Helfen. Zukunft geben! - Fördern - Brost-Stiftung

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Helfen. Zukunft geben! - Fördern - Brost-Stiftung
Helfen.
           Fördern.
Jahrbuch 2020/21

        Zukunft
                   geben!

        10 Jahre Brost-Stiftung
Helfen. Zukunft geben! - Fördern - Brost-Stiftung
Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021       Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021                                                                        Vorwort

Immer wieder Anfang                                                        kennen, brachliegende Ressourcen zu aktivieren und die „Region“ als
                                                                           attraktiven Lebensraum zu fördern. Frei nach Bertolt Brecht machen
Zehn Jahre Brost-Stiftung. Das rechtfertigt ein Jahrbuch, nicht nur die    wir uns von ihr ein Bild und wollen, dass sie ihm ähnlicher wird.
Dokumentation einer Etappe. Es ist auch Gelegenheit und Ort einer
Selbstbefragung. Was sind und zu welchem Ende gibt es Stiftungen?          Im letzten Jahr war die Pandemie ein scharfer Gegner. Ein Winzling
Sie sind wichtiges Element der Bürgergesellschaft.                         aus wenigen Eiweißmolekülen versetzte dieses Land – und die ganze
                                                                           Welt – in einen Dauerstress. Ohne die geringsten moralischen Skrupel
Geschützt und gestützt durch Verfassung, Gesetze und staatliche Insti-     tötete er Millionen Menschen, warf Unzählige aus der Bahn, richte-
tutionen agieren sie in den Zwischenräumen der Gesellschaft. Sie ent-      te flächendeckenden Flurschaden in Wirtschaft und Kultur an. Alle
decken Defizite und nicht genutzte Möglichkeiten. Sie warten nicht         Kräfte waren gefordert, viele waren überfordert, die besondere Natur
auf Steuerung durch Politiker und deren Anleitung. Die Präambel            des Angreifers zu entziffern und geeignete Abwehrstrategien zu entwi-
ihrer Satzung bekennt sich vielleicht zum großen Ganzen, ihre Projekte     ckeln. In schonungsloser Klarheit zeigten sich Stärken und Defizite.
entdecken und bearbeiten jedoch das Konkrete, Spezielle und Akute.
                                                                           Man könnte beklagen, was alles durch Corona ver- oder behindert
Wenn sie sich ernst nehmen und treu bleiben, sind sie nicht statischer     wurde. Wir freuen uns, wie vieles trotzdem zustande kam. So konnten
Besitz, sondern dynamisches Werkzeug. Sie sind nahe an den Graswur-        wir größte Not lindern helfen („Wir im Revier“) und kreative Wege im
zeln, können rasch und flexibel handeln, angstfrei experimentieren         Pandemiemanagement nutzen (3-D-Brillen / Musik am Nachmittag
und sich mit Gleichgesinnten verbünden. Sie dürfen sich aber keiner        draußen vor den Heimen / Lernhilfe beim Homeschooling im Haus
politischen Partei oder Gruppierungen verpflichten. Auch deshalb ist       Eintracht). Auch das Projekt „Ruhrgebiet besser machen“ konnten
ihnen von der Allgemeinheit, die unser Gemeinwesen finanziert, Steu-       wir gegen Corona umsetzen bis hin zu konkreten Maßnahmen wie
erfreiheit geschenkt worden. Ihre Entscheidungswege sind kurz, der bü-     den interkulturellen Stadtspaziergang, neue Graffitigestaltung und
rokratische Aufwand gering. Lange bevor sich die Mühlen staatlicher        Baumscheibenpatenschaften in den Partnerstädten. Zusammen mit
Behörden knirschend in Gang setzen und oft nicht wissen, woher der         dem Initiativkreis Ruhr und dem Verkehrsministerium entstanden
Wind weht, backen Stiftungen schon das Brot.                               Impulse für die Mobilität der Zukunft in einer menschenfreundlichen
                                                                           Urbanität.
Im demokratischen Staat sind sie nicht Zutat, nicht das von einer gnä-
digen Obrigkeit genehmigte Petersiliensträußchen auf der Schlachtplat-     Das Buchprojekt „Die Ruhr und ihr Gebiet“ wurde ein großer Erfolg.
te, sondern das beim Wort genommene System. „Die Bürgergesellschaft        In zwei Bänden öffnete sich hier ein – für Augen, Verstand und Herz –
ist mächtiger Kustode der bürgerlichen Freiheiten und Rechte. Es ist die   begehbarer Raum, wo sich Vergangenheit und Gegenwart, Natur und
Zivilgesellschaft, die immer wieder neue Räume bürgerlicher Freiheit       Kultur, Arbeit und Freizeit die Hände geben. – Schließlich hatte auch
erschließt, erobert, einnimmt oder vergrößert, Räume, die immer neu        der junge Brost-Ruhr Preis einen viel beachteten Start. Mit Innen-
in Bewegung sind. Sie bewahrt die Grundrechte, indem sie immer wie-        minister Herbert Reul und dem vormaligen WDR-Intendanten Fritz
der das Verhältnis des Einzelnen zu seinem Staat herausfordert und         Pleitgen wurden Persönlichkeiten geehrt, die dem Revier markante
oftmals neu justiert. Die Zivilgesellschaft geht bei gesellschaftlichen    Konturen gegeben haben. Dem Statut gemäß kam das Preisgeld ge-                                                             Lange bevor sich die Mühlen staatlicher Behörden
Entwicklungen voran, sie ist der Impulsgeber des Wandels, sie gestaltet    meinnützigen Initiativen zugute. Der großartige Metropolenschreiber                                                        knirschend in Gang setzen und oft nicht wissen, woher
den Prozess.“ (Michael Göring)                                             Dr. Wolfram Eilenberger konnte noch vielen Menschen ohne Maske                                                             der Wind weht, backen Stiftungen schon das Brot.“
                                                                           begegnen und vieles erleben. Er lässt uns an seinen Eindrücken teilha-                                                     Prof. Bodo Hombach
Wie wichtig diese Struktur des demokratischen Staates ist, zeigt sich      ben. Sein Nachfolger Ariel Magnus ist durch das Virus eingeengt, nicht
auch daran, dass sie autokratischen Systemen immer ein Dorn im Auge        isoliert, aber doch gefesselt worden. Auf seine Reflexionen aus schwie-
ist. Nach der Machtübernahme steht sie ganz oben auf der Abschusslis-      riger Zeit dürfen wir uns besonders freuen.
te. Sie wird diffamiert, behindert, bedroht und zuletzt verboten.
                                                                           Ich habe hier keinen Vollständigkeitsanspruch.
Stiftungen unterscheiden sich von lockeren und flüchtigen Formen der       Mit Freude und Genugtuung dürfen wir auf dieses erste Jahrzehnt zu-
Bürgerbeteiligung. Wie diese sind sie dynamischer Faktor, haben aber       rückblicken. Aus tastenden Versuchen wurden gezielte Maßstäbe und
durch ihren gesetzlichen Rahmen, ihre Satzung und eine geregelte Ent-      geübte Verfahren. So wie hier das Lebenswerk der Anneliese Brost über
scheidungsfindung eine höhere Konsistenz und Nachhaltigkeit, sogar         ihren Tod hinaus weiter besteht, so ist auch die Bilanz der zehn Jahre
einen Ewigkeitsanspruch. Damit verstetigen sie Positionen und Ent-         „work in progress“. Der Rückblick ist Ausblick.                                         Prof. Bodo Hombach
wicklungen über den aktuellen Anlass hinaus. – Natürlich dürfen sie
keine Ziele unterstützen oder gar selbst verfolgen, die der verfassungs-   „Immer wieder Anfang“. Das wäre ein gutes Motto. Allen ein großes
                                                                                                                                                                   Seit 2020 ist Prof. Bodo Hombach
mäßigen Grundordnung widersprechen. Freiheit und Verantwortung             Dankeschön, die das erdacht, geplant, organisiert und realisiert haben.
sind untrennbar verbunden.                                                 Besonderer Dank meinen Vorstandskollegen Herrn Dr. Sacher und                           Vorstandsvorsitzender der
                                                                           Herrn Dr. Berger und auch dem sehr hilfreichen Kuratorium unter                         Brost-Stiftung. Zuvor war er
Das hier nun vorgelegte Jahrbuch der Brost-Stiftung spiegelt etwas         dem Vorsitz von Herrn Prof. Dr. Engels. Er ist dem Vorstand wichtiger                   seit Gründung der Stiftung
Theorie, aber viel Praxis von zahlreichen Projekten. Aus wechselndem       Ratgeber und Stütze. Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbei-                     Stellvertreter des damaligen
Blickwinkel hatten sie alle das Ziel, „das Ruhrgebiet besser zu machen“    tern, allen hilfreichen Händen und Köpfen und denen, die es wenigs-                     Vorsitzenden Prof. Dr. Wolfgang
(wie ein besonders gelungenes Projekt heißt) oder die guten Seiten des     tens geschehen ließen.
                                                                                                                                                                   Heit. Als enger Vertrauter von
Reviers sichtbarer zu machen. Die wunderbaren Fotos von Till Brön-
ner, die nun als Botschaft und Botschafter des Reviers zur erfolgrei-      Herzlich von der Ruhr                                                                   Anneliese Brost war er von der
chen Wanderung angetreten sind, sind ein Beispiel dafür. In einer Zeit     mit freundlichen Grüßen                                                                 Stifterin selbst in den Vorstand
tiefgreifenden Wandels muss es uns darum gehen, die Zeichen zu er-         Bodo Hombach                                                                            berufen worden

