Auf dem Weg B Erzabtei St.Martin - Erzabtei Beuron
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B Auf dem Weg
Erzabtei St.Martin
Pfingsten 2021 Nr. 57
zu Beuron
In dieser Ausgabe:
Wo Gott wohnt:
Immer nach
oben offen
Verein der Freunde der Erzabtei
St. Martin zu Beuron e.V.Editorial B B Vorwort des Vorsitzenden
ErzabteiErzabtei
St.Martin
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zu Beuron zu Beuron
SEELENSTÄRKUNG ist mehr als notwendig in
Zeiten, die sich ausschließlich auf das Wohl
neuen Anfang. Also ans Werk! Mit ebenso
symbolhaft frischem Grün und bunten Blick- Liebe Freunde,
und Wehe unserer körperlichen Befindlich- fängen. Unser Redaktions-Team will Ihren
keit konzentrieren. Gerade jetzt dürfen wir Blick auf die immerwährenden klösterlichen
in dieser Hinsicht so einige Erwartungen an Gaben lenken. Ganz im Sinne der Klosterge-
„unser Kloster“ binden. Einen „Kraftort“, wie meinschaft, die das winterlich eisige Tal end- seit über einem Jahr befinden wir uns nun Umso wichtiger ist es, dass die Mönche als
wir es treffend nennen. Der geeignete Platz, lich hinter sich lassen und die Augen hinauf- schon in einem Ausnahmezustand, bedingt Seelsorgeeinheit da sind, Angebote schaffen
um unser Seelenheil wieder auf Vordermann heben mag in die unterm strahlenden Azur durch die Corona-Pandemie. Es gibt zwar und für unsere Anliegen erreichbar sind. Sie
zu bringen. Gerne knüpfen wir sowohl an die frühlingshaft geschmückten Höhen. mit der Impfung die klare Aussicht auf eine sind in diesen schwierigen Zeiten verlässlich
sakralen Gemäuer, die wundervolle Natur Verbesserung der jetzigen Situation, aber da und sie haben stets ein offenes Ohr für
rundum und vor allem auch an die Mönche WO GOTT WOHNT, kann nur erkennen, wer nicht so schnell wie wir es uns wünschen, die Gläubigen, bieten offene Kirchentüren für
unsere Hoffnungen nach Ruhe und inneren den Blick nach oben richtet. In „unserem und es bleibt abzuwarten, ob es ein vollstän- eine Zeit des Rückzugs und des Gebets um
Frieden. Vielleicht sogar ein bisschen Glück- Kloster“ – einem Kraftort per se – ist das diges „zurück zu vorher“ geben wird. Neben Kraft zu tanken. Auch der ständige Beicht-
seligkeit. immer und überall möglich. Hier ist „Immer den wirtschaftlichen Problemen machen sich dienst ist wichtig für uns Christen und gibt
nach oben offen“. Selbst wenn viele der ge- nun auch langsam gesellschaftliche und so- uns darüber hinaus ein Stück Normalität.
VOM SCHWARZ-WEISS-KONTRAST des nach wohnten Anreize und Angebote aktiver Kom- ziale Probleme bemerkbar – die Solidarität Dafür möchte ich einmal herzlich „Danke“
wie vor eingeschränkten Corona-Lebensall- munikation noch eingeschränkt sind oder nimmt ab, es gibt eine unschön geführte De- sagen!
tags umfangen – mit dem Druck unserer ganz fehlen müssen. Schauen Sie hin! Neh- batte um den sogenannten „Impfneid“ und
Ausgabe vom Dezember des vergangenen men Sie wahr! Lassen Sie sich inspirieren! mehr Rechte für Geimpfte und die Anspan- Gerade der christliche Glauben kennt sich
Jahres haben wir sie unseren Lesern ganz „Auf dem Weg“ wünscht viel Anregung. nung nimmt allgemein zu. Ich selbst merke aus mit Leid und Not. Er sagt uns immer wie-
bewusst symbolhaft bildlich präsentiert – immer mehr, wie im beruflichen aber auch der, dass wir mit Gottvertrauen und Glauben
sehnen wir uns nun dringend nach dem Notburg Geibel im privaten Alltag die Aggression und Un- durch dunkle Zeiten kommen. Dass uns der
geduld zunimmt und bei allen die Toleranz Glauben Kraft geben kann und dass es im-
abnimmt; schon kleinste Unstimmigkeiten mer Hoffnung gibt. Dass wir die Möglichkeit
können zu größeren Auseinandersetzungen haben, durch einen Moment des Innenhal-
oder Verwerfungen führen. tens, des Glaubens und des Abtauchens aus
der – zur Zeit sehr harten – Realität gestärkt
Vorwort des Vorsitzenden................................................................................................................. 3 Das liegt natürlich hauptsächlich daran, dass und mit neuer Kraft hervorgehen können. Ich
Im Gespräch mit Erzabt Tutilo: Unser Klosterort Beuron tut jedem gut ............................................... 4 unser soziales und gesellschaftliches Leben hoffe sehr, dass auch mehr Menschen in die-
Wie lange noch? Stabat Mater.......................................................................................................... 7 stark eingeschränkt ist und bei einigen sicher ser für uns alle schwierigen Zeit wieder mehr
Wallfahrt: Gesichter der Wallfahrt ................................................................................................... 10
auch finanzielle und wirtschaftliche Sorgen zum Glauben und zu Gott finden und daraus
Kommt wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn! .............................................................................. 11
dazukommen. Und diese Einschränkungen Zuversicht schöpfen.
....gewähren wir 40 Tage Ablass für schwere Sünden..................................................................... 14
Auf dem Weg ins Liebfrauental ...................................................................................................... 16
machen sich auch im christlichen bzw.
„Ein Segen sollst du sein“............................................................................................................... 18 geistlichen Leben bemerkbar: Gottesdienste In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns
Der hl. Benedikt weist den Weg ins Kloster..................................................................................... 19 sind in ihrer Zeit und Gestaltung stark einge- allen, dass wir gemeinsam und mit großer
St. Maurus im Felde: Das "Tempelchen" wird 150 Jahre alt ........................................................... 20 schränkt, Kommunions- und Firmunterricht Solidarität untereinander gesund durch diese
Über den Maurus-Segen ................................................................................................................ 22 kann nicht mehr persönlich stattfinden, viele schwere Zeit kommen. Dass wir es schaffen,
Menschen: Die Beuroner Oblaten.................................................................................................... 24 Treffen von Gruppen finden oft nur noch in zusammenzuhalten und wir wieder zu einem
Zum 100. Todestag von Bischof Willbrord Benzler OSB ................................................................... 26 digitalen Formaten statt. Gerade die Nähe, freundlichen und menschlichen Miteinander
In memoriam ................................................................................................................................. 28 das Miteinander, die Begegnung und die Ge- finden.
Personalia und Termine .................................................................................................................. 30 meinschaft sind Dinge, die unseren gelebten
Wer ist Jesus für mich? Die Hand auf der Schulter ......................................................................... 32 Glauben auch ausmachen, und diese fallen
Ostern 2021: Festtage unter Pandemievorzeichen .......................................................................... 34 vielerorts zurzeit weg und hinterlassen neue Ihr
Beitrittserklärung............................................................................................................................ 35 Nöte und Sorge. Thomas Bareiß
2 3Im Gespräch mit Erzabt Tutilo B B
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Unser Klosterort Beuron
tut jedem gut
In Zeiten wie diesen haben wir sie beson- geben von einer herrlichen Landschaft. Der auch wir Mönche untereinander voneinander
ders nötig, die Wege zu innerer Harmonie. von Gott und den Menschen geprägte Ort erwarten können, besteht in dem Ernst und
Und so rückt – bestärkt von der derzeit bildet mit dem Tal eine einmalige Kombina- der Wahrhaftigkeit im Bemühen, unsere Ge-
so aktuellen Diskussion um das Für und tion von Schönheit und Harmonie, die wohl lübde im Alltag umzusetzen und zu leben.
