DIALOG MIT BIBLIOTHEKEN - 2021/1 33. Jahrgang - Deutsche ...

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DIALOG MIT BIBLIOTHEKEN - 2021/1 33. Jahrgang - Deutsche ...
DIALOG
MIT BIBLIOTHEKEN
2021/1
         33. Jahrgang
         ISSN 0936-1138
DIALOG MIT BIBLIOTHEKEN - 2021/1 33. Jahrgang - Deutsche ...
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Inhalt
                                     Frank Scholze      5     EDITORIAL

                                                     		FORUM

                  Barbara K. Fischer, Jürgen Kett,
                Sarah Hartmann, Mathias Manecke         6	Eine Stimme im Orchester der Öffnung der GND
  Dr. Guido Bee, Helga Karg,
  Dr. Julijana Nadj-Guttandin 12	Der Einsatz des Digitalen Assistenten DA-3
			in der Inhaltserschließung der Deutschen
                                  Nationalbibliothek
         Elisabeth Mödden, Christa Schöning-Walter      20	Netzwerk maschinelle Verfahren in der Erschließung
                                   Renate Behrens       24    RDA Toolkit Switchover
               Sandra Baumgart, Dr. Frédéric Döhl,
                Ruprecht Langer, Dr. Peter Leinen,
                           Susanne Oehlschläger         29    Europa und die Deutsche Nationalbibliothek
                    Martin Holtorf, Nathalie Küchler    36	»Ich finde es super. Ich finde es gut.
                                                            Was soll ich sagen?«
                     Jürgen Bley, Johannes Strauß       42	Einführung des E-Aktensystems Albatros
                                                            in der Deutschen Nationalbibliothek
                                   Dr. Sylvia Asmus     45    Das besondere Stück – Ein CARE-Paket
                        Mandy Stittrich, Julia Rinck    47    Goldgeprägte Pracht
                                   Benjamin Sasse       50    Eine europäische Buchbinderfamilie

			ZEITPUNKTE
                                   Ruprecht Langer      54    Livestream-Konzert aus dem Deutschen Musikarchiv
                      Peter Kühne, Mandy Stittrich      56    Ausstellen in Zeiten von Corona
                                  Dr. Jesko Bender      60    Künstler*innen im Exil
                                  Annett Koschnick      62	Porträt der ehemaligen Generaldirektorin
                                                            Elisabeth Niggemann enthüllt
                                   Barbara Fischer      63    Nachgelesen – Ein Veranstaltungsrückblick

 66 Veranstaltungstipps

 67 Personelles

 NOTIZEN

 68 Wir sehen uns!

 69 Neue Veröffentlichungen
                                 Dr. Natalie Kromm      70    Freunde der Bibliothek – Gesellschaft für das Buch e. V.

               CC BY-SA 3.0                                                             Dialog mit Bibliotheken 2021/1   3
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Editorial

                                  Liebe Leserinnen und Leser,

                                   die Deutsche Nationalbibliothek ist ein aktives kulturelles Gedächtnis der
                                   Vergangenheit und der Zukunft – so haben wir unsere strategischen Prio-
                                   ritäten 2021-2024 überschrieben. Erschließung ist eines der fünf dort de-
                                   finierten Handlungsfelder und eine Kernaufgabe unserer täglichen Arbeit.
                                   Sie ist Voraussetzung für Finden, Präsentation, Vernetzung und Nutzung
                                   unserer Bestände. Während Bedeutung und Anteil maschineller Verfahren
                                   seit langem wachsen, bleibt die intellektuelle Erschließung von grund-
                                   sätzlicher Bedeutung. In dieser Ausgabe berichten wir vom Einsatz des
                                   „Digitalen Assistenten“, eines Erschließungs-Tools, das die kooperative
                                   Inhaltserschließung und die Nutzung von Fremddaten technisch auf effi-
ziente Weise unterstützt. Weitere Themen in diesem Kontext sind die Erfahrungen mit Annif, einer Samm-
lung vielversprechender Werkzeuge für die maschinelle Erschließung, sowie die Auswirkungen des RDA
Toolkit Switchover und die weiteren Entwicklungen bei RDA.

Weitaus mehr als eine Sammlung von Normdatensätzen für die Erschließungsarbeit ist die GND. Wir unter-
stützen ihre Anwender*innen auch bei der notwendigen kooperativen Organisation. Über Entwicklungen,
die eine Nutzung außerhalb des Bibliotheksbereichs fördern sowie die Partnerschaft mit Wikimedia infor-
miert Sie die Arbeitsstelle für Standardisierung in einem Werkstattbericht.

Unter anderem mit drei Konferenzen haben wir die deutsche EU-Ratspräsidentschaft im vergangenen Jahr
begleitet. Unsere Kongressberichte fassen die Ergebnisse zusammen und verweisen auf die Aufzeichnungen
der virtuellen Veranstaltungen und auf die begleitenden digitalen Materialien.

Auch die elektronische Aktenführung ist eine Form der internen Erschließung und fördert effizientes orts-
unabhängiges Arbeiten. Für Bundesbehörden ergibt sich die Verpflichtung, einheitlich digital Vorgänge zu
bearbeiten aus dem E-Government-Gesetz. Über die Einführung eines E-Akten-Systems im Rahmen unseres
Projektes Digitale Zentralverwaltung berichten unsere Kollegen aus dem Organisationsreferat. Wie ist die
probeweise Aussetzung der Benutzungsgebühren bei unseren Nutzer*innen angekommen? Begleitende Un-
tersuchungen sollen dies trotz aller Beeinträchtigungen durch die Pandemie evaluieren. Eine erste Befragung
hat im vergangenen Herbst stattgefunden. Hier erfahren Sie mehr.

Brokatpapiere gehören zu den Kostbarkeiten unserer papierhistorischen Sammlung. Der Bericht über drei Neu-
erwerbungen trägt den verheißungsvollen Titel »Goldgeprägte Pracht«. Dass Mediengeschichte immer auch Sozi-
algeschichte ist, zeigt Benjamin Sasse anhand einer weiteren Neuerwerbung des Buch- und Schriftmuseums, dem
(Teil-)Nachlass der Buchbinderfamilie Röllig. Rund zehn Millionen CARE-Pakete wurden ab 1946 nach Deutsch-
land geschickt. Sylvia Asmus erzählt von einem besonderen Exemplar, das seinen Weg in das Deutsche Exilarchiv
1933-1945 gefunden hat. Es wurde von Theodor W. Adornos Eltern aus den USA geschickt.

Kultur in Zeiten der Pandemie könnten die »Zeitpunkte« auch in dieser Ausgabe des Dialog überschrieben
sein. Wir berichten unter anderem von der Enthüllung des Isolde-Ohlbaum-Portraits von Elisabeth Nigge-
mann, der Notenspur-Nacht der Hausmusik, von neuen Ausstellungsformaten in Leipzig und von Neuigkei-
ten aus der ohnehin virtuellen Ausstellung »Künste im Exil«.

Frank Scholze

CC BY-SA 3.0                                                                  Dialog mit Bibliotheken 2021/1    5
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    Barbara K. Fischer, Jürgen Kett, Sarah Hartmann, Mathias Manecke

