VERSICHERUNGEN Ausblick 2020 - Schadenmanagement: Versicherte überzeugen und Kosten senken
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Vom klassischen InsurTech: Betriebliche
Versicherer zum modernen Investitionen bleiben auf Altersversorgung viel Luft
Lösungsanbieter Rekordniveau nach oben
VERSICHERUNGEN
Ausblick 2020
Schadenmanagement:
Versicherte überzeugen und Kosten senken
Studie: Verzicht auf Neukundengeschäft gewinnt
immer weiter an Bedeutung
VERSICHERUNGEN Ausblick 2020
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Fondsanbieter in Private Equity Klimawandel zwingt
Deutschland unter Druck auf Rekordniveau Investoren zum handeln
INVESTMENT
Ausblick 2020
Nachhaltige Geldanlagen: Banken erwarten
deutlichen Anstieg grüner Investments
Jeder dritte Kunde in Deutschland plant seinen
Wealth Manager zu wechseln
INVESTMENT Ausblick 2020
www.FinanzBusinessMagazin.deEDITORIAL I FinanzBusinessMagazin
EDITORIAL
Vom klassischen Versicherer
zum modernen Lösungsanbieter
Die Prämieneinnahmen stagnieren, die Wechselbereitschaft steigt und neue digitale
Wettbewerber drängen auf den Markt. Weltweit suchen Versicherer nach neuen Wegen,
um sich in diesem Spannungsfeld von der Konkurrenz abzusetzen. Die Zeiten, in denen die
Versicherer in ihrem Kerngeschäft unter sich sind, gehen zu Ende. Einer Studie zufolge sind
38 Prozent der Deutschen bereit, sich bei einem Dienstleister oder Hersteller wie etwa einem
Automobilkonzern zu versichern. 36 Prozent sind offen für Angebote etablierter Technologie-
konzerne und 32 Prozent stehen Offerten von Insurtechs aufgeschlossen gegenüber.
Weitere Themen dieser Ausgabe sind u.a.: In der Assekuranz zeichnet sich ein strategischer
Kurswechsel ab: Während im Jahr 2017 der Schwerpunkt der Versicherungshäuser auf
margenverbessernden Maßnahmen lag, priorisieren diese nun über alle Sparten hinweg
volumensteigernde Maßnahmen. Über 80 Prozent der Versicherer arbeiten aktuell an
Markt- und Wachstumsstrategien.
Drei Viertel der Versicherer in Deutschland möchten durch Neukunden wachsen, jeder
dritte hat vorrangig Neukunden im Blick. Demgegenüber sehen 67 Prozent der Versicherer
im Wachstum mit Stammkunden einen großen strategischen Nutzen, nur 17 Prozent einen
sehr großen. Die Gründe für die Unterschiede: Die Vergütungsmodelle im Vertrieb verändern
sich nur langsam in Richtung Cross- oder Upselling mit Stammkunden. Zudem behindern
das immer noch vorhandene Spartendenken sowie fehlende Multikanalstrukturen den
Verkauf übergreifender Versicherungsdienstleistungen je nach Lebenssituation.
Die Zeiten einer einzigen Versicherung fürs Leben sind lange vorbei. Nun gerät auch das
Bild vom Versicherer als naturgemäßem Anbieter von Policen ins Wanken. Denn drei Viertel
der unter 35-jährigen Kunden in Deutschland sind offen dafür, auch bei Branchenfremden
Versicherungen abzuschließen.
Das Redaktionsteam
VERSICHERUNGEN Ausblick 2020 3FinanzBusinessMagazin I INHALTSVERZEICHNIS
VERSICHERUNGEN Markt
6 Vom klassischen Versicherer zum modernen Lösungsanbieter
7 Trendbarometer Assekuranz
9 Versicherer: Neukunde kommt noch vor Stammkunde
10 Studie: Blick in die Zukunft vermiest Versicherern die Laune
12 Studie: Die Hälfte der Versicherer nutzt potentielles Wachstumskapital nicht / Verzicht auf Neukundengeschäft
gewinnt immer weiter an Bedeutung
13 Versicherer schnüren Care-Pakete - Skepsis bei PAYL-Tarifen
15 Immobilienquote der Versicherer erstmals zweistellig
17 Standardsetzer erleichtert den Versicherern die Anwendung internationaler Rechnungslegungsstandards
18 Horváth-Studie: Hybride Kunden werden überschätzt
19 BaFin konkretisiert die MaGo für kleine Versicherungsunternehmen
21 Update zum Versicherungsmarktreport 2019
23 Generation Z: Eine attraktive und zugleich kritische Zielgruppe für Finanzdienstleister
26 Die Entschlüsselung der Versicherten-DNS
VERSICHERUNGEN - International
28 Altersvorsorge: Deutschland bei den Faktoren Angemessenheit und Integrität gut platziert
30 zeb.European Insurance Study 2019
VERSICHERUNGEN - Rückversicherung
31 Verfügbares Rückversicherungskapital in 2018 leicht rückläufig
VERSICHERUNGEN - Run-Off
32 Externer Run-Off von Versicherungsbeständen: Werden Abwicklungsplattformen zum neuen Trend?
VERSICHERUNGEN - Digitalisierung
33 Digital Pulse Check Insurance 2019
34 Digitale Plattformen: Jeder fünfte Finanzdienstleister möchte mit Wettbewerbern kooperieren
36 Digitalisierung: Banken und Versicherer rechnen mit den meisten Jobeinbußen
37 Digitalisierung in der deutschen Industrieversicherung
38 Finanzsektor 4.0: Die Zukunft von Banken und Versicherungen wird mit Mut gemacht … und mit Daten
40 Zusatzangebote im Internet sichern Zukunft von Versicherungen
VERSICHERUNGEN - Insuretechs
42 Branchenkompass Insurance 2019: Versicherer und Makler meiden Insurtechs
43 InsurTech: Investitionen bleiben auf Rekordniveau
4 VERSICHERUNGEN Ausblick 2020INHALTSVERZEICHNIS I FinanzBusinessMagazin
VERSICHERUNGEN - Cyberversicherung
44 Zwei von fünf Unternehmen wurden zuletzt Opfer einer Cyberattacke – Angst vor künftigen Angriffen groß
46 Cyber-Studie 2019: Risikobewusstsein deutscher Unternehmen wächst
47 Cyberkriminalität kostet deutsche Unternehmen im Schnitt 13 Millionen US-Dollar pro Jahr
49 Innovationen brauchen Versicherungen
VERSICHERUNGEN - Sachversicherung
50 Schadenmanagement: Versicherte überzeugen und Kosten senken
51 Royal Sun Alliance nutzt Willis Towers Watson Software jetzt auch in der Schadenbearbeitung
53 Swiss Re und Sopra Steria Consulting entwickeln ganzheitliche Lösung zur Effizienzsteigerung
aktiver Sachversicherungsbestände
54 Versicherungsmarktreport 2019 für Deutschland
VERSICHERUNGEN - bAV
55 bAV durch Entgeltumwandlung: Kein Schub durch BRSG
57 bAV-Administration erlebt Digitalisierungs-Schub
58 Reine Beitragszusage: breite Umsetzung erst ab 2021 zu erwarten
59 Pensionskassen sehen erheblich steigenden Aufwand für regulatorische Aufgaben mit deutlichen Zusatzkosten
60 Deckung von Pensionsverpflichtungen: Trend zur externen Finanzierung hält an
61 DAX30-Konzerne machen betriebliche Altersversorgung wetterfest
62 DAX 30-Unternehmen: Rechnungszins sorgt für Entlastung bei den Pensionsverpflichtungen
64 Betriebliche Altersversorgung viel Luft nach oben
65 Betriebsrentner werden entlastet
VERSICHERUNGEN - Rentenversicherungen
66 Wer besser verdient, lebt zunehmend länger und erhält dadurch überproportional mehr Rente
67 Lebenserwartung steigt nur noch langsam
68 Umfassende Renteninformation: Kompliziert, aber machbar
VERSICHERUNGEN - Pflegeversicherungen
69 Armut durch Pflegebedürftig – neue Studie kalkuliert Kosten und Verteilungswirkung
72 Was stationäre Pflege kostet
VERSICHERUNGEN - Krankenversicherung
73 Gesetzlich Versicherte setzen auf digitale Gesundheitsservices
VERSICHERUNGEN - Kreditversicherung
74 Gesetzliche Neuregelung zeigt Wirkung: Nutzung von Restkreditversicherungen geht zurück
IMPRESSUM
52 Impressum
VERSICHERUNGEN Ausblick 2020 5FinanzBusinessMagazin I MARKT
Vom klassischen Versicherer zum
modernen Lösungsanbieter
D
ie Prämieneinnahmen stagnieren, Kunden sind offen für Branchenfremde
die Wechselbereitschaft steigt und
neue digitale Wettbewerber drängen Noch schaffen es die deutschen Versiche-
auf den Markt. Weltweit suchen Versicherer rungsunternehmen vergleichsweise gut,
nach neuen Wegen, um sich in diesem die Erwartungen ihrer Kunden zu erfül-
Spannungsfeld von der Konkurrenz abzu- len. Die höchsten mit dem Net Promoter
setzen. In ihrer Studie „Deutscher Versi- Score® (NPS®) gemessenen Loyalitäts-
cherungsreport: Wer vernetzt, gewinnt“ werte erzielt 2019 sowohl in der Sach- als
zeigt die internationale Unternehmensbe- auch in der Lebensversicherung einmal
ratung Bain & Company auf, wie Versiche- mehr die HUK Coburg. Auf den Plätzen
rer hierzulande mit vernetzten Services folgen in der Sachversicherung HUK24
und Ökosystemen die Loyalität ihrer Kunden und LVM; in der Lebensversicherung
steigern und deren Erwartungen im digitalen CosmosDirect und ERGO Direkt.
