Frühling 2021 GESCHICHTE LITERATUR- UND SPRACHWISSENSCHAFT MUSIK- UND THEATER WISSENSCHAFT BIOGRAFIEN PHILOSOPHIE - Chronos Verlag

 
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Frühling 2021 GESCHICHTE LITERATUR- UND SPRACHWISSENSCHAFT MUSIK- UND THEATER WISSENSCHAFT BIOGRAFIEN PHILOSOPHIE - Chronos Verlag
Frühling 2021

­GESCHICHTE • LITERATUR- UND SPRACHWISSENSCHAFT • MUSIK-
 UND THEATER­W ISSENSCHAFT • BIOGRAFIEN • PHILOSOPHIE

                                                         Chronos Verlag
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Frühling 2021 GESCHICHTE LITERATUR- UND SPRACHWISSENSCHAFT MUSIK- UND THEATER WISSENSCHAFT BIOGRAFIEN PHILOSOPHIE - Chronos Verlag
Rückblick auf unseren Bücherherbst
            CLIVE H.Talât
                      CHURCH
                          Pascha (1874–1921) stand in Istanbul einem aus Krisen her­

                                                                                                       HANS­LUKAS KIESER
                                                                                                                               HANS­LUKAS KIESER
            RANDOLPH      C. HEADneuartigen jungtürkischen Einparteiregime vor,
                   vorgegangenen
                     dessen radikale Politik das Zeitalter der Extreme, das Europa der
                     Diktaturen, Weltkriege und Genozide eröffnete. Es nahm 1913–1918                                                                                                             Werner seitz
                     unter dem Einfluss des Ideologen Ziya Gökalp ein faschistisches
                     Staats­, Gesellschafts­ und Geschichtsverständnis vorweg und schuf
                     einen zentralistischen Einparteistaat, der Minderheiten beseitigte
                     und sich alles, auch die Religionen, autoritär unterzuordnen trachte­
                     te. Seiner gewaltsamen Bevölkerungspolitik fielen die osmanischen                                         Talât Pascha
            Paradox Schweiz
                     Christen, allen voran die Armenier zum Opfer.
                     Trotz der Weltkriegsniederlage bereitete Talât den Boden für die
                     Kemalisten nach ihm, die fast alle seiner Partei angehört hatten.
                                                                                                                               Gründer der
                                                                                                                               modernen Türkei
                                                                                                                               und Architekt
                     Dank deutschen Behörden fand er 1918 Zuflucht in Berlin, von wo
                     er in Absprache mit Kemal Atatürk und den Bolschewiki für den                                             des Völkermords                                            der kampf um die
                                                                                                                               an den Armeniern
                     fortgesetzten Krieg in Kleinasien agitierte, bevor er 1921 ermordet
                                                                                                                                                                                          politische gleichstellung

                                                                                                  Talât Pascha
                     wurde. Nach ihrem Sieg und dem Vertrag von Lausanne (1923)
                                                                                                                               Eine politische Biografie
            Eine Aussensicht
                     leiteten Talâts Nachfolger eine ultranationalistische Modernisierung
                     ein, mit der sie bei vielen Applaus ernteten – auch beim vormaligen
                                                                                                                                                                                          der frauen in der schweiz
                                                                                                                                                                                          seit 1900
            auf ihre Geschichte
                     deutschen Bündnispartner, dessen Diplomatie noch bis ins frühe
                     21. Jahrhundert den Völkermord an den Armeniern leugnete.

                                                                                                                                                                          auf die Wartebank
                                                                                                                                                                                  geschoben
                     Hans­Lukas Kieser
                     ist Geschichtsprofessor in Newcastle/Australien und an der
                     Universität Zürich. Er hat sich als Experte des nahöstlichen
                     Umbruchs am Ende der osmanischen Ära international einen
                     Namen gemacht. Seine Publikationen sind in mehreren Auflagen
                     und Sprachen, darunter Türkisch und Kurdisch, erschienen.

                                                                         ISBN 978-3-0340-1597-4

                                                                         9 783034 015974

  Seit den 1950er-Jahren ist keine                                                                                           Talât Pascha (1874–1921) stand in           1971 war die Schweiz eines der
  englischsprachige Schweizer                                                                                                Istanbul einem aus Krisen her­              letzten Länder der Welt, die das
  Geschichte mehr erschienen. 2013                                                                                           vorge­gangenen jungtürkischen               Frauenstimmrecht einführten. Die
  legte die Cambridge University                                                                                             Einparteiregime vor, dessen                 Publikation gibt einen Überblick
                                                                                                                             radikale Politik das Zeitalter der
  Press eine «Concise History of                                                                                                                                         über die jahrzehntelangen Ausein­
                                                                                                                             Extreme eröffnete. Es nahm ein fa­
  Switzerland» vor. Verfasser sind                                                                                                                                       andersetzungen um das Frauen­
                                                                                                                             schistisches Staats-, Gesellschafts-
  die Historiker Clive H. Church                                                                                                                                         stimmrecht und beleuchtet die
                                                                                                                             und Geschichtsverständnis vorweg
  und Randolph C. Head. Ihr Werk                                                                                                                                         Hintergründe, welche die Schweiz
                                                                                                                             und schuf einen zentralistischen
  erscheint nun aktualisiert für eine                                                                                        Einparteistaat, der Minderheiten            im europäischen Vergleich zum
  deutschsprachige Leserschaft.                                                                                              beseitigte und sich alles, auch             «gleichstellungspolitischen Son­
  Die Autoren beschäftigen sich                                                                                              die Religionen, unterzuordnen               derfall» machten.
  sowohl mit dem historischen                                                                                                trachtete. Seiner gewaltsamen               Abschliessend wird der Einstieg der
  Geschehen als auch mit den wech-                                                                                           Bevölkerungspolitik fielen die              Frauen in die Schweizer Politik und
  selnden Geschichtsbildern im Lauf                                                                                          osmanischen Christen, allen voran           die Entwicklung ihrer Vertretung
  der Epochen. Ausgangspunkt sind                                                                                            die Armenier, zum Opfer.                    auf Bundes- und Kantonsebene
  die Veränderungen in Europa, die es                                                                                        Trotz der Weltkriegsniederlage              während der letzten fünfzig Jahre
  den Kommunen nach 1200 ermög-                                                                                              bereitete Talât den Boden für die           analysiert.
  lichten, zu gedeihen und sich zu ver-                                                                                      Kemalisten nach ihm, die fast alle          Die bürgerliche Aufklärung postu-
  bünden. Zahlreiche dieser Bündnisse                                                                                        seiner Partei angehört hatten. Dank         lierte die Gleichheit aller Menschen,
  verschwanden wieder, im Alpen-                                                                                             deutscher Behörden fand er 1918             doch die Französische Revolution
  raum aber hatten einige Bestand                                                                                            Zuflucht in Berlin, von wo er in Ab-        schloss die Frauen von politischer
  und entwickelten sich zur Eidgenos-                                                                                        sprache mit Kemal Atatürk und den           Partizipation aus. Während das
  senschaft. Die Autoren führen die                                                                                          Bolschewiki für den fortgesetzten           Männerstimmrecht in der Schweiz
  Darstellung ihrer Geschichte bis an                                                                                        Krieg in Kleinasien agitierte, bevor        vergleichsweise früh eingeführt
  die Gegenwart heran. Sie zeichnen                                                                                          er 1921 ermordet wurde. Nach ihrem          wurde, kam man in Sachen Frauen-
  ein differenziertes Bild der Stärken                                                                                       Sieg und dem Vertrag von Lausanne           stimmrecht bis in die 1960er-Jahre
  und Schwächen der Schweiz und                                                                                              (1923) leiteten Talâts Nachfolger eine      nicht vom Fleck. Dies hatte mit der
  schliessen in der Überzeugung, dass                                                                                        ultranationalistische Modernisierung        konservativen politischen Kultur
  das Land im sich wandelnden Eu-                                                                                            ein, mit der sie bei vielen Applaus         zu tun. Nach der Einführung des
  ropa weiterhin eine besondere Rolle                                                                                        ernteten – auch beim vormaligen             Frauenstimmrechts 1971 ging es
  spielen wird.                                                                                                              deutschen Bündnispartner, des-              im Nationalrat und in den meisten
                                                                                                                             sen Diplomatie noch bis ins frühe           Stadt- und Kantons­parlamenten mit
                                                                                                                             21. Jahrhundert den Völkermord an           der Frauenver­tretung relativ zügig
                                                                                                                             den Armeniern leugnete.                     voran. Doch es brauchte mehrfach
                                                                                                                                                                         Druck von aussen.

   Clive H. Church, Randolph C. Head                                                                                         Hans-Lukas Kieser                           Werner Seitz
   Paradox Schweiz                                                                                                           Talât Pascha                                Auf die Wartebank geschoben
   Eine Aussensicht auf ihre Geschichte                                                                                      Gründer der modernen Türkei und             Der Kampf um die politische
                                                                                                                             Architekt des Völkermords an den            Gleichstellung der Frauen in der
   Aus dem Englischen übersetzt von                                                                                          Armeniern. Eine politische Biografie        Schweiz seit 1900
   Peter Jäger
                                                                                                                             Aus dem Englischen übersetzt
                                                                                                                             von Beat Rüegger

  Februar 2021. Gebunden. 308 S., 36 Abb. sw.                                                                                2020. Gebunden. 440 S., 30 Abb. sw.        2020. Gebunden. 296 S., 47 Tabellen und Grafiken
  CHF 48 / EUR 48. ISBN 978-3-0340-1594-3                                                                                    CHF 48 / EUR 48. ISBN 978-3-0340-1597-4    CHF 38 / EUR 38. ISBN 978-3-0340-1605-6
ISBN 978-3-0340-1594-3                                                                                                     ISBN 978-3-0340-1597-4                      ISBN 978-3-0340-1605-6

