WIR wünschen allen Leserinnen und Lesern Frohe Ostern! - Herausgeber: Wilhelmsburger InselRundblick e.V. Von Vielen für Alle 17 ...

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Herausgeber: Wilhelmsburger InselRundblick e.V. • Von Vielen für Alle • 17. Jahrgang/Ausgabe 4 - April/Mai 2011

  WIR wünschen allen Leserinnen und Lesern Frohe Ostern!
Seite 2                                                 EDITORIAL, INHALT                          Wilhelmsburger Inselrundblick 4/2011

Glasbruch - wo bleibt das Bekennerschreiben?                                                           Aus dem Inhalt:
 Da wollten wir nun endlich ein ganz normaler aufgewerteter Stadtteil werden - mit allem,
was dazu gehört: ehrgeizigen Eltern, blasierten Bürgersöhnchen, verarmten Genies, bra-        Neue AKU-Broschüre                S. 3
ven Studenten, bewussten Konsumenten und überzeugten Fahrradfahrern - und eben auch           Thema: Wohnen auf Wilhelmsburg
mit jener würzenden Prise Kolonialismus von linksaußen, die einfach zu jedem anständigen                                    S. 4 - 7
Aufwertungsprozess dazu gehört - und was machen diese linksautonomen Hoffnungsträ-
                                                                                              Forderungen der Umweltverbände an
ger? Liefern total unprofessionelle Arbeit ab! Zwar haben sie ihren missionarischen Auftrag
                                                                                              den neuen Senat               S. 8 - 9
zunächst brav angenommen und ein paar Fensterscheiben eingeschmissen - doch dann:
Nichts mehr. Auf halbem Wege steckengeblieben. Will heißen: Kein Bekennerschreiben!           Kurzfilmabend in der Soulkitchenhal-
Wie schwach ist DAS denn? Jeder anständige Missionar haut doch spätestens nach Ein-           le                                S. 11
nahme der ersten vier Dörfer erstmal eine ordentliche Erweckungspredigt für die Einge-        Fast unbekannt: Die WCW-Gallery
borenen raus!                                                                                                                   S. 11
 Und überhaupt: Wir sitzen hier in unserer Redaktion und warten auf die „Nieder-mit-          WER KENNT‘S                       S. 19
dem-Schweinesystem-Spekulanten-runter-von-unserem-neuen-Spielplatz“-Botschaft, da-
                                                                                              Chor Tumi Mina sucht neue Mitsänge-
mit wir endlich, endlich titeln können „Gentrifizierung Wilhelmsburgs geglückt - autonome
                                                                                              rinnen                            S. 19
Neubürger bringen sich voll in den Prozess ein“ - und dann: wieder nix.
                                                                                              Kultur am 3. Sonntag im Museum
 Unverantwortlich ist dieses Verhalten auch. Wir Eingeborenen wissen doch jetzt gar
                                                                                              Elbinsel Wilhelmsburg             S. 19
nicht, was wir denken sollen. Da muss uns doch jemand an die Hand nehmen. Das sind
wir so gewohnt vom Aufwertungsprozess. Hm. Wenn ein Bekennerschreiben nicht das Mit-          Leserbriefe und Stellungnahmen
tel Eurer Wahl ist - ladet Ihr uns dann wenigstens mal zu ‘nem Bürgerdialog mit Euch ein?                                  S. 20 - 21

                                                         Hoffnungsvoll, die Redaktion         Musikwettbewerb für Jugendliche mit
                                                                                              Konzerten „Pop up“                S. 22
                                  Last Minute                                                 WILLI‘S RÄTSEL                    S. 22
Freitag, 15.4.
                                                                                              Ihr gutes Recht: Thema Polygamie
14.20 h, ab S-Bahn Harburg-Rathaus (Ausgang Schlossmühlendamm): Die
                                                                                                                                S. 23
Welten der Linie 152. Tour zu Fuss, mit Bus und Fähre. Mit Jörg v. Prondzinski; Dauer:
ca. 3 Std. – Teilnahmekosten nach Selbsteinschätzung, + HVV-Ticket. Unterschiedliche,         Ausflüge und Touren               S. 24
eher abseitige Teile Harburgs und der Elbinsel.                                               Jugendseite „Street Talk“         S. 24
20 h, Honigfabrik: In der Reihe SoundAttacke: „Budzillus“ - Oriental Swing Punk
                                                                                              Hamburger Mädchen-Schachmeiste-
Sonnabend, 16.4.
                                                                                              rin kommt aus Wilhelmsburg!       S. 26
12 – 17 h, Pflegen & Wohnen Wilhelmsburg, Hermann-Westphal-Str. 9: Oster-
                                                                                              Freiwillige Feuerwehr sucht Nach-
basar mit Kunsthandwerk, Köstlichkeiten und Live-Musik mit den „Oldies“ im Ostercafé
14 h, ab Stübenplatz (HVV-Busstation): Rundgang „Wilhelmsburg – Hamburger                     wuchs!                            S. 27
Insel im Dritten Reich“                                                                       Wilhelmsburger Kioske von Laden-
14 – 18 h, Sporthalle Veddel, Am Zollhafen 5 b: Flohmarkt von Schülern für Schü-              schlussgesetz bedroht             S. 27
ler und für alle anderen, veranstaltet von VeddelERleben                                      Wüstenschiff ahoi - Kindertheaterfes-
18 – 2 h, Museum Elbinsel Wilhelmsburg: Im Rahmen der Langen Nacht der                        tival im Bürgerhaus               S. 27
Museen: „Schinneree in ole Tieden – Eten un Supen gifft dat ok“
                                                                                                         Museumsverein hat neuen
18 - 2 h, Ballinstadt: Ebenfalls Programm zur Langen nacht
                                                                                                         Vorstand gewählt       S. 29
                                                                              Foto: Hofa

der Museen
                                                                                                         Musik von den Faröer-
                                                                 Die Gruppe Barajan,

21 h, Honigfabrik: Festival mit „Barajan“ - Metal-Folk -
und weiteren Bands                                                                                       Inseln im Bürgerhaus
Sonntag, 17.4.                                                                                                                  S. 29
                                                                 16.4., Hofa

10 – 16 h, Straße Auf der Höhe: Straßenflohmarkt der                                                     St. Raphael weiht neue
Nachbarschaft auf der Höhe                                                                               Jugendräume ein und
11 h, Einfahrt Alter Eltunnel (St. Pauli): Radtour über                                                  feiert ein Fest        S. 30
Wilhelmsburg, veranstaltet von „Hamburg News“. Kosten: 13                                     Aktiver Seniorentreff der AWO
€ (erm.: 8 €). Info: Tel. 0176 49211 515                                                                                        S. 30
11 h, Bürgerhaus: SonntagsPlatz mit dem Eckerken-Theater: „Der Uhrwald tickt
                                                                                              Aktuelles Thema: Zomia
nicht richtig“
                                                                                                                    Seiten 10 und 30
15-17 h, Luther-Kirchengemeinde Eißendorf, Kirchenhang 21 a: Trauercafé des
Hospizvereins Hamburger Süden. Für etwa zwei Stunden können Sie mit anderen Gedan-
ken und Gefühle teilen. Die Teilnahme ist kostenlos
17.30 h, Museum Elbinsel Wilhelmsburg: Ein Erich-Kästner-Abend: „Wo bleibt
das Positive, Herr Kästner?“
Wilhelmsburger Inselrundblick 4/2011                            AKTUELL                                                               Seite 3

