Betriebs-übergabe - Report (+) PLUS
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05 Ausgabe 2019
16. Jahrgang
betriebs-
übergabe
Die Regelung der Nachfolge ist für jedes
Unternehmen eine kritische Angelegenheit –
egal ob sie innerhalb der Familie oder an
Außenstehende erfolgt.
24 30 34
Datenschutz E-Mobility cool stuff
Ein Jahr DSGVO – was zeigt die Was sich in Österreich und im Rest Alles, was schön ist und Spaß
Praxis? Europas tut. macht – Outdoor-Special.inhalt >
Ein Wort vom REport Plus das unabhängige Wirtschaftsmagazin
Al fon s F l ats ch e r kopf des monats. IFN-Chefin Anette Report(+)plus-umfrage. War die
Herausgeber 4 Klinger ist WU-Managerin 2019. 10 Aufregung um die DSGVO übertrieben?
Kurz & Brüssel
Wer zwei Koalitionen innerhalb
> von zwei Jahren in die Luft
sprengt, darf sich nicht wundern,
wenn er am Ende ohne Mehrheit im
Parlament dasteht. Das tut nur
jemand, der entweder das Spiel nicht
beherrscht oder schlicht und einfach 3
ein ganz anderes Spiel spielt.
Die Frage, wie es in Österreich wei-
tergeht und welche Koalitionen er bil-
den kann, könnte für Sebastian Kurz
aber völlig irrelevant sein. Bis dahin
will er längst nach Brüssel entschwun-
12 24
die zügel weitergeben Ein Jahr DSGVO
den sein – und zwar als Kommissions-
präsident. Der Ballhausplatz ist nur Die rechtlichen und wirtschaftlichen Die Datenschutzgrundverordnung ist
eine Zwischenstation. Der Präsident Fragen einer Betriebsübergabe sind oft seit einem Jahr in Kraft. Report(+)PLUS
leichter geklärt als die persönlichen. zieht Bilanz.
der Europäischen Kommission wird in
der Regel aus der Riege der ehemali-
gen Regierungschefs besetzt. E-Mail aus Übersee. Bauen verbin- »Einfachere Ladeinfrastruktur.«
Kurz hat jetzt die erste Möglich- 08 det. Vielleicht. 32 Ute Teufelberger im Interview.
keit ergriffen, um loszuwerden, was
seine Brüssel-Pläne völlig unmöglich »Man muss mental stark sein.« Ivica Cool Stuff. Was schön ist und Spaß
18 Vastic im Interview. 34 macht – das Outdoor-Special.
gemacht hätte: den strengen Geruch
der Rechtspopulisten. Als Chef einer Ein Thema, das alle betrifft. Nachle- Mitten im Achten. Das Fleming’s Se-
Regierung mit der im europäischen 22 se zum Rohstoffsymposium 2019.
36 lection Hotel setzt auf Nachhaltigkeit.
Abseits stehenden FPÖ wäre der
europäische Aufstieg bestenfalls ein Elektromobilität. Was sich in Öster- Satire. Am Limit. Ein Lamento von
30 reich und im Rest Europas tut. 38 Rainer Sigl.
ambitionierter Traum geblieben.
Jetzt erntet er Applaus aus Berlin
und Paris und wird als Drachentöter
gefeiert. Als die FPÖ-Minister ihre IMPRESSUM
Sachen packten, um die Büros zu Herausgeber/Chefredakteur: Dr. Alfons Flatscher [flatscher@report.at] Verlagsleitung: Mag.
räumen, rief er sie an und bedankte Gerda Platzer [platzer@report.at) Chef vom Dienst: Mag. Bernd Affenzeller [affenzeller@
sich für die gute Zusammenarbeit. report.at] Redaktion: Mag. Angela Heissenberger [heissenberger@report.at], Martin Szelgrad
Vielleicht werde man ja nach der Wahl [szelgrad@report.at] AutorInnen: Valerie Hagmann, Mag. Karin Legat, Mag. Rainer Sigl
Layout: Report Media LLC Produktion: Report Media LLC, Mag. Rainer Sigl Druck: Styria
das Projekt fortsetzen, sagte er.
Medieninhaber: Report Verlag GmbH & Co KG, Lienfeldergasse 58/3, A-1160 Wien
Als Rückversicherung, für den Fall Telefon: (01) 902 99-0 Fax: (01) 902 99-37 E-Mail: office@report.at
dass er mit seiner geheimen Brüssel- Web: www.report.at
Agenda einen Bauchfleck landet.
www.report.at 05 - 2019 >>
Was brisant ist und
was sie wissen mÜssen
kurz
Zitiert
»Der Brexit wird
niemanden, der gut
vorbereitet ist,
komplett aus der
Bahn werfen.«
Finanzprofis haben den
möglichen Austritt längst am
Radar, meint Christian
Nemeth, Zürcher
Kantonalbank Österreich,
»Es gibt kein Wunder-
mittel zur Beeinflus- Kopf des Monats
sung von Konsumen-
ten. Es geht immer um
Relevanz und Glaub- fest in
4
würdigkeit.«
Integral-Geschäftsführer
Bertram Barth stimmt die
familienhand
Selbstinszenierung von
Influencern nachdenklich. Seit 20 Jahren leitet Anette Klinger in dritter Generation die
international tätige IFN-Unternehmensgruppe, die vor allem für
»Best Ager sind erheb- die Marke Internorm bekannt ist. Nun wurde die Unternehmerin
lich zufriedener und als »WU Managerin des Jahres 2019« ausgezeichnet.
motivierter als alle an- VON ANGELA HEISSENBERGER
deren Altersgruppen.«
ArbeitnehmerInnen über 50
sind wichtige Leistungsträge-
> 1997 überreichte Eduard Klinger
jun. bei der Weihnachtsfeier seiner
system, das den Ansprüchen der Kunden
nach wartungsfreien Holzfenstern ge-
rInnen, meint Ingrid Rattinger, Nichte symbolisch den Firmenschlüssel. recht wird. Die Expansion nach Osteuro-
Managing Partner bei EY Anette Klinger war damals gerade 28 und pa erlebte Eduard Klinger nicht mehr mit.
Österreich.
hatte ihr Studium der Handelswissen- 2002 wurde das Internationale Fen-
schaften abgeschlossen. »Die Nachfolge sternetzwerk IFN als Dachgesellschaft
»Die dauernde Be- im Familienunternehmen anzutreten, für spezialisierte Unternehmen gegrün-
schäftigung mit war die bisher mutigste Entscheidung, det, um Wissenstransfer und Innovatio-
Awards zwingt dich, im die ich jemals fällen musste, ist diese doch nen voranzutreiben. Zukäufe u.a. in der
Training zu bleiben.« mit einer enormen Verantwortung ver- Slowakei, die Beteiligung am dänischen
Neue Trends und Technologi- bunden«, erinnert sich die Unternehme- Fensterhersteller Kastrup und der Markt-
en halten ganz schön auf Trab,
findet Serviceplan-Manager rin. Gemeinsam mit ihren Cousins Chris- eintritt in Skandinavien folgten. Anette
Vincent Schmidlin. tian Klinger und Stephan Kubinger Klinger steht als Geschäftsführerin der
zeichnet sie seither für die Geschicke des IFN Beteiligungs GmbH, angesiedelt in
»Mein ganzes Leben Konzerns verantwortlich. der neuen Konzernzentrale in Traun,
war so etwas wie ein Der Ursprung des Unternehmens geht 3.680 MitarbeiterInnen vor. 2018 erziel-
auf eine 1931 von Eduard Klinger sen. ge- te das Unternehmen 546 Millionen Euro
Spiel. Ich bin immer
gründete Bau- und Konstruktionsschlos- Umsatz. Die Managerin will vor allem
Risiken eingegangen, serei zurück. Ab 1966 erzeugte der Lin- Frauen ermutigen, sich Führungspositio-
Fotos: Internorm
da brauche ich kein zer Betrieb unter der Marke »Internorm« nen zuzutrauen: »Niemand ist als Exper-
Glücksspiel.« Kunststofffenster. 1997 entwickelte die te geboren. Man lernt nur durch Versuch
In memoriam Niki Lauda. Firma ein neuartiges Holz/Alu-Fenster- und Erfolg oder Versuch und Irrtum.«
> 05 - 2019 www.report.at| AT12-10G |
AKUT >
Der Servomotor AM8000
integriert das Feedbacksignal
in das Standard-Motorkabel.
