Arbeitsbericht - Themen, Projekte und Entwicklungen 2015/2016 - Landesjugendring Baden-Württemberg
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IMPreSSUM
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Landesjugendring Baden-Württemberg e.V.
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Autor*innen
Anja Mütschele, Alexander Krickl, Beate Baur, Bendix Wulfgramm,
Mit Bildern von:
Bistra Ivanova, Claudia Daferner, Daniel Mühl, Gerlinde Röhm,
Heiko Bäßler, Jürgen „Buddy“ Dorn, Kai Mungenast, Karoline BUNDjugend Baden-Württemberg
Gollmer, Kerstin Sommer, Martin Burger, Nikolaj Midasch, Peter www.bundjugend-bw.de
Martin Thomas, Reiner Baur, Robby Höschele Stadtjugendring Reutlingen
www.sjr-rt.de
Redaktion Junge Europäer – JEF
Karoline Gollmer, Eva Reinhardt www.jef-bw.de
Redaktionsschluss: Dezember 2016
JDAV BW,
Layout www.jdav-bw.de
Eva Reinhardt DPSG Freiburg
www.dpsg-freiburg.de
Verantwortlich Naturfreundejugend Baden
Kerstin Sommer (Vorsitzende)
www.naturfreundejugend-baden.de
Reiner Baur (Stellv. Vorsitzender)
Pfadfinderinnenschaft St. Georg
Bendix Wulfgramm (Stellv. Vorsitzender)
www.psg-freiburg.de
Druck Jugendfeuerwehr BW
TYPo factory, Stuttgart www.jugendfeuerwehr-bw.de
Kreisjugendring ostalb
Auflage www.kjr-ostalb.de/
750 Exemplare
Kreisjugendring Rems-Murr
Fotos und Bildnachweise www.jugendarbeit-rm.de
Titelseite: Jugend im Schwarzwaldverein Jugend im Schwarzwaldverein
www.jugend-im-schwarzwaldverein.de
Seite:
Arbeiter-Samariter-Jugend Baden-Württemberg
05 © Albrecht E. Arnold/PIXELIo, www.pixelio.de
www.asj-bw.de
10 BUNDjugend Baden-Württemberg
Stadtjugendring Leinfelden-Echterdingen
11 Naturfreundejugend Baden www.sjr-le.de
14 Kreisjugendring ostalb Stadtjugendring Nürtingen
24 Stadtjugendring Leinfelden-Echterdingen www.jugendagenturnuertingen.de
Stadtjugendring Nürtingen
29 Eva-Maria Kühling/Jugend hackt (CC BY-4.0), Die Bildrechte für alle Fotos ohne namentlichen Nach-
www.jugendhackt.org/ weis liegen beim Landesjugendring Baden-Württemberg.
45 © Rainer Sturm/PIXELIo, www.pixelio.de
Stuttgart im Februar 2017
47 Landesjugendring BW/Tobias Heink
48 © nero/PIXELIo, www.pixelio.de2/3 Vorwort Liebe Leserinnen und Leser, hinter uns liegen zwei bewegte Jahre. Es hat sich viel verändert – in der Landespolitik, für die Jugendarbeit und für uns. Die vielen Erfolge, aber auch die vielen Herausforderungen, die sich aus diesen beiden Jahren ergeben haben, gibt dieser Arbeitsbericht wieder. Dreh- und Angelpunkt vieler Themen war die Landtagswahl 2016. Erfreulich war die breite Unterstützung unserer Kampagne „Jugendarbeit ist MehrWert“ durch die Landtagskandidatinnen und -kandidaten im Vor- feld der Wahl. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an unsere Mitgliedsorganisationen, deren Einsatz ausschlaggebend war für diesen Erfolg. Auch die Sommerkampagne 2016 war ein schönes Highlight in der letzten Vorstandsperiode. Über Höhen, aber auch Tiefen berichten wir im Kapitel „Jugendpolitik und Interessen vertretung“. Eine Herausforderung und deutliche Warnung an die demokratischen Parteien und die Zivilgesellschaft war 2016 der Einzug einer rechtspopulistischen Partei in den Landtag. Mehr denn je ist auch die Jugendarbeit gefragt, deutlich Stellung zu beziehen und sich in die gesellschaftliche Debatte einzumischen. Mit Projekten und Programmen zur politischen Bildung und zur Jugendbeteiligung wollen wir dazu beitragen. Hier zeigte sich immer wieder, dass Kinder und Jugendliche eine Meinung und politischen Willen haben. Mehr dazu im Kapitel „Politische Bildung und Partizipation“. Ein großer Erfolg für die Landespolitik war die Änderung des Paragrafen 41a der Gemeindeordnung: Jugend beteiligung ist nun ein Muss auf kommunaler Ebene. Zwar verläuft die konkrete Umsetzung nicht ganz ohne Turbulenzen. Aber die überfällige Entscheidung, Kinder und Jugendliche viel stärker und verbindlicher zu Mitgestalterinnen und Mitgestaltern ihres Umfelds zu machen, ist und bleibt richtig. Viele andere Themen, die wir bewegen und umsetzen, waren ebenfalls von aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen geprägt: sei es „Kooperation Jugendarbeit und Schule“ vor dem Hintergrund der Ganztagsschule, oder Frei räume für die Qualifizierung fürs Ehrenamt, Stichwort „Bildungszeitgesetz“. Die Höhen und Tiefen bei diesen und weiteren Themen sind im dritten Kapitel nachzulesen. Viel Veränderung gab es auch im Landesjugendring selbst. Im November 2015 konnten wir zwei neue Mitglieds organisationen begrüßen und 2016 verließen uns zwei Vorstandsmitglieder und zwei neue kamen dazu. Neue Gesichter gibt es auch in der Geschäftsstelle. So sind Abschiede und Neuanfänge in der Jugendarbeit alltäglich. Manche kommen dann aber doch überraschend und sind für immer. So mussten wir uns im April 2016 von Brigitte Gonser verabschieden. Wir werden sie als die gute Seele unserer Geschäftsstelle in guter Erinnerung behalten. Mehr dazu könnt ihr im Kapitel „Landesjugendring“ lesen. Wir danken unseren vielen Gesprächspartnerinnen und -partnern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Landesjugendring-Geschäftsstelle für die gute Zusammenarbeit in den letzten beiden Jahren! Und wir danken ganz herzlich unseren Mitgliedern, ohne die und deren Fotos nicht nur unser Arbeitsbericht wesentlich langweiliger wäre. Viel Spaß beim Lesen des Arbeitsberichts wünschen Kerstin Sommer, Vorsitzende (Evangelische Jugend Baden) Reiner Baur, stellvertretender Vorsitzender (BUNDjugend) Bendix Wulfgramm, stellvertretender Vorsitzender (BDKJ)
4/5
Inhaltsverzeichnis
01 Jugendpolitik und Interessenvertretung Seite
Seite 40 Vielfalt und Inklusion
7 Zukunftsplan Jugend 41 Umsetzung des Zukunftsplans Jugend
8 Neue Bundesstatistik zu Angeboten der Vernetzung
Kinder- und Jugendarbeit 42 AG Anerkennen und Erinnern
9 Fachforum Demographie Kommission Vielfalt und Inklusion
10 Beschluss zum Umgang mit der AfD 43 Strukturaufbau neuer Jugendorganisationen
11 Landtagswahl 2016 – Wie geht es weiter?
12 Jugendpolitische Gespräche 44 Ehrenamtliches Engagement
15 Sommerkampagne 2016 Jahrestagungen der Bildungsreferent*innen
16 Youth Refugee Council 45 Bildungszeitgesetz
18 Bildungsreferent*innen Programm Standards der Jugendleiter*innen-Ausbildung
AG Finanzen Neuauflage des Juleica Handbuchs
20 Jugendarbeit ist MehrWert
46 Nachhaltige Entwicklung
02 Politische Bildung und Partizipation Forum „Change Agents!“
BNE – Wir bleiben dran!
