Bauboom: Die SAGA klotzt ran - Mieterverein zu Hamburg

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Bauboom: Die SAGA klotzt ran - Mieterverein zu Hamburg
Zeitschrift des Mietervereins zu Hamburg von 1890 r. V. · Landesverband im Deutschen Mieterbund · C 11622 F   AUSGABE 3/2017

Bauboom:
Die SAGA
klotzt ran

Eilbek: Michael Pommerening führt durch seinen Stadtteil
Porträt: Falko Droßmann, Bezirksamtsleiter Mitte
Mieterstrom: Was Mieter wissen müssen
Bauboom: Die SAGA klotzt ran - Mieterverein zu Hamburg
Flexibilität,
         Schnelligkeit,
                                 IHR UMZUGS-FACHBETRIEB                                                                                                              Frühbucherrabatt
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                                      Unverbindliche Besichtigung und              Disponent

                                      Kostenvoranschlag sind selbstverständlich
                                                                                                                   - Überseeumzüge             Walter Voss Spedition
                                      Abrechnung auch über Sozialamt,                           Michael
                                      Arbeitgeber und Bundeswehr                                 Bewernick
                                                                                                 Geschäftsführer   - Entrümpellungen           Familienbetrieb seit 1928
                                      Verkauf und Verleih von Umzugsbedarf
                                                                                                                   - Tischler
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                                  und 040/691 51 01 · Fax: 040/697 91 323
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                  Mitglied werden, Mitglieder werben – es lohnt
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                       Genießen Sie die Vorteile einer starken Gemeinschaft und freuen Sie sich
                              auf eine Prämie als Dankeschön für jedes neue Mitglied.

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                                                                                                                                                                     AMÖ-Spe

                               Montagen + Packarbeit
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                                                                                                                                                                                                    rte n

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                                                                                          lf Baue
                                                                                             B
                                                                                             Bauerr G
                                                                                                    GmbH
                                                                                                     mbH
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                                                                                                                                                                    W 2121-23
                                                                                                                                                                           23
                                                                                Allgemeiner Allround-                    Fax 040 / 66 21 81              22149 Hamburg
                   22089 Hamburg                                                umzugsservice                            E-Mail: info@bauerumzug.de      Deutschland
               Wandsbeker Chaussee 116
Bauboom: Die SAGA klotzt ran - Mieterverein zu Hamburg
Mieterverein aktuell

                                                                                                 Mieterverein aktuell
                                                                                           3 Editorial
                                                                                           4 Mitarbeiter stellen sich vor;
                                                                                         		 Leserbrief

Editorial                                                                                 5	Meldungen; Wussten Sie ...?;
                                                                                         		 Aus dem Fotoalbum von
                                                                                         		 Martin Steinröx (2)
Liebe Mitglieder,
sehr geehrte Leserinnen und Leser,
                                                                                                 Leben in Hamburg
                                                                                           6 Titelstory: Bauen für Hamburg:
                                                                                         		      Die SAGA Unternehmensgruppe
    dass der Wohnungsmarkt in allen Ham- naheliegenden Sanktionen für Gesetzes-          		      klotzt ran wie zuletzt in
burger Stadtteilen extrem angespannt ist, brecher und Streichung von Ausnahme-           		      den 1970er-Jahren
wird mittlerweile nicht einmal mehr von tatbeständen. Statt dies zu unterstützen,        9		     Interview zum Titelthema mit
den Protagonisten der Wohnungswirtschaft fordern die wohnungswirtschaftliche             		      SAGA-Vorstand Thomas Krebs
geleugnet. Leider konnten die Wohnungs- Lobby und ihr nahestehende Parteien die          10      Stadtteil-Rundgang (2):
bauoffensive und                                                  gänzliche Abschaf-     		      Unterwegs in Eilbek
die Einführung der            Für ein Viertel der                 fung der Miet-         		      mit Heimatforscher
sogenannten Miet-          Mieterhaushalte gibt es                preisbremse – aus-     		      Michael Pommerening
preisbremse durch             keinen Platz mehr                   gerechnet jene,        12		   Ulrike Hinrichs engagiert
den rot-grünen                                                    welche im Gesetz-              sich für Geflüchtete
Senat in Hamburg nicht verhindern, dass gebungsverfahren alles dafür unternom-           13 		   Mieterinitiative Fuhlsbüttel-Süd
die Wohnraum-Mieten in den vergangenen men haben, um sicherzustellen, dass die           14 		   Einladend dörflich: Klein Borstel
zehn Jahren dreimal schneller gestiegen beabsichtigte mietpreisdämpfende Wir-
sind als die Lebenshaltungskosten. Aus kung entweder abgeschwächt wird oder am
eigenem Umfeld weiß ich, dass mittler- besten gar nicht eintritt. Das kommt einer
                                                                                                 Mietrecht
weile auch Akademiker-Haushalte mit zwei Chuzpe gleich.                                  15 Urteilseiten zum Herausnehmen
Verdienern und Kinder Probleme bei der                                                   19 Beitrittserklärung
Wohnungssuche haben.                           Anlässlich der Bundestagswahl am 24.      21	Wie würden Sie entscheiden:
                                            September 2017 können Mieterinnen und                Tierhaltung
    Worauf sich Mieterhaushalte mit einem Mieter auch in Hamburg mit ihrer Stimme        22 BGH-Urteile, Folge 57
unterdurchschnittlichen Einkommen zu erkennen geben, was sie von der Mie-
gefasst machen müssen, kann der interak- ten- und Wohnungspolitik der einzelnen
tiven Karte einer großen Hamburger Tages- Parteien und von dem „durchsichtigen
                                                                                                 Politik & Wohnen
zeitung auf www.abendblatt.de/mie- Spiel“ einiger politischer Akteure halten.            24 Wohnungspolitik: Die Positionen
ten-stadtplan entnommen werden. Interes- Alle in der Hamburgischen Bürgerschaft          		 der in der Hamburgischen
sierte Wohnungssuchende können dort in vertretenen Parteien haben auf den Seiten         		 Bürgerschaft vertretenen Parteien
Erfahrung bringen, wo sie sich Hamburg 24 und 25 die Möglichkeit erhalten, sich zu       26 Hohe Mieten in Hamburg: Umzug
noch leisten können, wenn sie für die auf- den dringendsten Problemen der Wohn-          		 nach Mecklenburg – eine Alternative?
zubringende Bruttomiete ein Drittel ihres raummieter in einer Großstadt wie Ham-         27 Mieterstrom: Was das Gesetz sagt,
Nettoeinkommens zugrunde legen. Das burg zu positionieren. Sie, liebe Mitglieder,        		 was auf die Mieter zukommt
Ergebnis ist erschreckend. Für ein Viertel haben als Souverän nicht nur die Macht,
der 700.000 Mieterhaushalte gibt es in sondern, wie ich meine, auch die staats-
Hamburg offenbar                                                   bürgerliche Pflicht
                                                                                                 Vermischtes
keinen Platz mehr.                                                 zu entscheiden,       28 Das Porträt: Falko Droßmann,
Alle, deren Netto-
                            „Durchsichtiges Spiel“                 welcher Partei Sie    		 Bezirksamtsleiter Mitte
einkommen unter-
                                 einiger Parteien                  am Wahltag Ihr        29 Kündigungskalender; Hamburg-Zahl;  ·
halb von 1.500 Euro                                                Vertrauen für die     		 Buchtipp: Alstertal; Sicherheits-Check
liegt, müssen anhand der Karte feststellen, nächsten vier Jahre schenken. Das Wich-      30	Buchtipp: Humane Städte
dass ihnen trotz der eingeführten Miet- tigste aber ist, dass Sie wählen gehen           31		 Rätsel; Miete-Witz; Impressum
preisbremse die hohen Mieten des freien und mit Ihrer Stimme dafür sorgen, dass
Wohnungsmarkts den Zugang zu einer die Zahl derjenigen, die zunächst der
Wohnung versperren.                         Wahlurne fernbleiben, um im Nachhinein
                                            die Gesamtumstände zu beklagen, mög-
    Der Mieterverein zu Hamburg fordert lichst klein bleibt.
unermüdlich die Beseitigung der offen-
                                                                                                     Titelbild
sichtlichen Defizite des Mietpreisbrem- Ihr Siegmund Chychla
se-Gesetzes durch die Einführung von Vorsitzender MIETERVEREIN ZU HAMBURG                              Bauboom:
                                                                                              Die Saga klotzt ran
                                                                                                     Illustration:
                                                                                              Wolfgang Scheerer

                                                                                                                     MieterJournal 3/2017 · 3
Bauboom: Die SAGA klotzt ran - Mieterverein zu Hamburg
Mieterverein aktuell

   Leserbrief
         Ich möchte ein paar Anmerkungen zu dem Arti-
         kel aus dem Mieterjournal 2/2017 „Mensch vor
         Rendite“ loswerden und um Klärung bitten. Es
         wird dort von Herrn Stahl berichtet, dass die
         durchschnittlichen Mieten in den Hamburger
         Genossenschaften mit ihren 131.000