Zeitalter erfüllen können. Befragt wurden
weltweit 167.000 Versicherungsnehmer, Die Zeiten, in denen die Versicherer in ihrem
darunter 14.000 in Deutschland. Kerngeschäft unter sich sind, gehen zu
Ende. 38 Prozent der Deutschen sind
„Überzeugende Interaktionen sind und bereit, sich bei einem Dienstleister oder
bleiben der Schlüssel für loyale Kunden“, Hersteller wie etwa einem Automobil-
erklärt Bain-Partner und Studienautor konzern zu versichern. 36 Prozent sind
Dr. Christian Kinder. Hier können Ökosy- offen für Angebote etablierter Techno-
steme wie die Werkstattnetze zahlreicher logiekonzerne und 32 Prozent stehen
Kfz-Versicherer viele neue Anknüpfungs- Offerten von Insurtechs aufgeschlossen
punkte schaffen. „Immer mehr Kunden gegenüber (Abbildung).
wollen eine Versicherung, die Lösungen
anbietet, statt nur Policen zu verkaufen Im Wettbewerb mit Branchenneulingen
und Schäden zu regulieren“, so Kinder weiter. haben etablierte Versicherungsunterneh-
„Dafür braucht die Assekuranz Partner. men zwei entscheidende Vorteile. Zum
Ökosysteme sind die richtige Antwort auf einen vertrauen die Kunden ihnen. Zum
die veränderten Kundenwünsche.“ anderen schätzen viele in entscheidenden
Momenten den persönlichen oder telefo-
nischen Kontakt.
Viele Versicherungsnehmer interagieren
indes nur sporadisch mit ihrem Anbieter.
42 Prozent der Befragten geben an, in
den vergangenen zwölf Monaten keinen
Kontakt zu ihrem Versicherer gehabt zu
haben. Das hat unmittelbare Auswir-
kungen auf die Loyalität: Gibt es keine
Interaktion, liegt der NPS in der Sach-
versicherung branchenweit bei 1 Pro-
zent, in der Lebensversicherung bei minus
15 Prozent. Schon bei zwei Interakti-
onen im Jahr steigen die Werte auf 26
beziehungsweise 14 Prozent. Wesentlich
Quelle: © pixabay.com
häufiger haben Kunden mit ihrer Versi-
6 VERSICHERUNGEN Ausblick 2020MARKT I FinanzBusinessMagazin
cherung Kontakt, wenn sie über ihre ver- Doch die Versicherer sollten noch aus
netzten Geräte in das Ökosystem ihres einem weiteren Grund schnell handeln.
Anbieters eingebunden sind. In diesem „Positionieren sie sich nicht als Partner für
Fall steigt die Zahl der Interaktionen um ein sicheres Eigenheim oder unfallfreies
den Faktor 6. Fahren, werden es branchenfremde An-
bieter tun“, so Kinder. Tatsächlich bewegen
Mit der richtigen Strategie sich die Kfz-Hersteller in Deutschland
in die vernetzte Welt bereits in diese Richtung und zwingen die
traditionellen Versicherer, ihre Geschäfts-
Ein Drittel der Deutschen erwartet von modelle weiterzuentwickeln.
ihrem Versicherer in den Sparten Kfz,
Gebäude und Gesundheit vernetzte Fünf Themen stehen dabei im Fokus:
Angebote. „Das ist eine Steilvorlage für
die Branche“, stellt Bain-Partner Kinder • Aufbau eines Ökosystems
fest. Denn über vernetzte Services er- • Entwicklung einer Datenstrategie
hielten die Unternehmen kontinuierlich • Weiterentwicklung des Vertriebs
Informationen über das tatsächliche • Optimierung von Produkten und Prozessen
Verhalten ihrer Kunden, was ihnen die • Zweigleisiger Strategieansatz für die
personalisierte Ansprache erleichtere. Entwicklung einer langfristigen Vision
So werde die Basis für eine langfristige • Die Assekuranz steht vor einer tief
Kundenbindung sowie Up- und Cross- greifenden Transformation.
Selling geschaffen. Autor: www.bain.com/de
Trendbarometer Assekuranz
I
n der Assekuranz zeichnet sich ein 2018) mit ihrer digitalen Ausrichtung; für
strategischer Kurswechsel ab: Während weitere 16 Prozent steht das Thema 2019
im Jahr 2017 der Schwerpunkt der fest auf der Agenda.
Versicherungshäuser auf margenverbes-
sernden Maßnahmen lag, priorisieren diese Baustelle Digitalisierung
nun über alle Sparten hinweg volumen-
steigernde Maßnahmen. Über 80 Prozent In der Assekuranz wird zwar schon heute
der Versicherer arbeiten aktuell an Markt- an vielen verschiedenen digitalen Themen
und Wachstumsstrategien. Das ist eines gearbeitet, was grundsätzlich im Ein-
der zentralen Ergebnisse des Trendbaro- klang mit der fokussierten Digitalstrate-
meters Assekuranz, einer Kurzstudie der gie steht. Allerdings ist eine eindeutige
globalen Strategie- und Marketingberatung Stoßrichtung innerhalb der digitalen Themen
Simon-Kucher & Partners. aktuell nicht erkennbar. „Jedes zweite
Versicherungsunternehmen gibt an, dass
Oberstes strategisches Ziel: Wachstum dieses essentielle Thema im eigenen
Haus nicht systematisch und übergrei-
Die Studienergebnisse zeigen zudem: fend angegangen wird“, so Frank Gehrig,
Neben Markt- und Wachstumsstrategien Partner bei Simon-Kucher. Dabei ist den
steht 2019 das Thema Produktstrategie Studienteilnehmern der Mehrwert, den
im Zentrum vieler Versicherungshäuser. Digitalisierung in Punkto Kundennutzen
Im Einklang mit den Trends der Branche stiftet, durchaus bewusst. Innerhalb der
wird außerdem die Digitalstrategie in al- Wertschöpfungskette sehen Versicherer
len Sparten als potenzieller Wachstum- insbesondere beim Thema Service durch
streiber gesehen und steht ebenfalls im Digitalisierung den größten Kundennut-
strategischen Fokus der Versicherer. Über zen. Und konkret planen vier von fünf
zwei Drittel beschäftigten sich bereits Versicherungshäusern auch, in der nahen
zum Zeitpunkt der Erhebung (November Zukunft beispielsweise in Online- und
VERSICHERUNGEN Ausblick 2020 7FinanzBusinessMagazin I MARKT
Videochats zu investieren. „Für Versicherer Im Hinblick auf die Frage, auf welchen
ist es dringend notwendig, die Digitali- Vertriebsweg man sich 2019 und darüber
sierung als ‚Enabler‘ wahrzunehmen, die hinaus konzentrieren will, gehen die Mei-
dabei hilft, Maßnahmen zu implementieren nungen der Sparten stark auseinander.
