PUBLIC - Kräne-Brücken-Lokomotiven Metallbauwelten im RPM vom 9.10. bis 11.4.2021 - stadtmagazin-public
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www.stadtmagazin-public.de
H 26 313 | 38. Jahrgang
10.20
Kostenlos
Kräne-Brücken-Lokomotiven
Metallbauwelten im RPM vom 9.10. bis 11.4.2021STUDIEREN
AN DER HAWK
Alles rund ums Studium
am 14. Oktober 2020 um 17 Uhr
auf dem digitalen Markt der Möglichkeiten
Design · Entwerfen und Bauen · Gesundheit und Soziales
Konservierung und Restaurierung · Management und Wirtschaft
Nachhaltigkeit · Natur und Umwelt · Technik
Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst
Hildesheim/Holzminden/Göttingen
Weitere Infos: www.hawk.dePUBLIC PRÄSENTIERT
Kultur-Stream
www.kultur-stream.live
Seit Ende der Sommerferien kann der Zuschauer
das vielfältige Programm des Kultur-Streams nicht
nur am Bildschirm verfolgen, sondern auch live
vor Ort miterleben. Lito Bürmann und Lucy Schrei-
ber haben ihr Licht.n.Stein-Studio im KulturRats-
keller unter dem Rathaus Hildesheims reichlich
aufgerüstet. Neue Technik und eine Verbesserung
der Raumakustik sorgen für guten Klang und ein
scharfes Bild. Auf einem großen Bildschirm kann
das Publikum im Studio das Ergebnis aus Kame-
raführung und Schnittregie verfolgen. „Wir wol-
len, dass sich unser Publikum wohlfühlt und den
Abend auf allen Ebenen genießen kann“, sagt
Foto: Werner Kaiser
Schreiber. Somit setzt sich das künstlerische Kon-
zept auf der Karte mit ausgezeichneten Weinen
und Craft-Bier aus Hildesheim fort. Tickets unter
Telefon 01 60/98 74 38 00 (wochentags von 12 bis
14 Uhr) oder per E-Mail an licht.n.stein@gmx.at.
04 10 20 28
ANGSTLUST HÖRSAAL-SPEZIAL HEIMATHAVEN EINE RUNDE SACHE
„Museum der Angst“ Serviceadressen Dominik Wagenführ Neue Ausgabe Lokal Spezial
von Theater R.A.M. Studieren in der Pandemie
Wie wir in der Krise denken 21 30
05 IN LINO VERITAS HALTUNGSNOTEN
WENN NICHT JETZT, 14 Neustart im Litteranova Bewerbung zur europäischen
WANN DANN? PUBLIC-SPEZIAL: Kulturhauptstadt 2025
Veranstaltungsreihe zu AUS- UND WEITERBILDUNG 22
globalen Nachhaltigkeitszielen PFLEGE ZEHN IST DIE ZAHL 31
Generalistische Ausbildung zur Zehn Jahre Galerie Zehn DAS VOLLE PROGRAMM
06 Pflegefachkraft
KULTURKÄMPFERIN SozialbetreuerIn für Behindertenarbeit 24 32
Paula Thelen und Behindertenbegleitung 0,3 LITER INDEX IM OKTOBER
FÜR 2,40 EURO: STICH!
07 17 GutscheinQuartett HIER & JETZT
ÜBER EINE ABSEITS VOM HÖRSAAL Ramba Zamba-Festival
MILLION SCHRAUBEN Angebote für Studierende HIER & JETZT
Neue Ausstellung im RPM Light-Night-Shopping 33
18 KINO
08 ENDLICH WIEDER KULTUR 25
FRAGEZEICHEN Kufa öffnet wieder EL KURDI SPRICHT DEUTSCH 34
Gabriele Gerner Die Erfindung des Turmtauchens KALENDER
LESEN IM GESTERN
09 „Die Schönheit der Begegnung“ 26 38
IM GRÜNEN BEREICH von Frank Berzbach HILIGHTS SPASS. MIT TIEREN
Coworking bei Kosmogrün CrossFit Green Heart, Der diskrete Charme
19 Koordinierungsstelle Frauen und der Gabelschwanzkuh
SOUND & VISION Wirtschaft, POP, Alte Molkerei
Neue Musik, Filme, Bücher AUSGEH-ADRESSEN, IMPRESSUM
und Spiele in der Kritik YOU WIN AGAIN
Goschenstraße 69–70 . 31134 Hildesheim . Mo – Fr 09:30–18:00 . Sa 9:00–14:00 . dynamo-fahrradideen.de . Tel. Laden: 0 51 21/ 13 23 97
PUBLIC 3HILDESHEIM
„MUSEUM DER ANGST“
Angstlust
Im Kulturprojekt „Museum der Angst“ hat das
Theater R.A.M. ein schauriges-schönes Online-
Erlebnis geschaffen. PUBLIC-Redaktionsleiter
Kilian Schwartz bibbert ein bisschen.
Ein Exponat aus dem „Museum der Angst“
W
www.kuehn-sicherheit.de as, wenn das Morgen im Gestern verschwindet?
Was, wenn kein Gedanke den Mund mehr erreicht?
Und was, wenn man im Museumsgarten der orangen
Katze ausweichen muss und im Schutzkeller durch
die Falltür ins Wunderland hinabstürzt? Ganz oben
in der Dachstube lauert ein Wimmern, nebenan im Restaurant kann
man wählen zwischen der Speisekarte für Angsthasen, Angstlose und
Beherzte. Doch hier ist nicht etwa Gefahr im Verzug. Hier hat einen
das „Museum der Angst“ tief in seinen Bann gezogen. Die virtuelle
Karte, die das „Museum der Angst“ in mehrere Parzellen aufteilt und
die nicht nur mutige Besucherinnen und Besucher seit Mitte Septem-
ber online erkunden können, hat das Theater R.A.M. gemeinsam mit
über 40 beteiligten Menschen aus Stadt und Landkreis Hildesheim
und Hannover erstellt. Seit Anfang des Jahres tüftelt das Hildesheimer
Theaterkollektiv unter Leitung von Manuela Hörr und Mark Roberts
an dem spartenübergreifenden Kulturprojekt. „Angst ist ja ein großes
gesellschaftliches Thema. Wir wollen im Projekt allerdings weder Angst
aushalten noch jemand anderem Angst einjagen, sondern uns lustvoll da-
Mehr Leben
mit beschäftigen“, so Theatermacherin Hörr. Entstanden ist ein schwarz-
schillerndes Panoptikum, in das man sich in der Tat ganz lustvoll hi-
neinwerfen darf: Zwischen Filmschnipseln, schaurigen Soundscapes
und kuriosen „Unboxing“-Aufzeichnungen kann man mit dem Cursor
ist einfach.
