Medaillon - Renoviertes Bibliotheks-Burgergemeinde Bern

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Medaillon - Renoviertes Bibliotheks-Burgergemeinde Bern
Medaillon  Informationen aus der Burgergemeinde Bern
                                       nr. 26, November 2016

       seiten 4–5                          seite 12                            seite 17
Renoviertes Bibliotheks-                Sozialpreis                    Nichts ist so beständig
 gebäude eingeweiht                       2016                            wie der Wandel
Medaillon - Renoviertes Bibliotheks-Burgergemeinde Bern
medaillon nr. 26, november 2016

           Inhaltsverzeichnis

                      Seiten 4–5

  Renoviertes Archiv- und Bibliotheks­
gebäude an der Münstergasse eingeweiht
        Neuer «Hotspot» der Wissensvermittlung

                        Seite 12

                Sozialpreis 2016
      Begleitung für Schwerkranke und Angebot mit
        besonderem Familienanschluss gewürdigt

                        Seite 17

  Nichts ist so beständig wie der Wandel
           Das Burgerliche Jugendwohnheim
               unterstützt neu vor Ort

Renoviertes Archiv- und Bibliotheksgebäude
an der Münstergasse eingeweiht4
Söldner, Bilderstürmer, Totentänzer6
Kurzinformation über
die aktuellen Abstimmungsvorlagen7
Ein Glücksfall8
Mein Reitpferd Silas und ich10
Es ist etwas los im Dachgeschoss11
Sozialpreis 201612
Bürzi-Casino, Zoar oder Käderegge?14
Kulturpreis 201615
Haus am Tavelweg 8
aus Dornröschenschlaf erwacht16
Nichts ist so beständig wie der Wandel17
Zwei Berufsporträts18
Die Lounge «Bellevue» im 15. Stock
ist ein besonderer Ort20
Bärner Müschterli21
Agenda22
Buchtipps: «Das Herbarium des Felix Platter»23
Weihnachtsbaumverkauf 2016 bei Forsthäusern23
Hohe Geburtstage im zweiten Halbjahr 201623

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medaillon nr. 26, november 2016

                            Editorial

         Liebe Burgerinnen, liebe Burger,
           liebe Leserinnen, liebe Leser

Im April haben wir der Abegg-Stiftung den Kulturpreis verliehen,
im Mai zeichneten wir das «Zentrum für ambulante Palliativbeglei-
tung plus» sowie das Angebot «Betreutes Wohnen in Familien» der
Oekonomischen Gemeinnützigen Gesellschaft Bern mit dem Sozial­
preis aus. Das grosse Umbauprojekt im Kultur Casino Bern ist
aufgegleist und bereit für die Umsetzung ab Sommer 2017, vor­be­
hältlich des Volksentscheids im Dezember.
     Der Wald hielt uns dieses Jahr besonders auf Trab. Etwa auf-
grund des Medienrummels um die illegalen Waldbewohner im
«Bremer» oder wegen einer abgedruckten Todesanzeige in der
Zeitung wegen Holzschlagarbeiten im Könizbergwald. Im Natur­
historischen Museum war wieder viel los. So trug der goldene
Elefant auf dem Dach anlässlich der Tour de France ein rot-weiss
gepunktetes Trikot, und dann wurde die Sonderausstellung zur
sensationellen Entdeckung des «Twannberg-Meteoriten» eröffnet.
     Im Berner GenerationenHaus rückte die Fotoausstellung
«MenCare» engagierte Väter ins Zentrum. Weiter lockte das Matter‑
festival Hunderte in den Innenhof des Burgerspitals. Eine ganze
Nacht lang gehörte der Spittelinnenhof dann Familien, welche dort
in selbstbemalten Kartonzelten campierten.
     Ein weiteres, reiches Burgerjahr neigt sich dem Ende zu. Kein
Grund für den Kleinen Burgerrat, sich auszuruhen. Vor den Som-
merferien wurde eine Spezialkommission mit der Überprüfung der
Kulturpolitik beauftragt. Im Herbst erfolgte der Start zur Satzungs­
revision und Überprüfung der Sozialpolitik: Gouverner, c’est prévoir!
     Nun wünsche ich Ihnen einerseits viel Vergnügen bei der
Lektüre des neuen Medaillons und andererseits eine besinnliche
Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins Jahr 2017.

Herzlich, Rolf Dähler
Burgergemeindepräsident

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medaillon nr. 26, november 2016

                       Renoviertes Archiv- und Bibliotheksgebäude
                            an der Münstergasse eingeweiht
                                             Neuer «Hotspot» der Wissensvermittlung

                                 Herzstück ist der neu gestal­tete Lesesaal unter dem Hofgarten.

Im Frühjahr erfolgte der Rückzug der Burgerbibliothek sowie           vermittlung, der die Menschen anzieht und zum Arbeiten
der Bibliothek Münstergasse, vormals Zentralbibliothek, an            oder Verweilen einladen soll – damit hier auch Zukunfts-
den angestammten Ort. Das barocke Gebäude war zuvor wäh-              trächtiges entstehen kann.
rend zweier Jahre grundlegend saniert worden. Nachdem bei-
de Institutionen ihren Betrieb wieder aufgenommen hatten,             Vom Kornhaus und Weinkeller zur Kathedrale des Geistes
wurde das Gebäude am 10. September mit einem Tag der offe-            Das Gebäude wurde von der Berner Obrigkeit Mitte 18. Jahr-
nen Tür offiziell eingeweiht. Für die zahlreichen Besucherinnen       hundert ursprünglich als Kornhaus und Weinkeller erbaut,
und Besucher gab es viel Neues zu entdecken, etwa den rund-           sozusagen als repräsentativer Bau für die Früchte des Landes.
um modernisierten, prächtigen Hallersaal.                             Die sogenannte «Ankenwaag» wurde aber schon wenige
                                                                      Jahrzehnte später zur Bibliothek ummodelliert und in der
TEXT: MARTIN GRASSL; BILDER: MARCO SCHIBIG UND MARTIN GRASSL          Folge stetig baulich erweitert, um Platz zu schaffen für den
Ziel des erstmals im Jahr 2007 angedachten Umbauprojekts              laufenden Zuwachs an Büchern. Von 1968 – 1974 erfolgte dann
war es einerseits, den historischen Archiv- und Bibliotheks‑          ein grosser Aus- und Umbau des Gebäudes, doch schon in
standort in der Altstadt zu erhalten, und anderseits, das Ge-         den späten 1980er-Jahren herrschte wieder Platznot. Das
bäude den modernen Bedürfnissen beider dort beheimateten              «Raumprogramm 2000» der Universitätsbibliothek löste mit
Institutionen anzupassen. Die Burgergemeinde als Bauherrin            der Konzipierung des Bauprojekts vonRoll-Areal und den
hat das barocke Baudenkmal schliesslich sorgfältig restau-            dort zur Verfügung stehenden Magazinräumen das Platzpro-
riert und «fit» gemacht für die Zukunft. Hierbei war auch             blem: Der Weg für eine Modernisierung an der Münstergasse
entscheidend, dass sich die Universität Bern als Trägerin der         war frei.
Bibliothek Münstergasse zusammen mit der Burgergemeinde
auf einen langfristigen Mietvertrag einigen konnten. Dane-            Viel Neues
ben sagte die Burgergemeinde dem Zentrum Historische Be-              Das von der alb architektengemeinschaft ag renovierte Haus
stände samt dazugehörendem Restaurierungsatelier, welches             trumpft mit vielen Novitäten auf. Herzstück ist der neu gestal-
der Universitätsbibliothek angegliedert ist, weiter künftig ei-       tete, lichtdurchflutete Lesesaal unter dem Hofgarten mit der
nen jährlich wiederkehrenden Unterstützungsbeitrag zu.                Höhe von zwei Etagen. Das grösstenteils aus Nussbaumholz
Nun steht mitten in Bern ein zeitgemässer Ort der Wissens-            gefertigte Interieur verleiht ihm eine gediegene Aura. Weiter

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                                       Auf Gebäudetour mit dem Berner GenerationenChor

