Die "Passion"- Kontroverse - Der Film von Mel Gibson - Christliches Medienmagazin - pro Medienmagazin
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D 8293 F
2/2004 Christliches Medienmagazin
Zweites Quartal
Kirchenrat Dan
Peter: Gemeinden
in die Medien
Der Film von Mel Gibson
Die „Passion“-
Matthias Roth:
Mit Musik in die
Medien
Kontroverse
Im Israelreport:
So manipulieren
MedienEditorial
Liebe Leser, Inhalt
Titelthema:
der Telefonanruf kam überraschend: der leitende Redakteur
„Die Passion Christi“ in der Diskussion 4
der bekannten WDR-Talksendung „Hart aber Fair“ war
Die „Passion“ und die zwei Amerikas 5
mitten in den Vorbereitungen für die kommende Ausgabe der Evangelistische Herausforderung 7
Diskussionsrunde und fragte bei mir an, ob ich als Teilnehmer Das Evangelium nach Gibson 8
zur nächsten Sendung kommen würde. Das Thema: „Die geile
Gesellschaft“. „Es geht um Sex in den Medien, um Reizüber- pro Spezial:
flutung. Sie als Christ können dazu doch bestimmt einiges sagen“, sagte mir der Öffentlichkeitsarbeit
Redakteur des Westdeutschen Rundfunks und lud mich ins Studio nach Köln. Sein Öffentlichkeitsarbeit: Den Glauben
Angebot habe ich sehr gerne angenommen – und die vielen Reaktionen von pro- auf den Marktplatz bringen 10
Lesern und Freunden haben uns bestärkt, uns auch weiterhin in Zeitungen und Interview: Dan Peter: Christen
Zeitschriften, im Radio und eben auch im Fernsehen für das Evangelium einzu- müssen in die Medien 12
setzen. Es ist schön, wenn wir als Christen solche Möglichkeiten erhalten und vor Christ & Medien: Zeitungsleser leben.
einem Millionenpublikum Stellung zum Glauben beziehen können! Und zum Leben gehört Gott. 14
Aktuell: Impulstour „EINS“ 17
Und um genau dies geht es in der aktuellen Ausgabe der pro, die Sie in den Fernsehen: So kommt der Gottes-
Händen halten: Um Öffentlichkeitsarbeit für den Glauben. Christen sollen in die dienst ins Fernsehen 18
Medien, die auch für das Evangelium das Tor zur Öffentlichkeit sein können. In Aktuell: Sinnenpark Ostergarten
vielen Artikeln lesen Sie anhand konkreter Beispiele, wie Öffentlichkeitsarbeit sorgt für Schlagzeilen 20
aussehen kann. Wir wollen Ihnen damit Mut machen, die Medien als Möglich- Service: Der Gemeindebrief als
keit der Mission anzusehen. Unsere Christliche Medien-Akademie (CMA) bietet Informationsquelle 22
Ihnen auch hier ganz praktische Hilfe. Zahlreiche Seminare sind eigens für die Sich per Leserbrief einmischen 23
Öffentlichkeitsarbeit konzipiert. Informieren Sie sich unverbindlich oder bestellen Gemeinde: Von der Moderation 3
Sie unser CMA-Programm. Per Telefon unter (06441) 915 151 oder im Internet und Veranstaltungsleitung 24
unter www.cma-medienakademie.de. Die neue Vielfalt im Gottesdienst 26
Internet: Homepage der Gemeinde 28
Ein aktueller Anknüpfungspunkt für Mission durch Öffentlichkeitsarbeit ist der
Musik: Ein Pfarrer erreicht die
aktuell in den Kinos laufende Film des US-Regisseurs Mel Gibson, „Die Passion
Herzen der Menschen 30
Christi“. Der Film ist nicht unumstritten, bringt aber Jesus Christus wie nie zu-
vor ins Gespräch der Medien und Gesellschaft. Hier haben Christen eine besondere
Impressum
Chance: durch spezielle Veranstaltungen in der Gemeinde, durch Podiumsdiskus- Herausgeber:
sionen oder Vorträge können Christen wie Nicht-Christen auf das Evangelium Christlicher Medienverbund KEP
Christliche Medien-Akademie (CMA)
hingewiesen werden. Postfach 18 69, D-35528 Wetzlar
Uns interessiert Ihre Meinung zu dem Film! Telefon: (0 64 41) 9 15-151
Telefax: (0 64 41) 9 15-157
Bitte schreiben Sie uns!
Herzlichst, Ihr Vorsitzende: Margarete Kupsch-Loh
Stellvertreter: Ulrich Effing
Geschäftsführer: Wolfgang Baake
pro-Redaktion: Andreas Dippel (Leitung),
Elisabeth Hausen, Ellen
Titelfoto: Nieswiodek-Martin, Dana Nowak,
Wolfgang Baake Constantin-Film Egmond Prill, Norbert Schäfer,
Jörg Zander
E-Mail Redaktion: pro@kep.de; editor@israelnetz.de
Der aktuelle Buchtipp Anzeigen:
(Leserbriefe, Kontakt)
Christoph Görlach
Telefon: (0 64 41) 9 15-167
Dietrich Bauer, lungen, insbesondere unser Umgang mit
Telefax: (0 64 41) 9 15-157
„Besser Wirtschaften. dem Geld zu Aussagen der Bibel stehen. E-Mail: anzeigen@kep.de
Finanzstrategien auf biblischer Basis“ Wer einmal anfängt, in dem in flüssigem Internet: www.kep.de; www.israelnetz.de;
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Hänssler Verlag 2003, Stil geschrieben Buch zu lesen, wird bald www.the-good-news.org
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tätige Bankdirektor und Vorstand der der Auslegung eines neutestamentlichen Druck: Brühlsche Universitätsdruckerei
Gießen
Evangelischen Kreditgenossenschaft Kas- Textes. Der Verfasser geht auf die Treue Bankverbindung: Volksbank Wetzlar-Weilburg
sel, frühere Oberkirchenrat der Evangeli- in Geldgeschäften ebenso ein wie auf die Kto.-Nr. 1013 181, BLZ: 515 602 31
schen Landeskirche in Württemberg und Steuerehrlichkeit, auf das haushalterische Dauer-Beihefter: Der Israelreport
Leiter des Finanzdezernats zeigt in zehn Spenden, auf weitsichtige Lebensvorsorge pro-Abonnenten-Verwaltung: Einzel- und
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Beziehung unsere wirtschaftlichen Hand- Gerhard Röckle (0 64 41) 9 15-157; E-Mail: office@kep.deTitelthema
Die „Passion“-Kontroverse
Selten war Jesus Christus so präsent in Medien und Gesellschaft
Kaum ein Kinofilm hat in den vergangenen Jahren bereits vor dem Kinostart für so viel Aufsehen und Diskussionen
gesorgt wie „Die Passion Christi“. Haben noch vor dem Kinostart des Filmes zunächst die Medien in Kommentaren
und Artikeln heiß um Sinn und Inhalt des Streifens diskutiert, ist jetzt auch unter Christen die Diskussion um den Film
entbrannt. Ist er ein noch nie da gewesenes Mittel zur Evangelisation, Botschafter des „Wortes der Gnade“ – oder ein
Film, der selbst hartgesottene Christen entsetzt? „Die Passion Christi“ polarisiert.
