Ausgabe oktober 2020 - DAS Wormser Stadtmagazin
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WO! EDITORIAL 3
Grüße aus Worms Sitzkomfort trägt eine
Signatur: JORI
Entdecken und genießen Sie den ultimativen
Auch in dieser Ausgabe berichten wir über die Veranstaltungsbranche, die Sitzkomfort des Relaxsessels Mensana in
unserer Ausstellung.
seit dem Corona Lock-Down im März quasi mit einem Arbeitsverbot belegt
wurde. Wirkliche Hilfen vom Staat gab es bisher keine, denn auch das
Förderprogramm „Neustart Kultur“ hilft nicht den vielen Solo-Selbständigen,
die in dieser Branche tätig sind. Viel schwerer wiegt jedoch die Perspektiv-
losigkeit. Keiner weiß, ob das Coronavirus auch im nächsten Jahr noch un-
ser Leben bestimmt und wann es wieder „normal“ weitergeht. Kaum jemand
aus der Branche rechnet vor dem nächsten Frühling mit der Rückkehr zu ei-
nem ansatzweise regulären Livebetrieb. Immerhin geht in Worms das kultu-
relle Leben ganz langsam wieder los. Im Theater laufen die ersten
Vorstellungen, wenn auch mit reduzierter Zuschauerzahl, aus der Wormser
Kulturnacht wird ein Wormser Kulturherbst und auch die Nibelungen-
Festspiele warten Ende Oktober mit einem dreitägigen Herbstprogramm
auf. Und die Wormatia darf in ihrem 6.000-Mann-Stadion wenigstens vor
Model: Mensana Design: Jean-Pierre Audebert Configure on: jori.com/configurator
500 Zuschauern spielen. Trotzdem schwebt über allen das Damoklesschwert
Corona, da weitere Lockerungen von der Entwicklung des Infektionsgesche-
hens abhängig sind.
CORONA IN WORMS
In Worms richteten Oberbürgermeister Adolf Kessel und Landrat Heiko Sippel
innovative seating comfort since 1963
Mitte September einen Appell an die Bevölkerung, sich vorsichtiger zu ver-
halten, nachdem die Infektionszahlen im Landkreis Alzey-Worms kurzzeitig
gestiegen und bedenklich nahe an der magischen Grenze von 50 Neu-
Jetzt noch von
infektionen pro Woche waren. Dass die in den letzten Wochen gestiegenen MwSt.-Senkung
Neuinfektionen in erster Linie mit dem Hochfahren der Tests und der Fehler- profitieren!
quote (Stichwort: falsch Positive) der angewandten PCR-Tests zusammen-
hängen, hatten wir bereits in unserer letzten Ausgabe ausführlich erklärt.
Auch vier Wochen später gilt, dass die Infektionszahlen in Deutschland be- Möbelhaus Huthmacher e.K. · Grünstadt · www.moebel-huthmacher.de
herrschbar sind, die Ansteckungsketten sind weitestgehend nachvollziehbar
und das Gesundheitssystem ist weiterhin stabil. In Worms waren zum Zeit-
punkt unseres Redaktionsschlusses 24 Personen mit dem Coronavirus infi-
ziert, das entspricht 0,029 % der Wormser Bevölkerung, eine Person musste
auf der Intensivstation des Klinikums Worms betreut werden. Aktuell sind
nur ein Bruchteil der Intensivbetten in Deutschland mit Corona Patienten
belegt, der Großteil der Infektionen verläuft mit milden Krankheitssympto-
men. Ich denke, dass es längst an der Zeit wäre, etwas mehr Realismus wal-
ten zu lassen. Vor allem sollte man manchen Leuten ihre panische Angst
nehmen vor einem Virus, das zwar gefährlich, aber offensichtlich nicht so
gefährlich ist, wie man dies anfangs vermutet hatte. Wenn jetzt die Herbst-
zeit beginnt und sich die Leute mit allen möglichen Viren anstecken, ist –
unabhängig von Corona – besondere Vorsicht geboten, aber doch bitte
keine staatlich verordnete Panik mehr wie im März dieses Jahres. Auch die
Bundesregierung täte gut daran, wenn sie ihre Bevölkerung wie mündige
Bürger behandelt und nicht ständig für dumm verkaufen will. Das Leben
muss irgendwann wieder normal weitergehen. Der Virologe Hendrick
Streeck hat hierzu einen klugen Satz gesagt: „Wir werden lernen müssen,
das Virus in unseren Alltag zu integrieren.“
Viel Realismus beim Lesen der 178. Ausgabe von:
WO! – DAS Wormser Stadtmagazin
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Frank Fischer | Chefredakteur
WO! 10 | 204 WO! AKTUELLES THEMA KULTURHERBST IN WORMS
WANN GEHT’S WIEDER
„NORMAL“ WEITER?
Große Verunsicherung in der Kulturbranche
Mehr als ein halbes Jahr nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland ist die Verunsicherung in
der Kulturbranche nach wie vor sehr groß. Wer möchte schon gerne in dieser Zeit ein Kulturprogramm auf
die Beine stellen, ohne zu wissen, wie sich die Corona Situation in Deutschland entwickelt? Immerhin gibt es
für den Herbst ein wenig Hoffnung. Während aus der Wormser Kulturnacht ein Kulturherbst mit vereinzelten
Veranstaltungen werden soll, melden sich die Nibelungen-Festspiele mit einem Herbstprogramm zurück.
Wie sieht bei den anderen Veranstaltern in der Stadt aus?
Als das Coronavirus Anfang März auch unser Sie hierzu auch den Artikel über die Wormser verlegungen, Absagen und Verlegungen ins
Land erreichte, da war besonders die Kultur- Schausteller auf Seite 10). Für alle Veranstalter Wormser Theater zur Folge, dass das Herbst-
und Veranstaltungs GmbH der Stadt Worms ge- gilt aber in diesem Corona-Sommer: Die Ein- programm im Lincoln Theater nahezu kom-
fordert, schließlich ist die KVG für die meisten nahmen waren allenfalls der berühmte Trop- plett ausfällt. Ohne Einnahmen wiederum hat
städtischen Events zuständig. Dort wartete fen auf den heißen Stein. es die von einem privaten Trägerverein geführ-
man zunächst ab, aber als schnell klar war, te Kleinkunstbühne schwer, finanziell über den
dass uns das Thema Corona noch länger be- Winter zu kommen. Zwar hat die Vorsitzende
schäftigen würde, ging alles recht flott. Nach- Wie geht’s dem des Vereins, Michaela Langner, erst kürzlich bei
einander wurden die Nibelungen-Festspiele, Lincoln Theater? einer Benefizveranstaltung angegeben, dass
Jazz & Joy und zu guter Letzt auch noch das die Finanzierung des Lincoln Theaters bis An-
Backfischfest abgesagt. Derweil wurden die Auch in der beliebten Kleinkunstbühne am fang nächsten Jahres gesichert sei. Klar ist
Wormser Kulturnacht und der Mittelaltermarkt Obermarkt steht das kulturelle Leben seit März aber, dass man so ein Jahr wie 2020 nicht noch
Spectaculum in den Herbst verlegt. Letzterer still. Für den Herbst sieht es nicht besser aus. einmal verkraften wird.
wurde dann im August endgültig abgesagt. Von Da man im Lincoln Theater aktuell nur knapp
dem groß angekündigten Wormser Kultursom- 60 der 225 Sitzplätze belegen darf, wurden fast
mer war im Jahr 2020 nicht mehr viel übrigge- alle Veranstaltungen in das gut vier Mal so gro- Wann gibt’s wieder
blieben. Während also von städtischer Seite ße Wormser Theater verlegt, damit wenigstens Kneipenkonzerte?
frühzeitig die Notbremse gezogen wurde, wa- zwischen 150 und 250 Personen anwesend sein
ren es vor allem private Veranstalter, die den können. Wirtschaftlich arbeiten kann man so Dann gibt es in Worms noch einige Kneipen,
Sommer über mit neuen Veranstaltungsforma- allerdings nicht. Vor allem haben die Termin- die in der Vergangenheit das kulturelle Leben
ten um Besucher buhlten. Allen voran Christian der Stadt mit Konzerten bereichert haben.
