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Werkstoff mit Zukunft
18 24 32
technologie Sanierung Recycling
Qualität und Vielfalt eröffnen Sanierungsoffensive des Bundes sorgt Mit Putz als Re-Use geht die Branche
neue Anwendungsgebiete. für Schulterschluss in der Baubranche. in Richtung Kreislaufwirtschaft.inhalt >
Ein Wort vom REport Plus das unabhängige Wirtschaftsmagazin
werkstoff mit zukunft. Das Come- Factsheet. Was Sie
6 back der Putze als Schutz und Stilmittel. 12 über Putze & Mörtel wissen sollten.
Ang e l a H e i s s e n b e rg e r
Redakteurin Report(+)PLUS
Zukunftsaufgabe
»Ein schönes Bauwerk zeichnet
> sich durch ein angenehmes und
3
gefälliges Aussehen aus und besitzt ein
ausgewogenes Verhältnis der Einzel-
teile zueinander«, wusste im 1. Jh. v.
Chr. bereits der römische Architekt
Vitruv. Erst das abwechslungsreiche
Spiel mit Struktur und Farbe setzt die
14 32
»Wir haben zehn jahre zeit« Next life
charakteristischen Akzente. Leider
Klimaschutzministerin Putze sortenrein zu gewinnen und auf-
ging die Vielfalt der Putztechniken seit
Leonore Gewessler über Ökologie am zubereiten, ist noch schwierig. Anders
Anfang des 20. Jahrhunderts sukzessi- Bau im Report(+)PLUS-Interview. ist das bei Putz als Re-Use.
ve verloren – und mit ihr das Wissen
um Handwerk und Materialien.
Galten Putzfassaden lange Zeit als
Fein herausgeputzt. Optimierte Ei- Ein Produkt der Region. Wie Bau-
altmodisch, erleben sie gegenwärtig 18 genschaften durch neue Zusatzstoffe. 44 stoffe Wertschöpfung schaffen.
eine Renaissance. Neue Zusammenset-
zungen eröffnen Anwendungsmöglich- Sanierung. Schulterschluss für den Beton braucht Putz. Schon dünne
24 46 Schichten machen den Unterschied.
keiten in der Wärmedämmung, Akustik Sanierungsscheck
oder im Brandschutz. Bei Sanierungen
Im Zeichen des Klimas. Herausfor- Best Practice. Zukunftsweisende
bewähren sich Spezialputze als effekti- 36 48 Projekte aus der Baubranche. .
derungen für die Bauwirtschaft.
ve Problemlöser. Auch als ästhetisches
Gestaltungselement werden Putze Gut geschützt. Durch Risse im Putz Satire. Selbst ist der Mann. Ein
40 entstehen Schäden am Mauerwerk.
58 Selbstversuch von Rainer Sigl.
wieder geschätzt.
Report(+)PLUS widmet dieses
Schwerpunktheft der faszinierenden
Welt der Putze & Mörtel, die wie kaum IMPRESSUM
eine andere Werkstoffgruppe an der Herausgeber/Chefredakteur: Dr. Alfons Flatscher [flatscher@report.at] Verlagsleitung:
Schnittstelle zwischen Tradition und Mag. Gerda Platzer [platzer@report.at) Chef vom Dienst: Mag. Bernd Affenzeller [affen-
Innovation steht. Wie wir in Zukunft zeller@report.at] Redaktion: Mag. Angela Heissenberger [heissenberger@report.at], Martin
leben wollen, wird zunehmend kon- Szelgrad [szelgrad@report.at] AutorInnen: Mag. Karin Legat, Mag. Rainer Sigl Layout: Report
trovers und interdisziplinär diskutiert. Media LLC Produktion: Report Media LLC, Mag. Rainer Sigl Druck: Styria Medieninhaber:
Report Verlag GmbH & Co KG, Lienfeldergasse 58/3, A-1160 Wien Telefon: (01) 902 99-0
Klimafreundliches Bauen und Sanieren Fax: (01) 902 99-37 E-Mail: office@report.at Web: www.report.at
ist kein Trend, sondern eine Zukunfts-
aufgabe für die gesamte Branche.
www.report.at - 2021 >>
Kleines Putz-
Definition Putzarten
Putz, auch Verputz oder Putzmörtel Gipsputze kommen ausschließlich innen, meist als
genannt, ist eine mineralische Beschich- Glättputz, zum Einsatz. Sie sind sehr elastisch und ha-
tung von massiven Wänden. Er kommt ben eine geringe Risseneigung. Das maschinelle Auf-
bei Gebäuden außen und innen zum Ein- tragen ermöglicht einen schnellen Arbeitsablauf.
satz und wird ein- oder mehrlagig aufge- Kalkputze aus Kalkhydrat schaffen durch Regulie-
tragen. rung der Luftfeuchtigkeit ein behagliches Wohnklima.
Kalkputze aus hydraulischem Kalk werden zumeist
Bedeutung bei historischen Gebäuden und der Altbausanierung
Das seit dem 15. Jahrhundert ver- im Innen- und Außenbereich verwendet.
wendete Wort »putzen« bedeutete ur- Kalk-Zement-Putze sind vorwiegend in Neubauten
sprünglich »den Butzen (Unreinigkeit, ohne spezielle Anforderungen innen und außen zu fin-
Schmutzklümpchen) entfernen« – die den.
Bezeichnung blieb in der »Butzenschei- Wärmedämmputze schaffen durch die Erhöhung
be« erhalten. Daraus entwickelten sich der Wandoberflächentemperatur ein angenehmes
4 die beiden Bedeutungen »säubern, reini- Raumklima und reduzieren die Heizkosten.
gen« sowie »verschönern, schmücken«. Sanierputze sind meist aus Zement oder hydrau-
lischem Kalk und eignen sich für die Trockenlegung
Bindemittel von feuchten und versalzten Mauern. Durch den ho-
Verputze unterscheiden sich in der hen Luftporengehalt können Salze im Putz auskristal-
Regel nach dem verwendeten Binde- lisieren, ohne diesen zu zerstören.
mittel. Zu den mineralischen Bindemit-
teln zählen Kalkhydrat (auch »Luftkalk« Spezialputze
genannt) und hydraulisch abbindende Akustikputz entspricht durch seine spezielle Ober-
Kalke (z.B. Romankalk, Zement, Gips, flächenbeschaffenheit und poröse Struktur besonde-
Lehm und Wasserglas). Organische Bin- ren akustischen Anforderungen und wird meist im De-
demittel – sogenannte Kunstharz-Dis- ckenbereich maschinell aufgespritzt.
persionen – sind z.B. Polymere aus Vinyl- Edelputz ist ein farbiger, dekorativer Deckputz mit
acetat oder Acrylate, die mit Silikonharz Kalk und Zement als Bindemittel. Er eignet sich für alle
gemischt werden. mineralischen Unterputze und ist als Reib- oder Kratz-
putz ausführbar.
Zuschlagstoffe Silikatputz ist ein mineralischer Putz mit Wasser-
Quarzsand, Kies, Gesteinsmehle glas als Bindemittel. Er wird verarbeitungsfertig (pas
und Ziegelsplitt sind mineralische Zu- tös) geliefert und kann zur farblichen Gestaltung außen
schlagstoffe, die durch unterschiedliche und innen auf allen mineralischen Untergründen ver-
Korngröße zusätzliche Effekte erzeugen. wendet werden.
Auch Stroh, Tierhaar oder Glasfaser wer- Silikonharzputz ist ebenfalls verarbeitungsfer-
den manchmal zur Strukturbildung oder tig und auf mineralischen Untergründen einsetzbar.