                                                                                                                                                                            Fotos: Salewski
         Wohnungen bei einem Wert von 6,40
         Euro pro Quadratmeter liegen. Und im
         gleichen Satz wird der Vergleich mit dem
         Hamburger Mietenspiegel-Mittelwert von
         8,02 Euro also somit 1,62 Euro niedriger als
         bei Nicht-Genossenschaften argumentiert.
         Hier wird ein falsches Maß angesetzt. Der Ham-
         burger Mietenspiegel beinhaltet ausschließlich
         die Miet-Veränderungen aus den vergangenen
         vier Jahren, nicht aber aus dem Gesamtbestand
         der Wohnungen. Hinzu kommt, dass im Mieten-                                                     In der Zentrale und den
                                                                                         Mietervereins zu Hamb                   elf Außenstellen des
         spiegel der gesamte Sozialwohnungsbestand                                                               urg arbeiten rund 70 Ko
                                                                                       Kollegen. Im MieterJourn                          lleginnen und
         nicht enthalten ist. Somit werden hier Äpfel mit                                                      al erzählen sie von sich
                                                                                                                                        und ihrem Job.
         Birnen verglichen!                                                   Den Job beim Mieterv
                                                                                                     erein hat Malte Schlizi
                                                                              Über die Stellenbörse                           o auf ganz klassische
                                                                                                     der Universität Hambur                           Weise gefunden:
         Freundliche Grüße                                                    Zentrale des Mietervere                         g. Seit Mai 2016 hilft der
                                                                                                        ins aus, tippt Diktate                           Student in der
         Werner Busacker                                                     Post und sitzt am Empfa                           im Schreibbüro, kümme
                                                                                                       ng. Geboren in Hambur                             rt  sich um die
                                                                             Schlizio vor zwei Jahren                           g, aufgewachsen in Ren
                                                                                                       fürs Masterstudium der                           dsburg, kehrte
         Antwort des Mietervereins:                                          zurück. Hier will der 28-                           Betriebswirtschaft in die
                                                                                                       Jährige, der mit seiner                               Hansestadt
         Sehr geehrter Herr Busacker,                                       wenn er im Oktober den                              Fre undin in Horn lebt, ble
                                                                                                     Abschluss in der Tasche                                ibe n – auch
                                                                            diesmal aber im Finanzb                            hat. Dann geht es wieder
                                                                                                     ereich. Seinen Kollegen                             auf   Job suche,
         ich danke Ihnen für Ihre Zuschrift. Sie weisen zu                  zuverlässige Student feh                           beim Mieterverein wird
                                                                                                      len.                                             der flexible und
         Recht darauf hin, dass der von den Hamburger
                                                                       Was gefällt Ihnen an de
         Wohnungsbaugenossenschaften immer wieder                                                  m Studentenjob beim Mi
                                                                            Die kollegiale Arbeitsatm
                                                                                                                                    ete
                                                                                                                                     rverein am besten?
         bemühte Vergleich zwischen den durchschnitt-
                                                                                                      osphäre. Es ist einfach
         lichen Mieten des eigenen Bestands und den                         Kollegen. Außerdem ist                            ein nettes Miteinander
                                                                                                    die Arbeit sehr abwech                               unter den
         des Hamburger Mietenspiegels aus den von                           ganzen Tag Diktate sch                          slungsreich. Auch wen
                                                                                                   reibe, sind es immer and                          n ich mal den
         Ihnen genannten Gründen eigentlich gar nicht                                                                        ere Fälle – das finde ich
                                                                                                                                                        interessant.
         gezogen werden kann. Viel interessanter wäre                 Welche Sportart liegt ihn
                                                                                                     en am meisten?
         ein Vergleich der Durchschnittsmiete von Genos-                   Ich gehe zwei bis drei Ma
                                                                                                       l die Woche mit unsere
         senschaftswohnungen, auf die der Hamburger                                                                             n beiden Hunden laufen
                                                                                                                                                         .
                                                                      In Ihrem Kühlschrank fin
         Mietenspiegel anzuwenden ist. Es ist mit an                                               det sich immer …
         Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzu-                    Milch für Kaffee und Mü
                                                                                                     sli haben wir eigentlich
         nehmen, dass dieser Vergleich etwas anders                                                                             immer da.
                                                                     Welches Buch oder we
         ausfallen würde.                                                                      lcher Film hat Sie zul     etzt begeistert?
         Ihren Hinweis werden wir zum Anlass nehmen,                      Die Krimireihe von Lars
                                                                                                   Kepler. Ich lese gerne ska
                                                                          ich die neue Staffel von                            ndinavische Krimis. Zur
         bei der nächsten Gelegenheit von den Hamburger                                            Game of Thrones. Die ers                           zeit gucke
                                                                          Erscheinungstag gesehe                             te Folge habe ich natürlich
         Baugenossenschaften Zahlen einzufordern, die                                              n.                                                     gleich am
         eine redliche Vergleichbarkeit der Mieten möglich
                                                                     Wohin würden Sie morge
         machen. Oder anders gesagt, dann soll „Butter                                            n früh verreisen?
         bei die Fische“ kommen.                                         Ich würde nach Sri Lan
                                                                                                 ka fahren. Meine Freund
                                                                         gelebt und erzählt viel                         in hat dor t ein Dreiviertel
                                                                                                 davon. Da möchte ich ger                             jahr
         Mit freundlichen Grüßen                                                                                          ne gemeinsam mit ihr hin
                                                                                                                                                        .
         Siegmund Chychla
         Vorsitzender

                                                                              Sprechstunde des Vorstands
    Foto: Esther Eberhardt

                                                                       Wann? 	Die Sprechstunde                             Wo? 	Beim Strohhause 20,
                                                                              findet an jedem ersten                                   5. Stock, 20097 Hamburg
                                                                              Montag im Monat statt.                        Wie? 	Aus organisatorischen Gründen
                                                                              Nächste Termine: 2. Oktober,                             wird um vorherige Anmeldung
                                                                              6. November und 4. Dezember                              gebeten: Tel. (040) 8 79 79-132
                             Marielle Eifler und Siegmund Chychla,
                                     Vorsitzende des Mietervereins

4 · MieterJournal 3/2017
Bauboom: Die SAGA klotzt ran - Mieterverein zu Hamburg
Mieterverein aktuell

   Meldungen                                                                                                  Wussten Sie ...
 Neuer Wohn- und                                                                                            ... dass früher
 Mobilitätskostenrechner                                                                                    unterprivilegierte
 (as) Wer außerhalb Hamburgs wohnt und in                                                                   Familien Wohnungen
 der Stadt arbeitet, zahlt eine niedrige Miete,                                                             „trockenwohnen“ mussten?
 muss jedoch für den Arbeitsweg tief in die
 Tasche greifen. In der Stadt sind die Mieten
                                                                                                            (as) Das Zeitalter der Indus-
 teurer, dafür die Wege in der Regel kürzer und                                                             trialisierung führte zu einer
 damit auch die Kosten für die Fortbewegung                                                                 starken Zuwanderung der Landbevölke-
 niedriger. Ist also ein Umzug geplant – ob                                                                 rung in die urbanen Zentren, wie zum
 aus der Stadt ins Grüne oder andersherum                                                                   Beispiel Hamburg. Der dadurch ausge-
 – sollten neben den Mietpreisen immer                                                                      löste permanente Wohnungsmangel und
 auch die Kosten fürs Auto oder für öffentliche     Neuer                                                   die überhöhten Mieten führten zu einer
 Verkehrsmittel berücksichtigt werden. Mit dem      Service für Radfahrer                                   starken Nachfrage nach Wohnraum, was
 neuen Wohn- und Mobilitätskostenrechner der        (as) Fahrradfahren ist gesund, schont die
                                                                                                            einen wahren Bauboom des Mietwoh-
                                                                                                            nungsbaus auslöste. Die neu entstandenen
 Hamburger Verkehrsverbund GmbH (HVV) auf           Umwelt und erfreut sich wachsender Beliebt-
                                                                                                            Mietskasernen, in Hamburg als Zinshäu-
 www.womorechner.de ist das mit wenigen Klicks      heit. Die Bedingungen in Hamburg werden
                                                                                                            ser bekannt, wurden unter Verwendung
 möglich. Ab sofort können Interessierte auf der    zudem immer besser: Die Stadt erweitert                 des damals üblichen Kalkmörtels, der bei
 Suche nach einem neuen Zuhause ganz genau          das Fahrradleihsystem StadtRAD stetig, ver-             der Aushärtung sehr viel Wasser freisetzt,
 prüfen, wie viel Geld sie für Miete und Fahrten    bessert die Infrastruktur für Radfahrer und             schnell errichtet. Die vor der regulären
 zu ihrem Arbeitsplatz ausgeben müssen.             steckt gemeinsam mit dem Bund 35 Millionen              Vermietung eigentlich erforderliche
                                                    Euro in den Ausbau von Velorouten. Auch der             mehrmonatige Trocknungsphase wurde
 Und so funktioniert es: Geben Sie die Adresse      Mieterverein zu Hamburg bietet seinen rad-              von findigen Hauseigentümern damit
 Ihrer Arbeitsstätte ein und machen Sie einige      fahrenden Mitgliedern einen neuen Service               überbrückt, dass die unbewohnbaren
 Angaben zu Ihrer bevorzugten Wohnungsgröße         an. Im Rahmen einer Kooperation mit dem
                                                                                                            Wohnungen vorübergehend zu einer
                                                                                                            geringeren Miete einkommensschwachen
 und Ihrem präferierten Fortbewegungsmittel.        Internetportal www.bikeright.de können sich
                                                                                                            Arbeiterhaushalten zum Trockenwohnen
 Anschließend können Sie die erwarteten Wohn-       alle Mitglieder des Mietervereins zum Bei-
                                                                                                            überlassen wurden. Drei Monate lang
 und Mobilitätskosten im gesamten HVV-Ver-          spiel nach einem Fahrradunfall oder bei Erhalt          lebten die Trockenwohner im Schnitt in
 bundsgebiet auf einer Karte ablesen. Dazu gehö-    eines Bußgeldbescheids kostenlos rechtlich              den Wohnungen, beheizten sie mit ihrer
 ren neben der Stadt Hamburg auch die schles-       beraten lassen und bekommen Antworten auf               Körperwärme und trugen durch das
 wig-holsteinischen Kreise Pinneberg, Segeberg,     alle rechtlichen Fragen rund ums Fahrrad.               Kohlenstoffdioxid ihrer Atemluft dazu
 Stormarn und fünf Gemeinden im Kreis Stein-                                                                bei, dass der Mörtel schneller aushär-
 burg sowie die niedersächsischen Landkreise        Dafür genügt ein Anruf im Service-Center von            ten konnte und die Bauten trockener
 Lüneburg, Harburg und Stade. Der Wohn- und         bikeright, das montags bis freitags                     wurden. Familien, die so von Wohnung
 Mobilitätsrechner wurde durch die Förderfonds      von 9 bis 18 Uhr unter der Telefonnummer
                                                                                                            zu Wohnung ziehen mussten, wurden
                                                                                                            unmenschlichen Belastungen ausgesetzt.
 der Metropolregion Hamburg, den Landkreis          (040) 688 757 29 erreichbar ist. Um einen
                                                                                                            Oft folgten Krankheiten wie Tuberkulo-
 Harburg, den Kreis Pinneberg, Hamburgs Stadt-      telefonischen Beratungstermin zu vereinbaren,
                                                                                                            se, Lungenentzündung und Gicht. Nicht
 entwicklungsbehörde und den HVV kofinanziert.      müssen Mietervereins-Mitglieder lediglich               zuletzt diese Zustände haben Heinrich
 Ein Expertengremium, in dem auch der Mieter-       ihre Mitgliedsnummer nennen. Ein bike-                  Zille sagen lassen: „Man kann mit einer
 verein zu Hamburg vertreten war, hat die Ent-      right-Rechtsanwalt ruft zu dem vereinbarten             Wohnung einen Menschen genauso gut
 wicklung des Internetportals beratend begleitet.   Zeitpunkt zurück, auf Wunsch auch per Skype.            töten wie mit einer Axt.“

