WUK INFO-INTERN Hülya Çelik auf der Bühne Die Künstlerin Linda Christanell Ein Jahr Jugendcollege Ein Nachruf auf Josef Wais - Das WUK
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WUK INFO-INTERN
Nummer 4/17
Oktober
Hülya Çelik auf der Bühne
Die Künstlerin Linda Christanell
Ein Jahr Jugendcollege
Ein Nachruf auf Josef Wais
1 WUK-INFO-INTERN 1/07 MärzINHALT EDITORIAL
Collage I – Methode | Fotogalerie Wien ........................................................ 3 Liebe LeserInnen!
D
Info- u. Beratungsmesse AusBildung bis 18 | J.Ehrenmüller, W.Bogensperger ... 6 er Sommer neigt sich dem Ende
Unter uns über uns | Claudia Gerhartl ........................................................ 8 zu, das Gänsehäufel schließt bald
seine Pforten, das WUK hin-
WUK-Generalversammlung am 19.11. | Vorstand ........................................ 9 gegen füllt sich wieder, der wilde Wein an
Ein Jahr Jugendcollege | Susanne Senekowitsch ........................................... 10 den Fassaden färbt sich, und wir befinden
uns mitten in der Sturmzeit. Und zwar
Auf der Bühne – Hülya Çelik | Jürgen Plank .............................................. 12 einerseits kulinarisch – statt Prost sagt
Culture and Sharing Communities – TEH in Pula | Eva Schneidhofer ........ 15 man/frau Mahlzeit, die Gläser werden
mit der linken Hand gehoben, und es
WUK-Anlaufstellen .................................................................................. 16 wird nicht angestoßen (übrigens keine
Linda Christanell – die Dinge entscheiden selbstständig | Elisabeth Klocker .. 18 Ahnung warum, aber wer einen Fehler
macht, zahlt die nächste Runde) – ande-
Werkschau XXII – Robert F. Hammerstiel | Fotogalerie Wien ....................... 21 rerseits politisch.
Josef Wais ist gestorben | Rudi Bachmann ................................................... 22 Auf meine derzeitige Lieblingsfrage
„Wen wählst du am 15. Oktober?“ wissen
Einmal muss Schluss sein | Erika Parovsky .................................................. 24 sehr viele noch keine Antwort. Das war
Europäische Stimmen im WUK – Europavox | Philipp Leeb ........................ 26 noch nie so, zeigt aber, wie ratlos viele
angesichts der politischen „Performance“,
Mosaiken statt Wunden | Mani Leik .......................................................... 27 wie das neuerdings heißt, sind. Strate-
Pack die Badehose ein – Kunstzelle | Jürgen Plank ...................................... 28 gien? Hoffnung nicht aufgeben, alles
nicht so ernst nehmen, trotzdem wählen
Dinamo Valencia – Wien | Eva-Maria Schneidhofer ................................... 29 gehen – no na – und davon ausgehen,
dass wir auch einen politischen Klima-
Immerda wandel irgendwie überstehen werden
(müssen).
WUK-Forum am 12.6., 3.7. und 4.9.| Rudi Bachmann ............................ 30 Das WUK bereitet sich nach einem
lauen Sommer mit feinen Veranstaltun-
WUK-Radio ............................................................................................. 30 gen im Hof und einem stürmischen
Termine, Ankündigungen .......................................................................... 31 Herbst nicht auf den Winterschlaf vor,
sondern zum Beispiel auf die Diskussio-
Topics ....................................................................................................... 32 nen zu WUK 2020 und die Generalver-
sammlung am 19. November, für die üb-
rigens noch geeignete KandidatInnen für
die Vorstandswahl und für die Rech-
nungsprüfung gesucht werden.
Und sonst? Es gibt wieder neue Partne-
rInnen für WUK Bildung und Beratung,
zum Beispiel für das Teilprojekt „Bewei-
dung regionaler Trockenrasen“, in dem
Titelblatt: Im WUK-Hof wird mit den österreichischen Fußballerinnen
mitgefiebert. Siehe Seite 10 Foto: Niko Ostermann
das WUK Projektpartner im Interreg-
Projekt 3E Morawa Nature ist. Im Rah-
men dieses Projekts werden 50 Bio-
Beiträge, Ankündigungen: Mit E-Mail (Text- und Bild-Dateien als Bei- Schafe angeschafft und ein Schäfer einge-
lage) an infointern@wuk.at. Auf CD, Stick oder Papier ins Info-Intern- stellt. Das ist doch einmal wirklich etwas
Postfach im Informationsbüro. Bitte unbedingt Name und Kontaktmög- Neues, schade, dass wir im Hof keine
lichkeiten angeben. Wiese haben, ein paar Schafe, die zwi-
Gestaltung: Titel und Zwischenüberschriften sollen maximal 30 Zeichen schen den kleinen und den großen
haben. Fotos, Zeichnungen und Grafiken immer mit Angabe der/des WUKtätigen herumlaufen, sich streicheln
KünstlerIn. Keine Absatz-Formatierungen (nur Fließtext), keine Tabellen lassen und blöken, das fände ich wirklich
und keine Formatvorlagen (außer Absatz-Standardschriftart und Standard). nett!
Nächster Redaktionsschluss: Montag, 20. November, 17:00 Uhr Auf bessere Zeiten!
Dezember-Ausgabe: Am Donnerstag, 30. November, im Haus Claudia Gerhartl
Impressum: WUK-INFO-INTERN. Informations- und Diskussionsorgan. Medieninhaber, Herausgeber: WUK – Verein zur Schaffung offener Kultur- und Werkstättenhäuser, 1090 Wien, Währin-
ger Straße 59 (48° 13‘ 23“ N, 16° 21‘ 04“ O). Redaktion: Claudia Gerhartl, Philipp Leeb, Rudi Bachmann. Gestaltung/Layout: Computer Graphics Assoc. Druck: Robitschek, Wien. GV-Beschlüsse
vom 24.6.1992: 1. Einschränkungen freier Meinungsäußerung: a) bei Verletzung von Rechten bzw. Privatsphären von Personen, b) bei Beschimpfungen, c) bei nicht belegten Anschuldigungen,
d) bei möglichen straf- oder verwaltungsrechtlichen Konsequenzen. 2. Bei strittigen Beiträgen gibt es Gegendarstellungen in derselben Ausgabe. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Mei-
nung der AutorInnen wieder. Über Kürzungen, Titel, Untertitel, Vorspanne, Zwischenüberschriften und andere Ausstattungen entscheidet die Redaktion. Nicht gekennzeichnete Fotos: Redaktion
bzw. Archiv. Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz: Zu 100 % im Eigentum des Vereins WUK. Info-Intern im Netz: www.wuk.at, Das WUK, WUK-Info-Internkunst
Collage I – Methode
Ausstellung in der Fotogalerie Wien
D
en revolutionärsten Moment in tretender Wesenszug. Stets len-
der Entwicklung der Malerei ken die Bilderdrifts auch anar-
nannte der Dadaist und Dich- chische, von Zufall und Spiel
ter Tristan Tzara die Erfindung der Col- getriebene Energien.
lage und meinte damit den fundamen- Die erste Ausstellung ist der
talen Bruch mit etablierten Formen Collage als künstlerischer Me-
künstlerischer Repräsentation. In den thode gewidmet. Ihr konse-
die Collage bestimmenden technischen quenter Einsatz prägt das Werk
Verfahren, im Kleben (frz. coller), Krat- der teilnehmenden KünstlerIn-
zen, Schneiden, Reißen, Falten, Montie- nen. Was bedeuten die Kollisio-
ren, Assemblieren, Dekomponieren usw. nen und Überlagerungen von
steckt ein radikales Potential. Speisten Bildfragmenten für unsere
sich die Papiers collés der Kubisten aus Wahrnehmung? Wie wirken
Gebrauchtem, Verworfenem und dem sich Eingriffe in das Trägermate-
vermeintlich Banalen, umschwärmen rial eines Bildes auf seine Inhalte
uns heute die vielfach reproduzierten, aus?
