Ein Refugium für Kind und Tier - Der Kinderbauernhof wird 30! Stadtteilzeitung von Vielen für Alle - Wilhelmsburger InselRundblick
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Stadtteilzeitung von Vielen für Alle
Aug./Sept. 2017 - 22. Jahrgang - Ausgabe 8
Ein Refugium für
Kind und Tier
Der Kinderbauernhof wird 30!
D Foto: han
Foto:DIE
DIESEITE
SEITEZWEI
ZWEI
Liebe Leserinnen und Leser!
Aus dem Inhalt
WIR ernten immer viel Bewunderung, wenn wir berichten, dass fast 20 ehrenamtli-
che Austrägerinnen und Austräger den Wilhelmsburger InselRundblick monatlich unter
die Leute bringen. Jetzt hat sich jemand gemeldet. Das ist ganz großartig, denn wir Titel
brauchten dringend eine Nachfolge für einen langjährigen Austräger, der gern aufhören 30 Jahre Kinderbauernhof
will. Lieber Wolfgang, nochmal vielen Dank für deine Hilfe. Kirchdorf S. 4 und 5
Es steht ja viel Erfreuliches in dieser Ausgabe. Der Kinderbauernhof ist 30 Jahre jung
geworden, und immer noch ist Gerd Horn, der ihn einst mitgegründet hat, die treiben- Aktuell
de Kraft. Im Wilhelmsburger Osten sind wieder drei Jungstörche groß geworden und Kultur aktuell: MusikFabrik-Festival
es besteht Aussicht, dass das große Hafenmuseum nach Steinwerder kommt und damit der KinderKultur Honigfabrik S. 3
die Peking an den Bremer Kai. Neues Buch „150 Jahre Hamburger
Dies ist die letzte Sommerausgabe und wir wünschen Allen noch viele sonnige Tage. Hafenbahn“ S. 6
Viel Spaß beim Lesen wünscht
Ihre Redaktion Aktivitäten zum Reformationsjubiläum S. 7
Abschied von OBD Jörn Walter S. 7
Unsere Last-Minute-Tipps ... Neues von „Peking“ und „Pommern“ S. 8
Sonnabend, 19.8.
12 h, Kinderbauernhof Kirchdorf, Stübenhofer Weg 19: Fest zum Drachentanzdemo gegen A26-Ost S. 9
30. Geburtstag (s. S. 4) Kultur
14 h, Treffpunkt S-Bahn Veddel, bei den Bussen: Rundfahrt „Die Kulturmonat in den Zinnwerken S. 10
13 – Schicksalslinie einer Insel“ mit Jörg Andromeda v. Prondzin- Wendie-Webfest S. 11
ski. Wir fahren mit der Metrobuslinie 13, steigen immer mal wieder aus Verschiedenes
und sehen (hören, riechen, fühlen ...) genauer hin: Die Durchsicht eines
Die Suche nach ihrer Vergangenheit S. 13
Stadtteils anhand seiner Hauptbuslinie. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Ein-
fach zum Treffpunkt kommen. Kosten: 8 - 10 Euro plus HVV-Fahrkarte. Mein roter Schlips-Kavalier S. 14
Sonntag, 20.8. Ökologie und Natur
7 – 15 h, Freizeithaus Kirchdorf-Süd: Traditioneller Sommerfloh- Hummeln auf dem Behördendach S. 15
markt. Die Stände werden draußen aufgebaut. Standgebühr: 6,- Euro, Wilhelmsburger Störche S. 15
Müllgebühr als Pfand: 5,- Euro. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Zu sehen Politik auf maritimen Auge blind? S. 21
ist dann auch die Ausstellung der NABU-Fotogruppe. Sie zeigt die Fauna
und Flora im Süden Hamburgs (s. S. 12). Schule
Behörde ehrt Elterncafé S. 17
12 h, Kinderbauernhof Kirchdorf, Stübenhofer Weg 19: Fest zum
30. Geburtstag (s. S. 4) Die Jugend ist los S. 18
14 h, Treffpunkt S-Bahn Veddel, bei den Bussen: Fahrradtour „Die Sport und Bewegung
schönsten Angsträume Wilhelmsburgs“. Eine Fahrradrundreise, auf Kaderplanung der Towers S. 17
der nicht nur Gruseliges zu sehen ist. Warum lösen manche Orte Unwohl- Neue Skateanlage in Zinnwerken S. 19
sein aus? Wie sehr ist Angst im öffentlichen Raum gerechtfertigt? Welche Sportliche Ferienangebote S. 20
Konsequenzen hat es, wenn ein Ort zum Angstraum (ein Begriff aus Pla-
nungs- und Landschaftsarchitekturkreisen) erklärt wird? Eine Anmeldung Kaffeepott
ist nicht nötig. Einfach zum Treffpunkt kommen. Kosten: 8 - 10 Euro. Die Alandinseln S. 22
2 Wilhelmsburger InselRundblick 8/2017KULTUR AKTUELL
MusikFabrik – Das Musikfestival im Sanitaspark
Die KinderKultur der Honigfabrik hat ein tolles Programm aus Tanz, Gesang, Instrumen-
talmusik, Rhythmus und Chor auf die Beine gestellt
re Kurse ins Leben gerufen.
Rund zehn musikalische Acts gibt es auf der
großen Bühne zu sehen. Unter anderem tritt
Musiker Mounir Brinsi mit seiner Jugend-
band auf und der Chor unter Leitung von
Hannah Ewald zeigt, was er in den letzten
Monaten gelernt hat. Thando Wahlbaum mit
seiner Rhythmus-Gruppe und Anita Habisch
mit Tanz sind natürlich auch dabei. „Außer-
dem haben wir alle Kinder aus dem Stadtteil
aufgerufen, etwas auf die Bühne zu bringen.
Das wird ein buntes Potpourri an Acts“, weiß
Maren Brüdigam.
Während der Bühnenpausen – und natürlich
auch zwischendurch – können alle kleinen
und großen BesucherInnen selbst aktiv wer-
den: Da lockt das große Musik-Mitmach-Zelt,
Hula Hoop, Trommeln, Zirkus, ein Parcours
Die Tanz-Crew von Anita Habisch ist aus dem früheren „Willytown“-Projekt hervorge- und eine Hüpfburg. Ein besonderes High-
gangen und wird beim Festival neue Moves zeigen. Foto: Honigfabrik-Kinderkultur light wird das Seifenkistenrennen sein, wo
PM. Am 2. September wird der Sanitaspark MusikFabrik ist eine Weiterführung des der eine oder andere Erwachsene sich be-
im Reiherstiegviertel in Wilhelmsburg ab dreijährigen Projekts „Willytown“. Dar- stimmt in seine Jugend zurückversetzt fühlt.
11 Uhr von tollen Rhythmen, melodischen aus hat sich eine Band formiert, die inzwi- Der Eintritt ist kostenlos.
Klängen, peppiger Musik und vor allem viel schen ihre eigenen Songs schreibt und ihre
Kinderlachen erfüllt sein. Denn dann fin- ersten eigenen Auftrit-
det das Kinder-Musikfestival „MusikFabrik“ te hatte. Zudem hat sich
statt, veranstaltet von der KinderKultur der eine feste Tanzcrew ent-
Honigfabrik. wickelt, die das Medium
Das Kinder-Musikfestival bildet den Ab- Tanz weiter entdecken
schluss eines Musik-Tanz-Projektes der Kin- und gestalten möchte.
derKultur. Bereits seit Monaten bereiten Um Kindern aus Wil-
sich Kinder und Jugendliche in verschiede- helmsburg die Möglich-
nen Kursen – Tanz, Band, Rhythmus, Chor keit zu bieten, die sie
– auf den Auftritt vor. Bei der „MusikFab- sonst nicht haben, ein
rik“ präsentieren sich die jungen Musizie- Musikinstrument zu er-
renden, Tänzerinnen und Tänzer das erste lernen oder Erfahrun-
Mal auf einer großen Bühne. „Das Festival gen in Musik und Rhyth-
soll zeigen, was Kinder aus Wilhelmsburg mik zu sammeln, hat die
Mehr als zehn musikalische Acts gibt es am 2.9. im Sanitas-
musikalisch alles drauf haben“, erklärt Ma- KinderKultur im Rahmen park zu bestaunen. Auch Mounir Brinsi und seine Jugend-
ren Brüdigam von der KinderKultur. der „MusikFabrik“ weite- band werden auftreten. Foto: Honigfabrik-Kinderkultur
Wilhelmsburger InselRundblick 8/2017 3DURCHHALTEN!
