SYMPOSIUM 2019 FORSCHENDE BETREIBEN WISSENSCHAFTSKOMMUNIKATION - NAWIK
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UND JETZT DU!
– FORSCHENDE BETREIBEN WISSENSCHAFTSKOMMUNIKATION
Unter dem Motto „Und jetzt Du!“ hatte das Nationale Institut für Wissenschaftskommunikation,
NaWik, am 5. April 2019 zum Symposium nach Karlsruhe geladen. An diesem Tag drehte sich
alles zentral um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich aktiv in die Kommunikation
mit der Öffentlichkeit und mit den Medien einbringen. Sie erörterten Fragen wie:
Wie kann die Wissenschaftskommunikation in den Forschungsalltag integriert werden?
Welche verschiedenen Formen an Austausch mit der Öffentlichkeit und Medien gibt es?
Was läuft gut, was weniger gut?
Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind der Einladung aus ganz Deutschland und
darüber hinaus gefolgt, und sie haben den Tag mit eigenen Beiträgen entweder in Form eines
Kurzvortrags oder in den vielfältigen Diskussionen bereichert.
Dieser Band fasst Wesentliches aus Keynote und Vorträgen zusammen, er gibt kurz und knapp
Einblicke in die Projektvorstellungen in „7 Projekte in 7 Minuten“ und streicht die zentralen
Ergebnisse der reichhaltigen Debatten im World-Café heraus.
Wir danken allen, die dabei waren, für das große Engagement.
Wir freuen uns über die verstärkten Netzwerke. Wir freuen uns über das vielfältige Feedback.
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen – hoffentlich können wir auch vielen weiteren, die wegen
Platzmangels in diesem Jahr nicht dabei sein konnten, beim nächsten Mal eine Teilnahme
ermöglichen.
Viel Spaß bei der Nachlese!
Nationales Institut für Wissenschaftskommunikation (NaWik gGmbH) Beatrice Lugger
Direktorin des NaWik
Wissenschaft ist ein wichtiger Teil unserer Kultur und entscheidet mit über die künftige Entwick-
lung der Gesellschaft. Das NaWik fördert die Verankerung von Wissenschaft in der Gesellschaft.
Dazu vermittelt das Institut Forschenden und Studierenden die Grundlagen verständlicher und guter
Wissenschaftskommunikation mit Nicht-Spezialisten. Das Lehrangebot des NaWik umfasst aktuell
elf Seminartypen mit einem einheitlichen didaktischen Konzept – von Schreib- und Präsentations-
seminaren bis hin zu Visualisierungs-Seminaren. E-Learning-Angebote runden das Spektrum ab. Das
NaWik ist zudem in der Erforschung der Wissenschaftskommunikation aktiv und engagiert sich
für eine laufende Verbesserung der Wissenschaftskommunikation – in Form von Workshops oder
Vorträgen sowie durch die redaktionelle Mitwirkung an der Plattform wissenschaftskommunikation.de.
Das NaWik ist ein gemeinnütziges Institut, 2012 gegründet von der Klaus Tschira Stiftung und dem
Karlsruher Institut für Technologie. Im Anhang finden Sie zudem einen Proposalband zum NaWik-Syposium 2019.
2 3INHALT
ANMELDUNG UND REGISTRIERUNG S. 6
TAGESMODERATION S. 8
Ulrike Brandt-Bohne
BEGRÜSSUNG UND GRUSSWORTE S. 10
Beatrice Lugger, Renate Ries, Klaus Bös
KEYNOTE S. 12
Mai Thi Nguyen-Kim
VORTRAG S. 14
Tobias Maier
7 PROJEKTE IN 7 MINUTEN S. 18
In-Mind Jan Crusius, Oliver Genschow S. 18
Astronomy On Tap Daniel Angerhausen S. 20
Ring A Scientist Kerstin Göpfrich S. 22
Modellansatz Gudrun Thäter S. 24
Fachnetz Flucht Nadine Knab S. 26
Pro-Test Florian Dehmelt, Lars Dittrich S. 28
Realscientist Jens Foell S. 30
WORLD-CAFÉ S. 35
Do's und Don'ts – voneinander lernen S. 35
Anerkennung und Anreize für Wissenschaftskommunikation S. 35
Kommunikation von Forschungsprojekten S. 37
Podcasts in der #wisskomm S. 38
Zielgruppe Schülerinnen und Schüler S. 38
Publikum gewinnen S. 40
Forschende, Medien, Kommunikatoren S. 41
IMPRESSUM S. 43
4 5SYMPOSIUM
TAGESMODERATION
Dr. Ulrike Brandt-
Bohne ist Dozentin
am NaWik und Redak-
teurin der Plattform
Wissenschaftskom-
munikation.de. Die
promovierte Biologin
ist als Moderatorin
und Wissenschafts-
journalistin tätig.
10 11BEGRÜSSUNG „Wir vom Nationalen Institut für Wissenschaftskommunikation wollen mit
dem heutigen Tag eine Plattform schaffen und zwar für Ihre Themen“, mit
diesen Worten eröffnete Beatrice Lugger, Direktorin des Nationalen Ins-
UND GRUSSWORTE tituts für Wissenschaftskommunikation, das NaWik-Symposium 2019 und
lud gleich zu Beginn alle Gäste zu einer aktiven Teilnahme ein.
Warum das NaWik dieses Symposium unter dem Motto „Und jetzt Du!“
auf die Beine gestellt hat, dafür gibt es, so Lugger, mehrere Gründe:
• Es ist die Kernaufgabe des NaWik, Wissenschaftlerinnen und Wis-
senschaftler in ihren kommunikativen Aktivitäten zu stärken. Das
Institut will Forschende unterstützen und motivieren, sodass sie sich
in den Kommunikationsdschungel wagen, dort ihre Nischen und Me-
dien finden und aktiv dabeibleiben.
• Es ist extrem wichtig, dass Forschende ihre Stimmen in dieser multi-
medialen Welt erheben: Als Menschen, die davon berichten, was sie
tun und warum sie sich für ihre Forschung begeistern, können sie
(1) Transparenz schaffen und Vertrauen erzeugen.
Prof. Dr. Klaus Bös
ist Aufsichtsratsvor- • Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich in öffentli-
sitzender des NaWik che Debatten einbringen und sich dort engagieren gab es bislang
und wirkt am Institut zumindest im deutschsprachigen Raum keine größer angelegte Ver-
für Sportwissenschaft
anstaltung für den notwendigen Austausch. Das soll das Symposium
am Karlsruher Institut
für Technologie (KIT). ändern.
Das KIT ist einer der
beiden Gesellschafter Und so freute sich Beatrice Lugger besonders über die 2/3-Mehrheit der
der NaWik gGmbH. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter den Teilnehmenden im
Saal: „Ich weiß ihr Engagement für die Kommunikation sehr zu schätzen
(2) und hoffe, sie nehmen heute Vieles für ihr weiteres Engagement mit.“
Renate Ries ist Leite-
rin der Kommunika- Das NaWik hat zwei Träger: die Klaus Tschira Stiftung in Heidelberg (KTS)
tion der Klaus Tschira und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
Stiftung gGmbH (KTS)
mit Sitz in Heidelberg.
In Vertretung von KTS-Geschäftsführerin Beate Spiegel wünschte Renate
Die KTS ist einer der
beiden Gesellschafter Ries, Leiterin der KTS-Kommunikation, dem Symposium einen guten Ver-
und Hauptförderer lauf. Mit der Veranstaltung habe das NaWik „einen Nerv getroffen“. Die
der NaWik gGmbH. Forschenden würden durch solch ein Treffen ermutigt, denn ihnen wer-
Renate Ries vertritt de damit signalisiert: „Sie sind mit Ihrem Interesse und mit Ihrem Einsatz
die KTS im Aufsichts- nicht allein.“
rat des NaWik.
Der Aufsichtsratsvorsitzende des NaWik, Professor Dr. Klaus Bös, Sport-
(3) wissenschaftler am KIT, hob hervor, dass das NaWik zum Ansehen des
Beatrice Lugger ist KIT beitrage. In Berufsverhandlungen an der Forschungsuniversität KIT
Geschäftsführerin und
sei der Nachweis populärwissenschaftlicher Aktivitäten mittlerweile aus-
Direktorin der NaWik
drücklich erwünscht und ein klarer Pluspunkt. Denn, so Bös: „Das KIT hat
gGmbH. Sie ist Wis-
senschaftsjournalistin, erkannt, wie wichtig es ist, Forschungsergebnisse in die Öffentlichkeit zu
Social Media-Expertin tragen.“
und Chemikerin.
