Frauen packen an - KMU Nachfolgezentrum
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3/ 2020
Das Magazin für Schweizer KMU
Frauen packen an
Cécile Berther ist eine von sieben Unternehmerinnen, die
wir anlässlich des Internationalen Frauentags vorstellen
Swiss Indoors
Ticketvorverkauf
«Zentral sind Rollenvorbilder»
ab 2. April Interview mit Leila StraumannMärz 2020
Frauenpower
Editorial
Am 8. März, am Weltfrauentag, demonstrieren jedes Jahr
rund um den Globus Hunderttausende von Frauen für
Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung.
Auch in der Schweiz – Frauenpower pur. Die Rosen, die den Schritt nie. Wie hält es Cécile Berther mit der Frauen-
an diesem Tag verteilt werden, sind eine schöne Geste, förderung in ihrem Unternehmen? Ihre klare Antwort auf
doch was wir benötigen, sind klare Fortschritte für die diese Frage: «Ich möchte diejenige Person einstellen, die
Frauen. In der Gesellschaft und in der Wirtschaft. am besten zum Job passt. Unabhängig vom Geschlecht.
Gleichzeitig ist es mir enorm wichtig, eine Frau niemals zu
Deshalb widmen wir diese Ausgabe des WIRinfos den benachteiligen.»
Frauen, und speziell denjenigen, die im WIR-Netzwerk
aktiv sind. Stellvertretend für alle Frauen konzentrieren wir Oder Nadine Tschumi. In ihrem Modefachgeschäft
uns speziell auf einige tolle Unternehmerinnen, die kon- Dalmi in Romanshorn ist weibliche Solidarität selbstver-
sequent ihren eigenen Weg gehen und erfolgreich sind. ständlich: Nadine Tschumi und ihre vier Mitarbeiterinnen
Gute Vorbilder für uns (berufstätige) Frauen und für alle wissen, was es heisst, Beruf und Familie miteinander zu
Menschen. verbinden. Ehrensache, dass sie sich gegenseitig un-
terstützen und einander in jeder Lebenslage beistehen.
Frauenpower zum Ersten: Leila Straumann, die Leiterin Mehr dazu ab Seite 28.
der Abteilung Gleichstellung von Frauen und Männern
Basel-Stadt, erzählt ab Seite 10, was der Frauenstreik Frauenpower zum Dritten: Der CEO-Corner wird in die-
vom 14. Juni 2019 ausgelöst hat und welche Aufgaben als ser Ausgabe ebenfalls weiblich, und zwar zur Plattform
Gesellschaft noch vor uns liegen. für Karin Zahnd Cadoux (Seite 33). Sie ist seit 2019 die
VR-Präsidentin der WIR Bank und die erste Frau in der
Frauenpower zum Zweiten: Wir stellen sieben Unterneh- Geschichte des Unternehmens an der Spitze der Genos-
merinnen aus der Deutschschweiz und der Romandie vor, senschaft. Bestens vernetzt ist sie erfolgreich in einer
die ihre Firma selbst gegründet oder sie von ihren Eltern Branche, in der traditionell vor allem Männer anzutreffen
übernommen haben. sind, der Baubranche.
Zum Beispiel Cécile Berther (Seite 13): Noch nicht ganz
30-jährig übernahm sie 2016 das Familienunternehmen Patrizia Herde
Berther Büromöbel GmbH von ihrem Vater. Bereut hat sie Corporate Communication
3W
WIRinfo Das Magazin für Schweizer KMU
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4
4März 2020
Inhalt
Seite 10 Seite 28
Frauen verdienen weniger, leisten mehr unbe- Geballte Frauenpower: In Romanshorn führt
zahlte Arbeit und haben geringere Karriere- Nadine Tschumi das Modefachgeschäft Dalmi –
chancen. Der landesweite Frauenstreik vom mit Unterstützung ihrer vier Mitarbeiterinnen.
14. Juni 2019 hat diese Diskrepanz wieder in den
gesellschaftlichen Fokus gerückt. Pünktlich zum
Internationalen Frauentag am 8. März erläutert
Leila Straumann, Leiterin Abteilung Gleichstel-
lung von Frauen und Männern Basel-Stadt, was
der Streik bewirkt hat und was noch zu tun ist.
Seite 13
Nach einem Umweg übernahm Cécile Berther
von ihrem Vater die Berther Büromöbel GmbH
in Rubigen. Ein Schritt, den sie nicht bereut.
6 Kurznews 22 Wie man das digitale Leben 36 500 CHW geschenkt!
der KMU vereinfacht Ihre Gutschrift für Inserate
8 WIR-Gastro-Aktion Esha Indani – Abilect und Werbung
Ristorante La Rotonda, Jonen,
und Restaurant du Village- 25 Gesund und nachhaltig 38 Neue WIR-Teilnehmer
Kashmir, Renens bauen
Véronique Favre / Tanya Zein – 43 Willkommen im
10 «Rollenvorbilder sind zentral FAZ architectes WIR-Network
für die Gleichstellung von
Frauen und Männern» 28 «Mir ist der Mensch wichtig XX
91 Impressum
Interview mit Leila Straumann und nicht seine Hülle»
Nadine Tschumi – Dalmi Mode XX
92 Standorte der WIR Bank
13 Die Chance gepackt und Social Media
Cécile Berther – 31 Inserateschlüsse
Berther Büromöbel GmbH XX
93 WIR-Network-Adressen
33 CEO-Corner
16 «Männer sind die treusten Von VR-Präsidentin XX
96 Werbemöglichkeiten
Kunden» Karin Zahnd Cadoux im WIR-Netzwerk
Birgit Leutenegger – Pudol AG
34 Der Unternehmergeist XX
98 Inseratepreise
19 Coworking für KMU und die Frauen
Valérie Morvan – Cosyup.work Kolumne von Karl Zimmermann
5WIRinfo Das Magazin für Schweizer KMU
Swiss Indoors
«Weltklasse-Tennis hautnah» im Jubiläumsjahr
Kaum war der grenzenlose Jubel nach dem zehnten 2. April: Ticketverkauf startet
Turniersieg von Lokalmatador Roger Federer an den Der Ticketvorverkauf für die Swiss Indoors 2020 startet
Swiss Indoors in Basel verhallt, griff Turnierdirektor am Donnerstag, 2. April. Wer «King Roger» sowie weitere
zum nächsten Superlativ: «Wir werden es zu einem Stars der Tennis-Weltrangliste nicht verpassen will, mel-
einmaligen Ereignis machen», versprach er mit Blick det sich auf wir.ch am besten noch heute für den News-
auf das 50-Jahr-Jubiläum, das 2020 auf dem Pro- letter der WIR Bank an.
gramm stehen wird. Vom 24. Oktober bis 1. November
fliegen dann die Bälle am drittgrössten Hallenturnier Weitergeführt wird selbstverständlich auch die Produkt-
der Welt über den Center Court. partnerschaft mit dem WIR-Partner Swiss Indoors. So
können spezifische Produkte aus den Bereichen Hospi-
Wieder mit dabei: die WIR Bank. Bereits zum dritten tality (Kundenanlass) und Promotion mit einem WIR-An-
Mal findet am Donnerstag, 29. Oktober, der Anlass teil von 25 Prozent bezahlt werden. Die Partnerschaft
«Weltklasse-Tennis – hautnah!» im Kleinen Village der beinhaltet konkret die Bereiche Membercard im Firmen-
«Joggelihalle» statt. Nebst Spitzensport und Hoch- sektor, VIP-Loge am Center Court und Tages- und Wo-
spannung tauchen die Teilnehmenden in die einmali- chenlounge im Tennisdorf sowie Promotion (Anzeige im
ge Atmosphäre eines exklusiven Events mit Netzwer- «Tennis Year Book» und Ausstellungsstand im Foyer). Der
ken bei Snacks und einem Apéro dînatoire ein. Das WIR-Annahmesatz auf das spezifische Produktangebot
Spezial-Package, das erneut zu 290 Franken (Zahlung beträgt 25 Prozent. Detaillierte Informationen ab Anfang
mit 100 Prozent WIR möglich) angeboten wird, enthält April auf unserer Homepage sowie im WIRinfo.
zudem einen nummerierten Sitzplatz in bester Kate-
gorie am Center Court. Der Eintritt ist ab 12 Uhr mög-
lich, Zutritt zum Kleinen Village ab 18 Uhr.