reformatierten und re-editierten Kopien In den gezeigten Arbeiten
eines beständig anwachsenden digitalen werden medienspezifische Ei-
Debris’. genschaften der Fotografie auf
Der aktuelle Schwerpunkt der Fotoga- die Spitze getrieben, Ordnungs-
lerie Wien präsentiert in vier Ausstellun- prinzipien und Handhabungs-
gen ein breites Spektrum an Methoden weisen von Bildern, Nutzerober-
und Verfahrensweisen der Collage in der flächen und Archiven werden
zeitgenössischen Foto- und Videokunst. offengelegt. Dabei sind Opera- Lilly Lulay: „Liquid Portrait
Sichtbar werden dabei die erzählerischen tionen des Übersetzens und fbarchive19012016_0002_Ebene 2“,
2015, Video
und autopoetischen Stärken dieser Abstrahierens zentral: Überma-
Kunstform ebenso wie ihre Innovations- lungen und Ritzungen der foto-
kraft als grundlegender, gerade im Ein- grafischen Oberfläche entziehen Bildern das fotografische Medium selbst hervor-
satz neuer Technologien oder in räum- ihre Reproduzierbarkeit; eingebaute bringt, etwa seine Indexikalität und
lich-skulpturalen Erweiterungen zutage Bildstörungen unterlaufen Effekte, die Transparenz. Die Installation unter-
schiedlicher Werkstoffe und Medien zu
multiperspektivischen Assemblagen er-
weitert nicht nur gängige Vorstellungen
von der Materialität der Fotografie, son-
dern auch deren Präsentationsformen:
Werk und Umgebung beginnen einan-
der zu unterwandern, die BetrachterIn-
nen werden Teil des Geschehens.
In Astrid Buschs Ausstellungsbeitrag,
einem Ausschnitt aus der Installation all
colors agree in the dark, überlagern sich
unterschiedliche Elemente und Licht-
projektionen zu einer multimedialen In-
szenierung, die in einen Dialog mit dem
Ausstellungsort tritt und die Besuche-
rInnen in neue Räume eintauchen lässt.
Im Zentrum stehen das Licht und seine
Bedeutung für unsere Wahrnehmung
von Raum, Form und Farbe. Für ihre
Collagen arrangiert Busch unterschiedli-
che Materialien, darunter Versatzstücke
Paul Albert Leitner: „Flag of Art“, 2016, Collage aus Kunst und Alltag, zu leuchtenden
WUK-INFO-INTERN 4/17 Oktober 33kunst
seine invertierte und zugleich gestürzte
oder gespiegelte Doppelung hinzuge-
fügt, indem die zumeist identen Auf-
nahmen eines Farbnegativfilms einer-
seits und eines Diapositivfilms anderer-
seits aufeinander geklebt werden; dieses
„Sandwich“ wird dann im Labor vergrö-
ßert. Die so entstandenen Bilder mögen
realen Vorbildern ähneln, durch die
Überlagerung einander zuwiderlaufen-
der Perspektiven verweigern sie sich aber
eindeutigen Lesarten und entziehen sich
zudem der Erinnerbarkeit.
Als „Anhänger der Alles-hat-mit-Al-
lem-zu-tun-Theorie“, der „Ausschwei-
fung und Papier“ liebt, bezeichnet sich
Paul Albert Leitner. Kein Motiv, das es
nicht gibt im über gut dreißig Jahre an-
gewachsenen Oeuvre des Flaneurs und
Sammlers von Fotofundstücken, wel-
Anna Vogel: „Ignifer V“, 2012, Pigment-Print, MDF, 26 x 36 cm ches bei aller Universalität eine unver-
wechselbar subjektive Bildsprache aus-
zeichnet. Betitelt, datiert und mit Film-
Assemblagen, die sie anschließend foto- ren und den Akt der Bildbetrachtung und Bildnummern versehen, erinnern
grafisch ins Bild setzt. Ein Schreiben mit bewusst erfahrbar machen. In Heiders Leitners Collagen-Stillleben an Kartei-
Licht, das immersive Qualitäten entfal- performativen Faltungen überformen – karten. Sie präsentieren die auf Karton
tet und zugleich die In-Szene-Setzung wie in den ursprünglichen Motiven, den geklebten Fotografien als Teil eines uni-
von Kunst reflektiert. Reformkleidern der Wiener Werkstätte versellen Bezugssystems, das einen stetig
Vincent Delbroucks wild-bunte, an- – innovative Schnitte überkommene Re- anwachsenden Fundus neuer Bezüge
archisch anmutende Wandcollagen und präsentationen und dekorative Muster. und Möglichkeiten birgt: eine Art archi-
Bücher schöpfen aus dem intensiven Er- Die Arbeiten Herbert Hofers unter- varischer Weltaneignung, die das inter-
leben von Orten und Landschaften
ebenso wie aus Lektüren. In ihnen ver-
binden sich Bild- und Textfragmente
persönlicher Obsessionen mit gefunde-
nen Objekten und Fiktionen zu gemäl-
deartigen Erzählungen, deren Bindemit-
tel die Farbe ist. Um Chaos, Unordnung
und Weltfülle einzufangen, arrangiert
Delbrouck seine Bilder zu rhizomarti-
gen Konstellationen, die nicht linear les-
bar sind, sondern traumartig, intuitiv
und zyklisch funktionieren. Das „Ergeb-
nis einer einfachen Auseinandersetzung
mit einem Zustand der Verrücktheit der
Wirklichkeit ohne die üblichen Codes,
Hierarchien, Raster“ (Delbrouck).
In der Serie Wiener Werkstätte verar-
beitet Caroline Heider Modeaufnah-
men der 1920er-Jahre von Madame
d’Ora (Dora Kallmus) und Arthur
Benda. Durch Faltungen, Schnitte und Nicolás Rupcich: „EDF“, 2013, HD-Video, 5:25 min.
andere, die Bildinformation verde-
ckende Eingriffe treten Bildoberfläche
und -träger in ein Spannungsverhältnis. suchen unter Berücksichtigung spezifi- pretierende Auswählen und Ordnen der
In den Fokus gelangt das vormals Nicht- scher Eigenschaften des fotografischen Bilderfülle ebenso ausmacht wie der Akt
Sichtbare, Ausgeblendete, wie etwa Aus- Mediums und Materials die Bedingun- des Fotografierens selbst.
schnittsmarkierungen auf dem Negativ. gen und Möglichkeiten von Wahrneh- Lilly Lulays Interesse gilt der Foto-
Während der Modellkörper verschwin- mung, Erinnerung und Erkenntnis. In grafie als Kulturtechnik und Alltags-
det wird jener des Bildes sichtbar: Irrita- einem ausschließlich analogen Verfahren ware, insbesondere ihrer Rolle in der
tionen, die ritualisierte Blickregime stö- wird der Abbildung eines Gegenstandes Produktion und Dokumentation von
4 WUK-INFO-INTERN 4/17 Oktoberkunst
Erinnerung und sozialen Praktiken. Ihre bei Transformationsprozessen an, etwa Von Strömungen und Störungen legt
Arbeit speist sich deshalb zumeist aus pri- von dreidimensionalen in zweidimensio- anhand von Ansichten ikonischer Bau-
vaten Quellen und Archiven. Ausgangs- nale Strukturen und umgekehrt. Sie un- ten kulturelle Sehweisen offen, indem
material der Arbeit _Liquid Portrait fbar- tersuchen, wie Räumlichkeit im Bild Strukturen dem Bildträger eingeschrie-
chive19012016_, die aus einer Skulptur entsteht, und hintertreiben die Reali- ben werden und Bildstörungen die Re-
und einer bewegten Assemblage besteht, tätseffekte des fotografischen Mediums. präsentationsfunktion von Fotografien
ist der visuelle Inhalt eines facebook-Ac- In Dekodierung der reflektierten Ober- durchkreuzen.
counts. Die Prints der ursprünglich digi- flächlichkeit wird ein digitales Bildbear- Die KünstlerInnen: Astrid Busch (DE),
talen Dateien unterzieht Lulay einer ma- beitungstool, das Polygon-Lasso aus Vincent Delbrouck (BE), Caroline Heider
nuellen Postproduktion, indem sie sie Photoshop, zur LED-Skulptur. Als de- (DE/AT), Herbert Hofer (AT), Paul Al-
mithilfe eines Skalpells zerlegt. Im Video ren Grundlage dient eine Fotoarbeit, die bert Leitner (AT), Lilly Lulay (DE), Ni-
sehen wir zu, wie das, womit die Ökono- den geometrischen Rhythmus einer Fas- colás Rupcich (CL/DE), Anna Vogel (DE),
mie der Aufmerksamkeit sozialer Netz- sade durch Faltungen wiederholt. Er- Sinta Werner (DE)
werke beständig gefüttert werden will, neut fotografiert, gedruckt und noch- Ausstellung läuft noch
Schicht für Schicht wieder abgetragen mals in Falten gelegt, überziehen irritie- bis Samstag, 14. Oktober
wird. Das Material bilden die Silhouetten rende Schatten den Bildinhalt. Die Serie
und Bildhintergründe der ausgeschnitte-
nen Objekte und Personen. Dabei entste-
hen malerisch-skulpturale Gebilde, die,
kaum gesehen, auch schon wieder aus
dem Blick geraten.