SEITE
Jugendarbeit // Zukünftig Nachhaltig
23 Was uns bewegt
GruppenFAIRpflegung // DBU-Vorhaben
24 Kindergipfel
47 BNE an Schulen fördern
25 Vielfalt in Partizipation
Beschluss zur Klimakonferenz in Paris
26 Wir sind dabei!
U18-Wahl
48 Bildung
28 In Zukunft mit uns!
Neuer Bildungsplan
Kooperationsfachstelle Jugendarbeit und Schule
30 Akademie der Jugendarbeit
49 Entwicklung der Ganztagsschule
03
50 Umsetzung des Bundeskinderschutzgesetzes
Themen umsetzen Vernetzung
SEITE
33 Medien 04 Landesjugendring
Medienbildungsstrategie des Landes SEITE
34 funk – das neue Onlineangebot von ARD und ZDF 53 Forum Landesjugendplan
Fortbildung Medienpädagogik für Multiplikator*innen Tickets ins Übermorgen
35 SWR-Rundfunkrat Web-Relaunch
54 Mitgliedsorganisationen
36 Kommunales 56 Vorstand und Fachbereiche
Einführung in die jugendpolitischen Strukturen 58 Immer in Bewegung
37 Ringtagung 59 Die Geschäftsstelle in der neuen Vorstandspersiode
38 dreimaldrei – Stärkung der Jugendringe vor Ort 60 Außenvertretungen
39 Änderung der Gemeindeordnung 62 Publikationen6/7
Zukunftsplan Jugend
Der Zukunftsplan Jugend (ZPJ) wurde im Frühjahr 2013 mit der meldungen wurde jedoch deutlich, dass zum einen die Teil
Landesregierung unterzeichnet, mit einer Laufzeit bis Ende nahme der Wissenschaft vermisst wurde und an wichtigen
2016. Die Geschäftsstelle im Sozialministerium für den Stellen auch das politische Gegenüber.
Zukunftsplan Jugend wurde erst im Frühsommer 2014
2015 wurde noch der Zwischenbericht zum Zukunftsplan
besetzt – also erst ein Jahr nach der Unterzeichnung. Für die
Jugend veröffentlicht, er kann auf der Homepage des Ministe-
Arbeit im ZPJ wurde eine Lenkungsgruppe eingerichtet, die
riums heruntergeladen werden. Zum 01.05.2016 war dann die
über Projektanträge beraten sollte. Die Entscheidung, ob
Geschäftsstelle des Zukunftsplans Jugend nicht mehr besetzt.
Programme und Projekte in die Umsetzung kamen, hat
Nach den Wahlen im Frühjahr 2016 haben außerdem weder
letztendlich die Ministerin Katrin Altpeter gefällt.
die Arbeitsgruppen noch die Lenkungsgruppe getagt, die für
Für die Inhaltliche Umsetzung wurde in fünf Arbeitsgruppen November geplante Abschlussveranstaltung wurde nicht durch-
gearbeitet: geführt. In diesem Rahmen sollten eigentlich die Ergebnisse aus
• AG 1 Kooperation und Netzwerke – Schule und Kinder- und den geförderten Projekten vorgestellt werden.
Jugendarbeit /Jugendsozialarbeit, lokale und regionale
Nachdem die Lenkungsgruppe nicht mehr getagt hat, haben die
Bildungsnetze
Partner für sich eine Auswertung des Zukunftsplans Jugend vor-
• AG 2 Neue Zielgruppen /Förderung der Vielfaltsstruktur
genommen, um auf deren Grundlage Ideen für einen weiterfüh-
• AG 3 Partizipation und Verantwortungsübernahme
renden Prozess zu entwickeln. Diese Ideen wurden im Herbst
• AG 4 Öffentliche Darstellung der Kinder- und Jugendarbeit /
2016 dem Minister für Soziales und Integration zur Kenntnis
Jugendsozialarbeit
gegeben.
• AG 5 Transparentes, leistungsbezogenes Förderwesen
Der Landesjugendring hat im Rahmen des ZPJ verantwortlich
Die Arbeitsgruppen zu den inhaltlichen Themenstellungen
folgende Projekte durchgeführt, ausführliches dazu bei den
haben eine Fülle von fachlich hervorragenden Vorschlägen an
Projekten im Arbeitsbericht:
Programmen, Projekten und Maßnahmen erarbeitet. Allerdings
• Strukturaufbau neuer Jugendorganisationen (Seite 39)
hat es sehr lange gedauert, bis diese ausgeschrieben wurden
• VIP – Vielfalt in Partizipation (Seite 19)
bzw. in der Umsetzung waren.
Fazit
Problemstellungen und jähes Ende
In der Rückschau auf vier Jahre Zukunftsplan Jugend lassen
Immer wieder kam es auch zu inhaltlichen Differenzen mit
sich folgende zentrale Punkte festhalten:
dem Ministerium, insbesondere wenn es um die Umsetzung
• Ein Verdienst des ZPJ besteht darin, dass die Kinder- und
der Programme und Projekte ging. So sollte z.B. das Programm
Jugendarbeit in den Fokus der Landepolitik gerückt ist –
„Erste Schritte der Kooperation Jugendarbeit und Schule“ im
damit allerdings nicht in den Fokus des Landtags;
Nachhinein im Rahmen der praktischen Maßnahmen aus dem
• der Zeitaufwand für den ZPJ war enorm hoch;
Landesjugendplan gefördert werden, ohne eine verpflichtende
• die zusätzlichen 10 Mio. Euro haben in den Jahren des
kooperative Anbindung an Schulen. Mit dieser Entscheidung
ZPJ den Landesjugendplan erheblich aufgestockt, so dass
wurden weder die in der Arbeitsgruppe beteiligten Fachleute
zahlreiche Programme und Projekte durchgeführt werden
ernst genommen, noch den Anforderungen der Jugendarbeit
konnten;
Rechnung getragen.
• es wurden 18 von vorgesehenen 22 neuen Bildungsre
Auch gab es den Vorschlag des Sozialministeriums, ein Förder- ferent*innen-Stellen geschaffen, allerdings zum Preis der
programm zum Strukturaufbau neuer Jugendverbände auf Umstellung von einer Anteils- auf eine Pauschalförderung;
Landesebene als einziges Vorhaben komplett zu streichen. • der Austausch zwischen den Partnern im Zukunftsplan
Obwohl das von der AG 2 „Neue Zielgruppen/Förderung der Jugend fand auf einem fachlich sehr hohen Niveau statt;
Vielfaltskultur“ vorgelegte Konzept positiv eingeführt und • der gesetzliche Auftrag der Kinder- und Jugendarbeit
bewertet wurde. Die Streichung konnte dann aber verhindert unterscheidet sich von dem der Jugendsozialarbeit. Für die
werden. Zukunft müssen beide, auch in der jeweiligen Umsetzung,
fachpolitisch klar unterscheidbar bleiben;
Es wurden zahlreiche Expertisen z.B. zum Thema Inklusion,
• auch ist für den LJR klar, dass es eine Stärkung der Struktu-
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Partizipation
ren braucht und weniger „Modell“-Projekte. .
erstellt. Im September 2015 fand der Kongress Jugendarbeit
Kerstin Sommer
2020 in Esslingen statt. Inhaltlich war er sehr gut, in den RückDIe NeUe BUNDeSStAtIStIK ZU ANGeBoteN Der KINDer-
UND JUGeNDArBeIt
Die bis zum Jahr 2008 alle vier Jahre durchgeführte „Statistik hat er sich dafür eingesetzt, den zusätzlichen Arbeitsaufwand
der Maßnahmen der Jugendarbeit“ wurde für das Berichts- dafür so gering wie möglich zu halten.
jahr 2012 ausgesetzt. Der Landesjugendring unterstützte das
2017 wird sich einerseits zeigen, ob die nun vorliegenden Daten
Ziel, mit einem zeitgemäßen neuen Verfahren regelmäßig
für 2015 die Jugendverbandsarbeit in Baden-Württemberg
vergleichbare Daten über die Jugendarbeit zu erheben und
aussagekräftig darstellen können. Andererseits zeigt sich schon
entsprechend auszuwerten. Er sieht es im Interesse der Jugend-
jetzt aus den Erfahrungen der ersten Erhebung nach dem neuen
verbände und –ringe, mit einer wiederkehrenden Datener-
Verfahren, dass das Verfahren weiterentwickelt werden muss.
hebung die Reichweite von Jugendverbandsarbeit wissen-
Eine große Hoffnung ist dabei, dass die Erhebung dann ohne
schaftlich quantitativ aufzeigen zu können.
großen Zusatzaufwand funktioniert, wenn sie über das derzeit
Nach entsprechender Änderung des SGB VIII wurden rückwir- vom Evangelischen Jugendwerk Württemberg entwickelte
kend für das Jahr 2016 in einem neuen Verfahren statistische online-System „oaseBW“ zusammen mit der Antrags- und
Daten zu Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit erhoben. Nachweiserstellung automatisch mit erfolgen kann. .
