Wegweisend Nachhaltigkeitsbericht der Stadt Zug 2016 - Wegweisend
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Vo r w o r t
Urs Raschle
Inhalt Ein Kompass für Zug
Vo r w o r t 3 Liebe Zugerinnen und Zuger
C e r c l e I n d i c a t e u r s 5
U m w e l t 6 Ergeht es Ihnen manchmal auch so wie mir? Nach jeweils einen Aspekt etwas genauer. Haben Sie zum
Biodiversität 7 einem intensiven Arbeitstag spaziere ich gemütlich Beispiel gewusst, dass im letzten Jahr 71 Rehe auf
Natur und Landschaft 8 nach Hause oder lüfte den Kopf bei einer sportlichen dem Gemeindegebiet der Stadt Zug gezählt worden
Energie und Klima 9 Jogging-Runde aus. Innerhalb kürzester Zeit bin ich sind oder die durchschnittliche Wohnfläche pro Person
Wasser 10 vom Büro im Grünen und geniesse die Sonne, die 49 m2 beträgt?
Boden 11 fröhliche Stimmung am See oder auch mal die Ruhe
Luft 12 im Wald. Solche Momente sind äusserst wertvoll In unserer globalisierten und doch sehr lokalen Stadt
Rohstoffe 13
und ein wenig wie Kurzurlaub. Wie herrlich! Zug ist spielt die Mobilität eine wichtige Rolle. Diesen Aspekt
ein besonderer Ort mit hoher Lebensqualität und haben wir als roten Faden aufgenommen und in jeden
W i r t s c h a f t 14
dies soll er auch bleiben. Bericht einfliessen lassen. Persönlichkeiten äussern sich
Arbeitsmarkt 15
zudem als «bewegte Geister» dazu.
Wirtschaftsstruktur 16
Als Stadtrat darf ich an diesem hehren Ziel mitarbei-
Einkommen 17
ten, was ich als grosse Ehre empfinde. Dabei ist es Ich danke an dieser Stelle den Kolleginnen und Kol-
Lebenskosten 18
wichtig zu wissen, woher man kommt und wohin die legen der Nachhaltigkeitskommission für das Verfas-
Öffentlicher Haushalt 19
Reise führen soll. Es braucht einen Plan und einen sen und Diskutieren des Berichtes.
Investitionen 20
Kompass, welcher die Richtung anzeigt.
G e s e l l s c h a f t 21 Ihnen wünsche ich viel Spass beim Lesen und weiter-
Gesellschaftsstruktur 22 Ein solcher ist der Cercle Indicateurs, welcher unter- hin viel Freude beim Leben, Wohnen und Arbeiten
Bildung 23 schiedlichste Bereiche diverser Schweizer Städte ver- in der Stadt Zug.
Gesundheit 24 gleicht und analysiert.
Sicherheit 25 Urs Raschle, Stadtrat und Präsident der Nachhaltigkeitskommission
Partizipation 26 Die Erhebung des Cercle Indicateurs und ergänzende
Kultur und Freizeit 27 Statistiken und Tabellen wurden ausgewertet und
Wohnen 28 im zweiten Nachhaltigkeitsbericht zusammengestellt.
Überregionale Solidarität 29 Er zeigt wichtige Indikatoren der Gesellschaft, der
S c h l u s s w o r t 30 Wirtschaft, aber auch der Umwelt auf und beleuchtet
I m p r e s s u m 31
Nachhaltigkeitskommission
Urs Raschle Präsident
Astrid Estermann Vizepräsidentin, AL
Ivano de Gobbi SP
Richard Huth FDP
Franz Lung SVP
Barbara Müller Hoteit CSP
Isabelle Reinhart-Engel CVP
Regula Kaiser Stadtentwicklung
Walter Fassbind Umwelt und Energie
Dina Matter Sekretariat
Es sind stets Personen männlichen und weiblichen Geschlechts gleichermassen gemeint; zugunsten der Lesbarkeit wird im Folgenden nur die männliche Form verwendet.
2 3R o t e r F a d e n C e r c l e I n d i c a t e u r s
Mobilität Konstante Ergebnisse
Cercle Indicateurs Erhebung 2013 und 2015
Mobilität ist ein Grundbedürfnis der Menschen. Die Der Cercle Indicateurs ist ein Indikatorensystem, das Städte. Gemäss dem Cercle Indicateurs galt die Stadt
Schweiz ist sehr mobil. Dies zeigt sich in den Pendler- von 17 Kantonen, 19 Städten und den Bundesämtern Zug damit als die nachhaltigste aller verglichenen
strömen, im feinmaschigen und zuverlässigen Netz des für Umwelt und Statistik getragen wird. Die regel- Städte. Die Erhebung 2015 basiert grösstenteils auf
öffentlichen Verkehrs und im hohen Ausbaustandart mässige Erhebung ermöglicht es den Städten und Kenndaten aus dem Jahr 2013. Sie war für die Städte
der Strassen. Wir als Gesellschaft und insbesondere Kantonen, einerseits ihre Fortschritte auf dem Weg fakultativ, deshalb ist aktuell kein direkter Vergleich
unsere Wirtschaft werden als innovativ und anpas- zur nachhaltigen Entwicklung zu identifizieren und möglich. Die aktuellen Ergebnisse der Stadt Zug
sungsfähig bezeichnet. Auch dies ist «Mobilität». Die zu messen. Andererseits erlauben die Indikatoren zeichnen sich durch Konstanz aus. Es sind hauptsäch-
Wortbedeutung ist vielschichtig. Mobilität umreisst den Städten bzw. den Kantonen sich untereinander lich minimale Entwicklungen oder Schwankungen
Flexibilität, Bewegung, Anpassungsfähigkeit und kann zu vergleichen und somit Bereiche hervorzuheben, abzulesen. Eine Ausnahme bildet die Verbesserung
für den Einzelnen auch Freiheit bedeuten. Mobil sein in denen Verbesserungspotenzial besteht. der Energiequalität. Der Anteil der erneuerbaren
heisst, offen für Alternativen und für Neues zu sein. In der Auswertung 2013 erreichte die Stadt Zug im Energie ist auf zwei Drittel gestiegen, dies dank der
Der Weg in Richtung Nachhaltigkeit fordert und ist ge- Durchschnitt die höchsten Nutzwerte der beteiligten Umstellung auf Wasserstrom als Standardprodukt.
prägt durch unsere Mobilität.
Erhebung Cercle Indicateurs, Stärken-Schwächen-Profil
Umwelt Wirtschaft Gesellschaft
10
1000=
1000=
1000=
1000=
1000=
1000=
1000=
969=
962=
953=
9
900=
892=
887=
860=
=
814=
814=
8
793=
790=
786=
782=
=
=
701=
7
692=
689=
688=
678=
=
=
668=
667=
=
661=
=
659=
656=
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=
=
650=
600=
600=
599=
=
6
=
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556=
=
550=
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528=
=
=
500=
5
=
492=
470=
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=
421=
=
401=
4
=
361=
=
=
311=
308=
3
=
238=
235=
234=
227=
226=
192=
2
177=
1
0
Biodiversität
Natur und Landschaft
Energiequalität
Energieverbrauch
Klima
Rohstoffverbrauch A
Rohstoffverbrauch B
Wasserhaushalt
Wasserqualität
Bodenverbrauch
Luftqualität
Einkommen
Lebenskosten
Arbeitsmarkt
Investitionen
Verursacherprinzip
Innovationen
Wirtschaftsstruktur
Know-how
Steuern
Mobilität
Gesundheit
Sicherheit A
Sicherheit B
Einkommens- / Vermögensverteilung
Partizipation
Kultur und Freizeit
Soziale Unterstützung
Integration
Chancengleicheit
Überregionale Solidarität
Öffentlicher Haushalt
Lärm / Wohnqualität
Beobachtete Entwicklung oder Tendenz führt in Nutzwerte
➔
Richtung Nachhaltigkeit
➔
➔
➔ Beobachtete Entwicklung oder Tendenz konstant
unverändert Erhebung 2013 Stadt Zug Durchschnitt der teilnehmenden
=
Erhebung 2015 Stadt Zug Schweizer Städte 2013
Beobachtete Entwicklung oder Tendenz führt weg
➔
➔
von der Nachhaltigkeit
Die Resultate werden in Nutzwerten dargestellt, damit die Indikatoren, trotz unterschiedlicher Einheiten, in einer Grafik abgebildet werden
Die Vignetten geben einen Hinweis über die Entwicklung können. Die Nutzwerte reichen von null (schlechtes Resultat) bis zehn (gutes Resultat). Die Indikatoren mit dem Nutzwert 0 wurden auf-
der Stadt Zug hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit. Es wird die grund von Überarbeitung, fehlender Grundlagen oder mangels aktueller Daten nicht erhoben. Die Definitionen und die Berechnung der
Indikatoren sind auf bfs.admin.ch abrufbar.