Vorausschauend
sic. Genau fünf Wochen
CHANCEN
Unsere Seiten für alle, die nach Wegen zu Ausbildung und Arbeit suchen.
ist es her, dass wir hier an
unserem letzten Produk- WIR zeigen Chancen auf, die unser Stadtteil bietet.
tionsmontag saßen - der WIR schreiben für mehr Bildung und gegen die große Sprachlosigkeit.
G20-Gipfel lag direkt hin- CHANCEN sind ein Projekt des Wilhelmsburger InselRundblicks.
ter uns und ragte als sehr Redaktion: Sigrun Clausen.
frischer Eindruck in diesen
Tag hinein. Nicht nur, dass
Ein Löwe wäre nicht schlecht
wir erstmal den Deckel vom Kochtopf unserer un-
terschiedlich stark brodelnden persönlichen Gipfel- Der Kinderbauernhof feiert seinen 30. Geburtstag.
Erfahrungen heben mussten - später mussten wir Im Interview erzählt Kinderbauer und Urgestein
uns ja auch überlegen, ob und wie wir die ganze Gerd Horn vom Wandel und verrät uns einen Traum
Sache in unserer Zeitung beackern wollten.
Jetzt, im Nachhinein, bin ich doppelt froh über un-
sere Entscheidung. Wir haben uns nicht auf Geifer,
Gewalt und Gerüchte eingelassen (sorry, Herr Brief-
schreiber, der so gern in unserer Zeitung das Blut
hätte fließen sehen), sondern uns für einen neut-
ralen Bericht über die Demo, die in den Hafen zog
und dort für einige Stunden den globalisierten Gü-
terstrom ins Stocken brachte, entschieden.
Aus zwei Gründen finde ich unsere Entscheidung
fünf Wochen später fast noch besser als im Juli:
Zum einen kreiste die dem Gipfel folgende öffent-
liche Debatte - und zwar auf allen Seiten - fast
ausschließlich um die Gewalt, die mit dem Ereignis
einherging. Da konnten sich alle Beteiligten freuen,
denn niemand sprach über den erschütternden
Mangel an inhaltlicher und argumentativer Subs-
tanz, einerseits der Herrschenden auf ihrem Gip-
fel selbst, andererseits der gewalttätig „Protestie-
renden“. Für die Politik war das doppelt praktisch,
1987 wurde der Kinderbauernhof von einer Gruppe engagierter Eltern um
denn so gingen auch die hochkarätigen und intelli- Gerd Horn (rechts) gegründet. Kirchdorf-Süd war im Aufbruch, viele Bewoh-
genten Gegen-Veranstaltungen, deren Inhalte zum nerInnen arbeiteten an der Verbesserung ihres Lebensumfelds mit. Die Ur-
Teil echtes revolutionäres Potenzial bargen, unter. sprungsidee hatte der damalige SAGA-Pressesprecher Ferdinand Gatermann
(links). Nach ihm ist heute ein Weg auf dem Kinderbauernhof benannt.
Zum anderen hat die stupide Gewalt-Debatte im-
Foto: Archiv Kinderbauernhof
merhin den einen oder anderen bedenkenswerten
Nebenzweig hervorgebracht. Zum Beispiel Über- hk. Der Kinderbauernhof in Kirchdorf-Süd kündigt sich schon von weitem an.
legungen dazu, welche Protestaktionen es geben Man hört Kinderlachen, sieht Tiere auf einer Weide inklusive einer Plastikkuh,
kann, die an einem Ort wie diesem tatsächlich ei- auf der Koppel sammelt jemand Pferdeäpfel. Und an der Wettern an der Otto-
nen direkten inhaltlichen Bezug zu den von den Brenner-Straße steht außerhalb der Elektroumzäunung eine kleine braune Ziege
G20-PolitikerInnen fröhlich verwalteten Verbrechen und zupft am Ufergras. Ziegen interessieren sich nicht für Zäune und sind Fein-
herstellen könnten. Besetzungen und Blockaden schmecker.
bieten sich da an: von Bankfilialen, großen Klamot- Wir sitzen in Gerd Horns kleinem Büro, hin und wieder klingelt das Telefon oder
tenketten, Kohlekraftwerken, Reedereien, Contai- ein Mitarbeiter kommt und möchte etwas absprechen. Die Geschichte des Kin-
nerterminals ... das globale Kapital schätzt es gar derbauernhofs hat Gerd Horn wahrscheinlich schon sehr oft erzählen müssen.
nicht, wenn auf seine Arbeits- und Produktions- Zeitungen und Zeitschriften haben in den vergangenen Jahren berichtet, ver-
bedingungen, Umweltsauereien und kriegerischen schiedene Fernsehsender waren da. Aus Anlass des 30. Jubiläums war der Kin-
Verwicklungen aufmerksam gemacht wird, vor al- derbauernhof gerade im Hamburg-Journal des NDR-Fernsehens.
lem, wenn das damit einhergeht, dass die KundIn- Der Kinderbauernhof ist etwas Besonderes. Gerd Horn sagt, er kenne keine
nen nicht mehr an die Tröge kommen und das Rol- vergleichbare Einrichtung, die über einen so langen Zeitraum existiere. Begon-
len des Rubels unterbrochen ist. nen hat alles vor 30 Jahren mit einer Idee des damaligen SAGA-Pressesprechers
Genau in diese Richtung ging die Demo im Hafen, Ferdinand Gatermann. Damals waren die BewohnerInnen zur Gestaltung ihres
über die wir berichtet haben: Sie hat konkret auf Lebensumfelds aufgerufen, und so ergriffen junge Eltern die Gelegenheit und
die unerträglichen Auswüchse des Welthandels auf- gründeten den Kinderbauernhof. Gerd Horn ist seit der Gründung dabei. Er hat
merksam gemacht und es geschafft, für einen Mo- auch in schwierigen Zeiten beharrlich weitergemacht und wurde so etwas wie
ment den Konsumfluss ein wenig zu unterbrechen.
die Seele des Unternehmens.
4 Wilhelmsburger InselRundblick 8/2017INFO
Sa., 19. + So.,
20. August,
ab 12 Uhr:
Das große
Fest!
Ein Wochenende lang wird
auf dem Kinderbauernhof
Geburtstag gefeiert.
Mit Trecker fahren, Reiten,
Ungefähr 250 Tiere gibt es auf dem Kinderbauernhof. Kuscheln im „Muckel- Schlemmen, Hüpfburg, Tom-
land“ genießen Mensch und Tier. Mit den Nager-Kleintieren geht der „Mobile
Kinderbauernhof“ manchmal auch auf Reisen in Schulen, Kitas und soziale bola, Musik und vielem mehr.
oder medizinische Einrichtungen. Foto: Siegfried Kuttig
Schauen Sie rein, es gibt viel
Die Idee, den Kirchdorfer Kindern einen Ort zu schaffen, an dem sie mit Tieren zu sehen!
zusammen sein können, ist bis heute ein Erfolg.
Kinderbauernhof Kirchdorf
Das blaue Eingangstor ist immer offen, der Eintritt kostet nichts. Schafe, Zie-
Stübenhofer Weg 19
gen, Gänse, Pfauen und Hühner laufen frei auf dem Gelände herum und sind
21109 Hamburg
genauso neugierig wie die kleinen BesucherInnen. Rund 250 kleine und große
www.kibaho.com
Tiere hat der Bauernhof inzwischen. Die Kinder können sie streicheln, mit ihnen
reden, sie pflegen und auch eine dauerhafte Patenschaft übernehmen. „Mancher
Pädagoge war erstaunt,“ sagt Gerd Horn, „wie schnell die Kinder hier ihre Angst
verlieren und sich selbstständig und kreativ beschäftigen.“ Etliche Kinder von Angebote im Eltern-
damals arbeiten heute als Erwachsene auf dem Kinderbauernhof mit.