2                                                                                                                                                                                                                                                                  3
Helfen. Zukunft geben! - Fördern - Brost-Stiftung
Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021   Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021                                          Inhalt

Inhalt

Erfolgsgeschichte und Selbstbefragung                                                       2–3           Strategien für die Zukunft                                            58 – 59
Vorstandsvorsitzender Prof. Bodo Hombach blickt auf 10 Jahre                                              Dr. Boris Berger über die Herausforderungen einer Finanzplanung
erfolgreicher Stiftungsarbeit – und weit darüber hinaus                                                   in Niedrigzinszeiten. Und wie die Brost-Stiftung Arbeitsplätze
                                                                                                          der Zukunft gestaltet

Partner für Mobilität und Klimaschutz                                                       6–9
Unterstützt vom Initiativkreis Ruhr und dem Verkehrsministerium NRW                                       Solidarität gegen Corona und Flutwelle                                60 – 63
sucht die Brost-Stiftung nach Lösungen für modernen Cityverkehr                                           Mit zwei Hilfsaktionen zeigen die Menschen der Region,
                                                                                                          unterstützt von Großspendern, dass man den Nachbarn
                                                                                                          nicht alleine lässt
Wie Armut krank macht                                                                   10 – 11
Eine Studie belegt, dass Menschen aus prekären Verhältnissen im
Gesundheitswesen vernachlässigt werden. Vor allem im Ruhrgebiet
                                                                                                          Unterstützer und Verbündete                                           64 – 67
                                                                                                          Herbert Reul und Fritz Pleitgen sind die ersten Preisträger
                                                                                                          des „Brost-Ruhr Preises“. Sie haben sich auf vielfältige Weise
Selbstbestimmt bis zum letzten Atemzug                                                  12 – 13           um die Region verdient gemacht
Die Uniklinik Essen will schwer krebskranken Patienten helfen,
im Alter noch ein menschenwürdiges Leben zu führen

                                                                                                          Erfolg hat drei Buchstaben: TUN!                                      68 – 75
                                                                                                          Die Übersicht aller Stiftungsprojekte
Lernen für ein besseres Leben                                                           14 – 15
Im Haus Eintracht gibt der Orden der Amigonianer den Kindern
nicht nur Nachhilfe, sondern auch so etwas wie ein Zuhause
                                                                                                          Wenn Mozart das Herz wärmt                                            76 – 77
                                                                                                          „Musik am Nachmittag“ bietet Senioren eine willkommene Abwechslung
                                                                                                          im Heimalltag. Besonders in Coronazeiten
10 Jahre – 13 Leuchttürme                                                               16 – 51
Von rund 150 Projekten haben in der 10-jährigen Stiftungsarbeit
einige Strahlkraft weit über das Ruhrgebiet hinaus entwickelt
                                                                                                          Geschichte(n) im Fluss                                                78 – 83
                                                                                                          Zwei fulminante Bände befassen sich mit Heimat und Leben an
„Das Ruhrgebiet im Herzen, die Welt im Blick“                                           52 – 53           der Ruhr. Ein- und Ausblicke zwischen Quelle und New York
Im Interview erläutert Vorstandsmitglied Dr. Thomas Sacher
das weitreichende Vermächtnis von Stifterin Anneliese Brost
                                                                                                          Pandemie und Flüchtlingsströme                                        84 – 85
                                                                                                          Covid 19 hat die Rolle der Wissenschaft in der politischen Debatte
Fördern, helfen, Zukunft geben!                                                         54 – 57           verändert. Virologe Prof. Dr. Hendrik Streeck über Krisenmanagement
Der Finanzbericht der Brost-Stiftung                                                                      und weltweite Coronafolgen

4                                                                                                                                                                                         5
Helfen. Zukunft geben! - Fördern - Brost-Stiftung
Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021     Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021                                                                                  Mobilität im Ruhrgebiet

                 Starke Partner machen
                         mobil
                       Gemeinsam mit dem Initiativkreis Ruhr und dem Verkehrsministerium NRW
                        arbeitet die Brost-Stiftung an Lösungen für moderne Mobilität im Revier

                                                  Das gemeinsame Ziel steht: Die Lebens-       pandemie gibt dem Onlinehandel einen           nur Analyse und innovative Lösungen,          nem Stadtviertel Innovationen nicht nur
                                                  qualität der Menschen im Ruhrgebiet          zusätzlichen kräftigen Schub“, so Buch.        sondern auch eine Übersicht über Förder-      auf den Feldern Mobilität und Wohnen,
                                                  nachhaltig verbessern. Und den Weg           „Doch das hat Folgen – besonders in den        möglichkeiten.                                sondern auch in der Digitalisierung sowie
                                                  dorthin wollen der Initiativkreis Ruhr       dicht besiedelten Städten des Ruhrgebiets.                                                   bei Bildung und Kultur bündeln. Buch:
                                                  und die Brost-Stiftung ein ganzes Stück      Die Paketzustellung verschärft die bereits     Buch: „Intelligente Lösungen sind gefragt.    „Ich bin sicher, dass uns die Expertise der
                                                  gemeinsam gehen!                             angespannte Verkehrslage weiter.“              Hier liefert der Leitfaden der Brost-Stif-    Brost-Stiftung in der Citylogistik wert-
                                                                                                                                              tung zur Citylogistik in Kommunen ganz        volle Impulse geben kann, und ich freue
                                                                                               Wertvolle Impulse zur Lösung des Pro-          konkrete Hilfestellung für die Verantwort-    mich auf den weiteren Austausch.“
                                                                                               blems liefert ein Projekt der Brost-Stiftung   lichen in den Städten.“ Prof. Bodo Hom-

                                                  G    erade haben die neuen Initiativkreis-
                                                       Moderatoren Rolf Buch und Dr. An-
                                                  dreas Maurer ihre Pläne zur Zukunft der
                                                                                               zum innerstädtischen Verkehr, aus dem
                                                                                               ein Handlungsleitfaden mit dem Titel
                                                                                               „Citylogistik in Kommunen“ hervorge-
                                                                                                                                              bach, Vorstand der Brost-Stiftung ergänzt:
                                                                                                                                              „Der vorliegende Leitfaden empfiehlt sich
                                                                                                                                              als Handlungsgrundlage für Kommunen,
                                                                                                                                                                                            Im Rahmen der Ruhr-Konferenz will
                                                                                                                                                                                            auch die Landesregierung die Mobilität
                                                                                                                                                                                            im Revier nachhaltig verbessern, durch
                                                  Region beschrieben, in deren Mittelpunkt     gangen ist.                                    die intelligent agieren und nicht mehr nur    bessere Vernetzung aller Verkehrsträger
                                                  der Themenkomplex „Infrastruktur und                                                        hektisch reagieren wollen.“                   sollen die Menschen besser, sicherer und
                                                  Mobilität“ steht. „Einkaufen im Internet     Agieren statt hektisch reagieren                                                             sauberer unterwegs sein. Verkehrsminis-
                                                  ist bequem, und die Läden haben dort                                                        Als Beispiel zur Gestaltung einer Infra-      ter Hendrik Wüst (CDU) erläutert im In-
                      Vonovia-Chef Rolf Buch      durchgehend geöffnet – 24 Stunden am         Auf über 30 Seiten finden Verantwort-          struktur der Zukunft in der Region will       terview die zentralen Herausforderungen       Prof. Bodo Hombach,
    ist neuer Moderator des Initiativkreis Ruhr   Tag, sieben Tage die Woche. Die Corona-      liche aus Politik und Verwaltung nicht         der Initiativkreis Ruhr beispielhaft in ei-   einer zukunftsfesten Verkehrsplanung.        Vorstandsvorsitzender der Brost-Stiftung
6                                                                                                                                                                                                                                                                                     7
Helfen. Zukunft geben! - Fördern - Brost-Stiftung
Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021      Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021                                                                                   Mobilität im Ruhrgebiet