WUK bio.pflanzen ist mobil
A
Im Fokus der Arbeit des chilenischen m 18. August war es soweit. Landtagsabgeordneter und Bürger-
Künstlers Nicolás Rupcich stehen die Eingeladen wurde zum offiziel- meister René Lobner, Landtagsabge-
Produktionsmittel und materiellen Be- len Tour-Start vom Marchfelder ordnete Emrita Enzinger, Vizbürger-
dingungen der digitalen Medien unserer Genussbus, der neuen „Social Busi- meisterin Margot Linke, Stadträtin
Zeit und die Frage, wie sie Gesellschaft ness“-Idee von WUK bio.pflanzen. Christine Beck und Gemeinderätin
und Wahrnehmung prägen. In der Vi- Social Business sind Unternehmen, Beate Kainz. Zu den Gästen zählten
deoarbeit EDF erblicken wir Landschaf- die primär gesellschaftliche Probleme weiters Waltraud Hackenberg (ehema-
ten aus dem Torres del Paine National adressieren und diese innovativ und lige Leiterin der AMS RGS Gänsern-
Park in Patagonien, Chile. Während wir marktfinanzierten Geschäftsmodellen dorf ), Robert Taibl (AK-Bezirksstel-
sie betrachten, sehen wir zugleich ihrer lösen (Sonderrichtlinie „Soziale Inno- lenleiter), Sylvia Hysek (NÖ.Regio-
Auslöschung zu. Objekte, die wie vationen für Arbeitsmarktintegration“, nal), Hannes Schwetz (aws Social
fremdartige Monolithe wirken, schieben sozialministerium.at). Business Initiative), Christoph Trauner
sich bedrohlich ins Bild und verstellen WUK bio.pflanzen hat mit der Idee (WUK Geschäftsleiter Bildung und
unseren Blick. Eine „fade to black“- beim Social Business Call im Winter Beratung) sowie viele Freundinnen
Transformation, die sich dadurch aus- 2016/2017 mitgemacht und den Zu- und Freunde.
zeichnet, dass die Zeichen der Tilgung schlag bekommen. Die Innovation ist, Das Team vom „Marcstandl ver-
sich ins Bild einschreiben, indem sie dass mit dem Bus längerfristig dauer- wöhnte die Anwesenden mit Crepes,
Räumlichkeit simulieren: Der Löschvor- hafte Arbeitsplätze für ehemalige Tran- gefüllt mit Köstlichkeiten aus der Re-
gang wird Teil der bildlichen Realität. sitarbeitskräfte entstehen sollen. Das gion. Dazu wurden regionale Getränke
Wann ist eine Fotografie noch eine Geschäftsmodell ist der Marchfelder wie das Storchenbier, das Storchen
Fotografie? Für ihre Serie Ignifer hat Genussbus. Soda und ein Biowein angeboten.
Anna Vogel die in Nachrichtenbildern Als rollender Bio-Laden bringt er Für das Genussbus-Team heißt es
zu sehenden Löschflugzeuge mithilfe di- die geschmackliche Fülle der Region nun ins Geschäft zu kommen, die
gitaler Bildbearbeitungstechniken ent- in herausragender Qualität und großer Route zu planen und entsprechend zu
fernt. Übrig bleiben Wolkenformatio- Vielfalt vor die „Haustüre“. Neben der informieren. Dazu wurde eine Face-
nen, die rätselhaft im Bild schweben Bespielung von Märkten und Veran- book-Seite eingerichtet, die derzeit auch
und dabei surreal wirken. Anfangs vor- staltungen sollen auch Mitarbeiter_in- über die genussbus.at erreichbar ist.
nehmlich aus dem eigenen Archiv nen von größeren Firmen in der Re- Ursula Königer, WUK bio.pflanzen
schöpfend, verwendet die Künstlerin zu- gion die Möglichkeit bekommen, ih-
nehmend Fundstücke aus dem Internet ren täglichen Bedarf an frischer Bio-
– oft Klischees: vielmals gesehene An- Ware zu erstehen. Regionalität ist ein
sichten, die auf adoptierten Denkmus- Markenzeichen. Alle Produkte kom-
tern und Sehweisen basieren. Eine Art men von Bäuerinnen und Bauern aus
sehnsüchtige „Platzhalter“, deren Leer- einem Umkreis von maximal hundert
Foto: Veronika Bartussek
stellen Vogel durch Eingriffe ins Mate- Kilometern.
rial, Übermalungen oder Ritzungen Zum Sommerfest und der offiziellen
etwa, auffüllt und Fotos so in Unikate Eröffnung des Marchfelder Genuss-
umarbeitet, die sich der Reproduzierbar- busses kamen trotz der extremen Hitze
keit entziehen. viele interessierte Menschen, darunter
Sinta Werners Arbeiten setzen häufig
WUK-INFO-INTERN 4/17 Oktober 5lernen
Info- und Beratungsmesse
AusBildung bis 18
Von Johanna Ehrenmüller und Willi Bogensperger, WUK Jugendcoaching West
führlich über die seit 2016 in Österreich
eingeführte Ausbildungspflicht bis 18 zu
informieren.
„AusBildung bis 18“ bedeutet, dass
alle Jugendlichen unter 18 Jahren, die
im Juli 2017 ihr 9. Pflichtschuljahr be-
Foto: WUK Jugendcoaching West
endet haben, im Anschluss an die
Schule eine weitere Ausbildung (Schule
oder Lehre) machen müssen.
Angeboten wurden neben Info-Vor-
trägen, die in mehreren Sprachen und
teilweise von der AK für Lehrer_innen
abgehalten wurden, auch individuelle
Beratungen, die bei Bedarf ebenfalls von
Dolmetscher_innen begleitet werden
A
m 15. Mai luden die Arbeiter- Thema „AusBildung bis 18“ ein. konnten.
kammer Wien, der Stadtschulrat Im Rahmen der Messe hatten Eltern, Der Beratungsbereich gliederte sich
und das Sozialministeriumser- Erziehungsberechtigte, Lehrer_innen, nach 4 Themen auf, die die Besucher_
vice ins Bildungszentrum der AK Wien Multiplikator_innen, Interessierte und innen je nach individueller Fragestel-
zur Info- und Beratungsmesse zum Jugendliche die Möglichkeit, sich aus- lung nutzen konnten:
¥ Ich weiß noch nicht wohin nach
der Schule.
¥ Ich suche noch einen Schulplatz.
Absolut borderless ¥ Ich suche noch eine Lehrstelle.