Dieses bundesweite Verfahren wurde u.a. in Baden-Württem- Buddy Dorn
berg vorab getestet. In Abstimmung und Kooperation mit dem Mehr zum neuen Antragssystem:
statistischen Landesamt hat der Landesjugendring die Jugend- www.oase-bw.de
verbände 2015 über die Erhebung im Land informiert. Zugleich
KERSTIN SoMMER
RÜCKBLICK 2015/2016
Für mich war die letzte Spannend war auch das Kapitel „Zukunftsplan Jugend“, seine
Vorstandsperiode sehr Projekte durchzuführen, auszuwerten und zu sehen, was wir
stark geprägt durch die daraus für Erkenntnisse für die Zukunft gewinnen. Außer-
Landtagswahlen. Im dem war während der ganzen Vorstandsperiode das Thema
Vorfeld ging es darum, wie Bildungsreferent*innen hoch brisant, sehr zeitintensiv und wird
wir unsere Themen in den uns wohl auch noch länger begleiten.
Wahlkampf einbringen und
Hinzu kamen dann auch noch die Veränderungen im Vorstand
den „MehrWert“ der Kinder-
(Rücktritt Martin Burger) und Geschäftsführendem Vorstand
und Jugendarbeit deutlich
(Rücktritt Kai Mungenast), in der Geschäftsstelle mit dem Tod
machen können. Nach der
von Brigitte Gonser; das alles hat mich und den Landesjugend-
Wahl, war dann irgendwie
ring beschäftigt. Viel Zeit zum Durchatmen gab es nicht, alles
wieder wie davor. Kontakte knüpfen, unsere Themen an die
war im Fluss und wir mussten ständig mit den neuen Herausfor-
Politik herantragen und und und… Es war eine spannende Zeit,
derungen aus Politik und Verwaltung, den Veränderungen in der
sehr arbeitsintensiv und mit vielen Einblicken in das System
Geschäftsstelle umgehen – und dabei durfte das Tagesgeschäft
Politik und Verwaltung.
nicht untergehen.•8/9
Wie wirkt Demografie auf die verbandliche
Jugendarbeit in Baden-Württemberg?
Forum mit der Baden-Württembergischen Sportjugend am 19.10.2016
Im Zentrum der Fachveranstaltung stand die Frage nach den Jugendverbände sind gefordert. Die kräftigen Rückgänge junger
spezifischen Herausforderungen der verbandlichen Kinder- und Menschen werden gerade im ländlicheren Raum Mehraufwand
Jugendarbeit. Was heißt „demografischer Wandel“ für junge in Logistik und Organisation erzeugen. Stadt- und Gemeinde-
Menschen? Was bedeutet er für die verschiedenen Aktivitäten grenzen überschreitende, aber auch verbandsübergreifende
in Sportvereinen und Jugendgruppen? Was bringt er aber auch Kooperationen werden notwendig. Zugleich schrumpft die Zahl
im Blick auf das ehrenamtliche Engagement in Vereinen und ehrenamtlich tätiger Jugendlicher und junger Volljähriger
Verbänden? infolge der demografischen Dynamik massiv. Die erfolgreiche
Pflege und Unterstützung der weniger werdenden Ehrenamt
Zunächst bedeutet demografischer Wandel für Baden-Württem-
lichen einerseits und Ausgestaltung eines hinreichenden
berg, dass schon aus sozialpolitischen und volkswirtschaft-
„professionellen Rückgrats“ bis 2020 sind die aktuellen stra
lichen Gründen alle jungen Menschen einen Platz in der Gesell-
tegischen Herausforderungen, mit denen die Jugendverbände
schaft finden müssen damit sie künftig die Gesellschaft aktiv
umgehen müssen.
tragen können. Deshalb liegt die Quintessenz der Analysen von
Dr. Ulrich Bürger (KVJS-Landesjugendamt) in einem Paradox: Anders gesagt: Im demografischen Wandel gewinnt die
Entgegen einer auf den ersten Blick plausiblen Annahme erfor- Absicherung einer hinreichend tragfähigen professionellen
dert der demografische Wandel und der damit verbundene Basisstruktur erheblich an Bedeutung. Und schließlich müs-
zahlenmäßige Rückgang nicht weniger, sondern mehr Engage- sen die Jugendverbände im eigenen Interesse die politische
ment und mehr Investitionen in die junge Generation und damit Bildung junger Menschen auch im Blick auf ihren zunehmenden
auch in die Kinder- und Jugendarbeit durch das Land aber auch Minderheitenstatus in einer alternden Gesellschaft forcieren. .
die Gemeinden, Städte und Landkreise. Buddy Dorn
Aber nicht nur die politischen Entscheidungsträger*innen
müssen hier wirkungsvoll und schnell handeln. Auch die
© Albrecht E. Arnold / PIXELIO, www.pixelio.deBescHlUss ZUm UmGANG mIt DeR AFD
Die Vollversammlung des Landesjugendrings hat im April 2016 Die Jugendverbände in Baden-Württemberg stehen für Welt-
darüber diskutiert, wie mit der rechtspopulistischen Partei AfD offenheit, Vielfalt und Toleranz, die AfD hingegen vertritt mit
umzugehen ist. Inhaltlich waren sich die Jugendverbände darü- ihrem Programm und dem Handeln ihrer Funktionär*innen
ber einig, dass Demokratie von der Auseinandersetzung um die Positionen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und
richtigen politischen Wege und Konzepte lebt. Dem wollen sie stachelt damit zu Vorurteilen und Hetze an. Folglich hat die
sich nicht verschließen. Bei der AfD wurden aber keine Schnitt- Vollversammlung beschlossen, dass die AfD nicht zu den Veran-
mengen gefunden, sodass Gespräche mit den Abgeordneten staltungen, Kampagnen und politischen Aktionen des Landes-
dieser Partei auf das Notwendigste beschränkt werden sollen. jugendrings eingeladen wird.
Der Landesjugendring wird gegenüber dem Landtag Jugend- Sollte die Fraktion der AfD im Rahmen ihrer Landtagsarbeit Po-
interessen vertreten und die dafür notwendigen parlamentari- sitionen zu jugendpolitischen Fragen oder Fragen der Jugend-
schen Gespräche führen. Das betrifft die Zusammenarbeit mit verbandsarbeit einnehmen, wird sich der Landesjugendring
dem Landtag und seinen Ausschüssen. Mit wem der Landes- kritisch mit diesen auseinandersetzen. .
jugendring öffentlich auftritt und außerhalb von Landtags- Kerstin Sommer
gremien jugendpolitische Positionen diskutiert – das wird auf
der Grundlage der Satzung des Landesjugendrings entschieden.
KAI MUNGENAST
RÜCKBLICK 2015/2016
Plötzlich waren nach der Die inhaltlichen Konzepte der Parteien für die Probleme unserer
Landtagswahl alle ge- Zeit lesen sich zu häufig parteigefärbt und oberflächlich. Es wa-
schockt! Eine rechtpopulis- ren wohl viele Mosaiksteine, die zum Wahlergebnis 2016 geführt
tische Partei ist in unseren haben. Als ein solches Steinchen sehe ich die über Jahre stetige
Landtag eingezogen. Das Unterfinanzierung unseres schulischen und außerschulischen
Ergebnis so eindeutig, dass Bildungssystems. Dazu zählt für mich auch die nicht erfolgte
man nicht mehr von einer Anpassung von Zuschussquoten im Landesjugendplan.