Entwicklung des gewählten Indikators aufgezeigt.
Quelle: Bundesamt für Statistik, 2015
4 5U m w e l t
Biodiversität
«Oft besteht die Gefahr, überstürzt auf ein
geschleppte Arten zu reagieren. Nachhaltig
wirksam sind aber nur Massnahmen, die
auf ökologische Zusammenhänge Rücksicht
nehmen.»
Raymund Gmünder, Prorektor LBBZ Schluechthof
Umwelt Blinde Passagiere
Unsere Umwelt ist anpassungsfähig. Diese Anpassungsfähigkeit dürfen wir jedoch Während Jahrmilionen prägten auf unserer Erde regionale Bedingungen und natür-
nicht überstrapazieren. Eine nachhaltige Entwicklung hat zum Ziel, die Grundlagen liche Grenzen die Entwicklung von Pflanzen- und Tierarten. Dann durchbrach der
für die Regenerationsfähigkeit unserer Umwelt zu erhalten. Die Dimension Umwelt Mensch diese Grenzen. Der weltweite Handel und der Fernreiseverkehr verursachen
➔
bildet den aktuellen Zustand der Umwelt ab und thematisiert den Verbrauch von um- eine anhaltende biologische Invasion: Pflanzen und Tiere reisen um die Welt, siedeln
weltbelastenden Ressourcen. Die Zielbereiche Biodiversität, Natur und Landschaft, sich an neuen Standorten an und verursachen teilweise kostenintensive Probleme.
Klima sowie Luft vermitteln Einblicke in die Belastung der Umwelt. Umdenken und
innovative Techniken reduzieren den Verbrauch von erschöpflichen Ressourcen und Wenn wir reisen oder Güter transportieren, werden bereits Wälder, wie etwa im Tessin, die von exotischen
bewusst oder unbewusst auch Tier- oder Pflanzen- Problempflanzen vollständig überwachsen sind und
die negativen Auswirkungen auf die natürliche Umwelt. Die Zielbereiche Wasser, Bo-
arten verschleppt. Die meisten Neuankömmlinge sind deshalb diese Waldfunktionen nicht mehr wahrneh-
den und Rohstoffe thematisieren diese Entwicklung. unproblematisch, nur ein Bruchteil der eingeführten men können. Auch im Kanton Zug nimmt die Proble-
Arten kann sich invasiv ausbreiten. Diese Arten ver- matik stark zu: 55 der 749 im Zuger Wald bekannten
ursachen oft ökologische, ökonomische oder gesund- Pflanzenarten gelten als Neophyten 1. Einer davon
heitliche Probleme. Sie können die einheimische Flora ist der Kirschlorbeer. Anfangs als Parkstrauch und
und Fauna verdrängen, zu Ertrags- und Qualitäts später als immergrüne Hecke in Privatgärten beliebt,
einbussen in der Land- und Forstwirtschaft führen wurde er in den vergangenen Jahrzehnten immer
Zielbereich Indikator oder Bauten beschädigen. Invasive Neophyten und öfter gepflanzt. Heute ist er in jedem zweiten Garten
Neozoen, wie man diese Pflanzen und Tiere nennt, anzutreffen. Seine Beeren sind für uns giftig, bei den
sind nicht nur in Europa ein zunehmendes Problem. Vögeln hingegen sehr beliebt. Diese tragen die Samen
Biodiversität Neobiota
➔
So können auch in der Schweiz heimische und unauf- in die siedlungsnahen Wälder, wo der schatten-
fällige Pflanzen andernorts zu Konflikten führen. resistente und konkurrenzfähige Kirschlorbeer die
Natur und Lebensräume ➔ Wildtierbewegung Der Wald ist in der Region Zug der einzige grossflächi-
ge Lebensraum, der sich naturnah entwickelt hat.
einheimischen Arten verdrängt. Trotz systematischer
Bekämpfung ist eine Verbesserung für den Wald-
Energie und Klima Klimaveränderung
➔
Der Wald ist neben natürlichem Lebensraum auch bestand Sisyphusarbeit, solange die Samenquelle in
Erholungsraum für die Bevölkerung und schützt den den Gärten bestehen bleibt.
Wasser Urbaner Wasserkreislauf Siedlungsraum vor Naturgefahren. Heute gibt es
➔ ➔
1
Amt für Wald und Wild Kanton Zug
Boden Kies, Aushub, Rückbaustoffe
Weltkarte mit Ausbreitungswegen einiger invasiver Neophyten
➔
Invasive Neophyten in Europa und weiteren Kontinenten
Luft Flugverkehr Aufrechte Ambrosie
Götterbaum
Japanischer Staudenknöterich
Kanadische Goldrute
Rohstoffe Food Waste Kopoubohne
➔
Riesen-Bärenklau
Robinie
Sommerflieder
Invasive Neophyten mit Ursprung in den Tropen
Afrikanischer Tulpenbaum
Ameisenbaum
Aufrechter Feigenkaktus
Dickstielige Wasserhyazinthe
Riesenschilf
Schmetterlingsingwer
Wandelröschen
Wassersalat
Invasive Neophyten mit Ursprung in Europa
Blutweiderich
Dach-Trespe
Echtes Johanniskraut
Gemeine Waldrebe
Jakobs-Greiskraut
Knoblauchhederich
Ursprung Neuansiedlung Kriechender Günsel
Nickende Distel
Quelle: Zur Verfügung gestellt durch Botanischen Garten der Universität Bern, eigene Darstellung
6 7U m w e l t U m w e l t
Natur und Landschaft Energie und Klima
«Die beiden Begriffe Jagd und Hege gehören
für mich unmittelbar zusammen. Nachhaltigkeit
bedeutet: die Artenvielfalt des Wildes, dessen «Unterwegs zu sein im schönen Zugerland, mit
ausgeglichenes Geschlechterverhältnis und die Partner und Freunden, ist für mich das Höchste.
Altersstruktur zu erhalten resp. zu erzielen. Dazu Die sichtbaren Veränderungen, wie der Rückgang
sind geschützter Freiraum in unseren Wäldern des Gletschers Stössenfirn, den man auf der
für das Wild und die heutige moderne Jagd als Hochtour von der Sustlihütte zum Grassen über-
Regulator notwendig.» quert, machen mich jedoch nachdenklich.»
Vreni Eicher, Jägerin Christine Steiner-Wagner, Mitglied SAC Rossberg
Wilde Verkehrsnetze Heisse Entwicklung
Nicht nur Menschen sind unterwegs und nutzen verschiedene Verkehrsmittel und Die Atmosphäre bildet die Schutzhülle der Erde. Sie schützt uns vor schädlichen Strah-
-wege. Auch Wildtiere haben Mobilitätsbedürfnisse. Auf der Suche nach Nahrung lungen und reguliert Temperatur und Feuchtigkeit unseres Planeten. Nur dank die-
➔ oder für die Fortpflanzung legen sie oft weite Strecken zurück. Dabei stossen sie auf sem Klimasystem ist Leben auf der Erde möglich. Ändern sich die Temperaturen, wan-
➔
natürliche wie auch anthropogene, von uns Menschen verursachte Hindernisse. deln sich auch die Lebensbedingungen.