Wolfgang Baake noch wesentlich mehr zu sagen. Zwar klar: dem Film und der Botschaft, den
ist das Leiden und der Tod Jesu für den Bildern und Eindrücken, kann sich kaum
Nach dem Kinostart im Februar über- katholischen als auch den evangelischen ein Zuschauer entziehen. Was bleibt,
schlugen sich zunächst die Medien in Glauben zentraler Inhalt, doch stellen sind nicht nur Diskussionen um übermä-
den USA mit Lob – aber auch Kritik. gerade die Evangelisten und Apostel die ßige Gewaltdarstellungen, sondern auch
Genauso geteilt ist das Echo auf „Die Auferstehung als Sieg Jesu über den Tod das Gespräch zwischen Christen und
Passion Christi“ in Deutschland: Wäh- und die Sünde in den Mittelpunkt der Nicht-Christen über die Botschaft Jesu
rend christliche Journalisten den Film als Theologie. Christi. Denn neben dem unvergleich-
„evangelistisches Werk“ und „Schock- lichen Leiden Jesu gehören
therapie für Christen“ bezeichnen, blickt auch die Auferstehung, die
der überwiegende Teil der Medien auf die Aussagen der Bergpredigt,
4 „Gewaltszenen“ und „blutigen Phantasi- die Heilung der Kranken, die
en“ des US-Schauspielers und Regisseurs Zuwendung zu Ausgestoße-
Mel Gibson. Der Film wird in einer Rei- nen, die Liebe zu den Men-
he mit Gibsons bisherigen Produktionen schen zur Botschaft Jesu. Die
aufgeführt: „Mad Max“, „Braveheart“ Vermittlung der umfassenden
oder „Der Patriot“ diagnostizieren dem biblischen Botschaft an die
Regisseur einen Hang zu gewalt- und Welt ist Aufgabe der Christen
blutrünstigen Szenen. und der Film „Die Passion
Christi“ kann als Grundlage
Dabei war jedoch die Grenze zur schnö- zur Evangelisation durchaus
den Lästerei schnell überschritten. Das genutzt werden.
Magazin „Der Spiegel“ etwa titelte:
„Doku-Soap im Garten Gottes“ und Selten jedenfalls war Jesus
bescheinigte dem Film einen „Overkill Christus so präsent in den
an Brutalität“. Der „Rheinische Merkur“ Medien, in Gesellschaft und
bezeichnete den Streifen als „Evangelium Kirche wie seit dem Kinostart
mit der Peitsche“, die „Welt am Sonntag“ von Gibsons Film. Bei aller
schrieb von einem „Dornenkronen-Mas- angebrachter und unange-
saker“ und einem „Horrorfilm“. Das brachter Kritik dürfen nicht
evangelische Magazin „Chrismon“ warn- die Chancen verpasst werden,
te gar seine Leser vor dem Film: „Der die der Streifen für mehr
erste und wichtigste Ratschlag: Sparen Evangelium mit sich bringt.
Sie sich das Geld für den Filmbesuch. Bevor jedoch die Kontroverse um die Denn vielleicht fällt das Urteil über „Die
Wer diesen Film von Mel Gibson nicht Brutalität und Gewaltdarstellung los- Passion Christi“ bei vielen Besuchern
anschauen will, verpasst nicht viel.“ Und brach, entbrannte eine Diskussion um an- ähnlich aus wie bei dem Autor der Ta-
die Wochenzeitung „Die Zeit“ titelt: geblich antisemitische Inhalte des Filmes. geszeitung „Hamburger Abendblatt“,
„Nur Blut, Schmerzen und Hass: Mel Der jüdische Verband „Anti Defamation der sich in seinem Artikel über den Film
Gibsons unchristlicher Christus-Film“. League“ warf Gibson vor, alte antisemi- selbst als „aufgeklärten Heiden“ bezeich-
tische Klischees zu verbreiten. Mit dieser nete: „Entscheidender ist, dass am Ende
Bei all dieser Kritik sind sich viele Chris- Diskussion rückte der Film in den Mit- Liebe und Güte die Botschaft des Films
ten mittlerweile einig: Die dargestellten telpunkt der Berichterstatter, lockte die sind, dass der Film zum Nachdenken
letzten zwölf Stunden in Jesu Leben Zuschauer in Scharen in die Kinos und und Diskutieren anregt und dass sogar
mögen sich eng an die Berichte in den bescherte dem Streifen Rekordeinnahmen der ‘ungläubige’ Autor mit einem be-
Evangelien anlehnen – doch Matthäus, und -besucherzahlen. Trotz aller Kontro- wegten, positiven Gefühl den Kinosaal
Markus, Lukas und Johannes haben versen um „Die Passion Christi“ wird verlässt.“ Titelthema
Die „Passion“ und die zwei Amerikas
„Was euch jetzt gezeigt wird, ist die Wahrheit“
Kann der Film „Die Passion Christi“ unsere Gesellschaft verändern? Hat die Botschaft des Kinostreifens das Poten-
tial, Menschen aufzurütteln, sie auf die Botschaft der Bibel hinzuweisen? Nicht nur in den Vereinigten Staaten, welt-
weit liegen die Werte am Boden, wird dem Christentum immer weniger Beachtung geschenkt. Das könnte der Film
des US-Regisseurs und Schauspielers Mel Gibson ändern. pro-Kolumnist Uwe Siemon-Netto, lutherischer Theologe
und Journalist, gibt Einblick in die aktuellen Debatten der amerikanischen Gesellschaft und einen Ausblick auf die
erhoffte Veränderung – durch einen Kinofilm, der Furore macht.
Seit Mel Gibsons Film „Die Passion Mitglieder meiner früheren Gemeinde
Christi“ in den USA angelaufen ist, beo- in New York es immer taten, nachdem
bachte ich ein amerikanisches Kontrast- wir an Karfreitag Bachs „Johannespas-
programm. Einerseits sehe ich im Kino sion“ als Gottesdienstliturgie gefeiert
mit unverbrämter Klarheit, was Christus und gemeinsam den letzten Vers des
erlitten hat. Andererseits vermittelt mir Schlusschorals gesungen hatten, den
das Fernsehen von früh bis spät, wo- Aufschrei: „Herr J-e-s-u Christ, erhöre
für er leiden musste – eine verkorkste mich, erhöre mich! / Ich will dich preisen
Menschheit. ewiglich.“
Am Set: Regisseur Mel Gibson (rechts) und 5
Ich habe mir die „Passion“ schon zwei- Und dann ist da das andere Amerika, das
Jesus-Darsteller Jim Caviezel
mal angeschaut und verharrte hernach Amerika der Schlangen schwuler Braut-
lange im Foyer eines Washingtoner „Die Erschrockenen muss man mit dem paare vor dem Rathaus von San Francis-
Lichtspieltheaters, in dem Gibsons Werk Wort der Gnade aufrichten“, sagte Lu- co. Oder auch das Amerika der Bürger-
auf drei Leinwänden zugleich läuft. Da ther. Hier ist’s geschehen. Das Wort der meister von Portland in Oregon, New
waren Schwarze, Gelbe und Weiße, da Gnade erreichte uns mit blutiger Gewalt Paltz (Neu-Pfalz) und Ithaka im Staate
waren Kinder – jawohl: ganz kleine Kin- vom Kreuz. New York, die jetzt ebenfalls dem Gesetz
der! – Studenten, elegante Zeitgenossen, die Stirn bieten und als Hohepriester der
Bettler und Greise. Dies also ist das eine Amerika – das Ame- postmodernen Toleranz-Religion Män-
rika von Evangelikalen und Katholiken, ner mit Männer und Frauen mit Frauen
Sie alle saßen nach der Vorstellung mit von bis dato laschen Christen, vielen vermählen. Dies ist das Amerika des Jus-
weit aufgerissenen, erschrockenen Augen Juden und anderen Mitbürgern. Lange, tizministers von New York und sozialak-
lange in ihren Sesseln. Ich benutze das lange nach der Schluss-Szene erheben sie tivistischer Richter, die sich hochmütig
Wort „erschrocken“ bewusst. Es war sich und gehen schweigend nach Hause über demokratisch beschlossenes Recht
eine Lieblingsvokabel der Reformatoren. – nachdenklich, aufgewühlt, so wie die und Naturrecht hinwegsetzen und diesen
Aberwitz billigen.