                            Blick ins Restaurierungsatelier             Gut besuchter Tag der offenen Tür

auffällig ist die im Erdgeschoss erfolgte Öffnung der Lauben-          beitsplätze für die Mitarbeitenden der Bibliothek Münstergasse
gänge zur Münstergasse hin, welche dem Gebäude ungeahnte               im Dachbereich entstanden dank dem Ausbau von Magazin-
Transparenz verleiht. Beim Eingang befindet sich zudem neu             schränken, deren Inhalt ins vonRoll-Areal ausgelagert wurde.
die «Lesbar», der gastronomische Treffpunkt mit exquisitem
Getränke- und Essensangebot. Im westlichen Teil des Keller- Tag der offenen Tür
gewölbes dient der «Salle Bongars» der Burgerbibliothek fort- Am 10. September fand die offizielle Eröffnung mit einem gut
an als Schaufenster. Hier kann sie endlich der Öffentlichkeit          besuchten Tag der offenen Tür statt, an dem die Öffentlich-
ihre Schätze in geschütztem Raumklima präsentieren. Im                 keit Einblicke hinter die Kulissen des Betriebs erhielt. Der
Dachgewölbe befindet sich das Restaurierungsatelier des Zen-           60-köpfige Berner GenerationenChor führte zudem zwei-
trums Historische Bestände, wo alte, kostbare Schriften und            mal auf einer je stündigen Tour durchs Haus und überrasch-
Bücher nach neusten Erkenntnissen konserviert werden. Das              te an jedem Stopp mit einem zum Ort passenden Ständchen.
Rückgrat des Hauses sind die umfassend sanierten Haustech-             Im Eingang der Burgerbibliothek präsentierte sich die neu
nikanlagen sowie die neu durchgängig vertikal erschlossenen            installierte mobile iPad-Station des Stadtführers «Bärn isch
Wege, vom 5. Untergeschoss bis ins 4. Obergeschoss.                    eso», er ist einer von insgesamt acht Standorten. Hier kann
    Die Anzahl der Lesesaalarbeitsplätze für das Publikum              von nun an auch das historisch-topografische Lexikon auf-
wurde, beide Institutionen zusammengenommen, von vor-                  gerufen werden mit seinen rund 5900 Stichworten zu Stadt-
mals knapp 180 Plätzen auf rund 300 er-                                                        berner Flurnamen, Strassen, Plätzen, öf-
höht. Zudem wurde die Qualität dieser                      www.burgerbib.ch                    fentlichen und bedeutenden privaten
Arbeitsplätze verbessert. Manche der              Text im Web inklusive Bildergalerie:        Bauten,  Brücken, Brunnen, Banken und
neuen, flexiblen Arbeits- und Projektar-        medaillon.bgbern.ch/einweihungburgerbib        Gaststätten (siehe S. 14).

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medaillon nr. 26, november 2016

                                             Söldner, Bilderstürmer,
                                                  Totentänzer
                      Mit Niklaus Manuel im Bernischen Historischen Museum durch die Zeit der Reformation

Das Leben des Berners Niklaus Manuel                                                         Manuel zur Zeit von Luthers Thesenan-
(1484 –1530) ist geprägt von einer Epo-                                                      schlag in Wittenberg 1517 erstmals als
che des Wandels. Die grossen politi-                                                         Dichter auf. Wo Text und Bild im Rah-
schen, religiösen, gesellschaftlichen und                                                    men dieser Kunstgattung noch zusam-
künstlerischen Umbrüche widerspiegeln                                                        men gehören, trennen sie sich nun zu-
sich als Richtungswechsel seines berufli-                                                    nehmend. Anfang der 1520er-Jahre legt
chen Werdegangs. Eine grosse Wechsel-                                                        der Maler seinen Pinsel endgültig zur
ausstellung im Bernischen Historischen                                                       Seite – wohl wegen fehlender Aufträge
Museum folgt der Biografie Niklaus Ma-                                                       und persönlicher Prägung durch die Re-
nuels und zeigt die prägenden Verände-                                                       formation.
rungen der Zeit um 1500. Zugleich leis-
tet sie einen Beitrag zum Reformations‑                                                      Der Kirchenkritiker
jubiläum aus Anlass des 500-jährigen                                                          Seine dichterische Arbeit tritt rasch in
Thesenanschlags Luthers in Wittenberg.                                                        den Dienst der neuen Konfession. 1523
                                                                                              werden an der Kreuzgasse zwei seiner
TEXT: ANDREAS RÜFENACHT;                                                                      Fasnachtspiele aufgeführt, die für die Zu-
BILD: CHRISTINE MOOR                                                                          kunft der Reformation in Bern von hoher
Allein schon Manuels Herkunft zeugt von                                                       Bedeutung sind. Mit beissender Kritik
                                                       Blick in die Ausstellung
einem Phänomen der Zeit: Sein Gross­                                                          und derber Sprache, gleichzeitig gekonn-
vater wanderte aus Norditalien ein, sein                                                      ter Dichtung und originellem Witz er-
Vater betrieb eine Apotheke, und er heiratete die Tochter des an-     reicht er ein breites, oft auch ungebildetes Publikum. Weitere
gesehenen Stadtschreibers. Bern um 1500 war von sozialer              sehr erfolgreiche Stücke entstehen.
Durchlässigkeit geprägt, ein rasanter Aufstieg in nur wenigen
Generationen war möglich – sogar für einen Migrantensohn.             Der Politiker
                                                                      Schon Mitglied des Grossen Rats ab 1510, wird Manuel 1523
Der Künstler                                                          bernischer Landvogt in Erlach. Das Amt ist Ausgangspunkt sei-
Manuels künstlerisches Werk bettet sich ein in die Tradition          ner erfolgreichen Karriere, die er nach Einführung der Reforma­
spätmittelalterlicher Kunst, verarbeitet gleichzeitig aber die        tion 1528 schwindelerregend rasch durchschreitet. Innert weni-
neuen Errungenschaften der Renaissance. In seinen Altarbil-           ger Monate wird er Mitglied des Kleinen Rats, übernimmt
dern umgibt er ganz traditionell die Heiligen mit edlen Gold-         diverse Ämter wie dasjenige eines Chorrichters und wird Ven-
gründen. Gleichzeitig bettet er diese in realistisch anmutende        ner des Gerbern-Quartiers. In dieser Rolle tritt er als Berner
Landschaften, perspektivische Bildräume und antikische Archi-         Diplomat in der Eidgenossenschaft in Erscheinung. Kompro-
tekturen. In den Zeichnungen nutzt er seine künstlerische Frei-       missbereit sucht er den Ausgleich und kämpft um den Frieden
heit. Er rezipiert grosse Künstler wie Albrecht Dürer oder Urs        zwischen den konfessionell gespaltenen Orten (Kantonen) und
Graf. Zugleich erprobt er neue Bildmotive und Kompositionen.          den Erhalt des eidgenössischen Bündnisses. Auf dem Höhe-
                                                                      punkt seiner persönlichen Karriere stirbt Manuel im April 1530.
Der Söldner
Die italienische Renaissance könnte Manuel auf seinen Reisen           Die Ausstellung
als Söldner nach Oberitalien kennengelernt haben. Abenteuer-      Die grosszügig inszenierte Ausstellung im Bernischen Histo-
lust, die Hoffnung auf rasche Beute oder die Not schwinden-       rischen Museum folgt der Biografie Niklaus Manuels vom
der Aufträge mögen ihn ins Feld getrieben haben. In einigen       Söldner zum Politiker, vom Künstler zum Bilderstürmer.
Zeichnungen zeigt sich eine immanente Kritik an der Reisläufe-    Hochka­rätige Gemälde, unbekannte Zeichnungen, Holzschnit-
rei: Gewalt, Armut, Verletzung und Tod begleiteten die jungen     te und Texte von Manuel sowie Bücher, Waffen, Kostüme,
Kämpfer oft noch lange nach ihrer Heimkehr weiter.                Bildteppiche, Glasmalereien und Skulpturen aus den Samm-
                                                                  lungen des Bernischen Historischen Museums und von mehr
Der Dichter                                                       als dreissig Leih­gebern aus der Schweiz und Europa lassen
Mit den Versstrophen zu den 24 Szenen seines berühmten Ber-       Manuel und die Welt seiner Zeit lebendig werden. Die Aus-
ner Totentanzes an der Friedhofs-                                                    stellung zeigt eine schillernde Persönlich-
mauer des Dominikanerklosters, der                                                   keit, einen grossen Künstler und beispielhaft
heutigen Französische Kirche, tritt               www.totentanz.be                   eine ganze Epoche.

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Medaillon - Renoviertes Bibliotheks-Burgergemeinde Bern
medaillon nr. 26, november 2016

                                      Kurzinformation über
                              die aktuellen Abstimmungsvorlagen
                                             Urnenabstimmung vom 14. Dezember

                              Das Kultur Casino Bern soll nach der Sanierung wieder hell erstrahlen.

