MAUS Mitteilungen ausunsererSäugetierwelt Heft20 - ISSN 0940-807X Arbeitsgruppe Wildlebende Säugetiere (AGWS) - AGWS-BW

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MAUS Mitteilungen ausunsererSäugetierwelt Heft20 - ISSN 0940-807X Arbeitsgruppe Wildlebende Säugetiere (AGWS) - AGWS-BW
MAUS
Mitteilungen
aus unserer Säugetierwelt                           Heft 20

      Arbeitsgruppe Wildlebende Säugetiere (AGWS)
         Baden-Württemberg e. V., Februar 2017
                    ISSN 0940-807X
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MAUS 20, 2/2017

                                                Inhaltsverzeichnis
In eigener Sache
Ausschreibung der AGWS – Projektförderung 2017 .................................................................. 1

Berichte und Aktivitäten
Die Internationale Arbeitsgruppe Feldhamster (Ulrich Weinhold) .......................................... 3
„Thermal imaging of mammals“: Eignet sich Thermografie zum Aufspüren von
Kleinsäugern in der Landschaft? – Erfahrungen und Experimente (Stefan Bosch,
Thomas Haalboom, Peter Lurz) .................................................................................................. 5

Originalarbeiten
Zum Totfund eines Musteliden-Schwärzlings im Nordschwarzwald (Dieter Arnold) ..........19
Kleinsäuger vor der Kamera: Momentaufnahmen aus dem Leben des Eichhörnchens
(Sciurus vulgaris) (Stefan Bosch) ........................................................................................... 20
Erstnachweis der Reproduktion von Marderhunden (Nyctereutes procyonoides) in
Baden-Württemberg (Laura Matthäus).................................................................................... 24
Auffällige Fellfärbung bei Siebenschläfern (Glis glis) im Nordosten der Tschechischen
Republik (Peter Adamík) ........................................................................................................... 26
Nachweis eines neuen Squirrel-Adenovirus bei einem Krankheitsausbruch bei
Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) in Deutschland 2013 – 2016
(Stefan Bosch und andere) ........................................................................................................ 27

Termine und Veranstaltungen
23. Tagung der Internationalen Arbeitsgruppe Feldhamster vom 28. bis 30.10.2016
in Heidelberg (Ulrich Weinhold) ............................................................................................... 36

Zum Schluss
Rothörnchen im Schwarzwald? (Stefan Bosch) ...................................................................... 39

Arbeitsgruppe Wildlebende Säugetiere Baden-Württemberg e. V. (AGWS) ..... 41

Impressum............................................................................................................................... 43

Titelbild
Grauschwarze Farbvariante des Eichhörnchens, Sciurus vulgaris, in 1.560 m Meereshöhe im
Seehornwald bei Davos, Graubünden, Ostschweiz (Foto S. Bosch – 01.07.2010).
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                                  In eigener Sache
Liebe AGWS-Mitglieder!
Wieder einmal gibt es Neues aus der Säugetierwelt, und dieses Mal wird in der MAUS nicht
nur aus Baden-Württemberg berichtet. So kommen im Nordosten der Tschechischen Repub-
lik außergewöhnlich gefärbte Siebenschläfer vor, die Rätsel aufgeben, und Stefan Bosch be-
richtet mit Koautoren über einen nahezu deutschlandweiten Krankheitsausbruch bei Eich-
hörnchen, verursacht von einem neuen Squirrel-Adenovirus. Im Nordschwarzwald wurde
ein Musteliden-Schwärzling gefunden und Laura Matthäus belegt erstmals, dass der Marder-
hund sich in Baden-Württemberg fortpflanzt. Stefan Bosch prüft, ob die Thermografie zum
Aufspüren von Kleinsäugern in der Landschaft geeignet ist, und gibt uns mit seinen von Fo-
tofallen aufgenommenen Bildern einen Einblick in das Leben von Eichhörnchen. Außerdem
fand im Oktober 2016 die 23. Tagung der Internationalen Arbeitsgruppe Feldhamster statt,
und Ulrich Weinhold fasst für uns die wichtigsten Informationen zusammen.
Herzlichen Dank an alle Autoren dafür, dass sie ihre wertvollen Beobachtungen und Infor-
mationen mit uns teilen. Ohne die Zusammenstellung und Aufarbeitung der schönen Beiträ-
ge durch Thomas Rathgeber würde die MAUS in dieser Form nicht zustande kommen. Lieber
Thomas, Dir, wie so oft, vielen Dank für Dein Engagement!
Zum ersten Mal hat die AGWS dieses Jahr eine Projektförderung ausgeschrieben. Mit dieser
Förderung sollen Arbeiten unterstützt werden, die sich mit wildlebenden Säugetieren in Ba-
den-Württemberg befassen oder deren Schutz zu Gute kommen. Wir freuen uns auf zahlrei-
che interessante Anträge, vielleicht ja auch von den AGWS-Mitgliedern.
Vor gut einem Jahr versammelten wir uns beim AGWS-Familientreffen im Nationalpark
Schwarzwald am Ruhestein (siehe Fotos S. 43). Obwohl sich bei unserer Nachtwanderung
leider keine röhrenden Hirsche hören ließen, hatten wir einen wunderschönen nächtlichen
Spaziergang und einen gemütlichen Abend in der Darmstädter Hütte. Ein Treffen für 2017 ist
in der Planung. Der endgültige Termin und das Programm werden, sobald sie feststehen, in
einer Rundmail bekannt gegeben.

Bis dahin herzliche Grüße

Joanna Fietz & Wolfgang Schlund
(Vorsitzende)

PS: Wenige Tage vor Drucklegung erreichte uns die traurige Nachricht, dass unser Grün-
dungsmitglied Dr. Fritz Dieterlen im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Er war seit 1969 als

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Mammaloge am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart für die Säugetier-Sammlung
zuständig. Auch nach seiner Pensionierung 1994 hat er die Sammlung noch jahrelang ehren-
amtlich betreut und zudem in seinem Ruhestand als Herausgeber – zusammen mit Monika
Braun vom Karlsruher Naturkundemuseum – das 1990 begonnene Grundlagenwerk „Die
Säugetiere Baden-Württembergs“ zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht: die beiden
Bände sind 2003 und 2005 erschienen.
Als Vorstandsmitglied hat er die 1990 gegründete Arbeitsgruppe Wildlebende Säugetiere Ba-
den-Württemberg (AGWS) von 1991 bis 2001 geprägt und auch später noch mit Rat und Tat
unterstützt. In der nächsten Ausgabe der „MAUS“ werden wir Fritz Dieterlen und sein Le-
benswerk ausführlich würdigen.

Ausschreibung der AGWS – Projektförderung 2017
Die ArbeitsGruppe Wildlebende Säugetiere Baden-Württemberg e. V. (AGWS, http://www.
agws-bw.de) fördert Studien und Projekte, die sich mit wildlebenden Säugetieren in Baden-
Württemberg befassen oder deren Schutz zugutekommen. Dazu schreibt die AGWS für das
Jahr 2017 eine finanzielle Unterstützung von maximal 500,00 EUR aus.
Als Bewerbung wird eine schriftliche Projektbeschreibung erwartet, aus der das Thema und
die Ziele hervorgehen, die persönliche Eignung für das geplante Vorhaben und die Verwen-
dung der beantragten Mittel sind kurz zu umreißen. Entscheidende Kriterien für die Vergabe
der Fördermittel sind Güte und Durchführbarkeit der eingereichten Projektidee. Das Vorha-
ben ist im Jahr 2017 umzusetzen.
Über die Vergabe entscheidet der Vorstand der AGWS kurzfristig nach Sichtung der eingegan-
genen Anträge. Über das geförderte Projekt soll nach Abschluss im Mitteilungsblatt der
AGWS, der „MAUS“ (Mitteilungen aus unserer Säugetierwelt), berichtet werden.
Bewerbungen sind bis zum 15. März 2017 per Email einzureichen bei der Vorsitzenden der
AGWS (Joanna.Fietz@uni-hohenheim.de).