    Eine Stimme im Orchester der Öffnung
    der GND

    Ein Werkstattbericht aus der Ar-                        den Regeln der Formal- und Inhaltserschließung,
    beitsstelle für Standardisierung an                     ist weit entfernt von den Herausforderungen der
    der Deutschen Nationalbibliothek                        Homo Sapiens in der Steinzeit. Und doch ist sie
                                                            gewissermaßen nur ein anderer Abschnitt auf dem-
    Dieser Artikel wurde bereits im BUB 02-03/2021 in       selben Strahlenbündel. In Folge der »kognitiven
    einer älteren Fassung veröffentlicht.                   Revolution«2 von damals stehen wir vor der He-
                                                            rausforderung der digitalen Transformation von
    Wenn Menschen Themen mit Verve und Ausdauer             heute. Auch diese werden wir eben durch unsere
    diskutieren, dann ist das in der Regel ein Zeichen      Fähigkeit zur Kooperation meistern. Das ist das,
    für Engagement und Verbundenheit. Das Thema             was wir können.
    »Öffnung der GND« hat diese guten Qualitäten.           Im Zuge der Öffnung der GND für Gemeinschaf-
    Es betrifft und bewegt viele Menschen. Es wirft         ten außerhalb des Bibliothekswesens ist in den letz-
    Fragen zu dem großen Thema Kooperation auf, im          ten Jahren eines immer deutlicher geworden: Die
    Detail und in ganz unterschiedlichen Kontexten.         GND ist weitaus mehr als nur eine Sammlung von
    Im viel beachteten Comic »Sapiens« zur Geschich-        neun Millionen Normdatensätzen zu Personen,
    te der Menschwerdung des Historikers Yuval Noah         Orten, Körperschaften, Konferenzen, Werken und
    Harari findet sich das folgende Zitat: »Was uns wirk-   Allgemeinbegriffen.3 Sie bezeichnet außerdem eine
    lich unterscheidet, ist die Art und Weise, wie wir in   Organisationsstruktur, die die Verfasstheit ihrer
    großer Zahl kooperieren.«1 Es beschreibt auch un-       derzeitigen Anwender*innen reflektiert. Sie rekur-
    sere Arbeit in der Arbeitsstelle für Standardisierung   riert auf ein bestimmtes Datenmodell, das sich an
    (AfS) an der Deutschen Nationalbibliothek. Denn         den Bedarfen ihrer Anwender*innen orientiert. Sie
    im Kern besteht unsere Arbeit im Organisieren von       kennt spezielle Regeln und kann als ein Spezial-
    Kooperation. Unsere Aufgabe ist es, über nationale      werkzeug in einer abgegrenzten technischen Umge-
    und disziplinäre Grenzen hinweg, die Erschließung       bung gesehen werden, das von den Erfordernissen
    von Wissensressourcen zu ermöglichen. Wir orga-         einer Bibliotheksgemeinschaft geprägt wird. Aber
    nisieren Zusammenarbeit durch die Förderung der         die neuen Anwendungsgruppen sind anders organi-
    Konsensfindung zu Standards, mit denen wir letzt-       siert. Sie haben andere Datenmodelle. Sie erschlie-
    lich die Welt beschreiben und dabei für alle glei-      ßen die Gegenstände ihres Interesses nach anderen
    chermaßen verständlich bleiben wollen. Mittels der      Regeln und nutzen eine andere technische Infra-
    Standards wird in der Gemeinschaft der deutsch-         struktur. Trotzdem sind sie an der Nutzung der
    sprachigen Bibliotheken definiert, wie Publikati-       GND-Normdaten sehr interessiert. Sie wollen nicht
    onen präziser als mittels der natürlichen Sprache       nur die Identifikatoren in ihrer Erschließungsarbeit
    beschrieben werden sollen, damit andere darauf          verwenden, sondern auch neue GND-Datensätze
    eindeutig Bezug nehmen können. Dabei kommt              anlegen können, wenn sie dafür einen Bedarf sehen.
    die Gemeinsamen Normdatei (GND) zum Einsatz.            Sie wollen ein aktiver Teil der GND-Gemeinschaft
    Harari zielt auf das große Ganze des Menschseins        werden. Dabei müssen wir gemeinsam genau über-
    und wie dieses sich beispielsweise von dem Sein         legen, was und wieviel wir verändern können, ohne
    der Schimpansen unterscheidet. Die Arbeit des Ka-       die GND im Kern zu beschädigen. Denn ihre ver-
    talogisierens, der Beschreibung von Medien nach         lässliche Qualität wollen alle erhalten wissen. Unse-

6   Dialog mit Bibliotheken 2021/1                                                                CC BY-SA 3.0
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re Aufgabe ist es auch jetzt wieder, die Zusammen-       füllt das System längst nicht alle Anforderungen
arbeit im Sinne einer kollektiven Intentionalität zu     für den Einsatz als ideales Redaktionssystem und
organisieren.                                            Drehscheibe für Kultureinrichtungen. Hierzu hat
                                                         es sich noch zu wenig von seinem Ursprung als
                                                         Software für Wikidata emanzipiert. Dennoch sahen
Ein Instrument der Öffnung                               wir die Grundvoraussetzungen für einen produkti-
                                                         ven Einsatz im Kontext der AfS gegeben. Wichtig
Die Öffnung der GND ist ein Konzert eines gan-           ist weniger der jetzige Stand des Produktes, sondern
zen Orchesters von Akteur*innen und Maßnah-              das Potenzial, das in seiner Weiterentwicklung und
men. Ein Instrument in diesem Orchester, ein An-         dem Aufbau einer breiten Community im Kultur-
satzpunkt für eine behutsame Anpassung, ist die          sektor liegt.
technische Umgebung, in der die GND verankert            Im Jahr 2020 haben wir einerseits überlegt, wie wir
ist. Nicht der Austausch der bisherigen technischen      Wikibase möglichst effektiv für die Öffnung der
Infrastruktur, sondern die Idee, eine parallele Struk-   GND nutzbar machen können und haben ande-
tur anzubieten, hat unsere Aufmerksamkeit auf die        rerseits die Voraussetzungen geschaffen, um unsere
Datenbanksoftware Wikibase4 gelenkt. Wikibase ist        Pläne möglichst effizient umsetzen zu können. Wir
eine Open-Source-Software der Wikimedia Founda-          haben entschieden, auf drei Ebenen aktiv zu wer-
tion. Diese hat schon die Software Mediawiki ent-        den. Wir wollen:
wickelt, mit der weltweit Millionen Wikis betrieben
werden. Das bekannteste Wiki ist Wikipedia aus           · der GND als Normdatei in einer Wikibase-Da-
dem Hause Wikimedia. Um Wikipedia zu verbes-               tenbank ein zweites Zuhause einrichten. Dort
sern, ersann man vor acht Jahren das Projekt Wi-           können die neuen Anwendungsgemeinschaften
kidata. Eine Datenbank für strukturierte Daten, mit        leichter und unabhängiger von den bestehenden
denen man – für Menschen wie Maschinen glei-               Strukturen Vorschläge für neue GND-Daten-
chermaßen lesbar – die Welt beschreiben kann. Die          sätze machen und ihre Daten leichter mit der
Software hinter Wikidata ist Wikibase. Wikibase            GND abgleichen, um Dubletten in der GND
bringt einige Eigenschaften mit, die Kooperationen         zu vermeiden.
in großer Zahl vereinfachen sollen:                      · den Schulterschluss zu Wikimedia sowie ande-
                                                           ren Institutionen suchen, die auch Wikibase
· Sie bietet webbasierte Zugänge.                          nutzen wollen, um gemeinsam an der Verbesse-
· Sie erlaubt das parallele kollaborative Arbeiten.        rung der Software zu arbeiten, um letztlich ein
· Sie protokolliert automatisch Versionsgeschichte         Ökosystem für Kultur- und Forschungsdaten
  und Editor*in.                                           aufzubauen.
· Sie bietet zu jedem Datensatz eine eigene Dis-         · und drittens möchten wir die Regelwerke selbst,
  kussionsseite an.                                        die die GND und unsere Katalogisierungsarbeit
· Sie ist auf multilinguale Anwendungscommuni-             bestimmen, neu ordnen, zugänglicher und an-
  ties ausgerichtet.                                       passungsfähiger für Veränderungen machen.
· Sie bietet ein einfaches und flexibles (allerdings
  auch limitiertes) Datenmodell.
· Sie ist einfach und intuitiv in der Bedienung          Der Zweitwohnsitz der GND
  und Erfassung neuer Inhalte.
                                                         In der Bibliothekswelt dient die GND wie schon
Diese Eigenschaften haben wir 2019 in der Deut-          ihre vier Vorläufer seit langem als Werkzeug zur
schen Nationalbibliothek intensiv untersucht und         Referenzierung und Rationalisierung. Sie ist einge-
in unserer Evaluation5 gemeinsam mit Wikimedia           bunden in bestimmte Regelwerke und proprietäre
Deutschland zusammengetragen. Auch aktuelle              Softwarestrukturen, die jedoch für Anwender*in-
Schwächen des Systems sowie Entwicklungspoten-           nen außerhalb des Bibliothekswesens relativ unzu-
ziale wurden in diesem Rahmen erörtert. Noch er-         gänglich sind. Wir denken, dass wir auf Grundlage