Wider offener Kirchentüren – das Thema jeden Besucher anspricht. Beuron „gehört“
„Spiritualität als Lebenshilfe?“ für viele den Ausflüglern ebenso wie den Wallfahrern. Ein besonderer Anziehungspunkt Ihres Klo-
Menschen ins Blickfeld. Damit auch das Nicht nur der Beter, der gezielt in die Kirche sters liegt in seiner Geschichte. Sie sind Er-
Angebot unseres Klosters in seiner so au- geht, sondern auch der absichtslose Tourist ben der Augustiner-Chorherren und gleich-
ßergewöhnlichen Kombination von Natur sollte in Beuron auf Möglichkeiten stoßen, zeitig die der größten und ältesten Ordens
und Geist, Religion und Kunst, kontempla- wo er Informationen über das Kloster und die gemeinschaft des hl. Benedikt. Wie äußert
tivem Ruhepol und geistigem Impulsgeber, Mönche erhalten kann. Unsere Angebote im sich das im Kloster-Alltag von heute?
Gästeflügel oder in der Buchhandlung möch-
historischem und regionalem Gewicht. Ob
ten den Fragen der interessierten Besucher Das Erbe der Augustiner-Chorherren haben
Kirchgänger, Wallfahrer, Pilger, Touristen entgegenkommen. wir ganz konkret 1863 vor allem im Immo-
– die Erzabtei St. Martin ist für viele das bilienbestand der Klosteranlage übernom-
Top-Ziel im Donautal. Sie hat allen etwas Die Erwartung der meisten Besucher ist men. Auch das Wallfahrtsbild der Beuroner
zu bieten. In einer Phase der äußeren Ein- hoch: Da ist die Neugier auf eine besondere Schmerzensmutter gehört dazu. Dieses Erbe
schränkung ist das besonders spürbar. Lebensform. Da ist die Faszination einer so verlangt von uns die Mühe der Pflege und
Worauf sich unser Augenmerk richten ganz anderen Aufgabe als sie dem „Normal- des Erhalts, stellt uns aber auch einen an-
kann und sollte, lässt uns Erzabt Tutilo im menschen“ im Alltag begegnet. Da ist die le- genehmen Lebensraum zur Verfügung und
Gespräch wissen. benslange Suche nach dem Bleibenden. Ver- lässt uns teilhaben an einer langen Tradition
langt das Ihrer Gemeinschaft wie auch jedem geistlichen Lebens.
Einzelnen eine besondere Verantwortung ab?
Kloster Beuron ist aus ganz unterschied- Wenn ja, wie werden Sie dieser gerecht? Beuron ist fast schon von Natur aus ein
lichen Gründen ein Besuchermagnet. Worauf geistlicher Ort. Das hat sicher auch dazu bei-
führen Sie das zurück und wie vertragen Es fällt mir schwer, mich in eine Erwartung getragen, dass Männer, die sich dieser Ge-
sich die teilweise doch sehr weit auseinan- hinein zu denken, die andere auf uns als meinschaft angeschlossen haben, ihre be-
derdriftenden Interessen der sehr heterogen Mönche richten. Allerdings empfinde ich sonderen Fähigkeiten gerade als „Beuroner“ Wo Gott wohnt, muss man im Klosterort Beuron
zusammengesetzten Zielgruppe mit dem durchaus eine besondere Verantwortung da- so beispielhaft entfalten konnten. Ich denke nicht erst lang fragen. Der Blick ist immer nach
Auftrag und den Möglichkeiten der Mönche? für, dass wir für unseren Glauben an Jesus dabei an die Wissenschaftler und Hochschul- oben offen – im Freien oder im Raum laden
Christus eine organisierte, verbindliche und lehrer in Theologie, Philosophie oder Musik- Kreuze und Bildstöcke, Kapellen und Kirche zum
Der Klosterort Beuron tut fast jedem gut, kirchlich geprägte Lebensform gewählt ha- wissenschaft, an die Gründer und mitarbei- meditativen Austausch.
der hier Halt macht. Oft bestehen die Motive ben. Mönche und Nonnen bilden ja nur eine tenden Künstler der Beuroner Kunstschule,
für einen Besuch bei uns aus einer Kombi- ganz kleine Minderheit unter den Christen. überhaupt die Künstler und Handwerker. aus Stolz über die eigenen Kräfte, aber si-
nation aus sehr persönlichen Absichten und Solch eine kleine Gruppe ist kaum in der cherlich auch aus Freude daran, an etwas
Fragen. Wer nach Beuron kommt, stößt auf Lage, den Mainstream der Christenheit zu Die große Mehrheit der Mitbrüder hat durch mitzuwirken, das sich zu einem Opus Dei, zu
einen bezaubernden Abschnitt des Donau- prägen und schon gar nicht, viele Erwar- die vergangenen fünfzehn Jahrzehnte immer einem Werk für Gott, zu einem Gottesdienst
tales. Die Kirche und das Kloster sind um- tungen zu erfüllen. Was aber jeder Christ und versucht, das Beste zu geben, gewiss auch zusammenfügt.
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Die spätbarocke Heiterkeit des Augustiner-
Erbes, vereint mit dem faszinierend eigen-
willigen Formenkanon der Beuroner Kunst-
schule machen Ihre Erzabtei selbst ohne
Liturgie zu einem Gottesdienst. Mit ihrem
so ausgeprägten Akzent auf das gesungene
Chorgebet wird dieses Vermächtnis aus der
Klostergeschichte zum lebendigen Ereig-
nis nicht nur für ausgewiesene „Beuroner
Klosterfans“. Ein auf Dauer zukunftsfähiges
Modell?
Wie lange noch?
Ob Ordensgemeinschaften auch in Zukunft
lebbar und lebendig sein werden, hängt
sicher von mehreren Faktoren ab. Die Ge-
schichte – auch und gerade die des Klosters
Beuron – zeigt ganz eindeutig, dass es be- Stabat Mater von Pater Sebastian Haas-Sigel
sonders begabter Persönlichkeiten bedurfte,
Es ist nur schwer auszuhalten: Das Auf und Stabat Mater – sie stand da(bei), die Mutter,
damit eine Gemeinschaft entstehen oder
Ab der Inzidenzwerte, das Mehr und Weni- so heißt es im Leidensbericht des Johannes-
nach einer gewissen Dauer der Gewöhnung Evangeliums (Joh 19,25). Gemeint ist Maria,
ger bei den Öffnungen; es ist nur schwer
wieder neu aufblühen konnte. die Mutter Jesu, die in dieser Szene ihren
auszuhalten, wenn eine klare Perspektive
fehlt, wenn Unsicherheit und offene Fragen Platz unter dem Kreuz hat; die mitansehen
Dass eine Ordensgemeinschaft allerdings muss, wie der eigene Sohn brutal hingerich-
durch die Jahrhunderte hindurch bestehen vorherrschen – und auch die eigene Hilf-
losigkeit; es ist nur schwer auszuhalten, tet wird; die in dieser unerträglichen Situ-
kann, verdankt sie zweifellos auch jenen ation nichts tun kann, außer da zu bleiben,
Kräften, die mit langem Atem Entschei- wenn man an die Situation der Pflegenden
Das Auge Gottes im Strahlenkranz wacht über denkt, an das Leid der Kranken, an die auszuhalten. Auch diese Vorstellung ist nur
dungen durchtragen und unspektakulär das schwer auszuhalten, wenn man sie nah an
dem sternenübersäten Himmel, vor dem Jesus, Überleben des Gewöhnlichen über die Zeiten Einsamkeit derer, die in Quarantäne sit-
der Sohn Gottes, seine Mutter zur Himmels- zen oder einfach so durch die allgemeinen sich herankommen lässt; der Schmerz, den
garantieren. diese Erfahrung bedeuten mag – für die Mut-
königin krönt. Das Altarbild im Chor unserer Umstände isoliert sind; es ist nur schwer
Klosterkirche hat Symbolcharakter: Beuroner ter damals unter dem Kreuz, für Menschen
Kunst, eingebettet im opulenten Barockpro- Ich sehe es als eine Art Pflicht der Klöster, die auszuhalten, sich vorzustellen, wie es in heute.