                           Süßer Quälgeist
                            (as) Während Manfred Steinröx die
                         Wände einer feuchten Wohnung in einem
                         Hamburger 1950er-Jahre-Bau inspizierte,
                         folgte ihm eine kleine Katze auf Schritt
                        und Tritt. „Das Messgerät mit der sil-
                        bernen Kugel hat die Katze fasziniert. Sie
                       wollte es dauernd fangen. Das machte das
Messen etwas schwierig“, erinnert sich Steinröx an den süßen
Quälgeist. Der Gutachter fand Schimmel und Feuchtigkeit in der
Küche, im Wohn- und Esszimmer und auch im Schlafzimmer.
„Ich hab mich gewundert, warum die Wand hinter dem Bett in
hell glänzender Ölfarbe gestrichen ist“, erzählt er. „Aber das war
keine Ölfarbe. Die Wand war so nass, dass sie spiegelte.“ Seine
Diagnose: Extrem schlechte Wärmedämmung! Als der Gutachter                             Der Diplom-Ingenieur Manfred Steinröx ist als Sachverständiger für den
schließlich die Feuchtigkeit der Wände rund um die Badewanne                             Mieterverein zu Hamburg im Einsatz und erstellt Gutachten im Auftrag
messen wollte, sprang die Katze ins Waschbecken. Steinröx:                               von Mitgliedern. Was er in den Mietshäusern vorfindet, hält er mit sei-
„Von hier hatte sie den besten Überblick und konnte sehen                              ner Kamera fest. Das MieterJournal veröffentlicht in jeder Ausgabe eines
was ich da so mache.“                                                                       seiner Bilder und erzählt die Geschichte hinter dessen Entstehung.

                                                                                                                                        MieterJournal 3/2017 · 5
Bauboom: Die SAGA klotzt ran - Mieterverein zu Hamburg
Leben in Hamburg

    Obdach und Heim für die
    weniger Privilegierten
    Die SAGA und die Vorgängergesellschaft der GWG wurden
    einst gegen die Wohnungsnot gegründet. Knapp ein Jahrhundert
    später rückt die Neubautätigkeit erneut in den Vordergrund

     Die SAGA Unternehmensgruppe klotzt
                                                     Die SAGA baut in der HafenCity (Visua-
     beim Wohnungsbau mächtig ran. Das mit           lisierungen 1 und 3), am Hexenberg               In Mitte Altona entsteht sogar ein neuer
     mehr als 130.000 Wohnungen bundesweit           (2) und Am Weißenberge (4).                  Stadtteil – auch hier mischt die SAGA mit. In
     größte kommunale Wohnungsunterneh-                                                           Altonas „Neuer Mitte“ kooperiert das Unter-
     men hat im vergangenen Jahr 1.759 Bau-                                                       nehmen mit privaten Investoren und Genos-
     starts realisiert und strebt mittelfristig                                                   senschaften. „Dort entstehen moderne und
     das Erstellen von 2.000 Wohnungen                                                            bezahlbare Wohnungen in bester innerstäd-
     jährlich an. Das ambitionierte Ziel soll                                                     tischer Lage“, frohlockt die SAGA. An der
     mithilfe des Modulwohnungsbaus                                                               Harkortstraße baut die SAGA 179 Wohnun-
     erreicht werden. Zudem will die SAGA                                                         gen mit einer anfänglichen Nettokaltmiete
     kundenfreundlicher werden. Beispiele                                                         von 6,10 Euro pro Quadratmeter. Alle Woh-
     aus der Beraterpraxis des Mietervereins                                                      nungen sind barrierefrei zu erreichen, die
     zeigen, dass dies auch nicht selten nötig                                                    Baukörper sind fünf- bis siebengeschossig.
                                                                                              1
     ist.                                                                                         Insgesamt umfasst der erste Bauabschnitt in
                                                                                                  der Mitte Altona ein Areal von 12,3 Hektar
     Von Volker Stahl                                                                             mit rund 1.600 Wohneinheiten. Davon sind
                                                                                                  jeweils ein Drittel Sozial-, Miet- und Eigen-
                                                                                                  tumswohnungen.
        Wer im aktuellen Geschäftsbericht
     der SAGA Unternehmensgruppe blättert,                                                           In Harburg errichtet die SAGA an der
     kommt aus dem Staunen nicht heraus. Ob                                                       Denickestraße 310 Wohnungen, in Hum-
     in der Denickestraße (Harburg), Am Wei-                                                      melsbüttel entstehen in drei Mehrfamilien-
     ßenberge (Ohlsdorf ), am Baakenhafen                                                         häusern 39 öffentlich geförderte Wohnun-
     (HafenCity) oder in den Stadtteilen Lan-                                                     gen und in der HafenCity baut das Unter-
     genhorn, Altona, Öjendorf und Steilshoop                                                     nehmen sogar 181 öffentlich geförderte
     – überall baut die SAGA wie wild. Das ist                                                    Wohnungen in direkter Wasserlage. „Der
     auch dringend erforderlich, denn Hamburg                                                     Baakenhafen bietet eine vielfältige Wohn-
     wächst durch Zuzug weiter. Dazu kom-                                                     2   qualität und mit den gelungenen Entwür-
     men Tausende Flüchtlinge, die dringend                                                       fen wird in der ersten Reihe am Elbufer
     Wohnraum benötigen. Aus diesem Grund                                                         ein Ausrufezeichen für den geförderten
     forciert die SAGA den Bau sogenannter                                                        Wohnungsbau gesetzt“, sagt die zuständige
     Express-Wohnungen. Die ersten dieser                                                         SAGA-Prokuristin Susanne Gräff.
     Wohnungen waren bereits Ende 2016 nach
     nur neun Monaten Bauzeit fertiggestellt, so                                                            SAGA:
     beispielsweise die Unterkunft am Elfsaal mit                                                  „Bauboom wie vor 40 Jahren“
     mehr als 200 Wohnungen. Andere Bauvor-
     haben befinden sich auf einem guten Weg,                                                        Die emsige Bautätigkeit des Konzerns
     wie die Projekte Suurheid oder Duvenacker.                                                   sorgt für reichlich Schlagzeilen. „SAGA:
     Fakt ist jedoch: Die aktuell rund eine Mil-                                                  Bauboom wie vor 40 Jahren“, vermeldete
     lion Wohneinheiten können schon jetzt den                                                    das Pinneberger Tageblatt. „SAGA plant in
     Bedarf der 1,815 Millionen Bewohner kaum                                                     Hamburg Wohnungs-Revolution“, titelte die
     decken – von bezahlbarem Wohnraum ganz                                                   3   Hamburger Morgenpost nach der Bilanz-
     zu schweigen.                                                                                pressekonferenz des Unternehmens im Juli.
                                                                                                  Dort verkündete die SAGA bei einem 150
        Deshalb steuert die SAGA in ganz Ham-                                                     Millionen Euro hohen Überschuss stolz
     burg mit zahlreichen Neubauten dagegen.                                                      das „erfolgreichste operative Jahr“ in ihrer
     Einige aktuelle Beispiele: Das Projekt Am                                                    Geschichte. Das Geld kann das Unterneh-
     Weißenberge in Sichtweite zum weltbe-                                                        men gut gebrauchen, denn im Juni 2016
     rühmten Knast „Santa Fu“ realisiert ins-                                                     hatte sich die SAGA im neuen „Bündnis für
     gesamt 485 Wohnungen, von denen mehr                                                         das Wohnen“ dazu verpflichtet, jährlich mit
     als drei Viertel öffentlich gefördert sind.                                                  dem Bau von durchschnittlich 2.000 Woh-
     Außerdem entstehen dort eine Kita, eine                                                      nungen zu beginnen. „Wir halten Wort“,
     Seniorenwohnanlage und ein öffentlich                                                        heißt es dazu auf der Website. Zahlen bele-
     zugänglicher Park. Das i-Tüpfelchen des                                                      gen eine ansteigende Tendenz: 2013 schaffte
     Gesamtprojekts ist die denkmalgeschützte                                                     die SAGA Unternehmensgruppe erstmals
     Modernisierung der früheren „Wärterhäu-        Visualisierungen:                             1.000 Baubeginne. 2014 und 2015 wurden
     ser“ der Justizvollzugsanstalt.                SAGA Unternehmensgruppe                   4   jeweils 1.000 Wohnungen fertigstellt und