Franz Weis, Comgest: »Keine kurzfristigen Wetten mit hoher
Fehlerwahrscheinlichkeit.«
Langfristige
Investments
Die Fondsgesellschaft Comgest wählt ihr
Portfolio nicht nach politischen oder makro- www.beckhoff.at/AM8000
ökonomischen Faktoren, sondern setzt auf
Mit der Beckhoff „One Cable Technology“ (OCT) lassen sich Material-
nachhaltige Wertschöpfung. und Inbetriebnahmekosten deutlich reduzieren: Die neuen Servomo-
toren AM8000 kombinieren Power- und Feedbacksignale in einem
> »Vertrauen Anleger weiterhin auf europäi-
sche Aktien?« Dieser Frage ging die internatio-
Standard-Motorkabel. Damit sind sie ideal zur Konstruktion kompakter
und leichter Maschinen geeignet. Die AM8000-Serie verfügt über
nale Fondsgesellschaft Comgest im Mai bei einer
ein optimales Verhältnis von Dreh- zu Trägheitsmoment sowie hohe
Veranstaltung in Wien nach. »Die politische und
Energieeffizienz und niedrige Lifecycle-Kosten. Die Entwicklung und
wirtschaftliche Lage in Europa bleibt höchst unsi-
Produktion in Deutschland garantiert – neben hoher Verfügbarkeit
cher«, kann Franz Weis, Portfoliomanager und
und Flexibilität – eine konstant hohe Qualität:
Teamleiter Europa-Aktien bei Comgest, vorerst keine
6 Baugrößen mit einem Stillstandsdrehmoment von 0,5 – 90 Nm
Entwarnung für Störgeräusche auf den Märkten
Geringe Verlustleistung durch neues Wicklungskonzept
geben. Unternehmen, die in den Comgest-Fonds
und Statorvollverguss
vertreten sind, erwarten für 2019 trotz der gesamt-
Bis zu 5-fache Überlastfähigkeit
wirtschaftlichen Herausforderungen ein stabiles
Bis zu 50 % höhere Kugellagerbelastung
Gewinnwachstum von 7 bis 8 %, vielfach sogar im
50 % längere Betriebsdauer (30.000 h)
zweistelligen Bereich.
Pulverbeschichtetes Gehäuse
»Wir halten nach Geschäftsmodellen mit über-
Integrierter Temperatursensor
durchschnittlicher Vorhersehbarkeit Ausschau«,
Elektronisches Typenschild
erklärte Weis. Beispiele für nachhaltige Wachstums-
Energiesparende, spielfreie Permanentmagnet-Haltebremse
treiber sind etwa Ambu, ein dänischer Anbieter
von Einwegprodukten für Krankenhäuser, oder das
Schweizer Unternehmen Straumann, Weltmarktfüh-
rer bei Zahnimplantaten. Auch Amadeus aus Spa-
nien, Technologieführer für Flugbuchungssysteme,
gewinnt stetig Marktanteile.
Die Auswahl der Unternehmen erfolgt nach stren-
gen Qualitätskriterien. Titel, die z.B. durch Änderung
des Geschäftsmodells oder Wechsel im Management
Foto comgest
nicht mehr den Erwartungen entsprechen, werden
verkauft oder reduziert.
www.report.at 05 - 2019 >> AKUT
Kreislauf
buchTIpp
Nachhaltige Tuben
Mit Herz und
Daniela Chirkova: »Viele Banken
Seele stehen vor einer strategischen
Pünktlich zum Start der Grill-
saison ließ der österreichi-
Transformation.«
> Es sind nie ge- sche Senfproduzent Mautner
hörte Berufsbe- Markhof seine Verpackungen
zeichnungen, die von den Circular-Design-Ex-
beim Lesen die- pertInnen der Altstoff Recy-
ses wunderschön cling Austria (ARA) hinsicht-
gestalteten Bu- lich Ressourcenschonung
ches Staunen ma- untersuchen. »Mindestens
chen: Federkiel- ebenso wichtig wie ›Design
sticker, Steinkugel-Mahler for Recycling‹ ist ›Design from
oder Zuckerbläser. Sie be- Recycling‹, um den Einsatz
herrschen ein Handwerk, von Recyclingmaterial signi-
das langsam in Vergessen- fikant zu steigern – und das
heit gerät. Manche zählen bei voller Funktionalität und
zu den letzten VertreterIn- Attraktivität der Verpackung«,
nen ihrer Zunft, wie der sagt ARA-Vorstand Christoph
Kupferstecher Thomas
Schmidt oder Margarethe
Bankeninsel der Scharff.
Überprüft wurde das Verhal-
und Franz Mörzinger, die
eine Waldviertler Papier-
Seligen ten der Verpackung im auto-
matischen Sortierprozess, die
mühle am Leben erhalten. Die heimischen Banken verzeichnen noch Gewinne. stoffliche Verwertbarkeit der
Materialien sowie mögliche
6 Oftmals liegen interessan- Das Filialsterben ist aber nicht mehr aufzuhalten.
Verbesserungen zur Ressour-
te Lebenswege hinter den
Protagonisten. So verzich- > Trotz steigender Erträge schrumpft das Filialnetz der
Banken jährlich um zwei bis drei Prozent, auch die Mitar-
censchonung.
Schon jetzt beträgt die durch-
tete die Juristin Barbara
beiterzahl sinkt. Der »Retail Banking Radar« der Management- schnittliche Recyclingfähig-
Schmidt auf die Karriere
und webt seither Teppiche. beratung A.T. Kearney weist zwar ein Allzeithoch bei den Ge-
Unzählige Arbeitsstunden winnen auf, dieses ist jedoch auf das positive wirtschaftliche
und Handgriffe sind nötig, Umfeld und die geringeren Risikokosten zurückzuführen. Die
bis ein Werkstück entsteht Erträge stagnieren oder entwickeln sich in einigen großen
– die Mühsal wird in den Märkten sogar rückläufig.
Geschichten und Fotos Die Analyse stützt sich auf die Daten von 92 Privatkunden-
nachvollziehbar. banken in 22 europäischen Ländern. Studienautorin Daniela
Die nostalgische Reise Chikova, Partner Financial Services bei A.T. Kearney Österreich,
beginnt in der Vergangen- zieht eine durchwachsene Bilanz: »Der Bankensektor ist heute
heit, doch sie führt in die stärker als vor zehn Jahren, aber stagniert, was Profitabilität
Zukunft. Denn unter den und Kosteneffizienz betrifft. Viele Banken stehen vor einer stra-
Porträtierten sind auch ei- tegischen Transformation.« Seit der Krise mussten europaweit
nige junge Menschen, die 24,6 % der Banken schließen. In den nordischen Ländern ver-
ihr Handwerk als ihre Beru- schwand bereits jede zweite Filiale. Diese Marktkonsolidierung
fung sehen, obwohl es nicht werde sich weiter fortsetzen, so Chikova: »Jede zehnte Bank Jürgen Brettschneider, Mautner
wird in den nächsten fünf Jahren schließen.« Markhof, freut sich über eine
immer »goldenen« Boden Recyclingfähigkeit von 80 % und
hat. Ein faszinierender Ein- In Österreich stellt sich dieses Szenario noch weniger dra-
will weiter optimieren.