Auf den Wanderstrecken der Wildtiere gibt es un- Unterschiedliche Massnahmen sollen die Konflikte Ozeane und Vegetation sorgen seit Jahrmillionen für Jahre 2014 und 2015 belegen wiederholt Rekord-
überwindbare Grenzen wie eine Autobahn oder nur verringern. Neben der Sensibilisierung der Autofahrer ein natürliches Gleichgewicht bei der Freisetzung und werte. Im Jahr 2015 wurde auf der Alpensüdseite und
mit hoher Risikobereitschaft passierbare Hindernisse reichen diese von visuellen Reflektoren entlang von Absorption von CO2. Menschengemachtes CO2 bringt im Engadin der zweitwärmste Winter verzeichnet.
wie Gleise oder Kantonsstrassen. Schon Randsteine Strassen über dauerhafte und temporäre Zäune dieses natürliche Gleichgewicht durcheinander, weil Landesweit war es der zweitheisseste Sommer sowie
können für Bergmolche oder Gartenzäune für Igel bis hin zu baulichen Massnahmen wie der Wildtier- nur ungefähr 40 % des zusätzlichen CO2 absorbiert der drittwärmste November seit Messbeginn im
eine Barriere darstellen. Eine gute Vernetzung der brücke Blegi in Cham. wird. Der Rest verbleibt in der Atmosphäre. Deshalb Jahr 1864 4.
Lebensräume mit Strukturen, wie Hecken, Baum- Das Beispiel des Amphibienzauns auf dem Zugerberg ist der CO2-Gehalt der Atmosphäre so hoch wie noch Lokale Messungen der letzten 15 Jahre auf dem
gruppen, Asthaufen oder naturnahen Wiesen, bietet zeigt, wie erfolgreich Massnahmen sein können. nie in den letzten 15 bis 20 Millionen Jahren. Während Zugerberg bestätigen die Tendenzen einer generellen
den Wildtieren Schutz und ist für die nachhaltige Seit 2011 wird jeweils zwischen März und Mai, wenn eine natürliche Veränderung um 100 ppm normaler- Erwärmung 5. Erkennbar sind leichte Anstiege der
Entwicklung der Fauna unerlässlich. sich die Erdkröten, Grasfrösche und Bergmolche weise zwischen 5000 und 20 000 Jahren benötigt, hat durchschnittlichen Jahresmengen an Sonneneinstrah-
In der Stadt Zug werden im Schnitt jährlich zehn aus ihren Winterquartieren zu ihrem angestammten der aktuelle Anstieg um 100 ppm nur gerade 120 Jahre lung und der Durchschnittstemperatur. Die Folgen
Wildtiere als Unfallwild dem Amt für Wald und Wild Laichplatz, dem Löschweiher, aufmachen, ein Zaun gedauert 2,3. Beobachtungen seit den 1950er Jahren dieser klimatischen Entwicklung sind weitreichend
gemeldet. Die Grauziffer ist um einiges höher, da längs der Strasse errichtet. Schüler des Instituts zeigen eine Erwärmungsgeschwindigkeit, die mit und werden die Umwelt und das Leben in den nächs-
kleinere Tiere nur selten gemeldet werden. Fuchs, Montana sammeln die Amphibien entlang des Zaunes grösster Wahrscheinlichkeit auf die Zunahme der ten Jahrzehnten stärker mitbestimmen als in den
Rehwild und Dachse werden in der Unfallstatistik am bis zu dreimal täglich ein und bringen sie sicher über CO2-Konzentration in der Atmosphäre zurückzufüh- vorangegangenen. Natur- und Lebensräume werden
häufigsten aufgeführt. Dies ist darauf zurückzufüh- die Strasse. Jährlich profitieren zwischen 1500 bis 3700 ren ist. Die globalen Änderungen des Klimas sind auch sich automatisch verändern und anpassen. Aber auch
ren, dass der Lebensraum dieser Arten und der Individuen davon. Für die Schüler ist es eine positive in der Schweiz und in Zug spürbar. Messungen der die Energiewirtschaft, die Landwirtschaft, die Touris-
Siedlungsraum ineinander übergreifen. Unfälle mit Naturerfahrung und eine Ergänzung zum Biologie- musbranche und das Gesundheitswesen werden sich
Wild sind auch für den Lenker nicht ungefährlich. unterricht über Amphibien. max. Regenmenge [Liter/m²/Tag] mittelfristig dieser Herausforderung stellen müssen.
50 2
ppm, parts per million, zu Deutsch «Teile einer Million» steht für die Zahl 10−6
40 3
Tripati, Science Dez. 2009
35+57+73+100+85+43+47+46+27+61+74+48+46+33+44+26
4
Klimabulletin Jahr 2015, MeteoSchweiz
30 5
Messdaten Zugerberg, iap, Institut für angewandte Pflanzenbiologie Schönenbuch
188,6
20
10
Hektaren sind in der Stadt Zug 2015 als kantonale 0 Temperatur Schweiz 1965–2015
Naturschutzflächen deklariert. (Amt für Raumplanung)
Durchschnittsleistung Solar [W/m²]
1620
1965 1970 1975 Abweichung
71 160
84+79+68+87+83+83+86+85+81+82+79+88+81+77+80+97
120 von der Norm
Rehe wurden in der Stadt Zug 2015 gezählt.
80
1961–1990 [°C]
(Amt für Wald und Wild)
1980 1985 1990
3 40
0
Konfliktpunkte gehen aus der Statistik über das Unfallwild
hervor: die Artherstrasse und die Bahnlinie Höhe Eielen und Durchschnittstemperatur [°C] 1995 2000 2005
Trubikon, die Chamerstrasse und Bahnlinie Höhe Choller 10
83+67+60+75+75+59+93+76+73+75+62+85+73+67+75+90
und die Ägeristrasse beim Rütihof. (Amt für Wald und Wild)
Amphibien (Grasfrösche, Erdkröten und 8
Bergmolche) wurden 2015 auf dem
Zugerberg durch den Amphibienzaun 8 6
4
2010 2015
gestoppt und von den Schülern über die Unfälle mit Wild wurden 2014 in der Stadt
Quelle: Wetterstation
Strasse getragen. Zug gemeldet, 2013 waren es 19. Die 2 © MeteoSwiss
Zugerberg, iap Institut
Anzahl hängt von den Populationsgrössen für angewandte
0
ab. (Amt für Wald und Wild) Pflanzenbiologie,
−2 −1.3 −0.8 −0.4 0.4 0.8 1.3 2
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
MeteoSchweiz
−2.5 −1.6 −1 −0.6 −0.2 0.2 0.6 1 1.6 2.5
8 9U m w e l t U m w e l t
Wasser Boden
«Eine intakte Kanalisation schützt Bauten
und Umwelt vor schädlichen Einflüssen. «Sorge zur Umwelt tragen ist mir wichtig.
Die regelmässige Kontrolle und Reinigung Wir trennen diverse Abfälle, entsorgen sie
verhindert Verstopfungen und Schäden nach dem Mehrmuldenkonzept oder recyceln
und reduziert somit Kosten.» nach Möglichkeit anfallende Materialien.»
Heinz Häcki, Gruppenführung Kanalisation Martin Krummenacher, Polier Ingenieurbau Landis Bau AG
Urbaner Wasserkreislauf Beweglicher Untergrund
Von der Quelle in unser Glas, weiter in die Kläranlage und wieder zurück in die Natur Eine Baustelle braucht meistens Kies und verursacht Aushub und Rückbaustoffe. Da-
– dies ist der Weg unseres Trinkwassers. Damit der Wasserhaushalt funktioniert, bei ist die energieintensivste Phase durch den Aushub und dessen Transport geprägt.
braucht es nicht nur zwei parallele Leitungsnetze. Ein bewusster Umgang mit dem Die rege Bautätigkeit in Stadt und Kanton Zug führt zu umfangreichen und kom-
➔
➔
Wasserverbrauch und eine effiziente Reinigung in der Abwasserreinigungsanlage plexen Materialflüssen. Eine koordinierte Planung über die Kantonsgrenzen hinaus
(ARA) sind ebenso notwendig. fördert eine nachhaltige Entwicklung.
In der Stadt Zug stammt das Trinkwasser rund je zur Das Abwasser wird zur ARA Schönau in Cham beför- Im Kanton Zug übertrifft das Volumen an Aushub keitsschichten, Kieskofferungen und Recyclingasphalt
Hälfte von Quellwasser und von Grundwasser. Über dert und durchläuft dort eine dreistufige Reinigung material den Baustoffbedarf. Pro Einwohner war 2014 wieder eingesetzt werden.