12 13KEYNOTE In einer sehr illustrativen Keynote „Bullshit-Brigade“ verwies die Mo-
deratorin und NaWik-Dozentin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim auf eine aktuelle
Kommunikationskrise, in der die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
BULLSHIT-BRIGADE unverzichtbar in der Kommunikation seien. Worum es dabei laut Ngyuen-
Kim geht: „Wahrhaftigkeit nicht nur in der Forschung zu suchen, sondern
auch in die Öffentlichkeit zu vermitteln.“ Misstrauen sei der Nährboden von
Falschinformationen – „und das Misstrauen wächst.“
Bei der Ursachenforschung macht sie insbesondere fünf Gründe dafür
aus, warum das Misstrauen wächst: Den Informationsüberfluss, der den
Überblick erschwert. Die Suche nach Aufregern statt nach fundierter Infor-
mation, was auch eine Folge des werbefinanzierten kostenfreien Internets
sei. Die Tatsache, dass alle Sender sein können und damit auch selbst er-
nannte Experten. Den Autoritätsverlust gegenüber Institutionen und Per-
sönlichkeiten, der auch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler treffe.
Und schließlich „Algorithmusblasen“, die in der Lage seien, „Schubladen“
bei den Nutzern zu identifizieren und mit Informationen zu bedienen.
Damit stellt sich für Nguyen-Kim die Gegenfrage, wie sich nämlich statt
des zunehmenden Misstrauens wieder mehr Vertrauen schaffen lasse. Beim
NaWik-Symposium machte sie an drei Stichworten fest, wie dies gelingen
kann.
1) Authentizität. Das Bild des Wissenschaftlers sei immer noch
zu stark klischeebehaftet im Sinne einer nicht nahbaren Person.
Aber, so Nguyen-Kim: „Die Menschen sehnen sich nach echten,
wahrhaftigen, anderen Menschen.“
2) Respekt. Anderen Menschen zu vertrauen bedeute auch, ihnen
etwas zuzutrauen. Dazu gehöre, den Menschen zuzutrauen, sich
intensiver auf ein Thema einzulassen. „Die Leute sind verwirrt,
wollen es wirklich wissen,“ so ihre Beobachtung. Konsequenter-
weise bedeute dies: „Wenn ein bestimmtes Thema es braucht,
dass man es 20 Minuten lang erklärt, dann braucht es das eben.“
3) Cool bleiben. „Wissenschaft muss die Instanz sein, die im Chaos
Dr. Mai Thi Nguyen- kühlen Kopf behält.“ So die Absage von Nguyen-Kim an die Idee,
Kim hat sich bereits inmitten der „Erregungsbewirtschaftung“ alle überzeugen zu wol-
während ihrer Doktor-
len. Es lasse sich immer nur ein Teil überzeugen. Wissenschaft
arbeit in Chemie
habe die Freiheit dazu, da sie finanziell unabhängig sei. Die Wis-
für Wissenschafts-
kommunikation auf senschaft sei es auch, die nicht nur Wissen vermitteln solle, son-
der Bühne engagiert. dern eben auch kritisches Denken.
Einem breiteren
Publikum wurde sie Ihr persönliches Engagement in der Wissenschaftskommunikation
mit ihren YouTube- erläuterte die promovierte Chemikerin unter anderem anhand ihrer Kind-
Kanälen „maiLab“
heitserinnerungen und dem damaligen Wunsch, später einmal Schriftstel-
und „The Secret Life
Of Scientists“ bekannt. lerin werden zu wollen. Ganz praktisch begann sie damit während eines
Heute ist sie zudem Forschungsaufenthalts in den USA und während ihrer Doktor-Arbeit, als
Moderatorin der sie zunächst als Hobby einen eigenen YouTube Kanal „maiLab“ ins Netz
TV-Sendung Quarks. brachte. KW
14 15VORTRAG Mit Studien zur Wissenschaftskommunikation von Forschenden befasste
sich Tobias Maier, inhaltlicher Leiter des NaWik. Anhand der Daten verschie-
dener Studien zeigte er, dass die Mehrzahl der Wissenschaftlerinnen und
AUSBLICK IN DIE ZUKUNFT Wissenschaftler der Meinung sei, selbst kommunizieren zu sollen. Dafür
würden drei wichtige Gründe benannt: Die moralische Verpflichtung, der
Gesellschaft in Form von Erkenntnissen etwas zurück zu geben; der aus den
Kommunikationsaktivitäten resultierende persönliche Vorteil – und letztend-
lich auch der Spaß daran.
Die Zahl der Forschenden, die der Auffassung sei, die Kommunikation
über ihre Aktivitäten bringe etwas für die Karriere, liege in Deutschland bei
50 Prozent, international sogar bei 75 Prozent. „Nicht zuletzt steigt durch
die Kommunikation das Verständnis untereinander für das, was der jeweils
andere macht. Und beim Einwerben von Drittmitteln ist dies ebenfalls
von Vorteil“, so Maier. Die Kompetenz zur Kommunikation sei mit dem
sozialen Aspekt des Eingebunden-Seins verbunden, und gerade bei der
Nutzung sozialer Medien komme die Freude an der Selbstbestimmung
hinzu, über das Was, das Wann und das Wie der Kommunikation selbst zu
entscheiden.
Doch verweisen die von Maier vorgestellten Studien auch mögliche
Gründe, die Forschende von Kommunikationsaktivitäten abhalten: man-
gelnde Fortbildung, zu wenig Zeit, Austausch und Anerkennung. Immerhin
30 Prozent fürchten sogar negative Rückmeldungen von Kolleginnen und
Kollegen.
Dr. Tobias Maier ist
Inhaltlicher Leiter und
Dozent am NaWik.
Der promovierte
Biologe hat über zehn
Jahre Forschungs-
erfahrung an inter-
national führenden
Instituten. Seinen Weg
in die Wissenschafts-
kommunikation
fand er über seinen
Wissenschaftsblog
„WeiterGen“.
16 177 PROJEKTE IN 7 MINUTEN
DIESE SEITE BIETET KEINE
1. IN–MIND
PSYCHOTRICKS FÜR DEN
HAUSGEBRAUCH, SONDERN
WISSENSCHAFTLICHE
INHALTE DER AKTUELLEN
PSYCHOLOGISCHEN
FORSCHUNG.
→ Auf dem Symposium wurden sie- Dass ganz viele Menschen nach psychologischen Themen
ben Projekte vorgestellt. Eine Über- suchen, ist die Erfahrung von Jan Crusius und Oliver Gen-
sicht aller für dieses Symposium schow. Deshalb betreiben die beiden Sozialpsychologen des
eingereichten Proposals finden Sie
Social Cognition Center Cologne gemeinsam mit vielen Mit-
am Ende des Heftes. Mehr Informa-
tionen zum Projekt In-Mind können streiterinnen und Mitstreitern im Internet das Onlinemaga-
im angehängten Proposalband auf zin In-Mind. Rund 50.000 Seitenaufrufe pro Monat bestätigen
S. 8 eingesehen werden. die rege Nachfrage. Und so hat In-Mind in den vergangenen
Jahren zu einem tragfähigen wie erfolgreichen Konzept ge-
funden, damit Psychologinnen und Psychologen ohne jeden
Umweg über ihre Arbeit kommunizieren können. KW
(1) (2)
Dr. Jan Crusius lehrt als Sozialpsy- Dr. Oliver Genschow ist Juniorpro-
chologe im Department Psycholo- fessor an der Universität zu Köln.
gie der Universität zu Köln. In seiner Er erforscht unter anderem, wie
Forschung untersucht er soziale Bewegungen anderer unser Den-
Vergleiche. Beim In-Mind Magazin ken und Verhalten beeinflussen.
ist er als Herausgeber tätig und Bei In-Mind ist er Herausgeber und
gibt Workshops für psychologische Blog-Autor. Zudem koordiniert er
Wissenschaftler*innen zur Kommu- die Zusammenarbeit mit der inter-
nikation mit der Öffentlichkeit. nationalen In-Mind-Ausgabe.