Randerscheinung sprechen
Der Ausgang der Landtagswahl ist einer der vielen Gründe,
kann. Dabei kam das keines-
weshalb es die selbstorganisierte Jugendarbeit braucht. Etliche
wegs überraschend. Sicher,
Kandidatinnen und Kandidaten haben dies zur Landtagswahl
unter den AfD-Wähler*innen
angeblich erkannt und sich für unsere Kampagne „Jugend-
wird es etliche geben, die mit ihren Überzeugungen weit weg
arbeit ist MehrWert“ ausgesprochen. Wir haben nachgezählt:
von uns als Landesjugendring stehen. Dennoch scheint es auch
Wenn jede und jeder Abgeordnete zu seinem Wort steht, dürfte
einen großen Teil von Wählerinnen und Wählern zu geben, die
einer Stärkung der Jugendverbandsarbeit nichts im Wege ste-
mit ihrer Stimme Protest ausdrücken wollten.
hen! Oder heißt es doch wieder „Wir würden ja gerne, aber…“?
Die AfD ist für mich keine Alternative und die Wahl dieser Partei Das wurde schon viel zu oft gesagt und damit der AfD einen
für mich daher kein geeignetes Mittel des Protestes. Dennoch Boden bereitet.
muss sich die etablierte Politik mit diesem Ergebnis anfragen
Liebe Abgeordnete des Landestags, jetzt gilt es: Fördern Sie die
lassen. Als Landesjugendring-Vorstand habe ich es oft genug
Jugendverbände mit den Quoten 1:5, 25 Euro und 50 Prozent!
selbst erlebt: Gesprächsanfragen werden ignoriert, öffentliche
Denn damit fördern Sie junge Menschen darin, überzeugte Demo-
Grußwörter zu Wahlkampfreden missbraucht, Schuld ist immer
kraten zu werden die sich für unsere Gesellschaft einsetzen. .
die andere Fraktion („wir würden ja, aber…“).10/11
lANDtAGsWAHl 2016 – WIe GeHt es WeIteR?
Nach den Wahlen brauchte es seine Zeit, bis alles wieder in relevante Umstrukturierungen, so ist z.B. die Zuständigkeit für
Gang kam. Der Geschäftsführende Vorstand hatte gleich nach die Ganztagsschule aus der Jugendabteilung in ein Schulreferat
den Wahlen Kontakt zu der neuen Regierung aufgenommen. gewandert.
Aus den Koalitionsverhandlungen war lange nichts zu hören,
PARLAMENTARISCHER ABEND
bis dann bekannt wurde, dass die Jugendarbeit in den soge-
Zum ersten Mal hat am 20.07.2016 ein Parlamentarischer Abend
nannten „geheimen Nebenabsprachen“ mit einer Summe von
des Landesjugendrings stattgefunden, bei dem neben dem
10 Mio. beziffert wird.
Vorstand auch die Mitglieder der AG Finanzen die Gelegenheit
Erste Gespräche mit dem neuen Minister für Soziales und hatten mit dem Minister und anderen Regierungsvertretern
Integration, Manne Lucha sowie mit dem Staatssekretär des bzw. Abgeordneten ins Gespräch zu kommen.
Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport, Volker Schebesta
Der Parlamentarische Abend war kein offiziell angemeldeter.
wurden geführt. Ebenso mit der neuen Landtagspräsidentin
Damit wurde dem Beschluss der Vollversammlung zum Um-
Muhterem Aras und den neuen Jugendpolitischen Sprechern.
gang mit der AfD nachgekommen. Die Rückmeldungen aus der
Mit der neuen Spitze im Sozialministerium wurde auch das Politik zu diesem Abend, immerhin waren ca. 15 Abgeordnete
Referat Jugend umstrukturiert. Mitarbeitende haben das da, waren sehr positiv. Der Vorstand will in Zukunft das Format
Referat verlassen, die Neubesetzung dauerte aber einige Zeit. des parlamentarischen Abends gezielt einsetzen. .
Auch im Kultusministerium gab es für den Landesjugendring Kerstin SommerJugendpolitische Gespräche
2015
Jugendpolitischer Austausch Fachgespräch
Landtagspräsident Wilfried Klenk Demografie
Dr. Ulrich Bürger 21.09.
04.05 Konferenz der
25.06. Jugendlandtag 14.07
Landtag von Landesjugendringe
Baden-Württemberg Berlin
„In Zukunft mit uns“
Politikzug Jugendpolitisches Gespräch
Katrin Schütze,
12.05. 15.07.
Generalsekretärin CDU
Jugendpolitischer Austausch Fachtag „We have a dream“
07.07. 02.10.
Judith Skudelny, Generalsekretärin FDP Polizeipräsidium Stuttgart
2016
Jugendpolitischer Austausch
Landtagspräsidentin Muhterem Aras
01.08.
Jugendpolitischer Austausch
18.02.
„Jugendarbeit ist MehrWert“
mit MdLs Markus Rösler und Thomas Poreski (Grüne)
und Karl Klein und Felix Schreiner (CDU)
Jugendpolitischer Austausch
20.07.
Sozialminister Manne Lucha
17.02.
Konferenz der
Austausch über Jugendarbeit
Landesjugendringe
und junge Geflüchtete
Nürnberg
MdLs Wolfgang Reinhardt und
Felix Schreiner (CDU) 14.03.
20.07. Parlamentarischer Abend
MdLs von Fraktionen der Grünen,
CDU, SPD und FDP
im Hospitalhof Stuttgart12/13
Landesjugendring Forum Fachgespräch
Landtagswahlkampagne Landesfamilienrat, Landes
Theaterhaus Stuttgart frauenrat und Landesseniorenrat
12.11. 16.12.
20.11.
Konferenz „Zukunft Kinder-
und Jugendarbeit im Land-
Bilanztagung Beteiligung
09.11. kreis Ravensburg“
Bad Boll
Oberessendorf
18.11.
Bildungspolitischer Austausch
Jugendpolitischer Austausch Doro Moritz, Landesvorsitzende Gewerkschaft
Gemeinde-, Städte- und Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Landkreistag
12.11. 26.11.
Jugendpolitischer Austausch
Claus Schmiedel,
Fraktionsvorsitzender SPD
Jugendpolitisches Gespräch
Staatssekretär Volker Schebesta
Kultusministerium
19.10. Kindergipfel
19.11.
Landtag von Baden-Württemberg
Anhörung zum
Landesjugendplan
Haus der Abgeordneten
Austauschtreffen 26.10.
KVJS - Landesjugendamt 21.12.
Abschluss der Sommerkampagne
19.09. 24.10. im Landtags-Foyer
Konferenz der
Landesjugendringe
ErfurtBENDIX WULFGRAMM
RÜCKBLICK 2016
Auf der Vollversammlung Als wichtiger Akteur in der Jugendarbeit muss sich der Landes-
im Herbst 2016 wurde ich jugendring weiterhin für eine angemessene Finanzierung
zum stellvertretenden einsetzen. Insbesondere sehe ich daher einen Schwerpunkt
Vorsitzenden des Landes- darin, die finanzielle Regelförderung für die Jugendarbeit über
jugendrings gewählt. Ich das Bildungsreferent*innen-Programm des Sozialministeriums
freue mich über das Ver- sicherzustellen. Und auch die Forderungen der Kampagne
trauen und auf die Arbeit für „Jugendarbeit ist Mehrwert“ müssen weiter hochgehalten und
den Landesjugendring. Den an die Politik herangetragen werden.
