis zum Heimito von
Doderer-Literaturpreis (2008),               Aphorismen. Auch überraschende Querverbindungen zu Kafkas Briefen, Tage­
Bayerischer Buchpreis (2015),                büchern und literarischen Werken werden aufgezeigt. Die Entstehungs­
Joseph-Breitbach-Preis (2016).               bedingungen und den biographischen Kontext erläutert Reiner Stach in einem
Veröffentlichungen u. a.:                    Nachwort.
Kafka. Die frühen Jahre (2014);
Ist das Kafka? 99 Fundstücke
(2012); Kafka. Die Jahre der
Erkenntnis (2008); Kafka. Die               »Der wahre Weg geht über ein Seil,
Jahre der Entscheidungen
(2002).                                        das nicht in der Höhe gespannt ist,
                                                 sondern knapp über dem Boden.
                                            Es scheint mehr bestimmt stolpern
                                              zu machen, als begangen zu werden.«
Wallstein Verlag
                         Editionen   15   Herbst 2019

Die erste kommentierte Ausgabe
   von Kafkas Aphorismen

                                            Franz Kafka
                                            »Du bist die Aufgabe«
                                            Aphorismen
                                            Herausgegeben, kommentiert
                                            und mit einem Nachwort von
                                            Reiner Stach
                                            ca. 240 S., geb.
                                            ca. € 24,– (D); € 24,70 (A)
                                            ISBN 978-3-8353-3510-3
                                            September   WG 1562
Wallstein Verlag
                      Herbst 2019      16     Editionen

                                            Kafka-Kurier
                                            Numero 4

Die neue Ausgabe der Heftreihe,
die sich dem Leben und Werk
Franz Kafkas widmet.

                                                                                                 Kafka-Kurier
                                                                                                 Numero 4
                                                                                                 Herausgegeben von Roland Reuß
                                                                                                 und Peter Staengle
                                                                                                 ca. 48 S., mit zahlreichen Abb.,
                                                                                                 brosch.
                                                                                                 ca. 10,– € (D); 10,30 (A)
                                                                                                 ISBN 978-3-8353-3511-0
                                                                                                 November   WG 1562

Die Herausgeber                               Die in loser Folge erscheinende Heftreihe »Kafka-Kurier«, die, im Stroemfeld
Roland Reuß, geb. 1958, arbeitet              Verlag begründet, zukünftig im Wallstein Verlag fortgesetzt wird, ist ein
als Literaturwissenschaftler                  Forum für Beiträge zu Leben und Werk des Schriftstellers. Sie bietet, auch mit
und Editionsphilologe an der                  zahlreichem historischem Bildmaterial, Entdeckungen für die wissenschaft­
Universität Heidelberg und                    liche Beschäftigung mit Franz Kafka wie auch für dessen Lesepublikum, die
leitet dort den Masterstudien-
                                              sich intensiven, häufig jahrelangen Recherchen in öffentlichen und privaten
gang »Editionswissenschaft
und Textkritik«. Er ist Mit­                  Sammlungen, einem aufmerksamen Studium der Texte und deren kenntnis­
begründer des »Instituts für                  reicher Auslegung verdanken. Die einzelnen Hefte sind nicht auf thematische
Textkritik e.V.«. Zusammen                    Schwerpunkte hin ausgerichtet. Dies eröffnet die Möglichkeit, den »Kafka-
mit Peter Staengle hat er die                 Kurier« im Fortgang als ein bequem zugängliches Archiv zu gebrauchen.
»Brandenburger Kleist-Aus­                        Die vierte Lieferung des »Kafka-Kuriers« enthält Beiträge von Hartmut
gabe« herausgegeben.
                                              Binder, Hans-Gerd Koch, Guido Massimo, Anthony Northey, Peter Engel u. a.
Peter Staengle, geb. 1953, ist
Germanist und Mitbegründer
des »Instituts für Textkritik e.V.«.
Zusammen mit Roland Reuß hat
er die »Brandenburger Kleist-
Ausgabe« herausgegeben.
Wallstein Verlag
                                                                          Editionen      17   Herbst 2019

Franz Kafka
Oxforder Quarthefte 3 & 4
Faksimile-Edition
                                                      Franz Kafka
                                                      Oxforder Quarthefte 3 & 4
                                                      Faksimile-Edition
                                                                                              Der neue Band der
                                                      Herausgegeben von                       Historisch-Kritischen
                                                      Roland Reuß und                         Ausgabe von Franz Kafkas
                                                      Peter Staengle                          Schriften.
                                                      Franz Kafka-Ausgabe. Historisch-
                                                      Kritische Edition sämtlicher               Bekannt als »Tagebücher«.
                                                      Handschriften, Drucke und
                                                      Typoskripte.                                 Fortsetzung der bisher
                                                      Herausgegeben von                             im Stroemfeld Verlag
                                                      Roland Reuß und                              erschienenen Ausgabe!
                                                      Peter Staengle
                                                      ca. 390 S., brosch.,
                                                      3 Bände im Schuber,
                                                      21,5 × 28 cm, mit CD-ROM
                                                      ca. € 128,– (D); € 131,60 (A)
                                                      Subskriptionspreis
                                                      ca. 99,– € (D); 101,80 € (A)
                                                      ISBN 978-3-8353-3505-9
                                                      Oktober   WG 1117