in den Untiefen des Museums herumstöbern, die Gedankenspiele der
Künstlerinnen und Künstler verfolgen – und notfalls per Buttondruck
eine weitere Gefühlsebene hinzuschalten. Wer beim Rundgang durch
die virtuellen Korridore an die abstrusen Werke berühmter Surrealisten
denkt, liegt goldrichtig. Das „Museum der Angst“ hat keine glattgeboh-
hback*eininde
r
nerten Fliesen oder blitzblanke Vitrinen, furios und wild verteilt sind die
3 % Caesschenkestub Gedankenscherben, die den Versuch spiegeln, eine große Gruppe von
My Flair G o-Kunden Menschen kreativ da abzuholen, wo sie lange waren: in ihren vier Wän-
r Mehr.Gir
Sarstedt fü den nämlich. Denn Corona hat der Kreativität der Kunstmacherinnen
und Kunstmacher nicht etwa einen Dämpfer verpasst (man hätte es ja
vermuten können). Es wurde geschrieben und gespielt, gebastelt und ge-
Geld-zurück-Vorteile baut, als ob der Teufel die Jagd aufgenommen hat. Es wurde aufeinander
beim Einkaufen vor Ort reagiert, gesungen und gesprochen, geschrien, gelernt, beobachtet, gesen-
mit Mehr.Giro – mein det und empfangen, dialogisiert und gedichtet. Alles auch, um dem Virus
Sparkassen-Girokonto die Stirn zu bieten. Entstanden ist eine ästhetisch und inhaltlich vielge-
mit Vorteilswelt. staltige Variante der Ursprungsidee, etwas sehr eigenes und anderes, eine
Art digitale Reflexion verspielter Einfälle, die mal mehr, mal weniger um
das Thema Angst kreisen. „Aus den möglichen Kammern des Schreckens
* auf alle Umsätze
sind kleine Echokammern geworden, die die Suche nach einem Format
abbilden, nicht das Format selbst“, sagt Hörr. Aus Szenen seien Schlag-
lichter, aus Kostümen Material-Zitate geworden und aus dem „Museum
Foto: Theater R.A.M.
der Angst“ schließlich ein Online-Erlebnis, das sich ebenso als Experi-
ment wie als locker geordnete Materialsammlung verstehe.
sparkasse-hgp.de/mehrgiro
Wer sich traut, dem „Museum der Angst“ einen Besuch abzustatten,
kann dies unter www.museum-der-angst.de tun.
4 PUBLICHILDESHEIM
VERANSTALTUNGSREIHE ZU GLOBALEN NACHHALTIGKEITSZIELEN
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Im Projekt „Weltwechsel“ laden der Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt, die VHS Hildesheim und Grü-
nenpolitiker Ottmar von Holtz (MdB) zu Veranstaltungen über globale Nachhaltigkeitsziele ein.
H
ildesheim hat sich an der Aktion In Form einer Dialogwerkstatt und Podiumsdis-
„Weltwechsel Niedersachsen: Gemein- kussion sprechen SPD-Politiker Bernd Westphal
sam Welt gestalten!“ des Verbandes (MdB) und Grünen-Politiker Ottmar von Holtz
Entwicklungspolitik Niedersachsen (MdB) über Menschenrechte und Umweltstandards
(VEN) beteiligt und lädt zu drei Ver- in globalen Lieferketten sowie über Möglichkeiten
anstaltungen ein, die gemeinsam vom Kirchenkreis für Politik, Bürger*innen und Unternehmen, eine
Hildesheim-Sarstedt, der VHS Hildesheim und gerechtere und umweltfreundlichere Welt zu schaf-
Grünenpolitiker Ottmar von Holtz (MdB) organi- fen. Der Eintritt ist frei.
siert werden. Unter dem Motto „Wenn nicht jetzt,
wann dann?“ soll in Workshops, Dialogwerkstätten Film-Matinee: „Welcome to Sodom – Dein Han-
und einer Film-Matinee das Thema „Lieferkettenge- dy ist schon hier“
setz“ möglichst alltagsnah beleuchtet und diskutiert 15.11., 12 Uhr, Thega-Filmpalast
sowie mögliche Ziele für nachhaltige Ziele vorge- Der Dokumentarfilm „Welcome to Sodom“ lässt die
stellt werden. Folgende Veranstaltungen stehen auf Gemeinsam die Welt besser machen Zuschauer*innen hinter die Kulissen von Europas
dem Programm: größter Müllhalde mitten in Afrika blicken und por-
Basics und Praxis, Reflexion und Methoden aus dem traitiert die Verlierer der digitalen Revolution.
Workshop: „Ich will jetzt was ändern!“ Basics, Me- Globalen Lernen und der Theaterpädagogik für die
Foto: Stefan Heinze
thoden und Aktionen für Weltwechsler*innen Jugend- und Aktivismusarbeit. Anmeldungen bei Michaela Grön unter Telefon
20.10., 14-18 Uhr, 21.10., 12-18 Uhr, 22.10., 12-16 0 51 21/9 18 74-71 oder per E-Mail an michaela.
Uhr, VHS-Riedelsaal Dialogwerkstatt: „Let’s talk about… Lieferketten- groen@evlka.de bzw. bei Jessica Sharma unter Te-
In dem dreitägigen Workshop für Jugendliche und gesetz – Die Chance für eine gerechtere Welt?“ lefon 0 51 21/9 99 02 03 oder per E-Mail an ottmar.
junge Erwachsene von 15 bis 21 Jahren geht es um 12.11., 18.30-21 Uhr, VHS-Riedelsaal vonholtz.wk@bundestag.de.
Schuljahr
–
2020/2021
lä tz e
Freie P
Kleine Schule – Große Chance
Einjährige Berufsfachschule – Wirtschaft
Schwerpunkt: Einzelhandel
Voraussetzung: Hauptschulabschluss
Ziel: Versetzung in Klasse 2 und Realschulabschluss oder Erw. Sek I
Einjährige Berufsfachschule – Wirtschaft
Schwerpunkt: Büromanagement
Voraussetzung: Realschulabschluss
Ziel: Erw. Sek I/Anerkennung des 1. Ausbildungsjahres
Fachoberschule – Wirtschaft, Kl. 11
Voraussetzung: Realschulabschluss
Ziel: Versetzung in Klasse 12 und Fachhochschulreife
Fachoberschule – Wirtschaft, Kl. 12
Voraussetzung: Realschulabschluss, kaufm. Ausbildung
Ziel: Fachhochschulreife
Fachoberschule – Gestaltung, Kl. 11
Voraussetzung: Realschulabschluss
Ziel: Versetzungen in Klasse 12 und Fachhochschulreife
Fachoberschule – Gestaltung, Kl. 12
Voraussetzung: Realschulabschluss, gestalt. Ausbildung
Ziel: Fachhochschulreife
Anmeldezeiten:
Montag bis Donnerstag von 8.00 bis 15.30 Uhr
Freitag von 8.00 bis 13.00 Uhr
Buhmann-Schule Hildesheim
Hindenburgplatz 1 · 31134 Hildesheim · Tel. 0 51 21 / 3 30 73
info@buhmann-schule.de · www.buhmann-schule.de
PUBLIC 5KULTURKÄMPFERIN
Kulturkämpferin
N
eun Monate. Eine sind dabei deutlich geworden.
