Das Magazin vom Hannover Airport

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Das Magazin vom Hannover Airport
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                                       v e r A ir   por t
                            mH a n n o
              az   in v o
   D a s M ag
Das Magazin vom Hannover Airport
NEW YORK!
                                            NEW YORK!

                                                                   NEU!
                                                               AB JUNI 2012

HANNOVER       BRÜSSEL       NEW YORK
Fliegen Sie mit Brussels Airlines demnächst ab Hannover via Brüssel nach New York (JFK)
und genießen Sie das ultimative Flugerlebis in der neuen Business- und Economy Class.
Wenn Sie neugierig sind, was Sie an Bord erwartet, dann besuchen Sie uns gerne vorab
auf brusselsairlines.com/experience.

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Das Magazin vom Hannover Airport
LIEBE LESERINNEN
       UND LESER,
    ››                             60 Jahre Fliegen ab Hannover – diese Ausgabe von BOULEVARD AIRPORT haben wir
                                   ganz der Historie gewidmet. Wie Sie sicherlich mitbekommen haben, feiert der Airport in
                                   diesen Tagen seinen 60. Geburtstag. Anlass genug, einmal einen Rückblick auf ereignis-
                                   reiche Jahre zu werfen. Als der Flughafen am 26. April 1952, von der damaligen Auf-
                                   bruchstimmung getragen, nach nur 6 Monaten Bauzeit eröffnet wurde, hatten die Macher
                                   nicht nur den Grundstein für einen internationalen Verkehrsflughafen gelegt, sondern
                                   zugleich eine spannende Erfolgsstory initiiert. Auch wenn der Airport im Verlaufe seiner
                                   60 Jahre nicht nur Höhenflüge durchlebt hat, so hat er sich für Hannover und die ge-
                                   samte Region zu einem bedeutenden Wirtschaftsmotor sowie zu einer unverzichtbaren
                                   Beschäftigungsstätte entwickelt, an der heute mehr als 8.000 Menschen Arbeit finden
››   Sönke Jacobsen,               und von der aus jährlich mehr als 5 Millionen Passagiere zu 80 Direktzielen in 30 Län-
     Leiter Unternehmens-          dern starten.
     kommunikation und Marketing
     Hannover Airport.             In unserer Retrospektive berichten wir unter anderem, weshalb der Flughafen nicht auf
                                   dem stadtnahen Gelände des ehemaligen Flughafens in Vahrenwald, sondern in Langen-
                                   hagen gebaut wurde. Wir skizzieren, wie die Ära des Ferienfluges begann, die ersten
                                   Frachtsendungen auf die Reise gingen und die Propellermaschinen von der modernen
                                   Jet-Generation abgelöst wurden. Und wir präsentieren HAJ als weltoffenen Airport: die
                                   heißesten Events und die wichtigsten Promis aus 6 Jahrzehnten.

                                   Selbstverständlich haben wir auch in diesem Heft wie gewohnt Reisethemen und Tipps
                                   für zu Hause im Gepäck. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Städtereise nach Kopenhagen
                                   oder nach Tallinn? Mit SAS bzw. Estonian Air ist man bereits in einer Stunde am Ziel.
                                   Und auf noch etwas möchte ich Sie im Jubiläumsjahr aufmerksam machen: Ganze 60
                                   Tage lang überraschen wir Sie mit besonderen Aktionen rund um den Airport. Zu gewinnen
                                   gibt es viele tolle Preise, wie etwa einen Tag im Tower oder eine Fahrt über die Runway.

                                   Viel Glück und viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen Ihr

                                   Sönke Jacobsen
                                   Leiter Unternehmenskommunikation und Marketing
Das Magazin vom Hannover Airport
IMPRESSUM
                               HERAUSGEBER: Hannover Airport
                               Unternehmenskommunikation und Marketing
                               Postfach 420280, 30662 Hannover

                               LEITUNG: Sönke Jacobsen

                               REDAKTION: Reinhard Wille

                               KONTAKT: Tel.: 0511 977-1755
                               Fax: 0511 977-1855
                               E-Mail: s.jacobsen@hannover-airport.de
                               r.wille@hannover-airport.de

››                             MITARBEIT: Ingrid Hecht, Alexander Thurow,
                               Wolfgang Reich

Hommage an 6 Jahrzehnte        FOTOS: Marc Theis, Claudia Pandel, Wolfgang
Luftverkehr am Hannover        Reich, Markus Lindert, FHG-Archiv, Reinhard
Airport. Das Foto aus den      Wille, air astana, Bildagentur Huber, surma,
50er-Jahren zeigt eine         visitdenmark.com, Bilder Fotolia.com:
Cabincrew der amerikani-       amgius/The Factory, Bilder istockphoto.com:
schen Fluglinie Pan Ameri-     Filip Makowski/Michał Krakowiak/Valeriy
can. Die „Königin der Lüfte“   Tretyakov, De Agostini Picture Library/ENIT,
                               Lüneburger Heide GmbH, Schloss Bückeburg,
und der charmante Steward
                               Pro Rinteln e. V., Filmtier-Park Eschede,
sind auf ihrer visuellen       Schmetterlingsfarm Steinhude, Holländische
Zeitreise 60 Jahre später      Kakao-Stube, Mövenpick Restaurant Kröpcke,
wieder in HAJ gelandet.        Archiv Alt Hanovera, Archiv Max Walloschke,
                               Stiftung Ahlers Pro Arte/Kestner Pro Arte, üstra

Titelillustration:             GESTALTUNG: tabasco. media UG
tabasco. media UG
                               DRUCK: BenatzkyMünstermann Druck GmbH

                               ANZEIGEN: Verlagsbüro ID GmbH & Co. KG
Das Magazin vom Hannover Airport
THEMEN 5 › › ›

INHALT

01 › › ›            AIRPORT
GLÜCKWÜNSCHE        Happy Birthday …                                              6
DER BEGINN          60 Jahre Hannover Airport                                     10
BERLIN-VERKEHR      Shuttle nach Berlin                                           14
CHRONIK             60 Jahre sind kein Alter                                      16
DAS JET-ZEITALTER   Der Aufstieg                                                  20
FERIENFLUG          Steilflug in die Sonne                                        24
LUFTFAHRTSCHAU      Faszination Fliegen: Die ILA                                  28
FRACHT              Cargo-Mosaik                                                  30
EUROPA-VERKEHR      Aufbruch nach Europa                                          34
EVENTS              Erlebniswelt Airport                                          36
PEOPLE              Generationen am Airport                                       38
PROMIS              Und immer wieder VIPs                                         40
KIDS                Jenny Starks 13. Fall                                         42
GEWINNSPIEL         Zum 60. Geburtstag ein Gewinnspiel, eine Sonderausstellung,
                    eine Stadtbahn in Airportfarben und Top-Gratulanten           43
VERMISCHTES         News vom Airport                                              44

02 › › ›            REISE
SARDINIEN           Was für eine Gegend!                                          48
KOPENHAGEN          Lebenslustige Metropole im Norden                             52
TALLINN             Tallinn: Estnische Schönheit                                  56

03 › › ›            HANNOVER UND REGION

AUSFLUGSTIPP        Freizeitspaß rund um Hannover                                 62
GASTRONOMIE         Theken-Geschichte …                                           66
KUNST               George Grosz: „Deutschland, ein Wintermärchen“                70
VERANSTALTUNGEN     Veranstaltungskalender                                        72
LAST CALL           Strandfeeling im Airportdesign                                74
Das Magazin vom Hannover Airport
6 ›››

         HAPPY
         BIRTHDAY …
  › › „Die Deutsche Messe bringt mit
  ihren internationalen Investitionsgü-
  termessen jährlich mehr als 2 Millio-
  nen Menschen aus 100 Ländern in
  Kontakt. Dabei ist der Flughafen mit
  seiner perfekten Anbindung an das

                                                                  › › „Hannover Airport – das steht für
  Messegelände von großer Bedeu-
  tung. Bereits bei seiner Gründung
  1952 wurden auf der 1947 gegrün-                                Fernweh, Freiheit und fantastische
  deten Export-Messe schon Aussteller aus zehn Ländern            Logistik. Egal, wohin die Reise geht,
  gezählt. Heute ist der Airport aufgrund seiner Infrastruktur    sie beginnt bereits am Flughafen mit
  und des kontinuierlichen Ausbaus ein strategisch wichtiger      jeder Menge Vorfreude. Und auch
  Partner. Er ermöglicht uns die Internationalität, die wir als   wenn ich auf dem Rückflug bin, ist
  Messeveranstalter benötigen.“                                   die Ankunft im Terminal bereits ein
  Dr. Wolfram v. Fritsch,                                         Stück Zuhause. Herzlichen Glück-
  Vorstandsvorsitzender Deutsche Messe AG                         wunsch zum 60. Geburtstag, HAJ:
                                                                  Hannover-Airport-Jubiläum.“
                                                                  Ina Tenz, Programmchefin Radio ffn

                         ››   „In den letzten Jahren habe ich
                        für meine Fotoausstellung in Asien,

                                                                                        ››
                        Amerika, Europa und Afrika fotogra-
                        fiert. Die meisten dieser inspirieren-                                „Der Hannover Airport hat als
                        den Reisen haben am Hannover                                    langjähriger Partner des Hannover-
                        Airport begonnen. Er ist für mich ein                           schen Rennvereins e. V. auch die
                        Ort der Vorfreude. Auch habe ich                                Galopp-Rennbahn auf der Neuen
                        eine Szene meines Kinofilms ‚Vine-                               Bult ‚zum Fliegen‘ gebracht. Zum
                        ta‘ hier gedreht. Flughäfen stecken                             60-jährigen Jubiläum gratuliere
  voller Emotionen und sind Orte des Aufbruchs. Das ist                                 ich sehr herzlich.“
  auch in meinem Film so.“                                                              Gregor Baum,
  Franziska Stünkel, Filmregisseurin und Fotografin                                      Präsident Rennverein Hannover
Das Magazin vom Hannover Airport
GLÜCKWÜNSCHE 7 › › ›

         ››           Über fünf Millionen Passagiere starten und landen auf dem Hannover
                      Airport im Jahr. Unter diesen Reisenden sind auch viele Prominente, die von
                      HAJ aus in alle Welt fliegen, sei es nun beruflich oder um sich irgendwo
                      in fernen Gestaden zu erholen. BOULEVARD AIRPORT hat sich einmal
                      umgehört und Stimmen zum 60. Geburtstag des Flughafens eingefangen.