Das Geschehen auf dem Center Court in der Basler St. Jakobshalle wird auch in diesem Jahr die Tennisfans begeistern. Foto: zVg
6März 2020
KURZ KMU SWISS Forum
NEWS Umbruch in Wirtschaft und
Gesellschaft
Genossenschaften
«6G» für eine moderne Lösung
Werner van Gent.
Rein zahlenmässig erinnert es an den Kampf zwischen
David und Goliath: Während die Schweiz weit über Werner Van Gent, der wohl bekannteste Auslandskor-
110 000 Aktiengesellschaften zählt, waren es 2019 nur respondent auf Schweizer Fernsehbildschirmen, ist ei-
deren 8559 Genossenschaften. Doch diese machen ner der Protagonisten am KMU SWISS Forum, das am
jetzt auf sich aufmerksam: Die «Idée Coopérative», 19. März 2020 im Kultur- und Kongresszentrum Trafo
zu der auch die WIR Bank gehört, soll zum neuen in Baden über die Bühne geht. Der Titel seines Re-
Kompetenzzentrum für alle Fragen und zum Netzwerk ferats zählt für die gesamte Veranstaltung: «Umbruch
rund um Genossenschaften werden. Diese Rechts- in Wirtschaft und Gesellschaft». Die Teilnahmegebühr
form treffe den Zeitgeist, wie Präsidentin Ursula Nold für die von Hugo Bigi moderierte Veranstaltung be-
bei der Lancierung in Bern festhielt. «Das Genossen- trägt 450 Franken (exkl. MwSt., aber inklusive Essen
schaftsmodell bietet sich als moderne, nachhaltige und Getränke). WIR-Teilnehmer profitieren von einem
Lösung für mehr kooperatives Unternehmen an.» Die Rabatt von 20 Prozent – und zahlen den Restbetrag
«Idée Coopérative» wolle zu mehr Selbstverantwor- mit einem WIR-Anteil von 30 Prozent.
tung in Wirtschaft und Gesellschaft beitragen.
Ausserdem wurde der erste «Genossenschaftsmoni-
tor» (kostenlos auf www.ideecooperative.ch verfüg-
bar) veröffentlicht, dessen Ergebnisse sich auf eine
Umfrage bei über 170 teilnehmenden Genossen-
schaften aus der ganzen Schweiz abstützt. «Wir sind
überzeugt, dass Genossenschaften als Rechtsform
ganz besonders für aktuelle Trends gewappnet sind
und deutliche Vorteile gegenüber anderen Unterneh-
mensformen haben», so Nold. Als zentrale Erkennt-
nisse liessen sich die sogenannten «6G» ableiten:
Genossenschaften bleiben Eidgenossen, praktizie-
ren Zukunft heute, sind unverzichtbar, pflegen enge Benjamin Huggel.
Beziehungen, sind frauenfreundlich und übernehmen
Verantwortung. Nebst van Gent darf man sich auf den Sicher-
heitsexperten Ivano Somaini («KMU im Visier von
Gemäss Geschäftsführer Henrik Schoop soll die «Idée Cyber-Kriminellen»), auf das Konzernleitungsmitglied
Coopérative» nicht nur zentrale Austauschstelle für der Deutschen Bahn Rolf Härdi («Digitale Transforma-
grosse und kleine Genossenschaften sein, sondern tion eines öffentlichen Mobilitätsunternehmens») und
selbst Daten und Wissen generieren und sich im politi- auf den ex-Fussballnationalspieler und Jungunterneh-
schen Prozess für die Anliegen der Genossenschaften mer Benjamin Huggel («Umbruch bedingt High-Perfor-
einsetzen. mance-Teams») freuen. Huggel ist übrigens auch Gast
des nächsten WIR-KMU-Talks, der am 11. März live aus
dem Basler Theater Teufelhof übertragen wird (via So-
cial Media und auf «RegioTVplus» auf Swisscom TV).
Das Forum startet um 8.45 Uhr. Die Teilnehmerzahl
ist beschränkt, die Anmeldefrist läuft bis 16. März.
WIR-Teilnehmer erhalten die Zugangsdaten für die
Anmeldung über wir@kmuswiss.ch.
7WIRinfo Das Magazin für Schweizer KMU
für
Suzane Müller
Kundenberaterin, WIR Bank
«La Rotonda:
In jeder Beziehung
eine runde Sache.»
Ristorante La Rotonda, Jonen
Kreisverkehr oder Rundbau: was auf Deutsch trocken und Italianità findet sich nicht nur auf der Speisekarte, son-
technisch tönt, klingt auf Italienisch wie der Titel eines dern auch in der Auffassung von Zusammensein: Abends
Gedichts oder Gemäldes: la rotonda. Im aargauischen halten halten Therese Klimscha Hochstrasser und ihr
Jonen treffen der einzige Kreisel und der einzige Rundbau Team das Restaurant ausdrücklich so lange offen, wie es
im ansonsten streng linear gebauten Dorf am Chriesiweg Gäste hat.
1 im Ristorante La Rotonda zusammen. Hier ist der Treff- Im Säli haben 10 und in der Gaststube bis zu 50 Perso-
punkt für jene, die sich erst noch entschliessen müssen, nen Platz – ideal für Gesellschaften –, und noch einmal so
ob das von Küchenchef Franz Matt zubereitete Mittag- viele Gäste werden sich auf der grossen Sonnenterrasse
oder Abendessen gutbürgerlich-schweizerisch oder doch einrichten können, sobald die Temperaturen es wieder er-
lieber zwischen Pizza und Pasta angesiedelt sein soll. Die lauben.
● Daniel Flury
WIR-Gastro-Aktion Chriesiweg 1
8916 Jonen
T 056 640 10 17
Unkompliziert und genussvoll WIR ausgeben – ristorante-larotonda.ch
das ist täglich im Gastro-Bereich möglich. Wir info@ristorante-larotonda.ch
stellen deshalb in einer Serie laufend Restaurants WIR-Annahmesatz: 50%
vor, die neu im WIR-Netzwerk vertreten sind.
