Licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

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Licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen
licht.wissen
Licht für Museen und Ausstellungen
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Licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen
licht.wissen   18   Licht für Museen und Ausstellungen

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Licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen
Editorial
Licht als Material, Medium oder Thema von Kunstwerken beschäftigte Generationen von
Künstlern und Künstlerinnen in vielfältiger Weise – von Vermeer über Monet bis zu Dan
Flavin lassen sich verschiedenste künstlerische Ansätze finden. Und auch zahlreiche
kunstwissenschaftliche Publikationen sind zu dem Thema „Licht in der Kunst“ veröffent-
licht worden. Doch für Museumsdirektoren und Ausstellungskuratoren geht das Inter-
esse an dem Umgang mit Licht meist über eine inhaltliche Auseinandersetzung inner-
halb des Kunstwerks hinaus.

So ist auch die Beleuchtung von Kunst stets eine zentrale Frage im Rahmen ihrer Prä-
sentation. Nicht nur unterstützt die Beleuchtung eine gewisse Atmosphäre, sie schafft
auch Aufmerksamkeit und lenkt den Blick. Gelungen ist sie meist dann, wenn die Kunst
in vollem Glanz erstrahlt, ohne dass der Besucher die Lichtsetzung unmittelbar be-
merkt. Hierbei müssen neben ästhetischen Aspekten insbesondere konservatorische
Vorgaben beachtet werden. Die Präsentation von Gemälden, Photografien, Skulpturen
oder archäologischen Fundstücken erfordert stets spezifische Lichtkonzepte. Photo-
grafie darf nur mit sehr geringen Luxwerten beleuchtet werden, wohingegen Skulpturen
aus verschiedenen Richtungen optimal ausgeleuchtet und damit regelrecht modelliert
werden sollten, um ihre volle Wirkung im Raum zu entfalten.

Um für den Betrachter von Kunst das ganz besondere und auratische Erlebnis perfekt
zu inszenieren und die Kunstwerke in den richtigen Fokus zu rücken, muss also indivi-
duell und fallspezifisch auf Raumsituation, Medium und Ausstellungsort sowie Thema
eingegangen werden. Dies kann eine Herausforderung darstellen, die ganzheitliche
und technisch innovative Konzepte verlangt. Die mannigfachen Möglichkeiten, die es in
diesem Bereich gibt, aufzuzeigen, hat sich das vorliegende Heft der Reihe licht.wissen
verschrieben: „Licht für Museen und Ausstellungen“. Ausstellungsmacher, Kuratoren
und Lichtplaner finden hier wertvolle Informationen zu der Lichtgestaltung im Museum,
den technischen Voraussetzungen und Möglichkeiten. Von vertikaler Wandbeleuch-
tung über Licht für dreidimensionale Objekte bis zu Beleuchtungen im Außenbereich.
Vielseitig einsetzbare LED-Lichtquellen und -werkzeuge werden erklärt und ein effekti-
ves, nachhaltig energiebewusstes Lichtmanagement skizziert. Technisch ausgeklügelte
Tageslichtsysteme nach konservatorischen Kriterien zum Schutz wertvoller Kunstgegen-
stände runden das breitgefächerte Themenspektrum ab.

Ich wünsche Ihnen bei der Lektüre viele erhellende Erkenntnisse und Impulse.

Max Hollein
Direktor Städel Museum, Liebieghaus Skulpturensammlung
und Schirn Kunsthalle Frankfurt

                                           [Titelseite] Einstellbare Strahler mit Vorsatzlin-
                                           sen akzentuieren Exponate und geben ein span-
                                           nendes, differenziertes Lichtbild im funktionalen
                                           Raum. Städel Museum, Frankfurt am Main.

                                           [01] Deckenlichter betonen die übergroßen
                                           Ballons einer omnipräsenten Wandskulptur,
                                           die Jung und Alt gleichermaßen fasziniert.
                                           Museum GoMA, Brisbane, Australien.

                                                                                           3
Licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen
licht.wissen   18   Licht für Museen und Ausstellungen

                    Licht für Architektur
                    und Außenwirkung
                    Seite 06

                    Räume und
                    Ausstellungszonen
                    im Museum
                    Seite 08

                    Licht im Museum und
                    Ausstellungsraum
                    Seite 10

                    Licht für
                    Wechselausstellungen
                    Seite 12

                    Licht für vertikale
                    Flächen
                    Seite 14

                    Lichtwerkzeuge:
                    Wandflutung
                    Seite 16

                    Lichtwerkzeuge:
                    Akzentbeleuchtung,
                    Framing
                    Seite 18

                    Licht für
                    dreidimensionale
                    Objekte
                    Seite 24

                                              Aufbau einer LED-Leuchte

                    Licht-Spezial           LED-Lichtquellen, Lichtqualität und Wahrnehmung   Konservatorische Aspekte
                                            Seite 20                                          Seite 28

                                            a) Gehäuse mit
                                               Kühlkörper

4                                                      b) LED-Platine

                                                                        c) Optik
Licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen
Licht für Vitrinen
                                                   Seite 26

                                          Lichtwerkzeuge:
                                              Lichtdecken
                                                  Seite 32

                                                 Licht für
                                            Ausstellungen
                                                im Freien
                                                 Seite 36

                                                  Licht für
                                                 Fassaden
                                                  Seite 38

                                              Dynamische
                                             Inszenierung,
                                                Lichtkunst
                                                  Seite 42

                                       Licht für interaktive
                                            Ausstellungen
                                                   Seite 44

                                        Energieeffiziente
                                     Sanierungskonzepte
                                                Seite 46

                                            Schriftenreihe
                                              Impressum
                                                  Seite 50

Tageslichtsysteme   Lichtsteuerung    Lichttechnische Grundbegriffe
Seite 34            Seite 40          Seite 48

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Licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen
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Licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen
Licht für Architektur und Außenwirkung
Die internationale Museumslandschaft präsentiert sich enorm vielfältig. So unterschiedlich die Themen und
Schwerpunkte der Häuser, so abwechslungsreich sind auch Baustile und architektonische Besonderheiten der
Museumsgebäude. Architektur, Größe oder Standort – jedes Museum für sich ist individuell und einzigartig.

                                                    Museale Institutionen, die bedeutende       Hilfreich dabei ist eine klare, lichtgestützte
                                                    Kulturgüter bewahren und präsentieren,      Wegeführung, um Besuchern die Orientie-
                                                    unterstreichen ihren künstlerischen Rang    rung auf dem Gelände und im Gebäude
                                                    gerne durch eine repräsentative Archi-      zu erleichtern. Beleuchtete Skulpturen im
                                                    tektur. Sie erreichen damit einen hohen     Außenraum weisen schon aus der Ferne
                                                    Wiedererkennungswert. Der optimale          auf das Museum hin und erweitern die
                                                    Einsatz von Kunstlicht unterstützt dabei,   Ausstellung über das Gebäude hinaus.
                                                    die architektonischen Alleinstellungs-
                                                    merkmale hervorzuheben und das ge-          Architektur im städtischen Kontext
                                                    samte Gebäude repräsentativ in Szene        Sollen Museen oder Ausstellungen im
                                                    zu setzen.                                  städtischen Kontext hervorgehoben
                                                                                                werden, ist es essenziell, das Umfeld zu
                                                    Der „Bilbao-Effekt”                         beachten. In einer Kleinstadt mit mittelal-
                                                    Die Aufwertung von Orten durch das          terlichem Flair beispielsweise kann gezielt
                                                    Errichten architektonisch herausragender    auf die pittoreske alte Steinmauer des
                                                    Bauten nennt man den „Bilbao-Effekt“, in    Gebäudes ausgerichtetes Streiflicht für
                                                    Anlehnung an das besonders markante         die gewünschte Aufmerksamkeit sorgen.
                                                    und einzigartige Gebäude des Guggen-        In Großstädten hingegen, in denen das
                                                    heim-Museums in der nordspanischen          Niveau der Lichtreize viel höher ist, sollten
                                                    Stadt Bilbao, das nach einem Entwurf        maßgeschneiderte Beleuchtungskonzepte
                                                    des amerikanischen Architekten Frank        entwickelt werden. So könnte vielleicht
                                                    O. Gehry entstand. Städteplanerisch         eine weithin sichtbare vertikale Beleuch-
                                                    verwandelte Bilbao mit diesem spektaku-     tung die Blicke auf sich ziehen.
                                                    lären Neubau die Industriebrache eines
                                                    ehemaligen Hafenviertels in einen Ort       Außenwirkung durch Glasfassaden
                                                    kultureller Vielfalt.                       Glaselemente lassen zum einen viel Ta-
                                                                                                geslicht in das Gebäude und sorgen zum
                                                    Doch nicht nur die Architektur allein       anderen für Leichtigkeit und Transparenz.
                                                    sorgt für die gewünschte Aufmerksam-        Eine Trennung zwischen Innen und Außen
   [02] Undurchdringlichkeit und Offen-
   heit – der Blick auf die Innenstruktur des Ge-   keit, der urbane Lebensraum wird durch      wird bei diesem Gestaltungsansatz auf-
   bäudes durch das große, heller beleuchtete       Licht gleichfalls aufgewertet und es        gehoben. Er ermöglicht Blicke von außen
   Fenster in der sonst hermetischen Fassade        entstehen Identifikationsobjekte für die    ins Innere und motiviert potenziell Interes-
   weckt die Neugier der Passanten. Rauten-         Bürger einer Stadt. Durch ganzheitliche     sierte so zu einem Besuch des Museums.
   strauch-Joest Museum, Köln.
                                                    Beleuchtungskonzepte lassen sich aus        Nachts kann die hinter dem Glas vorhan-
   [03] Nähert man sich dem Gebäude,                Museumsbauten nächtliche Wahrzeichen        dene Fassade beleuchtet werden, was zu
   führt schon der erste Blick durch die            erschaffen, deren Wahrnehmung im            eindrucksvollen Durchsichteffekten führt.
   Glasfassade ins Innere. Die Trennung zwi-        öffentlichen Raum, zum Beispiel durch
   schen Innen und Außen wird aufgehoben.           temporäre Lichtinstallationen, noch ver-    Generell kommunizieren beleuchtete
   Rheinisches Landesmuseum, Bonn.                  stärkt werden kann.                         Fassaden dem Besucher ein offenes
                                                                                                Haus und wirken schon von Weitem sehr
   [04] Der außergewöhnlichen Architektur
   wird durch die Beleuchtung Leichtigkeit          Eingangssituation                           einladend. Durch beleuchtete Plakate
   verliehen. Oscar-Niemeyer-Kulturzentrum,         Der erste Eindruck ist entscheidend. Da-    oder Fahnen wird diese Geste zusätzlich
   Avilés, Spanien.                                 her sollte der Eingangsbereich einladend    verstärkt und die Aufmerksamkeit der vor-
                                                    gestaltet und von Weitem als solcher        beilaufenden Passanten geweckt.
   [05] Klassizismus trifft Moderne – auch
                                                    erkennbar sein. Licht spielt dabei atmo-
   lichttechnisch wird dieser Kontrast durch
   die gestaltenden Downlights an der Fas-
                                                    sphärisch eine wichtige Rolle, weckt das
   sade des Neubaus gelungen hervorgeho-            Interesse der Passanten und lädt sie zu
   ben. Villa Vauban, Luxemburg.                    einem Besuch des Museums ein.