Farbgebung beigemengt. Zugaben wie Durch seine hydrophobe Eigenschaft hat der Putz eine
Schaumglasgranulat, Kork oder Bläh- selbstreinigende Wirkung.
ton setzen die Wärmeleitfähigkeit herab. Kunstharzputz ist ein verarbeitungsfertiger Putz,
Kunststoffe regulieren die technischen der innen und außen für alle Untergründe geeignet ist
Foto: iStock
Eigenschaften. und intensive Farbtöne aufweist.
> 2021 www.report.atAb c
>
Eigenschaften
Putz sorgt für ein angenehmes
und gesundes Wohnklima, indem
er die Raumfeuchte und Wärme-
dämmung reguliert. Durch die
mineralische Basis sind Putzober-
flächen nicht nur atmungsaktiv,
sondern verfügen auch über ei-
ne schallabsorbierende Wirkung.
Nach außen dient Putz als Witte-
rungsschutz für das Mauerwerk
und trägt durch farbliche und
strukturierte Gestaltung zum äs-
thetischen Erscheinungsbild des
Gebäudes bei.
5
Verarbeitung
Putze können maschinell oder
von Hand aufgetragen werden. Die
Putzoberflächen werden abgezo-
gen, geglättet, abgerieben und ge-
filzt, wodurch unterschiedliche
Effekte entstehen. Schlitze, Fugen
oder Fehlstellen müssen zuvor mit
Mörtel verschlossen und der Unter-
grund eventuell mit dem Auftragen
von Haftbrücken oder Aufbrenn-
sperren vorbehandelt werden. Als
Untergrund für Fliesen oder Na-
tursteinbeläge wird die Oberfläche
nicht gefilzt oder geglättet.
Geglättete Putze werden vor-
zugsweise auf Gipsbasis mit Kellen,
Spachteln und Abziehleisten ausge-
führt. Das Abreiben von Kalk-Ze-
ment-Putzoberflächen erfolgt mit
dem Reibebrett. Gefilzte Oberflä-
chen entstehen durch die Bearbei-
tung des abgezogenen Putzes mit
einem Filzbrett. Ungestrichene ab-
geriebene oder gefilzte Putze san-
den leicht ab, das kann durch eine
Beschichtung vermieden werden.
www.report.at 2021 >> perspektive
6
Schon in der Antike waren Putz- derte sich an dem pragmatischen Zugang auch unregelmäßige Mauern aus Bruch-
> fassaden bekannt – vornehmlich
um die Gebäude vor Witterungs-
wenig, wenngleich sich mit der Entwicklung
der Freskomalerei auch der Mehrschichtputz
oder Lesesteinen ließen sich leichter egalisie-
ren.
einflüssen zu schützen. Struktur und Farbe gegenüber dem Einschichtputz durchsetzte. Im Mittelalter diente der Verputz weitge-
als Gestaltungselemente standen noch im Dadurch hafteten anspruchsvolle Wandma- hend als Träger für Wandmalereien und als
Foto: iStock
Hintergrund. Als Bindemittel kam Luftkalk lereien, wie sie vor allem im mediterranen Schutzschicht des Gebäudes. Rauhe Putz-
zum Einsatz. Im Laufe der Jahrhunderte än- Raum gebräuchlich waren, nicht nur besser, strukturen, wie man sie an gotischen Bauten
> 2021 www.report.atperspektive >
Werkstoff
mit Zukunft
Aus der österreichischen Bautradition ist die Verwendung von
Putz nicht wegzudenken. Zuletzt ein wenig aus der Mode ge- 7
kommen, feiert die klassische Wandbeschichtung als bewährter
Schutz und gestalterisches Stilmittel wieder ein Comeback.
Von Angela Heissenberger
noch manchmal sieht, bildeten nur den Haft- der Putz vielfältige Oberflächenstrukturen. das Erscheinungsbild, je nach Einsatz der je-
grund für nachfolgende Applikationen. Auch in der Verarbeitung – mit der Kel- weiligen Techniken und Instrumente.
In der Barockzeit etablierte sich der le angeworfen, geglättet, mit der Bürste ge-
Mehrschichtputz in ganz Europa. Durch schlämmt, mit dem Jutesack modelliert – >> Lange Lebensdauer> perspektive
Aufgrund der hohen Sorptionsfähigkeit sind
Putzoberflächen im Innenbereich ideale Feuch-
tepuffer.
Die Kartause Mauerbach ist eines der wenigen historischen Gebäude mit originalen Putzschichten.
Sie wird vom Bundesdenkmalamt für Forschungen und Fortbildungen genutzt.
sikalischen Gründen problematisch sind.
verputzte Oberflächen mit unterschied- Da Beton wesentlich härter und dichter als
8 lichen Farben und strukturen bieten natürliche Baustoffe ist, nimmt er Span-
gestalterische freiräume, die es wieder zu nungen anders auf. Hinter dem Beton sam-
entdecken gilt. melt sich oft gestautes Regenwasser. Die In-
standsetzung solcher fehlsanierter Fassaden
vor 1800 nur noch an wenigen Baudenk- überrascht, ist die Langlebigkeit. An man- gestaltet sich meist sehr aufwendig.
mälern originale Putzschichten erhalten. chen historischen Gebäuden halten die-
Ein wissenschaftlich gut dokumentiertes se Materialien bereits seit 800 Jahren. Statt >> Zeit als Kostenfaktor 2021 www.report.at| IO12-01G |
perspektive >
IO-Link Master &
Devices für alle
Schutzklassen
onierten in den folgenden Jahrzehnten die Fassadentechnik.
Detaillierte Normvorgaben regeln inzwischen die Zusammen-
9
setzung und Anforderungen für Putzmaterialien und mehr-
schichtige Wandbekleidungen.
Konventionelle Putz- und Mörteltechniken sind dennoch
nicht überholt. Sie zeigen ihre Stärken vor allem, wenn es um
gesundes Wohnen geht, wie Baumit-Geschäftsführer Ge-
org Bursik aufgrund der Erfahrungswerte im firmeneigenen
ViVa-Forschungspark bestätigt: »Nehmen wir zum Beispiel
Beton: Wird er im Innenbereich nur gestrichen oder mit einer
kostengünstigen Dispersionsspachtel beschichtet, dann leiden
die zukünftigen Bewohner unter schlechtem Raumklima, weil
der Feuchtepuffer an der Wand fehlt.«
>> Bewährte Technik> perspektive
Nur noch wenige Fachkräfte, meist Restaurateure, beherrschen das
umfassende Gewerk des Stuckateurs.
Schnellbauweisen, die inzwischen auch
Mineralische Putzoberflächen reduzieren die
den Innenraum dominieren, wirken sich
mitunter negativ auf die gesamte Wohnqua-
Gefahr von Schimmelbildung und sind über
lität aus. Hellhörige Wände, Luftfeuchtigkeit ihren gesamten Lebenszyklus betrachtet
und Wärmeverlust mindern deutlich die Be- umweltverträglich.
haglichkeit – so mancher Häuselbauer hät-
te sich, rückblickend betrachtet, doch lieber Nachhaltigkeit sprechen verstärkt für tradi- monotone Abriebe nötig waren. Das Fach-
10
für ein verputztes Ziegelhaus entschieden. tionelles Handwerk. Allerdings schlägt sich wissen über dekorative Verputze und struk-
Mineralischer Putz und Farben können das die lange Vernachlässigung dieser Sparte turierte Oberflächen wurde seit den 1960er-
Raumklima signifikant verbessern. Alka- in akutem Fachkräftemangel nieder. In der Jahren kaum noch an den Nachwuchs wei-
lische und sorptionsfähige Oberflächen re- Branche beherrschen nur noch wenige Ar- tergegeben. Die Handschrift des ausführen-
duzieren die Gefahr von Schimmelbildung beiter das umfassende Gewerk des Stucka- den Meisters – früher als sein Markenzei-
und sind über ihren gesamten Lebenszyklus teurs, da fast jahrzehntelang nur einfache, chen klar erkennbar – sollte unsichtbar blei-
betrachtet umweltverträglich. ben. Die alten Putztechniken müssen prak-
Architekten und Bauherren sehen bei tisch neu erlernt werden.
