Verbandsmagazin Ausgabe 2/2020 - Steuerberaterverband im Lande Bremen eV
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VORWORT
Wir ziehen um und bleiben für Sie mittendrin 5
AKTUELLES
Auf ein Wort!
„Von Stuttgart nach Bremen – vom Wirtschaftsingenieur
zum Steuerberater“ 8
Mitgliederversammlung 2020 unter Corona-Bedingungen 10
Gemeinsam beschlossen: neue Beitragsstruktur 11
Neue Verbandsadresse: Moderne trifft auf Bremer Finanzhistorie 12
Steuerberaterverband im Lande Bremen e.V. spendet
1.000 Euro an die LidiceHaus gGmbH 15
NACHRICHTEN
Plädoyer für Automatisierung und betriebswirtschaftliche Beratung 16
Gesunde ZUKUNFT? 18
Auf die Kommunikation kommt’s an 20
ICH BIN DANN MAL WEG 22
Fachkräfte finden – aber wie? 24
Der gesunde Weg 26
Überschätzung kann helfen 28
DSTV-BERICHT
Kooperation German Tax Advisers in Brüssel – Besuch
des DStV-Präsidenten Harald Elster 30
DStV erfolgreich für den Berufsstand – Bundesrat beschließt
Anpassungen im Gebührenrecht der Steuerberater 32
Zum Stand der europäischen Finanztransaktionssteuer 33
#Hutab und #Chapeau: Die Gewinner der Krisenbewältigung 35
Von der Blockade zur Kooperation? Der lange Weg zur
Mehrheitsentscheidung in Steuersachen 36
DStV fordert: Betriebswirtschaftliche Beratung für KMU durch
Steuerberater unbürokratisch stärken 38
In der Krise entdeckt die EU im Binnenmarkt ihre wahre Stärke
und läutet den Paradigmenwechsel ein 39
BFH-ENTSCHEIDUNGEN
Aktuelle BFH-Enscheidungen 45
SEMINARE
Führung von Gesellschafterkonten bei Personengesellschaften 48
Grunderwerbsteuer – Der Teufel steckt im Detail 49
Das Zusammenspiel von Umsatzsteuer und Zoll unter
Berücksichtigung der Neuregelungen durch die Quick Fixes! 50Aktuelles Insolvenzsteuerrecht und/oder Sanierung oder
Insolvenz – Steuerberatung in der Krise des Mandanten 51
USt Spezial: Reverse Charge und/oder USt Spezial: Reihengeschäfte 52
Grundwissen zur Kassenführung und/oder Expertenwissen zur Kasse 53
Reise- und Bewirtungskosten 54
Besondere Abrechnungsgruppen 55
Rund um die Gesellschaft – Umsatzsteuer vs. Einkommensteuer 56
Gewinnermittlung durch Überschussrechnung nach § 4 Abs. 3 EStG 57
Besteuerung der Kapitalgesellschaft und ihrer Anteilseigner 58
Personengesellschaften und ihre Gesellschafter im
Einkommensteuerrecht 59
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Marktplatz 60
IMPRESSUM
Herausgeber Bildnachweis
Steuerberaterverband im Lande Bremen e.V. (VR 2404 AG Bremen) Titel © antishock
Schillerstraße 10, 28195 Bremen Seite 18 © irstone
Telefon 0421 59 58 40 Seite 20 © hakrit Thongwattana
Fax 0421 59 58 422 Seite 22 © Jozef MiÄ?ic
Seite 24 © ciripasca
info@stbv-bremen.de Seite 28 © microone
www.stbv-bremen.de Seite 58 © Christophe BOISSONV
Verantwortlich für den Inhalt
Vorstand und Geschäftsführung
Gestaltung, Satz und Layout
Alexandra Kremer
Verantwortlich für Anzeigen
Alexandra Kremer
Der Steuerberaterverband im Lande Bremen e.V. ist nicht ver-
antwortlich für die hier abgedruckten Meinungen in namentlich
gekennzeichneten Artikeln und für Inhalte externer Internetseiten.
Änderungen und alle Rechte vorbehalten.Stefan Oetje
Stellvertretender
Vorstandsvorsitzender, StB
Wir ziehen um und bleiben für Sie mittendrin
Sie kennen das aus eigener Erfahrung: Ein Umzug bringt Wenn wir in der Verbandshistorie zurückschauen,
viel Arbeit mit sich. Und zu den Aufgaben gehört, seine waren beim letzten Umzug ebenfalls die Schulungen
neue Anschrift mitzuteilen. Darum machen wir unseren der ausschlaggebende Grund für die Veränderung.
Umzug direkt im Vorwort zum Thema. Es ist uns eben Vielleicht erinnern sich langjährige Mitglieder (so wie
sehr wichtig, dass Sie uns gut finden – in jeder Hinsicht. ich) an den dunklen L-förmigen Schulungsraum in der
Also, Sie erreichen Ihren Steuerberaterverband im früheren Geschäftsstelle „Am Deich“. Er war für größere
Lande Bremen e.V. und Ihre Ansprechpartner für die Gruppen ungeeignet. Zudem war er technisch kaum
Seminare der Bremer Steuer-Institut GmbH ab dem 20. auf der Höhe der Zeit. So kam es nach dem Umzug in
Juli 2020 unter der Adresse: Schillerstraße 10. Die Tele- die Theodor-Heuss-Allee im Jahr 2004 bei einem Dozen-
fonnummern und E-Mail-Adressen bleiben gleich. Mehr ten zu einiger Verwirrung wegen der deutlich moderne-
zum Umzug der Geschäftsstelle und zu den finanzhisto- ren Ausstattung. Er hielt die neue Beamer-Leinwand für
rischen Besonderheiten des neuen Hauses erfahren Sie die Schreibtafel und machte gewohnheitsgemäß seine
im Artikel unter „Aktuelles“. Notizen mit einem wasserfesten Edding darauf. Ein Irr-
tum, der Spuren hinterließ. Schon damals konnten wir
Der Umzug war von langer Hand geplant. Seit gerau- darüber schmunzeln.
mer Zeit suchten wir nach einer passenden Immobilie.
Zunächst gab es die Idee, etwas zu kaufen. Doch dann Mit unserem jetzigen Umzug wird unsere technische
hätten wir einen Kompromiss bei der Lage machen Infrastruktur für Schulungen weiter verbessert. Übri-
müssen. Das kam nicht infrage, denn der Steuerbe- gens gilt das Technikplus ebenfalls für die Büros der
raterverband im Lande Bremen e.V. gehört mitten in Mitarbeiter*innen, die wir nun mit z.B. höhenverstellba-
die Stadt Bremen. Gleichzeitig wollten wir mehr Platz ren Schreibtischen noch rückenfreundlicher einrichten.
für den Seminarbetrieb schaffen. Ihr Interesse an den In jeder Hinsicht sehen wir den Standort an der Schil-
Schulungen ist weiterhin enorm. Gerne begrüßen wir Sie lerstraße als perfekten Ort für die Zukunft und die Wei-
dafür „bei uns zu Hause“ in der Geschäftsstelle statt in terentwicklung des Steuerberaterverbandes im Lande
verschiedenen Bremer Hotels. Bremen e.V. Unser dortiger Vermieter ist übrigens der
Unternehmerverband im Lande Bremen e.V. Wir finden,
das passt.
STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V. 5Von der Schillerstraße aus können wir nicht nur die der Geschäftsstelle zu bedanken. Alles wurde von Frau
Präsenzseminare, sondern auch die digitalen Seminar- Dr. Thomalla und ihrem Team toll vorbereitet. So kann
formate noch besser anbieten, denn sie werden uns Ihr Steuerberaterverband im Lande Bremen e.V. am
vermutlich über die Coronazeit hinaus begleiten. Die- neuen Standort direkt weiter für Sie da sein.
ses Angebot gehört spätestens seit diesem Frühjahr zu
moderner Weiterbildung. Allerdings geht es uns nicht Übrigens: Wir werden beim Umzug nicht alle Möbel mit-
darum, nur noch virtuelle oder besonders große Schu- nehmen. Aktuell überlegen wir noch, welcher sozialen
lungen anzubieten. Im Gegenteil. Auch wenn sich die Einrichtung wir die Tische, Stühle oder Regale überlas-
Teilnehmerzahlen in den letzten Jahren erhöht haben, sen möchten. Vielleicht machen wir alternativ einen
sollen die Gruppengrößen vorwiegend eine persön- Flohmarkt für einen guten Zweck. Schauen Sie in Ihre
liche Beschulung und Betreuung ermöglichen. Auch Mails, wir werden Sie darüber informieren!
dafür ist der neue Standort perfekt. Dort können wir
Herzliche Grüße und: Auf Wiedersehen in der Schiller-
endlich Veranstaltungen parallel stattfinden lassen –
straße!
und zum Beispiel neben dem Azubi-Lehrgang gleich-
zeitig auch ein Tagesseminar laufen lassen.
Stefan Oetje
Da wir derzeit keine Präsenzseminare durchführen kön- Stellvertretender Vorsitzender, StB
nen, ist die Schulungstechnik vorab umgezogen und
viele Kisten wurden bereits gepackt. Wir vom Vorstand
nutzen die Gelegenheit, um uns für die wirklich gute
Arbeit von Geschäftsführung und Mitarbeitern*innen
6 STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V.43. Deutscher Steuerberatertag 2020
Der frühe Vogel bucht noch schnell
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31. Juli 2020!
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„Von Stuttgart nach Bremen – von der
Wirtschaftsingenieurin zur Steuerberaterin“
Auf ein Wort!
Nina Schüler-Jordan wurde am 10. Juni 2020 von den Mitgliedern des
Steuerberaterverbands im Lande Bremen e.V. als Besitzerin im Vorstand
neu gewählt. Jetzt ist der Vorstand mit acht Mitgliedern und unseren
Ehrenvorsitzenden zukunftssicher aufgestellt.
Nina Schüler-Jordan freut sich auf ihre neue Aufgabe und das aktive
Mitwirken. „Schon am Tag meiner Bestellung wurde ich hier Mitglied.
Ich finde es wichtig, dass unser Berufsstand mit dem Verband eine
Stimme hat, die unsere Interessen vertritt. Und ich bin begeistert von den
Angeboten und Schulungen, die ich für mich und die Mitarbeiter der
Kanzlei regelmäßig nutze.“
1.) Warum stellten Sie sich zur Wahl? Wie haben Sie die gespannt, welche Herausforderungen auf uns zukom-
Wahlen, überhaupt die Jahreshauptversammlung un-
men. Da ich die Arbeit und Qualität des Verbandes
ter den Corona-Bedingungen erlebt?
sehr schätze, geht es mir nicht ums Verändern, sondern
„Schon länger arbeite ich mit dem Verband zusammen,
um kreatives Mitgestalten.“
zum Beispiel für die Weiterbildung unserer Mitarbeiter.
Ich gehe gerne zu den monatlichen Netzwerkaben-
3.) Seit wann sind Sie selbst Mitglied beim Steuerbera-
den mit Kurzvorträgen im kleinen Kreis. Von Veranstal- terverband im Lande Bremen e.V.?
tungen wie den „bremer steuertagen“ auf Spiekeroog,
„Kurz vor der mündlichen Steuerberater-Prüfung hatte
dem Verbandssommerfest und dem Deutschen Steu-
eine Kollegin die Idee, Kontakt zum Verband aufzu-
erberatertag kenne ich den Vorstand. Daher kam ich
nehmen. Prompt konnten wir in der Geschäftsstelle die
auf die Idee, mich ebenfalls einzubringen.
Kurzvorträge unter Prüfungsbedingungen in größerer
Runde vorbereiten. Diese Unterstützung hat mir gut
Die Mitgliederversammlung war ein kleiner Schritt Rich-
gefallen und so war eine der ersten Handlungen nach
tung Normalität, auch wenn jeder einen eigenen Tisch
meiner Bestellung, hier Mitglied zu werden.“
hatte und Abstandsregeln strikt eingehalten wurden.
Dieses Jahr leider ohne geladene Gäste.“
4.) Warum braucht man Ihrer Meinung nach einen
Verband wie unseren?
2.) Ab jetzt sind Sie ein aktiver Teil des Vorstandes. Wie
„Ich finde es unverzichtbar, dass der Verband die Inte-
wird Ihre zukünftige Arbeit als Beisitzerin aussehen?
ressen unseres Berufsstandes vertritt. Der Bundesver-
„Was hier gemacht wird, möchte ich aktiv mitge-
band ist unser Sprachrohr in Berlin. Dieser Draht zur Poli-
stalten. Ich habe mich auch in der Vergangenheit
tik ist gerade in der jetzigen Zeit von großer Bedeutung.
mit Ideen und Anregungen eingebracht. Ich bin nun
8 STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V.Aktuelles
Zusdem schätze ich die Qualität der fachlichen Fort- muss gestehen, ich hatte die Ausbildung unterschätzt.
bildungen. Das Schulungsangebot für Mitarbeiter und Sie ist absolut anspruchsvoll und die Prüfungen sind
Auszubildende hat ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis. wirklich hart.“
Das ist nicht selbstverständlich. Mir gefällt überhaupt
das gesamte Spektrum an Serviceleistungen des Ver- 6.) Warum haben Sie sich als Steuerberaterin selbst-
bandes. Sie bieten hier viel und sind breit aufgestellt. ständig gemacht?
Das ist für uns Steuerberater eine tolle Unterstützung.“ „Es war schon mit jungen Jahren mein Wunsch, Ver-
antwortung zu übernehmen und gestalten zu können.
5.) Ihr Weg zum Beruf der Steuerberaterin war ein be- Ein Wechsel in die Steuerabteilung war bei meinem
sonderen Weg, denn er startete an einer Dualen Hoch- Arbeitgeber – zum Zeitpunkt meiner Anfrage – zudem
schule. Das ist ungewöhnlich, erzählen Sie mehr!
auch nicht möglich. Die Entscheidung, in eine Bremer
„Mein beruflicher Werdegang begann an der Dua- Kanzlei einzusteigen, war schnell gefasst. Darum bin
len Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart. Dort ich seit 2018 Partnerin im Steuerbüro Decker, Schröder,
legte ich mein Diplom als Wirtschaftsingenieurin ab. Gisch & Partner. Die Kanzlei besteht seit 1951 und wir
Schon während des Studiums arbeitete ich in einem sitzen zentral in Bremen an der Herrlichkeit 2. Die Arbeit
Konzern und durchlief verschiedene Abteilungen. In macht viel Spaß und durch die ständigen Veränderun-
der Buchhaltung merkte man, dass ich eine große gen im Steuerrecht wird es sicher nicht langweilig.“
Affinität zu Zahlen habe und auch schnell Lösungen
finde. So wurde ich direkt angeworben. Damit es nicht
7.) Was bedeutet die Corona-Krise für Ihre Arbeit?
langweilig wird, durfte ich – ohne Vorkenntnisse – in
„Diese Zeit ist eine große Herausforderung – und zwar
die Steuerabteilung. Die Begeisterung der Kollegin war
weltweit. Die jetzt kurzfristig in Deutschland geltende
anfangs sehr verhalten. Heute weiß ich, warum. Mit viel
Mehrwertsteuersenkung ist lediglich ein Aspekt davon.