                      ››   „Hannover ist eine internatio-
                      nale Stadt, die seit Jahrzehnten
                      Gäste aus allen Kontinenten be-
                      grüßt. Jahr für Jahr kommen Millio-
                      nen Menschen nach Hannover als
                      eine der weltweit bedeutenden
                      Messestädte. Daran hat der Han-
                      nover Airport einen großen Anteil.“
                      Stephan Weil,
                      Oberbürgermeister Hannover

                                                              ››
› › „Seit 60 Jahren stillt der Han-
                                                                   „Ich wünsche dem Hannover
                                                              Airport alles Gute zum 60. Geburts-
nover Airport das Fernweh der Men-                            tag und hoffe nur das Beste für die
schen. Ich bin seit vielen Jahren                             nächsten 60 Jahre. Meiner Familie
begeisterter Reisender – ob privat                            und mir gefällt es am Airport immer
mit meiner Familie oder als Trainer                           wieder äußerst gut. Wir gehen hier
von Hannover 96. Am Flughafen                                 gerne sonntags einkaufen und
beginnen und enden tolle Erlebnis-                            essen. Und meine Kinder freuen sich
se. Früher hab’ ich sogar selbst am                           jedes Mal darauf, den Flugzeugen
Airport gearbeitet. Er ist für mich ein                       beim Starten und Landen zuzusehen.“
ganz besonderer Ort in unserer                                Scott King, Eishockeyprofi Hannover Scorpions
Stadt. Happy Birthday!“
Mirko Slomka, Cheftrainer Hannover 96

                                                                                                  ››
                     › › „Mit dem Hannover Airport ver-
                                                                                                       „Der Hannover
                                                                                                  Airport ist heute ein
                     binde ich eine sehr intensive und                                            Airport der kurzen
                     freundschaftliche Zusammenarbeit.                                            Wege und ein Flug-
                     Mittlerweile lassen wir alle unsere                                          hafen mit einer ganz
                     Künstler über ihn einfliegen, sodass                                          hervorragenden
                     der Airport ein richtiger Künstlerair-                                       Infrastruktur und
                     port geworden ist. Ich freue mich auf                                        sehr guten Bahn-
                     weitere grandiose gemeinsame Jah-                                            und Straßenanbin-
                     re und wünsche zum 60. Geburtstag        dungen. Und er ist unser Heimatflughafen seit 40 Jahren.
                     alles Beste!“                            Wir freuen uns auf viele runde Geburtstage!“
                     Dennis M. Meyer,                         Dr. Dieter Nirschl und Friedrich Keppler,
                     Chef GOP Varieté-Theater                 Geschäftsführung TUIfly
Das Magazin vom Hannover Airport
8 ›››

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           A
        Airport

         RE
Das Magazin vom Hannover Airport
FF › › › ›
TAKE-O

       ››   Mit Propellermaschinen wie dieser Douglas DC-3 kam der
            Flugverkehr von und nach Hannover vor 60 Jahren richtig
            auf Touren. Die zweimotorigen Flieger brachten die
            Reisenden anfangs nach Berlin, Amsterdam und London.
            Rund 120.000 Passagiere zählte der Flughafen im ersten
            Betriebsjahr – so viele wie heute in einer guten Woche.
Das Magazin vom Hannover Airport
10 › › ›
                                                        ›››
60 JAHRE
HANNOVER AIRPORT
Wie aus dem „Nichts“ ein Flughafen entstand.

››         Die Ausgangslage um das Jahr 1950 war
           alles andere als rosig: Die Stadt Hannover
           lag größtenteils in Trümmern, die D-Mark
           war noch neu, an Wohlstand und Reisen war
           überhaupt nicht zu denken – und dann der
           Luxus, einen Flughafen bauen zu wollen,
           wenn niemand fliegen konnte und durfte.
DER BEGINN 11 › › ›

                                                                                                                                       01.

So in etwa stellte sich die Situation dar, mit der sich der „Ur-Vater“
und spätere Chef des Hannover Airports, Friedrich Wilhelm
Petzel, konfrontiert sah, als er sich ans Werk machte, Hannover
quasi aus dem „Nichts“ heraus wieder an das internationale
Flugnetz anzuschließen.

Petzel, gebürtiger Brandenburger und ehemaliger Chef der
Reichsflugsicherung, war 1949 vom Rat der Stadt Hannover
zum Sonderbeauftragten für Flughafen- und Luftverkehrsfragen
ernannt worden und sollte in dieser Funktion zunächst einmal
den anstehenden Messe-Luftverkehr organisieren. Als Start-
und Landeplatz hatte er das alte Flughafengelände an der
Vahrenwalder Straße ins Auge gefasst, doch die britische
Militärregierung machte ihm einen Strich durch die Rechnung.
So mussten die Fluggäste im ersten Messejahr 1949 die
umständliche Anreise über den britischen Militärflugplatz in
Bückeburg in Kauf nehmen, bevor ein Jahr später der rund 30
                                                                                                                                             02.
Kilometer entfernte Fliegerhorst Wunstorf von den Briten zur
Verfügung gestellt wurde. Doch insgeheim war allen Beteiligten
längst klar, das Hannover einen eigenen Flughafen haben müsste.

Den traditionsreichen, stadtnahen Flughafen in Vahrenwald                01.
zukunftsweisend auszubauen kam nicht in Frage. Das hatte
der spätere Airportchef, Prof. Heinz Peter Piper, im Auftrag             26. April 1952: Niedersachsens
von Petzel in einer Untersuchung herausgefunden. Alternativ              Ministerpräsident Hinrich Wilhelm
standen ein Gelände in Messenähe, eins bei Hämelerwald                   Kopf erklärte den Flughafen Han-
sowie eine Fläche in Evershorst, die bis Kriegsende der Luft-            nover in einer feierlichen Ansprache
waffe als Fliegerhorst gedient hatte, zur Diskussion. Petzel hielt,      für offiziell eröffnet.
wie andere auch, Langenhagen für eine Sumpfwiese, mit der
nicht viel anzufangen sei. Erst Bohrungen, die Bauexperten
anregten, bewiesen das Gegenteil.                                        02.
Nach langem Hin und Her – die Braunschweiger Stadtväter                  Der „Ur-Vater“ des Hannover
appellierten an die Landesregierung, an Hämelerwald festzu-              Airports: Friedrich Wilhelm Petzel.
halten – einigte man sich schließlich auf Langenhagen. Am 18.
Juli 1951 überreichte der britische Land Commissioner Gibson
dem niedersächsischen Wirtschaftsminister Hermann Ahrens
und dem hannoverschen Stadtdirektor Georg Lindemann die
Konzessionsurkunde und Petzel erhielt sogleich den Auftrag,
einen General-Ausbauplan auszuarbeiten; knapp 9 Monate                   und eine provisorische Zufahrtsstraße. Einen baufälligen Hangar,
blieben ihm vom Zeitpunkt der Genehmigung bis zur Inbetrieb-             den die Briten eigentlich abreißen lassen wollten, verwandelten
nahme zur Hannover-Messe 1952. Im November rollten die                   die Macher kurzerhand in eine schmucke, lichtdurchflutete
Bagger heran.                                                            Empfangshalle.      03.