85 Quellfassungsstränge fliesst das Trinkwasser in (mechanisch, biologisch, chemisch). Dann fliesst es rund 4,9 m3 Aushubmaterial zu verzeichnen. Dies war Aufgrund der zunehmenden Tendenz hin zu verstärk-
51 Brunnenstuben oder Quellschächte und von da in in die Lorze, in den natürlichen Wasserkreislauf im Vergleich zu den fünf Kantonen Bern, St. Gallen, ter Bauerneuerung anstelle von Neubauten auf noch
die Reservoire. Über ein Leitungsnetz gelangt das zurück. Durch den Endausbau der ARA Schönau und Solothurn, Thurgau und Zürich, die wie Zug das unbebauten Flächen ist in Zukunft mit steigenden
Wasser bis zum Hausanschluss. Die Topografie wird deren Zuleitungen 1992 – 1998 verbesserte sich die KAR-Modell (Kies-, Aushub- und Rückbaumaterial Rückbaumaterialflüssen zu rechnen. Aus der Perspek-
so genutzt, dass das Trinkwasser ohne Pumpen Gewässerqualität in der Region Zug wesentlich. flüsse) verwenden, das höchste Volumen pro Kopf. tive der Materialflüsse können die Gebäude und
befördert werden kann. Die Länge des Trinkwasser Spuren von unzähligen Produkten des täglichen Mögliche Gründe dafür sind die hohen Bodenpreise, Strassen als regelrechte Grosslager für mineralische
leitungsnetzes in der Stadt Zug umfasst 152 km 6. Gebrauchs (Medikamente, Kosmetikprodukte, der grosse Anteil an Dienstleistungsgebäuden und, Baustoffe bezeichnet werden. Bei einem allfälligen
Dies entspricht der Luftlinie von Zug nach Lausanne. Waschmittel oder auch künstliche Süssstoffe von dass vermehrt in die Tiefe gebaut wird. Um- und Rückbau werden die gebundenen minerali-
Pro Person wurden 2015 in der Stadt Zug täglich Nahrungsmitteln) lassen sich grösstenteils nicht durch Der Baustoffbedarf im Kanton Zug lag 2014 bei schen Baustoffe wieder frei und können über das
226 Liter Trinkwasser benötigt (Gewerbe und Industrie die Kläranlage herausfiltern. Bereits in tiefen 420 000 m3. Dies entspricht 3,5 m3 pro Einwohner. Recycling in den Baustoffkreislauf zurückgeführt
inbegriffen) 7. Nach dem Gebrauch fliesst das Trink- Konzentrationen können sich diese auf Wasserlebe- Rund 430 000 m3 Naturkies wurden in den Kieswerken werden. Im Kanton Zug bieten heute zwei Beton
wasser meist getrennt vom Regenwasser in die wesen nachteilig auswirken oder die Trinkwasser- im Kanton gewonnen und 110 000 m3 mineralische werke hochwertigen Recyclingbeton an. Die Verwen-
Kanalisation. Das öffentliche Kanalisationsnetz der ressourcen beeinträchtigen. Ein Ausbau der ARA Bauabfälle zu Recyclingbaustoffen verarbeitet. dung von Recyclingbaustoffen ist eine wichtige
Stadt Zug ist 130 km lang und umfasst 33 Pumpstatio- Schönau um eine weitere Reinigungsstufe ist in Der Anteil der produzierten Kiesersatzstoffe aus Massnahme zur Ressourcenschonung. Insbesondere
nen 8. Jährlich treten rund 5 Verstopfungen auf; Planung und soll bis 2020 realisiert werden. Sie wird mineralischen Bauabfällen beträgt bereits beachtliche Grossprojekte können hier einen gewichtigen Beitrag
vor 30 Jahren waren es 50. Dieser Rückgang wurde die sogenannte Mikroverunreinigung eliminieren. 25 % des gesamten Baustoffbedarfs. Die sogenannten leisten und eine Vorbildfunktion übernehmen.
dank regelmässiger Wartung und gezielter Aufklä- Sekundärbaustoffe können als Recyclingbeton, Sauber-
6
WWZ, Wasserwerke Zug AG
rung der Bevölkerung erzielt. 7
WWZ, Wasserwerke Zug AG
8
Tiefbau Stadt Zug
Entwicklung Baumaterialmengen im Kanton Zug
in 1000 m3 fest
Mikroverunreinigung: Stofffracht Einzugsgebiet ARA Schönau 800 000
7+714152020534967648174+71521496474+71521486472+71621486470+71622547085+71622557288+71723547187+81724486570+81724456263+818244562+81825446261+81825446260+81825436260+81926436259+81926436258
Menge in kg / Jahr 700 000
600 000
10035+2+12+19
+
350 5 Beispiele aus häuslichem Die Untersuchungen und Berech- 500 000
Abwasser nungen von envilab zeigen, welche 400 000
300
Frachtstoffmenge jährlich aus dem 300 000
250 Acesulfam (Süssstoff)
Benzotriazol (Korrosionsschutz) Einzugsgebiet der ARA Schönau 200 000
200 Carbamazepin (Antiepileptikum) eingetragen wird. Das Beispiel von
100 000
Diclofenac (Schmerzmittel) fünf Stoffen, die primär aus dem
150
Sucralose (Süssstoff) häuslichen Abwasser stammen, 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025
100 veranschaulicht die Mengenverhält-
Anfall Aushub Abbau Primärmaterial Aufbereitung Rückbaumaterial
50
nisse. Die künstlichen Süssstoffe Bedarf Baustoffe Anfall Rückbaumaterial Deponierung Rückbaumaterial
werden durch die Konsumation von
0 Light-Produkten in den Kreislauf Die Modellrechnung berücksichtigt u. a. zwei grössere Strassenbauprojekte (Tangente Zug / Baar und Umfahrung Cham–Hünenberg);
gebracht. zwischen 2015 und 2025 führen diese zu einem markanten, temporären Materialflussanstieg.
Quelle: GVRZ, Bilanzierung der Stoffeinträge 2015 Quelle: Amt für Umweltschutz Kanton Zug, KAR Modell, Tinu Schneider, Datenanalyse
10 11U m w e l t U m w e l t
Luft Rohstoffe
«Sicherheit ist ein Teil von Nachhaltigkeit.
Die Schweizer Luftwaffe sorgt dafür, dass der
Luftraum über der Stadt Zug und der gesam-
ten Schweiz sicher ist. Ich helfe dabei mit, «Sei es Effizienz in der Mobilität, im Umgang
den richtigen Pilotennachwuchs der Schweizer mit Energie oder Nahrungsmitteln: Unser Ziel
Luftwaffe auszuwählen.» ist es, Sie bei Ihrer Initiative zu unterstützen!»
Oberstlt i Gst Daniel Pfiffner, Head of pilot selection, Swiss Airforce Christian Wirz-Töndury, Institutsleiter werz
Ab durch die Luft Intelligent essen
In unserem Luftraum sind eine Vielzahl von Lebewesen und Transportmitteln unter- Die Produktion von Nahrungsmitteln ist rohstoffintensiv: Sie benötigt viel Boden,
wegs: Kleine und grössere Fluginsekten, Vögel, Fledermäuse, Gleitschirme, Heissluft- Dünger, Wasser und Energie. Indem wir «Food Waste» – die Verschwendung von
➔ ballone und Passagier- oder Transportflugzeuge zählen dazu. Partikel wie Pollen, Nahrungsmitteln – reduzieren, nutzen wir ein grosses Potenzial, um dem Klimawan-
➔
Pflanzensamen, Saharasand und Schadstoffe und teilweise auch Vögel lassen sich del und der Umweltbelastung zu begegnen, ohne unseren Lebensstil einschränken
passiv durch die Luftströmungen verfrachten. zu müssen.