„Seine ursprüngliche Bedeutung für Kirchdorf-Süd hat der Kibaho aber heute
Kind-Zentrum Veddel
nicht mehr,“ sagt Gerd Horn. Aus der Siedlung und aus Wilhelmsburg kommen Neues und Terminänderungen
nicht mehr so viele Kinder. Es gibt im Stadtteil mittlerweile eine größere Auswahl Birte Schmid. Ab dem 7. September 2017
an Angeboten für sie. Außerdem halten auch andere Einrichtungen ein paar Tie- haben wir an jedem Donnerstag ein erwei-
re. Grundsätzlich haben die Kinder heute durch den Ganztagsschulbetrieb nach- tertes Angebot im Eltern-Kind-Zentrum (EKiZ).
mittags weniger Zeit. 12 - 13 Uhr: zweiter Rückbildungsyoga-Kurs
Inzwischen kommen dafür Kindergruppen und Geburtstagsgesellschaften aus (Babys sind herzlich willkommen)
ganz Hamburg. Gerade war eine Gruppe aus Eimsbüttel da, eine Kita aus Lan- 13.30 - 15 Uhr: Mütterberatung
genhorn kommt regelmäßig und hat eine Pony-Patenschaft. „Es war auch schon 14 - 17.30 Uhr: Spiel- und Bastelnachmittag
mal eine Kita aus Lüneburg hier“, sagt Gerd Horn, „und einmal eine Gruppe aus für Familien und Kinder bis zum 6. Lebensjahr
England, die uns auf dem Programm ihrer Deutschlandrundfahrt hatte.“
Eltern-Kind-Zentrum Veddel
Ein leidiges Thema, über das auch der WIR regelmäßig berichtete, ist die un-
Uffelnsweg 1
sichere Finanzsituation. Der Kinderbauernhof erhält keine öffentliche Förderung
20539 Hamburg
und finanziert sich ausschließlich durch Spenden und die Einnahmen aus Kinder-
geburtstagen und Gruppenbesuchen. Die Hauptarbeit wird ehrenamtlich geleis-
tet, hinzu kommen 1-Euro- oder Minijobber auf Stundenbasis. Ihre dringend be- Raus!
nötigten Stellen wurden immer wieder gekürzt oder ganz gestrichen. Der
Gegen die Langeweile drinnen
Kinderbauernhof muss sich ständig neu um die Mini-Stellen bewerben. Schon oft
in der Vergangenheit wussten die Kinderbauern und -bäuerinnen nicht, wie es PM. Ein Faltblatt der Umweltbehörde stellt
weitergehen soll. dar, was Familien in Hamburg im Freien un-
Der Kinderbauernhof ist mehrfach preisgekrönt, Bürgermeister und Bezirk- ternehmen können. Es weist den Weg zu
samtsleiter waren zu Besuch und fanden lobende Worte. Kaufen konnte sich der Spielplätzen, Freibädern, Ponyhöfen, Kletter-
Kinderbauernhof dafür nichts. „Im Moment sieht es aber ganz gut aus“, sagt anlagen, Naturschutz-Infohäusern oder Wild-
Gerd Horn, „es gibt sogar Signale für eine Förderung.“ Vielleicht ist der 30. Ge- gehegen. Das Faltblatt liegt gratis in allen Be-
burtstag ja ein Anlass. Gerd Horn hofft jedenfalls, dass der Hof auch weiter exis- zirksämtern, Bücherhallen und natürlich in der
tiert, wenn er mal in Rente geht. Und auf die Schlussfrage, ob es für ihn ein Umweltbehörde, Neuenfelder Straße 19, in
Traumtier gäbe, das auf dem Kinderbauernhof noch fehlt, sagt er sofort: „ Ja, Wilhelmsburg aus. Auch abrufbar als interakti-
ein Löwe! Ein Löwe wäre gut.“ ve Karte unter www.hamburg.de/spielplaetze.
Ist natürlich nur ein Traumtier ... aber irgendwie kann man sich einen Löwen
auf dem Kinderbauernhof ganz gut vorstellen!
Wilhelmsburger InselRundblick 8/2017 5AKTUELL
150 Jahre Hamburger Hafenbahn Verkehrseinschrän-
Ein neues Buch über die Bahn, die in Wilhelmsburg stets kungen durch Verle-
präsent war, ist erschienen gung der Wilhelms-
burger Reichsstraße
PM. Im Zuge der Verlegung der Wilhelms-
burger Reichsstraße wird die Anschlussstelle
Hamburg-Wilhelmsburg umverlegt. Sie wird
sich künftig weiter nördlich auf Höhe der
Rotenhäuser Straße befinden. Dies erfor-
dert einen Ausbau der anschließenden Stra-
ßenkreuzung Rotenhäuser Straße/Drateln-
straße/Rubbertstraße, der bereits begonnen
hat. Voraussichtlich ab Anfang November
2017 muss die Dratelnstraße für etwa sechs
Wochen voll gesperrt werden. Ab diesem
Zeitpunkt wird außerdem die Rotenhäuser
Straße in Fahrtrichtung Westen als Einbahn-
straße eingerichtet. Diese Einbahnstraßen-
regelung bleibt bis zum voraussichtlichen
Bauende Mitte 2018 bestehen.
Eine Rangierabteilung überquert den Bahnübergang an der Schule Fährstraße im Jahr Ab Januar 2018 muss dann die Rubbertstra-
1982. Foto: Huckfeldt ße für etwa sechs Wochen voll gesperrt wer-
den. Die Umleitungen für beide Verkehrsein-
Manfred Schulz. Die Geschichte des dokumentieren, wie die Hafenbahn zum
schränkungen erfolgen ausgehend von der
Hamburger Hafens ist untrennbar verbun- leistungsfähigen Bestandteil des moder-
Mengestraße über die Georg-Wilhelm-Stra-
den mit der Entwicklung seiner Gleisanla- nen Hafens und seiner Hinterlandanbin-
ße, die Harburger Chaussee, die Schlenzig-
gen. 1866 eröffnete die erste Quaibahn dung wurde.
straße und den Vogelhüttendeich. Die Am-
am neuen Sandtorhafen in der heutigen Kai Pöhlsen, Manfred Schulz, Benno
pelschaltung der Kreuzung Rotenhäuser
HafenCity. In den folgenden Jahrzehnten Wiesmüller: „Die Hamburger Hafen-
Straße/Georg-Wilhelm-Straße wird hinsicht-
erweiterten sich die Bahnanlagen über die bahn – In 150 Jahren von der Quai-
lich der zu erwartenden Umleitungsverkehre
Norderelbe hinaus nach Neuhof, Steinwer- bahn zum modernen Logistikpartner“.
angepasst. Die Erreichbarkeit der anliegen-
der und Waltershof, bis in jüngeren Jah- 280 Seiten im Format A4 hoch, ca.
den Grundstücke ist jederzeit gewährleistet.
ren der Containerumschlag Anpassungen 500 Abbildungen, Fadenheftung mit
Über die einzelnen Bauphasen wird rechtzei-
erforderte. festem Einband, beigelegte Faltkarte.
tig informiert werden.
Heute ist Hamburg der größte Eisenbahn- ISBN 978-3-946-594-02-4. Preis: 48,-
BürgerInnen können sich persönlich
hafen Europas. Täglich zweihundert Züge Euro. Verlag: DGEG Medien GmbH,
über die Baumaßnahmen informieren.
mit 5.000 Waggons verkehren auf dem Mailanschrift: medien@dgeg.de
Dazu findet immer am letzten Mitt-
300 km langen Gleis-
Blick in Richtung Osten auf die zerstörte Kohlenverladean- woch im Monat von 17 bis 18 Uhr eine
netz, an das etwa 80 lage am Ellerholzhafen, November 1949. Im Hintergrund die
BürgerInnensprechstunde im Baubüro
Hafenbetriebe ange- Kreuzung Reiherdamm/Buchheisterstraße und die Drehbrü-
cke über den Reiherstieg. Foto: Staatsarchiv Hamburg/720-1 Rotenhäuser Straße 14 (Fa. Bechert &
bunden sind.
Partner; vorderes Baubüro) statt.
Ein neu erschienenes
Buch zeichnet die be-
eindruckende Entwick-
lung der Hamburger
Hafenbahn mit ihren
Anlagen, Fahrzeugen
und Werkstätten nach.
Dabei kommen Einbli-
cke in die allgemeine
Hafenentwicklung bis
heute, die Vielfalt der
Bahnfahrzeuge und die
Welt der Hafenbetrie-
be nicht zu kurz. Zahl-
reiche Fotos und Pläne
6 Wilhelmsburger InselRundblick 8/2017AKTUELL
Viel los zum Reformationsjubiläum Oberbaudirektor Jörn
Veranstaltungen, Diskussionen und Vorträge zum Thema Walter verabschiedet
Reformation und Gegenwart
Julie Chamberlain. Am Nachmittag des
Montag, 18. September von 19 bis 21 11. Juli 2017 beging der Hamburger Senat
Uhr, Friedenskirche, Weimarer Str. 10: den Weggang des für die Stadt wichtigsten
Vortrag, Karsten Mohr (Pastor, evang.-me- Städteplaners, Dr. Jörg Walter, aus der Po-
thod. Kirche) „Die Methodisten und die 2. sition des Oberbaudirektors. Freunde und
Reformation als Brücke zum Pietismus“. Kollegen feierten Dr. Walters Leistungen
während eines Senatsempfangs im Großen
Montag, 25. September von 19 bis 21 Festsaal im Hamburger Rathaus. Dr. Walter
Uhr, St. Raphaelkirche, Wehrmannstr. 9: wurde für die Realisierung der HafenCity
Vortrag, Prince Ossai Okeke (Pastor, Christ geehrt sowie für die Initiierung des ‚Sprung
Ambassadors Ministries/Arbeitsstelle Öku- über die Elbe‘, einem Konzept, welches offi-
mene) „Migrantengemeinden reformieren zielle Planungen betreut, die Wachstum im
heute!?“ Süden der Stadt anregen sollen. Es war Dr.
