Westwind - Stadtteiljubiläum Osdorfer Born 2017 - Sonderausgabe - Johann Daniel ...
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Stadtteiljubiläum
Osdorfer Born 2017
westwind
Stadtteilmagazin für Osdorf und Umgebung · Nr. 7-8 Juli-August 2017
SonderausgabeInhalt
Inhaltsverzeichnis · Bildnachweise 2
Editorial Westwind -Redaktion 3
Grußwort Erster Bürgermeister Olaf Scholz 4
Grußwort Bezirksamtsleiterin Dr. Liane Melzer 5
NDR-Sommertour im Osdorfer Born 6
Stadtteilfest zum 50-jährigen Jubiläum 7
„Hafen“ Osdorfer Born 8
50 Jahre – und ein bisschen weiser 10
Ein Ort für Kinder 12
Bildung im Born 14
Blick auf den Born 17
Bunte Wege und schlaue „Wegweiser“ 18
Der grüne Born 20
Das Flaßbargmoor 22
Jugendliche im Osdorfer Born 23
Energie in konstruktive Bahnen lenken 25
Impressionen vom Born 26
Das Bürgerhaus Bornheide 28
Stadtteiltourismus: Osdorf sehen und staunen 30
Erfolgsgeschichten: MigrantInnen im Born 32
Kultur nicht nur im Verborgenen 34
Kunstforum Osdorfer Born 36
Blick auf den Born 37
Die Maria-Magdalena-Kirchengemeinde 38
Blick auf den Born 40
SAGA: Partnerin des Osdorfer Borns 41
Doppeljubiläum: 50 Jahre ohne Schnellbahn 42
Der SV Osdorfer Born 44
Der Born in Zahlen 46
25 Jahre Soziale Stadtteilentwicklung 48
Blick auf den Born 51
Impressum 52
Bildnachweis, soweit nicht angegeben (Seitenangabe):
Frieder Bachteler 25 (2), 33, 35, 36 (Nr. 1), 42, 47, 48, 49, 50 – Michael Boehnert 22 (3) –
Bürger- und Heimatverein Osdorf 30 – Celal Cengiz 32 – Miriam Djabbari 47 – Eva-Maria
Duhnkrack 52 – European XFEL 2 – Thomas Fischer 46 – Hamburg-Archiv 10 – HHA 43
– Tom Hopfgarten 3, 9, 12, 15, 16, 17 (3), 21, 23, 31 (2), 36 (Nr. 7), 37, 38, 40, 51 – Martina
Jeswein 14 – Andreas Lettow 7,13 ,28, 29, 34, 35 (2), 36 (Nr. 16) – Bernd Meier 30 –
Tim Möller-Kaya 26, 27 – NDR 6 (2) – Jenny Ohlenschlager 25 – Pressestelle Senat 4 –
Pressestelle BA 5 – privat 25, 32, 34, 43 – Gerhard Sadler 2, 31, 36 (Nr. 2-6, 8-15) – SAGA
7, 8, 11, 20, 35, 41 – SPD-Bürgerschaftsfraktion 43 – Spielhaus Bornheide 12 – Cornelia
Strauß 29 – studio urbane landschaften 18, 19 – SVOB 44, 45
Höchstes Graffito der Welt
2 westwind 7-8 Festschrift 2017„Klein-Chicago“ im Grünen Das war schon ungewohnt für die Hamburger Ende von Projekten zur Sozialen Stadtteilentwicklung viel der 60er Jahre: Hochhäuser, die bis zu 22 Stock- Neues entwickelt. werke in den Himmel ragten – da war der Beina- So laden wir Sie nun, anlässlich des 50-jährigen me „Klein-Chicago“ für die neue Siedlung auf der Bestehens des Osdorfer Borns, dazu ein, den Stadt- grünen Wiese schnell zur Hand. Bis heute ist das teil und seine Menschen näher kennenzulernen – auf Quartier im Hamburger Westen vielen nicht ganz vielerlei Veranstaltungen in diesem Jubiläumsjahr, geheuer: Kann man da überhaupt wohnen? Was bei Spaziergängen und in Gesprächen mit Bewoh- für Leute leben da? Und was ist da sonst noch los? nerinnen und Bewohnern, und nicht zuletzt mit der Welchen Grund hatte es, dass man damals so Ihnen hier vorliegenden Jubiläumsschrift, einer Son- viele Wohnungen auf einmal gebaut hat? Wie sehen dernummer der Stadtteilzeitung Westwind. Versäu- die Menschen, die heute im Osdorfer Born wohnen, men Sie außerdem nicht die beiden Höhepunkte des ihren Stadtteil? Welche Bildungsmöglichkeiten fin- Jubiläumsjahres: das Stadtteilfest am 1. Juli auf dem den sie hier, wie können sie ihre Freizeit verbrin- Gelände des Born Centers und am 5. August das gen und warum kann man, dem grauen Hochhaus- Finale der diesjährigen NDR-Sommertour mit einem Image zum Trotz, den Osdorfer Born mit Fug und großartigen Musikfest am selben Ort. Der Osdorfer Recht als einen grünen Stadtteil bezeichnen? Born freut sich auf seine Gäste. Auf diese und andere Fragen soll Ihnen dieses Und auch im nächsten Jahr wird gefeiert wer- Heft Antworten geben. Denn, das können Sie der den: Dann begeht der Stadtteil Osdorf, von dem der Titelseite unserer Sonderausgabe schon entneh- Born nur ein kleiner Teil ist, seinen 750. Geburtstag! men, seit nunmehr 50 Jahren wohnen und leben im Wir haben in den vergangenen Wochen Menschen, Osdorfer Born viele tausend Menschen, von denen die im Osdorfer Born leben oder arbeiten, gefragt, viele gerne hier wohnen und der eine oder die ande- was ihnen am Born und an den BornerInnen gefällt re vielleicht auch nicht – wie in anderen Hamburger und was sie sich für den Born wünschen. Über das Stadtteilen auch. Heft verteilt lesen Sie dazu viele Antworten. Von Anfang an hat es viel Engagement der Be- Wir wünschen Ihnen interessante Begegnungen wohnerinnen und Bewohner gegeben, von der mit dem Osdorfer Born und seinen Bewohnerinnen „Interessengemeinschaft Osdorfer Born“ bis zur und Bewohnern und eine anregende Lektüre der „Borner Runde“ und zur Stadtteilkonferenz, Einrich- Westwind-Jubiläumsausgabe. tungen und Inititativen unterschiedlicher Art haben sich um das Quartier gekümmert und tun es noch, Frieder Bachteler und seit der Jahrtausendwende hat sich im Rahmen für die Westwind-Redaktion westwind 7-8 Festschrift 2017 3
Lebendiger Stadtteil
Der Osdorfer Born war in seinen Anfängen die erste Großsiedlung
der Freien und Hansestadt Hamburg, mit damals 12 000 Bewohne-
rinnen und Bewohnern. In diesem Jahr feiert das Quartier am westli-
chen Hamburger Stadtrand nun sein 50-jähriges Bestehen.
Die Siedlung entstand seinerzeit auch als politisches Signal: Es
ging darum, die akute Wohnungsnot der Nachkriegszeit zu bekämp-
fen. Hinzu kamen damals die Umsiedlungen nach der Großen Flut
von 1962.
Noch heute erinnern sich viele der älteren Bewohnerinnen und
Bewohner an die frühen Jahre des Osdorfer Born. Die Anpassung
an die neuen Nachbarschaften und einen neuen Wohnort war für
viele damals nicht ganz einfach. Aber genauso waren auch viele
Bewohnerinnen und Bewohner glücklich über den Komfort in ihren
neuen Wohnungen und die vielfältigen Freizeitmöglichkeiten in der
Feldmark und der weiteren Umgebung.
Als Bilanz nach einem halben Jahrhundert kann man feststellen:
Es hat sich hier über die Jahrzehnte ein sehr lebendiger Stadtteil
entwickelt.
Der Osdorfer Born ist auch ein sehr aktiver Stadtteil, in dem sich
viele Bewohnerinnen und Bewohner für ihr unmittelbares Lebens-
umfeld auf vielfältige Weise engagieren. Das Entstehen des Bürger-
hauses Bornheide und dessen heutige Nutzung für Kultur und Kom-
munikation sind dafür ein sichtbares Zeichen.