und übergreifende Ziele zu erreichen: So stehen im Bereich Komposit auch weiter-
Eine einheitliche Strategie ‚aus einem hin ‚Ausschließlichkeit & Makler‘ klar im
Guss‘ ist hier unverzichtbar“, so Maximilian Fokus. Lebensversicherer konzentrieren
Effing, Studienautor und Manager bei sich hingegen stärker auf Maßnahmen
Simon-Kucher. für Makler und Partnervertriebe. Der Be-
reich der Krankenversicherer priorisiert
vor allem den Vertrieb über die eigene
Homepage.
Thema „Produkt“ wird nur zögerlich
und häufig losgelöst vom Pricing
angegangen
Auf die Frage, welche Top-Maßnahmen
zum Thema „Produkt“ 2019 operativ
umgesetzt werden, zeichnete sich ein
klares Bild ab: Bei Versicherern steht
vor allem die Überarbeitung bestehen-
der Produkte im Fokus. Eine Sanierung
des Produktportfolios und auch die
Entwicklung neuer Produkte hat – zu-
mindest in Komposit und Leben – nur
untergeordnete Relevanz. „Versicherer
beschäftigen sich aktuell zu wenig mit
neuen Innovationen, die sich durch die
Digitalisierung ergeben – dies sollte sich
zukünftig ändern. Für uns ist es aber
überraschend, dass die Produktstra-
tegie häufig losgelöst von der Preisstra-
tegie angegangen wird. Im Produktent-
Quelle: © DragonImages - Fotolia.com
wicklungsprozess müssen beide Themen
untrennbar miteinander verbunden sein“,
Priorisierung im Vertrieb erläutert Effing.
spartenübergreifend
auf Neukundengewinnung Neukunden-Wachstum
durch Sales Excellence
Im Bereich Vertrieb liegt der Fokus der
Versicherer spartenübergreifend auf der Die Ergebnisse des Trendbarometers
Neukundengewinnung und einer damit zeigen deutlich: Die Neukundengewin-
einhergehenden Verbesserung der Ver- nung ist klares Vertriebsziel in allen
kaufsunterstützung. Auffällig ist, dass die Sparten. Dazu Gehrig: „Unsere Erfah-
Veredelung der Kunden durch Up- oder rung zeigt, dass zwei Hebel es ermög-
Cross-Selling hingegen nur eine unter- lichen, dieses Ziel, bereits kurz- bis
geordnete Rolle (< 50 Prozent) spielt. mittelfristig zu erreichen: Versicherer
„Der Kampf um den (Neu-) Kunden hat sollten zum einen ihre Vermittler durch
begonnen. Um diesen für sich zu gewinnen, digitale Verkaufsunterstützungen akti-
müssen Versicherer eine praktikable vieren. Zum anderen muss die Neukun-
Omnikanal-Strategie vorweisen. Dazu dengewinnung durch eine praktikable
gehört auch ein systematisches Lead- Omnikanal-Strategie und ein systema-
Management durch konsequentes Anbieten tisches Lead-Management unterstützt
von Cross- und Up-Selling-Optionen“, so und angestoßen werden.“
Gehrig. Autor: www.simon-kucher.com/de
8 VERSICHERUNGEN Ausblick 2020MARKT I FinanzBusinessMagazin
Versicherer:
Neukunde kommt noch vor Stammkunde
D
rei Viertel der Versicherer in einer Bandbreite frei gewählt werden.
Deutschland möchten durch Neu- Die Idee dahinter lautet Transparenz.
kunden wachsen, jeder dritte hat Zudem sollen Makler und Vermittler so
vorrangig Neukunden im Blick. Demge- Anreize bekommen, ihr Geschäftsmodell
genüber sehen 67 Prozent der Versiche- in Richtung einer laufenden Vergütung
rer im Wachstum mit Stammkunden einen umzustellen. Ein weiterer Ansatz ist ein
großen strategischen Nutzen, nur 17 Pro- „Pay-per-Contact“-Modell.
zent einen sehr großen. Die Gründe für
die Unterschiede: Die Vergütungsmodelle Um künftig stärker mit Bestandskunden
im Vertrieb verändern sich nur langsam in zu wachsen und den Vertrieb zu stärken,
Richtung Cross- oder Upselling mit Stamm- will mehr als jeder vierte Versicherer mit
kunden. Zudem behindern das immer noch innovativen Produkten und verbessertem
vorhandene Spartendenken sowie fehlende Service (28 Prozent) überzeugen. Um
Multikanalstrukturen den Verkauf über- Stammkunden gerade während der langen
greifender Versicherungsdienstleistungen Laufzeit von Lebens- und Rentenversiche-
je nach Lebenssituation. Die nötigen rungen mehr Freiheiten zu geben und für
Investitionen in das Aufbrechen von neue Kontaktanlässe zu sorgen, setzen
Datensilos und neue Konzepte zur Nutzung einige Versicherer zunehmend auf anpass-
von Daten hat das Gros der Versicherer bare Produkte. Kunden können beispiels-
noch vor sich. Das ergibt die Studie „Branchen- weise Beiträge je nach Lebenslage senken
kompass Insurance 2019" von Sopra und erhöhen sowie Auszahlungen aus dem
Steria Consulting. angesparten Vermögen vornehmen. Diese
Flexibilität schafft Kundenzufriedenheit
Die Versicherungsbranche tut sich mit neuen und zusätzliche Gesprächsanlässe für die
Vergütungsmodellen, die vor allem die Vermittler. Beides fördert das Cross- und
laufende Betreuung der Stammkunden Upselling-Potenzial.
belohnen, noch schwer. Das gilt vor allem
für das traditionell auf Neuabschlüsse aus- Nachholbedarf beim Cross-Selling
gelegte Lebensversicherungsgeschäft. Im
Zuge eines drohenden Provisionsverbots Die Mehrheit der Versicherer bewertet die
bieten Versicherer mittlerweile sogenannte Chancen, mit Stammkunden zu wachsen,
Nettopolicen an. Statt der Provisionskosten, grundsätzlich als groß, so das Ergebnis
die mit den Beiträgen sukzessive abbezahlt des im Rahmen der Studie durchgeführten
werden, fällt einmalig ein festes Honorar Think Tanks mit Experten aus der Bran-
an. Bei fondsgebundenen Rentenversiche- che. Die Anzahl der Policen pro Haushalt
rungen arbeiten eini- ist in der Regel höher als die
ge Anbieter mit einer durchschnittliche Vertragszahl
Bestandspflegever- der Kunden. Trotz des Potenzi-
gütung nach dem als nutzt die Assekuranz ihre
Net-Asset-Value-An- Chancen aktuell nicht, weder
satz. Grundlage für auf klassischem noch auf digi-
die Vergütung ist das talem Wege. Dabei sind gerade
Ve r t ra g s g u t h a b e n Online-Vertriebswege präde-
des Versicherungs- Quelle: © goodluz - Fotolia.com
stiniert, um bei Stammkunden
vertrags. Andere Ver- zu punkten. Das Vertrauen in
sicherer bieten Vermittlern und Kunden ein den Versicherer besteht bereits. Neukunden
variables Modell. Abschlussvergütungen sind dagegen digitalen Kanälen gegenüber
und Folgehonorar können im Rahmen skeptischer, vor allem bei Unternehmen, die
VERSICHERUNGEN Ausblick 2020 9FinanzBusinessMagazin I MARKT
sie nicht kennen. Die Zahl der nötigen Kontakte werden explizit bei Vertragsabschluss vom
pro Abschluss ist signifikant größer. Kunden erfragt. Weil allerdings in vielen
Den Versicherern fehlt es allerdings noch Unternehmen das Omnikanal-Management
an spartenübergreifenden und datenba- nicht funktioniert, entstehen unbefriedi-
sierten Konzepten. „Die Spartentren- gende Kundenerlebnisse. Der Kunde wird
nung ist im digitalen Zeitalter veraltet und nicht auf dem aktuellen Stand seiner Kom-
verhindert Geschäft, vor allem mit den munikation bedient. Es fehlen Regeln,
Stammkunden“, sagt Dominic Testrut, um die nahtlose Übergabe der Daten zwi-
Director Insurance Consulting von Sopra schen den Kanälen zu gewährleisten. Zu-
Steria Consulting. „Die Versicherten er- dem werden verhaltensbasierte Daten
warten ganzheitliche Problemlösungen, die noch nicht systematisch erhoben und für
beispielsweise Lebenswelten wie Gesund- die Cross-Selling-Produkte eingesetzt. Auf
heit, Mobilität und Wohnen verknüpfen“, so diesem Gebiet setzt derzeit ein Umdenken
Testrut. ein. Jeder fünfte Versicherer hat die In-
tegration der Kommunikationskanäle weit
Grundsätzlich haben Versicherungsun- oben auf der Investitionsliste für die kom-
ternehmen eine gute Basis. Daten wie menden drei Jahre, so der Branchenkom-
das Alter, der Familienstand, der Beruf, pass Insurance 2019.