IBA-Labor zu Stadtentwicklung und Hochwas- Mit DIVA besser durch
serschutz: Wir müssen leider draußen bleiben! den Hafen
                                                                                                  MG. Ein System aus Grafik- und Textan-
 Klaus Lübke. Als die durch das Sturmtief        Nun mag das ein Irrtum sein, über den
                                                                                                 zeigen mit modernster LED-Technik infor-
„Vincenette“ aufgestauten Wassermassen          IBA-Chef Hellweg sein Bedauern äußern
                                                                                                 miert Lkw-Fahrer und alle anderen Nutzer
in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar        wird. Irgendwo zwischen beauftragter Ver-
                                                                                                 des Straßennetzes über die aktuelle Ver-
1962 den Deich an der Harburger Chaus-          anstaltungsagentur       und   Einladungsbüro
                                                                                                 kehrslage im Hafen (= DIVA, Dynamische
see im Stadtteil Kleiner Grasbrook bre-         sind die Stadtteile wohl übersehen worden.
                                                                                                 Information zum Verkehrs-Aufkommen).
chen ließ, wurden die Fluten durch Stadt-       Aber eines muss man einmal glasklar an-
                                                                                                 Mit dem Einbau von Verkehrsdetektoren
teilgrenzen nicht aufgehalten und flossen       merken: Eine deutliche Form der Missach-
                                                                                                 im gesamten Hafenstraßennetz wurde im
nach Wilhelmsburg hinein. Auf der ande-         tung ist die Ignoranz.
                                                                                                 vergangenen Jahr die Voraussetzung für
ren Seite des Spreehafens wurde auch die         Ich weiß ja nicht, auf welchem Bahnhof
                                                                                                 ein effektives Verkehrsmanagement im
Veddel überflutet. Am folgenden Tag stand       der verantwortliche Mitarbeiter der IBA aus-
                                                                                                 Hafen geschaffen. Rund 100 neue Induk-
das Wasser in der Georg-Wilhelm-Straße          steigt, wenn er mit öffentlichen Verkehrs-
                                                                                                 tionsschleifen, 31 Videodetektoren, ein Ge-
genauso wie am Georgswerder Bogen in            mitteln zu seinem Arbeitsplatz im Müggen-
                                                                                                 wichtsdetektor auf der Köhlbrandbrücke, 14
der Harburger Chaussee und im Veddeler          burger Zollhafen kommt, aber vielleicht
                                                                                                 Bluetoothdetektoren und 4 Videokameras
Damm. Die Behelfssiedlung im Peutegrund         sollte er dabei auch mal sein Bewusstsein
                                                                                                 erfassen den Verkehrsfluss auf der Haupt-
wurde vollkommen zerstört. Die Menschen         einschalten und den Stationsnamen lesen.
                                                                                                 hafenroute. Ein offener Testbetrieb wird
auf den Elbinseln haben sich auch bei der        Wenn die IBA Hamburg die Menschen in
                                                                                                 ab Sommer laufen. Dieses System wird im
Hilfe nicht von Stadtteilgrenzen aufhalten      ihrem Ausstellungsgebiet für sich einneh-
                                                                                                 Rahmen des Bundeskonjunkturprogramms
lassen. Die Schule Slomanstieg diente vie-      men will, sollte sie deren Identitäten beach-
                                                                                                 umgesetzt (4,25 Millionen Euro) und ist ein
len Flutopfern als erstes Auffanglager.         ten. Genauso wie in Wilhelmsburg gibt es
                                                                                                 erster Baustein des Masterplans Straßen-
 Heutzutage aber ist es in manchen Köpfen       bei den Veddelern eine extrem hohe Identi-
                                                                                                 verkehr Hafen Hamburg.
anders. Obwohl zum Gebiet der IBA nicht         fikation mit ihrem Stadtteil. Das liegt unter
                                                                                                  Darüber hinaus setzt die HPA ihr Baupro-
nur Wilhelmsburg, sondern auch der Har-         Umständen daran, dass wir alle gemeinsam
                                                                                                 gramm für Straßen und Brücken im Hafen
burger Binnenhafen und die Stadtteile Klei-     Insulaner sind. Aber vielleicht sollten wir
                                                                                                 fort. Mitte des Jahres wird der Neubau der
ner Grasbrook und Veddel gehören, macht         das mal bei einem Gläschen „Wilhelmsbur-
                                                                                                 Niedernfelder- und Müggenburger Brücken
man bei der Einladung zum IBA-Labor             ger Deichbruch“ bereden.
                                                                                                 abgeschlossen. Gleichzeitig werden auch
„Stadtküste Hamburg – Herausforderung
                                                                                                 die Müggenburger Eisenbahnbrücken fer-
Stadtentwicklung und Hochwasserschutz“,
                                                                                                 tig. Planmäßig geht auch der Neubau der
das Anfang Mai in der Hafencity und auf
                                                                                                 Rethebrücke voran. Bis Ende des Jahres soll
der Veddel stattfinden soll, deutliche Unter-
                                                                                                 auch der neue Radweg von Wilhelmsburg
schiede: Bewohner der Hafencity und Wil-
                                                                                                 zu dem St. Pauli Elbtunnel fertig werden.
helmsburgs haben freien Eintritt, steht in
                                                                                                 Rund 20 Millionen Euro investiert die Ham-
der Einladung. Der Kleine Grasbrook und die
                                                                                                 burg Port Authority in diesem Jahr in die In-
Veddel werden nicht erwähnt. Sie gehören
                                                                                                 standsetzung von 124 km Straßen inklusive
zu anderen hundert Stadtteilen Hamburgs
                                                                                                 80 Straßen- und Fußgängerbrücken, Tun-
und dem Rest der Welt, deren Bewohner für
                                                                                                 nel, Verkehrszeichenbrücken und fünf be-
die Teilnahme an der Veranstaltung 60 Euro
                                                Flut 1962 am Veddeler Damm. Damals wurde         wegliche Brücken. Auf der Haupthafenroute
zu berappen haben. Deutlicher kann man          einander auf allen Flussinseln wie selbstver-
                                                                                                 fahren täglich rund 33000 Kraftfahrzeuge
eine Ausladung kaum formulieren.                ständlich Hilfe geleistet.          Foto: ein.
                                                                                                 (davon 36% Schwerlastverkehr).
Seite 4                                                          AKTUELL                            Wilhelmsburger Inselrundblick 4/2011

„Alles, alles verkehrt ... “                                                                     ANZEIGE

Broschüre des Arbeitskreises Umstrukturierung (AKU) bietet
kritische Analyse der IBA als Instrument der Stadtentwicklung
  AKU. Die Rede über die IBA als Imageveränderin des erklärten „Schmuddel-Stadtteils“
macht sie zu dem, was sie ist. Um sich jedoch mit dieser Show als Teil der Stadtentwick-
lungspolitik auseinandersetzen zu können, gilt es, ihre Wirkungsweise genauer zu betrach-
ten. Nach den letzten Jahren, die auf der Elbinsel vor Heftchen mit Blau-Weißen Streifen
nur so strotzten, fehlen kritische Äußerungen merklich. Der Arbeitskreis Umstrukturierung
Wilhelmsburg (AKU) hat nun eine Broschüre herausgebracht, die auf knapp 40 Seiten
eine etwas vertiefende Basis für weitergehende Diskussionen bietet. In dem Heft „Alles,
alles verkehrt – Wie das Stadtentwicklungsinstrument Internationale Bauausstellung Wil-
helmsburg und die Veddel verwertbar aufbereiten soll und was das für die BewohnerInnen
bedeutet“ wird das Bild einer IBA zurechtgerückt, die sich gern als Heilsbringerin für doch
so tiefe soziale, infrastrukturelle und alltägliche Gräben darstellt. Ausgehend von Forde-
rungen nach Politikansätzen gegen soziale Spaltungen, Armut und Rassismus, die Ende
der 90er von verschiedenen WilhelmsburgerInnen formuliert wurden, ist die Antwort der
Stadt Hamburg eine Konfetti werfende GmbH, die verspricht, das alles besser und vor
allem hübscher wird.
  In der Broschüre macht der AKU deutlich, dass das vorrangige Ziel des „Sprungs über
die Elbe“ und der Bauausstellung bzw. Gartenauschau, die ökonomische Inwertsetzung
bislang ungenutzter räumlicher Potenziale ist. So gehören viele der Freiflächen und ein
Großteil der Wohnungen der Stadt oder städtischen Unternehmen. Eine Wertsteigerung
liegt also im Interesse des Senats, jedoch nicht immer in dem der BewohnerInnen und
MieterInnen
  Darüber hinaus wird dargestellt, warum diese Umstrukturierungen gerade mit dem Ins-
trument IBA durchgesetzt werden sollen, und was Ole von Beust über die Durchsetzungs-
möglichkeiten solcher eingreifenden Veränderungen gerade in Wilhelmsburg zu sagen hat.
  Die IBA einzusetzen, um einen jahrzehntelang von der Politik vernachlässigten Stadtteil
wieder herzurichten, entspricht der Politik der Stadt Hamburg, sich glanzvoll darzustellen
und zu vermarkten. Mit Verbesserungen für alltägliche Mängel hat das dann aber nicht viel
zu tun. In den Diskussionen darüber, was in Wilhelmsburg/Veddel geändert werden muss,
wird die Anhäufung armer Menschen als problematisch gesehen. Beseitigt werden sollen
dann aber eben nicht strukturelle Ausgrenzungen wie Armut oder Rassismus. Stattdessen
soll durch Zuzüge von als attraktiv geltenden (weniger armen, bzw. besser gebildeten)
Gruppen das Zahlenverhältnis geändert werden. Die Armut bleibt dann unsichtbar hinter
dem Glanz des Neuen und Hübschen.
  Die Zusammenhänge der rassistischen Rede von einem „sozialen Mix“, der Propagierung
von „Interkulturalität“ auf Plakaten für das sogenannte „Weltquartier“ in der Weimarer
Straße und den Wegzügen entlang ethnisierter und ökonomischer Grenzen werden deut-
lich. Schließlich wird die Frage aufgeworfen, ob die Politik einer Festivalisierung die sozio-
ökonomischen Probleme zu lösen vermag und ob „Beteiligung“ die Entscheidung über den
Standort einer Parkbank meint.