Morgens nach dem Aufwachen und
nachts vor dem Zubettgehen flimmern
mir die Bilder aus diesen beiden Ameri-
kas im raschen Wechsel ins Schlafzim-
mer, wo mein Fernseher steht. Dies sind
die wichtigsten Themen – wichtiger fast
als der Krieg im Irak und der US-Wahl-
kampf. Was sich hier abspielt, ist ein ein-
zigartiges theologisches Drama: Hier der
Tanz der Wahnsinnigen auf dem Vulkan;
hier die dekadente Gesellschaft, die sich
wie in der Endphase des Römerreiches
benimmt; hier die Verblendeten, die es
Fotos: Constantin-Film
für eine Verwirklichung des Menschen-
rechtes halten, dass Amerika pro 1.000
Filmszene: Maria Magdalena (Monica
Bellucci) streckt die Hand nach Jesus ausTitelthema
das Geschöpft verehrt und ihm gedient
haben statt dem Schöpfer, der gelobt ist
in Ewigkeit.“ (Römer 1, 24-25) Hier sind
plappernde Medienmenschen, denen es
gar nicht in den Sinn kommt, dass die
Horrorbotschaften aus der Kirche Sa-
tans Werk am Leibe Christi reflektieren
könnten: der Jubel um den Schwulen,
der zum anglikanischen Bischof ge-
weiht wurde; die Kunde, dass sich in
den letzten 50 Jahren 4.292 katholische
Priester – vorwiegend Homosexuelle
– an 10.667 Kindern vergangen haben.
Hier sind Schriftgelehrte, evangelische
wie katholische, die ich zum Thema Gib-
Fotos: Constantin-Film
son interviewte. Sie hatten „Die Passion
Christi“ nicht gesehen. Aber haben alle
eine Meinung – eine schlechte. Zum
Schluss brüllte ich Theologen, zum Teil
Freunde, übers Telefon an: „Glaubt ihr
Unter dem Martyrium der römischen Sol- Lenno die größte Einschaltquote seiner nicht, dass es Zeit ist, die Amerikaner
daten: Jesus auf dem Weg nach Golgatha Karriere bescheren, wenn er Mel Gibson und Europäer zu schütteln, bis sie wieder
interviewt. Hier sind diese Erschrocke- zu Sinnen kommen?“ „Hmmmm“ ant-
Frauen dreimal so viele Ungeborene meu- nen – auch sie Sünder wie wir alle -, die worteten sie. „Ja. Hmmmmm. Vielleicht.
6
chelt wie Deutschland – 40 Millionen, seit sich sorgen, dass Gott den USA den Rü- Nein, aber doch nicht so.“ Wie denn
das Oberste Gericht des Landes dies vor cken zugewandt haben könnte. In diesem sonst, ihr Brüder? Was habt ihr denn in
31 Jahren für rechtens erklärt hat. anderen Amerika kursiert zur Zeit das euren illustren Karrieren getan, den Leu-
Paulus-Wort: „Darum hat Gott sie in den ten vor Augen zu führen, wie teuer Gott
Und da sind die anderen, die im tiefsten Begierden ihrer Herzen hingegeben in ihr Heil erkauft hat?
Innern wissen, dass hier etwas furcht- die Unreinheit, so dass ihre Leiber durch
bar schief gegangen ist. Hier sind die sie selbst geschändet werden, sie, die Hier – lasst uns dieses Thema getrost ein-
Menschen, die dem Talkshow-Star Jay Gottes Wahrheit in Lüge verkehrt und deutschen – ist die lamentable Bischöfin
Maria (Maia Morgenstern) vor dem
GekreuzigtenTitelthema
Jepsen, die neckisch empfahl, das Kreuz was das Kreuz bedeutet. „Ach“, stöhnen bloßlegten. Es ist notwendig, dass uns
von den Kirchtürmen durch das Symbol die Vornehmen, „musste dies so brutal dies klar wird.
der Krippe zu ersetzen, obwohl sich auf geschehen?“ Jawohl, so brutal musste es
den Kirchturmspitzen eher Wetterhähne sein – brutal wie Matthias Grünewalds Das eine Amerika sieht weg, begutachtet
drehen. Das sei doch „viel netter, nicht Isenheimer Altar aus dem Jahr 1515, der lieber das Treiben einer gottlosen Gesell-
wahr?“ Eine Lutheranerin sagte so etwas ebenfalls Ströme von Blut zeigt. Auch da- schaft. In der Kinoreihe vor mir saß das
– die hochdotierte Leiterin einer Kirche, mals, unmittelbar vor der Reformation, andere Amerika: eine schwarze Familie,
deren Gründer uns einschärfte: „Chris- drohten die Deutschen wieder zu verhei- Vater, Mutter, drei kleine Kinder. „Ihr
tus selbst gibt seinen Christen das Kreuz; den, mussten sie in deutlichster Bilder- werdet gleich etwas Furchtbares sehen“,
derhalben sollen sie es annehmen als ein sprache erfahren, dass Christus keinen hörte ich den Vater sagen, „aber ihr dürft
gewisses Zeichen, dass sie Gottes Kinder Scheintod erlitt, wie der Islam behauptet, jetzt die Hände nicht über die Augen
und im Reich Christi sind.“ sondern eine unsägliche Marter über sich halten, denn was euch jetzt gezeigt wird,
ergehen ließ – vor der Kreuzigung Hiebe das ist Wahrheit.“ Als das Licht wieder
Und da ist Mel Gibson, der mit dem mit Peitschen, deren Riemen mit Metall- anging, verließen sie mit feuchten Augen
wirksamsten Mittel unserer Zeit – der kugeln versehen waren, die Muskelstücke den Saal – erschrocken, ja; verbogen?
Kamera – den Erschrockenen erläutert, aus Jesu Leib rissen und die Knochen Nein. Gott sei Dank!
Große evangelistische Herausforderung
„Die Passion Christi“ als Sprungbrett für die Öffentlichkeitsarbeit
Wie kann der Film „Die Passion Chris- neutralen Ort wie ein Restaurant oder besucher. Geben Sie den Menschen nach
ti“ für die Öffentlichkeitsarbeit einer eine lokale Buchhandlung. Ermutigen Sie dem Kinobesuch den „Text zur Passion“.
Gemeinde genutzt werden? Und wel- Ihre Gemeindemitglieder, ihre kirchen- Das ist eine Zusammenfassung aus allen
che Chancen bietet der Kinofilm für fernen Freunde dazu einzuladen. Evangelien und der Apostelgeschichte.
die Evangelisation? Eine gute Vorbe- Rüsten Sie Gemeindeglieder mit Einla-
reitung der Gemeinde ist wichtig, um Öffentlichkeitsarbeit dungskarten aus, mit denen sie Freunde
für diese einzigartige Gelegenheit, Machen Sie die filmbezogenen Veranstal- zur „Passion“ und zu einem der themen-
Menschen auf Jesus hinzuweisen, tungen in der Lokalpresse bekannt. Sen- bezogenen Ereignisse in Ihre Kirche ein-
gut gerüstet zu sein, meint Peter J. den Sie Leserbriefe, schreiben Sie über die laden können.
Ischka von der Internationalen Bibel- geplanten Aktivitäten der Kirche. Damit
gesellschaft Deutschland. Und gibt tragen Sie dazu bei, dass die Gemeinde Von mehreren Organisationen gibt
hier praktische Tipps. besser in der Öffentlichkeit wahrgenom- es spezielle Publikationen, die für
men wird. Machen Sie die geeigneten Pu- die Nacharbeit für Gemeinden,
Gebet ist das Fundament, auf das jede blikationen für die Nacharbeit verfügbar. Kleingruppen oder im persönlichen
Evangelisation aufgebaut werden soll. Nach dem Filmbesuch haben die Men- Kontakt gut geeignet sind.
Bilden Sie Gebetsgruppen speziell für schen Fragen. Der Film ist so intensiv, www.ibsdirekt.de
diese Herausforderung. Gebet für die jeder Besucher wird irgendwie auf www.marburger-medien.de
Menschen, die diesen Film sehen. Gebet dieses Erlebnis reagieren. Kirchenfer- Anzeige
für Kirchen und deren Mitglieder, dass ne Menschen brauchen Hilfe, um die
sie diese Chance erkennen, die für das tiefen Eindrücke gut verarbeiten zu
Evangelium und unser Land darin ver- können. Da ist die Gemeinde gefragt.
borgen ist. Aktionen direkt am oder im Kino:
Fragen Sie die Kinogeschäftsführung,
Die ganz persönliche Ebene ob Sie das Publikum vor oder nach der
Wählen Sie sorgfältig Nachbarn, Freunde Veranstaltung ansprechen dürfen. Erklä-
und Arbeitskollegen aus, von denen Sie ren Sie die grundlegende Bedeutung der
glauben, dass Gott sie durch diesen Film „Passion“ und weisen Sie auf Folgever-
erreichen kann. Und suchen sie Gebets- anstaltungen in den Kirchen in der Stadt
partner um für verschiedene Bereiche hin, die in den nächsten Wochen stattfin-
kontinuierlich zu beten. den. Dazu geeignet ist das Buch „Der Text
zur Passion“.