Ruppel, der zusammen mit Kinowelt-Chef Pat- Aber auch die haben nach wochenlangem Ver-
rick Mais zunächst die weniger erfolgreiche Werden die Nibelungen- dienstausfall heute noch mit den Nachwirkun-
„Carantena Arena“ auf dem Festplatz aus dem Festspiele 2021 wie gen von Corona zu kämpfen. Von daher sind
Boden stampfte, um dann mit dem „WOpen gewohnt stattfinden? die Inhaber in erster Linie damit beschäftigt,
Air“ ein Format nachzulegen, das beim Publi- ihr Geld mit dem normalen Kneipenbetrieb zu
kum großartig ankam und im nächsten Jahr verdienen, was aufgrund der Corona bedingten
erneut stattfinden soll (Lesen Sie auch den Ar- Einschränkungen schon schwer genug ist. Zu-
tikel über Christian Ruppel auf Seite 8-9). Als dem gab es in zwei Kneipen während der letz-
Ersatz für ein entgangenes Backfischfest initi- ten Monate einen Besitzerwechsel. In der Fun-
ierten verschiedene einheimische Schausteller zel hat Felix Jäger den Stab an Patricia
Ersatzfeste. Die Schaustellerfamilie Goebel fei- Vierheller weitergegeben. Zwar war dies auch
ert noch bis zum 4. Oktober das „Nibelungen- schon vor Corona geplant, aber das Virus hat
land“ auf dem Festplatz mit Fahrgeschäften, die Übergabe womöglich etwas beschleunigt.
Essensständen und Kirmesbuden aus ganz Im BB on the Rockzz hatte die seitherige Päch-
Deutschland. Derweil hatte die Familie Bauer terin Sabine Anfang des Jahres beschlossen,
im Wormser Wäldchen direkt vor dem Äsche- ihre Kneipe aufzugeben. Mit Christian Fein war
buckel ihren Biergarten „Zum alten Bauer“ auf- auch schnell ein Nachfolger gefunden, aber
gebaut, während die Familie Nock versuchte, dann kam Corona und damit eine monatelan-
über einen „Festplatz to go“ auf dem Parkplatz ge Behördenodyssee, an deren Ende der neue
des Wormatia Stadions einen Teil der entgan- Besitzer schon wieder das Handtuch warf –
genen Einnahmen wieder reinzuholen (Lesen wohlgemerkt, ohne auch nur einen Tag geöff-
WO! 10 | 20WO! AKTUELLES THEMA KULTURHERBST IN WORMS 5
net zu haben. Die neuen Pächter, Dariah und WinterVarieté festhält, das ab 2. Dezember im wortlichen der Kulturkoordination Worms so-
Moritz, wollen der Kneipe unter der Brücke in Kesselhaus stattfinden soll. Anfangs gab es wie der Kultur und Veranstaltungs GmbH (KVG)
den nächsten Monaten neues Leben einhau- auch einen regelrechten Ansturm auf die Kar- gehofft, die beliebte Veranstaltung im bisher
chen. Aber egal, ob Funzel, BB on the Rockzz, ten. Mit den gestiegenen Corona-Fallzahlen in bekannten Format durchführen zu können.
Schwarzer Bär oder Burger Kitchen – in allen Worms sind aber auch die Kartenverkäufe ein- Doch mit Blick auf die gültige Corona-Bekämp-
Locations sind die Platzkapazitäten zu gering, gebrochen. Auch bei der KVG ist man weiterhin fungsverordnung planen die Beteiligten der-
um aktuell gewinnbringend Konzerte veran- vorsichtig. Der für Oktober geplante „Wormser zeit mit einem neuen Veranstaltungskonzept:
stalten zu können. Genussmarkt“ wurde abgesagt, für die „Worm- Statt die zahlreichen Kleinveranstaltungen in
ser Weinmesse“ ist das Gleiche zu erwarten. Ob der gesamten Wormser Innenstadt am Abend
die „Wormser Rocknacht“ Anfang Dezember des 24. Oktober zu bündeln, haben Kultur-
Unsicherheit stattfindet, steht ebenfalls noch in den Ster- schaffende, Kirchen, Cafés, Vereine und alle
ist groß nen, zumal man mit Montreal einen Headliner anderen „Kultur-Aktiven“ die Möglichkeit, über
verpflichtet hat, dessen Auftritt sich nur bei ei- einen längeren Zeitraum Projekte mit städti-
Einer, der in den letzten Monaten den Mut hat- nem vollen Saal rechnet. scher Unterstützung zu realisieren. So soll aus
te, etwas zu wagen, ist Stefan Spies vom Gut der bisherigen Kulturnacht in diesem Jahr ein
Leben am Morstein in Westhofen. Unter Be- „Kulturherbst“ mit diversen kleineren Veran-
rücksichtigung der Corona-Verordnungen fan- Aus Kulturnacht wird staltungen werden. Die Planungen für die fina-
den dort über den Sommer verteilt kleine Kam- Kulturherbst le Umsetzung sowie den terminlichen Zeitrah-
merkonzerte, Auftritte von Kabarettisten oder men für die einzelnen Veranstaltungen laufen
Lesungen statt – zumeist in Verbindung mit ei- Dafür will man an der Austragung der Wormser derzeit noch. Infos unter: www.kulturnacht.
nem Mehrgangmenü. Das Angebot wurde in ei- Kulturnacht, die bekanntlich hauptsächlich worms.de. Auch von den Nibelungen-Festspie-
ner kulturell armen Zeit sehr gut von den Besu- von regionalen Kulturtreibenden bestritten len gab es kürzlich ein Lebenszeichen. Nach-
chern angenommen. Das sollte eigentlich Mut wird, festhalten, wenn auch in modifizierter dem die Festspiele im Sommer ausgefallen
für den Herbst machen, aber auch Spies ist un- Form. Aus der Kulturnacht soll in diesem Jahr sind, präsentiert man Ende Oktober ein dreitä-
sicher, was die nächste Zeit bringen wird. Zwar der „Kulturherbst“ mit mehreren Kleinveran- giges „Herbstprogramm“ (siehe Seite 6 – Das
laufen im Hintergrund bereits die Planungen staltungen werden. Durch die anhaltenden Herbstprogramm der Nibelungen) im Wormser
für den Kulturherbst im Gut Leben am Mor- Maßnahmen im Sinne der Corona-Bekämp- Kultur- und Tagungszentrum. Bleibt festzuhal-
stein, aber auch Spies weiß, dass ihm ein An- fungsverordnung wäre die Umsetzung einer ten, dass das kulturelle Leben in Worms nur
stieg der Corona-Fallzahlen noch einen gewal- „klassischen“ Kulturnacht für alle Beteiligten sehr langsam wieder in Schwung kommt,
tigen Strich durch die Rechnung machen kann. mehr als schwierig geworden. Nach der offizi- schließlich hängt eine komplette Branche in
Ähnliches gilt für den unermüdlichen Christian ellen Verschiebung der Wormser Kulturnacht der Luft und weiß nicht, wann es wieder in ge-
Ruppel, der aktuell noch an seinem Termin fürs vom Juni in den Oktober hatten die Verant- wohnter Form weitergehen kann.
Text: Frank Fischer, Foto: Andreas Stumpf
DAS WORMSER
PROGRAMM
Foto: R. Maschke
HIGHLIGHTS 2020
MIT ABSTAND: MEIN BESTES PROGRAMM
THEATER THEATER HEROES –
DO 01.10. INGO OSCHMANN FR 16.10. DAVID BOWIE TRIBUTE
20:00 UHR 20:00 UHR
THEATER BLUENITE E.V. / KVG WORMS THEATER Le BEST OF
FR 02.10. RICHIE BEIRACH QUINTET DO 22.10. ALFONS
20:00 UHR Modern Jazz 20:00 UHR Das Beste aus 25 Jahren ALFONS
THEATER WAS EN DORSCHENANNER THEATER HOMMAGE AN UDO LINDENBERG
SO 04.10. GERDA & WALTER FR 23.10. KEINE PANIK!
16:00 UHR Was sich liebt, das neckt sich 10:00 UHR
THEATER IN VOLLER LÄNGE THEATER KIM KOMMT!