Das burgerliche Stimmvolk wählt einen neuen Burgergemein-             wendig. Die umfangreiche Erneuerung der Wohnungen beläuft
devizepräsidenten, ein neues Mitglied in den Kleinen Burgerrat        sich auf CHF 12,434 Mio. Diese Investition wirkt sich positiv auf
sowie 21 Mitglieder in den Grossen Burgerrat. Ebenso ent-             die mit dieser Liegenschaft erwirtschafteten Erträge aus. Es
scheidet es über die Aufnahme von 28 Personen in das Burger-          wird mit einer Rentabilität von rund 2,15 % gerechnet. Die Sa-
recht sowie über vier Vorlagen: den Umbau des Kultur Casi-            nierungsarbeiten sind ab April 2018 bis Juli 2019 geplant.
nos Bern, die Erneuerung der Liegenschaft an der Jupiterstrasse
45, die Stabilisierung der Personalvorsorgestiftung sowie das         Vorlage 3: Stabilisierung der Personalvorsorgestiftung
Budget 2017. Der Grosse Burgerrat empfiehlt den Stimmbe-              der Burgergemeinde Bern
rechtigten die Annahme der finanziell gewichtigen und zu-        Wie viele andere Pensionskassen in der Schweiz, leidet auch
kunftsweisenden Vorlagen.                                         die Personalvorsorgestiftung der Burgergemeinde Bern unter
                                                                  den insgesamt stark rückläufigen Renditen seit der Jahrtau-
Vorlage 1: Umbau Kultur Casino Bern                               sendwende. Per Ende 2015 sank der Deckungsgrad der Vor-
Das Kultur Casino Bern wurde im Jahr 1909 als Konzert- und        sorgeeinrichtung auf 99.2 %. Das bedeutet, dass die Personal-
Gesellschaftshaus für die Allgemeinheit eröffnet und wird jähr- vorsorgestiftung nicht mehr genügend Vorsorgevermögen
lich für rund 750 Anlässe genutzt. Das denkmalgeschützte Ge-      besitzt, um alle Verpflichtungen zu erfüllen. Der Kleine Bur-
bäude ist in die Jahre gekommen. Die ge-                                                gerrat handelte bewusst proaktiv und
samte Infrastruktur ist veraltet. Zur                                                   setzte eine Arbeitsgruppe ein, damit die
Behebung dieser Mängel und im Rah-                                                      Personalvorsorgestiftung nicht in finan-
                                               Der Grosse Burgerrat empfiehlt
men der betrieblichen Neuausrichtung                                                    zielle Schieflage gerät. Die erarbeitete
des Kultur Ca­sinos («Alles aus einer              den Stimmberechtigten                Lösung ist aus­gewogen und nachhaltig
Hand») wurde ein Umbauprojekt erar-                                                     und soll von 2017 bis 2021 stufenweise
                                                 die Annahme der finanziell
beitet. Der geplante Umbau ist das gröss-                                               umgesetzt werden. Die Lösung wird
te Vorhaben seit dem Projekt der neuen                  gewichtigen und                 nicht vollumfänglich durch die Burger-
Alterspolitik im Jahr 2009. Der Betrieb                                                 gemeinde finanziert, sondern muss
                                                zukunftsweisenden Vorlagen.
und das selbstgeführte Restaurant wer-                                                  durch die aktiven Versicherten mitge-
den bei der Wiedereröffnung einen neu-                                                  tragen werden. Als sozialverantwort­
en Marktauftritt lancieren. Für die Rea-                                                liche Arbeitgeberin trägt die Burgerge-
lisierung wird den burgerlichen Stimmberechtigten ein             meinde aber den Grossteil der Kosten für die Stabilisierung
Ausführungskredit von CHF 67,3 Mio. beantragt. Die Bauar-         im Umfang von CHF 31,45 Mio.
beiten sind von Juli 2017 bis Mitte 2019 geplant. Während die-
ser Zeit bleibt das Kultur Casino Bern geschlossen.               Vorlage 4: Budget 2017
                                                                  Das Budget 2017 weist einen ordentlichen Rechnungsüber-
Vorlage 2: Verpflichtungskredit für die umfangreiche Erneue-      schuss von rund CHF 9,9 Mio. aus. Dieses gegenüber dem
rung der Liegenschaft Jupiterstrasse 45                           Budget 2016 (Rechnungsverlust von rund CHF 1,6 Mio.) besse-
Die Liegenschaft an der Jupiterstrasse 45 in Bern wurde vor 37    re ordentliche Ergebnis ist grösstenteils auf die tieferen Ab-
Jahren erstellt. Bis auf die Sanierung der Aufzüge und der Fas-   schreibungen zurückzuführen. Aufwandseitig nehmen vor al-
saden wurde die Liegenschaft ausschliesslich unterhalten. Die     lem die Personalaufwände und die Sachaufwände gegenüber
Wasserzuleitungen und -ableitungen, die Entlüftung der Woh-       den Vorjahren zu. Die Substanz der Burgergemeinde wird vor-
nungen, das Elektroverteilnetz sowie die Lifte müssen renoviert   aussichtlich weniger stark ansteigen als das Bruttoinlandpro-
werden. Mitunter haben die Küchen, Bäder und Bodenbeläge          dukt. Der Substanzindex wird deshalb bis Ende 2017 sehr wahr-
ihre Lebensdauer erreicht. Eine Sanierung ist dringend not-       scheinlich um 1 Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr sinken.

                                                                  7
Medaillon - Renoviertes Bibliotheks-Burgergemeinde Bern
medaillon nr. 26, november 2016

                                                 Ein Glücksfall
                                Meteoritenforscher Beda Hofmann über den Twannberg-Meteoriten

                                   Beda Hofmann auf dem Mont Sujet bei der Meteoritensuche.

Das Naturhistorische Museum der Burgergemeinde Bern konnte               Bielersees liegen hunderte, wahrscheinlich sogar tausende
kürzlich den bedeutend­sten Meteoriten-Fund der Schweiz ver-             Fragmente eines Meteoritenschauers, der sich vor rund 160 000
melden. Der Leiter der Erdwissenschaften am Naturhistorischen            Jahren ereignete. Auf Äckern, im Wald und in Felsspalten ver-
Museum war an der Entdeckung des Streufelds auf dem Twann-               bergen sich die Splitter eines zerborstenen kleinen Asteroiden.
berg hautnah beteiligt.                                                  Über Jahrtausende wurden sie von niemandem wahrgenom-
                                                                         men. Wirklich nicht?
TEXT: BEDA HOFMANN; BILDer: PETER AUCHLI und LISA SCHÄUBLIN                   Mindestens drei Stücke dieses Meteoriten wurden schon
Während der letzten Monate wurde ich öfters gefragt, was                 vor langer Zeit bemerkt: Ein Fragment kam als «Eisenerz» in
denn eigentlich das wirklich Spannende am Fund des Twann-                ein Bieler Museum, ein weiteres in eine Brockenstube eben-
berg-Meteoriten sei. Etwa, dass es sich um das einzige Meteo-            falls in Biel, und ein drittes verirrte sich auf einen Estrich in
ritenstreufeld der Schweiz und um einen von lediglich acht               Twann. Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte blieben diese Stü-
Meteoriten in der Schweiz handelt? Ist es die Tatsache, dass der         cke unerkannt.
Eisenmeteorit Twannberg mit weltweit nur vier vergleichbaren                  Im Jahr 1984 sammelte die Bäuerin Margrit Christen auf
Geschwistern extrem selten ist? Oder ist es die spezielle Zu-            einem frisch gepflügten Feld auf dem Twannberg Steine. Einer,
sammensetzung, reich an Phosphor und arm an Nickel? Ja,                  gross wie ein Brotlaib, erregte wegen seines besonders hohen
auch. Das wirklich Aufregende an den vielen Twannberg-Fun-               Gewichts ihre Aufmerksamkeit. Im Jahr darauf kam Jeman-
den ist für mich jedoch, dass mitten im Berner Jura das Ge-              dem die Idee, dass es ein Meteorit sein könnte. Auslöser war
heimnis einer kleinen kosmischen Katastrophe verborgen liegt.            die Medien-Aktivität des damals auf Meteoriten spezialisier-
Dass ein derartiges Geheimnis vor meiner Haustüre schlum-                ten Bally-Museums. Der frisch erkannte Meteorit von 15,9 Kilo‑
merte, hat sich aber erst während der letzten drei Jahre, ja ei-         gramm Gewicht wurde analysiert und dokumentiert.
gentlich erst den letzten Monaten erwiesen. Dabei muss man                    Im Jahr 2000 dann fiel dem Schreiner Marc Jost ein Stück
wissen: Ich forsche schon seit Jahrzehnten zu Meteoriten. Auch           Eisen auf dem Twanner Estrich auf. Er hatte zuvor in einem
leite ich fast jedes Jahr Expeditionen, um Meteoriten zu su-             Museum einen Meteoriten gesehen, und war sich nun sicher,
chen, etwa in den Oman.                                                  etwas Gleichartiges erkannt zu haben. Sein Anruf am Natur-
     Dieses Rätsel hat sich Stück für Stück gelüftet, und wir wis-       historischen Museum der Burgergemeinde Bern markierte
sen noch längst nicht alles. Soviel ist aber klar: Nördlich des          den Beginn unserer Zusammenarbeit.