Die Broschüre liegt an einigen Orten in Wilhelmsburg aus und sie ist im Inter-
net zu finden unter: www.aku-wilhelmsburg.blog.de; Kontakt: aku@ucrony.net
Wilhelmsburger Inselrundblick 4/2011                  AKTUELL                                                              Seite 5

      Neubürgerinnen und               Dünne Studie - gute Diskussion
     Neubürger aufgepasst!              hk. Die Pegelstand-Veranstaltung im Bürgerhaus war gut besucht. Anlass war die Ver-
         LERNEN SIE                    öffentlichung des „IBA-Strukturmonitorings 2010“. Außerdem stellte der Arbeitskreis
       WILHELMSBURG                    Umstrukturierung (AKU) als Antwort darauf seine IBA-kritische Streitschrift „Alles, alles
                                       verkehrt“ vor. In der Diskussion nach dem Vortrag von Jens Töpper, Autor des „Struktur-
      WIRKLICH KENNEN -
                                       monitorings“, wurde deutlich: Die Studie ist nicht nur äußerlich recht dünn.
         WERDEN SIE
                                        Kritik gab es von ganz verschiedenen Seiten. Unter anderem wurde die wissenschaftli-
       EINE/R UNSERER
                                       che Redlichkeit angezweifelt. So bleiben zum Beispiel die Methoden der Datenermittlung
      AUSTRÄGER/INNEN!
                                       und die Auswahl der Befragten sowie die Vorgehensweise („Passantenbefragung“) der
  1x im Monat Inselrundblick           beauftragten Agentur unklar. Auch wurde nicht ergebnisoffen gearbeitet, sondern mit der
    verteilen, rumkommen,              Maßgabe, den „Erfolg der IBA“ zu messen. Bereits im Vorwort ist dann zu lesen, die Gen-
      Klönschnack halten.              trifizierung sei nur eine „oftmals subjektiv geprägte Befürchtung“. Eine weitere Schwäche:
         Tel. 40 19 59 27              Die Studie erhebt Daten nur von 2006 bis 2009. Sie ist nicht auf dem neuesten Stand: In
                                       den alarmierenden Statistiken über die Preissteigerung am Hamburger Wohnungsmarkt
                                       steht Wilhelmsburg an vierter Stelle, mit 24.8% Steigerung bei Eigentumswohnungen im
                                       vergangenen Jahr! Und bei den Protesten gegen die Zustände in den Gagfah-Wohnungen
                                       vor zwei Wochen gingen die MieterInnen auch gegen die IBA-Politik auf die Straße.
                                        An einzelnen Punkten wurden Kurzschlüsse und die Oberflächlichkeit der Studie bemän-
                                       gelt. So wird der Mietenanstieg von 21% in den letzten vier Jahren ausgerechnet mit dem
                                       In-Stadtteil St. Pauli (26%) verglichen, um zu zeigen: Es gibt keine Anzeichen für Auf-
                                       wertungsprozesse am Wohnungsmarkt. Und die Bildungsoffensive Elbinsel wird in einem
                                       anderen Kapitel ohne konkrete Begründungen als Erfolgsmodell vorgestellt.
                                        In der Diskussion über diesen Punkt wurden auch die Differenzen der unterschiedlichen
                                       Aktivisten und Gruppen klarer. Gottfried Eich, IBA-Netzwerkmanager für produktionsori-
                                       entierte Bildung, hob die beispielhafte Vernetzung Wilhelmsburger Bildungs- und Sozial-
                                       einrichtungen hervor, in der sich die Beteiligten unter dem Dach der IBA seit Jahren an
                                       der Verbesserung der Ausbildungssituation und der Berufsaussichten der Jugendlichen
                                       abarbeiteten. Manuel Humburg wollte die lebendigen Initiativen und den öffentlichen Mei-
                                       nungsaustausch als zentrales Plus - auch um unerwünschte IBA-Entwicklungen zu verhin-
                                       dern - herausgestellt wissen.
                                        Auch der AKU benennt in seiner Streitschrift, dass man aufgrund der vielfachen Defizi-
                                       te Veränderungen „vordergründig“ positiv bewerten muss. Die erklärte IBA-Politik: Auf-
                                       wertung des Stadtteils im Sinne der Wohnungswirtschaft für zahlungskräftigere Kunden,
                                       macht aus Sicht des AKU aber vorgebliche bildungs- und sozialpolitische Ziele völlig un-
                                       glaubwürdig. Und in der Tat, die harten Fakten, die dürftige Ausstattung zum Beispiel
                                       des „Sprach- und Bewegungszentrums“ und des „Hauses der Projekte“ mit Personal- und
                                       Sachmitteln und ihre unklare finanzielle Perspektive strafen die IBA-Flyer Lügen.
                                        Das Gute an der Veranstaltung war die lebendige und sachliche Diskussion. Das kann
                                       weitergehen. Nächstes Thema: Wann laden wir Bürgermeister und Bausenatorin ein, und
                                       was genau fordern wir dann von ihnen?
Seite 6                                                       AKTUELL                             Wilhelmsburger Inselrundblick 4/2011

GAGFAH weg!                                                                                  Wer ist eigentlich
Mit einer Demo vor der Zentrale des Wohnungshais machten                                     die GAGFAH?
Mieter und die AG Wohnen auf Missstände aufmerksam.                                           hk. „Gagfah“ heißt sinnigerweise über-
                                                                hk. „Schimmel, Gammel,       setzt: „Gemeinnützige Aktiengesellschaft
                                                                Müll und Dreck, Gagfah       für Beamtenheimstätten“, gegründet 1918.
                                                                ist ein Mieterschreck!“:     Bundesweit besitzt die Gagfah 160.000
                                                                Über 200 Wilhelmsburger      Wohnungen.
                                                                Mieter hatten sich in vor     In den Jahren 2004 bis 2006 wurden das
                                                                der   Gagfah-Zentrale   in   öffentliche Unternehmen Gagfah und eini-
                                                                Wandsbek       versammelt.   ge Untergesellschaften auf Beschluss der
                                                                Bisher fand die Bewegung     Bundesregierung an die US-Beteiligungs-
                                                                gegen    die   Hamburger     gesellschaft Fortress verkauft. Man wollte
                                                                Wohnungspolitik     haupt-   so die Rentenkassen auffüllen.
                                                                sächlich in St. Pauli und     Die US-Gesellschaft Fortress steht nach
                                                                Altona statt. Jetzt mach-    der Finanzkrise kurz vor der Pleite. Um
                                                                ten Mieter aus Wilhelms-     die Aktienkurse zu retten, plündert sie
                                                                burg zum ersten Mal an       seit zwei Jahren den Wohnungsbestand
                                                                diesem Ort ihrem Ärger       systematisch aus. Sogar einschlägige Bör-
                                                                über die unhaltbaren Zu-     senzeitungen kritisieren die Politik der Ge-
Mieter und Mieterinnen der Gagfah in Wilhelmsburg machten,
gemeinsam mit Mietern aus Barmbek, Eimsbüttel und Steils-       stände in ihren Häusern      sellschaft. Trotz hoher Verluste (2009: 92
hoop, ihrem Zorn über ihre Wohnumstände Luft.     Foto: hk.     Luft. Auch einige Mieter     Millionen Euro) werden in jedem Quartal 45
                                                                aus Barmbek, Eimsbüttel      Millionen Euro Dividende an die Aktionäre
und Steilshoop waren dem Aufruf gefolgt - die Gagfah hat in ganz Hamburg über 9000           ausgeschüttet. Diese Zahlungen werden
Wohnungen und die Zustände sind überall die gleichen.                                        aus dem Eigenkapital der Gagfah finanziert,
 Probleme, eine Wohnung zu bekommen, und Beschwerden über den schlechten Zustand             das damit ständig zusammenschmilzt.
vieler Wohnungen sind schon lange ein zentrales Thema in den Wilhelmsburger Bera-             Gagfah-Sachbearbeiter erhalten Prämi-
tungsstellen. Auf der Veranstaltung „Hochglanz und Schimmel – Wohnen in Zeiten der IBA“      en für das erfolgreiche Abwimmeln von
im Herbst vergangenen Jahres wurden sie öffentlich gemacht. Im Zentrum stand auch da-        Beschwerden und das Hochtreiben der
mals schon die Gagfah als ganz besonderer Mieterschreck. In Folge der Veranstaltung gab      Wuchermieten. Andernfalls werden sie ab-
die AG Wohnen, die im letzten Jahr von verschiedenen Initiativen gegründet wurde, den        gemahnt. Im Rahmen der „Verwaltungs-
„Wilhelmsburger Appell - soziale Wohnungspolitik für Wilhelmsburg“ heraus. (Der WIR hat      Verschlankung“ werden laut „Handelsblatt“
darüber in der vorigen Ausgabe ausführlich berichtet.) Zu weiteren Treffen zur Situation     130 von 840 Angestellten entlassen.
in den Gagfah-Wohnungen kamen mehr als 200 Leute und als erste Aktion wurde nun die           Zynisch könnte man sagen: Die Gagfah
Wandsbeker Protestdemo organisiert.                                                          kümmert sich sehr wohl um die Mängel in
 Etliche Mieter machten auf der Kundgebung die Zustände deutlich: die Gagfah kassiert        ihren Wohnungen, nur andersrum. Schim-
Mieten an der Obergrenze und lässt die Häuser verrotten: Verwahrloste Außenanlagen,          mel, Gammel, Müll und Dreck sinddie
undichte Fenster, defekte Fahrstühle und Treppenhäuser waren nur einige Punkte. In eini-     Grundlage für ihre Gewinne. Menschenver-
gen Redebeiträgen wurde zudem auf den krassen Widerspruch zwischen diesen trostlosen         achtung ist das Geschäftsprinzip.
Verhältnissen und den schicken Vorzeigeprojekten der IBA für Besserverdienende hinge-         Gefühlt gehören die Gagfah-Bosse schon
wiesen.                                                                                      längst in den Knast. Tatsächlich verklagt
 Am Tag zuvor hatte das Bezirksamt, nachdem ein Bericht in der Hamburger Morgenpost          die Stadt Dresden jetzt die Gesellschaft
einige dieser Zustände anprangerte, in einem Gagfah-Haus in der Wittestraße ein Trep-        wegen Nichteinhaltung der Mieterschutz-
pengeländer sichern lassen: Die Verstrebungen fehlten, Absturzgefahr. Die Gagfah igno-       klauseln, die beim Verkauf 2006 vertraglich
riert alle Beschwerden und verhöhnt stattdessen die Mieter: „Ziehen Sie doch aus, wenn       vereinbart wurden. Es droht eine Vertrags-
es Ihnen nicht passt“! Es wurde deutlich, dass sich die Mieter keine Illusionen über die     strafe von bis zu 1 Milliarde Euro. Und die
Gagfah machen. Keiner rechnet damit, dass die Gesellschaft plötzlich „guten Willen“ zeigt.   Bankenaufsicht ermittelt gegen Gagfah-
Insofern war der kurze Auftritt von zwei Gagfah-Bereichsleitern schon schwarze Komödie:      Chef William Brennan wegen Verdacht des
„Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns in diesem Rahmen nicht äußern“.                   „Insiderhandels“. Er hat aus der frühen
 Der Erfolg der Demo ist die große Aufmerksamkeit, die sie geweckt hat: Alle Hamburger       Kenntnis der Klage noch Nutzen gezogen
Tageszeitungen und Fernsehsender waren vor Ort und haben ausführlich berichtet. Die          und Anteile im Wert von 4,7 Millionen Euro
Aussichten für die Gagfah-Mieter sind nun gar nicht so schlecht. Denn der Konzern geriet     verkauft. Nach Bekanntwerden der Klage
in den letzten Wochen als besonders üble „Heuschrecke“ bundesweit in die Schlagzeilen.       rauschten die Aktien dann in den Keller. 
Wilhelmsburger Inselrundblick 4/2011                         AKTUELL                         Seite 7