Das Team um Petzel schaffte es, innerhalb von nur 6 Monaten              Am 26. April 1952, pünktlich zur Hannover-Messe, konnte der
auf dem von Bomben zerpflügten Gelände eine erste Ausbau-                 Ur-Vater des Hannover Airports die ersten Fluggäste begrüßen –
stufe aus dem Boden zu stampfen: eine 1.700 Meter lange                  und aus einem Flugzeugschuppen und einem Feld aus Bomben-
Startbahn, eine 500 Meter lange Zurollbahn, ein kleines Vorfeld          trichtern war mit bescheidenen Mitteln ein richtiger Verkehrs-
12 › › ›

flughafen geworden. An Bord der ersten gelandeten Maschine,        Airways, der skandinavischen SAS und der Pan American World
einer Douglas DC-3 der British European Airways, befand           Airways, die das Bild auf dem eher beschaulichen Vorfeld präg-
sich Berlins Regierender Bürgermeister Ernst Reuter. „Dieser      ten. Die Flieger mit dem sonoren Klang der Kolbenmotoren
Flughafen ist für Berlin eine Lebensnotwendigkeit“, betonte er    brachten die Reisenden nach Berlin, nach Frankfurt und weiter
in seiner Eröffnungsrede.                                         nach Stuttgart, Nürnberg und München sowie nach Amsterdam,
                                                                  Brüssel und London. Im Februar 1953 eröffnete die KLM mit
„Man fragt sich heute, was wohl die Triebfeder zu unserem         der Route Hannover–Bremen–Amsterdam eine weitere Verbin-
geradezu unnatürlichen Fleiß war“, schrieb der 2011 verstorbene   dung ins benachbarte Ausland. Die Deutsche Lufthansa kam
Prof. Heinz Peter Piper in seinen Erinnerungen. „Wahrscheinlich   später; sie durfte erst wieder ab 1955 fliegen. Am 7. Oktober
war es der Reiz des Neuen und eine gewisse Faszination für        1956 schickte der „Kranich“ auf der innerdeutschen Strecke
die Luftfahrt, die Petzel mit einer Begeisterung um sich ver-     Hamburg–Hannover–Frankfurt–Stuttgart eine Douglas DC-3
breitete. Hannover-Langenhagen war der erste völlige Neubau       ins Rennen. So erhielt HAJ nach und nach Anschluss an das
eines Flughafens nach dem Krieg. Dadurch hatten wir die           globale Flugnetz.
Gelegenheit, erstmalig in Europa ein Parallelbahnsystem mit
dazwischen liegender Bebauung zu planen.“ Von den beiden          Der Blick aufs Vorfeld und die Propellermaschinen musste für
Bahnen wurde zunächst nur die Südbahn verwirklicht, die           die Menschen damals eine riesige Sensation gewesen sein.
Nordstartbahn ging erst im April 1966 in Betrieb, als HAJ mit     So erklären sich auch die aus heutiger Sicht wundersam anmuten-
über 1 Million Fluggäste und rund 50.000 Starts und Landun-       den Kaffeefahrten, die vom hannoverschen Hauptbahnhof zum
gen in eine neue Größenklasse vorgedrungen war.                   Flughafen führten. Die Teilnehmer konnten für 2,90 Mark auf
                                                                  der Terrasse der Flughafenrestaurants unter freiem Himmel
Von dieser Marke war man im ersten Betriebsjahr noch weit         Kaffee und Kuchen genießen und sich auf eine anschließende
entfernt; rund 120.000 Passagiere fertigte der Flughafen damals   Flughafenbesichtigung freuen. Die Touren waren so beliebt,
ab. Es waren die Propellermaschinen der British European          dass sie zur festen Einrichtung wurden.

           ››                                                     ››
           „Großer Bahnhof“: Ankunft der ersten Passagier-        Am Eröffnungsflug nahm auch der Berliner Regierende Bürgermeister Ernst
           maschine. Die Douglas DC-3 der British European        Reuter (mit Baskenmütze) teil. Er wurde vom ersten Aufsichtsratsvorsitzen-
           Airways kam direkt aus Berlin.                         den des Flughafens, Senator Hermann Müller (l.), in Empfang genommen.
›››         DER BEGINN 13 › › ›

        01.

                                                      02.

                03.

      01.
      Schon damals genossen die Gäste im
      Flughafenrestaurant die schöne Aussicht
      auf das Vorfeld.

      02.
      Wenige Wochen vor der Eröffnung
      waren der Bau des Towers und der
      Abfertigungshalle noch in vollem Gang.

      03.
      Schmuckkästchen von damals: Schnörkel-
      los, aber mit Stil. Das Empfangsgebäude
      der 50er- und 60er-Jahre überzeugte
      mit klaren Linien.

03.
14 › › ›
                                                                                                                    ›››
SHUTTLE NACH BERLIN
Die stärkste Flugverbindung der 60er-Jahre.

Erst Eröffnungsstrecke, dann Rennstrecke, dann Durststrecke:      ging, fiel auch der Startschuss für den Berlin-Verkehr. Von
Der Berlin-Verkehr ist eine Geschichte mit Höhen und Tiefen,      nun an entwickelte sich die Strecke in die geteilte Stadt zu
kaum eine andere Verbindung hat die Entwicklung am Hannover       dem, was sie über vier Jahrzehnte lang blieb: ein Brücken-
Airport über Jahrzehnte hinweg so stark geprägt. Die Luft-        pfeiler zwischen West und Ost. In den Jahren 1954 bis 1957
brücke von der Leine an die Spree war bundesweit nicht nur        kamen über die sogenannte „Kleine Luftfrachtbrücke“
die kürzeste in die heutige Hauptstadt, sondern auch die mit      Tausende von Tonnen wichtiger Güter in die geteilte Stadt.
den günstigsten Tarifen und dem größten Angebot an Flügen.
Ein erster moderner Shuttle-Dienst …                              In den Folgejahren erlebte die Luftbrücke einen für damalige
                                                                  Verhältnisse beispiellosen Höhenflug. Das Flugangebot ver-
Der Flugverkehr von und nach Berlin nahm durch den Kalten         doppelte sich bis Mitte der 50er-Jahre auf 12 Umläufe am
Krieg und die Teilung Deutschlands lange Zeit eine Ausnahme-      Tag. Schon im November 1960 konnte British Airways den
stellung ein. Die Siegermächte hatten für die ehemalige Reichs-   millionsten Fluggast begrüßen. Konkurrent Pan American,
hauptstadt einen Sonderstatus geschaffen, der bis 1990            der im Oktober 1952 als zweiter Anbieter in den hannover-
Bestand haben sollte: Flugverkehr nach West-Berlin war nur        schen Markt eingestiegen war, meldete ähnliche Erfolge.
amerikanischen, britischen und französischen Fluggesell-          Zur endgültigen Rennstrecke avancierte die Verbindung dann
schaften erlaubt. Und zwar durch drei festgelegte Luftkorridore   ab Mai 1966, als Pan Am begann, Düsenmaschinen vom Typ
– 32 Kilometer breit und 3.300 Meter hoch aus Richtung            Boeing 727 einzusetzen, durch die sich die Flugzeit nach Tem-
Hamburg, Frankfurt und Hannover.                                  pelhof von 50 auf 30 Minuten verkürzte. Zwei Jahre später
                                                                  gingen auch die Engländer mit einer zweistrahligen Super
           Als am 26. April 1952 der Flughafen Hannover-          One-Eleven an den Start. Als dann auch noch die Bundesre-
             Langenhagen nach knapp sechs Monaten Bau-            gierung die staatlichen Subventionen erhöhte und sich der
               zeit pünktlich zur Hannover-Messe mit einer        Flugpreis von 68 auf 51 Mark verbilligte, gab es selbst für den
                aus Berlin kommenden Maschine der British         preisbewusstesten Berlinreisenden zum Fliegen keine Alter-
                European Airways (BEA) offiziell in Betrieb        native mehr.

                                                                                       ››
                                                                                       Pan Am-Flieger wie diese Douglas DC-6
                                                                                       pendelten Anfang der 60er-Jahre bis zu
                                                                                       zehn Mal am Tag zwischen Leine und Spree.
BERLIN-VERKEHR 15 › › ›

Der Flugboom nach Berlin bescherte dem Hannover Airport die
mit Abstand meisten Passagiere und monatliche Zuwachsraten
im zweistelligen Bereich. Mehr noch: Mit durchschnittlich 3.000
Reisenden täglich und einer Maschinenauslastung von 80 bis
90 Prozent zählte die Berlin-Strecke Ende der 60er-Jahre zu
den stärksten Städteverbindungen im damaligen Weltluftver-
kehr. Die Nachfrage nach Tickets war so groß, dass das britisch-
amerikanische Flugduo im 30-Minuten-Takt hin- und herpen-
delte – ein erster moderner Shuttle-Dienst.

Im Rekordjahr 1971 nahmen in den Fliegern rund 1,6 Millionen
Fluggäste Platz – doch dann gerieten die Flüge in einen un-
beabsichtigten Sinkflug. Berlin war für viele zwar immer noch
                                                                      01.
eine Reise wert, aber nicht mehr mit dem Flugzeug. Das 1972
zwischen der Bundesrepublik und der DDR vereinbarte Tran-
sitabkommen, welches zu einer Normalisierung im Interzonen-
verkehr führte, veranlasste viele Menschen zum Umsteigen auf          02.   03.
Auto und Bahn. Folge: Viele Flugsitze blieben leer. 1975 stellte
Pan Am auf Grundlage einer bundesweiten Streckenaufteilung
die Berlin-Flüge ein. Nun hielt British Airways die Bastion Han-
nover ganz allein, der Abwärtstrend hielt aber an.

Bis Mitte der 80er-Jahre verlor die einstige Paradeverbindung
80 Prozent an Volumen; das Jahresaufkommen sank auf den
Tiefstand von weniger als 280.000 Passagiere. Mit Werbekam-
pagnen, Stand-by-Tarifen zu 48 Mark und ermäßigten Gruppen-
reisen gelang es jedoch, den Flugverkehr neu zu beleben. Im Mai
1988 nahmen sogar die Amerikaner den Dienst vorübergehend
wieder auf. Kurz vor der Wiedervereinigung pendelten die Turbo-
                                                                      04.
prop-Maschinen von Pan Am Express und British Airways zehn-
mal am Tag zwischen Leine und Spree, doch schon ein Jahr spä-
ter, genau am 26. Oktober 1991, hatte die alliierte Luftbrücke
nach 41 Jahren endgültig ausgedient. An diesem Tag hob der
letzte Berlin-Flug von British Airways vom Hannover Airport ab.