6 · MieterJournal 3/2017
Bauboom: Die SAGA klotzt ran - Mieterverein zu Hamburg
nochmals ebenso viele Bauten auf den Weg          Schwestergesellschaften auf 74.000.          in den vergangenen Jahren eng miteinander
gebracht. 2016 hat der Konzern 1.750 Bau-            Im benachbarten Hamburg lief es           verwachsen“, erklärt Vorstandsprecher Dr.
beginne realisiert – so viele wie zuletzt Mitte   zunächst anders. Zwar existierte dort mit    Thomas Krebs die Maßnahme.
der 1970er-Jahre! Diese Zahl noch einmal          dem „Spar- und Bauverein“ eine Tradi-
leicht zu steigern, sei besonders im Hinblick     tion des gemeinnützigen Wohnungsbaus,           Die aktuell größte Herausforderung
auf die Akquise von geeigneten Grundstü-          doch erst die in der Hansestadt starken      des kommunalen Wohnungsgiganten ist
cken eine große Herausforderung, konsta-          Gewerkschaften schoben den Woh-              es, beim beschleunigten Bauen trotz stän-
tiert SAGA-Vorstandsprecher Dr. Thomas            nungsbau für die Arbeiterschaft durch        dig steigender Kosten Qualität zu liefern.
Krebs (siehe auch Interview auf Seite 9).         die Gründung eigener Unternehmen an.         Dazu seien, so SAGA-Vorstand Dr. Krebs,
                                                  1926 wurde die „Gemeinnützige Klein-         „intelligente Konzepte“ vonnöten: „Unsere
    „Groß-Hamburg-Gesetz“                         wohnungsbaugesellschaft Groß-Ham-            Antwort darauf ist die Entwicklung eines
                                                  burg“ (GKB) aus der Taufe gehoben, die       SAGA-Systemhauses, das wir in seinen
   Ein Blick in die Gründungsgeschichte           bis 1932 vor allem in den Arbeitervierteln   verschiedenen städtebaulichen Figuren im
des kommunalen Wohnungsbaus hilft                 Barmbek-Nord, in der Jarrestadt und auf      jeweiligen Quartierskontext zur Anwen-
zu verstehen, in welcher Tradition die            der Veddel 2.700 Wohnungen errichtete.       dung bringen wollen.“ Systemisches Bauen
SAGA Unternehmensgruppe steht. In                 Übrigens sehr zum Ärger der privaten         wie in der Gründerzeit soll das Wohnungs-
den 1920er-Jahren gab es das heutige              Bauwirtschaft, die den öffentlich geför-     problem also lösen. „Man denkt schnell an
Hamburg noch nicht, sondern – bis zum             derten Wohnungsbau torpedierte. In           Plattenbauten im Osten, aber wir bauen in
„Groß-Hamburg-Gesetz“ 1937 – einen                der Zeit des Nationalsozialismus wurde       hoher Qualität“, verspricht der SAGA-Vor-
„Städtekomplex an der Niederelbe“, beste-         aus der GKB die Neue Heimat, die die         standschef.
hend aus Hamburg, Altona, Wandsbek                Wohnungsnot nach dem Ende des Zwei-
sowie Harburg und Wilhelmsburg. Das               ten Weltkriegs zunächst durch den Bau                Scharf formulierte
preußische Altona war damals eine wach-           von Nissenhütten zu dämpfen versuchte.               Standardschreiben
sende Industriestadt mit rund 250.000             Nach dem Zusammenbruch der Neuen
Einwohnern. Auch das benachbarte Ham-             Heimat durch Misswirtschaft übernahm            Neubau ist die eine Sache, die Bestands-
burg hatte die Folgen der rasant voran-           Ende der 1980er-Jahre die Nachfolgege-       erhaltung eine andere Aufgabe der SAGA.
schreitenden Industrialisierung zu meis-          sellschaft GWG deren Hamburger Woh-          Nicht immer seien die Mieter mit der
tern, unter anderem Massenverelendung             nungsbestand. „Der Mieterverein zu           Betreuung durch die SAGA zufrieden,
und Wohnungsnot. Besonders die Lebens-            Hamburg hat damals durch die Mobili-         weiß Dr. Rolf Bosse, im Mieterverein
verhältnisse der Arbeiter waren prekär.           sierung der Öffentlichkeit maßgeblich        für die Betreuung der Mieterinitiaven
Die Ärmsten der Armen lebten in total             dazu beigetragen, dass die Wohnungen         zuständig, aus langjähriger Erfahrung:
überbelegten, unhygienischen, oft auch            nicht an private Investoren verscherbelt     „Die SAGA bewirtschaftet ihre Bestände
noch untervermieteten Behausungen, die            wurden. Für die Hamburger Mieterinnen        solide, tritt aber leider gegenüber ihren
vor allem der sogenannten Schlitzbau-             und Mieter hat sich das mehr als bezahlt     Mietern häufig in einer Form auf, die
weise geschuldet waren. Die enge Bebau-           gemacht. Ohne diese Wohnungen wäre           Augenmaß vermissen lässt.“ So enthielten
ung entlang schmaler Hofschlitze ließ nur         die aktuelle Situation auf dem Hambur-       Standardschreiben, die bei tatsächlichen
wenig Licht und Luft in die Wohnungen.            ger Wohnungsmarkt noch dramatischer“,        oder mutmaßlichen Zahlungsrückständen
                                                  sagt Siegmund Chychla, Vorsitzender des      versendet werden, Formulierungen, die
   Die Situation für die unterprivilegier-        Mietervereins zu Hamburg.                    Mieter als bedrohlich empfänden. Zudem
ten Teile der Bevölkerung besserte sich erst                                                   würden Abmahnungen wegen Verstößen
nach dem Ende der Inflation 1923, als dank          Mit „Systemhäusern“ gegen                  gegen vertragliche Verpflichtungen aus-
staatlicher Förderprogramme der Neubau                   die Wohnungsnot                       gesprochen – auch wenn die Miete wegen
von menschenwürdigen Arbeiterwoh-                                                              vorhandener Mängel gemindert werden
nungen angeschoben und das in der Wei-               Seit 1999 betreiben SAGA und GWG          durfte. Die SAGA formuliert auch dann
marer Reichsverfassung verbriefte „Recht          die Bildung eines gemeinsamen Konzerns.      scharf, wenn es nur um geringfügige
auf Wohnung“ mit Leben erfüllt wurde.             Im Herbst 2016 wurde das Unternehmen         Beträge geht, wie im Fall der Mieterin R.
In diesem historischen Umfeld wurde im            in SAGA Unternehmensgruppe umbe-             aus dem Carl-Bremer-Ring, die der SAGA
sozialdemokratisch regierten Altona 1922          nannt. Mittlerweile hat die SAGA rund 90     13,03 Euro schuldete.
die „Gemeinnützige Siedlungs-Aktienge-            Prozent der GWG-Anteile aufgekauft. Das
sellschaft Altona“ (SAGA) mit dem Ziel            Unternehmen ist mit 132.511 Wohnungen           Nicht gut zu sprechen auf ihren städti-
gegründet, Wohnraum für einkommens-               der größte Bestandshalter in Hamburg.        schen Vermieter ist auch Stephanie Klein
schwache Schichten zu schaffen. Diese Auf-        „Mit der Anpassung unseres Konzernna-        aus der Strietkoppel in Mümmelmanns-
gabe nahm sie nach 1945 erneut in Angriff.        mens ziehen wir nach außen hin sichtbar      berg. Dort will die SAGA ihren Mieter-
1959 wurde die zehntausendste Wohnung             das nach, was unternehmensintern schon       garten verkleinern, weil an dieser Stelle
nach Kriegsende fertiggestellt. 1972 erhöhte      länger gilt: Die beiden kommunalen Woh-      ein Weg zum Schutz der Nachbarn gegen
sich der gesamte SAGA-Wohnungsbestand             nungsunternehmen SAGA und GWG mit            Lärm durch Passanten verlegt werden soll.
durch die Übernahme von drei städtischen          ihren anfangs verschiedenen Kulturen sind    Die Mieterin wehrt sich dagegen: „Ich habe