CC BY-SA 3.0                                                                  Dialog mit Bibliotheken 2021/1    7
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    von Wikibase einigen dieser Zielgruppen die Mitar-      oder Werte einzuschränken. Die Nutzer*innen sind
    beit an der GND erleichtern können.                     stets mit dem vollem Umfang der Eigenschaften
    Daher werden wir 2021 alle bislang vorliegenden         und Werte konfrontiert und erhalten keine Ent-
    GND-Datensätze mit ihren entsprechenden Ver-            scheidungshilfe. Ein Ziel für 2021 ist es, zu er-
    knüpfungen in eine Wikibase-Instanz importieren.        mitteln, ob dies über die Entwicklung einer Wi-
    Das klingt nach einer einfachen Aufgabe. Doch           kibase-Erweiterung ermöglicht werden kann und
    bislang sind die Importschnittstellen von Wikibase      welche Änderungen an Wikibase durch Wikimedia
    noch sehr an den Bedarfen von Wikidata ausge-           durchgeführt werden müssten, um die Erstellung
    richtet. Daher haben wir uns professionelle Unter-      anpassbarer, assistierender Eingabemasken besser
    stützung von einem Wikibase-Spezialisten gesucht,       zu unterstützen.
    der uns bei dem Transfer der Datenbankstruktur,
    bei dem Datenimport und bei der Erstellung
    von anwendungsfreundlichen Eingabemasken als            Das WikiLibrary-Manifest
    Dienstleister zur Seite steht. Als nächstes werden
    wir dann erfahrene und neue GND-Anwender*in-            Das zweite Feld, auf dem wir in 2021 aktiv sind,
    nen einladen, die Erfassungs- und Suchprozesse in       ist der Schulterschluss mit Wikimedia Deutschland
    der neuen Umgebung zu testen, damit wir sie weiter      und anderen Institutionen zur Verbesserung von
    verbessern können.                                      Wikibase als technische Infrastruktur. In immer
    In der zweiten Jahreshälfte 2021 planen wir einen       mehr Kontexten wird bei der Bereitstellung von
    technischen Workflow zur Synchronisierung der           Daten auf die so genannten FAIR Data Prinzipi-
    GND-Wikibase-Instanz mit dem CBS-System.6 Ge-           en (Findability, Accessibility, Interoperability und
    plant ist, dass neue oder Anwender*innen ohne           Reusability)10 geachtet. Daten sollen stärker mitein-
    WinIBW7-Zugang, ihre Daten als Vorschlag in die         ander vernetzt werden, um insgesamt leichter neues
    Wikibase-Instanz eingeben.                              Wissen generieren zu können. Dies gilt insbesonde-
    Ein langfristiges Ziel ist es, eine leicht bedienba-    re für Daten, die mit öffentlichen Mitteln erstellt
    re und unterstützende Erfassungsumgebung für            wurden. Das ist für viele Einrichtungen eine große
    die GND anzubieten. Erste Schritte in diese Rich-       Herausforderung. Es stellt sich die Frage, ob man
    tung sind die gegenüber den bibliothekarischen          seine Daten in ein Sammelbecken für strukturier-
    Erfassungssystemen deutlich leichter zugänglichen       te Daten oder Datenportale geben soll. Ist man
    GND-Webformulare.8 Über diese lassen sich bislang       bereit, sich auf all die Konsequenzen einzulassen,
    Personen und Körperschaften erfassen. Der Ansatz        wie zum Beispiel den Verlust von Gestaltungsmög-
    ist perspektivisch allerdings nicht flexibel genug.     lichkeiten des Datenmodells, der Erfassungsregeln
    Neben den zwei genannten Satzarten der GND              oder der Qualitätssicherung? Oder setzt man auf
    gibt es vier weitere. Diese sechs Satzarten vereinen    Insellösungen und muss stattdessen mit einer ein-
    circa 50 Entitätencodes9 mit jeweils spezifischen       geschränkten Sichtbarkeit und Nachnutzung der
    Eigenschaften, mittels derer die jeweiligen Entitä-     Daten leben? Mit der Öffnung der GND wollen
    ten durch GND-Datensätze erfasst werden können.         wir eine Alternative schaffen. Wir setzen uns da-
    Benötigt würde dafür eine dynamische Eingabe-           für ein, ein zuverlässiges, maschinenlesbares und
    maske, die sich je nach Wahl des Entitätstyps oder      gemeinschaftlich unterhaltenes Linked-Open-Da-
    Nutzungskontextes anpasst, benötigte und typische       ta-Netzwerk für Kunst, Kultur und Wissenschaft
    Eingabeelemente anbietet, auf sinnvolle Eingaben        als tragfähige Grundlage für FAIRes Wissen zu
    hinweist und den Nutzenden so durch den Einga-          schaffen. Nicht die zentrale Plattform favorisieren
    beprozess geleitet. Ob Wikibase hierfür mittelfristig   wir, sondern ein offenes Netzwerk miteinander
    eine Grundlage bietet, muss sich noch zeigen. Ak-       verknüpfter Datenbanken. Dafür ist ein gemeinsa-
    tuell bietet Wikibase solche Features noch nicht.       mer organisatorischer Rahmen notwendig. Diesen
    Eine Anpassung der generischen Eingabeoberfläche        möchten wir in einem Netzwerk bieten. Ein Netz-
    ist »ab Werk« nicht vorgesehen. Auch gibt es keine      werk ist immer nur so gut wie die Partner, die es
    Möglichkeit, das Angebot auf sinnvolle Elemente         knüpfen. Gemeinsam mit Wikimedia Deutschland

8   Dialog mit Bibliotheken 2021/1                                                                CC BY-SA 3.0
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Schematische Darstellung des Projekts DACH-Dokumentationsplattform mit den Blöcken Erschließung allgemein, Arbeiten mit der GND und Formate und Systeme

               hat die Deutsche Nationalbibliothek daher das                  Mindestens ebenso bedeutungsvoll ist im Verbund
               WikiLibrary-Manifest11 veröffentlicht. Knapp vier-             mit Wikimedia Deutschland die gemeinschaftliche
               zig Einrichtungen sind bislang der Einladung ge-               Umsetzung von konkreten Maßnahmen durch
               folgt. Das Manifest lädt die unterzeichnenden In-              alle Unterzeichnenden. Es geht um die Förderung
               stitutionen ein, sich auf der Grundlage folgender              von Wikibase als eine vielversprechende techni-
               Leitlinien zu engagieren:                                      sche Infrastruktur zur Speicherung, Bearbeitung
                                                                              und zum Austausch von Daten auf der Grundlage
               · Die Förderung freier Lizenzen für Daten und                  der FAIR-Data-Prinzipien. Wir möchten Wikibase
                 deren Softwareumgebung.                                      zu einer anwendungsfreundlichen Referenzdaten-
               · Die Schaffung von Freiräumen, in denen vielfäl-              banksoftware für Datahubs formen, um so das an-
                 tige Communitys wachsen und gedeihen kön-                    gestrebte Datenökosystem zu fördern. Dazu laden
                 nen.                                                         wir weitere Institutionen aus der Bibliothekswelt,
               · Das Angebot strukturierter Daten auf der Grund-              aus allen Bereichen von GLAM (galleries, librari-
                 lage der FAIR-Data-Prinzipien, um Daten auf                  es, archives and museums) und den Geisteswissen-
                 transparente Weise in Information umzuwandeln                schaften ein, mittels Wikibase ein Ökosystem struk-
                 und so Wissen zu schaffen, das FAIR ist.                     turierter Daten zu schaffen, das einem wirklichen
               · Die Förderung gemeinsamer Mindeststandards.                  Semantic Web für FAIRes Wissen näherkommt.
               · Die Schaffung offener Organisationsstrukturen
                 und deren Einbettung in bestehende Systeme.
               · Die Bereitstellung von Ressourcen, um für alle,              Die DACH-Dokumentations­
                 die beitragen wollen und sich aktiv um Daten                 plattform12
                 und Wissen bemühen, zugängliche und anwen-
                 dungsfreundliche Benutzungsoberflächen zu                    In den letzten Jahren sind die Resultate der Com-
                 schaffen.                                                    puterlinguistik mit Hilfe der künstlichen Intelligenz
               · Die Förderung der Datenkompetenz im digita-                  immer ausgereifter geworden. Schreibprogramme
                 len Wandel.                                                  ziehen den Inhalt aus strukturierten Datenbanken

