KULTUR.REGION schaufenster - Museumsmanagement Niederösterreich

Die Seite wird erstellt Luke Krämer
 
WEITER LESEN
KULTUR.REGION schaufenster - Museumsmanagement Niederösterreich
Nachrichten aus der Kultur.Region Niederösterreich . Dezember 2013/Januar 2014

                                                                                                                                          schaufenster
                                                                                                                            KULTUR.REGION
                                                                                                                                                           Jahreswechsel
                                                                                                                             Thema / Hausmusik . Rede / Silke Hassler über Europa und Kulturpolitik
                                                                                                                                  Ballsaison / Trachtenball & schöne Ballsäle in Niederösterreich
P.b.b. · Vertragsnummer 10Z038552S · Erscheinungsort: 3452 Atzenbrugg · Verlagspostamt: 3451 Michelhausen · DVR: 0933 295
KULTUR.REGION schaufenster - Museumsmanagement Niederösterreich
WIEN NORD
                         C H UT Z       .
                  D UM S       E R AL L
             R UN       N D Ü B      .
                 ME R U       N  DA S
             IM       H A FFE
              WIR  SC
                      lusp
                   Unfall                             e r u f, Freizeit
                                                                            ,

                                 i t s n e tz für B
                           herhe               egs.
                    Das Sic und unterw                           n e i n e s Unfa
                                                                                  l ls
                           se                             Folge
                    zu Hau                      ziel len  nan                           eit
                                   S i e v  o  r den fi             z e J a h r, weltw         b inier ba
                                                                                                          r
                          ü t z t                            g a n                       k o m
                   p Sch                               das                         uel l
                               u  m    d ie Uhr,               t e i n e individ
                   p Run
                           d                           b au s
                                 l e L  e i s tu n g s
                             ib                                         hrem
                    p F l ex                             n e n bei I hrer Nähe.
                                                 a t i o                     I
                                     nform                       anz in
                       Me h r I e n b e r a te r g
                                      nd
                         NV-Ku vers.at
                                       oe
                          www.n                                            e g
                                                                                       e
                                                                               eser vic t!
                                                                  it  P fl               n
                                                      Jetzt m a-Manageme

                               NEU:
                                                                e  h
                                                       und R

                                                                                                              Die Niederösterreichische
Niederösterreichische                                                                                         Versicherung
    Versicherung AG
Neue Herrengasse 10
      3100 St. Pölten
     www.noevers.at                                                                                           Wir schaffen das.
KULTUR.REGION schaufenster - Museumsmanagement Niederösterreich
EinBlick / 3

                                                                    Editorial

    WÜNSCHEN UND SCHENKEN

                                                                                               Viel Glück und viel Segen
                                                                                          als Begleiter auf all unseren Wegen

Es gehört zu den guten Bräuchen und schönen Gewohnheiten, in der             Theaterticket sollen weder ein schlechtes Gewissen noch den medi-
Zeit um den Jahreswechsel Glück- und Segenswünsche auszuspre-                alen Pranger zur Folge haben. Demonstrativ zur Schau getragene
chen, verbunden mit der Überreichung von Geschenken und Glücks-              Bescheidenheit wäre also eine Zier. Ob aus dem Zwang, sich über die
bringern. Gerade Weihnachten ist ohne das Schenken gar nicht aus-            Zuwendung von bloßem Klumpert dann auch noch freuen zu
zudenken. Der Wert und die Art der Geschenke haben sicher viel mit           müssen, jemals ein Brauch entsteht, wird sich weisen.
der Person der oder des Beschenkten zu tun: Spielzeug, Sportartikel
und Kleidung für Kinder, Bücher und CDs für Erwachsene, ein Sei-             Vielleicht ist es ein Zug unserer Zeit, unverbindlich zu bleiben, sich
dentuch oder Selbstgemachtes für die Mutter, einen guten Tropfen             nicht festzulegen und zu jeder Position eine ebenso plausibel klin-
oder die obligate und sonderbar gemusterte Krawatte für den Vater            gende Gegenposition parat zu haben. Was wünscht und schenkt man
und allerhand mehr oder weniger Brauchbares für Kolleginnen und              also, wenn jedes Geschenk zur Tretmine für die Schenkenden genau-
Mitarbeiter sowie für gute Freunde und Geschäftspartner.                     so wie für die Beschenkten werden kann? Schutz der Privatsphäre,
                                                                             überwachungsfreie Zonen oder Handschlagqualität wären sicher
Schenken gehört zu den lebendigsten und sich ständig wandelnden              willkommene Geschenke: Qualitäten eben, die vielmehr auch als
Bräuchen. In diesem Zusammenhang werden wir alle Zeugen darü-                unumstrittene Rechte gelten sollten. Frieden zu wünschen, wäre in
ber, welche Mächte derzeit Einfluss auf die Entwicklung solcher              jedem Fall sinnvoll und angebracht, gerade in diesen Tagen, die dem
Bräuche nehmen. Waren es früher oft obrigkeitliche Vorschriften, die         Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkriegs und den nach-
das sittliche Leben der Untertanen zu regeln trachteten – von                folgenden Katastrophen gewidmet sind.
diversen Kleidungsvorschriften bis zu Ausgeh-, Trink- oder Tanz-
verboten –, so kommt heute aus der Ecke der Moralapostel jede                Wird es schließlich ganz persönlich, dann ist ein guter alter Brauch
Menge an Versuchen, menschliches Verhalten zu normieren und zu               nach wie vor gültig: Wir wünschen Glück, Gesundheit und Wohl-
dirigieren.                                                                  ergehen!

Also ist Vorsicht geboten, wenn es um das Pflegen alter Bräuche geht,        Dorli Draxler, Edgar Niemeczek
denn ein festlicher Braten, ein kultiviertes Auftreten oder ein zu wert-
volles Geschenk, etwa ein Aquarell, ein güldenes Kettchen oder ein

                                                                                                                              MUSIKSCHUL
                                                                                                                               management
                                                                                                                                     KULTUR . REGION
                                                                                                                                   NIEDERÖSTERREICH

                                               schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014
KULTUR.REGION schaufenster - Museumsmanagement Niederösterreich
Top-Termine / 4

                                                            Dezember 2013/Januar 2014

                                              TOP-TERMINE

ADVENTSINGEN                                                   AUF NACH BETHLEHEM
BEIM GRAFENEGGER ADVENT                                        ——————————————————
——————————————————                                             Fr, 13. 12. 2013, 19.30 Uhr                            3. NIEDERÖSTERREICHISCHER
Do, 5., und Fr, 6. 12. 2013, 19.00 Uhr                         Haus der Regionen                                      TRACHTENBALL
Auditorium Schloss Grafenegg                                   3504 Krems-Stein, Donaulände 56                        ——————————————————
——————————————————                                             ——————————————————                                     Fr, 31. 1. 2014, 20.30 Uhr
Die besten Ensembles Niederösterreichs                         Eine musikalische Wanderung durch den                  Auditorium und Reitschule
präsentieren musikalisch den Weihnachts-                       Weihnachtsfestkreis bietet das bereits zur             Schloss Grafenegg
festkreis. Der Familiengesang Wolf, die                        Tradition gewordene Adventkonzert im                   ——————————————————
Texingtaler BlechMusikanten, Ö-Streich                         Haus der Regionen. Die Saitenhüpfer stim-              Der Niederösterreichische Trachtenball
und der Chor der Chorszene Niederöster-                        men mit festlichen Melodien, die sie auf               zählt zu den Höhepunkten der Ballsai-
reich bieten ein sinnliches und einzigartiges                  Saiteninstrumenten zu Gehör bringen, auf               son. Bereits zum dritten Mal laden die
Konzerterlebnis.                                               das bevorstehende Weihnachtsfest ein. Das              Volkskultur Niederösterreich und die „Wir
                                                               Ensemble Mlynček aus der Slowakei tritt                tragen Niederösterreich“-Partner zum Nie-
Für heitere und besinnliche Zwischentöne
                                                               mit besinnlichen Liedern und Instrumen-                derösterreichischen Trachtenball auf Schloss
sorgen die bekannten TV-Journalistinnen
                                                               talstücken auf. Der Haus & Hof Dreige-                 Grafenegg ein. Die Weinviertler Kirtags-
Barbara Stöckl (5. Dezember) und Nadja
                                                               sang und die Edlitzer Weisenbläser runden              musik, das Tanzorchester der Militärmusik
Mader-Müller (6. Dezember). Mit der Kon-
                                                               das vorweihnachtliche Programm ab.                     Niederösterreich, AB 3 und Franz Posch
zertkarte erhalten Sie am Konzerttag ein-
                                                               Durch den Abend führen Dorli Draxler und               mit seinen Innbrügglern spielen in den bei-
malig freien Eintritt zum Grafenegger
                                                               Edgar Niemeczek.                                       den Ballsälen zum Tanz auf. Die Eröffnung
Advent, geöffnet ab 10.00 Uhr.
                                                               ——————                                                 mit Tänzern aus allen Bezirken, Heurigen-
—————
                                                               Information                                            musik mit dem Duo Gradinger-Koschelu,
Information                                                                                                           eine „Wir tragen Niederösterreich“-Bar mit
                                                               Tel. 02732 85015
Tel. 02735 5500 oder Tel. 01 5968383                                                                                  Spezialitäten aus ganz Niederösterreich und
                                                               ticket@volkskultureuropa.org
www.grafenegg.com                                                                                                     vieles mehr versprechen eine aufregende
                                                               www.volkskultureuropa.org                              Ballnacht. Die Spitzengastronomie mit Toni
                                                                                                                      Mörwald rundet das Ballprogramm ab.
                                                                                                                      —————
OFFENLEGUNG NACH § 25 MEDIENGESETZ
                                                                                                                      Information und Karten:
Herausgeber: Dr. Edgar Niemeczek, Dorothea Draxler. Medieninhaber: Volkskultur Niederösterreich GmbH /                Kartenbüro im Auditorium Grafenegg:
FN 308711m / LG St. Pölten, Sitz: Schlossplatz 1, 3452 Atzenbrugg, Tel: 02275 4660 0, Fax: 02275 4660 27,             Tel. 02735 5500 (Fr–So 11.00–17.00 Uhr
office@volkskulturnoe.at, www.volkskulturnoe.at
                                                                                                                      bis 22. 12. 2013)
Ziel der Zeitung („Blattlinie“): Information über Regionalkultur mit besonderer Berücksichtigung des Landes Nieder-
österreich durch Berichte, Beiträge aus Wissenschaft und Praxis, Ankündigungen und Hinweise.                          Kartenbüro der Tonkünstler Grafenegg im
Geschäftsführer: Dorothea Draxler, Dr. Harald Froschauer. Gesellschafter: Die Volkskultur Niederösterreich GmbH ist   Museumsquartier Wien: Tel. 01 5868383
zu 100% eine Tochtergesellschaft der Kultur.Region.Niederösterreich GmbH (3452 Atzenbrugg, Schlossplatz 1), deren     (Mo–Fr 9.00–17.30 Uhr)
Anteile zu je 50 % bei den beiden Vereinen „Regionalkultur Niederösterreich“ (ZVR-Zahl 385049411) und „Volkskultur
Niederösterreich – Niederösterreichisches Volksliedwerk“ (ZVR-Zahl 673094821) liegen. Beteiligung: Die Volkskultur    tickets@grafenegg.com
Niederösterreich GmbH ist zu 80% an der „Genuss und Tradition – Gastro und Event GmbH“ beteiligt. Diese Gesell-       www.wirtragennoe.at
schaft ist auf die Professionalisierung des Veranstaltungswesens ausgerichtet.

