Es geht weiter - Katholische Kindergärten
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Oktober 2015
Juni 2020
Impulse und Informationen der Abteilung Tageseinrichtungen für Kinder im Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V.
o n li n e le sen unter
auch erten.de
KOMPAKT - k in d e rg a
olische
www.kath
Es geht weiter …
Themen dieser Ausgabe:
Gott spielt immer mit
Erleben und Bewältigen einer Krise
Agiles Projektmanagement
Neue Rahmenbedingungen für InklusionI N H A LT
3 Vorwort
A K T U E L L E S
4 Agiles Projektmanagement in Kitas
6 Gott spielt immer mit – Projektabschluss und die Frage der
Verstetigung
8 „Lets do it“ – Auszeichnung von Best-Practice-Beispielen zum
Abschluss des Projektes
9 Delfin-Freunde: Planschen und schwimmen für mehr Sicherheit und
Chancengleichheit
11 Ein Blick hinter die Kulissen – Der neue Bildungscampus des
Erzbistums Köln
13 Neue Rahmenbedingungen für Inklusion im Zuständigkeitsbereich
des LVR
15 Erleben und Bewältigen einer Krise – Die Corona-Pandemie
17 Coaching und Networking für Kitas pfarrlicher Träger
18 Gespräch mit Maria Steinfort über ihre Erfahrungen in 40 Jahren Tätigkeit
als Referentin für den DiCV
19 KiTaPLUS – Themenregister und Einblicke in die Weiterentwicklung
P R A X I S K O N K R E T
26 Hygiene- und Verhaltensregeln zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie
Impressum 28 „Was macht das Huhn im Ei?“ – Gottes Schöpfung auf der Spur
29 Gemeinsam schaffen wir alles! – Eine Projektidee gemeinsam entwickeln
Herausgeber und umsetzen
Diözesan-Caritasverband
für das Erzbistum Köln e. V. 31 Gütesiegel Buchkindergarten
Abteilung Tageseinrichtungen für Kinder 32 1000 Bücher – 1000 Sprachen: Wir reisen mit Büchern um die Welt
Georgstr. 7, 50676 Köln
Tel.: 0221/2010-205 I M P U L S E
Fax: 0221/2010-395
Email: juergen.weinz@caritasnet.de
33 Kita-Apps für digitale Kommunikation mit den Eltern
34 Mitmachtheater Fug und Janina: Frau von Hier und Herr von Dort
35 Tafel statt Kita – eine andere Wahrnehmung des Sozialraumes
Redaktion
Natalie Adrat
T E R M I N E U N D L I T E R A T U R
Martin Gurk
Jürgen Weinz 37 Literaturhinweise
Verantwortlich B E I L A G E N H I N W E I S :
Dorothea Herweg
Dieser Ausgabe der KOMPAKT liegt ein Prospekt des
Don-Bosco-Verlages bei.
Layout und Satz
Matias Möller, Düsseldorf
Titelbild
© Matias Möller, Düsseldorf
2 KOMPAKT 1/2020VORWORT
Liebe Leserinnen und Leser,
die komplexen Beziehungen zwischen den Teilen eines Ganzen werden unter
dem Begriff „System“ zusammengefasst. Wie schnell und umfassend vermeint-
lich stabile Systeme ins Wanken geraten können, wird uns aktuell durch die
Corona-Pandemie auf einschneidende Weise vor Augen geführt. So wie sich das
Immunsystem nach Kontakt mit dem Coronavirus aktiviert, sind auch unsere
psychischen, sozialen und politischen Systeme durch die Maßnahmen zur Ein-
dämmung der Pandemie herausgefordert. Die Resilienzforschung sieht in Krisen
jedoch ein hohes Potenzial für nachhaltige Veränderungen. In den meisten Fällen
hat das Immunsystem nach einigen Tagen oder Wochen den Virus außer Gefecht
setzt und sich durch die Bildung von Antikörpern gegen eine erneute Infektion gewappnet. Auf individuel-
ler Ebene unterstützen Bewältigungs- oder Coping-Strategien dabei, belastende Erlebnisse zu bewältigen
und neue Kompetenzen und Ressourcen aufzubauen, welche dabei helfen, besser mit zukünftigen Krisen
umzugehen. Mehr dazu im Artikel von Bernadette Näger auf Seite 15.
Eine große Baumarktkette wirbt seit Jahren mit dem Slogan „Mach es zu Deinem Projekt! “. Ein Mitbe-
werber nahm die Idee aufs Korn und konterte in einem Kinospot trocken: „Aber mach‘s halt irgendwann
auch mal fertig“. Der Spot sorgte für Lacher im Kinosaal, trifft aber auch einen Nerv, denn die zeitliche
Befristung gehört zu den Erkennungsmerkmalen eines Projektes. Die DIN-Norm 69901 benennt noch
weitere Kennzeichen: Zielvorgabe, Abgrenzung gegenüber anderen Vorhaben und eine projektspezifische
Organisation. Zu theoretisch? Dann empfiehlt sich ein Besuch in einer der 667 katholischen Kitas in unse-
rem Erzbistum. Mit der Etablierung des „Situationsorientierten Ansatzes“ in den 1980er Jahren hat dort
die Projektarbeit erfolgreich Einzug gehalten - auch im Kontext anderer pädagogischer Ansätze. Projekte
bieten die Möglichkeit, verschiedene Bildungsbereiche miteinander zu verknüpfen umso nachhaltiger
Lernerfolge zu ermöglichen. Auch die pädagogischen Fachkräfte bekommen in Projekten die Gelegenheit
ihren individuellen Fähigkeiten und Interessen stärker einzubringen, als in der „regulären“ Arbeit.
In diesem Heft beleuchten wir die Projektarbeit aus verschiedenen Perspektiven: Im Artikel über agiles
Projektmanagement auf Seite 4 hebt Prof. Dr. Obermaier den Wert von umfassender Beteiligung und
Sinnstiftung hervor. In der Rubrik „Aktuelles“ werden drei erfolgreich abgeschlossene Projekte des DiCV
herausgehoben und in der Rubrik „Praxis konkret“ berichten zwei Kitas von ihren Praxisprojekten.
Jedes Kita-Projekt muss zum Ziel haben, den beteiligten Kindern die Erfahrung von Selbstwirksamkeit,
Empathie, Flexibilität und Optimismus zu vermitteln. Kompetenzen, welche von entscheidender Bedeu-
tung sind, um für unsere Gesellschaft, welche nach der Pandemie nicht mehr dieselbe sein wird, innovative
Zukunftsaussichten entstehen zu lassen.
Kommen Sie gut und gesund durch die Corona-Zeit! Ich wünsche Ihnen anregende Lektüre.
Ihre
Dorothea Herweg,
Abteilungsleiterin
KOMPAKT 1/2020 3AKTUELLES
Agiles Projektmanagement
I M P U L S E F Ü R E I N PA RT I Z I PAT I V E S P R O J E K T M A N AG E M E N T I N K I TA S
Nicht jede Aktivität ist ein Projekt,
aber jedes Projekt eine Aktivität Merkmale eines Projekts
Von der eingruppigen Elterninitiative bis 1. Komplexes, neuartiges Vorhaben mit Risiko und einer gewissen Einmaligkeit (keine
hin zum Großunternehmen ist wohl kaum Routinetätigkeit)
mehr eine Organisation auszumachen, die 2. Eindeutige Aufgabenstellung, Verantwortung und überprüfbare Zielsetzung für ein
nicht gerade mitten in irgendeinem Pro- Gesamtergebnis
jekt steckt. Mit dem mittlerweile omniprä- 3. Verschiedenartige, untereinander verbundene, wechselseitig voneinander abhängige
senten Begriff „Projekt“ (lat. proiacere Teilaufgaben
= vorstrecken, nach vorne werfen) wird 4. Zeitliche Befristung
umgangssprachlich ein besonderes Vor- 5. Begrenzter Ressourceneinsatz (finanziell, zeitlich, personell)
haben bezeichnet, das Entwurfscharakter 6. Besondere, auf das Vorhaben abgestimmte Organisation
besitzt. Im fachlich engen Sinne muss ein 7. Nachhaltige Wirkung
Projekt durch verschiedene Merkmale (s.