Die Stadt Zug profitiert davon, dass der Flughafen Wer einen geschäftlichen Kurzstreckenflug von Zürich Die meisten Früchte und Gemüsearten sind mittler- Lebensmittel im Wert von über 2000 Franken in den
Zürich nur 40 Kilometer entfernt und somit für nach Berlin zurücklegt, verbucht einen CO2-Ausstoss weile zu jeder Jahreszeit frisch verfügbar. Heidelbee- Abfall 13. «Food Waste» zu reduzieren, entlastet
Passagiere sehr schnell erreichbar ist. Die Flugzeuge von 174 kg auf seinem Konto. Mit rund acht Flügen ren importieren wir beispielsweise aus Chile, Spargeln jedoch nicht nur das Haushaltsbudget. Rund 28 %
fliegen über die Stadt Zug im Schnitt in einer Höhe von Zürich nach Berlin und zurück hätte man bereits aus Peru und Tomaten kommen aus Spanien. der gesamten Umweltbelastung und des Ressourcen-
von 10 Kilometern 9. Die Lärmbelastung ist für die den durchschnittlichen Jahresausstoss eines Zugers im Nahrungsmittel reisen heute Tausende Kilometer per aufwands, die eine Person generiert, entstehen
Zuger Bevölkerung trotz der Nähe zum Flughafen Bereich der Mobilität erreicht, ohne jemals Zug oder Schiff, Flugzeug und LKW, bis sie bei uns auf dem durch die Produktion und den Konsum von Nahrungs
eher gering. Auto gefahren zu sein. Wird eine Reise von Zürich Teller sind – falls sie auf den Teller kommen. Denn mit mitteln 14. Im Vermeiden von «Food Waste» im
Am Wochenende fliegen doppelt so viele Flugzeuge nach Perth in Australien geplant, muss man mit einem der wachsenden räumlichen Distanz schwindet unser eigenen Haushalt liegt somit ein grosses Umwelt-
über Zug wie unter der Woche. Von Montag bis CO2-Ausstoss von 5558 kg rechnen 10. Mit einem solchen Bezug zur Nahrungsmittelproduktion, und damit auch und Klimaschutzpotenzial.
Donnerstag sind täglich gut 40 Flugzeuge zu verzeich- Flug hätte der Passagier bereits mit der Hinreise die Wertschätzung, die wir für Lebensmittel zeigen. Rüstabfälle und nicht essbare Teile von Lebensmitteln
nen. Am Freitag erhöht sich diese Zahl auf knapp 80, den Jahresausstoss an CO2 eines durchschnittlichen Dies wiederum führt dazu, dass immer mehr Lebens- gelten übrigens nicht als «Food Waste». Solche
und am Wochenende sind es rund 100 Flugzeuge Zugers erreicht. Mit einem einzigen Langstreckenflug mittel im Abfall statt im Magen landen. biogenen Abfälle können selbst wieder als Rohstoff
pro Tag. Es ist anzunehmen, dass am Wochenende pro Jahr wird die Bilanz für den CO2-Ausstoss bei Das Problem wird als «Food Waste» bezeichnet. Ein verwendet werden – indem sie kompostiert oder
mehr Ferienreisende unterwegs sind. jeder Person stark belastet (Auswirkungen des CO2 Drittel aller produzierten Lebensmittel wird aktuell in vergärt werden. Der Kanton Zug ist in dieser Hinsicht
Rund ein Viertel des Energieaufwandes und des siehe Energie und Klima Seite 9). der Schweiz ungenutzt weggeworfen 11, fast die Hälfte vorbildlich: Seit 1994 betreibt die ZEBA eine Grüngut-
CO2-Ausstosses im Bereich Mobilität wird dem Flug davon in Privathaushalten 12. Eine vierköpfige Schwei- abfuhr, die biogene Abfälle separat sammelt und
9
Skyguide, 2015
verkehr zugeordnet. 10
CO2 Flug-Rechner myclimate zer Familie wirft im Jahr durchschnittlich 376 kg verwertet.
11
Almeida 2011, FAO 2011
12
WWF
Anzahl Flüge über Zug, Durchschnittswoche 2015 13
Lebensmittel wegwerfen – das ist dumm. Zahlen, Fakten, Tipps; Bundesamt für
Landwirtschaft BWL 2014
14
Jungbluth ESU Services, WWF Footprintrechner 2012
Montag 46 Anzahl Flüge über Zug, Jahresverlauf
3000
Dienstag 45
{
2500 Food Waste: Aufteilung der Verluste nach Sektor
Mittwoch 47 2000
1500 2% Grosshandel
48 z.B. Transportverlust
Donnerstag 1000
5% Detailhandel
77
500 z.B. abgelaufene Produkte
Freitag
0 5% Gastronomie
98
30% Verlust z.B. zu grosse Portionen
Samstag
Januar*
Februar*
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
13 % Produktion
z.B. aussortierte, unförmige Früchte
Sonntag 103
30 % Verarbeitung
z.B. Überproduktion
45 % Haushalte
Umfasst Passagier-, Fracht- und Businessflugzeuge, die mittels Instrumentenflugregeln den Kanton Zug überflogen haben. z.B. letzter Schluck in der Flasche, weggeworfene Essensreste
*Daten von 2016, die anderen Monate beziehen sich auf 2015
Quelle: Foodwaste.ch, wwf.ch, eigene Darstellung
Quelle: Skyguide
12 13W i r t s c h a f t
Arbeitsmarkt
«Die tägliche Fahrt mit dem Velo zwischen
Cham und Zug braucht ab und zu schon etwas
Überwindung. Das Auto bleibt aber auch bei
kaltem Wetter, bei Schneefall oder Regen in
der Garage. Mein Arbeitsweg ist einfach zu
abwechslungsreich, um darauf zu verzichten –
bei jedem Wetter.»
Markus Jans, Leiter Soziale Dienste Stadt Zug
Wirtschaft Hin und weg
Nachhaltige Mobilität in der Wirtschaft bedeutet: langfristig planen, ohne die Flexi- Unser Arbeitsort liegt zunehmend nicht mehr in unserer Wohngemeinde. Um vom
bilität zu verlieren, um auf zeitweilige Veränderungen reagieren zu können. Die Di- Wohnort an den Arbeitsort zu gelangen, wird gependelt. Dafür nehmen die Menschen
mension Wirtschaft wird aus den Blickwinkeln des Marktes, der Privaten sowie der unterschiedlich lange Strecken in Kauf. Rund ein Viertel unserer Tagesdistanz legen
➔
Kommune thematisiert. Der Wirtschaftsstandort Zug wird im Zielbereich Wirtschafts- wir im Schnitt für den Arbeitsweg zurück 15.
struktur und Arbeitsmarkt beschrieben. Aus Sicht des Privaten werden Einkommen
und Lebenskosten aufgezeigt. Gesunde Gemeindefinanzen gelten als wichtige Grund- Neun von zehn Erwerbstätigen in der Schweiz pen- Viertel mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und
lagen für eine nachhaltige Standortentwicklung deln. Es werden stetig längere Distanzen in Kauf ein Viertel mit dem Auto oder Töff. Der Anteil
genommen. Die aufgewendete Zeit ist in den letzten ÖV-Nutzer bei den Binnenpendlern innerhalb der
Jahren ungefähr gleich geblieben. Im Schnitt pendeln Stadt Zug ist doppelt so hoch wie der Schnitt
jeden Tag 24 100 Personen in die Stadt Zug. Davon aller Zuger Gemeinden.
4300 Personen aus dem Kanton Zürich, etwas weniger Zupendler in die Stadt Zug nutzen je zur Hälfte den
kommen aus dem Kanton Luzern. Knapp ein Drittel motorisierten Individualverkehr (MIV) und den ÖV.
der Zupendler aus dem Kanton Zug haben ihren Der Anteil der MIV-Nutzer ist im kantonalen Schnitt
Wohnsitz in Baar. mit rund zwei Dritteln der Zupendler höher als in
7800 Pendler verlassen die Stadt Zug, um in einer der Stadt Zug.
Zielbereich Indikator anderen Gemeinde zu arbeiten oder wegen ihrer Effizienzmassnahmen im Bereich der Mobilität
Ausbildung. Stadtzuger pendeln vor allem nach Baar reduzieren den Ressourcenverbrauch und entlasten
oder in den Kanton Zürich. Der positive Pendlersaldo die Umwelt. Die gewonnenen Zeiteinsparungen
Arbeitsmarkt Pendeln
➔
ist auf die hohe Anzahl Arbeitsplätze zurückzuführen. führen jedoch dazu, dass wir grössere Distanzen
Wirtschaftsstruktur ➔ Unternehmensdemografie
Die Verkehrsmittelwahl ist je nach Distanz, örtlichen
und beruflichen Gegebenheiten individuell. Knapp die
pendeln 16.
statistische Erhebung: Mikrozensen Mobilität und Verkehr 2000 und 2010,
15
Hälfte der Binnenpendler in der Stadt Zug erreichen kantonsspezifische Auswertung, Kanton Zug
Einkommen Gentrifizierung 16
Strukturerhebung, Bundesamt für Statistik
➔➔
ihren Arbeitsort zu Fuss oder mit dem Velo, gut ein
Lebenskosten Private Mobilitätsausgaben
Langsamverkehr
Pendlerströme (Durchschnitt 2011–2013)
Öffentlicher Haushalt ➔ Städtische Ausgaben
Motorisierter Individualverkehr
Öffentlicher Verkehr
1+51+48 47+25+28
Zupendler interkantonal
13 400
Investitionen ➔ Investitionen in die Wegpendler interkantonal
1+40+59
4300
Mobilität Wegpendler
Total 7800
Zupendler
12+40+48
Total 24 100
14+55+31
Binnenpendler
Total 5800
Zupendler
kantonal 10 700 Wegpendler
kantonal 3500
Hochrechnung auf Basis einer Stichprobe, es sind nur Pendler mit bekanntem Pendelweg und der
ständigen Wohnbevölkerung im Alter ab 15 Jahren in Privathaushalten berücksichtigt.