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Licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen
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                                                 Wandbezogene Ausstellung
                                                                                                                              Wechsel-
                                                                                                   Vitrinen                   ausstellungen

                                                                                                 Flure/Treppen

                                                         Foyer und
                                                         Kassen                                  Ausstellung im Freien

         Museumsshop
                                                                                                Cafeteria

06

Räume und Ausstellungszonen im Museum
Dauer- oder Wechselausstellung, Vortragsraum oder Museumsshop. Um die Sehaufgaben von Besuchern
und Mitarbeitern in den unterschiedlichen Räumen optimal zu unterstützen, sollten auf den jeweiligen Zweck
abgestimmte Beleuchtungslösungen entwickelt werden.

                                                 Lichtplanung im Museum muss verschie-            Stromschienensysteme mit werkzeugfrei
                                                 denste Parameter beachten: Lichtdrama-           adaptierbaren Strahlern oder in die Decke
                                                 turgie, ergonomische und konservatori-           integrierte, kardanische Downlights mit
                                                 sche Aspekte, Richtlinien und Normen und         wechselbaren Optiken.
                                                 vieles mehr. Dieses Kapitel reißt wesentli-
                                                 che Planungsbereiche und Hauptaspekte            Licht für vertikale Flächen
                                                 der jeweiligen Lichtsituationen kurz an. Die     Neben zurückhaltender, diffuser Wandflu-
                                                 Folgekapitel spezifizieren die einzelnen         tung über Tages- oder Kunstlichtdecken
                                                 Museumsbereiche und gehen mit passen-            empfiehlt sich hier die Montage flexibel
                                                 den Beleuchtungslösungen ins Detail.             bestückbarer Stromschienen parallel zur
                                                                                                  Ausstellungswand. Daran adaptiert, er-
                                                 Licht im Museums- und Ausstellungsraum           möglichen flächig oder fokussiert abstrah-
                                                 Für Präsentation und Beleuchtung von             lende Lichtwerkzeuge Wandflutungen oder
                                                 Kunst gelten besondere Regeln. Um                kontrastreiche Hell-Dunkel-Zonen. Alter-
                                                 Werke optimal zu inszenieren, müssen             nativ können diese Funktionen auch über
                                                 viele Aspekte beachtet werden: Ist das           Einbau-Downlights erzielt werden.
                                                 Museum ein historisches Gebäude oder
                                                 ein tageslichtdurchlässiger Neubau? Gibt         Licht für dreidimensionale Objekte
                                                 es konservatorische Anforderungen? Mit           Skulpturale Werke brauchen raumbezo-
                                                 viel Fingerspitzengefühl muss ein Gesamt-        gene Lichtkonzepte. An Wand, Boden oder
                                                 beleuchtungskonzept erstellt werden, das         Decke platzierte Spots und Leuchten für
                                                 verfügbare Lichttechnik optimal einsetzt.        gerichtete Seitenlichter (Modelling) können
                                                                                                  Brillanz und Dreidimensionalität der Expo-
                                                 Licht für Wechselausstellungen                   nate unterstreichen und ihre Materialität
                                                 Temporäre Ausstellungen fördern Attrak-          betonen. Konservatorische Aspekte sind
     [06] Grafische Darstellung unterschiedli-
                                                 tivität und Besucherzahlen. Je nach              dabei ebenso zu berücksichtigen wie Blick-
     cher Bereiche in einem Museum. Das Licht
     muss spezifische Bedürfnisse verschie-      Ausstellungskonzept erfordern sie flexible       achsen, Sockelflächen und Wege im Raum.
     denster Personen in den Funktions- und      Beleuchtungslösungen. Gut geeignet               Besucher sollten sich frei bewegen können
     Ausstellungsbereichen erfüllen.             für Wechselausstellungsbereiche sind             und nicht geblendet werden.

8
Licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen
Schaudepot
                                                                            Depot

                             Dreidimensionale Objekte                                                                      Werkstatt
                                                                                       Büro
       Bibliothek
       und Studienraum

                                                                                                                                    © licht.de
                                                Vortragsraum

Licht für Vitrinen                              leuchten müssen in das ästhetische Zusam-       Je anspruchsvoller die Sehaufgabe, desto
Besonders wertvolle oder kleine, empfind-       menspiel von Architektur und Ausstellungs-      höher die Beleuchtungsanforderung, auch
liche Objekte werden geschützt in Vitrinen      geschehen integriert werden.                    in den ruhigen, separierten Studienräumen,
präsentiert. Die Beleuchtung sollte entwe-                                                      wo besondere Dokumente aus Beständen
der spiegelungsfrei von außen erfolgen          Vortragsraum                                    und Archiven eingesehen werden können.
oder durch miniaturisierte und einstellbare     Multifunktional ausgestattete Veranstal-        Hier sind nach DIN EN12464-1 mindestens
LED-Leuchten oder Lichthauben blendfrei         tungsräume benötigen situationsgerechte         200 Lux bei den vertikalen Beleuchtungs-
von innen.                                      Lichtszenen. Präsentationsflächen sollten       stärken auf den Regalvorderseiten sowie
                                                mindestens die 1,5-fache Beleuchtungs-          Buch- und Dokumentenrücken einzuhalten.
Licht für Ausstellungen im Freien               stärke des Raumes aufweisen, das heißt, bei     Lesebereiche sollten mit 500 Lux ausge-
Archäologische Ausgrabungsstätten,              einer Raumbeleuchtungsstärke von 500 Lux        leuchtet werden.
Technikparks oder Skulpturengärten: Licht-      sollten die Vortrags- und Präsentationsberei-
starke Außenraum-Beamer, fest installierte      che mit mindestens 750 Lux ausgeleuchtet        Depot und Schaudepot
Strahler oder Bodeneinbauleuchten setzen        werden. Konzentrationsfähigkeit, Aufnahme-      Für einfache Arbeiten in Magazin, Depot
bei Dunkelheit neue Wahrnehmungsak-             vermögen und Kommunikationsbereitschaft         oder Archiv wird weniger Licht benötigt,
zente. Die Lichtquelle wird dabei immer         erhöhen sich damit signifikant.                 als beim Umgang mit kleinteiligem Lager-
betrachterabgewandt oder mit Blend-                                                             gut oder für Leseaufgaben (Beschriftun-
schutzvorrichtungen versehen montiert.          Cafeteria und Museumsshop                       gen, Formularerfassung). Hier sind relativ
                                                Cafeteria und Museumsshop gehören               hohe Beleuchtungsstärken wichtig. Viele
Foyer und Kassen                                zum Museumserlebnis. Besucher lieben            Museen öffnen ab und zu ihre Depots, um
Eingangsbereiche sind die Visitenkarte des      hochwertig ausgestattete Museumscafés           die dort „verborgenen“ Schätze zugäng-
Hauses. Foyers mit architektonisch reprä-       und den Erwerb kunstnaher Souvenirs.            lich zu machen. Dann sollten die Qualitäts-
sentativer, harmonischer Lichtatmosphäre        Downlights oder dekorative, blendfreie Pen-     anforderungen für die Beleuchtung von
signalisieren einen freundlichen Empfang.       delleuchten tragen zu einer angenehmen,         Ausstellungsräumen gelten.
Nach DIN EN12464-1 mit 500 Lux blendfrei        anregenden und erholsamen Atmosphäre in
ausgeleuchtete Arbeitsbereiche an Kassen        der Cafeteria bei. Im Museumsshop werden        Werkstatt
mit Bildschirmen sowie eine lichttechnisch      Bücher und Accessoires mit einem Mix aus        Werkstätten im Museum benötigen eine
transparente Wegeführung zu Ausstellungs-       direktem und indirektem Licht von Strahlern     funktionelle Arbeitsplatzbeleuchtung nach
räumen, Cafeteria oder Waschräumen ga-          oder Downlights gut ausgeleuchtet. Das          DIN EN12464-1 mit mindestens 500 Lux
rantieren hohe Funktionalität.                  erleichtert die Orientierung und motiviert      auf den Arbeitsflächen und eine Farbwie-
                                                zum Kauf.                                       dergabe von mindestens Ra 90 durch die
Flure und Treppen                                                                               Leuchtmittel.
DIN EN12464-1 für öffentliche Gebäude           Bibliothek und Studienraum
bestimmt für „Verkehrswege“ wie Flure           Die richtige Bibliotheksbeleuchtung schafft             Weitere Hinweise zur Beleuchtung
und Treppenhäuser mindestens 100 Lux            Übersicht, hilft beim Auffinden gewünschter     am Arbeitsplatz in licht.de Heft 04 „Gutes
Beleuchtungsstärke auf dem Bodenniveau.         Literatur, erleichtert das Lesen und prägt      Licht im Büro” und Heft 05 „Industrie und
Auch Sicherheits- und Rettungszeichen-          eine ruhige, leicht anregende Atmosphäre.       Handwerk“.