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Berichte und Aktivitäten                                                                MAUS 20, 2/2017

                              Berichte und Aktivitäten

Die Internationale Arbeitsgruppe Feldhamster

Ulrich Weinhold

Zum ersten Mal trat die „Internationale Arbeitsgruppe Feldhamster“ im Januar 1994 im Se-
minarhaus der Universität Heidelberg zusammen. Auslöser für dieses Treffen war ein kurzes
Gespräch, welches wenige Monate zuvor, im Herbst 1993, in Tübingen während der Jahres-
tagung der „Deutschen Gesellschaft für Säugetierkunde“ zwischen dem Autor und dem da-
maligen Mitarbeiter des Bundesamtes für Naturschutz (Referat Artenschutz) Peter Boye statt-
gefunden hatte. Während der Unterhaltung wurde man sich einig, dass der Feldhamster
sowohl mehr wissenschaftliche als auch artenschutzrechtliche Aufmerksamkeit verdiene
und dass es sinnvoll wäre, hierzu einen „runden Tisch“ zu organisieren.
Schon während der ersten Zusammenkunft 1994 in Heidelberg war die Arbeitsgruppe durch
die Teilnahme der „Stichting Hamsterwerkgroep Limburg (NL)“ international geworden,
und sie sollte es auch bleiben. Eines der wichtigsten Erkenntnisse dieses Treffens war, dass
der Feldhamster nirgendwo mehr häufig und zudem sein Lebensraum zusehends durch Be-
bauung bedroht ist. Des Weiteren einigte man sich sogleich auf ein Folgetreffen im Oktober,
da dann die „Feldsaison“ vorbei ist und man die neuesten Ergebnisse frisch präsentieren
kann.

Abb. 1: Eine übersichtliche Gruppe, die Teilnehmer der Internationalen AG Feldhamster bei der 3. Tagung
1995 in Gotha.

                                                                                                     3
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Berichte und Aktivitäten                                                                MAUS 20, 2/2017

Seither gab es jährliche Treffen, die stets auf Einladung eines der Teilnehmer erfolgten (Abb. 1).
Die Arbeitsgruppe ist weder ein Verein noch eine anders gestaltete Sozietät und verfügt über
keinerlei Mittel, sondern sie ist eine rein freiwillige, offene Vereinigung derjenigen, die sich um
den Schutz des Feldhamsters und seine Erforschung bemühen. Die Arbeitsgruppe dient als
Plattform zum Austausch von Wissen und Erfahrungen. Die Beiträge und Präsentationen der
Tagungen werden, wenn irgend möglich, publiziert oder zumindest den Teilnehmern in digi-
taler Form zugänglich gemacht.
Darüber hinaus engagiert sich die Arbeitsgruppe durch das Abfassen von Empfehlungen und
Richtlinien zum Umgang mit der Art, sei es auf rein fachlicher Ebene, um einen Mindeststan-
dard für die systematische Erfassung im Gelände vorzugeben, oder als Handreichung für Behör-
den, die aus artenschutzrechtlichen Gründen immer wieder mit dem Feldhamster konfrontiert
werden.
Seit ihrer „Gründung“ hat sich die Arbeitsgruppe über die Jahre auch als Fachinstanz etabliert.
Ihre Teilnehmer erhalten immer wieder Anfragen von Behörden und Naturschutzverbänden,
wenn es darum geht, eine fachlich fundierte Meinung einzuholen oder einen Kontakt zu einem
Experten vor Ort herzustellen. Dabei helfen auch die langjährigen internationalen Kontakte
zwischen den Teilnehmern. Der Blickwinkel der Arbeitsgruppe auf den Feldhamster war schon
immer ein europäischer, und insofern ist man stets bestrebt, Kontakte zu Kollegen aus den
osteuropäischen Vorkommensgebieten herzustellen und diese zu den Tagungen einzuladen.
Blickt man auf die letzten 22 Jahre zurück, so hat sich durchaus einiges getan. Der Feldhamster
ist artenschutzrechtlich eine feste Größe geworden. Er hat sich zu einer Indikatorart für den
ökologischen Zustand unserer Agrarlandschaft entwickelt. Feldhamster-Vorkommen werden
im Rahmen der Bauleitplanung mittlerweile standardmäßig berücksichtigt. Auch durch Film
und Fernsehen ist die Art in den vergangenen Jahren der breiten Bevölkerung näher und ins
Bewusstsein gebracht worden.
Dennoch ist es um den Feldhamster (Abb. 2) nach wie vor nicht gut bestellt. In dem größten
Teil seines europäischen Verbreitungsgebiets ist Cricetus cricetus meist nur gesetzlich über die
EU-Mitgliedschaft bzw. FFH-Richtlinie geschützt, aktiver Schutz ist jedoch meist nicht vorhan-

                                                   Abb. 2: Der Feldhamster (Cricetus cricetus) ist eines
                                                   unserer buntesten und seltensten heimischen Säuge-
                                                   tiere.

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Berichte und Aktivitäten                                                         MAUS 20, 2/2017

den. Auch in Deutschland kann diesbezüglich noch kein Erfolg vermeldet werden. Daher wird
der Hamster die Arbeitsgruppe auch die nächsten Jahre beschäftigen. Seine weitere Erforschung
und vor allem sein Schutz erscheinen vor dem Hintergrund der besorgniserregenden Meldun-
gen aus Polen, Russland, der Tschechischen Republik und der Ukraine, dringlicher denn je.

Anschrift
Dr. Ulrich Weinhold, Institut für Faunistik, Silberne Bergstraße 24, 69253 Heiligkreuzsteinach
Telefon: 06220 922200 / E-Mail: weinhold@institut-faunistik.net

„Thermal imaging of mammals“: Eignet sich Thermografie zum Aufspüren
von Kleinsäugern in der Landschaft? – Erfahrungen und Experimente

Stefan Bosch, Thomas Haalboom, Peter Lurz

Einführung
Der Einsatz von Wärmebildkameras zu Überprüfung der energetischen Situation von Häu-
sern (durch Aufdeckung von Wärmeverlusten, Kältebrücken etc.) oder bei der Suche ver-
misster Personen legt den Schluss nahe, dass mit Hilfe der Thermografie auch Säugetiere
leicht zu erfassen sein müssten. In diesem Beitrag berichten wir über unsere mehrjährigen
Erfahrungen mit dem Einsatz von Wärmebildkameras in der Wildtierforschung und zeigen
Möglichkeiten und Beispiele.
Thermografie hat in Industrie, Technik, Wissenschaft, Energieberatung, Sicherheitstechnik,
Personenrettung, Schifffahrt und vielen anderen Bereichen eine breite Anwendung gefunden
(FLIR 2016, Optris 2016). Zur Überwachung, Inspektion und Instandhaltung können sowohl
Personen als auch alle Arten von Wärmequellen (von der überhitzten Stromleitung bis zum
Wasserdampf leitenden Rohr) sowie Wasser und Gase erkannt werden. Bei Tieren findet
Thermografie Anwendung im Laborbereich zu Verhaltensstudien (z. B. MAYYA & DOIGNON
2011), in der Veterinärmedizin und Nutztierhaltung unter anderem zur Krankheitserken-
nung (umfangreiche Übersicht in LUZI et al. 2013) oder „Stress-Messung“ bei Hasen und Ka-
ninchen (LUDWIG et al. 2007).
Inzwischen stehen auch für die Naturbeobachtung und Jagd Wärmebilder liefernde Optionen
zur Verfügung, die draußen bei Tag und Nacht selbst geringe Temperaturunterschiede erken-
nen und Säugetieren kaum mehr eine Chance geben, sich unerkannt im Freien zu bewegen
(Abb. 1) – und das auf wenige 100 bis ca. 1.000 Meter Entfernung (FLIR 2016). Solche meist
monokularen Geräte sind ab ca. 2.000 € erhältlich.
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Abb. 1 – A (links): Wer Wärme abgibt, hat keine Chance unentdeckt zu bleiben: Kleinkind (Homo sapiens)
hinter einem Baumstamm in Bildmitte, links daneben im Hintergrund ein Pferd (Equus ferus). – B (rechts):
Ektotherme Tiere wie Frösche und Kröten sind an kühlen Frühlingstagen dagegen nur schwer mit einer
Wärmebildkamera zu erfassen.