Kasten) gekennzeichnet sein, um als sol-
ches zu gelten (vgl. Obermaier & Homberg umfasst der Managementbegriff – unab- wird, der Anteil der Projekttätigkeit an
2011, S. 15). hängig von der Branche – alle Vorgänge der Gesamtarbeitszeit lag 2013 schon bei
der Planung, Überwachung, Koordinati- beachtlichen 35%. Trotz dieser Fülle an
Insofern stellt die Umstellung auf nachhal- on und Steuerung von organisatorischen Projekten scheint sich nur schwerlich eine
tiges Essen in der Kita ein anspruchsvolles Prozessen. Auch der „homo projectus“ ist gewisse Routine einstellen, wie dies die
Projekt dar, wohingegen die jährlich statt- keinesfalls eine Erfindung des 21. Jahr- vielbeachteten Forschungsergebnisse der
findende Osteraktion nicht als ein Projekt, hunderts. Schon Cicero spricht vor über renommierten Standish Group belegen,
sondern als ein wiederkehrendes Angebot 2000 Jahren vom „homo projectae auda- die seit 1994 im sog. Chaos Report die Er-
oder als eine Routineaktivität aus dem ciae“, der spätestens ab 1800 als „ein sehr folgsquote von Großprojekten publiziert.
Repertoire der Einrichtung aufzufassen ist. kühner, verwegener Mensch, Wagehals“ Kurzum: Die Diagnose ist ernüchternd,
(Scheller 1817, S. 1905) im deutschen wenn danach gefragt wird, ob das Projekt
Die heutige Gesellschaft ist das Sprachgebrauch Eingang gefunden hat. (1) rechtzeitig, (2) finanziell im Rahmen
Ergebnis von zahllosen Projekten Im Übrigen waren es seit jeher die kühnen, und (3) mit Blick auf die Projektziele ei-
veränderungsfreudigen Menschen, die mit nigermaßen zufriedenstellend beendet
Obschon der eng mit dem Projektbegriff ihren großen und kleinen Projekten die wurde. 19% der untersuchten Projekte
verbundene Begriff „Management“ in Welt nachhaltig veränderten. sind komplett gescheitert, 52% haben die
pädagogischen Kreisen zuweilen als ein Ziele nur teilweise erreicht und 29% waren
neoliberales Reizwort (miss-)verstanden Aus den Ergebnissen des Chaos Reports erfolgreich (vgl. Chaos Report 2015, S. 2).
wird, lohnt auch hier der Rückblick auf für Ihr Kita-Projektmanagement lernen
die sprachliche Herkunft. Denn es zeigt
sich, dass der lateinische Begriff „manus Expertinnen und Ex-
agere“ ein urpädagogischer ist und so viel perten gehen davon
bedeutet wie „jemanden an der Hand füh- aus, dass die Projekt-
ren“. Im 20. Jahrhundert wurde der Begriff wirtschaft 2020 be-
„Management“ durch Mary Parker Follett, reits 15% am gesam-
eine über Jahrzehnte vergessene Staats- ten Bruttoinlands-
ökonomin, engagierte Sozialreformerin produkt ausmachen
und Pionierin des Projektmanagements,
noch sehr frei als „die Kunst, zusammen Abb. 1: Gründe für
mit anderen Menschen etwas zu erledigen“ das Scheitern von
definiert. Im heutigen Fachverständnis Projekten
4 KOMPAKT 1/2020AKTUELLES
Doch woran liegt dieser seit über 10 Jahren häufige Aktualisierungen gegeben ist. Agiles Projektmanagement – ein
stabile Befund? Neben den „architekto- Agilität, im Duden als Gewandtheit, Vita- Instrument zur Sicherung der
nischen“ Gefahren einer zu großen, zu lität und Wendigkeit beschrieben, gilt seit Kinderrechte
komplexen und zu langfristigen Projekt- den 2010er Jahren als neue organisationale
planung mit zu optimistischen Annahmen Basis für ein unverkrampftes, auf Innova- Seit 2010 gelten die UN-Kinderrechtskon-
(vgl. ebd.) spielen insbesondere die von tionskraft setzendes Vorgehen, bei dem ventionen nun ohne Ausnahmen in der
Claus Engel und Nils Quadejacob (2007) durch eine häufige prozessbegleitende sog. Stellung eines einfachen Bundesgesetzes,
identifizierten Gründe eine wesentlichen formative Evaluation möglichst alle Be- vergleichbar mit dem Sozialgesetzbuch.
Rolle (vgl. Abbildung 1). troffenen zu Beteiligten gemacht werden § 8 SGB VIII legt fest: „Kinder und Ju-
sollen – Beteiligung statt Bevormundung. gendliche sind entsprechend ihrem Ent-
Ins Positive gewendet lassen Insbesondere in Ihrer Arbeit mit und für wicklungsstand an allen sie betreffenden
sich dabei drei Dimensionen des Kinder sollte dieser Zugang dem eher Entscheidungen der öffentlichen Jugend-
Gelingens ableiten. Projekte gelingen starren, häufig überformalisierten und hilfe zu beteiligen“. Eine weitere Stärkung
wahrscheinlich, wenn sie… überbürokratisierten Wasserfallmodell der Kinderrechte manifestiert sich in § 45
vorgezogen werden, und dies aus meh- (3) SGB VIII: Nun ist die Betriebserlaubnis
1. auf klare, realistische und vollständige reren Gründen. Einerseits sprechen die von Einrichtungen daran geknüpft, dass
Zielsetzungen hin ausgerichtet sind, Ergebnisse des Chaos Reports (2015, S. „geeignete Verfahren der Beteiligung
2. eine enge Zusammenarbeit und Vernet- 7) eine eindeutige Sprache: Projekte mit sowie der Möglichkeit der Beschwerde
zung der Projektbeteiligten ermögli- agilen Methoden sind zu 39%, nach dem in persönlichen Angelegenheiten Anwen-
chen sowie innerhalb des Projektteams Wasserfallmodell organisierte Projekte dung finden“. Es ist evident: Kinder haben
Rollenklarheit gegeben ist, zu 11% erfolgreich, 9% der ersteren und das Recht auf Beteiligung und das Recht,
3. partizipativ organisiert sind. 52% der zweiteren scheitern. als eigene Persönlichkeiten mit wachsen-
der Selbstbestimmungsfähigkeit ernst
Agiles Projektmanagement – ein genommen und – so formal dies klingen
„What?“ „How?“ „Why?” – Instrument politischer Bildung in Kitas mag – als eigene Rechtsträger gesehen zu
Wasserfallmodell oder Agiles werden. Partizipation ist nicht mehr sozial-
Projektmanagement? Andererseits und dies erscheint mir in romantische situative Beteiligung, sondern
zunehmend postfaktischen und antide- Grundrecht. Und pädagogisch betrachtet,
„Aber wie soll ich dies nun umsetzen, mokratischen Zeiten gewichtiger, ist die so die klare Position der Arbeitsgemein-
alle ins Boot holen“, mögen Sie sich fra- positive Erfahrung von sozialer und da- schaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ
gen. Simon Sinek (2009), prominenter mit auch politischer Selbstwirksamkeit 2018, S. 2), „die Umsetzung des Rechts des
Vertreter der sog. Agilen Methoden, er- ein fundamentaler Auftrag, der zurecht Kindes, gehört zu werden, ist integraler
klärt hierzu, „dass Menschen nicht über auch an Kitas herangetragen wird. Die Bestandteil der Vorbereitung des Kindes
das „What?“ oder das „How?“ inspiriert ernsthafte Beteiligung und partizipative auf ein verantwortungsbewusstes Leben in
und begeistert werden, sondern nur über Mitwirkung von Kindern an Projekten ist einer freien Gesellschaft“ (vgl. Art. 29 (1)
das „Why?“ – also die Antwort auf die eine große Chance, politische Bildung zu der UN-Kinderrechtskonvention).