                                                                      Die Gagfah steht
                                                                      mittlerweile öffent-
                                                                      lich am Pranger.
                                                                      Viele Hamburger
                                                                      Medien hatten
                                                                      schon vorab über
                                                                      die unhaltba-
                                                                      ren Zustände in
                                                                      Gagfah-Häusern
                                                                      berichtet.
                                                                              Collage: hk.

  Es war insofern konsequent auf der           auf Stadt“ meint: „Es sind vor allem die
Protestdemo vor der Gagfah-Zentrale, die        Initiativen von AnwohnerInnen..., die im-
Forderungen auch an den Bürgermeister           mer wieder den Mangel an bezahlbarem
zu richten. Wenn der SPD-Senat es ernst         Wohnraum thematisiert haben – zuletzt
meint mit einer sozialeren Wohnungspoli-        mit einer von 7.000 Menschen besuch-
tik, muss er auch alle politischen und juris-   ten Demonstration am 23. Oktober 2010.
tischen Schritte unternehmen, um Gesell-        Thematisiert wurde dabei u.a. der obszö-
schaften wie der Gagfah das Handwerk zu         ne Leerstand von 1,4 Mio. Quadratmetern
legen.                                          an Büroflächen. Die Benutzung leer ste-
                                                hender Wohnungen und Büroflächen als
                                                Wohnraum wäre ein erster Schritt, das
Baustaatsrat gegen                              Wohnungsproblem zu lösen.. „
Bürger
 hk. Der ehemalige SAGA-Chef und neue
Staatsrat   der   Stadtentwicklungsbehörde
Michael Sachs, hat in einem Interview im
Abendblatt die Schuldigen für den Hambur-
ger Wohnungsmangel gefunden: die Bür-
ger mit ihren Protesten gegen neue Bau-
vorhaben. Die Oppositionsparteien und das
Netzwerk „Recht auf Stadt“ wiesen diese
Schelte entschieden zurück. In einer Pres-
seerklärung der Links-Partei heißt es: „Das
verkehrt aber denn doch die Verhältnisse
in ihr Gegenteil. Denn de facto hat schon
unter der Verantwortung eines Herrn Sachs
die SAGA den Neubau von Sozialwohnun-
gen massiv zurückgefahren, und der so-
eben abgewählte schwarz-grüne Senat hat
über Jahre weniger als die Hälfte der selbst
vorgenommenen Neubauzahlen realisiert,
nicht, weil es allüberall Gegenwehr gege-
ben hätte, sondern, weil dieser Senat...
das Problem völlig unterschätzt, ja sogar
missachtet hat.“ Und das Netzwerk „Recht
Seite 8                                                  NATUR & UMWELT                             Wilhelmsburger Inselrundblick 4/2011

                                                                                                               Fleißige Baumfäller an der
Torf ist zu schade für                                                                                         Parallelstraße im Jahr 2010.
den Garten                                                                                                     Damals wurden beidseitig
                                                                                                               des Wegs, z.T. ohne Geneh-
                                                                                                               migung, Naturflächen in
                                                                                                               großem Ausmaß vernichtet
                                                                                                               - für ein von der IBA unter-
                                                                                                               stütztes     Wohnungsbau-
                                                                                                               vorhaben. Umweltschützer
                                                                                                               befürchten, dass es gerade
                                                                                                               unter dem neuen Senat zu
                                                                                                               ähnlichen Naturzerstörun-
                                                                                                               gen kommt.         Foto: MG.

                                               Vorrang für Natur- und Umweltschutz!
                                               Umweltverbände fordern neuen Hamburger Senat zu mehr En-
                                               gagement für die Umwelt auf. Wohnungsbauziele dürfen nicht
                                               zu Lasten der Natur gehen.
                                                MG. Anlässlich der Regierungserklärung        Themen Baumschutz, Ausgleichsmaßnah-
                                               des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz ha-      men und Pflege von Naturschutzgebieten.
                                               ben mehrere Umweltverbände, darunter            Außerdem wird gefordert, den Wilhelms-
                                               ADFC, BUND, Botanischer Verein, GÖP,           burger Osten als Landschaftsschutzgebiet
Der Garten unserer Ressortchefin. Selbstver-   NABU und Naturwacht, ihre Forderungen          auszuweisen. Die Verbände stellen fest,
ständlich ohne Torferde!    Foto: Ania Groß    an den neuen Senat vorgestellt.                dass in Hamburg ein erhebliches Nach-
 MG. Der BUND, Bund für Umwelt und              Neben allgemein gültigen Forderungen,         pflanzdefizit bei Straßen- und Parkbäumen
Naturschutz Deutschland, weist darauf hin,     wie Erhalt der Artenvielfalt, einen Biotop-    besteht. Bäume stellen gerade im urbanen
dass der Torfabbau und damit die Vernich-      verbund von 15 % der Landesfläche, hand-       Bereich einen wichtigen Lebensraum dar
tung wertvoller Moore aufhören müssen!         lungsfähige Naturschutzdienststellen in den    und beeinflussen das Kleinklima vor Ort
Moore sind Lebensräume für seltene Pflan-      Bezirken, Rückkauf der Hamburger Ener-         positiv.
zen und Tiere. Allein in Deutschland werden    gienetze zu 100 %, Steigerung des Rad-          WIR können für die Elbinseln nur hof-
durch Abbau und Trockenlegung von Moo-         verkehrsanteils auf 18 % bis 2015, gibt es     fen, dass die Forderungen im neuen Senat
ren jährlich 42 Millionen Tonnen CO² freige-   auch spezielle Forderungen, die u. a. Wil-     gehört werden und hier nicht weiter wie
setzt. Dies entspricht 4,5 % der gesamten      helmsburg und den Hafen betreffen:             bisher geplant wird: Tausende weniger
Treibhausgas-Emission Deutschlands. Lei-        Verzicht auf die Moorburg-Fernwärme-          Bäume, dafür ein neues Kohlekraftwerk in
der hat auch die Politik den Wert der Moore    trasse, massiver Ausbau der regenerativen      der Hauptwindrichtung und mehr Verkehr
bisher nicht erkannt. Wie könnte es sonst      Energieerzeugung, Verzicht auf die Hafen-      durch zwei neue Autobahnen. D. h. mehr
sein, dass das Land Niedersachsen weitere      querspange und ein umfassendes Verkehrs-       Lärm, mehr Luftschadstoffe und viel weni-
33 km² für den Torfabbau freigeben will?       konzept für Wilhelmsburg (inkl. Verlegung      ger Bäume als Filter.
 Es gibt insbesondere für Hobbygärtner         der   Wilhelmsburger    Reichsstraße).   Die
genügend Alternativen zum Torf, die nicht      Verbände fordern weniger Lärm, weniger
teurer sind. Pflanzerden aus Kompost, Rin-     Dreck, mehr Lebensqualität und mehr Si-
denhumus oder Holzfasern bieten für die        cherheit durch die deutliche Entschleuni-
Pflanzen oft sogar deutlich bessere Wuchs-     gung und Verringerung des motorisierten
bedingungen und sind zudem nährstoffrei-       Individualverkehrs sowie eine flächendek-
cher als die Torfprodukte.                     kende Parkraumbewirtschaftung.
 WIR haben uns umgehört bei den Bau-            Auch für den Hafen schlagen die Verbände
märkten in der Umgebung und heraus-            umweltfreundliche Lösungen vor:
gefunden, dass es bei OBI in Harburg,           Den sofortigen Stopp des Planfeststel-
Großmoordamm 98, Blumenerde ohne Torf          lungsverfahrens   zur   Elbvertiefung    und
gibt, und zwar für 2,99 EUR/20 l und 4,99      stattdessen eine Arbeitsteilung der deut-
EUR/40 l. Beim Bauhaus in der Schlachthof-     schen Seehäfen sowie umfangreiche Deich-
str.1 gibt es torffreie Blumenerde von Neu-    rückverlegungen. Es wird ausgeführt, dass
dorf (besonders umweltfreundlich) für 4,99     Hamburg eine intakte Umwelt und den Er-
EUR/20 l und 7,99 EUR/45 l. Außerdem gibt      halt von wertvollen Naturräumen nur dauer-
es dort auch Kokospakete, die mit Wasser       haft sichern kann, wenn die Umweltverwal-
aufgeschwämmt 7 l Erde ergeben, für 2,95       tung entsprechend aufgestellt ist. Bereits
EUR.                                           jetzt gibt es Vollzugsdefizite etwa bei den
Wilhelmsburger Inselrundblick 4/2011                      NATUR & UMWELT                                                             Seite 9