Physikalische Grundlagen der Thermografie
Visuelle Beobachtung im sichtbaren Bereich spielt eine wesentliche Rolle in der Erhebung von
Felddaten in der Biologie. Beim „Sehen“ nehmen wir Licht wahr – Licht im sichtbaren Strah-
lungsbereich des elektromagnetischen Spektrums. Wahrgenommen wird der reflektierte An-
teil, der in unser Auge und auf unsere Netzhaut fällt. Von bleibendem Wert für die Feldfor-
schung ist jenes Licht, welches auf einer Fotoplatte gebannt oder von einem CCD- oder
CMOS-Chip einer Kamera detektiert wird.
Elektromagnetische Strahlung kann – wie das sichtbare Licht und die im Spektrum angren-
zenden Bereiche des Infraroten oder Ultravioletten – mit Hilfe der Wellenlänge oder Frequenz
charakterisiert werden. Gebräuchlich ist die Angabe der Wellenlänge. Sichtbares Licht liegt
etwa im Bereich von 400 bis 780 Nanometern (0,4 bis 0,78 Mikrometer), zu längeren Wellen
hin schließt sich das Infrarote an. Mit IR-Detektoren gut messbar ist nahes Infrarot ab 0,78
μm bis ca. 14 μm. Das Infrarotfenster hört aber bei dieser Wellenlänge noch nicht auf, son-
dern geht über ins ferne Infrarot bis zu einer Wellenlänge von einem Millimeter. Dabei gilt
stets, dass das Produkt aus Wellenlänge und Frequenz konstant ist und der Lichtgeschwin-
digkeit entspricht. Große Wellenlängen gehören zu sehr kleinen Frequenzen und umgekehrt.
Neben dem reflektierten sichtbaren Licht sendet jeder Körper über seine Oberfläche elektro-
magnetische Wellen gemäß seiner Temperatur aus: Je wärmer desto kurzwelliger die Wel-
lenlänge. Die Ausstrahlung kann mit dem Planckschen Strahlungsgesetz beschrieben werden
(MESCHEDE 2015). Zu jeder Temperatur gehört eine spezifische Kurve mit einem Maximum.
Das Maximum stellt demnach die Temperatur des Körpers dar. Man entnimmt den Wert der
Planck-Kurve oder bestimmt ihn aus dem Wienschen Verschiebungsgesetz. Im Besonderen
bei Gegenständen oder Tieren, die eine Körpertemperatur zwischen 30 und 40 °C besitzen,

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liegt ein Großteil der ausgesandten Strahlung im infraroten Spektralbereich mit einem Maxi-
mum bei etwa 10 μm. Zum Vergleich: Rotes Licht mit einer Wellenlänge von 0,7 μm ent-
spricht einer Temperatur von mehr als 4000°C. IR-Licht mit einer Wellenlänge von 15 μm
besitzt eine sehr geringe Strahlungstemperatur von – 66°C.

Vorteile der berührungslosen Temperaturmessung
Da sich elektromagnetische Wellen frei im Raum ausbreiten, kann die Strahlungswärme ohne
berührende Sensoren auskommen und über größere Entfernung hinweg gemessen werden.
Wie bei der Beobachtung mit dem bloßen Auge, gibt es keine Beeinflussung des Objektes oder
Tieres durch die berührungslose Messung. Sie findet aus der Distanz statt und liefert Tempe-
raturinformationen aus unzugänglichen Orten wie Gestrüpp, Bäumen, Felswänden und
Höhlen. Allerdings unter der Bedingung, dass die Wärmestrahlung nicht durch Hindernisse
absorbiert wird und die Sichtlinie quasi-optisch ist.
Die Messung mit Wärmebildkameras ist nicht-invasiv. Es müssen keinerlei Sensoren am Ob-
jekt angebracht werden. Die Wärmebildaufnahmen sind deshalb schmerzfrei für das Tier.
Eine Messung ist auch in der Nacht ohne jegliches Licht oder eine Infrarotbeleuchtung mög-
lich – und bringt häufig überraschende Erkenntnisse über das Verhalten von Tieren, die sich
unbeobachtet fühlen. Beispielsweise sind Schlaf- und Ruheplätze von Vögeln in unbelaubten
Bäumen im Herbst und Winter sehr einfach auszumachen (Abb. 2). Sowohl unbewegte als
auch bewegte oder schwer zugängliche Objekte können vermessen werden. Allerdings dür-
fen diese nicht durch Blattwerk, Geäst oder ähnliches verdeckt werden. Vorteilhaft sind zu-
dem die sehr kurzen Messzeiten der Detektoren, die fast eine live-Messung zulassen.
Hochaufgelöste Bilder, wie sie uns von der Digitalfotografie vertraut sind, liefern nur sehr
teure IR-Kameras. Wir arbeiten mit Kameras im Preissegment von 700 bis 10.000 Euro, deren
Pixelzahlen bei 120 x 160 bis 240 x 320 liegen. Vergrößerungen davon wirken allerdings
„verpixelt“.

                                               Abb. 2: Schlafplatz von Staren (Sturnus vulgaris)
                                               im Schilfgürtel eines Sees. Dieses Thermografiebild
                                               ist in Schwarz-weiß-Darstellung aufgenommen,
                                               die Vögel imponieren als helle Punkte.

                                                                                               7
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Funktionsprinzip einer Wärmebildkamera
Die Wärmestrahlung durchdringt eine für infrarotes Licht transparente Optik und wird auf
einem empfindlichen Sensor gesammelt. Das Sensorelement besteht entweder aus einer Viel-
zahl von Thermoelementen oder aus temperaturabhängigen Widerständen. Nicht zu verges-
sen sind pyroelektrische Detektoren. Die Infrarotstrahlung ändert den elektrischen Ladungs-
zustand des pyroelektrischen Materials. Die so erzeugte Spannung kann gemessen werden.
In Serie geschaltete, miniaturisierte Thermoelemente liefern gemäß dem Seebeck-Effekt eine
elektrische Spannung, die über elektronische Brücken- und Verstärkerschaltungen eine aus-
reichend hohe Thermospannung erzeugen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von
Thermopiles. Alternativ kann das Sensorelement aus kleinen elektrischen Widerständen be-
stehen, die ihren Ohmschen Widerstandswert abhängig von der Strahlungsintensität verän-
dern (Bolometer). Die elektrischen Signale sind schwach, die erzeugten Spannungen gering
und zudem analog. Sie müssen daher verstärkt und schließlich digitalisiert werden. Jedes
einzelne Sensorelement, also jedes Bildelement (Pixel), erzeugt ein Ausgangssignal und lässt
sich in einem Display als Wärme-Abbild des Objektes darstellen.
Störeinflüsse, Möglichkeiten und Grenzen der Thermografie
Einfache Übersichtsbilder zur ersten Orientierung und ohne Anspruch auf Wissenschaftlich-
keit sind schnell erstellt. Dennoch sind Messungen mit Wärmebildkameras sorgfältig durch-
zuführen und benötigen eine Deutung. Ein Grund hierfür liegt im unterschiedlichen Ab-
strahlverhalten von Objekten. Dies wird durch den sogenannten Emissionskoeffizienten oder
-grad beschrieben. Er kann theoretisch zwischen 0 (keine Emission) und 1 (vollständige
Emission) liegen. Haut besitzt einen Emissionsgrad von 0,98. Zu fehlerhaften Messungen
kommt es bei falsch eingestelltem Emissionsgrad. Dann entspricht nicht jede angezeigte Far-
be (Temperatur) der wahren Objekttemperatur.
Je nach Fragestellung ist es erforderlich, den Kontrast der Wärmebilder zu verändern oder
anzupassen. Dabei helfen die so genannten Farbpaletten mit Farb- oder Schwarzweiß-Dar-
stellungen. Die verschiedenen Kamerahersteller bieten z.B. „Graustufen“, „Regenbogen“ oder
„Arktis“ als Farbpalette an. Gerade die Möglichkeit der Falschfarben- oder Regenbogendar-
stellung verbunden mit einer Spreizung der Temperaturskala verleitet ebenso zu falschen
Interpretationen. Wärmebilder mit oranger oder roter Farbe werden als warm und mit grü-
ner oder blauer Farbe als kalt gedeutet. Diese Assoziationen können in die Irre führen, denn
manchmal sind die Temperaturunterschiede in einem Wärmebild durch eine Spreizung der
Temperaturskala nur sehr gering.
Zu berücksichtigen ist ebenfalls, dass mit der Technik der Thermografie nur Oberflächen-
temperaturen gemessen werden können. Die Temperatur im Inneren eines Objektes oder die

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Kerntemperatur eines Tieres bleiben uns verschlossen – höchstens wir finden einen Zugang,
der der Kerntemperatur nahekommt, wie beispielsweise Augen, Nasenschleimhaut oder die
Mundhöhle (Abb. 3).