blick, ein Plädoyer gegen die matisch dar. Mit einem Ertragsplus von 7,2 % sind die heimi-
Wegwerfgesellschaft – ab- schen Banken einer der wenigen Ausreißer des Trends. Chikova keit der Aluminium-tuben von
solut lesenswert. spricht von einer »Bankeninsel der Seligen« in Österreich, aller- Mautner Markhof rund 80 %,
dings sei die Situation trügerisch. Bisher habe nur die Bawag zeigt sich Jürgen Brettschnei-
Fotos: Konstantin Reyer, AT Kearne
> Achim Schneyder: Das ihre Kostenstruktur verbessert. Dazu komme die wachsende der, Geschäftsführer von
große Buch vom Handwerk. Konkurrenz durch »Neobanken« wie Revolut, Monzo oder das Mautner Markhof, erfreut:
Fast vergessen, neu entdeckt österreichische Start-up N26: »In den nächsten fünf Jahren »Nun werden alle ausgear-
Servus Verlag 2018 werden 50 bis 85 Millionen Kunden zu Neobanken wechseln. beiteten Optimierungsmög-
ISBN: 978-3-710-40170-1 Um im Privatkundengeschäft bestehen zu können, müssen sich lichkeiten geprüft. Eine kleine
traditionelle Banken den vielfältigen, neuen Bankangeboten auf Steigerung könnte noch mög-
dem Markt stellen.« lich sein.«
> 05 - 2019 www.report.atAKUT >
Nische mit »viel Potenzial« Technologie
Der österreichische E-Government- und Cloud-Dienstleister Fabasoft
erwirbt die Mehrheit an dem deutschen Softwarespezialisten Xpublisher Startschuss für
Chip-Forschung
mit dem Ziel, Publishing- und Cloud-Werkzeuge sicher zu verknüpfen.
Fabasoft hat einen Kauf- und Beteili- 26 Partner aus neun Ländern
> gungsvertrag über den Erwerb von 60 % forschen unter der Leitung
der Geschäftsanteile an dem Münchner Unter- von Infineon Austria in den
nehmen Xpublisher abgeschlossen. Die Fa- kommenden drei Jahren an
basoft-Manager Helmut Fallmann und Walter der nächsten Energiespar-
Schill wollen die Xpublisher-Geschäftsführung chip-Generation basierend
auf dem neuen Halbleiter-
beratend unterstützen sowie das Unterneh-
material Galliumnitrid (GaN).
men mit entsprechend finanziellem Back-
Dieses Material kann Strom
ground auf eine europäische Cloud-Ebene hie-
weitaus effizienter wandeln
ven, betont Fabasoft-Gründer Fallmann
als bisher, wodurch der CO2-
gegenüber dem Report. Die Xpublisher-
Fußabdruck deutlich mini-
Gesellschafter rund um CEO Matthias Kraus
miert wird.
halten weiterhin 40 % der Unternehmensan-
Helmut Fallmann geht mit Fabasoft eine strategische Ziel ist es, diese Leistungs-
teile und werden die Expansion des Soft- halbleiter zu wettbewerbsfä-
Mehrheitsbeteiligung bei dem deutschen Crossmedia-
warespezialisten in Europa und Nordamerika Spezialisten Xpublisher ein. higen Kosten für eine Vielzahl
vorantreiben. von Anwendungen bereitzu-
Xpublisher hat im Jahr 2018 mit rund 25 Cloud-Plattform angeboten. »Damit wird für stellen. »Neue Materialien
Mitarbeitern einen Umsatz von 1,7 Mio. Euro Teams die gemeinsame Arbeit an Inhalten auch und effiziente Chiplösungen
erwirtschaftet. Das Unternehmen ist auf mit allen Vorgaben von Compliance und Gover- spielen dabei eine Schlüssel-
durchgängige Publishing-Werkzeuge für Print nance möglich«, sieht der Fabasoft-Manager rolle«, erklärt Sabine Her-
und Online spezialisiert. Man fokussiert damit die deutsch-österreichische Zusammenarbeit litschka, Vorstandsvorsitzen-
auf Verlagshäuser, Inhalte effizient und ohne als Alternative zu den Collaboration-Sets der 7
de der Infineon Technologies
Medienbrüche in unterschiedlichen Vertriebs- US-dominierten Anbieterszene wie beispiels- Austria AG. »Wir bündeln die
kanälen zu publizieren. weise Google. Zudem soll künftig die Such- Kräfte sowohl inhaltlich wie
Der browserbasierte XML-Editor »Xeditor« maschinen-Technologie der Fabasoft-Tochter auch finanziell.«
soll nun in die Produktpalette der E-Govern- Mindbreeze weitere Funktionalitäten für Xpu- Mit einem Volumen von 48
ment- und Cloud-Palette der Österreicher blisher beisteuern. Fallmann spricht von einer Millionen Euro zählt Ultima-
integriert werden. Gleichzeitig wird das Xpu- »strategischen Dimension« des Deals der bei- teGaN zu einem der größten
blisher-Redaktionssystem künftig auch als den Unternehmen und einer »wunderschönen europäischen Forschungspro-
Software-as-a-Service auf einer europäischen Nische mit viel Potenzial«. jekte.
Disruption als treibende Kraft
Umbrüche und damit verbundene Herausforderungen standen im Mittelpunkt
der 17. Country Risk Conference von Coface.
230 Gäste kamen am »Durch disruptive Prozes-
> 22. Mai ins Novomatic
schließenden Diskussion
die Macht der Disruption in se kann Neues entstehen.« In der Podiumsdiskussion zum
Forum zur Jahreskonferenz Frage: »Wenn wir so viele Franz Schellhorn, Agenda Thema »Mythos Disruption«
des Kreditversicherers Co- angeblich disruptive Ver- Austria, relativierte: »Die gingen die Meinungen der
ExpertInnen auseinander.
face. Bestseller-Autor Dirk änderungen haben, warum Garantie, dass ein neues Pro-
Müller kam in der Keynote stehen wir dann vor einer dukt in zehn Jahren noch re- mit diesen Risiken deutlich
gleich auf »die größte Wirt- Rezession?« Für FoodNotify- levant ist, gibt es nicht.« zugenommen. Die finale In-
schaftskrise aller Zeiten« zu Gründer Thomas Primus ist Declan Daly, CEO Co- spiration lieferte der norwe-
Fotos: Milena Krobath, leadersnet.at/A.Felten
sprechen und kritisierte die Disruption ein »natürlicher face in CEE, nannte als die gische Wirtschaftsphilosoph
passive Rolle Europas. Präsi- Prozess«: »Der Versuch vier großen Risikofaktoren Anders Indset: »Wir haben
dent Trump sitze als Einziger dagegen anzukämpfen, ist die politische Situation, das heute mehr Experten und
im »Driver's Seat«: »Niemand ziemlich aussichtslos und Aufkommen des Protektio- weniger Antworten. Projekte
weiß, was er macht.« kostet Energie.« Christina nismus, die Auswirkungen sind die neuen Chefs.« Er er-
Michael Tawrowsky, Wilfinger, Geschäftsführerin der Technologie und die mutigte, neue Fragen zu stel-
Country Manager Coface von Microsoft Österreich, globale Verschuldung. Die len: »Wir brauchen ein ›Why‹
Austria, stellte in der an- hob das Positive hervor: Zahl der Insolvenzen habe im Leben.«
www.report.at 05 - 2019 >> aus übersee
Bauen verbindet.
Vielleicht...
Von Alfons Flatscher, New York
Washington ist paralysiert. Das Klima ist völlig vergif-
tet, Demokraten fahren schwere Geschütze gegen Prä-
sident Donald Trump auf. Aber über ein Thema gibt es
konstruktive Gespräche: die Infrastruktur.
>
Ende April waren die Spitzen der gestellten Mittel und erst dann über die zu
Demokratischen Partei zu einem verwirklichenden Projekte geredet wird.
seltenen Besuch im Weißen Haus. Prompt kommt Kritik – unter anderem
Und anders als sonst zeigte sich Nancy Pelosi, auch von Mick Mulvaney, dem Stabschef des
die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Präsidenten, der öffentlich erklärte, dass in
ziemlich angetan: Es sei überraschenderwei- Woher die zwei Washington zurzeit jedes Projekt schwierig
se ein sehr konstruktives Gespräch gewesen. Billionen kommen umzusetzen sei und eines dieser Größenord-
Thema war ein Plan, die darniederliegende nung erst recht.