Alle Lokale finden Sie zum Beispiel so: wirmarket.ch Mo–Fr: 08.00–14.00 und 17.00– so lange es Gäste hat
> WIR-Teilnehmer > Gastronomie. Die Auswahl kann Sa: 17.00– so lange es Gäste hat
auf Kantone oder Orte beschränkt werden. So/Feiertage: Ruhetag/geschlossen
(ab 20 Personen auf Anfrage geöffnet)
8März 2020
Rest. du Village-Kashmir, Renens
Im «Village-Kashmir» im Zentrum von Renens fühlt man raschung: Gruppen von mindestens zehn Personen er-
sich wie ein Maharadscha oder eine Maharani. Sowohl halten eine Flasche Champagner gratis aufgetischt.
das edle Interieur wie die reichhaltige Auswahl an in-
dischen und pakistanischen Spezialitäten lassen keine ● Daniel Flury
Wünsche offen: Im Tandoor-Ofen zubereitete Gerichte,
Geflügel, Lamm und Meeresfrüchte oder Kofta-Curry Rue de la Paix 25
(Fleischbällchen mit Zitronensaft, Ingwer und Korian- 1020 Renens
der) oder Auberginen-Beignets verwöhnen den Gaumen T 021 636 04 76
ebenso wie eine grosse Auswahl an europäischen, kali- restaurant-kashmir.ch
fornischen, südamerikanischen und natürlich indischen info@restaurant-kashmir.ch
Weinen. Von Montag bis Freitag (mittags) wird neben WIR-Annahmesatz: 100%
den Speisen auf der Karte auch ein reichhaltiges Buf-
fet angeboten, freitags und samstags (abends) unter- Mo–Fr: 11.00–14.30 und 18.00–22.30
malt von indischer Musik. Das «Village-Kashmir» bietet Sa: 18.00–23.00
Platz für bis zu 120 Personen und ist damit z. B. auch für So: geschlossen
Hochzeitsfeiern geeignet.
In der täglich geöffneten Bar wartet übrigens jeweils Bar: Mo–Sa: 07.00–23.00
am Dienstag und am Mittwoch eine besondere Über- So: 08.00–20.00
Keren Brandt
Kundenberaterin, WIR Bank
«Eine kulinarische
Reise auf einen anderen
Kontinent.»
9WIRinfo Das Magazin für Schweizer KMU
Leila Straumann
«Rollenvor-
bilder sind
zentral für
die Gleich-
stellung von
Frauen und
Männern»
Frauen verdienen weniger, leisten mehr unbezahlte Arbeit und ha-
ben geringere Karrierechancen. Der landesweite Frauenstreik vom
14. Juni 2019 hat diese Diskrepanz wieder in den gesellschaftlichen
Fokus gerückt. Pünktlich zum Internationalen Frauentag am 8. März
erläutert Leila Straumann, Leiterin Abteilung Gleichstellung von
Frauen und Männern Basel-Stadt, was der Streik bewirkt hat und
was noch zu tun ist.
10März 2020
scher Ebene waren die Parlamentswahlen im Herbst ein
enormer Erfolg. Im Nationalrat stieg der Frauenanteil auf
42 %. In der Zivilgesellschaft formierte sich eine breite
Bewegung, die sich auch nach dem 14. Juni für unter-
schiedlichste Gleichstellungsthemen stark macht.
In der Schweiz ist die klassische Unterteilung in
Männer- und Frauenberufe noch immer sehr aus-
geprägt. Ein Beispiel: Nur 7 % der Lehrpersonen in
basel-städtischen Kindergärten sind Männer. Die
Harvard-Professorin Iris Bohnet sagt, es brauche
allem voran Rollenvorbilder. Stimmen Sie ihr zu?
Absolut. Rollenvorbilder sind zentral für die Gleichstellung.
Was in der Kindheit um uns herum passiert, prägt unsere
Vorstellungen. Für Kinder und Jugendliche ist es wichtig
zu erleben, welche Möglichkeiten Frauen und Männer im
Erwerbsleben haben. Buben müssen sehen können, dass
es funktioniert, wenn Männer als Kindergärtner oder Pfle-
ger arbeiten. Und für Mädchen ist es wichtig zu sehen,
dass Frauen als Physikerinnen oder Ingenieurinnen tätig
sind. In der Schweiz bewegt sich bei den geschlechts-
atypischen Berufen leider sehr wenig.
«Für Kinder und Jugendli-
che ist es wichtig zu erleben,
welche Möglichkeiten
Frauen und Männer im
Erwerbsleben haben.»
Woran liegt das?
Die Schweiz ist ein privilegiertes Land. Hier war es lange
möglich, eine Familie mit einem Einkommen zu ernähren.
Das verändert sich zusehends. Familie ist bei uns auch
eher eine private Angelegenheit. Selbst wenn der Staat
vieles tut – etwa im Bereich der Kinderbetreuungsange-
bote – ist unsere gesellschaftliche Struktur so angelegt,
Foto: Nils Fisch dass vorwiegend eine Person die Betreuung übernimmt
und den Haushalt regelt. Diese Struktur ist an das klassi-
sche Rollenverständnis der 1960er-Jahre gekoppelt.
Bereits beim Eintritt in den Schweizer Arbeitsmarkt
Leila Straumann, am Frauenstreik nahmen im letz- verdienen junge Männer bei identischer Ausbildung
ten Jahr Hunderttausende teil. Das Grossereignis und Qualifikation 4–5 % mehr als junge Frauen. Wie
hat weite Teile der Gesellschaft zu einem vertieften erklärt sich diese Differenz?
Nachdenken über die Gleichstellung bewegt. Was Sie weist primär auf eine Lohndiskriminierung hin. Ent-
hat der Streik darüber hinaus konkret bewirkt? scheiden Unternehmen rational, gehen sie davon aus,
Bereits im Vorfeld wurde das Thema verstärkt in den Me- dass junge Frauen bald wieder aussteigen, um eine Fami-
dien und in der Politik diskutiert. Auslöser war die «#Me- lie zu gründen. Frauen im gebärfähigen Alter haben hier
Too-Debatte». In deren Folge engagierten sich nicht nur eine Hürde, die nicht sein darf. Handkehrum benachteiligt
Frauen, sondern auch Männer aus allen Schichten und das System bei der Familienplanung auch die Männer. In
jeglichen Alters für den landesweiten Streik. Auf politi- der Schweiz haben Frauen Anrecht auf 14 Wochen Mut-
11WIRinfo Das Magazin für Schweizer KMU
«Unser Alltag würde ohne die unbezahlte Care-Arbeit, die
überwiegend Frauen leisten, schlicht nicht funktionieren.»
terschaftsurlaub. Männer erhalten in der Regel einen Tag zieren, um mehr Zeit mit den Kindern verbringen oder An-
Vaterschaftsurlaub. gehörige pflegen zu können, passt das ins Rollenbild. Will
Zudem ist das Gehalt auch Verhandlungssache. Frauen ein Mann sein Pensum aus den gleichen Gründen verrin-
müssen ihren Lohn besser verhandeln. gern, entspricht es nicht dem klassisch männlichen Bild.
Der Anteil Männer in Teilzeitjobs ist zwar zunehmend.
Ob im Haushalt, bei der Erziehung oder der Pflege Männer müssen aber nach wie vor mehr argumentieren
von Angehörigen – gemäss einer aktuellen Studie der und Lösungen präsentieren, wenn sie ihr Pensum redu-
Hilfsorganisation Oxfam leisten Frauen einen immen- zieren wollen.
sen Anteil an unbezahlter Arbeit. Weltweit sind es
12 Milliarden Stunden pro Tag. Erhielten Frauen dafür
einen Mindestlohn, resultierte jährlich ein Gegenwert «Männer haben es in jedem
von über 11 Billionen US-Dollar. In der Schweiz bezif-
fert sich der imaginäre Lohn für 9,2 Milliarden Stunden Fall noch immer schwerer,
Gratisarbeit auf 408 Milliarden Franken. Welche Fol-
gen zeitigt unbezahlte Arbeit für betroffene Frauen? eine Teilzeitstelle zu finden.»
Sie arbeiten deutlich häufiger in niederprozentigen Teil-
zeitjobs, verfügen über ein geringeres Einkommen und Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind gleicher-
somit über weniger Pensionskassenkapital. Im schlimms- massen gefragt. Was kann jede einzelne Frau bzw.
ten Fall führt das in die Altersarmut, von der auch haupt- jeder einzelne Mann im Alltag tun, um die Gleichstel-
sächlich Frauen betroffen sind. Des Weiteren sind ihre lung zu fördern?