Abb. 3 – A (links): Portrait einer Hauskatze (Felis silvestris catus). Die Augenhöhlen sind die wärmsten
Körperpartien. – B (rechts): Dieselbe Katze auf Distanz bei Nacht im Garten.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Emission einer Oberfläche auch von deren Beschaffen-
heit abhängt. Raue Körper strahlen anders als glatte Oberflächen (Abb. 16), behaarte oder
befiederte Tiere anders als Tiere mit nackter Haut. Der Versuch, Tiere durch Fensterglas oder
transparenten Kunststoff (Plexiglas) hindurch mit einer Wärmebildkamera zu beobachten,
ist leider zum Scheitern verurteilt. Diese Materialien transmittieren die IR-Strahlung nicht.
Aber Gläser reflektieren die Wärmestrahlung gut, und so kann es vorkommen, dass der Be-
obachter seine eigene Temperatur misst. Sie wurde vom Fensterglas reflektiert und fällt in
den Detektor (Abb. 4). Das Resultat kann zu einer fehlerhaften Messung führen.

                                                      Abb. 4: Glas reflektiert Wärmestrahlung, so dass
                                                      man nicht durch die Scheibe hindurch beobachten
                                                      kann. Hier ein unbeabsichtigtes Selbstportrait des
                                                      erstgenannten Autors mit Wärmebildkamera
                                                      (FLIR T420) im Fensterglas.

Besonderheiten der „Außenthermografie“
Allgemeine Regeln der Thermografie, wie sie für technische Anwendungen empfohlen wer-
den, sind bei der Außenthermografie oft nicht bzw. erschwert anwendbar: Ein Abschirmen

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sehr warmer oder kalter Objekte, die das Messverhalten und die Darstellung verfälschen
können, ist draußen kaum möglich. Direkte Sonneneinstrahlung sowie absorbierte Sonnen-
einstrahlung (auf Baumstämmen, Steinen, exponierten Hängen, Böschungen etc.) kann
Messungen erheblich beeinflussen. Da diese ihre eigene Wärmestrahlung liefern, kann sie auf
den von uns zu beobachtenden Objekten reflektiert werden. Absorbierte Wärme kann aber
auch von gezieltem Interesse sein, z. B. bei der Landschaftsthermografie, um „Wärmeinseln“
im Lebensraum zu identifizieren.
Bei Messungen im Freien kommt der Sonne, dem Himmel und vor allem dem Nachthimmel
eine besondere Bedeutung zu – sie können das Messergebnis ebenfalls verfälschen. Das Wär-
mebild des Nachhimmels liefert Negativtemperaturen. Man kann bei der „kalten Himmels-
strahlung“ Werte von -40°C, -50°C oder tiefer messen. Günstiger sind Messungen bei bedeck-
tem, bewölktem Himmel (Abb. 5).

Abb. 5 – A (links): Himmelsstrahlung bei bewölktem Himmel: unterschiedliche Wolkenstrukturen mit gerin-
ger Wärmestrahlung sind über den Bäumen zu erkennen. – B (rechts): Bäume bei klarem Nachthimmel:
die Temperaturskala misst bis -40°C die „kalte Himmelsstrahlung“.

Eigene Erfahrungen bei der Erfassung von Säugetieren
Für orientierende Feldversuche haben wir in den vergangenen Jahren mit drei Wärmebildka-
meras (FLIR i7, FLIR T420, Optris PI) im Freien gearbeitet und die Abbildungen in diesem
Beitrag angefertigt.

Sichtbeobachtungen
Bei der Thermografie endothermer Tiere wie Säugetiere und Vögel wird die Temperatur der
Körperoberfläche erfasst. Bei Säugetieren sind alle frei liegenden, nicht oder nur spärlich von
Haaren bedeckten Körperpartien, wie Extremitäten und vor allem der Kopf mit den Augen-
höhlen, Ohrmuscheln und Nasenschleimhäuten, die wärmsten Punkte, die sich mit Maxi-

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malwerten darstellen. Davon können sich behaarte bzw. befiederte Partien deutlich unter-
scheiden.
Da Thermografiebilder gemessene Temperaturen farblich darstellen können, sind endother-
me Tiere als „Hitze-Punkte“ im Thermografiebild sofort erkennbar (Abb. 6-11). Manchmal
lassen Umrisse und Verhaltensweisen wie die Fortbewegung Rückschlüsse auf die Art zu.
Relativ gut kann bei Erfahrung mit Wärmebildkameras die Anwesenheit endothermer Tiere
und deren Position in der Landschaft ermittelt werden.
Allerdings sind für Beobachtungen eine ausreichend freie, unverstellte Sicht auf das anvisier-
te Tier und eine möglichst geringe Distanz erforderlich. Mit guten Kameras kann man noch
auf 20-40 Meter Vögel im Gebüsch erkennen (Abb. 8), günstiger sind jedoch Abstände von
wenigen Metern (Abb. 6).

Abb. 6 (links): Ein Schwarm Haussperlinge (Passer domesticus) in der Krone eines Busches im Vorgarten.
– Abb. 7/A (rechts): Feldhase (Lepus europaeus) nachts auf einer Streuobstwiese. Nur zusammen mit der
beobachteten Fortbewegungsweise ist eine eindeutige Artenbestimmung möglich. Auf das Anleuchten iden-
tifizierter Tiere mit Scheinwerfern wurde zur Vermeidung von Störungen bewusst verzichtet.

Abb. 7/B (links): Feldhase (Lepus europaeus) in einer Winternacht am Ende einer Weinbergzeile. – Abb.
7/C (rechts): Feldhase (Lepus europaeus) in einer kalten Winternacht auf einer Wiese. Im Vordergrund sind
Maulwurfshügel, im Hintergrund Gebüschstreifen und Bäume erkennbar.

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Abb. 8 (links): Eine Amsel (Turdus merula) vormittags in einem Hagebuttenstrauch am Bachufer ist als
Lichtpunkt in der Bildmitte erkennbar. Diese Wärmebild-im-Bild-Funktion überlagert ein herkömmliches
Tageslichtbild mit einem Wärmebild. Das Auffinden und Hervorheben von Details wird verbessert und
liefert dem Betrachter weitere Informationen. – Abb. 9/A (rechts): Landschaftsthermografie mit einem äsen-
den Reh (Capreolus capreolus) in einer warmen Sommernacht auf einer Trockenrasenfläche zwischen
Wald (rechts) und Weinbergen (links).

Abb. 9/B (links): Drei Rehe (Capreolus capreolus) nachts im Wald. Zwei Tiere sind gut zu erkennen, das
Tier rechts steht abgewandt senkrecht zur Blickrichtung. – Abb. 9/C (rechts): Zwei Rehe (Capreolus capreo-
lus) in einer Winternacht am Rand einer Obstbaumwiese.

Abb. 10: Annäherung an eine Maus (Apodemus spp.) an einer Waldböschung. – A (links): Das Tier verlässt
die warme Böschung, überquert den kälteren Weg und versteckt sich auf der anderen Seite des Weges im
Laub. – B (rechts): Im Versteck sind die Augen- und Ohrenöffnungen als wärmste Körperpartien erkennbar.