Kröten, Eimer und PR                                                                            versickern kann, und dass die zunehmen-
                                                „Freizeit-Rundkurs
                                                                                                den Starkregenfälle in der Vergangenheit
                                                Wilhelmsburg“:                                  bereits zu Überschwemmungen in unse-
                                                Bürger in die Planung                           rem schönen Wilhelmsburg geführt haben,
                                                                                                dann kann man die Bedenken des BUND
                                                einbeziehen!                                    durchaus nachvollziehen.
                                                 (JK) Der Bezirk Mitte plant derzeit für die     Es würde sich ganz sicher lohnen, noch
                                                igs einen sogenannten „Freizeit-Rundkurs        einmal über den Sinn einer solch brei-
                                                Wilhelmsburg“. Hierbei handelt es sich um       ten Asphaltstrecke nachzudenken und die
                                                einen rund vier Meter breiten, asphaltierten    Planung mit allen Beteiligten zu machen.
                                                Weg, der weite Teile der Elbinsel umrun-        Manchmal ist es eben doch besser mit den
                                                den soll. Hier sollen (laut igs) Skater ihre    Menschen zu reden als über sie!
                                                Runden drehen, Spaziergänger lustwan-
                                                deln und Radfahrer mit ihren Fahrrädern
Hätten Sie‘s gesehen? Die ist aus Plastik.                                                      Auf gute
Den echten Kröten war es an diesem Morgen       die frische Luft genießen können. Soweit
zu kalt. Dafür hatte Biologe Klaus Hamann
                                                hört sich das Ganze erst einmal recht gut       Zusammenarbeit!
aber lebende Eidechsen und Schlangen
dabei!                              Foto: hk.   an. Doch der Vorgang findet ohne einen           PM. NABU und BUND Hamburg wünschen
                                                „Landschaftspflegerischen Begleitplan mit       der neuen Umweltsenatorin Jutta Blankau
  hk. Dreizehn Kinder und drei Erziehe-
rinnen der Kita Inselkinder auf dem Weg         Eingriffsregelung“ statt, und genau damit       einen guten und kraftvollen Start. Alexan-
zu den Kröten. Jeweils einmal im Monat          haben die Naturschützer vom BUND, auf-          der Porschke, 1. Vorsitzender des NABU:
macht die Biologin Christine Rückmann           merksame Inselbewohner und nicht zuletzt        „Wir freuen uns, dass mit Jutta Blankau
mit Kindern von fünf Wilhelmsburger Kitas       die Umweltgruppe „Baum & Busch“ ein             eine starke Persönlichkeit Einzug in die
im Auftrag der igs „Erlebnisrundgänge“ im       Problem. Denn ihr Fachwissen ist nicht ge-      wichtige Behörde für Stadtentwicklung und
Gartenschaugelände. Ziel des Rundgangs          fragt. Information ja, aber Mitsprache un-      Umwelt hält, und hoffen, dass sie die In-
ist diesmal der Kuckucksteich.                  erwünscht?                                      teressen des Natur- und Umweltschutzes
  Dort haben der Biologe Dr. Klaus Hamann
                                                 Der Rundkurs hält sich im wesentlichen         konsequent im Auge behalten wird. Im
und seine Kollegen vom Hamburger Natur-
                                                an bereits vorhandene, jedoch teilweise         vergangenen Jahr haben wir bereits in ih-
schutzrat einen 300 Meter langen provisori-
                                                deutlich schmalere Wege. Das heißt, dass        rer derzeitigen Funktion als Bezirksvorsit-
schen Krötenzaun gebaut; denn die Kröten
                                                hier weitere Flächen versiegelt werden und      zende der IG Metall Küste bei dem Thema
krabbeln im März aus den Gräben im Lilien-
Weg in den Kuckucksteich zum Laichen.           das Regenwasser (im Jargon der Baubehör-        Schiffsruß gut zusammen gearbeitet und
Bisher wurden dabei immer einige beim           de „Oberflächenwasser“) nicht mehr versi-       die Erfahrung gemacht, dass Frau Blankau
Überqueren des Kleingartenwegs überfah-         ckern kann. Nun hört sich das nicht sehr        ökologische, soziale und ökonomische In-
ren. Jetzt werden sie am Zaun gestoppt,         dramatisch an - vier Meter Breite versiegelt,   teressen gut zusammen bringen kann. Wir
plumpsen in die dort eingegrabenen Eimer        na und? Aber bei der Länge des geplanten        setzen deshalb darauf, dass auch in Zukunft
und werden morgens sicher über die Straße       Weges kommt natürlich ein erkleckliches         die Zusammenarbeit konstruktiv sein wird.“
in den Teich gebracht.                          Sümmchen heraus, und das ist ja nicht die        Auch der BUND begrüßt die Entscheidung
  Ein gutes Projekt - aber nicht von Dauer.     einzige Fläche, die mal eben so versiegelt      für Jutta Blankau. Skeptisch beurteilt der
Wie das PR so an sich hat. Deshalb war der      wird. Hinzu kommen Flächen, auf denen           BUND die Berufung von Michael Sachs als
Biologe den Showmastern der igs auch nicht
                                                Firmen neu angesiedelt oder erweitert wer-      Staatsrat für Stadtentwicklung in die BSU.
ganz grün. „Dies ist eine Umwelt-Werbeak-
                                                den, Carports, die ohne Genehmigungsver-        Sachs hatte als Wohnungsbaukoordina-
tion mit einem mobilen Krötenzaun, der in
                                                fahren gebaut werden dürfen, etc. pp.           tor Front gegen einen ambitionierten Kli-
einigen Wochen wieder abgebaut wird. Es
                                                 Wenn wir uns jetzt einmal vor Augen            maschutz im Wohnungsbau gemacht und
hätte einer Gartenschau gut angestanden“,
so Dr. Hamann, „hier verschiedene Modelle       führen, dass die Elbinsel Wilhelmsburg          dem Naturschutz eine blockierende Rolle
von festen Krötenzäunen zu präsentieren         von Deichen umschlossen ist, und sich so-       unterstellt. „Mit diesen Positionen hat sich
und gleichzeitig die sterilen Gräben mit ih-    mit im Prinzip wie eine Schüssel gestaltet,     Michael Sachs in der letzten Legislaturpe-
rem Rollrasen und den verrohrten Wegque-        das Regenwasser also immer abgepumpt            riode disqualifiziert. Es bleibt abzuwarten,
rungen zu natürlichen lebendigen Gräben         werden muss, wenn es mal etwas stärker          ob er die neue Rolle konstruktiver ausfüllen
zu renaturieren!“                               regnet und das Wasser nicht schnell genug       wird“, so Manfred Braasch.
Seite 10                                          NATUR & UMWELT/KULTUR                              Wilhelmsburger Inselrundblick 4/2011