innovativen Gestaltungsvarianten seltener Parallel dazu haben sich auch die Mate-
Putz als Material erster Wahl. Konstruktive rialien weiterentwickelt. Die Hersteller bie-
Möglichkeiten aus Stahl und Glas erscheinen ten inzwischen eine breite Palette an mul-
vielfältiger und moderner. Doch gerade ver- tifunktionellen Produkten an. An den Au-
putzte Oberflächen mit unterschiedlichen ßenwänden sind hochdämmende Ziegel in
Farben und Strukturen bieten gestalterische Kombination mit speziellen Dämmputzen
Freiräume, die es wieder zu entdecken gilt. eine ökologische Alternative zu herkömm-
Der Schweizer Restaurator Oskar Em- lichen Dämmplatten. Fugenlos, ohne Hohl-
menegger identifizierte 28 verschiedene räume und nicht brennbar, verfügen Putze
Putzarten, die nicht nur als Schutzhaut für über Eigenschaften, die heute wieder mehr
das Mauerwerk, sondern auch als individu- geschätzt werden. Aufgrund seiner hohen
elles Gestaltungselement einer Fassade oder Sorptionsfähigkeit ist der Baustoff ein idealer
Innenwand fungieren. Er kritisiert den »mo- Feuchtepuffer, so Baumit-Geschäftsführer
notonen Fertigputz, wie er überall in Euro- Georg Bursik: »Darüber hinaus ist Putz per-
pa, gleich einem Eintopfgericht« vorzufin- fekt geeignet – gemeinsam mit dem minera-
den ist. Der Maurer und Gipser werde »zum lischen Wandbildner – wieder im Sinne der
wertlosen Applizierer degradiert«, so Em- Kreislaufwirtschaft recycliert zu werden.«
menegger.
>> Visionäre Anwendungen > Unterschätztes Potenzial 2021 www.report.atperspektive >
des einzubringen. Bedruckter oder gefräs-
»Wertschätzung
ter Putz, 3D-gedruckte Zusätze oder Stem-
peltechniken sind nur einige Beispiele, die
für die Wandlungsfähigkeit des Werkstoffes
des Handwerks«
stehen. Derzeit noch Zukunftsmusik, aber
Verputze erleben wieder einen Aufschwung. Gerhard
Garber, Leitung Produktmanagement Österreich bei
Röfix AG, setzt auf innovative Produkte und Nachhal-
tigkeit.
Restaurator Oskar Emmenegger: »Maurer und
Gipser werden zu wertlosen Applizierern degra-
diert.«
vielleicht bald Wirklichkeit sind Putze, die
als Nährboden für Pflanzen dienen und für
begrünte Fassaden sorgen bzw. die Raumluft Verputze
filtern. Licht emittierende Bestandteile las-
sen die Putzoberflächen leuchten oder mit
sind nicht nur
farblichen Effekten erstrahlen. Denkbar sind Schutz und
auch »smarte« Wände, die durch datenspei- Ausgleich des
chernde Zuschlagstoffe Informationen ver- Mauerwerks.
arbeiten und senden können, oder Fassaden,
die sich je nach Wetterlage öffnen, schließen
oder atmen.
11
Neben der Funktionalität sollte aber
auch die ästhetische Produktentwicklung
verstärkt in den Vordergrund rücken, meint
Forscher Markus Schlegel: »Innovative An-
sätze sind zwar vorhanden, der Blick in die (+) plus: Was zeichnet Putz- rung, die neuen Bauweisen zu bedienen
Zukunft muss jedoch noch viel mehr im In-
teresse unserer Baukultur stattfinden.« Im- > oberflächen aus?
Gerhard Garber: Verputze sind
bzw. entsprechend mitzuentwickeln. Als
innovatives Unternehmen haben wir da-
merhin prägen Putze das Erscheinungsbild nicht nur Schutz und Ausgleich des Mau- her Produkte entwickelt, die diese neuen
der Städte und Gemeinden – sie sind die erwerks, sondern werden auch zu gestal- Bauweisen unterstützen, z.B. unsere Aero-
DNA unserer Außenhaut. n terischen Maßnahmen verwendet. Diese gel-Hochleistungsdämmsysteme, unsere
erleben momentan einen Aufschwung. In dünnschichtigen Heizsysteme für Fuß-
Innenräumen entstehen durch die Ver- böden und eine Vielzahl mineralischer
Sorptionsfähigkeit
bindung von handwerklichem Geschick Designputzoberflächen zur attraktiven
von Innenputzen mit hochwertigen Baumaterialien sehr Wand- und Fassadengestaltung.
ansprechende Oberflächen, die unsere
Wasseraufnahme Sorption [g/m2]
mitteleuropäische Wohnkultur unter- (+) plus: Wie kann sich der Baustoff
30
streichen. Im Fassadenbereich greifen Ar- Putz wieder stärker als zukunftsfähiges
chitekten immer öfter auf gestalterische Material positionieren?
20 Fassadengliederungen, wie sie unseren Garber: Wir setzen beim traditionell
baugeschichtlichen Ansprüchen entspre- verarbeiteten Putz auf Wertschätzung des
chen, zurück. Auch hier werden speziell Handwerks mit den ökologischen Eigen-
10 dafür entwickelte Deckputzsysteme ver- schaften eines nachhaltig produzierten
wendet. Baustoffes. Unser Unternehmen ist schon
seit Beginn von den positiven Eigenschaf-
0 (+) plus: Neue Bauweisen setzen der ten diverser Kalkprodukte überzeugt. Die
0,0 Stunden 1,0 2,0 3,0
Produktgruppe zu. Sind konventionelle positiven Eigenschaften, wie die Verbesse-
n Klima Putz Putz- und Mörteltechniken überholt? rung des Wohnraumklimas, die Erhöhung
n Kalkzement Putz Garber: Es ist Tatsache, dass neue Bau- des Schallschutzes, die schnelle und ein-
n Gips Putz weisen traditionelle Produktgruppen und fache Bauweise werden zunehmend wich-
Quelle: ViVa Forschungspark Baustoffe unter Druck setzen. Wir haben tiger. Diese Punkte rücken immer mehr in
Ein Vier-Personen-Haushalt produziert ca. 5 l das erkannt und sehen uns als Baustoff- den Fokus der kreativen Denkwerkstätten
Feuchtigkeit pro Tag. Die Sorptionsfähigkeit Komplettanbieter vor der Herausforde- unserer Baubranche. n
des Putzes sorgt für ein behagliches Klima.
www.report.at 2021 >>
Wussten Sie,
… als »Tadelakt« ein antiker marokkani-
scher Kalkputz bezeichnet wird, der durch
die Verdichtung mit Halbedelsteinen über
hohe Festigkeit und Wasserbeständigkeit
… Opferputz ein sowie besonderen Glanz verfügt?
umgangssprachli-
cher Ausdruck für
reine Luftkalkput-
ze ist, die durch
ihre hohe Porosi-
… die Berufs-
tät lösliche Salze
12
bezeichnung
leicht aufnehmen
Stuckateur nur
und deshalb vor
in Österreich … durch alle Stilepochen hindurch
allem im Denk-
gebräuchlich ist? versucht wurde, mittels Putz und
malschutz oder
In Süddeutsch- spezieller Techniken die Illusion
nach Hochwasser
land und in der eines hochwertigeren Materials
zum Einsatz kom-
Schweiz werden (z.B. Naturstein) zu erzeugen?
men?
diese Handwerker
Gipser genannt, in
Norddeutschland
Putzer.