                                                                                                                         MieterJournal 3/2017 · 7
Bauboom: Die SAGA klotzt ran - Mieterverein zu Hamburg
mit den Nachbarn gesprochen. Die haben                                            Vormieter übernommen wurden. Gerade
     sich nicht beschwert, weil es zu laut ist.“                                       ältere Mieter, die zum Beispiel in eine der
     Die SAGA reagierte mit schikanösen Spiel-                                         unternehmenseigenen Seniorenwohn-
     chen auf die renitente Mieterin, berichtet                                        anlage umziehen, sind mit diesen Forde-
     die beim Mieterverein für den Fall zustän-                                        rungen oftmals überfordert. Sie können
     dige Juristin Inge Würfel: „Der Sachbear-                                         die Arbeiten nicht selbst erledigen und
     beiter der SAGA verlangt jetzt aus Ärger                                          haben auch kein Geld, um sie ausführen
     und ohne Rechtsgrund auch den Rückbau                                             zu lassen. Wenn der Mieterverein eingreift,
     einer Schaukel und hat mitgeteilt, dass er                                        gelingt es in der Regel, mit den Mitarbei-
     die Sache an die Rechtsabteilung abgegeben                                        tern der Geschäftsstellen eine Einigung
     habe.“ Die Antwort der SAGA-Rechtsabtei-                                          herbeizuführen.
     lung steht aus.
                                                                                                  SAGA will
         Inge Würfel hat aktuell einen weiteren                                               Kundenzufriedenheit
     Fall in Arbeit, bei dem die SAGA keine                                                       optimieren
     gute Figur macht: „Sie droht unserem Mit-
     glied mit Klage und dem Hinweis, dass                                                Es wäre zu wünschen, dass die SAGA
     es mindestens 105 Euro Gerichtskosten                                             bei der Bewertung eines Sachverhalts die
     zahlen muss, wenn es nicht der Miet-                                              individuelle Situation ihrer Mieter stärker
     erhöhung zustimmt. Wir haben aber bereits                                         berücksichtigt und sich nicht vordring-
     für das Mitglied eine Teilzustimmung erteilt.“                                    lich auf mutmaßliche Ansprüche gegen-
     Die konkrete Drohung mit Kosten sei unse-                                         über den Mietern beruft. „Im Augenblick
     riös, so Würfel, da der Rechtsstreit offen sei,                                   besteht der Eindruck, jeder Mitarbeiter
     also in keinem Fall feststehe, dass das Mit-                                      sei angehalten, dem Unternehmen so viel
     glied verliere und die Kosten tragen müsse.       Stele im Eingangsbereich        Geld wie möglich zu sparen“, mutmaßt
                                                       der SAGA Zentrale (oben).       Dr. Rolf Bosse aus der Rechtsabteilung des
      Schimmel, durchgebrochener                       Innenansichten der SAGA-        Mietervereins. Dies gehe auf Kosten der
         Fußboden – die Mieter                         Immobilie in Francop (unten).   Mieter und führe nicht selten zu Verstößen
            sind verzweifelt                                                           gegen geltendes Recht. „Leider bleibt es bei
                                                                                       einem so großen Vermieter wie der SAGA
        In einem anderen, brisanteren Fall geht                                        Unternehmensgruppe nicht aus, dass nicht
     es um ein Einfamilienhaus der SAGA in                                             alle Mieter zu ihrer Zufriedenheit behan-
     Francop, das laut dem vom Mieterverein                                            delt werden. Deshalb muss der Mieterver-
     bestellten Gutachter nicht mehr bewohn-                                           ein leider öfter, als es eigentlich bei einer
     bar ist. Die Rohre sind marode, überall                                           sachgerechten Verwaltung erforderlich
     blüht Schimmel, im Winter fallen dauernd                                          wäre, korrigierend eingreifen“, so das Fazit
     Heizung und Warmwasser aus, dazu treten                                           des Mietervereins-Vorsitzenden Siegmund
     zahlreiche andere Mängel auf. Die SAGA                                            Chychla.
     hat bisher keine nachhaltigen Maßnahmen
     veranlasst, nur Flickschusterei betrieben.                                           Doch die SAGA gelobt Besserung. Die
                                                                                                                                       Fotos: Unten/Mitte: Steinröx, oben: SAGA Unternehmensgruppe

     „Die Familie, die dort lebt, ist ziemlich ver-                                    Kundenzufriedenheit soll optimiert wer-
     zweifelt und klagt jetzt“, sagt Robert Maase,                                     den, verspricht SAGA-Vorstand Wilfried
     Rechtsberater im Mieterverein: „In der                                            Wendel: „Wir wollen die Digitalisierung
     Sache agiert die SAGA ziemlich dreist. Das                                        nutzen, um den 18 Geschäftsstellen mehr
     Gutachten ist schon sehr beeindruckend:                                           Zeit für die Bestands- und Quartierspflege
     Schimmel, durchgebrochener Fußboden et                                            zu verschaffen.“ Derzeit sind 160 Mitarbei-
     cetera – und die SAGA behauptet tatsäch-                                          terinnen und Mitarbeiter damit beschäf-
     lich, ein falsches Wohnverhalten der Mieter                                       tigt, das neue System ab dem 1. Januar
     sei ursächlich!“                                                                  2018 zum Laufen zu bringen. Das neue
                                                                                       Kundenportal „Meine SAGA“ wird über
        Ein anderes Problem bei der Beratung                                           eine zentrale Telefonnummer und eine
     von SAGA-Mietern: Endet ein Mietver-                                              zentrale E-Mail-Adresse einfache Anfra-
     hältnis, wird von den Mietern häufig vor                                          gen „schnell und transparent“ erledigen
     Rückgabe der Rückbau von Heizung, Bad                                             können, so Wendel. Laut einer internen
     oder Verfliesung verlangt – ohne Rück-                                            Umfrage liegt die Wohnzufriedenheit bei
     sicht darauf, wie lange diese Einbauten                                           der SAGA derzeit bei 88 Prozent. Ein biss-
     schon vorhanden waren oder ob sie vom                                             chen Luft nach oben ist also noch ...

8 · MieterJournal 3/2017
Bauboom: Die SAGA klotzt ran - Mieterverein zu Hamburg
Leben in Hamburg

                                                Interview
 „Serieller Wohnungsbau
  prägt Hamburg seit der
             Gründerzeit“

                                                                                                                                              Foto: stahlpress
Im Gespräch mit MJ-Redakteur Volker Stahl äußert sich Dr. Tho-         Standorten realisiert werden können. Der nächste Schritt in dieser
mas Krebs, Vorstandssprecher der SAGA Unternehmensgruppe,              Entwicklung wird das SAGA-Systemhaus in Modulbauweise sein,
über die Rolle seines Unternehmens auf dem Wohnungsmarkt,              das Planungssicherheit und Vielfalt in der Ausgestaltung verbindet.
berichtet über Neubauvorhaben – und erklärt, was „modulare
Systemhäuser“ sind.                                                    Besteht da nicht die Gefahr der Monotonie?
                                                                          Unser Ansatz des modernen seriellen Wohnungsbaus verfolgt
Was sind in den nächsten Jahren die größten                            Effektivität, Variabilität und eine hohe städtebauliche sowie archi-
Herausforderungen für Ihr Unternehmen?                                 tektonische Qualität. Serieller Wohnungsbau prägt im Übrigen das
   Die größte Aufgabe bleibt die Akquisition und Entwicklung geeig-    Bild Hamburgs bereits seit der Gründerzeit. Zu Beginn des 20. Jahr-
neter bebaubarer Grundstücke, um unser Ziel von durchschnittlich       hunderts war serielles Bauen schon einmal ein Weg, um die dyna-
2.000 Baubeginnen jährlich zu verstetigen. Dabei stellen die Bau-      misch wachsende Bevölkerung mit Wohnraum zu versorgen. Und
kosten eine zunehmende Herausforderung dar. Wir konzentrieren          die Gründerzeitquartiere sind bekanntlich heute besonders gefragt!
uns auch weiterhin auf die hohen Bestandsinvestitionen.
                                                                       Gibt es genügend Bauplätze zur Realisierung der Baupläne?
Die SAGA vermietet jedes Jahr 8.000 Wohnungen neu.                        Die Akquisition und Entwicklung geeigneter bebaubarer Grund-
Wer von den 40.000 Interessenten bekommt eine Wohnung?                 stücke ist eine der wichtigsten, aber auch schwierigsten Aufgaben im
   Die SAGA Unternehmensgruppe stellt einer breiten Schicht der        Zusammenhang mit der erforderlichen Verstetigung des Neubaus.
Bevölkerung Wohnraum zu angemessenen Preisen zur Verfügung.
Das heißt: Wir sind grundsätzlich für alle Menschen zuständig, die     2016 hat die SAGA 150 Millionen Euro Gewinn gemacht.
eine Wohnung in der Hansestadt suchen – selbstverständlich auch        Das entspricht etwa dem, was Hamburg für die gesamte
für Menschen mit Zugangsschwierigkeiten am allgemeinen Miet-           Wohnungsbauförderung im Jahr ausgibt.
markt. Über den mit Hamburg geschlossenen Kooperationsvertrag          Was passiert mit dem Überschuss?
versorgen wir jährlich mindestens 1.000 Interessenten mit Dring-          Der Gewinn verbleibt im Unternehmen, um Investitionen wie
lichkeitsschein, 1.000 mit Dringlichkeitsbestätigung und 1.000 mit     die 2.000 Neubauwohnungen im niedrigen Preissegment realisieren
normalem Wohnberechtigungsschein. Mit Blick auf die derzeitige         zu können, aber auch, um die umfangreichen Modernisierungen
Fluktuationsquote erfolgt derzeit rund jede vierte Vermietung an       im Bestand umzusetzen.
vordringlich Wohnungssuchende.
                                                                       Zuletzt hörte man nur noch wenig von dem
Sie wollen künftig „günstiger, schneller und in größeren               SAGA-Projekt „Endlich meins“. Wie ist der Stand?
Einheiten“ bauen. Wie soll das bei steigenden                             Das Eigentumsangebot erfolgt an Mieter und Selbstnutzer in
Baukosten funktionieren?                                               bereits bestehenden Verkaufsanlagen. Vor dem Hintergrund der
    Die Verstetigung unserer Neubauziele erfordert intelligente Kon-   Bürgerverträge planen wir perspektivisch in ausgewählten Projek-
zepte zum beschleunigten und kostengünstigen Bauen unter Wah-          ten, in denen wir Flüchtlingswohnungen bauen, den Erwerb von
rung der städtebaulich gebotenen Qualität. Unsere Antwort darauf       Eigentumswohnungen oder Reihenhäusern im begrenzten Umfang
ist die Entwicklung eines SAGA-Systemhauses, das wir in seinen         anzubieten. Da wir uns als bestandshaltendes Wohnungsunterneh-
verschiedenen städtebaulichen Figuren in den kommenden Jahren          men verstehen, ist eine Ausweitung der Verkaufsangebote darüber
im jeweiligen Quartierskontext zur Anwendung bringen wollen.           hinaus zurzeit nicht vorgesehen.