20 217 PROJEKTE IN 7 MINUTEN
„IMMER ETWAS ZUM
2. ASTRONOMY ON TAP
ANFASSEN DABEI“
– SEIEN ES AUFKLEBER,
GLÄSER ODER EIN
GEHEIMNISVOLLES
HOLZKÄSTCHEN MIT
EINEM ASTRONOMISCHEN
INSTRUMENT
→ Mehr Informationen zum Projekt Astronomy on Tap – Astronomie aus dem Zapfhahn. Um an
können im angehängten Proposal- einem ganz alltäglichen Ort wie einem Bistro ein komplexes
band auf S. 4 eingesehen werden. Thema wie die Astronomie zu vermitteln, hat Daniel Anger-
hausen dieses Konzept aus den USA in die Schweiz und damit
in den deutschsprachigen Raum importiert. Der Astrophysi-
ker an der Universität Bern setzt dabei auf eine Mischung aus
Vorträgen, Publikumsfragen und Quiz. Immer mit Gepäck
sind Requisiten, die die Welt der Astronomie in irgendeiner
Weise anfassbar machen. Und seien es Sticker für diejeni-
gen, die sich rege an der Diskussion beteiligen. KW
Dr. Daniel Angerhausen ist
Astrophysiker an der Uni Bern.
Neben seiner Forschung –
der Suche nach Leben im All –
ist er sehr engagiert in der
Wissenschaftskommunikation.
„Infiziert“ durch sein erstes Astro-
nomy on Tap als NASA Fellow in
den USA ist er außerdem Famelab
Finalist, internationaler Slammer,
Gründer des SciComm non-profits
„explainables.org“ und Host von
AoT Bern.
22 237 PROJEKTE IN 7 MINUTEN
DIGITALE KLASSENFAHRTEN
3. RING A SCIENTIST
FÜHREN PER SKYPE ZU
FORSCHENDEN.
SO KOMMT DAS LABOR
INS KLASSENZIMMER
→ Mehr Informationen zum Projekt Die reizvolle Erfahrung, die medizinische Forschung in
können im angehängten Proposal- Schulklassen vorzustellen, kennt Kerstin Göpfrich aus ihrer
band auf S. 20 eingesehen werden. Promotionszeit, die sie in England verbrachte. Die Idee, dass
Forschende sozusagen auf Bestellung durch die Lehrerin-
nen und Lehrer in Schulen gehen, nahm sie mit zurück an
das Max-Planck-Institut für medizinische Forschung in Stutt-
gart. Weil die persönlichen Besuche die Möglichkeiten von
„Ring a Scientist“ auf eine (zu) harte Probe stellten, funk-
tioniert dieser Service inzwischen besonders gut per Skype.
Das spart Zeit und Geld. Mehr als 50 Forschende bieten dort
inzwischen Videokonferenzen in neun Sprachen an. KW
Dr. Kerstin Göpfrich hat das Projekt
Ring-a-Scientist gemeinsam mit
Karl Gödel initiiert und umgesetzt.
Sie ist Post-Doc am Max-Planck-In-
stitut für medizinische Forschung.
Mit Ring-a-Scientist möchte sie
Schülerinnen und Schüler über das
lokale Umfeld hinaus für Natur-
wissenschaften begeistern und
gleichzeitig Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftlern die Kommu-
nikation erleichtern.
24 257 PROJEKTE IN 7 MINUTEN
MATHEMATIK MIT KOPF
4. MODELLANSATZ
UND HERZ: 200 PODCAST-
EPISODEN SEIT 2013
– BIS JETZT!
→ Mehr Informationen zum Projekt Immer kürzer, immer kompakter, immer schneller. Dieser
können im angehängten Proposal- Trend führt nach Überzeugung von Gudrun Thäter, Privat-
band auf S. 17 eingesehen werden. dozentin am KIT Institute for Applied and Numerical Mathe-
matics, zu einem Glaubwürdigkeitsverlust von Wissenschaft.
Mit einer Podcast-Serie setzt sie bewusst einen Kontrapunkt:
In den Audiobeiträgen von „Modellansatz“ können Wissen-
schaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Arbeit in einen
breiteren Kontext stellen, der auch ihre Begeisterung für
ihr Fach spürbar und ihren beruflichen Lebensweg nach-
vollziehbar werden lässt. Inzwischen sind 200 Episoden zu-
sammengekommen, die ein beeindruckendes Wissensarchiv
darstellen. KW
Nach Stationen in Weimar, Dres-
den, Paderborn, Bonn, Hannover,
Dortmund und Heidelberg forscht
und lehrt PD Dr. Gudrun Thäter
seit 2009 an der KIT-Fakultät für
Mathematik. Ihr zentrales Thema
sind Strömungen und Modelle.
Damit baut sie Brücken von der
Mathematik in die Welt. Mit ihrem
Engagement in der Wissenschafts-
kommunikation möchte sie
insbesondere junge Frauen für
ihr Fach begeistern.
26 277 PROJEKTE IN 7 MINUTEN
FUNDIERTES WISSEN
5. FACHNETZ FLUCHT
ZUM THEMA FLUCHT
UND INTEGRATION MIT
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN
FÜR PROFIS UND
EHRENAMTLICHE
→ Mehr Informationen zum Projekt Im Jahr 2015 stiegen die Flüchtlingszahlen in Deutschland
können im angehängten Proposal- stark an, und so schlug seinerzeit auch die Geburtsstunde für
band auf S. 28 eingesehen werden. das „Fachnetz Flucht“. Ein Team um die Psychologin Nadine
Knab von der Universität Koblenz-Landau setzt sich seither
zum Ziel, neben der Politik und der Zivilgesellschaft auch
die Wissenschaft ins Spiel zu bringen. Dazu behandelt die
Onlineplattform Praxisfragen, die sich professionellen und
ehrenamtlichen Kräften bei deren Arbeit mit Flüchtlingen
stellen. Expertinnen und Experten geben darauf Antwort in
Form von alltagstauglichen Handlungsempfehlungen. Mit-
transportiert werden dabei die wissenschaftlichen Erkennt-
nisse, auf denen diese Tipps beruhen. KW
Nadine Knab ist wissenschaftliche
Mitarbeiterin und Doktorandin an
der Universität Koblenz-Landau
am Fachbereich Psychologie. Sie
forscht zu Themen der Politschen
Psychologie und Sozialpsycho-
logie. Daneben ist sie stellvertre-
tende Vorsitzende des Forums für
Friedenspsychologie e.V. und seit
Oktober 2016 Teil des Editorial-
Teams des Fachnetzwerks für
Flucht und Integration, bei dem sie
bis Mitte 2018 Chief-Editorin war.
28 297 PROJEKTE IN 7 MINUTEN
KONTROVERSES IMMER
6. PRO TEST
WIEDER THEMATISIEREN:
„WIR WOLLEN DIE GANZ
VIELEN, GANZ KLEINEN
AUFTRITTE.“
→ Mehr Informationen zum Projekt Wenn der Neurowissenschaftler Florian Alexander Dehmelt
können im angehängten Proposal- gezielt die Öffentlichkeit sucht, um über Tierversuche zu spre-
band auf S. 3 eingesehen werden. chen, dann stößt er häufig auf „Verwunderung, Ekel, Hass“.
Diese Reaktion ist Vertreterinnen und Vertretern von Pro-Test
Deutschland sehr vertraut – und erstaunt sie keineswegs. Ge-
nau deswegen sucht Pro-Test ja den respektvollen Austausch
über die Notwendigkeit von Tierversuchen. Die Palette vieler
Auftritte in überschaubarem Rahmen ist groß und umfasst un-
ter anderem Online-Postings, Straßenaktionen, Schulbesuche
oder klassische Medienarbeit. Gemeinsam mit dem Bonner
Schlafforscher und Wissenschaftsredakteur Lars Dittrich stellte
Dehmelt den Verein vor. KW
(1) (2)
Dr. Lars Dittrich machte als Schlaf- Dr. Florian Dehmelt ist Physiker
forscher Tierversuche. Eines Tages und Biologe, forscht als Neuro-
schrieb er einen einfachen Artikel wissenschaftler an der Uniklinik
darüber. Und wusste noch nicht Tübingen und lehrt dort Mathema-
mal, wo man so was überhaupt ver- tik. In seiner Freizeit unterstützt
öffentlichen kann. Er stieß jedoch er als Gründungsvorsitzender von
auf Pro-Test, fand dort Hilfe – und Pro-Test seit 2015 auch andere Eh-
arbeitet heute sogar beruflich in renamtliche beim Kommunizieren
der Wissenschaftskommunikation. ihrer persönlichen Perspektiven.