   Die zwölf in der Bodleian Library (Oxford) überlieferten Quarthefte Franz                  Die Herausgeber
   Kafkas, für die sich die irreführende Bezeichnung »Tagebücher« eingebürgert                Roland Reuß, geb. 1958, arbeitet
   hat, enthalten ganz heterogene Textarten. Kafkas Notizen reichen von diaris­               als Literaturwissenschaftler
   tischen Einträgen über poetische Entwürfe bis hin zu vollständig ausformu­                 und Editionsphilologe an der
   lierten längeren Erzähltexten. Die Hefte sind eine Fundgrube für Leser, die an             Universität Heidelberg und
                                                                                              leitet dort den Masterstudien-
   der Entstehung des Kafkaschen Werkes interessiert sind und die verwickelten
                                                                                              gang »Editionswissenschaft
   Arbeitsprozesse Kafkas verstehen wollen.                                                   und Textkritik«. Er ist Mit­
       Die Eintragungen in den Quartheften 3 und 4 – jeweils rund 90 beschrie­                begründer des »Instituts für
   bene Seiten – reichen von Ende Oktober 1911 bis Anfang Januar 1912. Sie                    Textkritik e.V.«. Zusammen
   dokumentieren Kafkas Interesse am jiddischen Theater, seine Freundschaft                   mit Peter Staengle hat er die
   mit dem Schauspieler Jizchak Löwy sowie seine Lektüren, insbesondere zum                   »Brandenburger Kleist-Aus­
                                                                                              gabe« herausgegeben.
   Judentum. Weiterhin enthalten sie mehrere Prosastücke und begleiten zudem
   die ersten Entwürfe zum »Verschollenen«.                                                   Peter Staengle, geb. 1953, ist
       Die Faksimiles sämtlicher Handschriften in Originalgröße und die mit ihnen             Germanist und Mitbegründer
                                                                                              des »Instituts für Textkritik e.V.«.
   korrespondierenden Transkriptionen ermöglichen erstmals eine integrale                     Zusammen mit Roland Reuß hat
   Darstellung des Überlieferten, die nicht zwischen »Gültigem« und »Getilgtem«               er die »Brandenburger Kleist-
   unterscheidet. Somit bieten sie einen neuen Zugang zu Kafkas Werk.                         Ausgabe« herausgegeben.
Wallstein Verlag
                    Herbst 2019     18      Editionen

                                         Walter Benjamin
                                         Ursprung des deutschen Trauerspiels
                                         Faksimilenachdruck der Erstausgabe von 1928

Walter Benjamins Buch
»Ursprung des deutschen
Trauerspiels« zum ersten
Mal als Faksimile.

  Bereits bei Stroemfeld
  angekündigt unter ISBN
  978-3-86600-281-4                                                                               Walter Benjamin
                                                                                                  Ursprung des deutschen
                                                                                                  Trauerspiels
                                                                                                  Faksimilenachdruck der
                                                                                                  Erstausgabe von 1928
                                                                                                  Herausgegeben und mit einem
                                                                                                  Kommentar von Roland Reuß
                                                                                                  ca. 320 S., Leinen,
                                                                                                  Schutzumschlag
                                                                                                  ca. € 30,– (D); € 30,90 (A)
                                                                                                  ISBN 978-3-8353-3504-2
                                                                                                  Oktober   WG 1562

Walter Benjamin                             Walter Benjamins als Habilitationsschrift geplante Studie über den Ursprung
(1892 –1940) war Philosoph,                 des deutschen Trauerspiels ist nicht nur wegen der »erkenntniskritischen Vor­
Kulturkritiker und Übersetzer.              rede« eine seiner berühmtesten und zugleich methodisch anspruchsvollsten
1940 nahm er sich im Exil auf               Arbeiten. Sie hat sowohl im engeren Kreis der Barockforschung wie in der
der Flucht aus Angst                        Allgemeinheit philosophisch-literaturwissenschaftlicher Fragestellungen tiefe
vor einer Auslieferung nach
                                            Spuren hinterlassen. Der hier erstmals als Faksimilenachdruck vorgelegte
Deutschland das Leben.
                                            Text war von Benjamin bis in die typographische Gestalt hinein geplant wor­
Der Herausgeber                             den. Die lebenden Kolumnentitel und die verwendete Schwabacher Schrift
                                            spielen für die Lektüre des Textes eine nicht zu unterschätzende Rolle. Ihre
Roland Reuß, geb. 1958, arbeitet
als Literaturwissenschaftler                Bedeutung für das Verständnis des Textes wird in dem sorgfältigen Faksimile­
und Editionsphilologe an der                nachdruck wieder erkennbar.
Universität Heidelberg und leitet               Das Nachwort von Roland Reuß orientiert über die textkritischen Probleme,
dort den Masterstudiengang                  die das Original aufweist. Es bietet außerdem eine ausführliche Darstellung der
»Editionswissenschaft und Text-             Druckgeschichte des Textes.
kritik«. Er ist Mitbegründer des
»Instituts für Textkritik e. V.«.
Zusammen mit Peter Staengle
hat er die »Brandenburger
Kleist-Ausgabe« heraus­
gegeben.
Veröffentlichungen u.a.:
Walter Benjamin, Tableaux
Parisiens (Hg., 2016).
Wallstein Verlag
                                                                         Editionen    19   Herbst 2019

Samuel Beckett
Der Verwaiser

                                                                                           Samuel Becketts schaurige
                                                                                           Parabel typographisch gestaltet
                                                                                           von Klaus Detjen.
                                                        Samuel Beckett
                                                        Der Verwaiser
                                                        Herausgegeben, gestaltet
                                                        und mit einer Nachbemerkung
                                                        von Klaus Detjen. Mit einem
                                                        Nachwort von Oliver Sturm
                                                        Typographische Bibliothek,
                                                        Bd. 16.
                                                        Herausgegeben von
                                                        Klaus Detjen.
                                                        ca. 96 S., geb., Leinen,
                                                        Schutzumschlag,
                                                        Großformat 16 × 24 cm
                                                        ca. € 34,– (D); € 35,– (A)
                                                        ISBN 978-3-8353-3552-3
                                                        September   WG 1111