„Mobilität bedeutet                                                                                                                                                    Intelligente Ideen gegen
Klimaschutz“                                                                                                                                                             den Verkehrsinfarkt
Um dieses Ziel zu erreichen, hat das NRW-Ministerium für Verkehr u. a.                                                                                                              Neuer Leitfaden zur „Citylogistik im Ruhrgebiet“ zeigt Kommunen
das Bündnis #vorankommen NRW ins Leben gerufen. Es bringt Akteure                                                                                                                            Handlungsempfehlungen und    nd Fördertöpfe auf
aus Politik, öffentlicher Hand, Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und
Verkehrsbranche zusammen. Die Bündnispartner sollen die Bedeutung
einer funktionierenden, zukunftsorientierten Mobilität stärker im Bewusst-
sein der Gesellschaft verankern, durch frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung
mehr Akzeptanz für Infrastrukturprojekte schaffen.                                                                                                     Als das Projekt begann, waren die Probleme bereits groß und die Zahlenn
                                                                                                                                                       gewaltig. Durchschnittlich mehr als vier Millionen Pakete lieferte 20188
                                                                                                                                                       allein die Deutsche Post/DHL täglich an deutsche Haushalte. Nötig ist st
                                                                                                                                                       dazu ein Heer von Fahrzeugen, die den ohnehin angespannten Innen-     n-
Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste Bundesland,                                                       NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst                                                                          it-
                                                                                                                                                       stadtverkehr an den Rand des Infarktes bringen. Mit Erscheinen des Leit-
Deutschlands verkehrlich dichtester Ballungsraum und seit jeher                                                                                        fadens „Citylogistik in Kommunen – Impulse für eine stadtverträglicheche
ein zentrales Drehkreuz für den Austausch von Waren und                         schaffen den Anreiz, das eigene Auto in der Garage zu lassen. Das                                                                             au:
                                                                                                                                                       Auslieferung im Ruhrgebiet“ erreichen die Belastungen jetzt Rekordniveau:
Dienstleistungen in Europa.                                                     Ergebnis: Der Verkehr fließt besser, Mobilität wird sauberer, die      1,8 Milliarden Pakete brachte die Post 2020 an unsere Haustüren!
                                                                                Lebensqualität steigt.
Straßen und Schienenwege in NRW haben jedoch längst die Be-
lastungsgrenze erreicht und in Teilen schon überschritten. Um
den dringend notwendigen Erhalt, den Ausbau und die Moderni-
sierung der Infrastruktur möglichst zügig und effizient umsetzen
                                                                                Zu den Herausforderungen der Coronapandemie gehört ein
                                                                                rasanter Anstieg beim Onlineshopping. Wie kann man dies
                                                                                künftig managen?
                                                                                                                                                       D     ie Wachstumsraten im Onlinehandel
                                                                                                                                                             belegen Aktualität und Dringlichkeit
                                                                                                                                                       des Brost-Projektes „Mobilität im Ruhr-
                                                                                                                                                                                                      Herne zeigt sich ähnlich krea-
                                                                                                                                                                                                      tiv, konzeptionell wie in derr Na-
                                                                                                                                                                                                      mensgebung: Die Stadt hat   at das
zu können, müssen u. a. Möglichkeiten zur Beschleunigung und                    Wüst: „Wir müssen das Grundbedürfnis der Menschen auf ver-             gebiet“, das Stiftungsvorstand Prof. Bodo      Projekt „HeLM’19 – Hernee letzte
Vereinfachung von Planungs- und Bauprozessen gefunden werden.                   lässliche Versorgung mit den alltäglichen Dingen des Lebens            Hombach so zusammenfasst: „Zwei Jahre          Meile 2019” entwickelt und d dabei
                                                                                und den Wunsch nach einem lebenswerten Umfeld in Einklang              lang sondierten Fachleute die Verhältnisse,    u. a. mit einem lokalen Hersteller
                                                                                                                                                                                                                                 ersteller
Welche positiven Veränderungen dürfen die Menschen                              bringen. Das gelingt mit intelligenten Logistiklösungen. So stellen    in Kooperation mit dem Ministerium für         für elektrobetriebene Lieferfahr-
                                                                                                                                                                                                                                   ferfahr-
im Rahmen der Initiativen aus der Ruhr-Konferenz für                            wir den Warenverkehr in unseren Städten sicher – und reduzie-          Verkehr des Landes NRW und im Nahkon-          zeuge kooperiert.
den Verkehr in der Metropolregion Ruhrgebiet erwarten?                          ren gleichzeitig den Schwerverkehr auf unseren Straßen. Verkehr        takt mit den betroffenen Menschen dieser
Verkehrsminister Hendrik Wüst: „Mit der Ruhr-Konferenz setzt                    raus aus den Städten, Lebens- und Aufenthaltsqualität rein! Dazu       Region. Ein realistisches Bild der Proble-     Mit u. a. Mikrodepot-Konzepten
                                                                                                                                                                                                                                 onzepten
die nordrhein-westfälische Landesregierung ein beeindruckendes                  nutzen wir die Chancen der Digitalisierung und Vernetzung von          me und Ursachen, aber auch interessanter       zur nachhaltigen Warenverteilung
                                                                                                                                                                                                                                 verteilung
Zeichen des Aufbruchs. Mit 450 Millionen Euro für ein Systemup-                 Daten und Güterströmen. Warenlager vor der Stadt, Mikrodepots          Lösungsansätze sollte Bürger*innen auf-        auf der letzten Meile wollen
                                                                                                                                                                                                                                 n die Ver-
grade von Straßen- und U-Bahnsystemen machen wir Mobilität                      in der City und innovative, emissionsfreie Fahrzeuge für die Aus-      klären und Entscheidungsträger aufmun-         antwortlichen im dichtbesiedelten
                                                                                                                                                                                                                                besiedelten
besser. Mit der massiven Förderung des ÖPNV und innovativen                     lieferung auf der letzten Meile. Das spart Ressourcen und Weg-         tern.“ Wie diese aussehen können, zeigt der    Oberhausen die städtische he Logistik
Verkehrskonzepten schaffen wir die Voraussetzungen für eine                     strecken, schafft Platz und saubere Luft in der Stadt.“                neu erschienene, rund 30 Seiten starke Leit-   schadstoffärmer und stadtverträgli-
                                                                                                                                                                                                                                 dtverträgli-
dynamische, wirtschaftliche Entwicklung im Revier. Es geht um                                                                                          faden für Kommunen.                            cher organisieren.
effiziente Vernetzung aller Verkehrsträger. So machen wir Mobili-               Sie haben das Projekt „Citylogistik in Kommunen“,
tät besser, sicherer und sauberer.“                                             das sich mit dieser Thematik beschäftigt, vom Start weg                Bottrops Zukunft heißt „LOUISE“                60.000 Laster verstopfen
                                                                                begleitet. Wie bewerten Sie das Ergebnis?                                                                             NRW-Hauptstadt                                  denz steigend, wie der Trend zum Online-
Was heißt das konkret?                                                          Wüst: „Wenn es um zukunftsweisende Projekte geht, ist die Brost-       Fachleute analysieren die Ausgangssituati-                                                     shopping im Corona-Lockdown. Bei der
Wüst: „Die Zukunft der Mobilität ist vernetzt und digital – sowohl              Stiftung eine kompetente und verlässliche Partnerin. Die enge          on, stellen Handlungsfelder dar und liefern    „Die Zukunft der Mobilität ist vernetzt und     Rückkehr zur Normalität kehrt auch das
der Waren- und Güterverkehr als auch die Personenbeförderung.                   Vernetzung von zentralen Akteuren in der Metropole Ruhr und            schließlich Empfehlungen nebst Checkliste      digital – sowohl der Waren- und Güterver-       Problem der Schadstoffbelastung zurück.
Nur so können sich Mobilitätsangebote der Zukunft noch stärker                  eine interaktive Kommunikation ermöglichen eine neue Form der          und Fördermöglichkeiten. So sollen kom-        kehr als auch die Personenbeförderung“,
als bisher an den Bedürfnissen der Nutzer orientieren. An Mo-                   Zusammenarbeit. Der jetzt verfügbare Handlungsleitfaden kann           munale Verwaltungen im Ruhrgebiet in           erklärt NRW-Verkehrsminister Hendrik            Es braucht also langen Atem: Mindestens 46
bilstationen werden unterschiedliche Verkehrsträger miteinander                 dabei unterstützen, Chancen für den städtischen Güterverkehr in        die Lage versetzt werden, vielversprechende    Wüst (CDU), der das Projekt fachlich be-        Citylogistik-Projekte zählte das Fraunhofer-
vernetzt. Hier können die Menschen an einem guten Ort vom ei-                   Kommunen zu nutzen, Impulse für neue Kooperationen zu geben            Ansatzpunkte zu identifizieren und pas-        gleitete. „Es gilt unterschiedliche Verkehrs-   Institut in den vergangenen 21 Jahren in
genen Fahrrad in Bus und Bahn wechseln, auf Car-Sharing-Autos                   und helfen, die Metropole Ruhr noch lebenswerter zu machen.            sende Lösungskonzepte für die logistischen     träger, vom emissionsarmen Lkw über             Deutschland. Übrig geblieben ist davon nur
umsteigen oder für die letzte Meile ein Leihfahrrad oder E-Roller                                                                                      Herausforderungen vor der Haustür zu           E-Scooter bis zum Lastenfahrrad, zu kom-        eine Handvoll. Die abschließende Handrei-
mieten. Mobilstationen und intelligent vernetzte Angebote, die                  Wo sehen Sie Ihre zentralen Herausforderungen                          entwickeln. Die Umsetzung erfolgt direkt       binieren. Warenlager vor der Stadt sowie        chung aus dem Projekt „Mobilität im Ruhr-
digital geplant und bezahlt werden, machen Mobilität besser und                 bei der Gestaltung des Verkehrs von morgen?                            durch Initiativen aus den Partnerkommu-        Mikrodepots in der City können die Aus-         gebiet“ soll dagegen nachhaltig wirken.
                                                                                Wüst: „Über allem stehen die Mobilitätsbedürfnisse der Men-            nen Herne, Bottrop und Oberhausen.             lieferung auf der letzten Meile unterstützen.   Prof. Hombach: „Der vorliegende Leitfaden
                                                                                schen und der Anspruch, besser, sicherer und sauberer unterwegs                                                       Das spart Ressourcen und Wegstrecken,           ist ein Leitfaden für Kommunen, die intelli-
              Mobilität ist ein Motor für Wohlstand und wirtschaftliche         zu sein. Die Mobilität der Zukunft leistet einen Beitrag zum Kli-      Mithilfe einer digitalen Plattform will        schafft Platz und saubere Luft in der Stadt.“   gent agieren und nicht
              Entwicklung. Entsprechend wichtig ist die zukunftsorientierte     maschutz und steigert die Lebensqualität in unseren Städten und        Bottrop private Haushalte, lokale Wirtschaft                                                   mehr nur hektisch
              Entwicklung von Verkehrskonzepten und -infrastruktur der          suburbanen Räumen.                                                     und Logistik untereinander vernetzen und       Der Weg dahin ist weit: Allein in der Innen-    reagieren wollen.“
              Metropole Ruhr. Und zwar so, dass alle Verkehrsträger und                                                                                einen neuen Logistikdienst aufbauen. In        stadt Düsseldorfs, so Wüst, besteht zu übli-
              -teilnehmer berücksichtigt werden“.                               Deswegen fördern wir jeden Verkehrsträger mit seinen jeweiligen        dem „LOUISE“ genannten Projekt arbeitet        chen Zeiten ein Drittel des Straßenverkehrs     Den vollständigen
              NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst                                 Stärken und stellen Rekordsummen für bessere Mobilität bereit:         die Stadt unter anderem mit einem ortsan-      aus Lieferfahrten für den Onlinehandel –        Leitfaden finden
                                                                                auf Schiene und Straße, auf Wasser- und Radwegen.                      sässigen Logistikunternehmen zusammen.         mit 60.000 Lkw und Sprintern pro Tag. Ten-      Sie hier:
8                                                                                                                                                                                                                                                                                               9
Helfen. Zukunft geben! - Fördern - Brost-Stiftung
Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021    Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021                                                                                 Gesundheit & Soziales