               CC BY-SA 3.0                                                                          Dialog mit Bibliotheken 2021/1                  9
DIALOG MIT BIBLIOTHEKEN - 2021/1 33. Jahrgang - Deutsche ...
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     und bauen gewissen Vorgaben folgend mit den           Die bisherige Erfassungshilfe allein für Personen mit
     Elementen die Texte. Vor diesem Hintergrund ste-      allen dazugehörigen Entitätencodes in der GND
     hen unsere Überlegungen, die Regelwerke für die       umfasst 46 Seiten.14 Die Elemente, die erfasst werden
     Formal- und Inhaltserschließung13 sowie die Erfas-    müssen, sind hingegen wenige. Neben dem Namen,
     sungshilfen für die GND in strukturierter Form in     sind es in erster Linie die Lebensdaten, der Beruf und
     einer Wikibase-Instanz zu erfassen.                   eventuell noch Verknüpfungen zu weiteren Datensät-
     Seit Jahrzehnten dokumentieren wir detailliert in     zen, wie Ortsnamen als Geburts- oder Wirkungsort
     elaborierten Texten genaue Anweisungen, wie wel-      oder ähnliches. Für jeden der Entitätencodes in der
     ches Datenfeld beispielsweise in der GND erfasst      Satzart Personen wird jedes Mal erneut beschrieben,
     werden muss. Ausgangspunkte für diese Textarbeit      wie beispielsweise das Element »Ort« modelliert wer-
     sind die Regelwerke der Formal- und der Inhaltser-    den muss. Wären diese Definitionen in einer Daten-
     schließung, die Erfordernisse und Beschränkungen      bank abgelegt, könnte in die Regel einfach das jewei-
     der jeweils zur Erschließung angewandten Software     lige Element eingefügt werden. Das heißt, ändert sich
     sowie schließlich auch die Erfordernisse des Da-      die Regel für die Merkmale zur Erfassung einer Ge-
     tenaustausches. Jedes Mal, wenn an einer Stelle in    bietskörperschaft,15 ändert man diese zentral an einer
     diesem komplizierten Beziehungsgeflecht ein De-       Stelle und alle anderen Orte, an denen dieses Element
     tail geändert wird, muss in vielen Texten, die auf    zum Einsatz kommt, werden ebenfalls aktualisiert. Es
     den Punkt Bezug nehmen, die Änderung ebenfalls        ist dasselbe Prinzip wie es auch bei den Normdaten-
     umgesetzt werden. Das bedeutet jedes Mal eine in-     sätzen in Bibliothekskatalogen angewandt wird.
     tensive Recherchearbeit durch eine große Zahl von     Wir haben angefangen, alle Elemente, die in der
     PDF-Seiten. Eine andere Folge dieser Art des Wis-     GND verwendet werden, in einer strukturierten
     sensmanagements ist, dass viele Detailinformatio-     Form zu beschreiben. Dazu übernehmen wir die
     nen, zum Beispiel wie man ein Datum eingibt, wie      Vorgaben aus den Regelwerken. Nun wird es die
     man eine Berufsbezeichnung erfasst oder welchen       Herausforderung sein, lesbare Fließtexte zu schrei-
     Code man für welches Land verwendet, an unter-        ben, in die die Elemente sinnvoll eingebettet wer-
     schiedlichen Stellen wiederholt werden müssen, um     den können. Diese können dann einerseits deutlich
     unnötiges Blättern zu vermeiden. Im Fall einer Än-    konziser als bisher aktualisiert werden und gleich-
     derung gilt es den Überblick zu haben, wann und       zeitig perspektivisch als Grundlage für die Erstel-
     wo genau die Änderung noch greift. Das birgt ein      lung der Eingabemasken für die Datenbank mit
     gewisses Risiko für Fehler und Unübersichtlichkeit.   allen GND-Datensätzen selbst dienen.
     Sicher senkt es jedoch die Anwendungsfreundlich-      Manchmal tut es gut, sich den Sinn und Zweck
     keit der Handreichung, denn immer wieder sind         seiner Arbeit vor Augen zu führen, um motiviert
     Änderungen erforderlich.                              zu bleiben, um den Fokus zu behalten oder um
     Der Grundgedanke ist frappierend einfach. Bleiben     Dritten zu vermitteln, wieso diese Arbeit wichtig
     wir erst einmal bei der GND selbst. Die Anzahl der    ist und Förderung braucht. Mit diesem Werkstatt-
     Felder, mittels derer man in den Datenformaten        bericht möchten wir Ihnen unsere Arbeit und die
     Pica oder Marc 21 Entitäten für Normdatensätzen       Ideen dahinter näherbringen. Es liegt eine spannen-
     beschreiben kann, ist überschaubar, nämlich circa     de Zeit der Pionierarbeit vor uns. Reizvoller wird
     300. Diese Datenfelder oder Elemente dienen dazu,     diese Arbeit noch durch die parallel laufenden Wi-
     Aussagen über Eigenschaften, Relationstypen, Teil-    kibase-Projekte in den neugegründeten Konsortien
     bestände oder Entitätencodes zu den jeweiligen zu     der Nationalen Forschungsdaten Infrastruktur-Initi-
     beschreibenden Entitäten zu machen. Die Datenele-     ative (NFDI) sowie weiterer großer Universal- und
     mente beinhalten definierende Merkmale und je         Nationalbibliotheken in Europa und Amerika, mit
     nach Datenformat unterschiedliche Kodierungen.        denen wir in engem Austausch stehen.
     Legt man alle Elemente in einer entsprechenden Da-    Auf der digitalen Großveranstaltung GNDCon 2.016
     tenbank ab, können die Datenelemente wie in einem     im Juni 2021 wird das Projekt zum ersten Mal der
     Baukasten nach den Regeln der zugrundeliegenden       Öffentlichkeit präsentiert und erlaubt einen Blick
     Regelwerke modular zusammengestellt werden.           in den Maschinenraum.

10   Dialog mit Bibliotheken 2021/1                                                               CC BY-SA 3.0
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Anmerkungen

1   Yuval Noah Harari: Sapiens. Der Aufstieg. Graphic Novel. München: C.H. Beck, 2020, S.68.
2	Zum Konzept der »Kognitiven Revolution« vgl. Yuval Noah Harari: Ein kurze Geschichte der Menschheit. München: Dt. Ver-
    lags-Anstalt, 2013, S.11-100.
3	Die Satzart Konferenzen der GND lässt besonders deutlich die Verschränkung der GND mit ihren Anwender*innen der Biblio-
    thekswelt hervortreten. Denn diese Satzart beschreibt eine besondere Art der Herausgeber von Publikationen.
4	Link zur Wikibase Website: 
5   Link zum Blogbeitrag über die Evaluation: 
6   CBS: Proprietäre Bibliotheks-Datenbank-Software von OCLC.
7   WinIBW: Lizenz gebundene Software zur Eingabe von Daten in die GND.
8	Das GND-Webformular bietet sich für Anwender*innen insbesondere aus Kulturinstitutionen an, wie kleineren Bibliotheken,
    Archive und Museen, die eine geringe Menge an Datensätzen in die GND einbringen bzw. ändern möchten.
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     Guido Bee, Helga Karg, Julijana Nadj-Guttandin