Quelle: Bundesamt für Statistik, Strukturerhebung
14 152612+15112612+10132614+ 1112712+5101926
W i r t s c h a f t W i r t s c h a f t
Wirtschaftsstruktur Einkommen
«In unseren offenen Räumen versuchen wir die
kleinstunternehmerische Vielfältigkeit der Stadt
Zug zu fördern. Wir bieten Platz für Produkte «Die Anlage und korrekte Führung des Grund
und Projekte aller Art, damit spannende Ideen buchs gewährleistet eine nachhaltige Rechts
die Chance haben, mit möglichst kleinem Auf- sicherheit. Dies dient insbesondere einer gesun
wand ausprobiert und gesehen zu werden.» den Wirtschaft, gerade auch am Standort Zug.»
Patrick Bützer, Mitgründer Paettern Lightup Atelier Nicole Portmann, Leiterin Grundbuch- und Vermessungsamt Kanton Zug
Ein Kommen und Gehen Entschleunigtes Wachstum
Beratungsfirmen, die Unternehmen bei der Standortwahl und Gründung zur Seite In den ersten Jahren des letzten Jahrzehnts gab es in der Stadt Zug immer weniger
stehen, preisen Zug als paradiesisch an. Dabei werden neben der tiefen Gesamtbe- Haushalte mit tieferen Einkommen, während diejenigen in der höchsten Einkom-
➔ steuerung auch die Internationalität, die politische Stabilität und die hohe Qualität mensgruppe kontinuierlich anstiegen. Ab 2009 stabilisierte sich die Situation beim
➔
der Bildung hervorgehoben. Die Stadt Zug zeichnet sich durch eine hohe Firmendich- mittleren Einkommen, während die Zunahme bei den höheren Einkommen sich ver-
te und eine erhebliche Anzahl von Neugründungen aus. langsamte.
Die Statistik bestätigt die hohe Firmendichte und Wie nachhaltig sind die Firmengründungen, bzw. wie Um Veränderungen in der Einkommensverteilung der von vermögenderen Schichten. Als Gründe für den
die grosse Anzahl jährlicher Neugründungen. In den sieht deren Überlebensrate aus? Nach einem Jahr sind Bevölkerung abzubilden, zeigt die Grafik den prozen- Wegzug stehen die Wohnkosten sowie das homogene
letzten zehn Jahren wurden in der Stadt Zug im im Kanton Zug bereits 25 % der neu gegründeten tualen Anteil der Steuerzahler, deren steuerbares Arbeitsplatzangebot im Vordergrund. Die starke
Durchschnitt 294 Firmen pro Jahr oder gut elf Unter- Firmen wieder aufgelöst. Im Vergleich zur Grossregion Einkommen im entsprechenden Bereich liegt. Eine Zunahme der sehr hohen Einkommen in den frühen
nehmen pro 1000 Einwohner gegründet. Das sind Zentralschweiz sind dies 2,8 % und zur gesamten Abnahme bei den tieferen Segmenten zusammen 2000 er Jahren hat wie andernorts auch in Zug zu
rund doppelt so viele wie im ganzen Kanton Zug und Schweiz sogar 6 % mehr. Nach fünf Jahren bestehen mit einer gleichzeitigen Zunahme bei den höheren Diskussionen geführt und aus der Sicht vieler Zuger
sogar zehnmal so viele wie in der ganzen Schweiz. im Kanton Zug noch 42,2 % der neu gegründeten Segmenten kann ein Indikator für eine mögliche eine Spaltung der Gesellschaft begünstigt. Gemäss der
Auch die Firmendichte ist in der Stadt mit 251 pro Unternehmen. Die Überlebensrate von Zuger Firmen Gentrifizierung des Standortes sein. Dieser Ausdruck untenstehenden Grafik scheint sich diese Tendenz seit
1000 Einwohner fast doppelt so hoch wie im kanto- ist nach fünf Jahren 15 % geringer als in der ganzen bezeichnet eine Verdrängung tieferer Einkommens- 2009 langsam abzuschwächen. Die Einkommen in Zug
nalen Schnitt. Schweiz. Dass ein Unternehmen bereits im ersten Jahr schichten und einfacher Arbeitskräfte von einem bewegen sich generell auf einem sehr hohen Niveau.
Bei den Neugründungen handelt es sich vor allem um wieder aufgelöst wird, hat neben einer Überschul- Standort, dies verbunden mit einem stärkeren Zuzug
Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Nur dung vielfach damit zu tun, dass ein Organisations-
knapp sieben Prozent aller Firmen zählen zum produ- mangel besteht, das heisst, dass die Organe der
zierenden Gewerbe. Zug ist vor allem bekannt für Gesellschaft nicht gesetzeskonform besetzt wurden
Gesellschaften, die im Rohstoffhandel und im Finanz- und es damit zur Liquidation kommt.
126280100+126280100+136280100+136279100+136179100+135977100+135775100+135674100+135875100+145874100+145874100+145975100+145976100+125673100
bereich tätig sind. Prozentuale Anteile für das steuerbare Einkommen nach Aggregatsstufen
100%
Neugegründete Unternehmen pro 1000 Einwohner
80%
16
14
60%
12
10
40%
8
6
4 20%
2
0 0%
2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014*
CHF 0 CHF 1 – 50 000 CHF 50 000 - 80 000 über CHF 80 000
Schweiz Kanton Zug Stadt Zug
Der Anteil wird gemessen an der Gesamtzahl der Steuerpflichtigen bzw. Steuerhaushalten der Stadt Zug.
*provisorische Daten
Quelle: Bundesamt für Statistik Quelle: Steuerverwaltung Kanton Zug
16 17W i r t s c h a f t W i r t s c h a f t
Lebenskosten Öffentlicher Haushalt
«Der öffentliche Verkehr plus Mobility deckt unsere
Bedürfnisse einfach besser ab und hat für uns mehr
Vorteile als ein Auto: mehr Geld im Portemonnaie «Aus finanzieller Sicht bedeutet Nachhaltigkeit,
für Ferien, kein Ärger im Stau, Jassen und Chillen die Steuergelder in Projekte zu investieren, wo
im Zug, beste Verbindungen inkl. Nachtzüge und ein messbarer ökonomischer, ökologischer und
vieles mehr.» gesellschaftlicher Mehrwert entsteht.»
Familie Birnstiel, autofreie Familie Andreas Rupp, Departementssekretär Finanzdepartement
Flexibel mobil Feste Werte
Mobil sein kostet. Doch der durchschnittliche Einwohner im Kanton Zug leistet sich Zug sei weltoffen – aber in einigen Dingen sehr konservativ. Das sagen nicht nur Zu-
eine hohe Flexibilität und will seine Verkehrsmittel frei wählen. Die meisten Zuger gezogene, sondern auch Zuger. Dass dem so ist, zeigt sich in der Staatskasse. Traditi-
nutzen Velo, Auto und einen Halbtax-vergünstigten öffentlichen Verkehr.