Im Sommer steht nun das Stadtteilfest auf dem Programm, bei
dem das 50-jährige Bestehen des Osdorfer Borns gebührend gefeiert
werden soll. Ich selber werde das Stadtteilfest am 1. Juli besuchen
und freue mich schon sehr darauf, wieder einmal vor Ort zu sein.
Olaf Scholz
Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg
4 westwind 7-8 Festschrift 2017Kreativ und engagiert Immer wieder treffe ich Menschen, die seit 50 Jahren am Osdorfer Born leben. Sie berichten mir mit leuchtenden Augen, wie sehr sie sich damals auf diese neuen, modernen Wohnungen gefreut haben. Manche kamen aus Wohnungen, in denen es noch keine Badezim- mer gab und die Toilette für viele Parteien auf dem Gang war. Auch heute fühlen sie sich noch immer sehr wohl am Osdorfer Born und wollen nicht von hier fortziehen. Besonders froh sind sie über den Zusammenhalt, den sie hier erleben und über das Engagement der Menschen im Viertel, sei es in der Borner Runde oder in den zahlrei- chen Vereinen, die es im und rund um den Osdorfer Born gibt. Auch damit hat dieser Stadtteil in den letzten 50 Jahren erfolgreich ge- zeigt, dass Integration gelingen kann und Menschen aus aller Welt friedlich zusammenleben können. Ich finde, dass sich der Osdorfer Born in den letzten Jahren, vor allem durch das Engagement seiner Bewohnerinnen und Bewohner, sehr positiv entwickelt hat. Auch die langjährige Hamburger Unterstüt- zung im Rahmen der Stadtteilentwicklung trägt heute Früchte. So gibt es hier das wunderbare KL!CK Kindermuseum, eine Bü- cherhalle, die gerade für die vielen Kinder und Jugendlichen beson- dere Angebote bereithält und das Bürgerhaus Bornheide, das sich seit seiner Eröffnung zu einem gut besuchten, lebendigen Mittelpunkt im Stadtteil entwickelt hat. Sehr gute moderne Schulen und das ers- te Bildungsband in Deutschland, welches die grüne Umgebung mit den unterschiedlichen Sozial- und Bildungseinrichtungen verbindet, runden das Bild ab. Kaum ein anderer Altonaer Stadtteil kann so viele Bildungsangebote aufweisen wie der Osdorfer Born. Auch aufgrund dieser vielen Angebote kann man heute, nach 50 Jahren, sagen, dass der Osdorfer Born mit zu den kreativsten und lebendigsten Stadttei- len in Altona gehört. Ich wünsche dem Osdorfer Born, seinen Bewohnerinnen und Be- wohnern, alles Gute zu diesem runden Jubiläum und freue mich sehr auf die vielen Veranstaltungen und ganz besonders natürlich auf die NDR-Sommertour. Dr. Liane Melzer Leiterin des Bezirksamts Altona westwind 7-8 Festschrift 2017 5
Anastacia im Osdorfer Born
Der internationale Topstar bei der NDR-Sommertour
Zum Finale ihrer diesjährigen Sommertour holen NDR 90,3 und das
„Hamburg Journal“ am Sonnabend, 5. August, ab 17 Uhr, einen inter-
nationalen Top-Star auf die Bühne auf dem Parkplatz am Born Cen-
ter: Anastacia kommt! Die Moderatoren Anke Harnack und Christi-
an Buhk führen durch das spannende Programm. Der Eintritt zu der
Veranstaltung ist kostenfrei.
Das Live-Programm eröffnet die Showband Papermoon mit den
besten Hits aus mehreren Jahrzehnten Musikgeschichte. Dann kom-
men Rudolf Rock & Die Schocker auf die Bühne, bevor schließlich
mit Anastacia eine der berühmtesten Künstlerinnen der Popmusik
das Publikum in Begeisterung versetzen wird. Ein Pop-Konzert, wie
es Osdorf noch nie erlebt hat!
Bevor jedoch der Hauptact des Abends auf die Bühne kommt, geht
es zunächst um die Stadtteilwette. Rund eine Woche vor der Veran-
staltung geben NDR 90,3 und das „Hamburg Journal“ die Aufgabe
Anastacia © Promo
für Osdorf bekannt. Am Sommertour-Abend zeigt sich dann, ob die
Osdorfer ihre Wette gewinnen.
Da heißt es dabei sein – mitmachen – die Wette gewinnen – und
dann Anastacia hören und erleben!
Rudolf Rock & die Schocker
Foto: Heidi Kronevitz
Anke Harnack und Christian Buhk Am 5.8. volles Haus!
6 westwind 7-8 Festschrift 2017Das große Jubiläumsfest Der Born wird 50! - Das feiern wir am 1.7.2017, 11 bis 17 Uhr, vor dem Born Center Kulturfest vor dem Bürgerhaus Stadtteilfest in den Anfangsjahren Die Wohnungseigentümer und das und mit Charme. Jugendliche erwar- senrad verbindet Vergangenheit, Ge- Born Center laden zur zentralen Fest- tet ein Hip Hop-Workshop und Rap genwart und Zukunft. veranstaltung des Jubiläumsjahres auf der großen Bühne. Eine besondere Attraktion bietet ein. Zusammen mit den Einrichtun- Der Erste Bürgermeister der Freien der Born-Loop: Das Rollskirennen gen und den vielen Aktiven im Stadt- und Hansestadt Hamburg hat eben- als Mitmachaktion! In der Zeit von teil lässt Stadtteiltourismus Osdorfer so sein Kommen angekündigt wie die 12-15 Uhr findet hinter dem REWE Born einen nostalgischen Jahrmarkt Bezirksamtsleiterin Altona, die Im- Parkplatz auf einem Teilstück der wie in den Anfangsjahren vor dem mobilienwirtschaft und die vielen, Straße Kroonhorst ein Rollskiren- Born Center entstehen. die früher und heute den Stadtteil nen statt. In den Rennpausen steht 50 Jahre nach der Grundsteinle- mit ihrem Engagement geprägt ha- die Strecke allen zum Skaten, Bla- gung und dem Beziehen der Woh- ben und sich am Born zu Hause füh- den, Rollern und Fahren zur Verfü- nungen ist der Osdorfer Born zu len. Jung und Alt, Besucher aus Nah gung! Unterschiedlichste Gefährte einem bunten, lebendigen, gut funk- und Fern, Touristen, Gäste, Freunde und Skier können ausgeliehen wer- tionierenden Stadtteil geworden, ein und Verwandte sind herzlich eingela- den. Das Event wird von einem DJ Zuhause für Viele. den! Der Jahrmarkt wird einem gro- begleitet und ist eine Aktion des Mit einem bunten Bühnenpro- ßen Familienfest gleichen! Gemütli- Projekts Bildungsband. gramm, verschiedenen Chören, che Sitzgelegenheiten, Essens- und Lassen Sie sich verzaubern, denn Musik und vielfältigen Jahrmarkt- Getränkestände laden zum Verwei- in Osdorf ist die Welt zu Hause! ständen präsentieren sich die Ein- len und dem Plausch unter Nachbarn Caroline Bolte richtungen im Stadtteil schwungvoll ein. Eine Runde mit dem (Mini-) Rie- Stadtteiltourismus Osdorfer Born Sonntagsfrühstück auf der Dino-Wiese. Alle sind am 2. Juli, 11 bis 14 Uhr eingeladen! Nach dem großen Stadtteilfest am Sonnabend soll der Nachbarn herzlich willkommen sind. Unter freiem Himmel Sonntag mit einem festlichen Jubiläumsfrühstück begonnen ist ein vielfältiges und kostenfreies Frühstücksbuffet zu werden. Die Stadtteilinstitutionen und das Jubiläumskomitee genießen, Kinder und „Große“ können sich außerdem beim „Der Born wird 50“ laden zu einem öffentlichen Frühstück Mitmachzirkus mit Tuch, Bällen und allem üben, was ein auf der Dino-Wiese ein, zu dem alle Bewohnerinnen und Akrobatenherz begehrt. Für bequeme Sitzmöglichkeiten ist Bewohner mit ihren Familien, Freunden, Bekannten und gesorgt. Frühstücken Sie doch mal anders! westwind 7-8 Festschrift 2017 7
„Hafen“ Osdorfer Born
Ort der Ankunft und der Integration
In den 1960er Jahren begann man Von den Planern und der Politik verein (SVOB) und die Interessen-
mit den Planungen für die Siedlung. gefeiert, fanden die Hochhäuser da- gemeinschaft Osdorfer Born waren
Hamburg hatte noch immer unter mals weit über Hamburg hinaus In- von Anfang an feste Institutionen am
der Wohnungsnot nach dem Krieg teresse. Der Architekt Fritz Trautwein Born. Noch heute sind diese Men-
zu leiden, verstärkt durch die große habe „der Versuchung zur Größe gar schen dem Stadtteil fest verbunden,
Flut 1962. Die Moderne unter dem nicht widerstehen wollen. Er baut noch immer im SVOB, in der Borner
Leitmotiv „Urbanität durch Dichte“ eine Flanke, die diesen weiten Sied- Runde, der Kirche und dem Osdorfer
versprach Wohnungen für Viele, bot lungsgrund einrahmt, 160 Meter Kurier zu finden.