30 317 PROJEKTE IN 7 MINUTEN
JE EINE WOCHE TWITTER-
7. REALSCIENTIST
GEWITTER DER REAL
SCIENTISTS BEGEISTERT
EINE GEWACHSENE UND
NEUGIERIGE COMMUNITY.
→ Mehr Informationen zum Projekt „Real Scientists“ setzt auf seine Kuratorinnen und Kuratoren.
können im angehängten Proposal- Unter diesen Begriff fallen Forschende, die jeweils eine Woche
band auf S. 12 eingesehen werden. lang sehr persönlich und damit höchst authentisch über ihre
Tätigkeit twittern. Fast 6.000 Follower der deutschsprachigen
Version des Accounts @realscientist-DE wissen seit 2017 die
knackig-kurzen Botschaften und die enorme Bandbreite der
Themen zu schätzen. Wie schnell sich diese Botschaften ver-
breiten, illustrierte er an einem interessanten Fundstück, auf
das Archäologen gestoßen waren. Kaum hatten sie es ge-
borgen, da konnten sie es auch schon weltweit online prä-
sentieren. Jens Foell, Neuropsychologe an der Florida State
University, zeigt sich überzeugt: „Eine direktere Form der Wis-
senschaftskommunikation ist nicht möglich.“ KW
Dr. Jens Foell forscht an der
Florida State University. Seit
2016 ist er als Co-Moderator des
@realscientists-Originalaccounts
tätig. 2017 startete er mit der
realscientists-Gründerin Upulie
Divisekera die deutschsprachige
Variante @realsci_DE und leitet
den Account seither haupt-
verantwortlich.
32 3334 35
WORLD-CAFÉ 1. DOS UND DON’TS – VONEINANDER LERNEN können. Wann immer möglich, sollte das Gesagte
bebildert werden. Dabei darf die rechtliche Situ-
Durch Learning by doing können bekanntlich am ation nicht außer Acht gelassen werden. Sprich:
– UND JETZT IHR! besten Erfahrungen gesammelt werden. Kommt
nun das geballte Wissen anderer hinzu, so ist
Man muss sich darüber im Klaren sein, wer die
Rechte an den Bildern hat und bei deren Nutzung
die Chance noch größer, den eigenen Kommuni- die Urheberrechte auch benennen.
kationsansatz gut umzusetzen. In der „Dos and
Don´ts“ World Café Runde beschrieben Forschen- Die Kommunikation profitiert besonders von der
de wie auch Kommunikatorinnen und Kommuni- Beteiligung bereits erfahrener Doktoranden und
katoren, was bei ihren Projekten gut lief und was Postdocs. Für jüngere Semester sollte allerdings
eher in die Rubrik „heiter gescheitert“ fiel. – bei Bedarf – etwas mehr Unterstützung angebo-
ten werden.
Richtig gute Erfahrungen haben die Diskutanten
mit Mentoring oder Fortbildungen im Bereich Das Fazit der Runde ist eine eindeutige Empfeh-
Wissenschaftskommunikation gemacht. Sind Wis- lung: Ausprobieren, voneinander lernen und sich
senschaftlerinnen und Wissenschaftler schlecht nicht entmutigen lassen. UBB
beraten oder haben sie Angst vor Widerspruch,
dann hemmt sie das in ihrer Kommunikation. Der
gemeinsame Konsens bei der Diskussion war da- 2. ANERKENNUNG UND ANREIZE FÜR
her, dass die geplanten Aktivitäten im Vorfeld WISSENSCHAFTSKOMMUNIKATION
gut durchdacht werden sollten – einschließlich
der Überlegung, wie sie sich reibungslos in den Werden Forscherinnen und Forscher, die mit der
Arbeitsalltag integrieren lassen. Sind die Ziele zu Öffentlichkeit und den Medien kommunizieren,
vielfältig und zu ambitioniert, verzettelt man sich, die dafür Zeit investieren und die sich online wie
und am Ende ist die Enttäuschung groß. offline Dialogen stellen, von Forschungsinstituti-
onen und Hochschulen besonders geschätzt und
Als Tipp für Neulinge wurde dazu motiviert, offen damit auch gefördert? Wie ist die aktuelle Lage
für Hilfe und Unterstützung zu sein. Ansprech- und was wünschen sich die beim Symposium an-
partner finden sich in der Pressestelle der eigenen wesenden Forschenden?
Institution, ebenso wie bei Organisatoren von Ak-
tionen wie der langen Nacht der Wissenschaft und Zu Beginn der Diskussion zeigten sich parallel
anderen Formaten. Aktiv sollten die Forschenden unterschiedliche positive wie negative Eindrücke
sein und sich gerne etwas trauen. Manchmal ist zur gegenwärtigen Situation. Positiv seien etwa
es hilfreich sich dafür aus der eigenen Komfort- eigene Erfahrungen der Forschenden im Sinne
zone heraus zu begeben, um Neues erfahren zu von Lerneffekten, die ihnen auch eine bessere
können. Denn dabei treten die eigenen Stärken allgemeine Kommunikation ermöglichten. Oder
zutage, und es zeigt sich am deutlichsten, was sie freuen sich über intensive Dialoge mit der Er-
einem liegt oder welches Format zu einem passt. fahrung, „dass sich jemand für meine Arbeit inte-
Je wohler man sich in seiner Haut fühlt, desto au- ressiert“. Doch auch im Umfeld gebe es durchaus
thentischer und damit überzeugender gelingt die hie und da Anerkennung und vereinzelt spezielle
Kommunikation. Für diejenigen die sich auf die Preise für Wissenschaftskommunikation. Bei Neu-
Bühne trauen, könnte beispielsweise ein Science berufungen sei Kommunikation immerhin gefragt,
Slam das Richtige sein. Hier werden nach Ein- aber eher noch ein Faktor der „nice to have“ sei –
schätzung der World Café Teilnehmerinnen und und nicht wirklich gewichtet werde. Ebenfalls po-
Teilnehmer immer Mitwirkende gesucht werden. sitiv vermerkt wurden die vielen „Sonntagsreden“
von Führungspersonen, in denen diese die wich-
Neben der Authentizität ist ein „Must do“, das tige Kommunikationsaufgabe von Forschenden
eigene Thema klar und verständlich darstellen zu immer wieder betonten. Auch wenn der Begriff
36 37Sonntagsrede eigentlich eher negativ konnotiert munikation auch in Forschungsprojekten. Und (Broschüren, Projektwebseite, Twitter-Konto, Vi-
ist, so sei es doch immerhin ein Zeichen: „Es tut wenn diese dort gefördert werde, müsse ein ge- deos) erscheint deshalb am erfolgversprechends-
sich etwas!“. zielter Plan dahinterstehen „und nicht nur mal ein ten.
Ersatz für ein Konferenzticket“. BL
„Lass’ den Scheiß“ – ein gut gemeinter Kollegen- FÖRDERPHASE
rat – das ist wohl die heftigste Aussage auf der Verschiedene konkrete Herausforderungen wur-
negativen Bilanzskala. Hinter ihr verbirgt sich, 3. KOMMUNIKATION VON FORSCHUNGSPROJEKTEN den identifiziert, die während der Förderphase
dass Kommunikation Zeit kostet. Zeit, die für For- des Projekts auftreten:
schung fehlt und letztlich auch für die harte Wis- Große Forschungsprojekte sind häufig internatio-
senschaftswährung, die Publikationen. „Gut, dass nale Kooperationen von Forschungsgruppen an • Es wird unterschätzt, dass neben dem
Du Kommunikation machst, Forschung scheint ja unterschiedlichen Institutionen oder Unterneh- Erstellen von Inhalten auch deren Ver-
eh nicht so Dein Ding zu sein…“, zitierte ein weite- men. Im Allgemeinen laufen diese Projekte für breitung Teil der Kommunikation ist.
rer Teilnehmer einen Forscherkollegen. Ein Grund eine begrenzte Zeitdauer, typischerweise meh- • Fehlende Zeit für Kommunikation, da
für diese Negativbewertung könne sein, dass rere Jahre. Sie haben häufig explizit die Aufgabe, Forschung höher priorisiert wird.