¥ Ich brauche besondere Unter
E
s ist wieder Zeit: GenderCrash GenderCrash-resident-Kollektivs stützung, weil ich eine Behinderung
ist der ekstatische Höhepunkt Neonrost und damit auch mitverant- habe.
des Herbstes – abseits der nor- wortlich für die Visuals in vielen
mativen Geschlechtergrenzen. Und schlaflosen Nächten im brut. Loi- 300 Beratungen
weil das brut umgebaut wird, weicht visuals kreiert assoziative Wirklichkei- 47 Berater_innen aus verschiedenen Be-
GenderCrash auf das WUK aus. ten, eröffnet Welten von darken Räu- reichen (von Produktionsschulen über
Neue Location bedeutet auch neue men bis zum prallen Farbenspiel. AMS Jugendliche & BIZ, ÜBA-Träger,
Möglichkeiten. Auf zwei vollen Floors VJ Alkis dagegen ist erst seit Gen- Bildungsdrehscheibe, Elternnetzwerk,
gibt es Musik erster Klasse, sowohl live derCrash Neu(n) dabei, aber in der FSW – BZBH, Berufsausbildungsassis-
als auch aus der Konserve. Präsentiert Szene auch kein Unbekannter mehr. tenz, ABO Jugend & MBZ, IFD Job-
von den unvergleichlich-unausweichli- Der markante Bartträger ist resident- wärts, Schulinfo, Quality for Hope bis
chen Hosts Miss Denice Bourbon und VJ bei Kibbutz Klub und hat vom hin zu Jugendcoaching und Jugendar-
Dutzi Ijsenhower, werden alte Be- Rathausplatz bis hin zu Clubs in euro- beitsassistenz) standen den Besucher_in-
kannte und neue Bekanntschaften für päischen Metropolen schon alles Mög- nen zur Verfügung. Vom JuCo West
eine heiße Nacht sorgen. liche illuminiert. Er arbeitet mit Col- Team waren wir zu fünft vertreten: Mar-
Visuals sind die performative Kunst lagen aus dem öffentlichen Gedächt- git Thell als Vortragende, Andreas
des 21. Jahrhunderts und Gender- nis, Ebene auf Ebene bekommen Bil- Schindlauer und Johanna Ehrenmüller
Crash ist stolz, zwei sehr unterschiedli- der so eine neue Bedeutung. als Berater_innen, Teresa Lafuente als
che Künstler_Innen zu haben, die die GenderCrash 12 Dolmetsch für Spanisch und Shahrokh
Nacht mit ihren Live Visuals erhellen. Ausweichmanöver Pouladvand als Dolmetsch für Dari/
Hinter dem relativ neuen Label loi- Samstag, 14.Oktober, 21:00 Uhr Farsi.
visuals steckt eine gute Bekannte des im Saal Zusammenfassend kann festgehalten
Stammpublikums. Ela war Teil des werden, dass es in diesem Rahmen gut
gelungen ist, die insgesamt 340 Besu-
6 WUK-INFO-INTERN 4/17 Oktoberlernen
cher_innen über die „AusBildung bis 18“ ihrem Umfeld auch darüber aus, wel- ¥ „Ich finde das besser so, weil man
zu informieren und zu beraten. Es fan- che Ausbildungen gut sind und dass es dadurch mehr Chancen hat.“
den knapp 300 Beratungen statt, und wichtig ist, eine Ausbildung zu ma- Zusammenfassend kann gesagt wer-
120 Personen, davon rund 70 Lehrer_in- chen. den, dass die Jugendlichen, welche von
nen, nahmen an den Vorträgen teil. der „Ausbildung bis 18“ betroffen sind,
Mehr Gehalt grundsätzlich positiv dazu eingestellt
Informationen gut angenommen Wir haben die Jugendlichen auch nach sind. Die genannten Aussagen zeigen
Christina Tsohohey von der Koordinie- ihrer ganz persönlichen Meinung ge- sehr schön, dass die Jugendlichen moti-
rungsstelle rückblickend über die Veran- fragt und fast alle sind der „AusBil- viert sind, zu lernen und auch eine Aus-
staltung: „Es war wirklich toll zu sehen, dung bis 18“ gegenüber positiv einge- bildung machen wollen. Die „Ausbil-
wie gut die Zusammenarbeit zwischen stellt. Ein Auszug der Aussagen, die dung bis 18“ wird von den Jugendli-
allen Berater_innen aus unterschiedli- von den Jugendlichen getätigt wurden: chen als Chance wahrgenommen und
chen Bereichen funktioniert hat. Die ¥ „Es ist gut, dass niemand unter 18 das sollte sie für die Jugendlichen auch
Besucher_innen wurden sehr individuell aus dem Bildungs- und sein.
beraten und mit Informationsmaterial Ausbildungssystem ausgeschlossen Weitere Infos zur
versorgt. Am Ende der Messe lagen we- wird.“ „AusBildung bis 18“:
der weggeworfene Folder noch Bera- ¥ „Eh gut. Wenn man mehr lernt, www.ausbildungsbis18.wien
tungsprotokolle am Boden – für uns ein bekommt man auch einen besseren
Zeichen, dass die Informationen gut an- Job – also mehr Gehalt.“
genommen und auch weiterverwendet
werden! Wir bedanken uns ganz herz-
lich bei allen Mitwirkenden!“
Auch wir möchten festhalten, dass die
1. offizielle Info- und Beratungsmesse
Inklusion:Macht
E
zur „AusBildung bis 18“ ein großer Er- in WUK Bildungs- und Bera- danach geben Praxisbeispiele einen
folg war! Dank der guten Organisation tungstag über die Möglichkei- Einblick wie Inklusion im Arbeitsall-
und Vorbereitung der Koordinierungs- ten und Grenzen inklusiver Un- tag aussehen kann.
stelle „AusBildung bis 18“ Wien und terstützungsangebote beim (Wieder-) In der abschließenden Podiumsdis-
Koordinationsstelle Jugend-Bildung-Be- Einstieg in den Arbeitsmarkt. kussion suchen die Referent_innen
schäftigung in Zusammenarbeit mit Spätestens seit der Verabschiedung Elisabeth Magdlener, Hendrik Stollé,
dem Sozialministeriumservice, der Ar- der UN-Behindertenrechtskonvention Monika Haider, Matthias Fenkart und
beiterkammer und dem Stadtschulrat ist ist Inklusion als politische Forderung Astrid Lanscha, Geschäftsleiter Chris-
es gelungen, einen weiteren wichtigen in aller Munde. In der Praxis stoßen toph Trauner und Moderatorin Lisa
Schritt in Richtung erfolgreicher Um- wir nach wie vor auf viele Hürden. Mayr gemeinsam mit dem Publikum
setzung der „AusBildung bis 18“ zu ma- Gemeinsam wollen wir der Frage nach tragfähigen Perspektiven.
chen. nachgehen, welchen Beitrag zu einer WUK Bildungs- und Beratungstag
inklusiven Gesellschaft arbeitsmarkt- Dienstag, 3. Oktober,
Aus Sicht der Jugendlichen politische Bildungs- und Beratungs- von 13:00 bis 17:00 Uhr im Saal
Wir, die Jugendcoachs von WUK Ju- einrichtungen leisten können. Der Veranstaltungsort ist rollstuhltaug-
gendcoaching West, haben bei den Ju- Inklusion als Teilhabe für alle bedarf lich, Übersetzung in Gebärdensprache
gendlichen, die wir betreuen, genauer nicht nur einer Gesellschaft, die Viel- und Zusammenfassungen in Leichte
nachgefragt und wollten erfahren, wel- falt, Verschiedenheit und Individuali- Sprache stehen zur Verfügung.
che Infos sie bereits erhalten haben und tät zu schätzen weiß, sondern auch
wie sie zur „AusBildung bis 18“ stehen. dementsprechender Rahmenbedin- WUK Bildung und Beratung
Die Mehrheit der Jugendlichen hat gungen. Wie sieht das Verhältnis zwi- Das WUK initiiert und führt seit
bereits von der „AusBildung bis 18“ ge- schen politischem Anspruch, gesetzli- 1983 innovative Bildungs- und Bera-
hört. Vorrangig wurden sie von der chen Vorgaben und der Wirklichkeit tungseinrichtungen für am Arbeits-
Schule bzw. den Lehrer_innen darüber aus? Wie inklusiv können arbeits- markt benachteiligte Menschen. An
informiert. Die am häufigsten genannte marktpolitische Einrichtungen in den Standorten in Wien und Niederöster-
Antwort bei der Frage: „Was hast du da- bestehenden Förderstrukturen tatsäch- reich unterstützen 13 Einrichtungen
rüber gehört?“ war, dass die Eltern lich sein? Inklusive Angebote von Ein- jährlich mehr als 4.000 Personen bei
Strafe bezahlen müssen, wenn die Ju- richtungen vs. Einrichtungen als in- ihrem Einstieg in die Arbeitswelt.
gendlichen nach dem 9. Schuljahr nicht klusive Arbeitsplätze, Klient_innen vs. Menschen mit unterschiedlichsten Be-
weiter in eine Schule gehen oder eine Schlüsselkräfte: Wer inkludiert eigent- nachteiligungen stehen vielfältige An-
Lehre machen. lich wen? Und was braucht es, um in- gebote der Beratung, Berufsorientie-
Im Freundes- oder Familienkreis klusive Angebote unter dem derzeiti- rung, Qualifizierung und Beschäfti-
wurde das neue Gesetz bei zirka der gen gesellschaftlichen Leistungsdruck gung offen.