FR 09.10. JONAS GREINER FR 30.10. ILL-YOUNG KIM
20:00 UHR Der wohl größte Kabarettist Deutschlands 20:00 UHR
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10 | 206 WO! AKTUELLES THEMA KULTERHERBST IN WORMS
DIE NIBELUNGEN
IM HERBST
„Das Herbstprogramm“ der Nibelungen-Festspiele
mit hochkarätigen Künstlern
In diesem Sommer konnten die Nibelungen-Festspiele aufgrund der Corona-Pandemie nicht
stattfinden. Dennoch wurde für den Herbst 2020 eine einmalige Veranstaltungsreihe mit
hochkarätigen Künstlern konzipiert. Vom 31. Oktober bis zum 2. November präsentieren die
Nibelungen-Festspiele im Wormser „Das Herbstprogramm“.
Den Auftakt macht die Sängerin und Schau-
spielerin WIEBKE PULS mit der musikalischen INFO: Der Vorverkauf für die Veranstaltungsreihe startet ab sofort. Ein umfassendes Hygiene-
Lesung „Leonard Cohen – Das Lieblingsspiel“. konzept ermöglicht den Veranstaltungsbesuch. Tickets für die Veranstaltungen können über
Leonard Cohen war einer der populärsten Sin- die Hotline 01805 – 33 71 71 (0,14 Euro/Minute aus dem dt. Festnetz, Mobilfunk maximal 0,42
ger und Songwriter der jüngsten Vergangen- Euro/Minute) oder über www.nibelungenfestspiele.de bestellt werden. Ebenso bieten alle
heit. Als Schriftsteller kennen ihn jedoch nicht bekannten Ticket-Regional-Vorverkaufsstellen die Karten an. Aktuelle Informationen zu mög-
viele. Die vielfach ausgezeichnete Schauspiele- lichen Verschiebungen und Absagen gibt es ebenfalls unter www.nibelungenfestspiele.de.
rin Wiebke Puls, Brunhild der Jahre 2004 und
2005 bei den Nibelungen-Festspielen, liest und
singt aus seinem Werk. IVICA VUKELIC begleitet Sonntag, 1. November 2020, 11 Uhr ren wird Nachwuchsregisseur TILL ERTENER,
sie an der Gitarre. DAS WORMSER Mozartsaal, VVK & AK 14,- Euro Jahrgang 1995, der bereits mit verschiedenen
Samstag, 31. Oktober 2020, 20 Uhr Arbeiten am Schauspiel Köln überzeugte.
DAS WORMSER Mozartsaal, VVK & AK 24,- Euro „Wind von Norden“ wird an zwei Abenden auf-
Ab 14 Uhr wird die NIBELUNGENLIEDGESELL- geführt. Es spielen aus dem Ensemble des
SCHAFT e.V. in zwei Vorträgen Neues aus der Nationaltheaters Mannheim und des Schau-
„Ildikó Gáspár und Lukas Bärfuss treffen Martin Nibelungenliedforschung vorstellen. Im Mittel- spiels Köln: RAGNA PITOLL, ANNEMARIE BRÜN-
Luther“ – mit einer Matinée beginnen die Veran- punkt der Veranstaltungsreihe, die seit 2002 TJEN, EDDIE IRLE und ELIAS REICHERT. Die Auf-
staltungen am Sonntag. Georg-Büchner-Preis- einen festen Platz im Kulturprogramm der Fest- führungen werden in enger Zusammenarbeit
träger und Autor der „Luther“-Uraufführung spiele hat, stehen dieses Jahr die Frauenfiguren mit dem Nationaltheater Mannheim und mit
2021 LUKAS BÄRFUSS wird zusammen mit der Kriemhild und Brunhild. Der Eintritt zu den Vor- Unterstützung des Freundes- und Förderkrei-
aus Ungarn stammenden Regisseurin ILDIKÓ trägen ist kostenfrei, eine Voranmeldung ist er- ses der Nibelungen-Festspiele e.V. ermöglicht.
GÁSPÁR zu Gast beim künstlerischen Leiter THO- forderlich unter Tel. 06241 / 2000-400. Sonntag & Montag, 1. & 2. November
MAS LAUE sein. Gemeinsam mit Festspielinten- Sonntag, 1. November 2020, 14 Uhr 2020, je 18 Uhr
dant NICO HOFMANN gewähren sie Einblicke in DAS WORMSER Mozartsaal, Eintritt frei DAS WORMSER Theater, VVK & AK 29.- Euro
das Luther-Stück und die geplante künstlerische
Umsetzung. 2021 steht nicht die Geschichte der
Nibelungen im Zentrum der Festspiele, sondern Zu einem weiteren Höhepunkt des Wochenen- Danach werden in einem Künstlergespräch
Martin Luther. Zum 500. Mal jährt sich die Wider- des zählt die Uraufführung des Gewinnerstücks und mit gelesenen Szenen aus dem Stück der
rufsverweigerung Luthers vor dem Reichstag zu des Autorenwettbewerbs der Nibelungen-Fest- Autor FERDINAND SCHMALZ und Regisseur
Worms. Mit dem Schweizer Schriftsteller und spiele 2019, „Wind von Norden“, in Kooperation ROGER VONTOBEL, gemeinsam mit dem Inten-
Dramatiker konnte ein herausragender Autor für mit dem Nationaltheater Mannheim. Der Text danten NICO HOFMANN und dem künstleri-
die Uraufführung über den großen Reformator von MATTHIAS VAN DEN HÖFEL überzeugte im schen Leiter THOMAS LAUE, aktuelle Einblicke
gewonnen werden. Die Regisseurin Ildikó Gáspár vergangenen Sommer die Jury und feiert nun über den Stand der in das Jahr 2022 verscho-
gehört zu den wichtigsten Vertreterinnen der als Gewinnerbeitrag seine Uraufführung. In benen Inszenierung „hildensaga. ein königin-
jungen ungarischen Theaterszene. Arbeiten am „Wind von Norden“ hat Hagen Unterschlupf in nendrama“ geben. In der Uraufführung erzählt
renommierten Budapester Örkény Theater, wo Rom gefunden, nachdem er vor dem Gemetzel Ferdinand Schmalz 2022 die Geschichte der
sie neben eigenen Stücken unter anderem Werke bei Hunnenkönig Etzel und der Rache Kriem- Nibelungen aus einer anderen Perspektive: Aus
von Shakespeare, Schiller und Kafka inszenierte, hilds geflohen war. Doch schon bald steht die der Sicht der Frauen. Regie führt Roger Vonto-
machten sie international bekannt: Als Regisseu- Königin, begleitet von einem Hunnenheer, vor bel, dessen Inszenierung in Worms bereits 2018
rin arbeitet sie in Schweden, Litauen, Serbien den Toren der Stadt. Ein Stück zwischen Liebe Publikum und Medien überzeugt hat.
und Deutschland. Außerdem ist sie Autorin und und Vergeltung und der großen Frage, für was Sonntag, 1. November 2020, 20 Uhr
Übersetzerin. es sich zu leben und zu sterben lohnt. Inszenie- DAS WORMSER Mozartsaal, VVK & AK 14.- Euro
WO! 10 | 20Viel Wind um nix?
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Wind8 WO! AKTUELLES THEMA ZUKUNFT DER EVENTBRANCHE
ALARMSTUFE ROT
FÜR CHRISTIAN RUPPEL
Demonstrieren für das Überleben der Veranstaltungsbranche
Für Christian Ruppel war es ein erhabener Moment, als drei seiner LKWs mit der prägnanten
Aufschrift seines Unternehmens Medienpark Vision den Hof in der Alzeyer Straße verließen, um nach
Berlin zu fahren. Ziel: die Großdemonstration der Veranstaltungsbranche am 9. September 2020.
Seit rund 30 Jahren verdient der Wormser seine tung ein Infektionsherd entstehen könnte.
Brötchen damit, Veranstaltungen im optimalen Ruppel hadert dann auch nicht mit den vergan-
Sound erklingen zu lassen und die dazu passen- genen Entscheidungen, sondern vielmehr mit
de Beleuchtung zu zaubern. Dann kam im Früh- der Perspektivlosigkeit, mit der er und seine
jahr der politische Entschluss, dass bis auf Branche zurechtkommen müsse.