     Der Einsatz des Digitalen Assistenten
     DA-3 in der Inhaltserschließung der
     Deutschen Nationalbibliothek
     Bibliotheken sind bei der Bewältigung ihrer aktu-       rung, das in einer insgesamt stark ausgeprägten
     ellen und zukünftigen Aufgaben mit permanent            Homogenität der Erschließungsergebnisse zum
     wachsenden Bestandsmengen konfrontiert. In die-         Ausdruck kommt.
     sem Kontext kommt dem Einsatz maschineller Ver-         Anders als etwa in den USA ist die inhaltliche
     fahren zur Inhaltserschließung eine immer größere       Erschließung von Dokumenten im deutschspra-
     Bedeutung zu. Aber auch die intellektuell durch-        chigen Raum nicht die Aufgabe einer zentralen
     geführte inhaltliche Erschließung von Bibliotheks-      Katalogisierungsstelle, sondern wird von den Ver-
     beständen bleibt als Fundament, Ergänzung, Grad-        bundbibliotheken unabhängig voneinander durch-
     messer und Korrektiv der maschinellen Verfahren         geführt. Dabei erweist es sich immer wieder als
     weiterhin wichtig, wobei die Standardisierung der       großer Vorteil, dass die Bibliotheken im D-A-CH-
     eingesetzten Instrumente und die Vernetzung der         Raum den Kooperationsgedanken ernst nehmen
     Erschließungsaktivitäten eine immer wichtigere          und sich in umfänglichem Maße an der Erschlie-
     Rolle einnehmen.                                        ßungsarbeit beteiligen. Dieses Engagement hat sich
     Blickt man auf die beiden dominanten Formen             auch für das Wachstum und die Weiterentwicklung
     der bibliothekarischen Inhaltserschließung, die         der Gemeinsamen Normdatei (GND) als sehr för-
     systematische Erschließung mittels eines Klassifika-    derlich erwiesen. Anders als bei den Normdaten
     tionssystems und die verbale Erschließung durch         findet die Kommunikation und Kooperation im
     Verwendung von Schlagwörtern, ergibt sich ein dif-      Bereich der Titeldaten bisher allerdings nur in sehr
     ferenziertes Bild. Im Bereich der klassifikatorischen   eingeschränktem Umfang statt. Eine Verbesserung
     Erschließung haben die Standardisierungsaktivi-         dieser Situation könnte durch die Schaffung einer
     täten in den letzten Jahrzehnten zwar kontinuier-       gemeinsamen Katalogisierungsumgebung realisiert
     lich zugenommen, indem mehr und mehr der im             werden. Unterschiedliche Ausgestaltungen des Ti-
     deutschsprachigen Raum stark verbreiteten Haus-         teldatenbereichs, insbesondere was das Halten lo-
     klassifikationen durch standortübergreifende Syste-     kaler Daten angeht, lassen eine derartige Lösung
     me ersetzt wurden. Einheitlichkeit ist hier dennoch     allerdings mittelfristig noch als Herausforderung
     nicht in Sicht, wohl aber eine immer stärkere Do-       erscheinen.2
     minanz der großen, ortsübergreifenden Klassifika-       Da es keine exklusiven Zuständigkeiten für einzel-
     tionssysteme – Regensburger Verbundklassifikation       ne Medien gibt, werden zahlreiche Dokumente im
     (RVK), Dewey-Dezimalklassifikation (DDC), Basis-        bibliothekarischen Alltag mehrfach erschlossen.
     klassifikation (BK) – und ein immer besseres, auch      Vergleicht man die Resultate, fällt schnell auf, dass
     durch Konkordanzen gefördertes Zusammenspiel            die Bearbeiter*innen häufig zu ähnlichen Lösungen
     dieser Instrumente.1 Sehr viel mehr Einheitlichkeit     gelangen, die ein hohes Maß an intersubjektiver
     lässt der Blick auf die verbale Erschließung erken-     Übereinstimmung erkennen lassen. Das ist insofern
     nen: Im D-A-CH-Raum wird in den Bibliotheks-            wenig verwunderlich, als die durch ein gemeinsa-
     verbünden nahezu flächendeckend das Schlagwort-         mes Regelwerk strukturierte Bearbeitung der Doku-
     vokabular der Gemeinsamen Normdatei (GND)               mente und die Verwendung eines terminologisch
     nach den kooperativ erarbeiteten Regeln für die         kontrollierten Vokabulars für eine starke Verein-
     Schlagwortkatalogisierung (RSWK) eingesetzt. Der        heitlichung sorgen. Dennoch lässt ein Blick auf die
     einheitliche Gebrauch dieser Erschließungsinstru-       Erschließungsdaten der verschiedenen Beitragen-
     mente sorgt für ein hohes Maß an Standardisie-          den auch Unterschiede hervortreten, wie sie sich

12   Dialog mit Bibliotheken 2021/1                                                                CC BY-SA 3.0
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aus differierenden subjektiven Herangehensweisen        Interesse. In der Folge kam es auf Betreiben der UB
zwangsläufig ergeben. Solche unterschiedlichen          Stuttgart auch im Südwestdeutschen Bibliotheks-
Sichten auf den gleichen Gegenstand sind herme-         verbund (SWB) zum Einsatz. Eurospider hat dann
neutisch unvermeidbar. Sie sollten jedoch nicht –       im Auftrag des IBS|BW-Konsortiums eine neue
aus einem positivistisch verengten Verständnis der      Version des Digitalen Assistenten entwickelt, die
Erschließung – als Nachteile bedauert werden, brin-     als DA-2 firmierte. Im Rahmen des Projekts wur-
gen sie doch eine Spannung zum Ausdruck, die            de die Software für die Anwendung im Südwest-
sich für die Schaffung weiterer Zugänge produktiv       verbund angepasst und weiterentwickelt. Der DA-2
nutzen lässt.                                           erhielt eine neue Oberfläche, außerdem wurden
Es ist hilfreich und zeitsparend, bereits vorhande-     die Regensburger Verbundklassifikation (RVK) und
ne Erschließungsdaten zu kennen und ggf. auf sie        die von Eurospider entwickelte WebGND3 einge-
zurückzugreifen. Aus diesem Grund gewinnt das           bunden. Dabei wurde die Möglichkeit geschaffen,
Bemühen um eine stärkere Zusammenführung und            zusätzlich zu Einzelschlagwörtern auch Schlag-
Vernetzung von Erschließungsergebnissen mehr            wortfolgen nach den RSWK vergeben zu können.
und mehr an Bedeutung. Hier erwiesen sich bereits       Darüber hinaus wurde eine neue Ähnlichkeitssu-
der Karlsruher Virtuelle Katalog (KVK) und das Un-      che als Vorschlagskomponente programmiert. Der
terstützungstool für die Fachreferatsarbeit der UB      Umstieg auf RDA machte weitere Anpassungen des
Mannheim (Malibu) als wichtige Hilfsmittel. So          DA-2 erforderlich.4
nützlich diese Tools zur Informationsvermittlung        Die bei den Tests in der Staatsbibliothek zu Berlin
über bereits vorliegende Erschließungsergebnisse        und der UB Tübingen gesammelten Erfahrungen
sind, bleibt allerdings festzuhalten, dass ihnen eine   flossen in die nächste Entwicklungsstufe, den DA-
interaktive Komponente fehlt. Sie sind keine Ar-        3, ein, der 2018 in den Bibliotheken des SWB und
beitsinstrumente, die eine produktive Übernahme         GBV in den Routinebetrieb integriert wurde. Mit
und Umwandlung von Fremddaten ermöglichen.              der Zusammenführung der Kataloge beider Ver-
Genau diese Lücke schließt der Digitale Assistent       bünde im K10plus wurde auch die Erschließung
DA-3 der Firma Eurospider Information Techno-           in den gemeinsamen Katalog über den DA-3 ein-
logy. Die folgenden Ausführungen skizzieren kurz        gerichtet. Inzwischen hat sich das Tool zu einem
die Geschichte dieses Instruments, beschreiben          zentralen und leistungsstarken Service entwickelt,
seine wesentlichen Funktionen, berichten über die       dessen Verbreitung weiterwächst. Seit 2020 ist der
bei seinem Einsatz in der Inhaltserschließung der       DA-3 nun auch im Österreichischen Bibliotheken-
Deutschen Nationalbibliothek gesammelten Erfah-         verbund (OBV) im Einsatz. Hier werden die im
rungen und geben einen Ausblick über mögliche           DA-3 erstellten Erschließungsdaten in das Katalo-
Weiterentwicklungen sowie erwünschte Verände-           gisierungssystem ALMA übertragen.
rungen.                                                 Etwa zeitgleich startete die DNB die Anwendung
                                                        des DA-3 in der Inhaltserschließung. Zunächst soll
                                                        in einem Zeitraum von zwei Jahren getestet werden,
Die Entwicklung des                                     ob die Verlagerung eines Teils der Erschließungstä-
Digitalen Assistenten                                   tigkeit (der intellektuellen verbalen Inhaltserschlie-
                                                        ßung) in den DA-3 gegenüber der Arbeit in der
Der Digitale Assistent hat bereits eine längere Ent-    WinIBW als alleiniger Arbeitsumgebung zu einer
wicklungsphase hinter sich. Ausgangspunkt war der       Zeitersparnis führt und welche Erkenntnisse für die
DA-1, eine Entwicklung von Eurospider für die           Weiterentwicklung von Erschließungsinstrumenten
Zentralbibliothek ZB Zürich zur Unterstützung           gewonnen werden können.
der Inhaltserschließung durch Fremddaten und            Für die Bearbeitung des DNB-eigenen Titelbe-
Vorschläge auf der Basis approximativer Überset-        stands waren Anpassungen des Anwendungsprofils
zungen. Dieses Tool wurde auf dem Bibliothekar-         im DA-3 notwendig. Darüber hinaus musste die
tag 2014 in Bremen erstmals einem breiteren Bib-        Anzeige der Titeldaten um Felder erweitert werden,
liothekspublikum vorgestellt und stieß auf großes       die zur Steuerung des Erschließungsvorgangs die-