Freude und dem Vorbereitungslehrgang für die Steuer-
Es ist wichtig für uns Steuerberater, derzeit gründlich
beraterprüfung war ich nach kurzer Zeit in alle steuerli-
informiert zu sein und mit diesem Wissen Unternehmen
chen Fragestellungen des Konzerns involviert. Ich blieb
zu unterstützen, die sich neu aufstellen müssen. Für
acht Jahre lang in dem Konzern, bis ich aus privaten
mich geht es darum, die Mandanten zu begleiten und
Gründen nach Bremen zog. Eine Entscheidung, die ich
entsprechend ihrer aktuellen Situation auch darüber
bis heute nicht bereut habe. Hier hatte ich bei mei-
zu beraten, was sie tatsächlich brauchen. Die Leute
ner ersten Anstellung einen optimalen Arbeitsplatz, nur
müssen schnellstmöglich wieder auf die Füße kommen,
leider zu wenig Abwechslung. Daher wechselte ich in
um das Optimale aus der Situation machen zu können.
einen genossenschaftlichen Prüfungsverband. Als Ver-
Das gelingt auch mit der Hilfe unserer Berufsgruppe. Es
bandsprüferin war ich vier Jahre in ganz Niedersach-
ist unser Job, mit den Menschen zu arbeiten und ihnen
sen unterwegs. Das war eine spannende Zeit mit viel
mit unserem Können neuen Mut, Wege und Möglich-
Abwechslung, aber auch viel Reisen. Nebenbei konnte
keiten zu geben, um die Krise bestmöglich zu überste-
ich die Steuerberaterprüfung in Angriff nehmen. Das
hen – oder sich neu zu erfinden. Ich bin optimistisch,
war seit den Vorbereitungslehrgängen in Stuttgart ein
dass das vielen gelingt.“
persönliches Ziel. Das hat mir Spaß gemacht, doch ich
STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V. 9Mitgliederversammlung 2020 unter
Corona-Bedingungen
Die Mitglieder des Steuerberaterverbandes im Lande In der Zeit von 14-16 Uhr standen auf der Agenda der
Bremen e.V. waren vom Vorsitzenden Ralf Heitkamp Jahresbericht und der Jahresabschluss, der Rech-
eigentlich zu einer etwas anderen Veranstaltung ein- nungsprüfungsbericht, der Haushaltsplan für den Steu-
geladen worden. Ursprünglich war aus Anlass der Mit- erberaterverband im Lande Bremen e.V. sowie der
gliederversammlung zusätzlich ein größeres Rahmen- Plan für die Gewinn- und Verlustrechnung der Bremer
programm mit Golfturnier und Spargelessen im Club Steuer-Institut GmbH.
zur Vahr geplant gewesen. Das wurde aufgrund der
Covid-19-Pandemie auf 2021 verschoben. Als weiterer Tagesordnungspunkt standen zudem die
Änderungen in den Statuten bezüglich der Beitrags-
Um bei der Mitgliederversammlung den Corona- ordnung an. Über die Hintergründe für diese Verände-
Abstandsbestimmungen zu entsprechen, musste die rung waren die Mitglieder vorab ausführlich informiert
Veranstaltung verlegt werden und wurde am 10. Juni worden. (Den Bericht dazu lesen Sie auf Seite 11.)
2020 im Radisson Blu Hotel in der Böttcherstraße abge-
halten. Sie fand in kleiner Runde ohne externe Gäste Bezogen auf den Vorstand gab es ebenfalls eine Neu-
statt und war dennoch als Präsenzveranstaltung ein erung. Steuerberaterin Nina Schüler-Jordan wurde ein-
kleiner Schritt Richtung Normalität, auch wenn jeder an stimmig zur weiteren Besitzerin neben Petra Schröder
einem eigenen Tisch sitzen musste und die Abstandsre- und Christiane Kundel gewählt. Der Vorstand ist mit
geln strikt eingehalten wurden. nun acht Mitgliedern und einem Ehrenvorsitzenden
zukunftssicher aufgestellt.
10 STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V.Aktuelles
Vorstand des Steuerberaterverbandes im Lande Bremen e. V.:
Vorsitzender: Ralf Heitkamp, Steuerberater, Bremen
Erster Stellvertretender Vorsitzender: Dipl.-Kfm. Michael Tiedt, Steuerberater, Bremen
Zweiter Stellvertretender Vorsitzender: Dipl.-Kfm. Stefan Oetje, Steuerberater, Bremen
Rechnungsführer: Wolfgang Strelow, Steuerberater, Bremerhaven
Schriftführer: Dipl.-Ök. Ralf Grastorff, Steuerberater, Bremerhaven
Beisitzerin: Petra Schröder, Steuerberaterin / vereidigte Buchprüferin, Bremen
Beisitzerin: Christiane Kundel, Steuerberaterin, Bremen
Beisitzerin: Dipl.W.Ing Nina Schüler-Jordan, Steuerberaterin, Bremen
Ehrenvorsitzender: Dipl.-Kfm. Hans-Christoph Seewald, Wirtschaftsprüfer / Steuerberater, Bremerhaven
Gemeinsam beschlossen: neue Beitragsstruktur
Um weiterhin als starke Steuerberater-Lobby wirkungs- ordnung gleichzeitig eine Reduktion des jährlichen Mit-
voll handlungsfähig sein zu können, hatte der Vorstand gliedsbeitrags um den im Jahresbeitrag enthaltenen
des Steuerberaterverbands im Lande Bremen e.V. Umsatzsteueranteil beschlossen. Hintergrund dafür ist
seinen Mitgliedern schon bei der Einladung zur dies- das BFH-Urteil VR 45/17, in dem erstmals entschieden
jährigen Mitgliederversammlung eine neue Beitrags- wurde, dass Berufsverbände ihre Mitgliedsbeiträge
ordnung vorgeschlagen. Vorstandsvorsitzender Ralf anteilig der Umsatzsteuer zu unterwerfen haben, wenn
Heitkamp erklärt: „Wir definieren die sogenannte ,Kanz- ihre Leistung an die Mitglieder (anteilig) in einem direk-
leimitgliedschaft´ neu, indem dieses Mitgliedschafts- ten Zusammenhang mit einer Gegenleistung steht.
recht die Verbandsvorteile allen Mitarbeitern eröffnet, Der Steuerberaterverband im Lande Bremen e.V.
die nicht dem Berufsstand angehören. Möchten hinge- bietet genau diese Leistungen mit Meetings, Man-
gen die Kanzleiinhaber sowie die angestellten Berufs- dantenrundschreiben, dem Verbandsmagazin etc.