Weiteres Großveranstaltungen und Messen
untersagt sind. Eine Entscheidung, die faktisch Alle schauen auf
einem Berufsverbot gleichkam und unter dem die Bundesliga
Millionen Unternehmer, Angestellte und Künst- Bereits seit einiger Zeit weist die Kreativ- und
ler seitdem leiden. Nach einer anfänglichen Ori- Veranstaltungsbranche darauf hin, dass die der-
entierungsphase präsentierte der Unternehmer zeitige Situation für viele Menschen existenzbe-
zwar im Laufe des Sommers - unter Einhaltung drohend ist. Die Deutsche Orchestervereinigung
der Auflagen der Corona-Bekämpfungsverord- (DVO) kritisiert dementsprechend, dass viele
nung - zwei neue Veranstaltungsformate (CA- Maßnahmen nicht nachvollziehbar sind. Der Ge-
Rantena Arena und WOpen Air), gemeinsam mit schäftsführer Günter Mertens erklärte hierzu: „Es
dem Kinowelt Worms Geschäftsführer Patrick ist unstreitig, dass das Risiko von Neuinfektionen
Mais. Davon leben, war aber eher nicht möglich. mit dem Corona-Virus so gering wie möglich ge- 16. September rund 50 Prozent wieder besetzt
Zwischenzeitlich wurden in Rheinland-Pfalz halten werden muss. Andererseits drängt sich vie- werden können. Bei Veranstaltungen im Freien
zwar weitere Lockerungen bekanntgegeben, lerorts der Eindruck auf, dass gerade Kulturveran- ist die Zahl auf maximal 500 Personen be-
die kommen allerdings eher dem staatlichen staltungen bei der Zulassung von Publikum schränkt. Die Zahl ist aber abhängig von einem
Theaterbetrieb zugute, die im Regelfall bereits besonders restriktiv behandelt werden, obwohl individuellen Hygienekonzept. Die Blicke der
ihr technisches Team vor Ort haben. Größere hierfür objektiv keine Veranlassung besteht.“ Im Veranstaltungsbranche richten sich nun vor al-
privat organisierte Konzerte, Partys etc. finden Visier hat Mertens auch die von Land zu Land un- lem auf die Bundesliga, denn dort dürfen 20 Pro-
sich indes bis zum Sommer 2021 nicht, da auch terschiedlichen Regelungen. So dürfen in NRW zent der Plätze wieder belegt werden. Christian
die neuen Lockerungen ein wirtschaftliches 1.000 Menschen in geschlossenen Räumen zu- Ruppel erklärt hierzu:
Arbeiten kaum möglich machen. Zu groß ist sammenkommen, während in Rheinland-Pfalz
außerdem die Angst, dass auf einer Veranstal- bei Veranstaltungen mit festen Sitzplätzen seit „Wenn das funktioniert, gibt es
eigentlich keinen Grund mehr,
dass nicht auch größere Konzerte
wieder stattfinden können“.
Mit einer Stimme sprechen
Hoffnung schöpft der Unternehmer aber auch
aus der Initiative #AlarmstufeRot. War die Bran-
che bisher aufgeteilt in Einzelunternehmer, ver-
schiedene Verbände und Initiativen, hat man
mittlerweile eine Stimme gefunden, um auf die
bedrohliche Situation aufmerksam zu machen.
Rund 250.00 Menschen und 10.000 Unterneh-
men haben sich mittlerweile dem Bündnis
angeschlossen, das erstmals mit der „Night
of light“ auf sich aufmerksam machte. Auch
Christian Ruppel engagiert sich bei der #Alarm-
stufeRot, sodass es für ihn keine Frage war, an
der großen Demonstration in Berlin am 9. Sep-
tember teilzunehmen. Mit drei stattlichen LKWs
seines Unternehmens Medienpark Vision und
elf Kollegen fuhr er dienstagmittags los Rich-
WO! 10 | 20WO! AKTUELLES THEMA ZUKUNFT DER EVENTBRANCHE 9
tung Hauptstadt, um sich sowohl am Auto Konvoy als auch an der
Kundgebung zu beteiligen. Rund 5.000 Menschen aus den unterschied-
lichsten Berufsgruppen fanden sich an diesem Tag am Brandenburger
Premium Hörgeräte
Tor ein und zeigten, wie man in diesen schwierigen Tagen, unter Einhal- – jetzt im Alltag kostenlos
tung der Hygienemaßnahmen, friedlich eine gut organisierte Demonst-
ration durchführen kann. Christian Ruppel erklärt im Gespräch mit WO! probetragen.
zu dieser Demonstration, dass diese sich ausdrücklich nicht gegen die Unvergleichbare Klangqualität
politischen Maßnahmen zum Infektionsschutz richte, sondern vielmehr Maßgeschneiderte digitale Lösungen
spreche man sich für sofortige Gespräche und finanzielle Hilfen aus. Um
Smarte Konnektivität
zu unterstreichen, wie ernst die Situation für sein Unternehmen ist, er-
klärt er uns, dass seine Einnahmen um rund 90 Prozent zurückgegangen
TNEUHEIT
sind, während die festen Kosten zum Großteil unverändert sind. Derzeit WEL
hat er zwar ein paar kleinere Aufträge, die reichen allerdings nicht zum
Überleben oder dafür, ordentliche Löhne zu zahlen. Aus diesem Grund
befinden sich seine neun Mitarbeiter auch noch in der Kurzarbeit.
200€
Sechs Maßnahmen sollen die SPAREN
NUR
Branche retten
Angesprochen auf Berlin resümiert er nüchtern:
Hörakustik!
STATT 990€
„Ob Berlin was nutzt, weiß ich nicht. Natürlich
haben uns die Politiker an diesem Tag keine N E U BE I 790€*
DELKER IN
/
konkreten Zusagen gegeben“.
/
Ruppel weiter:
WORMS * Preis pro Gerät für gesetzlich Versicherte: ab HG 5, z.B. Phonak
Audéo Paradise 50. Privapreis:1.690,00€/Gerät, inkl. Hörer,
ggf. zzgl. Privatanteil für Ohrpassstück. Bei Vorlage einer
HNO-ärztlichen Verordnung. Gültig bis 31.10.2020
„Mein Gefühl ist, dass sich nach wie vor der Delker Optik GmbH
Staat nicht für unsere Branche interessiert und Kämmererstraße 3•67547 Worms
vor allem dafür, wie wir privat überleben Tel. 06241 3092959•worms@optik-delker.de
sollen.“ Ihr Optiker mit der Vertrauensgarantie. 30 mal in Baden,
Weil man nicht einfach nur demonstrieren möchte, son- Rheinhessen und der Pfalz und auf www.optik-delker.de
dern konstruktiv zur Lösung des Problems beitragen
möchte, hat die Initiative #AlarmstufeRot sechs Maß-
nahmen erarbeitet, die der Branche das Überleben si-
chern soll. So schlägt sie ein Überbrückungsprogramm vor, das sowohl für
Einzelunternehmer als auch für mittelständische Unternehmen greifen
soll. Ebenso empfehlen sie die Anpassung verschiedener Kreditprogram-
me, steuerliche Maßnahmen wie die Rückerstattung zu viel gezahlter Steu-
ern, mehr Flexibilisierung bei der Kurzarbeiterregelung, mehr Hilfe durch HeinricH-Völker-Bad
den EU-Beihilferahmen, da alle bisherigen Programme in Deutschland
nicht ausreichen, um die Unternehmen der Veranstaltungswirtschaft und Wir freuen uns auf Euren Besuch mit
damit Millionen Arbeitsplätze zu retten. Als sechste Maßnahme möchte Online-Anmeldung!
man einen „Rettungsdialog“ und fordert die Regierung dazu auf, dass,
ähnlich wie in der Tourismusbranche, konkret ein Regierungsbeauftragter
dafür abgestellt wird, in Verhandlungen gehen zu können.