Laden Sie eine Gruppe von verschiedenen
Experten für eine Podiumsdiskussion ein, Bibeltext zur Passion
die kompetent über den Film und die Bi- Kaufen Sie NT-Teilausgaben oder Evan-
bel reden können. Wählen Sie dafür einen gelien und verteilen Sie diese an Kino-Titelthema
Das Evangelium nach Gibson
Überschreitet „Die Passion Christi“ die Grenze des Mitleidens?
Es ist eine der kürzesten und gleichzeitig weitreichends-
ten Formen einer Frage: Warum? Sie zielte in der mehr
als 2.000-jährigen Geschichte des Christentums ab auf
das Leiden und den Tod Jesu, die in den Evangelien
geschildert werden. Millionen Menschen stellten die
Frage: Warum musste Jesus das erleiden? Die biblische
Antwort: Um die Schuld der Menschen zu tragen, sie zu
erlösen. Nach dem Betrachten des Filmes „Die Passion
Christi“ stellen sich Zuschauer die Frage erneut – nur
zielt die Frage in eine andere Richtung: Warum musste
Mel Gibson diesen Film drehen?
Andreas Dippel – und reißen ganze
Fleischstücke aus
Mit dem Beschluss von Pilatus geht dem Rücken des
das Gemetzel los: Man möge diesen Geschundenen.
8
Jesus abführen und ihn geißeln. Danach „...17, 18, 19,...“
sollten die Anklagen der Hohenpriester zählt der römische
und des jüdischen Volkes beglichen sein, Hauptmann auch
meint Pilatus. Also wird Jesus abgeführt, bei dieser Tortur.
in einem römischen Prätorium mit Ei-
senfesseln an einen Steinblock gefesselt. Diese Sequenzen
Sein Rücken streckt sich den Peinigern haben Hunderttau-
entgegen. An einem Holztisch sitzt ein sende Zuschauer
römischer Hauptmann, um den Gefes- seit dem Kinostart
selten stehen sadistisch lachende Sol- des Filmes „Die
Foto: Constantin-Film
daten in voller Montur. Und beginnen, Passion Christi“
mit spitzen Holzstöcken auf den Rücken in den deutschen
des Gefesselten einzudreschen, in die Kinos gesehen.
Haut graben sich tiefe Furchen. „...20, Und auch Chris-
21, 22,...“ zählt der Hauptmann hinter ten diskutieren: Gibsons Vision für den Film: „Ich wollte ein Kunstwerk schaffen.“
seinem Holztisch, und bei jeder Zahl Muss man diesen
zischen die Stöcke auf den geschundenen Film sehen? Denn im Laufe der Szenen tails haben die Evangelisten verzichtet,
Jesus nieder. Der Zuschauer leidet mit, schwindet langsam das Mitleid mit dem mehr musste nicht gesagt werden. Das
windet sich bei jedem Hieb, will, dass die auf brutalstmögliche Weise gefolterten reichte. Bis Mel Gibson kam. Aus diesen
Szene bald ein Ende hat und Jesus end- Jesus (dargestellt von Jim Caviezel), bei Versen drehte der gläubige Katholik einen
lich am Kreuz sterben kann. Doch das vielen stellt sich purer Ekel ein. Doch es kompletten Film, in dem die letzten zwölf
Ziel ist in weiter Ferne. Zunächst muss sei nötig, durch solche Bilder aufgewühlt Stunden Jesu vor seinem Tod ausführlich
Jesus noch viel mehr erleiden. zu werden, lautet eine Meinung zum dargestellt werden. Die Vorbereitungen
Film. Aber: Rüttelt die Bibel denn nicht für „Die Passion Christi“ dauerten mehr
Der Hauptmann gibt seinen Folter- selbst auf? Muss denn das Wort Gottes als zwölf Jahre. Gibson begann damals, die
knechten den Befehl, zu drastischeren durch einen Film machtvoll unterstützt Schriften und Ereignisse der Passionsge-
Mitteln zu greifen – Peitschen aus Le- werden? Was der US-Schauspieler und schichte zu recherchieren. Anlass war nach
derriemen, an deren Enden Metallstücke Regisseur Mel Gibson auf die Leinwand eigenen Aussagen eine „spirituelle Krise“
mit Widerhaken befestigt sind. Bevor die gebracht hat, ist die Ausweitung von nur Gibsons, die dazu führte, dass er seinen
Tortur fortgesetzt wird, lässt einer der wenigen Versen aus den Evangelien, die Glauben neu überprüfte und bewertete.
Römer seine Peitsche in den Holztisch das Leiden Jesu Christi für die Mensch- Vor allem aber begann er über das Wesen
fahren und reißt grobe Splitter aus der heit beschreiben. Es ist die ausführlichste von Leid, Schmerz, Vergebung und Er-
Tischplatte. Jetzt weiß der Zuschauer, Darstellung der „Geißelung“ Jesu, wie lösung nachzusinnen. Und brachte seine
was folgt. Wieder peitschen die Riemen die Evangelien das Leiden Jesu in einem persönliche Erfahrung auf die Leinwand:
durch die Luft, prasseln auf Jesus nieder Wort zusammenfassen. Auf weitere De- „Meine Vision für den Film war es, einTitelthema
Kunstwerk zu schaffen, das Bestand ha- geschickt lancierten Kampagne schaffte gleichbare Argumentation legte auch der
ben würde und das Publikum, welchen es Gibson denn auch, sein Projekt, das er Regisseur Steven Spielberg seinem Film
Hintergrund es auch immer haben möge, mit 30 Millionen Dollar aus seinem Pri- „Der Soldat James Ryan“ zugrunde: Hier
ernsthaft zum Nachdenken anzuregen“, vatvermögen finanzierte, ins Gespräch zu sollte den Zuschauern aus der Perspekti-
sagt Mel Gibson. bringen. Seine Kampagne bestand darin, ve der Soldaten die Realität des Krieges
den Film weit vor Kinostart einem aus- unmittelbar nahe gebracht werden. In
Doch längst nicht alle Zuschauer teilen gewählten Publikum vorzuführen: Gibson den Kinosesseln flogen den Besuchern
diese „Vision“ des Hollywood-Stars. Und lud meist bekannte Persönlichkeiten aus förmlich die Granaten und Kugeln um
zweifeln, ob die enorme und zum Teil Kirche und evangelikalem Spektrum zu die Ohren. Was als Anti-Kriegs-Film
übertriebene Brutalität im Film gerecht- Privatvorführungen ein. Und schaffte es gedacht war, wurde schnell von Kritikern
fertigt ist. Übertrieben, weil im Film Jesus so, eine Mischung aus Spekulationen und und Kinogängern aller Altersgruppen
am Kreuz zu allem Überfluss auch noch das überaus enthusiastischen und positiven als Kriegs-Film der schlimmsten Sorte
Schultergelenk ausgerenkt wird: nachdem Kommentaren seines sauber ausgewählten bezeichnet. Von Spielberg vielleicht
bereits die linke Hand am Kreuzbalken Publikums in den Medien zu platzieren. gut gemeint, schlugen seine Absichten
festgenagelt ist, bindet ihm ein römischer Selbst Papst Johannes Paul II. spannte schlichtweg ins Gegenteil um. Schülern
Soldat einen Strick ums Handgelenk und Gibson für einige Wochen vor seinen Kar- und Jugendlichen jedenfalls kann der
zieht so lange daran, bis die Schulter mit ren: „So war es“, soll das Oberhaupt der Film nicht als warnendes Exempel gegen
einem lauten „Knack“ bricht. Erst dann Katholischen Kirche nach einer Privatvor- Krieg vorgesetzt werden. Ähnlich ist
wird der Nagel durch die Handfläche
getrieben. Übertrieben, weil der „Spötter“
am Kreuz in der „Vision“ des Gibson für
seine Lästerung unmittelbar bestraft wird:
ein Rabe lässt sich über ihm nieder und
pickt dem mit-gekreuzigten Verbrecher
9
das rechte Auge aus. Die Szene wird nicht
etwa nur angedeutet, nein, Gibson lässt
auch hier das Blut ausgiebig spritzen – und
zeigt die Rabenszene gleich aus zwei Ka-
meraperspektiven.