gleichzeitig eine grüne Umgebung, lang, mit einem angeknickten Schen- Einblicke in das bunte, geselli-
fließendes Warmwasser und Zent- kel dann auf 240 Meter verlängert“ ge Leben der fünf Dekaden dieser
ralheizung, attraktive und sonnige (Die Welt). Trautwein schwärmte ersten Hamburger Großwohnsied-
Wohnungszuschnitte zu günstigen über das von ihm entworfene Hoch- lung gibt die Ausstellung „Wohnen
Mietpreisen. haus Achtern Born: „Die Geschosse mit Weitblick - 50 Jahre Osdorfer
Gebaut wurde auf landwirt-
schaftlichen Flächen aus Familien-
besitz, wo zuvor Kohlfelder stan-
den und Kühe grasten. Familie von
Mallesch, die das Bauland verkauft
hatte, erbaute das Born Center und
ebenfalls eigene Wohnungen. Das
Beton-Gießwerk wurde gleich ne-
benan errichtet, dort, wo später ein
Baumarkt seinen Sitz hatte.
In der Bäckerei bei REWE sitzen
Christoph, Torsten und Jörg (alle
um die 50).
Wir sind keine Osdorfer, aber
wir arbeiten öfters hier, es geht
um die Wartung von technischen
Einrichtungen. Unsere Freizeit Der Osdorfer Born 1974
verbringen wir hier nicht, aber wir sind
immer mal im Café. Zum Osdorfer steigen an und senken sich wieder. Born“, die im Jubiläumsjahr 2017
Born können wir sagen, dass der Wir haben eine echte Wolkensilhou- an verschiedenen Orten am Osdor-
Stadtteil in echt besser ist als sein ette, bewegt aufrührerisch und vol- fer Born und hamburgweit zu sehen
Ruf. Früher gab es hier auch Randale, ler Temperament.“ Doch schon bald sein wird.
wir selbst haben aber eigentlich keine wuchs die Kritik an den als anonym Der von Helmuth Schack und dem
schlechten Erfahrungen gemacht.
empfundenen „Wohnmaschinen“. Arbeitskreis 1971 errichtete Spielha-
Der Fußweg Am Barls, der den Knick
entlang führt, ist zu vermüllt. fen mit Barkassen aus dem Ham-
Pioniergeist burger Hafen war eine Reaktion auf
Wir sind überrascht, dass es hier
so viele langjährige Bewohner gibt. Der Pioniergeist der ersten Stunde die kaum vorhandene soziale Infra-
Freunde von uns haben sich hier war groß: Junge Familien bauten ihr struktur der ersten Jahre. Es waren
sehr wohlgefühlt. Es gibt hier ja auch neues Zuhause und ihr Umfeld auf, nicht genügend Spielplätze oder an-
normale Bebauung und außerdem ist vier engagierte junge Pastoren grün- sprechende Außenanlagen gebaut
auch einiges passiert.
deten die neue Gemeinde wie auch worden, ganz zu schweigen von aus-
ihre eigenen Familien, der Sport- reichenden Kindergärten oder offe-
8 westwind 7-8 Festschrift 2017Serif Yalman und Nuray Polat.
Ich bin Kurde und Nuray ist
nen Einrichtungen für Kinder und den. Dieses kann am besten gelin-
Türkin. Ich wohne seit 20 Jahren
Jugendliche. Damals behalfen sich gen, wenn die öffentlichen Einrich- am Born, Nuray wohnt in Lurup.
die Borner zunächst selbst, gründe- tungen, Kitas, Schulen, Büchereien Zur Arbeit fahre ich mit dem Auto,
ten im allgemeinen Elan jener Zeit gut und flexibel ausgestattet sind, die Verkehrssituation ist positiv,
die Interessengemeinschaft und den wenn die Zivilgesellschaft materi- sie hat sich durch den Umbau der
Sportverein. Nach dem auch anders- ell und immateriell unterstützt wird. Bornheide beruhigt.
wo greifenden Abbau von sozialen Diese Stadtteile sind junge Stadtteile, In meiner Freizeit bin ich kaum hier,
wenn, dann mal im Café, sonst gehe
Einrichtungen in den 1980er Jahren hier sind die Zukunftspotenziale der
ich in die Innenstadt und zum HSV.
ist der Osdorfer Born seit den 1990er Stadt zuhause. Ich will eher meine Ruhe, außerdem
Jahren durchaus mit einer gut funkti- Ein Hafen braucht neben den Bar- mache ich Musik, ich spiele Saz.
onierenden und notwendigen sozia- kassen auch Kräne, braucht Anleger Hier gefällt mir eigentlich fast
len Infrastruktur ausgestattet. und Lotsen, um ein Ankommen zu alles; schön ist, dass es hier viele
Hafen – Ankunftsort. Auch heute ermöglichen. So braucht der Osdor- Familien und junge Menschen gibt.
noch ist der Osdorfer Born ein An- fer Born dauerhaft die nötige Aus- Allerdings fehlt eine U-Bahn! Der
Stadtteil ist besser als sein Ruf, die
kunftsort. Ein Stadtteil, in dem die stattung, um seiner Funktion in der
Menschen hier sind zufrieden.
Menschen ihr Leben neu entwer- Gesamtstadt als einem Ankommens- Frau Polat: Ich komme oft zum
Einkaufen hierher, es ist besser als
in Lurup, weil es viele Parkplätze
gibt und alles gebündelt ist, das
macht es einfacher.
und sozialer Aufstieg gelingen kann
– heute arbeiten hier die zuständigen
Stellen, die Gebietsentwicklung und
die lokalen Partner Hand in Hand.
Herausragende Bildungseinrich-
tungen sind ein wichtiger Schlüssel für
gelingendes Zusammenleben. Auch
hier ist der Osdorfer Born mit seinen
drei Schulen gut unterwegs.
Ebenso ist es für den Osdorfer Born
von erheblicher Bedeutung, dass sich
die Wohnungen größtenteils im Ei-
gentum von städtischen und genos-
Depenkamp-Siedlung
senschaftlichen Wohnungsgesell-
fen müssen und Pioniere sind. Seit stadtteil gerecht zu werden. schaften befinden. Dies ermöglicht
Jahrzehnten mittlerweile finden hier Dabei müssen Stadtteile wie der dauerhafte, auf sozialen Ausgleich an-
Aufbau und Einwanderung statt. Ein Osdorfer Born als Verkehrsknoten gelegte Strategien, die das Gefüge der
Stadtteil wie der Osdorfer Born leis- für seine Bewohner (und nicht als Gesamtstadt im Blick haben.
tet seit langem einen großen Beitrag Entladestation) funktionstüchtig ge- Der Osdorfer Born ist auch heute
zur Integration von Neuen: von Pio- macht werden und dürfen den An- noch ein Ankommensort – ein Ha-
nieren und Zuwanderern. Diese Leis- schluss an die städtische Gesellschaft fen. Die Barkassen von Opa Schack
tung gilt es zu stützen und zu fördern. nicht verlieren. gibt es zwar nicht mehr, wohl aber
Das Rahmenprogramm Integrierte die vielen, engagierten Menschen, die
Zukunftspotenziale Stadtentwicklung versteht sich als inf- sich dafür einsetzen, dass (ihr) An-
Großstädte wie Hamburg brauchen rastrukturelle Stütze dieses Hafens. Es kommen gelingt.