Auch wenn sich der Arzt bemüht, verstehen viele Patienten
nicht wirklich, was ihnen fehlt oder wie sie sich im Sinne
der Gesundheit besser verhalten sollen

                                                                                                                                                                                            Nagel: „Zunächst sollten wir strukturelle      gung wird eine Vertrauensbasis geschaffen
                                                                                                                                                          Patienten wissen nicht,           Veränderungen angehen. Ein Gespräch            werden, die für eine erfolgreiche Behand-
                                                                                                                                                          welche Leistungen ihnen           mit einem behinderten Patienten dauert         lung essenziell ist.
                                                                                                                                                          zur Verfügung stehen.“            naturgemäß länger, also muss der Arzt
                                                                                                                                                                                            hierfür Abrechnungsmöglichkeiten be-           Ein weiterer Ansatzpunkt ist eine verstärk-
                                                                                                                                                                                            kommen. Finanzielle Anreize funktionieren      te Prävention oder die Ausweitung des
                                                                                                                                                                                            bekanntlich am besten. Darüber hinaus          Angebots von sogenannten „Gesundheits-
                                                                                                                                                                                            brauchen wir in Aus- und Fortbildung der       lotsen“. Diese Fachleute sollten stadtteilbe-
                                                                                                                                               Stellen die häufig geforderten Zuzahlun-     Ärzte den Schwerpunkt Sozial- und Kultur-      zogen überall dort eingesetzt werden, wo
                                                                                                                                               gen für ärztliche Leistungen eine zu hohe    sensibilität. Wie spreche ich als Arzt mit     sich Fragen der Gesundheitsversorgung
                                                                                                                                               Hürde für eine angemessene Behandlung        einem Menschen, wie drücke ich mich in         auftun, d. h. nicht nur in medizinischen
                                                                                                                                               von Patienten mit niedrigem Sozialstatus     einer leichten, verständlichen Sprache aus?“   Institutionen, sondern zum Beispiel auch
                                                                                                                                               dar?                                                                                        in allen Sozialeinrichtungen. Sie können
                                                                                                                                                                                            Welche weiteren Handlungsnotwendig-            in einer auf die Zielgruppe angepassten
                                                                                                                                               Nagel: „Die spannende Erkenntnis lautet      keiten bzgl. der Gesundheitsversorgung         Art und Weise helfen, den richtigen Arzt
                                                                                                                                               hier: Zuzahlungen werden vor allem von       ergeben sich darüber hinaus im Ruhrge-         zu finden, Termine zu vereinbaren oder
                                                                                                                                               Menschen, die es sich leisten können, als    biet?                                          Nachfragen zur Facharztbehandlung zu
                                                                                                                                               dominantes Problem empfunden! Zudem                                                         formulieren.
                                                                                                                                               könnten Patienten mit einem niedrigeren      Nagel: „Grundsätzlich ist eine zielgrup-
                                                                                                                                               sozialen Status möglicherweise erst gar      penspezifische Ausrichtung von Maßnah-         In der Gesamtschau müssen wir bestimm-

Gesundheitslotsen für
                                                                                                                                               nicht mit solchen Angeboten konfrontiert     men essenziell für eine Verbesserung der       te Denkschemen aufbrechen, wenn es gilt,
                                                                                                                                               werden, weil sie so eingeschätzt werden,     Situation. Unsere Studienergebnisse geben      ein 50- bis 70-fach erhöhtes Risiko zu er-
                                                                                                                                               als könnten sie sich z. B. IGEL-Leistungen   beispielsweise Hinweise auf einen beson-       kranken in bestimmten sozialen Gruppen
                                                                                                                                               sowieso nicht leisten. Auch ein geringeres   deren Handlungsbedarf im Bereich der           zu verringern. Dazu sollten wir differen-

die Menschen im Revier                                                                                                                         Bewusstsein darüber, welche Leistungen
                                                                                                                                               ihnen zur Verfügung stehen, könnte bei
                                                                                                                                               diesen Patienten ausschlaggebend sein.
                                                                                                                                                                                            Arzt-Patienten-Kommunikation. Ursache
                                                                                                                                                                                            hierfür ist die für die Patienten weniger
                                                                                                                                                                                            verständliche Fachsprache der Ärzte,
                                                                                                                                                                                                                                           zieren zwischen der Eigenverantwortung
                                                                                                                                                                                                                                           der Menschen und der Verantwortung
                                                                                                                                                                                                                                           der Gesellschaft. So muss auf vulnerable
Wer arm ist, wird deutlich öfter krank. Aus der Erkenntnis seiner Studie                                                                       Will man vermeiden, dass Menschen            aber auch ein zu geringes Verständnis der      Gruppen in der Gesundheitsversorgung
leitet Prof. Dr. Eckhard Nagel tiefgreifende Handlungsempfehlungen ab                                                                          aus vulnerablen Gruppen durch eine           Sprach- und Lebenssituation vulnerabler        noch mehr Rücksicht genommen und
                                                                                                                                               schlechte zahnmedizinische oder ortho-       Gruppen.                                       zielgerichtete Hilfestellungen angeboten
                                                                                                                                               pädische Versorgung zunehmend stig-                                                         werden.
                                                                                                                                               matisiert werden, braucht es hier einen
Welche Krankheiten lassen sich bei                  Kurierfahrer. Sie tragen also ein deutlich   Fachärzte zeigt sich das Problem, einen       Paradigmenwechsel.“                                       Sozial Schwache haben ein         Wenn bestimmte Gruppen in der Bevölke-
vulnerablen Gruppen (Jugendliche und                höheres Infektionsrisiko. Ähnlich kom-       Termin in einer akzeptablen Wartezeit zu                                                                50- bis 70-fach erhöhtes          rung ein systematisch höheres Risiko ha-
Ältere) mit niedrigem Sozialstatus ver-             plex verhält es sich mit dem Krankheits-     erhalten. Eine Besonderheit ist, dass über    Sie haben u. a. im Franz-Sales-Haus in                    Krankheitsrisiko.“                ben zu erkranken oder früher zu sterben,
mehrt feststellen?                                  und Sterberisiko der von uns untersuchten    alle Versorgungsbereiche hinweg sich Pa-      Essen Menschen mit Behinderung befragt.                                                     muss man die Versorgung entsprechend
                                                    Gruppen. Es gibt eine geringer ausgepräg-    tienten nicht von den Ärzten verstanden       Diese sprechen von „Ignorieren der Pati-                                                    anpassen, ähnlich wie wir es bei der Pan-
Prof. Dr. Eckhard Nagel: „An dieser Stelle          te Gesundheitskompetenz, Vorsorgeunter-      fühlen. Diese sind z. B. auf das Gefühl,      entenwünsche auf Seiten der Leistungs-       Hier braucht es Schulungen für Ärztin-         demiebekämpfung gesehen haben. Wir
müssen wir das Alter berücksichtigen. Bei           suchungen werden nicht wahrgenommen          nicht ernst genommen zu werden, aber          erbringer, mangelnder Aufklärung sowie       nen und Pflegekräfte, welche insbesonde-       müssen uns in der Krankenversorgung
Kindern und Jugendlichen sind Überge-               oder der Kinderarzt seltener kontaktiert.    auch auf mangelnde Aufklärung oder feh-       fehlender Empathie im Umgang“. Was           re den Umgang und die Kommunikation            vom Gleichheitsgrundsatz zugunsten
wicht, Asthma und Allergien, insbeson-              Ein niedrigerer Bildungsgrad erschwert       lende Empathie der Leistungserbringer         muss sich auf Seiten der Ärzte oder der      mit Personen mit niedrigem Sozialstatus        einer Alters- und Sozialpriorisierung ver-
dere Heuschnupfen, besonders stark im               offensichtlich den Zugang zur ärztlichen     zurückzuführen.                               Gesundheitseinrichtungen ändern?             fokussieren. Durch eine bessere Verständi-     abschieden.“
Ruhrgebiet ausgeprägt. Hingegen finden              Versorgung. Die vorhandenen Barrieren
wir bei älteren Menschen mit niedrigem              werden aber auch von Seiten der Anbie-       Vorangegangene Forschungsarbeiten wei-
Sozialstatus vor allem Bluthochdruck,               ter aufgebaut.“                              sen ja bereits auf ein grundsätzliches Pro-

                                                                                                                                               So lief die Studie
Adipositas oder Lungenerkrankungen                                                               blem in der Arzt-Patient-Kommunikation
wie COPD. Hier ist der soziale Gradient             Sowohl jüngere als auch ältere Menschen      hin. Viele Patienten wissen beim Verlas-
besonders hoch.“                                    beklagen vielfach unerfüllte Behand-         sen der Praxis nicht, was genau der Arzt

Woran liegt das?
                                                    lungswünsche. Können Ihre Studiener-
                                                    gebnisse erklären, warum dies so ist?
                                                                                                 ihnen gerade mitgeteilt hat. Bei den von
                                                                                                 uns untersuchten älteren und jüngeren
                                                                                                 Menschen mit niedrigem Sozialstatus
                                                                                                                                               D    ie Wissenschaftler sind auf unterschiedlichen Ebenen vor-
                                                                                                                                                    gegangen. Zum einen wurde die Krankheitslast und die
                                                                                                                                               Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen der Kinder- und
                                                                                                                                                                                                                    Bundesausschusses) analysiert und Experten aus dem Gesund-
                                                                                                                                                                                                                    heitsbereich zur aktuellen Versorgung befragt.