spekt der Augustiner Chorherrn. Zwei Stilepo- Gottesfrage in ihrer Umwelt offen oder wach dieser Ausnahmesituation der aktuellen
chen begegnen sich. Unterschiedlicher könnten zu halten. Es wird immer Menschen geben, pandemischen Krise denen ergehen mag, Stabat Mater – die Schmerzhafte Mutter
sie nicht sein und doch vereinen sie sich hier die nach Gott fragen, auch wenn ihre Zeit- die außerhalb der Komfortzone „Europa“ unter dem Kreuz, den toten Sohn auf dem
zu einem Kunstwerk sakraler Schönheit. Dieses genossen bei ihm keine Antworten suchen leben und überleben müssen – in den Schoß: Dieses Bild ist seit Jahrhunderten
Miteinander zweier Stilrichtungen ist es, was wollen. unzähligen Krisen-, Kriegs- und Hunger- Ziel der Beuroner Wallfahrt. Die benedik-
Beuron aus dem Reigen der Klosterbauwerke gebieten, ohne jede soziale Absicherung
hervorhebt. Dass die Väter der benedikti- tinischen Gründerväter haben die von den
Die Fragen stellte Notburg Geibel. und wirtschaftliche Rettungsschirme, ohne Augustinern-Chorherren ererbte Tradition
nischen Wiedergründung so zielsicher das von
den Vorgängern Überkommene bewahrten und funktionierendes Gesundheitssystem; in der „Schmerzhaften Mutter von Beuron“ von
es deshalb zu einem Alleinstellungsmerkmal Armut, Arbeitslosigkeit, auf der Flucht und Anfang an aufgegriffen und in den vergange-
werden konnte, gibt Kloster Beuron und seiner in den Lagern und Auffangstationen. Es ist nen 158 Jahren seit der Wiederbegründung
Mönchsgemeinschaft bis zum heutigen Tag das nur schwer auszuhalten – das Leid des an- von Kloster und Wallfahrt weitergeführt;
Flair des Außergewöhnlichen. dern, das je eigene. auch in den schwierigen Zeiten von Kloster
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aufhebung und Kirchenkampf – die
einem fällt sie vielleicht gar nicht auf; einer Szene steht dem Beuronbesucher in der
„Exilwallfahrtsstätte“ im Wald, das
anderen mag sie fremd bleiben. Und doch: Abteikirche im Deckenfresko in der Mitte
Liebfrauental mit der von Br. Markus
Sie ist für alle da und ist da mit allen, die Leid über dem Choraltar vor Augen. Die Sendung
Hummel gefertigten Kopie des Beuroner
tragen, durchhalten, aushalten müssen – all- des Gottesgeistes, das Ereignis des Neuan-
Gnadenbildes in der Felsnische unter-
zu oft im Verborgenen, unausgesprochen, fangs, das Geschenk der Hoffnung und des
halb der Lourdes-Grotte bezeugt es
allein. neuen Lebens erfahren und erleben wie sie
anschaulich.
jene, die mit ihr aushalten: Türen und Fen-
Stabat Mater – sie steht da und lädt den ster, die aufspringen; die Erfahrung neuen
Pilger ein, sich einzulassen, sich zu öffnen, Verstehens, lebendiger Verbundenheit und
sich zu identifizieren. Sie ermutigt, das ei- Gemeinschaft; einer Freude innen drin und
gene Leid ernst zu nehmen, es ins Auge zu pulsierenden Lebens drum herum – unfass-
fassen und zu betrachten, es vielleicht auch bar, unvorstellbar. Ein Ereignis, das bis heute
annehmen zu können. In jedem Fall, es IHM weiterwirkt und hilft, auszuhalten.
hinzuhalten, den SIE im Arm und auf dem
Schoß hält; den sie MIR hinhält: JESUS, ihren Auch dafür steht sie, die Gnadenmutter von
Sohn, der sich so sehr mit dem Menschen Beuron.
identifiziert und solidarisiert hat, dass er den
Stabat Mater – sie steht da größten Schmerz, das tiefste Leid, die letzte
und hält aus, während andere Einsamkeit angenommen, durchlebt, aus-
kommen und gehen: Generati- gehalten hat – aus Liebe. In ihrem
onen von Mönchen; Menschen mit unerträglichen Leid vertraut sich
Sorgen, Leid, Schmerz, mit Bitte und Maria dieser Liebe an und
Dank; als einzelne oder gemeinsam, der Verheißung,
festtäglich gestimmt in Prozession dass aus dem
und zum Klang der Orgel, oder auch still und – aus Oberschwaben, aus Süd-, Mittel und Kreuz und Leid
im Geheimen. Die Gnadenkapelle ist beides: Nordbaden, ja sogar aus dem Ermland. Sie Jesu neues Le-
Feierlicher Saal für den Festtag – bergender begrüßt auch die Heutigen: Menschen, für ben ersteht, wie
Raum für das stille Gebet; Resonanzraum für die Beuron Ort des Gebets und des Gottes- es das Apsis-
Jubel und Dank – Schutzraum der Klage, für dienstes ist; jene, die pilgernd zu Fuß auf bild über dem
das Gebet, dem die Worte fehlen, auch für der Via Beuronensis in Richtung Santiago de Gnadenaltar
das Verstummen angesichts von Leid und Compostela unterwegs sind, oder andere, eindrücklich
Trauer. die den Spuren des heiligen Mönches und bezeugt.
Einsiedlers Meinrad auf dem MeinRad-Weg
Stabat Mater – das Gnadenbild steht da und von Rottenburg-Sülchen nach Einsiedeln Stabat Ma-
begrüßt die Pilger – heute wie damals. Die folgen. Und auch jene, die eher zufällig den ter – Maria hält
Schmerzensmutter hat sie alle gesehen: Die Weg in die Gnadenkapelle finden, erwartet aus, bleibt da-
Bewohner der Umgegend, die am Sonntag die Schmerzensmutter: Wanderer, Ausflügler, bei, geht mit
oder zu den Festtagen jahrein jahraus nach Touristen; Menschen mit unterschiedlichs- bis unters Kreuz.
Beuron pilgerten – nicht wenige zu Fuß; die ter kultureller, religiöser und konfessioneller Als solche ist sie dann
Zigtausenden, die zu Blütezeiten an den Herkunft, Geschichte, Prägung und Bindung auch diejenige, die am Pfingst-
großen Wallfahrtstagen den Pilgerzug mit – das Corona-Fürbittbuch vor dem Gna- tag den Mittelpunkt der betenden
der Destination Beuron bestiegen haben denbild gibt hiervon beredt Zeugnis. Manch Jüngerschar bildet – auch diese
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Gesichter der Wallfahrt Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg
In Zeiten der Mund-Nasen-Bedeckung hat das Wort vom „Gesicht zeigen“ eine ganz neue
Bedeutung bekommen. Auch in der Kirche und in den Gottesdiensten wird erfahrbar, wie we-
des Herrn!
sentlich wir Menschen angewiesen und ausgerichtet sind auf das Gegenüber, den anderen,
der uns anblickt und uns nicht nur mit Worten allein etwas zu sagen hat. Mit der jüngst Mit diesem biblischen Aufruf zur Wallfahrt dem lebendigen Treiben berichten, illustriert
erfolgten Neuverteilung der Aufgabenfelder bekommt das vielgestaltige Feld der Beuroner verbinden sich bei vielen der älteren Mit- durch die ein oder andere Anekdote, die sich
Wallfahrt neue Gesichter. brüder auch heute lebendige Erinnerungen mit diesen Erfahrungen verbindet. Bruder
an die Zeit, als die Wallfahrt zur Gnaden- Burchard, seinerzeit Klostermetzger und Lie-
mutter von Beuron noch boomte: Tausen- ferant für die damals existierenden Pilger
de kamen mit dem Bau der Eisenbahnlinie unterkünfte und Gasthöfe am Ort, bekommt
über Jahrzehnte mit den Pilgerzügen aus leuchtende Augen, wenn er von den „alten
allen Himmelsrichtungen nach Beuron, Zeiten“ berichtet.