Fragen nach dem Sinn“ (Erlinghagen & unterstützen und Kindern die zentrale Er-
Witzel 2019, S. 4), und dies gilt für Kinder fahrung zu ermöglichen, dass sich soziales Die Entwicklungen der letzten 10 Jahre
und Erwachsene gleichermaßen. Im Un- Engagement lohnt. Oder, mit den schon machen Mut – und das Zusammenfallen
terschied zum seit den 1970er Jahren weit vor 100 Jahren formulierten Worten Marie von organisationalen Zielen und recht-
verbreiteten linearen Wasserfallmodell im Folletts ausgedrückt: lichen Vorgaben macht Lust auf neue,
Projektmanagement (top down), bei dem sinnstiftende und gemeinsam getragene
ein Projekt der Reihe nach im Wortsin- „Bildung für die neue Demokratie muss Projekte: Starten wir los, voller Agilität!
ne ab-läuft, jede abgeschlossene Phase von der Wiege an erfolgen - durch Kinder-
leitet eine neue Phase ein und zunächst garten, Schule und Spiel und durch jede P R O F. D R . M I C H A E L O B E R M A I E R
das „What?“ und dann das „How?“ im Aktivität unseres Lebens. Demokratische Katholische Hochschule Nordrhein-West-
Vordergrund stehen, zielt das sogenannte Staatsbürgerschaft kann nicht in Kursen falen (KatHO NRW)
Agile Projektmanagement auf umfassende oder Trainings erlernt werden. Man erwirbt Institut für Forschung und Transfer in
Beteiligung und Sinnstiftung. Im Agilen sie nur durch aktives Handeln und reales Kindheit und Familie (FoKi)
Projektmanagement, das ursprünglich aus Erleben in den konkreten Situationen, in
der Softwareentwicklung stammt, geht es denen wir soziales Verständnis entwickeln. Literatur
darum, passende Rahmenbedingungen zu Dies sollte Gegenstand (…) unseres ge-
schaffen, in denen viel Raum für Inter- samten bürgerlichen Lebens sein“ (Follett u Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Ju-
aktion, Partizipation, Anpassungen und 1920/1989, S. 363). gendhilfe – AGJ (2018): Das Recht gehört zu
KOMPAKT 1/2020 5AKTUELLES
„Gott spielt immer mit“
werden (Art. 12, UN-Kinderrechtskonvention).
Partizipation in der Kindertagesbetreuung.
Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft für
Kinder- und Jugendhilfe. Berlin.
Fachtag zum Abschluss des Projektes
u Engel, Claus/Quadejacob, Nils (2008): Fünf
Erfolgsfaktoren für Projekte. In: Projektma-
gazin 19/2008. O.S.
u Erlinghagen, Robert/Witzel, Rainer (2019):
Jetzt seid Ihr dran. Über Agilität. In: Positio-
nen. 1/2019. S. 2-8.
u Follett, Marie Parker (1920/1998): The new
state: group organization the solution of po-
pular government. Gloucester, Massachusetts.
u Obermaier, Michael/Homberg, Mechthild
(2011): Projektmanagement in Kindertages-
einrichtungen und offenen Ganztagsgrund-
schulen. 2. vollständig überarbeite Auflage.
Kronach.
u Scheller, Immanuel Johann Gerhard (1817):
Lateinisch-deutsches und deutsch-lateini-
sches Handlexicon. Bd. 1-2. Leipzig. Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Projektkitas nehmen von Projektleiter Jürgen
u Sinek, Simon (2009): Start with why. How Weinz (4. von links) und den Projektbegleiterinnen die Zertifikate in Empfang
great leaders inspire everyone to take action.
New York. Der Diözesan-Caritasverband für das Erz- Zunächst gab Prof. Dr. Andreas Leinhäupl
u The Standish Group International (2015): Cha- bistum Köln hat in einem religionspädago- von der Katholischen Hochschule für So-
os Report 2015. Dennis MA. Online verfügbar gischen Projekt von 2017 bis 2019 ein neues zialwesen in Berlin eine Einführung dazu,
unter: Weiterbildungsformat für Kitas erprobt. was Kitas inhaltlich und vor allen Dingen
https://standishgroup.com/sample_re- Innerhalb dieses Projektzeitraums wurde auch systemisch benötigen, damit Gott in
search_files/CHAOSReport2015-Final.pdf sieben Kitateams im Erzbistum Köln die der Kita „mitspielen“ kann. Nach der Vor-
Chance geboten, sich in eineinhalb Jahren stellung der Projektergebnisse durch Pro-
vor Ort in der Kita religionspädagogisch jektleiter Jürgen Weinz und das Projekt-
begleiten und anleiten zu lassen. Dabei team Iris Anand, Nicole Franken, Maria
wurden sie von erfahrenen religionspäd- Kley-Auerswald, Monika Pieper und Maria
agogischen Weiterbildungsreferentinnen Steinfort hatten die Teilnehmerinnen und
und -referenten des DiCV betreut. Die Teilnehmer des Fachtages die Gelegenheit,
Projektleitung lag in den Händen von in einem Gallery Walk konkrete Einblicke
Jürgen Weinz, Referent für Religionspä- in Prozessverläufe und Arbeitsweisen zu
dagogik und Theologie, in der Abteilung gewinnen. Nach vertiefenden Gesprächen
Tageseinrichtungen für Kinder. in Kleingruppen freuten sich die Vertre-
terinnen der Projektkitas am Ende des
Zum Abschluss dieses Projektes wurden Fachtages, die Zertifikate für Ihre Kita-
die Ergebnisse bei einem Fachtag am teams entgegennehmen zu können.
12.12.2019 vorgestellt und Zertifikate an
die beteiligten Kitas überreicht. Rund 80 Große Übereinstimmung bestand bei al-
pädagogische Leitungen und Fachkräfte len Teilnehmenden darin, dass dieses neu
aus den Kitas, Trägervertreterinnen und erprobte Weiterbildungsformat sehr viel
-vertreter, pastorale Dienste, Referentin- bewirkt hat. Auch das Setting hat sich als
nen und Referenten sowie Verantwortliche „alltagstauglich“ und damit sehr zukunfts-
in der Aus- und Weiterbildung waren hier- trächtig erwiesen. So wurde ganz praktisch
zu der Einladung ins Maternushaus nach erlebbar, wie die Entdeckung der eige-
Köln gefolgt. Auch bei Fachkolleginnen nen Taufwürde, Charismen und Talente
und Fachkollegen aus anderen Bistümern im Sinne des pastoralen Zukunftsweges
wie Aachen, Limburg, Freiburg und Pader- geschehen kann. Den neu entdeckten
born hatte der Fachtag Interesse gefunden. Glaubenserfahrungen, welche den All-
6 KOMPAKT 1/2020AKTUELLES
– auch nach Corona
und die Frage wie es weitergeht
Die wichtigsten Projektergebnisse
1. Die Mitarbeiterinnen in den Kitateams waren sehr offen und bereit, ihren eigenen Weinz bekunden. Er wird dann zu einem
Glauben in die Gespräche einzubringen. Sie haben entdeckt, dass die Befassung mit Vorgespräch in die Kita kommen, an dem
religiösen Themen auch Freude machen kann. nach Möglichkeit auch der zuständige
2. Die Begleitung hat sehr stark zur Teambildung beigetragen und zu einem stärkeren pastorale Dienst teilnehmen soll. Sobald
Bewusstsein der gemeinsamen Verantwortung für die religiöse und religionspäda- die Rahmenbedingung geklärt sind und
gogische Arbeit geführt. eine für die Begleitung verantwortliche
3. Auch ohne vorgegebenes Curriculum sind faktisch in sämtlichen Prozessen alle ki- Referentin für das Kitateam gefunden ist,
tarelevanten Themen vorgekommen. kann der Prozess zu einem gemeinsam
4. Die Einbindung der pastoralen Dienste in den Prozessen gestaltete sich sehr unter- festgelegten Zeitpunkt begonnen werden.
schiedlich. Einerseits gab es pastorale Dienste, die nur beim Prozessrahmen (Vorge-
spräch, Kontraktgespräch und Auswertungsgespräch) beteiligt waren und andererseits Für die Durchführung des etwa einjähri-
auch welche, die an allen Treffen oder zumindest an den Teamtagen beteiligt waren. gen Prozesses sind zunächst einmal zwei
5. Das Format hat sich als sehr praxistauglich erwiesen. Den Kitateams blieben nicht nur Teamtage (ganztägig) und sechs weitere
die Fahrtwege und -zeiten erspart. Auch bei plötzlichem Ausfall der Kita-Leiterin oder Treffen (3 Zeitstunden) vorgesehen. Wei-
hoher Personalfluktuation konnten die Prozesse erfolgreich gestartet, weitergeführt tere Informationen werden spätestens zu
und beendet werden. Beginn des neuen Kindergartenjahres über
6. In den Auswertungsgesprächen mit den Kitas wurden durchgehend sehr positive den Kitaletter sowie die Internetportale
Resümees gezogen und kaum wesentliche Optimierungsvorschläge geäußert. www.katholische-kindergaerten.de im
Fachportal unter der Rubrik Projekte und
www.caritas-campus.de folgen.
tag und alle anderen Bildungsthemen tige religiöse und religionspädagogische
bereichern, wurde dabei große Bedeutung Begleitung und Anleitung von Kitateams JÜRGEN WEINZ
zugesprochen. verstetigt werden. Auch wenn im Augen- Referent für Religionspädagogik und
blick noch nicht genau absehbar ist, wann Theologie
Wie geht es weiter? und wie es mit den Präsenzveranstaltungen
in der Fort- und Weiterbildung weitergeht, Weitere Informationen:
Nach der erfolgreichen Erprobung dieses können Kitateams ihr Interesse für „Gott www.katholische-kindergaerten.de/
Weiterbildungsformates soll die längerfris- spielt immer mit“ schon jetzt bei Herrn fachportal/projekte
In einem Gallery Walk gaben die Kitas Einblicke in ihre Prozesse.