Nichtstun ist keine Option
Einen Dialog mit der Politik suchte Ruppel gemeinsam mit vier weiteren
Unternehmern, u.a. mit Timo Holstein, der in Kirchheimbolanden eine
Eventagentur betreibt. Am 10. September traf man sich auf Einladung der
Fraktionen der SPD und CDU in Mainz. Konkrete Zusagen gab es natürlich
nicht, aber zumindest das Gefühl, dass man mit offenem Ohr zugehört hat,
schildert Christian Ruppel den „runden Tisch“. Die Politik sicherte zumin-
dest zu, sich zukünftig regelmäßig zu treffen. Auch wenn weiterhin unklar
ist, wohin für Christian Ruppel und sein Unternehmen die Reise geht, kann
er rückblickend dem Jahr auch gute Momente abgewinnen und betont
zum Abschluss unseres Gesprächs, dass er in den zurückliegenden Mona-
ten sehr viele neue Menschen kennengelernt hat. Zudem wurde er ge-
zwungen, neue Wege zu gehen oder Konzepte zu entwickeln. Nichtstun
und warten, ist auf jeden Fall für ihn keine Option. Aktuell arbeitet er ziel-
strebig auf das Winter Varieté zu, das in diesem Jahr im Dezember zum
dritten Mal stattfinden soll. Natürlich ebenfalls unter strikter Einhaltung
der Verordnungen. Zudem lässt er durchblicken, dass es möglicherweise in www.wormser-baeder.de
den Adventswochen eine weitere Überraschung geben wird. Mehr möchte
er aber derzeit nicht verraten!
Text: Dennis Dirigo Fotos: Christian Ruppel
WO! 10 | 2010 WO! AKTUELLES THEMA WORMSER SCHAUSTELLER IN ZEITEN VON CORONA
NUR EIN HAUCH VON
NORMALITÄT
Wormser Schausteller in Zeiten von Corona
Nibelungenland, Festplatz to Go, Schaustellerbuden in der Fußgängerzone, ein Biergarten inmitten des
Wormser Wäldchens und in Rheindürkheim. Im ersten Moment könnte man meinen, den Wormser Schau-
stellern ginge es mittlerweile wieder blendend. Doch das trifft nur bedingt zu. Richtig ist, es wurde für einen
Teil Möglichkeiten gefunden, wieder Geld zu verdienen. Doch von Entspannung ist man weit entfernt.
Im Gespräch mit WO! erzählt René Bauer, der man in den vergangenen Monaten immer wie- gann, auf eigene Rechnung zu planen. Im Ge-
selbst eine Reisegastronomie führt und seit der Gespräche mit der Politik, doch die verlie- spräch mit WO! erklärt die Familie, die ihr Un-
mehr als zehn Jahren Präsident des Schaustel- fen bisweilen ernüchternd. Ein Rettungsschirm ternehmen mit Autoscooter aufbaute und vor
lerverbandes Worms-Wonnegau ist, dass die für die Branche scheint nach wie vor in weiter allem für seine sieben Riesenräder und die
Situation für viele Familien nach wie vor ange- Ferne. Albert Ritter, Vorsitzender des DS e.V., er- Wilde Maus bekannt ist, dass man natürlich
spannt ist. Insgesamt leben in Worms 58 Famili- klärte unlängst, dass die bisherigen Maßnah- zuerst Wormser Betriebe anfragte. Da vielen
en von den Einnahmen auf Jahrmärkten und men kaum helfen werden. Wichtiger sei es, den das Risiko eines privaten Freizeitparks zu
anderen Festen. Mit dem Lockdown und dem Menschen wieder Perspektiven zu geben. Bauer hoch war, sagten letztlich nur fünf Familien
Verbot von Großveranstaltungen kam sozusa- betont in diesem Zusammenhang, dass es nicht zu. Die restlichen Fahrgeschäfte und Gastro-
gen von heute auf morgen ein Berufsverbot. In nur die Schausteller sind, die unter dem Verbot nomen kommen aus ganz Deutschland und
Worms machte sich schnell Hilfe breit. Im Stadt- leiden, sondern auch zahlreiche Zulieferer, wie Holland. Gemeinsam mit der Stadt erarbeitete
rat verabschiedete man einen Corona-Hilfs- Getränkefirmen, Metzgereien, technische Zuar- man ein Hygienekonzept und erhielt eine Ge-
fonds, der miteinschloss, dass die Stadtverwal- beiter und letztlich auch die Angestellten. In nehmigung für 1.300 Gäste, die sich zeitgleich
tung nach Wegen sucht, wie man zumindest die normalen Zeiten beschäftigt er bei seiner Tour auf dem großen Platz bewegen dürfen. Aber
finanziellen Ausfälle abfangen kann. René Bau- durch Deutschland 16 Mitarbeiter. Derzeit sind auch die Familie Göbel betont, dass dies nicht
er lobt dann auch ausdrücklich die Kooperation es noch zwei. Verstärkung erhalten sie in dem ausreicht, um erfolgreich zu arbeiten, denn
mit der örtlichen Politik und der Stadtverwal- provisorischen Biergarten im Grünen durch immerhin gilt es, 150.000 Euro Fixkosten mo-
tung und zeigt sich gerührt von Spendenaktio- Aushilfskräfte und René Bauers Sohn Jeffrey, natlich zu stemmen. Kein Zuckerschlecken.
nen wie der des Inner Wheel Club, der 3.200 der den Biergarten leitet. Weggebrochen sind Wichtig ist für alle die Frage, wie es mit dem
Euro sammelte. Vorwürfe erhebt er jedoch ge- ihm insgesamt 18 Veranstaltungen. Zwar ist die Weihnachtsgeschäft aussieht? Normalerweise
genüber der Bundespolitik. Bundesweit gibt es Familie mit dem Zuspruch im Wäldchen zufrie- ist die Familie mit ihren eindrucksvollen Kons-
102 Verbände, die unter dem Deutschen Schau- den, doch die entgangenen Einnahmen können truktionen in ganz Europa unterwegs. Ob dies
stellerbund e.V. versammelt sind. Zwar suchte damit nicht kompensiert werden. in diesem Jahr noch möglich ist, scheint eher
fraglich. Für René Bauer ist klar, dass der
Ähnlich sieht das auch die Familie Wormser Weihnachtsmarkt anders sein wird
Göbel. Während die Fahrgeschäfte wie gewohnt. Dennoch hofft er, dass man ge-
so mancher Familie in den Lager- meinsam mit der Stadt eine Lösung findet.
hallen verstaubt, hat die Schau- Eine Frage, mit der man sich ebenfalls be-
stellerfamilie Göbel das Beste aus schäftigt, ist die Frage nach dem Backfischfest
der Situation gemacht und be- 2021. Ein privat organisiertes Backfischfest,
treibt mit weiteren Schaustellern wie in diesem Jahr das Nibelungenland,
seit Mitte August auf der Kissel- schließt er kategorisch aus. Sollte es die Stadt
wiese das Nibelungenland (noch nicht ausrichten können, so kann er sich vor-
bis zum 4. Oktober). Ursprünglich stellen, dass der Verband einen Weg findet,
war von Seiten der Stadt geplant, das beliebte Volks- und Weinfest auszurich-
einen „mobilen Freizeitpark“ für ten. Die Familie Göbel plant derweil weitere
Wormser Schausteller zu ermögli- Aktionen. Neben dem Nibelungenland haben
chen. In der Umsetzung taten sich sie aktuell ihr neuestes Zugpferd, ein elf Milli-
jedoch zahlreiche Hürden auf, so- onen Euro teures Riesenrad, in Bad Dürkheim
dass sich der Verband von der aufgebaut. Normalerweise würde es im Winter
Idee zurückzog. Die Familie Göbel wieder im Hyde Park in London stehen. Aber
zeigte sich indes angetan und be- was ist schon normal in diesen Tagen?
Text: Dennis Dirigo Foto: Andreas Stumpf
WO! 10 | 20T E
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Fotos: Diogenes B. ALbers, Titel-Foto: Maike Müller,
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Familie Göbel aus Worms, seit fünf Generationen im
Schaustellergewerbe; mit 7 mobilen Riesenrädern auf über
300 Metern Gesamthöhe Marktführer bei mobilen Anlagen.
SCHAUSTELLUNGS - BETRIEBE Achterbahn «Wilde Maus», 3 Autoscooter.12 WO! POLITIK
GROSSE ZIELE UND
EIN MÜHSAMER WEG
Ein Jahr GroKos Worms-Plan
Es waren markige Worte, mit denen der Worms-Plan von den Autoren der CDU- und SPD-Stadtratsfraktionen
angekündigt wurde. Seitdem ist etwas mehr als ein Jahr vergangen. Bekanntermaßen sind es die Taten und nicht
die Worte, die zählen. In einem Pressegespräch zogen die Fraktionsvorsitzenden Stephanie Lohr, Dr. Klaus Karlin
(beide CDU), Jens Guth, Timo Horst (beide SPD) sowie Oberbürgermeister Adolf Kessel (CDU) eine erste Bilanz.