Nagel: „Die möglichen Ursachen sind viel-           Nagel: „Unsere Studie liefert Hinweise auf   könnten diese Verständnisschwierigkeiten      Jugendlichen sowie älteren Menschen untersucht. Hierzu wurden        Prof. Bodo Hombach: „Alles hängt mit allem zusammen.
fältig. Wir beobachten ja aktuell in der            ein hohes Vorkommen unerfüllter Be-          beispielsweise in Bildung, sozialer Prä-      Befragungsdaten des Robert Koch-Instituts ausgewertet und nach       Wir sehen in der ganzen Welt: Wenn etwas zu viel wird, zu schnell
Coronapandemie auch eine Häufung von                handlungswünsche bei dieser Personen-        gung, Migrationshintergrund oder einer        Sozialstatus differenziert (KiGGS Welle 2 2014-17 & GEDA             geht und Ressourcen knapp sind, werden regelmäßig soziale Inte-
Ansteckungen und schweren Verläufen in              gruppe: Fast zwei Drittel der Befragten      geringeren Gesundheitskompetenz be-           2014 / 2015-EHIS).                                                   grationsfähigkeit und -bereitschaft in bestehende Systeme über-
sozialen Brennpunkten. Inzwischen wissen            geben an, dass ihre Wünsche nach gesund-     gründet sein.                                                                                                      stresst.
wir, dass dies nicht allein z. B. mit beengtem      heitlichen Leistungen unerfüllt bleiben.                                                   Außerdem konnten diese Personengruppen zu ihren unerfüllten
Wohnraum zu erklären ist, sondern dass              Dabei spielen insbesondere die fachärztli-   Ergebnis sind Enttäuschungs- und Frus-        Behandlungswünschen interviewt werden. Begleitend wurden             Die Integrationsoffenheit der Gesellschaft erodiert zusätzlich. Am
Menschen hier auch in „gefährlicheren“              che, hausärztliche und zahnmedizinische      trationserfahrungen gegenüber dem Ge-         Gutachten zur gesundheitlichen Versorgungssituation im Ruhr-         Anfang der Verbesserung steht die nüchterne Beschreibung der
Berufen arbeiten, als Kassierer etwa oder           Versorgung eine Rolle. Im Bereich der        sundheitssystem.“                             gebiet (z. B. das IGES-Gutachten im Auftrag des Gemeinsamen          Realität. Damit ist den Autoren ein wichtiger Anstoß gelungen.“
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Helfen. Zukunft geben! - Fördern - Brost-Stiftung
Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021        Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021                                                                                      Gesundheit & Soziales

                                                                                                                                                       troffenheit berührt. Vor 26 Jahren habe
                                                                                                                                                       ich meine Mutter verloren. Am Ende war
                                                                                                                                                       nicht mehr zu unterscheiden, ob sie am
                                                                                                                                                       Krebs oder an den Folgen der Krebsbe-
                                                                                                                                                       handlung gestorben ist. Diese Zusammen-
                                                                                                                                                       hänge zu erforschen ist eine Aufgabe, die
                                                                                                                                                       vielen Menschen helfen wird.“

                                                                                                                                                       Mit dem integrativen Behandlungsansatz
                                                                                                                                                       wird die Lebenserwartung der erkrank-
                                                                                                                                                       ten Menschen nicht verlängert. „Aber
                                                                                                                                                       wir wollen belastbare Daten gewinnen,
                                                                                                                                                       die über das medizinische Bauchgefühl
                                                                                                                                                       hinausgehen“, erläutert Prof. Rassaf. „So
Im Alter ist es häufig die Kombination mehrerer                                                                                                        können wir hoffentlich erreichen, dass den
Krankheitsbilder, die Menschen zu Pflegefällen                                                                                                         Menschen nicht nur die Schmerzen ge-
macht. Hier setzt die Studie der Uniklinik Essen an                                                                                                    nommen werden, sondern wir ihnen auch
                                                                                                                                                       ein Stück Lebensqualität und Würde erhal-                                      Gemeinsam mit Prof. Bodo Hombach (Mitte) übergab Hendrik Wüst
                                                                                                                                                       ten können.“                                                                            den symbolischen Förderscheck an Prof. Tienush Rassaf

Menschenwürde bis zum                                                                                                                                    Begleitung im Kampf gegen Krebs
letzten Atemzug                                                                                                                                          Bei den Evang. Kliniken Essen-Mitte kümmert sich die Initiative
                                                                                                                                                         MENSCHENMÖGLICHES auch um Angehörige von Krebspatienten

Brost-Stiftung fördert Forschungsstudie der Uniklinik Essen mit 600.000 Euro.
Ziel ist ein selbstbestimmtes Leben für schwer krebskranke Menschen
                                                                                                                                                       D     ie Diagnose Krebs trifft nicht nur
                                                                                                                                                             den Patienten. Auch der Alltag von
                                                                                                                                                       Lebenspartnern und Familienmitgliedern
                                                                                                                                                                                                    stationären Aufenthalts an den KEM oder
                                                                                                                                                                                                    unmittelbar danach begleiten. Je nach Be-
                                                                                                                                                                                                    darf unterstützt ein Therapeut oder eine
                                                                                                                                                       verändert sich meist von heute auf morgen.   Therapeutin die Betroffenen einzeln oder