                                                                                                                                             9
Licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen
licht.wissen      18    Licht für Museen und Ausstellungen

Licht im Museums- und Ausstellungsraum
Beleuchtungskonzepte im Museum – ob für Dauer- oder Sonderausstellungen – sollten immer die kuratorische
Grundidee aufgreifen und sie lichttechnisch optimal unterstützen. Dabei sind ästhetische und gestalterische
Prinzipien ebenso wie architektonische und konservatorische Anforderungen zu berücksichtigen.

                                                Gute Lichtplanung beginnt mit der Aufga-         angepasst. Diffuse Grund- sowie spezifische
                                                benanalyse: Wie sind die architektonischen       Ausstellungsbeleuchtung sollten koordiniert
                                                Rahmenbedingungen? Wie sind die Energie-         eingesetzt werden, um ästhetisch wie wirt-
                                                kapazitäten? Ist der kontrollierte Einsatz von   schaftlich optimale Lösungen zu schaffen.
     [07] Konservatorische Lichtplanung fügt    Tageslicht gegeben? Gibt es konservatori-
     sich ästhetisch in die denkmalgeschützte   sche Vorgaben? Die funktionale Museums-          Beleuchtungstechnisch unterscheidet man
     Architektur ein. Fresken der Kapelle der
                                                beleuchtung nach kuratorischen Maßgaben          architektonisch integrierte und additive
     Eleonora da Toledo im Palazzo Vecchio in
                                                ist bei Neubau wie Sanierung Teil des Bauge-     Lichtlösungen. Integrierte Lichtlösungen er-
     Florenz.
                                                schehens. Auch der gleichmäßige, vertikale       fordern eine enge Abstimmung mit bauaus-
     [08] Gerichtete Akzentbeleuchtung im       Lichteinfall auf die Wände muss genau            führenden Architekten oder Denkmalschutz.
     dunkel gehaltenen Raum setzt den Fokus     geplant werden. Lichtdecken und flächig          Additive Lösungen werden meist mit ange-
     auf die Exponate. Brandhorst Museum,       abstrahlende Leuchten erzeugen eine diffuse      bauten oder abgependelten Stromschienen
     München.
                                                Grundbeleuchtung im Ausstellungsraum.            für flexible Strahler umgesetzt. In beiden
                                                Besondere Ausstellungsbeleuchtungen              Fällen sollte geprüft werden, ob Ein- bzw.
     [09] Eine Lichtdecke schafft für Gemäl-
     degalerien ideales, gleichmäßiges Licht    werden vom Ausstellungsgestalter sowie Ku-       Anbaubaupunkte zu erwartende Lasten
     im Raum. Germanisches Nationalmuseum       rator, der Technik oder dem Restaurator des      tragen können und die Brandschutzanfor-
     Nürnberg.                                  Museums nach individuellen Anforderungen         derungen erfüllt sind.

                                                                                                 Projektprozess Licht für
                                                                                                 Museen und Ausstellungen
                                                                                                 Zum Prozess der Planung einer guten Museums- und
                                                                                                 Ausstellungsbeleuchtung gehört, dass alle Beteiligten von
                                                                                                 Anfang an vollständig in das Ausstellungskonzept invol-
                                                                                                 viert werden. Je nach Örtlichkeit, Aufgabenstellung und
                                                                                                 Anwendung müssen die einzelnen Schritte differenziert
                                                                                                 umgesetzt werden. Einzelne Punkte müssen gegebenen-
                                                                                                 falls mehrfach überprüft, modifiziert und abgearbeitet
                                                                                                 werden. Folgende Schritte sind im Lichtplanungsprozess
                                                                                                 besonders zu bedenken:
                                                                                                 ▪ Bedarfsbudget-Ermittlung der geforderten Beleuch-
                                                                                                   tungslösung
                                                                                                 ▪ Erstellung Gesamtkonzept Beleuchtung (unter
                                                                                                   Berücksichtigung architektonischer Gegebenheiten,
                                                                                                   Tageslicht, Ausstellungs- und Lichtkonzept)
                                                                                                 ▪ Bemusterung
                                                                                                 ▪ Kostenplanung inklusive Montage
                                                                                                 ▪ Entscheidung aufgrund
                                                                                                   - kuratorischer
                                                                                                   - lichtplanerischer
                                                                                                   - konservatorischer
                                                                                                   - energieeffizienter
                                                                                                   - und wirtschaftlicher Aspekte
                                                                                                 ▪ Ausführung, Justierung, Übergabe und Bauabnahme
07

10
White Cube versus Black Box                   Bestimmten Grundmustern folgend, erfor-         Bühnentechnik zur Anwendung, vor allem
Der Charakter der Lichtplanung kann von       dern Ausstellungen in der Regel ähnliche        Akzentstrahler. Aus dem Dunkel heraus
zwei extremen Raumkonzepten bestimmt          lichttechnische Notwendigkeiten. Dabei          leuchtende Vitrinen überhöhen die Expo-
werden: „White Cube“ und „Black Box“.         kommt es selten zu reinen idealtypischen        nate. Der Ausstellungsraum selbst tritt in
Die Black Box „löscht“ mit der Dunkel-        Lösungen. Häufiger sind am Projekt als          den Hintergrund.
heit den Blick auf den physischen Raum.       Ganzem orientierte Kombinationslösungen:
Exponate, Figuren, statische und bewegte                                                      Ausstellungstyp Galerie – Vorwiegend
Bilder wirken prominenter. Auch in extrem     Ausstellungstyp Historischer Raum – Räume       serielle Präsentation von Exponaten ohne
reduzierter, fokussierter Lichtdosierung      in originaler Erhaltung und Ausstattung         Hervorhebung einzelner Objekte
erscheint alles sehr deutlich. Die ­Objekte   Die Beleuchtung kann hier durch abgepen-        Die Atmosphäre ist unaufdringlich. Tages-
erlangen als Unikate monumentale Wir-         delte Leuchten mit einem Direkt-Indirekt-       licht-Oberlichter spenden gleichmäßige,
kung. Die „szenografische“ Black Box          Anteil zur Anstrahlung der Decke realisiert     fast schattenlose Helligkeit. Architektur und
tendiert zur Reduktion, vermittelt Stille     werden, oder durch freistehende Leuchten,       Dimensionen des Raumes bleiben sichtbar
und Innenschau.                               die, gut abgeschirmt, die Exponate von der      und erlebbar.
                                              Seite beleuchten. In diesen Räumen gibt es
Im White Cube wirken einfachere Parame-       häufig auch Tageslichtdecken oder künstli-      Weitere Varianten bestehen in der vertikal
ter. Der Präsentationsrahmen ist neutral,     che Lichtdecken. Tageslicht sollte allerdings   gleichmäßigen Ausleuchtung von Hänge-
sachlich, eingegrenzt. Die Kunst wirkt für    auf die konservatorischen Werte gefiltert       wänden oder in der Hervorhebung serieller
sich, Werke werden gleichmäßig ausge-         werden.                                         Exponate durch Akzentbeleuchtung. Auch
leuchtet. Bilder und Wände ergeben eine                                                       die Kombination beider Beleuchtungsarten
homogene Einheit, dem Besucher vermit-        Ausstellungstyp Inszenierung – Konfigura-       mit einem Helligkeitsschwerpunkt auf der
telt sich ein heller, weiter, ruhiger Raum-   tion für eine komplexe Gesamtwirkung            vertikal beleuchteten Wand in Augenhöhe
eindruck. Im White Cube werden vor allem      Exponate werden in weitgehend abgedun-          ist möglich.
moderne Kunst und Rauminstallationen          kelten Räumen inszeniert. Dabei kommen
präsentiert.                                  lichttechnische Erfahrungen aus der

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licht.wissen       18    Licht für Museen und Ausstellungen

Licht für Wechselausstellungen
Um regelmäßig ein breiteres Publikum anzuziehen, zeigen viele Museen parallel zu den Dauerausstellungen ihrer
Sammlungsbestände auch attraktive Wechselausstellungen. Für Museumsbereiche mit immer wieder neuen
Exponaten sollten Beleuchtungslösungen daher möglichst so flexibel geplant werden, dass sie wechselnde
Anforderungen erfüllen können.