Karrierechancen klar eingeschränkt. Fakt ist: Kinderbe- Zum einen Politikerinnen und Politiker wählen, die sich
treuung, Hausarbeit und Angehörigenpflege sind nicht für diese Themen einsetzen. Zum anderen können wir
nur gesellschaftlich und volkswirtschaftlich beson- unser ganz persönliches Rollenverständnis überprüfen.
ders wertvoll. Unser Alltag würde ohne die unbezahlte Welches Vorbild sind wir unseren Kindern? Erzählen wir
Care-Arbeit, die überwiegend Frauen leisten, schlicht ihnen, dass Frauen in der Schweiz erst seit 1971 stimm-
nicht funktionieren. berechtigt sind? Sprechen wir mit ihnen über die Gleich-
stellung? Welche Rollenbilder vermitteln die Märchen, die
Selbst wenn Frauen Karriere machen möchten, sind wir ihnen vorlesen? Und schliesslich kann auch jede und
ihre Chancen geringer. So liegt der Frauenanteil in jeder schauen, wie die bezahlte und die unbezahlte Arbeit
den Verwaltungsräten der 100 grössten Schweizer in der eigenen Familie verteilt ist.
Unternehmen und in Geschäftsleitungen bei 21 %
bzw. 9 %. Braucht es eine Frauenquote? ● Interview: Katja Muchenberger
Die Frauenquote ist bei der Revision des Aktienrechts
ein Thema. Ich denke, langfristig ist sie nicht die Lösung.
Aber sie ist ein gutes Instrument auf dem Weg zur Gleich-
stellung. Via Volksentscheid von 2014 wurde im Kanton
Basel-Stadt in den Verwaltungsräten staatsnaher Betrie-
be eine Frauenquote von mindestens 33 % eingeführt.
Aktuell liegt der Frauenanteil bei 47,8 %. Mit anderen Wor-
ten: Sucht man qualifizierte Frauen, findet man sie auch. Basel geht mit familienfreundlichem
Beispiel voran
Viele Unternehmen haben Vorbehalte, wenn es
darum geht, für Frauen wie auch für Männer in
Führungspositionen Teilzeitstellen zu schaffen. Sind Die «Familienfreundliche Wirtschaftsregion Basel»
diese Vorbehalte berechtigt? sensibilisiert und unterstützt Arbeitgebende bei
Das Arbeitspensum ist ausschlaggebend. In einer Füh- der Umsetzung von betrieblichen Massnahmen für
rungsposition 50 % zu arbeiten, ist eine enorme Heraus- eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
forderung. Mit einem Pensum von 70 oder 80 % oder dem Zugleich dient das Programm der Abteilung Gleich-
Top-Sharing-Modell sind Führungspositionen durchaus stellung von Frauen und Männern Basel-Stadt als
machbar. Natürlich braucht es die Bereitschaft aller Be- Plattform. Es fördert den Austausch und die Vernet-
teiligten, sich darauf einzustellen. zung von privaten und öffentlichen Arbeitgebenden,
Wirtschaftsverbänden und Verwaltungsstellen.
Ist es für Männer komplizierter, einen Teilzeitjob zu
finden? Detaillierte Infos finden Sie unter
Männer haben es in jedem Fall noch immer schwerer, eine www.familienfreundliches-basel.ch
Teilzeitstelle zu finden. Möchte eine Frau ihre Arbeit redu-
12März 2020
Cécile Berther
13
13WIRinfo Das Magazin für Schweizer KMU
Cécile Berther führt das Büromöbel-Unternehmen in dritter Generation. Fotos: Foto Frutig
Die Chance gepackt
Nach einem Umweg übernahm Cécile Berther von ihrem Vater die
Berther Büromöbel GmbH in Rubigen. Ein Schritt, den sie nicht bereut.
Wir schreiben das Jahr 1968, als Edwin und Bruno Berther ihre Karriere bei einer grossen Wirtschaftsprüfungsfirma.
im Berner Sulgenbach-Quartier eine Dreizimmerwohnung «Ich wollte sehen, was es sonst noch gibt, herausfinden,
mieten. Aus Norwegen hat das unternehmerische Vater- was mir entspricht», erklärt sie den beruflichen «Umweg».
Sohn-Duo 100 Stück eines Bürostuhls importiert – und Nach einigen Jahren beschlich sie aber immer mehr das
legt damit den Grundstein für ein florierendes Familien- Bedürfnis, etwas selbst zu gestalten. Es machte sich wohl
unternehmen. Die Wohnung dient als Showroom, Lager das Unternehmerblut bemerkbar, das in ihren Adern floss.
und Büro zugleich. Heute, ein halbes Jahrhundert später, Der Vater – schon nahe am Pensionsalter – hielt bereits
befindet sich die Berther Büromöbel GmbH in Rubigen, die Augen nach einer möglichen Nachfolge für sein Büro-
einem beschaulichen Ort mit Dorfcharakter auf halbem gestaltungsunternehmen offen. Da hiess es «wenn, dann
Weg von Bern nach Thun. Aus dem einen Stuhlmodell ist jetzt» und Cécile Berther packte die Chance.
ein Sortiment aus zig Büromöbeln geworden, aus dem
1-Zimmer-Showroom eine 280 m2 grosse Ausstellungs- Vater als Ratgeber
fläche. Und geführt wird das Familienunternehmen – auf Zwei Jahre lang arbeitet Cécile Berther eng mit ihrem Va-
Edwin Berther folgte 45 Jahre lang sein Sohn Bruno – seit ter zusammen, profitiert dabei von seiner jahrzehntelan-
mittlerweile vier Jahren von Cécile Berther, der Enkelin gen Erfahrung und lernt Abläufe und Wesen des Unter-
des Gründers. nehmens kennen. 2016 übernimmt sie, noch nicht ganz
30-jährig, das Geschäft, kümmert sich seither als Inhabe-
Dabei war Cécile Berther lange Zeit gar nicht an einem Ein- rin um die Planung und die Finanzen, steht für Beratung,
stieg ins Familienunternehmen interessiert. Die gebürtige Verkauf und Akquise aber auch im direkten Kundenkon-
Bernerin absolvierte ein Wirtschaftsstudium und begann takt. Die Übergabe sei ein langer Prozess gewesen, bei
14März 2020
dem eine offene und häufige Kommunikation zwischen
Vater und Tochter den Schlüssel zum Erfolg darstellte.
Sie ist froh und dankbar, den Vater nach wie vor um Rat
und Unterstützung fragen zu können, gerade in Sachen
Planung und Strategie.
«Das Geschäft läuft gut, wir sind sehr zufrieden», lässt es
sich Cécile Berther über den Geschäftsgang entlocken.
Der Konkurrenz – etwa grossen Möbelhäusern und dem
Online-Handel – begegnet die Berther Büromöbel GmbH
mit ihrer Kernkompetenz: dem Rundumservice. «Unsere
Kunden sind vor allem KMU, aber auch Privatpersonen»,
erzählt die Inhaberin. Dank dem WIR-Netzwerk sind ihre
Büroeinrichtungen weit über die Region hinaus zu finden.
Exotin im Chefsessel
Als Frau im Chefsessel eines Schweizer KMU gehört
Cécile Berther einer Minderheit an. «Ich bin schon sehr
unüblich in meiner Position», bestätigt die 33-Jährige.