01.                               04.
Im Dezember 1972 landete der      Der Verkehrstechnik-Unterneh-
5-millionste Pan Am-Passagier.    mer Werner Sporleder war Viel-
Zur Begrüßung des 6-jährigen      flieger auf der Verbindung nach
Jungen wurde eigens der Ni-       Berlin. Vor seinem 1.000. Jubilä-
kolaus gerufen.                   umsflug überreichte ihm British-
                                                                      05.
                                  Airways-Verkehrsleiter Herzog
02.                               ein Modell der BAC Super One-
                                  Eleven.
Ein Mann der ersten Stunde:
BEA-Stationsleiter Otto Paul      05.
(hier 1972). Der Airport war
über 4 Jahrzehnte sein zwei-      Ende der 80er-Jahre setzten
tes Zuhause.                      die Briten auf den Berlin-Flü-
                                  gen auch Maschinen vom Typ
03.                               Boeing 737 ein.

Werbung für Berlin-Reisen:
DER-Werbeplakat.
16 › › ›
                                                                                                           ›››
   18. JULI 1951: Die alliierte Luftfahrtbehörde erteilt
die Lizenz, „einen Flughafen bei Hannover zu bauen“.

  26. NOVEMBER 1951: Baubeginn der 1.680 Meter langen
Südbahn.

  26. APRIL 1952: Der Flughafen geht pünktlich zur
Hannover-Messe an den Start. BEA und SAS sind die
ersten Airlines, die fliegen.

   7. MÄRZ 1956: Der erste Ferienflug hebt ab. Hummel-
                                                                             Die wichtigsten Daten
Reisen organisiert Touristikflüge nach Mallorca und an                        aus der Airport-Chronik.
die Costa Brava.

   7. OKTOBER 1956: Lufthansa nimmt den planmäßigen
Linienverkehr von und nach Hannover auf.                                                                     RP?>R
                                                                                                             ABO1°A?>EK
  28. APRIL BIS 6. MAI 1958: Eröffnung der ersten                                                            >RC
Luftfahrt-Sonderschau, später ILA genannt.                                                                   +BQBO*™KDB

  24. OKTOBER 1958: Landung der ersten Düsen-
verkehrsmaschine.

   1959: Die Südbahn wird auf 2.340 Meter verlängert.

  1963: Bau einer 780 Meter langen Kurzstartbahn
im Norden.                                                                          MOFI
                                                                          $OBRB KPF@ E°?BOAFB
  DEZEMBER 1965: Der Flughafen überschreitet die                       4LIIBKARKDSLK2BOJFK>I
Schwelle von 1 Million Passagiere.                                $IRDE>CBK@EBC&BFKW
                                                                  .BQBO.FMBO,FBABOP>@EPBKP
  26. APRIL 1966: Die Nordstartbahn, 2.400 Meter lang,         +FKFPQBOMO™PFABKQICOBA)R?BI 
und der 46 Meter hohe Tower gehen in Betrieb.                     O@EFQBHQ&BFKW5FIHBRKA
                                                                   $IRDE>CBKSFWB)I>RP*FKF@RP
  1. MAI 1966: Pan Am setzt auf den Flügen nach Berlin                                     SIKO 
erstmals einen Jet vom Typ Boeing 727 ein.

   1969: Verlängerung der Nordstartbahn auf 2.700 Meter.

   25. APRIL 1970: Lufthansa präsentiert auf der
8. Deutschen Luftfahrtschau erstmals den neuen
Jumbojet Boeing 747.

  1. JULI 1970: Fertigstellung einer 6.500 Quadratmeter
großen Großflugzeughalle.

   23. OKTOBER 1970: Der 2-millionste Fluggast wird begrüßt.

                                                                          +>F"FBBOPQBKRQLP
                                                                                                       C>EOBKSLK
                                                                          ABOKBRBKRQL?>EK#@HSBO?FKA
                                                                                                        RKD>RCAFB
                                                                          $IRDE>CBKPQO>”B
CHRONIK 17 › › ›

                                               23. MÄRZ 1971: Grundsteinlegung für die Fluggast-
                                             gebäude A und B.

                                               AUGUST 1971: Mit dem Holiday Inn ist erstmals ein Hotel
                                             am Flughafen präsent.

                                                21. APRIL BIS 1. MAI 1972: Die britisch-französische
                                             Überschallmaschine Concorde und das russische Pendant,
                                             die Tu-144, sind die Attraktionen bei der 9. Deutschen
                                             Luftfahrtschau.

            +™OW                          MÄRZ 1973: Hapag-Lloyd Flug richtet mit zunächst 3
                         
                 $BPQ>HQ                   Boeing 727 am Flughafen eine technische Basis ein.
        %ORKAPQBFKIB
                    DRKD
      C°O2BOJFK>                              6. APRIL 1973: Feierliche Einweihung der neuen
                  I 
                                             Terminals A und B durch Niedersachsens Minister-
                                             präsident Alfred Kubel.

                                                MAI BIS DEZEMBER 1973: Durch einen Bummelstreik der
                                             Fluglotsen und die Ölkrise sinkt das Fluggastaufkommen
                                             schlagartig um 20 Prozent.

                                               MAI 1976: Der Flughafen erhält über die Autobahn-
                                             Eckverbindung A 352 und A 2 Anschluss an das Auto-
                                             bahnnetz.

                                      23.10.1976: Inbetriebnahme des umgestalteten
                              "BOKBRB      Luftfrachtzentrums.
                              2LTBOTFOA
                              EL@EDBWLDBK     DEZEMBER 1977: Zulassung der Nordbahn für Landungen
                                             bei eingeschränkter Sicht nach ICAO CAT III a.

                                               SEPTEMBER 1981: Ausbau der Hapag-Lloyd-Basis um ein
                                             Bürogebäude und eine neue Wartungshalle.

             
     &>M>D*ILVA
  KFJJQBFKBKBRB
    5BOCQE>IIBC°O
%OL”O>RJCIRDWBRDB
         TFBABK
     FO?RP
       FK BQOFB?
18 › › ›

  5. NOVEMBER 1981: Die am Südrand des Flughafens
gelegene Triebwerkwartungsfirma MTU Maintenance
nimmt den Betrieb auf.

   JUNI 1985: Die sogenannte Trogstrecke, die den Flughafen
mit der Innenstadt Hannovers verbindet, wird für den Verkehr
freigegeben.

 4. FEBRUAR 1988: Das neue Luftfrachtzentrum mit einer
Umschlagkapazität für 50.000 Tonnen geht an den Start.

  JANUAR 1990: Die Airport-Feuerwehr zieht in ein modernes
Betriebsgebäude ein.                                           $B?OR>O
                                                               +FQBFKBJKBRBK*RCQCO
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  16. NOVEMBER 1990: Die auf 3.800 Meter verlängerte           ABO$IRDE>CBKPBFKB5
                                                                                     BQQ?BTBO?PMLPFQFLK
Nordstartbahn steht nach zehn Monaten Bauzeit wieder
zur Verfügung.

   22. JANUAR 1993: Mit dem Maritim Airport Hotel siedelt
sich am Airport Norddeutschlands größtes Hotel an.

   15. FEBRUAR 1994: Eine Lärmdämpfungsanlage für
Triebwerksprobeläufe geht in Betrieb.                            (RKF
                                                               #O«CCKRKDSLK
  2. JUNI 1998: Der niedersächsische Ministerpräsident              2BOJFK>I!
Gerhard Schröder eröffnet das Terminal C.                      ">P BFB@HFDB
                                                                   AO
                                                               +LARIFPQABK
  OKTOBER 1998 BIS DEZEMBER 1999: Die Terminals A und B         $BOFBKCIFBDBOK
werden aufwendig saniert.                                          SLO?BE>IQBK

   MAI 1999: Eröffnung eines neuen Tanklagers für bis zu
1,8 Millionen Liter Kerosin.

  DEZEMBER 1999: Die Flugsicherung bezieht einen neuen,
74 Meter hohen Tower.

   28. MAI 2000: Die neue S-Bahnlinie S 5 zum Haupt-
bahnhof rollt pünktlich zur Expo 2000 im unterirdischen
Flughafenbahnhof an den Start.

  11. SEPTEMBER 2001: Die Terroranschläge in den USA
wirken sich negativ auf die gesamte Branche aus.

   DEZEMBER 2001: Begrüßung des 100-millionsten Fluggastes.

  30. MÄRZ 2003: Hapag-Lloyd Express (HLX) läutet mit            RDRPQRCPF@EQPO
                                                                                         >QPSFWB5BOKBO L@H 
11 Strecken das Low-Cost-Zeitalter ein.                         FOMLOQ%BP@E™CQPC°EOBO
                                                                                          "O0>LRI&FIIBRKA
                                                                O@EFQBHQ0>FKBO+°IIB
                                                                                       O SIKO ARO@EP@EKBFA
                                                                PVJ?LIFP@EA>P >KAWR                              BK
                                                                                       O$OBFD>?BABO
                                                                FOMLOQ.I>W>
CHRONIK 19 › › ›

                                                     1. JANUAR 2005: Fortschreibung der 24-Stunden-
                                                   Betriebsgenehmigung.

                                                     DEZEMBER 2006: HAJ erzielt mit erstmals über 5,6 Millionen
                                                   Ein- und Aussteigern einen neuen Jahres-Passagierrekord.