Immer wieder führten Kritiker des Filmes
die bisherigen Werke Gibsons zu Felde
und bemühten sich, darauf hinzuweisen,
dass der Regisseur schon häufig die scho-
nungslose Darstellung von Gewalt zum
Zentrum seiner Kinowerke gemacht hat.
Ganz Unrecht haben sie damit nicht.
Allein die Filme „Braveheart“ oder „Der
Patriot“ sind Beispiele für Gibson-Strei- www.sharethepassionofthechrist.com – Karten, Schmucknägel oder Tassen im Internet
fen, die Kinobesucher schockierten. In
dieser Tradition stehe auch „Die Passion führung im Dezember vergangenen Jahres es auch bei „Die Passion Christi“. Die
Christi“, Gibson habe eine „Passion für gesagt haben. Doch mittlerweile stellte Hoffnungen auf das „Bibel-Epos“, wie
Blut“, heißt es in Berichten. sich heraus: Das hatte der Papst wohl nie ein evangelisches Nachrichtenmagazin
gesagt, seine Kardinäle im Vatikan demen- den Film fälschlicherweise bezeichnete,
Dass der konservative Katholik seinen Film tierten die von Gibson verbreiteten Worte sind bei vielen Christen in Enttäuschung
der Öffentlichkeit zunächst als persönli- vehement. Dass zudem der Streifen un- umgeschlagen. Nicht zuletzt, weil auch
ches Projekt verkauft und gleichzeitig eine mittelbar vor Ostern in die Kinos kommt, hartgesottene Christen nach dem Ki-
eigene Merchandising-Kampagne lostritt, ist ebenfalls kein Zufall. Es ist die Zeit für nogang den Gedanken nicht loswerden:
wird Gibson ebenfalls übel genommen. „Passion“. „Das Leben Jesu und seine Botschaft
Im Internet bietet seine Firma Tassen und bestand doch aus so viel mehr als aus
Mousepads mit Bildern des gemarterten Wer nun die übertriebene Darstellung Leid und Folter.“ Und wer den Film
Christus feil, seine Fans können auch von Gewalt in Gibsons „Passion“ kriti- gesehen hat, wird die Bilder so schnell
Originalnachbildungen der Nägel kaufen, siert, beißt schnell auf Granit. Denn als nicht mehr vergessen können. Zumindest
die dann an Lederbändchen um den Hals Rechtfertigung für diese schonungslose ein Problem stellt sich nicht: Über die
getragen werden sollen. Dahinter steckt Darstellung von Leid und Brutalität in Auswirkungen des Films auf Kinder und
ein gesunder Wirtschaftssinn und die einem Kinofilm dient Gibson natürlich Jugendliche muss sich niemand Gedan-
Erkenntnis, die alle Hollywood-Filme zu die „reale Vorlage“, in diesem Fall die ken machen. Denn „Die Passion Christi“
Kassenschlagern macht: ein Film muss Evanglien. Doch ist die Bibel ein „Dreh- ist von der Freiwilligen Selbstkontrolle
ins Gespräch gebracht werden. Mit einer buch“ für einen Kinofilm? Eine ver- (FSK) erst ab 16 Jahren freigegeben. Öffentlichkeitsarbeit
Jesus will Öffentlichkeitsarbeit
Warum wir den Glauben auf den Marktplatz bringen sollen
„Wer Gutes tut und darüber redet, kommt in die Zeitung. Wer Gutes tut und nicht darüber redet, kommt in den
Himmel.“ So lautet ein zwar locker formulierter, aber doch treffend auf den Punkt gebrachter Spruch. Der Satz fasst
zusammen, zu was es gute Angebote von Gemeinden bringen – sichtbar für die Öffentlichkeit und nicht sichtbar
für die Zukunft. pro-Autor Egmond Prill ist der Frage nachgegangen, wie Christen und Gemeinden ihren Glauben
öffentlich machen können und meint: „Wir Christen wollen beides: in die Zeitung und in den Himmel kommen.“ Wie
zumindest die Öffentlichkeitsarbeit wirksam werden kann, lesen Sie hier.
Egmond Prill keitsarbeit geschieht ständig und überall Inhalt ist die biblische Botschaft von
da, wo wenigstens zwei Menschen zu- der Befreiung der Menschen. Durch
Für viele Christen ist der ganze Bereich sammentreffen. Informationen werden den Glauben an Jesus Christus werden
der Werbung, des Marktes und der Ver- ausgetauscht. Auch Schweigen und Menschen frei von der Sünde, frei von
marktung im Zusammenhang mit dem Nichtstun bedeutet Öffentlichkeitsar- der Sucht und damit frei für ein neues
Glauben eine anrüchige Angelegenheit. beit, denn beides wird ebenfalls wahrge- Leben. Das muss der Welt gesagt und
Es werden Macht und Manipulation nommen. Wer nicht sagt, was er tut, lässt gezeigt werden.
Der auferstandene Christus
10
erklärt: „Darum geht hin
und macht zu Jüngern alle
Völker.“ Damit ist Öffent-
lichkeitsarbeit nicht in unser
Belieben gestellt oder dem
Hobby einzelner Leute über-
lassen, sondern entspricht
einem biblischen Auftrag.
Das Evangelium wird nicht
auf geheimnisvolle Weise un-
terirdisch verbreitet und auch
nicht überirdisch ausgestreut,
sondern Menschen anver-
traut. An „Christi statt“,
so erklärt Paulus, sind die
Christen auf Achse. Er ging
in Synagogen und auf den
Marktplatz von Athen. Nach
den Informationen im Johan-
Beispiel für erfolgreiche Öffentlichkeitsar- Raum für Spekulationen. Eine christliche nes-Evangelium begann Jesus mit zwei
beit: Ein Bericht über das „Christival“ auf Jugendgruppe, die nicht öffentlich über öffentlichen Aktionen seinen Weg: Die
der Titelseite ihre Arbeit Auskunft gibt, gibt Anstöße Hochzeit in Kana – aus Kannen voller
für schräge Vermutungen. Wer seine Waschwasser wird schmackhafter Wein.
vermutet. PR-Arbeit („Publik Relations“, Türen für Einblicke verschließt, wird Die Reinigung des Tempels in Jerusalem
Öffentlichkeitsarbeit) scheint sich aus gerade Tür und Tor für Gerüchte öffnen. – mit Gewalt wirft Jesus die Händler und
Gründen der Wahrhaftigkeit für Chris- Gerüchte aber sind immer negativ. Geldwechsler aus dem Heiligtum. Das
ten zu verbieten. Dazu kommt die pro- waren Schlagzeilen! Jedenfalls wurde
testantische Tradition, wonach sich das Warum Öffentlichkeitsar- das gesehen und wahrgenommen – in
Wort allein in eigener Kraft durchsetzen
könne. Die göttliche Schrift brauche kei-
beit in den Gemeinden? ganz Israel war Jesus mit einem Schlag
bekannt.
ne menschlichen Werbe-Aktionen. Glau- Für christliche Verbände, Gemeinden
be gehört ins stille Kämmerlein, sagen und die Kirche ganz allgemein gibt es Dabei sieht Jesus immer den Einzel-
noch zu viele Gruppen und Gemeinden. einen besonderen Auftrag zur Öffent- nen. Er spricht mit Nikodemus. Er holt
Doch eins liegt auf der Hand: „Man kann lichkeitsarbeit. Christen haben für die Zachäus vom Baum herab und heilt den
nicht nicht kommunizieren.“ Öffentlich- Gesellschaft eine wichtige Information: Blinden vor Jericho. Aber Jesus wendetÖffentlichkeitsarbeit
sich auch an die Menge: „Ihr seid das Wer macht
Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf
einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Öffentlichkeitsarbeit?