                                                       schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014
KULTUR.REGION schaufenster - Museumsmanagement Niederösterreich
Inhalt / 5

                                                            Dezember 2013/Januar 2014

                                                                  INHALT

		Advent                                                    		Mostviertel                                                            Museum Mödling
6/       Winterwald                                         21 /       Krippen                                            40 /       Kinderwelt
 ——————                                                     		——————                                                                 ——————

 Weihnachten                                                		Weinviertel                                                            Museum Katzelsdorf
8/       Von Aranzini bis Zimt                              22 /       Advent in der Kellergasse                          42 /       Papierkrippen
         ——————                                                        ——————                                                        ——————
		 Superintendent Paul Weiland                              		Handwerk
                                                                                                                           Kulturarbeit
10 /     Zwischen Himmel und Erde                           24 /       Zinnfiguren                                        43 /       Ehrenamt
         ——————                                                        ——————                                                        ——————
		 Kremser Kamingespräche                                   		Ballsaison                                                  		 St. Pölten
11 /     Selbermachen                                       27 /       Ballsäle                                           44 /       100 Jahre Synagoge
		——————                                                               ——————                                                        ——————
		Hausmusik                                                 		Ballsaison                                                  		Porträt
12 /     Weihnachtslied                                     30 /       Festtagstracht &                                   46 /       Indologe
         in der Hausmusik                                              Trachtenball                                                  Moriz Winternitz
		——————                                                               ——————                                                        ——————
		Advent                                                               Auslage                                            		Kultur.Region
15 /     Adventmärkte                                       32 /		Bücher, CDs & feine Ware                                47 /       Fortbildung
         ——————                                                        ——————                                                        ——————
		Musikschulen                                              		Rede                                                                   Kultur.Region
16 /     Musikschulen                                       34 /       Silke Hassler                                      49 /       Intern & Nachberichte
         laden zur Hausmusik                                           ——————                                                        ——————
         ——————                                             		Diskurs                                                     50 /       Die letzte Seite
		Waldviertel                                               36 /       Kriege gehören                                                ——————
18 /     Familienmusik Trauner                                         ins Museum
         ——————                                               ——————
		Waldviertel                                               		Museum
20 /     Strudl & Sterz                                     38 /       Kaiserhaus Baden
         ——————                                                        ——————

 IMPRESSUM

 Herausgeber: Dr. Edgar Niemeczek, Dorothea Draxler. Chefredakteurin: Mella Waldstein. Redaktionsteam: Karin Graf, MA, Mag. Michaela Hahn, Mag. Katharina Heger,
 Mag. Marion Helmhart, Mag. Andreas Teufl, DI Claudia Lueger, Dr. Freya Martin, Dr. Veronika Plöckinger-Walenta, Mag. Ulrike Vitovec, Mag. Anita Winterer, Mag. Eva Zeindl,
 Michaela Zettl, Mag. Doris Zizala. Mitarbeiter dieser Ausgabe: Friedrich Almer, Mag. Doris Buchmann, Mag. Monika Chromy, Dr. Peter Gretzel, Silke Hassler, Hans Hornyik,
 Dr. Erich Rabl, Franz Rieder, Mag. Paul Weiland, Dr. Helga Maria Wolf, Mag. Karin Wolf. Produktionsleitung, Marketing, Anzeigen und Beilagen: Mag. Marion Helmhart.
 Eigentümer/Medieninhaber: Volkskultur Niederösterreich GmbH, 3452 Atzenbrugg, Schlossplatz 1, FN 308711m, LG St. Pölten. Tel. 02275 4660, office@volkskulturnoe.at,
 www.volkskulturnoe.at. Geschäftsführung: Dorothea Draxler, Mag. Dr. Harald Froschauer. Sekretariat: Petra Hofstätter, Tina Schmid.
 Grafik/Layout: Atelier Olschinsky Grafik und Design GmbH, 1060 Wien. Druck: good friends Druck- und Werbeagentur GmbH.
 Verlagspostamt: 3451 Michelhausen. Versandpostamt: Postamt 3112 St. Pölten. ISSN 1680-3434.
 Copyrights: Kultur.Region.Niederösterreich GmbH, 3452 Atzenbrugg. Artikelübernahme nur nach Vereinbarung mit dem Herausgeber. Fotos: Wenn nicht anders angegeben, Bild-
 archiv der Volkskultur Niederösterreich GmbH. Ziel der Zeitung: Information und Berichterstattung über Kunst und Kultur und ihre gesellschaftlichen Bedingtheiten mit besonde-
 rer Berücksichtigung der Regionalkultur im Bundesland Niederösterreich, Beiträge aus Wissenschaft und Praxis, Ankündigungen und Hinweise.
 Alle in der Zeitschrift verwendeten Begriffe, Personen- und Funktionsbezeichnungen beziehen sich ungeachtet ihrer grammatikalischen Form selbstverständlich in gleicher Weise
 auf Frauen und Männer. Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers und der Redaktion widerspiegeln.
 Coverfoto: Gregor Semrad

                                                       schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014
KULTUR.REGION schaufenster - Museumsmanagement Niederösterreich
Advent / 6

                                                                   Waldviertel

                                       WINTERWALD

  Manche Landschaften bleiben der Welt entrückt. So der Weinsberger Wald mit seiner Weite, den dunklen
Teichen und den hellen Himmelsflecken über den Wiesen. Die Ruhe der Wälder rührt ans Herz, insbesondere
     zu Weihnachten, wenn wir uns nach Erdung sehnen. Hier ist der Platz, wo Christbäume wohnen.

        Saggraben, Weinsbergwiese, Schöngrund – Holzfällersiedlungen, die knapp auf 1.000 Meter Seehöhe liegen. Hier werden Baumstämme zugespitzt.

                                               schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014
KULTUR.REGION schaufenster - Museumsmanagement Niederösterreich
Advent / 7

  Bescherung in einem ehemaligen Holzfällerhaus …

 … die Christbäume wachsen gleich hinter dem Haus.            Sandstraßen und keine Wegweiser. Der Wald bedeckt 95 Prozent des Gemeindegebiets von Bärnkopf.