                                                     DEZEMBER 2006: Einführung des Umweltmanagement-
                                                   systems EMAS und Zertifizierung nach DIN EN ISO 14001.

                                                     31. AUGUST 2007: Die neue Airport Plaza mit einem
                                                   breiten Shoppingangebot öffnet ihre Pforten.
                                  °OABK
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                                                     12. APRIL 2008: Startschuss für den 1. PUMA-Airport-
1@E>IIP@ERQWABOKTLEKBOBFKB
                              BOHPMOL?BI™RCB
*™OJA™JMCRKDP>KI>DBC°O2OFB?T
                                                   Run. Das Laufevent „Around the Airport“ lockt gleich über
                                                   1.500 Läufer.

                                                      2. OKTOBER 2008: Mit der „Welt der Luftfahrt“ geht die
                                                   bundesweit erste Erlebnisausstellung rund um das Thema
                                                   Fliegen an den Start.

                                                     16. BIS 21. APRIL 2010: HAJ ohne Flüge. Ein Vulkan-
                                                   ausbruch in Island bringt den europäischen Flugverkehr
                                                   komplett zum Erliegen.

                                                     29. APRIL 2010: Germanwings wählt HAJ mit 16 Zielen
                                                   zum neuen Startflughafen aus.

                                                     3. JULI 2010: Das größte Passagierflugzeug der Welt,
                                                   der Airbus A380, kommt zu Besuch.

                                                     28. SEPTEMBER 2011: Erster Spatenstich für das im
+™OW                                        Westbereich entstehende Air-Cargo-Terminal mit Anbin-
%BIB?QB.>OQKBOP@E>CQ#                           dung durch eine Vorfelduntertunnelung.
                         FKB LBFKDSLK
&>M>D*ILVA#UMOBPP
                       &*6 OLIIQJFQ&>KKLSB        14. OKTOBER 2011: Inbetriebnahme des neuen Park-
FOMLOQ*LDL>KABK1Q>                       O
                        OQ                        hauses 1. Der Komplex ist mit einer der bundesweit
                                                   größten Photovoltaikanlagen ausgerüstet.

                                                     26. APRIL 2012: Der Hannover Airport wird 60 Jahre alt.

                                   P
-HQL?BO">PKBRB.>OHE>R
PBQWQ>O@EFQBHQLKFP@EBH WBK QB
20 › › ›
                                                                                                          ›››
           DER AUFSTIEG
           Vom Start ins Jet-Zeitalter bis zum Flughafen der kurzen Wege.

           ››     Kaum eine andere technische Erfindung
                  hat die Mobilität und Reisegewohnheiten der
                  Menschen so nachhaltig revolutioniert wie
                  die Entwicklung des Düsenflugzeuges.

                                         ››
                                         Auf dem Sprung über den „großen Teich“: In den 70er-Jahren legte Pan American
                                         eine ganze Kette von Sonderflügen in die USA auf. Kurz vor dem Start versammelten
                                         sich die Passagiere vor dem Boeing-Clipper 707 zu einem Gruppenfoto.
DAS JET-ZEITALTER 21 › › ›

Die moderne Antriebstechnik, die Ende der 50er-Jahre erst-          Die zunehmende Umstellung auf den Düsenbetrieb ließ
mals auch in der Zivilluftfahrt eingeführt wurde, ließ nicht nur    die Passagierzahlen in die Höhe klettern. Wurden 1958, an
die Kontinente enger zusammenrücken, sondern sie bewirkte           der Schwelle des Jet-Zeitalters, knapp 400.000 Passagiere
eine tief greifende Veränderung in der Wahrnehmung von              gezählt, durchbrach der Flughafen 1965 die Schallmauer
Raum und Zeit und löste eine wahre „Völkerwanderung“ am             von einer Million. Das bedeutete: Mehr Kapazität musste her.
Himmel aus. In nicht einmal zwei Jahrzehnten stieg das Flug-        Bis 1968 flossen 46 Millionen Mark in ein erstes Erweite-
zeug zum Massenverkehrsmittel auf, Fliegen wurde alltäglich         rungsprogramm. Die Kernprojekte: ein neuer Tower, eine
und gewöhnlich, beinahe so, wie mit dem Bus von A nach B            neue Ankunftshalle, ein Flugbetriebsgebäude, zusätzliche
zu fahren. Auch die Flughäfen passten ihre Kapazitäten an           Vorfeldpositionen und vor allem eine zweite Runway.
das neue Zeitalter an, die Wartehallen im Look der 50er-Jahre
wurden nach und nach durch großzügige, gläserne Terminals mit
teleskopartigen Passagierbrücken und Ladenstraßen ersetzt.
Auch in Hannover …

Eingeläutet wurde das Zeitalter des Düsenflugs am Hannover                         01.
Airport am 24. Oktober 1958, als gegen Mittag – so ist es im
damaligen Flughafenmagazin „Luftverkehr“ nachzulesen – eine
zweistrahlige Caravelle der Air France auf der Landebahn
aufsetzte, um anschließend mit 80 geladenen Gästen
zu einem Demonstrationsflug zu starten. Der damalige Flughafen-
direktor Friedrich Wilhelm Petzel versicherte der Delegation,
dass sich der Flughafen Hannover auf den Umbruch einrichten
werde – eine Aussage mit Signalwirkung. Nachdem Ende
1959 die Südstartbahn auf 2.340 Meter verlängert, Emp-
fangsgebäude, Kontrollturm, Vorfeld, Tanklager und Flug-
sicherungsanlagen modernisiert und ausgebaut waren,
meldete der Airport Anfang 1960: „Für den Strahlverkehr
voll betriebsbereit!“

Bis Mitte der 60er-Jahre blieb die neue Düsengeneration jedoch
die Ausnahme in HAJ, die Fluggesellschaften ließen sich mit                 02.
ihren neuesten Errungenschaften nur zur Industrie-Messe und
Luftfahrtschau oder zu prestigeträchtigen Sondereinsätzen
blicken. Im Juni 1960 lud die Pan American eine Delegation
des niedersächsischen Landtags zu einem Probeflug mit der
supermodernen Boeing 707 ein; die Politiker waren begeistert.
Nur einen Monat danach sorgte auch das britische Konkurrenz-
modell Comet für Aufsehen. Im Oktober 1961 konnten sich die
Berliner Philharmoniker von den Vorzügen des Düsenantriebs
überzeugen, das Orchester ging mit einem Boeing-Clipper 707
der Lufthansa via HAJ auf eine USA-Tournee. Im Jahr darauf
charterten amerikanische VW-Händler von der skandinavi-
schen SAS und der schweizerischen Swissair Douglas-DC-8-
Maschinen, um von New York und Los Angeles in die Heimat
des „Käfers“ zu düsen. Einen vorläufigen Höhepunkt brachte die            01.                              02.
Industrie-Messe 1965: „320 Sonderflüge, davon 120 bereits mit
Strahlmaschinen“, schrieb der „Luftverkehr“. Und zur gleichen            Debüt der ersten Düsenma-        Zur Eröffnung der ersten
Zeit: das Debüt des Ferienjets. Zum ersten Mal ging „Condor Flug-        schine: Air France landete im    Jet-Verbindung nach London
dienst“ mit der Boeing 727 nach Palma de Mallorca auf Strecke.           Oktober 1958 erstmals mit        präsentierte BEA auf dem
                                                                         einer Caravelle.                 Vorfeld einen typisch englischen
                                                                                                          Doppeldeckerbus.
22 › › ›

Als die 2.400 Meter lange Nordstartbahn dann am 26. April
                                                                 01.                                 02.
1966 von Niedersachsens damaligem Verkehrsminister Karl
Möller feierlich freigegeben wurde, hatte der Flughafen seine
                                                                 Die Großbaustelle der Terminals     Blick von der Aussichtsterrasse:
Aufnahmekapazität mit einem Schlag verdoppelt. Das damals
                                                                 A und B aus der Vogelperspektive:   Die roten Fluggastbrücken gehörten
bundesweit einzigartige Parallelbahnsystem ließ bei gleichzei-
                                                                 Die dreieckigen Grundrisse der      lange Jahre zum Markenzeichen von
tiger Nutzung pro Stunde mehr als 100 Flugbewegungen zu.
                                                                 Elemente sind gut zu erkennen.      HAJ. Heute docken die Maschinen
                                                                                                     an gläsernen Flugsteigen an.
Wenige Wochen zuvor, am 1. April, hatte der Airport schon
einen großen Tag erlebt: British Airways schickte auf der
täglichen London-Verbindung erstmals die dreistrahlige
Trident ins Rennen – die erste offizielle Linienverbindung
mit einem Jet. Nur einen Monat später löste Pan American
auf der Strecke nach Berlin die betagten Kolbenmotorma-                     01.
schinen vom Typ Douglas DC-6 durch die größere und dop-
pelt so schnelle Boeing 727 ab. Auch die Holländer ließen
nicht lange auf sich warten: Ab November 1966 bediente
KLM die Route Hannover–Bremen–Amsterdam mit einer
Douglas DC-9. Im Jahr darauf stellte dann auch die Luft-
hansa die innerdeutschen Flüge nach Frankfurt, Stuttgart
und München schrittweise auf den „Europajet“ Boeing 727
und den eigens für kurze Strecken entwickelten „Cityjet“
Boeing 737 um. Und auch die Urlauber flogen immer häu-
figer im Jettempo in die schönsten Wochen des Jahres.
Ende der 70er-Jahre hatten die Düsenmaschinen bereits
einen Anteil von über 75 Prozent erreicht – der Flughafen
boomte. Im Zeitraum von 1967 bis 1971 verdoppelte sich
das Passagieraufkommen auf mehr als 2,5 Millionen. Als
dann auch noch Ferienflieger Condor im Mai 1971 begann,
auf Charterketten nach Mallorca einen 494-sitzigen Jumbo
einzusetzen, war klar, dass der Flugverkehr in eine neue                    04.
Dimension abgehoben hatte.