träger die Verbandsvorteile in Anspruch nehmen, und muss also zukünftig die Mitgliedsbeiträge antei-
müssen sie ab 2021 selbst persönliches Mitglied beim lig der Umsatzsteuer unterwerfen. „Wir nutzen das im
Verband werden. Selbstverständlich ermöglichen wir Sinne unserer Mitglieder und werden nun die anteilige
in der neuen Beitragsordnung, dass ein Kanzleiinhaber Umsatzsteuer aus dem Jahresbeitrag herausrechnen.
bzw. angestellter Berufsträger, dessen Kanzlei bereits Damit reduziert sich der Jahresbeitrag unserer – zum
Mitglied bei uns ist, einen vergünstigen Preis erhält. Mit größten Teil – vorsteuerabzugsberechtigten Mitglieder
diesen Änderungen möchten wir erreichen, dass wir für um die anteilig ausgewiesene Umsatzsteuer. Für unsere
die Zukunft unseren stabilen Mitgliederbestand halten, nicht-vorsteuerabzugsberechtigten Mitglieder bleibt
der uns erst die Möglichkeit eröffnet, den Berufsstand in der Jahresbeitrag unverändert. Wir freuen uns, dass wir
seiner Gesamtheit abbilden und vertreten zu können.“ unsere Mitglieder überzeugen konnten, diesen Weg
Da die Änderung der Beitragsstruktur in einigen Kons- gemeinsam zu gehen“, so Heitkamp nach der Mitglie-
tellationen zu einer Erhöhung des Gesamtbeitrags pro derversammlung.
Jahr führt, wurde im Zuge der Umstellung der Beitrags-
STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V. 11Neue
Verbandsadresse:
Moderne trifft auf Bremer Finanzhistorie
Wenn im Juli 2020 der Steuerberaterverband im Lande bestimmt so beeindruckt sein wie wir“, ist sich Thomalla
Bremen e.V. und die Bremer Steuer-Institut GmbH in die sicher.
Schillerstraße 10 einziehen, platzieren sie sich im alten Bre-
mer Finanzviertel, nahe dem Finanzamt. „Dieser Stand- Für Besucher und Schulungsteilnehmer ist der Standort
ort ist für uns in vielerlei Hinsicht optimal: Grundriss, Preis gut erreichbar. Ein Parkhaus und der Hauptbahnhof sind
und Lage. Zudem hat die Adresse wirklich Geschichte in der Nähe. Ein barrierefreier Fahrstuhl fährt direkt in die
und eine Tradition, zu der wir sehr gut passen“, erzählt dritte Etage. Zudem können in der neuen Geschäfts-
Geschäftsführerin Dr. Natalie Thomalla. „Tatsächlich war stelle mehrere Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden
in dem Gebäude früher das Bremer Finanzgericht unter- und das in zwei modern ausgestatteten Seminarräumen.
gebracht. Die Büros wurden inzwischen längst moderni- Dazu kommen helle Büroräume für die Mitarbeiter, mit
siert und auch technisch zukunftsfit gemacht. Dennoch rückenfreundlichen höhenverstellbaren Schreibtischen,
befinden sich im Untergeschoss eindrucksvolle histo- sowie separate Konzentrations- und Steharbeitsplätze.
rische Räumlichkeiten wie ein Kaminzimmer und zwei
großzügige Besprechungszimmer. Diese Räume sind ein „Spannend für uns ist, dass die Räume vom Unterneh-
Highlight. Wir können und wollen sie für zukünftige Ver- merverband im Lande Bremen e.V. vermietet werden.
anstaltungen nutzen. Unsere Mitglieder werden davon Die Gespräche verliefen von Anfang an sehr offen und
12 STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V.hanseatisch verbindlich. Das war uns wichtig, denn ein
anderes Büroangebot ist uns ärgerlicherweise kurz vor
der Unterschrift wieder entzogen worden. Jetzt sind wir
sehr zufrieden und auch die Vertragsverhandlungen
waren angenehm entspannt.“
Jutta Köpsel und Diane Oetje sind als Organisatorinnen
der Lehrgänge und Seminare der Bremer Steuer-Institut
GmbH bereits dabei, die verbesserten Möglichkeiten
in die Planung der kommenden Seminar- und Lehr-
gangsangebote einzubinden. Dazu gehört, dass jetzt
für die nebenberuflichen Lehrgänge nicht mehr extra
Räume angemietet werden müssen. Fast alles kann in
der Schillerstraße 10 stattfinden.
Aus Sicht des Vorstandes ist der Umzug an den neuen
Standort ein Meilenstein in der über 70-jährigen Ver-
bandsgeschichte: „Von hier aus können wir uns sehr gut
weiterentwickeln“.
STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V. 13Homeoffice? Kein Thema dank
unserer Lösung für mobiles Arbeiten!
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Steuerberaterverband
im Lande Bremen e.V.
spendet 1.000 Euro an die
LidiceHaus gGmbH
AkriBa – Antisemitismuskritische Bildungsarbeit
Mitte März dieses Jahres ist das Modellprojekt AkriBa schulische Jugendarbeit angeboten, die an jugend-
– Antisemitismuskritische Bildungsarbeit in der Jugend- lichen Lebenswelten anknüpfen und Einblicke in jüdi-
bildungsstätte LidiceHaus Bremen an den Start gegan- sche Perspektiven und Alltagserfahrungen gewähren.
gen. Mit Blick auf aktuelle Bedarfe und unter Berück- Ein Peer-to-Peer-Konzept und spezielle Angebote für
sichtigung von Problemlagen auf lokaler Ebene legt Fachkräfte und Multiplikator*innen sind ebenso Teil des
das Projekt den Fokus auf Antisemitismus als gesamt- Projekts wie die Etablierung eines Netzwerks auf regi-
gesellschaftliches Phänomen und fördert eine antise- onaler und überregionaler Ebene zum Austausch und
mitismuskritische Haltung und Handlungskompetenz zur Entwicklung didaktischer Konzepte im Themenfeld.
in der Migrationsgesellschaft. Latente und manifeste
Erscheinungsformen antisemitischer Ressentiments und An dieser Stelle möchten wir uns herzlich für die groß-
Stereotype werden erkenn- und sichtbar gemacht. Teil- zügige Spende bedanken, welche uns bei der Umset-
nehmende der angebotenen Workshops und Fortbil- zung unserer Projektziele – gerade in diesen schwieri-
dungen werden nicht nur auf der kognitiven, sondern gen Zeiten – unterstützt.
auch der affektiv-emotionalen Ebene angesprochen
– das Hinterfragen eigener Vorurteile, vorhandener
Denkmuster und die Anregung zu Reflexionsprozessen
Kontaktdaten:
soll die persönliche Haltung und Handlungsfähigkeit
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Weg zum Krähenberg 33a
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28201 Bremen
wicklung werden aktuelle Antisemitismen, unter-
Telefon: 0421 - 692720
schiedlichste Motivlagen und gesellschaftliche
E-Mail: akriba@lidicehaus.de
Funktionsweisen in den Blick genommen. Es werden
niedrigschwellige pädagogische Module für die außer-
STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V. 15StB/WP Dipl.-Kfm. Carsten Nicklaus
Plädoyer für Automatisierung und
betriebswirtschaftliche Beratung
Automatisierung in wichtigen Geschäftsfeldern und warum wir die
betriebswirtschaftliche Beratung dabei nicht außer Acht lassen dürfen.