Kommunikation für die Karriere nicht relevant sei. ihre Ergebnisse Zielgruppen jenseits der Fach- • Fehlende Anerkennung der Kommunika-
Zumindest sei dies, da waren sich die Diskutanten community zugänglich zu machen. Diese Art der tionsmaßnahmen.
einig, bis heute weitgehend gelebte Realität. So Projektkommunikation wird häufig von Forschen- • Statische Projektwebseiten behindern
hätten Aktivitäten in der Wissenschaftskommuni- den unterstützt oder ganz übernommen. Von der den Dialog mit Zielgruppen.
kation bei der Bewertung von Lebensläufen eine Planung der Kommunikationsstrategie bis zur • Die Sichtbarkeit der Kommunikations-
nach wie vor sehr niedrige Priorität. Dies gelte Nachhaltigkeit der Kommunikation nach Projekt- maßnahmen steht hinter den Erwartun-
auch bei Forschungsanträgen. ende ergeben sich eine Reihe von Problemen und gen zurück.
Herausforderungen. • Berücksichtigung des Schutzes
Das kann und muss sich ändern, so die Forde- geistigen Eigentums bei der
rung. Bei der späteren Vorstellung der Ergebnisse In der World-Café-Session zur Kommunikation Kommunikation, insbesondere wenn
kommt hierzu aus dem Publikum der Vorschlag, von Forschungsprojekten identifizierten und ana- Partner aus der Industrie dabei sind.
doch einen K-Index (vergleichbar der Wissen- lysierten die Teilnehmenden viele dieser Heraus- • Mangelnde Vorbereitung auf Krisenkom-
schaftswährung h-Index) einzuführen. Eine Wäh- forderungen. Weiter wurden Wünsche geäußert, munikation.
rung für Kommunikationsaktivitäten. Doch so wie sich die Kommunikation von Forschungs- • Kommunikation von negativen Ergeb-
leicht geht das nicht, wie die intensive Diskussion projekten in Zukunft sinnvoll weiter entwickeln nissen.
der wechselnden Gruppen während des World- könnte. • Fehlende Klärung der Kommunikations-
Cafés gezeigt hat. Denn wie lässt sich gelegent- autorität zwischen Projektpartnern und
liches Twittern mit Bloggen oder Auftritten beim PLANUNGSPHASE mit den Kommunikationsabteilungen der
Science Slam vergleichen und bewerten? Es gelte Häufig ist innerhalb des Kreises der Projektpartner Partnerinstitute.
eher „Lebenslauf taugliche Einheiten für Formen nur begrenztes Know-how vorhanden, wie die Pro- • Wahrnehmung von Kommunikationsauf-
der Wissenschaftskommunikation“ zu definieren, jektideen, der Forschungsprozess und die Ergeb- gaben als notwendiges Übel.
war man sich einig. nisse kommuniziert werden sollen. Kommunika-
tionsziele werden nicht klar definiert. Zielgruppen Einige konkrete Ansätze wurden außerdem prä-
Allgemein wurde der Wunsch nach einem kul- werden nicht oder nur unvollständig identifiziert. sentiert, die sich bewährt haben:
turellen Wandel deutlich. Zu den Erwartungen Der Ressourcenbedarf für die geplanten Maßnah-
an „die gute Forscherin“ sollten unbedingt auch men wird nur unzureichend abgeschätzt. • Projektvorstellung in der Patientenuni
Kommunikation und Kooperation gehören – und um Probanden zu rekrutieren
nicht Konkurrenz-Denken. Wissenschaft müsse Zudem sei bei der Evaluation der Kommunikati- • Projekt direkt bei passenden Verbänden
grundsätzlich als Teil der Gesellschaft im en- onsstrategien in den Anträgen bei den jeweiligen und Vereinen präsentieren
gen Austausch mit dieser stehen. Deshalb müsse Projektträgern ebenfalls ein Mangel an Know- • Forschungsinhalte zielgruppengerecht
Wissenschaftskommunikation Top-Down stärker how vorhanden, so dass innovative und mögli- aufbereiten (Beispiel: Grammatik-Übun-
gefördert werden. Etwa durch mehr Trainingsan- cherweise zielgerichtete Ideen nicht als solche gen in Linguistik-Projekt)
gebote für Wissenschaftskommunikation vor Ort, erkannt werden. Eine Strategie, die dem Status • Sich an Veranstaltungen von anderen
durch generell mehr Geld für Wissenschaftskom- Quo der Kommunikationsmaßnahmen entspricht beteiligen (Beispiele: Museumswoche,
38 39bekannte Webseiten und Social Media fm, bei denen es speziell um den Bereich Bildung zu Social-Media-Formaten. Diese Vielfalt bietet
Kanäle) geht. Die Teilnehmenden, die selber Podcasts be- einerseits viele Möglichkeiten, da auf umfangrei-
• Gedruckte Broschüren und Flyer sind treiben, berichteten von durchgängig positiven che Erfahrungen zurückgegriffen werden kann.
bewährte Mittel Erfahrungen mit ihren Hörerinnen und Hörern Andererseits kann es aber auch eine Herausfor-
• Artikel in populärwissenschaftlichen beziehungsweise mit ihren Zuschauerinnen und derung sein, den Überblick zu behalten und die
Magazinen platzieren Zuschauern. Wer als Wissenschaftlerin oder Wis- Formen richtig einzusetzen.
• Analyse der Wirkung anhand von Absatz- senschaftler selbst zum Mikrofon oder zur Kame-
zahlen von Printprodukten, Klickzahlen ra greift, den erwartet nicht nur eine enthusiasti- Eine große Chance liegt darin, dass Schülerinnen
und Erwähnungen in der Presse. sche und konstruktive Nutzergemeinde, sondern und Schüler oft ein neugieriges und offenes Pu-
zudem das Feedback von Fachkolleginnen und blikum sind. Etliche Erfahrungsberichte zeigen,
NACH ABSCHLUSS DES PROJEKTS Fachkollegen. dass bei einem unvoreingenommenen Ansatz
Mehrfach wurde eine mangelnde Nachhaltig- auch tiefergehende Diskussionen möglich sind.
keit von Kommunikationsmaßnahmen beklagt. Die Podcastproduktion erfordert – da war man sich Dabei ist es zentral, die Themen interessant und
Nach Projektende würde im besten Fall einfach einig – viel Vorbereitung. Ein Zeit- oder Redaktions- nicht langweilig zu präsentieren, das richtige
nicht weiter kommuniziert, im Regelfall würden plan ist hilfreich und ein gutes Mikrofon eine sinn- Maß an didaktischer Reduktion zu finden und
irgendwann die Inhalte vom Netz genommen und volle Investition. Auch wer technisch nicht intensiv sich zu überlegen, wie sich auch Teilnehmende
die Domain gekündigt. Eine Möglichkeit, diesem eintauchen will, kann Podcasts produzieren und mit weniger Vorwissen einbinden lassen. Manch-
Problem zu begegnen wäre, ein übergeordnetes anbieten, entsprechende Software und Tutorien mal kann eine Hürde sein, einen ersten Kontakt
Netzwerk aufzubauen, um die vorhandene Pro- gibt es zur Genüge, beispielsweise bei YouTube. zu knüpfen und einen persönlichen Zugang zu
jektkommunikation langfristig zu erhalten. Bei der Frage Audio oder Video sahen die Teilneh- finden. Hier sind kommunizierende Wissenschaft-
menden zwei Fragen als entscheidungsrelevant lerinnen und Wissenschaftler ideal geeignet, mit
Neben der Nachhaltigkeit der Projektkommuni- an: Erfordert das Thema des Podcast regelmäßig ihrer Persönlichkeit ein Thema zugänglich zu
kation wurden zwei weitere Themen als beson- Visualisierungen? Ist die Zeit verfügbar, die für machen und eventuell auch als Rollenvorbilder
ders relevant für die Zukunft identifiziert: Zum die deutlich aufwändigeren Video-Produktionen zu wirken.