Man zündet auch nicht ein Licht an und
setzt es unter einen Scheffel, sondern auf Jeder im Verein oder der Gemeinde ist
einen Leuchter; so leuchtet es allen, die Träger von Öffentlichkeitsarbeit. Außen-
im Hause sind.“ (Matthäus 5,14f) Jeder stehende merken schnell, ob sich jemand
Christ ist Träger von Öffentlichkeitsar- mit dem Verband, Werk oder der Ge-
beit. Jeder Nachfolger des Herrn steht meinde identifiziert. Nur gut informierte Die Christliche Medien-Akademie
für die Sache des Herrn. Unser Leben ist Mitarbeiter können die Arbeit nach au- ist Partner von Kirchen, Verbänden
eine laufende Plakattafel für andere. ßen positiv vertreten. Motivation ist das und Gemeinden!
Stichwort: denn wer motiviert oder mo- Tagesseminare und
Wie geschieht tiviert wird, wird nach außen wirken und Wochenendseminare (FR+SA)
Öffentlichkeitsarbeit? andere interessieren; und er wird nach
innen wirken und andere inspirieren!
Öffentlichkeitsarbeit
„Wie kommen wir in die Zeitung?“
„Ein Hund beißt einen Mann – das ist Gemeindebrief
keine Nachricht. Ein Mann beißt einen Eine gute Öffentlichkeitsarbeit beginnt Internet-Gestaltung
Hund – das ist schon eine Nachricht.“ innerhalb unserer Gemeinde. Mitglieder Einheitliches Erscheinungsbild
Vereinfacht dargestellt, aber sachlich und Freunde werden über Anliegen und Werbung und Schaukasten
auf den Punkt gebracht! Nicht alles, was Ziele, über Veranstaltungen und auch Gemeindeberatung
geschieht, hat Nachrichtenwert. Eine Probleme informiert. Es müssen nicht
Nachricht ist die Mitteilung über einen alle alles wissen, aber alle müssen jeweils Wir kommen in Ihre Gemeinde
besonderen allgemein interessanten und soviel wissen, dass sie positiv nach außen und beraten Sie vor Ort. Wir
schauen die Schaukästen an,
aktuellen Sachverhalt. Diese Mittei- wirken können. Andere schauen zuerst
beurteilen den Gemeindebrief und 11
lungen müssen dann gut geordnet und auf uns und dann in die Zeitung, um zu geben Hinweise zur Verstärkung
formuliert gezielt weitergegeben werden. erfahren, wer wir sind. Beim Blick in die der Öffentlichkeitsarbeit.
Dabei umfasst eine funktionierende Zeitung sollen die Mitmenschen weitere
Öffentlichkeitsarbeit mehr als nur die Informationen erhalten. Deshalb geben Der direkte Draht:
Abfassung einer verständlichen Presse- wir der Stadtzeitung oder dem Regional- Fon: 06441/915-151
mitteilung. blatt unsere Pressemitteilungen. Fax: 06441/915-157
www.cma-
medienakademie.de
Solche Presse-Mitteilungen sind in der Das übernehmen besondere Pressebe-
E-Mail: info@kep.de
Veröffentlichung kostenlos. Kosten- auftragte und Leute mit dem Händchen
pflichtig sind nur Anzeigen. Beides ist für Öffentlichkeitsarbeit. Doch wer ist Im breiten Spektrum der Informations-
möglich. Es ist möglich, vorab auf Ver- dafür begabt? Wer in der Gemeinde gesellschaft sind wir Christen oft nur
anstaltungen hinzuweisen und natürlich oder der örtlichen Allianz einen Draht eine Stimme unter vielen. Aber unsere
nachher zu berichten, was war. Darüber zum öffentlichen Leben hat. Wer kon- Stimmen werden gehört, wenn wir en-
hinaus ist zu prüfen, wen wollen wir taktfreudig ist und keine Scheu vor den gagiert, echt, originell, professionell und
überhaupt erreichen? Was oft vergessen Medien hat. Solche Pressebeauftragten aktuell reden. Dabei ist eins noch an-
wird, sind die Medien innerhalb der Kir- halten einen intensiven Kontakt zur zumerken: Öffentlichkeitsarbeit ersetzt
che und des eigenen Vereins. Deshalb ist Lokalpresse, zum Rundfunk und zum nicht Mission, bereitet aber den Boden
immer auch zu bedenken: Was geht ins Bürger-Fernsehen. für die Saat des Evangeliums. Wichtig
Gemeindeblatt, die Kirchenzeitung, die ist, dass die Arbeit kontinuierlich läuft.
evangelischen Nachrichtenblätter oder Mehr Evangelium Lieber kleine Schritte tun, in aller Treue.
den Kirchenfunk?
in den Medien Aber diese Schritte zu wagen, entspricht
unserem Auftrag: Geht hin und sagt es
Öffentlichkeitsarbeit beginnt zu Hause. Jesus bringt den Grundsatz moderner allen weiter!
Wie gut und wie rasch werden Mitarbeiter Öffentlichkeitsarbeit auf den Punkt: „So Anzeige
und Mitglieder informiert? Wie zuverläs- lasst euer Licht leuchten vor den Leu-
sig werden Informationen weitergegeben ten, damit sie eure guten Werke sehen Wünschen Sie sich einen
und wie freundlich werden Veranstal- und euren Vater im Himmel preisen.“ gläubigen Ehepartner?
tungshinweise angekündigt? Wie aussa- (Matthäus 5,16). Öffentlichkeitsarbeit
gekräftig ist das Informationsbrett? Wie ist Chefsache. Der Auftrag kommt di- Christlicher
aktuell ist die Krankentafel? Wie anspre- rekt von Jesus und kein Handbuch für
Partnerschaftsdienst
chend ist der Schaukasten? All das sind Öffentlichkeitsarbeit kann es treffender
wichtige Fragen der Öffentlichkeitsarbeit, sagen. Dafür habe ich den Begriff „missi- cpd
die sich Gemeinden regelmäßig stellen onarische Öffentlichkeitsarbeit“ geprägt. Telefon (07231) 472162
müssen, um wirksam in ihrer Umgebung Das heißt: Zeugnis geben in Liebe und (Info 29)
wahrgenommen zu werden. Wahrheit, Gutes tun und darüber reden.Interview
„Christen müssen in die Medien!“
Kirchenrat Dan Peter: Öffentlichkeitsarbeit ist für Gemeinden Pflicht
Wie kann eine Gemeinde in der heutigen Mediengesellschaft präsent sein und bleiben? Wie können Christen die
biblische Botschaft durch die Medien vermitteln? Und was macht eine gute Öffentlichkeitsarbeit aus? Kirchenrat
Dan Peter hat zu diesen Fragen viel zu sagen. Denn der 1960 in Tübingen geborene Theologe ist Referatsleiter für
„Publizistik und Gemeinde“ im Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Er beschäftigt sich
intensiv mit Medien, Kirchengemeinden und Öffentlichkeitsarbeit. Sein Motto: „Für viele Menschen ist das wahr,
was über Medien verbreitet wird. Deshalb muss auch die Kirche in den Medien präsent sein, um wahrgenommen zu
werden.“ Die Fragen stellte pro-Redaktionsmitglied Andreas Dippel.
pro: Öffentlichkeitsarbeit für Gemeinden eine neue Lebenshaltung. Heute prägen gegeben hat für alle zur Erlösung.“ (1.
ist für viele Christen noch immer ein unbe- die Medien Einstellungen und Meinun- Tim 2,4.6) Es geht letztlich um die Er-
schriebenes Blatt. Hat denn die biblische Bot- gen der Menschen, da muss das Evange- kenntnis der Wahrheit und um Erlösung.
schaft überhaupt Öffentlichkeitsarbeit nötig? lium ganz dringend mit gehört werden. Der Wahrheit fühlt sich übrigens auch
Peter: Eindeutig ja. Zunächst ist das Ich sehe auch eine „passive“ Auskunfts- jeder redliche Journalist verpflichtet,
Evangelium grundsätzlich auf umfas- von der Erlösung können nur Erlöste
sende Kommunikation seiner Inhalte, glaubhaft reden, schreiben oder sonstwie
auf Weitersagen und Verbreitung in publizieren.
aller Öffentlichkeit angelegt. Daher hat
12
der christliche Glaube stets die Medien- pro: Aus diesen Gründen soll der Glaube in
entwicklung und Bildung gefördert und die Medien? Und was kann Christliches in
umgekehrt die Medienentwicklung der den Medien bewirken?