Die Automatisierung der wichtigen Geschäftsfelder ist eine der zentralen Aufgaben für den steuerberatenden
Berufsstand. Und trotzdem – oder gerade deshalb – ist es wichtig, die betriebswirtschaftliche Beratung nicht zu
vernachlässigen oder aus den Augen zu verlieren.
Viele Leser werden einen Beitrag zum Thema „Betriebs- damit nicht genug: Die Entwicklungen im Bereich
wirtschaftliche Beratung“ wohl schnell überblättern „Legal Tech“ im Bereich Rechtsdienstleistungen wer-
wollen. Zu lange wurde dieses Thema in den letzten 20 den bereits in steuerlichen Szenarien eingesetzt. Sie
Jahren „durchgekaut“. Hinzu kommt: In den Praxen kennen das vielleicht schon aus dem Datev-Programm
haben wir momentan noch bis über beide Ohren zu „Umsatzsteuer-Expertisen“, in dem man auf Knopf-
tun. Die Gründe sind vielfältig: Arbeit ohne Ende, Per- druck bzw. Mausklick die gewünschten Antworten
sonalmangel, Fortbildungsstau, zusätzliche Pflichten bzw. Gutachten zu der gestellten Frage erhält. Und
durch EU-Gesetze usw. Daher sehen wir die Notwen- was machen wir, wenn 80 % unserer Dienstleistungen
digkeit, uns mit diesem Thema zu beschäftigen, (noch) durch die KI erledigt werden?
nicht. Es läuft ja alles (noch) wunderbar. Und gerade
Irgendwann – vielleicht schon bald – werden sich die
deswegen möchte ich an dieser Stelle ein kleines Plä-
Bequemlichkeit, die Schnelligkeit und der günstige
doyer für das Geschäftsfeld „Betriebswirt-schaftliche
Preis bei einer empfundenen akzeptablen Qualität bis
Beratung“ halten.
zu den letzten Steuerpflichtigen/Mandanten herumge-
Folgen der Digitalisierung sprochen haben. Bei Geld hört schließlich die Freund-
schaft auf; das erleben wir immer wieder.
Die Beratung im Allgemeinen und die betriebswirt-
schaftliche Beratung im Speziellen entscheiden in Beratung ist Mehrwert
naher Zukunft vielleicht über das weitere Bestehen
Steuerkanzleien, die ihren Mandanten jedoch schon
oder den Untergang von vielen Steuerberatungs-
vorher einen Mehrwert bieten, werden ihnen gegen-
kanzleien, vielleicht sogar über das unserer eigenen.
über in dieser Zeit einen bedeutenden Vorteil bei der
Wir stehen vor gewaltigen Veränderungen im Berufs-
Argumentation haben: „Bei mir bekommst Du nicht
stand, die durch Digitalisierung und Automatisierung
nur das vergangenheitsbezogene Geschäft der Dekla-
ausgelöst werden. Die Geschäftsfelder Finanzbuch-
ration. Du bekommst von uns zu den aktuellen Auswer-
haltung und Lohnabrechnungen, aber auch das lukra-
tungen aus Deiner Buchhaltung oder Deinen Löhnen
tive Geschäftsfeld „Erstellung von Steuererklärungen“
auch stets Anmerkungen, Hinweise und ggf. eine Hilfe-
könnten in absehbarer Zeit von künstlicher Intelligenz
stellung, die Dir bei der „Optimierung“ in Deinem Busi-
(KI) und Cloud-Plattformen schneller, ansprechender
ness helfen können!“
und vor allem preiswerter abgebildet werden. Und
16 STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V.Nachrichten
Die Schritte in diese Richtung müssen dabei nicht kostet Zeit für die Planung und die Überzeugungsarbeit
unbedingt mit einer gewaltigen Veränderung in der bei den Mitarbeitern. Diese Zeit fehlt uns aber momen-
Kanzlei einhergehen. Das Know-how in der Kanzlei tan. Also was tun?
bzw. bei den Mitarbeitern und die Möglichkeiten in
Praktische Handlungsempfehlungen
der verwendeten Software sind in den meisten Fällen
bereits vorhanden. Es gibt daher durchaus Optionen, Ich habe dazu vor einiger Zeit einen schönen Vergleich
in den Bereichen Buchhaltung bzw. BWA und Lohn gelesen:
Zusatzleistungen zu generieren. Es fängt bereits mit der
Ich gehe zu meinem Freund, dem Metzger, und stehe
Art und Weise der Buchung von Geschäftsvorfällen an.
in seinem Geschäft sogar noch vor der Tür in der
Folgende Fragen sollte man in der Kanzlei beispiels-
Schlange. Er selbst ist redlich bemüht und kommt regel-
weise stellen:
recht ins Schwitzen beim Abschneiden der gewünsch-
• Ist die BWA wirklich eine „betriebswirtschaftliche ten Menge von den größeren Stücken. Seine Messer
Auswertung“ oder nur eine Darstellung der in der
sind offensichtlich lange nicht mehr geschärft worden.
Kasse und auf dem Bankkonto abgewickelten Ge-
schäftsvorfälle? Als ich an die Reihe komme, frage ich ihn: „Warum
schärfst Du denn nicht einfach Deine Messer?“ Seine
• Werden die Abschreibungen monatlich auf Basis
Antwort: „Du siehst ja, was hier los ist. Keine Zeit.“
von aktuellen Daten aus der Anlagenbuchhaltung
gebucht?
Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, kein Fami-
• Werden größere Beträge, die sich auf das gesamte lienleben zu haben oder nicht zu wissen, was ich mit
Jahr beziehen, monatlich abgegrenzt?
meiner Zeit anfangen soll. Aber: Ich finde, dass sich so
• Wie werden welche Auswertungen mit welchem mancher Feiertag oder Tage vom Wochenende prima
zeitlichen Versatz dem Kunden zur Verfügung ge- für solche Überlegungen eignen. Das Büro ist leer, keine
stellt?
Unterbrechungen von Mitarbeitern oder Anrufern. Es ist
• Gibt es zu den Unterlagen ein persönli- fast schon entspannend. Haben Sie das schon einmal
ches Gespräch oder einen kleinen Hinweis versucht?
„Alles okay!“ in der E-Mail oder auf Papier?
Und das Angenehme der Arbeit „an“ statt „in“ der
• Haben Sie in der Vergangenheit für Ihre Mandan-
ten die Unternehmensentwicklung unterjährig be- Kanzlei: Sie wird belohnt mit so manchem Effizienz-
obachtet und Ihre Mandanten proaktiv angespro- gewinn. Es ist vielleicht ein wenig so, als würde man
chen? mit einem geschärften statt einem stumpfen Mes-
• Wurden Ihre Mandanten schon einmal unterjährig ser das Fleisch schneiden. Zum Beispiel, indem man
mit einem Branchenvergleich auf Abweichungen durch die neuen Strukturen Mitarbeiter in der Kanz-
hingewiesen? lei monatlich zu Verbesserungen in den Prozessen
• Wann haben Sie die Ergebnisse aus der BWA zu- anhält. Hier könnte man entdecken, dass der Man-
letzt zum Jahresende hin hochgerechnet und dem dant eine Datei aus dem Rechnungsausgangsbuch
Mandanten gegenüber die Auswirkungen kommu- erzeugen kann, die es ermöglicht, Hunderte von Aus-
niziert?