➔ onen werden sorgsam erhalten – und deren Kosten ebenso. Wir leisten uns bewähr-
➔
te Kulturinstitutionen, traditionsreiche Festanlässe, glauben an den Erfolg unserer
Ein Zehntel des Haushaltsbudgets wird für die Mobi- Schweiz. Insgesamt besitzen 83 % der Zuger im Alter Sportvereine und möchten dazu ein optimales ÖV-Angebot.
lität aufgewendet. In der Zentralschweiz bedeutet ab 18 Jahren einen Führerschein der Kategorie B 18.
dies monatlich 810 Franken. Die Ausgaben für den 80 % der Haushalte im Kanton besitzen Velos, drei Für hundert Franken pro Kopf und Jahr leisten wir soziale und gemeinnützige Vereine: der Verein für
Kauf und Betrieb von Personenfahrzeugen machen Viertel sogar mehrere. Jeder zweite Zuger im Alter uns die Zugerbergbahn, den Schiffs- und Busbetrieb. Migration, die Pro Infirmis, die Pro Arbeit und die
dabei mit 674 Franken den grössten Anteil aus. Darin ab 16 Jahren hat ein Halbtaxabonnement, ein Viertel Mit weiteren hundert Franken werden die zehn Gemeinnützige Gesellschaft Zug (GGZ) und diverse
sind nebst dem Kaufpreis oder den Leasingkosten ein ÖV-Abo und 10 % ein Generalabonnement. grössten Kulturinstitutionen wie das Casino Zug, die kleinere und grössere Vereine der Stadt. Für zwanzig
auch Treibstoffe sowie Ersatzteile und Servicearbeiten ÖV-Abonnemente sind damit im Kanton Zug im Theater- und Musikgesellschaft Zug, das Theater Franken unterstützen wir Sportvereine und deren
eingeschlossen. Dies sind rund 70 Franken mehr als schweizerischen Vergleich überdurchschnittlich im Burgbachkeller, die IG Kultur, die Zuger Kunst- Angebote sowie regionale, nationale und internatio-
ein durchschnittlicher Schweizer Haushalt aufwendet. vertreten. Nur etwas mehr als ein Drittel besitzt kein gesellschaft, die Chollerhalle, die Galvanik sowie die nale Sportanlässe. Und einen runden Fünfliber ist es
Für den öffentlichen Verkehr werden in der Zentral- ÖV-Abo, im Schweizer Mittel sind es 43,5 %. beiden Freizeitanlagen unterstützt. Für fünfzig den Zugern wert, Jung- und Altbürger zu ehren und
schweiz monatlich 95 Franken ausgegeben 17. Vor allem Personen, die in ihrem Haushalt mindestens Franken unterstützen wir beispielsweise folgende das Seefest mit einem Beitrag zu würdigen.
Im Kanton Zug besitzen 82 % der Haushalte einen einen Personenwagen haben, besitzen im Kanton
Personenwagen, 36 % davon sogar mehrere Autos. Zug vergleichsweise häufig zusätzlich ein ÖV-Abo.
79 % sind es im Schweizer Mittel. Der Anteil an auto- Dieser Anteil hat in den letzten zehn Jahren deutlich Investitionen der Stadt Zug pro Kopf, 2015
freien Haushalten in Zug ist um 3 % niedriger als im zugenommen 19.
Schweizer Schnitt, hat jedoch in den letzten zehn 17
Haushaltbudgeterhebung 2009–2011, Bundesamt für Statistik Auswahl von sozialen Öffentlicher Verkehr
Jahren zugenommen. Ebenso ist der Führerschein-
18
Strassenverkehrsamt Kanton Zug, 2015 und gemeinnützigen Zugerbergbahn, Bus- und
Kultur
Mikrozensen Mobilität und Verkehr 2000 und 2010, kantonsspezifische Auswertung, Sportvereine
19
besitz im Kanton Zug höher als im Durchschnitt der Kanton Zug
Vereinen Schiffbetrieb Stiftung Casino, Stiftung Burg,
Burgbachkeller, Chollerhalle,
Galvanik, Theater- und Musikge-
Entwicklung der zugelassenen Personenwagen nach Hubraum im Kanton Zug
17+20+291024
sellschaft, IG Kultur, Zuger Kunst
100
50
Zugelassene Personenwagen gesellschaft, Freizeitanlagen
36593725+2137+ 5648+ 3033+ 4262+ 5835+4743+ 6468+ 4063+ 4563+ 8037+7559+ 68100+ 3482
25 000
0
20
20 000
10
26+24+27914
15 000
Zug 2015
10 000
5000
0 5FR
1990 1995 2000 2005 2010 2015 Schweiz 2015
Bevölkerung 84 908 92 392 99 388 106 496 113 105 120 089
Anlässe
Märlisunntig, Seefest
bis 1399 cm3 von 1400 bis 1799 cm3 von 1800 bis 1999 cm3 von 2000 bis 2499 cm3 2500 cm3 und mehr
In der Stadt Zug waren 2015 16 880 Personenwagen zugelassen.
Quelle: Bundesamt für Statistik Quelle: Jahres-Investitionsrechnung Stadt Zug
18 19W i r t s c h a f t
Investitionen
«Der öffentliche Verkehr ist das Rückgrat
einer nachhaltigen Mobilität. Ich bin glücklich,
dass ich mit meinem schönen Beruf einen
aktiven Beitrag dazu leisten darf.»
Rahel Bernet, Buschauffeuse Zugerland Verkehrsbetriebe AG
Wachsende Aufgaben Gesellschaft
Urbane Lebensqualität ist gefragt. Das zeigt sich auch beim Bevölkerungswachstum Die klassische Mobilität ist das Ergebnis unserer Gesellschaft und wird in Kultur und
in der Stadt Zug. Mit der Bevölkerung hat das Verkehrsaufkommen zugenommen. Freizeit beschrieben. Die Themen Umzug, Zu- und Abwanderung, in den Zielberei-
➔ Nicht nur zu Stosszeiten während der Arbeitswoche, auch an Wochenenden und Fei-
ertagen nähert sich das Verkehrssystem regelmässig seiner Kapazitätsgrenze. Es gilt,
chen Wohnen und Gesellschaftsstruktur, sowie die Gesundheit sind Merkmale, wie
wir auf Veränderungen reagieren oder mit diesen umgehen. Die Entwicklung unse-
dem zunehmenden Verkehrsdruck standzuhalten und die Gesundheit, Sicherheit und rer Solidarität als eine Grundlage der Nachhaltigkeit wird in der Bildung, der Partizi-
Lebensqualität zu gewährleisten. Dazu braucht es Investitionen in die Infrastruktur: pation und der überregionalen Solidarität behandelt.
Strassen und Wege, Parkierungsanlagen, Bushaltestellen, Begegnungszonen, Spiel-
plätze und vieles mehr.
Wie die Sicherheit sind auch Bewegungsfreiheit und 10 Jahren insgesamt beinahe 60 Millionen Franken
Selbstbestimmung menschliche Bedürfnisse, die im in den Mobilitätsbereich investiert 21. 60 % in die
dichten Stadtgefüge eine Rolle spielen. So prägen Sanierung und den Ausbau von Strassen, 30 % in
Verkehrsachsen heute noch unser Stadtbild. Auf ihnen Parkräume (Frauensteinmatt, Post, Casino, Foyer,
pulsieren Gütertransporte, Pendler und Freizeitaktivis- Parkleitsystem), 7 % in 30 er- und Begegnungs-Zonen
ten ungeachtet vieler Nachteile für die Lebensqualität sowie Fuss- und Radwege und 3 % in ÖV-Haltestellen.
Zielbereich Indikator
einer Stadt. Wenn auch abnehmend, so gilt der Ver- Im Vordergrund standen kurze Wege, eine gute
kehr nach wie vor als Hauptverursacher von Lärm und
Luftverschmutzung. Auf Rekordwerte haben Unfälle
ÖV- Erschliessung, ein vielfältiges Infrastruktur-
angebot und eine hohe Aussenraumqualität.
Gesellschaftsstruktur ➔ Zu- und Abwanderung
auf Stadtzuger Strassen im 2015 zugenommen: Es Im Sinne der qualitativen Weiterentwicklung des
Bildung Austauschjahr, Auslandaufenthalt
➔
ereigneten sich insgesamt 274 Unfälle, davon 74 mit Stadtraumes ist es deshalb das Ziel, insbesondere
verletzten Personen 20. den Fuss- und Veloverkehr sowie neue Mobilitäts-
Wie ein zukünftiges Verkehrssystem funktioniert, ist
in weiten Teilen davon abhängig, wie es ausgestaltet
modelle auszubauen und zu unterstützen.