Das ist ihr spätestens beim ersten Besuch einer Bran-
chen-Tagung bewusst geworden. «Von 93 Teilnehmenden
waren wir zwei Frauen», lässt sie Revue passieren. Die
Branche sei aber im Wandel. Nun seien es an derselben
Tagung «schon etwa zehn», ergänzt sie schmunzelnd.
Von negativen Erlebnissen oder Benachteiligungen weiss
Cécile Berther deswegen nicht zu berichten. «Ich erfahre
viel Wohlwollen und Unterstützung aus dem Umfeld der
Firma, etwa von Lieferanten oder langjährigen Kunden.»
Und führt aus: «Ich denke die Leute freut es, dass das
Unternehmen in der Familie geblieben ist, und nun auch in
dritter Generation von einer ‹Berther› geführt wird.»
Auch wenn sie keine Nachteile oder Hürden verspürt,
Anekdoten hat Cécile Berther dennoch: An Messen käme
es ab und zu vor, dass Interessierte auf der Suche nach
dem «Chef» in erster Linie auf den (männlichen) Aussen-
dienstmitarbeiter, danach auf die Mitarbeiterin mittleren Cécile Berther mit Aussendienstmitarbeiter Tomas Ledvina.
Alters, und erst zuletzt auf die junge Frau zugingen. Übel
nimmt sie das niemandem. «Ich weiss ja, dass keine böse
Absicht dahintersteckt», erklärt sie ihre Haltung. Solche
Rollenbilder, meint sie, seien halt einfach immer noch Berther Büromöbel GmbH
sehr stark in der Gesellschaft verankert.
1968 von Edwin und Bruno Berther in Bern gegrün-
Frauen nicht bevorzugen, aber auch nicht det, hat sich das Unternehmen nach und nach zu
benachteiligen einem bekannten, regional vernetzten KMU entwi-
Darauf angesprochen, ob sie im eigenen Unternehmen ckelt. Der vollumfängliche Service in der Gestaltung
versuche Frauen zu fördern, weiss Cécile Berther eine und Einrichtung von Büroräumlichkeiten, Konferenz-
klare Antwort: «Ich möchte diejenige Person einstellen, und Werkstatträumen steht im Zentrum der Berther
die am besten zum Job passt.» Das habe nichts mit dem Büromöbel GmbH; Von der Beratung über die Pla-
Geschlecht zu tun. Aber: «Gleichzeitig ist es mir enorm nung bis hin zur Lieferung und Montage durch haus-
wichtig, eine Frau niemals zu benachteiligen. Gedanken eigene Monteure erhält der Kunde alles aus einer
dazu, ob eine potenzielle Mitarbeiterin vielleicht bald Hand. Heute wird das Familienunternehmen in der
Kinder haben möchte, haben bei meinen Überlegungen dritten Generation von Cécile Berther geführt und
schlicht keinen Platz. Das wäre nicht fair.» beschäftigt sieben Mitarbeitende.
● Anita Suter
15WIRinfo Das Magazin für Schweizer KMU
Birgit Leutenegger
16
16März 2020
«Männer sind sehr
treue Kunden»
Putzen ist nicht jedermanns Sache. Ausgerüstet mit den richtigen
Hilfsmitteln von Pudol erscheinen das staubige Büro, das schmutzige
Bad, der von Moos befallene Gehweg oder das von Tausenden von
Meilen gezeichnete Düsentriebwerk aber in einem anderen Licht.
Birgit und Roland Leutenegger verkaufen so wenig Chemie wie nötig,
um das perfekte Resultat zu erreichen.
Nur Mädchen? Wo bleibt der Stammhalter und Nach viel früher als viele andere haben wir die Konsequenzen
folger? Mit solchen Fragen sah sich Birgit Leuteneggers aus der Tatsache gezogen, dass die Teilnahme an einer
Vater Elmar Keller, 1972 Gründer der Pudol Chemie AG, Messe immer mehr Kosten und immer weniger Einnahmen
lange Zeit konfrontiert. Aus der Fassung bringen liess er bedeutete», so Birgit Leutenegger. Parallel zum Abbau der
sich nicht, «Schwiegersöhne kommen von allein», lautete Messepräsenz wurde der Aufbau eines OnlineShops auf
seine Devise. «Wir wurden von modernen Eltern zu star pudol.ch forciert, der heute ein wichtiges Standbein ist und
ken Frauen erzogen», sagt Birgit Leutenegger heute und zuverlässig Neukunden aus allen Sparten und Branchen
ist stolz darauf, dass nicht nur ihr Sohn, sondern auch ihre generiert. Dies nicht zuletzt dank dem Knowhow in Digital
beiden Töchter aus demselben Holz geschnitzt sind: «Es Marketing der ältesten Tochter, die nicht abgeneigt ist, das
sind starke Frauen, die wissen, was sie wollen.» Unternehmen einmal in dritter Generation zu übernehmen.
Selbstständige Unternehmerin war Birgit Leutenegger Die Portionierung und das Abfüllen der verschiedenen
aber nicht von Anfang an. Als Sachbearbeiterin bei der Chemikalien übernehmen vorläufig aber noch Birgit und
Schweizer Rück lernte sie den Umgang mit Zahlen und Roland Leutenegger. Die Substanzen werden einerseits
Versicherungen. Die Übernahme des elterlichen Geschäfts von der deutschen Pudol Chemie GmbH fertig bezo
und ein Neubau der Geschäftsräumlichkeiten ergaben gen, andererseits nach Rezepten gemischt, die Birgit
sich 2005, als die Bankenbranche, in der ihr Mann Roland Leuteneggers Vater – «ein Bündner Bauernsohn und Tüft
Leutenegger als Finanzanalyst tätig war, einen Umbruch ler» – selbst entwickelt hat. Dazu gehört ein zu 100 %
durchmachte und schliesslich in die Finanzkrise schlitterte. natürlich abbaubarer Fassadenreiniger – «man könnte
In den 15 Jahren seit dem Kauf der Firma haben Leuteneg ihn trinken!» –, ein Systempflegeprodukt, das universell
gers nicht das Angebot, aber die Ausrichtung der Pudol AG einsetzbar ist, Antistatikprodukte und ein PrivateLa
geändert. Als Messeunternehmen gegründet, ist die Firma belProdukt, auf das auch eine grosse Augenoptikkette
heute nicht mehr an 30, sondern nur noch an zwei Mes setzt. Abnehmer sind Gewerbetreibende, Grossfirmen
sen mit Putzmitteln (pudol.ch und wirmarket.ch > Pudol) wie die Swiss, die öffentliche Hand und Private, die an
sowie Traubenkernkissen (globomat.ch) vertreten: an der den Messen, direkt am Firmensitz in Schaffhausen oder
Basler und an der Luzerner Herbstmesse. «Wahrscheinlich über Wiederverkäufer wie Drogerien, Warenhäuser und
17WIRinfo Das Magazin für Schweizer KMU
Haushaltswarengeschäfte Pudol-Produkte einkaufen.
Eine sehr treue Kundenkategorie sind übrigens Männer:
«Wenn sie zu Hause ausziehen, erhalten sie von der Mutter
die bewährten Pudol-Produkte in die Hand gedrückt, und
dabei bleiben sie dann», lacht Birgit Leutenegger. Als Reak-
tion auf dieses Phänomen haben Leuteneggers ein «First-
Aid-Kit» zusammengestellt und ins Angebot aufgenommen.
Es soll jungen Menschen und Familien den Einstieg in die
Kunst des Putzens erleichtern.
Massgeschneiderte Mengen und massgeschneiderte Lö-
sungen – mit diesem Grundsatz setzt die Pudol AG mitunter
grössere Konkurrenten schachmatt, deren Ziel es ist, Fir-
menkunden den ganzen Jahresbedarf vor die Tür zu stellen.