Bevor mit den für eine Jahreskapazität von 4 Millionen Passa-
gieren konzipierten Terminals A und B mehr Komfort und
Platz geschaffen wurde, glich der Flughafen drei Jahre lang
einer Großbaustelle. Binnen kürzester Zeit wurden Nieder-
sachsens größtes Parkhaus, ein großer Flugzeughangar, ein
150-Zimmer-Hotel und schließlich die beiden Dreiecksmodule
A und B mit direkter Straßenanbindung, 12 Flugsteigen,
Restaurants, Läden und Konferenzräumen hochgezogen.
Als der mit einem Investitionsvolumen von über 110 Millio-
nen Mark errichtete Komplex am 6. April 1973 in Anwesen-
heit von über 1.000 Gästen feierlich eingeweiht wurde,
hatten die Planer, der damalige Flughafenchef Prof. Heinz
Peter Piper und Architekt Heinz Wilke, den bundesweit
benutzerfreundlichsten „Drive-in-Airport“ geschaffen.
Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung titelte: „Die
Messe-Stadt Hannover besitzt den bequemsten Flughafen
Deutschlands“.
›››                             DAS JET-ZEITALTER 23 › › ›

  03.                               04.                                         05.                                06.
  Mit dieser eleganten Douglas      Übernachten am Airport: Eine Boeing         Lufthansa präsentierte zur Welt-   Bequem und schnell erreichbar:
  DC-8 der Swissair flogen im        727 der Lufthansa im Night-Stopp.           ausstellung im Jahr 2000 einen     Die Werbebotschaft des Flug-
  September 1962 amerikani-                                                     Jumbo mit Expo-Label.              hafens Anfang der 80er-Jahre.
  sche Volkswagenhändler von
  New York nonstop nach Hannover.

02.                                                                       03.

                                                                                                       06.
05.
24 › › ›
                                                                                               ›››
           STEILFLUG
           IN DIE SONNE

           Mal eben in den
           Urlaub düsen …

››         Die deutsche Reiseindustrie
           bedient das Fernweh mit großem
           Geschick. Und das schon mehr als
                                                 Die ersten Ferienflieger kamen früh. Bereits drei Jahre
                                                 nach Eröffnung des Flughafens tauchte das schwedische
                                                 Unternehmen Transair Sweden auf, um auf den Flügen in
                                                 den Süden einen Zwischenstopp einzulegen. Ein Jahr
           ein halbes Jahrhundert lang. Das      später, exakt am 7. März 1956, hob dann auch das erste
                                                 deutsche Flugzeug mit Urlaubern an Bord in die Lüfte. Ziel:
           Erfolgsrezept: der Ferienflug,         Palma de Mallorca. Wenige Tage später startete eine
           genauer gesagt, die Flugpauschal-     weitere Maschine und Mitte März die erste an die Costa
           reise, die vor fast genau 60 Jahren   Brava. Die Veranstalter waren das in Hannover ansässige
                                                 Unternehmen Hummel-Reisen, das Hamburger Reise-
           in Mode kam. Am Hannover Airport      unternehmen Aeropa sowie das Göttinger Reisebüro
           spielte die Touristik gleich von      Dr. Finger. Mit Propellermaschinen vom Typ Douglas DC-3
           Beginn an eine zentrale Rolle.        und Viking Admiral ging es bis Oktober zweimal die Woche
                                                 in Richtung Mittelmeer, der Flug in den 22- bis 36-sitzigen
                                                 Fliegern dauerte mit einem Tankstopp in Lyon fast
                                                 6 Stunden, der Grund preis für 15 Tage Mallorca betrug
                                                 450 Mark.
FERIENFLUG 25 › › ›

                                                                              ››
                                                                              Was längst an der Tagesordnung ist, war vor 40 Jahren
                                                                              eine Sensation: Während die TUIfly-Maschinen heute
                                                                              mehrmals am Tag sonnenhungrige Gäste in die schönsten
                                                                              Ferienregionen fliegen, hob der riesige Condor-Jumbo
                                                                              1971 nur jeweils am Samstag nach Palma de Mallorca ab.
                                                                              Sein Auftritt am Airport war jedes Mal ein Erlebnis.

Im Startjahr des Ferienflugs verzeichnete der Flughafen 75 sol-     1963 wagte sich die junge Lufttouristik immer weiter hinaus.
cher Flüge, ein Jahr später gingen schon 130 Bedarfsflüge, so       Neckermann, Hummel & Co. boten Reisepakete auf die Kana-
die amtliche Bezeichnung damals, in Richtung Spanien, Italien,     ren, nach Madeira, nach Ägypten, Israel, Ostafrika und sogar in
Jugoslawien und Nordafrika auf Strecke. 1959 konnten die           die USA an. 1968 verbrachten erstmals mehr Bundesbürger
Reiseverkäufer bundesweit 90.000 Gäste von einer Pauschal-         ihre Ferien im Ausland als in heimischen Gefilden. Im gleichen
reise überzeugen. „Fliegen ist für alle da“ – der Wahlspruch des   Jahr firmierte sich in Hannover Europas größter Reisekonzern,
LTU-Gründers Kurt Conle weckte bei den Menschen im Nach-           die Touristik Union International (TUI), die von ihrer Zentrale aus
kriegsdeutschland die Sehnsucht nach Sonne, Strand und Meer.       weltweite Urlaubsflüge und Pauschalreisen organisierte. In die
                                                                   Ferne zu fliegen war inzwischen so beliebt geworden, dass
Richtig in Schwung kam der organisierte Flugtourismus in den       Condor die sonnenhungrigen Gäste mit einem 494-sitzigen
60er-Jahren – vom Wirtschaftswunder beflügelt. Die Charter-         Jumbo von Hannover nach Mallorca brachte. Als auch noch
fluggesellschaften hießen Adria Airways, Condor, LTU, Südflug,       Hapag-Lloyd Flug 1973 am Flughafen seine Homebase mit
Bavaria, Germanair, Tunis Air, Spantax, die Reiseveranstalter      Verwaltungsgebäude und Wartungshallen ansiedelte, war Han-
Touropa, Scharnow, Quelle, Dr. Tigges und natürlich Necker-        nover zur heimlichen Hauptstadt des Tourismus aufgestiegen.
mann. Der legendäre Versandhändler arbeitete nach dem Motto:
„Großer Umsatz, kleine Preise“. Mit diesem Geschäftsmodell         In den 80er-Jahren schwoll die Urlauberlawine weiter an.
wurde der Name zum Inbegriff des Massentourismus schlechthin.      Kurz vor der Wiedervereinigung buchten 6 Millionen Deut-
26 › › ›

                                                                     01.

sche eine Flugpauschalreise. Die Nachfrage nahm nach dem
Mauerfall durch den Nachholbedarf der Ostdeutschen noch-
mals dynamisch zu. Der Flughafen Hannover meldete zweistellige
Steigerungsraten, die bundesweit ihresgleichen suchten. 1990
nutzten 1 Million Flugtouristen HAJ als Sprungbrett in die Fer-
ne, 1995 waren es bereits über 2 Millionen. Die Bedeutung des
Flughafens als Touristik-Airport war inzwischen so groß gewor-
den, dass Ferienflieger Condor, wenn auch nur vorübergehend,
ein Langstrecken-Drehkreuz etablierte.

In dieser Phase war längst absehbar, dass die bestehenden
Kapazitäten ohne einen weiteren Ausbau bald an ihre Grenze
                                                                     02.
stoßen würden. Im Oktober 1995 begannen die Bauarbeiten für
den S-Bahnanschluss und Anfang 1996 wurden die Bauarbeiten
für das Terminal C und das gegenüberliegende Parkhaus 3 in
Angriff genommen. Mit der für den Urlaubsverkehr reservierten
Abfertigungshalle stieg die Kapazität auf 10 Millionen Passagiere.
Nach knapp 3 Jahren Bauzeit wurde das rund 250 Millionen Mark
teure Terminal wie vorgesehen am 2. Juni 1998 vom damaligen
niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder offiziell
eingeweiht. Das dreieckige Gebäude ist ebenfalls nach dem Prinzip
der „kurzen Wege“ konzipiert und vereinigt unter seinem Dach
alles, was man zum Start in die schönsten Wochen des Jahres
erwartet. Kurz vor der Jahrtausendwende knackte der Airport die
Bestmarke von 5 Millionen Reisenden und im Jahr 2000, als
Hannover die Weltausstellung ausrichtete, die von 100.000 Starts
und Landungen. Zwei Meilensteine!                                    03.