die Wohnsituation oder das Einkommen Autor: www.soprasteria.de
Studie:
Blick in die Zukunft vermiest
Versicherern die Laune
D
ie Versicherungswirtschaft in Mittel- bis langfristig stellt sich die Branche
Deutschland verharrt in ihrem Stim- auf Wachstumsdämpfer ein. Die Stimmung
mungstief. Nur rund jeder vierte ist allenfalls als verhalten optimistisch ein-
Entscheider geht davon aus, dass sich die zustufen. Entscheider kleinerer Versicherer
Branche in den kommenden drei Jahren mit bis zu 500 Mitarbeitern blicken pessi-
signifikant besser als die Gesamtwirtschaft mistischer in die Zukunft als die Konzerne.
entwickeln wird. Damit hat sich die Ge- Das liegt vor allem an den hohen Bürokratie-
mütsverfassung seit 2017 kaum verändert, kosten für die Umsetzung von EU-Re-
trotz ordentlicher Wachstumszahlen 2018. gularien. Die großen Unternehmen können
Die Abkühlung der Konjunktur kommt die fixen Kosten, die Solvency II, die Daten-
zur Unzeit, Regulierung und die anhaltend schutzgrundverordnung (DSGVO) und der
niedrigen Zinsen erschweren weiterhin das Bilanzierungsstandard IFRS 17 auslösen,
Geschäft. In sieben von zehn Unterneh- besser über die Masse an Verträgen und
men binden zudem Maßnahmen für mehr Mitarbeitern verteilen als Versicherer mit
Datensicherheit und Datenschutz viele Res- weniger Bestand und Personal.
sourcen. Impulse für neues Wachstum ver-
sprechen sich die Versicherer und Vermittler Leichte Entlastung winkt den Versicherern
durch mehr Automatisierung und Digitali- mittelfristig beim Solvency-II-Regelwerk.
sierung. Das ergibt die Studie „Branchen- Die EU-Kommission will das Thema 2020
kompass Insurance 2019“ von Sopra Steria neu bewerten. Der GDV hatte nach einer
Consulting. Zwischenbilanz darauf hingewiesen, dass
die gesetzlich vorgeschriebenen Solvenz-
Für das laufende Geschäftsjahr rechnen berichte kaum gelesen werden, und eine
die Entscheider der Versicherer und Makler Verschlankung gefordert. Für zusätzliche
im Durchschnitt erneut mit Beitragsstei- Vereinfachungen wollen die Versicherer
gerungen, so der Gesamtverband der selbst sorgen. Plan ist, Kosten für künftige
Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). regulatorische Anpassungen durch Investi-
10 VERSICHERUNGEN Ausblick 2020MARKT I FinanzBusinessMagazin
tionen in Cloud-Lösungen an die Anbieter Automatisierung und Digitalisierung
auszulagern. Fast jede dritte Führungskraft als Hoffnungsträger
(31 Prozent) verspricht sich mit der Maß-
nahme automatische Anpassungen an Re- Um sich gleichzeitig Vorteile bei den Ko-
gulierungen, so die Studie. sten und bei der Kundenzufriedenheit zu
verschaffen, stehen branchenweit Investi-
Beim Vergleich mit anderen Anbietern von tionen in Automatisierung, Digitalisierung
Versicherungen gibt sich die Branche selbst- und Kooperationen auf der Agenda. Aus
bewusst. 43 Prozent der Unternehmen Sicht von 61 Prozent der befragten Ent-
halten sich für technologisch und organi- scheider sollte das eigene Unternehmen
satorisch besser gewappnet als ihre eine technologische Vorreiterrolle anstre-
direkten Wettbewerber. Zwölf Prozent ben. Zentrale Hebel sind Robotic Process
sehen sich in einer schwächeren Position. Automation, Beratung mit Unterstützung
Vermittler sind hier etwas zurückhaltender von Chatbots, Bekämpfung von Versiche-
als ihre Produktgeber. Von ihnen sagen nur rungsbetrug mithilfe Künstlicher Intelli-
32 Prozent, besser als ihre Wettbewerber zu genz sowie Cloud Computing.
sein, 18 Prozent schätzen sich als schwächer
ein. Sie befürchten vor allem, dass sie Mehr als jedes zweite Unternehmen will
sukzessive durch Onlineplattformen und zudem mit durchgehend digitalen Pro-
Insurtechs ersetzt werden. Insgesamt be- zessen mehr direkte Onlineabschlüsse
trachten 59 Prozent der Versicherer und ermöglichen und die Schaden-Kosten-
Vermittler Insurtechs als ernste Bedrohung Quoten massiv senken. Maßstab im Scha-
im Kampf um Marktanteile. denmanagement sind digitale Versiche-
rer wie One, die bis zu 60 Prozent aller
Strategisch wenig Neues Schäden in Echtzeit und vollautomatisch
regulieren. 63 Prozent der Ver-
Auf der Suche nach neuen sicherungsmanager sehen große
Wachstumsimpulsen wirkt die Chancen, mit dem Umstieg auf
Branche strategisch ein Stück eine IT-Landschaft aus der Cloud
weit ideenlos: Auf der Einnah- Wachstumsimpulse im Vertrieb
menseite bleiben viele Ver- zu setzen. Jeder vierte Versiche-
sicherer ihren etablierten rer möchte mit dieser Maßnahme
Strategien treu. Für 76 Pro- künftig schneller und einfacher
zent ist das Gewinnen neu- modulare Baukastenprodukte für
er Kunden immer noch das Kunden anbieten und gewach-
Hauptstandbein für Wachstum. sene Spartenstrukturen über-
Immerhin: 67 Prozent der be- winden. Beim Thema Kooperati-
fragten Versicherer fokussie- onen mit Insurtechs zögern viele
ren sich parallel verstärkt auf Entscheider noch. Nur vier von
Cross-Selling-Strategien mit Quelle: © contrastwerkstatt - Fotolia.com
zehn Versicherungsunternehmen
Stammkunden. „Die Differen- halten die Zusammenarbeit für
zierung gegenüber Wettbewerbern findet nützlich, bei den Vermittlern spricht sich
in der Versicherungsbranche noch stark jeder vierte für Partnerschaften aus.