US-Infrastruktur zu modernisieren. Straßen, sollen, steht in den Über Twitter rüffelte Trump seinen Mit-
Brücken, Eisenbahnlinien, Flughäfen sind in Sternen. arbeiter: »Natürlich ist der Infrastruktur-Plan
einem erbärmlichen Zustand. Die Dämme in nicht einfach umzusetzen, vor allem deshalb
8
New Orleans wurden nach dem katastro- nicht, weil wir in den vergangenen 19 Jahren
phalen Sturm Kathrina im Jahr 2005 nur not- erstaunliche sieben Billionen im Mittleren
dürftig repariert und ein großer Teil des Osten ausgegeben haben. Ich bemühe mich
Stadtgebietes ist immer noch hochgradig ge- ernsthaft um einen überparteilichen Plan …«
fährdet. Der erste Gegner dabei sind die Konser-
Im Jahr 2012 verwüstete der Sturm San- vativen, die argumentieren, das aus allen Fu-
dy die Küstengebiete von New Jersey und gen geratene Defizit erlaube keine derartigen
New York. Bis heute ist die Bahnverbindung Ausgaben – und Steuererhöhungen kämen
zwischen beiden Bundesstaaten nicht voll- auf keinen Fall infrage. Zumindest nicht,
ständig wieder instandgesetzt. wenn es um Körperschafts- und Einkom-
Das Kanalisationssystem in Detroit, die menssteuern geht. Die wurden erst deutlich
U-Bahn in Los Angeles, der Hudson Tunnel gekürzt und das als großer Erfolg verkauft.
in New York, der Flughafen in Chicago, der Das sehen die Demokraten natürlich anders
Verbindungszug am Flughafen LaGuardia, und wollen die erst eingeführten Steuerer-
das Stromnetz in New England, die Hochge- leichterungen ersatzlos streichen. Ein Kom-
schwindigkeitsbahnlinien in Texas und zwi- promiss scheint hier schwer möglich.
schen Las Vegas und Kalifornien stehen ganz Worauf man sich vermutlich rasch eini-
oben auf der Liste der strategisch dringend gen könnte, hat das Congressional Budget
notwendigen Projekte. Office (CBO) aufgezeigt: die Treibstoffsteu-
Die Experten des Center for American er. Sie liegt im Moment bei fünf Cent pro Li-
Progress schätzen allein den Investitions- ter Benzin und eine Verdoppelung brachte
rückstau auf 1,5 Billionen. Das müsste aus- schon einmal rund 500 Milliarden US-Dollar
gegeben werden, um aufzuholen, was in den über zehn Jahre.
vergangenen 30 Jahren versäumt wurde. In- Woher die restlichen 1, 5 Billionen kom-
vestitionen in die Infrastruktur der Zukunft men sollen, steht allerdings in den Sternen.
gar nicht eingerechnet. Die beiden Parteien haben sich zu sehr in
Es muss dringend Geld in die Hand ge- ihren ideologischen Schützengräben ver-
nommen werden, nur um den Verfall zu schanzt. »Keine neuen Steuern!« ist der
stoppen. Das wissen alle Seiten. Schlachtruf der Republikaner und die De-
Zwei Billionen US-Dollar sollen bereit- mokraten erwidern: »Besteuert die Reichen!«
gestellt werden. Präsident Trump will sich Die Gefahr ist groß, dass in dem Umfeld
Fotos:iStock
mit den Demokraten auf ein Paket einigen, selbst das absolut Notwendige nicht realisier-
indem zunächst nur über die zur Verfügung bar ist. n
> 05 - 2019 www.report.atDie Fachmedien des Report Verlag informieren:
IFES-Studie: Welche der folgenden Informationsquellen haben
Entscheider in den letzten zwölf Monaten aus
Worauf beruflichen Gründen genutzt?
Entscheidungsträger
Fachzeitschriften Print & digital 95 %
Gedruckte Fachzeitschriften 92 %
vertrauen Digitale Angebote von Unternehmen
Gedruckte Kundenzeitschriften von Unternehmen
80 %
70 %
Digitale Angebote von Fachzeitschriften 69 %
Veranstaltungen 60 %
Fachmedien haben bei Österreichs Ent- Außendienst-/Vertreterbesuche 57 %
scheidungsträgern einen ausgezeichne- Fachmessen 48 %
ten Ruf. Sie dienen als seriöse Informati- Quelle: IFES Fachzeitschriften-Entscheiderstudie 2018
onsquelle, zeigen aktuelle Trends auf und
liefern Unterstützung bei Investitionsent- Informationsquellen, die Neuheiten, Trends und
scheidungen. Zu diesem Ergebnis kommt Marktentwicklungen aufzeigen
eine Studie des Instituts für empirische Fachzeitschriften Print & digital 91 %
Sozialforschung IFES. Gedruckte Fachzeitschriften 78 %
Digitale Angebote von Fachzeitschriften 77 %
Fachzeitschriften sind für Österreichs Entscheider Fachmessen 74 %
eine wesentliche Informationsquelle. Zu diesem Veranstaltungen 71 %
Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des renom- Digitale Angebote von Unternehmen 64 %
mierten Instituts für empirische Sozialforschung Kundenzeitschriften von Unternehmen 61 %
Außendienst- und Vertreterbesuche 58 %
(IFES) im Auftrag des Österreichischen Zeitschrif-
Quelle: IFES Fachzeitschriften-Entscheiderstudie 2018
ten- und Fachmedienverbands ÖZV. Fachmedien
halten Entscheider über aktuelle Entwicklungen Fachmedien...
der Branche auf dem Laufenden (96 Prozent) und ... nutze ich, um über aktuelle Entwicklungen der Branche 96 %
werden für ihre ausführliche Berichterstattung und am Laufenden zu sein
Hintergrundinformationen geschätzt (88 Prozent). ... schätze ich für ausführliche Berichterstattung und 88 %
Für 63 Prozent sind Fachmedien für die kontinu- Hintergrundinformation
ierliche Information über Produkte und Anbieter ... nutze ich, um neutrale Produktvergleiche und Tests zu 77 %
lesen
wichtig. 49 Prozent der Entscheider setzen bei
... bieten Argumentationen für innerbetriebliche Diskussi- 76 %
bedeutenden Investitionsentscheidungen auf In- onen und Neuerungen
formationen aus Fachmedien. Sie liefern laut den Quelle: IFES Fachzeitschriften-Entscheiderstudie 2018
Entscheidern Impulse für Kaufentscheidungen (62
Prozent), zeigen Neuheiten, Trends und Marktent- Quellen für glaubwürdige, seriöse Informationen
wicklungen (91 Prozent), werden als glaubwürdige Fachzeitschriften Print & digital 61 %
Quellen, die neutrale und seriöse Informationen Gedruckte Fachzeitschriften 52 %
liefern (61 Prozent), wahrgenommen, schaffen Veranstaltungen 52 %
Markttransparenz (57 Prozent) und stärken die ei- Fachmessen 51 %
gene Fachkompetenz (65 Prozent). Digitale Angebote von Fachzeitschriften 42 %
Digitale Angebote von Unternehmen 32 %
Zur Studie: Die Grundgesamtheit der Studie sind 350.000 Ent-
Außendienst-/Vertreterbesuche 31 %
scheidungsträger aus der Privat- und Gemeinwirtschaft. Mit einer
repräsentativen Stichprobe von 500 Entscheidungsträgern wurden im Gedruckte Kundenzeitschriften von Unternehmen 29 %
Fotos: iStock
Frühjahr 2018 telefonische Interviews durchgeführt. Quelle: IFES Fachzeitschriften-Entscheiderstudie 2018> O-töne
> die Grosse
Umfrage
Ein Jahr
DSGVO
Am 25. Mai 2018 trat die Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Viele Unternehmen
befürchteten einen Super-GAU. Die große Bußgeldwelle blieb jedoch aus, in Österreich
wurden bisher nur wenige Strafen – vorwiegend wegen Videoüberwachung – ausge-
sprochen. Die französische Datenschutzbehörde CNIL verurteilte Google zur Zah-
lung von rund 50 Millionen Euro; der Konzern ging in Berufung. Auch wenn sich die
Aufregung inzwischen gelegt hat, ist die Kritik nicht verstummt. Report(+)PLUS hat
ExpertInnen um eine erste Bilanz gebeten.