                                                                                           Samuel Beckett
                                                                                           (1906 –1989) gilt als einer der
                                                                                           bedeutendsten Schriftsteller
  Ein einziges Bild wird in Samuel Becketts Prosaerzählung »Der Verwaiser«                 des 20. Jahrhunderts. 1969
                                                                                           wurde er mit dem Literatur­
  präzisiert: Zweihundert entblößte Körper befinden sich in einem großen, halb­            nobelpreis ausgezeichnet. Sein
  dunklen Zylinder (der »Bleibe«). Die Menschen hier sind in vier Gruppen                  bekanntestes Werk, mit dem er
  eingeteilt, deren einzige Tätigkeit darin besteht, sich im Zylinder zu orientie­         weltberühmt wurde, ist das
  ren und nach Möglichkeit einen Ausweg zu finden. So gibt es diejenigen, die              Theaterstück »Warten auf
  ständig in Bewegung sind, diejenigen, die manchmal innehalten, sodann die                Godot«. Seine ersten Texte ver-
                                                                                           fasste er in englischer Sprache,
  Sesshaften und am Ende solche, die das Suchen bereits aufgegeben haben.
                                                                                           später wechselte er ins Franzö-
     Klaus Detjen überträgt den Handlungsraum des Zylinders typographisch                  sische.
  auf die Doppelseite. Seine Grafiken zeichnen die Bewegungen der Figuren
  nach.                                                                                    Der Herausgeber
                                                                                           Klaus Detjen, geb. 1943, Typo-
                                                                                           graph und Buchgestalter. Bis
                                                                                           2009 Professor für Typographie
                                                                                           und Gestaltung an der Muthe­
                                                                                           sius Kunsthochschule in Kiel.
                                                                                           Antiquaria-Preis 2014 für die
                                                                                           Gestaltung der »Typographi-
                                                                                           schen Bibliothek«. Gutenberg-
                                                                                           Preis der Stadt Leipzig 2017.
                                                                                           Er ist Herausgeber der Reihe
                                                                                           »Ästhetik des Buches«.
                                                                                           Veröffentlichungen u. a.:
                                                                                           Außenwelten. Zur Formen­
                                                                                           sprache von Buchumschlägen
                                                                                           (2018).
Wallstein Verlag
                     Herbst 2019     20      Editionen

                                          Zwischen den Kriegen.
                                          Blätter gegen die Zeit
                                          Eine Zeitschrift von Werner Riegel und Peter Rühmkorf

Zwischen den Kriegen – Eine
Literaturzeitschrift »jenseits
von Markt und Modenschau«
als Faksimile-Ausgabe mit
Nachwort und Stellen-
kommentar.

                                                                                                      Zwischen den Kriegen.
                                                                                                      Blätter gegen die Zeit
                                                                                                      Eine Zeitschrift von
                                                                                                      Werner Riegel und
                                                                                                      Peter Rühmkorf
                                                                                                      Herausgegeben
                                                                                                      von Martin Kölbel

Werner Riegel                                                                                         ca. 600 S., ca. 250
                                                                                                      farbige Abb.,
(1925 –1956), geb. in Danzig,                                                                         geb., Halbleinen
wurde bald nach dem Abitur                                                                            ca. € 50,– (D); € 51,40 (A)
zum Kriegsdienst an der                                                                               ISBN 978-3-8353-3535-6
Westfront eingezogen. Ab 1950                                                                         Juli   WG 1562
arbeitete er in Hamburg als
Kontorbote und lernte 1952
Peter Rühmkorf kennen. Riegel
starb im Juli 1956 an einem
Hirntumor.

Peter Rühmkorf
(1929 –2008) war nach seiner
Zusammenarbeit mit Werner                    Ende 1952 riefen die beiden Hamburger Jungautoren Werner Riegel und Peter
Riegel und seinem literarischen
Debüt mit dem Gedichtband
                                             Rühmkorf eines der eigenwilligsten Zeitschriftenprojekte ins Leben. Da ihnen
»Heiße Lyrik« (1956) Lektor im               Verlag, Vertrieb und Kapital fehlten, stellten sie ihre Blätter gegen die Zeit
Rowohlt Verlag. Zu seinen                    kurzerhand selber her: als Autoren, Verleger und Vertreiber. Bis zu Riegels Tod
bekanntesten Werken zählen                   1956 erschienen 26 hektographierte Hefte, die auf etwa 10 Druckseiten eigene
»Irdisches Vergnügen in g«                   Gedichte, Fremdzitate und Essays miteinander kombinierten. Geheftet und
(1959), »Die Jahre, die Ihr kennt«
                                             verpackt wurden sie an 150 ausgesuchte Leser verteilt oder verschickt.
(1972), »Der Hüter des Mist­
haufens. Aufgeklärte Märchen«                    Der ideelle Anspruch der Blattmacher kannte keine Grenzen. Ihre Zeit­
(1983). Für seine Werke wurde                schrift konzipierten sie als eigene Kunstform wider den profitorientierten Li­
er mit zahlreichen Preisen aus-              teraturbetrieb. Sie belebten dafür den Expressionismus als Maß aller Dichtung
gezeichnet.                                  neu und begriffen sich als Gründungsväter einer neuen Kunstrichtung, des
                                             »Finismus«, dem bis zuletzt nur sie beide und ihre sechs Pseudonyme ange­
Der Herausgeber
                                             hörten. Die mit einfachen Mitteln erstellte Zeitschrift entwickelte sich künst­
Martin Kölbel, geb. 1969,                    lerisch zur wohl radikalsten ihrer Zeit und wurde ein klandestiner Vorläufer
studierte Philosophie und
                                             der 1968er-Bewegung.
Literaturwissenschaft in Frei-
burg i. Br., Paris und Berlin.
Er ist wissenschaftlicher Mit­
arbeiter am Bertolt-Brecht-
Archiv (Berlin).
Veröffentlichungen u. a.:
Willy Brandt und Günter Grass.
Der Briefwechsel (Hg., 2013);
Bertolt Brecht, Notizbücher
(Hg., 2007ff.).
Wallstein Verlag
                                                                         Editionen   21   Herbst 2019

Fred von Hoerschelmann –
Elisabeth Noelle-Neumann
Briefwechsel

                                                                                          Der Briefwechsel zwischen der
                                                                                          Gründerin des Allensbacher
                                                                                          Instituts für Demoskopie und
                                                                                          dem deutschbaltischen Autor
                                                                                          Fred von Hoerschelmann.