diese Quartiere, hier findet Integra- ist eine vielfach erprobte und durch- Caroline Bolte
tion statt, können Perspektiven für aus erfolgreiche Strategie, einen Stadt- ProQuartier
Aufstiegschancen entwickelt wer- teil zu stabilisieren, damit er robust ist
westwind 7-8 Festschrift 2017 950 Jahre – und ein bisschen weiser Die Planer hatten es gut gemeint Kaum ein Hamburger Stadtteil ist so die Kirche wurde in einem Gemein- ne Wohnung. Es waren Familien aus prägnant erkennbar wie der Osdorfer deforum versteckt, die Schulen wur- den maroden innerstädtischen Stadt- Born in der Feldmark. Das ist wohl den wie Produktionshallen geplant. teilen, aus den Notunterkünften nach der Grund dafür, dass die Bewoh- Eine markante Mitte fehlte genauso der Hamburger Flut und aus dem nerInnen Heimatgefühle entwickelt wie viele soziale Einrichtungen. Umland. Ebenfalls 40% der Bevölke- haben. Viele lieben ihren Stadtteil im Die Planer wollten eine Alternati- rung waren Kinder und Jugendliche Grünen an der Hamburger Periphe- ve entwickeln zu der reinen Zeilen- – ein junger Stadtteil (der entspre- rie und engagieren sich in Initiativen bauweise, wie sie in der Nachkriegs- chende Anteil in Gesamt-Hamburg und Vereinen. Sie haben sich einen zeit üblich war. Die Hochhausbänder war damals nur 25%). Die modernen Stadtteil zu eigen gemacht und schau- sollten ein „urbanes Gerüst“ bilden. und gut ausgestatteten Wohnungen en immer noch mit ein bisschen Trotz Die Vorgabe des Plattenbaus führte mit Zentralheizung und Bad waren auf Kritiker, die den beliebt und viele der Stadtteil stigmatisieren BewohnerInnen woh- und ihn gleichzeitig nen bis heute dort. sich selbst überlassen, Aber es zeigten weil zum Beispiel die sich auch bald Pro- versprochene U-Bahn bleme: Die Platten- nicht gebaut wird. bauten hatten etliche Der Osdorfer Born bauliche Mängel wie war Ende der 60er Jah- D u rch fe u chtu nge n re ein großes Expe- und verzogene Fens- riment von Stadtpla- ter, die Plattenbaufir- nern und Architekten. ma „Elemonta“ war be- Es war die erste neue reits 1976 konkursreif. Großsiedlung in Ham- Die „Wohnmaschinen“ burg mit seinem enor- mit 11 bis 17 Geschos- men Wohnungsbedarf. sen förderten keine Das städtebauliche nachbarschaftlichen Konzept war die „ge- Kontakte. Es gab keine gliederte und aufgelo- Mischung mit Wohn- ckerte Stadt“, autoge- Damals hochmodern: Plattenbau eigentum. Es fehlten recht geplant um eine Ärzte, Cafés, Spielplät- Verkehrsachse in der Mitte. Der fran- jedoch zu einer gestalterischen Mo- ze, Freizeiteinrichtungen für ältere zösische Architekt Le Corbusier hatte notonie. Den verantwortlichen Stadt- Jugendliche. Die schon 1970 gegrün- diese Bauformen in den 20er Jahren planern wurde von der kritischen dete Interessensgemeinschaft Osdor- entwickelt. Die deutschen Planer des Öffentlichkeit „Beton macht krank“ fer Born kümmerte sich aufgrund Gewerkschaftskonzerns „Neue Hei- vorgeworfen und der Stadtsoziologe schwerer Unfälle um verkehrsberu- mat“ folgten zukunftsgläubig seinen Alexander Mitscherlich sprach schon higende Maßnahmen und um Ver- Vorstellungen. Der Historiker Her- 1965 von der „Unwirtlichkeit unserer kehrsunterricht für die Kinder. mann Hipp spricht von einer „Pla- Städte“. Mit der Zeit wurde einiges nach- nungseuphorie der sechziger Jahre“. gebessert und Mängel korrigiert. So Dazu gehörte auch, dass die Häuser „Stadt der Hoffnung“ – mit bekamen die Hochhäuser freund- industriell vorgefertigt werden sollten Mängeln liche Eingangsbereiche mit Pfört- – 80% der Gebäude wurden als Plat- Aber für die neuen BewohnerIn- ner- und Betreuungslogen, es gab tenbauten errichtet. Die Decken und nen war es eine „Stadt der Hoffnung“. Gemeinschaftsräume und das Wohn- Wände wurden in der Fabrik gegos- 40% der BewohnerInnen bezogen umfeld wurde freundlicher gestaltet. sen und vor Ort montiert. Aber auch Anfang der 70er Jahre die erste eige- Mit zahlreichen sozialen und kultu- 10 westwind 7-8 Festschrift 2017
Born.
en am Osdorfer
30 Ja hr e, wo hn t seit sieben Jahr r Bo rn ge zogen.
Janine, W oh nu ng an den Osdorfe
öß er e fahre ich fast
Ich bin für eine gr ein e Ka tastrophe. Jetzt
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Früher war die Ve
rk eh ichen und es gib
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nug Parkplätze. eunden, aber au
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m ich zu Ha us Sp iel plätze
Ich treffe zu wenig
at z od er am Sc hacksee. Es gibt fü r di e El tern.
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ün e um de n Os dorfer Born und nd un te rw eg s. Ich
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toll. Wir sind gern ein Freibad habe
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fahren muss.
Modernes Design der 70er Jahre
rellen Programmen unterstützte die Planungsprozess mit Unterstützung nossenschaften. Eigenheime wurden
Stadt die Initiativen und die Selbst- der Montag Stiftung begeisterte El- nicht geplant, um „soziale Konflik-
organisation der Menschen sowie das tern, SchülerInnen, Lehrkräfte und te zu vermeiden“. Einfamilienhäuser
Zusammenleben der Menschen aus den ganzen Stadtteil – und sie freuen wurden nur am Rande der Siedlung
vielen Herkunftsländern. Auch die sich auf die neue Schule. im Norden und Osten vorgesehen als
Wohnungsunternehmen kümmer- Übergang zur vorhandenen Einfami-
ten sich um ihre Mieter, die SAGA Beleuchtung und lienhausbebauung.
gründete eine eigene Organisation Verkehrsanbindung Daraus haben die Stadtplaner ge-
ProQuartier, um Wohnqualität und Warum ist eine U-Bahn so wich- lernt: Heute werden neue Quartiere
Wohnzufriedenheit zu verbessern. tig? Daoug Saunders beschreibt in wie die Neue Mitte Altona mit einem
Die Kirchengemeinde vermiete- seinem Buch „arrival city“ (An- „Drittelmix“ geplant: Mietwohnun-
te ihre leerstehenden Räume an das kunftsstädte) zwei Faktoren für eine gen, geförderte Mietwohnungen und
Kindermuseum und baute für ihre erfolgreiche Integration der Sied- Eigentumswohnungen. Darin enthal-
Kirche einen erkennbaren Eingang lungen am Stadtrand – dort, wo die ten sind auch neue Wohnformen wie
mit Kirchhof und Glockenturm – erst meisten Menschen ankommen: Be- Baugemeinschaften. Damit soll einer
seit 2004 läuten hier die Glocken. Der leuchtung und Öffentliche Verkehrs- sozialen Stigmatisierung vorgebeugt
Kirchengemeinderat gab der Kirche mittel. Beleuchtung ist ausschlagge- werden. Auch das ist eine Lehre aus
ein neues Profil und einen neuen Na- bend für das Sicherheitsgefühl der dem Osdorfer Born.
men: statt formal „Kirche im Osdor- Menschen. Öffentliche Verkehrsmit- Die großen gewalttätigen Konflik-
fer Born“ ist sie jetzt nach Maria Mag- tel sind insbesondere wichtig, um die te in französischen Vorstädten zei-
dalena benannt (nach der biblischen Arbeitsplätze zu erreichen. Ohne ei- gen, dass fehlgeleitete städtebauliche
Sünderin, der Jesus die Füße wusch). genes Einkommen bleiben Menschen Planungseuphorien zu einem Ausei-
Die Geschwister-Scholl-Stadt- von Transfergeldern abhängig – auch nanderbrechen der städtischen Ge-
teilschule, auch dies ein Plattenbau, das ist ein strukturelles Problem im sellschaft führen können.
mühte sich lange Jahre mit dem un- Osdorfer Born (schon 1970 waren Dass die BewohnerInnen des Os-
freundlichen Gebäude ab. 40 Jahre 13% aller Haushalte auf Sozialhilfe dorfer Born so treu zu ihrem Stadtteil
nach dem Bau fiel die Entscheidung, angewiesen). halten, hat die Stadt vor solchen Se-
es abzureißen und ein neues Gebäu- Die Gebäude im Osdorfer Born ge- gregationsprozessen bewahrt.