einen das Verständnis der Kommunikation als benötigt wird? Lassen sich beide Fragen mit „ja“
Dialog mit spezifischen Zielgruppen. Zum anderen beantworten, spricht dies für den Einsatz von Be- Bei der Gestaltung von Angeboten ist es nach
die Notwendigkeit, die Forschenden selbst sicht- wegtbild. Auffassung der Teilnehmenden dieser World-
bar zu machen, beispielsweise über das Science Café-Gruppe wichtig, nach den verschiedenen
Media Center, und sie mit in die Projektkommuni- Um auch in Zukunft als Podcasterin oder Podcas- Schularten zu differenzieren. Bisherige Angebo-
kation einzubeziehen. TM ter selbst über die Nutzung der eigenen Audios te sind häufig auf Gymnasien ausgerichtet, doch
und Videos entscheiden zu können, sollte von An- sollten die anderen Schulformen nicht vergessen
fang an geklärt sein, unter welcher Lizenz die Pro- werden. Weiterhin ist eine Differenzierung nach
4. PODCASTS IN DER #WISSKOMM duktionen im Internet angeboten werden. Denn, Altersgruppen wichtig, und zwar sowohl vor dem
so der Tenor der Teilnehmenden, die zunehmen- Hintergrund unterschiedlicher Vorkenntnisse als
Regelmäßige Audio- und Video-Episoden überall de Kommerzialisierung von Podcast-Plattformen auch wegen jeweils unterschiedlicher Motivation
und zu jeder Zeit – Podcasts erleben seit wenigen stellt dieses Format vor eine der wichtigsten He- und Interessenlage.
Jahren einen neuen Boom, auch in Deutschland. rausforderungen für die Zukunft. PN
An einem Teil des World-Cafés standen daher Gerade bei digitalen Formaten muss das Medien-
Podcasts in der Wissenschaftskommunikation im nutzungsverhalten der jüngeren Generationen im
Fokus. Was zeichnet sie aus? Was ist bei der Pro- 5. ZIELGRUPPE SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER Blick behalten werden. Insbesondere im schnell-
duktion inhaltlich und technisch zu beachten, und lebigen Social-Media-Bereich sind manche Platt-
wohin geht die Reise in Zukunft? Mit den Produ- Eine Vielzahl an Formen der Wissenschaftskom- formen wie beispielsweise Facebook bei Kindern
zenten des Mathe-Podcasts „Modellansatz“ und munikation ist spezifisch auf Schüler ausgerichtet: und Jugendlichen schon nicht mehr relevant,
des Video-Podcasts „David der Doktorand“ waren Von Kinder-Universitäten über Schülerinnen- und während manche Wissenschaftseinrichtung dort
auch aktive Podcaster unter den Teilnehmenden. Schüler-Labore bis hin zu Vermittlungsange- gerade erst nach reiflicher Überlegung die erste
Einen Weg durch den Dschungel der vielen Pod- boten wie die „Forschungsbörse“ oder „Ring a Seite erstellt hat.
castangebote im Internet ebnen Portale wie Scientist“. Auch im digitalen Raum gibt es viele
wissenschaftspodcasts.de, fyyd.de oder edufunk. Angebote, von Websites und Apps über Videos bis Eine wichtige Frage ist, ob ein Format über die
40 41Schule angeboten wird, oder als Freizeitaktivität. Kommentare eingehen, sprich: Community Ma- te da ist und es sich nicht um die ersten Beiträge
Bei der Ansprache über Schulen kann die Einbin- nagement. handelt. Konstanz und Regelmäßigkeit zu wahren,
dung in den Schulalltag beziehungsweise in den trägt dazu bei, nicht in Vergessenheit zu geraten.
Stundenplan eine Herausforderung sein, die früh- Zum Zweiten: Wen will ich erreichen? Und, eng Dazu bieten einige Plattformen die Möglichkeit,
zeitige Absprachen erfordert. In jedem Fall sind damit verzahnt, zum dritten: Auf welchem Wege Beiträge vorzuproduzieren und automatisch zu
engagierte Lehrerinnen und Lehrer der wichtigste kann ich das tun? Mit Podcasts erreicht man ein veröffentlichen. Andererseits sollte dies keines-
Zugangspunkt, auch wenn diese meist ohnehin anderes Publikum als mit Blogs oder Videos. Es falls in Spam ausarten und auf diese Weise Nutze-
schon viel mit und für ihre Schülerinnen und Schü- empfiehlt sich zudem, mehrere Plattformen zu rinnen und Nutzerinnen vergraulen.
ler machen und daher andere Gruppen mehr von nutzen, und beispielsweise den Blogbeitrag auch
zusätzlichen Angeboten profitieren könnten. auf Facebook zu teilen. Dabei sollten aber stets Insgesamt gilt also: Nachhaltig denken, dann soll-
die Charakteristika der Plattformen im Auge be- te das Publikum wachsen und gedeihen! TS
Als Fazit kann festgehalten werden, dass Wissen- halten werden: Wird eher mit Bildern (Instagram)
schaftskommunikation mit und für Schülerinnen oder Texten (Facebook) gearbeitet? Wie häufig
und Schüler dazu beitragen kann, Talente und muss ich etwas veröffentlichen, um nicht im Algo- 7. FORSCHENDE, MEDIEN, KOMMUNIKATOREN
Interessen frühzeitig zu erkennen und zu fördern. rithmus unterzugehen? Eine gute Faustregel da-
So lassen sich Kinder für Wissenschaft begeistern. für: Nur Plattformen aktiv bespielen, die man auch Welche Wünsche haben Forschende eigentlich
Aber genauso kann sie das wissenschaftlich-kri- selbst passiv nutzt! Dann ist man ausreichend mit an die Medien? An diesem Teil des World-Cafés
tische Denken anregen, um wissenschaftliche ihren Funktionen und Eigenarten vertraut, um setzten die Teilnehmenden die Suche der Medien
Prozesse und Vorgehensweisen zu verstehen und einen Nutzen aus ihnen ziehen zu können. nach einem möglichst spektakulären Thema in
sich auf dieser Grundlage ein eigenes Bild von den Beziehung zum wissenschaftlichen Fortschritt.
unterschiedlichsten Themen zu machen. PS Das bedeutet freilich auch, den gleichen Inhalt für Letzterer ist typischerweise mit vielen kleinen,
verschiedene Plattformen unterschiedlich aufzu- aber dennoch sehr erklärungsbedürftigen Schrit-
bereiten. Dabei sollte sich aber dennoch eine rote ten verbunden ist. Schön wäre es daher, wenn die
6. PUBLIKUM GEWINNEN Linie durch alle Auftritte ziehen: ein einheitliches Medien einen gewissen Respekt gegenüber der
Design, ein einprägsames Logo, ein schönes Pro- Komplexität von Forschungsthemen zeigten. Lässt
Wie wird man von der kommunikationswilligen filbild. Letzteres darf gern die Person hinter den sich wirklich alles in zwanzig Zeilen sagen? Zwei-
Forscherin, die etwas zu sagen hat, zur Kommu- Inhalten zeigen – das schafft Authentizität, was fel! Dazu gehöre ergänzend die Erwartung der
nikatorin, die viele erreicht? Im Folgenden eine zusehends gefragt wird. Zudem sollten Seiten, Wissenschaft an die Medien, auch über Dinge zu
Sammlung von empfehlenswerten, da bewährten Profile oder Kanäle Besuchern möglichst schnell berichten, zu denen die Forschung noch keine ab-
Konzepten und Strategien, um eine große Reich- und deutlich zeigen, welche Inhalte diese hier zu schließenden Ergebnisse liefern könne.
weite und eine treue Leser-, Hörer- oder Nutzer- erwarten haben, um die Wahrscheinlichkeit zu er-
schar zu gewinnen. Sie beruhen auf Anregungen höhen, dass sie wiederkommen. Näher als die Vertreter von Presse, Rundfunk und
und Beiträgen der World-Café-Gruppe „Publikum Fernsehen stehen den Forschenden meist die
gewinnen“. Nun noch einige allgemeine Tipps und Kniffe, die Kommunikatoren und Kommunikatorinnen in der
in der Runde gesammelt wurden: Erwartungshal- eigenen Hochschuleinrichtung. Eine starke Öf-
Wichtigste Ausgangsbedingung ist selbstverständ- tungen bedienen oder damit aufräumen! Dabei fentlichkeitsarbeit bedingt dabei, dass die vorhan-
lich Begeisterung für das eigene Thema. Und dann hilft es zu schauen, was die ersten Seiten einer denen Kapazitäten dies tatsächlich ermöglichen
muss differenziert und konkretisiert werden. Google-Suche zu einem Thema zu sagen haben. – sprich: Es darf nicht beim vagen Appell bleiben.