                                                     Fred von Hoerschelmann –
                                                     Elisabeth Noelle-Neumann
                                                     Briefwechsel                         Fred von Hoerschelmann

                                                     Herausgegeben von Hagen              (1901–1976) war einer der Hör-
                                                     Schäfer und Ralph Schmidt            spiel-Pioniere in der Weimarer
                                                                                          Republik. In den 1950er und
                                                     ca. 1016 S., Leinen,                 1960er Jahren prägte er die
                                                     Schutzumschlag                       Blütezeit dieser Kunstform
                                                     ca. € 39,90 (D); € 41,10 (A)         maßgeblich mit.
                                                     ISBN 978-3-8353-3174-7
                                                     Dezember   WG 1117                   Elisabeth Noelle-Neumann
                                                                                          (1916 –2010) gründete 1948 das
                                                                                          »Institut für Demoskopie« in
                                                                                          Allensbach, das sich schnell als
                                                                                          eines der führenden Meinungs-
                                                                                          forschungsinstitute in Deutsch-
                                                                                          land etablierte. In den Jahren
                                                                                          1964 –1983 war sie Professorin
                                                                                          für Kommunikationswissen-
  Nach der Werkausgabe erscheint nun der ca. 335 Briefe umfassende Brief­                 schaft an der Universität Mainz.
  wechsel Fred von Hoerschelmanns mit Elisabeth Noelle-Neumann, der Grün­
  derin des Allensbacher Instituts für Demoskopie. Dieser Briefwechsel, der sich          Die Herausgeber
  über eine Zeitspanne von mehr als 40 Jahren erstreckt – sie war fünfzehn, er            Hagen Schäfer, geb. 1985, Studi-
  dreißig, als sie sich kennenlernten –, vermittelt Einblicke in eine ungewöhn­           um der Germanistik, Neue-
  liche Freundschaft. Aus einer sehr persönlichen, ungewohnt offenen Perspek­             ren/Neuesten Geschichte und
                                                                                          Politikwissenschaft an der TU
  tive wird hier der Zwiespalt zwischen äußerer Anpassung und innerem Wider­
                                                                                          Chemnitz und der Universität
  stand in der Zeit des Nationalsozialismus nachvollziehbar und ein Einblick in           Leipzig, 2012 Promotion mit
  die zeitkritisch-reflektierende Wahrnehmung gesellschaftlicher Umbrüche offen­          einer Dissertation über »Das
  bart. Darüber hinaus zeigt der Briefwechsel, wie Elisabeth Noelle-Neumann               Hörspielwerk Fred von Hoer-
  zu ihrem Lebensthema fand, der öffentlichen Meinung.                                    schelmanns«, arbeitet als
      Die Briefedition, durch ein Vorwort und einen Kommentar, die Hintergrund­           Lehrer für Deutsch, Geschichte
                                                                                          und Gemeinschaftskunde.
  informationen zu Zeit, Ort und Personen liefern, ergänzt, beleuchtet bislang
  unbekannte biographische Details über Elisabeth Noelle-Neumann und Fred                 Ralph Erich Schmidt, Studium
                                                                                          der Rechtswissenschaft und der
  von Hoerschelmann und stellt insofern auch eine wichtige Quelle für die For­
                                                                                          Psychologie an den Universitä-
  schung dar.                                                                             ten Zürich und Genf. Weiterbil-
                                                                                          dung in Psychotherapie in Genf,
                                                                                          Paris und New York. Lehrbeauf-
                                                                                          tragter für klinische Psycholo-
                                                                                          gie an der Universität Genf und
                                                                                          Psychotherapeut an der Psychi-
                                                                                          atrischen Universitätsklinik
                                                                                          Zürich. Großneffe von Elisabeth
                                                                                          Noelle-Neumann.
Wallstein Verlag
                     Herbst 2019    22      Editionen

                                         Hedwig Pringsheim
                                         Tagebücher
                                         1929 –1934

Die frühen Jahre des National-
sozialismus in München und
dessen Auswirkung auf die
Familien Pringsheim und Mann.

                                                                                                Hedwig Pringsheim
                                                                                                Tagebücher
                                                                                                Band 8: 1929 –1934
                                                                                                Herausgegeben
                                                                                                von Cristina Herbst
                                                                                                ca. 800 S., ca. 10 Abb.,
                                                                                                Leinen, Schutzumschlag
                                                                                                ca. € 49,90 (D); € 51,30 (A)
                                                                                                ISBN 978-3-8353-3499-1
                                                                                                auch als E-Book
                                                                                                Oktober   WG 1117

                                            Seit Hedwig Pringsheim wählen darf, wählt sie sozialdemokratisch. So ist es
Hedwig Pringsheim                           nicht verwunderlich, dass sie den stetigen Aufstieg der Nationalsozialisten mit
(1855 –1942) war die Tochter der            großer Sorge verfolgt. Und mit dieser Sorge sollte sie recht behalten, denn mit
bekannten Frauenrechtlerin                  der »Machtergreifung« Hitlers im Januar 1933 wirkt die Politik zu­nehmend
Hedwig Dohm, Ehefrau des                    zerstörerisch auf ihre Familie ein: Im April 1933 wird der Sohn Peter Prings­
Mathematikprofessors und                    heim auf Grund des sog. »Berufsbeamtengesetz« entlassen; fast zur selben Zeit
Kunstmäzens Alfred Prings-
                                            erhält Sohn Heinz als Musikkritiker Berufsverbot; Sohn Klaus, seit
heim und Mutter der seit 1905
mit Thomas Mann verheirateten               September 1931 Kapellmeister in Tokio, kann einen Besuch bei den Eltern
Katia Mann (1883 –1980).                    nicht mehr riskieren und der »Protest der Richard-Wagner-Stadt München«
                                            zwingt die Familie Mann ins Exil. Als den Pringsheims dann im Juni mit­
Die Herausgeberin                           geteilt wird, dass sie ihre beiden Häuser in der Arcisstraße »zum Heile
Cristina Herbst, geb. 1946, war             Hitlers« verkaufen und räumen müssen, müssen sie sich auch in ihrem
als Lektorin zuerst im Vittorio             eigenen Lebensumfeld völlig neu orientieren. Auf diese Schicksalsschläge rea­
Klostermann Verlag und dann                 giert der Vater Alfred Pringsheim zunehmend mit Depressionen. Es liegt nun
bei S. Fischer intensiv mit Tho-
                                            an Hedwig durch ruhige Besonnenheit und vernünftiges Handeln ein Mini­
mas Mann und seinem Umfeld
beschäftigt. Sie war maßgeblich             mum an Lebensqualität für alle wieder herzustellen.
für die Planung und Realisie-
rung der Großen Kommentier-
ten Frankfurter Ausgabe der
Werke von Thomas Mann
zuständig. Seit 1999 ist sie aus-
schließlich mit der Edition der
Tagebücher von Hedwig Prings-
heim befasst.
Wallstein Verlag
                                                                          Editionen       23   Herbst 2019