Walters Idee, laut dem Ersten Bürgermeis-
Mittwoch, 4. Oktober von 19 bis 21 Uhr, ter Olaf Scholz in dessen Eröffnungsrede,
Immanuelkirche auf der Veddel, Wilhelms- die Internationale Bauausstellung und die
burger Str. 73: Internationale Gartenschau als Stimulus für
Vortrag, Corinna Schmidt (Pastorin, menno- Investoren zu benutzen.
„Martin Luther - Ein Mönch verändert die nitisch-ökumenisches Forum Hafencity) „Di- Besonders hervorgehoben wurden die Elb-
Welt“. Zeichnung: U. Albers/J. Saurer inseln als ein Ort, an dem Dr. Walter sei-
alog verändert - ökumenische Impulse aus
PM. Auch auf Wilhelmsburg und der Veddel freikirchlicher Sicht“. ne Überzeugungskraft sowie sein Talent zur
wird das Reformationsjubiläum begangen. Vermittlung zwischen verschiedenen Inte-
Martin Luther und der Thesenanschlag an Mittwoch, 11. Oktober von 19 bis 21 Uhr, ressensgruppen entfaltet hatte. Am Ende
der Tür der Schlosskirche in Wittenberg vor St. Bonifatius, Bonifatiusstr. 1: der herzlichen Ehrungen seitens Walters
500 Jahren waren ein Anfang. Der Ökume- Vortrag, Anna Rubbert (Pastoralreferentin, ehemaliger Kollegen Prof. Hinnerk Wehberg
nische Inselkonvent fragt bei vielen Ver- römisch-katholisch) „Was geht mich denn und Prof. Matthias Sauerbruch, übergab die
anstaltungen, Diskussionen und Vorträgen Luther an?“ Senatorin für Stadtentwicklung und Woh-
nach der wechselvollen Wirkung der Refor- nen, Dr. Dorothee Stapelfeldt, Dr. Walter
mation bis in die Gegenwart hinein. Dienstag, 31. Oktober um 15.17 Uhr: und seinen Gästen ein Buch, welches Wal-
Gemeinsamer ökumenischer Reformations- ters Zeit in Hamburg dokumentierte. In die-
Sonnabend, 16. September von 19 bis 21 gottesdienst in der Evangelisch-Lutheri- sem Buch sind Fotos, Zeitungsausschnitte
Uhr, „Nacht der Kirchen“ auf dem Stüben- schen Kreuzkirche, Kirchdorfer Straße 168. und Zitate versammelt, die Dr. Walters Ruf
platz: als jemand mit, in Scholz‘ Worten, „kreati-
„Schaut dem Volk aufs Maul – Tischgesprä- 31. Oktober um 18 Uhr: ver Unruhe“ deutlich machen. Zudem sind
che“. Vieles bewegt die Menschen. Es ist Spiel der Kabarett-Gruppe „Notausgang“ wichtige Projekte und Meilensteine seiner
Zeit, miteinander zu reden. Zu Essen und im Heimatmuseum (Kirchdorfer Straße 163) Karriere darin zu finden.
Trinken ist eingeladen. Musikalisch wirkt die „Von der Kirche und anderen menschlichen In dem Buch äußert sich auch Kritik an der
Gruppe „Narrenbart“ mit. Schwächen“. zukünftigen Entwicklung der Stadt, vor al-
lem in den Fragen des Architekten Uli Hell-
weg, ehemaliger IBA Hamburg CEO, so zum
Beispiel wie der Bau einer neuen Autobahn-
strecke und der U4-Linie, die nicht über das
Wasser reicht, mit dem „soziale[n] Zusam-
menwachsen der Gebiete nördlich und süd-
lich der Elbe“ zusammenpassen.
Im Spätherbst wird, laut einer Pressemit-
teilung des Senats, Franz-Josef Höing die
Nachfolge Dr. Walters antreten. Er war zu-
letzt Dezernent für Stadtentwicklung, Pla-
nen, Bauen und Verkehr der Stadt Köln und
übernimmt zunächst für neun Jahre die Po-
sition des Oberbaudirektors in Hamburg.
Dr. Walter wird laut eigenen Aussagen ver-
mutlich in Hamburg bleiben.
Wilhelmsburger InselRundblick 8/2017 7AKTUELL
Die „Peking“... ... und die „Pommern“
Der Großsegler, zukünftiges Wahrzeichen des Hafenmuse- Die „schöne Schwester“ der
ums, ist in der Elbe angekommen „Peking“ liegt in der Ostsee
Die „Pommern“ auf der Werft. Foto: hk
hk. Das kleine aber feine Sjöfartsmuseum
in Mariehamn, der Hauptstadt der Ålandin-
seln, hat mit dem geplanten „großen“ deut-
schen Hafenmuseum eine Gemeinsam-
keit: Hauptattraktion und Blickfang ist die
„Pommern“, wie die „Peking“ ein Großseg-
Großer Medienrummel um die „Peking“. Die Viermastbark wurde 1911 auf der Werft ler aus der berühmten P-Liner-Flotte. Die
Blohm und Voss in Hamburg gebaut und gehörte zur P-Liner-Flotte der Laeisz-Reede- Viermastbark „Pommern“ gehörte seit 1923
rei. Sie wurde 1932 als stationäres Schulschiff nach England verkauft und lag seit 1974
der åländischen Reederei Gustaf Erikson.
als Museumsschiff auf dem East River in New York. Collage: hk
Als letzter seiner Zunft setzte Erikson noch
hk. Pressevorstellung mit großem Medien- welsfleth. Denn bis das Schiff einmal die bis zum 2. Weltkrieg auf die Großsegler.
aufgebot und vielen ZuschauerInnen am Hauptattraktion des künftigen Deutschen Die „Pommern“ fuhr bis 1939 als Weizen-
31. Juli in Brunsbüttel: Die „Peking“ ist da! Hafenmuseums werden kann, ist es noch frachter zwischen Australien und Europa.
Oder besser: Das Dockschiff mit der „Pe- ein weiter Weg. Nach dem endgültigen Aus für die Han-
king“ drauf ist da! Peter Sierk, Geschäftsführer der Peters dels-Segelschifffahrt und dem Tod Gustaf
Kapitän Joachim Kaiser vom Vorstand der Werft, erläuterte, wie es jetzt weitergeht. Eriksons schenkten seine Erben die „Pom-
Stiftung Hamburg Maritim (SHM) hat die Das Schiff wird für den Neubau des Rump- mern“ 1953 ihrem Heimathafen Mariehamn
„Peking“ auf der Überfahrt begleitet. Er fes komplett vermessen. Dann werden als Museumsschiff. Auflage war – und das
berichtete noch einmal über den bekannt Stützen eingezogen, auf denen das Deck kann die Freunde der „Peking“ neidisch ma-
trostlosen Zustand des alten Seglers. Vor nach der Abtrennung des alten, nicht rett- chen –, dass der Segler im Originalzustand
allem der Rumpf, aber auch die Aufbau- baren Rumpfes steht. An Ende der Rumpf- erhalten bleibt. Seither liegt die „Pommern“
ten und Einrichtungen sind völlig verrottet restauration wird die neue formidentische am Kai vorm Sjöfartsmuseum und wird ge-
(siehe auch WIR Nr. 4/17). Bodensektion mit dem Restschiff verbun- pflegt und in Schuss gehalten. Wenn nötig,
Das Schiff war kaum schwimmfähig, des- den. Ziel sei es, so Sierk, so viel wie mög- werden Segel genäht und Taue gespleißt
halb wurde es als Fracht auf dem Dock- lich vom alten Schiff zu erhalten oder aber und die BesucherInnen können den Schiffs-
schiff transportiert. Die „Peking“ hat die originalgetreu zu restaurieren. Wie viel handwerkern bei der Arbeit zusehen. Zur
Fahrt gut überstanden und ist klar für am Ende der Restaurierungsarbeiten dann Begrüßung von Großseglerregatten ist die
die Restaurierung. Die Arbeiten dafür be- tatsächlich von der „alten Peking“ noch „Pommern“ sogar noch mal ein kleines biss-
ginnen jetzt auf der Peters Werft in We- übrig bliebe, könne man allerdings noch chen rausgefahren. Die „Pommern“ gilt als
nicht sagen. einzige im Originalzustand erhaltene Vier-
Wenn alles klappt, sollen die Werftarbei- mastbark. Zur Zeit liegt sie allerdings ein
ten 2020 abgeschlossen sein. Dann wird paar hundert Meter weiter an einem Werft-
die „Peking“ endgültig als Teil des Hafen- anleger und kann nicht besichtigt werden.