                                                  Wechselausstellungen bieten für Museen        das Beleuchtungsniveau aus konserva-
                                                  die Chance, neben dem Stammpublikum           torischen Gründen sehr weit abgesenkt
                                                  neue Zielgruppen zu gewinnen. Für be-         werden muss.
                                                  grenzte Zeit und mit Leihgaben kuratiert,
                                                  definieren Leihverträge die konservatori-     Alternativ zu den Stromschienen ist auch
                                                  schen Anforderungen für die Präsentation      die Verwendung von Einzelleuchten
                                                  im Museum. Für Licht- und Klimatechnik        denkbar, z.B. kardanisch frei ausrichtbare
                                                  gilt dabei immer mindestens der Standard      Einbau-Downlights. Fest in der Decke
                                                  der Dauerausstellung; nicht selten wird       installiert, lassen sie sich um bis zu
                                                  auch eine besondere technische Ausstat-       360° drehen und um ca. 30° schwenken
                                                  tung gefordert.                               (bei Richtstrahlern ist der Drehbereich
                                                                                                geringer). Raum- und Deckenansicht
                                                  Flexibilität                                  wirken ungestört und ruhig. Auch bei
                                                  Wechselausstellungen bedeuten mitunter        Downlights lässt sich der Ausstrahlwinkel
                                                  räumliche Veränderungen. Die Beleuch-         verändern. Das Auswechseln der Optiken
                                                  tungsanlage in den entsprechenden             und die Einstellung des gewünschten
                                                  Museumsbereichen sollte daher mög-            Schwenkwinkels sind etwas aufwendiger
                                                  lichst flexibel modifizierbar sein. Raumbe-   als bei Stromschienenstrahlern. Dauerhaft
                                                  leuchtungen schaffen durch Lichtdecken        installierte Downlights im Wechselausstel-
                                                  oder breitstrahlende Leuchten bereits         lungsbereich setzen außerdem eine gut
                                                  flächig-diffuse Lichtverhältnisse. Im Rah-    abgestimmte Planung bezüglich Archi-
                                                  men individueller Lichtkonzepte können        tektur und Ausstellungsanforderungen
                                                  zudem gezielt Akzente über gerichtetes        voraus.
                                                  Licht gesetzt werden. Technisch ­empfiehlt
                                                  sich hierfür eine anpassungsfähige            Oft wird die Einstellung für die „richtige
                                                  Infrastruktur mit Stromschienen unter der     Beleuchtung“ erst kurz vor der Ausstel-
                                                  Decke, an denen schnell und werkzeug-         lungseröffnung gefunden. Eine unkompli-
                                                  los schwenk- und drehbare Strahler an         zierte Handhabung der beschriebenen
                                                  jeder beliebigen Stelle montiert werden       Leuchten für eine flexible Ausleuchtung
                                                  können. Einige Stromschienen sollten für      der Exponate ist daher von großem Vor-
                                                  eine Wandbeleuchtung parallel zu den          teil. Für schwer zugängliche Stellen könn-
                                                  Wänden verlaufen, andere in rechtecki-        ten fernsteuerbar einzustellende Strahler
                                                  ger oder quadratischer Anordnung, um          die bedarfsgerechte Lösung sein.
                                                  alle Bereiche im Raum zu erreichen. Die
                                                  Schienen können dafür in die Decke ein-       Bei Wechsel-, Sonder- und Wanderaus-
     [10] Zurückhaltend in die Architektur        gelassen oder an der Decke montiert wer-      stellungen kommen oft mobile Stellwände
     integrierte kardanische Leuchten eignen      den. Auch eine Abhängung der Schienen         zum Einsatz, die über Wandausleger mit
     sich durch ihre Flexibilität sehr gut für    über Drahtseile ist möglich.                  Strahlern eine zielgerichtete Beleuchtung
     Wechselausstellungen. Rheinisches Lan-
                                                                                                der Exponate ermöglichen. Der Abstand
     desmuseum, Bonn.
                                                  Die eingesetzten Strahler sollten mit         der Leuchte von der Stellwand sollte eine
     [11] Ein punktgenaues Ausrichten der         wechselbaren Optiken unterschiedliche         gute, akzentuierende Lichtverteilung
     Strahler lässt Exponate plastisch erschei-   Ausstrahlwinkel erzeugen können. Ein-         ermöglichen. Optimal für diese Lösung ist
     nen. K21, Düsseldorf.                        zeln dimmbare Strahler und eine flexible      eine in die Stellwand integrierte Elektrifi-
                                                  Lichtsteuerung ermöglichen die Anpas-         zierung, die über Bodentanksteckdosen
     [12] Parallel zur Wandfläche erlaubt die
     galerieartige Ausleuchtung der Bilder mit    sung der Beleuchtung für alle Arten von       oder Stromschienenadapter gespeist
     Strahlern an Wandauslegern einen blend-      Exponaten, auch für höchst lichtemp-          wird. So werden gefährliche Stolperfallen
     freien Blick. Photokina, Köln.               findliche Ausstellungsstücke, bei denen       vermieden.

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licht.wissen   18   Licht für Museen und Ausstellungen

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Licht für vertikale Flächen
Eine ideale und zugleich vielseitige Beleuchtung der Wände ist für viele
Museen eine der zentralen Herausforderungen. Ob akzentuiert oder
einheitlich, Kunstwerke sollten mithilfe der richtigen Beleuchtung passend
zum Ausstellungskonzept in Szene gesetzt werden.

Eine wandbezogene Beleuchtung im                flexibel umsetzbar. Sie schafft spannungs-
Museum wird in der Regel in enger Zu-           reiche Raumsituationen. Der Blick des
sammenarbeit mit dem jeweiligen Kurator         Betrachters wird durch Licht auf bestimmte
und Ausstellungsarchitekten entwickelt. Im      Gegenstände im Raum gelenkt, der Aus-
Grundsatz unterscheidet man zwei grund-         stellungsmacher entscheidet, wie er den
legend verschiedene Beleuchtungsstile.          Fokus steuert.

Die Wandflutung                                 Für dreidimensionale Objekte, zum Bei-
Die Wandflutung mit großflächig angeleg-        spiel Reliefe, gilt: Richtet man zwei oder
ter Beleuchtung wirkt tendenziell sachlich      mehr Strahler auf sie, werden Höhen- und
und neutral. Räume erscheinen ruhig, weit       Tiefenstrukturen optisch herausgearbeitet.
und hell. Sie bieten viel gleichberechtigte     Es entsteht ein räumlicher Blick auf das
Präsentationsfläche. Bilder hängen hier mit     Objekt.
der gleichen Gewichtung nebeneinander,
die Ausstellungsräume wirken verein-            Auf den folgenden Seiten werden beide
heitlicht, weniger individuell, universeller.   Ansätze detaillierter erklärt und die dazu-
Der Betrachter wird zum Interpreten des         gehörigen Lichtwerkzeuge vorgestellt. Eine
Gesehenen. Er entscheidet, wohin er seine       gute Lösung für viele Ausstellungen liegt
Aufmerksamkeit wenden möchte. Das               auch in der Kombination beider Stile. Das
Licht unterstützt ihn dabei.                    Zusammenspiel von Objektakzentuierung
                                                mit generalisierender Wandflutung schafft
Die akzentuierte Wandbeleuchtung und            ein besonderes Spannungsfeld im Raum.
eine ihrer Unterarten, das „Framing“.
Akzentuierung entsteht, wenn Objekte            Farbige Wände
im Raum gezielt heller leuchten als ihre        Farbige Wände als Gestaltungselement
Umgebung. Der Leuchtdichtekontrast              findet man häufig in Gemäldegalerien der
sollte – mit mindestens 5:1 – so gewählt        „Alten Meister“. Bewusst wird ein starker,
werden, dass Objekte besonders hervor-          dennoch farblich abgestimmter Kontrast
gehoben wahrgenommen werden. Eine               zwischen Wand und Bild gewählt, der har-
akzentuierende Beleuchtung ist durch            monisch wirkt. Auch für Ausstellungskon-
einfache Montage einzelner Strahler             zepte mit farbigen Wänden ist eine gleich-
innerhalb des gewählten Schienensystems         mäßige Wandflutung sehr gut geeignet.