Stille riecht nach Wald und schmeckt nach               sollten sie sein, denn im Weinsberger Wald               es zu schneien, bis in den Mai hinein ging
Schnee und fühlt sich an wie die raue Luft des          war eine Familie kaum zu ernähren. Nah-                  der Schlitten. Erst Mitte Mai konnten die
Waldviertels. Hoch auf über 900 Meter See-              rungsmittel stellte die Herrschaft zu Ver-               Leute Korn und Kartoffel anbauen …“ (aus
höhe, wo der Granit vor der Welt schützt und            fügung, sie wurden in den Wirtshäusern                   der Pfarrchronik Bärnkopf, 1917). Bis heute
die grauen Stämme der Fichten wie eine                  verteilt. Erst als die Burschen trotz allem              muss man hier mit dem harten Winter
Wand stehen, liegen auf Wiesen verstreut die            Frauen und Kinder hatten, wurden die kar-                leben. Es ist um „einen Rock kälter“, wie die
ehemaligen Holzfällersiedlungen des Weins-              gen Rodungen in Landparzellen aufgeteilt.                Waldviertler sagen. In manchen Jahren will
berger Waldes. Es sind niedrige Häuser: halb            Schweine wurden im Wald gemästet, die Kuh                sich der Winter gar nicht verabschieden:
aus Stein, halb aus Holz und ein kleiner Stall          im Stall hatte Laub als Einstreu, auf Wald-              „Nur Juli und August war kein Schnee zu
anbei. Im Winter reicht der Schnee bis unters           lichtungen waren Krautgärten eingezäunt.                 sehen“, vermerkt die Pfarrchronik Bärnkopf.
Dach und durch die Fenster scheint ein mil-
chiger Tag.                                             Die meiste Arbeit fiel zur Schneeschmelze an,            Bis vor ein paar Jahrzehnten war der Wald
                                                        wenn die Bäche genügend Wasser führten,                  ein weißer Fleck auf der Landkarte. Selten
Bis ins 18. Jahrhundert war die Region ein              um die Holzbloche zur Donau zu triften.                  verirrte sich dort hinauf ein Fremder. Als
Urwald, in der nur ein paar Glashütten ver-             Einerseits lagerte das Holz in den Teichen,              der Wirt August Marschall aus Gutenbrunn
borgen lagen. Als mit der Industrialisierung            andererseits wurden sie als Reservoir genützt,           1960 das „skandinavische Skifahren“ für
der Holzbedarf der Metropole Wien rasant                um das Wasser der Bäche zu regulieren. Wer               sich entdeckte, wurden die ersten Langlauf-
anstieg, erwarb der Erbpostmeister und                  nicht im Wald beschäftig war, arbeitete                  loipen gespurt. Sie ziehen sich zwischen
Entrepreneur Josef von Fürnberg die Wälder.             für den Holztransport. Die Holzbringung                  Bärnkopf und Martinsberg durch die hohen
Aus dem Böhmischen kamen Teichbauer und                 erfolgte mit den Schlitten, danach rutschte              Nadelwälder, entlang von Granitmauern,
errichteten Teiche und Schwemmkanäle, um                das Holz die Bäche zur Donau hinab und                   Teichufern und queren Lichtungen. Kristalle
das Holz hinunter zur Donau zu bringen.                 wurde dort mit Rechen aufgefangen. Die sor-              funkeln. Und in weißen Fahnen geht der
Und aus dem Salzburgischen wurden Holz-                 tierten Stämme wurden zusammengebunden                   Schnee von den Bäumen ab. /
fäller angesiedelt. Sie kamen, wohl auch weil           und nach Wien geflößt.
                                                                                                                 Text: Mella Waldstein
sie durch ihre Leistungen im einsamen Wald
                                                                                                                 Fotos: Manfred Horvath
vom Militärdienst freigestellt wurden. Ledig            „Ein endloser Winter! Mitte Jänner begann

                                                     schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014
KULTUR.REGION schaufenster - Museumsmanagement Niederösterreich
Weihnachtszeit / 8

                                                                      Kekse

               VON ARANZINI BIS ZIMT

                                    Eine kleine Kulturgeschichte des Weihnachtsgebäcks.

                                                                                                          Sorten wurden hergestellt und dann als Kol-
                                                                                                          lektion präsentiert, wobei wohl jede Mutter
                                                                                                          ihre mehr oder minder geheimen Rezepte im
                                                                                                          Erfahrungsschatz hat(te). Heute zählen „Tee-
                                                                                                          und Weihnachtsbäckereien“ zum kulina-
                                                                                                          rischen Erbe Österreichs. Die Definition
                                                                                                          weckt Geruchs- und Geschmackserinne-
                                                                                                          rungen: „Kleine, knusprige oder mürbe Fein-
                                                                                                          backwaren, die aus Mürbteig, Lebkuchenteig,
                                                                                                          Makronenmasse etc. zubereitet und z. B. mit
                                                                                                          Schokolade, Nüssen, Marmelade oder Marzi-
                                                                                                          pan verfeinert werden. Die Teige für Weih-
                                                                                                          nachtsbäckerei sind meist noch etwas üppiger
                                                                                                          und mehr gewürzt als die der Teebäckerei,
                                                                                                          u. a. mit Vanille, Zimt, Muskat, Kardamom
                                                                                                          und Nelken. Beide sind relativ lange haltbar.“

                                                                                                                      Luxusgut Zucker

                                                                                                          Teegebäck entwickelte sich parallel mit dem
                                                                                                          Konsum von Tee, Kaffee und Kakao. Nach
                                                                                                          der Gründung des ersten Wiener Kaffee-
                                                                                                          hauses (1684) entstand eine Reihe von
                                                                                                          Gebäckarten und -formen, die mit ihren
                                      Weihnachtskekse.                                                    Zutaten und Füllungen den Genuss des
                                                                                                          Kaffees steigern sollten. Damen der geho-
                                                                                                          benen Gesellschaft boten bei ihren privaten
Der erste Adventkalender der Welt bestand         Für die Herstellung in großen Auflagen                  Kaffeekränzchen gerne Kekse an. Bis in das
aus Weihnachtskeksen. Er war die Idee der         waren Kekse damals ungeeignet, aber die                 19. Jahrhundert blieben Konditorwaren auf-
Frau eines deutschen Pastors. Um ihrem klei-      Collage-Idee blieb. Auf einem Karton waren              grund der hohen Preise von Zucker, Mandeln
nen Sohn die Wartezeit bis zum Fest zu ver-       24 Gedichte aufgedruckt, ein zweiter Bogen              und Kakao Luxus. Um 1780 kostete in Öster-
süßen, nähte sie 24 „Wibeles“, schwäbische        enthielt bunte Bilder. Die Kinder konnten               reich ein Pfund Zucker 3 bis 7 Gulden, ein
Biskuitkeks, auf einen Karton. Jeden Tag          jeden Tag das Passende ausschneiden und                 Pfund Schokolade 1 bis 5 Gulden. Ein Hand-
durfte sich der Bub ein Stück herunterneh-        über das Gedicht kleben.                                werker verdiente durchschnittlich 24 Kreuzer
men. Die Kindheitserinnerung war nachhal-                                                                 am Tag.
tig: Gerhard Lang (1880–1974), später Buch-       Der Adventkalender gehört zu den vorweih-
händler und Verleger, wurde zum Erfinder          nachtlichen Kindheitsreminiszenzen wie das              Die Herstellung von süßen Backwaren in
des Adventkalenders. Dieser erschien 1902         Keksbacken. Meist war der Feiertag am                   den Haushalten wurde erst möglich, nach-
unter dem Titel „Im Lande des Christkinds“.       8. Dezember der passende Termin, mehrere                dem billigere Rohstoffe und entsprechende

                                               schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014
KULTUR.REGION schaufenster - Museumsmanagement Niederösterreich
Weihnachtszeit / 9

            Spekulatius-Nikolaus.                                                               Wachszieher.