                                                                     8
Medaillon - Renoviertes Bibliotheks-Burgergemeinde Bern
medaillon nr. 26, november 2016

                                   TW327 alias «Batman», ein Stück des Twannberg-Meteoriten

                                                         In der Ausstellung

Doch auch weitere Zufälle müssen erwähnt sein: Das «Eisenerz»          o­riten stammt aus dem Edelgaslabor von Professor Ingo Leya
der Bieler Sammlung wurde 2005 im Museum in Bern als Me-               am Physikalischen Institut der Universität Bern: Die Analysen
teorit erkannt, und 2007 fanden Goldwäscher drei kleine Mete-          zeigen, dass die Twannberg-Fragmente Bestandteil eines Aste-
oritenfragmente im Twannbach. In den Jahren darauf gelangen            roiden von rund 6 bis 20 Metern Durchmesser und von min-
zwei Spürnasen gleich 75 weitere Funde. Die richtig wilde Such-        destens 1000 Tonnen Gewicht waren. Damit gehört Twann-
phase begann aber ab September 2013. Plötzlich wurden in der           berg in die Liga der wirklich grossen Fälle. Funde wie kürzlich
Nähe des Fundorts von 1984 neue Stücke entdeckt. Sammler               derjenige des 30-Tonnen-Meteoriten in Argentinien sind also
und Museum erkundeten die Region mit gemeinsamen Aktio-                prinzipiell auch bei uns möglich. Jedenfalls machen die bisher
nen. 2015 kamen dann auf der Hochfläche des Mont Sujet hun-            gefundenen rund 75 Kilogramm Meteoritenmaterial nur ei-
derte von Fragmenten zum Vorschein. Damit wurde auch die               nen winzigen Bruchteil des gesamten am Twannberg nieder-
Falldynamik erkennbar: Aufgrund der von Nordost nach Süd-              gefallenen Asteroiden aus. Daher ist das Rätsel rund um den
west systematisch zunehmenden Grösse                                                          Twannberg-Meteorit noch lange nicht
der Meteoritenfragmente musste der Fall                                                       endgültig gelöst: Wieviel ist damals zu
                                                       www.twannbergmeteorit.ch
in derselben Richtung erfolgt sein.                                                           Staub verglüht? Was liegt noch auf den
    Eines der interessantesten analyti-            Text im Web inklusive Bildergalerie:       Wiesen   und in den Wäldern nördlich
schen Resultate zum Twannberg-Mete‑              medaillon.bgbern.ch/twannbergmeteorit        des Bielersees?

                                                                  9
Medaillon - Renoviertes Bibliotheks-Burgergemeinde Bern
medaillon nr. 26, november 2016

                              Mein Reitpferd Silas und ich
                      Die Stiftung Sunnesyte der DC Bank hilft Kindern bei körperlichem und seelischem Leid

Eine unbeschwerte Kindheit ist nicht                                                         ten ist. So leistet sie Beiträge an eine
für alle eine Selbstverständlichkeit. Sind                                                   Therapie, eine Haushaltshilfe, einen Aus-
Kinder von einer Krankheit betroffen                                                         flug, an Betreuungskosten, an die Teil-
oder erleiden sie einen Unfall, kann dar-                                                    nahme an einem Skilager und an vieles
aus für die Eltern schnell eine finanzielle                                                  Weitere mehr.
Notlage entstehen. Hier hilft die Stiftung                                                       Dank dem Einsatz der Stiftung kann
Sunnesyte – rasch und unbürokratisch.                                                        pro Jahr rund 25 Kindern und Familien
Bereits über 178 Kindern und Familien                                                        unkompliziert und nachhaltig geholfen
konnte so geholfen werden.                                                                   werden. Dass die Hilfe der Stiftung Sun-
                                                                                             nesyte ankommt und geschätzt wird,
TEXT: PETER A. VONLANTHEN; BILD: JANA                                                        zeigen die vielen sorgfältig geschriebe-
Werden Kinder oder Eltern schwer                                                             nen und oft mit Zeichnungen ergänzten,
krank, kann eine Familie vor enormen                                                         rührenden Dankesbriefe, die Jahr für
Schwierigkeiten stehen. Zur emotiona-                                                        Jahr bei der Stiftung eingehen.
len Belastung kommen oftmals auch
grosse finanzielle Herausforderungen                                                           Freude und Dankbarkeit sind gross
hinzu. Therapien verursachen nicht sel-                                                        Die schwerstbehinderte Stephanie (16)
ten Kosten, die von der Krankenkasse                                                           benötigt eine 24-Stunden-Betreuung
                                                 Jana (10) mit ihrem Therapiepferd
oder der Invalidenversicherung nicht                                                           durch drei Personen und bedankte sich:
übernommen werden. Durch die ver-                                                              «Letzte Woche durfte ich eine wunder-
mehrten Kürzungen der Sozialleistungen und die Verknap-                 schöne Woche im Hotel erleben und Sie haben mir das ermög-
pung öffentlicher Gelder fallen Familien immer öfter durch die          licht. Ich konnte jeden Abend mit meinen Freunden verbrin-
Maschen aller Hilfs- und Unterstützungsnetze. In solchen Fäl-           gen, was sonst nicht möglich ist. Ein riesengrosses Merci!»
len wird die Stiftung Sunnesyte aktiv.                                        Und auch die zehnjährige, sehbehinderte Jana hat sich sehr
     So zum Beispiel im Fall der fünfköpfigen Familie P. Uner-          über die Unterstützung ihrer Reittherapie gefreut. Sie schreibt:
wartet erleidet die Mutter eine Erschöpfungsdepression. Es              «Es freut mich sehr, dass ich mit Ihrer Unterstützung weiterhin
wird ein Aufenthalt in einer psychiatri-                                                       ins Reiten gehen kann! Mein Reitpferd
schen Klinik nötig. Der selbständig er-                                                        Silas und ich haben uns sehr gerne. Er ist
werbende Vater übernimmt die Betreu-                                                           ein Spitzenpferd. Ich freue mich, mit
                                                 Werden Kinder oder Eltern
ung der Kinder und schliesslich auch                                                           ihm noch viele weitere Reitstunden zu
den Haushalt. Seine Kunden kommen                  schwer krank, kann eine                     verbringen! Liebe Grüsse, Jana.»
zu kurz. Existenzängste nehmen immer
                                                     Familie vor enormen
mehr Raum ein. Die Kinder leiden zu-                                                           Startkapital von einer Million
nehmend unter der Situation. Die Stif-             Schwierigkeiten stehen.                     Die Stiftung Sunnesyte wurde 2007 von
tung Sunnesyte finanzierte vorüberge-                                                          der burgerlichen DC Bank als gemein-
hend die Unterstützung durch eine                                                              nützige Stiftung gegründet und bezweckt
Haushaltshilfe.                                                         die Unterstützung benachteiligter Kinder und Jugendlicher in
     Auch im Fall der kleinen Alina wurde die Sunnesyte aktiv.          der Region Bern. Das damalige Stiftungskapital von einer Mil-
Die Siebenjährige hat Trisomie 21 und leidet an fehlender Mus-          lion Franken entstammte den Gewinnen der DC Bank. Die
kelspannung. Die Stiftung konnte durch einen Beitrag an eine            DC Bank ist auch für die operative Geschäftsführung der
heilpädagogische Reittherapie Selbstvertrauen und Selbstän-             Stiftung verantwortlich und unterstützt sie jährlich mit ei-
digkeit von Alina stärken.                                              nem namhaften Betrag. Privatpersonen und Firmen helfen
                                                                        ebenfalls mit finanziellen Zuwendungen. Ihren Verwaltungs-
Unterschiedliche Formen der Hilfeleistungen                             aufwand hält die Stiftung niedrig, weshalb die DC Bank die
So unterschiedlich die Verhältnisse in den Familien sind, so            Geschäfte der Stiftung unentgeltlich führt. Die Stiftung Sun-
unterschiedlich sind auch die Gesuche, die in den letzten Jah-          nesyte arbeitet eng mit der Winterhilfe Bern zusammen, die
ren bei der Stiftung eingegangen sind. Ziel der Stiftung Sunne‑         grosse Erfahrung mit Menschen in unmittelbaren Notlagen
syte ist es jeweils, direkt bezogen auf das                                                    hat. Die Winterhilfe Bern hilft mit ih-
jeweilige Kind oder die betroffenen Kin-                    www.sunnesyte.ch                   rem Know-how bei der umfassenden
der zu helfen. Die Stiftung will rasch be-                     Text im Web:                    und   gleichzeitig individuellen Prüfung
reitstellen, was für das Kind am nötigs-           medaillon.bgbern.ch/stiftungsunnesyte       der Gesuche.