    [13] Schienensysteme mit Leuchten in
    unterschiedlichen Ausstrahlwinkeln er-
    möglichen eine flexible Anpassung an die
    Exponate. Long Museum, Shanghai.

    [14] Akzentuiertes Licht auf die Reliefe
    an der Wand rechts lässt diese dreidimen-
    sional erscheinen. Fränkische Galerie,
    Kronach.

    [15] Große Meister entfalten ihre beson-
    dere Wirkung im gleichmäßigen Licht auf
    farbigen Wänden. Gemäldegalerie, Berlin.

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licht.wissen         18     Licht für Museen und Ausstellungen

Lichtwerkzeuge: Wandflutung
Bilder und Reliefe hängen oder stehen meist mit geringem Abstand vor
der Wand. Mit einer Wandflutung werden sie für den Betrachter in einem
hellen, harmonischen und sachlichen Umfeld präsentiert.

Für alle flachen, an der Wand exponierten                    Wandansatz bis zum Bodenniveau, wobei
Ausstellungsgegenstände ist die gleich-                      die wandnahen Bodenflächen nicht direkt
mäßige Ausleuchtung über eine flächige                       mitbeleuchtet werden (siehe Abbildung 18).
Wandbeleuchtung ideal geeignet. Sie
schafft neutrale Hintergründe, sodass Bild                   Großformatige Bilder
und Wand eine Einheit bilden können.                         Besonders für großformatige Kunstwerke
Sollen Objekte in sachlicher Atmosphäre                      eignet sich das Beleuchtungskonzept der
präsentiert werden, ist die Wandflutung                      Wandflutung optimal, da hier die Notwen-
das ideale Instrument. Vertikalen Flächen                    digkeit der einheitlichen Raumausleuchtung
wird so bewusst jede Dramatik genommen.                      in besonderer Weise zum Tragen kommt.
Nicht nur Bild und Wand sollen gleichwer-                    Bei kleinen Räumen, die von einer quadra-
tig wahrgenommen werden, sondern auch                        tischen Grundform abweichen, ist es sehr
alle im Raum gezeigten Kunstwerke. So                        wichtig, auf die korrekte geometrische An-
kann der Betrachter sich – unbeeinflusst                     ordnung von Leuchten und Lichtsystemen
von Akzentuierung und szenografischen                        zu achten. In der Regel sollte sie in der Form            16
Elementen – seinen eigenen Eindruck von                      der Grundfläche des Raumes entsprechen.
den Arbeiten verschaffen.                                                                                              tiefe, sondern auch eine wahrnehmbare
                                                             Eine gute Gleichmäßigkeit des Lichts auf                  räumliche Abgrenzung einzelner Ausstel-
Anwender nutzen für diese Beleuch-                           den Wänden kann - mithilfe von großen                     lungszonen zueinander. Der entstehende
tungsstrategie in der Regel Leuchten mit                     Leuchtflächen - auch durch Lichtdecken                    helle, ruhige Raumeindruck bildet den
asymmetrischer Lichtverteilung durch                         oder große, aufgesetzte Leuchten, die                     idealen Hintergrund für Kunstwerke und
entsprechende Linsenoptiken oder Reflek-                     Oberlichter simulieren, erzielt werden.                   andere Exponate; der Raum wirkt als
toren (siehe Abbildung 20). Die optimale                                                                               homogene Einheit. Durch die Reflexion
Positionierung von Wandflutern richtet sich                  Betonung der Architektur durch vertikale                  über die Wände sorgt die Wandflutung
immer konkret an der zu beleuchtenden                        Beleuchtung                                               zugleich für eine angenehme Helligkeit in
Wand aus. Qualitativ hochwertige, ent-                       Die Wandflutung schafft durch die Beto-                   der Raummitte und kann je nach Geo-
blendete Wandfluter verteilen das Licht                      nung der Flächigkeit der gefluteten Wände                 metrie des Raums als Beleuchtung sogar
nahezu komplett gleichmäßig vom oberen                       nicht nur eine explizite Weite und Raum-                  komplett ausreichen.

Lichtwerkzeuge im Vergleich: A) Leuchten für hell geflutete Wände
Für eine homogene Wandflutung [17-20] (siehe Abb. Anordnungsmethode) ist eine korrekte Anordnung der Leuchten, orientiert an Lichtverteilung und Raumgeometrie, wichtig. Es
gilt die Faustregel: Der Wandabstand „a“ der Wandfluter sollte ein Drittel der Deckenhöhe „h“ betragen. Der Leuchtenabstand zwischen den Leuchten „b“ entspricht in etwa dem
Wandabstand „a”. Er sollte das 1,5fache des Wandabstandes auf keinem Fall überschreiten. Eine Bemusterung vor Ort ist zu empfehlen und liefert die genauen Positionsangaben.

 Raumansicht                                 Seitenansicht                              Draufsicht                                  Lichtverteilungskurve Wandflutung
                                                                                                                                                                           105°
                                                                          Wand-
                                                                          abstand a                                   Wand-                                                  90°
                                                                                                                      abstand a
                                                         Decken-                                                                                                             75°
                                                         höhe h
                                                                                                                                                     800
                                                                                                                                                                             60°
                                                                                              Leuchtenabstand b
                                                                                                                                                    1200

                                                                                                                                                                            45°
                                                                                                                                                    1600

                                                                                                                                                    2000

                                                                                                                                     cd/klm         2400                   30°
  17                           © licht.de    18                           © licht.de     19                           © licht.de     20       15°     0°       15° ©   licht.de

                                                                                                                                                                       © licht.de
16
Ergänzung der Wandflutung durch Akzente                        zung. Einerseits sorgt die Wandflutung für                    Akzente lichttechnisch inszenieren und ver-
Eine Wand muss natürlich nicht grundsätz-                      eine homogene Grundhelligkeit im Raum                         leiht so dem Raum eine Lebendigkeit und
lich flächig beleuchtet sein. Je nachdem,                      und sichert so eine gute Erkennbarkeit der                    Rhythmik. Siehe dazu auch die Grafiken 21
wie man die vertikale Raumfläche lichttech-                    Exponate. Andererseits setzt der Einsatz                      bis 24.
nisch behandeln möchte, können Anwen-                          von gezielt gerichteten Strahlersystemen
der auf verschiedene Lichtwerkzeuge und                        mit höherer Beleuchtungsstärke Akzente in
Positionierungsmethoden zurückgreifen.                         Richtung lichtdramaturgischer Differenzie-
Für Ausstellungen, denen eine extreme Be-                      rung einzelner Kunstwerke oder stärkerer
schränkung auf das Konzept der Wandflu-                        Modellierung von Skulpturen.
                                                                                                                                  [16] Eine gleichmäßig helle Lichtvertei-
tung nicht gerecht wird, weil man sie als zu                                                                                      lung auf den Wänden verleiht der Präsen-
uniform erlebt, eröffnet die Kombination mit                   Selbstverständlich lässt sich auch die                             tation eine sachliche Atmosphäre. Saatchi
der Akzentbeleuchtung die ideale Ergän-                        eigentliche Wandabwicklung durch gezielte                          Gallery, London.

Lichtwerkzeuge im Vergleich: B) Leuchten für rhythmisch akzentuiert beleuchtete Wände
Sollen die Wände akzentuiert beleuchtet werden [21-24], kann dieses mit engstrahlenden Leuchten realisiert werden. Wandnah platzierte Downlights mit ihren vertikalen, aufeinanderfol-
genden Lichtkegelabschnitten, sogenannten „Scallops“, verleihen dem Raum eine besondere Lichtdynamik.

 Raumansicht                                   Seitenansicht                                 Draufsicht                                    Lichtverteilungskurve Akzentbeleuchtung
                                                                                                                                                                                    105°
                                                                                                              Wandabstand a
                                                                               Wandab-                                                                                               90°
                                                                               stand a
                                                                  Decken-                                                                                                            75°
                                                                  höhe h
                                                                                                                                                            800
                                                                                                                                                                                     60°
                                                                                                      Leuchtenabstand b                                     1200

                                                                                                                                                                                     45°
                                                                                                                                                            1600

                                                                                                                                                            2000

                                                                                                                                           cd/klm           2400                   30°
  21                            © licht.de      22                            © licht.de     23                             © licht.de     24       15°      0°        15°
                                                                                                                                                                             © licht.de

                                                                                                                                                                                © licht.de
                                                                                                                                                                                     17
licht.wissen       18     Licht für Museen und Ausstellungen

                                                                                                         Strahlung im
                                                                                                         Randbereich
                                                                                                         (Streulicht und
                                                                                                         Lampenanteil)

                                                                                                                              Halbstreuwinkel
                                                                                                                               Auch Halbwertswinkel /
                                                                                                                           Ausstrahlwinkel / Öffnungswinkel
                                                                                                                            = Hauptlichtanteil bis 50% der
                                                                                                                                 Maximallichtstärke

25                                                                                                     26

Lichtwerkzeuge: Akzentbeleuchtung, Framing
Eine weit verbreitete Art der Beleuchtung in Ausstellungen und Museen ist die Akzentbeleuchtung. Genau definierte
und fokussierte Lichtkegel heben die besonderen Vorzüge einzelner Exponate hervor. Sie werden im Vorfeld durch
Kuratoren und Ausstellungstechnik perfekt justiert.