Küchenherde der Allgemeinheit zur Verfü-           Hausfreunde sind meist viereckige Kekse mit             unseren Breiten unbekannt bis unerschwing-
gung standen. Zuckerfabriken gab es in             kandierten Früchten darin. Für Husaren-                 lich war, verwendete man Honig als Süßstoff.
Österreich seit der Mitte des 19. Jahrhun-         krapferl formt man Mürbteig zu Kügelchen                Die ersten Erzeugungsorte für Lebkuchen
derts. Backpulver in Päckchen für den Haus-        mit einer Vertiefung in der Mitte, die mit              fanden sich in den Klöstern. Den Verant-
gebrauch kam um 1890 in den Handel.                Marmelade gefüllt wird. Makronen (macche-               wortlichen nannte man „Bruder Lebküch-
Eiserne „Kochmaschinen“ mit Backrohren             rone: feiner Teig) sind ein Gebäck aus Man-             ner“. Der „gesottene Teig“ des Lebkuchens
wurden seit den 1860er Jahren serienmäßig          deln, Zucker und Eiklar, das in venetia-                besteht aus Honig, Wasser, Milch und Mehl,
hergestellt. Heute nennt das Internet tausen-      nischen Klosterbäckereien entstanden sein               er muss längere Zeit lagern, um zu gären, und
de Keksrezepte.                                    soll. Im 16. Jahrhundert brachte sie die aus            wird dann mit weiteren Zutaten verfeinert.
                                                   Florenz stammende Königin Katharina von
  Husarenkrapferl & Klosterkipferl                 Medici (1519–1589) nach Frankreich. In                           Spekulatius & Pinten
                                                   Wien heißen Makronen Mandelbusserl und
Vanillekipferl zählen zu den wichtigsten           Kokosmakronen Kokosbusserl.                             Alt ist auch das Gewerbe der Lebzelter und
Weihnachtsbäckereien. Ihre Erfolgsgeschich-                                                                Wachszieher, das die beiden Bienenprodukte
te begann nach der Erfindung des synthetisch       Von der Kirchenlehrerin Theresa von Avila               Honig und Wachs verarbeitet. Erstmals wird
hergestellten Vanillin-Aromastoffes 1874. Die      (1515–1582) stammen viele kluge Aussprü-                es 1282 in Konstanz genannt. Die Nähe zur
Kapselfrüchte der Gewürzvanille (Vanilla           che, unter anderem: „Wenn Fasten, dann                  Kirche – wegen der Erzeugung von Kerzen
planifolia) waren in Europa seit 1520 bekannt      fasten – wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn.“                   und Wachsvotiven – unterstützte die Bildung
und zählten zu den teuersten und edelsten          Anders ausgedrückt: Man soll die Feste fei-             von starken Zünften, die zugleich religiöse
Gewürze der Welt. Andere typische Speziali-        ern, wie sie fallen – und die kulinarischen             Bruderschaften waren. In Niederösterreich
täten sind Florentiner – runde Plätzchen aus       Freuden dabei nicht zu kurz kommen lassen.              sind zwischen 1650 und 1850 in 69 Städten
Mandelteig, der Honig, Zucker, Butter, Obers       Gebäck wie Klosterkipferl, Nonnenkrapferl,              und Märkten rund 600 Meister nachweisbar.
und Aranzini enthält und deren Boden in            Bischofsbrot oder Kardinalschnitte bestätigen           Die Lebzelter verkauften ihre Waren in Wall-
Kuvertüre getunkt ist.                             die Devise. Im Mittelalter, als Zucker in               fahrtsorten, auf Märkten und Kirtagen und

                                                schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014
KULTUR.REGION schaufenster - Museumsmanagement Niederösterreich
Weihnachtszeit / 10

                                                                                             Zwischen Himmel und Erde

                                                                                     RITUALE DES
                                                                                     ÜBERGANGS

                                                                                 Neues ist aufregend, erzeugt Spannung, kann auch
                                                                                       Unsicherheit und Angst hervorrufen.

                                                                                                              Zwischen Himmel und Erde beginnt es
                                                                                                              neu. Jedes Jahr, und das gleich zwei Mal.
                                                                                                              Das kirchliche Jahr hat mit dem ersten
                                                                                                              Adventsonntag, heuer am 1. Dezember,
                                                                                                              begonnen. Der bürgerliche Kalender
                                                                                                              startet mit dem 1. Jänner. Neues ist auf-
                                                                                                              regend, erzeugt Spannung, kann auch
                                                                                                              Unsicherheit und Angst hervorrufen.
                                                                                                              Das ist wohl auch der Grund, warum es
                                                                                                              so viele Rituale um den Übergang vom
                                                                                                              alten zum neuen Jahr gibt. Das neue
                                                                                                              Jahr wird von guten Wünschen und
                                                                               von guten Vorsätzen begleitet. Der vierblättrige Klee, Rauchfangkehrer
                                                                               und Schwein sollen für das notwendige Glück, für Erfolg und für die
                                    Lebzelter.                                 Gesundheit sorgen. Mit Bleigießen wird versucht, einen Zipfel der
                                                                               Zukunftsdecke zu öffnen.

hatten geschnitzte Model für die Feiertage parat. Die Holzformen               Am Beginn des Kirchenjahres gibt es den schönen Brauch des
dienten zur Verzierung des hineingepressten Teiges. Dadurch war eine           Adventkranzes. Der Kranz mit den vier Kerzen soll in der oft hek-
Herstellung gleich aussehenden Gebäcks in großen Stückzahlen mög-              tischen Adventzeit daran erinnern, innezuhalten und das Geschehen
lich. Geformt wurde damit Lebkuchen, Spekulatius (Teig aus doppelt             zu Weihnachten in den Blick zu nehmen. Das ist auch die ursprüng-
so viel Mehl wie Fett und wenig Ei, ohne Treibmittel), Springerle (Eier-       liche Idee des Kranzes. Entstanden ist er vor über 170 Jahren. Der
Zucker-Masse) und Marzipan.                                                    evangelische Theologe und Pädagoge Johann Hinrich Wichern hat
                                                                               ihn im Jahr 1839 in einem Haus für verwahrloste Kinder eingeführt.
Die Aachener Printen sind eine spezielle Weiterentwicklung eines Leb-          Um diesen Kindern aus ärmsten Verhältnissen im Advent die Zeit bis
kuchengebäcks, das um das Jahr 1820 in Aachen ihren Anfang nahm.               Weihnachten mit der Geburt des Gottessohnes nahe zu bringen,
Der Begriff „Printen“ (Abdruck, vgl. engl. to print: drucken) verrät die       entzündete man in diesem Haus der Diakonie jeden Abend eine
Verwandtschaft zum Bilderbogen. Die Model wurden auch „hölzernes               Kerze an einem großen Wagenrad. Aus dieser Idee entstand der uns
Bilderbuch“ genannt. Mit ihrer Hilfe ließen sich Heiligenlegenden              heute bekannte Adventkranz.
ebenso wie die aktuelle Mode oder Sensationen darstellen. Für die
Advent- und Weihnachtszeit gab es eine Reihe spezieller Motive: Niko-          Der ursprüngliche Adventkranz hatte immer genau so viele Kerzen wie
laus und Krampus, Jesus, Maria und Josef im Stall, Jesuskinder,                der Advent Tage zählte. Im Jahr 2013 sind das 24 Kerzen, vier große
Christusmonogramme, Anbetung der Hirten und der Könige … Aus                   weiße für die Adventsonntage, 20 kleine rote für die Wochentage im
kleinen Figuren ließen sich ganze Lebkuchenkrippen zusammenstel-               Advent. Mit seinen Lichtern ist der Adventkranz auch Symbol dafür,
len. Lebkuchenhäuser sind bis heute beliebte Geschenke. /                      dass Menschen mit Zuversicht in das neue Jahr mit allen seinen uns
                                                                               unbekannten und unvorhersehbaren Ereignissen gehen können, weil
Text: Helga Maria Wolf                                                         Gott schon da ist in unserer Welt. /
Illustrationen: Magdalena Steiner
                                                                               Mag. Paul Weiland, Superintendent der Diözese Niederösterreich

                                                 schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014
Haus der Regionen / 11

                                                                               Kremser Kamingespräche

                                     SELBERMACHEN

         Wie viel Regeln und wie viel Entscheidungsfreiheit? Organisierte Schulsysteme oder alternative
       Lebensmodelle – bei den kommenden Kamingesprächen sind spannende Diskussionen zu erwarten.

                                                                                                                                   gezielten Förderung optimal entfalten kön-
                                                                                                                                   nen. Ist freie Entfaltungsmöglichkeit das
                                                                                                                                   Zauberwort der Pädagogik? Oder ist ein
                                                                                                                                   strikter Lehrplan zielführender? In welchem
                                                                                                                                   Verhältnis stehen alternative oder „selbstge-
                                                                                                                                   machte“ Bildungsmodelle zu jenen des staat-
                                                                                                                                   lich organisierten Schulsystems? Wie lassen
                                                 Foto: Daniela Kloock

                                                                                                                                   sich standardisierte Bildungsziele mit der
                                                                                                                                   bestmöglichen Förderung individueller
                                                                                                                                   Fähigkeiten vereinbaren? /

                                                                                                                                   Text: Karin Graf
Dr. Barbara Kolm und Mag. Dr. Stephan Schulmeister.                            HR Hermann Helm und Prof. Beatrix Konicek.