gute Zeitspanne, Erstens: Klar hat Hildesheim
um zu wachsen. Um Schwachstellen. Egal wie modern
von „unkonkret“ und das Bid Book auch designt ist,
„klein“ zu etwas grö- egal wie überzeugend die Präsen-
ßerem und viel bedeutenderem tation vor der Jury sein wird. Es
zu werden. Neun Monate hat es fehlt an Arbeitsplätzen, die die
gebraucht, um aus dem ersten Studierenden nach ihrem Ab-
das zweite Bid Book zu entwi- schluss in der Stadt halten. Auch
ckeln. Seit dem 12. Dezember der Mangel an Kneipen, Bars und
2019 werkelt das Team aus dem Clubs wird von allen Seiten ger-
Projektbüro daran herum und ne betont. Und wer ist wirklich
arbeitet neue Ideen aus, die Hil- stolz, hier zu leben? Hildesheim
desheim den Titel „Europäische hat strukturelle Probleme, aber
Kulturhauptstadt 2025“ einbrin- es kommt auf das Gefühl an,
gen könnten. Sollen. Werden? was die Stadt vermittelt. Denn
Ende dieses Monats, am Mitt- Zweitens: Ja, die Mitglieder des
woch den 28. Oktober, ist es so- Freundeskreises fühlen sich hier
weit und die Entscheidung fällt. wirklich wohl und glauben auch
Dass es Hildesheim
wird, hoffen nicht nur
die Hauptamtlichen aus
dem Projektbüro. Neben
zahlreichen Unterstüt-
zerinnen und Unter-
stützern aus Stadt und
Landkreis, zittert eine
Gruppe ganz besonders
mit: Der Freundeskreis
Kulturhauptstadt Euro-
pas 2025 Stadt und Re-
gion Hildesheim. Hinter
dem ungelenken Namen
verbergen sich engagier-
te Menschen aus der
Region Hildesheim, die
www.bwv-hi.de
aus den unterschied-
lichsten Gründen diese Paula Thelen
Bewerbung mit voran-
bringen wollen. In den
letzten sechs PUBLIC-Ausgaben tatsächlich an die Bewerbung.
habe ich sechs von ihnen vor- Jeder hat ganz persönliche Argu-
gestellt. Sie Rede und Antwort mente für die Stadt. Hildesheim
stehen lassen. Damit auch Au- ist eine Provinz mit wenig Geld
ßenstehende ihre Begeisterung aber viel Charakter. Eine kleine
für das Vorhaben mitbekommen. Großstadt. Es bleibt zu hoffen,
Im Dezember 2019 warf ich zum dass das reicht, um 2025 den Titel
ersten Mal einen Blick in die tragen zu dürfen. Mich jedenfalls
Welt der Kulturhauptstadt-Be- hat der Freundeskreis überzeugt.
werbung. Hildesheim war gerade Die anfänglichen Zweifel sind
in die Finalrunde gekommen und verschwunden. Nach jedem Ge-
der Freundeskreis hatte deshalb spräch mit den Freundeskreis-
zu der Veranstaltung „Das nenn‘ Mitgliedern war ich ein bisschen
ich ne Entscheidung“ eingeladen. glücklicher, Hildesheimerin zu
Podiumsgespräche, ein bisschen sein. Natürlich bleibt ein Restri-
Selbstbeweihräucherung und siko, dass sich eine andere Bewer-
Gruppendynamisch! hinterher eine kleine Party. Aber
die Motivation steckte an. Skep-
sis blieb. Kann Hildesheim das
berstadt den Titel angelt. Aber
egal wie die Entscheidung am 28.
Oktober ausfällt: Neun Monate –
Auch junge Leute können die Vorteile der größten tatsächlich schaffen und sind die und länger – wurde an Kulturpro-
Leute hier alle wirklich so über- jekten gearbeitet, die Hildesheim,
Wohnungsgenossenschaft in Hildesheim nutzen. zeugt von der Sache? Wenn ja, die hiesige Kulturszene und das
Endlich eine eigene Wohnung! Ob Single, Zweiergemeinschaft oder WG – wieso? Ich lud mir Gesprächs- Zusammenleben fördern sollen.
der BWV hat für jeden die richtige Auswahl. Und bietet außerdem allen partnerinnen und -partner aus Einiges davon könnte auch ohne
Interessierten die Leistungsvorteile einer Wohnungsgenossenschaft. dem Freundeskreis ein, um ge- Titel umgesetzt werden. Er ist
Weitere Infos unter: www.bwv-hi.de. nau das herauszufinden. Dabei nicht zwingend notwendig. Aber
sprach ich mit Menschen, denen beim Thema Heimatstolz könnte
Die aktuellen die Bewerbung am Herzen liegt. er definitiv helfen. Denn sind wir
Mietangebote des Mit Menschen, die schon ewig mal ehrlich: Wer würde nicht ger-
Foto: Heiko Stumpe
BWV finden Sie
und drei Tage hier leben und die ne erzählen, in der europäischen
jederzeit unter
www.bwv-hi.de Stadt lieben. Und auch mit Men- Kulturhauptstadt zu leben?
schen, die ursprünglich gar nicht
BWV · Theaterstr. 8 · 31141 Hildesheim · Tel 05121 9136-0 · E-Mail: info@bwv-hi.de aus der Region kommen und Von PUBLIC-Autorin
trotzdem Fan sind. Zwei Dinge Paula Thelen
6 PUBLICHILDESHEIM
NEUE AUSSTELLUNG IM RPM
Über eine Million Schrauben
Am 9. Oktober öffnet im Roemer- und Pelizaeus-Museum die Ausstellung „Kräne – Brücken – Lokomo-
tiven: Metallbauwelten von Märklin, Trix und Stabil“ seine Türen. PUBLIC-Autor Tobi Schulz sprach mit
den Kuratoren Stefanie Bölke, Stefan Bölke und Peter Fahrbach.
M
etallbaukästen eröffneten um 1900 ihren technischen Raffinessen zu sehen. Sicherlich
in den Kinderzimmern völlig werden bei vielen Besuchern nostalgische Erinne-
neue Spielwelten. Das ge- rungen geweckt, konnten sie doch mit ihren Baukäs-
niale Konstruktions- ten die große Welt der Technik im Kleinen nachbil-
spielzeug begeisterte den. Wer als Kind damit spielte, wird sich sicherlich
durch seine Vielfältigkeit, verband in diese Zeit zurückversetzt fühlen. „Dabei ist es ja
es doch auf faszinierende Weise Spiel eigentlich schade, dass Kinder heutzutage mit so viel
und Realität. Neben der Modelleisen- Spielzeug überflutet werden“, sagt Peter Fahrbach,
bahn waren die Baukästen für kleine und der sich wünschen würde, dass Metallbaukästen
große „Freizeit“-Ingenieure eines der be- auch wieder von Kindern begeistert angenommen
liebtesten Spielzeuge des 20. Jahrhunderts. werden. Zusätzlich werden auch Aspekte aus dem
So war Peter Fahrbach, beratender Spezialist von Dr. Christian Bayer und Dr. Helmut Brandl
für Märklin-Metallbaukästen, auch schon im- betreuten „KunstModell-Projekt“ des Bundesminis-
mer fasziniert von der Vielfältigkeit der Systeme teriums für Bildung und Forschung mit in die Aus-
und ist sehr stolz, durch seine Kontakte in der stellung einfließen. Hierbei sollen unter anderem
„Metallbaukasten-Szene“ viele Unikate für die Beispiele aus der ägyptischen Sammlung gezeigt
neue Ausstellung im Roemer- und Pelizaeus- werden, denn bereits im Altertum spielten Modelle
Museum gewinnen zu können: „Der Ideenreich- Der Klassiker: ein Märklin-Metallbaukasten
eine wichtige Vermittlungsrolle. Weiterhin werden
tum bei der Konstruktion von wirklich erstaunlichen über die gesamte Laufzeit hinweg eine Märklin-
Bauten beeindruckt mich immer wieder“, erzählt Bahnanlage im Maßstab 1:87 (H0) gezeigt sowie
er. Hauptleihgeber vieler Bausätze ist dabei Dieter führt. Und wir sind selbst immer wieder überrascht, Modelleisenbahnraritäten präsentiert. „Viele Men-
Bode aus Lutter am Barenberge, dessen Konstruk- was aus diesen Baukästen für interessante Werke schen kennen Märklin natürlich wegen der Mo-
tionen auf diesem Gebiet als einmalig zu bewerten geschaffen werden“, erzählt er. Im Mittelpunkt der dellbahnvielfalt, deswegen gibt es gleich zu Beginn
sind. Ausstellung stehen vor allem Darstellungen techni- der Ausstellungsfläche hier ein kleines Schmankerl
In der Wirtschaftswunderzeit der 1950er und scher Errungenschaften der letzten 120 Jahre, wie für Eisenbahnfans, da es sonst hauptsächlich um
1960er Jahre erlebten die Metallbaukästen und Flugzeuge, Schiffe und Fahrzeuge aller Art. Beson- die Metallbaukästen geht“, meint Stefanie Bölke.