9 783034
       2 015943                                                                                                            9 783034 015974                             9 783034 016056
Frühling 2021 GESCHICHTE LITERATUR- UND SPRACHWISSENSCHAFT MUSIK- UND THEATER WISSENSCHAFT BIOGRAFIEN PHILOSOPHIE - Chronos Verlag
Buchvorlagen zum Fernsehfilm «Frieden» in Neuauflage
 ten Zehntausende                                                                                     «Charlotte Weber und ihre Helferinnen
                               GEGEN DEN STROM DER FINSTERNIS
                                                                                                      waren die Ausnahmen. Sie taten das,                                                                                                                                                 Madeleine Lerf

                                                                                                                                                                                                                                                             Madeleine Lerf
er Schweiz, doch nur
                                                                                                      was in einer Demokratie, die auf ihre
 . Die Autorin erin-
                                                                                                      humanitäre Tradition pocht, eigentlich                                        Sommer 1945, der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Die Dimen-
 Berichten, Schulrap-                                                                                 das Selbstverständlichste sein sollte:
                                                                                                                                                                                    sionen der europäischen Katastrophe werden fassbar. Gleich-
 grafien an die Zeit,                                                                                 Sie versuchten durch – amtlich nicht
                                                                                                                                                                                    zeitig zeichnen sich die Konturen einer neuen weltpolitischen                                         «Buchenwaldkinder» –
eizer Heimen für Ver-                                                                                 geduldete – Selbstverwaltung den ihnen
                                                                                                                                                                                    Ordnung ab. Die Schweiz beteiligt sich am Wiederaufbau, will
e: Sie leitete das In-                                                                                anvertrauten Menschen Selbstvertrau-
                                                                                                                                                                                    aber ihre Unabhängigkeit bewahren und sich nicht dem Hilfs-
                                                                                                                                                                                                                                                                                          eine Schweizer Hilfsaktion
                                                                                                      en, Selbstverantwortlichkeit und damit
d Kinder auf Bienen-                                                                                  Selbstachtung wieder zu geben.»                                               werk der Siegermächte (UNRRA) anschliessen. In dieser Situa-
 e und verwirklichte                                                                                  Brückenbauer, 13. Juli 1994                                                   tion bietet das vom Bundesrat initiierte Hilfswerk Schweizer                                          Humanitäres Engagement, politisches
  tlingsmädchen auf                                                                                                                                                                 Spende den Alliierten an, für ein halbes Jahr 2000 Kinder aus                                         Kalkül und individuelle Erfahrung
  sie betreute auf dem                                                                                «Charlotte Webers dokumentarisches                                            Konzentrationslagern zur Erholung aufzunehmen.
                                                                        CHARLOTTE WEBER
ndliche, die mehrere
                                                                                                      Buch ist zum einen die Autobiographie                                         Die Autorin untersucht die Entstehung, Planung und Umset-

                                                                                                                                                                                                                                                       «Buchenwaldkinder»
   verbracht hatten.
                                                                                                      einer Frau, die sich mit offenem Herzen                                       zung der Hilfsaktion, die in der Tradition der humanitären
 icher Umgang mit                                                       GEGEN DEN STROM               und viel Verstand für Verfolgte ein-
                                                                                                      setzte. Zum anderen lässt die Autorin
                                                                                                                                                                                    Kinderhilfe stand. Dabei kam vieles anders als geplant. Es
                                                                                                                                                                                    wurden nicht 2000 Kinder, sondern 370 junge Erwachsene
u neuem Vertrauen in
kontrastierte mit den
                                                                        DER FINSTERNIS                in ihrem exakt beschreibendem Text,
                                                                                                      der auch viele Auszüge aus Briefen                                            aus dem Konzentrationslager Buchenwald aufgenommen. Die
                                                                                                      und Tagebüchern sowie Zeichnungen                                             beteiligten Institutionen verfolgten unterschiedliche Ziele, was
 sch geprägten Vor-                                                                  ALS BETREUERIN                                                                                 zu Konflikten, aber auch zu überraschenden Koalitionen führte.
                                                                                                      der Flüchtlinge enthält, den Alltag der
n.                                                                        IN SCHWEIZER FLÜCHTLINGS­   Kriegsjahre vor den Lesenden auf ein-                                         Nach einem Jahr stellte die Schweizer Spende ihr Engagement
                                                                                   HEIMEN 1942–1945   drückliche Weise aufscheinen.»                                                ein, obwohl sich die grosse Mehrheit der aufgenommenen
                                                                                                      Der kleine Bund, 27. August 1994                                              Holocaustüberlebenden immer noch im Land befand. Das Buch
iches Buch, das                                                                                                                                                                     zeigt, wie sich das Verhältnis zwischen Betreuenden und Be-
                                                                                                      «‹Gegen den Strom der Finsternis›
                                                                                                                                                                                    treuten gestaltete, wie es den Geretteten gelang, ein neues Le-
                                    CHARLOTTE WEBER

cherung mit                                                                                           lässt ein Kapitel Schweizer Geschichte
ichnungen, Bildern,                                                                                                                                                                 ben aufzubauen, und woran sich die damals Beteiligten sechzig
                                                                                                      aufleben, das viele von uns gar nie
                                                                                                                                                                                    Jahre später erinnern. So entsteht ein vielschichtiges Bild der
des Schweigens                                                                                        wahrgenommen haben: den Alltag
                                                                                                      jüdischer Flüchtlinge in schweizeri-                                          Hilfsaktion. Darüber hinaus ergeben sich aufschlussreiche Ein-
chweizerischen
                                                                                                      schen Lagern.»                                                                blicke in die von der Forschung bisher wenig beachtete huma-
                                                                                                      Brigitte-Magazin Schweiz 10/94                                                nitäre Politik der Schweiz in der unmittelbaren Nachkriegszeit.
 , 8/1995

      ISBN 978-3-905311-31-0

                                                                                ZeitZeugnisse                                                                                                                                                                                             Veröffentlichungen des Archivs
                                                                                                                                                                                                                                                                                          für Zeitgeschichte ETH Zürich

       9 783905 311310

                                                                                                                                               16.11.20 16:39
                                                                                                                                                                987 Lerf UG Drucl.indd 1                                                                                                                                        14.01.10 17:40

                                                                 In den Jahren 1942–1945 suchten                                                                                                                                                                                Sommer 1945, der Zweite Weltkrieg
                                                                 Zehntausende bedrohter Juden                                                                                                                                                                                   ist zu Ende. Die Dimensionen der
                                                                 Zuflucht in der Schweiz, doch nur                                                                                                                                                                              europäischen Katastrophe werden
                                                                 wenige fanden hier Aufnahme. Die                                               «Ein spannendes, sehr persönliches                                                                                              fassbar. Gleichzeitig zeichnen sich
                                                                                                                                                Buch, das durch seine interessante
                                                                 Autorin erinnert sich anhand von                                                                                                                                                                               die Konturen einer neuen weltpo­
                                                                                                                                                Anreicherung mit ­Doku­menten –
                                                                 Briefen, Berichten, Schulrapporten,                                                                                                                                                                            litischen Ordnung ab. Die Schweiz
                                                                                                                                                Tagebuchaufzeichnungen, Bildern,
                                                                 Tagebüchern und Fotografien an                                                                                                                                                                                 beteiligt sich am Wiederaufbau,
                                                                                                                                                Briefen, Liedern – den Mantel des
                                                                 die Zeit, als sie als junge Frau in                                                                                                                                                                            will aber ihre Unabhängigkeit be­
                                                                                                                                                Schweigens über ein dunkles Kapitel
                                                                 Schweizer Heimen für vom Nazi­                                                 der Schweizerischen Geschichte ein                                                                                              wahren und sich nicht dem Hilfs­
                                                                 terror Verfolgte arbeitete.                                                    wenig lüftet.» Zeitschrift für                                                                                                  werk der Siegermächte (UNRRA)
                                                                 Sie leitete das Interniertenheim                                               Geschichtswissenschaft                                                                                                          anschliessen.
                                                                 für Frauen und Kinder auf Bienen-                                                                                                                                                                              In dieser Situation bietet das vom
                                                                 berg (Basel-Land), sie initiierte und                                          «Ist ‹Gegen den Strom› bis hierher                                                                                              Bundesrat initiierte Hilfswerk
                                                                 verwirklichte ein Berufsschullager                                             ein kurzweiliger, in tagebuchar-                                                                                                Schweizer Spende den Alliierten an,
                                                                 für Flüchtlingsmädchen auf Schloss                                             tigen Episoden festgehaltener                                                                                                   für ein halbes Jahr 2000 Kinder aus
                                                                 Hilfikon (Aargau) und sie betreute                                             Bericht, so wird das Buch in den                                                                                                Konzentrationslagern zur Erholung
                                                                 auf dem Zugerberg über hundert                                                 Schilderungen der Jungen-Schick-                                                                                                aufzunehmen.
                                                                 Jugendliche, die mehrere Jahre in                                              sale zu einem erschütternden Zeit-                                                                                              Die Autorin untersucht die Entste-
                                                                 Konzentrationslagern verbracht hat-                                            dokument. Denn da lässt die Autorin                                                                                             hung, Planung und Umsetzung der
                                                                 ten. Ihr respektvoller und mensch­                                             die polnisch-jüdischen Knaben                                                                                                   Hilfsaktion. Dabei kam vieles anders
                                                                 licher Umgang mit den Flüchtlingen,                                            ihren qualvollen Überlebenskampf                                                                                                als geplant. Es wurden nicht 2000
                                                                 denen sie zu neuem Vertrauen in die                                            selbst erzählen. In Gedichten, Tage­                                                                                            Kinder, sondern 370 junge Erwach-
                                                                 Zukunft verhelfen wollte, kontras-                                             büchern und Zeichnungen berich-                                                                                                 sene aus dem Konzentrationslager
                                                                 tierte mit den militärisch-verwal-                                             ten sie von Hunger, Durst, Kälte und                                                                                            Buchenwald aufgenommen.
                                                                 tungstechnisch geprägten Vorstel-                                              unendlicher Einsamkeit.»                                                                                                        Das Buch zeigt, wie sich das Ver-
                                                                 lungen offizieller Instanzen.                                                  Sonntagsblick                                                                                                                   hältnis zwischen Betreuenden und
                                                                                                                                                                                                                                                                                Betreuten gestaltete, wie es den
                                                                                                                                                «Bei Charlotte Weber tritt die Kritik                                                                                           Geretteten gelang, ein neues Leben
                                                                                                                                                an der unmenschlichen, bürokrati-                                                                                               aufzubauen, und woran sich die da-
                                                                                                                                                schen Einstellung ihrer Vorgesetz-                                                                                              mals Beteiligten sechzig Jahre später
                                                                                                                                                ten in den Vordergrund. Als Betreue­                                                                                            erinnern. So entsteht ein vielschich-
                                                                                                                                                rin hätte sie eine Politik vollziehen                                                                                           tiges Bild der Hilfsaktion.
                                                                                                                                                sollen, die sie mit ihrer eigenen
                                                                                                                                                Haltung nicht vereinbaren konnte.
                                                                                                                                                Eine Politik, die etwa veranlasste,
                                                                                                                                                dass die 350 Jugendlichen aus dem
                                                                                                                                                Konzentrationslager Buchenwald,
                                                                 Charlotte Weber                                                                die nach dem Krieg zur Erholung in
                                                                                                                                                                                                                                                                                Madeleine Lerf
                                                                 Gegen den Strom der Finsternis                                                                                                                                                                                 «Buchenwaldkinder» –
                                                                                                                                                die Schweiz eingeladen wurden, bei
                                                                 Als Betreuerin in Schweizer                                                                                                                                                                                    eine Schweizer Hilfsaktion
                                                                 Flüchtlingsheimen 1942–1945                                                    ihrer Ankunft in Rheinfelden in ein                                                                                             Humanitäres Engagement, politisches
                                                                                                                                                mit Stacheldraht umgebenes Militär-                                                                                             Kalkül und individuelle Erfahrung
                                                                                                                                                lager eingewiesen wurden.»
                                                                                                                                                Basler Magazin
                                                                                                                                                                                                                                                                                Veröffentlichungen des Archivs für Zeitgeschichte
                                                                 2020. Klappenbroschur. 3. Aufl.                                                                                                                                                                                des Instituts für Geschichte der ETH Zürich, Band 5
                                                                 288 S., 42 Abb. sw.                                                                                                                                                                                            2020. Gebunden. 2. Aufl. 448 S., 13 Abb. sw.
                                                                 CHF 38 / EUR 38. ISBN 978-3-905311-31-0                                                                                                                                                                        CHF 68 / EUR 68. ISBN 978-3-0340-0987-4
                                                     ISBN 978-3-905311-31-0                                                                                                                                                                                                   ISBN 978-3-0340-0987-4