Im Dezember ist Selbermachen unter dem                                     beschäftigen sich Barbara Kolm (Präsidentin
Fokus „Regeln schaffen“ Thema des Kremser                                  des Friedrich A. v. Hayek Instituts) und der
Kamingesprächs. Einerseits ist die politische                              Wirtschaftsforscher und Universitätslektor
Landschaft Österreichs von latenter Passivität                             Stephan Schulmeister.
                                                                                                                                     KREMSER
und sinkender Wahlbeteiligung geprägt,
                                                                                                                                     KAMINGESPRÄCHE
andererseits engagieren sich Einzelne mehr                                               Talente fördern                             ———————————————————
denn je – sei es im Rahmen zivilgesellschaft-
                                                                                                                                     Mi, 11. 12. 2013, 18.00 Uhr
licher Initiativen oder in der Forderung nach                              Zum Staffelfinale setzen sich Hermann Helm
                                                                                                                                     Regeln schaffen
mehr Bürgerbeteiligung. Viele Bürger wollen                                (Amtsführender Präsident des Landesschul-
                                                                                                                                     Dr. Barbara Kolm,
sich nicht bevormunden lassen und wün-                                     rates für Niederösterreich) und Beatrix
                                                                                                                                     Mag. Dr. Stephan Schulmeister
schen sich, unabhängig von staatlichen                                     Konicek (Vizerektorin für Fortbildung und
Rechtsnormen, ihre eigenen Regeln.                                         regionale Vernetzung der Kirchlichen Päda-                Mi, 8. 1. 2014, 18.00 Uhr
                                                                           gogischen Hochschule Wien/Krems) mit Bil-                 Talente fördern
              Regeln schaffen                                              dungsfragen auseinander und erörtern die                  HR Hermann Helm,
                                                                           Vor- und Nachteil von staatlich organisierten             Prof. Beatrix Konicek
Welche Möglichkeiten bieten sich bei der                                   Schulsystemen im Vergleich zu alternativen                Eintritt frei, Anmeldung erbeten!
Schaffung individueller Regeln? Wo liegen                                  oder „selbstgemachten“ Lebensmodellen.                    _
die Grenzen zivilgesellschaftlichen Engage-
                                                                                                                                     Haus der Regionen
ments? Wie stellt sich der Ausgleich von                                   Schon der Schriftsteller Theodor Fontane
                                                                                                                                     3504 Krems-Stein, Donaulände 56
Gruppenegoismen und dem Allgemeinwohl                                      meinte „Die Talente sind oft gar nicht so
                                                                                                                                     Tel. 02732 85015
gegenwärtig dar? In welchen Lebensbe-                                      ungleich, im Fleiß und im Charakter liegen
                                                                                                                                     www.volkskultureuropa.org
reichen sind Regulierungen notwendig? Und                                  die Unterschiede.“ Demnach schlummern in
in welchen Bereichen wäre mehr Entschei-                                   jedem Menschen Begabungen und Talente,
dungsfreiheit zielführend? Mit diesen Fragen                               die sich jedoch erst im Rahmen einer

                                                                        schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014
Weihnachten / 12

                                                                     Hausmusik

                                           MITMACHEN!

 Beim Weihnachtslied in der Hausmusik ist das religiöse Element zugunsten dem stimmungsvollen gewichen.
    Wie auch immer die Motive sind – Hauptsache, es wird zu Hause gemeinsam gesungen und gespielt.

Die stillste Zeit im Jahr lädt wie keine andere      Das Phänomen Hausmusik ist facettenreich                Hauß und Tisch Musica. Darin sehr schöne
Zeit im Jahreskreis zur Hausmusik ein, zur           und hat sich im Laufe der Jahrhunderte ver-             Gesänge des H. Paschasij Reinicken, durch
Musik im kleinen, familiären Kreis. Nicht            ändert und entwickelt. Die Wurzeln gehen                den Catechismum D. Mart. Lutheri, auff alle
der passive Genuss von Musik steht dabei im          bis ins 17. Jahrhundert zurück. Einer der               Tag (…) zu singen“ sein, die 1605 in Witten-
Vordergrund, sondern das aktive Musizie-             ersten Belege für den Begriff „Hausmusik“               berg gedruckt wurde. Erstmals nachweisbar
ren möglichst vieler im privaten Bereich.            dürfte Bartholomäus Gesius’ „Christliche                tritt der Begriff „Hausmusik“ in Titeln von

                                                  schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014
Weihnachten / 13

Notensammlungen auf. Unzweifelhaft wird            gung Anfang des 20. Jahrhunderts, die sich              „Stille Nacht“, das heute bekannteste aller
hier das christliche Haus als wesentlicher         speziell der Volksmusikpflege annahm und                Weihnachtslieder, eroberte von einer Dorf-
Ort für das gemeinsame Musizieren defi-            proklamierte, dass die „wahre Volksmusik                kirche ausgehend sehr rasch die bürger-
niert und der Schule und der Kirche als            aus der Familie herauswachsen“ müsse und                lichen Häuser des 19. Jahrhunderts. Die
ebenbürtig erklärt.                                so die „tiefsten und heiligsten Werte der               erste Veröffentlichung 1833 kennzeichnete
                                                   Seele“ pflege. Im Gefolge dieser Strömung               es noch als „Tyroler Lied“. Wilhelm Fink
In der Familie geschah Verkündigung in             vereinnahmte der Nationalsozialismus die                rechnete es 1843 schon zum musikalischen
Form des geistlichen Musizierens, das zeit-        Hausmusik als seinen genuinen Auftrag.                  Hausschatz der Deutschen. Über das häus-
weilig auch von Hausandachten begleitet            Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dafür                  liche Musizieren hinaus erlangte das Lied
wurde. Was das Repertoire an Stücken für           plädiert, die Hausmusik von ideologischem               einen unerreichten Bekanntheitsgrad, da es
diese Art von Hausmusik angeht, war darauf         Ballast zu befreien und sie wieder als Stück            die Herzen zu rühren vermochte und oben-
zu achten, dass die Gesänge „von einem             bürgerlicher Kultur zu etablieren. Heute                drein auch im Kirchenraum liturgisch ein-
jeden Hauß vatter mit seinen Kindern“              schließlich ist häusliches Musizieren stark             setzbar war.
gesungen werden konnten. Einfachheit und           von jenen qualitativen Maßstäben geprägt,
leichte Singbarkeit der Stücke waren ebenso        die auch für öffentliche Aufführungen gelten.           Die Hausmusik des 19. Jahrhunderts hat den
erforderlich wie die Eignung zu häuslicher                                                                 Weihnachtsliederschatz erheblich vermehrt.
Andachtsübung. Das Singen „über Tische“            Was nun das Weihnachtslied angeht, brachte              Diese Lieder sind zu einem fixen Bestandteil
wurde als Gegenbewegung zu den rauen               speziell die Hausmusik des 19. Jahrhunderts             unseres heutigen Repertoires an Weih-
und ungehobelten Gesängen auf den Gassen           einen neuen Schatz an Liedern hervor. Da                nachtsliedern geworden, ohne dass sie die
forciert.                                          gibt es jene Lieder, die melodisch Anleihe an           weihnachtlichen Volks- und Kirchenlieder
                                                   Kompositionen der Barockzeit nehmen. So                 verdrängt hätten. Jedes Weihnachtslied ist
Ein wesentliche Wandlung von der from-             ist die Melodie des Liedes „Tochter Zion,               geeignet, im Kreis der Familie auf das Weih-
men Hausmusik, die seit dem Mittelalter            freue dich“ Händels Oratorium „Josua“ ent-              nachtsfest vorzubereiten sowie der Freude
dem Vertreiben „melancolischer einsam-             nommen. Johann Escheburg bzw. Friedrich                 Ausdruck zu verleihen und der stillen Zeit
keit“ diente, hin zu jener Hausmusik, die          Heinrich Ranke haben es mit neuem Text                  den eigenen Klang und die besondere Stim-
Ausdruck idealistischer Familienidylle sein        unterlegt. Letzterer übertrug auch den Text             mung zu geben. /
sollte, vollzog sich in der Biedermeierzeit        von „Adeste fideles“ ins Deutsche und
                                                                                                           Text: Peter Gretzel
der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wolf-      unterlegte ihn mit einer Melodie aus dem
                                                                                                           Foto: Manfred Horvath
gang Riehls Geleitbrief zu seiner „Hausmu-         18. Jahrhundert. Derartige Lieder wurden
sik“ (1855) war Maßstab für die neue Funk-         neu ein- oder auch mehrstimmig und für
tion und Richtung der Hausmusik: Sie sollte        Klavierbegleitung gesetzt.
„schlicht und ehrlich, rein und züchtig“
werden und der „Verflachung der Kunst“                         Vorfreude wecken
entgegenwirken. Die Rückkehr zu einem
einfachen, gedankenreichen, schlichten und         Eine weitere Gruppe von Weihnachtsliedern
strengen Stil sei nur durch das Musizieren         kreist thematisch nicht mehr so sehr um das               WEIHNACHTSLIEDERTELEFON
im Haus erreichbar. Tatsächlich bewirkte           Geheimnis der Menschwerdung Christi,                      ———————————————————
diese neue Praxis des häuslichen Musizie-          sondern hauptsächlich um das Weihnachts-                  Weihnachtslieder-Hotline
rens eine Verengung auf eine reine erbau-          fest als Familienfest mit Bescherung der                  Suchen Sie bestimmte Lieder? Alte oder
liche Innerlichkeit.                               Kinder und geschmücktem Weihnachts-                       neue? Klingt die Melodie noch im Ohr
                                                   baum. Das religiös erbauliche Element ist                 und es fehlt Ihnen der Text? Haben Sie
          Geselliges Ereignis                      hier dem stimmungsvollen gewichen. Der                    noch Textpassagen im Kopf, aber keine
                                                   Weihnachtsbaum wird in den Liedern „O                     Melodie mehr dazu? Das Team des NÖ
Ort der Hausmusik war im 18. Jahrhundert           Tannenbaum“ oder „Am Weihnachtsbaume                      Volksliedarchivs, Dr. Peter Gretzel und
das adelige und bürgerliche Haus. Das              die Lichter brennen“ als Weihnachtssymbol                 Mag. Daniela Fuchs, hilft Ihnen gern
halböffentliche und auch gerade dem Dilet-         thematisiert. Das Christuskind wird zum                   rasch und zuverlässig weiter.
tanten zugängliche Musizieren wurde zu             Gabenbringer in den Liedern „Kling Glöck-                 NÖ Volksliedarchiv
einem beliebten geselligen Ereignis. Gerade        chen, klingelingeling“, „Süßer die Glocken                c/o NÖ Landesbibliothek
hier konnte man den „erquickenden Atem             nie klingen“ oder auch im Lied „Alle Jahre                3109 St. Pölten
des Lebens“ erfahren, der der Musik inne-          wieder“. Die Lieder „Morgen, Kinder, wird’s               Landhausplatz 1
wohnt. Allerdings wurde die Kluft zwischen         was geben“ und „Morgen kommt der Weih-
                                                                                                             archiv@volkskulturnoe.at
professionellen Musikern und Musikliebha-          nachtsmann“ sollen die kindliche Vorfreude
                                                                                                             Tel. 02742 9005-12878
bern immer größer.                                 auf die Bescherung wecken. Eine zauber-
                                                   hafte Winteridylle wollen die Lieder                      Für Sie geöffnet:
Neu definiert wurde das Hausmusikreper-            „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ oder                      Di–Do 9.00–15.00 Uhr
toire durch die Leitbilder der Jugendbewe-         „Leise rieselt der Schnee“ transportieren.                oder nach telefonischer Vereinbarung