CC BY-SA 3.0                                                                  Dialog mit Bibliotheken 2021/1     13
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                    nen (Statusfeld, Reihenzugehörigkeit, Satzart). Au-    mittels Stichwörtern zu Autor*in, Titel oder Verlag
                    ßerdem wurde eine Verlinkung implementiert, so         gesucht werden. Darüber hinaus bietet der DA-3
                    dass mit nur einem Klick ein Wechsel vom DA-3 in       auch die Möglichkeit einer Stapelverarbeitung von
                    die WinIBW ermöglicht wird.                            Titeln. Über den Button »Liste hochladen und be-
                    Da im DA-3 keine fremden Daten gespeichert werden,     arbeiten« kann eine Liste mit Titel-IDNs aus der
                    erfolgt der Datenaustausch über die SRU-Schnittstel-   WinIBW in den DA-3 geladen werden, die nachei-
                    le, die entsprechend angepasst werden musste. Alle     nander bearbeitet werden können. Der Standardfall
                    Entwicklungsleistungen wurden im direkten Aus-         besteht allerdings darin, dass ein einzelner Titel mit
                    tausch zwischen dem Entwickler des Tools und den       der vorliegenden AKZ-Nummer aufgerufen wird.
                    DNB-Abteilungen IT und IE realisiert.                  Ein Klick auf den Titel führt dann in die zweite,
                                                                           eigentliche Oberfläche des DA-3, nämlich in den
                                                                           Hauptreiter »Bearbeitung«.
                    Was der Digitale Assistent bietet                      Hier präsentieren sich den Bearbeiter*innen die
                                                                           sechs Fenster des DA-3: Kurztitel, Tools, Info,
                    Seit der Einführung des DA-3 in der Abteilung In-      Scratchpad, Vorschläge und Erschließung. Alle Fens-
                    haltserschließung der DNB steht der Digitale Assis-    ter lassen sich einzeln, je nach individuellen Bedürf-
                    tent als dritte Arbeitsoberfläche (neben der Win-      nissen, anordnen und verschieben. Jedes Fenster
                    IBW und WebDewey, dem Tool für die DDC-­No-            kann in seiner Größe variiert werden. Wenn benö-
                    tationen) für die Vergabe inhaltlicher Metadaten       tigt, kann man zudem die Darstellung des Browsers,
                    zur Verfügung.                                         z. B. auf 90 Prozent, reduzieren. Dann können alle
                    Der Einstieg in die Ressourcenbearbeitung muss         sechs Fenster sehr komfortabel nebeneinander ange-
                    daher nicht mehr ausschließlich über die WinIBW        zeigt werden, ohne dass es zu Überlappungen
                    erfolgen, sondern ist auch über den DA-3 möglich.      kommt. Die Funktionen der sechs Fenster des DA-3
                    Die Bearbeiter*innen melden sich zunächst mit ei-      werden im Folgenden zunächst kurz umrissen, an-
                    genem Benutzernamen und Passwort im Digitalen          schließend daran wird der Erschließungsvorgang in
                    Assistenten an. Im Hauptreiter »Suche« kann mit-       seinen einzelnen Arbeitsschritten beschrieben.
                    tels Buchscanner sehr komfortabel die AKZ-Num-         Im Fenster »Kurztitel« werden alle für das Doku-
                    mer des vorliegenden Titels mit der Funktion           ment relevanten bibliografischen Metadaten (IDN,
                    »Nummernsuche« eingegeben werden; eine Suche           Titel, Autor*in, Verlag, ISBN, Sprache der Publika-
                    mittels ISBN oder DNB PPN (IDN)-Nummer ist             tion, bibliografische Reihe und Bearbeitungsstatus)
                    mit der Nummernsuche natürlich auch möglich.           angezeigt. Verlinkt sind die von der DNB gescann-
                    Mit der Funktion »Erweiterte Suche« kann auch          ten Inhaltsverzeichnisse sowie die kurzen In-

Die Ebene »Suche« des DA-3

     14             Dialog mit Bibliotheken 2021/1                                                                CC BY-SA 3.0
Forum

Die Ebene »Bearbeiten« des DA-3

                     haltstexte aus den Verlagsmeldungen. Über ein       die DNB-Gattungsbegriffe. Daneben werden dort
                     Pfeilsymbol neben der IDN kann direkt zur Titel-    aber auch Klassifikationen wie die Regensburger
                     aufnahme in die WinIBW gewechselt werden.           Verbundklassifikation (RVK), die Basisklassifika-
                     Im Fenster »Tools« sind alle für die DA-3-Anwen-    tion (BK) und die IxTheo-Klassifikation des FID
                     der*innen relevanten Erschließungssysteme hinter-   Theologie Tübingen, fachspezifische Vokabulare
                     legt. Für die inhaltliche Erschließung in der DNB   wie der Standard-Thesaurus Wirtschaft (STW) des
                     sind dies der Schlagwortbestand der Gemeinsamen     Leibniz-Informationszentrums Wirtschaft (ZBW),
                     Normdatei (GND), die DNB-Sachgruppen sowie          weitere Erschließungssysteme wie die SSG-Num-

Anzeige eines GND-Normdatensatzes im Fenster »Info«.

                     CC BY-SA 3.0                                                            Dialog mit Bibliotheken 2021/1   15
Forum