KOMPAKT 1/2020 7AKTUELLES
„Lets do it“ – Auszeichnung von
Best-Practice-Beispielen zum
Abschluss des Projektes
Digitale Medien gehören längst zur Le-
benswelt von Kindern im Vorschulalter
und deren Familien. Auch der in den
Bildungsgrundsätzen (NRW) bzw. den
Bildungs- und Erziehungsempfehlungen
(RLP) definierte Ansatz der Medienbil-
dung umfasst ausdrücklich traditionelle
und neue Medien.
Grund genug für die Abteilung Tagesein-
richtungen für Kinder im DiCV im Jahr
2018 das Projekt „Let’s do it – Kreatives
Tun und spielerisches Lernen mit Tablets
und Apps in der Kita” zu initiieren. Ziel
dieses Projektes war, die Medienkompe-
tenz von Kindern, Eltern und Fachkräften
zu stärken. Die katholischen Kindertages-
stätten im Erzbistum Köln waren einge- „Let’s do it“ – Ein gelungenes Projekt für alle Seiten: Ausgezeichnete, Intitiatoren und
laden, die Möglichkeiten und Grenzen Förderer. (Projekterantwortliche: Claudia Imhäuser, DiCV, 5. links vorn, und Martin Gurk,
eines pädagogisch sinnvollen Umgangs DiCV, 1. links außen, Karin Küppers, Fortbildungsreferentin, 2. Reihe mitte, Michael Bre-
mit den digitalen Medien zu erproben. mer, Kreissparkasse Köln, 2. Reihe, dritter von links). Foto: Jo Schwartz
56 katholische Kitas haben teilgenommen
und einen Start-Bonus von 100 Euro er- anfänglicher Skepsis, vor allem auch in Weitere Informationen:
halten – zweckgebunden für die Beschaf- der Elternschaft, konnten doch am Ende www.katholische-kindergaerten.de/
fung eines eigenen Tablets oder für den alle für einen sinnvollen und begleiteten fachportal/projekte
Kauf werbefreier Apps und Zubehör. Das Umgang mit den digitalen Medien begeis-
Projekt wurde von der Marga und Walter tert werden.
Boll-Stiftung gefördert.
MARTIN GURK
Am 13.11.2019 wurden im feierlichen Fachberater
Rahmen sechs Kitas mit ihren Best-
Practice-Beispielen ausgezeichnet und
von den Kindern aufwendig inszenierte Projektförderer:
Stop Motion Filme sowie selbst erstellte
Fotobücher und Spiele prämiert. Für alle
sechs ausgezeichnete Praxisbeispiele gab
es als Prämie ein Digitalmikroskop und
einen Gutschein zur Anschaffung wei-
terer Apps – gesponsert aus Mitteln der
PS-Lotterie Sparen und Gewinnen der
Kreissparkasse Köln.
Die Erfahrungen der Kitas mit dem krea-
tiven und altersangemessenen Einsatz der
Tablets und Apps beschrieben die Teilneh-
menden als wertvolle Bereicherung. Nach
8 KOMPAKT 1/2020AKTUELLES
Planschen und schwimmen
für mehr
Sicherheit und Chancengleichheit
„Delfinfreunde – Schwimm dich stark“
– das Projekt des Kölner Diözesan-Ca-
ritasverbandes organisiert professionelle
Schwimmkurse für Vorschulkinder, die an-
sonsten davon ausgeschlossen sind. Das
kommt nicht nur den Kindern zugute,
sondern unterstützt die gesamte Familie.
„Emma ist eine richtige Wasserratte.
Jede Woche berichtet sie begeistert, was
sie Neues gelernt hat“, freut sich Mutter
Besarta Gorenca. Den Kopf unter Wasser
halten, nach Ringen tauchen oder einige
Meter weit schwimmen – was anfangs un-
gewohnt und beängstigend für die kleine
Emma war, klappt jetzt immer besser. Das
macht nicht nur die Fünfjährige stolz, son-
dern auch ihre Mutter: „Sie kann es kaum
erwarten, bis sie wieder ins Becken darf.“
Familien bleibt der Spaß im Wasser mit Mit dem „Seepferdchen“ in die Schule
Jeden Montagmorgen geht es für zwölf Freunden meist verwehrt. Das Caritas- starten – das begeistert in der katholischen
Vorschulkinder der katholischen Kita St. Angebot „Delfinfreunde“ kommt dabei Kita St. Germanus in Wesseling nicht nur
Germanus aus Wesseling in das Karlsbad für viele Familien wie gerufen. Nicht nur die Kleinen, sondern auch die Mamas und
nach Brühl. Auch der fünfjährige Jan ist die Kosten der Schwimmkurse werden Oma Liliane.
begeistert, wenn es um sein Element – für alle Familien übernommen, auch die
Wasser – geht. „Ich bin sehr dankbar für notwendigen Schwimmsachen wie Bade-
das Angebot, andernfalls hätte Jan vor- anzug, Badehose, Kappe und Handtuch
erst nicht die Chance bekommen, einen werden gestellt. Für die Kita St. Germanus
Schwimmkurs zu belegen – die sind alle steht aktuell die Sozialstiftung der Kreis-
ausgebucht“, erzählt Marijana Jenniches. sparkasse Köln dafür ein. „Mir hilft das
Die Mutter zweier Söhne weiß, wie schwie- Projekt, ansonsten hätte ich die Kosten
rig es ist, ihren Kindern das Schwimmen selber tragen müssen“, erklärt Besarta
beizubringen. Besonders im Vorschulalter Gorenca. Prima findet die Mutter zweier Fotos: DiCV Köln / Julia Hitschfeld
sind Kurse dafür sehr begehrt, Anmel- Kleinkinder auch, dass das Projekt ohne
dungen müssen weit im Voraus erfolgen. Eltern stattfindet: „Ich glaube, wenn ich dert zum einen die Selbstständigkeit der
Alternativen gibt es kaum: „Andernfalls dabei wäre, würde sich Emma selbst nicht Kinder, aber auch die Zugehörigkeit zu der
müssten es die Eltern selbst übernehmen“, so viel zutrauen.“ Gruppe. Alle Kinder werden eingebunden,
meint Jans Mutter. „Man geht natürlich das schweißt zusammen.“ Nachmittags er-
gerne mit den Kindern schwimmen, aber Neben dem Schwimmlehrer sind bei den zählen die Kinder dann begeistert, welche
ein wöchentlicher Schwimmbadbesuch ist Delfinfreunden im Brühler Karlsbad drei Übungen sie gemacht haben oder ob sie
einfach nicht machbar.“ Erzieherinnen anwesend, zu denen die auch einfach mal planschen und Blödsinn
Kinder viel Vertrauen haben. „Wir Eltern machen durften. „Für die Kinder ist das
Zeitlich wie finanziell stellt es viele Fami- waren kein einziges Mal dabei, was ich toll, mit der Gruppe gemeinsam etwas zu
lien vor eine große Herausforderung. Ins- gut finde. Die Kinder sind dann einfach erleben und zu lernen – ohne Eltern“, sagt
besondere Kindern aus sozialschwachen anders“, sagt Marijana Jenniches. „Das för- Emmas Mutter.
KOMPAKT 1/2020 9AKTUELLES
Talente entdecken – Chancen nutzen
Hilfen für Kinder im Erzbistum Köln
Nicht alle Kinder und Jugendliche erleben eine sorglose Kindheit. Auch nicht im
Erzbistum Köln. Darum unterstützt die CaritasStiftung Maßnahmen, die sie und ihre
Familien stärken und ihnen Chancen auf Bildung und Teilhabe ermöglichen. Projekte
wie die „DELFIN FREUNDE“. Vorschulkinder erhalten kostenlosen Schwimmunter-
richt und damit die Möglichkeit, vor Schulbeginn ihr „Seepferdchen“ zu machen. Was
für ein Erfolg! Damit Projekte wie diese realisiert werden können, ist die Stiftung auf
das Engagement ihrer Stifterinnen und Stifter aber auch auf Spenden angewiesen.