Die SAGA setzt beim Neubau künftig stark auf den Bau von               Das Projekt wurde vor Ihrer Amtszeit initiiert.
„modularen Systemhäusern“. Können Sie das bitte übersetzen?            Befürworten Sie die Privatisierung städtischen Wohnraums?
   Aus dem Bau von Flüchtlingsunterkünften mit der Perspektive            Durch diverse Untersuchungen zur Quartiersentwicklung wissen
Wohnen haben wir viel gelernt. In diesen Fällen haben wir bereits      wir, dass durch den Eigentumswohnungsvertrieb positive Effekte
genehmigte und andernorts fertiggestellte Gebäude dupliziert und       erreicht werden können. Jedes Quartier lebt von der Vielfältigkeit
dadurch sowohl Kosten als auch Zeit gespart. Auf diese Weise           der Wohnformen und wir sind froh, dass wir durch dieses Programm
entsteht jetzt ein Katalog aus bewährten und genehmigungsreifen        unseren Beitrag dazu leisten konnten. Das Eigentumsprogramm
Typen, die schnell, effizient und kostengünstig an unterschiedlichen   „Endlich meins“ ist für uns eine Erfolgsgeschichte.

                                                                                                                         MieterJournal 3/2017 · 9
Bauboom: Die SAGA klotzt ran - Mieterverein zu Hamburg
Leben in Hamburg
                                                                                                                     Stadtteil-Rundgang (2)
                                                                                                                    Der Ritter
                                                                                                               der Tafelrunde
                                                                                       Mit Heimatforscher Michael Pommerening
                                                                                                    auf Tour durch „sein“ Eilbek

     Von Sabine Deh                                    Lehrer, der nach der Pensionierung ein
                                                       Geschichtsstudium aufnahm, mit 72 Jah-
     Eilbek gilt unter Hamburgs Stadtteilen als        ren seine Magisterarbeit schrieb und sechs
     unscheinbares graues Mäuschen. Wäh-               Jahre später in diesem Fach promovierte.
     rend des Zweiten Weltkriegs wurden 90             Der Senior wäre bestimmt stolz auf seinen
     Prozent des Quartiers zerstört. Nur einige        Sohn, der 2010 für sein Engagement um
     elegante Kaufmannsvillen aus der Grün-            die Vermittlung von Geschichtswissen mit
     derzeit, die im Auen- und im Dichtervier-         dem Verdienstorden der Bundesrepublik
     tel zu bewundern sind, überstanden den            Deutschland ausgezeichnet wurde.
     „großen Feuersturm“ 1943 unbeschadet.
                                                                                                    Unterwegs in Eilbek
     Heute prägen vier- bis sechsgeschossige            Vicky Leandros wuchs an der                 mit Michael Pommerening.
     Rotklinkerhäuser und Gebäude in unde-                     Blumenau auf                         Foto: Deh

     finierbarem Grauweiß das Straßenbild,                                                          braust. Der 84-Jährige wohnt in einer der
     die in den 1950er- und 1960er-Jahren von             Das gerade mal 1,7 Quadratkilometer       Seitenstraßen in einem Rotklinkerbau der
     der SAGA oder Hamburger Baugenossen-              kleine Eilbek hat sich zwischen Barm-        SAGA. „Hier an der Hauptstraße ist es
     schaften in Schnellbauweise errichtet             bek-Süd, Wandsbek, Hamm und Uhlen-           vielleicht ein wenig laut, aber die Nachbarn
     wurden. Der Rechtsanwalt und Heimat-              horst eingerichtet. Mit 21.287 Einwohnern    sind nett, die Miete ist bezahlbar und ich
     forscher Michael Pommerening würdigte             zählt das Viertel zu den am dichtesten       habe dank U- und S-Bahn sowie verschie-
     den Stadtteil mit der Eilbeker Tafelrunde,        besiedelten Standorten in Hamburg. Die       dener Buslinien eine flotte Anbindung an
     einem historischen Rundgang, auf dem 44           sechsspurige Wandsbeker Chaussee, die        die Innenstadt“, bilanziert der Rentner
     rote und blaue Tafeln die markantesten            täglich von rund 46.000 Autos befahren       zufrieden.
     Orte und Spuren markieren.                        wird, durchzieht den Stadtteil wie eine
                                                       lange Narbe, an deren Wundrändern sich            „Flotte Anbindung an die
        Nach der Veröffentlichung von mehre-           Copy-Shops, Spielhallen, Geschäfte für                   Innenstadt“
     ren Büchern über den Stadtteil Wandsbek           Brautmoden und Leerstände aneinan-
     und einem Werk über das Leben und Wir-            derreihen. Als Traditionsgeschäfte blie-        Ein Stück weiter steht Heimatforscher
     ken des Wandsbeker Dichters Matthias              ben lediglich der Fahrradhandel Löwe,        Michael Pommerening vor dem Alten-
     Claudius widmete sich Michael Pomme-              die Alte Eilbeker Apotheke und ein paar      heim Rukteschell bereit und verweist auf
     rening dem Stadtteil Eilbek – hier sei er         alteingesessene Gaststätten dem Standort     das rote Schild direkt am Eingang, das
     aufgewachsen und habe als Kind auf dem            treu. Die meisten Eilbeker orientieren       einen Standort der Eilbeker Tafelrunde
     Weg in die Grundschule immer „erschnup-           sich bei ihrem Einkauf allerdings lieber     markiert. An dieser Stelle stand bis 1943
     pert“, ob in der Gewürzmühle am Hirsch-           in Richtung Wandsbeker Quarree und           das Eilbeker Gemeindehaus, seinerzeit
     graben gerade Curry, Pfeffer oder Kümmel          Mundsburg.                                   geselliger Treffpunkt für die Anwohner.
     verarbeitet wurde. Schlagersängerin Vicky            „Hier gibt es aber noch echten Fil-       Im großen Saal traf sich die Nachbarschaft
     Leandros, die in der Straße Blumenau im           terkaffee“, wirbt Wilhelm Letek für sein     zu Familienfesten, kulturellen oder poli-
     Auenviertel am Eilbekkanal aufwuchs,              Viertel. Der Senior sitzt an einem Tisch     tischen Versammlungen. Mit schnellen
     kennt der 67-Jährige aus Sandkistentagen.         vor dem Feine Frische Café an der Wands-     Schritten eilt Rechtsanwalt Pommerening
        Die Liebe zur Geschichte habe er wohl          beker Chaussee und genießt sein bele-        weiter zum nächsten Highlight des his-
     von seinem Vater geerbt, vermutet der             bendes Morgengetränk, während direkt         torischen Rundgangs – dem Jacobipark.
     Wandsbeker Advokat. Sein Vater war ein            vor seiner Nase der Verkehr vorbei-          Die idyllische Grünanlage entstand auf

     Schwimmende Luxuswohnungen in idyllischer Lage:
     Die schicken Hausboote auf dem Eilbekkanal.
     Foto: Deh

                                                                                                     Das Fundustheater für Kinder
                                                                                                     befindet sich in einer ruhigen
                                                                                                     Hinterhoflage der
10 · MieterJournal 3/2017                                                                            Hasselbrookstraße.
                                                                                                     Foto: Wolfgang Scheerer
Leben in Hamburg