I    n einer Studie will der Kardiologe
     Prof. Tienush Rassaf (47) am Uni-
klinikum Essen erforschen, wie schwer
                                                      menten die Herz-Kreislauffunktion unter-
                                                      stützen und stabilisieren, damit die oft be-
                                                      reits palliativ behandelten Menschen sich
                                                                                                                                                       Die Angst und Sorge um einen naheste-
                                                                                                                                                       henden Menschen stürzt Angehörige oft in
                                                                                                                                                       eine tiefe Krise.
                                                                                                                                                                                                    führt Eltern-, Partner- und Familienge-
                                                                                                                                                                                                    spräche. Ziel ist es, die Lebenssituation im
                                                                                                                                                                                                    Umfeld des Patienten zu stabilisieren und
                                                                                                                                                                                                                                                                     Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas du Bois,
                                                                                                                                                                                                                                                                  Direktor an den Kliniken Essen-Mitte
krebskranke Menschen so lange wie mög-                weiterhin selbst anziehen, essen oder zur                                                                                                     dabei zu helfen, Belastungssymptome der
lich ein selbstbestimmtes Leben führen                Toilette gehen können.                                                                           Genau dort setzt der Verein MENSCHEN-        Angehörigen zu minimieren.                      heitswesens und kann dadurch schnell
können.                                                                                                                                                MÖGLICHES e. V. an: Er „ermöglicht“                                                          und effektiv helfen. Prof. Dr. Dr. h.c.
                                                      Rassaf: „Es gibt zunehmend mehr Er-                                                              Begleitung und Hilfe für Patienten und       Sherille Veira, Geschäftsführerin MEN-          Andreas du Bois ist Direktor der Klinik
Dazu sollen deren Herz-Kreislauffunktio-              kenntnisse über die Abhängigkeiten von                                                           deren Angehörige – vollständig finanziert    SCHENMÖGLICHES e. V., weiß, wie                 für Gynäkologie und gynäkologische
nen stabilisiert und unterstützt werden.              Krebs- und Herzleiden. Trotz erfolgreicher                                                       durch Spenden. Durch die Förderung der       wichtig solche Hilfen sind: Die Belastung       Onkologie an den Kliniken Essen-Mitte.
„Wir wissen aus unserer täglichen Arbeit,             Krebstherapie sterben rund 30 Prozent                      Kardiologe Prof. Dr. Tienush Rassaf   Brost-Stiftung konnte in diesem Jahr ein     der Familienmitglider werde von den Be-         Er unterstützt den Vorstand von MEN-
dass durch Krebstherapien diese Funktio-              der Patienten später an einer Herz-Kreis-                                                        weiteres solches Beratungsangebot an den     troffenen selbst häufig nicht thematisiert,     SCHENMÖGLICHES und gibt dem Verein
nen nachhaltig geschädigt werden“, erklärt            lauferkrankung!“ Er berichtet von einer                                                          KEM | Evang. Kliniken Essen-Mitte star-      um den Patienten nicht zusätzlich zu be-        Impulse im Hinblick auf seine innovative
Prof. Rassaf. „Als Folge sind die Patien-             39-jährigen Patientin, die überraschend                                                          ten. Nutzen können es Angehörige, die        lasten. Partner stellten eigene Bedürf-         Weiterentwicklung: „Bisher fokussieren wir
ten irgendwann nicht mehr in der Lage,                schwere Herzprobleme bekam, zum Über-          Die Studie fokussiert sich auf Menschen           einen Krebspatienten während eines           nisse zurück und überschreiten so               uns in der Medizin fast ausschließlich auf die
einfachste Alltagsbelastungen zu meistern.            leben mehrere Bypässe und einen Schritt-       über 60, die in überwiegender Mehrzahl                                                         Grenzen der eigenen Belastbarkeit, erklärt      Patienten. Mit MENSCHENMÖGLICHES
Weil Herz und Lunge zu schwach sind.“                 macher brauchte. Im Verlauf der Diagnose       im Ruhrgebiet zuhause sind. Hier ist ein                                                       sie den Hintergrund der Initiative. „Ich        wollen wir einen weiteren Fokus auf die Be-
Hier setzt die Studie in der bundesweit               kam heraus, dass sie vor 20 Jahren eine ag-    großer Anteil der älteren Bevölkerung von                                                      freue mich deshalb sehr darüber, dass           gleitung von Angehörigen legen und damit
größten Abteilung für onkologische Kar-               gressive Bestrahlung gegen einen Krebstu-      diesem Krankheitsbild betroffen. Deshalb                                                       MENSCHENMÖGLICHES mit diesem                    helfen, die Gesamtsituation der Familie bzw.
                                                                     mor erhalten hatte. „Kinder     unterstützt die Brost-Stiftung das Projekt,                                                    ergänzenden Angebot die Möglichkeit be-         des Netzwerks helfen zu stabilisieren.“
                                                                     unter 14 Jahren, die mit        Hendrik Wüst (45) übergab als Kuratori-                                                        kommt, sowohl den Angehörigen als auch
            Als meine Mutter starb, war nicht mehr zu unter-         Chemo oder Bestrahlung          umsmitglied den Förderbescheid. Für den                                                        den erwachsenen Kindern eine Begleitung         Das aktuelle, von der Brost-Stiftung unter-
            scheiden, ob sie am Krebs oder an den Folgen der         behandelt wurden, haben         NRW-Verkehrsminister eine sehr persön-                                                         anzubieten, die individuell auf die Sorgen      stützte Projekt setzt die Arbeit im Umfeld
            Krebsbehandlung gestorben ist. Diese Zusammen-           ein sehr großes Risiko,         liche Aufgabe, seine Mutter starb im Alter                                                     und Nöten eingeht.“                             der Patienten*Innen fort, die MENSCHEN-
            hänge zu erforschen, ist eine Aufgabe, die vielen        mit 35 einen Herzinfarkt        von 53 Jahren an der beschriebenen Dia-                                                                                                        MÖGLICHES bereits mit der Einrichtung
            Menschen helfen wird.“                                   oder Schlaganfall zu be-        gnose in Folge einer Krebserkrankung.                                                          Das Besondere an MENSCHENMÖGLI-                 „Schwere Last von kleinen Schultern neh-
            Hendrik Wüst, Kuratorium Brost-Stiftung                  kommen.“ In Deutschland                                                                                                        CHES: Der Verein wurde 2011 von enga-           men“ etabliert hat. Diese richtet sich an
                                                                     sterben rund 40 Prozent an      Wüst: „Als ich im Kuratorium der Brost-                                                        gierten Bürgern gegründet. Er vernetzt          Familien mit minderjährigen Kindern oder
diologie an. Prof. Rassaf und seine Kollegen Herz-Kreislauferkrankungen, 25 Prozent                  Stiftung auf das Projekt aufmerksam                                                            bürgerschaftliches Engagement mit den           Jugendlichen, bei denen ein Elternteil von
wollen mit fallgenau dosierten Medika- an Krebs.                                                     wurde, hat mich das aus persönlicher Be-                                                       professionellen Strukturen des Gesund-          einer Krebsdiagnose betroffen ist.
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Helfen. Zukunft geben! - Fördern - Brost-Stiftung
Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021   Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021                                                                                              Lernen im Haus Eintracht

                                                                                                                                                                                                                                 Wir sind eng mit den Schulen im Quartier vernetzt, unterhalten
                                                                                                                                                                                                                                 Schülertreffs, wo die Kinder üben und sich verpflegen können.
                                                                                                                                                                                                                                 Und schlichten auch schon mal Streit auf dem Schulhof.“
                                                                                                                                                                                                                                 Pater Ralf Winterberg (Vorstand)

                                                                                                                                                                                                                      lassen“ wurden Flyer mit Nothilfe-Telefonnummern verteilt. Im
                                                                                                                                                                                                                      Problemstadtteil Schalke sind die Auswirkungen des pandemie-
                                                                                                                                                                                                                      bedingten Lockdowns weit über Schule hinaus spürbar. Die
                                                                                                                                                                                                                      Frustrationsgrenzen nehmen ab, Menschen verlieren ihre Jobs,
                                                                                                                                                                                                                      staatliche Förderung verzögert sich. Hier bietet das „Haus Ein-
                                                                                                                                                                                                                      tracht“ Beratung telefonisch wie online an, kontaktscheue Fami-
                                                                                                                                                                                                                      lien werden unter Einhaltung der Hygienevorschriften an der
                                                                                                                                                                                                                      Haustür besucht, Streetworker helfen beim Umgang mit Krisen-
                                                                                                                                                                                                                      situationen. Sozialer Fronteinsatz dort, wo der Staat nicht mehr
                                                                                                                                                                                                                      hinreicht. Dazu gehören virtuelle Sportangebote ebenso wie die
                                                                                                                                                                                                                      regelmäßig vorgelesene Gutenachtgeschichte auf Deutsch oder
                                                                                                                                                                                                                      Türkisch.

                                                                                                                                                                                                                      Winterberg: „Wir finanzieren uns bisher privat. Die Stadtgesell-
                                                                                                                                                                                                                      schaft schätzt unser Engagement, es geht in Gesprächen aber
                                                                                                                                                                                                                      aktuell darum, auch städtische Fördermittel zu mobilisieren.
                                                                                                                                                                                                                      Würde uns zum Beispiel die Brost-Stiftung nicht unterstützen,
                                                                                                                                                                                                                      könnten wir dort, wo der Staat ausfällt, die Hilfe nicht mehr
                                                                                                                                                                                                                      leisten.“

DGute Freunde in schlechten Zeiten
                                                                                                                                                                                                                          Das sind die Amigonianer:
                                                                                                                                       Miteinander kochen, miteinander essen,
                                                                                                                                       Gemeinschaft erleben. So unterstützen die                                          Der Orden besteht weltweit aus etwa 400 Brüdern. Ungefähr die Hälfte
     Mit dem Projekt „Lernen im Haus Eintracht“ fördert die Brost-Stiftung das Engagement der Amigonianer.                             Amigonianer Kinder nicht nur in Pandemiezeiten                                     davon sind zum Priester geweiht, wobei Brüder und Patres weitgehend
     Starthilfe in ein besseres Leben                                                                                                                                                                                     gleichberechtigt sind.

                                                                                                                                                                                                                          Die Amigonianer sind aufgeteilt in vier Ordensprovinzen, denen jeweils
                                                                                                                                                                                                                          ein Provinzial vorsteht. Oberste Instanz ist der Generalobere, der sei-
                                                                                                                                                    „Wir verstehen uns als Partner der Schulen, haken auch schon          nen Sitz in Rom hat. Die Mitbrüder in Deutschland gehören zur spani-
Der Name ist nicht leicht zu merken, die Kinder und Jugendli-      „Die Quartiersarbeit gehört zu unseren Schwerpunkten“, so                        einmal kritisch nach, wie denn die zum Homeschooling verteilten       schen Provinz, zu der außerdem noch die Brüder an der Elfenbeinküste
chen des „Haus Eintracht“ werden ihn dennoch lebenslang im         Winterberg. „Wir leisten Integrations- und Friedensarbeit im                     Arbeitsblätter ausgewertet wurden.“                                   und in Benin zählen. In Deutschland gibt es zwei Niederlassungen: in
Herzen tragen. „Amigonianer – unser Name ist ein Zungen-           Stadtteil. Die Bewohner dürfen sich nicht abgehängt fühlen,                      Luisa Magritz (Projektleiterin)                                       Gelsenkirchen und Gladbeck. In Gelsenkirchen liegt der Schwerpunkt
brecher“, so stellt sich der Orden selber vor. Er geht auf Luis    sollen lernen, sich gegenseitig zu vertrauen. Damit wollen                                                                                             auf stadtteilorientierter Kinder-, Jugend- und Familienarbeit.
Amigó zurück, der als junger Kapuzinerbruder 1889 den              wir auch verhindern, dass sie extremen Parteien in die Hände
Orden gründete. Sein Nachname ist, frei übersetzt, Pro-            fallen.“                                                            Eine halbjährlich aktualisierte, mehrseitige Bildungsdoku-
gramm: Er war ein Freund. Ein Freund der Jugend. Für viele                                                                             mentation hält die vorhandenen Defizite und Ressourcen fest.
Menschen in Gelsenkirchen-Schalke sind die Amigonianer                                                                                 Mit einem individuellen Hilfeplan werden positive Entwick-
die einzigen verlässlichen Freunde …                               Aktuell gilt es aber erstmal zu verhindern, dass die Kinder ange-   lungen erkämpft und Erfolgserlebnisse vermittelt.
                                                                   sichts fehlenden regelmäßigen Schulunterrichts schon frühzei-