Informationen, wie Sie die Arbeit der CaritasStiftung im Erzbistum Köln unterstützen
können aber auch Antragsmöglichkeiten finden Sie unter
www.caritasstiftung.de
Zwei Vorschulkinder haben bereits das fordern die Mütter und Oma Liliane, dass Eintrittskarte für ein Bad leisten können.
„Seepferdchen“ erfolgreich gemeistert. gerade im Vorschulalter Schwimmkurse Mereu-Müller warnt: „Wer nicht schwim-
Der sechsjährige Alejandro ist einer von für alle Familien möglich sein sollten. men kann, lebt nicht nur gefährlich, son-
ihnen. Oma Liliane erinnert sich noch ge- „Genau hier springen die Delfinfreunde dern er gehört in der Gemeinschaft auch
nau an seine anfänglichen Unsicherheiten: mit ins Wasser“, sagt Daniela Mereu- häufig nicht dazu. Und das trifft besonders
„Zunächst hatte er Angst, die Luft unter Müller, Projektleiterin beim Diözesan- Kinder von finanziell schlecht gestellten
Wasser anzuhalten. Aber jetzt ist er sehr Caritasverband für das Erzbistum Köln. Eltern.“
stolz auf das Abzeichen.“ Liliane ist froh, Über 60 Prozent der Sechs- bis Zehnjäh-
dass ihrem Enkelsohn die Möglichkeit rigen in Deutschland seien keine sicheren JULIA HITSCHFELD
gegeben wurde, bereits im Vorschulalter Schwimmer. „Immer weniger Kommunen
schwimmen zu lernen: „Es ist besser, wenn leisten sich ein eigenes Bad, ein Viertel
die Kinder frühestmöglich die Angst vor der Grundschüler hat keinen Zugang zu
dem Wasser verlieren.“ Schwimmunterricht.“
Schwimmbadbesuche sind für viele Fami- Das treffe vor allem diejenigen, die sich
lien finanziell nicht zu stemmen. Deshalb keinen privaten Schwimmkurs oder eine
Oft sind es die scheinbar kleinen Dinge, an denen es fehlt: ein Kühlschrank, eine Matratze, das Geld für
die Klassenfahrt. Dort, wo in Nordrhein-Westfalen Kinder, Jugendliche und ihre Familien in Not sind, hilft
die Aktion Lichtblicke – und das schon seit über 20 Jahren.
Gemeinsam mit den 45 NRW-Lokalradios kümmern sich
insbesondere Caritas und Diakonie um die Menschen,
die dringend und unbürokratisch Hilfe benötigen.
Weitere Informationen und Antragsmöglichkeiten finden
Sie unter www.lichtblicke.de
10 KOMPAKT 1/2020AKTUELLES
Ein Blick hinter die Kulissen –
Der neue Bildungscampus des Erzbistums Köln
Warum der lange Weg zur Neugründung sich lohnt!
Die Idee: Ein kirchliches Angebot, das Vorbereitung der Berufsausbildung oder umliegenden Einrichtungen im Elemen-
Kindern aus allen Teilen der Gesellschaft dem Abitur wachsen. tarbereich knüpfen und in Kürze beginnt
Bildungschancen ermöglicht, insbesondere Dabei soll sich das Angebot der zwei- die Begegnungsphase, die von einem ge-
den benachteiligten. Eine spannende Idee zügigen Grundschule und im weiteren genseitigen Austausch geprägt sein wird.
zugegebenermaßen, doch zur Umsetzung Verlauf vierzügigen Gesamtschule an den Für mich persönlich war es trotz meiner
braucht es jede Menge Vorbereitung und Bedarfen der Kinder aus dem Stadtteil bisherigen Erfahrung im engen Austausch
Ausdauer (siehe auch KOMPAKT-Aus- orientieren. Aus diesem Grund geht das mit dem Elementarbereich noch einmal
gabe Juni 2019). Erzbistum Köln hier einen neuen Weg und spannend und überaus interessant, die un-
Inzwischen werfen große Dinge ihre Schat- öffnet die Schule für alle Bekenntnisse terschiedlichen Einrichtungen im Umkreis
ten voraus. Es gibt einen Ort, es gibt einen und für bekenntnisfreie Familien. Dabei meines künftigen Standortes kennen zu
Entwurf für den Neubau des Gebäudes orientiert sich der Bildungscampus an den lernen und noch einmal einiges über die
und es gibt sogar die ersten Schüler, die Kriterien einer städtischen Bekenntnis- Arbeit in den Einrichtungen zu lernen.“
schon im Sommer 2020 eingeschult wer- schule und legt den Fokus auf Kinder aus
den. Doch immer der Reihe nach. Bis zu dem Stadtteil Kalk. Schulleiterin Larisch ist überzeugt, dass
diesen Meilensteinen war es ein langer Gemeinsam mit dem Team des Erzbistums diese Mühe sich lohnt: „Ich werde ver-
Weg. Die künftige Schulleiterin Nadine La- Köln hat die künftige Schulleiterin Nadi- suchen, diese Erfahrungen in die Über-
risch gibt einen Einblick in die komplexen ne Larisch die Leitlinien für die tägliche gangsgestaltung und die Arbeit in der
Vorbereitungen einer Schulneugründung. Arbeit definiert: Schuleingangsphase mit einfließen zu
lassen. Insgesamt hat mich diese Ken-
Von der Vision zur Schule … Schritt für nenlernphase weiter darin bestärkt, dass
Schritt! „Als Schulleitung gehört für mich selbst- Elementar- und Primarbereich sich noch
verständlich dazu, die Kinder und Familien mehr gegenseitig wahrnehmen und von
Das Projekt basiert auf zwei Säulen. Auf in ihrer Diversität und Individualität anzu- einander profitieren müssen. Aufbauend
der einen Seite steht die inhaltliche Idee, nehmen und möglichst von der Anmeldung auf der wichtigen Expertise des Elemen-
auf der anderen das Neubauprojekt im an kompetent und verlässlich zu begleiten. tarbereiches möchte die erzbischöfliche
Kölner Stadtteil Kalk. Dabei ist die große Hier greife ich auf meine langjährige Er- Grundschule dem häufig geschehenden
Herausforderung, beide Projektbereiche fahrung als Schulleitung in einem vielfälti- Bruch in der Bildungsbiografie der Kinder
aufeinander abzustimmen, da das neue gen Stadtteil im Ruhrgebiet zurück. Dabei der Übergänge gezielt entgegenwirken.