                                                     Die Akzentbeleuchtung ist variabel einsetz-       betragen. Bei einem Kontrast von 1:20 sind
                                                     bar. Sie eignet sich zur Beleuchtung von          deutliche Akzente zu sehen, bei 1:100 wirkt
                                                     Bildern jeglicher Größe, zur Anstrahlung drei-    die Installation geradezu dramatisch, was
                                                     dimensionaler Objekte und zur Ausleuchtung        nur in sehr dunklem Umfeld möglich ist.
                                                     von Exponaten in Vitrinen. Die flexible Ak-
                                                     zentbeleuchtung im Museum kann unkompli-          Reflexblendung und Sehkomfort
                                                     ziert durch an Stromschienen adaptierbare         Auch der Sehkomfort der Beleuchtung trägt
                                                     Strahler erzeugt werden, die schnell an die       wesentlich zur Qualität des Ausstellungser-
                                                     jeweiligen Ausstellungsverhältnisse ange-         lebnisses bei. Enge Lichtkegel und abge-
                                                     passt werden können. Das spart Zeit und           schirmte Lichtaustrittsflächen minimieren die
                                                     langfristig auch Betriebs- und Beleuchtungs-      Direktblendung und störende Reflexblen-
                                                     kosten. Hilfreich bei der richtigen Strahler-     dungen.
                                                     auswahl sind Lichtverteilungskurven (anhand
                                                     von sogenannten „Polardiagrammen“ und             Halbstreuwinkel
                                                     „Kegeldiagrammen“) der Hersteller. Für Dau-       Der Halbstreuwinkel beschreibt den photo-
                                                     erausstellungen können auch Downlights,           metrisch relevanten Winkelbereich einer
                                                     besonders Richtstrahler, verwendet werden,        Lichtstärkeverteilung. Dieser Winkel entsteht
                                                     die die gleichen Effekte erzielen.                zwischen den beiden Punkten bei denen die
     [25, 26] Die DIN-Norm 5040-4:1999-04                                                              maximale Lichtstärke noch 50% beträgt. Der
     spricht hier von Halbstreuwinkeln. Für Strah-   Lichtwirkungen bei der Akzentbeleuchtung          Halbstreuwinkel definiert den Durchmesser
     ler und Reflektorlampen mit rotationssymmet-    Soll die Wandfläche akzentuiert beleuchtet        eines Lichtkegels, sagt aber nichts über die
     rischer Lichtstärkeverteilung gilt:             werden, so kann dieses mit engstrahlenden         Begrenzung von Streulicht und mögliche
     Engbündelnd: < 10°, Bündelnd: 10° bis 35°,
                                                     Leuchten (siehe auch Seite 17, Abb. 21-24)        Blendung aus.
     Breitstrahlend: > 35°
                                                     realisiert werden. Die vertikalen, aufeinander-
     [27] Die engen Ausstrahlwinkel der              folgenden Lichtakzente verleihen dem Raum         30° Museumswinkel
     Leuchten verursachen durch Hell-Dunkel-         durch ihren Hell-Dunkel-Verlauf auf der           Zur Gemäldeausleuchtung bietet sich eine
     Zonen eine starke Lichtdynamik im Raum.         Wand eine gewisse Lichtdynamik. Sie führen        „30°-Museumswinkel“-Konzeption an. Die
     Kunstmuseum, Göteborg.                          den Blick des Ausstellungsbesuchers und           geeignete Lichtquelle muss, je nach Bild-
                                                     bewirken seine ungestörte Konzentration auf       größe und Entfernung, nach Halbstreuwinkel
     [28] Lichtakzente heben die einzelnen
     Werke hervor und geben dem Raum eine            die Kunst. Interieur und Architektur spielen      und Lichtstärke ausgewählt werden, um die
     ordnende Struktur. Brandhorst Museum,           dabei nur eine sekundäre Rolle. Je enger die      erforderliche vertikale Beleuchtungsstärke
     München.                                        Lichtkegel, umso dramatischer ihre Wirkung,       für die auszuleuchtende Fläche zu gewähr-
                                                     je breiter, umso stärker werden Exponate          leisten. Hält der Planer die geometrische
     [29] Beim „Framing“ wird exakt aus-
                                                     auch als Teil des Raumes wahrgenommen.            Relation zwischen Lichtquelle und Exponat
     schließlich das Bild beleuchtet, der Rest des
     Raumes bleibt ausgespart. Die Kunstwerke        Damit ein Lichtkegel als Akzent ins Auge          ein, ist auch eine Betrachtung aus naher Dis-
     wirken dadurch, als ob sie von innen heraus     fällt, muss der Helligkeitsunterschied zwi-       tanz ohne störende Überlagerungsschatten
     leuchten würden. Musée Magritte, Gent.          schen Exponat und Umfeld mindestens 1:5           möglich (siehe Abbildungen 30 und 31).

18
27                                                           28                                                          29

             30° Museumswinkel
                                                                                      Blickfeld des Betrachters

30                                             © licht.de    31                                             © licht.de   32                                            © licht.de

Leuchten korrekt positionieren                               Reflexblendung vermeiden                                    Framing                                              © licht.de

Bei der Beleuchtung von Gemälden und Skulpturen [27,         Positioniert man zur Beleuchtung eines Bildes zwei          Framing als besonderes Highlight: [32] Begrenzt man
30] bietet sich das bewährte Prinzip des 30°-Museums-        Strahler jeweils seitlich [31], vermeidet man bei dessen    Lichtkegel exakt auf das Bildformat des Exponates,
winkels an, bei dem das Licht in einem Einfallswinkel von    Betrachtung nicht nur eine Reflexblendung auf dem           scheint das Bild eigenständig von innen heraus zu leuch-
30° auf das zu beleuchtende Objekt trifft. Ein steilerer     Exponat, sondern auch eine Verschattung des Bildes.         ten. Diesen Effekt nennt man Framing (engl. Einrahmung).
Einfallswinkel würde für ein zu starkes Streiflicht sorgen   Bei mit Glas gerahmten Bildern können Spiegelungen          Als Lichtwerkzeuge verwendet man hier Strahler mit
und folglich lange Schatten unterhalb des Bildrahmens        der Leuchten auf der Scheibe lästige Blendmomente           Konturenschiebern und Projektionslinsen. Die Wirkung
erzeugen. Bei größerer Distanz zwischen Leuchte und          bewirken und den Genuss der Betrachtung behindern.          kontrastreicher Hell-Dunkel-Szenen wird durch diese Art
Exponat wächst die Wahrscheinlichkeit einer störenden        Abgeschirmte Lichtaustrittsflächen, enge Lichtkegel und     der Beleuchtung besonders unterstrichen.
Schattenbildung durch den Betrachter auf dem Bild.           eine optimale Anordnung der Leuchten helfen dabei,
                                                             Reflexblendungen zu vermeiden.

                                                                                                                                                                            19
licht.wissen       18    Licht für Museen und Ausstellungen

LED-Lichtquellen, Lichtqualität und Wahrnehmung
Hochwertige LED-Lichtquellen sind unentbehrlich für die moderne Museumsbeleuchtung. Faktoren wie
gute Lichtausbeute, Farbtemperatur und Farbwiedergabe, Lebensdauer und Lichtverteilung sind wichtige
Voraussetzungen, um die spezifischen Anforderungen an gute Beleuchtung zu erfüllen.

                                                   Um sich für das richtige LED-Lichtsystem      wird beim Betrieb der Diode über Gleich-
                                                   in der optimal auf Beleuchtung und Betrieb    spannung Licht erzeugt, direkt oder durch
                                                   abgestimmten Qualität entscheiden zu          eine reflexive Auskopplung. Während
                                                   können, empfiehlt es sich, sämtliche Anfor-   herkömmliche Glühlampen immer ein kon-
                                                   derungen an die Beleuchtung im Vorfeld        tinuierliches Lichtspektrum aussenden,
                                                   zu definieren. Dabei spielen Parameter wie    lässt sich über eine LED Licht in einer
                                                   Lichtausbeute [lm/W], Farbwiedergabe,         ganz bestimmten Farbe emittieren. Sie ist
                                                   ähnlichste Farbtemperatur [CCT], Lebens-      im Wesentlichen abhängig vom verwen-
     [34] Die abgebildeten LED-Module              dauer, Betriebsweise, Lichtstromverhal-       deten Halbleitermaterial.
     eignen sich für vielfältige Anwendungen,      ten, Baugröße, Lichtverteilung, Binning,
     wie die Erzeugung linearer Lichtstrukturen,
                                                   Wartungsfaktoren, Lichterzeugungsprinzip
     die Akzentuierung von Exponaten oder die
     Ausleuchtung großer Raumflächen.              und die Umgebungsbedingungen eine
                                                   besonders wichtige Rolle.
     [35] Aufbau einer LED-Leuchte: Die an
     der LED-Platine entstehende Wärme muss        Dieses Kapitel konzentriert sich grundle-
     über das Gehäuse mit spezifischem Kühl-       gend auf die spezifischen Funktionsweisen
     körper abgeführt werden, damit Lichtquali-
                                                   und die Eigenschaften von LEDs. In Mu-
     tät und Langlebigkeit erhalten bleiben. Die
     Optik sorgt für Lichtlenkung und passen-      seen und Ausstellungen sind sie heute die
     den Abstrahlwinkel.                           wohl am häufigsten zum Einsatz kommen-
                                                   den modernen Lichtquellen.                    33
     [37] In der Praxis sind LEDs während                                                                                    © licht.de
     ihrer gesamten Einsatzzeit, abhängig
                                                   Das Grundprinzip der LED                      Photolumineszenz
     von der jeweiligen Anwendung, praktisch
     wartungsfrei. Die Einflussfaktoren auf die    LEDs (Light Emitting Diodes) bauen sich       Blaue LEDs können weißes Licht erzeu-
     einzelne LED können ebenfalls Auswirkun-      aus mehreren Halbleiterschichten (Lay-        gen, wenn man sie mit einer dünnen Phos-
     gen auf das gesamte LED-Modul haben.          ern) auf. In der jeweils aktiven Schicht      phorschicht versieht. Das energiereiche,