ERSTE ERFOLGE EHRGEIZIGE ZIELE
Entwickelt wurde der Plan u.a. bei einem Koalitionsworkshop im August Stephanie Lohr erläuterte zu Beginn, dass man den Fokus bei dem
letzten Jahres, zu dem man sogenannte Impulsgeber einlud. Eine bunte zweitägigen Workshop auf die Themen Innenstadtentwicklung,
Mischung aus Vertretern der freien Wirtschaft kam ebenso zu Wort, wie Mit- Sicherheit, Kultur, Wirtschaft, Tourismus und Bildung legte, wobei
arbeiter der Stadtverwaltung. Aus den Gesprächen und den individuellen oftmals die Themen nur schwer voneinander zu trennen sind. So ge-
Zielen der Partei entwickelte man den 33-seitigen Plan, der Worms zu ei- hen Wirtschaft, Tourismus, Kultur und Innenstadtentwicklung Hand
nem lebenswerteren Ort machen soll. Dem Konzept eines Workshops blieb in Hand. Klaus Karlin nannte als ehrgeiziges Ziel, die Zahl der Über-
man auch bei der diesjährigen Evaluation des Plans treu und lud an zwei nachtungsgäste zu steigern, dafür müssen natürlich die Innenstadt,
Tagen abermals Impulsgeber ein, um den gemeinsamen Plan auf den Prüf- aber auch das Rheinufer und der Weg dorthin attraktiver werden. Ein
stand zu stellen. Was lief gut, was muss angepasst werden und wo setzen Weg, der sicherlich kein einfacher sein wird. Erste Schritte sind ge-
die Fraktionen in den kommenden zwölf Monaten ihren Schwerpunkt? Ein legt, so z.B. Kriemhilds Rosengarten, der aktuell am Rheinufer ent-
Blick in die Vergangenheit zeigt aber zunächst, dass Politik ein mühsames steht. Auch befindet sich offenbar das lange angekündigte Ibis Styles
Unterfangen ist, das bisweilen nur in kleinen Schritten vorangeht. Konkrete Hotel auf der Zielgeraden, ebenso wie die Bewerbung um Aufnahme
Ergebnisse waren dementsprechend rar bei der Gesprächsrunde. Einen in das UNESCO-Weltkulturerbe-Programm – gemeinsam mit den
Schritt, den man sicherlich verwaltungsintern als großen Erfolg feierte, der Städten Speyer und Mainz. Diese erfordert übrigens zusätzliche
aber für die Bevölkerung erst mal eher sekundärer Natur ist, ist die Um- Modifikationen bei der Planung des Hotels am Wormser. So dürfen
wandlung der Wormser Entsorgungsbetriebe (ebwo) in eine Anstalt des z.B. an der Seite Richtung Heiliger Sand keine Fenster sein, ebenso
öffentlichen Rechts. Zielsetzung war es, dem Betrieb mehr unternehmeri- muss die Höhe angepasst werden. Andere Fragen, wie z.B. der Um-
sche Flexibilität einzuräumen, sowie die Möglichkeit zu schaffen, dass der gang mit den ungeliebten Bitumina-Tanks oder wo ein Campingplatz
stadteigene Betrieb bei der ehrgeizigen Umsetzung der Neuansiedlung entstehen könnte, sind immer noch ungelöst. In Fragen der Innenstadt-
Hauptfeuerwache und ebwo auf dem Salamandergelände als Bauherr entwicklung soll es ein externer Berater richten. Hierfür stellte man
agieren kann. Klaus Karlin sieht dementsprechend die Umsetzung des neu- erst kürzlich 100.000 Euro per Stadtratsbeschluss bereit. Die Proble-
en Feuerwehrkonzeptes auf einem guten Weg. Ein Ziel, dem man sich me wiederum sind eigentlich bekannt und wurden dementsprechend
ebenfalls beharrlich nähert, sei die Ausweitung des Wormser Vollzugs- auch in dem Gespräch benannt. Die Konkurrenz aus dem Internet ist
dienstes zu einem 24-Stunden-Dienst. Davon ist man zwar noch weit ent- dabei nur ein Teil. Die Entwicklung der Kaufkraft in Worms ist zusätz-
fernt, dennoch betonten alle Beteiligten, dass man zwischenzeitlich neue lich durch Corona geschwächt, auch bedarf das gastronomische Ange-
Stellen geschaffen und besetzt habe. Allerdings räumte man auch ein, dass bot einer Stärkung. Zum Problem gehören aber auch steigende Miet-
es nach wie vor schwierig sei, geeignete Bewerber zu finden. Auch in Sa- preise, wodurch Leerstände in der Innenstadt zum unschönen
chen Umwelt sei man ein gutes Stück weitergekommen und verwies auf die Erscheinungsbild beitragen. Bei der Gesprächsrunde thematisierte
zuletzt aufgestellten Wasserspender, sowie die Ernennung eines Insekten- man dementsprechend, dass es in den letzten Jahren nicht gelungen
schutzbeauftragten. Zusätzlich stünde die Evaluation des Klimakonzeptes sei, die Immobilienbesitzer an einen runden Tisch zu bringen. Das ist
auf der Agenda. Auch touristisch sei man ein Stück weitergekommen, in aber ein notwendiger Schritt. Die beiden Koalitionäre hoffen nun
dem man das Profil von Worms durch die Schaffung eines touristischen darauf, dass einem externen Berater gelingt, was Wormser Initiativen
Zentrums zwischen Hochstift und dem Dom St. Peter schärfen würde. Kon- verwehrt blieb. Die Botschaft an die Eigentümer ist, nur wenn allen
kret nannte man hier die Konzeptvergabe Andreasquartier. Auch in Fragen gemeinsam gelingt, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, erzeugt
der Kundenbetreuung bewege man sich auf einem guten Weg. Zur Wahr- dies auch höhere Mieteinnahmen. Um Worms wirtschaftlich zu stär-
heit gehört aber auch, dass Worms in den nächsten Jahren weiterhin hinter ken, möchte man verstärkt junge Gründer in die Stadt locken. Wie das
der Bedarfsplanung herhinkt. Bezogen auf den Plan, der in konkrete Schrit- geschehen soll, muss noch geklärt werden. Klar ist, dass das Gründer-
te unterteilt ist, fehlen sicherlich noch viele Häkchen. Doch das Thema Co- zentrum nicht mehr zeitgemäß sei. In Fragen der Gewerbeflächen kon-
rona hat auch vor dem Worms-Plan nicht Halt gemacht und wirbelte die zentriert man sich auf die landwirtschaftlichen Flächen hinter der
Stadtpolitik gehörig durcheinander. Insofern ist natürlich der Blick in die Renolit. Am Ende des Gesprächs steht fest, dass in den nächsten vier
Zukunft ein wesentlicher bei diesem Gespräch gewesen. Jahren noch einiges an Arbeit ansteht.
Text: Dennis Dirigo
WO! 10 | 20WO! POLITIK 13
STADT LÄDT ALLE BÜRGER ZUR
TEILNAHME AN EINER UMFRAGE EIN
Umfrage zu dem Thema Sicherheit und Ordnung in Worms
„Sicherheit in Worms: Mitreden und mitmachen!“ Unter diesem Titel lädt die Stadtverwaltung
alle Bürger noch bis zum 31. Oktober dazu ein, sich an einer Umfrage zu beteiligen
(www.umbuzoo.de/q/SicherheitinWorms/de). Anlass ist ein neues Sicherheits- und Präventions-
konzept, das derzeit erarbeitet wird.