Heute hat sich der Hannover Airport als führender Urlaubs-
flughafen in Norddeutschland fest positioniert. In seinem über-
regionalen Einzugsgebiet, das im Osten bis nach Mecklenburg-
Vorpommern und im Westen bis weit nach Nordrhein-Westfalen
reicht, leben rund 12 Millionen Menschen. Diesem potenziellen
Kundenkreis bietet HAJ zu jeder Saison ein breit gefächertes
Flugangebot, das mehr als 100 attraktive Urlaubsziele umfasst.
Die Ferienjets von Air Berlin, Condor, Sun Express, TUIfly & Co.
steuern nicht nur alle klassischen Warmwasserziele in Italien,
Spanien, Griechenland, Nordafrika und der Türkei an, auch aus-
gefallene Destinationen und Trendziele wie Lappland oder die
Kapverdischen Inseln sind direkt erreichbar.
                                                                     04.
Was den Start in die Sonne ab Hannover außerdem perfekt
macht, ist das eigene Reiseportal, welches der Airport 2006
ins Leben gerufen hat. Wer einen Tapetenwechsel braucht,
kann unter www.haj.de seinen Traumurlaub online buchen. Ob
exklusive Sonderreisen, Nur-Flüge, Mietwagen, Hotelzimmer,
Last-Minute-Reisen – alles ist möglich. Mit dem Reiseportal hat
sich der Hannover Airport im Zeitalter der sich wandelnden
Ferienwelten zu einem richtigen Urlaubsexperten entwickelt.
›››                                                 FERIENFLUG 27 › › ›

                                   05.

01.
Flug- und Reiseinformationen
aus erster Hand: Counter-
betrieb in den 50er-Jahren.

02.
Fahrspaß mit dem Gepäckkuli:
Die Kinder lassen der Vorfreude
auf die schönsten Wochen des
Jahres freien Lauf.

                                         ››
03.
                                         Ferienprospekte aus der „Gründerzeit“ des Flug-
Bereit für den nächsten Einsatz:         tourismus. Mallorca, Italien und Spanien waren
Air Berlin-Maschinen warten in           schon damals beliebte Ferienziele.
den frühen Morgenstunden auf
die ersten Einsteiger.
                                   05.
04.
Bunt wie die Urlaubsland-
schaften: Ferienflieger in den
Farben des Reiseveranstalters
ITS.

05.
In den Pioniertagen des Ferien-
flugs ging es vom Vorfeld aus
über die Fluggasttreppe in den
Urlaub.
28 › › ›
                                              ›››
       FASZINATION FLIEGEN:
       DIE ILA
                 ››Auch wenn sie hier nicht mehr stattfindet,
                   bleibt sie doch untrennbar mit der
                   Flughafenhistorie verbunden: die
                   Internationale Luftfahrtschau ILA. Mit ihr
                   rückte der Airport fast 4 Jahrzehnte lang
                   in den Blickpunkt der internationalen
                   Aufmerksamkeit.
                   Insgesamt 18 Mal – von 1958 bis 1990 –
                   konnte sich HAJ über die Landesgrenzen
                   hinaus als das Schaufenster der Luftfahrt-
                   industrie präsentieren.
LUFTFAHRTSCHAU 29 › › ›

Was im April 1958 bescheiden als „Luftfahrt-Sonderschau“ mit           Wochenenden wurde es eng: Bis zu 250.000 Besucher
wenigen Sport- und Reiseflugzeugen begann, stellte sich schon           drängten sich in den Chalets und auf dem 160.000 Quadratmeter
bald als Erfolg heraus. Bis zu ihrem Umzug nach Berlin 1992 zog        großen Freigelände, um Triebwerke, originalgroße Mock-ups und
die ILA alle zwei Jahre nicht nur zahllose Aussteller und Fachbe-      natürlich die fliegenden Stars zu bewundern. Mit denen war die
sucher aus dem In- und Ausland an, sondern entwickelte sich mit        Ausstellung immer reich bestückt: Die deutschen Experimental-
ihrem spektakulären Flugprogramm immer mehr zu einem viel              flugzeuge VJ 101 und Dornier Do 31, beides Senkrechtstarter,
beachteten Publikumsmagneten. Eng an eng standen die                   feierten in Hannover Premiere. Die Lufthansa schickte ihren

››                                                                     ››
Die 17. Luftfahrtschau 1988 lockte 380 Aussteller aus 17 Län-          Der in Deutschland entwickelte Senkrechtstarter Dornier DO 31
dern nach Hannover. Der Airbus A320 war einer der Stars.               zog auf der 7. ILA 1968 das Publikum massenhaft in den Bann.

Menschen auf den Zuschauertribünen und sahen staunend zu,              ersten Jumbo, Flugzeugbauer Airbus präsentierte sein erstes
wie abwechselnd Hubschrauber, Jagdflugzeuge, Sport- und                 Großraummodell A300 und die US Air Force zeigte die Luft-
Geschäftsreisemaschinen in die Lüfte abhoben. Besonders                raumüberwachungsmaschine AWACS. Im Jahre 1972 gaben
beliebt waren die Auftritte von Kunstflugstaffeln wie der „Patrouille   die Passagier-Überschallmaschinen Concorde und das sowjeti-
de France“ und der britischen „Red Arrows“, die mit ihren akroba-      sche Konkurrenzmodell Tupolew Tu-144 ein unvergessliches
tischen Vorführungen wahre Glanzpunkte setzten.                        Gastspiel. Und zur letzten ILA 1990 stellten die Russen ihren
                                                                       Versuchsträger Tupolew Tu-154 vor, dessen Triebwerk angeblich
Nach Schätzungen der Veranstalter, der Deutschen Messe AG              wahlweise mit Wasserstoff oder Methan angetrieben werden
und des BDLI – Bundesverband der Deutschen Luft- und Raum-             konnte.
fahrtindustrie e. V. – haben seit Beginn der ersten Schau 1958
weit über 5 Millionen Menschen die Fachmesse in HAJ besucht.           Ermöglicht wurde das anspruchsvolle Flugprogramm nicht zuletzt
In Spitzenjahren nahmen bis zu 380 Aussteller aus 20 Ländern           durch die erprobte Zusammenarbeit zwischen den Veranstaltern
teil, womit sich Hannover im Vergleich zur Konkurrenz, dem             und dem Flughafen Hannover. Mit 700 bis 750 Flugbewegungen
Pariser Aérosalon und der Luftfahrtschau im britischen Farn-           pro ILA-Tag stellte der Airport sein Leistungsvermögen eindrucks-
borough, nicht zu verstecken brauchte. Vor allem an den                voll unter Beweis.
30 › › ›
                                       ›››

           ››
           Selbst sperrigstes Frachtgut kann der
           russische Cargo-Jumbo durch seine
           weit aufgeklappte Bugnase an Bord
           nehmen.
FRACHT 31 › › ›

CARGO- › ›                        Sie war von Anfang an fester
                                  Bestandteil und erfährt gerade
                                  im Jubiläumsjahr ganz neue

MOSAIK
                                  Impulse: die Luftfracht.

Luftfracht zwischen   Auch wenn sie in der öffentlichen Aufmerksamkeit oft hinter
                      der mit mehr Glanz behafteten Passagierluftfahrt zurücksteht,
gestern und heute.    hat ihre Bedeutung im Zuge der wachsenden Verflechtung
                      der Weltwirtschaft dynamisch zugenommen. Fortschritte im
                      Flugzeugbau und eine ausgefeilte Logistik zwischen den Trans-
                      portketten machen es möglich, über den Luftweg in kürzester
                      Zeit immer größere und schwerere Güter sowie größere
                      Mengen von A nach B zu transportieren. Eine neue Fracht-
                      verbindung über Moskau nach Peking und ein neues Air-Cargo-
                      Terminal zeigen, dass HAJ mit der Entwicklung Schritt hält …

                      Nahezu alles, was schnell, pünktlich und sicher befördert
                      werden musste, wurde seit Eröffnung des Flughafens im Luft-
                      frachtzentrum umgeschlagen, fachmännisch in bzw. aus den
                      Fliegern geladen und auf die Reise geschickt. Ob komplette
                      Maschinenanlagen, Aggregate, Ersatzteile, Werkzeuge, Bohr-
                      vorrichtungen, Kabelrollen, Autos, Computer, optische Geräte,
                      Chemikalien, Medikamente, Textilien, Expresspakete, Doku-
                      mente, Zeitungen und Zeitschriften, Kühlwaren, Blumen, Ge-
                      müse, Früchte, wertvolle Kunstwerke oder Turnierpferde –
                      das Sortiment liest sich wie ein universeller Bestellkatalog.

                      Lebende Tiere gehörten, im Gegensatz zu heute, viele Jahre
                      zur Dauerklientel. Wie aus einer Aufstellung hervorgeht, be-
                      förderte British European Airways 1954 eine stattliche Anzahl
                      an Tierarten, darunter 30.000 Tauben, 6.000 Kanarienvögel,
                      3.000 Zierfische, 312 Hunde, 200 Affen, 35 Pinguine,
                      11 Katzen, 6 Flamingos und einen Panther. Im Jahre 1975
                      war sogar eine „fliegende Arche Noah“ zu Gast: Eine vier-
                      strahlige Douglas DC-8 brachte im Auftrag einer Tierhand-
                      lung 273 Tiere in einen Safaripark nach Venezuela. Nicht
                      weniger spektakulär verliefen die zahlreichen Spezialtransporte
                      von niedersächsischen Zuchtrindern in den Nahen Osten, die
                      Ende der 70er- bis Mitte der 80er-Jahre beinahe an der
                      Tagesordnung waren.
32 › › ›

           01.
                                                              01.
                                                              Sattgrüner Jade-Flieger im Anflug:
                                                              Jumbo der chinesischen Fracht-Airline
                                                              Jade Cargo.