… Lehm das erste
von Menschen … in mittelalterlichen Burgen oft die Rasa-
verwendete Putz- Pietra-Technik (»verstrichener Stein«)
material ist? angewandt wurde? Dabei verstreicht man den
Mörtel zwischen den einzelnen Steinen, bis
die Mauer eine nahezu ebene Fläche bildet.
Die Steinköpfe bleiben unbedeckt.
> 2021 www.report.at>
dass …
… einer Studie des Instituts für
Baugeschichte der TU zufolge
Wien eine »graue Stadt« war?
Statt farbiger Fassaden wurden
im Historismus Reliefs bevorzugt.
… der Besenwurf
eine Technik aus
dem 18. Jahr-
hundert ist, um
Kalkmörtelputz … die traditionelle Putzregel besagt, dass
aufzutragen? aufeinanderfolgende Schichten immer weicher
Die Handwerker werden sollten?
tauchten einen
Reisigbesen in
den Mörtel und
schlugen ihn über
einen Stock – je … bei einem Fresko der frische
geringer der Ab- Putz mit Kalkfarbe bemalt
stand zur Wand, 13
wird, wodurch Farbe und Putz
desto gröber war gemeinsam zu künstlichem
die Körnung. Kalkstein aushärten?
… bei Stuckmar-
mor spezielle
Zusatzstoffe und
Pigmente durch … die ideale
Polieren und Raumluftfeuchte
Wachsen in eine zwischen 40 und
marmorähnliche 60 % liegt?
Oberfläche ver-
wandelt werden?
… das Pigment für das berühmte »Schönbrunner Gelb« – Mar-
kenzeichen der österreichisch-ungarischen Monarchie – aus
böhmischen Ockergruben stammte, da französische Importe zu
teuer waren? Ursprünglich war das Schloss Schönbrunn jedoch in
Rosa- und Grautönen gestrichen.
www.report.at 2021 >> Interview
Wir
haben »Es liegt natürlich auf der
Hand, dass Baumaterialien mit
kurzen Transportwegen im Sinne
zehn
des Klimaschutzes den Vorzug
gegenüber Produkten haben
14 sollen, die weit gereist sind«, sagt
Leonore Gewessler.
Jahre
Zeit
Von Bernd Affenzeller
Im Interview mit Report(+)PLUS erklärt Klimaschutzministerin Leonore Gewessler, wie
sie Österreich bis 2040 klimaneutral machen will und warum es der aktuellen Regie-
rung gelingen wird, das lang gehegte Ziel der 3 %-Sanierungsrate tatsächlich zu errei-
chen. Sie erklärt außerdem, wie sie zu einer verpflichtenden Herkunftsbezeichnung von
Baustoffen steht und spricht sich trotz der im Regierungsprogramm festgeschriebenen
Forcierung von Holz klar für eine Produktneutralität bei Baumaterialien aus. Eine ökolo-
gische Bewertung von Baustoffen soll über den gesamten Lebenszyklus erfolgen.
Foto: Cajetan Perwein
> 2021 www.report.atInterview >
15
(+) plus: Dem Klimaschutz wird im aktuellen Re- Menschen ermöglichen, klimafreundlicher, angenehmer und
> gierungsübereinkommen große Bedeutung zuge-
schrieben. Welchen Stellenwert hat dabei aus Ihrer
kostengünstiger zu leben. Für eine Dekarbonisierung bis 2040
braucht es dabei auch deutlich verstärkte Anstrengungen. Des-
Sicht der Gebäudesektor? wegen arbeiten wir auch intensiv mit den Bundesländern an
Leonore Gewessler: Österreichs Gebäude sind für fast ein einer Strategie für die Raumwärme, denn der Gebäudesektor
Drittel unseres Energieverbrauchs verantwortlich. Mit den vie- liegt wesentlich im Kompetenzbereich der Bundesländer. Im
len fossilen Heizkesseln in Österreich verschmutzen wir zu- Regierungsprogramm haben wir Maßnahmen im Gebäude-
sätzlich unsere Umwelt und unser Klima und wir zahlen unnö- und Wärmesektor vereinbart, die sicherstellen sollen, dass Ös-
tig für Energieimporte. Jährlich sind das zehn Milliarden Euro. terreich seinen europarechtlichen Verpflichtungen, den Ver-
Unser Programm für die kommenden Jahre ist daher ambitio- pflichtungen aus dem Pariser Übereinkommen und dem Ziel
niert: 2040 soll Österreich klimaneutral sein und damit genau der Klimaneutralität bis 2040 in sozial und ökonomisch ver-
dieses Problem lösen. Um die Weichen dafür richtig zu stellen, träglicher und kosteneffizienter Weise nachkommen kann.
haben wir, wie die Wissenschaft es uns sagt, zehn Jahre Zeit.
Dafür brauchen wir den vollen Instrumentenkoffer aus Geset- (+) plus: Im Rahmen der anvisierten Dekarbonisierung
zen, Förderungen und klimafreundlichen Maßnahmen. Denn ist im Regierungsprogramm auch von neuen Projekten wie ei-
wir möchten mit unseren Maßnahmen in diesem Bereich den ner »energieeffizienten Stadt« und einem »energieeffizienten
www.report.at 2021 >> Interview
Dorf« die Rede. Was genau kann man
sich darunter vorstellen?
Gewessler: Städtische und länd-
liche Regionen benötigen unterschied-
liche Konzepte für die Energiewende.
Während im städtischen Bereich auf-
grund der höheren Bevölkerungsdichte
beispielsweise eine leitungsgebundene
Wärmeversorgung wirtschaftlich ist,
können in ländlichen Regionen dezen-
tral verfügbare erneuerbare Energieträ-
ger eingesetzt werden. Bei den Projekten
»energieeffiziente Stadt« und »ener-
gieeffizientes Dorf« geht es um ganz-
heitliche und individuell zugeschnitte-
ne Konzepte. Sie sollen Städte und Ge-
meinden unkompliziert dazu verhel-
fen, bis 2040 klimaneutral zu werden,
und zwar durch gezielte Maßnahmen
wie Energieraumplanung, Sanierung
öffentlicher und privater Gebäude auf
einen zukunftsfitten Standard oder bei-
spielsweise auch durch effiziente Stra-
ßenbeleuchtung. Beispielgebend dafür
sind schon jetzt KEM-Regionen (aktuell
rund 95 Klima- und Energiemodellregi-
16
onen in Österreich; Anm.d.Red.) oder
e5-Gemeinden (aktuell 224 Gemein-
den und Städte; Anm.d.Red). Auch im
Recovery and Resilience Facility-Plan
(RRF) haben wir uns diesem Thema
gewidmet. Gemeinden sind ein ganz
wichtiger Hebel im Kampf gegen die
Klimakrise. Mit 50 Millionen Euro wer-
den wir nun direkt in den Orten ther-
mische Sanierungen von kommunalen
Gebäuden und Betrieben fördern. Wir
sorgen damit für Klimawandelanpas-
sungsprojekte in den Ortskernen und
beugen der Zersiedlung vor. »Ich bin im Wirkungsbereich meines Ressorts auf
(+) plus: Laut dem aktuellen Re- Baumaterialien bedacht, die über ihren gesamten
gierungsprogramm soll der Baustoff Lebenszyklus hinweg bestmöglich zum Umwelt- und
Holz forciert werden. Handelt es sich
dabei nicht um eine Wettbewerbs-
Klimaschutz beitragen und entsprechend langlebig
verzerrung gegenüber anderen Bau- und effizient eingesetzt werden«, sagt Leonore
stoffen wie Ziegel oder Beton, die sich, Gewessler.