Landesjugendring sehe ich
Ich persönlich habe sehr von der Jugendarbeit profitiert, erst
als einen starken Vertreter
als Teilnehmer, später als Gruppenleiter und als Verantwort-
der Kinder- und Jugendarbeit in Baden-Württemberg, der von
licher einer kirchlichen Jugendgruppe. Jetzt möchte ich, dass
der Politik ernst genommen wird und ein Partner auf Augen-
andere Kinder und Jugendliche auch die Chance dazu haben.
höhe ist. Ich möchte, dass das auch weiterhin so ist. Und dass
Deshalb möchte ich mich sehr gerne – zusammen im Team
man in den Ministerien und Abgeordnetenbüros sagt: „Wenn ich
des Landesjugendrings – für die Kinder- und Jugendarbeit in
eine Frage zur Jugendarbeit habe, dann rufe ich beim Landes-
Baden-Württemberg stark machen. .
jugendring an.“
Foto: BUNDjugend Baden-Württemberg
.12/13
14/15
SoMMerKAMPAGNe 2016
Auch in den Sommerferien 2016 hat der Landesjugendring Ab-
geordnete eingeladen, Freizeiten der Jugendverbände in ganz
Baden-Württemberg zu besuchen. Nicht nur zahlreiche Jugend-
verbände, sondern auch viele der eingeladenen Landtagsabge-
ordneten zeigten Interesse an einem Besuch auf einer Sommer-
freizeit, insgesamt kamen über 30 Besuche zu Stande. Viele
Abgeordnete kamen in Begleitung von Lokalpolitiker*innen,
dem Vorstand des Landesjugendrings oder Funktionär*innen
aus den Verbänden zu Besuch. Den Besucher*innen wurde das
Lager gezeigt, sie erkundigten sich nach dem Ablauf der Frei-
zeiten und ließen sich von Problemen und Herausforderungen
der Jugendarbeit vor ort berichten.
Viele Freizeiten bemühten sich, ihrem Besuch echtes Lager-
feeling zu bieten und beteiligten die Abgeordneten an anfal-
lenden Aktionen; so durfte Sozialminister Manfred Lucha beim
BDKJ-Zeltlager Schwende Holz hacken, SPD-Fraktionsvor-
sitzender Andreas Stoch war der „Märchenonkel“ auf der AWo-
Freizeit im Hasenloch und Staatssekretär Volker Schebesta
spielte im KjG-Sommerlager in Bad Wildbad beim Völkerball
mit. Die Abgeordneten der AfD wurden nicht zur Sommer-
kampagne eingeladen. Das haben die Mitgliedsorganisationen
des Landesjugendrings bei ihrer Vollversammlung beschlossen.
Foto: Naturfreundejugend Baden
Abschluss im Landtag
Bei der Abschlussveranstaltung waren neben zahlreichen
Landtagsabgeordneten auch viele haupt- und ehrenamtliche
Aktive aus den Jugendverbänden dabei. Es gab Fotos von den
Besuchen zu sehen. Außerdem wurde, als kleines Andenken
an die Kampagne 2016, das durch die Besuche entstandene
Quartettspiel zu den Jugendfreizeiten präsentiert – und von ei-
nigen direkt ausprobiert. Beim gemeinsamen Mittagessen kam
man ins Gespräch: die Verbandler*innen berichteten von ihren
Freizeitenerfahrungen und trugen ihre politischen Forderungen
an die Abgeordneten heran.
Landtagspräsidentin Muhterem Aras hob in ihrem Grußwort
den Wert des ehrenamtlichen Engagements der vielen jungen
Menschen hervor und unterstrich die Bedeutung der Teilnahme
von tausenden Kindern an den Freizeiten. Sie bedankte sich
bei allen Mitwirkenden für deren Engagement. Kai Mungenast
wünschte sich in seiner Ansprache, dass die Abgeordneten ihre
Erfahrungen und Eindrücke von den Freizeitenbesuchen in ihre
politischen Entscheidungen einfließen lassen und wies auf die
Forderungen der Kampagne „Jugendarbeit ist MehrWert“ hin. .
Bendix Wulfgramm
Mehr Infos zu den Sommerkampagnen:
www.ljrbw.de/sommerkampagneYouth Refugee Council
Im Jahr 2014 wurde bei der Vollversammlung des Landes Am Montag, 15. Februar 2016 fand das erste Treffen des Youth
jugendrings der Initiativantrag zur „Gleichberechtigten Teilhabe Refugee Councils in den Räumlichkeiten vom Jugendwerk der
junger Geflüchteter in der Kinder- und Jugendarbeit“ beschlos- AWO Württemberg statt. Beteiligt waren ca. 40 Personen aus
sen. Diesem folgend hat der Landesjugendring einen Fachtag den Reihen der aktiven Ringe und Verbände, darunter BDAJ,
mit dem Titel „We have a dream! – Jugendarbeit für und mit Deutscher Gewerkschaftsbund Bezirk BW, Jugendrotkreuz,
jungen Geflüchteten“ für Fachkräfte der Jugendarbeit in Baden- SJR Sindelfingen, KJR Rems-Murr, Kubus e.V. Die Hälfte der
Württemberg durchgeführt. Junge Menschen mit Fluchter- Mitwirkenden waren junge Geflüchtete, die in Projekten und
fahrung sollten mitwirken und mitreden, dazu kooperierte Initiativen der Jugendorganisationen vor Ort aktiv mitgestalten.
der Landesjugendring mit der selbstorganisierten Initiative Die Teilnehmer*innen nutzen die YRC Plattform um die eigenen
„Jugendliche ohne Grenzen“ (JoG). Initiativen und Projekte vorzustellen und in Austausch mit
anderen zu kommen.
Aus dieser Zusammenarbeit ist eine Jugendgruppe mit fünf Mit-
gliedern entstanden. Unterstützt durch die Landesjugendring- Der Abend wurde von dem damaligen YRC Team – Awa (aus
Geschäftsstelle entwickelten sie die Idee, einen Youth Refugee Gambia), Humaira, Mariam und Faisal (aus Afghanistan)
Councils (YRC) aufzubauen. Mit einem weiteren Vollversamm- moderiert. „Was sind meine Erwartungen an den YRC? Was
lungs-Beschluss Im November 2015 wurde dem YRC die Unter- kann ich zum YRC beitragen?“ – diese zwei Fragen standen im
stützung durch den Landesjugendring zugesagt. Fokus der Gespräche an dem Abend. Das Ergebnis war deutlich:
Junge Geflüchtete sehen den YRC als eine Vernetzungsplatt-
Der YRC hat sich folgende Ziele gesetzt:
form mit anderen (Selbst)Organisationen Jugendlicher. Sie
• den Landesjugendring zu allen Fragen, die junge Geflüch
bezeichneten den YRC als eine Lernplattform zum Kennen-
tete betreffen, bei der Erarbeitung von fachlichen und
lernen der Jugendpolitischen Strukturen und Strukturen der
politischen Positionen unterstützen;
Jugendarbeit in BW, aber auch als einen Ort der Begegnung mit
• zur Qualifizierung junger Geflüchteter für ihre aktive Be
anderen jungen Menschen (und auch um Deutsch zu lernen).
teiligung und Teilhabe in der Jugendarbeit beitragen;
• Konzepte zur Qualifizierung Ehren- und Hauptamtlicher in Eines der Ergebnisse dieses Treffens war eine Reihe an Qualifi-
der Arbeit mit und für junge Geflüchtete entwickeln; zierungen, vor allem für Ehrenamtliche in der Arbeit mit jungen
• den Landesjugendring beim Aufbau eines Netzwerkes von Geflüchteten vor Ort, das die Akademie der Jugendarbeit
Expert*innen unterstützen; gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung im
• Formen der Selbstorganisation junger Geflüchteter Jahr 2016 durchgeführt hat.
entwickeln und diskutieren.16/17
Bild links und oben: „Youth Conference“ in Bad Boll am 12. und 13.07.16
Darüber hinaus haben zahlreiche Jugendliche mit Fluchter- • Eine Tandem-Ausbildung für bis zu 30 junge Geflüchtete und
fahrung an verschiedenen Juleica-Schulungen innerhalb der Engagierte aus den Verbänden/Ringen zum Kennenlernen
LJR-Verbände teilgenommen. Zwei der aktiven jungen der Jugendverbandsarbeit in der Praxis.