über den Preis statt, besonders bei Sach-
versicherungen. Damit ist praktisch jeder Vertrieb 2022: weniger Vermittler,
Versicherer gezwungen, Organisation und aber keine Komplettdigitalisierung
Prozesse akribisch nach Einsparpoten-
zialen abzusuchen. Kunden honorieren Als Wachstumsgaranten gelten in der Ver-
allerdings auch schnelle und fundierte sicherungswirtschaft die Vermittler und
Beratung über diverse Kanäle sowie Pro- Makler mit ihrer Nähe zu den Kunden.
dukte, die sich ihrer Lebenssituation stän- Mit Blick auf die kommenden drei Ge-
dig anpassen. Diesen Wachstumspfad mit schäftsjahre sehen die befragten Versi-
loyalen Kunden sollten mehr Assekuranzen cherungsführungskräfte einen Rückgang
stärker verfolgen“, sagt Christian Diemaier, der Vermittlerzahlen zugunsten des
Leiter des Geschäftsbereichs Insurance Direktgeschäfts über Onlinekanäle. Als
von Sopra Steria Consulting. Vertriebsmodell der Zukunft erwarten drei
VERSICHERUNGEN Ausblick 2020 11FinanzBusinessMagazin I MARKT
Viertel der Befragten allerdings kein Ende bieten beispielsweise digitale Sachversi-
der persönlichen Beratung, sondern einen cherungen über Makler an. Wefox unter-
Hybridansatz. stützt Makler darüber hinaus mit einem
Für viele Versicherungsprodukte bleiben digitalen Backoffice. „Wir werden erleben,
die Berater unverzichtbar, werden aller- wie die Versicherer mit ihrer Markenbe-
dings bei der Anbahnung von Geschäft kanntheit, Makler und Vermittler mit ihrem
deutlich stärker als bislang durch Tech- Vertriebs-Know-how sowie Insurtechs mit
nologien wie Künstliche Intelligenz un- ihrer technischen Innovationsstärke deut-
terstützt. Selbst rein digitale Versicherer lich enger zusammenrücken“, sagt Christian
setzen auf die Nähe zu erfahrenen Ver- Diemaier von Sopra Steria Consulting.
triebsexperten. Neodigital und Wefox Autor: www.soprasteria.de
Studie:
Die Hälfte der Versicherer nutzt potentielles
Wachstumskapital nicht /
Verzicht auf Neukundengeschäft gewinnt
immer weiter an Bedeutung
E
ine Vielzahl der Versicherer nutzt ihr programmen das tägliche Geschäft. Zum
Potential an Wachstumskapital nicht anderen muss sich die Assekuranz erhöh-
voll aus. Dies ergab eine aktuelle ten regulatorischen Anforderungen stel-
Studie der Managementberatung 67rock- len“, erklärt Braasch. Auch mangelnde
well. Demnach betrieben nur 52 Prozent Profitabilität und zu hohe Verwaltungs-
der befragten Komposit-Versicherer – und Administrationskosten könnten
Versicherungen, die verschiedene Spar- als Ursache abgeleitet werden. Im Um-
ten der Sach- und Unfallversicherungen kehrschluss: Im Fokus neuer Wachstum-
anbieten – den sogenannten „Run-Off“, schancen fehlt den Versicherungsun-
einen bewussten Verzicht auf Neukunden ternehmen somit Wachstumskapital für
und die Konzentration auf das Fortführen Neugeschäft. Man konzentriert sich statt-
von Altbeständen. 88 Prozent der Studien- dessen auf das Fortführen von Altlasten
teilnehmer gehen davon aus, dass RunOff in der Schaden-Unfallversicherung.
bei deutschen Komposit-Versicherungen
weiter an Bedeutung gewinnen wird. Dennoch: Von den 52 Prozent der Ver-
sicherungen, die bereits Run-Off betrieben
„Das Thema ‘Run-Off‘ spielt im deutschen haben, konzentriert sich der Großteil
Versicherungsmarkt eine wachsende Rolle – nämlich über 80 Prozent – auf einen
und wird zukünftig noch häufiger als externen Run-Off. Lediglich ein Fünftel
‘Notbremse‘ in Versicherungsportfolios setzte einen internen Run-Off um.
eingesetzt werden“, so Tim Braasch, Leiter
der Studie sowie Gründer und Geschäfts- Der Unterschied: Bei einem externen
führer von 67rockwell. Run-Off überträgt ein Versicherer seinen
Versicherungsbestand entweder auf ein
„Dies hat verschiedene Gründe. Die deut- anderes Unternehmen oder das gesamte
sche Versicherungswirtschaft befindet Versicherungsunternehmen wird an einen
sich in einem dynamischen Wandel. Zum Investor verkauft. Ein interner Run-Off
einen erschweren Kapitalbindungskosten liegt vor, wenn ein Versicherungsunter-
und eine enorme Komplexität im Umgang nehmen sein Neukundengeschäft offi-
mit Altlasten in IT- und Transformations- ziell oder zumindest faktisch einstellt,
12 VERSICHERUNGEN Ausblick 2020MARKT I FinanzBusinessMagazin
den Bestand aber nicht an einen Dritten
überträgt, sondern selbst als Risikoträger
rechtlich und ökonomisch abwickelt.
In den vergangenen Jahren stieg das pro-
gnostizierte Run-Off-Potential auf dem
europäischen Markt stetig. So schätzt ein
Viertel der befragten Versicherer in der
Studie das potentielle Run-Off-Volumen
über die nächsten drei Jahre auf mehr als
250 Millionen Euro.
Autor: www.67rockwell.de Quelle: © Tomasz Papuga - Fotolia.com
Versicherer schnüren
Care-Pakete - Skepsis bei PAYL-Tarifen
M
ehr als jeder dritte Versicherer Die Produktlandschaft der Assekuranz in
(35 Prozent) will seine Produkt- Deutschland wird sich in den kommen-
landschaft bis 2022 gravierend den Jahren wandeln. Mit neuen Services,
verändern. Die Branche reagiert damit Angeboten, Apps und Multi-Kanal-
unter anderem auf den geplanten Provi- Management wollen die Versicherer und
sionsdeckel für bestimmte Lebensversi- Vermittler neue Kunden gewinnen und
cherungsprodukte und den harten Preis- bestehende Beziehungen vertiefen. Vor
kampf in der Sachversicherungssparte. allem neue Themenangebote wie
Vier von zehn Versicherern wollen das Produktbündelungen und Cyber-Security-
Geschäft mit Total-Care-Paketversiche- Policen werden in den kommenden fünf
rungen und Anti-Hacking-Policen ankur- Jahren an Relevanz gewinnen.
beln. Produkte mit verhaltensabhängigen
Beiträgen finden in der Branche dagegen So wollen 39 Prozent der befragten Ver-
weniger Anklang. Das ergibt die Studie sicherer durch Kombiprodukte wachsen.
„Branchenkompass Insurance 2019" von Die Themenpakete enthalten neben der
Sopra Steria Consulting. Versicherungsleistung weitere Dienst-
leistungen, beispielsweise Bausteine
anderer Versicherer sowie passende Pro-
dukte branchenfremder Unternehmen.
Die Assekuranz reagiert damit auf neue
Kundenerwartungen: Zwei von drei Ent-
scheidern stimmen der Aussage zu, dass
Kunden zukünftig Versicherer bevorzu-
gen werden, die ihnen Komplettlösungen
über digitale Ökosysteme und Themen-
plattformen anbieten können.
Der Versicherer Gothaer arbeitet bei-
spielsweise mit verschiedenen Partnern
an einer Smart-Home-Plattform. 40 Pro-
zent der befragten Versicherer planen
ähnliche Kooperationen. Die Versiche-
rungskammer Bayern bietet seit Anfang
Quelle: © © Sergey Nivens - Fotolia.com
2019 ein Care-Paket namens Holiday Care
VERSICHERUNGEN Ausblick 2020 13FinanzBusinessMagazin I MARKT
an, das auf der eigenen digitalen Plattform tumsprodukt. Produkte wie Pay-as-
Uptodate basiert. Kunden, die eine längere you-live-(PAYL-) Policen gewinnen
Zeit nicht zuhause sind, können situative hierzulande nur langsam an Relevanz.