de zu planen, das dem pädagogischen hören im Wesentlichen sechs großen Joachim Reinig, Architekt
Konzept der Schule entspricht. Der Wohnungsbaugesellschaften und Ge-
westwind 7-8 Festschrift 2017 11Ein Ort für Kinder
Es gibt viele Orte für Kinder im Osdorfer Born: Kitas und Schulen, oder ob etwas Neues hinzukommen
DRK-Zentrum und Kindermuseum, Spielplätze, die Dino-Wiese und soll. So bestimmen die Kinder aktiv
andere. Ein Beispiel: das Spielhaus Bornheide. unser Programm mit, indem sie z. B.
das Angebot Tanzen auf eine ande-
50 Jahre gibt es das Spielhaus Born- Für die Entwicklung eines Kindes re Zeit legten, so dass es für sie bes-
heide zwar noch nicht, aber seit min- ist es wichtig, dass ihm Raum und ser zu erreichen ist. Die veränderten
destens 40 Jahren ist es eine verläss- Zeit gegeben werden, sich selbst aus- Öffnungszeiten sind auch ein Ergeb-
liche Einrichtung, die Kindern im zuprobieren oder einfach nur bei nis des Mitbestimmungsprozesses
Alter von 2 ½ bis 12 Jahren offen- uns zu spielen. Wir bieten zusätzlich der Kinder.
steht, wobei man einschränkend sa- Angebote und Projekte im Spielhaus Wir haben unsere BesucherIn-
gen muss, dass die Gruppe im Vor- an, um damit den Kindern neue An- nen, neue und alte, gefragt, was für
mittagsbereich eine feste Gruppe ist. reize und Impulse zu geben und so sie im Spielhaus wichtig war und wie
Das Zuhause des Spielhauses war bis ihre Kreativität und Eigenständig- sie den Besuch im Spielhaus Born-
Ende 2013 der jetzige Parkplatz des keit zu fördern. Wir arbeiten mit den heide erlebten.
Bürgerhauses. Heute finden uns die Kindern partizipativ und kreativ, das
Kinder im grünen Haus auf dem Bür- bedeutet, dass wir Kinder dazu anre- Zeit selber gestalten
gerhausgelände. gen möchten sich einzumischen und Enes, heute 17 Jahre, war Besucher in
Viele Familien, aber insbesonde- auch zu erfahren, dass ihre Stimme der 2. und 3. Klasse. Für ihn war da-
re Kinder im Schulalter, kennen uns etwas zählt. Das bedeutet, dass wir mals wichtig, sich mit Freunden im
seit Jahren. Die pädagogische Idee die Ergebnisse unserer Arbeit auch Spielhaus zum Spielen zu verabreden.
des Spielhauses ist, Kindern einen in den Sozialraum hinaustragen. So Hier konnte er seine freie Zeit selber
geschützten Raum zu geben, in dem zum Beispiel geschehen mit dem gestalten. Die Ausflüge in den Ferien
sie sich unbeschwert mit Freunden Safe-Place-Aufkleber auf dem Bür- fand er gut. In Erinnerung war ihm
treffen und ihre Freizeit verbringen gerhausgelände, der Kindern zeigen noch das Schwimmen, das regelmä-
können. Die Kinder kommen frei- soll, wohin sie sich im Notfall wen- ßig einmal die Woche mit dem Spiel-
willig und bestimmen auch, wann den können, oder mit dem nun in haus stattfand.
sie wieder gehen möchten. Der über- den Herbstferien am 19. Oktober Lena, heute 37 Jahre, besuchte von
wiegende Teil des Tages ist bestimmt zum dritten Mal stattfindenden Os- ihrem 3. Lebensjahr an bis zur Ein-
durch den Besuch der Ganztagsschu- dorfer Mädchentag. schulung das Spielhaus. Für sie ist in
le. Kindern bleibt daher wenig freie Wir überprüfen gemeinsam mit bleibender Erinnerung das Fahren
Zeit, über die sie selbst bestimmen den Kindern, ob die Angebote, die im mit den Fahrzeugen um den großen
und verfügen können. Spielhaus vorhanden sind, so reichen Kletterbaum.
Am Spielhaus Bornheide Die Dino-Wiese an der Bornheide
12 westwind 7-8 Festschrift 2017Kinderfest auf der Dino-Wiese
Celin ist seit neun Jahren Besuche- Dabinta, 7 Jahre alt: „Ich spie-
rin des Spielhauses, heute ist sie 12 le hier gerne. Das Backen am Don- Kerstin Vogt, 48 Jahre, wohnt seit
Jahre alt. Sie mag am liebsten basteln. nerstag mag ich und den Tobi (Tobe- 1974 am Osdorfer Born.
„Es gibt so viele Vorschläge von Nina raum), weil man da mit den Kissen Da ich auf Busse angewiesen
bin, wäre es schön, wenn die Busse
und verschiedene Materialien, aber tolle Sachen bauen kann.“ etwas pünktlicher wären. Sonst
ich kann selbst entscheiden, was ich Roudiatou, 7 Jahre alt: „Ich mag klappt alles gut.
mache und wie es aussehen soll. Ich das Töpfern, das Basteln und natür- Ich treff mich mit Freunden gern
freue mich immer auf die Ausflüge, lich den Toberaum. Wenn ich mich am Schack-See und gehe da mit den
weil wir dann alle zusammen etwas mit Freunden im Spielhaus verabre- Hunden spazieren. Abends fühle ich
unternehmen.“ de, spiele ich hier mit ihnen. Letztens mich draußen nicht so wohl. Wenn
die Bornheide dann wenig befahren
haben wir mit allen, die Lust hatten,
Rückzugsmöglichkeiten Fußball mit Margret auf dem Inliner-
ist, rasen die Leute sehr schnell mit
den Autos. Es sollte darauf geachtet
Die Befragung zu den neuen Räum- Spielplatz gespielt.“ werden, dass die Sicht dort, wo
lichkeiten des Spielhauses fiel bei al- Emilia und Massebe besuchen das Fußgängerüberwege sind, nicht
len dreien positiv aus. Die sind heller, Spielhaus, seitdem sie in die erste eingeschränkt ist.
schöner und es gibt mehr Rückzugs- Klasse gehen. Emilia freut sich darauf Es ist gut, dass man sich hier
möglichkeiten für die Kinder. Was im Haus mit der Rutsche spielen zu kennt. Hier hab ich Freunde und
treffe ehemalige Schulkameraden
aber schade ist, dass es kein großes können, während Massebe die Ange-
beim Einkaufen oder im Kiosk. Zum
abgegrenztes Gelände mehr um das bote im Spielhaus schätzt, da sie sich Einkaufen hat man’s nicht weit, aber
Spielhaus gibt auf dem man sich ge- entscheiden kann, welches Angebot es fehlt ein Zoofachgeschäft. Den
schützt aufhalten kann. sie für sich nutzen will. Das Schlitt- Markt vermisse ich auch. Da hat man
Georgina, 9 Jahre alt: „Der Tobe- schuhlaufen in den Frühjahrsferien immer Leute getroffen, konnte was
raum und das Haus mit der Rutsche, 2016 fand sie super. für die Tiere kaufen oder auch Obst.
hier spiele ich gerne Vater, Mutter Ich finde es schön, dass bei den
Nina Sprengel und Margret Heise, Spielplätzen etwas gemacht wird,
und Kind. Die Ausflüge finde ich Spielhaus Bornheide
dass es gepflegter ist. Dass viel für
auch toll.“ die Kinder gemacht wird mit Basteln
oder Spielen finde ich sehr schön.
westwind 7-8 Festschrift 2017 13Bildung im Born
Bildungs- und Teilhabechancen für alle Kinder und Jugendlichen
Die Kitas und Schulen im Born bieten Ferienbetreuung an. Dies ermöglicht
den Kindern die Möglichkeit einer es den Familien zu arbeiten, und die Sprachförderung (SPF)
umfassenden Bildung. Die Einrich- Kinder kommen in den Genuss ei- Sprache ist ein hohes Gut. Ohne
tungen sorgen von der frühkindli- ner vielfältigen und umfassenden gute sprachliche Kompetenzen ist
chen Bildung in der Krippe über die Schulbildung. Den ganzen Tag in der die Teilhabe am Leben erschwert.