Glaubensverbreitung entscheidende Im- Peter: Zunächst einmal ganz wichtig:
pulse geliefert. Denken Sie nur an die Über Gottesdienste im Fernsehen oder
Schreibstuben der Mönche oder den über Verkündigung im Radio werden
Buchdruck zur Zeit der Reformation. Menschen im Wohnzimmer, im Auto
oder im Bett erreicht, also dort, wo sie
Die christliche Präsenz in den verschie- privat und häufig auch viel offener und
densten Medien kann ich aber auch entspannter als bei kirchlichen Veran-
durch Bibelverse belegen. Wie sonst staltungen sind. Verkündigung mitten
sollen wir alle Welt erreichen? Wir ha- im Musikbett täglicher Unterhaltungs-
ben eine Sendung durch unseren Herrn, sendungen spricht ungeheuer viele Men-
um es in einem Wortspiel auszudrücken. schen an, auch solche, die kaum Gemein-
Wir sollen aktiv auf andere Menschen deveranstaltungen besuchen. Besonders
zugehen mit der christlichen Botschaft, der Hörfunk zielt direkt ins Herz, fast
die Einladung zum Glauben ausspre- Referatsleiter für Publizistik und Gemeinde: wie eine persönliche Ansprache oder die
chen, sie zu Christi Jüngern machen. Seit Kirchenrat Dan Peter Freundin am Telefon.
Pfingsten suchen Christen die Straßen,
Märkte und Versammlungsplätze dieser pflicht gegenüber unseren Mitmenschen Aber Christen haben auch einen prophe-
Welt auf, um die frohe Botschaft von sowie den Auftrag, eine gesellschaftliche tischen Auftrag, sollen die Gesellschaft
Christus weiterzusagen. Heute finden „Wächterfunktion“ wahrzunehmen: Im deuten und kritisieren oder den Schwa-
wir die wichtigsten Gesprächsforen in ersten Petrusbrief heißt es: „Lasst Chris- chen helfen, ihnen Stimme verleihen.
den Massenmedien oder im Internet. tus den Mittelpunkt Eures Lebens sein. Gerade dieser Aspekt unseres Auftrags
Seid immer dazu bereit, denen Rede erlaubt es uns nicht, die Mediengesell-
pro: Es gibt viele Bücher, Ratgeber und Infor- und Antwort zu stehen, die Euch nach schaft generell zu „verteufeln“. Wir
mationsmaterialien zum Thema Öffentlich- der Begründung Eures Glaubens, nach sollen ihre Mechanismen erkennen und
keitsarbeit. Sagt die Bibel denn auch etwas der Hoffnung in Euch fragen. Tut dies durchsichtig zu machen.
zur Öffentlichkeitsarbeit? in offener Freundlichkeit und vergesst
Peter: Zum Beispiel der so genannte nicht Eure Verantwortung vor Gott.“ (1. Das verbindet sich dann mit dem seel-
Missionsbefehl in Matthäus 28. Hier ha- Petrus 3,15). Beinahe nahtlos setzt der sorgerlichen Auftrag: Menschen in ihren
ben wir auch einen geistlichen Bildungs- Timotheusbrief diesen Gedanken fort: Lebensabläufen, Orientierungen, Verhal-
auftrag erhalten. Christen sollen andere „...welcher will, dass allen Menschen tensweisen, Denkmustern, Lebenszielen
„lehren“. Da geht es allerdings nicht geholfen werde und sie zur Erkenntnis ernst nehmen und annehmen, sie befreien
allein um Glaubenswissen, sondern um der Wahrheit kommen ... der sich selbst von falschen Fixierungen und Orientie-Interview
rungen. Christen sollen in der Vollmacht Außerdem: Eine Kirche, die nicht auf Christen daher mehr Sendungs- und
Gottes trösten, helfen, heilen und segnen. Mediengesellschaft und Medienwelt ein- mehr Selbstbewusstsein, aber auch mehr
geht, manövriert sich selbst ins Abseits, Transzendenz und mehr Transparenz,
pro: Dem Fernseher hören wesentlich mehr wird kaum mehr wahrgenommen. Wir das Himmlische und Christus sollen
Menschen zu als dem Pfarrer in der Kirche, leben nun mal in einer Kommunikati- mehr durchscheinen, um in der Medien-
immer mehr Menschen gestalten auch den ons- oder Mediengesellschaft: Medien welt bestehen zu können.
Sonntagmorgen nach dem Inhalt des Fern- sind das bestimmende Paradigma unseres
sehprogramms – und verzichten auf den Lebens, so wie es früher in einer Agrar- pro: In Kirchengemeinden gibt es schon eine
Kirchgang. Haben die Medien die Rolle der oder Industriegesellschaft der Arbeitsall- Vielzahl an Aufgaben. Warum auch noch
Kirche übernommen? tag oder Wind und Wetter waren. Energie und Zeit für Pressearbeit aufwenden?
Peter: In gewisser Hinsicht schon. Denn Peter: Tageszeitungen werden gelesen,
Medien ritualisieren den Alltag, sie geben Es gibt für mich aber noch einen ande- zumindest bei den über 35-Jährigen.
Tag, Woche, Jahr den Rhythmus, auch ren Grund: Obwohl Medien ja zunächst Außerdem spielen die aktuellen Entwick-
Sinn und Inhalt. Medien üben gewisser- neutrale Träger und Vermittler von lungen bei der Presse den Kirchenge-
maßen öffentliche Seelsorge und Beichte Botschaften oder anderen Inhalten sind, meinden in die Tasche: viele Zeitungen
aus, der Applaus der Studiogäste wird zur verfolgen ihre Macher immer Ziele, und setzen auf stärkere Lokalberichterstat-
Absolution. Gerade im Bügelfernsehen wenn es nur das simple Ziel der Aufmerk- tung, verkleinern ihre Redaktionen auf-
nachmittags wird pausenlos gemahnt, samkeit und Akzeptanz aus Gründen der grund des wirtschaftlichen Drucks und
getröstet, ermutigt und verdammt. Öf- Rentabilität ist. Uns Christen aber geht freuen sich auf Berichte über kirchliche
fentliche Medien ersetzen daher zuneh- es um die Menschen. Hoffentlich! Da- Veranstaltungen, die immer einen guten
mend Kirche und Gesellschaft, Familie her müssen wir in diesen Wettbewerb Platz in der Zeitung bekommen. Da
und Sozialbeziehungen. einsteigen. Wir haben etwas Gutes und hat sich etwas verändert in den letzten
Jahren.