wie mehrere Studien zeigen, bei einer
Lebenszyklusbetrachtung in Sachen
Nachhaltigkeit nicht vor Holz verste- und effizient eingesetzt werden. Holz ist verschafft darüber hinaus einen guten
cken müssen? ein Beispiel für einen regenerativen Roh- Überblick zu den Nutzungswegen von
Gewessler: Ich bin im Wirkungsbe- stoff, der bei nachhaltiger Produktion Holzsortimenten, angefangen von der
Foto: Cajetan Perwein
reich meines Ressorts auf Baumateri- und kurzen Transportwegen den Schutz Aufbringung bis zur vielfältigen Ver-
alien bedacht, die über ihren gesamt- des Klimas und regionale Wertschöpfung wendung. Die Formulierung im Regie-
en Lebenszyklus hinweg bestmöglich gut in Einklang bringen kann. Aber das rungsprogramm »Forcierung des Holz-
zum Umwelt- und Klimaschutz bei- gilt natürlich nicht exklusiv für Holz als baus und ökologischer Baumaterialien«
tragen und entsprechend langlebig Baustoff. Unsere Holzstrom-Initiative schließt natürlich auch andere Baumate-
> 2021 www.report.atInterview >
rialien, welche die genannten Kriterien er- lichen 100 Millionen unterstützen wir ein- ein ökonomisches und auch arbeitsmarkt-
füllen, mit ein. kommensschwache Haushalte gezielt beim politisches Gebot der Stunde, die Energie-
klimafreundlichen Heizungswechsel. Dieses wende umgehend und entschlossen in An-
(+) plus: Regionalität spielt nicht nur Paket sorgt auch für regionale Wertschöp- griff zu nehmen. Die Energiewende, die wir
in der Lebensmittelindustrie eine immer fung und Arbeitsplätze. Denn die Heizung uns vorgenommen haben, bedeutet zweifel-
größere Rolle, sondern ist für viele Konsu- tauscht eine Installateurin aus dem Ort, um los eine große Kraftanstrengung, birgt aber
menten auch bei der Wahl des Baustoffes ent- die Sanierung kümmert sich ein Baumeister auch unglaubliche Chancen für die klima-
scheidend. Können Sie sich eine verpflicht- aus der Region und in den nächsten Jahren freundliche Umgestaltung unserer Wirt-
ende Herkunftsbezeichnung für Baustoffe wird es dafür viele Aufträge geben. In Sum- schaft, sorgt vielfach für zukunftsfitte Ar-
vorstellen, um zu verhindern, dass Konsu- me schaffen wir so mehr als 62.000 Arbeits- beitsplätze und regionale Wertschöpfung.
menten unabsichtlich zu einem (impor- plätze und sparen 1,7 Millionen Tonnen CO2 Damit uns so etwas Großes gelingen kann,
Als Grundlage für die Kaufentscheidung
braucht es auch bei Baustoffen
vergleichbare Informationen.
tierten) Baustoff greifen, der durch weite jährlich. Dieses Paket zeigt deutlich, dass braucht es einen Schulterschluss zwischen
Transportwege einen deutlich schlechteren Klimaschutz ein absoluter Job- und Wirt- Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik.
ökologischen Fußabdruck hat als vielleicht schaftsmotor ist. Genau das verbindet Umweltorganisati-
angenommen? Damit wir die vorhandenen Potenti- onen und Sozialpartner.
17
Gewessler: Die Forderung nach einer ale bei den Sanierungen weiter heben kön-
verpflichtenden Herkunftsbezeichnung für nen, ist eine gute Zusammenarbeit mit den (+) plus: Ihr erstes Jahr als Klima-
Baustoffe gibt es schon seit längerer Zeit. Es Bundesländern notwendig. Im Rahmen der schutzministerin war zwar überlagert von
liegt natürlich auf der Hand, dass Baumate- Wärmestrategie arbeiten wir gemeinsam an der Coronakrise. Aber was waren aus Ihrer
rialien mit kurzen Transportwegen im Sinne diesem Thema. Nur so ist eine ambitionierte Sicht die wichtigsten Schritte und Maßnah-
des Klimaschutzes den Vorzug gegenüber und dringend notwendige Sanierungsrate men in Ihrem Ressort abseits von Corona?
Produkten haben sollen, die weit gereist sind. erreichbar. Gewessler: Die Klimakrise ist die größte
Die Möglichkeiten für die Einführung Herausforderung unserer Zeit. Gleichzeitig
einer Herkunftsbezeichnung für Baustoffe (+) plus: Sie waren mehrere Jahre Ge- stehen wir vor einer großen Wirtschafts- und
wären zu prüfen. Allerdings ist hier zu ge- schäftsführerin von Global 2000. Die Um- Arbeitsmarktkrise, aus der wir uns rausinve-
währleisten, dass die Ausweisung der Her- weltorganisation hat 2010 gemeinsam mit stieren müssen – in den Klimaschutz. Denn
kunft und des ökologischen Fußabdrucks den Bausozialpartnern die Nachhaltigkeits- Klimaschutz ist das beste Konjunkturpaket.
nach einem standardisierten Prinzip für al- initiative Umwelt+Bauen gegründet – eine Klimaschutz schafft Arbeitsplätze und sorgt
le Baumaterialien erfolgt, ganz gleich, ob es auf den ersten Blick durchaus ungewöhn- für eine gute Zukunft. Genau das braucht
sich um Ziegel, Beton, Zement, Holz, diverse liche Liaison. Könnte so eine enge Zusam es jetzt. Alleine im letzten Jahr konnten wir
Dämmmaterialien oder andere Produkte menarbeit zwischen Umweltschützern und viele Meilensteine setzen. Mit dem Erneu-
handelt. Die Marktakteure sollen dadurch Industrie auch Vorbildwirkung für die Poli- erbaren Ausbau-Gesetz etwa legen wir den
bei allen Baustoffen vergleichbare Informa- tik haben? Grundstein für 100 Prozent Strom aus Er-
tionen als Grundlage für ihre Kaufentschei- Gewessler: Durch ein offensives und ak- neuerbaren Energien. Mit dem Sanierungs-
dung zur Verfügung haben. tives Vorantreiben von Maßnahmen Rich- scheck und der Raus aus Öl und Gas-Förde-
tung Klimaneutralität eröffnet sich für in- rung sorgen wir für klimafreundliche Ge-
(+) plus: Im Februar wurde eine groß novative österreichische Unternehmen die bäude der Zukunft mit sauberen Heizungen.
angelegte Sanierungsoffensive angekün- große Chance, sich an vorderster Stelle im Die österreichweite Stufe des lang ersehnten
digt. 650 Millionen Euro stehen für klima- internationalen Wettbewerb zu behaupten. 1-2-3 Klimatickets wird noch in diesem Jahr
freundliche Sanierungen und nachhaltige Denn der Wettbewerb der Zukunft wird ei- kommen. Wir haben auch den Umbau un-
Heizsysteme bereit. Welche konkreten Er- ner um die klimafreundlichsten Produkte seres Steuersystems in eine ökologische
wartungen haben Sie an diese Maßnahme? und Produktionsweisen sein. Gerade in Richtung eingeleitet, wo heuer noch weitere
Glauben Sie, damit das lange anvisierte Sa- dem breiten Technologiefeld Bauen, Sa- wichtige Schritte für eine wirksame Beprei-
nierungsziel von 3 % erreichen zu können? nieren und effiziente Wärmeversorgung sung von Treibhausgasemissionen erfolgen
Gewessler: In den kommenden beiden verfügt Österreich über ein reichhaltiges werden. Insgesamt sind damit sehr viele
Jahren investieren wir sogar 750 Millionen Know-how und ist für diese Herausforde- Maßnahmen auf Schiene, die für die Zieler-
Euro in den Heizkesseltausch und in die rung hervorragend aufgestellt. Neben der reichung Klimaneutralität bis 2040 notwen-
thermische Sanierung. Denn mit zusätz- klimapolitischen Notwendigkeit ist es somit dig und erforderlich sind. n
www.report.at 2021 >> technik
18
Fein
herausgeputzt
Putz und Mörtel gleichen Une-
> benheiten des Mauerwerks aus,
nehmen Feuchtigkeit auf und ge-
Putze und Mörtel sind seit Jahrhunderten bewährte
Baustoffe. Durch neue Zusatzstoffe und optimierte
ben sie wieder ab, verbessern den Dämm-
wert und den Schall- und Brandschutz der Zusammensetzungen können sie ihre positiven
Wände. Je nachdem, ob der Putz innen oder
außen aufgetragen wird, ob man eine glatte
Eigenschaften noch besser ausspielen.