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                                                     Abb. 11: Maus in einem Gebüsch. Aus der Ferne ist
                                                     die Unterscheidung Maus oder Singvogel kaum
                                                     möglich. Erst die Beobachtung der Fortbewegung
                                                     oder eine behutsame Annäherung, die wie in die-
                                                     sem Schwarz-weiß-Thermografiebild Details er-
                                                     kennen lässt, ermöglichen eine Unterscheidung.

An Rahmenbedingungen spielen neben der Aktivität der Art (viele Säugetiere sind wegen
vermehrten Störungen während der Tageshelligkeit mehr nachts aktiv) auch die Sonnenein-
strahlung (Erwärmung von Oberflächen durch Sonneneinstrahlung; bei bedecktem Himmel
oder nachts sind die Bedingungen günstiger), die Fellfarbe (Abb. 12) sowie die freie Sicht und
die Körperposition des Tieres (z. B. Abb. 9/B) zur Kamera eine Rolle. Bei endothermen Tieren
nimmt der Wachheits- und Aktivitätsgrad (Abb. 13) Einfluss auf die Körpertemperatur und
deren Detektierbarkeit.

Abb. 12 (links): Unterschiede in der Wärmestrahlung: Fellfarbe von Pferden (Equus ferus) an einem Som-
mertag bei Sonne: links Schimmel, rechts Schecke. – Abb. 13 (rechts): Erwachende Haselmaus (Muscardinus
avellanarius; Pflegling), die rot-weissen Partien am Kopf sind am wärmsten.

Lebensraum-Thermografie
Thermografiebilder von Landschaften geben zudem Hinweise auf die Temperaturverhältnis-
se im Lebensraum wie z.B. Wärmeinseln entlang von Wegen, an Böschungen oder Mauern
(Abb. 9/A u. 14-16). Zudem werden alle Prozesse erfasst, bei denen Wärme entsteht, z.B. auch
geringfügig wärmere Luftpolster unter Blättern, verrottende Laubstreu, grüne Pflanzen mit
Photosynthese etc.

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Abb. 14 (links): Drei Schafe (Ovis gmelini) auf einer Weide am Bachlauf im Sommer. – Abb. 15 (rechts):
Obstbaumwiese mit Hohlweg links an einem Sommerabend. Die weißen Partien zeigen von der Sonne er-
wärmte Stellen (Böschung, Baumrinden).

Abb. 16 (links): Bei der Interpretation dieses Bildes ist Vorsicht geboten: Die Temperaturunterschiede zwi-
schen dem wärmer wirkenden Wald im Hinter- und der Wiese im Vordergrund sowie der frisch umgebro-
chenen Ackerfläche (lilafarbene Fläche in der Mitte; eingesetztes Thermografiebild) können durch die
Landbearbeitung, aber auch durch unterschiedliches Emissionsverhalten entstanden sein. – Abb. 17
(rechts): Pappeln am Bachufer mit einem Kobel des Eichhörnchens (Sciurus vulgaris) in Bildmitte, Rinden-
partien und Kobel erscheinen heller, der Kobel ist nicht besetzt (Aufnahme am Tag bei bedecktem Himmel
mit eingesetztem Thermografiebild).

Quartiersuche mit Thermografie
Zur Erfassung von Kleinsäugerquartieren haben wir die Kameras im Laub-, Misch-, Nadel-
wald und in einer Parkanlage getestet, um belegte Eichhörnchenkobel zu entdecken (Abb.
17). Neben der Distanz zum Kobelstandort und der Sichtbehinderung durch Laub oder Na-
deln reicht auch die vom Kobel nach außen abgegebene Wärme kaum aus, um einen nen-
nenswerten Temperaturgradienten zur Umgebung zu erreichen. Neben dem Fell isoliert auch
die Innenauskleidung und Außenhülle des Kobels und verhindert eine Wärmeabgabe (vgl.
Abb. 18/C). Sonneneinstrahlung am Tag kann den Kobel von außen erwärmen und eine
Belegung vortäuschen. Zudem nehmen ruhende Tiere eine Körperposition ein, die wärme-
emittierende Körperpartien wie den Kopf bedeckt.

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Ein Versuch mit einem gängigen Taschenhandwärmer, dessen flüssiges Gel nach Aktivierung
mit einer exothermen Reaktion auskristallisiert, demonstriert die wichtigen Faktoren hohe
Wärmeabstrahlung (ca. 40° C Oberflächentemperatur), freie Sicht und Nähe zum Objekt bei
der Thermografie von Kleinsäugern im Gelände. Im kühlen Frühlingswald ist der Taschen-
wärmer in fünf Metern noch gut erkennbar. Bereits eine geringe Bedeckung mit dünnen
Zweigen und wenig Laub verhindert die sichere Erkennung (Abb. 17).

Abb. 18/A (links): Offenliegender 40° warmer Taschenwärmer im Laub einer Waldwegböschung. – Abb.
18/B (rechts): Ein mit Laub bedeckter 40°C warmer Taschenwärmer ist nicht mehr zu erkennen.

Abb. 18/C (links): Der in einem alten Kobel platzierte, 40°C warme Taschenwärmer ist thermografisch
kaum erkennbar. – Abb. 19 (rechts): Eingang zu einer Maushöhle an einer mit Laub bedeckten Böschung.
Die Wärmeabstrahlung nach Einschlüpfen des Tieres ist thermografisch gut erkennbar.

Bei der Thermografie von Mauslöchern an Böschungen zeigen sich Stellen mit vermehrter
Wärmeabstrahlung (Abb. 19). Diese gehen nicht immer auf die Anwesenheit eines „warmen
Tieres“ im Loch zurück, sondern auf Bearbeitung des Erdreiches. Frisch ausgeworfene oder
umgegrabene Erde sowie Laub zeigen eine Wärmeabstrahlung und können Hinweise auf
Kleinsäugeraktivitäten geben. Allerdings laufen auch an Baumstubben, Wurzelstöcken und
in Laubhaufen auffällige exotherme Prozesse ab, die sich ebenfalls als „Wärmeinseln“ in der
Thermografie abbilden (vgl. Komposthaufen Abb. 20). Hier muss ausreichend lange beob-
achtet werden, ob sich aktive Tiere zeigen.
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Abb. 20 (links): Wärme produzierende Vorgänge in einer Komposttonne an einem Dezemberabend. – Abb.
21 (rechts): Zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgeworfene Erdhaufen des Maulwurfs (Talpa talpa) auf
einer Wiese im Dezember. Der „glühend“ wirkende Haufen links vorne ist neu.

Ein weiteres Beispiel für Erdbewegungen und exothermen Prozessen sind von Maulwürfen
aufgeworfene Erdhügel (Abb. 7/C u. 21). Frische Maulwurfshügel zeigen erhöhte Aktivität
und bei einer orientierenden Landschaftsaufnahme kann man schnell die jüngst aufgewor-
fenen Hügel identifizieren. Allerdings muss der abgebildete neue Haufen nicht wärmer sein,
sondern die frisch aufgeworfene Erde hat auch ein anderes Emissionsverhalten.

Zusammenfassende Bewertung
Aufgrund unserer Erfahrungen eignet sich der Einsatz von Wärmebildkameras zwar grund-
sätzlich, jedoch mit gewissen Einschränkungen zum Aufspüren wildlebender Kleinsäuger in
der Landschaft. Da sich die Tiere möglichst nah, d.h. wenige Meter und mit direkter Sicht vor
der Kamera befinden sollten, sind sie zumindest am Tag in vielen Fällen auch ohne diese
Hilfsmittel erkennbar. Thermografie liefert bei speziellen Fragestellungen jedoch wertvolle
zusätzliche Informationen zum Wärmehaushalt des Tieres.