                                                               03.

            02.

                                                               04.

           02.
           Turnierpferde auf dem Weg in die USA. Die
           Fracht-Lockheed Super Constellation der Luft-
           hansa war dafür das ideale Fluggerät.

           03.
           Manchmal muss sogar ein Spezialkran her, um
           gewichtige Maschinenteile an Bord des russischen
           Schwertransporters Antonov An-124 zu hieven.
05.
                                                       ›››                                                    FRACHT 33 › › ›

                                                              Unvergessen bleibt die Verladung von Großbauteilen des
                                                               in Bremen hergestellten Weltraumlabors Spacelab in den
                                                                 Jahren 1981/82. Eine Lockheed C-5 Galaxy brachte die
                                                                  Elemente auf mehreren Flügen direkt zur NASA nach
                                                                   Cape Canaveral. Zehn Jahre später, im Januar 1992,
                                                                     wurde dann der Traum von einer regelmäßigen
                                                                      transatlantischen Cargo-Verbindung wahr. Ein mit
                                                                      Compact Discs und Auto-Zulieferteilen bestückter
                                                                     Cargo-Jumbo der Lufthansa flog zeitweise einmal
                                                                   die Woche nach Chicago und weiter nach Mexiko City.

                                                                 In der letzten Zeit sind insbesondere Spezialtransporte und
                                                               eilige Sondereinsätze mit Großraumfrachtern wie zum Beispiel
                                                             mit dem russischen Schwertransporter vom Typ Antonov An-124
                                                           in den Blickpunkt gerückt. Der imposante Luft-Gigant, der mit
                                                         schöner Regelmäßigkeit in HAJ „auf dem Hof“ steht, löst die sper-
                                                       rigsten und gewichtigsten Transportaufgaben.

                                                      Ein Highlight im 60. Jubiläumsjahr war die Landung Russlands größter
                                                        Frachtfluggesellschaft, AirBridgeCargo Airlines, voll bestückt aus
                                                          Peking kommend mit Zwischenstopp in Moskau, um wenige Stunden
                                                           später wieder voll beladen mit einem Zwischenstopp in Moskau
04.                                                          zurückzufliegen. Der blauweiße Cargo-Jumbo Boeing 747-400F,
                                                               den vor allem das Logistikunternehmen Kühne + Nagel nutzt,
Große Klappe, aber viel dahinter: Bis zu 120 Tonnen              transportiert vorwiegend Maschinen- und Automotiveteile
kann die Boeing 747-400F der AirBridgeCargo                        niedersächsischer Konzerne in Richtung Fernost.
Airlines transportieren.
                                                                      Im Mai 2012 geht im Westbereich das neue Air-
                                                                       Cargo-Terminal (ACT) an den Start. Der mit 20.000
05.                                                                    Quadratmeter Fläche großzügig bemessene Komplex
                                                                     wird mit modernster Sicherheitstechnik wie Röntgen-
Sie gingen von HAJ aus auf die große Reise:                         straßen und Simulationskammer ausgerüstet, sodass
Eine Tierhandlung schickte die Flamingos 1975                     auch bei steigendem Frachtaufkommen die Sendungen
per Luftfracht in einen Safaripark in Venezuela.                in kürzester Zeit sicher abgefertigt werden können. Und:
                                                              Mit der bereits fertigen Untertunnelung der Taxiways wurde
                                                            für das ACT eine perfekte Lage zwischen den beiden Start-
                                                           und Landebahnen mit direkter Anbindung an das Vorfeld ge-
                                                         schaffen.

      06.
                                                       06.
                                                       Auch dieser Oldtimer hob ab HAJ in die Luft:
                                                       Verladung eines VW-Käfer-Cabrios nach Los
                                                       Angeles, 1982.
34 › › ›
                                                                                                                     ›››
AUFBRUCH
NACH                                                              ››
                                                                  Crossair-Chef Moritz Suter (l.) und

EUROPA
                                                                  der ehemalige Flughafendirektor
                                                                  Klaus Linicus eröffneten im Juli
                                                                  1980 die Linienverbindung
                                                                  Hannover–Zürich. Ein Meilenstein.

Mit kurzen Luftsprüngen und „kleinen Kisten“ Geld zu verdienen    Es dauert nicht sehr lang, bis der Geschäftsmann die
ist kein einfaches Geschäft. Doch es funktioniert. Das Rezept:    „Lufthopser“ akzeptiert und den DLT-Slogan „Man fährt
Man nehme einen kleineren und einen großen Flughafen bzw.         besser, wenn man fliegt“ schätzen lernt: keine stundenlangen
zwei kleine und verknüpfe sie mit einem „Miniflieger“. Der kluge   Auto- bzw. Zugfahrten, kein lästiges Umsteigen an überfüllten
Gedanke – die Luftfahrtbranche spricht vom Regionalverkehr –      Knoten, dafür ein direktes und schnelles Reisen über die
hat Methode. Städtepaare, die entweder gar nicht oder nur auf     Landesgrenze hinaus. Denn viele Flüge starten ins benachbar-
zeitraubendem Wege verbunden wären, rücken zusammen. Am           te Ausland, womit aus dem Regional- ein Interregionalverkehr
Hannover Airport sind die „Kleinen“ zu einer festen Größe ge-     geworden ist.
worden. Nutznießer: der Geschäftsreisende. Für ihn gilt:
Zeit ist Geld.                                                    London, Kopenhagen, Paris – das ist alles, was Ende der 70er-
                                                                  Jahre nonstop von Hannover aus geht. Zehn Jahre später hat
Begonnen hat der Luftverkehr mit den „kleinen Kisten“ 1978:       der Flugplan schon ein ganz anderes Format. Jetzt kann der
DLT, von Haus aus ostfriesisches Lufttaxiunternehmen, nimmt       Businessreisende auch in Amsterdam, Birmingham, Brüssel,
zum Sommerflugplan tägliche Linienflüge von Hannover nach           Glasgow, Mailand, Manchester, Wien und Zürich eilige Termine
Düsseldorf, Münster/Osnabrück und Amsterdam auf. Am Start:        wahrnehmen. Die Nischenflieger erschließen immer neue
ein unförmiges, 30-sitziges Propellerflugzeug vom Typ Shorts       Strecken, der für altmodisch befundene Propeller erlebt eine
330. Es fliegt im Schneckentempo und nervt so manchen              wahre Renaissance. Dem Flughafen kommt die Entwicklung
Vollzahler mit engen Sitzen und dröhnenden Motoren. Doch der      wie gerufen, er gewinnt Anschluss an die großen Gateways
„fliegende Kohlenkasten“ erweist sich als zuverlässig, robust      Europas und damit an Internationalität.
und wirtschaftlich.
                                                                  In den 90er-Jahren hebt der Regionalverkehr in neue Sphären
Die nächste große Stunde für die Kleinen schlägt am 1. Juli       ab. Der liberalisierte europäische Binnenmarkt, der sich am
1980. Der schweizerische Taxi-Flieger Moritz Suter erkämpft       amerikanischen Open-Sky-Prinzip orientiert, trimmt die Kleinen
sich zum Unmut der Großen die Verkehrsrechte für die Strecke      auf mehr Wettbewerb. Und: Der Markt ruft nach der Düse.
Zürich–Hannover und stößt eine Marktlücke auf. Der eidge-         Sie kommt. Die schweizerische Crossair bringt den vierstrahli-
nössische Tagesrand der Crossair kommt bei der Klientel gut       gen Jumbolino in die Luft, Lufthansa CityLine den zweistrahli-
an – nicht so das Fluggerät. Dem zierlichen Metroliner, der nur   gen Canadair (CRJ) und, ganz neu, die supermodernen Embra-
mit eingezogenem Kopf bestiegen werden kann, haftet bald          er-Typen 190/195, mit denen auch Air France Régional und
das Image vom unbequemen „Luftschüttler“ an. Nicht besser         die britische Flybe ihre Passagiere nach Hannover befördern.
ergeht es dem Dritten im Bunde, dem Nürnberger Flugdienst         Die komfortablen und schnittigen „Vögel“ sind auch für die Flug-
NFD, der ebenfalls mit dem 18-Sitzer auf „Kundenfang“ geht.       hafenanwohner ein Gewinn: die sparsamsten und leisesten Jets
Firmengründer Hans-Rudolf Wöhrl übernimmt 1982/83 von             der Welt! Lediglich auf „dünnen“ Kurzstrecken wie etwa nach
der DLT, die später die Lufthansa schluckt, die Hannover-         Brüssel und Prag bleiben Propellermaschinen die erste Wahl,
Strecken von und nach Nürnberg und Amsterdam. Der Flug-           auch wenn ihr Anteil in HAJ heute nur noch knapp 15 Prozent
hafen wird für den fränkischen Newcomer zur Drehscheibe.          ausmacht. Doch ganz ohne wird es auch in Zukunft nicht gehen.
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