Vorschule bis zur schulischen Bil- Schule zu verbringen, ist eine gro- Daher liegt der Fokus immer beson-
ders auf der Förderung der sprach-
dung mit dem Abschluss des Abiturs ße Leistung für alle Kinder. Daher
lichen Kompetenzen und ist in alle
für die nötigen Gelingensbedingun- strukturieren die Schulen den Tag: Unterrischtsstunden integriert.
gen einer erfolgreichen Bildungsbio- Anspannungs- und Entspannungs-
grafie. phasen wechseln sich ab. Diese soge-
Bereits in der Kindergartenzeit, nannte Rhythmisierung des Schulall- in jahrgangsübergreifenden „Kursen“
mit 4 ½ Jahren, werden die Kom- tags lässt die Kinder dann auch am unterrichtet und kommen aus den
petenzen im Hinblick auf die Ein- Nachmittag wieder konzentriert ar- unterschiedlichsten Bereichen von
schulung getestet. Dadurch können beiten, nachdem sie in der Mittags- Kunst und Musik über Sport bis zu
Eltern, Kita und Schule frühzeitig zeit ausgiebig gespielt und mit den handwerklichen und wissenschaft-
Fördermaßnahmen ergreifen. Krip- anderen Kindern in der Mensa ge- lichen Angeboten – abhängig vom
pen und Kitas legen, wie später auch gessen haben. Profil der jeweiligen Schule.
die Schulen, großen Wert auf sozia- Im Ganztag gibt es neben den 27 Die Schule Barlsheide hat z. B. ein
le Kompetenzen und die sprachliche Grundstunden, in denen die regulä- künstlerisch-musisches Profil, das so-
Bildung. Um diesen Übergang von ren Schulfächer unterrichtet werden, wohl die sozialen als auch die kom-
der Kita zur Schule für jedes Kind weitere 10 Stunden, in denen die Kin- munikativen Kompetenzen der Kin-
so einfach wie möglich zu machen, der Übungszeit zum Lernen (als Er- der fördert. Hier lernen die Kinder
arbeiten Kitas und Schulen immer satz für Hausaufgaben) haben und in durch die langjährige Zusammenar-
enger zusammen. Schnuppertage an denen sie neue Lernbereiche kennen- beit mit der Jugendmusikschule und
den Schulen ermöglichen den Kin- lernen. Natürlich gibt es – über den der Philip-Breuel-Stiftung verschie-
dern ein frühzeitiges Kennenlernen Tag verteilt – auch vielfältige Forder- dene Instrumente spielen, können im
der „neuen“ Schule. und Fördermaßnahmen (Sprach- Chor mitsingen oder der Band bei-
Beide Grundschulen im Osdorfer förderung/Mathematik/Deutsch/ treten, sie lernen Tanzchoreografien
Born, die Schule Kroonhorst und die Englisch/Lernen), die das individu- und rhythmische Darbietungen und
Schule Barlsheide, bieten Ganztags- alisierte Lernen unterstützen. Die spielen Theater. Sie können kreativ
schule für Vorschüler bis zur 4. Klas- Themen neuer Lernbereiche werden sein und gestalten Kunstwerke. Viele
se von 8 bis 16 Uhr, freitags bis 13.15
Uhr. Und jede Schule bietet auf An-
trag zusätzlich eine Früh-, Spät- und
Ganztagsschule (GTS)
Mo-Do 8-16 Uhr
Fr 8-13 / 13:15 Uhr
Mittagessen im Klassenverband in
der Mensa
Vielfältige Kursangebote
Rhythmitisierung
Integrierte Hausaufgaben
In der Schule Barlsheide
14 westwind 7-8 Festschrift 2017Schule Kroonhorst
dieser Bereiche werden von öffentli- ge Bestandteile des Schulalltages. In-
chen Aufführungen begleitet, so dass klusion, z. B. in den Bereichen Lernen Kooperationen
die Kinder zu Recht stolz im Ram- und Sprache (LSE), Sprachförderung AOK · DRK · Bücherhalle · frei-
penlicht stehen. sowie umfangreiche Angebote aus schaffende Künstler · Friedenshort
Neben diesen Profilangeboten dem künstlerischen, musikalischen · Hamburger Schulverein · Hambur-
gibt es weitere handlungs- und an- und handwerklichen Bereich ergän- ger AG Gesundheitsförderung · Ju-
wendungsorientierte Kursthemen zen das Profil der Schule. Der Förde- gendmusikschule · Lernzeit-Mentor
e. V. · Philip-Breuel-Stiftung · Spiel-
aus den Bereichen Sport, Gesund- rung individueller bzw. selbstorga-
haus · Sozialdienst kath. Frauen ·
heit, Kultur, Umwelt und Natur. Jedes nisierter Lernprozesse kommt dabei Sportverein Lurup · Sporverein Os-
Kind hat damit die Möglichkeit, sich entscheidende Bedeutung zu. dorfer Born · weiterführende Schu-
seinen Interessen gemäß zu beschäf- Für den anstehenden Wechsel len · Zeitspender (ASB) · Zirkus Ab-
tigen und so vielfältige Fertigkeiten nach Klasse 4 auf die weiterführen- rax Kadabrax
und Fähigkeiten hinzu zu erwerben den Schulen gibt es Informationsver-
und zu vertiefen. anstaltungen, so dass die Kinder gut
Die Schule Kroonhorst setzt ihre auf den Übergang vorbereitet wer- Kompetenzorientierung
Schwerpunkte u. a. im naturwissen- den. Die Stadtteilschule bietet einen Weg von reinen Lernzielen bedeu-
schaftlichen und sportlichen Bereich. ersten Bildungsabschluss nach Klasse tet kompetenzorientierter Unterricht
So nimmt die Schule regelmäßig und 9, einen mittleren Bildungsabschluss die Ausrichtung auf die Fähigkeit,
erfolgreich an Sportveranstaltungen nach Klasse 10 und das Abitur nach erworbenes Wissen und Können
teil, zu denen Schulen aus ganz Ham- Klasse 13 an. in neuen Situationen anwenden zu
burg zusammen kommen – etwa Fut- können. Notenzeugnisse werden
Maria Einhaus, Schulleiterin durch Lernentwicklungsberichte er-
sal, Schach oder Triathlon. Darüber Schule Barlsheide
setzt und durch Lernentwicklungs-
hinaus sind die Förderung und Stär- gespräche ergänzt.
kung sozialer Kompetenzen wichti-
Die Geschwister-Scholl-Stadtteil- machen. Das ermöglicht mehr Zeit
Individualisierung schule umfasst die Klassen 5-13. zum Lernen und Üben, weil der Un-
Unterricht wird neu gedacht. Nicht Unsere Schülerinnen und Schüler terrichtsstoff besser auf die einzelnen
mehr alle Kinder lernen zur gleichen können bei uns alle Abschlüsse errei- Klassenstufen verteilt werden kann.
Zeit das Gleiche. Jedes Kind wird chen: Erster Schulabschluss, Mittle- In der 11. Klasse findet eine intensive
dort „abgeholt“, wo es steht und
rer Schulabschluss, Fachabitur und Vorbereitung auf die Oberstufe statt.
wird von dort aus gefördert und
gefordert.
Abitur. An den Stadtteilschulen ha- In der Geschwister-Scholl-
ben die Schüler nach der 10. Klas- Stadtteilschule setzen wir folgende
se drei Jahre Zeit, um das Abitur zu Schwerpunkte:
westwind 7-8 Festschrift 2017 15Inklusion
Neben den Förderbereichen Lesen,
Sprache und sozial-emotionale
Entwicklung werden an der Schu-
le Barlsheide seit Jahrzehnten auch
Kinder unterrichtet, die eine beson-
dere Unterstützung im Brereich der
geistigen oder körperlichen Ent-
wicklung benötigen oder ein gerin-
ges Seh- oder Hörvermögen haben.
Sie nehmen – mit sonderpädagogi-
scher Unterstützung – wie alle an-
deren Kinder am Unterricht teil.
Weitere Förderung erhalten sie bei
Bedarf durch Logopädie, Musik-
und Lerntherapie.