                                                                9 783905
                                                                       3 311310                                                                                                                                                                                               9 783034 009874
Frühling 2021 GESCHICHTE LITERATUR- UND SPRACHWISSENSCHAFT MUSIK- UND THEATER WISSENSCHAFT BIOGRAFIEN PHILOSOPHIE - Chronos Verlag
Staatsfinanzierung und
                                                                           Sozialkonflikte

                                         Sébastien Guex, Gisela Hürlimann, Matthieu Leimgruber (Hg./dir.)
                                                                                                            Seit Thomas Pikettys «Das Kapital im
        SJWSG/ASHES • Vol. 36

                                                                                                            21. Jahrhundert» ist das Interesse an ­Steuern
                                         Steuern und Ungleichheit
                                         Fiscalité et inégalités
                                                                                                            und Wohlstandsverteilung virulent. Die Bei-
                                                                                                            träge analysieren das Verhältnis zwischen
                                                                                                            Steuern und Ungleichheit vom Hochmittel­
                                                                                                            alter bis zur Gegenwart.
                                                                                                            Steuern und Ungleichheit verbindet ein inniges Verhältnis,
                                                                                                            das sich in unterschiedlichen Konstellationen zeigt. Das
                                                                                                            betrifft etwa historisch die staatlichen Herrschafts­träger,
                                                                                                            die Steuern und Abgaben durchsetzen und legitimieren
                                                                                                            können. Damit verknüpft ist die Frage, wer welche und
                                                                                                            wie viel Steuern bezahlt und wohin die Steuer­einnahmen
                                                                                                            fliessen. Denn Steuern und andere staatliche Abgaben kön-
                                                                                                            nen bestehende wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten
                                         Schweizerisches Jahrbuch für Wirtschafts- und Sozialgeschichte
                                         Annuaire suisse d’histoire économique et sociale                   zementieren, verschärfen oder reduzieren.

               Die HerausgeberInnen                                        Inhaltsübersicht                       Joanna Haupt: Histoire d’un           Oliver Hümbelin, Rudolf Farys
   Sébastien Guex, Gisela Hürlimann                                                                               chiffre sensible: luttes politiques   und Tina Richard: Steuerdaten-
     und Matthieu Leimgruber sind in                                       Sébastien Guex, Gisela Hürli-          autour des statistiques de salaire    basierte Einblicke in die redis-
   unterschiedliche Projekte rund um                                       mann, Matthieu Leimgruber:             en Suisse, 1918–1994                  tributiven Effekte des Schweizer
die Steuer-, Finanz- und Sozialstaats-                                     Einleitung / Introduction              Ronny Grundig: Reiche im So-          Steuersystems
 geschichte involviert, die stets auch                                     Monique Bourin: Poids écono-           zialismus? Erbschaftsteuerakten       Oliver Landolt: Privilegien für
       Fragen politischer und sozialer                                     mique et représentations sociales      als Schlüssel zur Erforschung         Reiche? Individuelle Bürgerrechts-
         (Un-)Gleichheit adressieren.                                      de la fiscalité dans les pays de       von Vermögensverhältnissen in         und Steuerverträge in spätmittel-
                                                                           taille réelle au royaume de France     der Deutschen Demokratischen          alterlichen Kommunen
                                                                           (1250–1400)                            Republik                              Sylvain Praz: Sujétion fiscale et
                                                                           Daniel Schläppi: Ungleich vor          Vivian Ballenegger: Imposer           pratique d’imposition à l’égard
                                                                           dem Fiskus. Wie und auf wessen         les successions pour réduire les      des petits contribuables (1870–
                                                                           Kosten sich die Gemeinwesen der        inégalités? Le cas du canton de       1952).
                                                                           alten Eidgenossenschaft alimen-        Berne, 1852–1919                      Tamara Boussac: Des New-
                                                                           tierten                                Paolo Bozzi: The Political Econ­      Yorkais contre l’aide sociale: lutte
                                                                           Jean-Yves Champeley: Jean-             omy of Progressive Taxation in        contre la pauvreté et rupture du
                                                                           Baptiste Dochier et la question        Republican Italy 1944–1974            consentement à l’impôt (années
                                                                           de l’impôt à Romans à la fin de        Aniko Fehr: La Reichtumssteuer-       1960)
                                                                           l’Ancien Régime                        Initiative du Parti socialiste:       Isaac W. Martin: History, inequal­
                                                                           Sébastien Savoy: Le cadastre           origines, résistances et échec        ity, and the US home mortgage
                                                                           sarde et la recherche de l’équité      (1966–1977)                           interest deduction
                                                                           fiscale. Réussites et limites d’une    Christian Frey, Melanie Häner,
                                                                           réforme administrative (Savoie,        Christoph A. Schaltegger: Um-
                                                                           années 1730)                           verteilung durch die AHV

Schweizerisches Jahrbuch für Wirtschafts-                                  Sébastien Guex, Gisela Hürlimann, Matthieu Leimgruber (Hg./dir.)
          und Sozialgeschichte, Band 36
                                Mai 2021                                   Steuern und Ungleichheit
                     Broschur. ca. 384 S.                                  Fiscalité et inégalités
                 ca. CHF 48 / ca. EUR 48
             ISBN 978-3-0340-1629-2
               ISBN 978-3-0340-1629-2

                                9 783034 016292
                                     4
Frühling 2021 GESCHICHTE LITERATUR- UND SPRACHWISSENSCHAFT MUSIK- UND THEATER WISSENSCHAFT BIOGRAFIEN PHILOSOPHIE - Chronos Verlag
Postkartengrüsse aus der
                                                                                           Belle Époque

                                                                                                                           Heutzutage eine Whatsapp-Nachricht, früher
                                                                                                                           ein Telefonanruf, vor hundert Jahren eine
                                                                                                                           Postkarte: Das Medium hat sich geändert –
                                                                                                                           das Bedürfnis, rasch und kostengünstig
                                                                                                                           knapp gefasste Mitteilungen zu verschicken,
                                                                                                                           ist geblieben. Ansichtskarten, die eine Land-
ine Postkarte: Das                                      Roland Böhmer
                                                                                                                           schaft, eine Ortschaft oder einzelne Gebäude
                                                                                                                           wiedergeben, sind für die Geschichtsfor-
te Mitteilungen zu
 einzelne Gebäude
                          «ICH WOLLT’S AUF TAUSEND

 ige Bildquelle. Die
edlungsbild in den
                                                                   «ICH WOLLT’S
                                                                                                                           schung eine wichtige und oft auch einzig­
                          KARTEN SCHREIBEN»

                                                                   AUF TAUSEND KARTEN
 ch und Winterthur
che seltene Motive.
nhang gestellt. Die
m Kanton während
                                                                   SCHREIBEN»
 achsenden Gross-
 en Winterthur gab
d Einwohnern und
ntiert waren. Zwei
                                                                   Ansichtskarten aus dem Kanton Zürich
                                                                                                                           artige Bildquelle. Die Publikation richtet den
                                                                   1890–1930
                                                                                                                           Fokus auf den Kanton Zürich, dessen Land-
e Entwicklung des
hte der Postkarten

                                                                                                                           schafts- und Siedlungsbild in den letzten
                             AGZ
                                                                                                                           hundert Jahren tiefgreifende Veränderungen
                                                                                                                           erfahren hat.
                            BAND

                             88

                                                                                                               Roland Böhmer stellt aus jeder Zürcher Gemeinde und
                                                                                                          17.11.20 10:26

                                         Roland Böhmer                                     jedem Quartier der Städte Zürich und Winterthur eine historische Ansichts-
                        ist promovierter Kunsthistoriker
                                                                                           karte vor. Unter den ausgewählten Sujets finden sich zahlreiche seltene
                                  und wissenschaftlicher
                       Mitarbeiter bei der Denkmalpflege                                   Motive. Bild- und Textseite der Karten werden erläutert und in einen grös­
                                     des Kantons Zürich.                                   seren Zusammenhang gestellt. Die knapp zweihundert Texte zeichnen ein
                                                                                           anschauliches Bild der Lebensverhältnisse im Kanton während der Belle
                                            Jochen Hesse                                   Époque, des Ersten Weltkriegs und der Zwanzigerjahre. Neben der rasant
                         ist promovierter Kunsthistoriker
                                                                                           wachsenden Grossstadt Zürich und dem wesentlich kleineren, von der Ma-
                               und Leiter der Graphischen
                       Sammlung und des Fotoarchivs der                                    schinenindustrie dominierten Winterthur gab es damals rund ein Dutzend
                                 Zentralbibliothek Zürich.                                 industriell geprägte Ortschaften mit einigen Tausend Einwohnern und vor
                                                                                           allem auch weite, ländlich gebliebene Gebiete, die mit Abwanderung kon-
                                                                                           frontiert waren. Zwei einleitende Kapitel runden die Thematik des Buches ab:
                                                                                           Roland Böhmer fasst die Entwicklung des Kantons im genannten Zeitraum
                                                                                           zusammen, Jochen Hesse beleuchtet die Geschichte der Postkarten und der
                                                                                           Ansichtskartenverlage, die im Raum Zürich aktiv waren.