 Seit über 100 Jahren am Standort
 Wandsbeker Chaussee 13:
 Fahrrad-Löwe behauptet sich
 heute zwischen einer Agentur
 für Afrika-Reisen und einem
 Nagel-Studio.
 Foto: Deh

dem Gelände des ehemaligen Hammer             Lieblingsorten im Stadtteil. Dort wo sich     cken Auenviertel luxuriöse Hausboote.
Friedhofs, der 1954 zum Park umge-            in den hohen gewölbeartigen Räumen            Manche dies er Wohns chif fe bieten
widmet wurde. Auf den von Ulmen und           früher die Schalterhalle befand, wird heute   mehr als 110 Quadratmeter Wohnflä-
Buchen gerahmten Wegen der „Grünen            am Tresen der Kneipe Factory frisches         che inklusive Wellnessbad, Wohnküche,
Lunge Eilbeks“, die zwischen Wandsbeker       Bier gezapft. Kellner Ecert Üze erzählt,      Ankleidezimmer und Büro. Das Ange-
Chaussee und Hasselbrookstraße liegt,         dass die Gäste vor allem Bahnreisende         bot wird mit drei Sonnenterrassen und
tummeln sich Jogger im atmungsaktiven         und Menschen aus der Nachbarschaft            privatem Liegeplatz für ein kleineres
Sportdress und Mütter mit Kinderkarren        sind. „Nett sind sie alle, egal ob auf der    Sportboot abgerundet. Wer eines der
auf dem Weg zum Spielplatz. Am Ufer           Durchreise oder aus dem Viertel“, berichtet   Designer-Hausboote käuflich erwerben
des kleinen Teichs haben es sich ein paar     der 32-Jährige mit einem diplomatischen       möchte, muss tief in die Tasche greifen
Wohnungslose mit einem Sechserpack            Schmunzeln.                                   und mindestens 500.000 Euro auf den
Bier gemütlich gemacht.                                                                     Tisch blättern. Der verstorbene Altkanz-
                                                „Bombensicheres Wohnen“                     ler Helmut Schmidt, der bodenständig in
   „Heldenmädchen“ Elise                                                                    der Schellingstraße 9 aufgewachsen ist,
 kämpfte gegen die Franzosen                     Direkt neben dem Bahnhof befindet          hätte die schwimmenden Luxus-Villen
                                              sich die Kita Hasselbrook. In dem hüb-        wohl als „überkandidelten Tünkram“
   Heimatforscher Pommerening erläutert       schen Gebäude, das den Krieg unbeschadet
die Inschriften der verwitterten Grabmale,    überstanden hat, soll sich in der Nazi-Zeit
die sich überall im Park finden. Ein Stein    die Hitler-Jugend getroffen haben. An
erinnert an das „Heldenmädchen“ Elise         diese Ära erinnern auch die sechs Bunker,
Averdieck (1808 bis 1907), das, verkleidet    über die man in Eilbek an jeder Ecke stol-
in Knabenkleidung, an der Front gegen         pert. An der Papenstraße wirbt ein Banner
Napoleon kämpfte. „Am beeindruckends-         für „Bombensicheres Wohnen“ in einem
ten ist aber das Grabmal der Schauspielerin   ehemaligen Bunker. Mit dem klangvol-
Clara Horn“, findet der Stadteilführer.       len Namen „Eastside Park Loft“ werden
Tatsächlich strahlt die Ruhestätte mit dem    zwölf „exklusive“ Eigentumswohnungen
schwebenden Engel, der malerisch mit          und ein „atemberaubendes“ Penthouse
grüner Patina überzogen ist, eine morbide     angepriesen. Die Objekte entstehen direkt      „Das Ruckteschell-Heim
                                                                                             wurde nach einem Pastor der
Faszination aus. Mit ihren lasziven Auf-      gegenüber des Jacobiparks.                     Friedenskirche benannt, der sich
tritten sorgte die brünette Aktrice Mitte        Architektonische Highlights haben           im 19. Jahrhundert um die Armen
                                                                                             und Schwachen im Stadtteil kümmerte“,
des 19. Jahrhunderts im Thalia-Theater        in Eilbek Seltenheitswert, nur hin wie-        verrät Michael Pommerening vor dieser
                                                                                             Info-Tafel. Foto: Deh
für Aufsehen. Nach ihrem Tod im Jahre         der erfreut das Auge ein stuckverzierter
1884 sollen Tausende Hamburger ihren          Altbau, der in dem Meer gesichtsloser          Im alten Bahnhofsgebäude von
Trauerzug begleitet haben.                    Nachkriegshäuser auffällt. In einem dieser     Hasselbrook wartet man
                                                                                             heutzutage nicht
                                              Gründerzeithäuser, in einem Hinterhof          mehr auf die Bahn,
                                                                                             sondern auf sein Essen.
   Der unter Denkmalschutz stehende           an der Hasselbrookstraße, residiert das        Foto: Scheerer
Bahnhof Hasselbrookstraße mit dem drol-       bekannte Fundus Kindertheater. In der
ligen Zwiebeltürmchen ist ein weiterer        Schellingstraße 41 hat der Hamburger          bezeichnet. �
markanter Punkt der Eilbeker Tafelrunde       Schachklub von 1830, der älteste Schach-
und zählt zu Michael Pommerenings                    verein Deutschlands, seinen Sitz.
                                                     „Aufgrund seiner eher kleinen,
                                                     günstigen Wohnungen ist Eilbek
                                                     heute vor allem bei Singles beliebt
                                                      und bei Rentnern, die hier viele
                                                      Jahre ihres Lebens verbracht
                                                      haben“, vermutet Michael Pom-
                                                      merening.

                                                         Designer-Hausboote
                                                           am Eilbekkanal
                                                          Auf dem Eilbekkanal, der
                                                       streng genommen bereits zum
                                                       Stadtteil Barmbek-Süd gehört,
                                                       liegen in Höhe der verkehrsbe-
                                                        ruhigten Uferstraße im schi-

                                                                                                                             MieterJournal 3/2017 · 11
Leben in Hamburg

     Motto:
     Kunst verbindet
     Wie Flüchtlingskinder spie-
     lerisch lernen, schlimme
     Erlebnisse zu verarbeiten
     Von  Anna Salewski

     Mieterverein-Rechtsanwältin Ulrike
     Hinrichs leitet seit zweieinhalb Jahren
     eine Künstlergruppe für geflüchtete Kin-

                                                                                                                                                                          Fotos: Salewski
     der und Erwachsene auf dem Wohnschiff
     Transit im Harburger Binnenhafen. Die
     Bilder der Gruppe sind ab dem 3. Novem-
     ber bei den Harburger Gedenktagen im
     Harburger Rathaus zu sehen.                              Die Tierkarten haben Samera (13, rechts) und Marea (12) im Malkurs gestaltet.

    I
       ch kann das nicht“, sagt Samera. Die                   wältin für den Mieterverein zu Hamburg                   und schaut sich lächelnd in dem Kunstraum
       13-Jährige hält einen Bleistift in der                 in der Harburger Außenstelle und in der                  auf der Transit um. „Es macht mir Spaß und
       Hand, vor ihr liegt ein weißes Blatt Papier,           Zentrale am Berliner Tor arbeitet, Anfang 2015           ich sehe wie die Kinder sich entwickeln und
     daneben eine Spielzeuggiraffe. „Das sagst du             gegründet. Damals waren es Berichte über                 aufblühen.“ Die Geflüchteten haben unterwegs
     immer. Komm, versuch es mal“, sagt Ulrike                Pegida, die sie motivierten, sich ehrenamtlich           Schlimmes erlebt und sind traumatisiert. Hin-
     Hinrichs und schiebt das Papier zurecht.                 zu engagieren. „Als ich die Aufmärsche im                richs versucht zu helfen, ohne nachzubohren.
     Vorsichtig setzt das Mädchen aus dem Irak                Fernsehen sah, wusste ich, ich muss jetzt was            „Wenn sie hier zur Ruhe kommen, dann kommt
     den Bleistift an, zeichnet den ersten Strich.            tun“, erinnert sich Hinrichs. Sie wollte sich aktiv      alles erst hoch“, erzählt sie. Die künstlerische
     Hinrichs kennt das schüchterne Mädchen,                  für die Integration der Geflüchteten und den             Arbeit biete ihren Schützlingen die Möglichkeit,
     redet ihr häufig gut zu. Als Samera mit ihrer            Zusammenhalt in ihrem Stadtteil einsetzen.               Gefühle zu verarbeiten. Durch regelmäßige Aus-
     Mutter und den sechs Geschwistern nach                      Neben der Malgruppe hat Hinrichs auch                 stellungen erhielten die Geflüchteten außerdem
     Harburg kam, war sie noch unsicherer. Das war            das Projekt „Wir sind Harburg“ ins Leben                 Wertschätzung.
     vor sechs Monaten. Seitdem lebt die Familie              gerufen – und sie organisiert künstlerische                  Mit Harburg verbindet Hinrichs eine lange
     auf dem Wohnschiff Transit im Harburger                  Stadtwanderungen, die für alle offen sind.               Geschichte. Dort im Süden der Hansestadt ist
     Binnenhafen. Und hier besucht Samera die                 Ganz nach dem Motto: Kunst verbindet. Den                sie geboren und aufgewachsen. Mit Anfang 20
                                                                                                                       zog Hinrichs auf die andere Elbseite nach St.
                                                                                                                       Pauli, um an der Universität Jura zu studieren.