Geschwister-Scholl-Stadtteilschule
Wir wollen, dass sich unsere SchülerInnen in der Ge- Schulen und der Universität sollen den AbiturientInnen
schwister-Scholl-Stadtteilschule wohlfühlen. Unsere Klas- eine bessere berufliche Orientierung ermöglichen. Studi-
senräume sind schön gestaltet und für unsere Pausenhalle um oder Ausbildung können damit zielgerichtet aufge-
haben wir gerade neue Tische und Stühle angeschafft. Die nommen werden.
Planung unseres Neubaus ist abgeschlossen; er wird Ende Die Geschwister-Scholl-Stadtteilschule ist außerdem
2019 fertig sein. eng mit dem Stadtteil verbunden. Wir sind Mitglied der
Wir fördern jede SchülerIn individuell und haben da- Stadtteilkonferenz und arbeiten mit vielen Institutionen
für neue Unterrichtsformen entwickelt. Wir wollen die im Stadtteil zusammen. Das Haus der Jugend ist ein ver-
Selbstständigkeit unserer SchülerInnen stärken – wissen trauter und verlässlicher Partner – unsere Schülerinnen
aber, dass wir dabei Schritt für Schritt vorgehen müssen! und Schüler nutzen während der Pausenzeiten und im
Wir fördern das soziale Lernen in der Klassenge- Ganztag die Angebote des HdJ. Das KL!CK Kindermu-
meinschaft. seum bietet uns jedes Jahr tolle Projekt für unsere Pro-
Wir knüpfen an den Interessen und besonderen Fähig- filklassen an; z. B. konnten sich unsere Schülerinnen und
keiten der Schülerinnen und Schüler an. Ab dem Jahrgang Schüler mit unterschiedlichen Architekturstilen ausein-
7 gibt es Profilklassen mit besonderen Themenschwer- andersetzen, bei Ausflügen reale Gebäude besichtigen, ei-
punkten: Abenteuer Natur – Experimentieren und For- gene Modelle bauen und in einer öffentlichen Vernissage
schen; Eine Welt; Freizeit und Verantwortung; Von der vorstellen. Wir sind Partner für ProQuartier bei der Tou-
Idee zum Produkt; Medien und Künste. In diesen Klassen rismuszentrale Osdorfer Born – SchülerInnen gestalten
sind nur 20 Schülerinnen und Schüler. Hörbeiträge zum Leben der Jugendlichen im Osdorfer
Wir ermöglichen kontinuierlich konkrete Einblicke in Born und beschäftigen sich z. B. mit Kunst im Born. Mit
die Berufswelt. Dazu arbeiten wir eng mit unseren Part- den 5. Klassen erkunden wir regelmäßig die Öffentliche
nerfirmen, beruflichen Schulen und der Universität zu- Bücherhalle im Borncenter und unsere „Leseprofis“ lesen
sammen. So bereiten wir unsere Schülerinnen und Schü- GrundschülerInnen vor. Das Bürgerhaus ist uns nicht nur
ler gezielt auf die Berufswelt, weiterführende Schulen und räumlich nah, wir haben auch bei Gartenprojekten und
die Universität vor. anderen Vorhaben erfolgreich zusammengearbeitet. Wir
In unserer Oberstufe können unsere Schülerinnen freuen uns über die gute und vertrauensvolle Zusammen-
und Schüler attraktive Profile wählen: Menschen verste- arbeit mit den zahlreichen PartnerInnen.
hen/mit Menschen umgehen; Sport bewegt uns; Künste Karin Natusch, Schulleiterin der
zwischen Kommerz und Selbstverwirklichung; Die Che- Geschwister-Scholl-Stadtteilschule
mie der Welt.
Fächerübergreifendes Lernen, außerschulische Lernor-
te und die intensive Zusammenarbeit mit berufsbildenden
16 westwind 7-8 Festschrift 2017Blick auf den Born westwind 7-8 Festschrift 2017 17
Bunte Wege und schlaue „Wegweiser“
Das Bildungsband Osdorfer Born
Wie wäre es, wenn der Stadtteil schö- die Orte belebt sind. Sie mögen die man im Stadtteil besser unterwegs
ne, übersichtliche und schnelle Wege gepflegten Spielplätze und schätzen sein könnte. Wie und wo Orte zu
hätte, die jeder gerne benutzt? Auf die neuen spannenden Spielgeräte schaffen sind, an denen die Men-
denen es Spaß macht, mit dem Rol- wie das Trampolin am „Affenfelsen“. schen gerne zusammenkommen. In
ler, Fahrrad oder Skateboard unter- Kritisiert wird der Zustand der der Vorstellung des Büros für Stadt-
wegs zu sein, die auch älteren Men- vielen wohnungsnahen kleinen Spiel- forschung, Stadt- und Landschaftsge-
schen gerecht werden, die sich mit plätze und vieler Sportstätten. Toll staltung sind genau dies die Kriteri-
dem Rollator fortbewegen? Wenn es wäre ein beleuchteter Sportplatz, so en, welche einen Stadtteil lebenswert
mehr Orte und Plätze geben würde, dass auch an den späten Nachmit- machen. Die dazu beitragen, dass
an denen sich die Menschen gerne tagsstunden im Winter Fußball ge- Kinder und Jugendliche ein Umfeld
aufhalten und treffen? spielt werden könnte. Auch werden vorfinden, in dem sie gut groß wer-
Nutzungskonflikte beschrieben, wel- den können.
„Es werden dann sicherlich che die Kin- Den Anstoß zu dieser Untersu-
auch andere Leute in den chung bot der von der Mon-
Osdorfer Born kommen. Als tag Stiftung Jugend und
Besucher.“ Gesellschaft unter-
stützte Entwick-
Im vergangenen Jahr lungsprozess zur
hat sich das Projektteam Neugest altung
Studio urbane land- der Geschwis-
schaften - bildung ter-Scholl-Stadt-
zusammen mit teilschule. Hier
Stadtteilaktivis- entstand die
ten und über Überlegung,
90 Jugendli- dass es über
chen aus den den Neubau
Gute Wegebeziehungen
Stadtteilschulen hinaus eine
Geschwister-Scholl, der und stärkere Verbindung zum Stadtteil
Luruper Hauptstraße Jugendlichen an geben müsse, dass die verschiede-
und Flottbek auf den ihren Orten mit älteren nen Bildungseinrichtungen in eine
Weg gemacht, um die Wege Jugendlichen und Erwachsenen neue Beziehung zu den Menschen im
und Orte im Stadtteil besser kennen haben. Bemängelt wird außerdem Stadtteil zu bringen sind. So wurde
zu lernen. Alleine oder in Gruppen der Zustand vieler Wege, die feh- die Idee des „Bildungsbandes“ ent-
haben die Jugendlichen ihren ganz lende Übersicht an vielen Stellen in wickelt.
persönlichen Stadtrundgang in Form Folge des dichten Baumbe-wuchses Mit der Durchführung der Be-
einer selbst gezeichneten Karte ent- sowie die fehlenden Möglichkeiten, teiligungsaktionen und der gestal-
wickelt und beschrieben. sich rollend durch den Stadtteil zu terischen Ideenfindung beauftragte
Dabei ist viel zu Tage getreten: Die bewegen. die Stiftung das Projektteam Stu-
Kinder mögen ihren Stadtteil. Sie ha- dio urbane landschaften - bildung.
ben Lieblingsorte: allem voran das „Ich finde es toll, dass die an In engem Austausch mit der Bor-
Born Center, den Spielplatz Bornhei- die Kinder gedacht haben. Dass ner Runde und den Mitgliedern der
de und den Spielplatz am Schack-See. Kinder sich wohl fühlen und Spaß Stadtteilkonferenz fand unter der Fe-
Grade die jüngeren Kinder schätzen haben.“ derführung des Bezirksamts Altona
es, wenn sie indirekt unter Aufsicht ein Abstimmungsprozess statt.
spielen, wenn Erwachsene in der Auf der Grundlage dieser Erkennt- Die wesentlichste Forderung des
Nähe sind, sei es, dass die Wohnhäu- nisse sind von dem Studio Team elf Ideenfindungsprozesses „Bildungs-
ser nah am Geschehen stehen oder Vorschläge erarbeitet worden, wie band“ besteht in der Schaffung einer
18 westwind 7-8 Festschrift 2017tion und Sich-treffen sollten gut mit-
einander verbunden sein. Außerdem
soll die Sichtbarkeit der Einrichtun-
gen im Stadtteil verbessert werden.
Dabei geht es vor allem um die Schaf-
fung einladender Eingangssituatio-
nen mit Aufenthaltsmöglichkeiten.