                                                                   10
medaillon nr. 26, november 2016

                       Es ist etwas los im Dachgeschoss
                                  Das vielseitige Konferenz- und Tagungszentrum im Burgerspital

                                               Im Dachstock herrscht reges Treiben.

Mit der Renovation des Burgerspitals hat sich am Bahnhof­              Dies vor allem auch dank den vielseitigen Ausstattungsmög-
platz einiges verändert. So ist aus dem ehemaligen Alters- und         lichkeiten mit Bühnen, Tonanlagen, Aufnahmegeräten und
Pflege­heim ein Begegnungsort für alle Generationen gewor-             anderen technischen Hilfsmitteln. Die Räumlichkeiten lassen
den. Die Vielseitigkeit des Berner GenerationenHauses zeigt            sich bequem online reservieren. Dies reduziert den administ-
sich gerade auch im Dachgeschoss. Das neue Konferenz- und              rativen Aufwand auf ein Minimum.
Tagungszentrum gleich neben dem Bahnhof Bern beherbergt                     Genutzt werden die Räumlichkeiten unter anderem durch
übers Jahr eine Vielzahl von Veranstaltungen, die unterschied-         das «Collegium60plus». Dieses hat sich zum Ziel gesetzt, das
licher nicht sein könnten.                                             Lernen von Seniorinnen und Senioren zu fördern. Beheimatet
                                                                       beim Innovage Netzwerk Bern-Solothurn im Erdgeschoss des
TEXT: ALEXANDER PULFER; BILD: JONAS KAMBLI                             GenerationenHauses, nutzt das Collegium für grössere An-
Wo sich früher Staub ansetzte und Spinnen hausten, ist Raum            lässe gerne das Dachgeschoss als Veranstaltungsort. Markus
für Neues entstanden. Einzig die erhaltenen Holzträger erin-           Pfeuti, der das Kursangebot koordiniert, schätzt insbesondere
nern noch an den alten Estrich des Burgerspitals. Der Kontrast         die einfache Zugänglichkeit. Diese ermögliche auch für ältere
zum neuen Parkett und den weissen Wänden gibt den Räum-                Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen angenehmen Aufent-
lichkeiten nebst einer modernen Eleganz auch die nötige Au-            halt. Geschätzt würden während der Veranstaltungen auch die
thentizität. Nicht selten wird die neutrale Ausstattung von Be-        Kaffeeecke und bei schönem Wetter der Innenhof.
suchern als flexibel und die Atmosphäre als entspannt und
positiv bezeichnet – ein Ort zum Entschleunigen und Wohl-              Nach der eignen Veranstaltung eine andere besuchen
fühlen.                                                              Nicht zu vergessen sind die vielen weiteren Möglichkeiten,
                                                                     welche das Burgerspital sonst noch bietet. Nach der Sitzung
Optimal eingerichtete Räume im Dachstock                              finden Gäste nicht selten den Weg zu einem Teambildungsevent
Fünf Sitzungszimmer und drei grosse Konferenz- und Ta-                in den «Adventure-Rooms» im Kellergewölbe, aus welchem
gungssäle sind beim Umbau entstanden. Ausgerüstet mit                 sich die Gruppe innert 60 Minuten befreien muss. Später trifft
neuster Technik werden diese für verschiedenste Veranstaltun-         man sich zum gemeinsamen Nachtessen im Restaurant
gen genutzt: von Workshops über Meetings bis hin zu Tagun- «toi&moi» oder zu einer Kaffeerunde im Innenhof oder in der
gen. Geschätzt werden insbesondere die zentrale Lage, der             CaféBar. Auch mit einem öffentlichen Anlass des Berner Ge-
gute Service sowie die funktionale Ausrüstung. Auch intern            nerationenHauses lässt sich die Veranstaltung kombinieren.
erfreuen sich die Räumlichkeiten einer grossen Beliebtheit.          Nach einem Anlass am Donnerstagabend bieten die Veranstal-
Die Institutionen des Berner GenerationenHauses loben die             tungsreihen «Jeudredi» und «Halt auf Verlangen» regelmässig
vielfältigen Möglichkeiten im Dachge-                                                         Gelegenheit, die eigene Veranstaltung
schoss. Von Sitzungen über Bewegungs-                       www.begh.ch                       musikalisch abzurunden. Die Türen des
kurse bis hin zu Konzerten, fast alles                      Text im Web:                     Berner    GenerationenHauses stehen of-
lässt sich im ehemaligen Estrich machen.       medaillon.bgbern.ch/lebendigerdachstock        fen, zu entdecken gibt es vieles!

                                                                  11
medaillon nr. 26, november 2016

                                             Sozialpreis 2016
                      Begleitung für Schwerkranke und Angebot mit besonderem Familienanschluss gewürdigt

                              Rolf Dähler gratuliert freiwilligen Helferinnen des «zapp» zum Sozialpreis.

Am 26. Mai verlieh die Burgergemeinde Bern zum fünften Mal               porträts gelüftet. Die Clips vermittelten dem Publikum ein-
ihren alljährlichen Sozialpreis. Die Auszeichnung ging gleich an         drücklich das grosse Engagement des «Zentrums für ambu-
zwei Preisträger, das «Zentrum für ambulante Palliativbeglei-            lante Palliativbegleitung plus» sowie vom «Betreuten Wohnen
tung plus» (zapp) sowie das Angebot «Betreutes Wohnen in Fa-             in Familien». Sabine Dahinden bat daraufhin die Preisträger
milien» der Oekonomischen Gemeinnützigen Gesellschaft                    auf die Bühne. Es folgten lebendige, vertiefende Interview­
Bern OGG. Beide Organisationen erhielten ein Preisgeld von               gespräche. Anschliessend sprach Sozialkommissionspräsiden-
jeweils 20 000 Franken, welches sie für besondere Weiterbil-             tin Simone von Graffenried vom erfreulich breiten, sozialen
dungen ihrer freiwilligen Helferinnen und Helfer respektive der          Engagement in und um Bern, welchem sie bei ihrer Juryarbeit
involvierten Gastfamilien verwenden wollen.                              begegne, und leitete über zur Laudatio von Spittelpfarrerin
                                                                        ­Marianne Bartlome-Michel, der «Haus-Seelsorgerin» der Bur-
TEXT: MARTIN GRASSL; BILDER: SIMON STÄHLI                                gergemeinde. Ihre beeindruckende und sehr persönliche Rede
Die Sozialpreisverleihung 2016 fand traditionsgemäss im                  handelte von ihrem Familienleben mit ihrer Tochter mit
frühindustriellen Ambiente des Turbinensaals der Dampf-                  schwerer Behinderung. Davon, wie sehr dies alle Nächsten he-
zentrale Bern statt. Fernsehfrau Sabine Dahinden moderierte              rausfordert und gleichzeitig auch bereichert. Der Gedanke,
vor vollen Rängen durch den Abend und thematisierte zum                  dass Inklusion nicht nur in eine Richtung, sondern auf beiden
Auftakt mit einem Augenzwinkern die fortlaufende Automa-                 Seiten stattfindet, war klar zu vernehmen und bezog sich direkt
tisierung an ihrem angestammten Arbeitsplatz im Fernseh-                 auf dieselben gemachten Erfahrungen der Freiwilligen der bei-
studio. Und dass selbst sie kein Mensch mehr sei, sondern                den diesjährigen Preisträger.
auch schon ein Roboter. Dafür könne sie garantieren, dass es
sich bei jenen, die den Sozialpreis er-                                                       zapp ermöglicht Kranken das
halten, noch um echte Menschen mit                                                            Daheimbleiben
Mitgefühl handle. Hiermit übergab sie                  Der Sozialpreis                        zapp ist ein Angebot des Schweizeri-
weiter an Burgergemeindepräsident Rolf                                                        schen Roten Kreuzes Bern-Mittelland.
                                           Der Sozialpreis soll nichtburgerliche Initi-
Dähler, der das Publikum offiziell be-                                                        Die professionell geführte Vermittlungs-
                                           ativen in und um Bern würdigen und ei-
grüsste, gefolgt von einem ersten Inter-                                                      stelle setzt ihre geschulten, freiwilligen
                                           ner breiteren Öffentlichkeit bekannt ma-
mezzo der jungen Brienzer Mundart-                                                            Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur
                                           chen. Das Preisgeld ist für wichtige,
poprockband «Container 6». Und der                                                            Entlastung von Angehörigen chronisch
                                           handfeste Investitionen oder Teilprojekte
unbeschwerte Sound der früheren Ju-                                                           kranker, schwer kranker und sterbender
                                           der Empfänger gedacht.
gendpreisträger sorgte vom ersten Ton                                                         Menschen ein. Die rund 30 Freiwilligen
weg für gute Stimmung. Nun endlich                                                            bilden ein Betreuungsnetz, welches den
wurde das Geheimnis um die beiden                Text im Web inklusive Bildergalerie:         Kranken das Daheimbleiben in ihrer
diesjährigen Preisträger in Kurzfilm-            medaillon.bgbern.ch/sozialpreis2016          gewohnten Umgebung ermöglicht. Wo