hier insbesondere der Märklin-Metallbaukasten in deres Highlight ist unter das Großmodell der Wup- Insgesamt werden auf rund 1.000 Quadratmetern
Deutschland und in vielen anderen Ländern ihren pertaler Schwebebahn. Eine kleine Sensation ist der Ausstellungsfläche nahezu 60 Großmodelle präsen-
Höhepunkt. Damit knüpfte dieses Systemspielzeug Nachbau eines Modells, das 2006 vom Weltraum- tiert – die aus über 1.000.000 Schrauben und nahezu
an die großen Erfolge der Zwischenkriegszeit an. touristen Charles Simonyi auf der ISS im Weltall 1,5 Tonnen Metallbauteilen bestehen. Das größte
Für viele Jahrzehnte war es somit ein Spielzeug für montiert wurde. Aber nicht nur diese Objekte wis- Modell ist dabei die Nachbildung der Rendsburger
Generationen: Väter und Söhne, später auch Töchter sen zu beeindrucken, sondern auch zahlreiche Kon- Eisenbahn-Hochbrücke: Zwei Jahre Bauzeit, 25.000
fanden hier eine gemeinsame Erlebniswelt. Ausstel- struktionen aus dem Ingenieurwesen. Stefan Bölke Schrauben, 6 Meter Länge und 1,70 Meter Höhe –
lungskurator Dr. Stefan Bölke ist oftmals selbst noch ist sich sicher: „Durch die Metallbaukästen wurde wahrlich beeindruckend.
überwältigt von der Vielfalt, die über die Genera- die Industrialisierung direkt in die Kinderzimmer
tionen geboten wurde. „In unsere Ausstellung wird gebracht. Und dadurch auch sicherlich schon der ein „Kräne – Brücken – Lokomotiven: Metallbauwel-
die Faszination für dieses Eisenspielzeug erneut oder andere Ingenieur in Kinderjahren auf seinen ten von Märklin, Trix und Stabil“ findet vom 9.
entfacht. Mit einmaligen Exponaten spannt sich ein späteren Beruf vorbereitet!“ Selten waren wohl so Oktober bis zum 11. April 2021 im Roemer- und
Foto: RPM
Bogen, der von der Geschichte des Spielzeugs über viele Originalbaukästen und Raritäten von Märklin, Pelizaeus-Museum statt. Weitere Infos unter
die Kindheitserinnerungen bis in die Gegenwart Trix, Walther Stabil und anderen Herstellern mit all www.rpmuseum.de.
Neueröffnung am 3. Oktober
Wallstraße 12a · 31134 Hildesheim · www.litteranova.de
PUBLIC 7FRAGEZEICHEN
Gabriele Gerner
Pressesprecherin der Universität Hildesheim
Was bedeutet Hildesheim für Sie? Welches ist Ihr liebstes Kleidungsstück? Was war Ihr Lieblingsspielzeug als Zehnjäh-
Es ist der Ort, an dem ich mich wieder wie eine Ein blaues Sommerkleid, das ich in vielen be- rige?
Erstsemesterin fühle: Ständig lerne ich neue sonderen oder einfach nur schönen Momenten Shame on me: Das Barbie-Wohnzimmer. Aber
Leute und kennen und entdecke neue Orte. getragen habe. immerhin habe ich einige Jahre später den gan-
Alles ist neu, alles ist spannend. zen Barbie-Schrott auf dem Flohmarkt verkauft
Grundsatzfrage: Bier oder Wein? und noch Profit daraus geschlagen.
Welches ist Ihr Lieblingsplatz in Hildesheim? Wein! Ich mag kein Bier – und das, obwohl ich
Ich denke mal, der Jo-Beach, wenn er dann aus Dortmund komme … Neben wem würden Sie gern einmal im Flug-
wieder öffnet. zeug sitzen?
Welchen Job würden Sie gerne einmal aus- Naja, ich hätte da schon einiges, was ich gern
Was war Ihre allererste CD/Schallplatte? üben? mit Leonardo DiCaprio besprechen würde.
„Greetings from Asbury Park“ von Bruce Springs- Wasserski-Lehrerin auf Sardinien – wenn meine
teen – eine Offenbarung. Wasserski- und Italienisch-Kenntnisse gut Was war Ihr eindrucksvollster Moment wäh-
genug wären. rend des Corona-Lockdowns?
Auf welchem Konzert waren Sie das letzte Mal? Als Deutschland die Grenzen schloss – kein
Ich glaube, das war Bryan Adams in Hannover. Auf welches technische Gadget könnten Sie schönes Gefühl.
Seeeeehr gut! nicht verzichten?
Wenn es sein muss, denke ich, kann man auf Warum müsste Hildesheim zur europäischen
Haben Sie verkannte Talente? vieles verzichten. Aber ein Leben ohne Handy Kulturhauptstadt gewählt werden?
Oh, ich kann singen – aber die Zuhörer sind da wäre schon schwer vorstellbar. Die Stadt hat so viele bezaubernde Ecken,
immer gegenteiliger Meinung. Sehenswürdigkeiten und eine agile Kulturszene,
Gäbe es einen Spielfilm über Ihr Leben, was ist aber auch eine Stadt zum Leben und Woh-
Was können Sie überhaupt nicht? wäre die Single-Auskopplung des Sound- nen, die ganz unprätentiös zu ihren „normalen“
Ich schaffe es einfach nicht, rückwärts Schlitt- tracks? Seiten steht – und auch das ist Kultur: Das
schuh zu laufen – ärgert mich maßlos! „Born to run“ – was sonst? Schöne in den Alltag einfließen zu lassen.
8 PUBLICHILDESHEIM
COWORKING BEI KOSMOGRÜN
Im grünen
Bereich
Work-Life-Balance war gestern. Heute gilt es,
die Arbeitswelt so zu gestalten, dass es sich gut
darin leben lässt. PUBLIC-Autor Björn „Ich will jetzt was ändern!“
Stöckemann stellt eine Vision davon vor. Basics & Aktionen aus dem Globalen Lernen und der
Theaterpädagogik für junge Weltwechsler*innen (15 – 21 J.)
20. – 22. Oktober 2020 — VHS — kostenlos — mit Anmeldung
D
„Let’s talk about ... Lieferkettengesetz“
ie Zeit von 9 to 5 neigt sich dem Ende zu. 40 Stunden die Interaktive Podiumsdiskussion mit den Bundestagsabgeordneten
Woche arbeiten; eine einsame Yucca-Palme auf der Fenster- Ottmar von Holtz und Bernd Westphal
bank; Kartoffelbrei, Fischstäbchen und Wackelpudding in der 12. November 2020, 18.30 Uhr – VHS — kostenlos — mit Anmeldung
Kantine; zum Ruhestand eine Armbanduhr und eine Teilnah-
meurkunde. „Büro ist Krieg“, hat TV-Chef Stromberg immer „Welcome to Sodom – Dein Handy ist schon hier“
gesagt. Meint: keine aufregenden Gefechte, keine heldenhafte Triumphe, Film-Matinee — 15. November 2020, 12 Uhr — im Thega
sondern nervenzehrende Geduldsproben und zermürbende Anspannung.