                                                     Mitteilungen der Antiquarischen       Roland Böhmer
                                                     Gesellschaft in Zürich, Band 88
                                                                         Januar 2021       «Ich wollt’s auf tausend Karten schreiben»
                                                     Broschur. 272 S., 244 Farbabb.        Ansichtskarten aus dem Kanton Zürich 1890–1930
                                                                    CHF 48 / EUR 48
                                                           ISBN 978-3-0340-1612-4
                                                       ISBN 978-3-0340-1612-4
                                                                                           Mit einem Beitrag von Jochen Hesse

                                                       9 783034 016124
                                                                        5
Frühling 2021 GESCHICHTE LITERATUR- UND SPRACHWISSENSCHAFT MUSIK- UND THEATER WISSENSCHAFT BIOGRAFIEN PHILOSOPHIE - Chronos Verlag
Alles unter einem Dach

                                                                    Das Warenhaus scheint uns heute als Institu-
                               Angela Bhend
                                                                    tion selbstverständlich. Erst in der zweiten
                               Triumph der                          Hälfte des 19. Jahrhunderts jedoch verän-
                                                                    derte es die Konsumgewohnheiten grundle-
                               Moderne
                                                                    gend. Moderne Basare hatten schon ein paar
                                                                    Jahrzehnte zuvor begonnen, die vom kleinen
                                                                    Einzelhändler dominierte Marktordnung
                                                                    zurückzudrängen. Doch mit der Erfindung
                               Jüdische Gründer von
                               Warenhäusern in der Schweiz,
                                                                    des Warenhauses wurden die herkömm­lichen
                               1890–1945
                                                                    Warenvertriebsformen umgewälzt, und
                                                                    Prachtbauten schufen eine neue Plattform
                                                                    für den hereinbrechenden Massenkonsum.
                                                                   In der Schweiz konnten sich die ersten Warenhäuser
                               SCHRIFTENREIHE DES SCHWEIZERISCHEN
                                                                   an der Schwelle zum 20. Jahrhundert etablieren. Die
                               ISRAELIT ISCHEN GEMEINDEBUNDS
                                                                   Mehrheit der helvetischen Warenhauspioniere stammte
                                                                   aus dem benachbarten Ausland, viele von ihnen waren
                     Angela Bhend              jüdische Einwanderer. Namen wie Brann, Mandowsky, Pilz oder Knopf sind
war wissenschaftliche Mitarbeiterin
                                               heute in Vergessenheit geraten, aber auch bestehende Häuser wie Loeb und
 am Seminar für Kulturwissenschaft
    und Europäische Ethnologie der             Manor oder die 2005 aufgelöste EPA sind weitgehend unerforscht geblieben.
   Universität Basel. Sie ist Mither-          Obschon beim Publikum beliebt, war das Warenhaus von Beginn an umstrit-
  ausgeberin des Buches «Jüdischer
       Kulturraum Aargau» (2020).              ten. Spätestens in den 1930er-Jahren wurde das für den Mittelstand angeb-
                                               lich existenzvernichtende Warenhaus Zielscheibe einer rechtsbürgerlichen
                                               Kampagne, die den Liberalismus der Gründerzeit suspendierte. 1933 verbot
                                               ein dringlicher Bundesbeschluss die Eröffnung und Erweiterung von Waren-
                                               häusern, Kaufhäusern, Einheitspreisgeschäften und Filialgeschäften.
                                               Das Buch thematisiert einen kaum erforschten Zweig der Kultur- und Wirt-
                                               schaftsgeschichte der Schweiz, der von einer jüdischen Minderheit mit­
                                               geprägt wurde. Die Darstellung vereint Aspekte der Wirtschafts- und Sozial-
                                               geschichte, der Migrations- und der Architekturgeschichte.

 Beiträge zur Geschichte und Kultur der        Angela Bhend
         Juden in der Schweiz, Band 19
                             April 2021        Triumph der Moderne
     Gebunden. ca. 320 S., ca. 120 Abb.        Jüdische Gründer von Warenhäusern
                ca. CHF 58 / ca. EUR 58
              ISBN 978-3-0340-1585-1
                                               in der Schweiz, 1890–1945
           ISBN 978-3-0340-1585-1

           9 783034 015851
                    6
Der Schweizer Finanzplatz
                                              im Wandel

                                           LUKAS TOBLER
                                                                 Die 1980er-Jahre brachten einen funda-
                                                                 mentalen Wandel im Verhältnis zwischen
                                   Banken                        dem Schweizer Finanzplatz, dem Schweizer
                                   im Sturm                      Staat und der öffentlichen Wahrnehmung der
                                                                 Banken. Die späten Siebziger- und die Acht-
                                                                 zigerjahre waren geprägt von strukturellen
                                                                 Veränderungen der globalen Finanznetz-
                                                                 werke, wovon die Banken aufgrund ihrer in-
                                   Die Politisierung des         ternationalen Ausrichtung stark profitierten.
                                   Schweizer Finanzplatzes
                                   in den 1970er-                Innenpolitisch sorgte diese Entwicklung für
                                   und 1980er-Jahren
                                                                 eine zunehmende Radikalisierung der Ban-
                                                                 kenkritik auf politischer und gesellschaftli-
                                                                 cher Ebene und führte zu einer öffentlichen
                                                                 Debatte über Rolle und Funktion der Banken
                                                                 in der Schweiz.
                        Lukas Tobler          Die Veränderungen auf dem Schweizer Finanzplatz wurden von vielschich-
 studierte Geschichte und Politikwis-
                                              tigen internationalen und nationalen Vorgängen beeinflusst und gesteuert.
   senschaften an der Universität Lu-
zern, wo er mit seiner Arbeit über die        Aussenpolitisch waren die 1980er-Jahre geprägt von der neoliberalen Wende
  Politisierung der Schweizer Banken          und daraus resultierenden Liberalisierungen im Bankengeschäft. Hinzu
    2020 promovierte. Er arbeitet am
  Institut für Geschichtsdidaktik und         kamen die Bekämpfung der Schuldenkrise in den Entwicklungsländern und
 Erinnerungskulturen an der Pädago-           die zunehmende Kritik am schweizerischen Bankgeheimnis. Zum Gegen-
           gischen Hochschule Luzern.
                                              stand innenpolitischer Auseinandersetzungen wurden neben dem Bank-
                                              geheimnis der Angriff neuer Finanzinvestoren auf das Bankenkartell, das
                                              Verhältnis der Schweiz zum südafrikanischen Apartheidregime, Skandale um
                                              Vermögenswerte von ausländischen Diktatoren auf Schweizer Bankkonten
                                              und allgemein die Geschäftstätigkeit der Banken im globalen Süden. Anhand
                                              dieser Debatten und durch die Analyse von bisher unveröffentlichten Quel-
                                              len zeichnet das Buch ein detailliertes Bild der Politisierung der Schweizer
                                              ­Banken.

                             April 2021       Lukas Tobler
                  Gebunden. ca. 304 S.,
                          ca. 7 Abb. sw.
                                              Banken im Sturm
                ca. CHF 48 / ca. EUR 48       Die Politisierung des Schweizer Finanzplatzes
               ISBN 978-3-0340-1631-5
                                              in den 1970er- und 1980er-Jahren
            ISBN 978-3-0340-1631-5

             9 783034
                  7
                      016315
Im Dienst der gehörlosen
                                           Mitmenschen

                                                               Seit 75 Jahren gibt es den Schweizerischen
                                                               Gehörlosenbund (SGB-FSS). Warum wurde
                                                               er 1946 gegründet? Wer hat ihn geprägt?
                                                               Was hat sich in dieser Zeit verändert – in
                                                               der Gesellschaft und somit für die gehör­
                                                               losen Menschen in der Schweiz? Dieses Buch
                                                               zeichnet die Geschichte des S­ GB-FSS nach,
                                                               stellt die Meilensteine und Errungenschaften
                                                               des Verbands vor und porträtiert Menschen
                                                               und Vereine, die diese Geschichte prägten.
                                                              Der SGB-FSS setzt sich als Dachverband ein für den Ab-
                                                              bau von Barrieren, für die gleichen Rechte und Chancen
                                                              von gehörlosen und hörbehinderten Menschen und die
                                                              Anerkennung der Gebärdensprache. Gehörlose mussten
                                                              und müssen sich mit Vorurteilen und Fremdbestimmung
                                                              auseinandersetzen. Gehörlose wollen zugleich selbst­
                      Barbara Häne         bestimmt leben und für ihre Rechte und Anliegen einstehen. Der SGB-FSS
M. A., wissenschaftliche Mitarbeite-
                                           und die lokalen Gehörlosenvereine sind das Sprachrohr für diese Anliegen.
 rin, Zentrum für Jüdische Studien,
                 Universität Basel.        Der Kampf um die Anerkennung der Gebärdensprache spielt in der
                                           ­Geschichte des Gehörlosenbundes eine zentrale Rolle. Geprägt von den
                     Katrin Müller          Emanzipations­bewegungen der 1980er-Jahre setzte sich eine junge Genera-
M. A. Geschichte, wissenschaftliche
                                            tion von Gehörlosen nachdrücklich für eine stärkere Verbreitung der Gebär-
    Mitarbeiterin, Departement Ge-
        schichte, Universität Basel.        densprache ein. Heute ist die Gebärdensprache als eine vollwertige Sprach-
                                            form anerkannt und steht im Zentrum der Kultur der Gehörlosen.
                        Anina Zahn          Mit je einem QR-Code pro Sprache verweisen die Bücher auf eine Webseite,
Dr., wissenschaftliche Mitarbeiterin,
                                            die den ganzen Inhalt in Gebärdensprachvideos wiedergibt.
           Departement Geschichte,
                   Universität Basel.