Hälfte der Jugendlichen thematisiert. umsetzen zu können? Jugendliche zählen bis heute zu den
Neben der „Konsequenz“ bei Nicht- Inklusive Denkanstöße bilden den wichtigen Zielgruppen von WUK Bil-
Einhaltung, Strafe zahlen zu müssen, theoretischen Einstieg in das Thema, dung und Beratung.
tauschen sich manche Jugendliche mit
WUK-INFO-INTERN 4/17 Oktober 7kolumne
Unter uns über uns
Von Claudia Gerhartl
H
abt ihr euch langsam an den ein Planschbecken für Erwachsene zu Rafiq Varind spielten aber nicht nur
Gedanken gewöhnt, dass der installieren. Zum Beispiel auf dem Mit- Reggae Rhythmen, sondern alles Mögli-
Sommer bald vorbei ist? Ich telhausdach, umgeben von den Bäum- che von alten Hadern bis Happy Sound,
nicht. Ich hab mich auch noch nicht chen und Pflanzen von Andreas unterstützt wurden sie zwischendurch
ganz an Wien gewöhnt, ans frühe Auf- Schmid, mit einem Seilzug zur Bar und spontan von einem australischen Kolle-
stehen und ans Arbeiten. Ja, auch Lehre- einer Rutsche in den Hof! gen, dessen Namen ich leider nicht
rInnen arbeiten manchmal. Aber auch so war der Sommer im Hof kenne. So viel gute Stimmung hab ich
Im WUK hingegen wird ständig gear- ein Hit! Frauenfußball-EM, Platzkon- im WUK schon lange nicht erlebt. So-
beitet: an einer neuen Homepage, an zerte, Kulturzelt und an einem der letz- gar die Menschen, die an den diversen
neuen Projekten, in der Bars gearbeitet haben, haben
Flüchtlingsberatung und in mitgetanzt, nur die Security
der Unterstützung derer, die ist großteils todernst geblie-
hier heimisch werden wollen. ben, wenn sie ihre Runden
Christine Baumann belebt durch den Hof gezogen ist.
seit zehn Jahren unermüd- Danke, ihr Lieben, dass ihr
lich den Hof mit wechseln- auf unsere Sicherheit achtet,
den Ausstellungen in der aber: Lachen ist dabei nicht
Kunstzelle, es wird mit der verboten! Nicht meinetwe-
Gemeinde Wien verhandelt, gen, sondern damit es euch
veranstaltet, musiziert, ge- mehr Spaß macht!
malt, getöpfert, gespielt, dis- Könnte übrigens das
kutiert, gehämmert und ge- Bushfire Orchestra nicht
sägt. Und vieles mehr. auch mal bei der Weih-
Apropos Kunstzelle: Der- nachtsfeier alias Jahresab-
zeit zu bewundern gibt es in schlussfeier spielen? Bittebit-
der ehemaligen Telefonzelle tebitte!
ein altes, schwarzes Telefon – Es wird aber nicht nur
ein Projekt des Künstlers ausgelassen gefeiert im
Aldo Giannotti, der mit sei- WUK, sondern auch ernst-
Viele schauen Frauenfußball im WUK.
ner Arbeit eine Art Selbstpor- Foto: Niko Ostermann haft diskutiert, zum Beispiel
trät gestaltet und es mit dem über Umverteilung in Öster-
Black Telephone unterwan- reich und der EU, über den
dert. Das schwarze Bakelit-Telefon, an ten schönen Abende noch das Craft Optimismus des Willens und unleistbar
dem lediglich ein einziger Knopf mit der Beer Festival, wo sich eine kleine gewordenes Wohnen.
Aufschrift „Mom“ angebracht ist, dient Gruppe ostösterreichischer Craftbier- Und: Die Jazzwerkstatt Wien ist bis
als Initiator für ein Gespräch zwischen Brauereien auf Initiative der „Beer zum 24. September auch wieder im
dem Besuchenden und der Mutter des Lovers“ zusammengetan hat, um eine WUK, diesmal sogar im XL-Format,
Künstlers. Die Beteiligten werden dabei gemeinsame Genussparty zu feiern. Ich insgesamt gibt es 25 Acts an 11 ver-
in eine Unterhaltung über ihren eigenen als Weintrinkerin bin eher zufällig hi- schiedenen Orten.
Sohn verwickelt, so steht es auf der neingeraten, bin aber ab sofort ein abso- Wer vom Wählen im Oktober noch
WUK-Homepage zu lesen. luter Fan dieser Veranstaltung, die es nicht genug hat, komme bitte am 19.
Im Sommer allerdings diente die hoffentlich zum nächsten Sommerende November zur jährlichen Genrealver-
Kunstzelle als Planschbecken vor allem wieder gibt. Ich habe sogar Bier getrun- sammlung des Vereins WUK, wo dies-
für die Kinder des Hauses, beim wö- ken, soll ja übrigens sehr gesund sein. Es mal auch wieder ein neuer Vorstand ge-
chentlichen Wasserwechsel konnte gut gab aber nicht nur Bier, es gab auch gu- wählt wird.
nachgewiesen werden, dass die WUK- tes Essen, Kunst und vor allem sehr lei- Am 23. Oktober ist übrigens Weltfrie-
Kinder auch die Sandkiste intensiv nut- wande Musik vom international besetz- denstag – auch im WUK gibt es dazu
zen. ten Bushfire Orchestra, dessen Künstler Veranstaltungen, und wer will, kann
Eigentlich finde ich es schade, dass es verstanden haben, den Hof in einen sich beteiligen. Vielleicht ein guter Aus-
nur die Kinder einen Platz zum Baden karibischen Dancefloor mit jeder Menge gleich nach den Nationalratswahlen!
hatten und ich appelliere an die kreati- good vibes zu verwandeln. Die drei Mu- Bis dahin: Abwarten und Sturm trin-
ven Geister im Haus, doch endlich mal siker Sam Brisbe, Lee Hofmann und ken!
8 WUK-INFO-INTERN 4/17 Oktoberdemokratie
WUK-Generalversammlung
am 19. November
Einladung des WUK-Vorstands
D
er Vorstand des WUK – Verein ¥ Wahl der Vorstandsmit-
zur Schaffung offener Kultur- glieder
und Werkstättenhäuser lädt ¥ Bestätigung der Auftei-
hiermit fristgerecht alle WUK- lung der Vorstands-Funk-
Mitglieder (Mitglieder des Vereins) zur tionen
Foto: Rudi Bachmann
ordentlichen Generalversammlung ein: ¥ Wahl der Vereinsprüfe-
Sonntag, 19. November 2017 rInnen
um 14:00 Uhr ¥ Wahl der Abschlussprü-
im Foyer des Veranstaltungssaals fung für die Geschäfts-
(barrierefrei) jahre 2018 bis 2020
1090 Wien, Währinger Straße 59. ¥ Allfälliges
Die Ausgabe der Stimmkarten erfolgt Stimmberechtigt sind alle (definitiv stand ersucht euch jetzt schon, davon
ab 13:45 Uhr. aufgenommenen) WUK-Mitglieder, die reichlich Gebrauch zu machen). Und
Als Tagesordnung wird vorgeschlagen: bis spätestens 2 Wochen vor dem GV- gleichzeitig werden auch der Budget-Be-
¥ Eröffnung und Begrüßung Termin – also bis Freitag, 3. November richt und der Budget-Voranschlag auf der
¥ Feststellung der Beschlussfähigkeit – den Mitgliedsbeitrag für 2017 bezahlt WUK-Homepage einsehbar sein und im
¥ Wahl der Gesprächsleitung und der haben. Informationsbüro aufliegen.