oder strukturierte Oberfläche wünscht oder
die Wand bestimmte Eigenschaften erfüllen Von Angela Heissenberger
soll, kommen ganz unterschiedliche Pro-
dukte zum Einsatz. Doch Putze sind noch verloren – Wissen, das es sich wiederzuent- Vertiefungen, die auf der Fassade ein inte-
viel mehr als eine funktionelle Hülle: Sie ver- decken lohnt. Im Mittelalter und in der Re- ressantes Licht- und Schattenspiel erzeugen.
leihen Gebäuden ein Gesicht. naissance wurde mit relativ einfachen Instru- Mit dem Aufkommen des industriell
Seit der Antike ist Stuck eine wichtiges menten wie Nagelbrettern, Kämmen, Besen hergestellten Mörtels entstanden zwar neue
Element für die Gestaltung von Innenräu- oder Stempeln gearbeitet, um die Putzober- Gestaltungsmöglichkeiten, dennoch gingen
men und Fassaden. Durch alle Epochen fläche zu strukturieren. Im Barock erfreuten die regionale Vielfalt und der gestalterische
konnten sich unterschiedliche Techniken sich sogenannte Buckelquaderungen großer Ausdruck immer mehr verloren. Viele der
etablieren, die im Laufe der Zeit das Er- Beliebtheit; diese fügten sich harmonisch in alten Techniken kommen nur noch in der
scheinungsbild mitteleuropäischer Städte die weichen Formen dieser Epoche ein. Im Denkmalpflege zur Anwendung.
prägten. Gleichen die heute üblichen Fassa- Bauboom der Gründerzeit gelang es mit-
den einander wie ein Ei dem anderen, zeigen hilfe von Zement, die beliebten, aber teuren >> Aufs Korn genommen 2021 www.report.attechnik >
nen dünn-, mittel- und dickschichtig aufge- nen zudem Eigenschaften wie die Dichte, die Drücken, Tupfen oder Schlagen die Putzo-
tragen werden. Dickere Putzschichten lassen Erstarrungsdauer, die Bildung von Luftpo- berflächen zu gestalten. Besenzugputz findet
sich leichter strukturieren und ermöglichen ren sowie das Verhalten beim Eindringen man häufig an Gründerzeit- oder Jugendstil-
wieder Techniken, die wegen des höheren von Wasser beeinflusst werden. Organische fassaden. Gerade auf großflächigen, schlich-
Aufwands in Vergessenheit gerieten. Bindemittel erhärten durch Polymerisation ten Gebäuden entfaltet die charakteristische
Je nach gewünschtem Gesamteindruck
stehen unterschiedliche Materialien zur Ver-
fügung. Die Korngröße macht den Unter- täuschung. Im Bauboom der
schied. Mit einer Körnung von 0,5 mm lassen Gründerzeit gelang es mithilfe von Zement, die
sich besonders feine, glatte Oberflächen er-
beliebten, aber teuren Natursteinoberflächen zu
zielen. Körnungen bis zu 8 mm erzeugen ei-
nen kräftigen, prägnanten Gesamteindruck. imitieren.
Nach Jahren, in denen vor allem ebenmäßige
Wände gefragt waren, stehen derzeit wieder – ein schnell härtender und wasserundurch- Linienstruktur eine besondere Wirkung.
grobe Strukturen hoch im Kurs. lässiger Baustoff ist etwa Kunstharzmörtel. Statt in Putz getauchter Reisigbündel
Großen Einfluss auf das Erscheinungs- Silikatputz erhärtet durch Verkieselung und setzt man heute Feinputzmaschinen ein. In
bild haben die Zuschlagstoffe. So entsteht wird vorwiegend als Endputz auf Wärme- mehreren Schichten wird feinkörniges Ma-
die ebenmäßige Oberfläche von Filzputz dämmverbundsysteme aufgetragen. terial aufgespritzt.
durch einen feinen Zusatz, der beim Abrei- Am weitesten verbreitet ist der Scheiben-
ben mit dem feuchten Filzbrett einen beson- >> Charakteristische Struktur> technik
Traditionelle Putztechniken wie Kammzug, Nagelbrettputz, Rechenstrichputz und Besenzug (v. li.) erzeugen eine charakteristische Struktur.
richtung bei der Reibung kann die Ober- ein halbes Jahr bis fünf Jahre nach Erstellung bei handelt es sich um zementhaltige Sperr-
fläche variabel gestaltet werden. auf; ihre Häufigkeit hat in den letzten Jahren putze, die zwar wasserabweisend wirken,
Diverse Kratztechniken kommen eben- stark zugenommen. Die Risse zeichnen ein aber Wasserdampf durchlassen. Die mit der
falls wieder vereinzelt zur Anwendung – regelmäßiges Bild, das dem Fugenverlauf des aufsteigenden Nässe transportierten Salze
auch in Innenräumen. Putz lässt sich bei- Mauerwerks folgt. können auskristallisieren.
spielsweise auf einzelnen Wänden wie eine Baubedingte Ursachen können nicht Abhilfe schaffen bei großer starker
kleine Gebirgslandschaft strukturieren. Da- vollfugig vermörtelte Lager- oder Stoßfu- Durchfeuchtung auch Sanierputze oder so-
für wird der Putz relativ dick (5 bis 6 mm) gen und feuchtes Mauerwerk sein. Gerade genannte Opferputze. Letztere sind reine
aufgetragen und nicht glatt gezogen, son- die hohe Untergrundfeuchtigkeit wird oft Luftkalkputze, die vor allem im Denkmal-
dern mit der Kelle durch unterschiedlichen unterschätzt und über die Sichtprüfung hi- schutz eingesetzt werden und bauschäd-
Druck unregelmäßige Flächen und Kanten naus keiner eingehenden Messung unter- liche Salze aufnehmen. Wenn die Oberflä-
erzeugt. Ist der Putz vollständig durchge- zogen. Putzbedingte Ursachen sind meist che starke Ausblühungen aufweist, wird sie
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trocknet, kann die Oberfläche farbig lasiert
werden.
Eine Besonderheit stellen Edelkratz-
putze dar. Sie werden recht dick – 10 bis 15
Kostendruck. Risse in Putzen sorgen
bei Bauherren für Ärger und Unverständnis. Oft
mm – aufgetragen. Die Körnungen sind da-
bei nicht mit einem Bindemittelfilm umge- sind aber die Bau- und Trocknungszeiten zu kurz
ben. Nach dem Erhärten wird die Oberfläche bemessen.
mit einem Nagelbrett bis auf eine Schichtdi-
cke von 8 bis 10 mm abgekratzt, durch das
dabei herausspringende Korn entsteht die zu geringe bzw. wechselnde Putzdicke oder abgeschlagen und das Mauerwerk neu ver-
augenfällige Struktur. unzureichende Nachbehandlung. Ein wich- putzt. Dieses Verfahren kommt auch bei der
tiges Baudetail ist der oft stiefmütterlich be- Trockenlegung von Gebäuden, etwa nach
>> Unter Druck > Verbesserte Eigenschaften 2021 www.report.at> sanierung
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Frischer Glanz für a
Beim Thema Gebäudesanierung steht heute meist die Material – von der Vorbehandlung des Un-
tergrundes über Putze für händische oder
thermische Sanierung im Vordergrund. Die Instandhal-
maschinelle Verarbeitung bis zu Kalkfar-
tung von feuchten und schadsalzbelasteten Mauerwerken ben auf biologischer Basis. Diffusionsoffene
oder gerissenen Fassaden ist weitaus aufwendiger, lohnt mineralische Anstriche lassen die Wände
quasi »atmen«. Als Bindemittel steht natu-
sich aber.
rhydraulischer Kalk (NHL) zur Verfügung.