Bedingungen zur Detektion von Kleinsäugern in der Landschaft:
- Thermografie kann helfen, endotherme Tiere in der Landschaft aufzuspüren und ihre An-
  wesenheit nachzuweisen.
- Thermografie in der Landschaft und zum Tiernachweis erfordert Kenntnisse, Erfahrung
  und Einarbeitungszeit, insbesondere um Fehlinterpretationen zu vermeiden.
- Um ein Säugetier mittels Thermografie zu detektieren ist eine freie, ungestörte, direkte,
  quasi-optische Sicht auf das Tier erforderlich.
- Kleinsäuger sollten sich idealerweise in geringer Distanz zur Kamera befinden.
- Verdecken Strukturen wie Steine oder Vegetation mit Zweigen, Ästen, Blättern und Nadeln
  die Tiere, sind sie mit der Thermografie nur erfassbar, wenn sie sich fortbewegen oder der

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  Untersucher seinen Standort und Blickwinkel mehrfach verändern kann (was unfallträch-
  tig sein kann, wenn man nachts mit auf den Monitor fixiertem Blick umherläuft).
- Um gute Kontraste in der Thermografie zu erreichen sind deutliche bzw. hohe Temperatur-
  unterschiede erforderlich. Ein warmes Säugetier in warmer Umgebung ist schwierig dar-
  stell- und erkennbar.
- Seitens des Säugetieres spielt dessen Verhalten und Position zur Wärmebildkamera eine
  wichtige Rolle. Werden in Ruhephasen wärmeemittierende Körperpartien wie Nasen-
  schleimhaut und Augenhöhlen verdeckt oder steht das Tier mit dem Kopf abgewandt zur
  Kamera ist es schwieriger oder überhaupt nicht zu detektieren. Ektotherme Tiere mit redu-
  ziertem Stoffwechsel geben wenig Wärme ab und sind kaum erkennbar.
- Auch die Sonneneinstrahlung auf das Tier und die resultierende Fell-/ Gefiedererwärmung
  spielen eine Rolle. An sonnigen Tagen wird die Landschaft „wärmer“ dargestellt und Kont-
  raste zu wärmeabgebenden Tieren verringern sich.
- Eine Artbestimmung aufgrund typischer Merkmale ist selten, oft nur bei teuren hochauflö-
  senden Kameras bzw. in Ergänzung mit beobachteten Verhaltensweisen sicher möglich.
- Kleinsäugerquartiere sind oft gut isoliert (Kobel) oder in der Tiefe verborgen (Erdlöcher,
  unterirdische Gänge), so dass kaum Wärme nach außen dringen und detektiert werden
  kann.
- Landschafts-Thermografie kann z.B. durch Erkennen warmer und kalter Strukturen zum
  besseren Verständnis der Lebensraumnutzung von Kleinsäugern beitragen.

Ausblick
Unsere Experimente wurden mit hochwertigen und entsprechend hochpreisigen Wärmebild-
kameras durchgeführt. Inzwischen sind am Markt auch zahlreiche „low budget“-Geräte im
Preissegment um mehrere hundert Euro z.B. für Heimwerker erhältlich. Um diese günstigen
Geräte auch für interessierte Laien nutzbar zu machen, beschäftigen wir uns seit kurzem mit
der Einsatztauglichkeit von low-cost-Wärmebildkameras mit Preisen zwischen 200 und 400
Euro.

Literatur
FLIR (Hrsg.) (2016): Wärmebildtechnik für elektrische/ mechanische Inspektionen. 44 pp.
   http://www.flir-infrarotkameras.de/Produkte/Handbuecher-Thermografie.
Fluke Corporation und The Snell Group (Hrsg.) (2016): Einführung zu den Thermografie-
   Prinzipien. 72 pp. Download 20.12.2016 http://www.fluke.com/fluke/chde/zubehor/ther-
   mal-imaging-accessories/book-itp.htm?pid=55774

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MESCHEDE, D. (2015): Gerthsen Physik, 25. Auflage, Springer-Verlag, Stuttgart.
LUDWIG, N., GARGANO, M., LUZI, F., CARENZI, C., VERGA, M. (2007): Technical Note: Applicability of
   infrared thermography as a non invasive measurement of stress in rabbit. World Rabbit
   Sci. 2007, 15: 199–206.
LUZI, F., MITCHELL, M., COSTA, L. N., R EDAELLI, V. (Hrsg.) (2013): Thermography: current status
   and advances in livestock animals and veterinary medicine. Fondazione Iniziative Zoopro-
   filattiche e Zootecniche, Brescia/Italien. 
MAYYA, M., DOIGNON, C. (2011): Visual tracking of small animals based on real-time Level Set
   Method with fast infra-red thermographic imaging. 2011 IEEE International Symposium
   on Robotic and Sensors Environments (ROSE).
Optris Infrared thermometers (Hrsg.) (2016): Grundlagen der berührungslosen Temperatur-
   messung. 40 pp. Download 20.12.2016 www.optris.de/karriere?file=tl_files/pdf/Down-
   loads/Zubehoer/IR-Grundlagen.pdf.
Pocket-Guide Thermografie, testo AG, Lenzkirch.

Anschriften der Verfasser
- Stefan Bosch, Metterstraße 16, 75447 Sternenfels (E-Mail: Stefan-Bosch@web.de)
- Thomas Haalboom, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Standort Karlsruhe,
  Studiengang Mechatronik, Erzbergerstraße 121, 76133 Karlsruhe
- Peter Lurz, Lurzengasse 3, 97236 Randersacker

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                                   Originalarbeiten

Zum Totfund eines Musteliden-Schwärzlings im Nordschwarzwald

Dieter Arnold

Am Abend des 16. Oktober 2007 wurde auf regennasser Straße an der Unteren Kapfenhard-
ter Mühle (Getreidemahlmühle mit Gastwirtschaft, Viehhaltung und vier kleinen Forellentei-
chen) ein frischtoter „schwarzer“ und völlig durchnässter Mustelide von Wirtshausgästen
aufgefunden und dem Verfasser zur Artdiagnose überbracht. Die Fundstelle liegt im Gut-
brunnental, einem Nebental der unteren Nagold, Gemeinde Unterreichenbach, Landkreis
Calw (MTB 7118/3, Pforzheim – Süd).
Bei einer sofortigen, allerdings nächtlich-vagen Einschätzung hielt ich Mink, Nerz oder Frett-
chen für denkbar, wobei die jeweils speziellen Artkennzeichen (STRESEMANN 1989) in keinem
Fall richtig zutrafen. Tags darauf fertigte Frau A. Dausch von dem Exemplar einige Fotos an
(siehe Abb. 1-4).

Abb. 1 u. 2: Musteliden-Schwärzling von Unterreichenbach – Gesamter Körper und Kopf des Tieres von
oben (Fotos A. Dausch).

Zur genauen Determination wurde das tiefgekühlt aufbewahrte Tier im Sommer 2010 an
Herrn Dietrich Heidecke (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Halle/Saale) überge-
ben, bei dem eine Doktorantin, Frau Antje Weber (nach mündlicher Auskunft von Dr. Diet-
rich Dolch, Radensleben/Brandenburg), eine umfassende Iltis-Bearbeitung geplant hatte.
Nach einer ersten optischen Begutachtung erhielt ich von D. Heidecke die telefonische Aus-
kunft , dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen melanistischen Iltis, Mustela
putorius L., handelt, was „demnächst“ auch noch genetisch abgeklärt werden solle.

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Abb. 3 u. 4: Musteliden-Schwärzling von Unterreichenbach – Sohle und Schwanzende des Tieres (Fotos A.
Dausch).
Nach längerer Wartezeit erfuhr ich mit Bestürzung vom plötzlichen Ableben Herrn Dr. Diet-
rich Heideckes. Leider konnte der Verbleib des Musteliden-Schwärzlings bisher nicht zweifels-
frei ermittelt werden, und auch die abschliessende Artdiagnose harrt noch der Abklärung.

Literatur
STRESEMANN, ERWIN 1989 (Hrsg.): Exkursionsfauna für die Gebiete der DDR und der BRD/
   Band 3 – Wirbeltiere. 11. Auflage. (Hier S. 336-343: Fam. Marder-Mustelidae).