                                                                                             ISBN 978-3-0340-1622-3
                              Mai 2021     Barbara Häne, Katrin Müller, Anina Zahn
                   Broschur. ca. 160 S.,
                                           Zeichen setzen
            ca. 100 Abb. farbig und sw.
                ca. CHF 28 / ca. EUR 28    75 Jahre Schweizerischer Gehörlosenbund               dt. ISBN 978-3-0340-1622-3

                                                                                             ISBN 978-3-0340-1623-0
                                                                                             9 783034 016223
                                           Des signes tangibles
                                           La Fédération Suisse des Sourds fête ses 75 ans       frz. ISBN 978-3-0340-1623-0

                                                                                             ISBN 978-3-0340-1624-7
                                                                                             9 783034 016230
                                           Segni tangibili
                                           La Federazione Svizzera dei Sordi festeggia 75 anni   ital. ISBN 978-3-0340-1624-7

                                                                                             9 783034 016247

                     8
Leben hinter Anstaltsmauern

                   Birgit Christensen | Sabine Jenzer | Thomas Meier | Christian Winkler   1884 nahm die Zwangsarbeits- und Straf­
                                                                                           anstalt Gmünden in Appenzell Ausserrhoden
                   Versorgt in                                    Administrative
                                                                  Zwangsmassnahmen
                                                                  im Kanton                ihren Betrieb auf. Eingesperrt wurden hier
                    Gmünden                                       Appenzell Ausserrhoden
                                                                  1884–1981
                                                                                           gerichtlich Verurteilte und Personen, die
                                                                                           ihre Bussen nicht bezahlen konnten. In ers-
                                                                                           ter Linie war Gmünden jedoch für die admi-
                                                                                           nistrative Versorgung von «liederlichen» und
                                                                                           «arbeitsscheuen» Menschen bestimmt, die
                                                                                           der kommunalen Armenfürsorge «zur Last»
                                                                                           fielen oder in den Armenhäusern «die Ord-
                                                                                           nung störten».
                                                                                 Wie kam es zur Gründung der Anstalt? Wie viele Män-
                                                                                 ner und Frauen wurden auf Antrag der Gemeinden vom
                                                                                 Regierungsrat für bis zu drei Jahre in Gmünden admi-
                                                                                 nistrativ versorgt? Wer waren diese Menschen, und was
                                                                                 wurde ihnen vorgeworfen? Woher kamen sie? Welche
                  Birgit Christensen                          rechtlichen Grundlagen ermöglichten die Internierung von Personen, die
    geb. 1960, Dr. phil., lic. iur., frei-
                                                              den Behörden aufgrund ihres nichtkonformen Lebenswandels ein Dorn im
 schaffende Philosophin und Juristin.
                                                              Auge waren? Wie gestaltete sich der Alltag in Gmünden für die Internierten
                        Sabine Jenzer                         und das wenige Personal? Wie veränderte sich die Infrastruktur der Anstalt
     geb. 1976, Dr. phil., Historikerin,
                                                              im Lauf der Zeit? Welche Arbeiten der «Detenirten» sollten garantieren, dass
      wissenschaftliche Mitarbeiterin
   an der Beratungsstelle für Landes-                         Gmünden kostendeckend war? Wie wirkte sich eine administrative Versor-
    geschichte, Projektleiterin an der                        gung auf das familiäre Umfeld und den Lebenslauf der Betroffenen aus?
  Pädagogischen Hochschule Luzern.
                                                              Die gute Quellenlage, ergänzt um mündliche Aussagen von Zeitzeuginnen
                      Thomas Meier                            und -zeugen, erlaubt es, die Entwicklung von Gmünden über ein Jahrhun-
      geb. 1953, Dr. phil., Historiker,
                                                              dert nachzuzeichnen und Einblicke in verschiedene Bereiche der kleinen
 Geschäftsführer der Beratungsstelle
              für Landesgeschichte.                           Appenzeller Anstalt zu gewinnen.

                    Christian Winkler
  geb. 1981, lic. phil., freischaffender
   Historiker und Archivar, erarbeitet
historische Themen in Buchprojekten
oder präsentiert sie in Ausstellungen.

                                 Juni 2021                    Birgit Christensen, Sabine Jenzer, Thomas Meier, Christian Winkler
                    Gebunden. ca. 224 S.,
                           ca. 25 Abb. sw.                    Versorgt in Gmünden
                  ca. CHF 38 / ca. EUR 38                     Administrative Zwangsmassnahmen
                ISBN 978-3-0340-1618-6
                                                              im Kanton Appenzell Ausserrhoden, 1884–1981
             ISBN 978-3-0340-1618-6

              9 783034 016186
                        9
Neue Horizonte der
                                                                           Populärkulturforschung

                                                                                                       «Bring me that horizon!» Das geflügelte Wort
                                       Brigitte Frizzoni, Christine Lötscher (Hg.)
                                                                                                       von Jack Sparrow aus «Pirates of the Carib-
  Christine Lötscher (Hg.)
  Brigitte Frizzoni,

                                                                                                       bean» kann als Motto über den Beiträgen
                                                                                                       dieses Bandes stehen: Sie alle beschäftigen
                                       «Bring me that horizon!»                                        sich mit neuen Horizonten der Populärkul-
                                                                                                       turforschung und mit den Impulsen, die
      «Bring me that horizon!»

                                       Neue Perspektiven auf Ästhetik und
                                       Praxis populärer Literaturen und Medien

                                                                                                       seit 1997 von Ingrid Tomkowiak und ihrem
                                                                                                       Wirken am ISEK – Populäre Kulturen an der
                                                                                                       Universität Zürich ausgegangen sind.
                                                                                               Ihre Forschungsschwerpunkte werden in klassisch wis-
                                                                                               senschaftlicher, in essayistischer, aber auch in künst-
                                                                                               lerischer Weise aufgegriffen und weitergesponnen.
                                                                                               Ästhetische Erfahrung und ästhetische Praxis werden
                                                                                               theoretisch und analytisch reflektiert, aber auch selbst
                                                                                               erprobt. Populäre Genres wie Western, Folk Horror und
                                                                                               Road Movie werden auf ihre Imaginationen und Träume
                                                                                      21.04.20 14:33

                    Brigitte Frizzoni                                      von Freiheit hin befragt und die Auseinandersetzung mit Materialität für alle
 ist Geschäftsführerin und Dozentin
                                                                           Sinne mündet in Rezepte und experimentelle Kunst. Durch das ganze Buch
   im Bereich Populäre Kulturen am
Institut für Sozialanthropologie und                                       geistern Konzepte wie Nostalgie und Metafiktionalität sowie populäre Figu-
 Empirische Kulturwissenschaft der                                         ren – von Alice in Wonderland über Tove Janssons Mumins bis zu Globi und
                   Universität Zürich.
                                                                           natürlich Jack Sparrow.
                 Christine Lötscher
 ist Professorin für Populäre Litera-
   turen und Medien am Institut für
Sozialanthropologie und Empirische
 Kulturwissenschaft der Universität
      Zürich und Literaturkritikerin.

                                                   Lieferbar               Brigitte Frizzoni, Christine Lötscher (Hg.)
                                           Broschur. 336 S.,
                                    59 Farbabb., 11 Abb. sw.               «Bring me that horizon!»
                                           CHF 48 / EUR 48                 Neue Perspektiven auf Ästhetik und Praxis populärer Literaturen und Medien
                                   ISBN 978-3-0340-1592-9

                                 ISBN 978-3-0340-1592-9

                                 9 783034 015929
                                        10
Im Spannungsfeld von Industrie,
                                                    Politik und Wissenschaft

                                                                       Supercomputing ist exklusives Rechnen an
                      David Gugerli, Ricky Wichum
                                                                       den äussersten Grenzen der Berechenbar-
                      An den Grenzen                                   keit. Es ist also umstritten, politisch attrak-
                      der Berechenbarkeit
                                                                       tiv und kostet viel Geld. David Gugerli und
                      Supercomputing
                      in Stuttgart                                     Ricky Wichum zeigen, wie sich Höchstleis-
                                                                       tungsrechnen in Stuttgart seit 1970 ent-
                                                                       wickelt hat – mit vielen überraschenden
                                                                       Wendungen, Krisen im Betrieb und neuen
                                                                       technischen Grenzen.
                                                                        So landete der Ausbau des Rechenzentrums in den
                                                                        1970er-Jahren bei der Installation eines veralteten
                                                                        Super­computers, und die spektakuläre Anschaffung des
                                                                        schnellsten Rechners der Welt in den 1980er-Jahren
                                                                        erzeugte über viele Jahre hinweg eine aufregende Suche
                                                                        nach Nutzern und geeigneten Betriebsformen. Als Inter-
                                                                        netze in den 1990er-Jahren globale Verbindungen mög-
                       David Gugerli                lich machten, war Stuttgart ganz vorne dabei und musste nach transatlanti-
    geb. 1961, ist Professor für Tech-
                                                    schen Experimenten feststellen, dass die Frage nach dem Supercomputing
 nikgeschichte an der ETH Zürich. Er
beschäftigt sich gegenwärtig mit der                im eigenen Land entschieden wird. Sorgfältig betreute «User» und ein ko-
Frage, wie die Welt in den Computer                 operatives deutsches Angebot für Europa standen in den 2000er-Jahren im
                       gekommen ist.
                                                    Vordergrund. Inzwischen zeichnen sich bei der Hardware Wachstumsgren-
                       Ricky Wichum                 zen ab, mit denen bisher niemand gerechnet hatte. Aus technikhistorischer
    geb. 1982, ist wissenschaftlicher
                                                    Perspektive gilt weiterhin: Supercomputing geht nur dann, wenn Rechner,
     Mitarbeiter an der Professur für
      Technikgeschichte, ETH Zürich.                Wissenschaft, Industrie und Politik immer wieder neu konfiguriert werden.
  Aktuell beschäftigt er sich mit dem
Einsatz von Informationssystemen in
         der öffentlichen Verwaltung.