Hermann Borchardt – George Grosz
»Lass uns das Kriegsbeil begraben!«
Der Briefwechsel
                                                      Hermann Borchardt –
                                                      George Grosz
                                                                                               Das Zeugnis einer Freundschaft
                                                      »Lass uns das Kriegsbeil
                                                                                               zweier Künstlerpersönlich-
                                                      begraben!«
                                                                                               keiten und -schicksale, die
                                                      Der Briefwechsel
                                                                                               unterschiedlicher kaum sein
                                                      Herausgegeben von Hermann                können.
                                                      Haarmann, Christoph Hesse
                                                      und Lukas Laier
                                                      akte exil. neue folge. Bd. 2.
                                                      Eine Schriftenreihe des Instituts
                                                      für Kommunikationsgeschichte
                                                      und angewandte Kulturwissen-
                                                      schaften der Freien Universität
                                                      Berlin, herausgegeben von
                                                      Hermann Haarmann
                                                      ca. 512 S., ca. 15 Abb.,                 Hermann Borchardt
                                                      geb., Schutzumschlag
                                                      ca. € 34,90 (D); € 35,90 (A)             (1888 –1951), Schriftsteller,
                                                      ISBN 978-3-8353-3490-8                   Essayist, Theoretiker und Intel-
                                                      auch als E-Book                          lektueller, der nahezu unbe-
                                                      Oktober   WG 1117                        kannt im amerikanischen Exil
                                                                                               starb.

                                                                                               George Grosz
                                                                                               (1893 –1957), Maler und Zeich-
                                                                                               ner, der mit seinen expressio-
                                                                                               nistischen, dadaistischen und
                                                                                               futuristischen Gemälden welt-
                                                                                               berühmt wurde.
   Die Freundschaft zwischen Hermann Borchardt und George Grosz begann
                                                                                               Die Herausgeber
   Mitte der 1920er Jahre in Berlin. Grosz gehörte zu den bekanntesten Satiri­
   kern der Weimarer Republik, während Borchardt sich eher am Rande der lite­                  Hermann Haarmann, geb. 1946,
                                                                                               ist Direktor des Institut für
   rarischen Avantgarde bewegte. Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler
                                                                                               Kommunikationsgeschichte und
   im Januar 1933 entschlossen sich beide, das Land zu verlassen. Im Exil inten­               angewandte Kulturwissen-
   sivierte sich ihr Briefwechsel. Grosz lebte und arbeitete in New York, während              schaften der FU Berlin.
   Borchardt als Deutschlehrer erst nach Frankreich und kurze Zeit später nach                 Veröffentlichungen u. a.:
   Minsk, emigrierte. So unterschiedlich die Zufluchtsorte, so unterschiedlich                 Briefe an Bertolt Brecht im Exil
   waren ihre Leben.                                                                           (2014, hg. zus. mit Christoph
                                                                                               Hesse).
       1936 wurde Borchardt aus der Sowjetunion ausgewiesen und kehrte nach
   Berlin zurück. Er wurde verhaftet und in die Konzentrationslager Esterwegen,                Christoph Hesse, geb. 1972. Seit
   Sachsenhausen und Dachau gebracht, kam aber unter der Bedingung frei,                       2007 Mitarbeiter des Instituts
                                                                                               für Kommunikationsgeschichte
   Deutschland umgehend zu verlassen. Auf Einladung und mit finanzieller Unter­                und angewandte Kulturwissen-
   stützung von Grosz emigrierte er schließlich in die USA.                                    schaften der FU Berlin.
       In ihrer regen Korrespondenz werden Fragen nach der weltpolitischen                     Veröffentlichungen u. a.:
   Entwicklung, Auseinandersetzungen mit anderen deutschen Exilanten und                       Filmexil Sowjetunion. Deutsche
   der Alltag in Amerika mal hitzig, mal spöttisch diskutiert. Ihre Briefe zeugen              Emigranten in der sowjetischen
                                                                                               Filmproduktion der 1930er und
   von hoher historischer, politischer und persönlicher Brisanz.
                                                                                               1940er Jahre (2017).
       Die insgesamt 220 Briefe werden von den Herausgebern umfangreich er­
   läutert.                                                                                    Lukas Laier, geb. 1991, Studen-
                                                                                               tischer Mitarbeiter am Institut
                                                                                               für Kommunikationsgeschichte
                                                                                               und angewandte Kulturwissen-
                                                                                               schaften der FU Berlin.
Wallstein Verlag
                     Herbst 2019    24      Editionen

                                         Giovan Pietro Bellori
                                         Das Leben des Domenico Fontana
                                         Vita di Domenico Fontana

Mechanik im Dienste des
Papstes: Mit Domenico Fontana
findet auch die Architektur als                                                             Giovan Pietro Bellori
Kunstform ihren verdienten                                                                  Das Leben des Domenico Fontana
Platz in Belloris Viten.                                                                    Vita di Domenico Fontana
                                                                                            Hg. von Costanza Caraffa und
                                                                                            Claudia Marra. Kommentiert von
                                                                                            Claudia Marra und mit einem Essay
                                                                                            versehen von Costanza Caraffa
                                                                                            Aus dem Italienischen übersetzt
                                                                                            von Anja Brug
                                                                                            Giovan Pietro Bellori: Le vite de’
                                                                                            pittori scultori ed architetti moderni.
                                                                                            Die Lebensbeschreibungen der modernen
                                                                                            Maler, Bildhauer und Architekten, Bd. 3.
                                                                                            Hg. von Elisabeth Oy-Marra,
                                                                                            Tristan Weddigen und Anja Brug
Giovan Pietro Bellori                                                                       Italienisch-Deutsche Ausgabe
(1613–1696) zählt zu den ersten                                                             ca. 176 S., ca. 15, z. T. farbige Abb., geb.
Kunsttheoretikern, die nicht                                                                ca. € 24,– (D); € 24,70 (A)
                                                                                            ISBN 978-3-8353-3496-0
vorrangig Künstler waren.
                                                                                            Oktober   WG 1582
Er war ein Verfechter des
Klassizismus und seine brillan-
ten Lebensbeschreibungen zeit-
genössischer Künstler gelten
heute als wichtigste Quelle über
die Kunst Roms des 17. Jahr-
hunderts.