Menschen im YRC haben im Rahmen eines Praktikums beim
Zur Förderung dieser Maßnahmen wurde im oktober 2016
LJR weitere Ideen für und mit jungen Geflüchteten entwickelt
ein Antrag beim Innovationsfond des Bundesministeriums für
und umgesetzt.
Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestellt.
Am 12./13.07.2016 haben drei aktive Geflüchtete vom YRC
Am 11. Dezember 2016 hat das Jugendteam vom YRC zur einem
zusammen mit dem LJR, der Akademie Bad-Boll, dem Kubus
Culture-Fair (CuFa) in den Räumlichkeiten des Katholischen
e.V. und der Initiative junger Geflüchteter „Wir sind da“ in Bad
Jugendreferats der BDKJ-Dekanatsstelle Stuttgart eingeladen.
Boll eine Jugendkonferenz unter dem Motto „Heimat ist kein
Über 20 geflüchtete junge Männer und Frauen haben bei der
Ort, Heimat ist ein Gefühl!“ organisiert. 25 junge Menschen im
Kulturmesse durch Spiele, gemeinsames Tanzen und Musizie-
Alter von 18 bis 35 Jahren haben teilgenommen. Ihnen gemein-
ren Ideen für gemeinsame Aktivitäten entwickelt.
sam ist das Interesse, sich mit der Situation junger Geflüchteter
auseinanderzusetzen und Maßnahmen zur Heranführung der Nicht zuletzt wird im Frühjahr 2017 eine Bundesfreiwilligen-
Geflüchteten an die Jugendverbandsarbeit zu entwickeln. Stelle in der Geschäftsstelle geschaffen, die durch eine Person
mit Fluchterfahrung besetzt wird. Aufgabe wird unter anderem
Daraus entstand eine Reihe an geplanten Aktivitäten im Jahr
die kontinuierliche Unterstützung bei der Planung und Umset-
2017, darunter:
zung von Aktivitäten im YRC sein. .
• zwei Seminare zur Einführung in die jugendpolitischen Bistra Ivanova
Strukturen BW für junge Geflüchtete;
Mehr Infos und Dokus zu den Veranstaltungen usw.
• eine Reihe an Qualifizierungsmaßnahmen für junge
www.ljrbw.de/yrc
Multiplikator*innen mit Fluchterfahrung mit dem Ziel, diese
www.facebook.com/Youth.Refugee.Council
fit für die Organisation und Moderation von
lokalen Jugendforen zu machen
• bis zu sechs lokale Jugendforen mit Politik, Verwaltung und
Jugendvereinen an ausgewählten Standorten in BW;
• Einbindung junger Geflüchteter beim Jugendlandtag 2017,
mit dem Ziel Jugendliche mit Landespolitiker*innen in
Kontakt zu bringen;REINER BAUR
RÜCKBLICK 2015/2016
In den letzten zwei Jahren nicht auf Ausbeutung und Elend anderer beruhen? Wenn wir
haben uns einige Themen die Überzeugungen, zu denen wir auf diese Art gelangen, als
stark beschäftigt: Zum Verbände und Ringe artikulieren und mit unserer Arbeit unsere
ersten natürlich unsere Gesellschaft in diesem Sinne mitgestalten, dann agieren wir
Kampagne „Jugendarbeit auf eine sehr gute Art politisch – ohne uns dazu der einen oder
ist MehrWert“ (1:5 – 25 € anderen politischen Partei zuordnen zu müssen.
– 50%) und die vielen Aktio-
Wie wollen wir leben? Was ist gerecht? Welche Verantwortung
nen der Verbände und Ringe
haben wir für das Gemeinwesen? Wenn wir es ermöglichen,
während der Landtagswahl.
dass Kinder und Jugendliche im Rahmen unserer Angebote
Im Zusammenhang mit der
sich immer wieder ergebnisoffen mit diesen grundlegenden
Landtagswahl hat viele der
politischen Fragen auseinandersetzen und Antworten finden
Einzug der mindestens rechtspopulistischen Partei erschreckt.
können, dann ist das politische Bildung par excellence. Und
Es beschäftigten uns aber auch globale Themen, wie die politische Bildung ist in Zeiten, in denen Hetze gegen Menschen
von der UN in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und gesellschaftliche Spaltung zunimmt, wichtiger denn je.
ausgerufenen Sustainable Developement Goals und das Welt-
Ich bin mir sicher: Wenn wir als Kinder- und Jugendarbeit
aktionsprogramm Bildung für Nachhaltige Entwicklung sowie
auf diese Art insgesamt unseren Auftrag politischer verste-
Fluchtursachen, „Willkommenskultur“ und Brandanschläge auf
hen würden und nicht „die Politik“ als etwas vermeintlich
Flüchtlingsunterkünfte.
„Abgehobenes“ zu oft denen überlassen, die angeblich dafür
WIR MÜSSEN PoLITISCHER WERDEN zuständig seien oder davon mehr verstünden, dann wären
Die genannten Themen haben eines gemeinsam: Sie stellen uns wir auch mit der Umsetzung verschiedenster Forderungen
die Frage, ob wir politisch genug unterwegs sind. Politik ver- erfolgreicher – ganz gleich ob es um die finanzielle Ausstattung
stehe ich dabei auf eine ganz grundlegende Art: Politik ist, wenn der Kinder- und Jugendarbeit geht oder gegen die Anfeindung
wir uns unsere Interessen klar machen, wenn wir diskutieren von Menschen wegen ihrer Herkunft, Religion oder sexuellen
und streiten, was aus unserer Sicht im Großen wie im Kleinen orientierung. Zugleich würden wir damit unsere Rolle als
die richtigen Konzepte für unsere Gesellschaft sind – damit es Jugendverbände und Jugendringe in unserer demokratischen
heute bei uns gerecht zugeht, aber genauso weltweit und in die Gesellschaft zum Wohle aller Kinder und Jugendlichen besser
Zukunft gedacht: Wie sehen tragfähige Lebensmodelle aus, die gerecht. Werden wir also alle wieder politischer. .
Foto: Jugendkonferenz KJR ostalb18/19
BILDUNGSreFereNt*INNeN-ProGrAMM
Neue Stellen und neues Verfahren
Das wichtigste Ergebnis des Zukunftsplans Jugend, 2013 bis Stellenwert ein solidarisches Zusammenstehen für die Mit-
2016 war die Erhöhung der Förderung von Bildungsreferent*in- glieder des Landesjugendrings hat. Trotz aller Unterschiede
nen-Stellen durch das Land um zusätzliche 18 Stellen. Ausge- zwischen den Verbänden suchten nicht einzelne ihren Vorteil zu
handelt wurde 2013 zwar die Förderung von 22 weiteren Stellen Lasten des gemeinsamen Ganzen.
um den Preis der Umstellung von 70%-Anteilsfinanzierung an
Mit einigen Vorbehalten versehen gab es kurz vor Weihnachten
den tatsächlichen Personalkosten auf eine Förderpauschale je
die Zusage, dass die vom Sozialministerium seither in den
Stelle. Allerdings ist weder von der damals versprochenen
Mitgliedsorganisationen des Landesjugendrings geförderten
Dynamisierungskomponente etwas zu sehen noch wurde bis
Stellen auch 2017 finanziell unterstützt werden. Zugleich ist
Ende 2016 die geförderte Stellenzahl von 18 auf 22 angehoben.
jedoch angekündigt, dass ab 2018 ein neues Verfahren zur
Dieses Thema überschattete die gesamte jugendpolitische Förderung der Bildungsreferent*innen-Stellen greifen soll. Da
Debatte 2016. Das Sozialministerium hatte im Januar es dieses neue Verfahren jedoch nicht gibt, wird es gleich zu
2016 eine neue Verwaltungsvorschrift zur Förderung von Beginn des Jahres 2017 darum gehen im von Minister Manne
Bildungsreferent*innen bekannt gegeben. Mit dem Förder- Lucha angekündigten Dialog mit dem Sozialministerium wieder
aufruf Mitte Mai wurde klar, dass das Sozialministerium damit ein, auf solidarischer Basis unter den Jugendverbänden funk-
die seit 1998 bewährte Verteilungspraxis des LJR für die tionierendes, transparentes, dynamisches und subsidiäres
Bildungsreferent*innen-Stellen einseitig aufgekündigt hatte. System zu erarbeiten. Nur so kann diese, die ehrenamtliche
In Sondersitzungen der AG Finanzen gelang es, das Vorgehen Struktur in der verbandlichen Jugendarbeit stützende, Förder-
zwischen den betroffenen Verbänden sehr besonnen abzu- ung nachhaltig gestaltet und damit institutionalisiert werden. .