10
1 War die Aufregung um die DSGVO übertrieben?
> Ferdinand Pongracz > Sylvia Dellantonio
CIO Artus Unternehmensberatung Geschäftsführerin
willhaben internet service GmbH
Österreich hatte hinsichtlich des Da-
tenschutzes eigentlich immer eine »Vor- Die Verordnung und die intensive
zugsschüler-Rolle« und war mit den Re- Berichterstattung hatte den positiven
gelungen aus dem seit den 70er-Jahren Effekt, eine breite Masse an Unterneh-
geltenden Datenschutzgesetz und dem men, aber auch Konsumenten für das
Telekommunikationsgesetz sehr bedacht wichtige (Zukunfts-)Thema Daten-
auf die Betroffenenrechte im Datenschutz. schutz und persönliche Daten zu in-
Die DSGVO hat nun insbesondere durch teressieren und sensibilisieren. User-
hohe Strafandrohungen dazu beigetragen, Zufriedenheit ist für willhaben ein sehr
dass sich Gewerbetreibende endlich ernst- hohes Gut. Wir haben daher im Zuge
haft mit dem Thema auseinandersetzen der Entwicklungen mit datenschutz.
und sich genau überlegen, welche Daten willhaben.at einen eigenen Info-Be-
sie verarbeiten und wem sie diese weiter- reich für unsere User eingerichtet, um
geben. Daher halte ich die Aufregung für möglichst offen und breit zu informie-
angemessen. ren.
Fotos:iStock, luxundlumen, willhaben, dataprivacy
> Gabriele Davies
Geschäftsführerin dataprivacy consulting GmbH
Naja, die Aufregung rund um die DSGVO war, so wie es sich tiv besetzt ist und die Unternehmer und Unternehmerinnen sich
rückblickend darstellt, doch ziemlich übertrieben. Vor dem Inkraft- am liebsten so wenig wie möglich damit befassen wollen. Man kann
treten der DSGVO im Mai letzten Jahres gab es enorm viel Medi- auch das Gefühl bekommen, dass das Thema DSGVO in den letz-
enberichterstattung dazu. Es wurde vielfach Panikmache betrieben ten Monaten medial nahezu in Vergessenheit geraten ist. Auch von
und das Schreckgespenst von exorbitant hohen Strafen beschworen. der Arbeit der Datenschutzbehörde oder von interessanten Fällen,
Das hat leider dazu geführt, dass das Thema Datenschutz sehr nega- die bearbeitet werden, hört man kaum etwas.
> 05- 2019 www.report.atO-töne >
2 Welche Schwierigkeiten gab es bei
der Umsetzung? 3 Was sollte verbessert werden?
> Ferdinand Pongracz > Ferdinand Pongracz
Die höchste Herausforderung besteht hier für Berater und Im Zeitalter der Digitalisierung und der ansteigenden Auto-
Klienten gleichermaßen darin, den Aufwand für die Maßnahmen matisierung wird die Verarbeitung und Analyse personenbezo-
möglichst realistisch zu halten und keinesfalls den Kopf in den genen Daten zu einem zentralen Bestandteil unserer Gesellschaft.
Sand zu stecken. Wir sehen immer wieder, dass es Unternehmer Nachdem inzwischen die erste DSGVO-Euphorie abgeflaut ist,
gibt, die sich aufgrund der scheinbar überbordenden Aufwände könnte es passieren, dass die Sorgfalt langsam nachlässt und das
gar nicht mit der Materie auseinandersetzen. Wenn man sich auf Thema Datenschutz bei innovativen Neuprojekten wieder in
die wesentlichen Punkte konzentriert und ein paar Stunden in- den Hintergrund gedrängt wird. Hier wäre es wichtig, dass pra-
vestiert, kann man meist mit geringem Aufwand seiner Sorgfalts- xisorientierte Leitfäden und Werkzeugkästen für Unternehmer
pflicht ausreichend nachgehen. zur Verfügung stehen und weiterhin das Bewusstsein für Daten-
schutz hoch gehalten wird.
> Sylvia Dellantonio > Sylvia Dellantonio
Wir wollen unseren Usern alle Serviceleis Das Thema betrifft eine enorm große und
tungen möglichst schnell und unkompliziert inhomogene Gruppe an Unternehmen. In-
anbieten, die Verordnung verlangt aber recht sofern ist es wichtig, ein entsprechendes Au-
komplexe Schritte. Es war und ist eine inten- genmaß nicht zu verlieren und auch stark zu 11
sive Aufgabe, gute Lösungen zu finden, vor differenzieren. Was für manche Firmen, vor
allem bei der Vielfalt an Nutzungsmöglich- allem internationale Konzerne relativ einfach
keiten auf willhaben. Schwierig war aber auch zu bewältigen ist, kann für andere Betriebe
die Tatsache, dass nicht alles ganz eindeutig einen immensen Mehraufwand – bis hin zur
formuliert und damit großer Interpretations- Existenzbedrohung – bedeuten. Und ich wür-
spielraum gegeben war. Das hat leider viele de mir gern mehr Klarheit in der Ausformu-
leere Kilometer erzeugt. lierung wünschen.
> Gabriele Davies > Gabriele Davies
Unserer Erfahrung nach zeigten sich bei vielen Ge- Meiner Meinung nach muss
sprächen mit unseren Kunden unterschiedlichste The- es eine kontinuierliche Sensibili-
men bei der Umsetzung. Diese sind natürlich von der sierung zum Datenschutz geben.
Art des Geschäftsfelds, des Umfangs von Datenverar- Die Wichtigkeit und die positive
beitungen sowie zum Beispiel von der Betriebsgröße Grundidee der DSGVO für prak-
abhängig. Schwierig war meist der Einstieg, beginnend tisch jedes Unternehmen in Europa
mit der Erfassung wirklich aller personenbezogenen muss auch betriebsintern präsent
Datenanwendungen im Unternehmen. Hatte man sich bleiben. Mehr Begleitung und in-
einmal aufgerafft, war die Erstellung des Verfahrensver- tensive Aufklärung durch professi-
zeichnisses zum Beispiel mit unserer Webapp datadoku. onelle Kommunikation seitens der
at kaum ein Problem. Auch die Gewährleistung und Um- Datenschutzbehörde wäre wün-
setzung der technischen und organisatorischen Maß- schenswert.
nahmen bis hin zur Datensicherheit, Prozessdefinition
bei Auskunftsbegehren, Löschkonzepten etc. sind doch
wirklich wichtig und müssen konzentriert abgearbei-
tet werden. Viele Fragen und Unklarheiten gab und gibt
es weiterhin bei diversen marketing- und vertriebsrele-
vanten Datenanwendungen. Das wird sich auch nicht so
schnell ändern.
www.report.at 05 - 2019 >> Nachfolge
80 % der österreichischen Unternehmen
befinden sich in Familienbesitz. Nur noch
die Hälfte findet jedoch einen Nachfolger
in der Familie.
12
Die Zügel
weitergeben
Die Betriebsübergabe ist für jedes Unternehmen eine kritische Phase – egal ob sie inner-
halb der Familie oder an Außenstehende erfolgt. Die rechtlichen und wirtschaftlichen
Regelungen sind dabei nur eine Seite, die persönliche Ebene geht oft noch tiefer.