     mern und die Regionalcodes der Staatsbibliothek        gen zu speichern und in die Erschließung zu über-
     zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz angeboten. Es     nehmen (so gesehen übernimmt das Scratchpad
     können aber auch freie Schlagwörter ergänzt wer-       des DA-3 die Funktion der alten WinIBW-Makros,
     den. Interessant für die DNB-Bearbeiter*innen ist      die jede*r Bearbeiter*in den eigenen Bedürfnissen
     noch die ergänzende Funktion »Katalogsuche«, die       gemäß anlegen konnte). Für die Erschließung im
     im Fenster Tools angeboten wird. Hiermit kann          Bereich Literaturwissenschaft wäre das z. B. eine
     eine Umfeldsuche, z. B. nach Autor*in oder Titel-      Kombination der Sachschlagwörter »Deutsch« und
     stichwort, angestoßen werden. So können sich die       »Literatur« oder »Englisch« und »Roman« – diese
     Bearbeiter*innen mit einer Ähnlichkeitssuche einen     bilden bei vielen Titeln den »Start« einer Schlag-
     Überblick über Vergleichstitel verschaffen, sich be-   wortfolge. Natürlich können auf diese Weise auch
     reits vergebene Schlagwörter ober Schlagwortfolgen     häufig verwendete Formangaben, wie z. B. »Auf-
     anschauen und diese ggf. in die neue Erschließung      satzsammlung«, ins Scratchpad übernommen und
     übernehmen.                                            mit einem Klick in die aktuelle Erschließung in-
     Das Fenster »Info« stellt gewissermaßen die Er-        tegriert werden. So können Schlagwortfolgen ab-
     weiterung zum Fenster »Tools« dar. Wählt man           gestimmt auf eine Sachgruppe abgelegt und sehr
     in »Tools« über den Reiter GND ein bestimmtes          effizient in die Erschließung übernommen werden.
     Schlagwort aus, so wird dieses Schlagwort im Fens-     Die Aufnahme ins Scratchpad erfolgt über das Auf-
     ter »Info« als vollständiger Datensatz angezeigt,      rufen des einzelnen Schlagworts und das Klicken
     d. h. mit allen Datensatzelementen inklusive der       auf das Blattsymbol im Fenster »Info«. Natürlich
     Definition, einem eventuell vorhandenen Verwen-        sollen nur solche Schlagwörter ins Scratchpad
     dungshinweis und allen Relationen. Das ist von         übernommen werden, über deren Bedeutungsum-
     großem Vorteil, da man unmöglich die Bedeu-            fang Klarheit besteht und die ohne ein erneutes
     tungs- und Verwendungszusammenhänge von allen          Aufrufen des Gesamtdatensatzes oder zugehöriger
     Schlagwörtern, die bei der täglichen Arbeit verwen-    Titel verwendet werden können.
     det werden, aus dem Gedächtnis abrufen kann.           Das Fenster »Vorschläge« ist das zentrale Element
     Es ist also an dieser Stelle nicht notwendig, in die   des DA-3. Hier werden alle bereits mit dem vorlie-
     WinIBW zu wechseln, sondern alle relevanten In-        genden Titel verknüpften inhaltserschließenden
     formationen für eine eindeutige und gleichförmi-       Metadaten an einer Stelle kumuliert und nach Ty-
     ge Verwendung des Schlagworts werden bereits im        pen sortiert angezeigt. Sie umfassen zum einen be-
     DA-3 präsentiert. Eine hilfreiche Funktion ist auch    reits vorliegende (verbale und klassifikatorische)
     die Möglichkeit, sich das Schlagwort innerhalb der     Erschließungsleistungen der Verbünde, zum ande-
     Hierarchie der GND anzeigen zu lassen. Auf diese       ren aber auch freie Schlagwörter aus Verlagsanga-
     Weise kann das semantische Umfeld eines Begriffes      ben sowie maschinell generierte Erschließungsda-
     näher bestimmt und abgegrenzt werden. Die ver-         ten.     Alle     Angaben      sind    mit    einer
     linkte GND-Nummer führt an dieser Stelle in die        Herkunftskennzeichnung markiert: Erschließungs-
     WebGND.                                                daten aus den Verbünden werden mit der jeweiligen
                                                            Abkürzung gekennzeichnet (bvb, hebis, obv etc.).
     Hat man im Fenster »Tools« eine bestimmte DNB          Abgelieferte Verlagsdaten erscheinen unter der
     Sachgruppe ausgewählt, zeigt das Fenster »Info«        Überschrift »Freie Schlagwörter« mit dem Kürzel
     den dazugehörigen Text aus dem Leitfaden5 zur          dnb. Daten aus maschineller Erschließung der
     DDC-Sachgruppenvergabe an. So können direkt            DNB erhalten das Kürzel dnb/auto. Daten, die aus
     »vor Ort« im DA-3 Fragen nach Zugehörigkeit und        einer Konkordanz stammen, werden mit einem vo-
     Abgrenzung hinsichtlich der Sachgruppe geklärt         rangestellten @-Zeichen markiert. So ist maximale
     werden. Auch damit erspart man sich das Aufrufen       Transparenz gewährleistet und die Bearbeiter*innen
     eines weiteren Dokuments und ist so nicht gezwun-      können mit einem Blick erkennen, ob es sich um
     gen, die Arbeitsoberfläche zu verlassen. Das Fenster   intellektuelle, maschinelle oder aus einer Konkor-
     »Scratchpad« ist dafür da, häufig verwendete Schlag-   danz abgeleitete Erschließungsleistungen handelt,
     wörter bzw. immer wiederkehrende Schlagwortfol-        und diese entsprechend bewerten und einordnen.

16   Dialog mit Bibliotheken 2021/1                                                              CC BY-SA 3.0
Forum

Um die Übersichtlichkeit zu verbessern, können       können dann entweder mit einem Klick die gesam-
nicht relevante Erschließungsvokabulare durch ein-   te Folge oder aber nur einzelne Schlagwörter daraus
faches Klicken auf die Überschrift ausgeblendet      übernehmen. Im Fenster »Erschließung« findet
werden; auch das ist ein sehr nutzungsfreundliches   letztendlich dann die eigentliche Erschließung statt,
Feature des DA-3, das eine individuelle Gestaltung   indem über das Fenster »Vorschläge« bereits vorhande-
des Arbeitsvorgangs ermöglicht. Allerdings stellen   ne Fremddaten übernommen oder neue Metadaten
natürlich auch Angaben aus Erschließungssyste-       aus den Fenstern »Tools«, »Info« oder »Scratchpad«
men, die in der DNB nicht zum Einsatz kommen,        hinzugefügt werden. Sehr häufig werden beide Verfah-
sinnvolle Hinweise auf die fachliche Zugehörigkeit   ren kombiniert. Dabei müssen für die Inhaltserschlie-
und das semantische Umfeld dar, was es oft sinn-     ßung der DNB die Rubriken DNB-Sachgruppen,
voll erscheinen lässt, auf Ausblendungen zu ver-     GND-Schlagwörter und ggf. DNB-Gattungsbegriffe
zichten. Sind GND-Schlagwortfolgen vorhanden,        befüllt werden. Wie das im Einzelnen funktioniert
werden diese sowohl als Folge als auch zerlegt in    und welche Arbeitsschritte dazu durchgeführt werden,
Einzelschlagwörter angezeigt. Die Bearbeiter*innen   zeigen die folgenden Ausführungen.

Vorschläge für die verbale Erschließung

CC BY-SA 3.0                                                               Dialog mit Bibliotheken 2021/1    17
Forum

     Erschließen mit dem                                  menen Schlagwortfolge gelöscht werden – dies ge-
     Digitalen Assistenten                                schieht durch Klicken auf ein rotes Minuszeichen
                                                          neben dem Schlagwort. So ist es möglich, aus vor-
     Der Erschließungsvorgang beginnt standardmä-         handenen Vorschlägen und eigenen Ergänzungen
     ßig mit der Vergabe der DNB-Sachgruppe(n). Es        und Anpassungen eine für die jeweilige Institution
     können den Vorgaben der DNB entsprechend bis         passende verbale Erschließung zu erstellen.
     zu drei Sachgruppen vergeben werden. Im Fenster      Ist die Schlagwortvergabe beendet, müssen die Ein-
     Tools wird unter dem Button »DNB Sachgruppe«         gaben mit einem Klick gespeichert werden. Damit
     die Liste der Sachgruppen angezeigt. Durch Scrol-    wird automatisch die Exportfunktion in die WinIBW
     len in der Liste oder durch manuelle Eingabe kann    aktiviert. In einer Kontextzeile rechts oben wird die
     dann die passende Sachgruppe ausgewählt und per      Funktion »Exportieren« dann auffällig rot hinterlegt.
     Klick auf ein grünes Plus-Zeichen in das Fenster     Durch einen Klick auf die IDN-Nummer im Fenster
     »Erschließung« übernommen werden.                    Kurztitelanzeige wird automatisch die WinIBW mit
     Um in einem nächsten Schritt Schlagwörter zu         dem korrekten Titel und den über den DA-3 verge-
     übernehmen, muss im Fenster »Erschließung« unter     benen Erschließungsdaten geöffnet – auch das eine
     GND zunächst die Funktion »Neue Folge anlegen«       sehr benutzerfreundliche Funktion, die das wieder-
     ausgewählt werden. Sind bereits GND-Schlagwör-       holte Aufrufen des Titels in der WinIBW unnötig
     ter aus Fremddaten vorhanden,finden sich diese im    macht. Die Übernahme von bereits vorhandenen
     Fenster »Vorschläge« unter der Überschrift GND.      Fremddaten ist im DA-3 komfortabel und effizient
     Es können entweder einzelne Schlagwörter oder        gestaltet und ermöglicht eine einfache Bearbeitung
     ganze Schlagwortfolgen per Klick auf das Plus-Zei-   und Integration in die eigenen Bibliotheksbestän-
     chen in die Erschließung übernommen werden. Ist      de. Gerade die Tatsache, dass die Schlagwörter eben
     man sich des Bedeutungsumfangs oder der Fach-        nicht mehr einzeln eingegeben, aus der GND »ge-
     zugehörigkeit eines Schlagworts nicht sicher, kann   holt« und am Titeldatensatz eingefügt werden müs-
     das betreffende Schlagwort mit einem Klick aus-      sen, stellt sich als äußerst zeitsparend heraus.
     gewählt werden, und im Fenster »Info« wird dann      In der WinIBW selbst muss der Erschließungsvor-
     der gesamte GND-Datensatz mit den relevanten         gang dann durch die Vergabe einer DDC-Notati-
     Elementen wie der GND-Systematiknummer, Ver-         on vervollständigt werden. Ist das erfolgt – entwe-
     weisungen, Oberbegriffen sowie der Definition        der über das Klassifizierungstool WebDewey oder
     angezeigt. Es ist natürlich auch möglich, weitere    durch eine manuelle Eingabe über ein Makro in der
     einzelne Schlagwörter oder ganze Schlagwortfolgen    WinIBW –, kann der Titel für die Anzeige in der
     selbst hinzuzufügen. Dazu sucht man, wiederum        Deutschen Nationalbibliografie freigegeben werden.
     im Fenster »Tools«, über den Button GND das
     korrekte Schlagwort aus und überträgt es in das
     Erschließungsfenster. Die Darstellung der GND        Zukunftsperspektiven
     im Fenster »Tools« ermöglicht eine gezielte, nach
     Schlagworttypen gegliederte Recherche. So kann       Ein großes Plus des DA-3 ist, wie oben ausgeführt,
     die Suche z. B. nur auf das Sachschlagwort oder      seine übersichtliche Oberfläche und die fast intuitive
     nur auf Personen eingeschränkt werden. Damit         Menüführung. Die Normdaten und Titeldaten wer-
     wird einer fehlerhaften Verwendung zum Beispiel      den sekündlich aktualisiert, sodass es keine Verzöge-
     von Homonymen und Hinweissätzen vorgebeugt.          rungen bei der Übertragung oder unterschiedliche
     Auch die Zeit- und Formangaben können gezielt        Datenstände gibt. Soll der Digitale Assistent DA-3
     ausgewählt und eingefügt werden. Die Reihenfol-      langfristig das zentrale Tool für die Inhaltserschlie-
     ge der ausgewählten Schlagwörter im Fenster »Er-     ßung der DNB werden, müssen über die effizienten
     schließung« kann, um eine sinnvollere Abfolge der    Möglichkeiten der Fremddatennutzung hinaus weite-
     Schlagwörter abzubilden, durch einfaches Drag-       re Funktionalitäten bedacht und ausgestaltet werden.
     and-drop verändert werden. Andererseits können       Ein entscheidendes Manko des aktuellen Geschäfts-
     auch einzelne Schlagwörter aus einer übernom-        gangs besteht darin, dass zu viele Instrumente