um hier zu beten, geistlich aufzutanken,
Gemeinschaft zu erleben; sicher auch um Nicht erst Corona hat all dem (bis auf wei-
teres) einen Dämpfer gegeben. Der Wandel
ganz einfach Abwechslung und Erholung
zeichnete sich spürbar ab – auch durch
P. Mauritius Sauerzapf OSB, P. Pirmin Meyer OSB, P. Sebastian Haas-Sigel OSB, zu finden in einer Zeit, in der das Reisen die Veränderungen im Bereich der Mobili-
1980 bis 2010 Wallfahrtspater 2012 bis 2021 Wallfahrtspater 2010 bis 2012; seit 2021 etwas Besonderes war, und die das heute
wieder Wallfahrtspater tät, die zu einer Individualisierung auch der
zum Problem gewordene Phänomen von Wallfahrt führte. Die Neuauflage des Ulmer
Fern- und Billigflügen noch nicht kannte. Pilgerzuges zum jährlichen Anna-Tag am
26. Juli, die Pater Mauritius im Jahr 2006 in
Noch in den 70er- und 80er-Jahren fuhren Kooperation mit der Deutschen Bahn starten
mehrmals im Jahr Pilgersonderzüge das Ziel konnte, war ein letztes Aufleuchten in der
Beuron an – aus Richtung Elztal-Freiburg, langen Geschichte der Pilgerzüge, die bis in
Tübingen, Karlsruhe, Ulm und Hohenzollern. die Zeit vor 1900 zurückreicht. Damals stand
Pater Mauritius Sauerzapf, der diese letz- die Beuroner Brüderblaskapelle am heute
te Phase einer zu Ende gehenden großen verschwundenen Pilgerbahnhof vor dem Fri-
Br. Markus Alber OSB, P. Severin Stenkamp OSB, P. Martin Kreuzburg OSB, Tradition als Wallfahrtspater erlebt und be- dinger Tunnel zum Empfang bereit und führte
verantwortlich für Kirchen- Ansprechpartner für Ansprechpartner für Ehe- gleitet hat, kann noch heute begeistert von die Pilgerschar in Prozession der Donau ent-
führungen Gedenken P. Gregor Sorger jubiläen lang und über die Holzbrücke hinauf in die
und Gebetsanliegen Abteikirche. Doch auch der Anna-Pilgerzug
ist nun wohl endgültig Geschichte: Nachdem
das Projekt 2020 der Pandemie zum Opfer
gefallen war, hat die Bahn ihre Zusammen-
arbeit nun aufgekündigt – auch das ein Aus-
druck einer sich wandelnden Zeit.
Die Zeit der Volkskirche ist im Niedergang
begriffen; auch in Beuron wird das greif- und
Br. Siegfried Studer OSB, P. Landelin Fuß OSB, als Br. Eugen Kuhn OSB, immer sichtbar, nicht erst mit Blick auf die aktuelle
verantwortlich für die Gebets- Sakristan verantwortlich aktiv in der Kerzenkapelle und Corona-Krise und die zu bewältigenden He-
stätte im Liebfrauental für die Gnadenkapelle im „Weihwasser-Apostolat“ rausforderungen der Umstrukturierung der
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Ort ist, an dem das, was mich bewegt, da einzigartige Mensch in den Blick kommt,
sein darf und aufgehoben ist: Die Antwort in herausgehoben aus der Menge und wahrge-
Freude, der Dank; die Trauer, das Leid und nommen, angesprochen und persönlich ge-
die offenen Fragen. meint, das ist Herausforderung und Chance
angesichts der gravierenden Veränderungen
Beuron als Kloster und Wallfahrtsort ist im Raum von Kirche und Glauben. Dass
und bleibt Ort der Begegnung mit dem Gottes Zusage mich meint und mir gilt, das
Schönen: In der umgebenden Natur, in den will an diesem Ort Ausdruck finden: in der
Bildern und Farben der Kunst- und Bau- Feier der Sakramente; in der seelsorger-
werke, in der Bewegung und im Klang von lichen Zuwendung und Begleitung; in der
Musik und Gesang. All das spricht Menschen persönlichen Zusage des Segens, der auf-
an, erzeugt eine Resonanz, die Anknüp- richtet, stärkt und Zukunft eröffnet.
fungspunkte bietet für tiefergehende und
Seelsorge in den Diözesen, im Erzbistum mer und Herbst ins Donautal strömen: Zum
erschließende Deutung. Hier aus dem Glau- Dass Gott immer und überall da ist und wirkt,
Freiburg unter dem Stichwort Pastoral 2030. Spaziergang und zum Wandern in der ein-
ben Antwort anzubieten – ob im gepredigten das ist eine der Grundüberzeugungen christ-
Kirche muss sich neu besinnen, definieren, zigartigen Landschaft des Oberen Donautals;
Wort, im Rahmen einer (auch kateche- lichen Glaubens und benediktinischen Le-
verorten – als Institution, als Struktur, und auf dem Drahtesel oder mit dem Motorrad;
tischen) Kirchenführung, die über das rein bens. Dass ER auch heute und hier da ist und
auch als Gemeinschaft im Glauben. Das hat kunst- und kulturbeflissen oder einfach als
Historisch-künstlerische hinausgeht, oder in wirkt, dass der Mensch, dass auch jeweils
Auswirkungen auf die Art, wie der Einzelne Tourist; in der Gruppe oder auch allein.
der persönlichen Begegnung am Rande –, ist ich IHM an diesem Ort begegnen kann, wenn
den Glauben praktisch lebt. In diesem Pro-
und bleibt eine wichtige Aufgabe. ich da und offen bin, dafür steht Beuron. Das
zess steht auch die Beuroner Wallfahrt. Es stellt sich immer neu die Frage, mit wel-
zu bezeugen und zu Bewusstsein zu bringen,
chem Angebot und in welcher Haltung wir
Beuron als Kloster- und Wallfahrtsort ist ist Berufung derer, die an diesem Ort leben.
Auf diesem Hintergrund sind der Wandel und Mönche all diesen Menschen begegnen kön-
und bleibt Ort der Seelsorge und des Se- Vielleicht dürfen dann jene, die des Weges
die Herausforderungen an diesem Gnadenort nen. Diese Frage betrifft auch das Selbstver-
gens: Nicht das massenbewegende Wunder kommen, spüren, was dem Patriarchen Ja-
zu verstehen, der zwar bleibt, was er immer ständnis der Beuroner Wallfahrt. Würde sie
steht am Beginn der Beuroner Wallfahrt. Das kob im Traum aufgegangen ist, und was die
schon war – Ort des Gebetes, des Gottes- sich allein am Vorbild der „guten alten Zeit“
Gnadenbild war immer schon vor allem auch Beuroner Künstler in der Vorhalle der Kirche
dienstes, der Einkehr, des Kraftschöpfens orientieren, führte dies auf kurz oder lang in
Einladung zur persönlichen Begeg- neben dem Eingang an der Wand ins Bild
und des Durchatmens – der aber nicht um- die Resignation. Eine Neuauflage des „alten
nung mit dem Gott, der gebracht haben:
hin kann, anschlussfähig zu bleiben für die Beuron“ wird es aller Voraussicht nach nicht
Liebe ist und Leben Ja, hier wohnt Gott!
Lebenswirklichkeit und die Lebenspraxis des geben. Was also bleibt – als Gabe und als
schenkt. Dass
heutigen Menschen. Dieser ist längst nicht Aufgabe?