museums nach Hamburg verholt. Wo dann Das Deck und der Besanmast werden re-
aber der Standort des vielbeschworenen noviert. Außerdem soll am alten Liegeplatz
großen „Deutschen Hafenmuseums“ sein anstelle der alten Gangways eine hölzerne
wird, ist auch nach erfolgter „Potenzial- Promenade gebaut werden, die das Schiff
analyse“ seit mehreren Monaten das Ge- dann wie ein Dock umgibt. Zum Sommer
heimnis des Senats. Die Suche sei „noch 2018 soll alles fertig sein. Auch wenn die
nicht abgeschlossen“. Die Museumsleute „Peking“ aus verschiedenen Gründen nicht
an den 50er Schuppen hoffen zuversicht- so werden kann wie die „Pommern“, ein Be-
lich, dass die Entscheidung bis Ende des such in Mariehamn würde sich für ihre Res-
Jahres fällt. tauratoren sicher lohnen.
8 Wilhelmsburger InselRundblick 8/2017AKTUELL
Drachentanz um die A26-Ost Stadtteilbeirat wählt
Bündnis Verkehrswende und Drachentheater protestieren neuen/alten Vorsitz
gegen neue Autobahn
PM. Die Mitglieder des Stadtteilbeirates
Wilhelmsburg wählten am 21. Juni mit gro-
ßer Mehrheit ihren neuen alten Vorsitzen-
den, Lutz Cassel, für weitere zwei Jahre ins
Amt. Auch Sabine Unbehaun ist weiterhin
die 1. stellvertretenden Vorsitzenden. Neu
dazu gekommen ist Oezcan Altinova als 2.
stellvertretender Vorsitzender. Das nächs-
te Mal trifft sich der Beirat nach der Som-
merpause am 13. September um 18.30 Uhr
im Bürgerhaus Wilhelmsburg. Interessierte
sind herzlich eingeladen.
Protest in Drachenhaut: 50 DemonstrantInnen sind lärmend durch Kirchdorf-Süd ge-
zogen, um gegen den Bau der A26-Ost zu demonstrieren. Foto: Blös
Anja Blös. Das „Bündnis Verkehrswen- performance auf dem Marktplatz erregte
de Hamburg“ und das „Drachentheater“ Aufsehen.
hatten zum „Drachentanz“ aufgefordert. Das “Drachentheater“ um die A26-Ost spiel-
50 Frauen und Männer und Kinder haben te im Anschluss vor Publikum im Alter von
sich aufgemacht und sind auf der Straße 3 bis 90 Jahren im Laurens-Janssen-Haus.
vom Katenweg über die Kornweide und die Der Drachentanz war ein Schritt mehr, die
Otto-Brenner-Straße durch die Siedlung ablehnende Stimmung in Kirchdorf-Süd ein-
Kirchdorf-Süd gezogen. Sie machten viel zufangen. Noch mehr Menschen in Kirch-
Lärm um den kommenden Lärm. Die neue dorf-Süd für den öffentlichen Protest zu
Autobahn ist nur 200 Meter entfernt von mobilisieren, hat aber noch nicht richtig ge-
der Siedlung Kirchdorf-Süd, der Schule Stü- klappt. Wie lässt sich die Stimmung gegen
benhofer Weg und dem Kinderbauernhof. das anachronistische Projekt der „A26-Ost
In den grünen Innenhöfen von Kirchdorf- mitten durch die Stadt“ sichtbar machen?
Süd traf der Demonstrationszug auf den Toll aufbereitete Infos zu den Argumenten
„Drachen“ und das Spiel begann. Weitere des „Für und Wider“ bietet eine Wander-
Kinder und Erwachsene schlüpften unter ausstellung. Die erste Wand ist im Laurens-
die „Drachenhaut“ und spielten mit. Kon- Janssen-Haus zu sehen beziehungsweise
fetti und Tanz und Protest. Die Drachen- auszuleihen.
Lotse-Betreuung
Individuelle Unterstützung für Menschen mit
psychischen Erkrankungen in Wilhelmsburg
Tel. 040/30 09 33 01
Fährstraße 66, 21107 Hamburg
bewo-lotse@der-hafen-vph.de
www.der-hafen-vph.de
Lotse-Beratung
Beratung und Krisenintervention
Tel. 040/75 660 175
Fährstraße 70, 21107 Hamburg
lotse@der-hafen-vph.de; www.der-hafen-vph.de
Wilhelmsburger InselRundblick 8/2017 9KULTUR
Im September werden die Zinnwerke zum Schau.Spiel.Platz
Martha Starke und Beate Karpfenberger entwickeln begehbare Installation für alle
Das Eröffnungs- liegt vom 22. bis 23. September über der
wochenende Elbinsel und ruft die Foodies der Stadt an
Ab Freitag, den 01. den gedeckten Tisch. Die experimentelle
September, sind kulinarische Plattform „COOK UP“ verkös-
die Wilhelmsbur- tigt zwei Tage lang den Schau.Spiel.Platz:
ger Zinnwerke drei In Foodtrucks, Showküchen und an Spei-
Tage lang wach. Bei setafeln stapeln sich die Salatblätter in
der Eröffnungsfei- die Höhe und das Frittierfett wird niemals
er locken neben vie- kalt. Von Junkfood bis zum feinen Gaumen-
len anderen High- streichler reicht das Angebot der Gerüste-
lights vor allem der arena.
bekannte Hambur-
ger DJ Sven Kaci- Schau.Kino.Platz.
rek und das Fit Or- September heißt nicht nur Sonnabend und
chester über die Sonntag. Auch unter der Woche wird in und
Martha (r.) und Beate bauen ihren Schau.Spiel.Platz. Foto: ein Elbe. Am 2. Sep- um die Wilhelmsburger Zinnwerke gespielt.
tember geht es wei- Vom 07. bis zum 17. September flimmert
PM. Im September werden die Wilhelms-
ter mit Kanal&Liebe, dem heiß vermissten beim Open-Air-Kino „Zinnema“ jeden Abend
burger Zinnwerke zur Plattform für Kunst,
Sommerfest der Wilhelmsburger Zinnwer- ein anderer Film über die Leinwand. Auch bei
Musik, Diskussionen, Lesungen, Work-
ke. Das Viertel und alle Gäste feiern ihren Regen bietet das Format trockene Plätzchen
shops, Genuss, Sport und mehr. Auf die-
Kulturkanal mit Workshops, Beschallung – die mobilen Gerüstelemente sind sowohl
sem Schau.Spiel.Platz. tobt sich Hamburgs
durch DJ-Kollektive, Kinderbelustigung und Projektionsfläche als auch Sitzgelegenheit.
Kulturszene aus – und jeder kann mitma-
Bierverköstigung. Wer nach diesem Schau.
chen.
Spiel.Fest noch immer keine Lust hat, aus-
Sie haben einen Ort zum Spielen gesucht
zuruhen, liefert sich am 3. September
und ihn in den Wilhelmsburger Zinnwer-
eine schöne Schnäppchenschlägerei beim
ken gefunden. Gemeinsam entwickelten
FlohZinn, dem Kulturflohmarkt in den Wil-
Martha Starke und Beate Kapfenberger als
helmsburger Zinnwerken.
Kommunikationsdesignteam „morgen.“ die
begehbare Installation Schau.Spiel.Platz:
Mode.Spiel.Platz.
Ausgediente Gerüste, die zuvor auf einer
Vom 8. bis zum 10. September sind faire
Werft im Harburger Binnenhafen standen,
Mode und Nachhaltigket die Top-Themen.
werden zur Bühne, Tribüne, Entspannungs-
Die Second-Hand-Spezialisten von „VinoKi-
zone oder Kocharena. So wird der Schau.
lo“ sind im Haus und verkaufen Vintageklei- 9.00 - 18 Uhr
Spiel.Platz. Zinnwerke zugänglich für alle. Freitag, 9.00 - 16.00 Uhr
dung zum Kilopreis. Das stoffliche Rahmen-
Nachdem monatelang die Sägen glühten
futter wird kuratiert durch die Macher des
und Metallspäne flogen, weihen die Freun-
Fair-Fashion-Bloggazines „kunstkinder“.
dinnen ihre mobilen Gerüstskulpturen am
1. September in und um die Wilhelmsbur-
Genuss.Spiel.Platz.
ger Zinnwerke ein - umrahmt von einem
Immer der Nase nach: Ein köstlicher Duft
vielseitigen Programm.