S    eit 2012 finden in der umgestalteten Ex-Kneipe „Haus Ein-
     tracht“ junge Menschen Zuwendung, denen „der Lebensweg
nicht leicht von der Hand geht“. Etwa 200 Jugendliche, überwie-
                                                                   tig ihre Lebensperspektiven verlieren. Die Brost-Stiftung fördert
                                                                   eine coronagerechte Hausaufgabenbetreuung sowie Bildungs-
                                                                   förderung für Grundschüler und Schüler der Klassen 5 - 7. In
                                                                                                                                       Magritz: „Neu in Deutschland angekommene Kinder sitzen
                                                                                                                                       mit anderen in einer Klasse, haben aber oft einen ganz ande-
                                                                                                                                       ren Lernstand. Sie einfach weiter zu versetzen, birgt die große
gend mit arabischem oder osteuropäischem Migrationshinter-         Kleingruppen, gut belüfteten Räumen, mit Hygienekonzept,            Gefahr eines Scheiterns.“ Deshalb macht sie Eltern mit dem
grund, zählt die spendenfinanzierte Einrichtung zu den Stamm-      dreimal wöchentlich in 1:1-Betreuung. „Den Kindern fehlt bei        Bildungssystem vertraut, motiviert Klassenlehrer und weist auf
kunden, rund 70 von ihnen sind täglich vor Ort. Sie freuen sich    geschlossenen Schulen der regelmäßige Tagesablauf, sie haben        Möglichkeiten wie einen Förderschulantrag hin, wo die Kinder
auf das gemeinsame Mittagessen, werden bei den Hausaufgaben        zu Hause oft kein Sprachvorbild in Deutsch. Lerninhalte können      angemessener lernen können.
unterstützt und können die vielfältigen Freizeitangebote nutzen.   aufgrund des eigenen Bildungsstandes, Arbeit und weiterer Ver-
Sieben Mitarbeiter im Team von Pater Ralf Winterberg küm-          pflichtungen nicht aufgearbeitet und vertieft werden“, beschreibt   Die Amigonianer legen großen Wert auf das Wohl der Kinder
mern sich vor allem jetzt in schwierigen Coronazeiten um die       Luisa Magritz, die Bildungsverantwortliche, die Nachteile           und dass von allen Beteiligten die Integrität der Kinder gewahrt
Kinder – und deren Familien.                                       „ihrer“ Kinder.                                                     wird. Im Rahmen der landesweiten Aktion „Kein Kind alleine
14                                                                                                                                                                                                                                                                                                15
Helfen. Zukunft geben! - Fördern - Brost-Stiftung
Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021   Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021                                                         13 Leuchtturm-Projekte

10 Jahre im Spiegel der Presse

                                                                     Leuchtturm-Projekte
                                                                     In 10 Jahren Stiftungsarbeit wurden mit mehr als 33 Millionen Euro rund 150 Projekte 13
                                                                     unterstützt. Viele davon entwickelten überregionale Strahlkraft. Im Sinne der Stifterin
                                                                     Anneliese Brost, die zeitlebens über den Tellerrand des Ruhrgebiets hinaus blickte

16                                                                                                                                                                                17
Helfen. Zukunft geben! - Fördern - Brost-Stiftung
Anneliese
                                                                                                           Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021    Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021                                             13 Leuchtturm-Projekte

                                                                                                                                                                                                                                                               1                      Brost Musikforum

                                                                                                                                                Die Bochumer Symphoniker                                                         Die Musikschule
                                                                                                                                                Die Bochumer Symphoniker sind als beständiger Akteur im Ruhrgebiet be-           Die Musikschule ist, gemessen an der Schülerzahl (ca. 11.000), eine
                                                                                                                                                heimatet und oft Gast in der Welt. Sie wurden mehrfach preisgekrönt für          der größten in Deutschland und ein wichtiger Partner der Bochumer
                                                                                                                                                ihre ungewöhnlichen Programme und sind bekannt für ihre Offenheit und            Symphoniker. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen etwa 90 Ensembles, vom
                                                                                                                                                Experimentierfreudigkeit, ihre außergewöhnliche Nähe zum Publikum und            Jugendsinfonieorchester bis hin zur Rockband. Ihre Auftritte sind ein
                                                                                                                                                den Abbau von Schwellenängsten.                                                  wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens in Bochum.
Mit einem Konzertabend der Bochumer Symphoniker wurde das Musikforum 2016 feierlich eröffnet
                                                                                                                                                Mit ihren Projekten erreichen die Musiker Menschen unterschiedlichster Her-      Das Musikzentrum ist insbesondere für die großen Musiziergemein-
                                                                                                                                                kunft. In enger Zusammenarbeit mit den Schulen arbeiten sie beispielsweise       schaften der Musikschule wie Jugendsinfonieorchester, Blasorchester,

Ein Festplatz für
                                                                                                                                                häufig mit Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten sozialen Schichten       Big Bands und Zupforchester Mittelpunkt und wichtiger Probenort.
                                                                                                                                                zusammen, die vorher nie oder selten in Berührung mit klassischer Musik
                                                                                                                                                gekommen sind.

Ohren und Augen
Die Brost-Stiftung schloss 2016 die Finanzierungslücke
beim Bau des Konzertsaals in Bochum. An der Marienkirche
entsteht das „Anneliese Brost Musikforum Ruhr“

N     icht Konkurrenz, Kooperation ist die Stärke des Ruhrge-
      biets: Es war ein bis dato einmaliges Zusammenspiel von
Bürgern, Wirtschaft, Förderverein und Stiftungen, das den Bau
                                                                           Prof. Heit hielt in seiner Rede fest: „Wir stehen vor einem Mu-
                                                                           sikzentrum, das wenige Wünsche offenlässt, und damit Musik-
                                                                           schaffenden jedwedes Anspruches und ihren geneigten Zuhörern
des Anneliese Brost Musikforums Ruhr ermöglichte. Am 7. Ok-                gleichermaßen ein architektonisch wie technisch perfektes, vor al-
tober 2016 erfolgte in Anwesenheit von Prof. Dr. Wolfgang Heit,            lem aber auch intimes Zuhause gibt.“ In der Geschichte der Brost-
damals Vorsitzender des Vorstandes der Brost-Stiftung, Bochums             Stiftung ist es bis heute eines der bedeutendsten Förderprojekte.
Stadtdirektor Michael Townsend, dem Generalmusikdirektor der               Und eines, das wie kaum ein zweites das Selbstverständnis der         Nach der feierlichen Enthüllung: Stelldichein unter dem neuen Namenszug
                                                                                                                                                                                                                                 Architekturpreis
Bochumer Symphoniker, Steven Sloane, und vielen weiteren Gäs-              Stiftung verkörpert, durch Kooperation das Miteinander und die                                                                                        für ein herausragendes Konzept
ten die feierliche Enthüllung des Namensschilds „Anneliese Brost           anpackende Selbsthilfe im Ruhrgebiet zu stützen.                     stadt unterstützten das Projekt. Selbst Herbert Grönemeyer mach-
Musikforum Ruhr“.                                                                                                                               te mit und spielte ein Benefizkonzert im Ruhrstadion                             „Der Wandel der ehemaligen St. Marienkirche vom Sakral- zum
                                                                           Die gemeinsame Begeisterung, das bürgerschaftliche Engagement                                                                                         Konzertgebäude hat dem ehemaligen Gotteshaus nichts von seiner Wür-
                                                                           und gute Argumente überzeugten die Bochumer Politik, die Be-         „Dies ist ein feiner, schöner Raum, in dem man das Gefühl hat,                   de genommen.“ Mit dieser Begründung verlieh der Landesverband des
              Deutschlands neuester und billigster Konzertsaal             zirks- und die Landesregierung und schließlich sogar die zustän-     von allen Seiten umarmt zu werden“, sagte Generalmusikdirek-                     Bundes Deutscher Architekten (BDA) dem Anneliese Brost Musikforum
              (38 Millionen). Im Oktober eröffnet. Mit einer echten        dige Vergabestelle für Fördermittel der Europäischen Union, so       tor Sloane nach der ersten Orchesterprobe. „Wir werden den                       Ruhr 2018 den Architekturpreis NRW.
              Kirche als Foyer. Knuffelig, großzügig, praktisch, gut.      dass am Ende knapp 19 Millionen Euro öffentliche Förderung in        Saal im Laufe der Zeit noch besser kennen lernen – und um-
              1.600 Plätze, klare, schnörkellose Akustik. Alles am rich-   das Projekt flossen.                                                 gekehrt.“                                                                        Ausgezeichnet wurde damit das herausragende Konzept des Stuttgarter
              tigen Platz, super durchdacht. Ein Bürgerzentrum.                                                                                                                                                                  Planungsbüros Bez + Kock. Die Architekten hatten den doppelten
              Heimat der innovativen Bochumer Symphoniker.“                Doch erst das finanzielle Engagement der Brost-Stiftung in Höhe      Seitdem füllen die Bochumer und Menschen aus der ganzen Re-                      Haupteingang im Chor der Kirche platziert, ihr Schiff dient als Foyer, die
              Mit dieser Begründung platzierte „Welt“-Autor Manuel         von rund drei Millionen Euro ermöglichte den Baubeginn. Es war       gion das Haus mit Leben: Die Bochumer Symphoniker arbeiten,                      Garderobe befindet sich unter der Empore der früheren Orgel. Und von
              Brug das Anneliese Brost Musikforum auf Platz 2 seiner       die höchste von der Stiftung jemals ausgezahlte Fördersumme,         proben und geben hier Konzerte, das Jugendsinfonieorchester hat                  den vier Glocken, die aus statischen Gründen aus dem Turm genommen
              Hitliste der 20 schönsten Konzertsäle der Welt               weitere knapp 22.000 Kleinspenden aus der Region sowie Spen-         hier ebenso seine Heimat gefunden wie die über 80 Ensembles der                  wurden, schlägt die größte (mit dem Ton b wie Bochum) als Pausen-
                                                                           densammelaktionen und Straßenmusik in der Bochumer Innen-            Musikschule Bochum oder die Bochumer Chöre.                                      gong.
18                                                                                                                                                                                                                                                                                                      19
Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021     Brost-Stiftung Jahrbuch 2020/2021                                                13 Leuchtturm-Projekte