     LED-Module                                                              Aufbau einer LED-Leuchte
                                                                                Aufbau einer LED-Leuchte

                                                                             a) Gehäuse mit
                                                                                Kühlkörper

                                                                                          b) LED-Platine

                                                                                                           c) Optik

                                                                                                                      d) Abdeckscheibe
34                                                                      35                                                     © licht.de
                                                                                                                                       © licht.de

20
kurzwellige blaue Licht der LED bringt die      Dimmbarkeit in Kombination mit einem          auf die einzelne LED und auch auf das
Phosphorschicht zum Leuchten: Sie gibt          passenden Vorschaltgerät. Durch ihre          gesamte LED-Modul und dessen Lebens-
energieärmeres gelbes Licht ab. Ein Teil        kleinen Abmessungen sind LED-Leuchten         dauer haben.
des blauen Lichts wird hier also durch die      optimal für den Einsatz in der Museums-
wie ein Filter wirkende Phosphorschicht in      und Ausstellungsarchitektur geeignet. Sie     Die Temperaturentwicklung
weißes Licht umgewandelt. Je nach Do-           sind zuverlässig, schaltfest und reagieren    Wann immer Licht entsteht, entsteht auch
sierung des Phosphor-Farbstoffes können         sofort, zeichnen sich durch hohe Stoß-        Wärme. In der Regel wirkt sich diese
verschiedene Weiß-Töne entstehen, wie           und Vibrationsfestigkeit aus, emittieren      nachteilig auf Lebensdauer und Lichtstrom
Warmweiß, Neutralweiß oder Kaltweiß.            so gut wie keine UV- oder IR-Strahlung,       der LEDs aus. Daher ist es sehr wichtig,
                                                bieten eine hohe Farbwiedergabe und           schon bei der Konstruktion durch ein
                                                sind nachhaltig sowie quecksilberfrei.        Wärmemanagement mit entsprechenden
                                                                                              Kühlkörpern dafür zu sorgen, die entste-
                                                Einflussfaktoren auf Zuverlässigkeit und      hende Wärme gut abzuleiten. LED und
                                                Lebensdauer                                   Leuchtengehäuse (mit dem Kühlkörper)
                                                In Abhängigkeit der Anwendungssitu-           sollten also thermisch optimal miteinander
                                                ation und unter Berücksichtigung der          verbunden werden. Grundsätzlich gilt die
                                                Betriebsbedingungen sind LED-Systeme          Regel: Je kühler, desto höher die Lebens-
36                               © licht.de
                                                im Vergleich zu traditionellen Lichttech-     dauer und umso effizienter und heller das
                                                niken nahezu wartungsfrei, denn bei guten     Licht der LED.
Vorteile der LED-Technik                        Bedingungen können LEDs eine Lebens-
Im Vergleich zu anderen ­Lichttechnologien      dauer von 50.000 Stunden und mehr             LED-Module
bieten LEDs neben maximaler Zuver-              erreichen. Für eine lange Lebensdauer         LED-Module erzeugen Licht über Plati-
lässigkeit und Funktionalität auch unter        empfiehlt es sich, die Datenblätter mit den   nen, die mit Einzel-LEDs bestückt sind.
schwierigen Umgebungsbedingungen                entsprechenden Angaben zum Einsatz der        Je nach Beschaffenheit sind die Module
viele Vorteile. Anwender profitieren auch       LED-Leuchten zu beachten.                     bereits mit einer Optik zur Lichtlenkung
vom hohen wirtschaftlichen Nutzen durch                                                       und einem Kühlkörper ausgestattet. Mit
niedrigen Energieverbrauch, einer lan-          LEDs fallen im Vergleich zu anderen           ihrer ursprünglichen Optik verteilen LEDs
gen Lebensdauer bei hoher Effizienz             Lichtquellen nur äußerst selten aus. Es       das Licht in der Regel breitstrahlend in
und längeren Wartungsintervallen. Dabei         wird empfohlen, die typenbedingte Licht-      einem Halbstreuwinkel von 150°, der nicht
bieten sich vielfältige Designmöglichkei-       stromdegradation zu beachten und bei          für alle Anwendungsbereiche geeignet ist.
ten mit LEDs durch Lichtfarbenvielfalt,         der Planung zu berücksichtigen. In der        Justierbare optische Systeme ermöglichen
kompakte Abmessungen und Flexibilität           untenstehenden Grafik [37] werden Ein-        eine bessere Kontrolle der Lichtverteilung.
der Module, aber auch durch stufenlose          flussfaktoren dargestellt, die Auswirkungen   Sie können aus einer breit- auch eine eng-
                                                                                              strahlende Lichtverteilung machen.
     Einflussfaktoren auf die LED-Lebensdauer
                                                                                              Umdenken
Einflussfaktoren auf die LED-Lebensdauer                                                      Die Verwendung moderner LEDs in Leuch-
                                                                                              ten und optischen Systemen erfordert im
                                                                                              Vergleich zur Lichtplanung mit traditionel-
                                                                                              len Lichtquellen einen anderen Ansatz bei
                                   Temperatur                                                 der Projektierung. LEDs sind im professi-
                                                               Strahlung                      onellen Bereich meist nicht mehr schnell
            Strom
                                                               und Licht                      und werkzeuglos austauschbar. Um hier
                                                                                              Standards zu setzen, gibt es verschie-
                                                                                              denste Aktivitäten der Leuchtenindustrie,
                                                                                              um Module und Light-Engines einfach
                                     LED                                Lebensdauer
                                                                                              austauschbar zu machen.

                                                              Chemische
         Feuchtigkeit
                                                               Einflüsse
                                  Mechanische
                                   Einflüsse

37                                                                         © licht.de

                                                                           © licht.de
                                                                                                                                      21
licht.wissen              18       Licht für Museen und Ausstellungen

Spektrum
Spektrumdes
         desLichts
             Lichts
                                                                                                                    CIE-Farbdreieck mit Planckschem Kurvenzug
                                                                                                     CIE-Farbdreieck mit Planckschem Kurvenzug

                 kos-         Röntgen-
                 mische       strahlung                                                   Wellen-
                 Höhen-       Gamma- Ultra-                Mikro-   Rund-    Wechsel-     länge
                 strahlung    strahlung violett   Infrarot wellen   funk     strom        in nm

                     10 -16    10-12      10-8     10 -4      100          104       10

                                            sichtbares
                                               Licht
                                                                                                                                                       urvenzug
                                                                                                                                                   er K
                                                                                                                                             sch
                                                                                                                                           ck
                                                                                                                                      an
                                                                                                                                    Pl

     Ultra-                                                                             Infrarot
     violett

               400                 500               600                    700           Wellen-
                                                                                          länge
                                                                                          in nm

                                                                                     © licht.de
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                                                                                                                                                                  © licht.de