der kon- PS
mehr selbstverständlich der bekennende,
krete
kirchlich sozialisierte und praktizierende Ka- Beuron als Kloster- und Wallfahrtsort
und
tholik. ist und bleibt Ort des Gebets: Der täglich
gefeierte Gottesdienst der Klostergemein-
Die Beweggründe, die Menschen nach Beu schaft in Stundenliturgie und Eucharistiefei-
ron und in die Abteikirche führen, sind un- er macht das auch für den „unerfahrenen“
terschiedlich wie die Menschen selbst. Die Besucher spürbar. Die Gnadenkapelle und
Pilgerschaft des Zeitgenossen ist heute nicht das Liebfrauental eröffnen einen Raum, der
unbedingt religiös motiviert. Die Scharen von Menschen einlädt, innezuhalten, sich zu
Pilgern und Gottesdienstbesuchern wurden besinnen, durchzuatmen und zu beten – ob
abgelöst von den Hunderten, die bei gutem bewusst oder vorbewusst, ob ausdrücklich
Wetter an den Sonn- und Feiertagen und oder (noch) ohne Worte; vielleicht auch ein-
während der Feriensaison im Frühjahr, Som- fach die Erfahrung zu machen, dass hier ein
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…gewähren wir 40 Tage Ablass
für schwere Sünden
Ein uraltes Pergament – geschmückt mit
farbiger Initiale und von gewichtigem In-
halt – zeugt von den Anfängen der Beu-
w ir wünschen also, dass das
Kloster zu Beuron a.d. Donau, vom Orden
a llen, die wahrhaftig reuig und
bußfertig gebeichtet haben und… an den
roner Wallfahrt. Papst Innozenz VI. selbst
hat diesen Ablassbrief am 23. Mai „im der regulierten Chorherrn des hl. Augusti- Festen… und Sonntagen zu Andacht, Ge-
nus, und die ihm angeschlossene Pfarr- bet oder Wallfahrt kommen oder Messen,
Jahre des Herrn 1362“ mit seinem Siegel
kirche daselbst…, geweiht zu Ehren der Vesper, Predigt beiwohnen… oder beim
und Unterschrift bekräftigt, den 25 Bi- seligen Jungfrau Maria, des heiligen Bi- Abendläuten des Klosters oder der Kirche
schöfe und Erzbischöfe ausgestellt hatten. schofs Martinus, des hl Johannes des Täu- sechs Ave Maria beten, oder die zur Erhal-
In der Ausgabe XXII von 1946 der „Bene- fers und des hl. Nikolaus und aller übrigen tung der genannten Kapellen und Altäre
diktinischen Monatsschrift zur Pflege re- Heiligen, deren Reliquien sowohl in den Lichter, Schmuck Stoffe, Bücher, Kelche,
ligiösen und geistigen Lebens“ – heraus- Wir wollen auch, dass jeder, der Gefun-
Kapellen als auch in den Altären daselbst Gold, Silber, Tiere vermachen oder schen- denes oder unrecht Erworbenes… wenn
gegeben von der Erzabtei Beuron, (heute ruhen, immerfort mit geziemender Ehr- ke... oder zur Wiederherstellung der Mau- es sich um Wucher, Wegnahme, Diebstahl,
„Erbe und Auftrag“) –, findet sich der über- furcht besucht und von Christgläubigen ern, Wände und anderer Baulichkeiten Raub handelt… wenn er derartiges zur
setzte Text dieser noch stückweise vorhan- verehrt werden sollen… im Kloster... Irgendeinen Liebesdienst er- Kirchenpflege bringt, soll er die aufgezähl-
denen Bulle. Pater Gallus Gschwind hat sie weisen oder Holz, Steine, Kalk, Sand oder ten Ablässe erlangen. Wir wollen auch,
in Zusammenhang mit einem Aufsatz von sonst etwas Benötigtes herbeibringen oder dass jene, die zur Pfarrkirche des hl Petrus
Pater Gallus Gschwind über das Beuroner Felder, Weinberge, sonstigen Besitz des in Irrendorf und zur Kirche in Buchheim…
Gnadenbild zitiert. Klosters ...treulich behüten, bearbeiten die besagten Ablässe vollständig gewinnen,
oder bebauen oder … für die Seelen ihrer wenn nur Wille und Zustimmung des Diö-
Das wohl älteste Zeugnis aus der das Auf Herren … und all ihrer Wohltäter fromm zesanbischofs dazukommt…
und Ab von Jahrhunderten Augustiner-Chor- zu Gott beten:
herren-Klostergeschichte überdauernden,
nach der Säkularisation 1862 von den Be-
nediktinern wiederbelebten Wallfahrts-Tra-
dition öffnet ein Fenster in eine Zeit, in der g ewähren wir… von den ihnen
d as vom Papst unterzeichnete
altehrwürdige Schriftstück bezeugt einen
katholisch-christlicher Glaube den Alltag der auferlegten Bußen 40 Tage Ablass für Ablassbrief des Bischofs Heinrich von
meisten Menschen in Europa bestimmte. schwere Sünden und ein Jahr für lässliche Konstanz, der „von frommer Absicht ge-
und eine Fastenzeit; außerdem Nachlass leitet unsere ordentliche Zustimmung und
Wir zitieren auszugsweise: der vergessenen Sünden, der gebrochenen Gutheißung zu allen Ablässen gegeben,
Gelübde, der Verfehlungen gegen Vater welche durch die genannten in Christo
und Mutter ohne Tätlichkeit, der leichtsin- ehrwürdigen Herren Bischöfe, unsere Brü-
nig geleisteten Eide und anderer Sünden. der, gewährt worden sind.
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ErzabteiErzabtei
St.Martin
St.Martin
zu Beuron zu Beuron
Auf dem Weg ins Schwäbisch, Badisch, Bayerisch vortragen
und auch ihre Lieblingslieder singen.
lenglöcklein geläutet und das Lied „Segne
Du, Maria“ tönt durch den Wald…
Liebfrauental An den Sonn- und Ausflugstagen sind oft
ganze Familiengruppen beisammen, nach Die Gebetsstätte mitten in der Natur, an
„Von Kind auf bin ich mit den Eltern, der dem Beten und Singen werden die Rucksä- der auch ein viel begangener Wanderweg
Tante, der Freundin, hierher gekommen cke geöffnet und ein handfestes Vesper ein- und der Jakobus-Pilgerweg vorbeiführt,
und habe mich an diesem stillen Ort wohl- genommen. Die Kinder können unbeschwert ist stark den Naturgewalten ausgesetzt:
gefühlt.“ Kaum einer in der ungezählten herumspringen und spielen ohne dauernd Wind und Wetter hinterlassen ihre Spuren.
Vielzahl und Vielfalt von Klosterfreunden ermahnt zu werden. Seid still, seid ruhig, wir So sind jährlich mancherlei Reparaturen
wird bei einem Beuron-Besuch auf den sind in einer Kirche. Und selbst der Lieblings- notwendig: der Gartenzaun, die maroden
hund darf an dieser „Wallfahrt“ teilnehmen. Wasserrinnen, die Decken- und Wand-
Weg ins Liebfrauental verzichten. Die Beu
In der Morgenfrühe und am Abend ist die malereien bedürfen immer wieder einer
roner Lourdesgrotte, eingebettet in die
Lourdesgrotte ein Ort für das stille Gebet Erneuerung. Die Klostergemeinschaft ist
romantische Waldschlucht Richtung Buch- von einzelnen Pilgerinnen und Pilgern, die den privaten Spendern aber auch den Fir-
heim und Schloss Bronnen, ist neben Ab- dort ihre Sorgen, Nöte und Ängste aus dem men für ihre tätige und verlässliche Hilfe
teikirche und Gnadenkapelle, Krypta und eigenen Lebensbereich ausbreiten und um sehr dankbar. Der Grotten-Mesmer führt
St. Maurus das am stärksten frequentierte Hilfe bitte können: Familiensorgen, Bezie- hier als herausragend beispielhaft eine
Ziel einer unmittelbaren Begegnung mit bingen übernehmen die Ministrantendienste. hungs- und Berufsprobleme, Krankheiten. Im Familie aus Ubstadt-Weiher-Stettfeld bei
Gott. „Ein einladender Ort für das persön- Weitere spontane Prozessionen und Andach- aufgelegten Buch über Gebetsanliegen kann Bruchsal an, die mehrmals im Jahr die
liche Gebet“ nennt dies in bescheidener ten werden von Pfarreien und Gebetsgrup- man all diese Probleme des menschlichen weite Fahrt nach Beuron auf sich nimmt,
Zurückhaltung Bruder Siegfried, der schon pen das Jahr über abgehalten. Daseins nachlesen. Manche Menschen sit- um frische Blumen und Sträucher zu
seit Jahren die Grotte betreut. Seine Ge- zen still in der Kapelle, um sich ohne Worte pflanzen und sagt allen Pilgern, Helfern
danken zu diesem wichtigen Dienst für das Gewiss sind diese offiziellen Termine für mit Gott zu verständigen, andere suchen das ein herzliches „Vergelt’s Gott“.