Protokollführung Im Zweifelsfall (die Einzahlung er-
¥ Feststellung der Kandidaturen für scheint aus irgendeinem Grund nicht Hauskonferenz am 15. November
den Vorstand im Computer auf ) obliegt der Nachweis Weiters lädt der Vorstand alle WUK-
¥ Beschlüsse zur Tagesordnung über die Stimmberechtigung den einzel- Mitglieder und alle im Haus Tätigen zur
¥ Berichte des Vorstands nen WUK-Mitgliedern. Wir ersuchen Hauskonferenz ein, bei der schwerpunkt-
¥ Diskussion der Berichte des Vor- euch daher, den Zahlschein-Abschnitt mäßig, die im Rahmen der Strategie
stands oder die Mitglieds-Karte mitzunehmen. WUK 2020 erarbeiteten Maßnahmen
¥ Berichte der Geschäftsleitung Kultur zur nachhaltigen Sicherung des Gebäu-
und Verwaltung Fristen des WUK diskutiert werden können.
¥ Diskussion der Berichte der GL K+V Laut der Geschäftsordnung für WUK- Mittwoch, 15. November,
¥ Berichte der Geschäftsleitung Generalversammlungen sind folgende um 18:30 Uhr
Bildung und Beratung Fristen einzuhalten: im Harry-Spiegel-Saal (Stiege 5)
¥ Diskussion der Berichte der GL B+B a) Spätestens 8 Wochen vor der GV (barrierefrei)
¥ Bericht der Abschlussprüfung sind die WUK-Mitglieder vom Vor-
¥ Präsentation des geprüften stand einzuladen. Kinderbetreuung
Jahresabschlusses 2016 b) Spätestens 4 Wochen vor der GV – Um möglichst vielen Mitgliedern die
¥ Bericht der Vereinsprüfung also bis Sonntag, 22. Oktober – sind Teilnahme an der Generalversammlung
¥ Diskussion der Berichte von die Kandidaturen für den neuen Vor- zu ermöglichen, organisiert der Kinder-
Abschlussprüfung und Vereinsprüfung stand sowie die Anträge an den Vor- und Jugend-Bereich (KJB) bei Bedarf
¥ Entlastung des Vorstands für das Jahr stand zu übergeben (auch Anträge auf am 19. November von 13:30 bis zum
2016 Erweiterung und Änderung der Tages- Ende der GV – längstens aber bis 20:00
¥ Picture Night / Präsentationen aus ordnung). Uhr – eine Kinderbetreuung in der
dem WUK Nicht rechtzeitig eingebrachte Anträge Kindergruppe 3 (Eisenstiege, links,
¥ Präsentation des voraussichtlichen kommen erst nach allen anderen Anträ- leider noch nicht barrierefrei).
Rechnungsabschlusses 2017 gen und nur unter bestimmten Bedin- Wer die Kinderbetreuung in An-
¥ Präsentation des Budget-Voranschlags gungen zur Behandlung (Kapitel F, spruch nehmen will, möge sich dafür
2018 Punkt 43 und 44 der GO). bitte bis Mittwoch, 15. November im
¥ Genehmigung des Budget-Voran- c) Spätestens 2 Wochen vor der GV Informationsbüro anmelden.
schlags 2018 sind vom Vorstand die Tagesordnung, Persönlich oder
¥ Anträge die Anträge und die Kandidaturen, aus- unter Telefon 01 401 21 0 oder
¥ Wahl der Wahlkommission zusenden. Gleichzeitig werden die Re- mit E-Mail an info@wuk.at
¥ Vorstellung der KandidatInnen für chenschaftsberichte im Informations- Bitte Anzahl und Alter der Kinder an-
den Vorstand büro zur Einsicht aufliegen (der Vor- geben.
WUK-INFO-INTERN 4/17 Oktober 9flucht
Ein Jahr Jugendcollege
Von Susanne Senekowitsch, WUK Bildung und Beratung
Das Jugendcollege“ betraut sind.
Christoph Trauner, Geschäftsleiter
von WUK Bildung und Beratung,
äußerte im Rahmen der Veranstaltung:
„Die Unterstützung von geflüchteten
Menschen nimmt in der Geschichte
und im Selbstverständnis des WUK
einen wichtigen Platz ein. Daher freut
es uns besonders, die langjährige Erfah-
rung als Träger von arbeitsmarktpoliti-
schen Bildungs- und Beratungseinrich-
Foto: PID/Votava
tungen in die Umsetzung des Jugend-
colleges einbringen zu können.“
153 Arbeitsverhältnisse
1.268 Jugendliche und junge Erwach-
sene zwischen 15 und 21 Jahren wurden
A
m 3. Juli wurde das einjährige ter_innen der Fördergeber_innen und im letzten Jahr beraten und hinsichtlich
Bestehen von „StartWien – Das der Projektpartner_innen in der Volks- ihrer Bildungskenntnisse eingestuft.
Jugendcollege“ mit einem gro- hochschule Rudolfsheim-Fünfhaus ge- Durchschnittlich bleiben die Teilneh-
ßen Fest mit über 500 Jugendlichen, In- feiert. mer_innen des Jugendcolleges rund 215
tegrationsstadtrat Jürgen Czernohorszky, WUK Bildung und Beratung ist eine Tage an den beiden Standorten in der
Sozialstadträtin Sandra Frauenberger, der insgesamt neun Organisationen, die Buchengasse und der Spitalgasse. Frei
Staatssekretärin Muna Duzdar, Vertre- mit der Umsetzung von „Start Wien – gewordene Plätze im Jugendcollege wer-
Der Verlust einer „männlichen“ Domäne
A
ls renitenter Fußballgegner und gen und die Spiele wurden in allen Ka- nerdomäne gewesen sein soll. Und da-
Befürworter von öffentlicher nälen übertragen, wenngleich mit rauf stolz sein, dass das WUK auch
Zurschaustellung von Selbstver- peinlichen Kommentatoren, aber auch hier einen historischen Beitrag im
ständlichkeiten habe ich mich wie ein das war erwartbar. Kampf um Geschlechtergerechtigkeit
Honigkuchenpferd gefreut, als aus dem In 20 Jahren werden wir alle darüber geleistet hat.
Statt-Beisl ein Public Viewing der lachen, dass Fußball einmal eine Män- Philipp Leeb
Frauenfußball-EM angekündigt
wurde. Dass es dann sogar im Hof
stattfinden sollte: da bin ich vom Ses-
sel gefallen.
FM4 hat gekniffen, aber auch egal,
auf Kryptofeminismus kann verzich-
tet werden.
Die Übertragung war ein voller Er-
folg, zahlreiche Menschen haben
Zinsberger, Prohaska und Feiersinger
Foto: Niko Ostermann
zugejubelt. Wie zu erwarten waren es
spannende Spiele und grandiose Mo-
mente. Niederlande ist verdient Eu-
ropameisterin geworden, und hierzu-
lande sind viele Kinnladen hinunter-
gefallen. Es gab keine Ausschreitun-
10 WUK-INFO-INTERN 4/17 Oktoberflucht
den kontinuierlich nachbesetzt: Sobald Bäckerlehrlinge, Bürokaufmannlehr- die Nationalitäten Somalia, Irak, Iran,
Jugendliche das Jugendcollege verlassen, linge und Personen, die eine Kranken- Rumänien, Bulgarien und Serbien ver-
werden über monatliche Clearings neue und Gesundheitspflegeausbildung be- treten. Altersmäßig ist die größte
TeilnehmerInnen aufgenommen. ginnen. Gruppe die der 18-Jährigen (23 Pro-
Im ersten Projektjahr konnten 153 Ju- Die Vermittlung der Asylberechtigten zent), gefolgt von den 19-Jährigen (22
gendliche erfolgreich in ein Arbeitsver- an das Jugendcollege erfolgt über das Prozent).
hältnis, eine weiterführende Ausbildung AMS Wien, die der Asylwerber_innen
oder Lehrstelle vermittelt werden. Meh- über den Fond Soziales Wien und die Kreativität und Gestaltung
rere Jugendliche konnten zum Beispiel MA17. 28 Prozent der Teilnehmer_in- Neben dem täglichen Unterricht wur-
durch eine Kooperation im Lebensmit- nen sind weiblich. Ein Großteil der Ju- den im Jugendcollege einige Projekte
telhandel eine Lehre beginnen. Unter gendlichen kommt aus Afghanistan entwickelt, die gemeinsam mit den Ju-
den erfolgreich Vermittelten sind auch (440) und Syrien (243). Außerdem sind gendlichen im Alltag realisiert werden.