Info und Anmeldung:
Klingt melodramatisch, aber unter dem Strich dürften sich vor allem jun-
Jessica Sharma, Büro Ottmar von Holtz, Telefon: 0 51 21 - 9 99 02 03,
ge Leute darauf einigen: bloß nicht so ackern wie die Eltern! Co-working
E-Mail: ottmar.vonholtz.wk@bundestag.de
soll die Arbeitswelt der
Michaela Grön, Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt,
jungen Generation
Telefon: 0 51 21 - 9 18 74-71, E-Mail: michaela.groen@evlka.de
prägen. Meint: Anstatt
tagein, tagaus am selben
Platz zu sitzen, gestal-
ten sich Arbeitsräume
und Abläufe flexibel.
Coworking meint also
nicht ausschließlich
einen Arbeitsplatz in
einem weiteren Groß-
raumbüro anmieten, 1919 – 2019
Volkshochschule
sondern ein Arbeits- Hildesheim
umfeld schaffen, in dem
Kreativität sprießen
und sich entfalten kann.
Wahrscheinlich auch
„Kosmogrün“-Gründerin Anna Knetsch deswegen ist der Name
bei „Kosmogrün“ Pro-
gramm. An den grünen
Wänden hängen Europaletten, in denen Pflanzen sprießen, die Fenster
stehen weit offen und Fahrräder vor der Tür. „Kosmogrün“ ist die Idee
von Anna Knetsch. Die junge Gründerin vereint in dem Unternehmen
Solidarische Landwirtschaft und ECOnsulting (also die Beratung von
Firmen für nachhaltige Geschäftsmodelle), vor allem aber eben das
Coworking. „Besonders für Studierende ist ein Arbeitsplatz in einem
Bereich eine Investition“, meint sie. „Gerade weil dieses Semester voraus-
sichtlich wieder komplett online stattfindet, gibt es ja auch kaum Studi-
Leben“, erklärt Knetsch. An dem Eichentisch im Gemeinschaftsraum
lernt der Kulturwissenschaftler die Wirtschaftsinformatikerin kennen,
und mit den beiden Studierenden der „Internationalen Kommunikati-
on und Übersetzung“ ergibt sich vielleicht die Woche drauf schon ein
spannendes Projekt. „Wir sind ein relativ junges Unternehmen“, erzählt
Knetsch. Seit Mitte dieses Jahres hat „Kosmogrün“ seine Räume in der
Gropiusstraße geöffnet. Die Idee hat Knetsch aus Skandinavien mitge-
bracht. „Dort ist die Gesellschaft schon sehr weit beim Klimaschutz“, sagt
sie. Zurück in Deutschland wollte sie einen Ort schaffen, an dem diese
Welt von Morgen eine Keimzelle hat. „Kosmogrün“ war geboren. Eine
Mitarbeiterin berät Unternehmen in Hinblick auf Ressourcenschonung,
Nachhaltigkeit und Netzwerke, bei Asel wächst auf „Hazels Farm“ Ge-
müse, an dem sich die Coworkerinnen und Coworker bedienen können,
und über allem prangt der „Kosmogrün“-Schriftzug als Motivation, die
Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen umzusetzen. „Weil wir so
Foto: Björn Stöckemann
ein junges Projekt sind, bieten wir noch viele Gestaltungsmöglichkeiten“,
freut sich Knetsch. Sprich: Wie „Kosmogrün“ am Ende dieses Semesters
aussieht, orientiert sich auch an den Leuten. Um Studies für die Idee zu
gewinnen, gibt es spezielle Rabatte und Vergünstigungen.
Alle Infos gibt es auf www.kosmogruen.de.
PUBLIC 9HILDESHEIM
HÖRSAAL-SPEZIAL
Schüler &
Studenten aufgepasst! Durchgeblickt
auf all unsere Dienstleistungen
Auch wenn das Semester in diesem Jahr größtenteils online stattfin-
det: Für alle, die die die Stadt mal ganz analog erkunden möchten, hat
PUBLIC die richtigen und wichtigen Adressen parat.
WOHNEN
Baugenossenschaft Wiederauf-
bau eG, Güldenstraße 25, 38100
Braunschweig, Tel. 05 31/59 03-
100, www.wiederaufbau.de
Beamten-Wohnungs-Verein zu
Hildesheim (BWV), Theaterstra-
ße 8, Tel. 91 36-0, www.bwv-hi.de
Gemeinnützige Baugesellschaft
zu Hildesheim (GBG), Eckeme-
kerstraße 36, Tel. 9 67-0, www.
gbg-hildesheim.de
Kreiswohnbau Hildesheim, Kai-
serstraße 21, Tel. 9 76-0, www.
kreiswohnbau-hi.de
Mieterverein Hildesheim, Schee-
www.cafe-friseur.de
lenstraße 2, Tel. 3 32 84, www.
mieterverein-hildesheim.de
AUSGEHEN
pop
pop Bischofsmühle, Konzerte und
Kulturveranstaltungen, Damm- Keine Angst vor Irrwegen – PUBLIC hilft
straße 32, Tel. 9 99 43 55, www.
bischofsmuehle.de
www.facebook.com/wohnzimmer- im Original mit Untertiteln, 1,50
Cube Event Location, monatliche hildesheim Euro (plus Semesterbeitrag 0,50
Party-Reihen, Hindenburgplatz Euro), Audimax der Uni, https://
3 (über dem Deseo), Tel. 3 98 16, de-de.facebook.com/HoKiHildes-
www.cube-hi.de KULTUR heim/
pop Lingerie
Swimwear
Kulturfabrik Löseke, Konzerte,
Partys, Flohmarkt, Soziokultur,
Workshops und vieles mehr, Lan-
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PUBLIC 11HÖRSAAL-SPEZIAL
DIGITALES SOMMERSEMESTER beurteilten 72,4 Prozent der befragten Studierenden
die Arbeitsbelastung im digitalen Semester als höher
Kontaktlos
im Vergleich zum Präsenzsemester. Die Vorstellung,
noch ein weiteres Semester digital zu studieren, be-
urteilten 59,4 Prozent der Befragten als schlecht. Die
Frage, ob sie ihr Studium um ein Semester verlängern
würden, wenn dies kostenneutral wäre, beantworteten
knapp über 50 Prozent mit „Ja“. Als belastende Fak-
Wie sich die Corona-Krise auf die Gesamtsituation der Studierenden toren nannten die Studierenden unter anderem die
fehlende Infrastruktur der Hochschule, der fehlende
ausgewirkt hat, untersuchte ein Forschungsteam der Universität. persönliche Kontakt zu anderen Studierenden, die
Notwendigkeit, sich um andere Familienmitglieder
kümmern zu müssen und/oder den fehlenden Platz
F
ür die Studierenden in Deutschland beginnt der digitalen Lehre und die technische Ausstattung zum ungestörten Arbeiten. Auch Einsamkeit, Ablen-
schon bald das Wintersemester und damit fokussieren. Dahingegen sollen mit dieser Studie kung, technische Einschränkungen sowie die fehlen-
das zweite Semester unter Pandemie-Be- auch das Wohlbefinden, die Sorgen und Ängste, die de persönliche Betreuung wurden als Hürden des di-
dingungen. Dies be- Studienmotivation und die mentale Verfas- gitalen Lernens aufgeführt. Als positiv bewerteten die
deutet vielerorts, dass für die sung der Studierenden betrachtet Befragten die Zeitersparnis durch wegfallende lange
Studierenden ein weiteres digi- werden. Anfahrtswege zum Studienort, mehr Flexibilität in
tales Semester stattfinden wird. Der veröffentliche Bericht präsen- der Arbeitsgestaltung und das Kennenlernen neuer
Aber wie haben Studierende in tiert nun erste Ergebnisse, welche digitaler Angebote. Bei mehr als der Hälfte der Be-
Deutschland das vergangene für die weitere digitale Ausgestal- fragten (52 Prozent) wirkte sich die Pandemie finan-
digitale Sommer-Semester ei- tung der Hochschulstudiengänge ziell nicht aus. Knapp 44 Prozent der Studierenden
gentlich bewältigt und wie ha- genutzt werden können. Darüber gaben jedoch an, dass sie sich um die Finanzierung
ben sie den durch die Pandemie hinaus haben die Forscherinnen ihres Studiums insgesamt sorgen. Fast alle Studieren-
veränderten Studienalltag er- und Forscher die zahlreichen de beklagten den Stillstand des sozialen und kulturel-
lebt? Dies untersuchte ein For- offenen Antworten der Teilneh- len Austauschs. 79 Prozent der Befragten vermissen
schungsteam der Universität menden analysiert. Ziel war es, das Campusleben. 85,4 Prozent fehlt der Kontakt zu
Hildesheim in der bundesweiten möglichst schnell erste Befunde anderen Studierenden. Doch nicht alle litten glei-
Wie haben Studierende das
qualitativen Online-Befragung digitale Semester erlebt?