«Zu unserem Service gehört die Ausbildung des Putzperso-
nals, denn mit der richtigen Anwendung verbunden sind bes-
sere Resultate, niedrigere Kosten und das Vermeiden von
negativen Auswirkungen auf die Gesundheit oder Umwelt»,
so Roland Leutenegger. Wobei zu unterstreichen ist, dass
Hautkontakt bei den meisten Pudol-Produkten unbedenk-
lich ist und grosser Wert auf Umweltverträglichkeit gelegt
wird. So wird etwa in Handwerkerseifen kein Mikroplastik,
sondern biologisch abbaubares Mais-Granulat als Abra-
sivum verwendet. Und auch der beliebte Fassadenreiniger
enthält unbedenkliche Schlämmkreide als Schleifmittel.
Schon kleine Massnahmen können viel bewirken. Der Ein-
satz von Schaumpistolen beispielsweise bildet einen kom-
pakteren und effizienteren Auftrag als Sprühnebel, der zu-
dem eingeatmet werden könnte. Was viele nicht wissen: Die
Wirksamkeit eines Putzmittels nimmt weniger schnell ab als
der Grad seiner Verdünnung zunimmt. Anders ausgedrückt:
Die richtige Dosierung ist die halbe Miete, weil eine hohe
Wirksamkeit auch bei grosser Verdünnung erhalten bleibt.
Deshalb würden nur wertvolle Substanzen verwendet, die
auf Verdünnbarkeit ausgelegt seien. Birgit Leutenegger:
«Wer rechnen kann, kauft unsere Konzentrate und verdünnt
nach seinen Bedürfnissen selber. Man fährt damit wesent-
lich besser als mit derselben Menge eines bereits vorver-
dünnten Konkurrenzprodukts.» Ausserdem sei es ein ökolo-
gischer Unsinn, wenn der Produzent Wasser hinzufüge: «So
wird sinnlos Wasser von A nach B transportiert!»
Neben Nachhaltigkeit ist Transparenz ein wichtiges Element
der Pudol-Firmenphilosophie. Nicht selbstverständlich in ei-
ner Branche, in der auch mit den Sinnen gespielt werden
kann. Birgit Leutenegger: «Nehmen wir die Duftreinigung,
die sich vor allem in den Büros in Deutschland und zuneh-
mend auch in der Schweiz einer gewissen Beliebtheit erfreut:
Wenn der Raum frisch und sauber riecht, wird er auch als
sauber empfunden – selbst wenn kaum geputzt wurde …»
Es versteht sich von selbst, das Leuteneggers es sich leisten
können, ihre Produkte nur leicht zu parfümieren.
● Daniel Flury
Birgit und Roland Leutenegger. Fotos: Foto Frutig
18März 2020
Valérie Morvan
19WIRinfo Das Magazin für Schweizer KMU
Cosyup.work:
Coworking für KMU
Als Schöpfer von Arbeitsräumen hat Cosyup in Meyrin Cosyup.work
lanciert, ein den Bedürfnissen der KMU angepasster Coworking-
Space. Dieser zeichnet sich durch Funktionalität und hohe Qualität
der Architektur und der Dienstleistungen aus. Besuch bei der Mit-
begründerin Valérie Morvan.
Kürzlich hat die Firma Cosyup, die sich der Begleitung
solcher innovativer Firmen widmet, einen Diversifizie-
rungsschritt unternommen, indem sie das erste «Prowor-
king»-Zentrum der Schweiz, Cosyup.work in Meyrin, auf
zwei Stockwerken des Handelszentrums Riantbosson
Centre, eröffnet hat.
Hochklassiges Coworking
«Früher siedelten sich nur junge, unabhängige Erwerbs-
tätige in Drittorten wie Coworking-Räumen an, um von
einem dynamischen Berufsumfeld zu profitieren und da-
bei auch ihre Kosten im Griff zu haben. Die Möbel in sol-
chen alternativen Arbeitsräumen bestanden aus Paletten
und rezyklierten Materialien. Heute wenden sich geteilte
Arbeitsräume an andere, anspruchsvollere Persönlich-
keiten»,sagt Cosyup-Mitgründerin Valérie Morvan. So ist
das Proworking-Konzept geboren: Es liefert eine Antwort
auf die Bedürfnisse der Firmen, in Bezug sowohl auf die
Effizienz wie auch auf die Attraktivität für die Kunden und
Valérie Morvan setzt auf den Wohlfühlfaktor. genauso wie für Talente. «Das Konzept hat sich schon in
Paris oder in London bewährt, wo kleine wie auch grosse
Firmen den Raum zur Nutzung teilen und das Ganze als
Das Cosyup-Team, aufbauend auf etwa fünfzehn Jahren Dienstleistung nutzen», erklärt Valérie Morvan.
Erfahrung im Bereich der Gründung und Einrichtung von
Berufsräumen, legt ein ganz besonderes Augenmerk auf Ein Bürotag besteht aus den verschiedensten Tätigkeiten
die Lebensqualität und das Wohlbefinden. Während die- und setzt einen Raum voraus, der sich für alle Arbeits-
ser Zeit konnte das Team die Veränderungen in der Ar- typologien eignet. Cosyup.work bietet eine grosse Aus-
beitswelt aus nächster Nähe mitverfolgen. Firmen, die ihre wahl an Räumen, um diesen Bedürfnissen gerecht zu wer-
administrativen Flächen optimieren und die Effizienz ihrer den: «Pods» um sich auszutauschen, Ruhebereiche und
Mitarbeiter maximieren möchten, integrieren den Begriff Sitzungszimmer, die vollständig und vielfältig ausgerüstet
des Wohlbefindens in ihre Planung. So lässt sich der her- sind, Brainstorming, Lounge oder «agile» mit einer Einrich-
kömmliche Arbeitsraum weiterentwickeln. tung, die zu 100 Prozent personalisiert werden kann.
20März 2020
Cosyup.work bietet Coworking-Räume für höchste Ansprüche. Fotos: Edouard Curchod
Zusätzlicher Raum Eine bewegliche Struktur, die sich den KMU anpasst
Cosyup.work wendet sich sowohl an KMU wie auch an Cosyup.work hat es vorgezogen, sich in der Peripherie und
Start-Ups, die höhere Ansprüche haben und die Valérie nicht im Zentrum Genfs niederzulassen. «Das Tram fährt in
Morvan und ihr Team sehr wohl verstehen können. «Mitt- ein paar Dutzend Metern Entfernung vorbei und braucht
lerweile ist die Qualität des Arbeitsumfelds ein wichtiger nur eine Viertelstunde, um den Bahnhof zu erreichen. Das
Kennwert, um Talente anzuziehen. Während ein herkömm- Autobahnkreuz Meyrin ist fünf Minuten entfernt, und mit
liches Coworking-Zentrum 300 m² Raum für 70 Personen einem Pendelbus kommt man zum Flughafen. Ausserdem
bietet, sind es bei uns eher 1000 m² für 70 bis 80 Perso- verfügen wir über ein Parkhaus.» So kann Cosyup.work
nen.» in der Peripherie ansässige Unternehmer zufriedenstellen
– die sich nicht unbedingt täglich im Verkehrsstau wieder-
Solche Firmen wollen ihre Kunden und Partner unter bes- finden möchten –, aber auch KMU, deren Firmensitz in an-
ten Bedingungen empfangen: moderne Infrastrukturen, deren Kantonen liegt.
Orte hoher Qualität. Zudem wird das Raumempfinden
auch durch die unverbaubare Aussicht auf die Alpen, den «Der Vorteil unserer Lösung liegt auch in ihrer Flexibilität.