Seit Jahren ist Sicherheit ein Thema, das vielen Bürgern unter den Nä- Folge dessen kam es zu mehreren gemeinsamen Kontrollaktionen, die
geln brennt. In den Sozialen Netzwerken wird ebenso ausgiebig darüber zuletzt sich jedoch mehr auf den fließenden Verkehr konzentrierten.
diskutiert, wie in den Straßen von Worms. Gefühlt dürfte dementspre- Um ein möglichst genaues Stimmungsbild zu bekommen, hoffen die
chend auch das Ergebnis dieser Umfrage eher negativ ausfallen. Wäh- Verantwortlichen der Stadt auf möglichst viele Teilnehmer. Der Anfang
rend viele Bürger insbesondere die Entwicklung der Wilhelm-Leusch- lässt hoffen. Bisher stößt die Umfrage auf eine große Resonanz. Unge-
ner-Straße, sowie das Bahnhofsumfeld als Synonym für den Niedergang fähr 15 Minuten dauert online das Ausfüllen des Fragebogens. Neben
der einst stolzen Kaiserstadt sehen, ist die Meinung der Polizei eine an- Fragen zum Sicherheitsgefühl, kann man sich auch zur Verkehrssituati-
dere. Gerade bei einem Pressegespräch Anfang August betonte Danilo on oder zu Schmutz in der Innenstadt äußern. Darüber hinaus lädt der
Lange, Leiter Kriminalinspektion Worms, dass es zumindest in Bezug Bogen dazu ein, Maßnahmen vorzuschlagen oder Wünsche und Ideen
auf registrierte Straftaten keinen Grund zu Panik gibt. Doch gerade das, einzubringen. Spannend wird letztlich die Frage sein, inwieweit die Ant-
was die Polizei nicht sieht, sorgt bei vielen Bürgern für ein ungutes Ge- worten Eingang in das geplante Konzept finden. Wer den Fragebogen
fühl. So war der eruptive Gewaltausbruch in der Rheinstraße Ende Mai nicht online ausfüllen möchte oder kann, hat die Möglichkeit, sich im
für die Sicherheitskräfte dieser Stadt offenbar nicht vorauszusehen. In Verwaltungsgebäude den Fragebogen in Papierform abzuholen.
Text: Dennis Dirigo
AXEL HENGST
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Eigene Parkplätze vor der Tür
WO! 10 | 2014 WO! POLITIK KAUFHOF
DAS ENDE NAHT, ABER
WAS KOMMT DANACH?
Ungewisse Aussichten für das Kaufhofgebäude
Noch wenige Wochen, dann endet ein Stück Wormser Innenstadtgeschichte, wenn
die Türen des Kaufhofs endgültig geschlossen bleiben. Aber wie geht es danach weiter?
Wird zunächst aus dem mächtigen Gebäude, das seit 1965 an diesem Ort steht, eine
Bauruine, die den Wandel der Zeit symbolisiert?
Es war eine Nachricht wie ein Pauken- klare Absage. Realistisch hält er aller-
schlag, als am 19. Juni nach bangen dings den Einzug der Bauverwaltung in
Wochen feststand, dass das Unterneh- die Verwaltungsräume des Kaufhofge-
men Galeria Karstadt Kaufhof zahlrei- bäudes. Schon länger plant die Stadt
che Filialen unwiderruflich schließen eine Zusammenlegung der Bauverwal-
wird, darunter auch die traditionsrei- tung und des Gebäudebewirtschaf-
che Filiale in Worms. Das war nicht nur tungsbetriebs (GBB), nur mangelte es
ein Schock für die Wormser Innenstadt bisher an Räumlichkeiten. Das könnte
und die Kaufhof Mitarbeiter, sondern sich nun ändern. Kessel berichtet hier-
auch für die Politik, die alsbald in hek- zu, dass ein vernünftiges Mietangebot
tische Betriebsamkeit ausbrach. Ziel vorliege. Was passiert aber mit den
sollte sein, einen Leerstand zu vermei- Warenflächen? Gemeinsam mit den
den, da ein leerstehendes Gebäude Immobilienbesitzern, der Firma ehret
dieser Größenordnung sicherlich nicht + klein, trafen sich in den ersten Sep-
zur Attraktivität der ohnehin mit Prob- temberwochen verschiedene Akteure.
lemen belasteten Fußgängerzone bei- Das Ergebnis der Treffen fällt aller-
trägt. Ideen, wie das große Gebäude dings nicht sonderlich spektakulär
wieder mit Leben gefüllt werden kann, aus. In einer Pressemitteilung heißt es,
gab es zuhauf. Das Problem hierbei, dass im Erdgeschoss bisher drei Vari-
nur die wenigsten schienen auch rea- anten für eine mittel- und langfristige
listisch zu sein. Bereits in einer sehr Nutzung denkbar seien. Die erste Mög-
frühen Phase liebäugelte die Wormser lichkeit sieht einen Einzelhändler auf
SPD damit, dass man die Verwaltungs- der kompletten Fläche im Erdgeschoss
und Lagerräume für die Stadtverwal- vor. Ebenfalls möglich sei ein kleinerer
tung nutzen könnte, da bekannterma- Einzelhändler in Kombination mit
ßen die Raumkapazitäten der Stadt mehreren kleinflächigeren Gewerbe-
nahezu erschöpft sind. Klingt durchaus einheiten. Als dritte Option könnten
logisch, wird aber der Innenstadtent- viele Einzelhändler nebeneinander
wicklung wenig nutzen. funktionieren, die sich im besten Fall
eher Fantasieschlösser waren als realistische ergänzen. Das klingt nach all den Workshops
In den folgenden Wochen wurden weitere Ide- Vorschläge, da es schlicht und ergreifend für doch eher ernüchternd. In Anbetracht der leer-
en entwickelt, wie der sogenannte „Dritte Ort“, eine hochverschuldete Stadt nicht möglich ist, stehenden Immobilien in der Fußgängerzone
einer öffentlichen Begegnungsstätte für Jung ein derart großes Gebäude anzumieten, ohne dürfte sich die Suche nach attraktiven Mietern
und Alt, oder auch die Verlegung der Volks- eine solide Gegenfinanzierung zu haben. Im nicht einfach gestalten. Insofern dürfte es
hochschule in das Gebäude. Aufmerksame Be- Gespräch mit WO! erklärt Oberbürgermeister wahrscheinlich sein, dass ab dem 1. November
obachter ahnten bereits, dass diese Varianten Adolf Kessel solchen Gedankenspielen eine eine weitere Bauruine das Stadtbild prägt.
Text: Dennis Dirigo, Foto: Andreas Stumpf
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Wormser Kloprobleme gelöst
Bahnhofstoilette wird wieder eröffnet /
Rathaus bekommt behindertengerechte Toilette
Es ist ein Bedürfnis, dass alle Menschen eint – egal ob reich, arm, gesund oder einge-
schränkt: Der Gang zur Toilette. Und weil das so ein notwendiges Anliegen ist, sollte
es in öffentlichen Einrichtungen zur Normalität gehören, dass Toiletten für Jedermann
vorhanden sind. 2021 dürfte in dieser Hinsicht ein gutes Jahr geben.
Obwohl der Stadtrat bereits 2015 einstimmig für die Umset- Gute Nachrichten gibt es auch für Bus- und Bahnfahrer.