                                                schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014
Advent / 14

                   Advent im Brandlhof                                                                    Mitmachen

      HANDWERK                                                                       MEIN
       & MUSIK                                                                    CHRISTKIND
       Advent als stressfreie Zone. Die Volkskultur                                                  Advent –
       Niederösterreich hat gehaltvolle Angebote.                                    Wie ich mich auf das Christkind vorbereite

                                                                                                                 Advent: Das ist die Zeit des War-
                                                                                                                 tens. Die Zeit, in der sich vor allem
                                                                                                                 die Kinder auf den Heiligen Abend
                                                                                                                 und auf das Christkind freuen.
                                                                                                                 Und die Zeit, in der in den Fami-
                                                                                                                 lien und Gemeinden in Nieder-
                                                                                                                 österreich zahlreiche Bräuche –
                                                                                                                 alte, aber auch moderne – gepflegt
                                                                                                                 werden. Deshalb laden wir alle
                                                                                                                 Kinder und Jugendlichen in Nie-
                                                                                                                 derösterreich ein, an der Aktion
                                                                                                                 „Advent – Wie ich mich auf das
                                                                                                                 Christkind vorbereite!“ mitzuma-
                                                                                                                 chen und uns mitzuteilen, wie sie
Der 800 Jahre alte Brandlhof ist durch seine Handwerksmärkte weithin         sich in ihren Familien, in Schule und Kindergarten, in ihren Gemein-
bekannt. Der Adventmarkt bietet Ihnen die Gelegenheit mit Kunst-             den auf den Heiligen Abend und auf die Geburt Christi vorbereiten.
handwerken in Kontakt zu treten. Am Samstag, den 7. Dezember wird            Mit dieser Aktion wollen wir den Kindern ein bisschen den ursprüng-
der Christbaum illuminiert – eine feierliche Geste, die zum Verweilen        lichen Sinn und Zauber des Weihnachtsfests begreifbar machen.
einlädt. /                                                                   Der Advent soll als Zeit der besinnlichen Vorbereitung auf das Weih-
                                                                             nachtsfest erhalten bleiben. Und das Christkind ist für uns das Symbol
                                                                             für das Friedensfest Weihnachten. /

  ADVENT IM BRANDLHOF
  ———————————————————————————————
  Sa, 7. 12., 14.00–18.00 Uhr, So, 8. 12. 2013, 10.00–18.00 Uhr                 AKTION CHRISTKIND
  Weihnachtsmarkt und Rahmenprogramm                                            ———————————————————————————————
  3710 Radlbrunn, Brandlhof                                                     Schreibt uns, welche Bräuche ihr im Advent pflegt.
  Eintritt frei!                                                                Schickt uns eine Zeichnung von „eurem“ Christkind.
  Sa, 7. 12. 2013, ab 14.00 Uhr: Weisenblasen mit voixBrass, Lesung,            NÖ Medienzentrum
  ARTSchmidatal, Illuminierung des Christbaums, Offenes Singen                  Rennbahnstraße 29/4/403, Stiege C, 3109 St. Pölten
  So, 8. 12. 2013, ab 10.00 Uhr: Weisenblasen mit den Pulkauer Wei-             Fax 02742 9005 16530
  senbläsern, Lesungen, ARTSchmidatal, Offenes Singen im Hof mit                mitmachen@mein-christkind.at
  Dorli Draxler                                                                 www.mein-christkind.at
  An beiden Tagen stimmungsvoller Weihnachtsmarkt mit traditio-                 Einsendeschluss ist der 9. Dezember 2013
  nellem Handwerk.
                                                                                Alle Einsendungen werden im Internet auf
  Information:                                                                  www.mein-christkind.at veröffentlicht.
  Brandlhof, Tel. 0664 8208595
                                                                                Als kleines Dankeschön werden unter allen Einsendern ein Tablet
  www.volkskulturnoe.at                                                         und Einkaufsgutscheine der Firma SPAR verlost.

                                               schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014
Advent / 15

                                       Advent im Haus der Regionen                                                 So schmeckt Niederösterreich

                               AUF NACH                                                                          ADVENT
                              BETHLEHEM                                                                         IM PALAIS
                             Klein, aber fein: Adventmarkt am Ludwig-von-                             Ein stimmungsvoller Markt des Landes Niederöster-
                              Köchel-Platz und in der Galerie der Regionen.                             reich für seine Landsleute und Freunde in Wien.

                                                                                                                                      Bereits zum sechsten Mal werden
                                                                                                                                      kulinarische Schmankerln und
                                                                                                                                      köstliche Raritäten aus unserem
Foto: Helmut Lackinger

                                                                                                                                      Bundesland im Innenhof sowie in
                                                                                                                                      den Prunkräumen des ehemaligen
                                                                                                                                      Niederösterreichischen Landhauses
                                                                                                                                      präsentiert und die Besucher auf
                                                                                                                                      eine vorweihnachtliche Reise durch
                                                                                                                                      die Regionen Niederösterreichs
                         Seien Sie Gast beim beschaulichen Adventmarkt am Ludwig-von-                                                 und ihrer Spezialitäten entführt.
                         Köchel-Platz in Krems-Stein und tauchen Sie ein in eine zauberhafte
                         Adventidylle. Genießen Sie die vorweihnachtliche Zeit in Ruhe, stö-        Zum Schauen – Kunsthandwerk aus Niederösterreich, Krippenausstel-
                         bern Sie im Angebot des Markts und lassen Sie sich von Volksmusiken-       lung. Zum Schenken – Produkte aus Niederösterreich, geschmackvolle
                         sembles und weihnachtlichen Liedern auf das bevorstehende Weih-            Geschenkideen. Zum Zuhören – Chöre, Bläser und Musikgruppen aus
                         nachtsfest einstimmen. Der Adventmarkt zeichnet sich durch seine           Niederösterreich, besinnliche und heitere Gedanken für Groß und
                         liebevolle Gestaltung und stimmungsvolle Atmosphäre aus. Die Aus-          Klein. Zum Genießen – traditionelle Köstlichkeiten und geschmack-
                         steller bieten sorgfältig hergestelltes Kunsthandwerk wie handbemalte      volle Raritäten.
                         Zinnfiguren, weihnachtliche Kerzen und Drechselkunst ebenso wie
                         Produkte aus der Region und Glühwein und Punsch an. /                      Freitag: Mostviertler BlechMusikanten, Stubenmusik Rauchengern,
                                                                                                    Wienerwald Viergesang, Alpine Carolers, Chorgemeinschaft Kilb,
                                                                                                    Chor der Musikhauptschule Blindenmarkt; Lesungen: Annemarie
                                                                                                    Eppinger, Marlen-Christine Kühnel, Herbert Eigner begleitet von Eva
                           ADVENT IM HAUS DER REGIONEN
                                                                                                    Wallisch an der Harfe.
                           ———————————————————————————————
                           Sa, 14. 12., 14.00–19.00 Uhr, So, 15. 12. 2013, 10.30–18.00 Uhr
                                                                                                    Samstag: Krass Brass, WiazHausmusi, Ernsthofner Viergesang & Dop-
                           ADVENT / Markt am Ludwig-von-Köchel-Platz                                pelquartett, Scheibbser3er, Chor der Pfarre Ybbsitz, TexSinger Dreier;
                           Eintritt frei!                                                           Lesungen: ARTSchmidatal, „Buchabauer“ Erich Stöger, Günter
                                                                                                    Brauneis begleitet von den Mostviertler Zitherfreunden. /
                           Fr, 13. 12. 2013, 19.30 Uhr
                           ADVENT / Konzert „Auf nach Bethlehem!“
                           Konzertkarten: Kat. I: VVK: EUR 16,00, AK: EUR 18,00
                           Kat. II: VVK: EUR 14,00, AK: EUR 16,00                                      SO SCHMECKT NIEDERÖSTERREICH
                           Tipp: Genießen Sie vor den Konzerten ab 17.30 Uhr ein dreigän-
                                                                                                       ADVENTMARKT
                                                                                                       ———————————————————————————————
                           giges Menü im Restaurant Blauenstein inkl. Konzerteintritt um
                           insgesamt EUR 34,00.                                                        Fr, 29. 11., und Sa, 30. 11. 2013, 10.00–21.00 Uhr
                           Information und Kartenbestellung                                            Palais Niederösterreich
                           Haus der Regionen, 3504 Krems-Stein, Donaulände 56                          1010 Wien, Herrengasse 13
                           Tel. 02732 85015, ticket@volkskultureuropa.org                              Der Eintritt ist frei!
                           www.volkskultureuropa.org                                                   www.soschmecktnoe.at