stimmen. In den Diskussionen wurde deutlich, welch hohen Reiner Baur
AG FINANZeN UND ZUKUNFtSPLAN JUGeND
Intro: Nachdem die AG Finanzen im Frühjahr 2013 eingeführt Um im Konzertbild zu bleiben: Den Takt für die mitunter
worden war und zwei Jahre lang erfolgreich gearbeitet hatte, dissonanten Musikstücke gab fast immer das Sozialministerium
wurde die AG in der Vorstandsperiode 2015-17 unter dem Na- vor. Zunächst wurden das Jugendbildungsgesetz und das
men „AG Finanzen und Zukunftsplan Jugend“ fortgeführt. Landesausführungsgesetz zum Kinder und Jugendhilfegesetz
novelliert. Die Folgen dieser Novellen führten u.a. zu Härtefällen
Die Playlist: Auftrag der AG ist es nach wie vor, den Geschäfts-
bei der Förderung einiger Bildungsreferent*innen-Stellen in den
führenden Vorstand zum LJR-Haushalt, zu LJR-internen
Mitgliedorganisationen, wofür in mühevollen Verhandlungen –
finanziellen Verteilungen, zur Abwicklung landesweiter
wir sangen im Refrain – mit dem Jugendreferat nach Lösungen
Förderprogramme sowie allgemein zur Lobbyarbeit für eine
gesucht werden musste.
gute finanzielle Ausstattung der Kinder- und Jugendarbeit zu
beraten. Dadurch war die AG Finanzen auch für den Austausch Längeres Schlagzeugsolo: Mit heftigem Trommelwirbel konnten
der Mitgliedsverbände über den Zukunftsplan Jugend das wir in der Diskussion einer neuen Verwaltungsvorschrift zur
zentrale Forum innerhalb des Landesjugendrings und wird dies Förderung der außerschulischen Jugendbildung den Erstent-
auch bleiben. wurf dahin befördern, wo sie in den Augen der AG Finanzen
von Anfang an gehörte – in die große Ablage P. Einen besonde-
Liveacts: Was sich als staubtrockene Treffen über den schnöden
ren Trommelwirbel erzeugte schließlich der Förderaufruf für
Mammon anhört, bekommt in der AG Finanzen einen gehörigen
Bildungsreferent*innen-Stellen 2017 (siehe oben).
Drive. Mit jeweils fünf Sitzungen 2015 und 2016 gehört die AG
zu den Gremien mit der höchsten Sitzungsfrequenz und die Klassische Konzerte: ...waren da doch eher die internen Themen
Beteiligung führte mehrfach zur Konzertbestuhlung in unserem für die AG Finanzen. In großer Harmonie wurde die Vor-
größten Besprechungsraum. Ein in den letzten Jahren immer standsumlage solidarisch erhöht. Der LJR- Haushaltsabschluss
wiederkehrendes Thema sind ausführliche Beratungen zum Zu- 2015 und der Haushaltsplan 2016 wurden besprochen und die
kunftsplan Jugend (Seite 7). Aufgelegt wird dabei zur Abwechs- Kampagne „Jugendarbeit ist MehrWert“ (Seite 20) in Sopran
lung gerne die gute alte Vinyl-Scheibe: Förderung dauerhafter und Bariton begleitet.
Strukturen statt kurzer Projekt-Strohfeuer. Leider ein für den
ohne prophetische Gaben lässt sich schon jetzt vorher sagen,
Landesjugendring und seine Mitglieder überwiegend unerfreu-
dass die AG Finanzen noch manches Lied anstimmen darf und
liches Thema, bei dem wir mit der letzten Landesregierung bis
wohl kaum je aus dem letzten Loch pfeifen wird. .
zum Ende ihrer Amtszeit nicht wirklich weiter kamen.
Buddy DornJugendarbeit ist MehrWert
Für eine nachhaltige Förderung der Jugendverbandsarbeit
Die politische Diskussion wird gerne hitzig, wenn in Bildungs Wie kommen die Forderungen zustande?
studien die Baden-Württembergischen Schüler*innen im 50% Zuschuss für Zelte und Projekte: Nicht einmal zur Hälfte wer-
Bundesländervergleich nicht ganz vorne mit dabei sind. Schrei- den die Kosten für notwendige Anschaffungen, z.B. Gruppen-
ben und Lesen stehen dabei als mangelnde Kompetenzen im zelte und für Projekte der Alltagsbildung übernommen – dabei
Zentrum. sind 50% die laut Richtlinien vorgesehene Quote.
Diese Diskussion vom Kopf auf die Füße zu stellen, ist aber 25,–€ Tagessatz für Betreuung: Tausende engagierte Ehrenamt-
eigentlich ganz einfach: Bildung ist mehr als Schule. Die liche machen Jahr für Jahr Ferienerlebnisse für Kinder und Ju-
Schüler*innen in Baden-Württemberg sind nämlich spitze, was gendliche möglich, indem sie die Betreuung übernehmen. Der
beispielsweise ihr ehrenamtliches Engagement angeht. Leider Verein übernimmt Fahrtkosten, Übernachtung und Verpflegung.
ist dieser Spitzenplatz nur eine Randnotiz wert, weil die bil- Die ehrenamtliche Betreuung wird dafür aktuell mit
dungspolitische Diskussion ausschließlich um die Schule kreist. 8,70 € pro Tag bezuschusst. Eine angemessene Bezuschussung
Damit das anders wird, sagen wir laut und deutlich: „Jugendar- der anfallenden Kosten liegt dagegen nach unseren Berechnun-
beit ist MehrWert“, schreiben das auch noch bewusst falsch und gen bei mindestens 25,–€.
machen eine Kampagne draus.
Ein gefördertes Betreuungsverhältnis von 1:5: Der Zuschuss für
Huckepack nimmt „Jugendarbeit ist MehrWert“ dabei Zahlen ehrenamtliche Betreuung bei Freizeiten wird bisher mit einem
(es gibt ja auch noch die Rechenschwäche): Betreuungsverhältnis berechnet, nach dem sich eine Person um
50% Zuschuss für Zelte und Projekte; elf Kinder kümmern müsste. In der Regel werden deutlich mehr
25,–€ Tagessatz für Bildung und Betreuung; Ehrenamtliche eingesetzt – laut Landesstatistik im Durchschnitt
1:5 als gefördertes Betreuungsverhältnis 1:5,2 – um ein pädagogisch verantwortliches Betreuungsver-
hältnis zu gewährleisten. Das muss auch gefördert werden.
Aber von vorn: Der Landesjugendring und seine Mitgliedsver-
bände starteten die Kampagne „Jugendarbeit ist MehrWert“ 25,–€ Tagessatz für Qualifikation und Bildung: Die Ausbildung
anlässlich der Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg. der ehrenamtlichen Jugendleiter*innen und die Alltagsbildung
Eine Mehrheit der 2016 gewählten Landtagsabgeordneten der bei Seminaren, in denen Kinder und Jugendliche ohne Zwang
demokratischen Parteien versicherte im Rahmen der Kampa- lernen, werden derzeit mit 9,20€ pro Tag und Teilnehmenden
gne, die Forderungen des Landesjugendrings zu unterstützen. gefördert. Die durchschnittlichen Kosten aber betragen mehr
Sie wollen sich dafür einsetzen, die Jugendverbandsarbeit im als 50,–€ am Tag. Die Qualifikation von Jugendleiter*innen und
Land nachhaltig zu fördern. Das bezieht die Regelförderung aus die außerschulische Bildung junger Menschen muss dem Land
dem Landesjugendplan ebenso ein, wie z.B. die Förderung von deshalb mindestens 25,–€ am Tag wert sein. .