Ein kleiner Anfang                                                                             Soulkitchenhalle:
Bauwagengruppe Zomia und Naturschutzgruppe Baum &                                              Neustart mit Festen,
Busch starteten Aktion zum Schutz von Grünflächen                                              Filmen und Musik
 sic. Seit Anfang April hängen rund um den    immer schönsten Anlass, sie dann auch             Mathias Lintl. Nach einer witterungs-
Bauwagenplatz Zomia an der nördlichen         schnell endgültig zu versiegeln. Ein Wunsch      bedingten Ruhepause im Winter geht es
Seite des Ernst-August-Kanals hübsch ge-      war außerdem, Zomia möge Verantwortung           bunt, laut und lustig in der Soulkitchenhalle
staltete, laminierte Schilder an den Bäumen   für die Fläche übernehmen und sie mit Re-        (Industriestraße 101) weiter. Hier die Pro-
(siehe Abbildung). Die Schilder machen da-    spekt bewohnen. Die Wagenbewohner wa-            gramm-Highlights:
rauf aufmerksam, dass die                                      ren     entgegenkommend         Sa., 16.4., ab 20 h: King Kong Ping Pong–
wilden Grünflächen, Bü-                                        und gesprächsbereit.            Nacht. Viele Platten, wilde Regeln, Musik &
sche, Sträucher und strup-                                      Man einigte sich zu-           Drinks fordern die Tischtennisspieler.
pigen Wiesen an unseren                                        nächst auf die Hinweis-         Ostersonnabend, 23.4.: Jungs aus Haar-
Kanälen    schützenswerte                                      schilder, die nun nicht nur     lem, die charmant Rock, Soul & Funk ar-
Kleinstnaturräume     sind.                                    die Platzbewohner, son-         rangieren und dabei der Völkerfreundschaft
Denn in den Büschen und                                        dern auch Spaziergänger         huldigen: unter dem Motto „Bratwurst,
Sträuchern brüten Vögel,                                       und Hundeausführer zu           Bier and Rock’n Soul“. Support : „Rebels of
Insekten   finden    Unter-                                    vernünftigem       Verhalten    Love“. Grill ab 18 h, Musik ab 21 h.
schlupf und Nahrung, und                                       auffordern.                     Di., 26.4., ab 18 h: 25 Jahre nach Tscher-
auf den feuchten Böden                                          Sicher nur ein kleiner         nobyl: Filmdokumente und Musik von
gedeihen vielfältige Gräser                                    Beitrag, aber er zeigt, wie     KRAFTWERK.
und Blühpflanzen.                                              wichtig es ist, miteinan-       Do., 28.4., ab 20 h: Swingtanzabend (je-
 Nachdem     Zomia    Ende                                     der - und nicht nur über-       den 2. und 4. Donnerstag im Monat).
letzten Jahres die Fläche                                      einander - zu sprechen.         Sa., 30.4.: Tanz in den Mai: INSELBEAT
am     Ernst-August-Kanal                                       Die Schilder können üb-        mit DJ Fool & Sir Smellco. Musik: Bastard
besetzt hatte, fürchteten                                      rigens als Datei beim In-       Pop, Elektro, Dubstep, Drum&Bass.
Bewohner um das Idyll am Kanal - so auch      selrundblick bestellt werden - zum Selbst-       Do., 5.5.: Sascha Niethammer & Franco
Baum & Busch. Denn ist eine Grünfläche        ausdrucken, Laminieren und Aufhängen.            Bräuer bieten tagsüber ein Fotoshooting für
erstmal ruiniert, gibt das den Stadtplanern   Schützenswertes Grün gibt es ja überall!         Theater-Newcomer an - Setcard Fotos zu
                                                                                                                  einem geringen Preis.
                                                                                                                  So., 8.5., ab 12 h:
 Elbe-Tideauen-Zentrum                                                                                            Plattenverkostung       mit
 Bunthaus öffnet seine Pforten                                                                                    lange   Meter   Auswahl,
 GÖP. Ab April hat das Elbe-Tideauenzentrum Bunthaus, Ham-                                                        Art-Cover    Ausstellung,
 burgs einziges Naturschutzinfohaus zum Lebensraum Tide-El-                                                       Grillen & Live-Musik.
 be, wieder das ganze Wochenende geöffnet:                                                                        So., 15.5., ab 20 h:
 freitags 15 - 18 Uhr, sonnabends 11 - 18 Uhr, sonn-                                                              The Burning Hell (CAN).
 und feiertags 11 - 18 Uhr... und auf vorherige Anmel-                                                            Dazu: XrFarFlight (HH).
 dung. Für Gruppen jederzeit gerne auch unter der Woche!                                                          Mehr Infos, Ausblick auf
 Weitere Infos zum Haus, zu seinem Träger, dem Naturschutz-                                                       die kommenden Wochen
                                                                     Spielen am 15.5. in der Soulkitchen: The
 verband GÖP e.V. und zu den Veranstaltungen finden Sie unter        Burning Hell aus Kananda        Foto: ein.   und aktuelle Hinweise:
 www.naturschutzverband-goep.de
                                                                                               www.soulkitchenhalle.de
Wilhelmsburger Inselrundblick 4/2011                            KULTUR                                                            Seite 11

Short Attack                                    Fast unbekannt: Die WCW-gallery
Monatlicher Kurzfilmabend in                                                       Raimund Samson. Seit vier Jahren existiert in der
der Soulkitchenhalle                                                             Mokrystraße 5 die WCW-gallery. Dort werden in monat-
                                                                                 lichem Abstand Künstlerinnen aus dem In- und Ausland
 Mathias Lintl. Seit März 2002 gibt es in
                                                                                 präsentiert. Die 4 Betreiber sind (ehemalige) HfBK-Stu-
Berlin die Kurzfilmreihe Shorts Attack. Der
                                                                                 denten. Mit einem von ihnen, Björn Bendeditz, führte ich
Erfolg der thematischen Programme mit
                                                                                 ein längeres Gespräch. Die WCW-gallery ist ein unab-
durchschnittlich zehn Filmen dürfte welt-
                                                                                 hängiges, nicht kommerziell orientiertes Projekt, das sich
weit einzigartig sein. Seit September 2010
                                                                                 an Konzept-Art orientiert. Das heißt: Nicht im konventio-
ist Shorts Attack auf Deutschlandtour, nun
                                                                                 nellen Sinn handwerkliche Arbeiten (Gemälde, Zeichnun-
auch in Hamburg – u.a. in der „Soulkitchen-
                                                                                 gen, Fotos, Collagen, Skulpturen etc.) stehen im Mittel-
halle“. Die Programme zeigen internationa-
                                                                                 punkt, sondern im weiteren Sinn kunsttheoretische und
le Filme aus allen Milieus, Genres und Le-
                                                                                 kommunikative Ideen. Zwar werden auch Bilder, Skulp-
benslagen, Kurzfilme von Filmhochschulen,
                                                                                 turen etc. gezeigt, aber der ganze Betrieb ist anders als
freie Produktionen, Fictions, Dokumentarfil-
                                                                                 in einer normalen Produzenten-Galerie organisiert. Bis
me, Experimentals und Animationen. Des-         Unbeabsichtigtes Gesamt-         Ende letzten Jahres wurden die Betriebskosten komplett
weiteren Länderschwerpunkte, Genre-Spe-         kunstwerk: Das Schild der
                                                WCW-Galerie, drumherum           mit eigenen Geldern finanziert.. Seit Anfang des Jahres
zifisches, Politisches, Unterhaltsames und
                                                Sprühereien auf der Wand.        zahlt die Kulturbehörde die Miete und stellt darüber hi-
selten Gesehenes. Fremdsprachige Filme          Die Galerie wird gerade
                                                                                 naus eine Summe zur Verfügung, um die Ausstellungen
werden mit englischen Untertiteln gezeigt.      renoviert.     Foto: R. Samson
                                                                                 und Kooperationen mit ähnlichen Initiativen ökonomisch
 Das Anliegen der Filmreihe ist es, das
                                                abzusichern. Die Betreiber sind nun zu einem Spagat gezwungen: Einerseits die (relative)
Image des Kurzfilms und seine Präsenz in
                                                Autonomie zu bewahren – andererseits, als Koop-Partner, die mit der Bezuschussung ver-
der Kinolandschaft zu stärken. Das Projekt
                                                bundenen Auflagen zu erfüllen. Nach meiner Einschätzung ist Wilhelmsburg für Künstler
wird vor allem von der Medienboard Berlin-
                                                ein schwieriges Pflaster. Die ganze Kultur-Szene, zu der im weiteren Sinn auch die Kunst
Brandenburg für Berlin gefördert.
                                                zu rechnen ist, orientiert sich eher an sozialen als an ästhetischen Werten. Künstler ge-
Donnerstag, 21. April 2011, 20.30
                                                raten leicht in den Verdacht, „elitär“ zu sein bzw. unverständlich. Dabei machen sich nur
Uhr, Eintritt 5 €: ZOMBIE LOVE
                                                wenige Menschen die Mühe, die Geschichte und individuelle Motivation Kunstschaffender
 Sie kommen meist nachts, laufen ver-
                                                zu verstehen und sich mit den komplizierten Prozessen, die damit verbunden sind, ausein-
stört durch die Welt und wollen uns an den
                                                anderzusetzen. *Ich empfehle Interessierten, sich die WCW-gallery selber anzuschauen.
Kragen: Zombies! Zehn Filme aus Irland,
                                                Bei meinen bisherigen Besuchen wurde ich freundlich und respektvoll behandelt.
Frankreich, Holland, Deutschland, Australi-
                                                Die nächsten Ausstellungs-Termine sind:
en, Großbritannien, USA, z.B. THROUGH
                                                7. Mai Ponds magazine und am 25. Juni Michaela Mellian. Leider finden sich auf
THE NIGHT von Lee Cronin: Gute Nacht,
                                                der Website www.wcw-gallery.com keine weiteren Informationen über „Ponds magazine“
Schatz! - Doch wer liegt da wirklich neben
                                                und Michaela Mellian. Neugierige setzen sich am besten per mail: postmaster@
ihm im Ehebett? R. I. P. von Jan Doense:
                                                wcw-gallery.com mit den Betreibern in Verbindung, um Näheres zu erfahren.
Der verstorbene Gatte kommt nachts aus
                                                Es gibt keine festen Öffnungszeiten.
dem Grab, um seine schöne blonde Ex zu
besuchen. ARBEIT von Thomas Oberlies/                                            Neubürger aufgepasst!
Matthias Vogel: Rentner Janssen muss in                     LERNEN SIE WILHELMSBURG WIRKLICH KENNEN -
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Seite 12                                                                                               Wilhelmsburger Inselrundblick 4/2011