Jura und den Flughafen unterstützt, ohne jegliche Lärm- Ein KMU mit anfangs fünf Mitarbeitern verfügt, sobald
emission. es mehr Personal einstellt, über zusätzliche Arbeitsplät-
ze, ohne einen entsprechenden bindenden Mietvertrag
Das Zentrum wurde im letzten Herbst eröffnet. Die ers- abschliessen zu müssen.» Falls nötig kann das KMU das
ten Kunden schätzen einen quasi hotelartigen Betrieb, Zentrum auch innert einem Monat verlassen. Eine solche
der ihnen die Haushaltsarbeiten, die Verwaltung der Büro- anpassungsfähige «à-la-carte-Formel» entspricht der Re-
utensilien, ja sogar die Versorgung der Cafeteria abnimmt. alität der heutigen KMU. Braucht eine Firma aus dem Kan-
Ein solches Biotop interessiert auch Spezialisten für ad- ton Waadt in Genf ein Büro für einen Mitarbeiter, der dann
ministrative Arbeiten, Buchhaltung, Kommunikation und nur zehn Tage pro Monat dort arbeitet und wo Kunden
IT, die den anderen Nutzern des Zentrums kundennahe empfangen werden sollen? Für ein solches Bedürfnis gibt
Dienstleistungen anbieten können. «Die Veranstaltungen, es eine Lösung. Eine andere Firma möchte ihren fünfzehn
die den Coworkern und externen Firmen angeboten wer- Mitarbeitern personalisierte Arbeitsräume verschaffen?
den, bieten die Gelegenheit, Synergien zu schaffen und Die Innenarchitekten von Cosyup sind an Ort und Stelle!
dabei gleichzeitig möglichen Kunden unsere Einrichtungs-
lösungen vorzustellen.» Das Hochqualitäts-Coworking für ein «cosy» Arbeits-
umfeld in Meyrin hat schon ein Dutzend KMU überzeugt
Das Zentrum dient somit auch als Showroom der Firma und schon heute zeichnet es sich ab, dass es sich hier um
Cosyup. Dazu die Büromöbelspezialistin: «Wir wollten ei- eine echte Zukunftslösung handelt.
nen Showroom, der eher Lösungen als Möbel vorstellt.
Heute wird überall von Wohlbefinden am Arbeitsplatz ge- ● Vincent Borcard
sprochen, doch dabei bleibt man immer sehr vage. Wir
wollten unseren Kunden zeigen, wie ein anpassungs-
fähiger, auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter ausgelegter
Raum funktioniert. Ihrerseits kommen die Coworker in den
Genuss von ergonomischen Möbeln höchster Qualität.»
21WIRinfo Das Magazin für Schweizer KMU
Esha Indani
22März 2020
Abilect: Wie man das
digitale Leben der
KMU vereinfacht
Abilect bietet KMU ein digitales Umfeld, das diesen ermöglicht, sich
besser an die Realität der Märkte anzupassen. Das für Grundbedürf-
nisse der Unternehmen ausgelegte Angebot dieser Firma wendet sich
nun auch anderen Bereichen zu. Nach ihrem Start in der waadtländi-
schen La Côte plant Firmengründerin Esha Indani, sich auch in der
Deutschschweiz zu entwickeln und zieht dafür auch eine strategische
Partnerschaft mit der WIR Bank in Betracht.
«Abilect wurde für die Erbringung von Dienstleistungen
für Unternehmen konzipiert. Wir stellen KMU und unab-
hängigen Berufsleuten ein Netzwerk möglicher Kunden
sowie digitale Werkzeuge zur Verfügung, damit diese ihre
Kundenbeziehungen online unterhalten, Kostenvoran-
schläge erstellen, das Personalwesen, die Rechnungs-
stellung, die Zahlungseingänge usw. verwalten können.
All diese Tools bieten wir in der Schweiz den 330 000
KMU sowie mehr als 600 000 freischaffenden Profis an.
Dies erlaubt es ihnen, so unabhängig wie möglich zu ar-
beiten und sich voll dem Ausbau ihrer Kernaufgaben zu
widmen», unterstreicht Esha Indani, Gründerin der Firma
Abilect.
Esha Indani: «Die hauptsächliche Leidenschaft Fotos:
Die im Frühling 2019 gegründete Gesellschaft präsentiert junger Frauen meines Alters gilt der Nachhal- Edouard Curchod
tigkeit, nicht nur im Umweltbereich.»
sich hundertprozentig digital: ein einziger Schalter, an
dem sich Angebot und Nachfrage treffen. Die Kunden ent-
decken bei Abilect ein an ihre Bedürfnisse angepasstes
digitales Ökosystem und damit die Werkzeuge, die ihren nehmen. Wir stellen Werkzeuge zur Verfügung, die das Le-
digitalen Wandel vereinfachen. ben erleichtern sollen, und zwar nicht indem sie eine völlig
neue Lösung bieten, sondern ganz einfach indem das Ar-
Eine Gemeinschaft fördern beitsumfeld durch die Verbindung von herkömmlichen Me-
Die Digitalisierung zwingt sich auf, denn sie bietet den Un- thoden und neuen digitalen Ansätzen verwandelt wird. Wir
ternehmen einfache und schnelle Lösungen. «KMU haben sind weit mehr als ein einfacher digitaler Markt. Wir bilden
in der Regel keine Zeit und auch nicht die Mittel, um stra- eine Gemeinschaft. Wir hören zu und nehmen die Bedürf-
tegisch ins digitale Marketing zu investieren oder ihre Di- nisse unserer Dienstleister und unserer Kunden ernst.»
gitalisierung einzuleiten», so Esha Indani. Allerdings sollen
sich nicht einfach nur Algorithmen um alles kümmern. «Wir Expansion in die Deutschschweiz
wollen eine Gemeinschaft entwickeln, deshalb sind wir da, Abilect hat ihre Tätigkeit letztes Jahr an der waadtländi-
hinter der Plattform, und deshalb gehen wir zu den Unter- schen Côte aufgenommen, in verschiedenen Bereichen.
23WIRinfo Das Magazin für Schweizer KMU
überlegen, weil die Anbieter hier Kunden finden, deren Be-
dürfnisse exakt zu ihrem beruflichen Know-how passen.»
Der andere Grund erklärt sich durch ihren Lebenslauf. «Ich
bin in der Schweiz aufgewachsen. Ich habe die École In-
ternationale de Genève absolviert und an der Universität
Wharton in den Vereinigten Staaten studiert. Ich stamme
aus einer Unternehmerfamilie (Anm. der Red.: die Grup-
pe Indani), die mir sehr früh die Gelegenheit geboten hat,
2016 war Esha Indani als 18-Jährige die jüngste Teilnehmerin am verschiedene Aspekte der Geschäftswelt kennenzulernen.