gangsrechnungen in Sekunden einzuspielen, anstatt
Das Ganze hört sich doch gut an, oder? Und durch- sie in Stunden manuell von einer Liste zu erfassen.
führbar ist es allemal. JEDOCH: Ohne die entspre- Also: An die Arbeit „an der Kanzlei“ – es lohnt sich!
chende Vorbereitung, Umsetzung und schließlich die Quelle:
Verbandsmagazin 1/2020 Steuerberaterverband Düsseldorf
Definition als Standard-Prozess in der Kanzlei ist dies
Zur Person:
kaum in die bestehenden Strukturen einzufügen. Das StB/WP Dipl.-Kfm. Carsten Nicklaus, Krefeld, ist stellvertretender
Vorsitzender des Steuerberaterverbandes Düsseldorf
STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V. 17Gesunde ZUKUNFT? Digitaler Wandel Immer mehr Unternehmen ent- decken neue Technologien und künstliche Intelligenz, um ihre Effizienz zu steigern und Beschäftigte zu entlasten. Damit verbunden sind vielfäl- tige Chancen – aber auch Risi- ken. Wie Betriebe die digitale Transformation gesund gestal- ten können. 18 STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V.
Nachrichten
D ie digitale Transformation verändert sämtliche PSYCHISCHE FAKTOREN
Lebens- und Arbeitsbereiche rasant. „Sie ist weit Der Gesundheitssoziologe Prof. Dr. Holger Pfaff spricht
mehr als das Einführen neuer Technologien“, so Prof. in diesem Zusammenhang von einem nicht mehr zu
Dr. Andréa Belliger, Leiterin des Instituts Kommunika- bewältigenden „Optionsstress“. Andere von einer
tion und Führung in Luzern. „Sie ändert die Art, wie wir „Interessierten Selbstgefährdung“, in der ein „Über-
kommunizieren und zusammenarbeiten.“ Denn hinter engagement“ des Einzelnen zur Erschöpfung und
der Digitalisierung steckt ein ganz neues Gefüge an schließlich zu Burn-out führen kann. In vielen Betrie-
Werten, Strukturen, Arbeits- und Führungskulturen. ben ist zudem die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust
Zusammengefasst wird das unter dem Begriff „New beziehungsweise der Austauschbarkeit durch digi-
Work“ als „Versuch, Arbeit vor dem Hintergrund der tale Systeme und Maschinen groß. Nicht zuletzt gibt
digitalen Transformation neu zu definieren“, sagt Belli- es auch die Sorge, die neuen Technologien nicht zu
ger. Die damit einhergehenden Veränderungen bie- verstehen oder mit ihnen nicht umgehen zu können.
ten Unternehmen vielfältige Chancen.
GESUNDHEITLICHE EFFEKTE CHANCEN UND RISIKEN
Innovative Lösungen wie Exoskelette oder Daten- Schneller, effizienter und agiler zu werden nützt kei-
brillen können beispielsweise dazu beitragen, phy- nem Unternehmen, wenn die Mitarbeiter den Wand-
sische und damit auch psychische Arbeitsbelastun- lungsprozess nicht mittragen. Um zu verhindern,
gen zu verringern. Neue Technologien verbessern in dass es den Beschäftigten an Veränderungsbereit-
einer älter und vielfältiger werdenden Gesellschaft schaft für einen digitalen Wandel mangelt, spielt
individuelle Teilhabechancen und unterstützen den das Changemanagement in Transformationsprozes-
Gesundheitsschutz. Allerdings ist auch klar: Die Digi- sen auch für kleine und mittlere Unternehmen eine
talisierung stellt alle Akteure vor Herausforderungen. zentrale Rolle. Digitale Transformation kann letztlich
Mit ihr geht der Trend unter anderem zu einer stärke- für die Beschäftigten nur gesund sein, wenn alle sie
ren Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort einher. Der nachvollziehen und mitgestalten können, statt sich
aktuelle Fehlzeiten-Report 2019 des Wissenschaftli- ihr ausgeliefert zu fühlen. Welche gesundheitlichen
chen Instituts der AOK (WIdO) zeigt etwa: Das dezen- Auswirkungen haben die hohen Anforderungen an
trale Arbeiten macht Beschäftigte zwar einerseits Vernetzung, Flexibilität und Mobilität, aber auch an
zufriedener. Andererseits aber fühlten sich genau das Selbstmanagement? Wie lässt sich Arbeit in Zei-
diejenigen auch häufiger psychisch belastet als aus- ten der digitalen Transformation gesund gestalten?
schließlich im Betrieb Tätige. Mit welchen Maßnahmen kann ein Betriebliches
Gesundheitsmanagement (BGM) unterstützen? Und
welche neuen Führungsanforderungen und -auf-
gaben ergeben sich daraus? Die Antworten darauf
und mehr lesen Sie auf den folgenden Seiten.
Quelle: „gesundes unternehmen – Das Arbeitgebermagazin der AOK
Bremen/Bremerhaven, Ausgabe 1-2020“
STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V. 19Auf die
Kommunikation
kommt’s an
Mitarbeitergesundheit Prof. Dr. Andréa Belliger, Prorektorin
der Pädagogischen Hochschule Luzern und Leiterin des
Instituts für Kommunikation & Führung, über digitale
Veränderungsprozesse und die Rolle von Führung.
Wie verändert sich die Arbeitswelt im Zuge der digitalen Transformation
und „New Work“?
Unternehmen organisieren sich neu. Sie sind keine geschlossenen, hierar-
chisch steuerbaren Systeme mehr, sondern offene, agile, sich ständig im
Wandel befindliche, selbstorganisierende Netzwerke. „New Work“ reagiert
darauf mit dezentralem, flexiblem Arbeiten, neuen Kompetenzen und Ar-
beits- sowie Anstellungsmodellen, Vergütungsmechanismen wie „New
Pay“. Dabei erhalten zum Beispiel alle Beschäftigten das gleiche Gehalt
oder es wird transparent kommuniziert, wie viel Lohn jeder erhält. Neu sind
auch die Büroformen. Etwa „Activity Based Offices“, in denen das Auflösen
starrer Raumstrukturen und fester Arbeitsplätze die Kreativität und Leistungs-
fähigkeit fördern soll.
20 STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V.Nachrichten
Wie gestalten Führungskräfte diesen Wandel gesund und
erfolgreich?
Durch eine offene Kommunikation, Transparenz, Partizipation, Empathie
und Authentizität. Die klassische Top-down-Führung mit Aufgaben-Dele-
gation von oben nach unten tritt in den Hintergrund. Stattdessen gibt es
dezentrale Teams mit Fach- und Entscheidungskompetenz. Führungskräfte
müssen in Zukunft sehr viel häufiger nicht im Unternehmen anwesende Be-
schäftigte und auch nicht angestellte Teammitglieder führen.
So wird Führung zur Kontextsteuerung, bei der es, wie bei einer Dienstleis-
tung, um das Schaffen idealer Bedingungen für Arbeit in einer Netzwer-
korganisation geht – schnell, bedarfsgerecht, effizient und transparent.
Das kann nur über eine klare Kommunikation erfolgen, bei der immer auch
erfragt wird, was der einzelne noch benötigt, um gut und gesund arbeiten
zu können.
Was machen Unternehmen bei der digitalen Transformation am häufigs-
ten falsch?