Von Angela Heissenberger
>
Gedanken über die Nachfolge in rend ein besonnener Firmenchef sonst jede rend früher rund drei Viertel einen Nachfol-
der Unternehmensleitung verschie- Entscheidung mit Weitblick trifft, wird ausge- ger in der Familie fanden, gelingt dies mitt-
ben viele Eigentümer auf einen un- rechnet der Weiterbestand des aufgebauten lerweile nur noch der Hälfte aller Familien-
bestimmten Zeitpunkt – »wenn es so weit ist«. Unternehmens dem Zufall überlassen. Ein Pa- betriebe. Die Kinder wollen nicht mehr in
Doch Unfälle oder schwere Krankheiten kün- tentrezept gibt es nicht. Doch wird rechtzeitig die Fußstapfen der Eltern treten, sondern
digen sich selten vorher an. Ist es »so weit«, mit der Planung begonnen, verläuft die Nach- schlagen oft einen ganz anderen Weg ein. Die
könnte es gleichzeitig »zu spät« sein für eine folge in der Regel reibungsloser. Elterngeneration ist somit gezwungen, ihr
geordnete Übergabe. Selbst wenn kein Un- Lebenswerk an einen externen Nachfolger
glück eintritt, stehen noch im Pensionsalter >> Die liebe Familie 05 - 2019 www.report.atnachfolge >
rinnen ins Führungsteam. Ein Familienko-
dex, der unter partizipativer Beteiligung aller
Familienmitglieder erstellt wird, schreibt die
strategische Grundausrichtung, Leitbilder
und Werte fest, die der Eigentümerfamilie
wichtig sind. »Familienunternehmen verän-
dern sich von Generation zu Generation. Die
zentrale Frage ist: Was nehmen wir uns für
die Zukunft mit?«, sagt Ludwiger-List. »Ich
bin überzeugt, dass der Familienkodex eine
sehr gute Basis für diesen Change-Prozess
ist.«
Das Bankhaus Carl Spängler beglei-
tet seit 15 Jahren Familienunternehmen in
Übergabeprozessen. Der »Governance Ko-
dex«, in dem die Familie gemeinsame Wer-
te und Ziele in einem Regelwerk schriftlich
festhält, bringt Klarheit, einen strategischen
Rahmen über die weitere Entwicklung, wirt-
schaftliche Stabilität sowie Sicherheit in kri-
Theresa Ludwiger-List (re.) holte mit Gabriela Zraunig und Ursula Leinemann zwei familienfremde
Führungskräfte ins Management der List GC.
Fragen an den/
die Übergeber
dafür einen ordentlichen Preis zu zahlen«, Konflikten zudem eine neutrale Position ein-
umreißt Josef Rumpl, Partner bei Uniconsult nehmen und den Weg zu einer versöhnlichen n Wann wollen Sie sich zurückzie-
Corporate Finance, die Problematik. Lösung ebnen. hen?
n Wen wünschen Sie sich als Nach- 13
Aber unabhängig davon, ob die Nach- Drei Interessen gilt es hier zu berücksich-
folge in der Familie erfolgt oder in einen tigen: Eigentümern, die das Unternehmen folger?
Verkauf des Unternehmens mündet – die mit viel Herzblut selbst aufgebaut haben, n Soll das Unternehmen in der
Übergabe ist meist eine sehr emotionale An- fällt das Loslassen verständlicherweise nicht Familie bleiben oder an Dritte
gelegenheit. Spezialisierte Experten stehen immer leicht. Nachfolger, die neue Pläne ver- übergeben werden?
den Eigentümern deshalb nicht nur bei be- wirklichen wollen, fühlen sich in ihrer Tat- n Haben Sie Vertrauen in ihre/seine
triebswirtschaftlichen Fragen, sondern auch kraft mitunter gebremst. Nicht zuletzt müs- Führungsqualitäten?
bei strategischen Entscheidungen und zwi- sen aber strukturelle Veränderungen an Ge- n Sind Sie bereit, Ihr Wissen weiter-
schenmenschlichen Aspekten beratend zur schäftspartner, Lieferanten und Kunden so zugeben?
kommuniziert werden, dass diese weiterhin n Möchten Sie nach der Übergabe
auf verlässliche, professionelle Geschäftsbe- weiter im Unternehmen tätig sein?
Viele Unternehmer ste- ziehungen vertrauen. n Ist Ihre Altersvorsorge gesichert?
hen noch im Pensions- >> Werte festgeschrieben> nachfolge
buchTIpp
Dickes Blut
> Die österreichische
Unternehmenslandschaft ist
stark von Familienunterneh-
men geprägt. Viele davon
blicken auf eine langjährige
Firmengeschichte zurück und
beeindrucken durch Unterneh-
mergeist und umfassendes
Know-how. Doch während die
Nachfolge innerhalb der
Familie früher selbstverständ-
lich war, bröckelt die Bereit-
schaft der jüngeren Generatio-
nen, den Betrieb ohne Wenn
und Aber weiterzuführen,
zusehends. Der Struktur- und Durch die plötzliche Erkrankung von Nikolaus Hilscher musste Sohn Sebastian überraschend die Leitung der
Wertewandel macht auch vor Overtec GmbH übernehmen. Der eigentliche Übergabeprozess begann erst nach der Genesung des Vaters.
traditionsreichen Betrieben
nicht Halt. Die Autoren gehen tischen Situationen. Überdies hat sich der in sein Lebensmittelpunkt plötzlich in Attnang-
in Porträts und Interviews den der Regel in langen Diskussionen erarbeitete Puchheim. Zeit für Überlegungen blieb nicht
Erfolgsrezepten und Krisen- Konsens zur Prävention von Konflikten bestens – es galt wirtschaftlichen Schaden abzuwen-
herden in heimischen Familien- bewährt, wie Elisabeth Kastler, Geschäftsführe- den und Verantwortung für die Mitarbeiter zu
14
unternehmen auf den Grund. rin der Spängler M&A GmbH, weiß: »Unter- tragen. Die Overtec GmbH, 1978 von Nikolaus
So unterschiedlich wie die schiedliche Erwartungshaltungen spielen ei- Hilscher gegründet, war im Kerngeschäft lan-
Betriebe sind die Persönlichkei- ne Rolle, wenn man sich über die strategische ge auf den Dämmstoffhandel konzentriert und
ten dahinter. Überraschend Ausrichtung nicht einig wird. Das wirkt sich auf etablierte sich nach und nach mit der Entwick-
offen gestehen sie Unstimmig- die wirtschaftliche Entwicklung des Unterneh- lung von patentierten Fertigteilen für die Bauin-
keiten ein, wie Ernst Mayr, Chef mens aus: Wichtige Investitionen werden nicht dustrie. Die freie Handhabe durch die Erkran-
des Modeunternehmens Fussl: getätigt, die anfängliche Motivation wechselt in
»Mein Bruder und ich sind oft Frustration.«
konträrer Meinung und Auch in einer Studie wurde die positive Wir-
kung des Familienkodex bestätigt. Gemeinsam
Ein externer Experte
diskutieren sehr viel. Das
erhöht die Qualität der mit dem Bankhaus Spängler nahm Joshua Con- kann den Weg zu einer
sulting Unternehmen unter die Lupe, die bereits
Entscheidungen, auch wenn es
manchmal mühsam ist.« Ohne über mehrere Generationen bestehen. Unab- versöhnlichen Lösung
gegenseitigen Respekt geht es hängig vom Führungsmodell oder der Unter- ebnen.
nicht – vielleicht mit ein Grund, nehmensgröße wurden drei Erfolgsfaktoren
weshalb nur noch 5 % den identifiziert: das Bewahren der Werte in einem
Übergang von der dritten zur Familienkodex, die Regelung der Nachfolge und
vierten Generation schaffen. die strategische Planung. 38 % der befragten kung des Vaters nützte der Junior-Chef für um-
Unternehmen haben alle drei Instrumente im fangreiche Modernisierungen. Der eigentliche
Werner Beutel-
Einsatz, 47 % mindestens zwei. Übergabeprozess, inklusive einiger Vater-Sohn-
meyer, Christian
Konflikte, begann erst nach der Genesung von
Fuchs (Hg.):
>> Nachfolger in Aussicht 05 - 2019 www.report.atnachfolge >
Möglichkeiten
der Übergabe
n Schenkung
n Übertragung gegen Rente
n Übertragung gegen Fruchtgenuss
oder Wohnrecht
n Übertragung durch gesetzliche
Erbfolge oder Testament
n Übertragung eines Mitun-
ternehmer- oder Kapitalanteils
n Verkauf
n Umgründung
n Verpachtung
n Betriebsaufgabe Erich, Christoph und Walter Polz (v.li.) führen die Familientradition des Weinguts Polz in der Südsteier-
mark fort.
gutem Grund keine Bedenken: Der südstei- sich die Familientradition leider als weniger
rische Betrieb heimste in den vergangenen tragfähig. Mit 78 Jahren bemüht sich heute
Jahren zahlreiche internationale Auszeich-
Innerhalb der Familie Wilhelm Kirstein, das Erbe seines Urgroß-
nungen ein. Für das Hochzeitsdinner der gehen meist alle von vaters vor dem Vergessen zu bewahren. Lud-
schwedischen Prinzessin Madeleine lieferte wig Kirstein, gelernter Konditor, hatte vor
das Weingut Polz 160 Großflaschen Sauvi- einer problemlosen 140 Jahren erstmals Zuckerl hergestellt. Sein
gnon Blanc an das Königshaus.