                            Februar 2021            David Gugerli, Ricky Wichum
                   Gebunden. ca. 160 S.,
               ca. 18 Abb. farbig und sw.
                                                    An den Grenzen der Berechenbarkeit
                 ca. CHF 30 / ca. EUR 28            Supercomputing in Stuttgart
               ISBN 978-3-0340-1620-9
           ISBN 978-3-0340-1620-9

                            Februar 2021            David Gugerli, Ricky Wichum
                   Gebunden. ca. 160 S.,
           9    783034 016209
               ca. 18 Abb. farbig und sw.
                                                    Simulation for All
                 ca. CHF 30 / ca. EUR 28            The Politics of Supercomputing in Stuttgart
               ISBN 978-3-0340-1621-6
           ISBN 978-3-0340-1621-6

            9 783034
                 11
                     016216
Sozialgeschichtlicher Blick
                                        auf die Arbeitslosigkeit

                                                           1975: Die Schweiz ist in der Krise. Um mit
                         ANINA ZAHN
                                                           den steigenden Arbeitslosenzahlen umzu­
                         WIDER DIE                         gehen, wird die obligatorische Arbeitslosen­
                                                           versicherung eingeführt. Zur selben Zeit
                         VERUNSICHERUNG                    entstehen selbstorganisierte Gruppen von
                         ARBEITSLOSENKOMITEES
                         IN DER SCHWEIZ                    Arbeitslosen, die sich Arbeitslosenkomitees
                         1975–2002                         nennen. Beharrlich protestieren sie gegen
                                                           Verschlechterungen bei der Arbeitslosen-
                                                           versicherung, auch in den darauf folgenden
                                                           Krisen der 1980er- und 1990er-Jahre.
                                                             Dieses Buch erzählt die Geschichte der Arbeitslosigkeit
                                                             in einer entscheidenden Übergangsphase der Industrie­
                                                             gesellschaft aus der Sicht der Betroffenen.
                                                             Was bedeutet soziale Sicherheit für Arbeitslose? Sozial-
                                                             staatsgeschichte behandelte lange Zeit die Versicherun-
                                                             gen und die institutionellen Entwicklungen. So auch bei
                        Anina Zahn      der Arbeitslosenversicherung. Eine Geschichte der Arbeitslosigkeit kann
  ist Historikerin. Sie promovierte
                                        jedoch nicht ohne die Arbeitslosen geschrieben werden. Deren Beziehung
mit der vorliegenden Arbeit an der
                  Universität Basel.    zum Sozialstaat wird deshalb am Beispiel von fünf Arbeitslosenkomitees in
                                        der Deutschschweiz und der Romandie bis zum Jahr 2002 untersucht. Wie
                                        interagierten sie mit den Behörden? Wogegen wandten sich ihre Proteste?
                                        Ihre Kritik: Der Sozialstaat sichert nicht nur, er kann auch verunsichern. Um
                                        dem entgegenzuwirken, schlossen sich Arbeitslose zusammen, ergriffen
                                        Referenden und bauten Beratungsstellen auf, die selbst Teil der Sozialpolitik
                                        wurden.

                           März 2021    Anina Zahn
               Gebunden. ca. 384 S.,
                      ca. 20 Abb. sw.   Wider die Verunsicherung
             ca. CHF 48 / ca. EUR 48    Arbeitslosenkomitees in der Schweiz, 1975–2002
            ISBN 978-3-0340-1632-2

         ISBN 978-3-0340-1632-2

          9 783034 016322
                 12
Fabrikarbeit und Wohnen
                                           im Wandel des Alltags

                                                                     Die Jahre der Hochkonjunktur werden häufig
                                                                     als eine ruhige Phase vor den stürmischen
                                                                     1970er-Jahren dargestellt. Dabei kam es
                                   Andreas Fasel

                                   Fabrikgesellschaft
                                                                     gerade in dieser Zeit zu einem tiefgreifenden
                                   Rationalisierung, Sozialpolitik
                                   und Wohnungsbau in der
                                   Schweizer Maschinenindustrie,
                                                                     Wandel des Alltags, am Arbeitsplatz ebenso
                                   1937–1967
                                                                     wie zu Hause. Die Studie geht diesen Ver-
                                                                     änderungen nach. Sie fragt danach, wie sich
                                                                     die Arbeits- und Wohnverhältnisse in und um
                                                                     die Badener, Zürcher und Winterthurer Fabri-
                                                                     ken verändert haben.
                                                               Im Siedlungsdreieck zwischen Baden, Zürich und Winter-
                                                               thur spielten die grossen Fabriken der Maschinenindus­
                                                               trie bis vor kurzem ein wichtige Rolle. An ihren Stand­
                                                               orten übten die Betriebe eine durchdringende Hegemonie
                                                               aus. Öffentliche Orte waren sie indes nicht. Von aussen
                                                               glichen sie einer durch Zäune, Mauern und Tore abge-
                   Andreas Fasel           schlossenen Stadt in der Stadt. Die sozial- und mikrogeschichtliche Unter-
studierte Geschichte und promo-
                                           suchung wagt einen Blick über die Fabrikmauer. Sie zeigt für den Zeitraum
vierte 2020 mit der vorliegenden
 Arbeit an der Universität Zürich.         zwischen den 1930er- und den 1960er-Jahren, wie sich die Arbeit bei Brown,
                                           Boveri & Cie. (Baden), bei der Maschinenfabrik Oerlikon (Zürich) und bei
                                           Gebrüder Sulzer (Winterthur) allmählich veränderte und weshalb in dieser
                                           Zeit das sozial- und wohnungspolitische Engagement dieser Unternehmen
                                           zunehmend wichtig wurde. Die hier gestellten Fragen bleiben aktuell. ­Welche
                                           Folgen haben Neuerungen in der Arbeitswelt, wozu führt ein Aus- oder
                                           Abbau sozialpolitischer Angebote, welche Rolle spielt der Wohnungsbau? Ein
                                           Rückblick auf die vermeintlich stabilen Jahre der Hochkonjunktur lohnt sich.

                            Juni 2021      Andreas Fasel
Gebunden. ca. 320 S., ca. 10 Abb. sw.
            ca. CHF 48 / ca. EUR 48        Fabrikgesellschaft
           ISBN 978-3-0340-1616-2          Rationalisierung, Sozialpolitik und Wohnungsbau in der Schweizer
                                           Maschinenindustrie, 1937–1967
        ISBN 978-3-0340-1616-2

         9 783034 016162
                 13
Zwischen Politik und
                                          Kommerz: der Spengler Cup

                        Daniel Derungs
                                                             Der 1921 als Touristen- und Gästeklub ge-
                                                             gründete HC Davos ist der letzte hochalpine
                     HCD                                     Vertreter in der Spitzenklasse des Schweizer
                     1921–2021                               Eishockeys. Diesen Sonderstatus verdankt
                                                             der HCD einer Symbiose mit dem internatio­
                                                             nalen Turnier des Spengler Cups und dem
                                                             Tourismus. Auf Trends wie die Professiona-
                                                             lisierung konnte der Klub jeweils rechtzeitig
                                                             aufspringen und so seine Existenz sichern.
                                                                         Zwei Jahre nach der Klubgründung wurde in der Alt-
                                                                         jahrswoche in Davos zum ersten Mal der Spengler Cup
                      Die Geschichte des Hockey Clubs Davos:
                      gesellschaftliche, wirtschaftliche und
                                                                         ausgetragen, der sich rasch als Fixpunkt in der Agenda
                      politische Perspektiven
                                                                         des internationalen Eishockeys etablieren konnte. Der
                                                                         Spengler Cup ist eine essenzielle Einnahmequelle für
                                                                         den HCD. Ohne ihn wäre Spitzeneishockey in Davos
                                                                         nicht mehr möglich und der HCD wäre wie andere alpine
                     Daniel Derungs                ­Hockeyclubs in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Die Liveübertra-
     interessiert sich als Berner mit
                                                    gung des Spengler Cups seit den 1960er-Jahren konnte die Popularität des
 Bündner Wurzeln von klein auf für
Eis­hockey und Geschichte. Das Stu-                 HCD im Mittelland steigern und ermöglichte ihm den Anschluss ans Zeitalter
 dium der Zeitgeschichte schloss er                 der Media­lisierung und Kommerzialisierung des Eishockeys. Die erstmalige
mit einer Dissertation ab, die seine
            Passionen kombinierte.                  Austragung des Turniers 1923 hatte einen politischen Zweck, nämlich Vertre-
                                                    ter der Konfliktparteien des Ersten Weltkriegs auf dem Eisfeld zusammenzu-
                                                    bringen und im Geiste der 1920er-Jahre dem Weltfrieden zu dienen. Seither
                                                    wurden im Rahmen des Spengler Cups zahlreiche politisch brisante Spiele
                                                    ausgetragen. So nahm zur Zeit des Dritten Reichs noch bis 1941 eine Berliner
                                                    Mannschaft am Turnier teil. Das Kräftemessen zwischen nordamerikani-
                                                    schen Equipen und Mannschaften aus dem Ostblock wurde zur Legende.