Digitalisierung beschränkt sich zu häufig auf Tools und Technologien, viel-
leicht noch auf die Automatisierung von Prozessen. Sie lässt aber die ent-
scheidende Ebene der Veränderung der Organisationskultur außer Acht. In
diesem Fall haben wir es mit nichts anderem als der industriellen Revolution
4.0 zu tun. Die Menschen werden wegen der gleichen Dinge krank wie in
der Industriegesellschaft: Stress, Angst, Sinnlosigkeit der Arbeit usw. Gefahr
besteht also, wenn Organisationen digitale Transformation nur im Sinne von
Technologie im Arbeitsumfeld verstehen. Digitale Transformation ist aber ein
umfassender Prozess. Die Veränderung beginnt vielmehr mit Überlegungen
zur Unternehmenskultur, die Werte wie eine offene Kommunikation, Trans-
parenz und Teilhabe der Beschäftigten, zum Beispiel an Entscheidungspro-
zessen, ins Zentrum stellt.
Quelle: „gesundes unternehmen – Das Arbeitgebermagazin der AOK
Bremen/Bremerhaven, Ausgabe 1-2020“
STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V. 21ICH BIN DANN MAL WEG
Kündigungsgründe Neue Perspektiven, mehr Gehalt oder Ärger
mit den Kollegen – die Gründe, wegen derer Beschäftigte
das Unternehmen verlassen würden, sind vielfältig:
Die Top 6: Warum Mitarbeiter kündigen würden.
1.
68 Prozent der Beschäftigten
würden den Job wechseln, wenn Überstunden weder
durch Geld noch durch Freizeit ausgeglichen werden.
65 Prozent der Angestellten
2. legen Wert auf das kollegiale Umfeld und würden kündi-
gen, wenn die Chemie mit den Kollegen nicht stimmt.
Quelle: „gesundes unternehmen – Das Arbeitgebermagazin der AOK Bremen/Bremerhaven, Ausgabe 1-2020“
22 STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V.Nachrichten
60 Prozent
3. würden bei andauerndem Stress und Leistungsdruck,
engen Deadlines oder zu hohen geforderten Zielen
nach Jobalternativen suchen.
48 Prozent der Beschäftigten
4. würden kündigen, wenn keine konstruktive
Feedback-Kultur herrscht.
51 Prozent der Angestellten
5. würden das Unternehmen verlassen, wenn ihnen
kein Handlungsspielraum gewährt wird.
22 Prozent
6. würden sich nach einem anderen Job umsehen,
wenn sie keine Anreize wie Dienstwagen, Jobticket
oder Sportangebote erhalten.
STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V. 23Fachkräfte finden –
aber wie?
Aktiv suchen: Eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft, für die in
Kooperation mit der Zeitschrift „Personalwirtschaft“ und dem Jobportal „Indeed“
Personalverantwortliche aus 420 Unternehmen befragt wurden, zeigt: Online-Stel-
lenanzeigen sind aktuell das meistgenutzte Mittel, um neue Mitarbeiter zu finden.
Immerhin rund jedes zweite Unternehmen verzeichnet damit auch Erfolge. Doch ten-
denziell Erfolg versprechender ist es für Firmen, aktiv auf Fachkräfte zuzugehen (siehe
Grafik). So besuchen sechs von zehn Unternehmen Jobmessen oder beteiligen sich
an ähnlichen Veranstaltungen und mehr als jedes zweite findet auf diese Weise das
gesuchte Personal. Der Aufbau persönlicher Kontakte zu potenziellen Mitarbeitern,
das sogenannte Active Sourcing, ist sogar eine noch probatere Rekrutierungsstrate-
gie, ebenso wie die Kooperation mit Hochschulen und anderen Bildungsträgern. Und
wer seinen neuen Mitarbeitern in spe besondere Anreize, etwa durch betriebliche
Maßnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bietet, sollte dies
im Rahmen der Personalsuche auch offensiv kommunizieren. Das jedoch ist laut Stu-
die allzu oft nicht der Fall.
Quelle: „gesundes unternehmen – Das Arbeitgebermagazin der AOK Bremen/Bremerhaven,
Ausgabe 1-2020“ Talents und Trends/April 2018, von Rundstedt gemeinsam mit dem
Marktforschungsinstitut INNOFACT AG
24 STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V.Nachrichten
Verschiedene Wege zum Erfolg
Die meistgenutzten Strategien zur Personalgewinnung und was sie bringen.
Kostenpflichtige Online-Stellenanzeigen 44 79
Jobmessen, Recruiting-Events und
ähnliche Veranstaltungen (auch digital) 53 60
Headhunting/
Personalberater 62 52
Active Sourcing (Aufbau persönlicher
Kontakte zu potenziellen Mitarbeitern) 53 52
Mitarbeiterempfehlungsprogramme
(mit Anreiz) 64 50
Kooperation mit Hochschulen oder
anderen Bildungseinrichtungen 54 50
Jobtitel umbenennen, um für die
Zielgruppe attraktiver zu werden 44 46
Zielgruppengenaues
Social-Media-Marketing 47 36
Jobprofile neu
zuschneiden 57 31
Stärken und Bewerben der Region (durch
Aufbau von Netzwerken, Talentpools etc.) 60 31
So viel Prozent der Unternehmen nutzen diese Strategie
So viel Prozent der Nutzer bewerten den Erfolg dieser Strategie mit „gut“ oder „sehr gut“
Befragung von 420 Unternehmen im Zeitraum August bis November 2018
Quelle: Indeed (Jobportal), Personalwirtschaft (Zeitschrift), Institut der deutschen Wirtschaft
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vimcar.de/steuerberater steuerberater@vimcar.de 030 555 732 980Der gesunde Weg
Entscheidungshilfe für Mitarbeiter: Treppe oder Aufzug,
Salat oder Currywurst? Auch wenn viele Beschäftigte wissen,
was das Beste für ihre Gesundheit ist, ist es im Joballtag nicht immer
einfach, gesunde Entscheidungen zu treffen. Arbeitgeber können ihre
Mitarbeiter dabei unterstützen.
Studien belegen, dass Entscheidungen oft irrational, gen überlegter und gesundheitsbewusster zu treffen.
also unbewusst aus dem Bauch heraus getroffen wer- Ziel ist es, Arbeitnehmern gesunde Alternativen zu
den. Eine Option ist emotional ansprechender und bekannten Verhaltensmustern aufzuzeigen und diese
erscheint einfacher. Zum Beispiel den Aufzug statt der Optionen attraktiv und einfacher zu machen als die
Treppe zu nehmen. In der Betrieblichen Gesundheits- weniger gesundheitsgerechte Variante. „Funktio-
förderung (BGF) macht man sich deshalb das Konzept nieren kann es ähnlich wie bei der Werbung, bei der
des „Nudging“ (dt. Anstupsen) zunutze. Dieses wurde die Kaufentscheidung durch äußere Reize beeinflusst
erstmals 2008 von den Wissenschaftlern Richard Thaler wird“, erklärt Ida Ott, Autorin des Reports der Initi-
und Cass Sunstein veröffentlicht. Es soll durch gezielte ative Gesundheit und Arbeit (iga) zum Thema und
Maßnahmen Beschäftigte „anstupsen“, Entscheidun- Beraterin für Betriebliches Gesundheitsmanagement
beim Institut für Betriebliche Gesund-
heitsförderung der AOK. Das Wichtige
sei aber, dass es eine bessere und
gesündere Entscheidung für den
Menschen und nicht nur positiv für
das Unternehmen sei, so Ott. Zum
Beispiel, wenn sich die Beschäftig-
ten für die Treppe und gegen den
Aufzug entscheiden.