zu veröffentlichen, um diese in chermaßen unter diesen Einschränkungen. Die Be-
Stu.diCo..Die Forscherinnen die Gestaltung des Studiums im wertungen rangierten von Aussagen wie „Das digitale
und Forscher analysierten in Wintersemester einfließen zu Semester ist eines der besten, das ich je hatte, in Bezug
Foto: Imago
diesem Rahmen die Daten von lassen. Anschließend gilt es, die auf meinen Lernfortschritt und das Vorankommen
2.350 Studierenden. Stu.diCo. setzt sich von Un- Ergebnisse in den Forschungsstand einzuordnen. im Studium.“ bis zu „Ich habe durch die online Lehre
tersuchungen ab, die vor allem auf die Evaluation Die prägnantesten Ergebnisse der Studie: Allgemein meinen Spaß an meinem Studium verloren.“
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Krise denken
HAWK-Professor Lutz Finkeldey hat sich in sei-
nem neuen Buch der Frage gewidmet, warum
Corona Verschwörungstheorien befeuert.
Wie verändert die Krise unser Denken?
Das Grundmuster der Krise ist im Prinzip, dass sich der Horizont ver- Keine Verwendung mehr für Omas Nähmaschine?
engt. Das heißt, unser Denken insgesamt verliert an Breite und wir fo-
kussieren uns auf etwas, ob das eine persönliche Krise ist oder auch eine Rein damit in unsere kostenlose Such- und Tauschbörse.
gesellschaftliche Krise. Also etwas, das von außen auf uns einschlägt und
uns verunsichert, bewirkt, dass wir diese ursprünglichen Denkvorgänge
nicht mehr so reproduzieren können. Wir denken dann in diesem Mo- Und so funktioniert es:
ment so, dass die Krise das Eigentliche ist. Und wie wir aus der Krise
herauskommen, spielt im Prinzip im Denkvorgang keine Rolle mehr. Gehen Sie auf unserer Webseite auf den Link Tauschbörse.
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Das heißt, wir denken problem- statt lösungsorientiert?
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Ich möchte es mal böse formulieren: Man denkt krisenorientiert.
Wir denken immer mit „wie“. Jemand sieht aus „wie“, jemand denkt welches Sie verschenken oder tauschen möchten.
„wie“. Und wenn diese „Wies“ nicht mehr da sind, müssen wir uns
plötzlich in etwas Neues hineinbegeben, was uns total verunsichert. Haben Sie noch Fragen?
Dadurch entsteht Schwarz-Weiß-Denken. Corona ist etwas, für Dann wenden Sie sich an uns.
das wir als Menschen bisher keine Lösung haben. Durch die län-
gere Zeit der Krise passiert es jetzt, dass einige erleben, dass die Kri- Tel.: 05064 | 905-0
se sie sehr bedroht und andere sie so erleben, dass sie sagen, die www.zah-hildesheim.de
Krise ist gar nicht präsent. Aber beide Seiten blenden im Prinzip
aus, um was es eigentlich geht: Sich nämlich mit einem Phäno-
men zu beschäftigen, für das wir derzeit noch keine Lösung haben.
Beobachten Sie dieses Phänomen auch derzeit im Alltag?
Wenn wir die Möglichkeit haben, zu reflektieren, weil die Krise uns
nicht völlig vereinnahmt, dann erleben wir selbstverständlich, dass Leute,
beispielsweise bei den Corona-Demonstrationen, sagen: „Die sind doch
alle blöd mit den Masken, Masken tragen bringt nichts! Wie viele haben
denn Corona? Die Grippewelle ist schlimmer!“ – Solche Geschichten,
die im Prinzip alle irgendwo einen kleinen wahren Kern haben. Aber
was geschieht in diesen Auseinandersetzungen, ist, dass die Grundlagen,
STYLISCH
von denen wir ausgehen, verschieden sind. Das heißt, wenn ich davon
ausgehe, dass Corona etwas Neues ist und wir noch keine genaue Lösung DURCH
haben, denke ich anders, als wenn ich sage, Corona sei so etwas wie eine
durchschnittliche Grippewelle. Dann habe ich es im Griff. Aber da der
Mensch, bevor er völlig nervös wird, erst einmal nach einfachen Lösun-
DEN
gen sucht, ist es einfacher, einen Weg zu gehen, der klare Antworten gibt.
Wie kann man diesen Verschwörungstheorien entgegenwirken?
HERBST!
Durch diese Angst durch die Krise entsteht eine Verengung des Hori-
zonts. Das heißt, wir müssen sehen, dass wir die Ursache und Wirkung
für den Menschen wieder zusammenzubringen. Aber das ist eine Auf-
gabe, die ungeheuer schwer ist. Menschen brauchen, um zufrieden leben
zu können, weitestgehend Zusammenführung von Ursachen und Wir-
kung. Und wir haben im Moment eine Ökonomie, einen Geldverkehr,
eine klimatische Krise, bei denen wir überhaupt nichts mehr zusammen-
kriegen. Deshalb brauchen wir Verschwörungstheorien.
Kann man den Zusammenhalt in der Gesellschaft wieder stärken?
Wir haben ja erstmal mindestens in den letzten hundert Jahren dazu
beigetragen, dass der Zusammenhalt in der Gesellschaft auseinander-
geht. Damit will ich das Alte nicht heroifizieren, sondern einfach sagen,
Hildesheim
solidarisches Kapital, soziales Kapital ist heute wesentlich weniger da,
beziehungsweise viel zentrierter auf bestimmte Gruppen, mit denen Almsstr. 35
man den Alltag teilt. Und wenn wir eine Änderung haben wollen, wird
es diese wahrscheinlich erst geben, wenn Corona kein Problem mehr
www.eierund.de
ist. Wenn wir etwas gegen Corona haben, dann kann wieder der Hori-
zont bei den meisten Leuten geöffnet werden und wird sich auch öffnen.