Außerdem nützt es, verbreitete Missverständnisse Der Gegenentwurf könnte weitreichend sein: Wie
Zum Ersten: Welche Inhalte will ich transpor- und häufige Ängste zu kennen. Aktuelle Ereignis- wäre es mit einer Verankerung der Kommunika-
tieren? Besonders wichtig dabei ist guter und se abpassen! Clickbait nur dann verwenden, wenn tion in einer Zielvereinbarung, dazu passend der
fachlich richtiger Inhalt. Auch vor verständlich der Text auch hält, was der Titel versprochen hat. Bereitstellung von Geld, Zeit und Unterstützung?
aufbereiteter fachlicher Tiefe sollte man nicht Bezahlte Werbung lohnt sich erst, wenn das eige- Was sich umgekehrt Kommunikatoren und Kom-
zurückschrecken, da man dem Publikum erfah- ne Profil bereits interessant und aussagekräftig munikatorinnen von „ihren“ Experten wünschen,
rungsgemäß mehr zutrauen kann als zunächst ist und es Besuchern vielversprechend erscheint spiegelt einen immer wiederkehrenden Aspekt
angenommen. Dadurch kann es sich sogar ernster „dranzubleiben“. Ähnliches gilt für Beiträge, die der Zusammenarbeit wider: Aktiv informiert zu
genommen fühlen. Diesem vermittelten Eindruck Brisanz haben oder anderweitige Knaller sind: Sie werden, idealerweise mit einem ausreichenden
ebenfalls zuträglich: Fragen beantworten, auf lohnen erst, wenn bereits eine gewisse Reichwei- zeitlichen Vorlauf.
42 43Nun sind spannende Themen aus der Wissen-
schaft nicht nur eine Bringschuld der Forschen- IMPRESSUM
den, sondern auch eine Holschuld der Kommuni-
kations-Verantwortlichen. Um dieser Überlegung
im wahrsten Sinne des Wortes „holen“ gerecht
TEXTE DIESER DOKUMENTATION
zu werden, verwies ein Teilnehmer auf seinen
monatlichen Rundgang durch die Büros der For-
Dr. Ulrike Brandt-Bohne UBB Neben dem Nawik-Team konnten wir für diese
schungseinrichtung, um sich dort gezielt nach
Beatrice Lugger BL Dokumentation noch auf die Unterstützung von
möglichen Themen zu erkundigen, die sich für die
Dr. Tobias Maier TM Philipp Schrögel und Thora Schubert bauen.
Außendarstellung eignen.
Dr. Philipp Niemann PN Vielen Dank!
Klaus Wingen KW
Denn nicht immer sind sich die Forschenden
Philipp Schrögel PS
sicher, ob ihr Forschungsprojekt „draußen“ über-
Thora Schubert TS
haupt interessiert. In diesem Zusammenhang
nahm auch die Idee Gestalt an, Wissenschaft-
lerinnen und Wissenschaftler mit einem Krite-
rienkatalog auszustatten, anhand dessen sich der
FOTOS
Nachrichtenwert ihrer Botschaften schon einmal
ein bisschen einschätzen lässt. Zudem könnte
Tim Wegner
solch ein Kriterienkatalog auch Hinweise liefern,
welche Faktoren unbedingt erforderlich sind, um
zu einem runden, guten Beitrag in den Medien zu
führen.
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG
Auf ein interessantes Problem verweist zweifel-
Beatrice Lugger
los der Hinweis, dass Medien häufig Forschungs-
Klaus Wingen
ergebnisse oder Einschätzungen beispielsweise
aus den USA aufgreifen, obwohl die entsprechen-
de Sachkunde auch in Deutschland – gleichsam
um die Ecke – vorhanden ist. Viele Einrichtungen
GRAFISCHE GESTALTUNG
seien mit ihrer Kompetenz offenbar nicht präsent
genug, um mit ihrer Arbeit wahrgenommen zu
Lena Haselmann
werden. KW
Chris Spatschek
44 4546 47
PROPOSALS
SYMPOSIUM
2019
Damit der Ideenaustausch während des Sym- Es sind 28 Proposals bei uns eingegangen
posiums auch gleich in Schwung kommt, hat- und wir hatten schließlich die Qual der Wahl.
te das Nationale Institut für Wissenschafts- Damit aber mehr der Projekte und Ideen vor-
kommunikation, NaWik, im Vorfeld mit einem gestellt werden können, haben wir die Idee
Call for Proposals für den Programmpunkt dieses Proposalbands verfolgt. Fast alle Ein-
„Sieben Projekte in je sieben Minuten“ um Ein- reichenden wollten dabei sein und so können
reichungen gebeten. Gefragt waren Beiträge wir nun 24 Kommunikationsprojekte – von
von Forschenden, die ihren persönlichen Online-Portalen, Twitter und Podcasts über
Kommunikationsansatz oder ein Kommuni- Schulprojekte bis hin zum virtuellem Museum
kationsprojekt ihres Forschungsbereichs vor- – in diesem Band präsentieren.
stellen wollten.
Vielen Dank an alle engagierten Forschenden,
Wir waren von der Fülle und der Bandbreite die uns auf diese Weise Einblicke in ihren ganz
der Einreichungen begeistert! individuellen Weg der Kommunikation geben!PROPOSALS PRO-TEST
DIREKTE KOMMUNIKATION Der Verein Pro-Test senkt Hürden, damit individuelle Wissenschaftler
ProTest . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Florian Dehmelt, Lars Dittrich ........................................... S. 3 auch Kontroverses kommunizieren können
Astronomy on Tap . . . . . . . . . . . Daniel Angerhausen .................................................. S. 4
Gesundheitsbildung für Alle . . Gabriele Seidel, Marie Luise Dierks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 5 Kommunizieren ist einfach – wenn man die richtigen Leute kennt, geübt ist, und viel Geld und Frei-
Landwirte motivieren . . . . . . . . Sarah Redlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 7 zeit hat. Doch wer wissenschaftlich arbeitet, hat meist nichts dergleichen. Gefühlt könnte jeder Tag,
der nicht der eigenen Forschung dient, sogar die berufliche Zukunft gefährden. Wenn es dann auch
noch um kontroverse Themen geht (Gentechnik, Diversität, Tierversuche), kommen externer Druck
ONLINE PORTALE und ganz persönliche Ängste hinzu. Da ist es doch vernünftig, das Reden professionellen Kommunika-
In Mind . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jan Crusius, Oliver Genschow, Melanie Sauerland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 8 torinnen zu überlassen! Oder etwa nicht?
Es war einmal… . . . . . . . . . . . . . . Gema Martínez Méndez , Valeriia Kirillova . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 9
The Tepe Telegrams . . . . . . . . . Jens Notroff, Oliver Dietrich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 11 Damit das Prinzip Wissenschaft auch weiterhin Ver-
trauen genießen kann, politische Entscheidungen
auch wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichti-
TWITTER
gen, und gesellschaftliche Resistenzen gegenüber
Real Scientists DE . . . . . . . . . . . . Jens Foell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 12
Manipulation und Kampagnen gestärkt werden,
Twitter Challenges . . . . . . . . . . . Constanza Rojas-Molina . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 13
müssen die Wissen Schaffenden auch selbst sichtbar
Für eine bessere Welt . . . . . . . . Josephine Tröger, Marlis Wullenkord, & Gerhard Reese . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 15
S. 16 werden – und das durchaus, indem sie selbst Wis-
Info-Sharing . . . . . . . . . . . . . . . . . . Thilo Zimmermann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
senschaft kommunizieren. Daher haben sich im ge-
meinnützigen Verein "Pro-Test" Forscherinnen, Tier-
PODCASTS pfleger und Studierende zusammengeschlossen. Wir
Modellansatz . . . . . . . . . . . . . . . . Gudrun Thäter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 17 bündeln Erfahrungen, Ideen und Spendengelder,
David der Doktorand . . . . . . . . . David Lohner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 18 um auch anderen Interessierten die Kommunika-
Wissen schmeckt . . . . . . . . . . . . . Argang Ghadiri . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 19 tion zu Tierversuchen zu erleichtern. Wir bieten on-
line (Webseite, Blogs, Social Media) und offline (Straßenaktionen, Schulbesuche, Podiumsdiskussionen)
eine Plattform für jeden, der persönliche Erfahrungen und Standpunkte mitteilen möchte – ganz offen,
IN DIE SCHULEN oder lieber anonym. Durch zertifizierte Kommunikationsworkshops und vertrauliche Beratungen bauen
Ring a Scientist . . . . . . . . . . . . . . . Kerstin Göpfrich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 20 wir Hürden ab, und zwar bei Studierenden und Post Docs ebenso wie bei Pressestellen und Institutsleitun-
Simulierte Welten . . . . . . . . . . . . Doris Lindner, Maren Hattebuhr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 21 gen. Außerdem treten wir selbst öffentlich auf und stehen neuen und traditionellen Medien (Print, Radio,
Fernsehen) Rede und Antwort. Das klappt nicht immer – und scheitert manchmal schmerzhaft. Umso er-
freulicher, dass wir immer mehr Freiwillige bei ihrer eigenen Kommunikation unterstützen dürfen! Denn:
VISUALISIERUNG Wir müssen reden. Das tun auch Lars Dittrich und Florian Alexander Dehmelt.