Doch wie kann das konkret aussehen?
Stellt das Unternehmen in der Kantine
etwa den Süßigkeitenautomaten in eine
entfernte Ecke, fällt die Entscheidung
für den Mitarbeiter, dorthin zu gehen,
schwerer. Auf der anderen Seite kön-
nen Unternehmen auch in der Kantine
26 STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V.Nachrichten
Gesunde Entscheidungen möglichst einfach machen. beruht. Es basiert auf neun verschiedenen Wirkmecha-
Auch funktioniere es gut, den Menschen die gewünschte nismen. Aus den erwarteten Verhaltensweisen lassen sich
Wahloption zu erleichtern, wobei ihnen aber die Freiheit Ideen für Nudges ableiten. Ein Wirkmechanismus sind An-
bleibt, auch anders zu entscheiden. Sehr erfolgreich habe reize. Man geht davon aus, dass die Antwort auf die Anrei-
das etwa bei Führungskräften funktioniert. Sie mussten ze durch eine sogenannte vorhersehbare „mentale Abkür-
sich nicht selbst zu einem Coaching-Angebot anmelden, zung“ bestimmt wird. Das kann etwa die Tendenz, Verluste
sondern wurden automatisch angemeldet. Wer nicht teil- zu vermeiden oder Gewinne zu erzielen, sein. Indem Un-
nehmen wollte, konnte sich abmelden, musste also aktiv ternehmen einen gezielten Anreiz setzen und beispielswei-
werden. Die Abmeldung ist demnach mit Aufwand ver- se die Teilnahme an BGF-Maßnahmen als Arbeitszeit an-
bunden – nicht die Anmeldung. „Unserer Erfahrung nach ist rechnen, beeinflussen sie die Entscheidung. Grundsätzlich
diese Maßnahme sehr effektiv“, sagt Ott. Jeder, der nicht gilt: Die Entscheidungen sollten einfach zu treffen, anspre-
teilnehmen möchte, müsste sich aktiv mit dem Gedanken chend dargeboten, sozial eingebunden und zeitlich richtig
auseinandersetzen und bewusst dagegen aussprechen. gewählt sein. Es ist auch sinnvoll, so die Expertin, den Erfolg
Wichtig dabei sei, dass nur die „Vorzeichen“ der Entschei- anhand des definierten Ziels regelmäßig zu überprüfen.
dung verändert werden. Die eigentliche Entscheidung zur „Man sollte Nudges erproben und prüfen, was sich be-
Teilnahme bleibt den Beschäftigten überlassen und ein währt“, sagt Ida Ott. Daher kann es sinnvoll sein, mehrere
„Nein“ ist nicht mit Sanktionen belegt. Nudges zu entwickeln oder zu kombinieren.
Mit Nudging beginnen. Um Nudging anzuwenden, müssen Voraussetzung: Freude am Experiment. Bei der Gestaltung
sich die Verantwortlichen im Unternehmen zunächst über- der Nudges seien auch spielerische Aktionen entstanden.
legen: Was soll sich verändern und warum? Ziele könnten So veranstaltete etwa ein Softwareunternehmen einen
beispielsweise sein, mehr ausgleichende Bewegung in den Wettbewerb, bei dem die Mitarbeiter mit den meisten
Arbeitsalltag zu bringen, um Rückenproblemen vorzubeu- Schritten eine Teamreise gewinnen konnten. Dazu erhiel-
gen, oder eine gesündere Ernährung im Betrieb anzubie- ten die Teilnehmer Schrittzähler. Die Aktion kam gut an: 75
ten. Außerdem muss geklärt werden: Wer ist die Zielgrup- Prozent der 250 Beschäftigten nahmen an dem Wettbe-
pe? Alle Mitarbeiter? Eine Abteilung? Wichtig ist es auch, werb teil. Und sogar sechs Monate nach dem Wettbewerb
die Beschäftigten in den Prozess einzubeziehen und ge- trugen noch einige Teilnehmer ihren Schrittzähler. Läuft die
meinsame Ziele zu formulieren, weiß Ida Ott. Damit gehe Aktion lange genug und die Mitarbeiter finden Freude da-
man nicht nur dem Verdacht der Manipulation aus dem ran, können sich Gewohnheiten verändern, sagt Ida Ott.
Weg, sondern erhöhe auch die Identifikation und Motivati- Und dann fallen unbewusste Entscheidungen automatisch
on der Beschäftigten. gesünder aus.
Die wissenschaftliche Basis von Nudges. In der Praxis wird
für die Entwicklung von sogenannten Nudges, also Stup-
sern, zum Beispiel das MINDSPACE-Gestaltungsmodell ge- Quelle: „gesundes unternehmen – Das Arbeitgebermagazin der
nutzt, das auf verhaltenswissenschaftlichen Erkenntnissen AOK Bremen/Bremerhaven, Ausgabe 1-2020“
STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V. 27Überschätzung
kann helfen
Mitarbeiterführung Wissenschaftler
haben in Experimenten herausgefunden, dass wir unsere eigenen
Fähigkeiten tendenziell überschätzen. Das muss –
gerade im Arbeitsleben – nicht negativ sein, erläutert Steve Ayan,
Psychologe und Redakteur der Zeitschrift „Gehirn&Geist“
Drei von vier Autofahrern glauben, bessere Fahrer zu sein als der Durch-
schnitt. Haben Psychologen solche Phänomene von Selbsttäuschung
auch im Berufsleben beobachtet?
Ja. In einer klassischen Untersuchung gaben beispielsweise 94 Prozent der
befragten Professoren an, sie leisteten bessere Arbeit als der Durchschnitt
ihrer Kollegen. Und die überwiegende Zahl der Studierenden hält sich für
fähig, später im Leben eine Führungsposition zu besetzen. Grundsätzlich
fühlen wir uns vor allem auf solchen Gebieten, die uns besonders am
Herzen liegen, besser, als wir sind. Ob ich toll singe, ist mir egal – aber auf
meine beruflichen Fähigkeiten bilde ich mir gern etwas ein. Umgekehrt
heißt das: Wer seine Job-Kompetenz überschätzt, dem ist sein Job wohl
zumindest nicht ganz gleichgültig.
Wäre es nicht gerade im Arbeitsleben besser, sich selbst realistisch einzu-
schätzen?
Jein. Natürlich ist es mitunter ungünstig, sich dramatisch zu überschät-
zen oder gar für unfehlbar zu halten. Allerdings zeigen Studien, etwa
von Psychologen um Michael Dufner von der Universität Leipzig, dass ein
gewisses Maß an unrealistischem Optimismus dabei hilft, eine gute Leis-
tung abzuliefern und Rückschläge leichter zu nehmen. Unterm Strich wirkt
moderate Selbstüberschätzung eher motivierend als hinderlich. Deshalb
ist sie auch so verbreitet.
Quelle.„gesundes unternehmen – Das Arbeitgeberma-
gazin der AOK Bremen/Bremerhaven, Ausgabe 1-2020“
28 STEUERBERATERVERBAND im Lande Bremen e.V.Sie können auch lesen