World Economic Forum. Dies seit dem Jugendalter und während meiner Studien-
jahre durch Praktika in den Büros der Familie in China,
Singapur und in der Ukraine. Am World Economic Forum
Heute bietet die Plattform z. B. Immobilien-, Hospitali- 2016 war ich als 18-Jährige die jüngste Teilnehmerin. Ich
ty- und Personal-Dienstleistungen an. Abilect erleichtert habe mich auch für die Arbeiten mehrerer grosser Unter-
zum Beispiel Bauunternehmen die Suche nach Mitarbei- nehmer der 4. industriellen Revolution interessiert. Diese
tern sowie nach geeigneten KMU für das Bauhaupt- und unterstreichen die Notwendigkeit, immer die Erwartungen
Baunebengewerbe sowie für allgemeine Arbeiten. «Nach der Verbraucher in Betracht zu ziehen. Persönlich habe ich
unserem Start in der Westschweiz planen wir gegenwärtig festgestellt, dass viele Firmen sehr leistungsstarke Produk-
eine Expansion in die Deutschschweiz, wo wir zurzeit un- te entwickeln – high-tech, clean-tech, med-tech, block-
ser Team vergrössern.» chain, künstliche Intelligenz usw. –, dass aber nur wenige
über Lösungen für Unternehmen und Basisdienstleistun-
Die Firma Abilect erachtet die Annäherung an die WIR gen nachdenken, die aber tagtägliche Herausforderungen
Bank als zwangsläufig. Esha Indani spricht von einer «stra- und Bedürfnisse darstellen.»
tegischen Partnerschaft», da sowohl die Fokussierung auf
KMU wie auch die Bedeutung, die dem Netzwerkgedanken Unternehmergeist
beigemessen wird, im Zentrum der Philosophie beider Un- Ihr Unternehmergeist ist beeindruckend. Fühlt sie sich
ternehmen stehen. Deshalb kommen WIR-Kunden schon isoliert? «Man stellt eine Zunahme der Anzahl Unterneh-
jetzt bei Abilect in den Genuss von Spezialbedingungen merinnen in verschiedenen Bereichen fest, inklusive im
– die Firma verrechnet ihre Leistungen nicht, verlangt aber Technologiesektor. Die hauptsächliche Leidenschaft jun-
eine Kommission auf den Aufträgen, die auf ihrer Plattform ger Frauen meines Alters gilt jedoch der Nachhaltigkeit,
abgewickelt werden. nicht nur im Umweltbereich. Wir wollen ein nachhaltiges
System aufbauen, das sich sowohl den heutigen wie auch
Die Anmeldung ist kostenlos. Damit ein KMU jedoch ver- den zukünftigen Bedürfnissen anpassen und so unseren
linkt wird, muss dieses gewisse Bedingungen erfüllen. «Mit Freunden, Familien und Gemeinschaften die besten Pro-
auf dem Schwarzmarkt tätigen Firmen oder mit solchen, dukte und Dienstleistungen anbieten kann.»
die nicht ordentlich versichert sind, wollen wir nicht zu-
sammenarbeiten!» Auch ein Gespräch ermöglicht es, sich So ist Abilect entstanden. Nach einer Marktanalyse bei
besser kennenzulernen: «Ein solcher Termin wird sehr ge- verschiedenen KMU an der waadtländischen Côte hat sich
schätzt: Die KMU können so überprüfen, dass wir nicht nur die Studentin der Wharton University Pennsylvania für ein
digital existieren! Und dass wir ganz konkret in ihrer Region Sabbatical entschieden, um ihr eigenes Unternehmen in
anwesend sind. So können wir ihnen auch helfen, die Para- Chavanne-de-Bogis zu gründen. Für die Entwicklung wie
meter ihres Kontos einzurichten und ihre Fragen beantwor- auch für die operative Leitung der Geschäfte hat sie einen
ten. Wir bieten auch Kurse zu den digitalen Werkzeugen Consultant in Firmenstrategie eingestellt, nämlich die Fir-
an. Allerdings sind diese nur selten notwendig, denn diese ma Kresh, die zur Indani-Gruppe gehört. Ihr KMU beschäf-
Werkzeuge sind sehr einfach zu nutzen.» tigt heute ein Dutzend Mitarbeitende. In einem Jahr soll
sie gegen hundert Mitarbeitende zählen. Letzten Herbst,
Von Davos nach Chavannes-de-Bogis nach einigen Monaten Tätigkeit, verfügte Abilect schon
Dass ein solches Bedürfnis besteht, hat sie aus zwei Grün- über Tausende von Dienstleistern und unterstützte unge-
den erkannt. «Ich wohne an der waadtländischen Côte und fähr vierzig Firmen. Für die Gründerin ist das nur der Be-
finde jede Woche Werbeflyer in meinem Briefkasten. Für ginn. Der Einbezug von neuen Tätigkeitsfeldern und später
einen Sanitärinstallateur oder einen Elektriker ist es eher von neuen Landesteilen soll es ihrem Modell ermöglichen,
schwierig, sich von Konkurrenten abzuheben. Alle haben seine Wirksamkeit und seine Anpassungsfähigkeit an die
sie mehr oder weniger die gleichen Qualifikationen und bie- Erwartungen der KMU aufzuzeigen.
ten praktisch identische Dienstleistungen an. Unsere Platt-
form ist der Verteilung von Flyern an beliebige Haushalte ● Vincent Borcard
24März 2020
Tanya Zein / Véronique Favre
25WIRinfo Das Magazin für Schweizer KMU
FAZ architectes:
Gesund und nach-
haltig bauen
Das von Véronique Favre und Tanya Zein in Genf gegründete
Architekturbüro FAZ architectes pflegt eine gesunde und nachhaltige
Architektur. Sie fliesst auch in die Wettbewerbe ein, an denen das
Büro teilnimmt. Zwei Vorhaben sind zurzeit in den Kantonen Waadt
und Freiburg in Entwicklung.
die in den Räumen, die wir entwerfen, leben oder arbeiten
werden. Wir wollen auch, dass unsere Vorhaben sich in ih-
rem Umfeld entwickeln können», erklärt Véronique Favre.
Ihr in Genf angesiedeltes Atelier, zwischen Servette und
dem Bahnhof, beschäftigt zehn Mitarbeiter (860 %). Ihre
Mandate erhalten sie vor allem aus Wettbewerben. Ab ei-
nem gewissen Betrag müssen öffentliche Körperschaften
ihre Vorhaben öffentlich ausschreiben. Es gibt dabei ver-
schiedene Modelle: offener Wettbewerb, auf Einladung,
zeitgleicher Studienauftrag … – alle diese Verfahren inte-
ressieren Véronique Favre und Tanya Zein: «Wir glauben
ganz besonders an solche Verfahren, denn sie tragen zu
einer hohen Qualität der Architektur bei, da sie den Ideen-
austausch und die Lösungen verschiedener Teilnehmer
fördern, ganz im Gegenteil zum Wettbewerb bei den Ho-
noraren», so Tanya Zein.
Überlegungen zur Schule von Riaz
Die beiden Partner wählen die Wettbewerbe nach ver-
schiedenen Parametern aus. Weil sie die Thematik inte-
ressiert, haben sie an mehreren Wettbewerben zum Bau
von Schulen teilgenommen. Die Primarschule, die FAZ
architectes zurzeit in Riaz in der Nähe von Bulle baut, ist
Véronique Favre. ein Auftrag, der sich aus einem 2017 gewonnenen Wett-
bewerb ergab.
Das Architekturbüro FAZ architectes wurde 2016 von
Véronique Favre und Tanya Zein gegründet. Die beiden Bei FAZ architectes gibt es immer mindestens einen lau-
an der ETH ausgebildeten Architektinnen hatten schon fenden Wettbewerb; das ermöglicht es auch, immer aktiv
zusammen in der Genferseeregion gearbeitet, und Tanya an die entsprechenden Themen zu denken. Zwei der ge-
Zein hat auch in London ihre Spuren hinterlassen. Die Zu- genwärtig im Atelier entwickelten Vorhaben stammen aus
sammenarbeit ergab sich aus ihrer gemeinsamen Sicht- gewonnenen Wettbewerben. Dasjenige von Riaz betrifft
weise. «Wir wollen gesund und nachhaltig bauen für Leute, die Vergrösserung und die Renovierung einer Schule. «Ein
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