Gebäude später der Pädagogik am Bil- suche ich gezielt ein multiprofessionelles Regelmäßige Gespräche rund um das Kind
dungscampus dienen soll. Team aus, das sowohl Erfahrung als auch und - im Verlauf gegenseitige - Hospitati-
Aufbauend auf den in den Werkstattge- die Motivation mitbringt, Schule anders onen gehören ebenso zu dieser Zeit, wie
sprächen gesammelten Ideen der Men- zu denken, neu zu gestalten und sich als spielerische diagnostische Übungen mit
schen vor Ort, wurde vom Erzbistum Köln gleichwertige Mitglieder im Bildungs- und den Kindern, die dem Team des Bildungs-
als Schulträger ein Architektenwettbewerb Erziehungsprozess zu sehen.“ campus erlauben, das jeweilige Kind so
ausgeschrieben. Der Sieger wurde im De- nah wie möglich dort abzuholen, wo es
zember präsentiert. gerade steht. Dies geschieht in Koopera-
Während das Projektteam „Bau“ die Vor- Mit Geduld und Spucke … tion und Austausch mit den Kitas und den
bereitungen für den Neubau vorantreibt, die Basisarbeit vor Ort Eltern, also den Experten für das jeweilige
laufen die schulorganisatorischen Vorbe- Kind, möglichst bereits vor Eintritt in die
reitungen auf Hochtouren: Im Rahmen der schulorganisatorischen Grundschule.“
Ab August 2020 startet das Projekt „Erz- Vorbereitungen ist Nadine Larisch aktuell
bischöflicher Bildungscampus Köln-Kalk“ mit großem Einsatz in Kalk unterwegs: „In
mit den ersten I-Dötzchen, die gemeinsam der Gestaltung der Übergangskooperation
von der Schuleingangsphase bis hin zur konnte ich bereits erste Kontakte zu den
KOMPAKT 1/2020 11AKTUELLES
Copyright: Hausmann Architekten GmbH/ Rendertaxi GmbH
Eine Schule die anders sein soll – aber Zeitgleich wird eine enge Zusammenarbeit Ein langer Weg … die nächsten Schritte
wie? im therapeutischen Bereich angestrebt und
es wird Raum geschaffen für Elternange- In den nächsten Wochen und Monaten
Die Kernidee des pädagogischen Konzepts bote und -aktivitäten. wird sich die Arbeit auf die konkrete
ist es, möglichst bei den Stärken des jewei- Umsetzung des kommenden Schuljah-
ligen Kindes anzusetzen, erklärt Nadine Nur gemeinsam sind wir stark! res und die Schwerpunktkooperationen
Larisch: fokussieren. Dabei verfolgen wir – bei all
Basierend auf der Haltung einer Bildungs- den Zielen, die wir uns gesetzt haben – das
„Gezielt soll unser Blick weg vom Defizit- und Erziehungspartnerschaft, möchte der Prinzip „Weniger ist manchmal mehr“ und
denken und hin zu den Talenten der Kinder Bildungscampus gleichzeitig auch Eltern konzentrieren uns auf den Kern unserer
geleitet werden, um deren Selbstvertrauen stärken, zusammenführen und vorhandene angestrebten pädagogischen und koope-
zu stärken. Nur aus dem Zutrauen, das wir Kompetenzen in die Arbeit und den Alltag rativen Arbeit. Denn jedes Haus braucht
den Kindern vermitteln, entwickelt sich, der Schule einfließen lassen. ein solides Fundament, auf dem es sich
dass Kinder sich selbst mehr zu trauen. „Interkulturelle Thementage“, regelmä- aufbauen lässt.
Wir wollen, dass unser Motto ’Alle kommen ßige Elterncafés, offene Aktivitäten, ge-
an ihr Ziel‘ gelebte Wirklichkeit wird.“ meinsame Feste, aber auch die Möglichkeit NADINE LARISCH
der Verortung von Stadtteileltern und In- Rektorin i.K.
tegrationslotsen sollen dazu führen, dass Grundschule am Erzbischöflichen Bil-
In einen rhythmisierten Tagesablauf sollen der neue Bildungscampus des Erzbistums dungscampus Köln-Kalk
deshalb Phasen der Anspannung und Ent- nicht nur Schule, sondern auch Lebensort Bildungscampus@erzbistum-koeln.de
spannung ebenso ihren Platz finden, wie für alle Familien im Stadtteil werden kann.
interessensorientierte Angebote außerhalb
der Stundentafel der Grundschule. Dabei
verstehen sich die Bereiche „Betreuung“
und „Unterricht“ als gleichwertige Part-
ner, die gemeinsame Bildungs- und Erzie-
Gutmensch
Jemand, der
hungsziele verfolgen und gleichberechtigt Zusammenhalt sichert.
und dialogisch gestalten.
In Kooperation mit außerschulischen Part-
nern aus dem Stadtteil sollen im Laufe
der Schulzeit am Bildungscampus Talente
Sei gut, Mensch!
Die ganze Geschichte: SeiGutMensch.de
gefördert und Chancen eröffnet werden.
12 KOMPAKT 1/2020AKTUELLES
Betreuung und individuelle Förderung von
Kindern mit (drohender) Behinderung
in Kitas im Zuständigkeitsbereich des LVR
Zum 01.08.2020 ändern sich im Bereich hilfeträger ist alleinige Anlaufstelle für alle
der Kindertageseinrichtungen die Zustän- Anträge. Konkret bedeutet dies, dass die Die von der WHO herausgebrachte ICF-CY
digkeiten, die Verfahrensabläufe sowie neu eingeführten LVR-Fallmanagerinnen (International Classification of Functioning,
die Finanzierung für die Betreuung von und Fallmanager, welche regional in den Disability and Health - children and youth)
Kindern mit (drohender) Behinderung Kommunen und Kreisen im Rheinland berücksichtigt die Besonderheiten in Ent-
in Kitas. Dabei handelt es sich nicht nur verortet sind, sowohl die Feststellung des wicklung befindlicher Funktionen und die
um leichte Anpassungen und Korrekturen, Kindes zur berechtigten Personengruppe besonderen Lebenswelten von Kindern und
sondern um einen weitreichenden System- als auch die einzelnen Leistungen (Ba- Jugendlichen.
wechsel im Bereich der Eingliederungs- sisleistung I und ergänzend evtl. Assis-
hilfe, der auch große Auswirkungen auf tenzleistungen) bewilligen werden. Hierzu Die internationale Klassifikation der Funkti-
die Kindertageseinrichtungen hat. Das werden sie ein einheitliches und ICF-CY onsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit
ist eine Folge des neuen Bundesteilhabe- basiertes Bedarfsermittlungsinstrument: (ICF) sowie ihre Version für Kinder und Ju-
gesetzes (BTHG), welches die Teilhabe BEI_NRW KiJu nutzen. Für Eltern und gendliche (ICF-CY) ist eine komplexe Klas-
und Selbstbestimmung von Menschen Kinder sollen landeseinheitliche Lebens- sifikation, die eine gemeinsame Sprache
mit Behinderungen stärken möchte. Im verhältnisse geschaffen werden – wohn- und einen Rahmen für die Planung von
Ausführungsgesetz und einem Landes- ortnahe Teilhabe soll für alle Kinder rea- Förderung und Therapie sowie die Formu-
rahmenvertrag hat das Land NRW ge- lisiert werden. Eltern sollen regional vor lierung von Förder- und Behandlungszielen
regelt, dass die Landschaftsverbände für Ort gut beraten werden, Leistungen sollen bereitstellt.
die Eingliederungshilfe für Kinder unter niedrigschwellig erreichbar sein und die Quelle: http://teilhabe-verbessern.de/pa-
6 Jahren in der Kindertagesbetreuung als Beantragung der genannten Leistungen ges/icf-cy.php, abgerufen am 09.04.2020
Eingliederungshilfeträger zuständig sind. soll formlos und sogar mündlich möglich um 14:15 Uhr)
sein. Das LVR Fallmanagement und die
Einige der (neuen) Schlüsselbegriffe sind: Kitas werden eng vernetzt arbeiten.
Inklusion – Bundesteilhabegesetz – Einglie- Wunsch- und Wahlrecht für einen Kita
derungshilfeträger LVR – Heilpädagogische FAZIT: Sobald die neuen Regelungen Platz, so dass zukünftig regelhaft in jeder
Leistungen – Landesrahmenvertrag NRW überall mit ausreichend Personal umge- Kindertageseinrichtung Kinder mit (dro-
nach §131 SGB IX – Bedarfsermittlungs- setzt sein werden, wird sich eine deutliche hender) Behinderung betreut werden. Ne-
instrument: BEI_NRW KiJu – Teilhabe- und Vereinfachung für Familien mit behinder- ben den gesetzlichen Ansprüchen, die sich
Förderplanung – Partizipation – inklusions- ten Kindern ergeben. Verwaltungsabläufe aus dem Kinderbildungsgesetz ergeben,
pädagogische Einrichtungskonzeption – werden sich reduzieren, Hilfe kann leichter formuliert nun auch das Rehabilitations-
Fallmanagement des LVR-Basisleistung I erreicht werden. Das ist die große Hoff- recht (SGB IX) klare Ansprüche für den
– Fachberatung – individuelle heilpädago- nung, für die sich nun alle Akteure im Feld Kitabereich.