Maßnahmen aus dem Zukunftsplan Jugend. Ihre Unterstützung Kerstin Sommer/Buddy Dorn
zeigten sie auf Sprechblasen, auf denen sie ihre Argumente für
Jugendarbeit ist Mehr Wert festhielten.
Foto: Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei einer Veranstaltung der Stadtjugendringe Leinfelden-Echterdingen und Nürtingen20/21 oben: Auftaktveranstaltung der Kampagne am 29.10.2015 vor dem Landtagsgebäude. Bei heißem Früchtepunsch und Mini-Stockbrot kamen die Abgeordneten mit den vielen Ehrenamtlichen aus den Verbänden ins Gespräch. Für eine nachhaltige Förderung der Jugendverbände! Bei der Vollversammlung des Landesjugendrings am 28.11.2015 sagen die Jugendpolitischen Sprecher der Par- teien, warum ihnen Jugendarbeit MehrWert ist. V.l.n.r.: Timm Kern (FDP), Bettina Meier-Augenstein (CDU), Kai Mungenast, Florian Wahl (SPD), Thomas Poreski (Grüne)
02 Politische Bildung
und Partizipation22/23
wAS UNS BeweGt –
JUGeNDlIcHe UND lANDespolItIk Im GespRäcH
„Was uns bewegt“ war ein Beteiligungsprogramm des Landtags mit allen Minister*innen und 32 beteiligten Mitgliedern des
von Baden-Württemberg, das in enger Abstimmung mit den Landtags besprochen.
jugendpolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen, dem Lan-
Ein wichtiges Ergebnis des Jugendlandtags war eine Beschluss-
desjugendring, dem Ring politischer Jugend und der Landes-
vorlage mit 26 Forderungen, die von allen Jugendlichen des
zentrale für politische Bildung BW (LpB) beschlossen wurde.
Jugendlandtags mitgetragen wurde. Die Forderungen entstan-
„Was uns bewegt“ hatte zum Ziel, dass Jugendliche und junge
den in zehn Arbeitsgruppen zu den Themen Flüchtlings-, Inte-
Erwachsene aus ganz Baden-Württemberg über ihre Anliegen,
grations-, Schul- und Hochschulpolitik, Mobilität, Jugendparti-
Themen und Perspektiven mit den Politiker*innen auf Landes-
zipation, Europa, Ehrenamtliches Engagement, Umweltpolitik
ebene diskutieren und gestalten. Diese Diskussionsplattform
und Gesellschaft. Sie wurden anschließend an alle Fraktionen
zwischen Politiker*innen und Jugendlichen sollte die zukünfti-
der Parteien im Landtag mit der Bitte um eine Stellungnahme
ge Entwicklung des Landes mit beeinflussen.
weiter gereicht.
Insgesamt kamen 32 regionale Jugendkonferenzen zusammen,
Der Landesjugendring hat die Vorbereitung- und die Durch-
die in den kreisfreien Städten und den Landkreisen Baden-
führung der regionalen Jugendkonferenzen verantwortet und
Württembergs veranstaltet wurden. Die Landtagsabgeordneten
als Servicestelle für die organisatoren der Veranstaltungen
der jeweiligen Wahlkreise nahmen bei diesen Veranstaltungen
gedient. Dazu zählte auch, Workshops für die Veranstalter
teil. Mehr als 2.200 junge Menschen wurden erreicht und kamen
der Jugendkonferenzen zusammen mit dem Landtag von
mit den Mitgliedern des Landtages, mit Kreistagsabgeordneten
Baden-Württemberg anzubieten, in denen die einzelnen bevor-
und Gemeinderät*innen bei den lokalen Jugendkonferenzen
stehenden Jugendkonferenzen inhaltlich, methodisch und
ins Gespräch. Mehr als 150 Politiker*innen, davon alleine 81
organisatorisch vorbereitet werden konnten. Aufgrund von teil-
Mitglieder des Landtags, haben bei diesen Veranstaltungen
nehmenden Beobachtungen bei jeder Regionalkonferenz durch
aktiv mitgewirkt.
das Institut für angewandte Sozialwissenschaften (IfaS) in
Aus den Anliegen dieser Regionalkonferenzen wurden die Stuttgart wurde eine abschließende Evaluation aller Jugend-
wichtigsten Themen der Jugendlichen bestimmt. Bei jeder konferenzen vorgenommen. Auf der Website des Projektes
Regionalkonferenz wurden sogenannte „Delegierte“ gewählt, wurden darüber hinaus alle Termine, Berichte, Themen und
die zum Jugendlandtag nach Stuttgart fahren durften und ihre Diskussion der Jugendlichen über die Jugendkonferenzen in
Region vertreten konnten bzw. auch die Interessen der Jugend- den Städten und Kreisen dokumentiert. .
lichen aus der jeweiligen Regionalkonferenz in den Jugend- Daniel Mühl
landtag einbringen. Die Themen der jungen Menschen aus den www.wasunsbewegt-bw.de/
einzelnen Jugendkonferenzen wurden von den Delegierten www.ljrbw.de/kindergipfel-und-jugendlandtag.html
beim 2-tägigen Jugendlandtag am 14. Juni bis 15. Juni 20153. KINDerGIPFeL IM LANDtAG VoN BADeN-wÜrtteMBerG
Kinder lernten spielerisch die Landespolitik kennen
Am Samstag, den 19. November 2016, war der Landtag von Schule und über alternative Schulmodelle gesprochen. Die
Baden-Württemberg wieder fest in Kinderhand. Von 10 bis 16 Frage „Wie wollen wir zusammenleben?“ spielte für die Kinder
Uhr begaben sich 100 Kinder im Alter von neun bis 13 Jahren in der Arbeitsgruppe Chancengerechtigkeit eine große Rolle. So
aus dem ganzen Land auf Entdeckungstour im Haus des Land- wurde darüber diskutiert, dass niemand nur aufgrund seines
tags in Stuttgart. Insgesamt waren es zehn Kindergruppen, die Aussehens ausgegrenzt werden darf.
aus ganz Baden-Württemberg am Kindergipfel teilnahmen: von
Am Ende des Tages gab es einen Gallery-Walk zu den Themen
Mannheim bis nach Konstanz; aus Vereinen und Verbänden,
und Anliegen der Kinder aus den verschiedenen Arbeitsgrup-
Grundschulen und kommunalen Einrichtungen; von der DIDF-
pen. Begleitet wurde dieser Tag von einem Video-Team, wel-
Jugend aus Geislingen über den Stadtjugendring Heidelberg
ches die zentralen Erkenntnisse der Kinder beim Kindergipfel
bis hin zum Erzbischöflichen Kinderheim mit Heimschule in
2016 zusammenfasste. Das Video kann auf der Homepage des
St. Kilian.
Landesjugendrings angeschaut werden.
Am Vormittag beschäftigten sich die Kinder mit vielen verschie-
Der Kindergipfel hat sich nach dem dritten Mal nach 2014 und
denen politischen Themen. In sechs Arbeitsgruppen wurden die
2012 weiter entwickelt und soll im Zeitraum 2017 – 2021 nun
Themen: Umwelt, Schule, öffentlicher Raum, Integration und
als regelmäßiges Format im Landtag von Baden-Württemberg
Asyl, Chancengerechtigkeit und Mitbestimmung/Freizeit erar-
stattfinden. Im zweijährigen Rhythmus wird er sich mit dem
beitet. Sie bereiteten sich dabei auf die Nachmittagsgespräche
Jugendlandtag abwechseln. .
mit den Mitgliedern des Landtags von Baden-Württemberg vor.
Daniel Mühl
Am Nachmittag kamen die teilnehmenden Politiker*innen zu Mehr Infos:
den Arbeitsgruppen, um die Anliegen und Forderungen von den www.ljrbw.de/kindergipfel-und-jugendlandtag.html
Kindern zu erfahren. Beispielsweise spielte das Thema Sauber-
keit in der Arbeitsgruppe Öffentlicher Raum eine große Rolle.
Bei der Themengruppe Schule wurde viel über Mobbing in derSie können auch lesen