10 Wilhelmsburger InselRundblick 8/2017KULTUR
KINDER- UND JUGENDKULTUR
1./2.9.: Wendie-Webfest in der Honigfabrik Zusammen Singen
Zweite Ausgabe des Festivals rund um Webserien im Bürgerhaus
PM. Neben vielen Screenings unabhängig 12.45 h, PANEL Internationale digitale Revo-
produzierter Serien aus aller Welt erwarten lution. Es werden die Auswirkungen der di-
die Besucher des 2. Wendie-Webfestivals gitalen Revolution bezüglich etablierter und
Paneldiskussionen mit Filmemachern, Ex- sich etablierender Online-Plattformen disku-
perten, Produzenten, Vertretern von Fern- tiert.
seh- und Rundfunksendern. Darüber hinaus 15 h, PANEL Fernsehanstalten und der digi-
werden praxisnahe Vorträge angeboten, die tale Boom. Es wird hinterfragt, inwieweit Fil-
dem Publikum Know-how rund um die Pro- memacher von neuen Distributions- und Ver- Musikerin Karin Jüchter. Foto: ein
duktionsbedingungen von Webserien ver- marktungsmöglichkeiten via Social Media
PM. Ein Nachmittag, an dem wir mit Jung
mitteln. Als besonderes Highlight werden profitieren und wie Sender-Initiativen im Ver-
zum Auftakt des Festivals die Ergebnisse gleich dazu vorgehen. Unter anderem wer- und Alt im Bürgerhaus Wilhelmsburg be-
des Sommer-Workshops Digitales Storytel- den Marc Schießer, Autor, Produzent und Re- gleitet von einem Akkordeon bei Kaffee,
ling präsentiert. Über vier Wochenenden ha- gisseur der erfolgreichen Funk-Serie Wishlist, Tee und Butterkuchen Lieder zum Sommer
ben Jugendliche und junge Erwachsene aus und Christian Grundey, Gründer des Hambur- singen wollen.
Hamburg in Wilhelmsburg Webserienkonzep- ger Obsessive Underground-Festivals, spre- „Geh aus mein Herz und suche Freud“ –
te erarbeitet und eine erste Folge gedreht. chen. seit fast 5 Jahren singen wir gemeinsam
Unterstützt wurde das Projekt von der Me- 16.30 h, PANEL Schwester-Format „Podcast“. mit der Musikerin Karin Jüchter, viermal
dienstiftung Hamburg Schleswig-Holstein. Mit Gregor Kartsios von Rocket Beans TV, jährlich an einem Freitagnachmittag:
Freitag, 1. September: Serien-Themen- Holger Kreymeier von Massengeschmack TV Im Sommer draußen vor dem Bürgerhaus,
blöcke „Miteinander“ und „Krise“ und Stefan Schulz vom Aufwachen!-Podcast. an Biertischen und auf Bierbänken sitzend,
16 h, Eröffnung 18 h, SCREENING über das Web im Advent im Kleinen Saal des Bürgerhau-
17 h, Präsentation Workshop „Digitales Sto- 21 h, Preisverleihung. Wir präsentieren dem ses, weihnachtlich, mit Gedichten und Tex-
rytelling“ Hamburger Publikum die besten Einreichun- ten von Teilnehmenden.
17.30 h, Musik im Internet mit Epidemic gen. Nach Bewertung durch eine Experten- Eine Musikerin mit Akkordeon, in der Pau-
Sounds Jury werden dotierte (1.400 Euro) Preise ver- se Tee, Kaffee und Gebäck. Und die Lie-
18 h, SCREENING Miteinander liehen, die den Filmemachern gleichermaßen der: Volkslieder, Frühlingslieder, Lieder vom
19.15 h, PANEL Webserienszene in Italien. In Feedback und Ansporn sein sollen. Meer, manchmal auch Lieder in fremden
der italienischen Szene hat sich in den ver- 22 h, PARTY Mokrystraße 1 Sprachen. Menschen, die sich scheinbar an
gangenen zwei Jahren eine große Entwick- Eintritt: 7 Euro.
nichts mehr erinnern können singen plötz-
lung abgezeichnet. Die Akteure sind vernetzt Die Festivalmacher vom Verein Freundes-
lich wieder Lieder aus weit zurückliegenden
und aktiv. Ziel ist es, den strukturellen und kreis für digitales Storytelling Hamburg e.V.
Zeiten
kulturellen Besonderheiten hinsichtlich di- und Kollektiv Reclaimed Marshland möchten
Das alles ist „Geh aus mein Herz“. Manch-
gitaler Serien auf den Grund zu sehen. Der unabhängig produzierten Serien aus der gan-
mal wird sich sogar ein bisschen gestreckt,
Veranstaltungspunkt wird vom Italienischen zen Welt eine Plattform zum kreativen Aus-
um danach besser singen zu können, und
Kulturinstitut Hamburg unterstützt. tausch und Wettbewerb bieten. 2016 waren
immer gibt es ein Thema – von Liebes- bis
20.30 h, SCREENING Krise sie Titelträger der Auszeichnung Kultur- und
22 h, MitternachtsSCREENING, Mystery und zu Weihnachtsliedern. Ab und zu bringt je-
Kreativpiloten durch die Bundesregierung.
Grusel Unterstützt wird das Festival 2017 vorrangig mand ein altes Liederbuch mit, und es wer-
Eintritt: 3 Euro. von der Filmförderung Hamburg Schleswig- den Schätze gehoben. Im Mittelpunkt steht
Sonnabend, 2. September: Serienblock Holstein, der Hamburgischen Kulturstiftung, das gemeinsame Singen und Erleben.
zum Thema Gesellschaft sowie meta- der Stadtteilkultur Hamburg-Mitte, der On- Am Freitag, den 25. August um 15 Uhr (Bei
narrative Einblicke ins Web mit dem Titel line-Content-Plattform Netfall und der Ham- schönem Wetter im Freien!)
„Über das Web“ burger Sparkasse. Eintritt frei – Spende erwünscht!
11.30 h, SCREENING Gesellschaft wendiewebfesthamburg.de/festival/ Telefonische Anmeldung unter 040/7520115
bitte bis 23. August!
Wilhelmsburger InselRundblick 8/2017 11KULTUR UND VERMISCHTES
Malen und Zeichnen Korrektur in eigener Leserinnenbrief
im Bürgerhaus Sache...
Zum Thema „Falsche
Da sind uns leider zwei kleine Fehler un-
Zahlen, schlecht gemessen“
terlaufen. Bei der Radweg-Safari durch
Wilhelmsburg in der vergangenen Ausga-
in WIR 6/2017 schreibt Lisa
be des WIR haben wir leider zwei Bilder Behse:
falsch beschriftet. Auf zwei der Fotos, die Der Artikel „Falsche Zahlen, schlecht ge-
wir fälschlicherweise mit Kirchdorfer Stra- messen“ aus der Ausgabe 06/17 spricht
ße beschriftet haben, ist richtigerweise die mir aus dem Herzen, denn über die fal-
Neuenfelder Straße abgebildet. Wir be- schen Zahlen im Messergebnis hatte ich
dauern die Fehler und bedanken uns recht mich bereits im Februar 2017 geärgert,
Elke Wilbers ist konzentriert beim Zeioch-
nen im Bürgerhaus. Foto: Lilo Glatz herzlich bei Margitta Faber und Uwe Schul- als ein Artikel im „Elbe Wochenblatt“ mit
ze, denen die unkorrekte Beschriftung der der Überschrift „Dicke Luft“ erschien und
PM. Ab Mittwoch, 13. September 2017, Bilder aufgefallen ist. Wilhelmsburg durch die darin aufgeführte
malen und zeichnen wir wieder mit Acryl- Messung fast als Luftkurort deklariert wur-
und Aquarellfarbe, Pastellkreide, Kohle und
Bleistift. In der ersten Zeit kann benötigtes
Integration durch de. Mein diesbezüglicher Leserbrief wurde
nie abgedruckt.