                                                                   12
medaillon nr. 26, november 2016

                               Vertiefende Interviewgespräche beleuchten das soziale Engagement.

                                        Spittel­pfarrerin Marianne Bartlome-Michel während
                                                   ihrer beeindruckenden Laudatio

Sterben zuhause nicht möglich ist, bieten sie palliative Beglei-        Platz in einer Familie. Die Gastfamilien bilden ein Netz von
tung in Heimen und Spitälern an. zapp versteht sich als Teil,           rund 150 Familien, zumeist aus dem bäuerlichen Umfeld. Die
und nicht Konkurrenz, eines umfassenden Betreuungsnetz-                 Familien werden in einem sorgfältigen Abklärungsverfahren
werkes und arbeitet eng mit Hausärzten, Spitexdiensten, Spi-            vom Organisationsteam ausgewählt und während der Betreu-
tälern, Stationen für palliative Therapie, der Alzheimerverei-          ung der Gäste begleitet. Das Projekt weist zudem eine grosse
nigung und weiteren Stellen zusammen.                                   Stadt-Land-Vernetzung auf.
                                                                            Beide mit dem Sozialpreis ausgezeichneten Institutionen
«Betreutes Wohnen in Familien» vermittelt unterstützungs­               wollen ihr Preisgeld ihren Freiwilligen respektive Gastfamilien
bedürftige Erwachsene in Gastfamilien                                   zukommen lassen. Deren grosses Engagement soll honoriert
Das Angebot der Oekonomischen Gemeinnützigen Gesell-                    werden, indem aufwändige und besondere Weiterbildungen
schaft Bern OGG wiederum wird von sieben Teilzeitmitarbei-              organisiert werden.
tenden organisiert. Menschen ab 18 Jahren mit gesundheitli-                 Nach der offiziellen Übergabe der Urkunde durch Rolf
chen Einschränkungen, welche Unterstützung im Alltag be‑                Dähler klang der Abend mit einem stimmigen Apéro Social
nötigen, sollen in einer Gastfamilie aufgenommen werden.                aus, derweil «Container 6» im Turbinensaal noch mit einem
Aktuell finden rund 95 Dauergäste aus allen sozialen Schichten          halbstündigen Konzertset nachlegten.

                                                                   13
medaillon nr. 26, november 2016

                          Bürzi-Casino, Zoar, Käderegge?
                                     Das Historisch-Topographische Lexikon der Stadt Bern online

                                                  Ein Stadtplan von 1807 gibt Auskunft

Das Historisch-Topographische Lexikon der Stadt Bern von                   lassen sich zudem bei Bedarf beispielsweise alle Bahnhöfe, Brü-
Berchtold Weber war lange Jahre vergriffen. Nun liegt es in                cken oder Schulen der Stadt anzeigen.
stark erweiterter und überarbeiteter Form wieder vor, und zwar                   Einen weiteren Zugang zum Lexikon bietet der Stadtführer
online! Es lädt zum Entdecken unbekannter und vermeintlich                 «Bärn isch eso» an. In den diversen Rundgängen der App sind
bekannter Orte ein.                                                        bei den einzelnen Stationen die Informationen des Lexikons
                                                                           hinterlegt, von wo aus Links zum Online-Archivkatalog füh-
TEXT: NADINE FISCHER UND PHILIPP STÄMPFLI; BILD: ZVG                       ren. Dank dieser drei verschiedenen Zugänge lässt sich etwa
1976 erschien das Lexikon und war seither eines der wichtigs-              das Rätsel um das Bürzi-Casino rasch und einfach von der
ten Nachschlagewerke zur Stadtgeschichte. Nur hier fanden                  ganzen Welt aus lösen!
sich rasch Erklärungen zu längst vergessenen Namen, zu topo-                     Nun offeriert die elektronische Publikation des Historisch-
graphischen Bezeichnungen oder Hinweise auf die Bau- und                   Topographischen Lexikons aber noch weit mehr als nur Erklä-
Besitzgeschichte von Gebäuden. Der Autor des Werks war in                  rungen zu einzelnen Örtlichkeiten der Stadt. Die Integration
den letzten 40 Jahren nicht untätig und hat weiter recherchiert:           in den Online-Archivkatalog macht es möglich, Informatio-
Das jetzt online von der Burgerbibliothek Bern publizierte Le-             nen zu verknüpfen. Zum einen unter sich selbst, sodass man
xikon umfasst inzwischen rund 5600 Stichwörter und schliesst               per Mausklick von den Verweisen zu den passenden Informa-
auch den Stadtteil VI, die alte Gemeinde Bümpliz, mit ein.                 tionen geführt wird, zum andern mit vielen weiteren nützli-
     Die Online-Publikation bietet Vorteile, welche in gedruck-            chen Hinweisen. Im Lexikontext genannte Personen sind mit
ter Form nicht realisierbar sind. Das beginnt schon mit den un-            der Personendatei der Burgerbibliothek Bern verknüpft, wo-
terschiedlichen Zugängen: Wer im Online-Archivkatalog der                  mit die entsprechenden Angaben ebenfalls zur Verfügung ste-
Burgerbibliothek Bern Dokumente zu Bern sucht, findet dort                 hen. Zudem gelangt man überall dort, wo im Online-Archiv-
auch die passenden Lexikonartikel. Allerdings konnte nicht ex-             katalog passende Bilder zu finden sind, von den Lexikontexten
plizit nur nach dem Lexikon gesucht werden, weshalb zusätz-                zu den Ansichten und umgekehrt.
lich die separate Suchmöglichkeit «Archives Quickaccess» ein-                    Hinter diesem dreifachen, kostenlosen Zugang zur erwei-
gerichtet wurde. Damit können Nutzende direkt ins Lexikon                  terten Neuauflage steckt viel Arbeit. Der Autor präsentiert die
einsteigen und entweder nach einem einzelnen Begriff suchen                Summe einer jahrzehntelangen Recherchearbeit, die er mit
oder in einer alphabetischen Liste blättern. Gerade diese Mög- viel Herzblut auf sich genommen hat. Dank gebührt ihm nicht
lichkeit ist eine Verführung zum Schmö-                                                             nur dafür, sondern auch für sein Ver-
kern. Stösst man auf einzelne Begriffe                                                              ständnis, dass Informationen heute we-
                                                              Die Zugänge im Netz:
wie etwa Käderegge, Zoar oder Henker-              katalog.burgerbib.ch/deskriptorensuche.aspx      sentlich anders vermittelt werden als
brünnli, so hat man jedes Mal aufs Neue                    archives-quickaccess.ch/bbb              noch vor wenigen Jahren. Die neue
das Vergnügen zu entdecken, was sich                             baernischeso.ch                    Form weist ausserdem in die Zukunft:
hinter diesen Namen verbirgt. Dank der                            Text im Web:                      Im Gegensatz zum Buch lässt sich das
Gruppierung der Einträge in Kategorien                     medaillon.bgbern.ch/lexikon              Werk laufend ausbauen und ergänzen.

                                                                    14
medaillon nr. 26, november 2016

                                              Kulturpreis 2016
                                 Ehrung für eine im Kanton Bern ansässige Institution von Weltrang

                                         Regula Schorta, Direktorin der Abegg-Stiftung, mit
                                               der Preistrophäe, einem Bronzebären.