                                                                                                                                     Ulrike Hinrichs
                                                                                                                                    liebt die Vielfalt
                                                                                                                           Eigentlich wollte sie lieber Künstlerin wer-
                                                                                                                       den, entschied sich dann aber doch für etwas
                                                                                                                       „Richtiges“. Bereut habe sie das nie. Nach
                                                                                                                       dem Studium verbrachte Hinrichs ein Jahr in
                                                                                                                       Istanbul. Der Umzug aus dem beschaulichen
                                                                                                                       Hamburg in die lebendige türkische Metropole
                                                                                                                       habe sie sehr geprägt. Später zog die junge
                                                                                                                       Anwältin mit sehr guten Türkischkenntnissen
                                                                                                                       nach Berlin-Kreuzberg und heuerte bei Turkish
                                                                                                                       Airlines an.
                                                                                                                           Heute beherrsche sie die Sprache nicht mehr
     Ulrike Hinrichs ist Rechtsanwältin, Mediatorin, Coach,   In dem schwimmenden Atelier auf dem Wohnschiff Transit   ganz so gut, nützlich seien die Kenntnisse bei
     Kunsttherapeutin und Autorin.                            im Harbuger Binnenhafen malt sie mit Geflüchteten.       der Arbeit für den Mieterverein – besonders in
                                                                                                                       Harburg – allemal. „Es ist schon ein Türöffner,
                                                                                                                       wenn ich auf Türkisch ,herzlich willkommen‘
     Malgruppe von Ulrike Hinrichs.                           interkulturellen Dialog fördert auch ein weite-          sage“, sagt Hinrichs lächelnd. Die Freiberufle-
        Einmal die Woche schließt die 52-Jäh-                 res Projekt: Das 150-seitige Kochbuch „Kleine            rin arbeitet seit ihrer Rückkehr aus Berlin vor
     rige den kleinen Raum im ersten Stock                    Weltküche – Kochrezepte von Geflüchteten                 viereinhalb Jahren beim Mieterverein. Heute
     der Transit auf, holt die Wachskreiden,                  und Freunden“ haben 50 Personen gemein-                  lebt sie in der Nähe der Harburger Berge. Seit
     Buntstifte und das Papier aus dem Schrank                sam geschrieben und illustriert. „Da ist der             dem Umzug „von Kreuzberg in den Wald“
     und wartet auf ihre Künstler. Etwa 6 bis 15              Tafelspitz von meiner Mutter genauso drin wie            genießt sie die Nähe zur Natur und die langen
     Kinder und Erwachsene kommen zum Malen,                  Bolani aus Afghanistan“, freut sich Hinrichs,            Spaziergänge mit ihrem Pflegehund. Hinrichs
     darunter auch ein syrischer Kunstprofessor,              die das Buch gemeinsam mit dem Grafiker                  arbeitet auch als Mediatorin und Coach und hat
     der Zeichentechniken erklärt. Unterstützt                Günther Spiegel herausgebracht hat.                      vor Kurzem eine Weiterbildung zur Kunstthe-
     wird das Angebot vom Bezirksamt Harburg                     Ihre ehrenamtliche Arbeit sieht sie als einen         rapeutin abgeschlossen. Fünf Tage die Woche
     und seit Juni 2017 von „Freiräume! Fond                  Beitrag für die Gesellschaft und opfert gern ihre        das gleiche zu machen, sei einfach nichts für
     für kulturelle Projekte mit Geflüchteten“.               Freizeit dafür. „Ich sage immer, wenn andere             sie: „Meine Spezialität ist die Vielfalt.“ �
     Die Gruppe hat Hinrichs, die als Rechtsan-               Tennis spielen, gehe ich hierher“, sagt Hinrichs         www.wirsindharburg.com, www.heimat-harburg.de

12 · MieterJournal 3/2017
Leben in Hamburg

Mit schmutzigen Fenstern fing alles an
Die Mieterinitiative Fuhlsbüttel-Süd wehrt sich gegen
falsche Betriebskostenabrechnungen und kämpft für den
Erhalt ihrer denkmalgeschützten Wohnanlage
Von Anna Salewski

Das MieterJournal berichtet in loser Folge über die Initiativen-     gekümmert haben. „Die Kom-
arbeit des Mietervereins zu Hamburg. In dieser Ausgabe stellen       munikation mit GIB lief sehr gut.
wir die Mieterinitiative Fuhlsbüttel-Süd in der Wohnanlage am        Der Hausmeister hatte ein Büro
Woermannsweg vor.                                                    hier, war immer ansprechbar und
                                                                     hat sich schnell gekümmert“, erinnert

G
         rün und saftig leuchtet die frisch gemähte Wiese in dem     sich Meyer.
         großen Innenhof am Woermannsweg. Auch die Hecken und           Mit dem Verkauf an Quantum verschwand der Hausmeister, die
         Bäume zwischen den dreistöckigen Rotklinkerbauten sehen     Ansprechpartner bei der Verwaltung wechselten häufig und niemand
gepflegt aus. Das war nicht immer so, erzählt Sylvia Ehrenpfordt.    kümmerte sich um verdreckte Keller und fällige Reparaturen. Als
Sie lebt seit 30 Jahren in der denkmalgeschützten Wohnanlage. Den    mit der Betriebskostenabrechnung im September 2012 eine saftige
Gärtner, der sich seit April 2016 um die Grünflächen kümmert, hat    Nachzahlung kam, hatte Sylvia Ehrenpfordt die Nase voll. Sie prüfte
die 62-Jährige nach langem Ringen mit der Hausverwaltung schließ-    die Abrechnung ganz genau und wunderte sich zuerst über einen
lich gemeinsam mit Nachbarn aussuchen dürfen. Ein Etappensieg.       Posten. „Glasreinigung? Bei der GIB ist das nie abgerechnet wor-
„Ich bin hier mit sechs Gärtnerfirmen rumgelaufen und habe           den“, erinnert sie sich. Schließlich seien die schmutzigen Fenster
Angebote eingeholt“, erzählt sie stolz. Der Vorgänger habe weder     im Treppenhaus auch nie geputzt worden. Für Ehrenpfordt stand
regelmäßig Rasen gemäht noch Hecken beschnitten, außerdem sei        schnell fest: „Nö, das bezahle ich nicht!“ Sie brütete gemeinsam mit
das Holz gefällter Bäume nicht entfernt worden. Fußwege wuchsen      zwei Nachbarn über den vielen Ungereimtheiten der Abrechnung
zu. Abkassiert habe er trotzdem. Die Kosten gab der Vermieter        und forderte mit Unterstützung des Mietervereins zu Hamburg
mit der Betriebskostenabrechnung an die Bewohner weiter. Bis         sämtliche Belege an. Gegenüber dem Vermieter traten die drei als
diese anfingen sich zu wehren und schließlich die Mieterinitiative   Mieterbeirat auf.
Fuhlsbüttel-Süd gründeten.                                              Mitte 2014 lud Ehrenpfordt gemeinsam mit Dr. Rolf Bosse,
                                                                     Beauftragter für Mieterinitiativen beim Mieterverein zu Hamburg,
   „Es ist ein ständiger Kampf und ein Ringen um jeden Euro, den     alle Nachbarn zu einer Versammlung ein. Ziel war es, möglichst
wir zu viel gezahlt haben“, sagt Mieterini-Mitglied Jürgen Gerlach   viele Bewohner über die fehlerhaften Betriebskostenabrechnungen
(69). Der pensionierte Beamte lebt seit 2003 in der Fuhlsbüttler     aufzuklären. Strittig waren vier Positionen: Hausmeisterkosten,
Wohnanlage, die von den Straßen Woermannsweg, Woermannstieg,         Treppenhaus- und Glasreinigung, Winterdienst und die Garten-
Maienweg und Am Hasenberge umschlossen wird. Die Kommu-              pflege. Um ihr Recht durchzusetzen, widersprach Ehrenpfordt
nikation mit der Eigentümerin Quantum Immobilien AG, die die         der Nachzahlung und ließ sich dann von ihrem Vermieter ver-
Anlage 2011 von GIB Immobilien gekauft und anschließend die          klagen. Ehrenpfordt: „Ich war die Gallionsfigur, wie Dr. Bosse
Grundstücksverwaltung Wentzel Dr. eingesetzt hat, sei schwierig,     immer sagt.“ Ihr Einsatz hat sich gelohnt: Der Vermieter musste
sagt er. Seine Nachbarn stimmen ihm zu. „Mit Quantum fing der        die Kosten für die Glasreinigung um 50 Prozent und für andere
Ärger an“, meint auch Harald Meyer (72). Der Rentner lebt seit 42    Positionen um 20 Prozent senken. Außerdem reduzierte er die
Jahren in der Anlage und hat mehrere Eigentümer und Hausverwalter    Kosten für den Hausmeister drastisch auf weniger als ein Drittel
erlebt, die sich mal mehr, mal weniger um die knapp 340 Wohnungen,   der verlangten Summe. „Ohne die Hilfe von Dr. Bosse wäre das
zwei Kitas, zwei Gewerbebetriebe und die großzügigen Grünflächen     alles nicht möglich gewesen“, sagt Ehrenpfordt.
                                                                                                  Anfang 2015 gründete Ehrenpfordt mit
                                                                                              anderen schließlich die Mieterinitiative, die
                                                                                              heute acht Mitglieder zählt. Neben der Prü-
                                                                                              fung der weiterhin fehlerhaften Betriebskos-
                                                                                              tenabrechnungen hat sich die Initiative die
                                                                                              langfristige Erhaltung der Wohnanlage auf
                                                                                              die Fahnen geschrieben. Vor allem möchten
                                                                                              die Mieter verhindern, dass ihre Wohnungen
                                                                                              in Eigentum umgewandelt werden, wie es in
                                                                                              einigen benachbarten Anlagen bereits pas-
                                                                                              siert sei. „Das befördert natürlich die Sorge
                                                                                              um unser Quartier“, sagt Jürgen Gerlach.
                                                                                              Er setzt sich dafür ein, dass das Bezirksamt
                                                                                              Hamburg-Nord eine Soziale Erhaltungs-
                                                                                              verordnung in dem Stadtteil erlässt, die
                                                                                              solche Umwandlungen bereits in anderen
                                                                                              Hamburger Quartieren verhindert. „Das
                                                                                              ist ein dickes Brett, das da gebohrt werden
                                                                                              muss“, sagt Gerlach. Den langen Atem dafür
                                                                                              haben die Mitglieder der Mieterinitiative. Sie
                                                                                              wollen für ihr schönes Zuhause kämpfen.
                                                                                             Sybille von Rothkirch, Jürgen Gerlach, Harald Meyer,
                                                                                             Sylvia Ehrenpfordt und Uwe Spangenberg (v.l.)
                                                                                             engagieren sich in der Mieterinitiative Fuhlsbüttel-Süd.
                                                                                             Foto: Salewski

                                                                                                                            MieterJournal 3/2017 · 13
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