Die Herausgeberinnen
                                            Die Vita des Domenico Fontana (1543 –1607) sticht innerhalb von Belloris
Claudia Marra, geb. 1985, ist
Kunsthistorikerin und Über­
                                            Lebensbeschreibungen als einzige Architektenvita heraus. Dabei schildert sie
setzerin in Berlin. Sie war                 aber nicht allein Karriere und Werke des Tessiner Baukünstlers – vielmehr
Stipendiatin des Kunsthistori-              nimmt sich Bellori hier der Aufgabe an, die Rolle der Architektur am Beispiel
schen Instituts in Florenz,                 Fontanas exemplarisch festzumachen.
Max-Planck-Institut, und des                    In ihrem Essay geht Costanza Caraffa diesem Aspekt vor dem Hintergrund
Deutschen Studienzentrums in
                                            von Belloris Engagement innerhalb der Accademia di San Luca nach: Welche
Venedig.
Veröffentlichungen u. a.:                   Bedeutung wird der Architektur im System der Künste beigemessen, und in­
Ingenieursberuf und Künstler-               wiefern soll ausgerechnet Domenico Fontana als Vorbild dienen? Die Wahl
biographie. Zum Berufsbild                  eines vor allem technisch erfahrenen Architekten wird angesichts der auf­
frühneuzeitlicher Proti am                  kommenden Studien zur Mechanik im frühen 17. Jahrhundert verständlich:
Beispiel Andrea Moronis (2019).             Fontana ist insbesondere für seine spektakuläre Aufrichtung des vatika­
Costanza Caraffa, geb. 1966,                nischen Obelisken bekannt, die er in seiner Schrift »Della trasportatione
leitet die Photothek am Kunst-              dell’obelisco vaticano« festhielt. Bellori orientiert sich auch sprachlich an dieser
historischen Institut in Florenz,
                                            und anderen zeitgenössischen Schriften und lässt dabei ein Bild der Architek­
Max-Planck-Institut.
Veröffentlichungen u. a.:                   tur als einer in der Bewegung der Körper verankerten Wissenschaft entstehen.
Photo Archives and the Idea of
Nation (Mithg., 2015); Photo
Archives and the Photographic
Memory of Art History (Hg.,
2011); Gaetano Chiaveri
(1689 –1770) architetto romano
della Hofkirche di Dresda
(2006).
Wallstein Verlag
                                                                                Editionen      25   Herbst 2019

Giovan Pietro Bellori
Das Leben des François Duquesnoy &
Das Leben des Alessandro Algardi
Vita di Francesco di Quesnoy & Vita di Alesandro Algardi
                                                                                                    Ein faszinierender Einblick in
                                                Giovan Pietro Bellori                               das Rom der Mäzene, Sammler
                                                Das Leben des François Duquesnoy &                  und Gelehrten, in Kirchen und
                                                Das Leben des Alessandro Algardi                    Paläste Italiens und in die
                                                Vita di Francesco di Quesnoy &                      Lebensumstände der Bildhauer
                                                Vita di Alesandro Algardi                           im 17. Jahrhundert.
                                                Hg., kommentiert und mit Essays
                                                versehen von Regina Deckers und
                                                Frank Martin (†)
                                                Aus dem Italienischen übersetzt
                                                von Frank Martin (†)
                                                Giovan Pietro Bellori: Le vite de’
                                                pittori scultori ed architetti moderni.
                                                Die Lebensbeschreibungen der modernen
                                                Maler, Bildhauer und Architekten, Bd. 7.
                                                Hg. von Elisabeth Oy-Marra,
                                                Tristan Weddigen und Anja Brug
                                                Italienisch-Deutsche Ausgabe
                                                ca. 272 S., ca. 30, z. T. farbige Abb., geb.
                                                ca. € 24,– (D); € 24,70 (A)
                                                ISBN 978-3-8353-3497-7
                                                September   WG 1582

                                                                                                    Die Herausgeber
                                                                                                    Frank Martin (1961–2014) stu-
                                                                                                    dierte Rechtswissenschaften,
                                                                                                    Kunstgeschichte, Klassische
   Mit der Entscheidung, die beiden Bildhauer François Duquesnoy (1597–1643)                        und Christliche Archäologie
                                                                                                    sowie Latinistik in Heidelberg.
   und Alessandro Algardi (1598–1654) in seine Lebensbeschreibungen zeit­                           Nach seiner Promotion war er
   genössischer Künstler aufzunehmen, bekräftigte Giovan Pietro Bellori seinen                      Stipendiat am Kunsthistori-
   persönlichen Vorzug des klassischen Ideals – gegenüber den umwälzenden                           schen Institut in Florenz und an
   Entwicklungen, die sich in der Kunstmetropole Rom unter dem Einfluss Gian                        der Bibliotheca Hertziana,
   Lorenzo Berninis (1598–1680) vollzogen. In Gestalt des Flamen Duquesnoy,                         ab 2001 Leiter der Arbeitsstelle
                                                                                                    für Glasmalereiforschung an
   der vor allem als Schöpfer charmant-natürlicher Putten berühmt werden sollte,
                                                                                                    der Berlin-Brandenburgischen
   wetteiferte ein Meister des »zarten und feinen Stils« um die Gunst des Publi­                    Akademie der Wissenschaften
   kums. Der Bologneser Algardi vereinte in seinen Skulpturen Pathos mit seiner                     in Potsdam. Er habilitierte sich
   Schulung an der Antike und wirkte wegweisend für die Entwicklung des                             mit einer Arbeit über Camillo
   Altarreliefs in Rom.                                                                             Rusconi und lehrte ab 2012 als
       Bellori schildert in diesen Viten die gesellschaftlichen Vernetzungen zwi­                   Honorarprofessor am Kunst­
                                                                                                    historischen Institut der FU
   schen Künstlern, Auftraggebern und Gelehrten sowie Orten des künstlerischen                      Berlin.
   Studiums und Austauschs. Er zeichnet so ein anschauliches Bild von der
                                                                                                    Regina Deckers studierte
   »Hauptstadt des Barock« und vermittelt zugleich einen profunden Eindruck
                                                                                                    Kunstgeschichte sowie Alte
   von der Vielfalt dieses Stilphänomens in der Plastik.                                            Geschichte und Mittelalterliche
                                                                                                    Geschichte in Düsseldorf. Seit
                                                                                                    2015 ist sie Mitarbeiterin der
                                                                                                    Fotothek in der Bibliotheca
                                                                                                    Hertziana.
                                                                                                    Forschungsschwerpunkte u. a.:
                                                                                                    Plastik des 17. und 18. Jahrhun-
                                                                                                    derts in Italien, Deutschland
                                                                                                    und Österreich; Stillleben.
Wallstein Verlag
                    Herbst 2019    26     Geschichte

                                        Alexander von Humboldt
                                        Minerale und Gesteine
                                        im Museum für Naturkunde Berlin

Humboldts Mineralien-
sammlungen bieten einen
neuen Blick auf einen der
größten deutschen Natur­
forscher.