                                                                      schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014
Musikschule / 16

                                                                             Hausmusik

                          DAS FAMILIENLEBEN
                             BEREICHERN
         Musikschule und Hausmusik – wie geht das zusammen? Ganz einfach, indem die Musikschulen
                  Familienkonzerte veranstalten und Familien musikalisch zusammenführen.

                                                                                                                  gemeint (siehe auch Seite 12). Typisch für
                                                                                                                  dieses Zeitalter sind die Schubertiaden, die
                                                                                                                  als Prototyp und historisches Vorbild der
                                                                                                                  Hausmusik verstanden werden und die Ver-
                                                                                                                  lagerung der Musik in den Privatbereich ver-
                                                                                                                  körpern. Idyllische Beschreibungen von
                                                                                                                  Hausmusik, Szenen aus dem 19. Jahrhundert
                                                                                                                  – durch Massenmedien und Tonträger hat
                                                                                                                  sich der Stellenwert der Hausmusik verän-
                                                                                                                  dert. Das gemeinsame Musizieren wird den-
                                                                                                                  noch fortgeführt, wenn auch in anderen For-
                                                                                                                  men und Bedeutungen.

                                                                                                                  Der Name Hausmusik findet sich heute viel-
                                                                                                                  fach in Ensemblenamen, oft auch im Bereich
                                                                                                                  der Volksmusik, wieder. Andererseits wird sie
                                                                                                                  als Gegenpol zur Massenkultur gesehen und
                                                                                                                  nützt diesen Status zur Hervorkehrung der
                                                                                                                  Individualität. Zahlreiche Aktionen und Pro-
                                                                                                                  jekte thematisieren Hausmusik – so setzt die
                                                                                                                  Volkskultur Niederösterreich mit der Initiati-
                                                                                                                  ve Hausmusik ein deutliches Zeichen. In der
                                                                                                                  Steiermark wiederum liefert eine Konzert-
                                                                                                                  agentur „Hausmusik auf Bestellung“, wobei
         Sieben Mitglieder hat die Familie Pilz – mindestens ein Instrument spielen sie alle. Foto: Pilz          die Bewohner als Gastgeber fungieren und
                                                                                                                  die Musik „mitgebracht“ wird. Ein ähnliches
                                                                                                                  Format wählt ein Ensemble für zeitgenös-
Wem es gelingt, der Hektik in der Vorweih-                 im häuslichen Bereich, im Kreis der Familie,           sische Musik, PHACE, mit „rent a musician“.
nachtszeit im Einkaufsrausch zwischen                      im Freundeskreis oder sozialen Gemein-                 Dabei können sich interessierte Zuhörer For-
Arbeitsstress und Punschstand zu entkom-                   schaften und ist nicht an bestimmte Musik-             mationen vom Solisten bis zur Triobesetzung
men, der erlebt hin und wieder – alle Jahre                richtungen gebunden.                                   für ein Minikonzert ins eigene Wohnzimmer
wieder – einen Moment der Ruhe und                                                                                bestellen. Die Thüringer Bachwochen wiede-
Besinnlichkeit. Adventkranzbinden, Kekse                   Obwohl die Praxis des Musizierens im Haus              rum initiierten eine „Lange Nacht der Haus-
backen, Musikmachen – mehr als sonst                       bereits seit dem Mittelalter nachweisbar ist,          musik“ und luden Kinder, Erwachsene,
besinnt man sich in der Weihnachtszeit auf                 findet der Begriff „Hausmusik“ heute häufig            professionelle Musiker und Amateure ein,
Traditionen wie diese. Das gemeinsame                      in einem anderen Kontext Erwähnung.                    zu Hause Werke von Bach zu spielen und ihre
Musizieren und Singen ist in vielen Familien               Spricht man von Hausmusik, so ist oft die              Wohnungen dabei der Öffentlichkeit zu
das ganze Jahr über fixer Bestandteil des All-             bürgerliche Gattung, die in der Salonkultur            öffnen.
tags. „Hausmusik“ bezeichnet das Musizieren                des Biedermeier ihren Höhepunkt erreichte,

                                                       schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014
Musikschule / 17

                 Familie Haas bei der Probe für das Familienkonzert in der Musikschule. Foto: Regionalmusikschule Bisamberg/Leobendorf/Enzersfeld

Die Familiengemeinschaft stärken                      Ein ,Auftrag‘ von außen motiviert alle Betei-              Musiziert wird fast jeden Tag, vor dem Kon-
                                                      ligten, gemeinsam einen schönen Beitrag zu                 zert noch intensiver. Wie das Musizieren und
Hausmusik im traditionellen Sinn wird                 leisten. Die Aufführungen machen dann                      Proben abläuft? „Die siebenjährige Zoe ist
nicht zuletzt aufgrund eines sehr aktiven             nicht nur den Zuhörern Freude, sondern sie                 unsere Lehrerin – sie hat Oma geholfen. Alle
Musikschulwesens in vielen Familien und               stärken auch die Gemeinschaft innerhalb                    zusammen haben Papa motiviert. Und es hat
Freundeskreisen praktiziert. Sieben Mitglie-          der Familie“, ist man sich einig.                          funktioniert: Er möchte nun Klavier lernen“,
der hat die Familie Pilz – mindestens ein                                                                        erzählt Claudia Haas, die auch Musikschul-
Instrument spielen sie alle. Von der jüngs-                 „Wenn Eltern nervöser sind                           lehrerin Gudrun Bergmann als wesentlichen
ten, Susanne (4), die die musikalische                          als ihre Kinder"                                 Faktor für den Erfolg sieht, denn das Konzert
Früherziehung besucht, bis zu Samuel (18),                                                                       ist zu einem Highlight des Jahres geworden
der Fagott spielt, besuchen bzw. besuchten            Die Musikschule Bisamberg/Leobendorf/                      – „auch wenn die Eltern dabei nervöser sind
alle fünf Kinder die Musikschule Tulln, wo            Enzersfeld veranstaltet jährlich ein Familien-             als ihre Kinder“. Für das zweite Konzert ver-
sie sowohl Unterstützung bei der Auswahl              konzert. Bei diesem Konzert spielen nicht nur              suchte sich der Vater erfolgreich auf dem Vio-
geeigneter Stücke als auch bei den Proben             „fixe“ Familienmusiken, sondern es werden                  loncello. „Das gemeinsame Musizieren hat das
finden. Beim gemeinsamen häuslichen                   für diesen Anlass auch Familien „musikalisch               Familienleben enorm bereichert“, meint Clau-
Musizieren ist Mutter Claudia das Binde-              zusammengeführt“. Die Lehrer bearbeiten                    dia Haas – und ist gespannt, welches Instru-
glied der Familie – sie begleitet beim Üben           Stücke für ausgefallene Besetzungen, sodass                ment ihr Mann als Nächstes lernen wird. /
und initiiert Proben.                                 auch Elternteile, die kein Instrument beherr-
                                                      schen, mitwirken können. Ein Konzept, das                  Text: Katharina Heger
Denn neben dem gemeinsamen Musizieren                 Familie Haas begeistert hat: Die beiden Töch-
zu Hause hat die Familie Pilz auch Auftritte          ter, Zoe und Lilly-Ann, lernen Geige an der
in der Musikschule, bei Taufen, Gottesdiens-          Musikschule, Mutter Claudia spielt Klavier.                   AKTION HAUSMUSIK
ten oder Familienfeiern. „Auch wenn alle              Für das Familienkonzert studierte Vater                       ———————————————————
Familienmitglieder in verschiedenen Be-               Manfred, der kein Instrument spielt, über                     Dieser Ausgabe des Schaufenster Kultur.
reichen musizieren, kann doch die Motivati-           Wochen hinweg ein Stück am Klavier ein, die                   Region ist die Broschüre „Aktion Haus-
on für das gemeinsame Musizieren in der               Oma wirkte am Tamburin mit. „Das Mit-                         musik. Weihnachtslieder lieber selber
Familie sehr unterschiedlich hoch sein.               einander ist für alle Familienmitglieder ein                  singen“ beigelegt. Viel Spaß beim Singen
Zusätzlich machen Geschwisterkonflikte das            wunderbares Erlebnis. Und die Kinder sehen:                   und Musizieren!
Proben manchmal schwierig. Als förderlich             auch Erwachsene müssen üben“, schwärmt                        Das Heft kann auch bei der Volkskultur
haben wir erlebt, wenn von außen Anfragen             Claudia Haas.                                                 Niederösterreich bestellt werden:
zum gemeinsamen Musizieren kommen.                                                                                  office@volkskulturnoe.at

                                                  schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014
Waldviertel / 18

                                                           Familienmusik Trauner

                                 RUNDUM MUSIK

  Die Hausmusik bestimmt schon seit Langem das Leben der Familie Trauner. Manuela und Johann Trauner
           leben gemeinsam mit ihren elf Kindern in Altenburg am Rande des Horner Beckens.