Nun ist mit Erichs Sohn Christoph, der
Übergabe aus. Das Sohn Emil errichtete 1912 in Wien für die Er-
zeugung eine der modernsten Fabriken Eu-
im Sommer 2011 die Funktion des Winema- Gegenteil ist der Fall. ropas und machte das dunkle Milchzuckerl
15
kers übernahm, bereits die vierte Generation – auch als »bewährte Hustenhilfe« bewor-
an Bord. Auch für ihn steht die Fortführung ben – weit über die Grenzen Österreichs hi-
der Familientradition an oberster Stelle: sich die Einbindung von Übergabeexperten naus bekannt. Als Emil Kirstein, ein leiden-
»Unser Gedanke ist es, langfristig eine qua- nicht nur bei Nachfolgelösungen mit Drit- schaftlicher Geschäftsmann, starb, war sein
litative Wertsteigerung der natürlichen Ge- ten, sondern gerade auch innerhalb von Enkel Wilhelm Anfang 30 und hatte durch-
gebenheiten zu erzielen und nicht das Aus- Familien bezahlt. Im Falle der legendären aus große Pläne. Der Vater hielt davon nichts
schlachten in einer Generation. Die Rebstö- Malzzuckerl »Kirstein-Blockmalz« erwies und verkaufte sämtliche Anteile und Mar-
cke am Hochgrassnitzberg sind zwischen
1985 und 1986 gesetzt worden. Ich zehre im-
mer noch davon. Wenn ich jetzt neue Reb-
UnternehmEN im Lebenszyklus
stöcke setze, hoffe ich, dass in 30 Jahren je- 2 (Neu-) Gründungsphase
mand anderer davon zehren kann.« 1
>> Unterstützung von außen> nachfolge
nach-
folge in
kenrechte an den Grazer Konkurrenten
der familie:
Englhofer. »Ich wurde vor vollendete Tat- Wer führt das
sachen gestellt«, erinnert sich Wilhelm Kir- Unternehmen in
stein mit Wehmut. Zukunft? Wer besitzt
Das beliebte Blockmalz verschwand
nach Übernahme durch Nestlé und später es?
Storck aus den Regalen. Nach einer langen
internationalen Managerkarriere in der In-
dustrie holte sich Wilhelm Kirstein 2017 die
Markenrechte zurück. Ein bayerischer Fa-
milienbetrieb produziert die Zuckerl, der
Vertrieb erfolgt über Salzburg Schokolade.
Einige hundert Händler nahmen Blockmalz
ins Sortiment auf. Damit die Erfolgsge-
schichte nicht wieder ein jähes Ende findet,
sucht »Österreichs ältester Jungunterneh-
mer«, wie ihn Der Standard titulierte, drin-
gend Partner oder Nachfolger. Kirsteins ei-
gene Kinder schätzen zwar sein Engagement
– in seine Fußstapfen treten möchten sie je-
doch nicht. n
Fest in
Männerhand
16 > Laut EY Global Familiy Business
Index 2019 erzielten die 500
größten Familienunternehmen der
Welt in den letzten beiden Jahren ein
Gesamtumsatzplus von 9,9 %. Das
Ranking der Top-500 führen Walmart,
Volkswagen und Berkshire Hathaway
an. Europa stellt fast die Hälfte der
umsatzstärksten Familienun-
ternehmen. Fünf der Top-Ten-Platzier
ten kommen aus den USA, vier aus
Deutschland. Auch sechs österreichis-
che Unternehmen schafften es in die
Rangliste: die Holding Benteler
International AG mit Sitz in Salzburg
(Platz 187) sowie Red Bull, Novomatic,
Porr, Swarovski und Alpla.
>
(+) plus: Worauf muss bei einer dann ein zeitlicher Rahmen fixiert werden.
Die Konzernspitzen sind stark
männlich dominiert: Nur 3 % der 500 Betriebsübergabe geachtet wer- Parallel dazu beginnt die steuerliche und
Familienbetriebe haben eine Frau als den? rechtliche Umsetzung.
CEO, das sind exakt 17 Unternehmen. Elisabeth Kastler: Bei einer Betriebsnach-
Neun dieser Frauen stammen aus der folge ist es ganz wichtig, dass man sie recht- (+) plus: Bleiben Unternehmen heu-
Familie, acht sind externe Managerin- zeitig, geplant und strukturiert angeht. Wir te seltener in der Familie?
nen. Insgesamt betrachtet sind 55 % empfehlen, das Gespräch in der Familie ak- Kastler: Früher war die Nachfolge
der CEOs keine Familienmitglieder. tiv zu suchen und das Thema Nachfolge als aufgrund der Rollenbilder oft schon vor-
»Dass mittlerweile immerhin fast schon Projekt zu betrachten. Zwei zentrale Fra- gegeben. Heute sind Eltern bestrebt, ih-
jedes zweite Familienunternehmen gen müssen zunächst geklärt und disku- re Kinder möglichst frei zu erziehen und
von einem externen CEO geführt wird,
tiert werden: Wer führt das Unternehmen eine breite Ausbildung verbunden mit
steht für eine gesteigerte Profession-
in Zukunft? Wer besitzt das Unternehmen Auslandsaufenthalten genießen zu lassen.
alisierung«, sagt Erich Lehner, Manag-
ing Partner Markets bei EY Österreich. in Zukunft? Da ist es manchmal schwierig, die Jungen
Foto: Bankhaus Spängle
»Durch die familiäre Führung werden Oft folgt nur eine Person in die Geschäfts- wieder zurückzuholen. Große Konzerne
über Generationen weitergegebene führung nach, die Anteile werden aber ge- locken mit Anreizen, das Interesse am Fa-
Werte vermittelt, während der Blick meinsam mit den Geschwistern gehalten. milienbetrieb ist dann nicht mehr so ge-
von außen Innovation und Fortschritt Die Interessen klaffen mitunter weit aus- geben. Auch die Work-Life-Balance ist ein
vorantreibt.« einander. Anhand eines Fahrplans sollte Thema. Die Kinder bekommen von klein
> 05 - 2019 www.report.atNachfolge >
»Die Familie kann Kraftquelle
oder Störfaktor sein«
Elisabeth Kastler, Geschäftsführerin der Spängler M&A GmbH,
berät Familienunternehmen bei Fragen zu Führung, Strategie und
Unternehmensnachfolge. Sie empfiehlt einen »Familienkodex« als
Bindeglied zwischen den Generationen.
Eine klare Aufgabenverteilung ist
auf mit, wie viel Einsatz die Eltern erbrin-
gen und was es erfordert, Unternehmer zu
sein. Wenn der Betrieb überwiegend als
Belastung empfunden wird und immer fi- notwendig: Zwei Fremde würden
nanzielle Sorgen mitschwingen, wird die
Begeisterung nicht größer.
nie so streiten wie Geschwister.