Versicherungen und versicherungsnahe Anders sieht es in den USA aus. Hier
Leistungen wie eine Schlüsselverwaltung gehen erste Versicherer dazu über, nur
oder einen Sicherheitsdienst buchen. Im noch Lebensversicherungen anzubieten,
Zusammenspiel mit Assistance-Leistungen die auf Gesundheitsdaten der Kunden
wird das Angebot deutlich wachsen. Insge- beruhen. „In Deutschland finden verhal-
samt werden lebensbegleitende Services tensbasierte Produkte nur schwer Eingang
an Relevanz gewinnen, prognostizieren in Tarifkonzepte. Das liegt einerseits da-
37 Prozent der Versicherungsentscheider. ran, dass der Fokus noch auf bewährten
Gleiches gilt für Produkte, die von der Be- Geschäftsmodellen liegt. Einige sehen da-
ratung über den Abschluss bis zum Schaden- rin auch das Kollektivprinzip gefährdet.
management komplett digital angeboten Die größere Herausforderung liegt jedoch
werden. immer noch in der Bereitstellung der er-
forderlichen digitalen Infrastruktur. Ist diese
Cyber-Security-Versicherungen Hürde einmal genommen, lassen sich
als Wachstumstreiber dynamische Versicherungsprodukte mit
situativen Risikobewertungen abbilden
Über Themenpakete denken die Versi- und vermarkten“, sagt Dominic Testrut,
cherer auch bei der Absicherung gegen Leiter Insurance Consulting bei Sopra
Cyber-Risiken nach. 41 Prozent der Ent- Steria Consulting.
scheider gehen davon aus, dass Policen
gegen Schäden durch Hackerangriffe in
den kommenden fünf Jahren an Relevanz
gewinnen werden. Versicherer wollen
Kunden bei ihren IT-Sicherheitsanforde-
rungen unterstützen und entwickeln dafür
spezielle Deckungskonzepte. Für Unter-
nehmen entstehen beispielsweise Zusatz-
leistungen wie eine IT-Sicherheitsbera-
tung. Die Branche reagiert damit auf eine
wachsende Bedrohung durch Cyber-Atta-
cken und die damit verbundene steigende
Nachfrage nach Cyber-Sicherheit. Im Zeit-
raum von 2010 bis 2017 sind die Fälle von
Cyber-Crime um 44 Prozent gestiegen,
so der Lagebericht des Bundeskriminal-
amtes. Zudem werden Bedrohungen nicht
nur häufiger, sondern auch raffinierter.
Vorreiter bei der Produktentwicklung sind Quelle: © Kzenon - Fotolia.com
die Konzerne. Nur 27 Prozent der kleine-
ren Versicherungsunternehmen setzen auf
Wachstum durch Cyber-Security-Policen. Im Gegensatz zu PAYL-Produkten haben
Das ist auf die generell kleinere Produkt- es Pay-as-you-drive-(PAYD-)Modelle ein-
auswahl zurückzuführen. facher. Telematik wird eingesetzt, um
Risiken in der Kfz-Sparte exakter zu
Vor allem PAYL-Tarife haben kalkulieren. Das ermöglicht individuelle
es weiterhin schwer Tarife. Defensives Fahren wird beispiels-
weise durch Rabatte belohnt. Versicherer
Im Gegensatz zu Produktbündelungen und wie die Allianz, HUK-Coburg und Cosmos
Cyber-Versicherungen betrachten viele Direkt haben PAYD-Angebote im Portfo-
Versicherer die Zukunft verhaltensab- lio. In Großbritannien sind PAYD-Modelle
hängiger Tarife immer noch mit Skepsis. seit Jahren beliebt, Italien oder Österreich
Lediglich 31 Prozent der befragten Ent- nutzen sie ebenfalls.
scheider bewerten die Tarife als Wachs- Autor: www.soprasteria.de
14 VERSICHERUNGEN Ausblick 2020MARKT I FinanzBusinessMagazin
Immobilienquote der Versicherer
erstmals zweistellig
D
ie durchschnittliche Immobilien- ist mittlerweile die mit höherem Risiko
quote der Versicherungen befindet behaftete Klasse „Core+“ die bevorzugte
sich auf einem historischen Höchst- Risikokategorie. Insgesamt gaben rund
stand und liegt mit 10,3 Prozent erst- zwei Drittel der Versicherer an, heute
mals im zweistelligen Bereich. Das zeigt mehr Risiko in Kauf zu nehmen als noch
das aktuelle Trendbarometer Assekuranz vor zwei Jahren.
2019 von EY Real Estate. Für die nunmehr
zwölfte Auflage der Studie wurden im Mai „Das maßgeblich von der Niedrigzinspo-
und Juni 24 führende Unternehmen der litik verursachte sehr hohe Preisniveau
Assekuranz befragt. treibt die Versicherungen in riskantere
Investments, um ihre Renditeziele zu er-
„Dieser Höchststand der Immobilien- reichen“, sagt Fischer. Entsprechend werden
quoten der Versicherer spiegelt die auch Value-Add-Investments (hohe
herausgehobene Rolle wider, die Immo- Renditeerwartung bei hohem Ausfallrisiko)
bilienanlagen in Zeiten eines risikolosen für 70 Prozent der Umfrageteilnehmer
Zinses nahe null eingenommen haben“, interessanter. Investitionen in der riskan-
sagt Dietmar Fischer, Partner bei EY Real testen Kategorie „Opportunistic“ lehnen
Estate und Autor der Studie. „Der Wert- mehr als 60 Prozent der Befragten den-
steigerungsanteil spielt für die Asseku- noch ab.
ranz und deren Geschäftsmodelle eine
nachgelagerte Rolle. Entscheidend ist die Indirekte Investments schlagen
Cashflow-Rendite, mit der Versicherer ihre Direktbestand – Einzelhandel leidet
Garantiezinsversprechen auch im anhal-
tenden Niedrigzinsumfeld halten können.“ Knapp zwei Drittel des Immobilienbe-
standes werden direkt gehalten. Die Rendi-
70 Prozent der Befragten wollen ihre Im- teerwartung für indirekte Bestände liegt aller-
mobilienbestände weiter erhöhen. Rund dings mit rund 5,0 Prozent höher als die
drei Viertel geben zudem an, dass die für direkte Bestände (rund 4,5 Prozent).
Anlageklasse Immobilien bei ihnen am Zum ersten Mal sind offene Immobilien-
stärksten ausgebaut werde. Entspre- spezialfonds die beliebteste Anlageform;
chend sehen 80 Prozent der Versicherer sie werden von mehr als 70 Prozent der
Unternehmen der eigenen Branche als Befragten präferiert – noch vor fremdge-
stärkste Konkurrenz – gleich nach privaten nutztem Direktbestand (70 Prozent). Auch
Investoren und Family Offices (84 Prozent). geschlossene Immobilienfonds (60 Prozent)
und alternative Immobilieninvestments
Inkaufnahme höherer Risiken (52 Prozent) gewinnen an Bedeutung.
Traditionell liegt der Fokus der Assekuranz
Zunehmend tätigen die Unternehmen der auf Büroimmobilien. Das ist auch in
Assekuranz auch risikoreichere Immobi- diesem Jahr ausnahmslos der Fall. Trotz
lieninvestments. Mehr als 70 Prozent der bereits hoher Preise bleiben jedoch auch
Befragten halten diesen Trend für unum- Wohnimmobilien für drei Viertel der Be-
kehrbar. Risikoärmere Immobilieninvest- fragten attraktiv. Während ein steigendes
ments im bei Versicherungen traditionell Interesse an Logistikimmobilien erkenn-
beliebtesten „Core“-Bereich sind heiß bar ist (74 Prozent), werden Einzelhan-
umkämpft, und aufgrund des mangeln- delsobjekte weniger stark nachgefragt
den Angebots wird die Suche nach ge- (48 Prozent). Sogar Infrastrukturinvest-
eigneten Objekten immer schwieriger. So ments sind beliebter (58 Prozent).