Aber das Ganze ist dann nicht unbedingt etwas tiefgreifend Solidari-
sches, sondern wieder diese alte „Habensgesellschaft“. Ich kann wieder
machen, was ich will. Ich kaufe mir meine Freiheit.
PUBLIC 13HILDESHEIM
PUBLIC-SPEZIAL: AUS- UND WEITERBILDUNG PFLEGE
Im Dienst für den Nächsten
Wenn das Leben einen vor Herausforderungen stellt, freut man sich über eine helfende Hand. Gerade
bei temporären oder dauerhaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen ist Hilfe oft unerlässlich. PUBLIC-
Bildungsexpertin Laura Pöschel informiert über Berufsperspektiven im Dienst für den Nächsten.
Gesund in die Zukunft –
Generalistische Ausbildung zur Pflegefachkraft
M
anchmal sind es Krisen, die einen den Stellenwert bestimmter der Beschäftigten im Gesundheitswesen zu verbessern: „Bestehende Reformen
Dinge realisieren lassen: Während der Corona-Pandemie ist es müssen flächendeckend umgesetzt werden. Entscheidend für die Zukunft sind
vor allem dem Engagement der Pflegekräfte zu verdanken, dass die Arbeitsbedingungen. Finanzielle Anreize sind sicherlich nicht irrelevant,
die gesundheitlichen Folgen des Virus eingedämmt werden. Auch weiterhin ist die Verfügbarkeit von Schutzausrüstung flächendeckend sicherzu-
in pandemiefreien Zeiten, in denen R-Werte, Inkubationszeiten stellen. In der Pflege haben wir während der akuten Pandemiephase sehr viel
und AHA-Regel nicht zum Wortschatz der Allgemeinbevölkerung gehören, ver- Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Leider merken wir aber, dass dieses
richten die Bediensteten im Gesundheitsbereich Tag für Tag wichtige Aufgaben Verständnis für die Leistungen einer Pflegefachkraft schon wieder schwindet.
– dann allerdings oftmals unbemerkt vom Großteil der Gesellschaft. Die Coro- Wir würden uns wünschen, dass die Pflege auch weiterhin für ihre Tätigkeiten
na-Pandemie hat auch diesen die gesellschaftliche Bedeutung der Pflegekräfte geschätzt wird.“ Das bestätigt auch Katrin Klaus, Pflegedirektorin am Helios Kli-
erkennen lassen. Seither wird auch in der Politik über viele Möglichkeiten ge- nikum: „Klatschen allein ist einfach zu wenig. Es geht um die Anerkennung des
sprochen, mit denen die Pflege gestärkt werden kann. Mitte September beschloss eigenen Berufsbildes und der verantwortungsvollen Tätigkeit durch Wertschät-
der Bund, drei Milliarden Euro in zung und eine angepasste finanziel-
Krankenhäuser zu investieren, um le Zuwendung. Außerdem sollten
unter anderem die Digitalisierung Politik und Medien dazu beitra-
voranzubringen. Die Notwendig- gen, die Attraktivität des Berufes
keit zu Veränderungen im Pflege- öffentlich darzustellen.“ Bereits
bereich sah die Bundesregierung vor einem Jahr ist im Rahmen der
allerdings auch schon vor über „Konzertierten Aktion Pflege“ eine
drei Jahren, als sie ein Gesetz mit Kampagne mit dem Titel „Mach
der Abkürzung PflBRefG ver- Karriere als Mensch“ gestartet, die
kündete. Mit diesem „Pflegebe- einen Einblick in den vielfältigen
rufereformgesetz“ sollte nach ei- Arbeitsalltag von Pflegefachkräften
genen Angaben die Basis für eine geben soll. Neben organisatorischen
zukunftsfähige Pflegeausbildung Aufgaben wie der Dokumentation
geschaffen werden. Diese ist nicht und Auswertung der pflegerischen
zuletzt auch vor dem Hintergrund Tätigkeiten ist es vor allem die
des demografischen Wandels Arbeit am und mit dem Patienten,
von Bedeutung: Der wachsende die den Beruf so abwechslungs-
Teil immer älter werdender Teile reich macht. Zu dieser zählen die
der Bevölkerung steht einer ver- Unterstützung oder vollständige
gleichsweise geringen Zahl an Übernahme der Körperpflege, die
Menschen im erwerbsfähigen Al- Vor- und Nachsorge von kleinen
ter gegenüber. Eingriffen und Operationen und
Das „Gesetz zur Reform der Pfle- das Aufnahme- und Entlassma-
geberufe“ – so der Name in Lang- nagement. Es geht aber auch um die
form – soll dieser Entwicklung psychische Betreuung der Patienten
Rechnung tragen und Auszubil- und Angehörigen in einer außerge-
denden ein breiteres Fachwissen wöhnlichen Lebenssituation. Gera-
vermitteln. Seit 2020 wird die Sowohl im Helios Klinikum als auch im BK (hier im Bild) lernen PflegeschülerInnen de in der Akutphase der Corona-
generalistische Ausbildung zur auch auf der Schülerstation, die im Rahmen der Ausbildung einmal im Jahr einen Pandemie waren Pflegefachkräfte
Pflegefachkraft angeboten – mit Monat lang von den Auszubildenden geleitet wird für die stationär aufgenommenen
dem Abschluss „Pflegefachfrau“ Erkrankten über Wochen hinweg
bzw. „Pflegefachmann“ kann man die einzigen Kontaktpersonen.
sowohl in der Alten- und Kinder- Börner resümiert: „Der Pflegeberuf
als auch in der Krankenpflege arbeiten. Zuvor mussten für diese Berufe jeweils ist ein Beruf, der körperliche und psychische Belastungen mit sich bringt. He-
eigenständige Ausbildungen absolviert werden. Mit der gesetzlichen Neuerung rausfordernd ist, sich immer wieder kurzfristig auf die Bedürfnisse und Eigen-
durchlaufen die Auszubildenen in den ersten beiden Lehrjahren eine generalis- heiten neuer, fremder Menschen in besonderen Lebenssituationen einzustellen.“
tische Ausbildung in allen drei Bereichen. Im dritten Jahr können sie sich dann Katrin Klaus fügt hinzu: „Herausfordernd sind auch der Schichtdienst sowie die
auf die Bereiche Kinderkrankenpflege oder Altenpflege spezialisieren oder die Arbeit an Wochenenden und Feiertagen. Um eine professionelle Distanz zu wah-
generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau/zum Pflegefachmann fortführen. ren, ist außerdem eine Trennung von Job und Privatleben wichtig.“
Foto: St.-Bernward-Krankenhaus
Die Gesetzesnovelle verfolgt mehrere Ziele. Einrichtungen soll der Anreiz zu Und warum ist es für junge Menschen dennoch attraktiv, sich auf diese Heraus-
fairen Löhnen gegeben werden, da ArbeitnehmerInnen durch die generalistische forderungen einzulassen? „Eine Ausbildung zur Pflegefachkraft stellt eine sinn-
Ausbildung flexibler werden und einfacher den Arbeitsplatz wechseln können. stiftende berufliche Grundlage dar und bietet eine große Vielfalt an Einsatz- und
Zudem führt die generalistische Ausbildung zu einem europaweit anerkannten Spezialisierungsmöglichkeiten – fachlich wie organisatorisch. Die Ausbildung
Abschluss. Außerdem eröffnet sie bessere Aufstiegschancen und es muss kein führt aber auch zu einer persönlichen Weiterentwicklung“, erklären Susann Bör-
Schulgeld mehr gezahlt werden. Mit dem Pflegeberufereformgesetz ist außerdem ner und Katrin Klaus. Sie sind sich einig, dass eine solche Ausbildung auch für
die Einführung eines Pflegestudiums verbunden. Menschen interessant ist, die sich beruflich neu orientieren wollen: „Dafür ist es
Susann Börner, Pflegedirektorin am St. Bernward Krankenhaus, sieht in gesetz- nie zu spät für jemanden, der eine sinnhafte, abwechslungsreiche und erfüllende
lichen Regelungen wie dieser einen wichtigen ersten Schritt, um die Situation Arbeit sucht.“
14 PUBLICHILDESHEIM
Fördern und fordern –
SozialbetreuerIn für Behindertenarbeit und Behindertenbegleitung
B
ehindert ist man nicht, behindert wird
man – wer diese Formulierung auf sich
wirken lässt, wird zu einem Perspektiv-
wechsel angeregt. Von dieser Warte aus
betrachtet, ist es nicht mehr der einzel-
ne Mensch, dem aufgrund seiner Einschränkungen
die Teilhabe in verschiedenen Situationen verwehrt
wird. Es liegt vielmehr an der Gesellschaft, die den
Einzelnen vor unüberwindbare Barrieren stellt und
somit für eine ungleiche Chancenverteilung sorgt.