18   Dialog mit Bibliotheken 2021/1                                                              CC BY-SA 3.0
Forum

nacheinander eingesetzt werden müssen. Der DA-3                        sowie Redaktionstools für die Kommunikation der
hat das Potential, eine Zusammenführung der un-                        GND-Verbundpartner, die derzeit mittels Mailbox-
terschiedlichen Arbeitsprozesse und –umgebungen                        verfahren in der WinIBW erfolgt. Auch muss geprüft
in einem einzigen Tool zu ermöglichen. Für die Re-                     werden, wie sich der DA-3 in die langfristige Planung
alisierung eines solchen »one-stop-shop« für die In-                   eines neuen Katalogisierungsclients einfügen lässt.
haltserschließung wäre es von essentieller Bedeutung,                  Beim letzten Workshop der DA-3 Anwender*innen
die Vergabe von DDC-Notationen im eigentlichen                         hat sich gezeigt, dass ein großer Teil der beschriebe-
Sinne sowie von Kurznotationen ebenfalls über den                      nen Anforderungen und Funktionalitäten auch von
DA-3 vornehmen zu können, was durch eine Verbin-                       anderen DA-3-Anwender*innen benötigt wird und
dung zum Client WebDewey gelöst werden könnte.                         ein starkes Interesse an einem Austausch über die
Des Weiteren müssen die Prozesse des Qualitäts-                        Weiterentwicklungsmöglichkeiten des Tools besteht.
managements für die Ergebnisse der maschinellen                        Auch wenn also noch einiges zu tun ist, bleibt
Erschließung, die einen inzwischen unverzichtba-                       festzuhalten, dass die Integration des DA-3 in die
ren Anteil der Inhaltserschließungsaktivitäten an                      Inhaltserschließung der DNB eine erhebliche Ver-
der DNB ausmachen, auch im DA-3 durchgeführt                           besserung der täglichen Arbeit darstellt. Der Einsatz
werden können. Um ein solches Qualitätsmanage-                         zahlreicher digitaler Features hat nicht nur zu einer
ment durchführen zu können, reicht es allerdings                       deutlichen Komfortsteigerung bei den Erschlie-
nicht, wenn ein Schlagwort im DA-3 mit dem Hin-                        ßungsprozessen geführt, sondern auch die Vernet-
weis »maschinell vergeben« deklariert wird. Für eine                   zung der an der Inhaltserschließung im deutschspra-
Analyse und Bewertung der maschinellen Erschlie-                       chigen Raum beteiligten Instanzen stark gefördert.
ßung sind darüber hinaus Informationen über das                        Mit dem Einsatz des DA-3 dürfte zudem eine er-
jeweils verwendete Tool (z.B. Annif) unabdingbar.6                     hebliche Effektivitätssteigerung verbunden sein.
Last but not least bietet der DA-3 aktuell noch                        Die entsprechenden Rückmeldungen vieler Kol-
keine Möglichkeit, Normdatenpflege zu betreiben.                       leg*innen geben bereits jetzt Anlass zu der Vermu-
Das ist insofern bedauerlich, als die Pflege des Vo-                   tung, dass der Einsatz des DA-3 sich sehr positiv
kabulars von zentraler Bedeutung für eine effiziente                   auf die Geschwindigkeit der Medienbearbeitung
Inhaltserschließung ist. Um dieses Manko zu beseiti-                   auswirkt. Genaueres wird man allerdings erst nach
gen, müssten noch einige weitere Funktionen in das                     einer Evaluation am Ende der Testphase sagen kön-
System integriert werden. Dazu zählen z.B. eine ver-                   nen. Das Ergebnis dürfte auch von den Verbesse-
besserte Katalogrecherche, um das semantische Um-                      rungen des Tools beeinflusst werden, die noch wäh-
feld eines Normdatensatzes einschätzen zu können,                      rend des Testzeitraums entwickelt werden.

Anmerkungen

1	Vgl. Guido Bee: Universalklassifikationen in Bibliotheken des deutschen Sprachraums. In: Heidrun Alex/Guido Bee/Ulrike Junger
    (Hg.): Klassifikationen in Bibliotheken. Berlin/Boston 2018, S. 23–63, hier S. 56f.
2	Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist allerdings die Zusammenführung der Verbundkataloge des Gemeinsamen Biblio-
    theksverbunds (GBV) und des Bibliotheksservice-Zentrums Baden-Württemberg im K10plus; vgl. Ralf Goebel/Reiner Diedrichs:
    K10plus – der Katalog für zehn Bundesländer, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und weitere Einrichtungen. Präsentation auf
    dem 106. Bibliothekartag, Frankfurt am Main 2017; URL:  (letzter Abruf. 06.01.2021)
3   URL:  (letzter Abruf: 08.01.2021)
4	Imma Hinrichs/Armin Kühn/Peter Schäuble: Die Weiterentwicklung des Digitalen Assistenten, Version 2 (DA-2). Präsentation
    auf dem Workshop »Computerunterstützte Inhaltserschließung« am 8./9. Mai 2017 in der UB Stuttgart, URL:  (letzter Abruf:06.01.2021)
5	
  Heidrun Alex (Bearb.): DDC-Sachgruppen der deutschsprachigen Nationalbibliografien: Deutsche Nationalbibliografie, Das
    Schweizer Buch, Österreichische Bibliografie. Leitfaden zu ihrer Vergabe. Version 1.1, Stand 1. Juni 2014. Frankfurt: Deutsche
    Nationalbibliothek. URL:  (letzter Abruf: 07.01.2021).
6	Zum Qualitätsmanagement vgl. Elisabeth Mödden: Inhaltserschließung im Zeitalter von Suchmaschinen und Volltextsuche. In:
    B.I.T.online 21 (2018) H.1, S. 47-51, hier S. 48f.; Elisabeth Mödden/Christa Schöning-Walter/Sandro Uhlmann: Maschinelle Inhalts-
    erschließung in der Deutschen Nationalbibliothek, in: Forum Bibliothek und Information 70 (2018) H. 1, S. 30-35, hier S. 34f.

CC BY-SA 3.0                                                                                    Dialog mit Bibliotheken 2021/1          19
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