                              Mai 2021    Daniel Derungs
  Gebunden. ca. 336 S., ca. 28 Abb. sw.
              ca. CHF 48 / ca. EUR 48     HCD 1921–2021
            ISBN 978-3-0340-1614-8        Die Geschichte des Hockey Clubs Davos: gesellschaftliche,
                                          wirtschaftliche und politische Perspektiven
          ISBN 978-3-0340-1614-8

           9 783034 016148
                   14
Arzt in bewegter Zeit

                                                             Mehr als die Hälfte seines Arbeitslebens
                                                             verbringt der aus grossbürgerlicher Familie
                                                             stammende Schaffhauser Hermann Peyer
                                                             (1874–1923) fern seiner Heimatstadt. Er
                                                             betätigt sich als Praxisarzt in Port Elizabeth,
                                                             als Eisenbahnarzt in Namibia, als Rot-Kreuz-
                                                             Arzt in Montenegro und wird zu Beginn des
                                                             Ersten Weltkriegs Chef des dortigen Militär-
                                                             sanitätsdienstes. Dazwischen wirkt er als
                                                             Kurarzt in Mürren, das von illustren Gästen
                                                             aus der englischen Gesellschaft besucht
             Biographie
                                                             wird.
                                                               Peyer erlebt den Burenkrieg in Südafrika, den Deutsch-
                                                               Namibischen Krieg in Deutsch-Südwestafrika und die
                                                               Belagerung von Skutari durch Montenegro im Ersten Bal-
                                                               kankrieg, manchmal ferner, manchmal näher und einmal
                 Hans Berger-Peyer        unmittelbar am Ort des Geschehens.
    studierte Geschichte, Schweizer
                                          Er trifft Einheimische, Engländer und Deutsche, hohe Kolonialbeamte, Of-
 Geschichte und Germanistik an der
  Universität Zürich. Er promovierte      fiziere, Ärzte und den montenegrinischen König mit seiner Entourage. Er
   mit einer Dissertation zum «Alten      begegnet schwarzen Kriegsgefangenen beim Eisenbahnbau und in Konzen-
Zürichkrieg im Rahmen der europäi-
        schen Politik» (1978). Er war     trationslagern, montenegrinischen Soldaten im Kampf und der englischen
   1976– 2011 Lehrer für Geschichte       Elite in Mürren. Er ist beteiligt an den ersten Diamantenfunden in Namibia
  und Deutsch und 1984–2009 Pro­
                                          und betätigt sich dort auch als Farmer.
rektor am Freien Gymnasium Zürich.
                                          In über dreihundert Briefen und Karten berichtet Peyer von seiner Arbeit, sei-
                                          nen Eindrücken, Begegnungen und Erlebnissen nach Hause. Diese faszinie-
                                          renden Quellen zur Kolonial-, Militär-, Medizin- und Tourismusgeschichte
                                          geben, ergänzt durch Tagebücher, Akten und Fotografien Peyers und einge-
                                          bettet in den geschichtlichen Zusammenhang, Einblick in das Leben eines
                                          aussergewöhnlichen Arztes in bewegter Zeit.

                             März 2021    Hans Berger-Peyer
                  Gebunden. ca. 320 S.,
            ca. 200 Abb. farbig und sw.   Südafrika, Namibia, Mürren, Montenegro
                ca. CHF 48 / ca. EUR 48   Der Schaffhauser Arzt Hermann Peyer (1874–1923)
              ISBN 978-3-0340-1613-1

           ISBN 978-3-0340-1613-1

            9 783034 016131
                   15
Macht ausüben in
                                                            Liechtenstein

                                                                              Das Fürstentum Liechtenstein, 1719 entstan-
            LUKAS HÖHENER

                                           Arthur Brunhart (Hg.)
                                                                              den aus der Vereinigung der reichsunmittel­
                                           Herrschaft
                                                                              baren Herrschaft Schellenberg und der
                                           und Repräsentation                 Grafschaft Vaduz, feierte zwischen 1999 und
                                           Dynastien, Prestige und Macht      2019 mehrere aus historisch-staatspoliti-
                                           in Liechtenstein 1400–1900
                                                                              scher Sicht bedeutende Jubiläen. Den Anfang
                                                                              der damit verbundenen Anlässe bildete eine
PÄDAGOGEN IN DER POLITIK

                                                                              vom Historischen Lexikon des Fürstentums
                                                                              Liechtenstein durchgeführte wissenschaft­
                                                                              liche Tagung.
                                                                               Die Referate griffen zentrale Aspekte der seit dem Spät-
                                                                               mittelalter in Schellenberg und Vaduz wie dann in Liech-
                                                                               tenstein regierenden Adelshäuser auf. Das heute wie
                                                                               damals hochaktuelle Rahmenthema bildete die Frage
                                                                               nach der gegenseitigen Bedingtheit von Herrschaft und
                                                                               Formen dynastischer und politischer Repräsentation. Es
                                                           ging dabei um Kernprobleme des «Landes» und der Landesherrschaft, um
                                                           Integration und Herrschaft als soziale Praxis, um mentale, symbolische oder
                                                           politische Repräsentation, um dynastisch-familiäre Selbstbehauptung, um
                                                           Herrschaftswechsel und Huldigungen als konstitutive Rechtsakte. Die an­
                                                           regenden, innovativen Beiträge veranschaulichen die Themen am Beispiel
                                                           der seit dem 14. Jahrhundert in Folge regierenden Dynastien Werdenberg-
                                                           Vaduz, Brandis, Sulz, Hohenems und Liechtenstein.

                                          Februar 2021     Arthur Brunhart (Hg)
                                     Gebunden. 264 S.,
                                 58 Abb. farbig und sw.    Herrschaft und Repräsentation
                                ca. CHF 48 / ca. EUR 48    Dynastien, Prestige und Macht in Liechtenstein, 1400–1900
                              ISBN 978-3-0340-1633-9

                            ISBN 978-3-0340-1633-9

                            9 783034 016339
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Wider das Vergessen                                                                                  Katholisch bleiben

                                         MURENSIA 8                                                                                           MURENSIA 9

                                                                            Kurztext
M. KEUSCH, C. KÜNZLE

                                                                                                     M. KEUSCH, C. KÜNZLE
                                         MELANIE KEUSCH, CORNELIA KÜNZLE                                                                      DOMINIK SAUERLÄNDER

                                         Verzeichnetes                                                                                        Die Reformation
VERZEICHNETES TOTENGEDENKEN

                                                                                                     VERZEICHNETES TOTENGEDENKEN
                                         Totengedenken                                                                                        in den Freien Ämtern

                                         Nekrolog und Jahrzeitbuch von                                                                        Beispiel einer gescheiterten
                                         Hermetschwil (12.–17.Jahrhundert)                                                                    Landreformation
MURENSIA 8

                                                                                                     MURENSIA 9

                                                                           ISBN 978-3-0340-0000-0

                                                                            9 783034 000000

                              Das Totengedenken hatte im mittelalterlichen                                                         Die Reformation hatte sich seit 1523 von der Zür­
                              Alltagsleben grosse Bedeutung. Mit zunehmender                                                       cher Landschaft aus rasch in der Landvogtei der
                              Verschriftlichung wurden Bücher angelegt, die die                                                    Freien Ämter verbreitet. Nur die Ämter Meienberg
                              Namen der Toten aufführten, derer gedacht und                                                        und Bettwil blieben beim alten Glauben. In den
                              für deren Seelenheil gebetet wurde – so auch im                                                      anderen Ämtern wandte sich ein Grossteil der Be­
                              Benediktinerinnenkloster in Hermetschwil.                                                            völkerung dem neuen Glauben zu. In Muri selber
                              Gegenstand der Untersuchung sind der Nekrolog,                                                       gab es eine starke reformierte Minderheit.
                              der aus dem 12. Jahrhundert stammt und bis etwa                                                      Im ersten Kappeler Landfrieden wurden die neuen
                              1320 in Gebrauch war, sowie das Jahrzeitbuch I, das                                                  Glaubensverhältnisse in den Freien Ämtern von den
                              von 1441 bis 1707 geführt wurde. Über die Namen der                                                  katholischen Orten akzeptiert. Dies änderte sich
                              Verstorbenen hinaus liefern beide Bücher Angaben                                                     nach dem zweiten Kappeler Krieg. Die katholischen
                              zu Stiftern, Stiftungsgütern und zum Umkreis, aus                                                    Orte nahmen die Freien Ämter nicht in den Land-
                              dem die Wohltäter des Klosters stammten. Sie sind                                                    frieden auf und rekatholisierten sie konsequent.
                              Beispiele dafür, wie die Ökonomie der Memoria                                                        Die Ereignisse sind in verschiedenen älteren Ar-
                              funktionierte. Zugleich geben sie Auskunft über Stif-                                                beiten ausführlich dargelegt. Neuere Forschungs-
                              terpersönlichkeiten – zum Beispiel über Mechthild                                                    ergebnisse ermöglichen es nun, das Beispiel einer
                              von Schönenwerd (13. Jahrhundert) und Anna Brun-                                                     gescheiterten Landreformation im Freiamt in den
                              ner von Glarus (1655–1697), beide Ordensschwestern                                                   grösseren Zusammenhang zu stellen, nach den
                              aus wohlhabenden Verhältnissen.                                                                      Ursachen und Folgen zu fragen und weitere, bisher
                                                                                                                                   weniger beachtete Aspekte zu diskutieren.