  250. Geburtstag –                                                                           Alexander von Humboldt
  Humboldt-Jahr 2019                                                                          Minerale und Gesteine
                                                                                              im Museum für Naturkunde
                                                                                              Berlin
                                                                                              Herausgegeben von
                                                                                              Ferdinand Damaschun
                                                                                              und Ralf Thomas Schmitt
                                                                                              ca. 424 S., ca. 470 farbige Abb.,
                                                                                              Klappenbroschur
                                                                                              ca. € 34,90 (D); € 35,90 (A)
                                                                                              ISBN 978-3-8353-3582-0
                                                                                              auch als E-Book
                                                                                              Juni   WG 1559

Die Herausgeber
Ferdinand Damaschun,
geb. 1950, studierte Kristallo-           Der Naturforscher Alexander von Humboldt studierte von 1791 bis 1792 an
graphie an der HU Berlin und
wurde 1980 promoviert. Seit
                                          der Bergakademie Freiberg. Seit dieser Zeit sammelte er Minerale und
1974 ist er im Museum für                 Gesteine, zunächst als Bergbeamter in Franken, später auf seinen Reisen nach
Naturkunde tätig, zunächst als            Amerika, Italien und Russland. Vieles davon gab er in das Preußische König­
wissenschaftlicher Assistent              liche Mineralienkabinett weiter, einem der Vorläufer des heutigen Museums
später als Kustos, Leiter der             für Naturkunde Berlin. Über 1.100 Minerale und Gesteine von Humboldt
Abteilung Ausstellung und
                                          gelangten so in die Museumssammlung. Humboldt selbst hat dem Gesammelten
öffentliche Bildung und zuletzt
als Stellvertreter des General­           einen »langdauernden Werth« zugemessen.
direktors. Er ist seit seiner                 Die Museumsmitarbeiter Ferdinand Damaschun und Ralf Thomas Schmitt
Pensionierung 2015 ehrenamt­              haben zusammen mit Cettina Rapisarda, Carsten Eckert und Renate Nöller
licher Mitarbeiter des Museums            diese Minerale und Gesteine erstmals umfassend bearbeitet. Entstanden ist so
und Autor verschiedener Ver­              ein reich bebildertes Buch über Alexander von Humboldt als Sammler von
öffentlichungen zur Geschichte
des Museums und der Minera-
                                          Mineralen und Gesteinen, in dem die Autorinnen und Autoren aus ihrer
logie.                                    jeweiligen Sichtweise die Geschichte seiner Objekte in allgemeinverständ­
                                          licher Form erzählen.
Ralf Thomas Schmitt, geb. 1965,
studierte Mineralogie und
Planetologie an den Universitä-
ten Würzburg und Münster und
wurde 1995 promoviert. Er ist
seit 1994 wissenschaftlicher
Mitarbeiter am Museum für
Naturkunde Berlin und als
Kustos für die Mineralogische
Sammlung tätig.
Wallstein Verlag
                                                                        Geschichte   27   Herbst 2019

Margit Reiter
Die Ehemaligen
Der Nationalsozialismus und die Anfänge der FPÖ

                                                                                          Die erste umfassende Studie
                                                                                          zu den personellen und ideo­
                                                                                          logischen NS-Kontinuitäten in
                                                                                          der 1956 gegrün­deten FPÖ.

                                                       Margit Reiter
                                                       Die Ehemaligen
                                                       Der Nationalsozialismus
                                                       und die Anfänge der FPÖ
                                                       ca. 350 S., ca. 10 Abb.,
                                                       geb., Schutzumschlag
                                                       ca. € 28,– (D); € 28,80 (A)
                                                       ISBN 978-3-8353-3515-8
                                                       auch als E-Book
                                                       September           WG 1557

   Nach Kriegsende blieben zahlreiche überzeugte Nationalsozialisten ihrer                Die Autorin
   Gesinnung treu und bewegten sich in einem gemeinsamen sozialen und poli­               Margit Reiter, geb. 1963, ist
   tischen Erinnerungsmilieu. Viele dieser »Ehemaligen« organisierten sich bald           Dozentin für Zeitgeschichte an
   wieder politisch und vertraten selbstbewusst ihre Agenda. In Österreich for­           der Universität Wien und Pro-
   mierten sie sich vor allem im Verband der Unabhängigen (VdU) und in der                jektleiterin mehrerer FWF-Pro-
                                                                                          jekte. Fellowships u. a. am Zen­
   1956 gegründeten Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ).
                                                                                          trum für Holocaust-Studien am
       Margit Reiter zeichnet in ihrem Buch erstmals diesen politischen Formie­           Institut für Zeitgeschichte Mün-
   rungsprozess der »Ehemaligen« nach. Die Autorin zeigt die personellen wie              chen; Bruno Kreisky-Anerken-
   auch ideologischen Kontinuitäten zum Nationalsozialismus in der FPÖ an­                nungspreis für das politische
   schaulich auf und unterzieht die politische Karriere des Parteigründers und            Buch 2006.
   vormaligen NS-Funktionärs Anton Reinthaller einer kritischen Analyse.                  Veröffentlichungen u. a.:
                                                                                          Europa und der 11. September
       Die Studie von Margit Reiter gibt einen tiefen Einblick in das Binnenmilieu
                                                                                          2001 (Mithg., 2011); Die Genera-
   der »Ehemaligen« und ihren vielfältigen Verflechtungen mit der freiheitlichen          tion danach. Der Nationalsozia-
   Partei. Die erste umfassende Geschichte zur (frühen) FPÖ und ihrem Verhält­            lismus im Familiengedächtnis
   nis zum Nationalsozialismus füllt nicht nur eine eklatante Forschungslücke,            (2006/2018); Unter Antisemitis-
   sondern ist auch von hoher politischer Aktualität.                                     mus-Verdacht. Die österreichi-
                                                                                          sche Linke und Israel nach der
                                                                                          Shoah (2001).
Wallstein Verlag
                   Herbst 2019    28      Geschichte