Virtuelles Storytelling . . . . . . . . Sara Siebert, Kerstin Meurisch, Rainer Adelung, Ilka Parchmann . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 22
Virtuelles Museum . . . . . . . . . . . Sandra Teuber, Sven Kadegge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 23 Florian Dehmelt ist Physiker und Biologe, und arbeitet als Neurowissenschaftler in Tübingen. In sei-
Siri visualisiert . . . . . . . . . . . . . . . Andreas Krug, Sebastian Stober . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 24
ner Grundlagenforschung hatte er sich jahrelang gegen Tierversuche und für Computersimulationen
entschieden – konnte so aber vieles nicht eindeutig klären. Daher führt er nun erneut Tierversuche
durch, und filmt seitdem die Nervenzellen winziger Fischlarven. Umso mehr enttäuscht ihn, dass die
GEDRUCKTE WORTE
berechtigte Debatte um Tierversuche oft einseitig geführt wird. Als Gründungsvorsitzender von Pro-
Faktor14 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Marvin Gedigk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 26
Test Deutschland e.V. engagiert er sich daher seit 2015 für offenere und redlichere Kommunikation.
Vom Slam zum Buch . . . . . . . . . Madlen Ziege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 27
Besonders wichtig ist ihm, auch andere zum Kommunizieren zu bringen – notfalls durch Verwaltungs-
arbeit, Hintergrundgespräche und Logistik. Allerdings nur in seiner Freizeit... denn Wissenschaftskom-
INTERN / EXTERN munikation gehört nach wie vor nicht zu seinem Beruf.
Flucht und Integration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 28
Nadine Knab, Felicitas Flade, Jens H. Hellmann
Effizientere Dissemination . . . Kristina Pelikan, Jakob Zinsstag, Thorsten Roelcke. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 29 Lars Dittrich studierte Biologie und promovierte in Neurowissenschaften, und arbeitete als Schlaffor
RoBOTT NET. . . . . . . . . . . . . . . . . Thilo Zimmermann, Karin Röhricht, Christoph Hellmann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 30
2 DIREKTE KOMMUNIKATION 3scher zuletzt in Bonn. Auch aufgrund schockierender Vorstellungen im Freundeskreis wollte er sich
zu Tierversuchen äußern, schrieb einen Artikel über deren Nutzen und ethische Bewertung.... und fand
niemanden, der ihn veröffentlichen wollte. Für einen einzigen Artikel ein eigenes Blog starten? Ihn
als Leserbrief schicken? Irgendwann landete der Artikel auf einer englischsprachigen Webseite, doch
Lars wollte mehr sagen. Und öfter. Und auf Deutsch. Aber wenn es jedesmal so ein Aufwand würde,
würde seine Freizeit kaum reichen. So stieß er auf Pro-Test: Durch den Verein gab es bereits eine
Webseite, Ehrenamtliche, Presseanfragen. Pro-Test übernahm organisatorische Hürden – Lars konnte
endlich einfach kommunizieren. Per Blog, YouTube-Kanal, Science Slams. Mittlerweile kommuniziert
er Wissenschaft beruflich – bei Pro-Test engagiert er sich nach wie vor ehrenamtlich.
KONTAKT
Dr. Florian Dehmelt, Neurowissenschaftler, Universität Tübingen, Pro-Test Deutschland e.V.
Dr. Lars Dittrich, Schlafforscher und Wissenschaftsredakteur, Bonn, Pro-Test Deutschland e.V.,
florian.dehmelt@pro-test-deutschland.de
ASTRONOMY ON TAP
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bringen das Universum in eine
Bar, Brauerei, das Pub oder in Kunstgalerien.
Astronomy on Tap (AoT) ist ein weltweites Netzwerk von Science Parties, bei denen in entspannter Bild: D. Angerhausen, privat
Kneipenatmosphäre „Wissenschaftlerinnen, Lehrer, Autorinnen, Künstler und andere, die das Univer-
sum erforschen“ Vorträge für die Allgemeinheit halten. Die Veranstaltungen finden an öffentlichen
Orten wie Bars, Brauereien, Cafés und Kunstgalerien statt und bringen die Wissenschaft, die Geschich-
ten hinter der Forschung und Nachrichten aus der Astronomie direkt zur Öffentlichkeit in einem ent-
spannten, informellen Setting. Nicht nur in den Pausen hat das Publikum die Gelegenheit, Astrophy-
sikerinnen oder Astrophysiker von nebenan einfach an der Bar anzusprechen und über die neuesten GESUNDHEITSBILDUNG FÜR ALLE
Neuigkeiten aus dem Universum auszuquetschen.
AoT wurde 2014 in New York City gegründet und hat inzwischen sogenannte ‘Satelliten’ fast auf der
Vorträge, Lernstationen und Interaktionen zu verschiedenen Medizinthemen
ganzen Welt. Alleine im Jahr 2018 gab es 277 Events in mehr als 30 Locations und den Launch von 15 – Medizinerinnen und Mediziner beteiligen sich an der regelmäßigen
neuen Satelliten. Veranstaltungsreihe in Hannover.
Ein typischer AoT Abend besteht aus 3 bis 4 allgemeinverständlichen Kurzvorträgen hauptsächlich In der Patientenuniversität an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wird seit 2007 externe
von hauptberuflichen Astronominnen, Astrophysikern und Astrobiologinnen , aber auch von Wissen- Wissenschaftskommunikation über eine Themenreihe „Gesundheitsbildung für Alle“ umgesetzt. Da-
schaftlern, Ingenieurinnen oder Künstlern aus anderen dem Weltall verbundenen Bereichen. An- für wird aktuelles medizinisches und gesundheitsbezogenes Wissen adressatengerecht aufbereitet
schließend an diese ca. 15-minütigen Talks gibt es ebenso lange Frage und Antwort Runden, in der und in einem interaktiven Konzept vermittelt. Pro Semester greifen wir in acht bis zehn öffentlichen
die Gäste spezifische Fragen zum Talk oder allgemeine Fragen zum Universum stellen können. Dazu Abendveranstaltungen von rund 2;5-Stunden Länge Themen auf, die gesundheits- und krankheitsbe-
kommen noch weitere spielerische Aktivitäten wie AoT Bingo und Quiz. Das aktiv teilnehmende Pub- zogene Interessen der Menschen betreffen – z.B. Depression, Schmerz, Lungenprobleme. Parallel stel-
likum wird mit kleinen Geschenken wie Pins oder Postern von Organisationen wie PlanetS, NASA, ESA len wir Lernstationen in einem offenen Aneignungsraum bereit, an denen wir einzelne wissenschaft-
oder ESO oder exklusiven «Astronomy on Tap Bern»-Aufklebern belohnt. liche Erkenntnisse integrieren, die das zentrale Thema aus unterschiedlichen Perspektiven berühren.
KONTAKT
Dr. Daniel Angerhausen, Astrophysiker, Center for Space and Habitability, Universität Bern
daniel.angerhausen@csh.unibe.ch
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