„Die haben viel geredet, aber es
war super, dass es Kuchen und
Getränke gab.“
Der Bezirk Altona hat sich der
Zielsetzung des Ideenprozesses an-
genommen. Stück für Stück sollen
in den kommenden Jahren einzelne
SchülerInnen erkunden den Stadtteil
Maßnahmen Umsetzung finden. Mit
guten Wegebeziehung zwischen den Schack-See, das Schwimmbad, die der Umgestaltung des Wegs Am Barls
zentralen Einrichtungen im Stadtteil: Stadtteilschule Lurup und die Grund- wird derzeit exemplarisch für das ge-
der Verbindung des Born Centers schule Barlsheide, sollen gut an den samte Bildungsband die Gestaltung
mit dem Bürgerhaus, dem Spielplatz zentralen Bereich im Stadtteil ange- und Ausführung eines Wegabschnitts
Bornheide und der Geschwister- schlossen werden. erprobt.
Scholl-Stadtteilschule. Dabei ist es Die gesamte Machbarkeitsstudie
nicht allein wichtig, die Beschaffen- „Es ist super, dass das Born kann unter www.montag-stiftungen.
heit der Wege zu verbessern. Gleich- Center schöner und größer de eingesehen werden.
zeitig ist für mehr „Durchblick“ zu werden soll. Die Eisdiele davor ist Die Zitate im Text sind Reaktionen
sorgen. Das üppige Grün ist auszu- eine gute Idee.“ Jugendlicher der Stadtteilschule Flot-
lichten und Aufenthaltsmöglichkei- bek auf die öffentliche Präsentation
ten sollen geschaffen werden. Mit den Die im Sinne der Kinder und Ju- des Bildungsbandes im Bürgerhaus
„Wegweisern“ entsteht die Idee eines gendlichen wichtigen Orte sollten am 28.3.2017.
wegbegleitenden Stadtmöbels, das näher angeschaut und gegebenenfalls Thomas Gräbel, Studio urbane
sowohl Informationsträger, Sportge- verbessert werden. Das gilt auch für landschaften – bildung
rät als auch Sitzmöbel sein kann. Die die so bedeutsamen wohnungsnahen
entfernter liegenden Ziele, wie der Orte. Spiel, Bewegung, Kommunika-
n am Osdorfer Born
Nadine Resag, 40 Jahre, lebt seit zwölf Jahre . Dort kann man sich
bin, war der Mütte rtreff in der Elternschule sehr gut für mich
Als ich hierher gezogen auf dem Spielplatz mit
Leute kennengelernt. Sonst treffe ich mich
aussprechen, so habe ich auch langsam die
meinen Freunden. leme gehabt. Was ich
wohnen. Ich hab noch nie Ärger oder Prob
Die Verkehrslage ist gut. Hier kann man gut ein Sonn encenter. Und mehr
, wo man schön Essen gehen kann, und
vermisse, ist nur die Eisdiele, ein Restaurant tliche n Plätz en hinterlassen wird.
stört teilweise, dass viel Müll auf öffen
Bänke, gerade wegen der alten Leute. Mich die Mögl ichke it habe n, für wenig Geld
dass die, die finanziell nicht
Das Spielhaus hier finde ich super. Gerade, egal wohe r sie komm en oder wie sie sind,
f gelegt wird, dass alle,
hier essen können. Und dass viel Wert darau
miteinander auskommen. den Markt vermisse
Überdachung. Der Flohmarkt ist schön hier und
Wir bräuchten noch einen Jugendlichentreff mit kenn t oder nicht.
ist wie ‘n Dorf hier. Man grüßt sich, ob man sich
ich. Auch für die alten Leute war der gut. Das
westwind 7-8 Festschrift 2017 19Der grüne Born
Knicks und Wiesen, Düpenau und Feldmark: eine Großsiedlung im Grünen
Mitten durch die Großsiedlung Os- schaftlichen Interessen dauerhaft zu ein Rückhaltebecken, als solches je-
dorfer Born führen einige ganz be- erhalten. doch nicht mehr zu erkennen. Der
sondere Wege. Sie verdecken den Im Norden der Feldmark bietet idyllische See lädt ein zum Rasten
Blick auf die begleitenden, teilwei- der Bornpark für Groß und Klein und zum Umwandern. Auf dem See
se hohen Wohnbauten. Es sind alte vielfältige Freizeitmöglichkeiten, ei- tummeln sich bei gutem Wetter Kin-
Knickwege aus dem östlichen Teil der nen großen Spielplatz, der gerade der und Jugendliche mit den Opti-
früheren Feldmark. Die Stadtplaner saniert wird, Spazierwege, Grillplät- misten-Jollen. Am Nordrand, schon
hatten sie glücklicherweise abseits ze, Ruhemöglichkeiten, eine Hun- in Schenefeld, bietet Gabys Kleine
der Verkehrsachsen erhalten. deauslauffläche und neuerdings Tierwelt Ponyreiten für jedes Alter an.
Auch die verbliebene restliche eine Streuobstwiese. Auch ein ho- Herzstück der Feldmark ist die Dü-
Feldmark westlich der Siedlung wird her Rodelberg am Rande des Luru- penau, deren Wasser über die Mühle-
durch die Knicks geprägt. Sie säumen per Moorgrabens gehört dazu. Von nau und die Pinnau in die Elbe fließt.
fast alle Wiesenflächen und stellen hier lässt sich das Sportplatzgelän- Die Ortsgruppe des NABU setzt sich
in Verbindung mit dem seit Jahren für die Wie-
kleinen Wiesenbach derherstellung des na-
„Düpenau“ das ökologi- türlichen Verlaufes ein,
sche Rückgrat des heuti- BewohnerInnen des Os-
gen Landschaftsschutz- dorfer Borns und Schü-
gebietes dar. Die Knicks lerInnen der benachbar-
– ursprünglich bepflanz- ten Schulen unterstützen
te Wallhecken zur Ab- sie dabei: Das Flussbett
grenzung von Feldflä- wurde verlegt und sie-
chen – entstanden am ben neue Teiche wurden
Ende des 18. Jahrhun- geschaffen, so dass aus
derts in ganz Schleswig- dem künstlich vereng-
Holstein. Sie dienten ten Regenwasserkanal
auch der Holzwirtschaft. auf längeren Abschnit-
Mit der abnehmenden ten wieder ein in Kurven
wirtschaftlichen Bedeu- (Mäandern) verlaufen-
tung ging die Pflegear- der naturnaher Wiesen-
beit an den Knicks stän- bach entstand. Bei vie-
dig zurück, so dass sie len Arbeitseinsätzen der
hier teilweise stark in der ehrenamtlichen Aktivis-
Höhe wachsen konnten. tInnen wurden außer-
Freizeit-Idylle der 70er Jahre
dem tieflandbachtypi-
Naherholungsgebiet de des SV Osdorfer Born insgesamt sche Wasserpflanzen eingesetzt und
Die Osdorfer Feldmark hat eine gro- überblicken. Der Bornpark entstand Brutwände für den Eisvogel errichtet.
ße Bedeutung als Freizeit- und Nah- 1980; damals rief der Ortsausschuss Das Betreten der renaturierten Dü-
erholungsgebiet für den Osdorfer Blankenese die Bevölkerung zu einer penauabschnitte ist untersagt, damit
Born. Die ursprüngliche landwirt- öffentlichen „Zaun-auf-Aktion“ auf, sich die naturnahe Landschaft dort in
schaftliche Nutzung ist stark zurück- in der die Zäune zwischen den Wie- Ruhe wieder entwickeln kann. Nähe-
gegangen. Ein Bebauungsplan stellt sen endgültig niedergelegt wurden. re Informationen finden sich auf vier
seit 2013 die verbliebene Restfläche Alle waren sich einig, dass das na- NABU-Informationstafeln in der
von 170 ha als Landschaftsschutz- türliche Gelände weitgehend erhal- Feldmark. 2009 stellte der Biologe
gebiet unter dauerhaften Schutz. Es ten bleiben sollte. Dr. Joachim Thiede 33 „Rote-Listen-
wird hoher Aufmerksamkeit bedür- Der Moorgraben mündet in den Arten“ unter den Pflanzen an der Dü-
fen, diesen Schutz gegenüber wirt- Helmuth-Schack-See, ursprünglich penau fest.
20 westwind 7-8 Festschrift 2017Sie können auch lesen