                            Familie Trauner: Musik ist Bestandteil des Alltags – jedes Kind spielt mehrere Instrumente. Foto: z. V. g.

Als erstes begannen die Kinder mit der               Ausprobieren in der Familie, die Musikschul-                  Rest“, indem sie mit dem Flötenkopf alleine
Blockflöte, sie spielten von Anfang an im            lehrer bieten den weiteren Instrumentalun-                    durch das Haus tröten.
Kreise der Familie, wo auch Bekannte mit-            terricht. Ab dem 3. Lernjahr „nehmen die
musizierten. Die Kinder merkten so, dass die         Kinder meistens ein zweites Instrument                        Vor drei Jahren hat die Familienmusik Trau-
Flöte kein Kinderinstrument ist und von              dazu“. Die abgespielten Blockflöten wandern                   ner ein Programm erarbeitet, welches aus-
Erwachsenen genauso gespielt wird. Ein               in die Hände der kleineren Geschwister.                       schließlich Adventmusik in verschiedensten
Zusammenspielen passiert ab dem ersten               Diese geben den Instrumenten dann „den                        Besetzungen und Gesänge enthält. Der

                                                schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014
Waldviertel / 19

Advent, welcher für die Familie ein bedeu-           an der Wolfgang-Amadeus-Mozart-Musik-
tendes kulturelles und religiöses Anliegen ist,      schule. Franz, der Zweitälteste, besucht die
bietet ein unerschöpfliches Repertoire an            Bundesfachschule für Flugtechnik in Langen-
Musikliteratur. Das Adventprogramm wird              lebarn und ist heuer für ein Jahr beurlaubt. Er
mit einigen klassischen Stücken bereichert.          konzentriert sich auf Violine und Oboe.
                                                     Daneben kümmert sich sein Onkel Pater
      Lampenfieber unbekannt                         Arnold, der ein Jahr zur Erholung aus Afrika
                                                     im Kreise der Familie Trauner verweilt, um
Die Kinder konzertieren nicht, sondern sie           die humanistischen Fächer Latein und Fran-
spielen und musizieren einfach. Sehr wohl            zösisch. Die Drittälteste ist Maria, sie spielt
sind sie mit dem nötigen Ernst und großem            Block- bzw. Querflöte, seit über drei Jahren
Eifer dabei, aber Lampenfieber müsste man            auch Cello und absolviert im Moment von zu
ihnen erst beibringen, da sie ihre Auftritte         Hause aus ihr letztes Pflichtschuljahr.
nicht als Konzert betrachten. Bei Bewerben
spielen die Kinder ohne Lehrer oder Eltern,          Der einzige externe Unterricht, den die Kin-
                                                                                                                          Mutter Manuela Trauner ...
bei Auftritten spielen die Eltern jedoch mit.        der bekommen, ist der Instrumentalunter-
Hat die Familie anfangs nur instrumental             richt über den Gemeindeverband der Musik-
musiziert, so begann man vor einiger Zeit auf        schule Horn. Die Zweigstellenleiterin von
Anregung der Mutter zu singen. Sieben Kin-           Altenburg, Sonja Walther, hat Tonsatz, Violi-
der treten bereits als Vokalensemble auf und         ne und Viola studiert und hilft, das Notenma-
konnten heuer einen 1. Preis beim landeswei-         terial an das Können der Kinder anzupassen.
ten Volksmusikwettbewerb in Leobendorf               Jedes Kind spielt mehrere Instrumente, daher
erringen. Als Belohnung gab es dann eine             ist auch professionelle Hilfe für die Besetzung
Einladung zu der von der Volkskultur Nieder-         gefragt. Mag. Andrea Straßberger ist eine
österreich organisierten tanz&MUSIKwoche             große Stütze der Familie. Bei Vorlage eines
in Hollenstein/Ybbs.                                 drei- bis vierstimmigen Satzes weiß sie sofort,
                                                     welche Stimme mit welchen Instrumenten
Die Übungseinheiten für das gemeinsame               besetzt werden soll. Das betrifft auch die
Musizieren sind auftrittsbezogen und werden          Stückauswahl! Welches Stück in welcher
intensiviert, wenn ein Bewerb ansteht. Alle          Besetzung dann wirklich „aufgeht“, erfordert
wohnen zu Hause, wo zu bestimmten Zeiten             großes Fingerspitzengefühl.                                  ... und alle elf Traunerkinder. Fotos: z. V. g.
gemeinsam geprobt wird. Natürlich muss es
mehrere Proberäume fürs gleichzeitige Üben               Irgendwo spielt immer jemand
geben. Das Klavier- und das Flügelzimmer                                                                     löffel ist die Querflöte, die Nackenrolle zwi-
reichen nicht aus, in genügender Entfernung          Hausmusik bedeutet im Fall der Familie                  schen den Knien das Cello und eine große
wird auch im Bügelzimmer oder im Abstell-            Trauner gleichzeitig Familienmusik, weil                Fruchtsalatdose die Trommel). So intonieren
raum bei der Getreidemühle geübt. Viele              viele Möglichkeiten der Besetzung auch für              und simulieren die Kinder mehrstimmig das
Kinder sind aber auch außerhalb der Familie          klassische Musik vorhanden sind. Drei Mäd-              angesagte Stück.
musikalisch tätig wie zum Beispiel bei der           chen spielen Klavier und begleiten ihre
Blasmusik Pölla (fünf), beim Gesangs- und            Geschwister auch schon bei Bewerben. Rund               Neujahrskonzerte oder Beethovenkonzerte
Musikverein Horn (sieben plus Mama) oder             um die Uhr spielt irgendwer irgendwo im                 auf DVD, Buchbinder am Klavier die Phil-
bei Prima la Musica. Einige Kinder werden            Haus, manchmal müssen selbst die Eltern                 harmoniker leitend, das fesselt auch schon die
laufend zu kleineren Ensembles eingeladen,           nachsehen, wer da spielt, so sprunghaft sind            Zwei- bis Siebenjährigen mehr als eine Stun-
zu Aktivitäten der Musikschule oder ähn-             oft die Fortschritte am Instrument. Die drei            de. Illegales Selbsterlernen eines Instru-
lichen Projekten. Durch das häufige Prakti-          ältesten Kinder begannen heuer mit der                  mentes wird längst nicht mehr geahndet, auf
zieren der Hausmusik werden die Fähigkei-            theoretischen Ausbildung in der Oberstufe.              die korrekte Instrumentenhaltung sind die
ten am Instrument automatisch und vor                                                                        Argusaugen der rechtmäßigen Instrumen-
allem „im Spiel(en)“ gefestigt.                      Dieses Umfeld färbt auf die kleineren                   tenbesitzer gerichtet. Der Druck „der Basis“
                                                     Geschwister in der Weise ab, dass man sie bei           ist so enorm, dass ein Streicherensemble mit
Magdalena ist mit 17 ½ Jahren die Älteste und        improvisierten Orchesterproben erwischt.                einem Altersdurchschnitt von neun Jahren
spielt Klavier, Violine, Gitarre und Hackbrett       Dabei steht ein Kind am Wohnzimmertisch                 einen 2. Preis beim Volksmusikwettbewerb
und steht im zweiten Lehrjahr als Verkäufe-          und dirigiert summend eine allen bekannte               errang. Wo wird das noch hinführen – und
rin in einem Horner Handarbeitsgeschäft. In          Melodie, die anderen spielen dazu ihre Phan-            das Ganze nur deshalb, weil die Eltern nie
den Mittagspausen kehrt sie nach Hause               tasieinstrumente (zwei Flötenputzer kreuz-              was dagegen unternommen haben! /
zurück, um an gemeinsamen Proben teilneh-            weise aneinander gerieben in der richtigen
men zu können, oder nimmt Hornunterricht             Stellung sind sie Violine und Viola, der Koch-          Text: Andreas Teufl

                                                  schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014
Sie können auch lesen