(+) plus: Sind Übergaben innerhalb (+) plus: Dauert die rechtliche und Generation heranzuführen – der Kodex
der Familie schwieriger als an Außenste- steuerliche Abwicklung ebenso lang? soll schließlich als Bindeglied fungieren.
hende? Kastler: Das ist ein parallel laufender Beispielsweise kann festgelegt werden,
17
Kastler: In der Familie sind Emotionen Prozess. Oft wird zuerst die Führung des unter welchen Bedingungen ein Famili-
immer sehr präsent. Ist der geschäftsfüh- Unternehmens übergeben und erst suk- enmitglied im Unternehmen mitarbei-
rende Gesellschafter das Familienober- zessive die Beteiligung. Wird die Übergabe ten kann. Das betrifft etwa ein Praktikum
haupt, fällt es oft schwer zu unterscheiden, verschleppt, weil man nicht loslassen kann und geht hinauf bis zur Geschäftsführung:
welche Rolle er bzw. sie gerade einnimmt – oder kein geeigneter Nachfolger da ist, Welche Voraussetzungen muss man dafür
als Chef/Chefin oder als Vater/Mutter. Die läuft die Zeit davon. Manche Eigentümer mitbringen? Wer kann Gesellschafter wer-
Grenzen verschwimmen, nicht nur bei Ge- haben die 70 schon deutlich überschritten. den? Wie wird mit (Ehe-)Partnern um-
sprächen am Mittagstisch, sondern auch Das Unternehmen ist ihr Lebenswerk, das gegangen? Vieles davon steht auch in den
im Unternehmen. alles dominiert. Erfahrungsgemäß wird es Gesellschafterverträgen. Der Familienko-
Die Familie kann eine starke Kraft- aber immer schwieriger. Unter Geschäfts- dex geht aber darüber hinaus und legt eine
quelle sein, aber auch schnell zum Störfak- partnern und Mitarbeitern können dann Art Leitbild fest und für welche Werte die
tor werden. Die Kommunikation ist des- Unsicherheiten entstehen. Familie steht.
halb besonders wichtig und muss manch-
mal in bestimmte Bahnen gelenkt wer- (+) plus: Welche Erfahrungen haben (+) plus: Zieht mit der jüngeren Ge-
den. Aus der Kindheit heraus bestehen vor Sie mit dem Familienkodex gemacht? neration ein neuer Führungsstil ein?
allem zwischen Geschwistern Verhaltens- Kastler: Der erste »Governance Kodex Kastler: Teamarbeit gewinnt an Be-
muster – der Ältere, der Jüngere, der Flei- für Familienunternehmen« als Leitlinie er- deutung. Die klassischen Patriarchen, die
ßige –, die in die Nachfolge hineinwirken. schien 2005 und hat sich seither sehr gut allein alle Entscheidungen diktieren, gibt
bewährt. Wenn das Unternehmen nicht es kaum noch. Viele Übergeber verfügen
(+) plus: Wann ist der richtige Zeit- mehr zu 100 % von einer Person getra- über umfangreiches Wissen, sie haben
punkt? gen wird, sondern mehrere Geschwister schließlich das Unternehmen aufgebaut.
Kastler: Wenn der Übergeber vorhat, oder andere Familienmitglieder mitre- Für Nachfolger ist es nicht ganz einfach,
sich in fünf bis sieben Jahren zurückzuzie- den, kann man gemeinsam ein individu- in diese großen Fußstapfen zu treten. Die
hen, wäre es jetzt an der Zeit, mit der Vor- elles Regelwerk erstellen, wie mit konflikt- Komplexität nimmt sehr stark zu – schon
bereitung zu beginnen. Die junge Gene- trächtigen Themen umgegangen werden allein um alle Kompetenzen abzudecken,
ration kann dann langsam in diese Rolle soll. Der Kodex stärkt den Zusammenhalt, ist es notwendig, gute Mitarbeiter einzu-
hineinwachsen, es bleibt aber auch noch fördert die Kommunikation und weckt das beziehen. Eine klare Aufgabenverteilung
genügend Raum für die Suche nach Alter- Verständnis fürs Unternehmen. Das Erar- ist unbedingt notwendig, insbesondere
nativen, sollte diese Lösung doch nicht zu- beiten erfolgt im Rahmen von Workshops, wenn sich Geschwister die Verantwortung
stande kommen, weil sich die Kinder zum die wir moderieren. Die Regeln werden in in der Geschäftsführung teilen. Das sehen
Beispiel doch für einen anderen Lebens- regelmäßigen Abständen aktualisiert und wir immer wieder: Zwei Fremde würden
weg entscheiden. in Erinnerung gerufen, um die nächste nie so streiten wie Geschwister. n
www.report.at 05 - 2019 >> Interview
»Man muss
mental
stark sein«
Von Angela Heissenberger
Ivica Vastic war einer der erfolgreichsten Fußballspieler
Österreichs und ist heute als Trainer tätig. Über Geld und
Konkurrenz, ungerechte Entscheidungen und warum Fuß-
ball so viele Menschen bewegt und vereint, erzählt der ge-
bürtige Kroate im Report(+)PLUS-Interview.
(+) plus: Sie kamen 1991 nach Österreich
>
sport – die Maßnahmen müssen in der Gruppe funk
und sind seit 1996 österreichischer Staats tionieren. Jeder Spieler schaut jedoch in erster Linie
18
bürger. Als Sie bei der WM 1998 gegen Chi auf sich selbst. Es wird immer schwerer, Charaktere
le ein Tor schossen, titelte die Kronen Zeitung »Ivo, zu finden, die mannschaftsdienlich denken. Wie in
jetzt bist Du ein echter Österreicher«. Was dachten der Gesellschaft wird alles egoistischer. In den Fuß
Sie sich damals? ball fließt sehr viel Geld; viele Spieler haben Sorge,
Ivica Vastic: Ich war damals schon längst Österrei nicht gut genug abzuschneiden. Unter der Woche
cher, aber das muss man sich anscheinend verdienen. sind sie Konkurrenten, aber am Wochenende beim
Erst wenn man Leistung bringt, wird man akzeptiert. Match sollen sie gemeinsam als Mannschaft auftre
Die Schlagzeile ist in der Euphorie der Weltmeister ten.
schaft passiert. Ich habe das gar nicht so beachtet.
(+) plus: Gehen Sie mit den Spielern eher
(+) plus: Sie wurden mit Sturm Graz unter Trai freundschaftlich um?
ner Ivica Osim zweimal Meister. Haben Sie sich von Vastic: Ich gehe menschlich mit ihnen um. Man
ihm etwas abgeschaut? muss eine klare Linie haben. Meine Entscheidungen
Vastic: Mir hat immer seine Art imponiert, wie sind nicht immer populär. Es gibt nur elf Plätze, aber
er mit den Spielern umgegangen ist. Seine Mensch 20 Spieler. Nicht jeder hat die gleiche Ansicht wie ich,
lichkeit und Fairness und natürlich seine sensatio alle wollen spielen. Aber ich versuche, zu erklären,
nellen Fußballkenntnisse – ich habe ihm immer voll warum einer spielt und der andere nicht. Ob er das als
vertraut. Ich versuche auch, in diese Richtung zu den gerecht empfindet oder als Motivation nimmt, muss
ken und meinen Spielern eine klare Linie vorzuge er selbst wissen.
ben. Das ist nicht immer leicht, heute ist der Trainer
job viel schnelllebiger. Wenn es nicht nach Wunsch (+) plus: Haben Sie sich als Spieler auch manch
läuft, muss der Trainer sofort gehen. Die Strukturen mal ungerecht behandelt gefühlt?
im Verein bleiben aber gleich. Vastic: In Deutschland herrschte in der Mann
schaft ein riesiger Konkurrenzkampf. Ein Spieler
(+) plus: Welche Eigenschaften und Fähigkei war ein bisschen angeschlagen, er wollte es trotz
ten sollte ein guter Trainer mitbringen? dem probieren. Ich habe mich vor dem Spiel aufge
Vastic: Der Trainer sollte authentisch auftreten wärmt. Sollte er nicht spielen können, hätte ich statt
und natürlich gute Fußballkenntnisse haben: eine ei ihm begonnen. Schließlich saß ich aber nicht einmal
gene Idee, einen eigenen Stil und die Gabe, aus den als Wechselspieler auf der Bank, sondern musste so
vorhandenen Spielern das Beste herauszuholen. Das gar auf die Tribüne. Mit solchen Situationen muss
ist immer ein schmaler Grat. Man muss mit den Spie man umgehen und am nächsten Tag trotzdem wieder
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lern kommunizieren können. Es ist ein Mannschafts Leistung bringen. Man muss mental stark sein.
> 05 - 2019 www.report.atSie können auch lesen