                                                                                                                                                                                                                                                                        2                          Public Art Ruhr

Die Plastik „Schwelle“ von
Raimund Kummer war eines
der ersten Kunstwerke, das 2014                                                                                                                                                                                                                   Lichtmaschine erstrahlte in neuem Glanz
wieder neue Aufmerksamkeit bekam.
Es wurde gereinigt, saniert und                                                                                                                                                                                                                                Sieben Meter hoch ist die „Lichtmaschine“ des Kre-
vom wuchernden Grün befreit                                                                                                                                                                                                                                    felder Kinetik-Künstlers Adolf Luther. Sie wurde 1970
                                                                                                                                                                                                                                                               in Gelsenkirchen enthüllt. Wie alle im Rahmen des
                                                                                                                                                                                                                                                               Projekts „Public Art Ruhr“ in die Jahre gekommenen
                                                                                                                                                                                                                                                               Kunstwerke im Ruhrgebiet wurde auch sie gereinigt.
                                                                                                                                                                                                                                                               Spuren von Vandalismus wurden beseitigt und vor
                                                                                                                                                                                                                                                               allem: Die Lichtmaschine erhielt einen neuen Motor.

                                                                                                                                                                                                                                                              Anlässlich der Neuenthüllung zeichnete Prof. Dr.
                                                                                                                                                                                                                                                              Wolfgang Heit, damaliger Vorsitzender der Brost-
                                                                                                                                                                                                                                                              Stiftung, ein Bild des Künstlers, der 1990 verstarb:
                                                                                                                                                                                                                                                              „Luther gehörte zusammen mit der Zero-Gruppe in
                                                                                                                                                                                                                                                              Düsseldorf zur europäischen Avantgarde. Die be-
                                                                                                                                                                                                                                                              diente sich aktueller Materialien der Industrie- und
                                                                                                                                                                                                                                                              Warenkultur. Mit seriellen Formen widersprach sie
                                                                                                                                                                                                                                                              der üblichen Unikatspose. Und sie attackierte das
                                                                                                                                                                                                                                                              Geläufige nicht mit Tabubruch, sondern mit subtiler
                                                                                                                                                    Lichtinstallation „Consol Gelb“ von Günter Dohr       „Lichtmaschine“ von Adolf Luther                    Umgehung.“ Gemeinsam mit der Stiftung für Kunst
                                                                                                                                                                                                                                                              und Kultur e. V. und der Ruhr Tourismus GmbH
                                                                                                                                                                                                                                        konnten insgesamt zehn Kunstwerke nach der Restaurierung erneut der
                                                                                                                                                                                                                                        Öffentlichkeit übergeben werden. Die Neuenthüllung der „Lichtmaschine“
                                                                                                                                                                                                                                        beendete das Förderprojekt „Public Art Ruhr“ nach fünf Jahren Laufzeit.

                                                                                                                                                                                                                                         Hundert Kunstwerke – hundert Geschichten

Wiederentdeckt und neu enthüllt!                                                                                                                                                                                                         Der Bildband „Public Art
                                                                                                                                                                                                                                         Ruhr“ ist nicht nur ein
                                                                                                                                                                                                                                         umfassendes Kompendi-
Die Initiative „Public Art Ruhr“ holte Kunst aus dem Dornröschenschlaf                                                                                                                                                                   um der öffentlich zugäng-
                                                                                                                                                                                                                                         lichen Kunst im Ruhrge-
                                                                                                                                                    „Nashorn-Tempel“ von Johannes Brus                                                   biet. Das Buch macht auch

M      it Graffitis beschmiert, von Unkraut überwuchert, be-
       schmutzt, zerstört und vergessen – viele Kunstwerke im
öffentlichen Raum waren Jahrzehnte nach ihrer Installation längst
                                                                              bestand. Initiator und Sprecher dieser Projektgruppe war Prof.
                                                                              Walter Smerling, Direktor des MKM Museum Küppersmühle für
                                                                              Moderne Kunst in Duisburg. Ziel der Initiative war es, wesentli-
                                                                                                                                                                                                                                         deutlich, wie die Künstlerr
                                                                                                                                                                                                                                         mit ihren Werken auf un--
                                                                                                                                                                                                                                         terschiedliche Situationen in
aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten. Das Projekt „Public Art             che bestehende Kunstwerke im Umfeld der RuhrKunstMuseen zu                                                                                                 den jeweiligen Städten und nd
Ruhr“ rückte die vergessenen Schätze der Metropole Ruhr 2013                  erfassen und erneut ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, der Be-                                                                                            Landschaften eingegangen   en
bis 2017 wieder ins Blickfeld. Es war das erste kulturelle Förder-            wohner und Besucher der Metropole Ruhr, zu rücken.                                                                                                         sind. Die Kunst im öffentli-li-
projekt der Brost-Stiftung und der Beginn eines kontinuierlichen                                                                                                                                                                         chen Raum prägt das Gesicht
                                                                                                                                                                                                                                                                   cht
und intensiven Engagements der Stiftung im Bereich Kunst und                  Zunächst haben die Direktorinnen und Direktoren der Ruhr-                                                                                                                             en
                                                                                                                                                                                                                                         der Region, sie wirft Fragen
Kultur. In zwei Etappen – zunächst durch einen Bildband mit                   KunstMuseen eine umfassende Bestandsaufnahme der Kunst im                                                                                                  auf, bringt Menschen zusam-m-
aufwändigen Dokumentationen der Kunstobjekte (2013) – später                  öffentlichen Raum gemacht: Welche bedeutenden Kunstwerke                                                                                                   men und stiftet Dialog – all
durch Neuenthüllungen (2014 bis 2017) kümmerte sich eine Pro-                 gibt es im Ruhrgebiet? Wie können Arbeiten vor dem Verfall be-                                                                                             dies sind Voraussetzungen  en
jektgruppe aus Kunstexperten um die Werke. Viele davon waren                  wahrt werden? Wo besteht Restaurierungsbedarf? Wie gut ist die        U-Bahnhaltestelle König-Heinrich-Platz (Genzken/Richter)                             für eine lebendige, sich ent-
                                                                                                                                                                                                                                                                    nt-
in schlechtem Zustand oder wurden nicht (mehr) entsprechend                   Erreichbarkeit für Besucher?                                                                                                                               wickelnde Kulturlandschaft. ft.
wahrgenommen.                                                                                                                                                                                                                            Der Bildband „Public Art Ruhr
                                                                                                                                                                                                                                                                    h – Die
                                                                                                                                                                                                                                                                         Di Metropole
                                                                                                                                                                                                                                                                            M      l RRuhr
                                                                                                                                                                                                                                                                                        h undd di
                                                                                                                                                                                                                                                                                               die KKunst iim öff
                                                                                                                                                                                                                                                                                                              öffent-
                                                                              Das Ergebnis dieser „Inventur“ wurde im Bildband „Public Art                                                                                               lichen Raum“ ist im Wienand Verlag erschienen.
Vor diesem Hintergrund riefen die RuhrKunstMuseen 2012 die                    Ruhr – die Metropole Ruhr und die Kunst im öffentlichen Raum“                      Der Wert liegt im Erkennen des Vorhandenen.“                            ISBN 978-3-86832-134-0
Projektgruppe für Kunst im öffentlichen Raum ins Leben, die                   zusammengefasst und veröffentlicht. 100 Abbildungen und 100                        Prof. Walter Smerling, Direktor des MKM Duisburg
aus den Direktorinnen und Direktoren der beteiligten Museen                   Texte zeigen und beschreiben 100 Kunstwerke. „Public Art Ruhr“
                                                                              zeigt die Kunstwerke, die in den letzten 60 Jahren installiert wur-
                                                                              den, die sich auf den Straßen und Plätzen der Region befinden         In der zweiten Phase des Projekts wurden ab 2014 zehn ausge-
           Es geht darum freizulegen, Schäden der Zeit und des Mutwilligen    und für jeden frei zugänglich sind. Mit der Veröffentlichung des      wählte Kunstwerke umfassend gereinigt, instandgesetzt und an-
           zu beseitigen. Es gilt, den Kunstschatz im öffentlichen Raum für   Bildbands ging es jedoch nicht darum, die allseits bekannten          schließend neu enthüllt. Darunter die Duisburger U-Bahn-Stati-
           die nächsten Generationen zu sichern. Das kostet Investition und   Highlights aufzulisten, sondern damit zu beginnen, ein Gesamt-        on „König-Heinrich-Platz“, die 1988 vom damaligen Künstlerpaar
           Zuwendung. Es bringt lohnenden Ertrag.“                            bild der öffentlich zugänglichen Kunstwerke im Ruhrgebiet zu er-      Isa Genzken und Gerhard Richter gestaltet worden war, sowie die                                                                                 Die Köpfe
           Prof. Bodo Hombach, Vorstandsvorsitzender der Brost-Stiftung       arbeiten und dieses gemeinsam auch über die Grenzen der Region        sechs Meter hohe Plastik „Schwelle“ des Bildhauers Raimund                                                                                      hinter
                                                                              hinaus bekannt zu machen.                                             Kummer im Emscherpark in Essen.                                                                                                                 „Public Art Ruhr“
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