gische Leistung – Leistungs- und Vergü- der Kindertageseinrichtungen einsetzen
tungsvereinbarung – etc. werden und für deren Umsetzung wir auch Fachkräfte in Kitas müssen sich einerseits
sicherlich etwas Geduld brauchen. mit (neuen) fachlichen und konzeptionel-
len Anforderungen auseinandersetzen
Was ändert sich konkret für Eltern Was ändert sich für die Fachkräfte in und andererseits ergeben sich aus den
und Kinder, also für die betroffenen den Kindertageseinrichtungen und was Bestimmungen des Landesrahmenvertrags
Familien? folgt daraus? NRW nach §131 SGB IX qualitativ und
quantitativ bessere personelle Ressour-
Eltern erhalten ab dem 01.08.2020 alle Ab dem 01.08.2020 haben Kinder mit cen. Für die Personalstunden, die über den
Leistungen für ihr beeinträchtigtes Kind (drohender) Behinderung einen Rechts- Landesrahmenvertrag, also über den LVR
aus einer Hand, d.h. der Landschaftsver- anspruch auf heilpädagogische Leistun- finanziert werden, sind auch motopädische,
band Rheinland (LVR) als Eingliederungs- gen nach §79 SGB IX. Eltern haben das logopädische, physiotherapeutische sowie
KOMPAKT 1/2020 13AKTUELLES
andere therapeutische Kräfte in den Kitas FAZIT: Viele Kita
(wieder) einsetzbar, sofern sie dort keine Teams sind noch sehr
verordneten Therapien erbringen oder pä- verunsichert. Kinder
dagogische Regelaufgaben übernehmen. mit (drohender) Be-
So könnte der sinnvolle und wünschens- hinderung wurden
werte Schritt hin zu multiprofessionellen und werden noch
Teams in Kitas leichter gelingen. nicht in allen Kitas
betreut. Einige Ein-
Passgenaue Fortbildungsangebote gilt es richtungen verstehen
zu implementieren und zu nutzen, damit sich als inklusive
größtmögliche Handlungssicherheit so- Schwerpunkt-Kitas
wie Qualität in den Kitas wachsen kön- und haben sich, oft-
nen. Sowohl die Rheinland -Kita-Studie mals schon als ehe-
(www.rheinlandkitastudie.de) als auch mals integrative Ki-
das Kooperationsprojekt zwischen Kitas tas, fachlich sehr gut
und Frühförderstellen „Teilhabechancen aufgestellt. Andere
für Kinder verbessern“ (www.teilhabe- Einrichtungen verfügen über gar keine absenkung oder Zusatzkraft) für Kinder
verbessern.de) empfehlen in ihren Ab- Erfahrungen. Hier gilt es Ressourcen best- mit (drohender) Behinderung in Kitas
schlussberichten die Konzipierung von möglich zu nutzen und sich im Sozialraum vorhalten bzw. gestalten. Zum 01.08.2020
Fortbildungsangeboten – idealerweise sinnvoll zu vernetzen. Auch alle aus- und werden dazu schriftliche Leistungs- und
auch regional aufgestellt – mit folgenden weiterbildenden Stellen sind gefragt, da- Vergütungsvereinbarungen abgeschlossen,
ausgewählten Inhalten: mit sich der Inklusionsgedanke und die in denen alle konkreten Verfahrensrege-
dazugehörige Haltung wie selbstverständ- lungen und Finanzierungsabsprachen fest-
u Teaminterne Angebote zur Entwick- lich und fachlich fundiert in allen Köpfen geschrieben sein werden, wie z.B.: Wahl
lung einer teilhabeorientierten Hal- verankern kann. oder Wechsel der Vergütungsmodelle,
tung im Team und Verständigung zum unterjährige Aufnahme eines Kindes im
Thema Partizipation und Teilhabe im Gut ausgebildete Fachkräfte werden Modell Gruppenstärkenabsenkung, För-
Sinne des „Einbezogenseins in eine künftig mehr denn je gebraucht. Schon der- und Teilhabeplanung, Konzepte, Ver-
Lebenssituation“ wie es in der ICF CY jetzt stellt ihre Gewinnung alle Verant- wendungsnachweise.
definiert ist wortlichen im Bereich der Kindertages-
u Kennenlernen der Philosophie des einrichtungen vor beinahe unlösbare Leistungen für Kinder mit (drohender)
Systems ICF CY= bio-psycho-soziales Herausforderungen. Das Kita-System Behinderung in einer Regelkita
Verständnis von Behinderung und der im Rheinland muss in der Gleichzeitig-
notwendige Blick auf Ressourcen so- keit des längst existierenden Fachkräf- Jeder Träger, der Kinder mit (drohender)
wie Umweltbedingungen des Kindes temangels einerseits und der steigenden Behinderung betreut, soll einen Vertrag
und der Fokus auf seine Teilhabe und Qualitätsansprüche an das pädagogische mit dem LVR abschließen, in dem wiede-
Partizipation Personal andererseits bestehen bzw. über- rum jede einzelne Kita des Trägers indivi-
u Elternbeteiligung und Elternbeglei- stehen. Dabei ergeben sich die wachsen- duell betrachtet werden wird. Angedacht
tung: insbesondere in sensiblen Ge- den Qualitätsansprüche sowohl aus dem und versprochen ist, dass nach Abschluss
sprächen – empathisch, annehmend Kinderbildungsgesetz, als auch aus den der Verträge möglichst wenig zusätzlicher
und motivierend handeln können Regelungen im Landesrahmenvertrag. Aufwand für die Träger entstehen soll.
u Erstellung und Fortschreibung der in- Und nicht zuletzt formulieren die Eltern
klusionspädagogischen Einrichtungs- der betreuten Kinder zunehmend Erwar- FAZIT: Die neuen Regelungen verspre-
konzeption sowie von Förder- und tungen und Anforderungen, die von den chen eine qualitative und finanzielle Ver-
Teilhabeplanungen Fachkräften in den Einrichtungen oftmals besserung für die Leistungen für Kinder
u Beobachten und Dokumentieren be- nicht 1 :1 umgesetzt werden können. mit (drohender) Behinderung in Kitas.
zogen auf die mögliche Teilhabe aller Zudem werden ab dem 01.08.2020 alle
Kinder Was ändert sich für die Träger von Leistungen (festgelegte Pauschalen!) nur
u Inklusion als Netzwerkarbeit im So- Kindertageseinrichtungen? noch mit einem Kostenträger abgerechnet,
zialraum – die Kita als ein gleichbe- so dass eine Verwaltungsvereinfachung zu
rechtigter Akteur auf Augenhöhe Zukünftig werden Kita Träger und der erwarten ist. Die Frage der finanziellen
u Gestaltung von Räumen und Gestal- Eingliederungshilfeträger (LVR) als Ver- Auskömmlichkeit wird für Träger von Kin-
tung des Alltags in der Gruppe, so dass tragspartner gemeinsam die Leistungen dertageseinrichtungen jedoch erst nach
Teilhabe für alle Kinder möglich wird (Vergütungsmodelle Gruppenstärken- einer Erprobungszeit final zu beantworten
14 KOMPAKT 1/2020AKTUELLES
sein. Und schließlich liegt die Frage der keiten, mehr Zusammenarbeit im Sozial-
Fachkräftegewinnung (s.o.) erdrückend raum, mehr Fort- und Weiterbildung, mehr
über allem. finanzielle Ressourcen und weniger Bü-
rokratie. So jedenfalls antworteten 1032
Mit dem Landesrahmenvertrag nach Kita-Leitungen, die im Rahmen der Rhein-
§ 131 SGB IX ist für Kinder in nordrhein- land-Kita-Studie gefragt wurden: „Welche
westfälischen Kitas ein großer Wurf ge- zukünftige bzw. zusätzliche Unterstützung
lungen. Kindern mit (drohender) Behin- bei der Umsetzung der Inklusion im Ki-
derung und ihren Eltern soll unabhängig tabereich für Kinder mit (drohender) we- Weitere Informationen erhalten Sie
von ihrem Wohnort und unabhängig von sentlicher Behinderung würden Sie sich in der LVR-Broschüre „Elementar wichtig“
der jeweiligen Betreuungsform eine ein- für Ihre Einrichtung wünschen?“ www.t1p.de/Elementar-wichtig
heitliche Leistung zur vollen und wirksa- auf der Webseite www.bthg.lvr.de
men Teilhabe in der Gesellschaft und zu In diesem Sinne werden wir alle im neuen Dort finden Sie zielgruppenspezifische Informa-
einer selbstbestimmten Lebensführung System laufen lernen müssen … tionen als FAQ-Liste sowie im Downloadbereich
ermöglicht werden. Um diesem Ziel in die LVR-Broschüre „Elementar wichtig“ in wei-
Kindertageseinrichtungen näher kommen MECHTHILD LINDEN teren Sprachen, weiterführende Publikationen,
zu können, braucht es mehr ausgebildetes Fachberaterin Rundschreiben und Dokumentationen der diver-
Fachpersonal, mehr geeignete Räumlich- sen Infoveranstaltungen des LVR.