zung des Aktionsplans der UN-Behindertenrechtskonventi- Nachdem im Sommer die barrierefreie Bahnhofstoilette
on in der Nibelungenstadt stimmte, schien sich niemand für gleich zwei Mal zum Ziel von Verwüstungen wurde, be-
das Toilettenproblem im Wormser Rathaus schloss die Stadt Worms, diese nicht mehr herzurich-
zu interessieren – bis auf Wolfgang Schall, ten. Anfragen an die Bahn endeten mit der Aussage,
den Behindertenbeauftragten der Stadt. dass diese sich nicht zuständig fühle, da sie ihrer Toilet-
Dieser machte bereits 2016 auf diesen tenpflicht bereits in den Zügen nachkäme. Für Wormser
Lapsus aufmerksam, denn dieser Miss- Busnutzer und Bahnreisende, die auf ihren Zug warten,
stand führte dazu, dass der städteeigene waren das düstere Aussichten. Der Seniorenbeirat und
Behindertenbeirat seine Sitzungen nicht im der Behindertenbeirat wiesen umgehend darauf hin,
Rathaus abhalten und die Stadt keine Men- dass das vor allem für die Gruppen, die sie vertreten,
schen einstellen kann, die auf eine behin- ein unhaltbarer Zustand sei. Im Stadtvorstand, in dem
dertengerechte Toilette angewiesen sind. neben dem Oberbürgermeister alle übrigen Dezernen-
Dieser Fehler soll nun endlich korrigiert ten vertreten sind, sprach man über die Zukunft des
werden. Anfang des Jahres erklärte Ober- stillen Örtchens und kam schließlich zum einmütigen
bürgermeister Kessel, dass er sich persön- Ergebnis, dass gerade für eine Stadt dieser Größenord-
lich des Problems annehmen werde und nung und vor dem Hintergrund eines funktionierenden
sorgte dafür, dass im Haushalt ein entspre- ÖPNV eine intakte und barrierefreie Toilettenanlage im
chender Betrag eingestellt wurde. Die Mo- Bahnhofsgebäude, das als Entree zur City eine beson-
nate vergingen und es wurde wieder ruhi- dere Bedeutung habe, unverzichtbar sei. Über den
ger. Doch nun nimmt die Sache Fahrt auf. Termin der Wiedereröffnung kann derzeit noch keine
Im September präsentierte Kessel Wolf- Auskunft gegeben werden. Sobald die Vergabe der
gang Schall zwei Pläne, die zwar nicht der einzelnen Gewerke erfolgt sei, soll es mit den Arbeiten
grundsätzlichen Norm entsprächen, aber losgehen. Kessel hofft dementsprechend auf eine
behindertengerecht waren. Als nächster Wiedereröffnung Anfang nächsten Jahres.. Ebenso ist
Schritt erfolgen Gespräche mit der Unteren noch unklar, wie man die Öffnungszeiten zukünftig
Denkmalschutzbehörde, da das Rathaus denkmalgeschützt anlegen wird. Klar ist wiederum, dass Reinigung und
ist. Adolf Kessel sieht dahingehend aber kein Problem, so- Schließdienst extern vergeben werden und die Stadt
dass er davon ausgeht, dass der Baustart im Erdgeschoss einen Nutzungsvertrag mit der Bahn schließen muss, da
noch Ende des Jahres erfolgen könnte. sich die Toilette auf Bahngelände befindet.
Text und Foto: Dennis Dirigo
WO! 10 | 20WO! BAUEN, WOHNEN UND LEBEN IN WORMS 17
Keine Ruhe für das
Parkhaus am Dom
Problematische Einfahrt sorgt für Kontroversen
Es hätte alles so schön sein können. Nach fünfjähriger Bauzeit, vielen Diskussionen,
Rechtsstreitigkeiten und rund zehn Millionen Euro Baukosten wurde am
3. August das Parkhaus Koehlstraße seiner eigentlichen Bestimmung übergeben,
nämlich Autos einen sicheren Ort zu bieten. Doch dann regte sich erste Kritik!
Bereits wenige Tage nach der Eröffnung beschwer- menhängt, das allerdings an keiner anderen Stelle rung der Einfahrt bereits die Verkehrsinsel auf der
ten sich Autofahrer darüber, dass der Einfahrtswin- angebracht werden konnte. So musste dies vor Straße verkleinert, um ein besseres Einscheren zu
kel, insbesondere wenn man von Richtung des dem Parkhaus befestigt werden, da die Raumhöhe ermöglichen, Poller zur Orientierung und eine
Doms kommt, so knapp bemessen sei, dass man im Parkhaus nicht ausreichte. Für eine Verände- Hilfslinie am Boden angebracht. Zum Abschluss
das Auto verlassen müsse, um ein Einfahrticket zu rung hätte man in die Bausubstanz eingreifen müs- wollen wir noch wissen, ob der Baudezernent die
ziehen. Die Wormser Zeitung positionierte darauf- sen. Die Folge wäre gewesen, das Gebäude höher Kritik bzw. die Aktionen der FWG nachvollziehen
hin eine Volontärin vor dem Parkhaus, die sozusa- zu planen, wodurch Abstandsflächen nicht mehr kann. Hierzu fällt sein Kommentar eindeutig aus:
gen eine Vorortreportage führte. Ihr Ergebnis: 14 gepasst hätten und wofür letztlich keine Genehmi- „Für konstruktive Kritik ist die Verwaltung jederzeit
von 15 Autos bekamen nicht die Kurve und muss- gung erteilt worden wäre. offen und stellt sich gerne auch einer kontrovers ge-
ten nachjustieren oder gar aussteigen. Für die FWG/ führten, aber lösungsorientierten sachlichen Dis-
Bürgerforum Worms, die gerne mit satirischen Akti- Der WO! Selbsttest am kussion. Die an den Tag gelegte Polemik der FWG
onen für Aufmerksamkeit sorgt, war das offenbar Parkhaus am Dom hingegen dient offenbar aber nur einem Zweck: Die
Wasser auf die Mühlen, zumal sie im Stadtrat zu Wagemutig stellten wir uns schließlich einem Verwaltung öffentlich zu diskreditieren und das Ver-
den stärksten Kritikern des Baudezernenten Uwe Selbsttest. Das Auto unserer Wahl: ein BMW 3er trauen der Bürger in die Verwaltung über eine vor
Franz (SPD) gehörten. Ende August veröffentlichten Modell. Als wir uns der Einfahrt aus dem berüch- allem in den sozialen Netzwerken forcierte Kampa-
sie schließlich ein dreiminütiges Video, bei dem sie tigten Winkel nähern, zeigt sich, dass diese tat- gne zu schwächen. Von politischem Verantwor-
diverse Einfahrmanöver filmten und das auf großes sächlich sehr knapp ausfällt. Wir schaffen es, ohne tungsbewusstsein zeugt dies nicht gerade.“ Ähnlich
Interesse stieß (bisher rund 21.000 Aufrufe). Zuletzt auszusteigen an den Ticketgeber ranzufahren, al- sieht das auch David Hilzendegen (Stadtrat
boten sie vor dem Parkhaus eine „Überbrückung“ lerdings müssen wir hierzu recht präzise fahren, Bündnis90/Die Grünen): „Stupides Bashing der
an, um als lebendiger Ticketservice auszuhelfen. wenn man verhindern möchte, dass man Be- Stadtverwaltung löst unsere Probleme im Baube-
Die Aktion sorgte ebenfalls für viel Aufmerksamkeit kanntschaft mit einem der Poller macht. Natürlich reich genauso wenig wie das Wegducken des OBs.
und machte uns neugierig. Überfordert das Park- waren wir auch im Vorteil, da wir von der Proble- Problematisch ist, dass durch die Aktion der FWG
haus tatsächlich seine Besucher oder ist es eine matik wussten. Das Urteil des Redakteurs: Mit einzelne Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung
überzogene Darstellung? Wir fragten bei der Stadt dem ihm eigenen Kleinwagen (ein Peugeot405) in die Öffentlichkeit gezogen werden und für poli-
nach. Die Verwaltung erklärt in einer Stellungnah- wäre es vermutlich weniger problematisch gewe- tische Fehler haftbar gemacht werden, für die ei-
me: „Entgegen womöglich anderer Einschätzungen: sen. Mit einem SUV oder einem ähnlich großen gentlich gewählte Oberbürgermeister und Dezer-
die Ein- und Ausfahrt des neuen Parkhauses am Dom Auto dürfte das Manöver zumindest für einen un- nenten die Verantwortung übernehmen müssten.“
befindet sich an der gleichen Stelle wie beim alten geübten Autofahrer ziemlich umständlich ausfal- Letztlich wird Worms mit einem Parkhaus leben
Parkhaus. Die Lage des Ticketgebers ergibt sich len. Wir fragten bei Franz nochmal nach, ob es müssen, das zwar im Inneren mit modernster
zwangsläufig aus den geometrischen Gegebenhei- möglich ist, Korrekturen vorzunehmen und den Ausstattung punktet, hell und geräumig ist, aber
ten (die Lage zur Straße, zur Gebäudekante usw.).“ Ticketgeber zu versetzen. Mit Verweis auf die Posi- eben den kleinen Makel besitzt, nicht rundum
Franz räumte aber auch ein, dass das Problem wo- tion des Rolltors erklärt Franz, dass ein Versetzen gelungen zu sein.
möglich mit der Positionierung des Rolltors zusam- nicht möglich sei. Allerdings wurden zur Verbesse- Text: Dennis Dirigo, Foto: Andreas Stumpf
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