Reality Shows inszenieren Wirklichkeit,
doch oft unter Laborbedingungen, bie- „Christen brauchen Zur Öffentlichkeitsarbeit gehören ja
13
ten den Zusehern Lebensmuster an. Bei mehr Sendungs- und nicht nur die Berichte in der Zeitung und
täglicher Ausstrahlung von Sendungen in der Regel schon gar nicht Sendungen
entwickeln sich Beziehungen zwischen Selbstbewusstsein.“ im Fernsehen. Zunächst einmal muss
Zuschauern und Medienakteuren, eine überlegt werden, wo Öffentlichkeit er-
Art Gemeinde vor dem Bildschirm, sei Wertvolles, das allen zusteht, das uns zur reicht werden kann, wie sich vor Ort und
es beim Dschungelcamp spät in der Weitergabe, nicht zum exklusiven Besitz, in der Region Publizistik entwickelt hat,
Nacht oder seit Jahren sonntags bei der anvertraut ist. Mit mehr Medienpräsenz wo Präsenz möglich und wünschenswert
Lindenstraße. Medien gestalten Freizeit, können wir das Ziel der Verkündigung wäre. Bei jedem Gottesdienst, auch bei
gaukeln Gemeinschaft und Interesse am erreichen. Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen und
Einzelnen vor, geben vor, den Wunsch bei jedem geistlichen Konzert wird Öf-
nach Anerkennung und Glück stillen zu pro: Sind Christen und Gemeinden für die fentlichkeit erreicht, auch wenn es vielen
können – und sie tragen immer intensi- Mediengesellschaft gut gerüstet? nicht bewusst ist. Gerade die besonderen
ver zur Werteorientierung bei. In Be- Peter: Christen und Kirchengemeinden Gottesdienste sollten auch unter diesem
ratungssendungen und „Kuppelshows“ stehen der professionell arbeitenden Aspekt bedacht und vorbereitet werden.
wird mittlerweile massiv in Lebensent- Medienwelt nicht hilflos und unterent- Anzeige
scheidungen eingegriffen, werden Bezie- wickelt gegenüber, wie viele meinen.
hungen gestiftet. Sie erkennen nur nicht ihre spezifischen
Stärken in diesem „Wettbewerb“. Im
pro: Medien nehmen in unserer Gesellschaft Gegensatz zum aktuellen Bemühen vie-
einen immer höheren Stellenwert ein. Ist ler Sender um Nähe und Eventgestaltung
auch das ein Grund, warum Kirchen und sind Christen und Gemeinden in den
Gemeinden in Medien verstärkt präsent sein entscheidenden Kriterien längst Profis.
sollten? Obwohl Nähe, Echtheit und Sorgfalt
Peter: Für mich hat die Präsenz der für alle Medien die Grundpfeiler einer
Kirche in den Medien und die mediale Medienstrategie und Medienethik bil-
Unterstützung und Bearbeitung von den, sind diese im säkularen Bereich viel
Glaubensthemen über Medien auch da- zu selten anzutreffen. Christus hat aber
mit zu tun, dass für viele Menschen nur genau das gelebt und seinen Nachfolgern
noch wahr ist, was über Medien verbrei- ans Herz gelegt. Das gilt dann umso
tet wird. Ganz nebenbei bemerkt: Gute mehr für Christen, die Glaubensinhalte
Lautsprecheranlagen und Großbildlein- über die Medien vermitteln möchten.
wände schaffen in manchen Kirchen Wenn sie darin konsequent sind, sind
eine ganz neue Aufmerksamkeit für die sie allen anderen eine Nasenlänge voraus
Botschaft, weil diese plötzlich näher ist. in der Glaubwürdigkeit. Ich wünscheChrist & Medien
Zeitungsleser leben. Und zum Leben gehört Gott.
Wie Artikel über christliche Themen in die Presse kommen
Wer einen Beitrag über das Gemeindefest, einen besonderen Gottesdienst oder die jährliche Vorstandssitzung des
Verbandes in die Zeitung bringen möchte, kommt an diesen Menschen nicht vorbei: den Redakteuren. Sie entschei-
den, welcher Artikel in die Zeitung kommt. Dieter Lemmer, Redaktionsleiter der großen Tageszeitung „Gießener
Anzeiger“, gibt Tipps, wie so manche Hürde leicht genommen werden kann.
„Das hat mir wirklich Kraft für den ist etwas Besonderes und doch Alltag, so
Tag gegeben“, sagt Lina V. und legt ein wie das Leben in einer Tageszeitung und
ehrliches Dankeschön nach. Nein, die die Tageszeitung auf dem Frühstücks-
82-Jährige hatte sich nicht beim Pfarrer tisch. Doch das ist ein anderes Kapitel.
für die Sonntagspredigt bedankt. Sie Wir wollten schließlich heute erörtern,
plauderte vielmehr mit einem Redakteur wie wir etwas von unserem Glauben an
ihrer Tageszeitung. Auch er hatte, aller- andere weiterreichen können – und zwar
dings schon am Vortag, etwas Außerge- über die Zeitung.
wöhnliches vollbracht. Etwas, das viele
seiner Kollegen mit einem Lächeln des Redakteure im Blickfeld
Mitleids quittieren werden. Und würde
er selbst nicht am längeren Hebel sitzen, Wer seine Gedanken oder die darüber
hätte er sich in einer der vielen täglichen bereits formulierten Zeilen gedruckt
14
Konferenzen für seinen Bericht mit dem sehen möchte, der kommt nicht an jenen
Foto: Volker Stumpp
öffentlichen Bekenntnis zu Gott auch vorbei, die Zeitung machen. Die Zei-
noch eine Rüge eingehandelt. tungsmacher. Nein, nicht die Drucker.
Die sind zwar auch wichtig, so wie die
Gott in der Tageszeitung? Gedruckte Austräger, die Damen und Herren der
Zeilen, die belegen, dass es ihn gibt, dass Anzeigenabteilung, die Sekretariate, die Erfahrener Lokalredakteur: Dieter Lemmer
er unter uns ist, ganz konkret, Tag für Buchhaltung und alle anderen selbst- vom „Gießener Anzeiger“
Tag und egal, an welchem Ort? Kann das verständlich auch. Aber ob und wie ihr
denn seriös sein? Wo bleibt die Ausgewo- Bericht in der Zeitung erscheint, darüber schen aus Fleisch und Blut, ausgestattet
genheit, wo sind die anderen Religionen, entscheidet nach wie vor die Redaktion. mit modernster Technik und dem festen
die anderen Götter? Willen, Tag für Tag etwas zu produzieren,
So eine Redaktion ist ein recht leben- was die Menschheit an keinem einzigen
Zum Glück gibt es Leserinnen wie Lina diges Ding. Schließlich gehören zu ihr Tag mehr missen möchte. Dafür strengen
V. Und glücklicherweise haben auch Redakteure, Reporter, Fotografen, Vo- sie ihre Gehirne an, legen sich ins Zeug
viele andere den Wunsch, in ihrer Tages- lontäre, Ressortleiter, Chefredakteure und hauen in die Tasten. Und am Ende,
zeitung etwas von Gott zu lesen. Denn – und Schreibtische, Bildschirme und nein, natürlich nicht am Ende, vielmehr
schließlich gehört Gott in diese Welt, er auch Kaffeetassen. Es sind also Men- ganz oben, über jeder Seite, jedem Bericht
So kommen Ihre Artikel in die Zeitung! Bieten Sie der Redaktion ein besonderes Erlebnis an.
Einen Blick hinter die Kulissen, ein Interview mit der
Genug der steinigen Wege, versuchen Sie es mit ältesten Besucherin, ein kurzes Hintergrundgespräch mit
einem Schlüssel zum Erfolg. Begeistern Sie die Redakti- dem Referenten („Und natürlich wird ihre Konkurrenz
on, also die Redakteure, Reporter, Fotografen, Volontäre, davon nichts erfahren...“)
Ressortleiter und Chefredakteure. Aber machen Sie es der Redaktion bei Bedarf auch
Schicken Sie statt einer langweiligen Einladung zum leicht („Wir haben da schon einen kurzen Text für Ihren
Gemeindefest ein tolles Foto an die Redaktion, auf dem Fotografen vorbereitet“).
Ihr Vorbereitungsteam schon einmal die 15,8 Meter lange
Kuchentheke auf einem 30-Tonnen schweren Tieflader Und wenn das alles keine Früchte trägt? Dann werden
aufgebaut hat. sich sicherlich auch in Ihrer Gemeinde Menschen wie
Personalisieren Sie Ihre selbstgeschriebenen Berichte Lina V. finden, die Redakteure und vielleicht auch den
über das Ereignis. Schreiben Sie von Frieda Mayer, die einen oder anderen Chefredakteur davon zu überzeugen
im nächsten Jahr 100 wird und die diesmal als 1.000. wissen, dass viele Zeitungen zwar über die Welt berich-
Besucherin begrüßt wurde. ten, aber besser Gott und die Welt als Themen bieten.Sie können auch lesen