VERSICHERUNGEN Ausblick 2020 15FinanzBusinessMagazin I MARKT
Quelle: © sdecoret - Fotolia.com
Steuer-, Digitalisierungs- und noch 19 Prozent schätzen den britischen
Nachhaltigkeitsaspekte Immobilienmarkt als attraktiv ein. Aller-
wichtige Kriterien dings wird auch Deutschland überwiegend
nur noch als „attraktiver“ und nicht mehr
Eine entscheidende Rolle bei Immobili- als „sehr attraktiver“ Markt angesehen.
eninvestments spielt für die Assekuranz „Auch im europäischen Vergleich sinkt
die steuerliche Gestaltung. Steuerliche die Attraktivität des deutschen Marktes
Aspekte beeinflussen bei rund 60 Pro- durch das mittlerweile vergleichsweise
zent der Unternehmen die Investment- hohe Preisniveau“, sagt Fischer.
entscheidungen. 86 Prozent erwarten bei
ihren Investments, dass künftige Anforde- Über die Studie
rungen an eine intelligente Infrastruktur Das Trendbarometer Immobilienanlagen
erfüllt werden. Die Digitalisierung erfor- der Assekuranz wurde 2019 bereits zum
dert für 86 Prozent der Versicherer ein zwölften Mal durchgeführt und basiert
Umdenken, etwa durch aktuelle Trends auf einer Umfrage, die von Mai bis Juni
wie Co-Working im Bürosegment. Auch 2019 von EY Real Estate durchgeführt
nachhaltige Investments geraten zuneh- wurde. Insgesamt haben 24 führende Un-
mend in den Fokus. „Langfristige Investi- ternehmen der Versicherungswirtschaft
tionen, die einen konstanten Cashflow für teilgenommen, die einen repräsentativen
die Assekuranz erzielen sollen, müssen Querschnitt der Assekuranz abbilden. Ab-
selbstverständlich auch zukunftsfähig gefragt wurden allgemeine Markttrends
sein. Die digitale Anschlussfähigkeit ist sowie die Immobilieninvestmentstrategie
dafür ein entscheidender Baustein“, sagt der Versicherer. Neben der Auswahl aus
Fischer. vorgegebenen Antworten hatten die Teil-
nehmer bei jeder Frage die Möglichkeit,
Europa und Deutschland favorisiert individuelle Kommentare abzugeben. Alle
– hiesiger Markt sinkt in der Gunst Antworten sind anonym in die Umfrage
eingegangen und ausgewertet worden.
Der Investmentfokus der befragten Ver- Autor: www.ey.com/de
sicherungsunternehmen liegt klar und
deutlich auf Europa (59 Prozent), gefolgt
von Asien und Ozeanien (31 Prozent) und
Nordamerika (30 Prozent). Afrika wie
auch Zentral- und Südamerika spielen für
die Assekuranz hingegen keine Rolle.
Innerhalb Europas werden klar West-
(74 Prozent) und Nordeuropa (65 Prozent)
bevorzugt. Deutschland bleibt der favo-
risierte Markt (96 Prozent), während das
einst so beliebte Groß-britannien offenbar
unter dem anstehenden Brexit leidet: Nur Quelle: © jeremias münch - Fotolia.com
16 VERSICHERUNGEN Ausblick 2020MARKT I FinanzBusinessMagazin
Standardsetzer erleichtert den Versicherern
die Anwendung internationaler
Rechnungslegungsstandards
I
m Mai 2017, nach gut 20 Jahre andau- ern könnten dadurch signifikante Umstel-
ernden Diskussionen, hatte das Inter- lungsaufwendungen erspart bleiben.
national Accounting Standards Board Joachim Kölschbach, Partner bei KPMG und
(IASB) den internationalen Rechnungsle- für die Anwendung der IFRS bei Versiche-
gungsstandard für Versicherungsverträge, rern zuständig, erklärt: „Die Vorschläge
IFRS 17, veröffentlicht. Seitdem hat das dürften die Versicherer insgesamt erfreu-
IASB die Versicherer bei der Umsetzung en. Das zusätzliche Jahr gibt ihnen die not-
eng begleitet und zahlreiche Bedenken so- wendige Zeit um ihre Umsetzungsprojekte
wie Umsetzungsprobleme festgestellt. Um abzuschließen und die Änderungen lösen
diesen Rechnung zu tragen und um die Um- zahlreiche Probleme in der Praxis. Dazu
setzung zu erleichtern, hat es jetzt Än- gehören die Verteilung von Abschlusskosten
derungen des IFRS 17 in sieben Bereichen auf die erwartete Laufzeit von Verträgen
vorgeschlagen, begleitet von einem Auf- und die Möglichkeit, Gewinne aus Rückver-
schub der Erstanwendung um ein Jahr bis sicherungsverträgen zu zeigen, wenn sie
zum 1. Januar 2022. Verluste aus dem Bruttogeschäft aus-
gleichen. Das bildet die wirtschaftlichen
Mary Trussell, Partnerin bei KPMG und global Zusammenhänge besser ab.“
für die Umsetzungsprojekte verantwort-
lich: „Mit den Vorschlägen des IASB zur IFRS 17 und seine Änderungen wirken sich
Änderung des IFRS 17 haben wir nun ein nicht nur auf die Rechnungslegung aus,
vollständiges Bild, wie der anzuwendende sondern betreffen auch das Datenmanage-
Standard aussehen wird. Für alle Versiche- ment und IT-Systeme. „Die Änderungen
rer mit Projektmüdigkeit ist das ein Weck- erlauben es teilweise, auf rückwirkende
ruf, den Projektfortschritt zu beurteilen Analysen von Daten der Vergangenheit zu
und das Projekt wiederzubeleben. Die Än- verzichten, aber nur teilweise. Insbeson-
derungen helfen, aber die Umsetzung von dere bleibt die Notwendigkeit, die Be-
IFRS 17 ist nach wie vor sehr komplex und stände für Zwecke der Rechnungslegung in
erfordert substanzielle Anstrengungen.“ Jahresscheiben zu teilen. Das ist mit hohem
administrativem Aufwand ver-
Die meisten Unternehmen, die bunden und wird sicherlich ein
nach IFRS bilanzieren, müssen kritischer Punkt in der Kommen-
seit 2018 Finanzinstrumente tierung werden. Es könnte hier
nach dem Standard IFRS 9 ab- helfen, die Regel durch eine
bilden. Hiervon waren jedoch prinzipielle Anforderung zu
Versicherer unter bestimmten ersetzen“, meint Kölschbach.
Voraussetzungen befreit; sie
sollten die Bilanzierung von Quelle: © Minerva Studio - Fotolia.com Frank Ellenbürger, Bereichs-
Kapitalanlagen – das sind vorstand Versicherungen bei
weitestgehend Finanzinstrumente – und KPMG, ergänzt: „Es ist entscheidend, dass
von versicherungstechnischen Rückstel- die Versicherer sich dessen bewusst sind,
lungen gleichzeitig umstellen dürfen. Das dass IFRS 17 trotz der Änderungen hohe
IASB hat daher vorgeschlagen auch hier Anforderungen an die Datenerfassung,
den Anwendungszeitpunkt auf 2022 zu Systeme, Prozesse und Kontrollen stellt.
verschieben. Nicht eingegangen ist das Die Auswirkungen werden über das
IASB auf das Petitum aus der Branche, auf Rechnungswesen hinaus spürbar sein: in
die Anpassung der Vergleichszahlen für Aktuariat, IT, Risikomanagement, Investor
das Vorjahr zu verzichten; den Versicher- Relations bis in HR.“
VERSICHERUNGEN Ausblick 2020 17FinanzBusinessMagazin I MARKT
IFRS 17 wird IFRS 4 ersetzen; dieser für eine Performancemessung unzurei-
erlaubte Versicherern weitgehend vorherige chend. Es ist deshalb wichtig, dass der
Bilanzierungspraktiken fortzusetzen. Damit Standard zum jetzt vorgeschlagenen Zeit-
wird künftig ein wesentlicher Makel behoben, punkt 2022 auch wirklich zur Anwendung
nämlich die fehlende Vergleichbarkeit der kommen kann“, erläutert Ellenbürger. Das
Versicherer aus unterschiedlichen Jurisdik- IASB fordert die Versicherer und anderen
tionen, selbst innerhalb der EU. „Analysten Beteiligten auf, Kommentare bis zum
und Investoren fordern jetzt endlich eine 25. September 2019 abzugeben und beab-
wirklich vergleichbare und transparente sichtigt die Veröffentlichung der endgültigen
Rechnungslegung der Versicherer. Das, Änderung Mitte 2020.
was die Versicherer derzeit zusätzlich
unter IFRS und Solvency II berichten, ist Autor: https://home.kpmg/de
Horváth-Studie:
Hybride Kunden werden überschätzt
W
ebsite, Mail, Chat oder Online-
Vergleichsportal – mit der Digi-
talisierung können Kunden auf
vielen Wegen Versicherungsfragen klären.