 CHANCEN
                                                                     Unsere Seiten für alle, die nach Wegen zu Ausbildung und Arbeit
                                                                     suchen. WIR zeigen Chancen auf, die unser Stadtteil bietet. WIR
                                                                    schreiben für mehr Bildung und gegen die große Sprachlosigkeit.

                                                                Mach doch mal ein Freiwilliges Soziales
                              Richtig-                          Jahr (FSJ)!
                                                                Unter dem Motto „FSJ 4 you - Freiwillig aktiv sein“ hat das Dia-
                              stellung                          konische Werk Hamburg seine Angebotspalette freiwilliger sozi-
                                                                aler Tätigkeiten auf neue Zielgruppen ausgeweitet.
                                                                  PM. Wer zwischen 16 und 27 Jahren alt ist, kann das Freiwillige Soziale Jahr
                 sic. Ich weiß auch nicht: Ist es tatsächlich   (FSJ), auch Diakonisches Jahr genannt, als Bildungsangebot nutzen. Ein FSJ
               nur Missverstehen oder doch ein Quäntchen        kann zwischen einem halben und eineinhalb Jahren dauern. Beim Diakoni-
               Bösartigkeit oder schlicht Beschränktheit        schen Werk arbeiten die FSJ‘ler ganztags in Bereichen der evangelischen Kir-
DURCHHALTEN!

               im Denken, wenn Aufwertungsbefürworter           che und Diakonie. Das können Krankenhäuser, Kindergärten, Altenheime,
               den Aufwertungskritikern immer wieder            Behinderteneinrichtungen oder Beratungsstellen sein. Auch Tätigkeiten in der
               unterstellen, sie wollten ja nur, dass „noch     Gastronomie, Hauswirtschaft und Hausmeisterei sind möglich.
               mehr Arme“ hierherkämen und „Herunter-             Das Angebot „FSJ 4 you – freiwillig aktiv sein“ richtet sich an eine Zielgrup-
               gekommenes heruntergekommen“ bleibe?             pe, die bisher nicht im Fokus freiwilliger sozialer Arbeit stand, nämlich spe-
                 Also, jetzt noch mal zum gaaanz langsam        ziell an junge Menschen, die keinen Schulabschluss oder einen Hauptschul-
               Lesen und merken: Ich freue mich grund-          abschluss besitzen und/oder Einwanderer sind. Das FSJ 4 you soll eine
               sätzlich über jeden Menschen, der neu hier-      Möglichkeit sein, für sich selbst nach einer Perspektive zu suchen, neue Er-
               herkommt, istmirdochwurscht, ob reich            fahrungen zu machen, eigene Stärken kennen zu lernen und ein Berufsziel zu
               oder arm oder irgendwas dazwischen, ob           finden. Es steht Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren offen. Die Diako-
               dick, dünn, eierschalenfarbengetreift oder       nie bietet eine kontinuierliche Begleitung des sozialen Einsatzes an. Es gibt
               lilagepunktet. Einzig unwillkommen sind          Seminartage und Beratung in Berufsfragen. Auch bei persönlichen Fragen und
               mir Menschen, die in irgendeiner Form            Problemen gibt es Ansprechpartner. Während der Tätigkeit sind die FSJ‘ler
               unseren ohnehin schon äußerst fragilen so-       sozialversichert, sie erhalten ein Taschengeld und einen Verpflegungszuschuss.
               zialen Frieden stören, zum Beispiel durch        Am Ende gibt‘s ein Zeugnis.
               Fensterscheibeneinschmeißen oder Auf-An-           Mit dem FSJ kann man jeweils zum 1. Februar oder zum 1. September eines
               dere-Herabblicken.                               Jahres starten. Für den 1. September 2011 sollte man sich jetzt schleunigst
                 Der Punkt ist nur: Ich möchte, dass            bewerben.
               wegend derer, die da neu kommen, nicht
               andere, die schon da sind, gehen müssen!         Ansprechpartner: Katrin Sambarth, Jürgen Hipp
               Und ich glaube, dass die vielgepriesene          Diakonisches Werk Hamburg, Königstraße 54, 22767 Hamburg
               „Durchmischung“ allein keinem bildungs-          Tel.: 040/30620-280; Mail: sambarth@diakonie-hamburg.de;
               fernen Kind auf die Sprünge hilft, keinem        hipp@diakonie-hamburg.de; www.fsj-diakonie-hamburg.de
               Arbeitslosen Arbeit gibt und keinem Ver-
               zweifelten Sinn. Wenn es unser Bestreben
               ist, Wilhelmsburg nicht nur zur Wohlfüh-
               linsel für bürgerliche Galão-Sehnsüche zu
               machen, sondern zu einem Ort, an dem alle
               mit Würde leben können, dann müssen wir
               uns für Arbeit und Bildung und Kultur und
               Lebensperspektiven für die Verarmten und
               Abgehängten einsetzen (und übrigens nicht
               nur für Hartz-IV-kompatible Wohnungen).
                 Ach ja: Und dass marode Häuser nicht sa-
               niert, düstere Ecke nicht einladender wer-
               den - dafür kann jawohl niemand ernsthaft
               sein! Sie müssen bloß offen für alle bleiben.
Wilhelmsburger Inselrundblick 4/2011                                                                                              Seite 13

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CHANCEN sind ein Projekt des Wilhelmsburger InselRundblicks und
werden unterstützt von freundlichen Vereinsmitgliedern. Texte &
Redaktion: Sigrun Clausen. Grafik & Layout: Norma Thierfelder.