Der Kulturpreis 2016 wurde Ende April an die Abegg-Stiftung              Perosa führte, schilderte er die Begegnung mit dem Namen der
in Riggisberg verliehen, welche historische Textilien zeigt, er-         Zürcher Textilproduzenten-Familie Abegg auf einer Inschrift an
forscht und aufbewahrt. Die auf ihrem Gebiet international               einer einstigen Produktionsstätte. Nach der Würdigung der
renommierte Abegg-Stiftung ist finanziell gut ausgestattet.              weitsichtigen Stiftungsgründung endete die Rede mit der Beto-
Die Auszeichnung der Burgergemeinde hat daher ehrenden                   nung der fachlichen Verbundenheit zwischen der Abegg-­
Charakter. Mit dem Preisgeld sollen eigens eingerichtete Pro-            Stiftung und dem Bernischen Historischen Museum im Bereich
motionsstipendien für Nachwuchsforscherinnen und -forscher               der textilen Schätze und deren Erfor­schung. Nach der offiziellen
vergeben und so Arbeiten zur Geschichte, Technologie und                 Preisübergabe an das fast vollständig auf der Bühne präsente,
Konservierung von Textilien an der Berner Graduate School of             grosse Abegg-Team, wandten sich deren Direktorin Regula
the Arts unterstützt werden.                                             Schorta und Stif­tungs‑Präsident Dominik Keller mit bewegten
                                                                         Dankesreden ans Publikum. Der Abend klang bei einem lebhaf-
TEXT: MARTIN GRASSL; BILD: YOSHIKO KUSANO                                ten Apéro Riche aus.
Die Kulturpreisverleihung fand dieses Jahr im grossen Saal des
Kultur Casinos Bern statt. Einen ersten, subtilen Hinweis auf die          Die Abegg-Stiftung
diesjährige, zunächst geheim gehaltene Preisträgerin lieferte die          Werner und Margaret Abegg gründeten 1961 in Riggisberg die
Einladungskarte mit dem Motiv im Reliefdruck eines an einem                Abegg-Stiftung. Herzstück ist die weltweit bekannte Sammlung
Fischteich angelnden Engels. Gleich zu Beginn des Abends                   gewebter Textilien. Die textilen Kunstwerke stammen aus der
nahm die Kindertanzgruppe «Bühnentiger» unter Leitung von                  Zeit vom 4. Jh. v. Chr. bis um 1800, aus Europa, dem Vorderen
Karin Hermes die grosse Bühne in Beschlag und zeigte einen                 Orient und dem Gebiet der Seidenstrassen. Die Abegg-Stiftung
ersten Ausschnitt aus ihrem Stück «Das                                                             besitzt zudem eine Sammlung von bil-
Geheimnis der beiden Teppichweber»,                                                                dender und angewandter Kunst dersel-
dezent begleitet von Saxofonklängen von                                                            ben Epochen. Zu den Hauptaufgaben
Till Grünewald. Danach hiess Burgerge-                     Der Kulturpreis                         der Abegg-Stiftung gehört der Betrieb
meindepräsident Rolf Dähler die zahl-                                                              ihres Museums. Nebst der Dauerausstel-
                                               Jedes Jahr verleiht die Burgergemeinde
reich erschienen Gäste willkommen. Der                                                             lung zeigt es in Sonderausstellungen im-
                                               Bern den Kulturpreis. Die mit 100 000 Fr.
Präsident der Kulturkommission, Georg                                                              mer wieder andere Teile seiner Schätze.
                                               dotierte Auszeichnung gilt als eine der
Pulver, gab anschliessend die diesjähri-                                                           Die Abegg-Stiftung unterhält aber auch
                                               grössten in der Schweiz. Im Zentrum ste-
ge Preisträgerin bekannt. Anschliessend                                                            ein international renommiertes Atelier
                                               hen Institutionen oder Aktivitäten aus Be-
hielt Jakob Messerli, Direktor des Berni-                                                          für die Konservierung und Restaurie-
                                               reichen wie Theater, Ballett, Musik / Kon-
schen Historischen Museums, eine sehr                                                              rung von Textilien, wo, in Zusammen­
                                               zerte, Literatur und bildende Kunst.
persönliche Laudatio auf die Abegg-                                                                arbeit mit der Berner Fachhochschule,
Stiftung. Ausgehend von einer Berg-                       Text inklusive Bildergalerie:            Fachkräfte  auf Bachelor- und Master-
wanderung im Piemont, welche nach                    medaillon.bgbern.ch/kulturpreis2016           Stufe ausgebildet werden.

                                                                    15
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                                         Haus am Tavelweg 8
                                    aus Dornröschenschlaf erwacht
                               Die sanierte Liegenschaft erstrahlt in neuem Glanz mit altem Charme

                                     Erstrahlt wieder in neuem Glanz: das Haus am Tavelweg 8

Die denkmalgeschützte Liegenschaft am Tavelweg 8 im Zent-              Lösung ist. An der alten Bausubstanz liess sich zudem schon
rum von Muri, welche die Burgergemeinde Anfang Jahrtau-                im Vorfeld ablesen, dass das Haus ursprünglich von mehre-
send durch eine Schenkung erhielt, erstrahlt nach ihrer notwen-        ren Parteien bewohnt worden war. Das Berner Architektur-
dig gewordenen Sanierung wieder in neuem Glanz. Im Rahmen              büro 3B-Architekten AG bekam den Zuschlag zur Realisie-
des aufwändigen Umbaus wurde nicht nur das historisch wert-            rung des Bauprojekts. Von Beginn an dabei war die
volle Gebäude erhalten, sondern wurden in ihm auch zwei mo-            Denk­malpflege des Kantons Bern. Wegen der historischen
derne Wohneinheiten erstellt. Anfang November konnten zwei             Bedeutung der Liegenschaft leistete diese einen finanziellen
Familien das stillvolle Gebäude beziehen.                              Projektbeitrag. Im dreistöckigen Gebäude wurden schliess-
                                                                       lich zwei einzigartige Maisonettewohnungen erstellt, in wel-
TEXT: CHRISTOPHE CHATELET; BILD: RETO WIRZ                             chen nun ein gelungenes Zusammenspiel von Alt und Neu
Im Jahr 2001 wurde die Burgergemeinde Bern durch eine                  herrscht: Die modernen Wohnmodule Küche, Bad und Trep-
Schenkung Eigentümerin der Muriger Liegenschaft. Als die               penaufgänge harmonieren mit historischen Bauelementen
Domänenverwaltung 2010 Zutritt zum Gebäude erhielt, bot                wie wertigen Parkettböden, wandhohen Täfer-Paneelen oder
sich vor Ort ein märchenhaftes Bild. Die Zeit schien im Ende           originalen Kachelöfen.
des 19. Jahrhundert erbauten Haus stehen geblieben zu sein.
Es zeigte sich jedoch schnell, dass eine Sanierung notwendig           Aufwertung des Gartens
ist. Die Sanitär-, Heizungs- und Elektroinstallationen muss-       Der grosse Gartenbereich war ursprünglich unterteilt in einen
ten von Grund auf neu erstellt werden, dies unter Einhal-          Gesellschafts- und einen Nutzgarten für Gemüse und Kräuter.
tung der Auflagen seitens der kantonalen Denkmalpflege.            Die jetzige Instandstellung des in den letzten Jahrzehnten völ-
Da die Liegenschaft bereits mehrere Jahre leer gestanden           lig verwilderten Gartens folgte dem historischen Konzept – in
hatte, wurde das Haus zudem bauphysikalisch gründlich un-          moderner Interpretation. Der frühere Nutzgarten hinter dem
tersucht. Die umfangreichen Sondierungen brachten denn             Haus wurde neu für beide Parteien angelegt, die hölzerne Spa-
auch erhebliche Schäden zutage, welche weiter aufwändige           lierwand zur Nachbarparzelle originalgetreu erstellt und be-
Sanierungsmassnahmen am Gebälk, Dach und Mauerwerk                 pflanzt. Der historische Gesellschaftsgarten bietet nun beiden
zur Folge hatten. Den Reiz des Hauses trotz aller anstehen-        Wohnparteien einen Gemeinschaftsteil, hier steht auch der alte
den Eingriffe zu erhalten, stellte eine grosse Herausforde-        Schalenbrunnen. Weiter wurden wohnungsbezogene, private
rung dar.                                                          Aufenthaltsplätze realisiert.
                                                                        Mit der Sanierung am Tavelweg 8 ist es gelungen, bewuss-
Ein Fall für den Bereich Immobilienprojekte                        tes Engagement für den Erhalt historischer Bausubstanz mit
Das anspruchsvolle Bauprojekt wurde durch den Fachbereich          wirtschaftlichen Grundsätzen in Einklang zu bringen, dies
Immobilienprojekte der Domänenverwaltung geleitet. Die             gemäss aller Kosten- und Terminvorgaben. Sowohl der ur-
dort erstellte Potenzialanalyse ergab, dass die Realisierung       sprünglichen Schenkungsabsicht, welche den Erhalt der Lie-
zweier Familienwohnungen mit gro-                                                         genschaft ins Zentrum stellte, als auch
ssem Gartenbereich wirtschaftlich und                     Text im Web:                    der Erfüllung moderner Wohnbedürf-
gesellschaftlich die langfristig optimale         medaillon.bgbern.ch/tavelweg8           nisse konnte entsprochen werden.