Von Angela Heissenberger Für die orginalgetreue Erhaltung von Bau-
denkmälern wurde klassischer Sumpfkalk
wiederentdeckt.
Die Wahl von Bad Ischl zur eu- feuchter und rissiger Wände aufgeschoben Die für die Sanierung entwickelten Put-
> ropäischen Kulturhauptstadt 2024
bedeutet nicht nur für die Kultur-
wird, desto aufwendiger und kostspieliger
wird die Angelegenheit, insbesondere wenn
ze zeichnen sich durch eine deutlich höhere
Widerstandsfähigkeit aus, wie Baumit-Ge-
institutionen des Salzkammerguts eine orga- es sich um denkmalgeschützte Objekte schäftsführer Georg Bursik bestätigt: »Bei
nisatorische Herausforderung. Die prestige- handelt. der Sanierung ist heute weniger das Material
trächtige Auszeichnung will die ganze Regi- Abgesehen vom kulturellen Wert profi- der Kostenfaktor, sondern vielmehr der ma-
on rund um die Kaiserstadt als Chance nüt- tieren von einem gesunden Raumklima die nuelle Arbeitsaufwand.« Die leichtere Verar-
zen und sich so richtig »herausputzen«. Auf Bewohner bzw. Besucher der historischen beitbarkeit der Baustoffe, vor allem bei ma-
die Baubranche kommen eine Reihe von Sa- Gebäude gleichermaßen. nuellen Techniken, kommt diesem Umstand
nierungs- und Infrastrukturprojekten zu, entgegen.
u.a. die Renovierung des Lehartheaters, des >> Breite Palette > Salze, Algen und Spinnen 2021 www.report.atsanierung >
werkserhaltung und Denkmalpflege (WTA)
geregelt.
Beim Instandsetzen von Putzen werden
Spuren durch die Nutzung oder äußere Ein-
wirkungen beseitigt. Diese sollten sorgfältig
und gewissenhaft erfolgen, damit die aus-
gebesserten Stellen nach Möglichkeit kaum
erkennbar sind und dieselben Mängel nicht
nach kurzer Zeit abermals auftreten.
Risse gibt es in alten Putzgründen fast
immer. Treten sie bei Neubauten auf, ist die
Ursache in konstruktiven oder Verarbei-
tungsfehlern zu suchen. Spätere Belastungen
sollten bereits bei der Planung berücksichtigt
werden.
Die Putzflächen sind vor zu schneller
Austrocknung zu schützen; bei starker Son-
neneinstrahlung ist gegebenenfalls Beschat-
tung und vorsichtiges Benetzen mit Wasser
notwendig. In Kellerräumen herrscht dage-
gen manchmal zu hohe Luftfeuchtigkeit, wo-
durch der Putz zwar erhärtet, aber nicht rich-
tig austrocknen und damit seine hydropho-
ben Eigenschaften nicht entwickeln kann.
Für salzbelastete Mauern sollten spezi-
elle Sanierputze zum Einsatz kommen. Sie
lassen Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk
nur wenige Millimeter weit eindringen. Das
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alte Werte
Wasser verdunstet und die dabei auskristalli-
sierenden Salze werden in den Poren des Put-
zes eingelagert. Somit bleibt die Putzoberflä-
che trocken und frei von Ausblühungen und
das Mauerwerk wird vor weiterer Schädi-
gung geschützt.
Bedingt durch ihre Struktur und Funkti-
nische Beanspruchung, vor allem am Sockel, on müssen Sanierputzsysteme schnell festi-
und unsachgemäße Nutzung verursachen gen und sind deshalb hydraulisch gebunden.
Schäden. Sanierputze zeichnen Von einer chemischen Salzbehandlung, bei
Bei der mechanischen Verwitterung wird
das Gefüge des Putzes durch Volumenver-
sich durch eine der lösliche in schwer lösliche Verbindungen
umgewandelt werden, rät die WTA ab, da
größerung beeinträchtigt; diese kann durch besonders hohe die Behandlung meist nur mäßig erfolgreich
Frost, Frost-Tau-Wechsel oder Salzkristalli- oder gar wirkungslos ist.
sation eintreten. Chemische Verwitterung Beständigkeit
entsteht durch Bindemittelverlust bei Lö- aus. >> Alte Putze erhalten > Mängeln vorbeugen> Sanierung
in der Krise so besonders wichtigen Arbeits-
plätze aus der Region«, erklärte Klima-
schutzministerin Leonore Gewessler beim
Start der Aktion.
>> Was wie gefördert wird reich der thermischen Sanierung
des Gebäudebestandes ist groß
Gasheizsystemen und die klimafreundliche
Sanierung von Gebäuden. Dass die Sanie-
n Bundesinnung Bauhilfsgewerbe
n Bundesinnung Maler und Tapezie-
rer
und dringend. Um den Energieverbrauch bis rungsoffensive gleich auf zwei Jahren ausge-
2040 zu halbieren, muss die Effizienz im Ge- weitet wurde, soll für zusätzliche Planungssi- n ARGE Qualitätsgruppe Wärme-
bäudebereich gehoben werden. Potenzial ist cherheit in wirtschaftlich schwierigen Zeiten dämmsysteme (QG)
ausreichend vorhanden. Doch noch gibt es sorgen. »Die Sanierungsoffensive umfasst n Güteschutzgemeinschaft WDVS-
laut Wohnbaucheck von Global 2000 zu we- 650 Millionen Euro für zwei Jahre, das ist ein Fachbetrieb
nige thermische Sanierungen, um die Klima- Rekordbudget für klimafreundliches Heizen n Österreichische Arbeitsgemein-
ziele zu erreichen. Deshalb hat Klimaschutz- und Sanieren. Denn im Kampf ge- schaft Putz (ÖAP)
ministerin Leonore Ge- gen die Klimakrise gibt es keine n Fachvereinigung Mineralwollein-
wessler im Februar den Ausreden. Die Sanierungsoffen- dustrie Österreich (FMI)
Startschuss für die lang er- sive bringt uns im Klimaschutz n Österreichische Fachvereinigung
sehnte Sanierungsoffensive voran und schafft gleichzeitig die für Polystyrol-Extruderschaum
Foto: iStock, PID/Martin Votava
gegeben. Insgesamt 650 (ÖXPS)
Millionen Euro stehen in n Gebäudehülle+Dämmstoff Indust-
Mit drei Foldern zu den drei För-
den nächsten beiden Jahren derschienen will der Zusammen- rie 2050 (GDI 2050)
für den »Raus aus Öl und schluss der Bauwirtschaft das n Zentralverband Industrieller Bau-
Gas«-Bonus und den »Sanie- Interesse an Sanierung steigern produktehersteller (ZIB)
und über die Fördermöglichkeiten
rungsscheck« zur Verfügung. informieren. n Plattform Fenster Österreich
Gefördert werden damit der
> 2021 www.report.atSanierung >
>> Schulterschluss der Baubranche
Wien zählt beim Thema eines Sanierungskonzepts gefördert.
wurde sie von der ARGE Qualitätsgruppe
Klimaschutz aufgrund der Damit Sanierungsleistungen von
Wärmedämmsysteme. An Bord sind 13 Part-
hohen Qualität und Innovati- Beginn an besser vorbereitet werden
ner (siehe Kasten). Ihr gemeinsames Ziel: ein
onskraft des Wiener Wohnbau-Mo- können, werden Sanierungskonzepte
energieeffizienter Gebäudebestand und da-
mit ein Weg aus der Klima-, Arbeitsmarkt- dells schon seit vielen Jahren zu den mit bis zu 5.000 Euro und mit bis zu 50
und Wirtschaftskrise. Mit an Bord ist auch internationalen Vorreitern. Mit der Prozent der nachgewiesenen Kosten
die Österreichische Arbeitsgemeinschaft neuen Sanierungsnovelle, die ab Mai gefördert.