Material gestellt werden. Der Unkostenbei- Kultur und Sport Nun habe ich anhand Ihres Artikels Gele-
trag beträgt pro Termin 7 Euro. PM. Am 17. September findet im In- genheit bekommen, bei der Umweltbehör-
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. selpark von 14 bis 18 Uhr das 2. de Stellung zu nehmen, was ich auch ge-
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Liselot- Fairplay-Fest statt. Es ist ein Fest zur tan habe. Als Wilhelmsburgerin fühle ich
te Glatz, Tel. 040 76994738. Förderung der Integration durch Kul- mich in dieser Angelegenheit in keiner
Malkurs: Jeden Mittwoch von 16.30 tur und Sport. Organisiert wird es vom Weise ernst genommen. Die Verantwortli-
Uhr bis 18.30 Uhr, ab 13. Septem- Bürgerhaus, Die Insel Hilft, dem SV Wil- chen handeln ganz nach dem Motto: In Wil-
ber 2017, Bürgerhaus Wilhelmsburg, helmsburg und der ParkSportInsel. helmsburg ist sowieso der wenigste Wider-
Mengestraße 20, 1. Stock, Raum 221 stand zu erwarten.
DMB
Jeden Donnerstag
879 79-0
Beim Strohhause 20 • 20097 Hamburg
mieterverein-hamburg.de
12 Wilhelmsburger InselRundblick 8/2017VERSCHIEDENES
Auf der Suche nach ihrer Vergangenheit
Hannelore Krüger ist in Wilhelmsburg aufgewachsen. Mundharmonika spielen, wirklich klasse.“
Sonst findet Hannelore Krüger nicht viele
Nach 40 Jahren möchte sie nun zurück in ihre Heimat.
positive Worte für ihren Vater. „Er war ein
Doch sie findet keine Wohnung
Kotzbrocken. Daran werden sich auch si-
zu Christels Imbiss, cher noch einige Wilhelmsburger erinnern,
dort, wo früher noch die ihn kennen“, sagt Krüger. Sie wurde viel
der Fischladen ne- geschlagen, ihre Mutter war Alkoholike-
benan war, der „den rin, ihr Vater auch. „Eigentlich war es eine
besten Kartoffelsalat schlimme Kindheit. Ich musste mich früh
hatte“. emotional schließen und hatte irgendwann
Sie denkt daran, wie nur noch das Ziel, von meinen Eltern weg-
sie sich damals ein zukommen.“ Das gelang mit 19 Jahren. Und
paar Pflaumen in die auch wenn Hannelore Krüger ihren ersten
Tasche gesteckt hat, und mittlerweile verstorbenen Ehemann
auf einen Baum ge- heute mit ähnlichen Worten wie ihren Vater
klettert ist und die beschreiben würde: „Er hat mich da raus-
Kerne der Pflau- geholt. Das war das Wichtigste.“
men auf Passanten Nach 40 Jahren ohne Wilhelmsburg will sie
Hannelore Krüger (61) in ihrem Wohnzimmer in Rahlstedt. „Hier gespuckt hat. „Am wieder zurück auf ihre Insel, in ihre Heimat
wohne ich, aber meine Heimat ist Wilhelmsburg.“ Foto: han Veringkanal, da unten – auch wenn sich viel verändert hat. Den
han. Im Nissenhüttenlager in der Neuhöfer am Ilenbuller, da habe ich mal eine Höhle Fahrradladen Prondzinski, wo sie ihr erstes
Straße 75 ist sie aufgewachsen. Dort wur- gebaut. Bestimmt 1,50 Meter hoch, mit Äs- Rad gekauft hat, gibt es nicht mehr. Auch
de sie 1955 geboren. Nissenhütten sind aus ten und einer Plane als Dach. Die habe ich sonst ist hier vieles anders. „Den bulgari-
gebogenem Wellblech geformte Hütten, in ganz allein gebaut“, sagt sie. schen Arbeiterstrich im Vogelhüttendeich:
denen nach dem Krieg viele Wohnungs- Von der Nissenhütte ist sie mit neun Jahren Das finde ich erschreckend“, sagt Krüger.
lose untergekommen sind und gelebt ha- in ein baufälliges Bauernhaus Aber Wilhelmsburg bleibt
ben. „Wie Konservendosen sahen die Din- im Ilenbuller gezogen. „Es ihr Zuhause. „Hier in Rahl-
ger aus, nur längsseitig halbiert und auf sollte eigentlich abgerissen stedt lebe ich ziemlich iso-
den Boden gelegt“, sagt Hannelore Krüger. werden. Aber sie haben uns liert. In Wilhelmsburg sind
Sie hat ihre ersten neun Jahre mit ihrem da reingesteckt“, sagt Krüger. die Menschen viel offener“,
Zwillingsbruder und ihren Eltern in so einer Sie hätten vom Wohnungs- findet Krüger. Sie sucht seit
„Konservendose“ auf Wilhelmsburg gelebt. amt auch eine behindertenge- Jahren erfolglos eine Woh-
Die 61-Jährige erinnert sich gern an diese rechte Wohnung in Kirchdorf nung auf der Insel. „Ich
Zeit zurück. „Das war eine schöne Kindheit. Süd bekommen können, weil möchte jetzt ein paar Jahre
Alle waren immer draußen, auch die Mäd- ihr Vater im Krieg beide Bei- mein Leben wiederhaben.
„Meine erste Puppe. Die
chen. Das war wirklich richtige Freiheit“, ne verloren hat. „Das wollte hat mir meine Mutter ge- Nicht das Leben einer Mut-
sagt Krüger. er aber nicht, er wollte hier- schenkt. Ich habe sie immer ter, sondern mein eigenes“,
‚Meine kleine Negerpuppe‘ sagt die Mutter von sechs
Heute wohnt sie in Rahlstedt. Sie macht bleiben. Er wollte immer sei-
genannt. Das sagt man heu-
sich etwa zwei Mal im Monat auf den Weg ne Freiheit, das war ihm am te nicht mehr.“ Kindern, die sie alle allein
nach Wilhelmsburg ins Reiherstiegvier- wichtigsten“, sagt Hanne- großgezogen hat. „Und die-
tel und schaut sich ihr altes Zuhause an. lore Krüger über ihren Vater, der damals se Zeit will ich in meiner Heimat, dem Rei-
Dann geht sie durch die Straßen, an ihrer im Reiherstiegviertel als Straßenmusiker herstiegviertel, sein und mich auf die Suche
alten Schule in der Fährstraße vorbei und sein Geld verdiente. „Der konnte vielleicht nach meiner Vergangenheit machen.“
Wilhelmsburger InselRundblick 8/2017 13VERSCHIEDENES VERANSTALTUNGEN
Mein kleiner Roter-Schlips-Kavalier Nachbarschaftsfeste
Schöne Begegnungen auf dem „Kleinen Kirchdorf-Süd- im Reiherstiegviertel
Stadtteilfest“ im Laurens-Janssen-Haus Im September finden das
jähriger Junge mit rotem
Reiherstiegfest und das
Schlips, schwarzem An- Open-House-Fest statt
zug, weißem Hemd und
schwarzen, blankgeputz-
ten Lederschuhen fasste
meine Hand, und schon
ging es rechtsherum im
Kreis.
Ein Pastor der evange-
lischen Kirche verkaufte
leckere Speisen und Ge-
tränke in einem Zelt vor
dem Restaurant, drinnen
wurden selbstgebacke-
Der Schlipskavalier aus Kirchdorf-Süd. Foto: Frank Möller
ne Kuchen und aromati-
Elke-Renate Kruse. Am Sonnabend, 15. sche Snacks verkauft. Da ich nach der leb-
Juli 2017, führte unser Verikom-Theater- haften Aufführung durstig und hungrig war,
Workshop im Laurens-Janssen-Haus das erstand ich Essen und Trinken und setzte
Stück „Drachentanz“ auf. mich mit meinem Schokoladenkuchenstück
Eine richtige Bühne mit schwarzem Vor- und einer guten Tasse Kaffee an einen frei-
hang und zwei hellen Scheinwerfern, ein- en Tisch. Flugs war mein junger Tanzpartner
gerichtet von unserem vietnamesischen von vorhin wieder da und setzte sich zum
Regisseur, schuf Theaterromantik. Viele Ausruhen auf den freien Stuhl neben mir. Das Reiherstiegfest auf dem Emmaus-
Kirchplatz an der Mannesallee startet in
Menschen jeden Alters und jeder Herkunft Ich fand es sehr rührend von ihm, dass er
diesem Jahr mit einem Jazz-Gottesdienst.
und Kinder von drei bis zehn Jahren spiel- mich nicht allein sitzen ließ. Auf meine Fra-
ten begeistert mit. Besonders die Kleinen ge: „Wo sind denn deine Eltern?“, zeigte er PM. Es wird gefeiert im Reiherstiegvier-
stiegen mit in das Spiel ein – nicht zuletzt auf den Nachbartisch: „Da sitzt meine Mut- tel: Am Sonnabend, 9. September, findet
dank unserer temperamentvollen Spiellei- ter.“ Sie unterhielt sich gerade mit mehreren wieder das alljährliche Reiherstiegfest auf
terin. Ali spielte schöne türkische Musik, traditionell gekleideten anderen Damen. dem Emmaus-Kirchplatz an der Mannesal-
später kam ein weiterer Musiker und Sän- Was für schöne, bereichernde Begegnungen lee statt. Alle NachbarInnen aus dem Vier-
ger hinzu. Zum Ende der Aufführung tanz- erlebten wir alle an diesem sonnigen Nach- tel sowie Interessierte sind dazu herzlich
ten wir gemeinsam im Kreis. Ein etwa zehn- mittag! So kann Kirchdorf-Süd öfter sein. eingeladen. Es startet um 11 Uhr mit einem
Wir alle können etwas dafür tun! Jazz-Gottesdienst in der Emmauskirche.