Anschrift
Dieter Arnold, Schönblickstraße 21, 75399 Unterreichenbach (Kapfenhardt)
Telefon: 07235/3387 / E-Mail: allmuth.dausch@arcor.de

Kleinsäuger vor der Kamera: Momentaufnahmen aus dem Leben des
Eichhörnchens (Sciurus vulgaris)

Stefan Bosch

Moderne Kameratechnik und Fotofallen ermöglichen unerwartete Einblicke in das oft ver-
borgene Leben von Wildtieren (BOSCH 2015). Der folgende Beitrag zeigt Momentaufnahmen
aus dem Leben des Eichhörnchens (Sciurus vulgaris) außerhalb seines angestammten Le-
bensraumes Wald.
Seine Sprungleistungen zur Fortbewegung in hohen Bäumen und zur Flucht dokumentieren
die beiden ersten Aufnahmen. Ein Eichhörnchen überwindet in Abb. 1 den Abstand zwi-
schen den Ästen zweier Parkbäume mit einem Sprung, es wurde in der Aufnahme im freien

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Flug getroffen. Diese Sprungflüge dienen der normalen Fortbewegung, aber auch der Flucht,
um Verfolger abzuhängen. Abb. 2 zeigt ebenfalls ein Eichhörnchen im Sprung, das den Mob-
bing-Attacken einer Elster in den Erlen am Bachlauf zu entkommen sucht. Nachdem die
Elstern einen Nestbau in der Nähe des Kobelbaumes begonnen hatten, kam es immer wieder
zu Flugattacken gegen das Eichhörnchen.

Abb. 1 (links): Eichhörnchen im Sprung, am Bauch sind die Zitzen erkennbar (Mannheim, 13.11.2011). –
Abb. 2 (rechts): Eichhörnchen auf der Flucht vor einer mobbenden Elster (Diefenbach, 17.04.2016).

Eichhörnchen sollen sich bevorzugt im Bäumen fortbewegen und nur ungern längere Stre-
cken am Boden zurücklegen (ATTENBOROUGH 2003). Wird wie in Abb. 3 am Bach die Linie
bachbegleitender Gehölze durch eine Brücke und gerodete Bäume unterbrochen, setzt das
Eichhörnchen seinen Weg am Boden entlang des Bachufers fort. Hier wurde es von einer
Kamerafalle unter der Brücke im weiten Sprung erfasst. Mit wenigen Sprüngen fliegt es
förmlich die Uferkante entlang. Die Uferpartie nutzt das Eichhörnchen auch, um auf ange-
schwemmten Ästen balancierend aus dem Bach zu trinken (Abb. 4).

Abb. 3 (links): Ein Eichhörnchen überwindet einen baumlosen Bachabschnitt am Boden springend ent-
lang der baumlosen Uferlinie (Diefenbach, 01.06.2014). – Abb. 4 (rechts): Zum Trinken aus dem Bach ba-
lanciert das Eichhörnchen auf angeschwemmten Ästen (Diefenbach, 01.06.2014).

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Abb. 5: Sprungsequenz eines Eichhörnchens am Boden (Diefenbach, 20.11.2015).
Eichhörnchen bewohnen auch gerne ortsnahe Obstbaumwiesen, besonders wenn sich dort
Haselnusssträucher und Walnussbäume sowie die völlig Lebensraum-untypischen Koniferen
befinden. Auf vielen Gartengrundstücken wurden in den zurückliegenden Jahrzehnten Fichten,
Kiefern und Douglasien gepflanzt, die inzwischen Baumgruppen oder kleine Wäldchen mit
mächtigen Bäumen bilden. In diesen kleinen Waldinseln sind regelmäßig Eichhörnchen zu be-
obachten und ihre Fraßspuren an Zapfen und Nüssen nachweisbar. An einer Futterstelle in einer
solchen Waldinsel wurde die Sprungsequenz eines Eichhörnchens in der Vegetation am Boden
aufgenommen (Abb. 5). Das Hörnchen springt aus dem Stand, beschreibt mit dem Körper einen
Bogen und landet zuerst mit den Vorder- und dann den Hinterpfoten. Die Krümmungsfähigkeit
der Wirbelsäule ist beachtlich (vergleiche die völlig gegenläufige Krümmung in Abb. 1).

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Abb. 6 (links): Ein Eichhörnchen transportiert eine Walnuss im Maul auf seinem Weg durch die Apfelbäume
einer Streuobstwiese (Diefenbach, 02.04.2016). – Abb. 7 (rechts): Höhleninspektion an einer Buntspechthöh-
le in einem Apfelbaum (Diefenbach, 24.12.2014).
An alten Obstbäumen mit Specht- und Fäulnishöhlen zählen auch Eichhörnchen zu potenti-
ellen Höhleninteressenten (GRÜEBLER et al. 2013). Die Kamerafalle belegt, dass Eichhörnchen
gewandt über horizontale Äste der Obstbäume huschen (Abb. 6) und auch Baumhöhlen in-
spizieren. Dieses Hörnchen untersuchte im Dezember eine Buntspechthöhle in einem Apfel-
baum (Abb. 7). Beim Weiterklettern am Stamm kann man gut das um 180° rotierte Sprung-
gelenk des Eichhörnchens sehen (Abb. 8), das ihm Kopf voraus stammabwärts einen sicheren
Vierpunkt-Halt an der Rinde ermöglicht (BOSCH & LURZ 2011).

Abb. 8 (links): Nach hinten gedrehtes Sprunggelenk, das am Stamm beim Abwärtsklettern Halt gibt (Die-
fenbach, 24.12.2014). – Abb. 9 (rechts): Schwanz eines Eichhörnchens, aufgenommen beim Erklettern der
Fotofalle (14.03.2016).

Und manche Eichhörnchen sind ebenso neugierig wie die Menschen, die Fotofallen aufstellen:
Dieses Tier interessierte sich für das auf einem Stativ montierte Gerät und verdeckte beim
Erklettern mit seinem Schwanz die Aufnahmeoptik (Abb. 9). Der Schwanz und die beidseits
abgehenden Schwanzhaare sind in Großaufnahme erkennbar.

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Literatur
ATTENBOROUGH, D. (2003): Das geheime Leben der Säugetiere. – Schert Verlag Bern: 219-221.
BOSCH, S. & P. W. W. LURZ (2011): Das Eichhörnchen Sciurus vulgaris. – Neue Brehm Bücherei,
   Bd. 183, Westarp Wissenschaften Hohenwarsleben, 212 pp.
BOSCH, S. (2015): Nachweise von Säugetieren mit einfachen Kamerafallen im Citizen-Science-
   Bereich. – MAUS, Mitt. aus unserer Säugetierwelt, 19: 2-8.
GRÜEBLER, M. U.; WIDMER, S., KORNER-NIEVERGELT, F. & NAEF-DAENZER, B. (2013): Temperature cha-
   racteristics of winter roost-sites for birds and mammals: tree cavities and anthropogenic
   alternatives. – Int. J. Biometeorol. DOI 10.1007/s00484-013-0643-1.

Anschrift
Dr. Stefan Bosch, Metterstraße 16, 75447 Sternenfels, E-Mail: Stefan-Bosch@web.de

Erstnachweis der Reproduktion von Marderhunden (Nyctereutes procyonoides)
in Baden-Württemberg

Laura Matthäus

Im Zuge einer faunistischen Kartierung für ein Infrastrukturvorhaben wurden Anfang April
zwei Marderhund-Junge im Osten des Landkreises Pforzheim auf einer ehemaligen Bodenra-
ketenstation (48°53‘08.9“N 8°46‘47.6“E) ca. 400 m ü. NN nachgewiesen (Abb. 1).
Der Marderhund, auch bekannt als Enok, kommt ursprünglich aus Ostasien. Eingeführt als
Pelztier und für Tierparks, wurden Anfang der 1960er Jahre die ersten eingewanderten Mar-
derhunde in Deutschland nachgewiesen (LINDEROTH 2005). Heute gilt der Marderhund in
Deutschland als etabliert und wird als potenziell invasive Art geführt (NEHRING et al. 2015).
Aus Baden-Württemberg sind bisher lediglich Einzelfunde bekannt. Häufig liegen ausschließ-
lich ungesicherte Sichtbeobachtungen vor, während es gesicherte körperliche Nachweise nur

                                                 Abb. 1: Junger Marderhund (Nyctereutes procyono-
                                                 ides), beobachtet im Osten des Landkreises Pforz-
                                                 heim. Foto: Laura Matthäus (05.04.2016).