Putz ÖAP. »Die ÖAP fördert modernste 2021 gelten wird, soll diese Position
n Umstellung auf Einmalzuschüsse:
Standards und höchste Verarbeitungsquali- noch einmal kräftig ausgebaut werden.
Zu den wichtigsten Änderungen Um die Attraktivität und die Planbar-
tät im Bereich Putz und begrüßt die Sanie-
zählt die Umstellung auf Einmalzu- keit zu erhöhen, werden bestimmte
rungsoffensive. Auf der Homepage der ÖAP
schüsse, die Erhöhung der Förderzu- Förderungen nun als Einmalbeträge
sind Fachunternehmen gelistet, deren Mitar-
schüsse, die stärkere Förderung der ausgezahlt und nicht mehr – wie
beiter durch zertifizierte Ausbildungen wie
z.B. zum zertifizierten Putz- bzw. WDVS- Umrüstung auf effizientere alternative früher – als Zuschüsse für die Kredit-
Fachverarbeiter qualitativ punkten«, erklärt Energiesysteme und die erstmalige rückzahlung überwiesen.
ÖAP-Vorstand Christian Lautner. Förderung eines Sanierungskonzepts. n Umrüstung auf effizientere alterna-
Ein Teil der Kampagne zur Bewerbung Die Summe der Mehrkosten durch die tive Energiesysteme:
der Sanierungsoffensive der Bundesregie- erhöhten Förderungen wird geschätzt Der Tausch von Heizsystemen wird
rung sind drei Folder: »Sanierungsscheck bei jährlich rund 12 Millionen Euro nun noch stärker gefördert; die Förde-
für Private – Ein-/Zweifamilienhaus, Rei- liegen. Zusätzlich rechnet die Stadt mit rung wird von 30 Euro auf 50 Euro pro
henhaus«, »Sanierungsscheck für Private – jährlich maximal 8,75 Millionen Euro
Quadratmeter Nutzfläche erhöht. Und
Mehrgeschoßiger Wohnbau«, »Investitions- an nichtrückzahlbaren Einmalzuschüs-
der maximale Fördersatz wird von 30
förderung für Betriebe«. Die Folder geben ei- sen, die für rund 1.000 erwartete
Prozent auf 35 Prozent erhöht.
nen Einblick über Förderbedingungen und Heizungsumstellungen im Eigenheim-
einen Überblick über den Förderablauf und bereich pro Jahr verwendet werden. n Erhöhung der Förderzuschüsse:
sollen generell das Interesse an thermischer Die Höhe der zwei höchsten Förder-
Gebäudesanierung bestärken. Relevante >> Eckpfeiler der Sanierungsverord- stufen wird bei der thermisch-energe-
Links führen auf die offiziellen Fördersei- nung> Forschung
26
Bauen Reale Perspektiven mit
2050 visionärem Charakter
Nur mit gebündelter Kompetenz lassen sich die Herausforderungen des zukunftsfähigen Bau-
ens bewältigen. Forschung und Industrie werden enger als bisher zusammenarbeiten. Die
Politik kann diese nötigen Kooperationen forcieren. Das waren die zentralen Erkenntnisse der
hochkarätig besetzten Expertendiskussion der Forschungsplattform ReConstruct.
>
Klimapolitik und Energiewen- ment. Um all das zu verwirklichen, wurde zepte und die Beachtung von Faktoren, die
de lassen die Baustoffindustrie ih- ReConstruct ins Leben gerufen: als For- über das Bauen hinausgehen, wie etwa neue
re Schlüsselrolle neu betrachten. schungsplattform zur Zukunft des Bauens in Geschäftsmodelle und soziale Fragen. Mit
Bauen trägt als Gesamtlösung zu den drin- Partnerschaft von WIFO, Sustainserv Zürich den sich abzeichnenden Innovationen kann
gend nötigen Veränderungen bei. Wie die - Boston, Center for European Policy Studies die Baustoffindustrie zu einem Enabler für
Baustoffindustrie die Errichtung von zu- Brüssel, Wegener Center an der Universität zukunftsfähige Wirtschaftsstrukturen wer-
kunftsfähigen Infrastrukturen ermöglichen Graz, gefördert vom Fachverband der Stein- den. Die komplexe Aufgabe verlangt inten-
kann, zeigte die Forschungsplattform Re- und keramischen Industrie. sive Kooperation. »Erst die Verknüpfung von
Construct bei einer Online-Expertendiskus- praktischer und wissenschaftlicher Kompe-
sion anhand von Case Studies auf. >> Schlüsselrolle der Baustoffindustrie > Ein sauberer Planet für alle > Reale Projekte als Leitbild 2021 www.report.atForschung >
Vor Ort im APA-Zentrum diskutierten Klimaschutzministerin Leonore Gewessler, Renate Hammer, Institute of Building Research & Innovation, und Chris-
tian Egenhofer, Leiter des Energy and Climate Programme am Center for European Policy Studies unter der Leitung von News-Chefredakteurin Kathrin
Gulnerits. Peter Richner, stellvertretender Direktor EMPA, und Stephan Lienin, Managing Partner von Sustainserv, waren aus der Schweiz zugeschaltet.
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für zukunftsfähiges Bauen. In der Diskus- energienetze sowie die Schließung der Bau-
sion wurden wegweisende Projekte aus der stoffkreisläufe. Das sind zentrales Features das podium
Schweiz vorgestellt, in deren Planung die zu- des Projektes NEST, das nahe Zürich als
> Leonore Gewessler,
kunftsorientierten Konzepte bereits einflie- Experiment im Maßstab 1:1 abläuft. Unter
Klimaschutzministerin
ßen. In Risch Rotkreuz entsteht auf einem Verwendung moderner Technologien wer-
ehemaligen Industriegelände das Quartier den Einzelgebäude über Gas-, Strom-, Wär- > Stephan Lienin,
Suurstoffi, ein »Dorf im Dorf«, wo 7.000 me- und Informationsnetze miteinander Managing Partner von Sustainserv
Menschen leben und arbeiten sollen. Bauen verbunden. »Damit kann ein Maximum an
> Peter Richner,
und Mobilität gehen Hand in Hand mit in- erneuerbarer Energie lokal gewonnen und
teressanter Architektur und viel Grün. Beim verwendet werden. Zudem wird die motori- stellvertretender Direktor EMPA
Faktor Energie im Betrieb setzt man auf sierte Individualmobilität mit einbezogen – > Renate Hammer, Geschäftsfüh-
Selbstversorgung und Effizienz, dafür wer- so wird auf eine Neuordnung der gesamten rerin Institute of Building Research
den solare Elektrizität, Erdsonden sowie re- Energiedistribution hingearbeitet«, führte & Innovation
zyklierte Abwärme eingesetzt. Peter Richner aus, stellvertretender Direktor
»Nicht mehr der Baustoff, sondern die des interdisziplinären Forschungsinstituts > Christian Egenhofer, Leiter des
Ansprüche an dessen Funktionalität sollten Energy and Climate Programme am
der Startpunkt für weitere Entwicklungen – >> Transformation im BauenSie können auch lesen