Kloster hat er in einem mehrseitigen Artikel Wallfahrten und Prozessionen Höhepunkte Gespräch. Und am Schluss wird das Kapel-
im Jahreskalender. Doch auch als stiller
über die Geschichte der Lourdesbewegung
und naturnaher Ort für das persönliche Ge-
allgemein und die der Beu roner Lieb-
spräch mit Gott und der Fürbitterin Maria
frauen-Grotte speziell niedergelegt. Wir zi- ist die Lourdesgrotte mit Kapelle besonders
tieren aus dem Kapitel „Begegnungen am geeignet. In den Anfängen der Wallfahrt galt
Gebetsort Lourdesgrotte“. das vor allem für die frommen Beuron-Pilger,
die in der Abteikirche die durchweg in latei-
„Die Einweihung der Lourdesgrotte erfolgte nischer Sprache gehaltenen Gottesdienste
am Dreifaltigkeitssonntag 1892. Seit dieser besucht haben. Von der Mehrzahl der Be-
Zeit finden regelmäßig Prozessionen und sucher wurde diese Sprache nicht verstan-
Andachten ins Liebfrauental statt. Im Mari- den, die einfachen Besucher – Handwerker,
enmonat Mai, im Rosenkranzmonat Oktober Bauersleute, Hausfrauen, hatten deswegen
und vor allem am Vorabend des 15. August, ihre Andachtsbüchlein in deutsche Sprache
dem Hochfest der Aufnahme Mariens in die dabei, in denen sie während der Messe lasen
himmlische Herrlichkeit, findet die große und beteten. Auf den Pilgerweg zur Lourdes-
Prozession zu Ehren der Muttergottes statt. grotte und im Frauental, da konnten sie nun
Daran beteiligen sich seit dem Zweiten Welt- mit dem Herrgott und mit der Muttergot-
krieg der Musikverein Irndorf und der Kir- tes reden, wie sie es von Kind an gewohnt
chenchor Buchheim. Junge Männer aus Kol- waren, ihre Sorgen und Bitten in Deutsch,
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St.Martin
St.Martin
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„Ein Segen sollst du sein” Der hl. Benedikt
weist den Weg
Die lateinische Inschrift auf dem Sockel der
Statue lautet:
Dieses Wort aus Leben fruchtbar wird – alle Vorbehalten und ins Kloster Am 18. Oktober 1901 widmeten die welt-
lichen Oblaten der Klöster der Kongregation
der Erzählung Bedenken zum Trotz; dass er Segen erfährt dem Erzabt Placidus zu seinem in voller Ge-
von der Beru- und zum Segen wird für die, die ihm begeg- sundheit erreichten 50jährigen Priester-Jubi-
fung Abrams nen. Pater Landelin Fuss hat für unsere Leser läum, ihm, dem lebendigen Vater, Glück wün-
durch Gott (Gen im Kloster-Archiv Wissenswertes über die schend, dies Erzbild des Vaters Benediktus.
12) ist einer der Benedikt, nicht nur dem Namen nach ein Benediktus-Statue am Eingang zum Pfor-
Grundtexte be- Gesegneter, steht als Beispiel dafür, dass tenvorplatz zusammengetragen. Aus der Chronik für September 1901:
nediktinischer Gottes Verheißung eines gesegneten Lebens Am 21. (dem Primiztag Vater Erzabts) fand
Berufung. Nicht bleibt und wirklich werden will für jeden, der die Enthüllung eines von den Oblaten der
ohne Grund wird sich dafür öffnet: „Höre, mein Sohn, meine „Am 21.9.1901 konnte Erzabt Placidus Wol- Kongregation gestifteten überlebensgroß-
er am Hochfest Tochter…!“ (RB Prol. 1). Segen zu werden, ter die ihm anlässlich seines silbernen Prie- en Standbildes des hl. Vaters Benediktus
des Heimgangs segnend (und hoffentlich auch segensreich) sterjubiläums von den Beuroner Weltoblaten vor der Wandelbahn des neuen Gartens
des heiligen Bene- zu wirken – in der Gemeinschaft der Brüder gestiftete Benediktus-Statue feierlich ent- statt. Man zog nach der Vesper aus der
dikt, am 21. März, und/oder Schwestern, in und für die Kirche, hüllen und segnen. Nach Zeichnungen von Kirche in den Garten, die Äbte nahmen
in der Eucharistie in der Begegnung mit den Menschen –, P. Desiderius Lenz durch Br. Fidelis Feiler vor dem auf einem runden Hügel aufge-
feier als Lesung gehört damit zum Grundauftrag benedikti- modelliert und in Geislingen an der Steige stellten Denkmal Platz, dahinter stellten
vorgetragen: Ist der nischen Lebens. Segnen, Gutes sagen und gegossen, fand sie zunächst ihren Ehren- sich rechts die Communität, links die Ob-
Weg des Ordensva- zusprechen (lat. bene-dicere), weil auch platz ungefähr in der Mitte der großen Wan- laten auf. P. Sebastian als Leiter der Ob-
ters, wie Papst Gre- ich mich als gesegnet, bejaht, beschenkt delhalle, die später einem Bauplatz für einen laten übergab zunächst eine Adresse mit
gor d. Große (*um erfahre. Dass wir auf dieses gute Wort, auf geplanten Werkstättenbau weichen musste. den Namen derselben, die Hülle fiel unter
540, † 604) ihn im den bedingungslosen Zuspruch angewie- 1933 bis 1936 war ihr Platz unter der Ter- Böllerschüssen; wir sangen eine Antiphon
2. Buch der Dialoge sen sind, wird mit Blick auf die vielfältigen rasse im mittleren Bogen unter dem Kleri- und Rms V. Erzabt sprach die Weihege-
nachzeichnet, doch Infragestellungen, mit denen sich Menschen ker-Rekreationsplatz. Nachdem sich der ge- bete. Dann hielt P. Sebastian eine kurze
nichts anderes als konfrontiert sehen und zu kämpfen haben, plante Werkstättenbau als nicht realisierbar Ansprache, um das Bild unseres hl. Vaters
die anschauliche existentiell erfahrbar – nicht erst in Coro- erwiesen hatte, ebnete man den Boden bei als Ausdruck der Segenswünsche der Ob-
Darstellung Beru- nazeiten. Zukunftsängste, Versagen und der Bibliothek ein und gestaltete dort eine laten darzustellen und für diese um V. Erz-
fungsdynamik – Schuld, Leistungsdruck und Erwartungen bescheidene Gartenanlage, in deren Mitte abts Segen zu bitten. Der Pontifikalsegen
dass da einer im (von außen und von innen und oft schon von dann die Statue wieder ihren Platz fand. und ein neu komponiertes Lied zum hl.