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äußerst spärlich gibt (LINDEROTH 2005). Besonders selten gelingen Fortpflanzungsnachweise,
wobei für Baden-Württemberg bisher kein publizierter Reproduktionsnachweis der Art be-
kannt ist. Laut der Fundortkarte nach LINDEROTH (2005) liegen für das Kartenblatt 7118 bis-
lang keine Marderhund-Beobachtungen vor.
Als Neozoon unterliegt der Marderhund in mehreren Bundesländern, unter anderem in Ba-
den-Württemberg, dem Jagdrecht. Allerdings konnte bislang noch keine Gefährdung heimi-
scher Arten durch den Marderhund wissenschaftlich belegt werden (NEHRING et al. 2015).
Der Marderhund kommt hauptsächlich in Laub- und Mischwäldern mit dichtem Unterholz,
feuchten Wiesen- und Gebüschlandschaften, Seeufern und Flussniederungen sowie naturna-
hen strukturreichen Teichlandschaften vor (NEHRING et al. 2015). Die beiden nachgewiesenen
Marderhundjungen wurden in einem größeren Haufen Bauschutt beobachtet, der von einem
abgerissenen Gebäude stammt und aufgrund der geringen Nutzung der ehemaligen Raketen-
station äußerst störungsarm ist. Angrenzend an die versiegelte Fläche befinden sich struktur-
reiche Magerweiden mit vereinzelten Gehölzen und Hecken, die sich nach Aufgabe der Rake-
tenstation zu vielfältigen Lebensräumen entwickelt haben und extensiv von Kühen beweidet
werden. Die Fläche liegt isoliert und eingezäunt in einem weitläufigen Waldgebiet und ist
somit weitestgehend frei von menschlichem Einfluss.
Gemäß der naturschutzfachlichen Invasivitätsbewertung (NEHRING et al. 2005) nimmt der
Bestand des Marderhundes nach einer Staupeepidemie seit 2011/2012 wieder stark zu, und
unter dem Aspekt des § 40 Abs. 1 und 2 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) wird empfoh-
len, die naturschutzfachlichen Auswirkungen der Art näher zu untersuchen.

Literatur
BNatSchG = Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz),
   vom 29. Juli 2009, BGBl. I S. 2542, zuletzt geändert am 7. August 2013, BGBl. I S. 3154.
LINDEROTH, P. (2005): Marderhund Nyctereutes procyonoides (Gray, 1834). – In: Braun, M. &
   Dieterlen, F. (Hrsg.): Die Säugetiere Baden-Württembergs, Band 2, Ulmer Verlag, Stuttgart,
   S. 418-423.
NEHRING, S., R ABITSCH, W., KOWARIK, I. & F. ESSL (2015): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewer-
   tungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Wirbeltiere. – Bonn-Bad Godes-
   berg, 224 S.

Anschrift
Laura Matthäus, M.Sc. Umweltplanung und Ingenieurökologie, Rheinhäuserstr. 25,
68165 Mannheim, E-Mail: l.ma@gmx.de

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Auffällige Fellfärbung bei Siebenschläfern (Glis glis) im Nordosten der
Tschechischen Republik

Peter Adamík

Seit 2006 führen Peter Adamík und seine Arbeitsgruppe eine Fang-/Wiederfangstudie von
Siebenschläfern in einem Laubmischwald in den Ostsudeten im Nordosten der Tschechi-
schen Republik bei Dlouhá Loucka durch. Im Rahmen dieser Studie wurden bislang ca. 4.000
Siebenschläfer gefangen und individuell markiert.
Aufsehen erregend ist die Tatsache, dass zwei der dort gefangenen Männchen eine auffällige
rote Fellfärbung aufwiesen (HOLCOVÁ-GAZÁRKOVÁ et al 2016). Beide Tiere wurden von Anezka
Holcová-Gazárková gefangen und zeigten in den Jahren zuvor die für Siebenschläfer typische
Graufärbung. So wurde das erste Männchen 2011 als juveniles und 2012 als Jährling gefan-
gen. Beide Male wies es eine normale graue Fellfärbung auf. Als es aber im August 2013 er-
neut gefangen wurde, war sein Fell auffällig goldrot gefärbt. Das zweite Männchen wurde
2014 erstmals als Jährling gefangen, ebenfalls mit einer normalen grauen Fellfärbung, im
Jahr darauf war es beim Fang im Juli rot gefärbt (Abb. 1 u. 2). Aufgrund der Fanghistorie
kann man keine Rückschlüsse auf eine enge Verwandtschaft zwischen den beiden Sieben-
schläfern ziehen. Sie wurden allerdings im selben Nistkasten, wenn auch in unterschiedli-
chen Jahren gefangen.

Abb. 1 u. 2: Männchen des Siebenschläfers (Glis glis), gefangen von Anezka Holcová-Gazárková bei Dlouhá
Loucka im Nordosten der Tschechischen Republik am 13. Juli 2015 (Fotos: Vladislav Holec).

Was bei den beiden Tieren von Dlouhá Loucka im Laufe ihres Lebens einen solchen Wechsel
der Fellfärbung verursacht haben könnte, ist bislang nicht bekannt.

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Literatur
HOLCOVÁ-GAZÁRKOVÁ, A.; K RYSTUFEK, B. & ADAMÍK, P. (2016): Anomalous coat colour in the fat
   dormouse (Glis glis): a review with new records. – Mammalia , 6 p., 2 fig., 1 tab.
   
Anschrift
Peter Adamík, Dep. of Zoology, Palacky University, tr. 17. listopadu 50, Olomouc, CZ-771 46,
Czech Republic, E-Mail: peter.adamik@upol.cz

Nachweis eines neuen Squirrel-Adenovirus bei einem Krankheitsausbruch
bei Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) in Deutschland 2013 – 2016

Stefan Bosch, Peter W. W. Lurz, Korinna Seybold, Björn Abendroth, Gudrun Larres, Kore
Schlottau, Claudia Wylezich, Charlotte Schröder, Kerstin Wernike, Martin Beer, Reiner G. Ul-
rich, Rainer G. Ulrich

In den vergangenen Jahren kam es nach kurzen schweren Krankheitsverläufen zu einer er-
höhten Sterblichkeit von jungen und erwachsenen Eichhörnchen. Von vielen Pflegestationen
wurden tote Tiere zur Untersuchung eingesandt. Über die Ergebnisse dieser Untersuchungen
soll hier ein erster Sachstandsbericht gegeben werden.

Krankheitsfälle in Deutschland
Im Jahr 2013 wurden in Deutschland erstmals gehäuft schwere, oft zum Tod führende Er-
krankungen bei Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) beobachtet (ABENDROTH et al., eingereicht).
Bei einem der ersten bekannt gewordenen Fälle handelte es sich um ein adultes Männchen
aus einer Voliere, das ohne äußerlich erkennbare Krankheitssymptome tot aufgefunden
wurde. Es befand sich in einem guten Ernährungszustand und hatte mit 270 Gramm ein
normales Körpergewicht. Bei einer Untersuchung des Tieres wurden eine diffuse Schleim-
hautentzündung des Darmes (katarrhalische Enteritis) und im Elektronenmikroskop Hin-
weise auf ein Adenovirus festgestellt. Das identifizierte Squirrel-Adenovirus (SqAdV) hat eine
Partikelgröße von 80 bis 100 nm im Durchmesser. Genetisch unterscheidet es sich deutlich
von bislang bekannten, bei Hausmaus und Rötelmaus nachgewiesenen Adenoviren, weist
jedoch eine hohe Ähnlichkeit (> 99 %) mit den bereits aus Großbritannien und Deutschland
bekannten SqAdV-Genomsequenzen auf.

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