Gesundheit ➔ Reisende Wanzen
20
Verkehrsstatistik Zuger Polizei, 2015
Sicherheit Rettungsdienst
➔
und nutzbar ist. Die Stadt Zug hat in den letzten 21
Jahres-Investitionsrechnung 2006–2015, Stadt Zug
Städtische Investitionen im Mobilitätsbereich
CHF
Partizipation ➔ Nachbarschaftshilfe
Kultur und Freizeit Freizeitverkehr
➔➔
12 000 000
10 000 000 Wohnen Wohnfläche und Wohndauer
8 000 000
6 000 000
Überregionale Solidarität ➔ Solidarische Mitverantwortung
4 000 000
2 000 000
0
2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Langsamverkehr, Begegnungszonen Öffentlicher Verkehr Strassenverkehr Parkierungsanlagen Total Investitionen
Quelle: Jahres-Investitionsrechnung der Stadt Zug
20 21G e s e l l s c h a f t G e s e l l s c h a f t
Gesellschaftsstruktur Bildung
«Ich bin in die Schweiz gekommen, weil ich
«Die Rigi wird ihrem Namen (Königin der Berge) eine andere Kultur kennenlernen und eine
von Zug aus mehr als gerecht. Sie hat es geschafft, neue Sprache erlernen wollte. Ich schätze die
mir innert kürzester Zeit ein unverkennbares alten Traditionen und die hohe Lebensqualität
Heimatgefühl und eine Verbundenheit mit Zug hier. Die Offenheit der Meschen und das hei-
zu vermitteln.» mische Essen vermisse ich hingegen etwas.»
Jennifer Daly, Neuzuzügerin Berenice Diaz Perez, Gastschülerin aus Tuxtla Gutierrez, Chiapas / Mexico
Steter Wandel Prägender Austausch
Eine besondere Herausforderung für die Stadt Zug stellt nicht nur das überdurch- Ein Austauschjahr macht es möglich, in eine andere Kultur einzutauchen und die Un-
schnittliche Bevölkerungswachstum dar, sondern auch die hohe Zu- und Wegzugsra- terschiede in Sitten, Bräuchen und im Lebensstil hautnah mitzuerleben. Ein Gastauf-
➔ te. Neu Zugezogene können oft erst im zweiten Anlauf ihre Wohnwünsche erfüllen. enthalt wirkt sich positiv auf die persönliche Entwicklung aus, die Akzeptanz für
➔
Eine gewisse Kontinuität im Gesellschaftsleben zu erreichen, ist nicht nur für Wohn- andere Kulturen wächst und die eigenen Kompetenzen werden gestärkt 22.
gemeinschaften und Nachbarschaften eine grosse Herausforderung.
Die Schweiz kennt unterschiedliche Formen von Aus- Kanton Waadt (St-Cergue). Vereinzelt findet auch
Im Schnitt sind 2014 pro Tag in der Stadt Zug rund Mentalitäten einzulassen und neue Ideen aufzuneh- tauschprogrammen mit den italienisch- und franzö- ein Austauschsemester mit Schülern der französisch-
8,6 neue Bewohner zugezogen (davon fast 40 % aus men und umzusetzen. Diese Beobachtung äussern sischsprachigen Landesteilen oder dem Ausland; sei oder italienischsprachigen Schweiz statt.
dem Ausland). Pro Tag haben 7 Bewohner die Stadt nicht nur Ausländer, sondern auch von längeren dies als Au-Pair, als Gastschüler in der Sekundarstufe In der Kantonsschule Zug ist der Besuch von Austausch-
Zug wieder verlassen. Die Stadt Zug hat das Glück, Auslandaufenthalten zurückgekehrte Schweizer. Hier oder Mittelschulstufe oder in Form eines Ausland- programmen sehr beliebt, und jedem Schüler steht
dass viele neu Zuziehende überdurchschnittlich jung kann mit angemessenem Mitteleinsatz ein Anschub semesters während eines Studiums. Auch Klassenlager die Möglichkeit offen, ein Semester oder ein Jahr im
und gut ausgebildet und dadurch in der Regel der Stadt oder von Nachbarschaften oder von Firmen tragen dazu bei, andere Sprachregionen der Schweiz Austausch zu weilen. In den letzten fünf Jahren
beruflich integriert und persönlich hoch motiviert durchaus hilfreich sein, wenn er darauf abzielt, besser kennenzulernen, sich sprachliche Kompetenzen nutzten jeweils rund 50 Schüler diese Chance und
sind. Die Erfahrung zeigt, dass Neuzuzüger meist nach Kontaktängste zu überwinden, private Initiativen zu anzueignen und mehr Offenheit zu entwickeln. schwärmten in die gesamte Welt aus. Vor allem
einer unterschiedlich langen Phase der Akklimatisa- stärken, Netzwerke zu pflegen und Ressourcen zu Die Klassen der kooperativen Oberstufe Loreto orga- nordamerikanische und europäische Länder waren
tion interessiert sind, ihre Talente und Möglichkeiten verknüpfen. Letztendlich aber obliegt die Integra- nisieren regelmässig Klassenlager im Tessin und in der begehrte Ziele.
auch für Projekte in der Stadt Zug oder in ihre tionsaufgabe jedem Bewohner selbst, der die Chance Romandie. Besonders in der Westschweiz sind der Die USA wurden in den letzten fünf Schuljahren rund
Wohnquartier einzusetzen. Unterschiedlich gross ist wahrnimmt, neue Menschen kennenzulernen und Gebrauch der französischen Sprache und die Begeg- 74 Mal als Zieldestination gewählt, gefolgt von
jedoch die Offenheit der Bevölkerung, sich auf andere mit ihnen etwas auf die Beine zu stellen. nung mit der lokalen Bevölkerung stets ein Bestand- Kanada mit 49 und Australien mit 22 Besuchen.
teil der Lagerprogramme. Im Schuljahr 2014 / 2015 Im Schnitt besuchen jährlich 15 Gastschüler die
wurden sieben Klassenlager in der französischsprachi- Kantonsschule Zug. Ihre Herkunft ist ganz verschie-
Wanderung der ständigen Wohnbevölkerung
gen Schweiz durchgeführt, fünf davon im Kanton den. Bei den meisten liegt die Heimat in Nord- oder
Wanderungen pro 1000 Einwohner Stadt Zug im Vergleich mit dem Kanton und der Schweiz
Freiburg (Charmey, Enney, Freiburg) und zwei im Südamerika.
120 Wirkungskompendium Jugendaustausch, Intermundo 2015
22
110 Austauschschüler nach Herkunfts-/Zielland während der letzten 5 Schuljahre (2011–2016)
Anzahl Schüler an oder von der Kantonsschule Zug
100
90
USA, Kanada
32= 32 Nordamerika
=130 130 USA, Kanada
15= =27
Mexiko, Kolumbien, Costa Rica, Chile,
80 Venezuela, Argentinien, Peru, Panama, 15 Südamerika 27 Argentinien, Costa Rica, Chile, Ecuador,
Kolumbien, Brasilien
Honduras, Brasilien
70 Russland, Türkei, Tschechien, Slovakei,
Italien, Genf, Frankreich, Belgien
8= 8 Europa
=43 43
Irland, England, Frankreich, Spanien,
Belgien, Schweden, Finnland, Slovakei,
Ungarn, Russland, Genf
60
0= 0 Afrika
=3 3 Südafrika, La Réunion
9= =9
2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Stadt Zug Kanton Zug Schweiz
Japan, Thailand, Taiwan, Indonesien 9 Asien 9 Singapur, Japan, Thailand, China,
Taiwan
Zuzug Wegzug
Quelle: Amt für Statistik des Kantons Zug, Bundesamt für Statistik
Zuzug Wegzug Zuzug Wegzug
Australien, Neuseeland
6= 6
Gastschüler kommen von ...
Ozeanien
=35 35 Australien, Neuseeland
Zuger Schüler gehen nach ... Quelle: Kantonsschule Zug
22 23Sie können auch lesen