Dreh doch mal einen Film!
Im Rahmen des Jugend-Kurzfilmprojekts MAX100 konnten
Jugendliche aus Kirchdorf-Süd an einem Filmschnitt-Workshop
teilnehmen. Filmedrehen ist noch bis 30. April möglich!
                                                                                  BetreuerInnen gesucht
  Friderike Seithel. Anfang April besuchte der Schauspieler Volkan Öz-              PM. Das Jugenderholungswerk Hamburg
can, der bei MAX100 in der Jury sitzt, einen Workshop bei Verikom in              sucht Betreuerinnen und Betreuer. Seit
Kirchdorf-Süd und schaute Jugendlichen beim Schnitt über die Schulter. Die        fünfundzwanzig Jahren führt das JEW in je-
Jungfilmerinnen und -filmer waren mit Begeisterung dabei, ihren Filmideen         dem Jahr über fünfzig Ferienfreizeiten und
unter Anleitung der Filmkünstlerin Heike Breitenfeld Gestalt zu geben. „Das       zehn TheaterSprachCamps für über 1700
macht richtig Spaß“, sagte Nupelda Tural, 14, die wie ihre vier Mitstreiterin-    Kinder und Jugendliche durch, mit der tat-
nen vorher noch nie mit Film zu tun gehabt hatte. Der 16-jährige Mücahid          krä igen Unterstützung von über dreihun-
Güler, Schüler der Stadtteilschule Kirchdorf, berichtete: „Wir waren schon        dert ehrenamtlichen Betreuern! Für zwei
öfter hier, jetzt ist unser Film bald fertig“. Mücahid hat schon bei TIDE TV      Dri el dieser Kinder ist das in der Regel der
mitgearbeitet und möchte gern Journalist werden.                                  erste Urlaub ihres Lebens.
  Volkan Özcan weiß, was es bedeutet, sich als Jugendlicher Chancen er-             Die ehrenamtlichen Betreuer bereiten sich
kämpfen zu müssen, die eigenen kreativen Fähigkeiten auszuprobieren.              in Kursen und Seminaren auf ihre Aufgabe
Aufgewachsen im Hamburger Stadtteil Dulsburg produzierte er schon früh            vor und erwerben durch unsere interne
eigene Kurzfilme mit seinem besten Freund Özgür Yildirim, der später als          Ausbildung die Jugendleitercard.
Regisseur bekannt wurde. Nach ersten Erfolgen bei Wettbewerben wurde                Betreuer des JEW können Frauen und
daraus eine professionelle Beschäftigung. Özcan, der auch als Erzieher in ei-     Männer aus allen Berufen und Ausbildun-
ner Jugendeinrichtung arbeitet, will die Jugendlichen auf den Elbinseln er-       gen, ab sechzehn Jahre und aufwärts wer-
mutigen, eigene Kurzfilme zu produzieren. „Ich kenn das Gefühl nur zu gut:        den. Sie müssen bereit sein, während der
man will Filme machen oder sonstwie kreativ sein und bekommt keinerlei            Reise rund um die Uhr für die Kinder zu
Unterstützung. Das bremst einen völlig aus“, so Özcan. „Deshalb sind Pro-         sorgen, altersgerechte Programme anzubie-
jekte wie MAX100 für Jugendliche eine gute Chance, gerade in Stadtteilen,         ten und die Kinder in ihrer Eigenart zu ak-
wo künstlerisches Arbeiten für sie keine Selbstverständlichkeit ist.“
                                                                                  zep eren.
  Noch bis zum 30. April 2011 können junge Menschen von 14-25 Jahren,
                                                                                    Das JEW bietet freie Unterkun und Ver-
die auf den Elbinseln wohnen, arbeiten oder zur Schule gehen, Kurzfilme
                                                                                  pflegung sowie Fahrt ab Hamburg; ein Ta-
drehen und beim Wettbewerb MAX100 einreichen. Unterstützung bekom-
                                                                                  schengeld; selbstverantwortliches Arbeiten;
men sie durch kostenlose Schnittworkshops von Filmexperten der Kurzfilm-
                                                                                  ein unentgeltliches Fortbildungsangebot;
schule. Die Filme sollen zwischen 100-300 Sekunden lang sein und eines der
                                                                                    Etliche Vergüns gungen durch die Jugend-
vier Wettbewerbsthemen behandeln. Zu gewinnen gibt es zum Beispiel Teil-
                                                                                  leitercard wie zum Beispiel kostenlose Mit-
                                                                                                                                  KURZGEFASST!

nahme an TV- und Kamera-Workshops bei TIDE-TV. Durchgeführt wird das
Kurzfilmprojekt von verikom e.V. Die entstandenen Filmbeiträge werden             gliedscha in den öffentlichen Bücherhal-
                                                  am Montag, 6. Juni 2011,        len, oder, für Berufstä ge, bis zu zwölf Tage
                                                  um 18 Uhr im Cinemaxx           Sonderurlaub im Jahr.
                                                  Harburg präsentiert. Ausge-     www.jugenderholungswerk.de
                                                  wählte Filme zeigt TIDE-TV      Tel.: 040/2512055
                                                  am 23. Juni in seiner Jugend-   E-Mail:
                                                  sendung „Schnappfisch“.         anke.nobis@jugenderholungswerk.de
                                                 Infos und Anmeldung:
                                                 Verikom e.V.,
                                                 Friderike Seithel & Jens
                                                 Schneider,
Schauspieler Volkan Özcan mit TeilnehmerIn-
nen beim Schnittworkshop in Kirchdorf-Süd.       Tel. 040-3501772-16,
Foto: J. Schneider/Verikom                       www.verikom.de
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 ♫ HOFA-Highlight des Monats ♫                                                                                                                        Freifrau von Schulz präsen-
                                                                                                                                                      tiert auf der MS BLEICHEN
MaYowka 2011 – „Kosmodrom – 50 Jahre Flug Juri Gagarin“
                                                                                                                                                      „Das große Fressen in
Fr., 29.4. bis So., 1.5.
                                                                                                                                                      den Mai“
 Zum 1. Mai 2011 präsentieren I.A.K. „RockFront“ e.V. und die HONIGFABRIK ein zweitä-
                                                                                                                                                       at. Freifrau von Schulz und ihre Crew bre-
giges deutsch–russisches Festival: „MaYOwka“. Hier trifft sich jede Art kreativer Künstler
                                                                                                                                                      chen 2011 mit der Tradition, in den Mai zu
unterschiedlicher Herkunft, die mit Performances zu jährlich wechselnden Themen begeis-
                                                                                                                                                      tanzen. Frei interpretiert nach dem franzö-
tern: Kunstausstellungen, Literatur-Vorlesungen, Filmvorführungen, Theaterauftritte und
                                                                                                                                                      sischen Filmklassiker laden sie die Hambur-
russische Köstlichkeiten- Als Highlight gibt es ein Konzert mit deutschen und russischen
                                                                                                                                                      ger stattdessen zu einem großen Fressen in
Bands aus Hamburg und selbstverständlich Tanz in den Mai mit internationalen Hits. Das
                                                                                                                                                      den Mai ein. Keinen Maibaum, kein Tanz,
Thema 2011: Kosmodrom - zum 50. Jahresjubiläum des bemannten Raumflugs von Yuri
                                                                                                                                                      dafür aber eine festliche Tafel mit golde-
Gagarin!
                                                                                                                                                      nen Tellern für 100 Gäste. Das Essen wird
Das Programm in Stichworten:
                                                                                                                                                      erstklassig und handgemacht sein und je-
Fr., 29. April 2011:                                                                                                                                  der Geschmacksnerv wird auf seine Kosten
20.30 h: Eröffnung / 21 h: „Love Sound Boys“ - Rock’n Roll (HH) / 22.30 h: Theater-Ate-                                                               kommen. Der acht Meter hohe Laderaum
lier “Rimmino” / 23 h: Soljanka-Musikgruppe „UdSSR Live-Band“ mit Sowjet-Schlagerm                                                                    der MS BLEICHEN verwandelt sich zu die-
zum Thema Kosmos. Ab 24 h: Party mit Balkan-Beats und Russen-Disko; DJ Subbota.                                                                       sem Anlass in einen Festsaal mit Kronleuch-
                                                                                                                                                      tern und Illusionen. Und nach dem Essen
                                                                                                                Sa., 30. April 2011:
                                                                                                   Foto: Hofa

                                                                                                                                                      kann man an Deck ein letztes Mal an einem
                                             „Drystone“: Ein Körper- und Bewegungstheater aus St. Petersburg

                                                                                                                Ab 20 h: Tanzgruppe, Elektro-Band     1. Mai Hamburger Freihafenluft schnuppern
                                                                                                                „Vakuumulator“   und   Kunstperfor-   – bevor 2012 der Zaun fällt.
                                                                                                                mance von Nina Krutikova, HH /        Wann? 30.4., 20 h; Wo? MS BLEICHEN,
                                                                                                                21.30 h: Kult-Dichter und Punk-       Australiastraße/50er-Schuppen
                                                                                                                Musiker Ljoha Nikonov, St. Peter-     Preis inkl. Essen und Trinken: 27,50 €
                                                                                                                burg (mit deutscher Übersetzung) /    Vvk: Kartenhaus, Schanzenstraße 5
                                                                                                                22.30 h: Körper- und Bewegungs-       Infos: www.freifrauvonschulz.de
                                                                                                                theater „Drystone“ und „Derewo“ St.
                                                                                                                Petersburg mit dem Theater-Atelier
                                                                                                                „Rimmino“, Hamburg.
                                                                                                                23.30 h: Tanz in den Mai mit Elek-
                                                                                                                tro-Front Party, DJ Thom Yannsen
                                                                                                                (St. Petersburg) & DJ Partyzan aus
                                                                                                                Hamburg

                                                                                                                Eintritt: AK pro Tag: 12 Euro,
                                                                                                                eine Festivalkarte kostet 18
                                                                                                                Euro.

                                                                                                                                                              Neubürger aufgepasst!
                                                                                                                                                        LERNEN SIE WILHELMSBURG
                                                                                                                                                           WIRKLICH KENNEN -
                                                                                                                                                        WERDEN SIE EINER UNSERER
                                                                                                                                                              AUSTRÄGER!
                                                                                                                                                         1x im Monat Inselrundblick ver-
                                                                                                                                                        teilen, rumkommen, Klönschnack
                                                                                                                                                              halten. Tel. 40 19 59 27
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