                                                                  16
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                                            Nichts ist so beständig
                                               wie der Wandel
                                     Das Burgerliche Jugendwohnheim unterstützt neu vor Ort

                                   Das Burgerliche Jugendwohnheim wird künftig dezentral tätig.

Das Burgerliche Jugendwohnheim und vormalige Burgerliche                Wie sieht die Institution bald aus?
Waisenhaus betreut, unterstützt und begleitet seit über 250             Die Dienstleistungen werden nicht mehr nur an einem Stand-
Jahren Kinder und Jugendliche. Nun stehen grössere Verände-             ort erbracht. So nutzt die Institution schon jetzt kaum mehr
rungen an, denn das Burgerliche Jugendwohnheim wird ab                  die Hälfte seiner Gebäulichkeiten in der Schosshalde, welche
kommendem Jahr das neue Konzept «Sozialraumorientierung»                daher weitgehend fremdvermietet sind. Da die Familien un-
umsetzen. Es soll Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene              terstützt werden sollen, eigenständig ihre Erziehungsauf­
befähigen, selbstgesteckte Ziele erfolgreich umzusetzen. Dies           gaben zu übernehmen, werden die betroffenen Kinder und
hat zur Folge, dass sich die Institution dezentralisiert und vor        Jugendlichen vermehrt in ihren angestammten Familien le-
Ort in den «Sozialräumen», den Gemeinden und ihren Quartie-             ben, wo sich auch ihr «natürlicher» Lebensmittelpunkt befin-
ren, tätig wird. Der Ansatz kommt an verschiedenen Orten be-            det. Nur bei Gefährdung des Wohls eines Kindes oder Jugend-
reits zur Anwendung, die Resultate sind positiv.                        lichen erfolgt die externe Unterbringung unter Einbezug der
                                                                        betroffenen Eltern.
TEXT: BERNHARD KUONEN; BILD: ZVG
Das Burgerliche Jugendwohnheim, welches Kinder, Jugend­                 Der Wille des Klienten ist zentral
liche und junge Erwachsene berät, betreut, begleitet und un-            Mit dem Konzept der «Sozialraumorientierung» stellt sich
terstützt, ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Das SAT-Projekt legt        die Institution innovativ den aktuellen Herausforderungen
seinen Schwerpunkt auf Jugendlichen und jungen Erwachsene,              in der Familien- und Sozialhilfe. Nachfolgende Neuerung
welche selbstständig wohnen. Am Standort «Schosshalde»                  bringt die Sozialraumorientierung weiter mit sich: Die
werden vorwiegend Kinder und deren Familien betreut, hier               Dienstleistungen werden wohnortsnah erbracht. Die Mitar-
stehen auch stationäre Plätze zur Verfügung. Der Fokus auf              beitenden evaluieren Ressourcen und Besonderheiten vor
beide Klienten-Zielgruppen bleibt weiterhin bestehen.                   Ort, um ihre Klienten gezielt unterstützen zu können. Das
                                                                        neu ausgerichtete Burgerliche Jugendwohnheim wird seine
Förderung von Selbstständigkeit                                         Dienstleistungen in den Sozialräumen im Osten der Agglo-
Der eigentliche Wandel in der Strategie des Burgerlichen                meration Bern anbieten und einzelne Teams dort stationieren,
Wohnheims besteht in der Vermittlung von individueller «Hil-            so in Bern-Ost, Ostermundigen, Muri, Ittigen und München-
fe zur Selbsthilfe», und zwar umfassender und wirkungsvoller            buchsee.
als bisher. Diese soll Menschen in schwierigen Lebenssituatio-              «Der Wille des Klienten ist zentral», lautet ein wichtiger
nen, wie etwa Alleinerziehenden oder gefährdeten Kindern,               Aspekt der Sozialraumorientierung, da nichts stärker ist, als
auf zeitgemässe Art helfen, ihr Leben wieder selbst in die Hand         der eigene Wille und selbstgewählte Ziele. Sie sind Vorausset-
zu nehmen. Kinder und Jugendliche sollen wieder oder erst-              zung, dass angestrebte Veränderungen erreicht werden kön-
mals mit selbstständiger Lebensbewältigung vertraut gemacht             nen und von Dauer sind. Das neue Konzept sieht vor, dass
sowie Eltern (wieder) Erziehungskompetenzen gegeben wer-                sich die Mitarbeitenden zur Effizienzsteigerung mehr denn je
den: dass sie neu lernen, Grenzen zu setzen oder Normen zu              mit externen Fachstellen aktiv vernetzen. Sie werden zur Er-
vermitteln, was Freizeitverhalten, Medienkonsum oder Um-                langung der notwendigen Kompetenzen und methodischen
gang mit Geld ihrer Kinder betrifft.                                    Fertigkeiten in internen Schulungen unterstützt.

                                                                   17
medaillon nr. 26, november 2016

                                        Zwei Berufsporträts
                                              Von Paragraphen zur grossen Berufung

                                                  Marc Fermaud – immer zu Hilfe

Die Burgergemeinde Bern beschäftigt in ihren Institutionen       stellt wie er. Nach der Lehre im Wunschberuf Schreiner trat der
und Verwaltungsabteilungen 495 Mitarbeiterinnen und Mitar-       heute 62-Jährige direkt eine Stelle beim Naturhistorischen Mu-
beiter in über 30 Berufsgattungen. Zudem bildet sie 30 Ju-       seum Bern an, wo er unter anderem Vorbauten anfertigte oder
gendliche aus. Zwei Mitarbeitende der Burgergemeinde ge-         Ausstellungsvitrinen baute. Zu seinen Aufgaben als Betriebs-
ben Einblick in ihren Tagsablauf.                                                         schreiner gehörte auch Aussergewöhnli-
                                                                                         ches, etwa einen Elefanten häuten und
TEXT: NANUSCHKA BOLEKI; BILDER: MARTIN              Ich lebe gerne gut und               die Haut im Pferdetransporter zu ver-
GRASSL                                                                                   frachten – ja, wieso nicht! Er ist der Bur-
                                                  möglichst gemütlich, wie
Marc Fermaud wirkt hinter den Kulis-                                                     gergemeinde treu geblieben, denn als
sen der Burgerkanzlei als «Mädchen für                mein Kater Sämu.                   Offizial hat er ab 1984 seine Berufung ge-
Alles», oder wie er sagt: «Dr chunnsch                                                   funden.
mir z’Hilf». Während Anlässen auf der                                                    Im November 2017 wird Marc pensio-
Bühne wirkt er im Ornat gekleidet als Offizial, seiner eigentli- niert, Angst vor Langeweile hat er nicht. «Ich lebe gerne gut
chen Berufsbezeichnung. Auch nach all den Jahren liebt er        und möglichst gemütlich, wie mein Kater Sämu», sagt er mit
seine Arbeit, denn «sie ist vielseitig und spannend». Er ist Or- einem schelmischen Lächeln. Dennoch wird er vor allem die
ganisator, Koordinator, Administrator, Postverwalter, Dru-       tollen, spannenden Menschen, Mitarbeitenden und Behör-
cker-Experte und vieles mehr. Kurz, er weiss wie der Hase in     den, mit denen er in Kontakt war, vermissen. Aber er blickt
der Kanzlei läuft.                                               auch mit einem lachenden Auge in die Zukunft. «Endlich Zeit
    Marc Fermaud gehört in der Burgergemeinde schon fast         haben! Am Morgen im Wintergarten hocken, Kaffee trinken
zum Inventar, ist er doch schon seit 1974 leise und zielstrebig  und Zeitung lesen und nicht ständig auf die Uhr schauen müs-
dabei. Fast niemand ist so lange bei der Burgergemeinde ange-    sen, weil man ja noch dies und jenes sollte», freut er sich. Auch

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