Qualitätsprodukte                                                   also besonders gut für die Beleuchtung                  „natürlicher” werden die Objektfarben
LEDs liegen im Trend und bieten für die                             sensibler und wertvoller Exponate. Spek-                im Vergleich zu der Referenzlichtquelle
allermeisten Anwendungsbereiche eine                                tren von warmweißen und neutralweißen                   wahrgenommen. Für Farbtemperaturen
ideale Lösung. Allerdings empfiehlt es                              LED-Lichtquellen im Vergleich:                          bis 5.000 K dient als Referenz die
sich angesichts der Vielfalt von LED-                                                                                       Glühlampe, bzw. der „Schwarze Körper”
Produkten aus aller Welt, sich genau mit                                                                                    welcher im Planckschen Kurvenzug
den Produkten auseinanderzusetzten.                                                                                         abgebildet wird.
                                                                    100 %
Ungeeignete Systeme zeigen oft erst im
                                                                                                               Warmweiß
Betrieb ihre Schwächen.                                              80           Neutral-                                  Die Wahrnehmung ist abhängig von Farb-
                                                                                  weiß                                      temperatur und Farbwiedergabeeigen-
                                                                     60
Geeignete LED-Leuchten und -Systeme                                                                                         schaften der eingesetzten LEDs. Beispiel:
müssen bestimmte Kriterien erfüllen, wie                             40                                                     Rote Farbtöne erscheinen bei warmwei-
z.B. eine nur ganz geringe Anzahl an Früh-                                                                                  ßem Licht gesättigter und brillanter als bei
                                                                     20
ausfällen, die Möglichkeit, ältere Quali-                                                                                   tageslichtähnlichem Licht – auch wenn
tätsstufen in einheitlichen Lichtfarben und                            0                                                    beide Lichtquellen einen hohen Ra-Wert
homogener Helligkeit mit gleicher Licht-                                    300         400        500   600      700 nm    aufweisen.
qualität nachzurüsten. Sie bieten eine gute
                                                                    40
Wärmeableitung, einen guten Wartungs-                                                                                       Schädigungsfaktor
faktor sowie eine lange Lebensdauer des                             Im Kapitel „Konservatorische Aspekte” auf               Zur Bewertung der aus konservatorischer
gesamten Systems. Wichtig sind in diesem                            Seite 30 sind auf den Abbildungen [01-03]               Sicht der Museen geeigneten Lichtquel-
Zusammenhang besonders die Stichworte                               die Spektren verschiedener Lichttechnolo-               len berechnet man den „relativen Schä-
„Wärmemanagement“ und „Binning“.                                    gien im Vergleich zu sehen.                             digungsfaktor“ aus dem Verhältnis von
                                                                                                                            schädigungswirksamer Bestrahlungsstärke
Spektrum                                                            Lichtfarbe und Farbwiedergabe                           zur Beleuchtungsstärke. Eine warmweiße
Um eine Lichtqualität für die praktische                            Die Lichtfarbe einer Lichtquelle wird durch             LED-Beleuchtung hat einen geringeren
Anwendung zu bestimmen, sollte man                                  die ähnlichste Farbtemperatur, angegeben                Schädigungsfaktor als beispielsweise
neben der Lichtfarbe auch die spektralen                            in Kelvin (K), bestimmt. Niedrige Werte                 eine Beleuchtung durch Niedervolt-Halo-
Farbwiedergabe-Eigenschaften (Farbwie-                              (Farbtemperatur unter 3.300 K) stehen                   genlampen mit oder ohne UV-Filter und
dergabeindex Ra) einer Lichtquelle ken-                             für warmweiße Beleuchtung, höhere für                   ist daher für empfindliche Objekte besser
nen. Das Licht einer Glühlampe beispiels-                           kühlere (Neutralweiß zwischen 3.300 K und               geeignet.
weise setzt sich aus einem kontinuierlichen                         5.300 K; Tageslichtweiß höher als 5.300 K).
Spektrum zusammen, ganz anders als bei                                                                                      Binning
Entladungslampen (Hochdruckentladungs-                              Inwieweit der farbliche Eindruck eines                  In der Produktion von LED-Chips kommt
und Leuchtstofflampen) mit diskreten                                Objektes bei künstlicher Beleuchtung                    es fertigungsbedingt zu leichten Abwei-
Spektren. Für LEDs gilt je nach Lichtfarbe                          richtig wahrgenommen und beurteilt                      chungen: Lichttechnische Eigenschaften
ein nahezu durchgehendes Spektrum.                                  wird, hängt von der Spektralqualität der                können beispielsweise in Farbe und
                                                                    verwendeten Lichtquelle ab. Als Bewer-                  Leuchtkraft variieren. Um eine konstante
LEDs sind nahezu frei von UV- und IR-                               tungssystem wird hier der sogenannte                    Lichtqualität mit homogenem Helligkeits-
Strahlung und haben damit einen gerin-                              Farbwiedergabeindex Ra verwendet. Je                    niveau und vereinheitlichter Lichtfarbe
gen Schädigungsfaktor. Sie eignen sich                              höher dieser Wert ist (max Ra 100), desto               zu gewährleisten, müssen LEDs einer

22
41                                                                                             42

Charge sortiert werden. Das passiert in                                 ander abweicht. Nach ANSI-Norm sollte            LED-Lichtdimmung. Der Stromfluss durch
sogenannte „Bins“ (englisch: Behälter/                                  der Farbwert innerhalb einer Ellipse mit vier    die LED wird rhythmisch nach einer be-
Klasseneinteilung). Dieser „Binning“-Pro-                               Schwelleneinheiten liegen. LEDs aus diesen       stimmten PWM-Frequenz unterbrochen.
zess ist besonders bei weißen LEDs von                                  jeweils eng gefassten Bins garantieren eine      Je größer die Stromlücken zwischen den
großer Bedeutung. Auswahlkriterien beim                                 einheitliche Lichtfarbe. In einem Binning mit    Stromphasen, desto niedriger wird der
Binning sind der Lichtstrom (gemessen in                                < 3 Step MacAdam sind Farbunterschiede           effektive bzw. der mittlere Strom durch
Lumen), die Farbtemperatur (gemessen                                    so gut wie nicht wahrnehmbar.                    die LED und damit deren wahrgenomme-
in Kelvin), der Farbort und die Vorwärts-                                                                                ne Helligkeit. Die PWM-Frequenz sollte
spannung (gemessen in Volt).                                            Stromdimmung bei LED-Lichtquellen                dabei in einem für das menschliche
                                                                        Auch das Dimmen von LEDs ist heute               Auge nicht wahrnehmbaren Bereich über
Heute definiert die ANSI-Norm (American                                 technisch komfortabel möglich. Das               300 Hz liegen, damit kein erkennbares
National Standards Institute) Farbwertab-                               Absenken der Amplitude des Vorwärts-             „Flimmern“ entsteht, obwohl faktisch eine
weichungen mithilfe der MacAdams-Ellip-                                 stromes führt zu einer Reduktion des             entsprechende Lichtmodulation vorliegt.
sen. Sie beschreiben gerade wahrnehm-                                   Lichtstroms. Sobald ein gewünschtes              Um die Vorteile beider Verfahren optimal
bare Farbabstände auf den XY-Koordinaten.                               Licht- oder Stromniveau eingestellt ist,         zu nutzen, können diese auch kombiniert
                                                                        bleibt dieses zeitlich konstant.                 werden.
ANSI-Farbwerte, Detail aus Grafik [39]:
 Ansi Farbwerte
                                                                        Stromdimmung:
    Cy                                                                      Stromdimmung:
  nm
0,440
                                                          weiß          I                I              I
0,420                                              Warm                       100%
                                                                                             80%
                                    ß
0,400                            wei
                             tral
0,380                   Neu                      3000 K
                                                          2700 K
                                                                                                            20%
                                                                                                                             [38] Licht ist der für das Auge sichtbare
                                        3500 K                                                                               Teil der elektromagnetischen Strahlung. Im
0,360         eiß
           ltw               4000 K                                                                                          elektromagnetischen Spektrum umfasst der
0,340
         Ka                                                                          t              t               t
                    5000 K                                                                                                   Bereich des Lichts Wellenlängen von etwa
                                                                                                            © licht.de
0,320                                                                   44                                                   380 nm bis 780 nm. An das sichtbare Licht
        6500 K                                                     Cx                                                        grenzen die Bereiche der Infrarot- (Wellen-
0,300
                                                                         PWM-Dimmung:
                                                                        PWM-Dimmung                                          längen zwischen 780 nm und 1 nm) und Ul-
    0,300      0,340          0,380        0,420          0,460 nm
43                                                  © licht.de
                                                                                                                             traviolettstrahlung (Wellenlängen zwischen
                                                                        I                I              I                    10 nm und 380 nm).
                                                                             100%            80%            20%
Die Kurve in Grafik [43] zeigt den Planck-
                                                                                                                             [39] Die Kurve im Inneren des Farbdrei-
schen Kurvenzug (BBL = Black Body
                                                                                                                             ecks zeigt den Planckschen Kurvenzug
Locus). Hier werden die Farbkoordinaten                                                                                      (BBL = Black Body Locus).
mit unterschiedlichen Temperaturen (K =
                                                                                     t              t               t
Kelvin) der abgegebenen Strahlung ange-                                                                                      [41, 42] Beispiel für eine verbesserte
                                                                                                            © licht.de
geben. So lassen sich die Farbkoordinaten                               45                                                   Wahrnehmung nach erfolgter Sanierung.
                                                                                                                             Durch höhere Leuchtdichten werden die
in Farbtemperaturen übertragen. Angaben
                                                                                                                             Wandmalereien für die Besucher deutlich
von MacAdams-Ellipsen informieren den                                   Auch die Reduktion des Mittelwerts des               besser erkennbar. Sixtinische Kapelle, Rom.
Nutzer darüber, wie weit beispielweise die                              Vorwärtsstromes – die sogenannte Puls-               Photo Copyright - Governatorato dello Stato
Lichtfarbe einzelner LED-Module vonein-                                 Weiten-Modulation (PWM) – führt zur                  della Città del Vaticano – Direzione dei Musei.

                                                                                                                                                                        23
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