Vertrauen auf Kindertagen an), ein Krankheit – die Infrage- 1963 kam die Statue unter Erzabt Benedikt Vater Benediktus schlossen die kleine Fei-
Gottes Anruf stellung hat viele Stimmen. Der Segen setzt Reetz auf den weiträumigen Pfortenvorplatz. er. Die schöne, von Br. Fidelis modellierte
hin Familie, dem etwas entgegen und er gilt mir, dem Da sich im Laufe der Zeit viele Rostrisse ge- und in Geißlingen angefertigte Statue hat
Vaterhaus und konkreten Menschen – ganz persönlich. Im bildet hatten, wurde sie Ende der Achtziger einen herrlichen Platz: segnend blickt der
Heimat verlässt, Segensgestus – in den ausgebreiteten oder Jahre gebeizt. Ihren heutigen Platz nimmt hl. Vater hinaus in das anmutige Donautal,
sich auf den Weg auf den Kopf aufgelegten Händen oder auch sie nahe der Straße seit 2003 ein. Hier emp- sie ist von der Bahn und den umliegenden
macht und im im auf die Stirn gezeichneten Kreuz – be- fängt St. Benedikt nun als allzeit wachsamer Höhen aus sichtbar; ihre Errichtung war
Hören auf Gottes kommt diese Zuwendung einen leiblichen Hausvater gütig die von auswärts heim seit lange ein Wunsch des hochwürdigsten
Verheißung erfah- Ausdruck, wird sichtbar, spürbar und be- kommenden Mönche wie auch alle Gäste Vaters. Dieser empfing hierauf die anwe-
ren darf, dass sein rührt. PS und Besucher des Klosters.“ senden Oblaten im Sprechzimmer. […]
18 19St. Maurus im Felde B B
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Das „Tempelchen“ wird Die Fürstin war nach dem Tode ihres Ge-
mahls in ein Kloster in Rom eingetreten,
150 Jahre alt dort – einem Giftanschlag zufolge – schwer
erkrankt und dank des von einem Mönch er-
Foto FW teilten Maurus-Krankensegens geheilt wor-
den. Nachdem sie erfahren hatte, dass ihr
Geschehnisse und Geschichte, Beteiligte Am 25. Mai 1868 wurde der Grundstein von geistlicher Berater, Abt Prosper Guéranger
und Bedeutung seiner Existenz haben alle „St. Maurus im Felde“ gelegt. Nach den Plä- aus Solesmes in Frankreich, von einer töd-
Komponenten einer spannenden, ganz und nen des Haigerlocher Bildhauers Peter Lenz lichen Krankheit heimgesucht worden war,
gar außergewöhnlichen Kloster-Saga. Die – ab seinem Klostereintritt 1871 Pater De- hatte sie den Bau einer Kapelle zu Ehren des
Protagonisten: eine Fürstin, soeben in Rom siderius Lenz – erstellt und gemeinsam mit heiligen Maurus gelobt. Der Auftrag an Peter
einem Anschlag auf Leib und Leben ent- Jakob Wüger (P. Gabriel) und dessen Gehilfen Lenz markiert heute noch sichtbar die An-
kommen… Ihr Gelöbnis, dem geistlichen Fridolin Steiner (P. Lukas) ausgemalt, wurde fänge der Beuroner Kunstschule als einer ei-
Führer ein Kirchlein zu widmen, wenn Gott die Kapelle am 5. September 1871 vom Frei- genständigen Sakralkunst-Epoche, die über
ihm Genesung gewährt von seiner töd- burger Weihbischof Lothar v. Kübel geweiht. die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert
lichen Pocken-Krankheit… Der rastlose rund 70 Jahre der Kirchenkunst in aller Welt tet. Mein erster Gedanke war: Weshalb hat
Ihr Entstehen verdankt sie Fürstin Katharina ganz neue Akzente setzte. man hier so ein „griechisches Ding“ hinge-
Bildhauer, mit seinen Maler-Freunden auf
von Hohenzollern, die sich auf St. Maurus im setzt…. Lange schaute ich die Fresken der
der Suche nach neuen Formen christlicher Donaubogen auch ein Landhaus im Schwei- Das in Künstler- wie Kirchenkreisen aufse- Mauruskapelle an. Ergriffen war ich nicht,
Kunst… Eine atemberaubende Natur-Ku- zer Stil erbauen ließ. Die zweite Gattin des henerregende sakrale Kunstwerk wurde von aber voller Respekt für die Hand, die so Ed-
lisse aus Fels, Fluss und Flur, der Burgen Fürsten Carl von Hohenzollern-Sigmaringen Anfang an unterschiedlich beurteilt. Dazu les geschaffen hatte…. Auf dem Heimwege
und Kalkriffe das krönende Ausrufezei- – Stifterin des neuebesiedelten Klosters Beu Zitate des Malermönches Wilibrord Verka- schaute ich mich mehrmals um. Die Kapelle
chen setzen. ron – erfüllte mit dem heiligen Maurus ge- de in seiner Biografie „Die Unruhe zu Gott“: passte, genau betrachtet, doch sehr gut zur
widmeten Kirchlein ihr Gelöbnis. „Nachdem ich, ohne einem Menschen zu be- Landschaft, ja belebte sie wunderbar.“
gegnen, eine halbe Stunde die Donau entlang
gegangen war, tauchte die Kapelle plötzlich Mit seiner Würdigung des Bauwerks und sei-
aus dem Nebel auf. Sie war im Tempelstil ner Geschichte in einem Faltblatt für die Be-
gebaut. Ich hatte etwas ganz anderes erwar- sucher der Kapelle gibt Pater Albert Schmidt
uns seine Sicht wider: „Dieser Bau wurde
von Anfang an unterschiedlich beurteilt. Viel-
leicht verstehen wir ihn am besten, wenn wir
ihn ganz in die geistigen Strömungen des 19.
Jahrhunderts hineinstellen: er ist eher Denk-
mal als Kirche, mehr nach dem Vorbild des
antiken Tempels geplant als für die Bedürf-
nisse einer Gottesdienst feiernden Gemein-
de gedacht… Die Kapelle will das „Credo“
einer Kunsttheorie sein. Der kühne Traum,
durch diese Theorie die christliche Kunst von
Grund auf zu erneuern, hat sich nicht erfüllt;
so ist die Mauruskapelle das erste größere
Werk der Beuroner Kunstschule und zugleich
bereits ihr Höhepunkt.“ NG
20 21St. Maurus im Felde B B
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St.Martin
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zu Beuron zu Beuron
Über den Maurus-Segen
Der sogenannte Maurus-Segen ist, der Situation – im Fall des Maurus-Segens ist
Name deutet es an, mit der Gestalt des das die Erfahrung von Krankheit – im Se-
heiligen Mönches Maurus verbunden genswort zugesprochen wird.
(*500/512, † um 584). Dieser war, wie
Gregor d. Große in den Dialogen berich- Gerade im Kranksein erfährt der Mensch,
tet, einer der ersten Jünger Benedikts wie anfällig und gefährdet sein Leben ist.
und später wahrscheinlich als Nachfolger Krankheit reißt den Menschen aus dem Le-
des Mönchsvaters Abt von Subiaco (vgl. 2. ben der Gemeinschaft heraus und macht
Buch der Dialoge 3,14). Sein liturgisches ihn zugleich besonders der Gemeinschaft
Gedächtnis wird am 15. Januar gefeiert. bedürftig – die Pandemie lässt uns das ein-
drücklich erfahren. Im Krankensegen drückt
Die Tradition sieht im Mönch Maurus einen
die Gemeinschaft dem Kranken ihre Anteil-
geistbegabten Mann, den viele Menschen nahme und Nähe aus, möchte ihm Hoffnung
in seiner Zuwendung, seinem Gebet und machen und erbittet für ihn Heil und Wohl-
seinem Zuspruch als einen erfahren ha- ergehen von Gott. Wirkung des Segens kann
ben, der ausstrahlte und spürbar werden es auch sein, in versöhnter und guter Weise
ließ: Gott schenkt Heil, macht gesund und mit dem eigenen Schicksal umgehen zu kön-
ganz. nen und in diesem Sinne, trotz fortdauernder
Krankheit und Leiden, heiler zu werden. Der
Der Thaumaturg, der Wundertäter, wird Mau- Krankensegen, so sehr er auf Gottes Güte
rus genannt, und bis heute verbindet sich die und Wirkmacht vertraut, ist kein Zaubertrick;
Spendung des Maurus-Krankensegens, der und so sehr er das Heilwerden des einzelnen
insbesondere im benediktinischen Umfeld im Blick hat, geht es dabei doch nicht um
gepflegt wird, mit dem Vertrauen auf die Für- – wenn auch fromme – Selbstbezogenheit Ölgemälde an der nördlichen Seitenwand dich glauben, hat er Heil und Leben verhei-
sprache und Solidarität dieses großen Bru- und Selbstgenügsamkeit. Der Segen, den unter der Empore der Abteikirche mehrfach ßen. Deshalb bitten wir voll Zuversicht: Se-
ders im Glauben. Die Kreuzreliquie, die beim der Mensch für sich empfängt, der ihm oder präsent gehalten wird, will in diesem Sinne gne + N.N. und lass ihn/sie nicht allein. Sei
Segen gewöhnlich verwendet wird, ist dabei ihr zugesprochen und zu Teil wird, will den beides: Zuspruch, Ermutigung und Stärkung ihm/ihr nahe, wenn er/sie mutlos wird. Stär-
mehr als ein frommes Accessoire oder ein Gesegneten befähigen, auch selbst Segen für den konkreten Menschen in einer exi- ke auf die Fürsprache des heiligen Maurus
Wunderding, das der geistlichen Handlung zu spenden, Segen zu leben, Segen zu sein stentiell schwierigen Lage und Zuspruch, Er- seine/ihre Hoffnung auf Besserung und Hei-
größere Kraft verleiht. Sie macht deutlich, – für andere. All das ist angesichts der ak- mutigung und Stärkung, die eigene Berufung lung. Mehre seinen/ihren Glauben an dich,
dass alles Heil und aller Segen – das unbe- tuellen Pandemie von großer Bedeutung und als Gesegnete(r) neu zu entdecken und zu dem nichts unmöglich ist. Bewahre ihn/sie
dingte und unüberbietbare Ja, das Gott dem wird von unzähligen Menschen auf meist leben. PS in deiner Liebe, die sichtbar geworden ist in
Menschen, jedem einzelnen, mir zuspricht, – selbstverständliche und unspektakuläre Wei- deinem Sohn Jesus Christus, der mit dir lebt
seinen Grund und seinen tiefsten Ausdruck se ganz konkret gelebt – den Menschen zum Barmherziger Gott, wir vertrauen auf dich. und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.
im Kreuz Jesu, in seiner Hingabe aus Liebe, Segen. Die Feier des Maurus-Krankensegens Aus Güte und Menschenfreundlichkeit hast
gefunden hat. Jeder Segen ist Zeichen und in Beuron, wo das Gedächtnis des heilige du deinen Sohn als Erlöser und Heiland in Text Maurus-Segen nach: Monastisches Rituale, hrsg.