Erleben und Bewältigen einer Krise
Die Corona-Pandemie
Seit mehreren Wochen prägt uns jetzt
schon die Corona-Krise. Nichts scheint
mehr normal. Wir machen die Erfahrung,
dass unser gewohntes Leben in kürzester
Zeit aus den Angeln gehoben wurde. Wäh-
rend Schule, OGS und Kita für die meisten
Kinder geschlossen sind, werden natürlich
alle die weiter betreut, deren Eltern in der
kritischen Infrastruktur wie Krankenhäu-
ser etc. arbeiten. Und ihre Betreuerinnen
und Betreuer sind gefordert wie selten
zuvor. Der Stresslevel ist sehr hoch, alle
spüren erheblichen Druck. Öffnungszei-
ten müssen mit weniger Kolleginnen und Foto: Karim Manjra auf www.unsplash.com
Kollegen gestemmt werden, und es kann
Angst erzeugen, dass man tagtäglich ei- wie die Zukunft aussieht, was auf die ei- einer gesunden Portion Mut, ist es dennoch
nem erhöhten Risiko einer Ansteckung gene Familie, was auf unsere Gesellschaft möglich, resilient – widerstandsfähig - zu
ausgesetzt ist, während alle anderen die zukommt und auch das bringt ein unge- werden. Wir müssen uns nicht unserem
soziale Distanz einhalten können. wohnt hohes Maß an Belastung mit sich. Schicksal fügen, wir können es selbst in die
Hand nehmen. Bis zu einem gewissen Grad
Und die Kinder? Die vermissen ihre Be- Angesichts dieser Ausnahmesituation fällt sind wir nämlich selbst für unser Glück
zugsperson und ihre Freundinnen und es nicht leicht, Mut und Lebensfreude zu verantwortlich. Indem wir Krisen als not-
Freunde, leiden unter der Atmosphäre bewahren. Eine Krise oder ein Trauma wendigen Teil des Lebens anerkennen, an
von Anspannung. Auch das macht die zu bewältigen oder sogar gestärkt daraus dem wir vielleicht auch wachsen können,
Arbeit nicht leichter. hervorzugehen, ist eine große Herausfor- gehen wir einen ersten Schritt.
Hinzu kommt, dass niemand aktuell weiß, derung. Mit der richtigen Strategie und
KOMPAKT 1/2020 15AKTUELLES
Wir können angesichts einer Virus-Pande-
mie nichts an der Ursache ändern. Direkte Ratschläge der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Handlungen oder problemlösende Aktivi-
täten, um den Stressauslöser zu verändern, 1. Es ist normal, sich während einer Krise traurig, gestresst, durcheinander, verängstigt
z.B. durch das Beseitigen der Bedrohung, oder wütend zu fühlen. Mit Menschen des Vertrauens zu sprechen, kann helfen.
Flucht aus der Krisensituation, Leugnen Nehmen Sie Kontakt auf mit Ihren Freunden und Ihrer Familie.
oder Verhandeln funktionieren nicht. 2. Wenn Sie zu Hause bleiben müssen, pflegen Sie einen gesunden Lebensstil einschließ-
lich richtiger Ernährung, Schlaf, Bewegung und sozialer Kontakte mit Ihren Lieben:
Wir brauchen Erlebnisse positiver egal, ob zu Hause, per Mail, Telefon, Videotelefonie mit anderen Familienmitgliedern
Überwindbarkeit oder Freunden.
3. Rauchen Sie nicht und trinken Sie keinen Alkohol, um mit Ihren Gefühlen zurecht zu
Also können wir nur an uns selbst arbei- kommen. Wenn Sie sich überfordert fühlen, sprechen Sie mit einer medizinischen
ten z.B. durch Aktivitäten, die am Körper oder psychologischen Fachperson, einer Beraterin oder einem Berater. Planen Sie
ansetzen (Entspannungstraining, Biofeed- vorab, wohin Sie gehen können, um bei Bedarf Unterstützung bei körperlichen und
back, Atemübungen etc.) oder Aktivitäten, psychischen gesundheitlichen Problemen zu erhalten.
die an der Psyche ansetzen (Ablenkung, 4. Suchen Sie nach Fakten. Sammeln Sie Informationen, die Ihnen helfen, Ihr Risiko
Kreativität und Fantasien, sich Gedanken korrekt zu bestimmen, damit Sie angemessene Vorkehrungen treffen können. Finden
über sich selbst machen, professionelle Sie glaubwürdige Informationsquellen, denen Sie vertrauen können, wie zum Beispiel
Hilfe suchen, etc.). die Website der WHO oder eine lokale oder staatliche Gesundheitsbehörde.
5. Begrenzen Sie Sorgen und Aufregung, indem Sie und Ihre Familie weniger Zeit damit
Resilienz bedeutet nicht, völlig unver- verbringen, Medienberichte zu sehen oder zu hören, die Sie als verstörend empfinden.
wundbar zu sein. Es geht darum, unent- 6. Greifen Sie auf Fähigkeiten zurück, die Sie in der Vergangenheit eingesetzt haben
deckte Wege zu finden. Dann kann man und die Ihnen geholfen haben, mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen. Nutzen
eine Krise so bewältigen, dass sie einen Sie diese Fähigkeiten, um in dieser herausfordernden Zeit der Corona Pandemie mit
nicht niederreißt und für immer blockiert. Ihren Gefühlen gut umgehen zu können.
Es sind die Erlebnisse, Belastungen posi-
tiv überwunden zu haben, die unsere Wi- Quelle: https://www.mhe-sme.org/covid-19/ abgerufen am 13.03.2020
derstandskraft auf Dauer stärken. Daraus
erwachsen sogenannte Schutzfaktoren, die
sich im Laufe unserer Entwicklung auf- Vielleicht sind Sie jemand, der gerne Neues terung, die darin steckt. Möglicherweise
bauen. Lernen wir bereits im Kindergar- lernt und genau jetzt anderen dabei hilft, haben Sie immer damit geliebäugelt, eine
tenalter, mehr oder weniger ausgeprägte mit digitalen Medien umzugehen. Oder Auszeit zu haben, innezuhalten oder alles
Krisen selbstständig zu überwinden, so Sie setzen Sie ein, um per Videokonfe- etwas langsamer angehen zu lassen. Dann
lernen wir Selbstwirksamkeit und gehen renzen mit den Kindern in Ihrer Gruppe ist jetzt sicher ein guter Zeitpunkt dafür.
auch später souveräner mit Stress um. Vie- im Kontakt zu bleiben. Vielleicht haben Vielleicht haben Sie Sinn für Humor und
les spricht dafür, dass wir lebenslang an Sie eine kreative Ader und können bei können über manches herzlich lachen, was
unserer Resilienz arbeiten können. handwerklichen Tätigkeiten ganz im Mo- gerade so passiert.
ment sein und die Zeit vergessen.Vielleicht
Die Weltgesundheitsorganisation WHO bekommen Sie angesichts der aktuellen Sie wissen nicht, was Sie ganz besonders
hat am 13.03.2020 einige Verhaltenstipps existentiellen Lage wieder Kontakt zu gut können? Dann fragen Sie Menschen
veröffentlicht, die Menschen dabei helfen den Werten und Zielen in Ihrem Leben, in Ihrem Umfeld danach. Die wohlwol-
sollen, mit der aktuellen Situation besser zum Grund, warum Sie einmal Ihren Be- lende Sicht anderer auf einen selbst kann
zurecht zu kommen. Einige der Tipps be- ruf ergriffen haben und schöpfen daraus spannende und inspirierende Einsichten
tonen speziell Aspekte, die dem eigenen Kraft und Befriedigung. Gerade jetzt kann liefern und die eigene Resilienz stärken.
Einfluss unterliegen, also Dinge, die Sie man die Bedeutung des eigenen Beitrags
selbst in der Hand haben. Diese finden zur Gesellschaft unmittelbar spüren und BERNADETTE NÄGER
Sie im nebenstehendem Kasten. Vielleicht Sinnhaftigkeit erleben. Dipl. Psych., Mediatorin,
sind ja Ideen dabei, die Sie nützlich für Systemische Beraterin
sich finden? Vielleicht sagen Sie vermehrt Nein zu
Ansprüchen, die andere an Sie richten
Die WHO benennt unter Punkt 6 „Fähig- oder die Sie selbst an sich richten, weil
keiten“, auf die wir zurückgreifen sollen. es kräftemäßig gar nicht anders geht. Ver-
Welche könnten das sein? abschieden Sie sich von Ballast, der längst
überfällig ist und spüren Sie die Erleich-
16 KOMPAKT 1/2020Sie können auch lesen