Hinzu kommen das direkte Gespräch mit
dem Berater vor Ort oder Empfehlungen
von Freunden und Verwandten. Doch nur
die wenigsten Verbraucher nutzen diese Quelle: © jeremias münch - Fotolia.com
Vielfalt. Im Gegenteil: 74 Prozent der
Kunden informieren sich lediglich über mals verbreiteten Meinung noch eine ver-
eine einzige Quelle, bevor sie einen Vertrag gleichsweise überschaubare Gruppe und
abschließen. Dies sind Ergebnisse einer keineswegs die Mehrheit“, sagt Stefan
repräsentativen Studie der Management- Hiendlmeier, Partner und Leiter Versiche-
beratung Horváth & Partners gemeinsam rungen bei Horváth & Partners. „Versicherer
mit dem Marktforschungsinstitut forsa. sind also gut beraten, den stationären
Befragt wurden mehr als 1.000 Kunden Vertrieb und Offlineinformationen nicht
in Deutschland, die in den vergangenen zu vernachlässigen.“ 67 Prozent der reinen
zwölf Monaten mindestens einen Kontakt Offlinekunden schätzen dieses Angebot
mit ihrem Versicherer hatten. so sehr, dass sie sich beim Berater vor
Ort informieren und auch den Vertrag
Der Umfrage zufolge bleiben die meisten dort abschließen.
Menschen beim Abschluss einer Versiche-
rung dem Kanal treu, über den sie sich Versicherungs-Homepage schlägt
zuerst informiert haben. So haben 48 Vergleichsportal
Prozent der Befragten auf klassischem
Weg – also durch Empfehlungen oder im Zudem sind in der Breite nicht die
Gespräch mit Beratern – Informationen Vergleichsportale wie Check24 oder
eingeholt und einen Vertrag abgeschlos- financescout24 Hauptanlaufstelle für
sen. Ein gutes Drittel verbindet laut Studie die Kunden, sondern die Homepages
analoge und digitale Wege zum Versi- der Assekuranzen. Immerhin 45 Prozent
cherungsabschluss. Diese sogenannten der reinen Onlinekunden und 24 Prozent
hybriden Kunden wechseln zwischen der hybriden Kunden steuern sie an. Ver-
On- und Offlineangeboten hin und her. gleichsrechner werden dagegen nur von
„Hybride Kunden sind entgegen der oft- 35 Prozent der Onlinekunden und 16
18 VERSICHERUNGEN Ausblick 2020MARKT I FinanzBusinessMagazin
Prozent der hybriden Kunden als Haupt- Attraktive Zielgruppe
informationsquellen frequentiert. „Die für individuelle Services
Portale liegen damit deutlich hinter dem
Webauftritt des Versicherers selbst“, sagt Dagegen sind versicherungsfremde Zusatz-
Hiendlmeier von Horváth & Partners. angebote meist gern gesehen: 51 Prozent
„Beim Kontakt mit ihren Kunden haben der befragten Kunden sind grundsätzlich
Versicherer damit immer noch die Polepo- offen dafür – 2017 lag dieser Wert noch
sition inne – sei es offline über die Berater bei 45 Prozent. Eine spezifische und klar
vor Ort oder online über ihre Homepage.“ umrissene Zielgruppe daraus würden
ihrem Versicherer Einblick in ihr Konto
Da die Kunden in der Regel sehr gezielt gewähren, um passgenaue persönliche
nach Informationen suchen, sollten Ver- Angebote wie Anlagetipps oder opti-
sicherer bei ihrem Webauftritt Wert auf mierte Vergleichsangebote zu erhalten.
schnelle Auffindbarkeit und Einfachheit „Diese Zielgruppe und ist nicht nur offen
der Darstellung legen. Auch der Kontakt für passgenaue Angebote, sondern auch
sollte möglichst einfach zustande kom- wirtschaftlich sehr attraktiv“, sagt Ver-
men: 32 Prozent der befragten Kunden sicherungsexperte Hiendlmeier von
wünschen sich einen Rückrufservice Horváth & Partners. Die Studie zeichnet
bei Beratungsfragen, 31 Prozent einen ein klares Kundenprofil: Überwiegend
24-Stunden-Service im Schadensfall. Zu- männlich, Großstadtbewohner, zwischen
satzangebote, die an die Stelle des per- 30 und 44 Jahre alt, Gutverdiener. Hiendl-
sönlichen Kontakts zwischen Kunde und meier rät: „Um diese konkrete Zielgruppe
Berater treten, finden kaum Anklang: Nur erfolgreich zu adressieren, müssen An-
vier Prozent wünschen sich eine Videobera- sprachen kontextspezifisch und vor allem
tung, fünf Prozent würden im Schadens- einfach gestaltet werden. Der Schlüssel
fall einen Video-Sachverständigen zur dazu sind sehr gute Kundenkenntnisse.“
sofortigen Regulierung zuschalten. Autor: www.horvath-partners.com/de
BaFin konkretisiert die MaGo für
kleine Versicherungsunternehmen
D
ie BaFin bittet seit November 2019 nicht erfassten kleinen Versicherungs-
um Konsultation zu ihrem Entwurf unternehmen nach § 211 VAG, die nach
der MaGo für kleine Versicherungs- dem VAG die für Solvency II-Unternehmen
unternehmen (VU). Das bedeutet nicht, geltenden Anforderungen an die Geschäfts-
dass große Versicherer nicht trotzdem ei- organisation in einem bestimmten Maße
nen Blick hineinwerfen sollten. Denn außer erfüllen müssen, werden vom vorgesehenen
den Erleichterungen für kleine Versicherer neuen Rundschreiben erfasst.
beantwortet der Entwurf auch wichtige
Fragen für die großen Unternehmen. Natürlich ist zuerst die Frage zu klären,
welche Erleichterungen das Rundschreiben
Am 25.01.2017 wurde das Rundschreiben für kleine Versicherer bereithält. Dabei
2/2017 (VA) "Aufsichtsrechtliche Mindestan- fällt auf, dass die 4 Schlüsselfunktionen
forderungen an die Geschäftsorganisation (Compliance, Interne Revision, Unabhän-
von Versicherungsunternehmen (MaGo)" gige Risikokontrollfunktion und die versi-
veröffentlicht. In dessen Anwendungsbe- cherungsmathematische Funktion) keine
reich fallen alle Unternehmen, auf die die Erwähnung mehr finden. Es bleibt viel-
Rahmenrichtlinie 2009/138/EG des Euro- mehr dabei, den Geschäftsleitern eines
päischen Parlaments und des Rates vom Unternehmens die Gesamtverantwortung
25.11.2009 (Solvency II) anwendbar ist. für die ordnungsgemäße und wirksame
Die vom Rundschreiben 2/2017 (VA) Geschäftsorganisation zu überlassen.
VERSICHERUNGEN Ausblick 2020 19Sie können auch lesen