So wurde u.a. in der Buchengasse im
Fach „Kreativität und Gestaltung“ eine
Ausstellung erarbeitet, deren Werke im
Mitarbeiter_innen-Tag 2017 Rahmen der Wiener Integrationswo-
chen im WUK gezeigt wurden. Derzeit
D
er Mitarbeiter_innen-Tag von oder Zeichnen ein durchaus komple- werden die Bilder und Kunstobjekte als
WUK Bildung und Beratung xes Wort wie „Weltanschauung“, Wanderausstellungen an Standorten der
erreichte am 12. Juni mit „Wertschätzung“ oder „Gleichstel- Wiener Volkshochschulen der Öffent-
rund 130 Teilnehmer_innen einen lung“ so darstellen, dass es das restli- lichkeit zugänglich gemacht.
neuen Rekord. Dieser Höchstwert ist che Team erraten konnte. Die daraus Momentan werden die Jugendlichen
diversen Erweiterungen zu verdanken, entstandene Wörter-Sammlung bildete im Rahmen der Trainings dabei unter-
unter anderem dem 2016 gestartete gleichzeitig die Überleitung zum stützt, Texte über ihr Leben, ihre Ge-
Kooperationsprojekt „StartWien – nächsten Teil. schichten der Flucht, aber auch über
Das Jugendcollege“. Die Mitarbeiter_innen von WUK ihre Wünsche und Vorstellungen für die
Zur Einstimmung gab es wie immer Bildung und Beratung stellten sich Zukunft zu schreiben. Das Ziel ist es
einen Fragebogen zur Mitarbeiter_in- nach der Dauer ihrer Mitarbeit im anschließend eine Sammlung der Texte
nen-Zufriedenheit und die Möglich- WUK entlang einer Linie auf, die von in einem Buch zu veröffentlichen.
keit, sich mit selten gesehenen Kolleg_ wenigen Monaten bis ca. 25 Jahre Finanziert wird das Jugendcollege aus
innen bei Kaffee und Kuchen auszu- reichte. Dabei wurden die Teilneh- Mitteln des Europäischen Sozialfonds
tauschen. Geschäftsleiter Christoph mer_innen gleich für den ersten (ESF), der MA 17 – Integration und
Trauner startete mit einem Rückblick Durchgang des darauffolgenden Diversität, des AMS Wien und des
auf die Höhepunkte und Herausforde- World Cafés in 16 bunt gemischte FSW Wien mit Unterstützung des Wie-
rungen des letzten Jahres. Es folgten Gruppen eingeteilt. In Sesselkreisen ner ArbeitnehmerInnen
Präsentationen von Rosi Güttersber- diskutierten die Gruppen schließlich Förderungsfonds (waff ).
ger-Stockinger zum Qualitätsmanage- das Leitbild von WUK Bildung und
ment und von Camilla Bensch zu den Beratung und tauschten sich darüber
Ergebnissen der Erhebung psychischer aus, was bei der Betrachtung des Leit-
Belastungsfaktoren der Mitarbeiter_
innen am Arbeitsplatz.
bildes als Ganzes noch passt, was nicht
mehr passt und was fehlt. In mehreren
Eingmocht real
Z
In der anschließenden Vorstellungs- Durchgängen und verschiedenen um gemütlichen Wochen-
runde der einzelnen Projekte durften Gruppen wurde das Leitbild weiterdis- endbrunch werden neben
sich die Mitarbeiter_innen nach einem kutiert. essbaren Installationen von
kurzen Interview in Performancekunst Am Ende wurden die nötigsten Ver- Titi Laflora Stücke serviert, in denen
üben. Je ein_e Kolleg_in musste in änderungen in einem Ergebnisproto- Elemente aus Bräuchen und Tradi-
Form von Pantomime, Umschreibung, koll festgehalten und präsentiert. Die tionellem aus dem Kontext genom-
Ergebnisse des Mitarbeiter_in- men, kritisch beleuchtet und in ei-
nen –Tages werden im Weite- nem zeitgenössischen Rahmen neu
ren als Basis für die Überarbei- kombiniert und präsentiert werden.
tung des Leitbildes von WUK Mit Regina Picker (WUK, ttp),
Bildung und Beratung dienen. Großmütterchen Hatz & Klok I
Die Krönung des Tages Trio, Katharina Schwärzer und An-
Foto: Susanne Senekowitsch
stellte natürlich der gemütli- drea Krohn.
che Ausklang mit Buffet und 23. und 24. September, 11:00 Uhr
Getränken im Innenhof des Volkskundemuseum Wien
WUK dar. 1080 Laudongasse 15-19
Susanne Senekowitsch Info & Anmeldung:
WUK Bildung und Beratung performancebrunch@gmail.com
WUK-INFO-INTERN 4/17 Oktober 11türkisch
Auf der Bühne
Jürgen Plank über Hülya Çelik vom Theater Sahne.
H
ülya Çelik wurde in Österreich zumachen, und das waren zunächst or- Theater Sahne gegründet. Da bin ich
geboren und ist auch hier auf- ganisatorische Aufgaben. Teilweise habe Schriftführerin, Hakan Çepelli ist Ob-
gewachsen, ihre Eltern sind aus ich einfach auch diesen Raum, der uns mann. Mit einer relativ kleinen För-
der Türkei. Sie hat dann Turkologie stu- zur Verfügung gestanden ist, dem Thea- derung konnten wir das Jahrespro-
diert, türkische Literatur und Ge- ter für Proben zugänglich gemacht. Ich gramm nicht wie geplant umsetzen. Wir
schichte, und ihren Master und das habe meistens den Schriftverkehr abge- haben aber auch gelernt, mit Sponsoren
Doktorat gemacht. Sie ist also Turkolo- wickelt, das geht in Richtung PR, und umzugehen. Ich habe nämlich am Insti-
gin und unterrichtet Türkisch und Os- ich habe auch versucht, Vernetzungen tut für Kulturkonzepte den Kulturma-
manisch, zuerst an der Universität zu schaffen. Ich habe aber alle mögli- nagement-Lehrgang gemacht und dabei
Wien, mittlerweile ist sie in Hamburg, chen Aufgaben übernommen: Teilweise auch einiges gelernt. Auch in Richtung
mit einer halben Lehrstelle. PR, wir haben inzwischen
„Aber irgendwann will ich einige Sponsoren, aber es
wieder zurück nach Wien.“ wäre gut, eine dauerhafte
meint sie. Förderung zu bekommen
Jürgen: Was lehrst du ge- für die Theaterwerkstatt
nau? bzw. für das Theater
Hülya: Ich muss den Stu- Sahne.
dentInnen auch Osmanisch
beibringen, das ist dann Im Interkulturellen Bereich
Türkisch in arabischer Seid ihr mit Theater Sahne
Schrift. Bis Atatürk, bis zur jetzt im Tanz-Theater-Per-
Sprachreform, wurde alles formance-Bereich des WUK
in arabischer Schrift ge- verortet?
schrieben. Nein, das war eine stra-
Wie bist du ins WUK ge- tegische Überlegung, ich
kommen? habe mich zum Beispiel
Ich bin schon seit 2010 mit Christine Baumann
im WUK, durch die „Verei- beraten, und sie hat ge-
nigung der StudentInnen meint, es wäre wichtig,
und Jugendlichen aus der dass der Interkulturelle Be-
Türkei in Wien“. Da habe reich aktiver wird und
ich bis jetzt mitgemacht. Im mehr zum Vorschein
Jahr 2015 habe ich mich kommt, und wir sollten
auch bei den Vorstandswah- uns einfach im Interkul-
len im WUK vom Interkul- turellen Bereich ansiedeln.
turellen Bereich (IKB) auf- Das haben wir dann auch
stellen lassen. Ich bin dann gemacht, wir sind ein Teil
im Vorstand Kassierin ge- des IKB.
worden, und diese Funk- Wie ging es mit Theater
tion habe ich noch immer. Sahne weiter, seit du dabei
bist?