Aktualisierung der Liebe, die Gott ein für alle Maurus mit dem Patronat der Maurus-Ka- die Welt gesandt. Er hat Kranke geheilt und von der Salzburger Äbtekonferenz, EOS Verlag, 1988.
Mal geschenkt hat, und die jetzt dem kon- pelle, mit dem ihm geweihten rechten Sei- sich der Notleidenden erbarmt. Denen, die an - S. 219f.
kreten Menschen in einer ganz konkreten tenaltar der Gnadenkapelle und dem großen
22 23Menschen B
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zu Beuron
Die Beuroner Oblaten von P. Franziskus Berzdorf bens. Man muß nicht weiter begründen, daß
dies kein Thema für die weitere Öffentlich-
Was sind Oblaten? Es sind Männer und Das heutige Siegel der Beuroner Oblatengemein- keit ist.
Frauen, die ihr Leben nach der Regel des schaft. Es wurde von Pater Andreas Oberländer
Frauen, Priester und Laien, berufstätig oder
hl. Benedikt ausrichten wollen, obwohl sie gestaltet. (Der älteste Mitbruder der Beuroner Ein wesentlicher Unterschied zu Vereinen,
Mönchsgemeinschaft ist am 9. März diesen Jah- nicht mehr im Arbeitsleben stehend) ganz
nicht im Kloster leben. Das klingt wider- etwa dem Verein der Freunde der Erzab-
res verstorben. s. S. 29) verschieden. Danach wird sich auch die Art
sprüchlich, ist es aber nicht. Jeder Christ tei St. Martin zu Beuron, ist, daß man nicht
und Weise richten, wie ein Oblate seinen
muß ja seine Art und Weise finden, wie er Mitglied einer Oblatengemeinschaft werden
Glauben lebt. Es gibt Oblaten, vor allem äl-
ten zu halten, die weiter weg wohnten. Seit kann durch einfachen Beitritt. Man wird Ob-
die Nachfolge Christi ganz persönlich ge- tere, die mehr oder weniger das gesamte
dem II. Vatikanischen Konzil bilden die Obla- late nach einer längeren Probezeit und mit
staltet, wenn er denn wirklich als Christ le- Stundengebet der Mönche und Nonnen für
ten untereinander eine Gemeinschaft, auch der Begleitung durch den Oblatenrektor. Die-
ben will. Oblaten eines Benediktinerklosters se Probezeit ist dem Noviziat eines Mönches
sich privat übernehmen und sich manch-
orientieren sich bei ihrem konkreten Ver- wenn jeder Oblate sich unabhängig von den mal auch in der Zeitwahl ganz nach dem
anderen an sein Kloster bindet. Verantwort- nachgebildet. In dieser Zeit soll man z.B.
such der Nachfolge Christi an der Regel des Beuroner Tageslauf ausrichten. Andere Ob-
lich für die Gemeinschaft ist der sogenannte lernen, einen Zugang zu den Psalmen zu
hl. Benedikt. Diese Regel enthält natürlich laten, die im Beruf stark beansprucht sind,
„Oblatenrektor“. Dies war viele Jahre lang P. finden; ihr reicher Inhalt erschließt sich ja
viele Regelungen, die nur Mönche in einem die mehrere Kinder haben, o.ä., werden froh
Martin Kreuzburg; seit Oktober 2020 ist dies nicht unbedingt beim einfachen Lesen. Eine
Kloster betreffen, aber sie spricht ebenso sein, wenn sie sich mit einer einzelnen Ge-
P. Franziskus. gewisse Kenntnis der Bibel insgesamt sollte
an vielen Stellen ganz allgemein mensch- betszeit am Tage der klösterlichen Gemein-
hinzukommen, dann auch der Ordensge-
liche Fragen an – und daran kann man sich schaft innerlich verbinden können.
Die meisten Benediktinerklöster haben Ob- schichte. Weiters wird man sich mit der Re-
als „Christ in der Welt“ orientieren. latengemeinschaften, jedenfalls in Deutsch- gel des hl. Benedikt beschäftigen, mit ihrer
Viele Oblaten engagieren sich im Leben
land; dabei nehmen einige Klöster auch Entstehung, aber auch der Frage, wie man
Oblaten gibt es in Beuron schon seit 1885. evangelische Christen als Oblaten an. Be- ihrer Pfarrei oder arbeiten bei einem sozia-
zeitbedingte Regelungen heute sinnvoll in-
Damals kamen sie zunächst vorrangig aus nediktinerklöster in aller Welt verzeichnen len Projekt mit, soweit dies von ihrem Alter
terpretieren kann.
der näheren Umgebung. Seit dieser Zeit ver- wachsende Zahlen in ihren Oblatengemein- her möglich ist. Benediktinerklöster wollen
sammeln sie sich in Beuron, später auch an schaften – und unterscheiden sich damit mit den Oblaten ja keine „Ersatzmönche“
In den letzten Jahrzehnten mehren sich die
anderen Orten zum gemeinsamen Gebet, zu von den Konventen. Andere Orden kennen oder „Ersatznonnen“ rekrutieren, die sich
Wünsche von Christen, Oblaten zu werden,
Vorträgen und geistlicher Fortbildung sowie ebenfalls Laiengemeinschaften, die an Klö- aus ihren Pfarreien zurückziehen, sondern
die mehr oder weniger lange Zeit ihren
zum persönlichen Austausch. Ab 1918 wur- ster angeschlossen sind und die jeweilige im Gegenteil die Oblaten zu einem bewußt
Glauben nicht mehr praktizierten, dann aber
den „Beuroner Oblatenbriefe“ vom Kloster Spiritualität im Alltag zu leben suchen. Der christlichen Leben befähigen und stärken.
zurückfanden und jetzt diesen Glauben ver-
aus versendet, um den Kontakt zu den Obla- bekannteste „Drittorden“ ist vermutlich der- Dies gilt insbesondere heute, wenn die pfarr-
tiefen wollen. Konnte man in früheren Zeiten
lichen Strukturen dünner werden und nicht
jenige der Franziskaner. War es von einem Grundwissen ausgehen, vermit-
mehr den Halt wie in früheren Zeiten bieten
zu bestimmten Zeiten für einen telt durch den Religionsunterricht und den
können.
praktizierenden Christen üblich, gelebten Glauben der Eltern und in der Fami-
zu einer frommen Bruderschaft lie, ist dies heute so nicht mehr gegeben. Der
Die Beuroner Oblatengemeinschaft zählt
zu gehören, einem Drittorden Unterricht vor der Oblation kann somit auch
derzeit 67 Oblaten. Zwei sind in der Probe-
o.ä., ohne daß man dies nach au- dazu dienen, Lücken beim Glaubenswissen
zeit, dazu kommen einige Interessenten. Nä-
ßen hin erkennen ließ, so ist diese zu schließen.
here Informationen zur Oblatengemeinschaft
Zurückhaltung heute nicht mehr
gibt P. Franziskus: Tel. 07466/17-0, e-Mail:
üblich. Allerdings wird man sein Eine oft gestellte Frage ist, „was man denn
franziskus@erzabtei-beuron.de
Oblate-Sein auch heute nicht an als Oblate tun müsse“. Es ist fast unmöglich,
die große Glocke hängen. Es ist diese Frage zu beantworten, sind doch die P. Franziskus Berzdorf, ist Sekretär der Beuroner Kon-
Diese anschauliche Grafik zierte in den Zwanziger Jahren die ein persönlicher Schritt zur Ver- Lebensverhältnisse der einzelnen Oblaten gregation und war von 1997 bis 2017 Oblatenrektor in
Titelseite der Beuroner Oblatenbriefe. tiefung des eigenen Glaubensle- (verheiratet oder alleinstehend, Männer und Maria Laach und seit Oktober 2020 in Beuron.
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