                              Melanie Keusch, Cornelia Künzle                                                                      Dominik Sauerländer
                              Verzeichnetes Totengedenken                                                                          Die Reformation in den Freien Ämtern
                              Nekrolog und Jahrzeitbuch von Hermetschwil                                                           Beispiel einer gescheiterten Landreformation
                              (12.–17. Jahrhundert)
  Murensia, Band 8. April 2021. Broschur ca. 64 S., ca. 20 Abb.                                       Murensia, Band 9. April 2021. Broschur ca. 64 S. ca. 20 Abb.
ISBN
  CHF978-3-0340-1444-1
      12 / EUR 12. ISBN 978-3-0340-1444-1                                                             CHF978-3-0340-1628-5
                                                                                                    ISBN  12 / EUR 12. ISBN 978-3-0340-1628-5

9 783034 014441                                                                                     9 783034 016285
                                    17
Lektüre für ein
                                                gelingendes Leben

                        Daniel Derungs
                                                                    Das Buch beleuchtet Aspekte von Bildung,
                                                                    die zurzeit eher wenig beachtet werden.
                                                                    Es nennt Zielsetzungen, welche sich an der
                                                                    Gestaltung eines «gelingenden Lebens»
                                                                    orien­tieren, und fragt nach Möglichkeiten
                                                                    der Annäherung an sie. Besonders richtet
                                                                    es die Aufmerksamkeit auf den Umgang mit
                                                                    Literatur: Welche Chancen zeichnen acht­
                 Bildung als Verantwortung                          sames Lesen aus, und welche Konsequenzen
                 Anregungen für Unterrichtende und
                 alle, die sich mit Literatur beschäftigen
                                                                    er­geben sich daraus für die Wahl von Texten?
                                                                    Es werden auch Werke vorgestellt, die wich-
                 Jürg Beat Honegger
                      Die Geschichte des Hockey Clubs Davos:
                      Gesellschaftliche, wirtschaftliche und
                                                                    tige Themen veranschaulichen und sich für
                                                                    die Lektüre im Unterricht eignen.
                      politische Perspektiven

                                                                    «Bildung» wird hier in einem weiten Sinn als ein Vor-
                                                                    gang verstanden, der uns Menschen und unser Verhältnis
                Jürg Beat Honegger              zueinander und zur Welt formt. Irgendwelche Bildung geschieht immer und
     geb. 1945 in Zürich, Studium in
                                                überall. Um positive Entwicklungen zu fördern, gilt es die Vielfalt bildender
      Zürich und Paris. Dissertation:
 «Das Phänomen der Angst bei Franz              Wirkungen ins Bewusstsein zu heben. Dabei tauchen ungewohnte Zusam-
  Kafka» (1975). Bis 2006 Lehrer für            menhänge wie derjenige zwischen Bildung und Bildern auf. Es ist aber auch
 Deutsch, Philosophie und Psycholo-
gie sowie Schüler- und Elternberater            an solche zu erinnern, deren Bedeutung bekannt sein dürfte und die den-
      an einem Zürcher Gymnasium.               noch gerne übergangen werden: Bezüge etwa zwischen Bildungsprozessen
                                                und der ganzheitlichen Entwicklung von Personen und deren Zugang zu
                                                Ressourcen und Resilienz. Anders als bei der Konzentration auf «Kompeten-
                                                zen» (Skills) und quantitative Messbarkeit kommt es bei einer differenzierte-
                                                ren Sicht von Bildung mindestens so sehr auf Inhalte an. Entsprechend dem
                                                hier vertretenen humanistischen Menschenbild wird die Aufmerksamkeit
                                                weniger auf die Förderung der ökonomischen Brauchbarkeit von Menschen
                                                gerichtet als vielmehr auf eine Bildung, welche auch Aspekte wie Selbst-
                                                kenntnis und die Verwurzelung in Zeit und Geschichte berücksichtigt. Solche
                                                Bildung, bei der das Lesen eine besondere Rolle spielen kann, hilft, auch mit
                                                den Schattenseiten des Lebens zurechtzukommen und sich konstruktiv und
                                                engagiert an ihm zu beteiligen.

                             April 2021         Jürg Beat Honegger
                  Gebunden. ca. 480 S.
                ca. CHF 38 / ca. EUR 38         Bildung als Verantwortung
              ISBN 978-3-0340-1626-1            Anregungen für Unterrichtende und alle, die sich mit Literatur beschäftigen

           ISBN 978-3-0340-1626-1

            9 783034 016261
                   18
Illusion Geschichte

                                                           Geschichte ist gefragt und Dienerin man-
                                                           ches Herrn. Es werden ihr Eigenschaften und
                                                           Fähig­keiten verliehen; man verehrt oder
                                                           fürchtet sie. An der Existenz der Geschichte
                                                           zweifelt kaum jemand und viele stellen sie
                                                           sich als höhere Macht vor.
                                                                  Die Geschichtsgläubigkeit des modernen Menschen ist
                              NORBERT FURRER                      an die Seite oder an die Stelle des traditionellen Gottes-
                                                                  glaubens getreten – die Geschichtsphilosophie vertritt die
                                                                  Theologie, historische Notwendigkeit und historisches
                                                                  Gesetz die Heilsordnung, der Gang der Geschichte die
                            DIE GESCHICHTSGLÄUBIGKEIT             göttliche Vorsehung. Die Sakralisierer der Geschichte imi-
                             DES MODERNEN MENSCHEN
                                                                  tieren die Riten, tragen die Gewänder, benutzen die Bilder
                                                                  und reden die Sprache der kirchlichen Religiosität.
                                                                  Gehuldigt wird der Geschichte in den Nationalstaaten:
                                                                  Jeder von ihnen schafft sich seine Geschichte, schart
                                                                  die Bürger um sie und pflanzt sie deren Kindern ein. Das
                      Norbert Furrer          Buch zeigt, wie wir mit dem Wort «Geschichte» umgehen und wie und wo
 geb. 1951, Studium der Geschichte,
                                              wir der Gottheit «Geschichte» huldigen; es beleuchtet die gesellschaftlichen
 der Linguistik, der russischen Spra-
che und Literatur an den Universitä-          Dimensionen und Akteure dieser Huldigung; es interessiert sich für die Sym-
ten Lausanne und Moskau. Bis 2016             ptome der chronischen «Berauschung an der Geschichte». Näher betrachtet
   Dozent für Geschichte der Frühen
    Neuzeit an der Universität Bern.          werden der omnipräsente Leninkult in der UdSSR und die vielfältigen For-
                                              men des «Geschichtsdienstes» in der Schweiz: Denkmäler, Historiengemälde
                                              und -filme, historische Museen, Romane und Bühnenwerke, Jubiläen und
                                              Gedenkmünzen, historischen Persönlichkeiten gewidmete Banknoten und
                                              Briefmarken, Namen von Strassen und Plätzen, lokale, kantonale und schwei-
                                              zerische Geschichtsvereine. Zum Schluss wird nach Antworten der Historiker
                                              auf die verführerischen Erzählungen der Geschichtsmythen gefragt.

                          März 2021      Norbert Furrer
              Gebunden. ca. 288 S.,
              12 Abb. farbig und sw.     Statt Gott
                   CHF 48 / EUR 48       Die Geschichtsgläubigkeit des modernen Menschen
           ISBN 978-3-0340-1617-9

         ISBN 978-3-0340-1617-9

         9 783034 016179
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Leistung der Schule messen

                                                                                        In vielen Ländern werden standardisierte
               SUSANNE ENDER

                                                           SUSANNE ENDER
                                                                                        Tests eingesetzt, um die Leistungen der
                                                                                        Schülerinnen und Schüler an festgelegten
                                                           BILDUNGS-                    Standards zu messen. International verglei-
                                                           STANDARDISIERUNG             chende Leistungsmessungen wie PISA haben
                                                           IM POLITISCH-
                                                                                        diese Entwicklung angestossen und voran-
    POLITISCH- ADMINISTRATIVEN KONTEXT

                                                           ADMINISTRATIVEN
                                                                                        getrieben. Während die Schweiz 2015 noch
    BILDUNGSSTANDARDISIERUNG IM

                                                           KONTEXT
                                                                                        als Land ohne nationales Testsystem hervor-
                                                           EINE ANALYSE DES DISKURSES
                                                           AUF INTERNATIONALER EBENE
                                                           UND IN DER SCHWEIZ
                                                                                        stach, fügt sie sich heute in die Reihe der
                                                           SEIT ENDE DER 1980ER-JAHRE
                                                                                        Länder mit solchen Tests ein. Ist die Schweiz
                                                                                        damit Teil eines entstehenden globalen Bil-
                                                                                        dungswesens geworden?
                                                                                       In dieser Studie wird die Schweizer Bildungsstandardi-
                                                                                       sierung in die Geschichte des Schweizer Bildungswesens
                                                                                       eingeordnet. In drei Zeiträumen werden Projekte betrach-
                                                                                       tet, in denen schweizerische und internationale Akteure
                      Susanne Ender                                zusammenarbeiteten und zur Standardisierung beitrugen: die statistischen
   hat Kulturwissenschaften und Er-
                                                                   Bildungsindikatoren Ende der 1980er-Jahre, die erste PISA-Studie im Jahr
 ziehungswissenschaft studiert. Sie
   arbeitet am Institut für Bildungs­                              2000 und das Schweizer Bildungsmonitoring ab 2009. Als Akteure stehen das
evaluation in Zürich und beschäftigt                               Bundesamt für Statistik, die Schweizerische Konferenz der Kantonalen Erzie-
     sich mit aktuellen bildungspoli-
    tischen Fragen in den Bereichen                                hungsdirektoren und die OECD im Mittelpunkt.
 Bildungsevaluation und Leistungs-                                 Die Autorin trägt in ihrer Studie zur Erforschung der jüngeren Entwicklun-
                            messung.
                                                                   gen im Schweizer Bildungswesen bei und bearbeitet bislang kaum erschlos-
                                                                   sene Quellen. In theoretischer Hinsicht geht sie über den bereits erforschten
                                                                   Einfluss internationaler Geschehnisse auf nationale hinaus und betrachtet
                                                                   Bildungsstandardisierung als «travelling policy». So lässt sich internationale
                                                                   Bildungsgeschichte als Teil der Schweizer Bildungsgeschichte und Schwei-
                                                                   zer Bildungsgeschichte als Teil der internationalen Bildungsgeschichte
                                                                   auffassen.

  Historische Bildungsforschung, Band 7                            Susanne Ender
                           Februar 2021
                    Gebunden. ca. 288 S.                           Bildungsstandardisierung im politisch-administrativen Kontext
                 ca. CHF 48 / ca. EUR 48                           Eine Analyse des Diskurses auf internationaler Ebene und in der Schweiz
               ISBN 978-3-0340-1615-5
                                                                   seit Ende der 1980er-Jahre
                                         ISBN 978-3-0340-1615-5

                                         9 783034 016155
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