                                       Sandra Schnädelbach
                                       Entscheidende Gefühle
                                       Rechtsgefühl und juristische Emotionalität
                                       vom Kaiserreich bis in die Weimarer Republik
Der Stellenwert von Emotionen
in der deutschen Rechtskultur
um 1900.

                                                                                             Sandra Schnädelbach
                                                                                             Entscheidende Gefühle
                                                                                             Rechtsgefühl und juristische
                                                                                             Emotionalität vom Kaiserreich
                                                                                             bis in die Weimarer Republik
                                                                                             ca. 432 S., ca. 10 Abb.,
                                                                                             geb., Schutzumschlag
                                                                                             ca. € 34,– (D); € 35,– (A)
                                                                                             ISBN 978-3-8353-3568-4
                                                                                             auch als E-Book
                                                                                             September   WG 1555

Die Autorin                               Darf ein Richter beim Urteilen sein Gefühl zurate ziehen? Soll er es gar? Wäre
Sandra Schnädelbach,                      ein rein logisches Urteilen ohne emotionale Anteile überhaupt möglich? Diese
geb. 1984, ist Historikerin,              Fragen wurden um 1900 kontrovers diskutiert, wobei ein Begriff stets im
Germanistin und Medienwissen-             Zentrum stand: das Rechtsgefühl.
schaftlerin. Sie ist wissen-                  Sandra Schnädelbach zeigt, dass dem Narrativ von der juristischen Ratio­
schaftliche Mitarbeiterin am
                                          nalität ein ebenso verbreitetes Narrativ juristischer Emotionalität zur Seite
Institut für die Geschichte der
Gefühle am Max-Planck-Institut            stand. Insbesondere am Rechtsgefühl entzündeten sich hitzige Debatten:
für Bildungsforschung Berlin              Erkenntnisse aus neuen Leitwissenschaften wie der experimentellen Psycho­
sowie Mitarbeiterin in dem                logie, mediale Entwicklungen, neue Geschlechterbilder sowie eine gesell­
ERC-Projekt »BodyCapital« an              schaftliche Polarisierung waren Faktoren, die das Reden über juristisches
der Université de Strasbourg.             Fühlen prägten und so auch auf die juristische Praxis Einfluss nahmen.
Veröffentlichung u. a.:
                                          In einer Zeit, in der die bürgerliche Elite wie auch Recht und Justiz in eine
Recht Fühlen (Mithg. 2017).
                                          Legitimationskrise gerieten, erwies sich das Rechtsgefühl als wirkungsvolle
                                          Begründung für Ansprüche unterschiedlichster politischer Stoßrichtungen.
                                              Schnädelbach untersucht, welches Wissen über Gefühle, welche Regeln
                                          und Praktiken den Umgang mit Emotionen in der Justiz von Kaiserreich und
                                          Weimarer Republik formten und wie diese sich an der Schwelle zum 20. Jahr­
                                          hundert veränderten.
Wallstein Verlag
                                                                        Geschichte   29   Herbst 2019

Sophie Schönberger
Was heilt Kunst?
Die späte Rückgabe von NS-Raubkunst
als Mittel der Vergangenheitspolitik
                                                                                          Nach dem Fall Gurlitt:
                                                                                          Ein Beitrag, der die Rück-
                                                                                          gabe von Kunst als sozialen
                                                                                          Prozess beschreibt.

                                                      Sophie Schönberger
                                                      Was heilt Kunst?
                                                      Die späte Rückgabe von
                                                      NS-Raubkunst als Mittel
                                                      der Vergangenheitspolitik
                                                      ca. 272 S., ca. 20 Abb.,
                                                      geb., Schutzumschlag
                                                      ca. € 19,90 (D); € 20,50 (A)
                                                      ISBN 978-3-8353-3528-8
                                                      auch als E-Book
                                                      Juli   WG 1556

   Nicht erst seit dem Fall Gurlitt gelangt mit der Restitution von NS-Raubkunst          Die Autorin
   ein vermeintlich abgeschlossener Teil der Vergangenheitsaufarbeitung wieder            Sophie Schönberger, geb. 1979,
   mit Wucht in die gegenwärtige Debatte. Über Bedingungen und Modalitäten                ist Inhaberin des Lehrstuhls
   wird weiter intensiv gestritten, ohne dass dabei der Akt der Wiedergut­                für Öffentliches Recht an der
   machung als sozial anspruchsvoller Rückgabeprozess verstanden wird.                    Universität Düsseldorf. Sie
                                                                                          forscht zum Kunst- und Kultur-
      Sophie Schönberger entfaltet in ihrem Buch die These, dass dieses Zurück­
                                                                                          recht.
   geben nur als bewusste vergangenheitspolitische Maßnahme eingesetzt                    Veröffentlichung u. a.:
   werden kann, die einer aktiven narrativen Einbettung auf der Seite der Zurück­         Batik in Bethlehem, Hikaye in
   gebenden bedarf. Dabei geht sie vor allem der Frage nach, welche besondere             Hannover: Der rechtliche Schutz
   Funktion gerade die Rückgabe von Kunst erfüllt, da Kunstwerke sich zwar                des Kulturerbes zwischen
   einerseits in spezieller Weise als vergangenheitspolitische Projektionsfläche          kulturellem Internationalismus
                                                                                          und nationaler Identität (2014).
   eignen, historische Wunden aber nicht nur heilen, sondern auch aufreißen
   können. Damit leistet das Buch einen Beitrag zu einer Debatte, die auch die
   Rückgabe ethnologischer Objekte an ehemals kolonisierte Staaten berührt.
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