Der Grund für unser Drachen-Theaterstück Von 13 bis 18 Uhr gibt es dann einen Floh-
ist übrigens folgender: Wir sind gegen die markt, viele verschiedene Infostände, Ver-
neue Autobahnverbindung A26-Ost in Kirch- losungen und leckeres Essen und Trinken.
dorf-Süd. Der Drache stellt die Autobahn dar Am Sonnabend, den 16. September, sind
(siehe auch Seite 9). alle NachbarInnen und AnwohnerInnen
zum „Nachbarschaftsfest am Kanal für
Alle“, dem Open-House-Nachbarschafts-
fest, in die Dorothea-Gartmann-Str. 1 ein-
geladen. Um 15 Uhr geht das 6. „Nachbar-
schaftsfest am Kanal für Alle“ los. Sowohl
Große als auch Kleine werden bei dem
Nachbarschaftsfest gewiss ihren Spaß ha-
ben. Es gibt Bewegungsspiele wie eine Ral-
lye rund ums Haus, Kinderschminken und
einen Flohmarkt. Selbstgemachtes Essen
Mittagstisch 6,50 €; 12 - 17 Uhr und Trinken vom hauseigenen Büfett gibt
es für kleines Geld. Außerdem wird auch
Veringstraße 26 - 75 66 27 27 jemand den Grill anwerfen. Ab 18 Uhr bis
12 bis 24 Uhr durchgehend warmes Essen Open End gibt es auch Musik.
14 Wilhelmsburger InselRundblick 8/2017ÖKOLOGIE & NATUR
Wenn die A26-Ost kommt, dann müssen wir hier weg!
Sie hoffen darauf, dass die Autobahn nie gebaut wird: Denn der Moorfrosch und der Rehbock leben im Moment noch auf dem Ge-
biet, wo die A26 Ost entstehen soll. Disen und weiteren Tieren widmet sich die neue Ausstellung im Freizeithaus Kirchdorf-Süd mit
dem Titel „Natur auf der künftigen Autobahnfläche der A26 in Moorburg.“ Die Fotos der Ausstellungwurden von der NABU-Foto-
gruppe gemacht. Fotos: Jörg Recoschewitz, Günther Rupnow
Bienen und Hummeln auf dem Behördendach
Auf dem Gründach der Umweltbehörde summt und brummt es
Helga Thierfelder. Seit 2016 fliegen Ho- dem Gründach der Behörde. Kerstan: „Die dramatische Folgen für Vögel, Fledermäuse
nigbienen vom Dach der Behörde über die Zahl der Insekten und auch der Honigbie- und andere Insektenfresser. Die Stadt Ham-
Elbinsel zum Nektar sammeln. Der Ho- nen ist weltweit dramatisch gesunken. Ver- burg versucht mit ihren städtischen Grünflä-
nig der drei Bienenvölker wird als Gast- antwortlich dafür sind die industrielle Land- chen und entsprechend später Mahd der
geschenk der Behörde verteilt. Ein Ge- wirtschaft sowie Krankheiten. Wir wollen auf blühenden Wildpflanzen dem Problem et-
schenk anderer Art seitens der Deutschen dem Gründach unserer Behörde Bienen und was entgegenzusetzen - ein kleiner Tropfen
Wildtierstiftung an die Behörde sind sie- Hummeln eine natürliche Heimat bieten und auf den heißen Stein. Wann folgen ernsthaf-
ben Hummelkästen, deren Bewohnerinnen auch die Menschen in der Stadt auf das Pro- te Maßnahmen der Bundesregierung?
seit Juni diesen Jahres den Bienen als ef- blem aufmerksam machen“. Im Kleinen kann die/der Einzelne einen
fiziente Bestäuberinnen der Wilhelmsbur- Das Insektensterben ist inzwischen auch Beitrag leisten: Kein Gift, offene und mög-
ger Flora zur Seite stehen. Umweltsenator im Bundesumweltministerium in Berlin ein lichst heimische Blüten, eine kleine verwil-
Jens Kerstan und Bent Schubert, Imker Thema. Vorliegende Untersuchungen zei- derte Ecke belassen, je nachdem auf dem
und Insektenschützer, erläuterten die er- gen, dass heute im Vergleich zu 1982 rund Balkon oder im Garten. Kleine Schritte,
folgreiche Ansiedlung der Hummelvölker auf 80 Prozent weniger Insekten leben. Das hat kleiner Anfang!
Wilhelmsburger InselRundblick 8/2017 15ÖKOLOGIE & NATUR
Stolze Storcheneltern: Drei Jungstörche aufgezogen
Wilhelmsburger Storchenpaar erfolgreich beim Brutgeschäft. Kiebitze hingegen sind vom
Aussterben bedroht
ßen Bestand an Kiebitzen Hamburg weit
bekannt war. Ein Grund für den Rückgang
der Kiebitzpopulation ist die Bebauung des
Spülfeldes Obergeorgswerder mit dem gro-
ßen Logistikzentrum von Kühne und Nagel.
Leider haben die Ausgleichsmaßnahmen
nicht gewirkt und den Kiebitzbestand nicht
erhalten können. Harald Köpke: „Wie auch,
wenn der Ausgleich nicht auf die vielen Kie-
bitze, die hier lebten, ausgerichtet war“, so
Köpke. „Es wäre schön, wenn durch geeig-
nete Maßnahmen sich wieder mehr Kiebitze
ansiedeln würden.“
Das Wilhelmsburger Storchenpaar beim Ausbessern des Nestes im Frühjahr dieses
Jahres. Fotos: Harald Köpke
MG. Welche Freude, im Frühjahr traf der beim NABU Hamburg berichtet. Er hät-
Storch wieder im Wilhelmsburger Osten ein te sich noch mehr Nachwuchs gewünscht,
und belegte sein Nest wieder mit Beschlag. damit das Bestandsniveau der Hamburger
Kurze Zeit später fand sich auch das Weib- Störche gehalten werden kann.
chen ein und die beiden machten sich an Hoffentlich überwinden die fünf Wilhelms-
die Ausbesserung des Nestes. Ein Dritter burger Störche alle Gefahren auf ihrem Zug
wollte ihnen das Nest streitig machen, aber ins Winterquartier und kehren im nächsten
letztendlich führten sie das Brutgeschäft Frühjahr gesund wieder zurück.
zum Erfolg. Nachdem die beiden Jungen „Für die Kiebitze hingegen sieht es auf Wil-
im vergangenen Jahr leider einem Starkre- helmsburg nicht gut aus. Waren es vor zehn
genereignis zum Opfer fielen, gab es die- Jahren noch an die 30 Paare, so ist der Be-
ses Jahr wieder reichlich Nachwuchs. Drei stand mittlerweile drastisch eingebrochen“,
gesunde Junge haben sich bereits auf den berichtet Harald Köpke, der sich seit vielen
Weg ins Winterquartier gemacht, wohin ih- Jahren ehrenamtlich um die Natur auf Wil-
nen die Alten in den nächsten Tagen folgen helmsburg und Neuland kümmert. In die-
werden. sem Jahr konnte er nur ein Kiebitzpaar bei
Insgesamt haben in Hamburg 22 Storchen- der Brut beobachten. Er fürchtet ein Aus-
paare 46 Junge groß gezogen, wie Jürgen sterben dieser Vögel auf Wilhelmsburg, das Das Nest der Störche liegt am Einlage-
Pelch, ehrenamtlicher Storchenbetreuer vor ein paar Jahren noch für seinen gro- deich kurz vor der Bunthäuser Spitze.
16 Wilhelmsburger InselRundblick 8/2017Sie können auch lesen