Seit 2011: Theater Sahne Im Jahr 2013 und im
Heute sprechen wir aber Fotos: Jürgen Plank Jahr 2015 sind zwei größere
nicht über die Vereinigung Theaterprojekte gelaufen.
der StudentInnen und Jugendlichen aus bin ich einfach am Büffet gestanden Das waren beides türkische Stücke, die
der Türkei in Wien, sondern über dein und habe verkauft, wenn Theaterauf- Hakan Çepelli für die Bühne vorbereitet
Theaterprojekt namens Theater Sahne. führungen waren. und mit Laien umgesetzt hat. Die meis-
Wie ist das entstanden – und was war der Wie seid ihr mit dieser Vereinigung ten Mitwirkenden hatten zwar schon ir-
Anstoß dafür? heute verbunden? gendwelche Bühnenerfahrungen, aber
Theater Sahne wurde schon 2011 als Dieses Jahr sind wir von der Vereini- die meisten waren keine ausgebildeten
eine Art Laientheatergruppe von Hakan gung der StudentInnen und Jugend- SchauspielerInnen. Auch Hakan selbst ist
Çepelli gegründet, mit dem ich auch lichen aus der Türkei in Wien unabhän- kein ausgebildeter Regisseur, er ist eigent-
verheiratet bin. Ich habe begonnen mit- gig geworden und haben den Verein lich zum Studium von Theater, Film und
12 WUK-INFO-INTERN 4/17 Oktobertürkisch
Medienwissenschaften hierhergekom- Zum Teil ein bisschen verkürzt. Sprache rezitiert und dargestellt.
men. Er hat das Studium aber rasch auf- Was habt ihr noch in den letzten Jahren Das vorhin angesprochene Theaterpro-
gegeben, weil es für ihn eine sprachliche gemacht? jekt „Derwisch erzählt“ wurde im Inter-
Barriere gegeben hat, und er hat bald Der nächste Schritt war, dass wir eine kulttheater aufgeführt. Dieses Theater
seine ersten kleinen Projekte gemacht. Theaterwerkstatt gegründet haben, die gibt es jetzt nicht mehr. Wie siehst du das:
im WUK angesiedelt war, die Workshops Fehlt so ein Theater in Wien, das die in-
Wer kommt ins Paradies? haben immer hier stattgefunden. Wir ha- terkulturelle Ebene mitdenkt?
Kommen wir zu den angesprochenen grö- ben uns zeitlich an das Universitäts-Se- Ja, auf jeden Fall. Wir hatten mit dem
ßeren Projekten. Welche Stücke habt ihr mester gehalten und im Oktober begon- „Derwisch“ auch persönliche Gespräche
auf die Bühne gebracht? nen und im Jänner geendet. Unser zwei- darüber, ob man das Interkulttheater
Eines der Stücke war „Oh, diese Ju- tes Semester war dann von März bis Juni, nicht wieder beleben könnte. Die Miete
gend“, das ist ein sehr bekanntes türki- und am Ende jedes Semesters haben die dort ist einfach so hoch, dass er das Ri-
sches Jugendtheaterstück, das noch im- Teilnehmenden gemeinsam mit den Leh- siko nicht noch einmal eingehen
mer, auch in der Türkei, in sehr vielen renden Performances vorbereitet. möchte, weil er finanziell immer wieder
Theatern gespielt wird. Das zweite aus der eigenen Tasche etwas dazu zah-
Stück im Jahr 2015, „Azizname“, war Derwisch erzählt len musste. Das war bei uns teilweise
gleichzeitig das erste Stück, für das wir Wer ist bei den Lehrenden dabei? auch der Fall, denn interkulturelles
eine Förderung von der MA7 für vier Irgendwann haben wir uns getraut, Theater bzw. Community Theater ist
Aufführungen bekommen haben. Das Aret Güzel Aleksanyan anzusprechen, schwer zu finanzieren. Besonders wenn
war sehr schön. Das Geld hat nicht ge- ihn kennt man vom Projekt „Derwisch man keine professionellen Theater-
reicht, aber man konnte damit einiges erzählt“, er unterrichtet jetzt bei uns schauspielerInnen dabei hat. Irgend-
machen. „Azizname“ ist eine Bühnen- zum Beispiel Improvisationstheater. wann wird man dann professionell, und
adaption von Kurzgeschichten von Aziz Wer waren die TeilnehmerInnen an der das war ein Ziel dieser Theaterwerk-
Nesine. Auch sehr berühmt in der Tür- Theaterwerkstatt? statt: Leute heranzuziehen, die gut sind.
kei, wobei es unter der Regierung von In der Theaterwerkstatt hatten wir Habt ihr vor, um die Interkulturalität
Recep Tayyip Erdoğan nicht so gern ge- auch Leute, die sehr gut Deutsch konn- zu befördern, neben der türkischen auch
sehen wird, dass dieses Stück auf die ten. Das sind dann Menschen, die hier andere Sprachen zu verwenden?
Bühne gebracht wird. Aber das ge- geboren worden und hier aufgewachsen Ja, das haben wir zum Teil schon ge-
schieht noch immer. sind. Die haben bei der letzten Perfor- macht. Beim letzten Workshop ging es
Warum sieht das die aktuelle Regierung mance auch Monologe in deutscher ein bisschen von der Initiative der
nicht gerne?
Weil es politische Satire ist. Es bewegt
sich immer wieder in Richtung Putsch,
in diese Richtung gibt es Anspielungen
– und die Türkei hat ja verschiedene Er-
In_Sight
I
fahrungen zum Thema Putsch gemacht. n-Sight ist ein viertägiges kreatives Zugänge, mit denen Verbindung mit
Es geht auch um das Thema Krieg, und Labor des Vereins Corpo Colec- dem Raum und anderen TänzerInnen
da gibt es zum Beispiel eine schöne tivo, in dem neue Wege erforscht hergestellt werden können. Es wird
Szene, in der ein Kind fragt: „Wenn werden, sich zu bewegen, sehen und vermittelt, einander wahrzunehmen
zwei Muslime gegeneinander Krieg füh- wahrzunehmen. und im Moment Raum geschaffen für
ren, wer ist dann der Märtyrer?“ Weil es Jeder Tag wird mit einer dreistündi- spontane Interaktion und Komposi-
ja die Auffassung gibt, wer im Krieg gen Morgeneinheit begonnen, mit ei- tion. Indem die Aufmerksamkeit auf
stirbt, wird zum Märtyrer. Die Frage ner Feldenkrais-Klasse, die sanft in den Körper als performatives und aus-
lautet also: Wer kommt dann ins Para- eine Bewegungsforschung überführt drucksstarkes Werkzeug gerichtet
dies? Dieses Stück haben wir gemacht und Ideen von Axis Syllabus aufgreift. wird, verlagert sich der Fokus, vom
und das haben wir heuer noch zwei Mal Angeleitet durch Ruth Valens und Lis- nach innen sehen zum gesehen wer-
aufgeführt. beth Bitto werden die Körper geweckt den.
und gewärmt und schrittweise ein all- 26. bis 29.Oktober
Theaterwerkstatt gemeineres und größeres Gesamtbild 10:00 - 13:00 Morgensession
Wo waren die Aufführungen? von Bewegung untersucht. 13:00 - 14:00 Mittagspause
In Volkshochschulen, im PAHO im Die Vormittage bieten Einblicke in 14:00 - 17:00 Labsession
zehnten Bezirk. Wir arbeiten oft mit Funktionsweise und Architektur unse- Im WUK, Flieger (Eisenstiege)
Volkshochschulen zusammen. 2015 ha- rer Körper und laden zu einer inneren Kosten:
ben wir im 5. Bezirk gespielt, im poly- Entdeckungsreise ein. sliding scale 190,- bis 240,-
college, und auch im 13. Bezirk, in der Inspiriert davon wird in der Nach- Information und Registration:
VHS Hietzing, weil die sehr kulant wa- mittagssession erforscht, wie sich un- office@coco.wien
ren in Bezug auf Bezahlung und Probe- sere Erfahrungen in einen kreativen Weitere Informationen zum Labor
zeiten. Prozess umwandeln lassen. Durch und zu den Dozentinnen:
In welchen Sprachen wurden die Stücke kurze Improvisationen und Übungen www.coco.wien
gespielt? bieten Ilse van Haartracht und Lisbeth
Auf Türkisch, in Originalfassung.
WUK-INFO-INTERN 4/17 Oktober 13Sie können auch lesen