Eine solche Erfahrung ist für viele Menschen mit
physischen und/oder psychischen Beeinträchtigun-
gen alltäglich, auch wenn das Grundgesetz eigent-
lich etwas anderes zusichert: Artikel 3 besagt, dass
niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt
werden darf. Er wurde bereits 1994 aufgenommen
und hat seither durchaus zur Verbesserung der
Gleichstellung von Menschen mit Behinderung bei-
getragen. Dafür hat auch das Allgemeine Gleichstel-
Foto: SeventyFour/Shutterstock.com
lungsgesetz von 2006 gesorgt, das sie beispielsweise
davor schützt, bei der Suche nach einem Arbeitsplatz
benachteiligt zu werden. Bis zu einer vollständigen
gesellschaftlichen Teilhabe ist allerdings noch ein
Jeder kann an einem Weg zurückzulegen. Das liegt auch daran, dass die
Punkt im Leben in die eingangs beschriebene veränderte Sicht auf Behin-
Lage kommen, auf derung längst noch nicht bei allen gesellschaftlichen
die Hilfe von anderen Akteuren angekommen ist. Allzu oft werden Fä-
angewiesen zu sein higkeiten wie Laufen, Sehen oder Hören als Norm
gesetzt. Menschen werden somit daran gemessen, ob
Ausbildungsstart:
1. April 2021
Zeit für einen Neustart im AMEOS Klinikum Hildesheim mit der
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PUBLIC 15HILDESHEIM
sie laufen, sehen oder hören können – und auf eine ÄrztInnen und TherapeutInnen. Außerdem arbei- trächtigung: Diese möchten weder in jeder Situation
eventuell vorliegende Beeinträchtigung von einer ten sie ressourcenorientiert: In der Sozialen Arbeit auf ihre Einschränkungen hingewiesen werden noch
oder mehrerer dieser Fähigkeiten reduziert. Eine un- werden unter Ressourcen die Mittel verstanden, mit wollen sie, dass ihnen alle Aufgaben abgenommen
gleiche Behandlung oder Diskriminierung sind die denen Aufgaben bewältigt, Bedürfnisse befriedigt, werden. SozialbetreuerInnen für Behindertenarbeit
Folge einer solch reduktionistischen Sichtweise, die Veränderungen eingeleitet oder persönliche Ziele und Behindertenbegleitung fördern und fordern sie
auch als Ableismus bezeichnet wird. und unterstützen sie so bei einer möglichst selbst-
Dabei kann jede und jeder von Behinderung betrof- ständigen Lebensgestaltung. Dazu zählt auch gesell-
fen sein. In Deutschland lebten nach Angaben des schaftliche Teilhabe, die durch die UN-Behinder-
Statistischen Bundesamtes Ende 2019 ungefähr 7,9 tenrechtskonvention zugesichert wird. Diese fordert
Millionen Menschen mit einer Schwerbehinderung, Inklusion und somit die gleichberechtigte Teilnahme
das entspricht einem Anteil von 9,5 % an der Ge- aller Menschen am Leben in der Gesellschaft. In
samtbevölkerung. In etwa neun von zehn Fällen Deutschland trat sie vor etwas mehr als 10 Jahren in
wurde diese Behinderung durch eine Krankheit ver- Kraft, verbunden damit war unter anderem die Ver-
ursacht und trat somit erst im Laufe des Lebens auf. pflichtung zur Schaffung eines inklusiven Schulsys-
Der Anteil an Menschen mit Beeinträchtigung an tems. Auch das Bundesteilhabegesetz, das 2016 ver-
der Gesamtbevölkerung lag laut dem vor vier Jahren abschiedet wurde, soll Menschen mit Behinderung
erschienenen „Zweiten Teilhabebericht der Bundes- im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention
regierung über die Lebenslagen von Menschen mit neue Perspektiven und mehr Selbstbestimmung er-
Beeinträchtigung“ im Jahr 2013 bei 15,8 %. Es ist möglichen. Aktivisten und Organisationen kritisie-
davon auszugehen, dass aufgrund der steigenden ren allerdings, dass die Gesetzesreformen teilweise
Lebenserwartung in den kommenden Jahren immer nicht weit genug gingen. Zwischen formaler und ge-
mehr Menschen auf Unterstützung angewiesen sind. lebter Gesetzgebung können zudem mitunter mehr
SozialbetreuerInnen für Behindertenarbeit und Be- oder weniger große Löcher klaffen. Sozialbetreue-
hindertenbegleitung helfen Menschen jeden Alters rInnen für Behindertenarbeit und Behindertenbe-
und mit allen Formen der Beeinträchtigung dabei, gleitung helfen dabei, diese zu überwinden. Jeder
die kleinen und großen Herausforderungen des kann an einem Punkt im Leben in die Lage kom-
Alltags zu bewältigen. Im Mittelpunkt stehen die SozialbetreuerInnen für Behindertenarbeit und men, auf die Hilfe von anderen angewiesen zu sein
Bereiche Wohnen, Arbeit, Freizeit und Bildung. Sie Behindertenbegleitung helfen Menschen jeden – sei es temporär begrenzt oder dauerhaft. Spätestens
unterstützen bei der Basisversorgung und den Auf- Alters, Alltagsherausforderungen zu meistern dann dürfte man feststellen, dass ungleiche Chancen
gaben des täglichen Lebens und führen außerdem zur gesellschaftlichen Teilhabe nicht nur an der eige-
therapeutische Maßnahmen oder Trainings durch. verfolgt werden. Statt sich nur darauf zu fokussieren, nen Beeinträchtigung liegen: Oftmals sind es auch
Eine ganzheitliche und individuelle Betreuung bil- welche Beeinträchtigungen ein Mensch hat, wird die jeweiligen Gegebenheiten, seien sie nun struktu-
Foto: Imago
det die Grundlage der täglichen Arbeit. Bei dieser der Blick also auf die Fähigkeiten gerichtet, die jeder reller oder baulicher Natur, die einem Steine in den
stehen SozialbetreuerInnen für Behindertenarbeit Mensch mitbringt. Dieser Ansatz deckt sich auch Weg legen. Umso besser ist es dann, wenn mehrere
und Behindertenbegleitung in engem Austausch mit mit den Bedürfnissen von Menschen mit Beein- Hände dabei helfen, diese beiseite zu räumen.
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