Wege neu verbinden - Frühjahr 2021 - Alumni Netzwerk

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Wege neu verbinden - Frühjahr 2021 - Alumni Netzwerk
Bonner Universitäts-Magazin   Frühjahr 2021

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  neu verbinden
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         Virtuelle Bildung von ZEISS
         Bieten Sie Studierenden Zugang zu Ihren digitalen Objektträgern

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         richt zur Verfügung stellen? Und so Ihren Studierenden die Möglichkeit bieten, mithilfe
         dieser Objektträger zu Hause oder in einer anderen inspirierenden Umgebung zu lernen?

         Alles, was Sie dazu benötigen, ist die Software ZEN Data Storage mit dem enthaltenen
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         zeiss.ly/fl-virtual-education

Unbenannt-2 1                                                                                          27.05.2021 12:19:11
Wege neu verbinden - Frühjahr 2021 - Alumni Netzwerk
Editorial

                             Liebe Leser:innen,

                                menschenleere Flure und verlassene Hörsäle: Wo wir sonst auf andere Studierende,
                             Lehrende oder Mitarbeitende trafen, finden wir gähnende Leere vor. Die vier Treppen-
                             häuser auf dem Titel stehen symbolisch dafür. Fast alles hat sich ins Netz verschoben.

                                 Gleichzeitig haben viele das Gefühl, dass es nicht voran geht. Und doch, das vergangene
                             Jahr liefert auch einen Schatz an Erfahrungen mit sich: Lehre und Studium wurden plötzlich
                             digital. Wie geht es uns damit? Welche Lösungen haben wir gefunden, um die Menschen
                             und Inhalte neu zu vernetzen und anders zugänglich zu machen? Beispiele dafür haben wir
                             in dieser Ausgabe zusammengestellt.

                                 Die Zeit mit digitalen Tools ist für viele ein Impuls, ein Weckruf: Überall an der
                             Universität beginnen Initiativen und Menschen, neue Verbindungen zu schaffen und
                             digitale Wege zu entdecken.

                                Rektor Prof. Dr. Dr. h. c. Michael Hoch startet mit seinem neuen Team an Prorektor-
                             innen und Prorektoren in die zweite Amtszeit. Mit großen Erwartungen blickt er in die
                             Zukunft (mehr auf Seite 4).

                                Auch die forsch steht vor einem digitalen Wandel. Versand und Gestaltung werden
                             modernisiert. Neben dem gewohnten PDF und Flipbook wird es demnächst eine digitale
                             Umsetzung geben. Wer die forsch als Print-Ausgabe schätzt, kann sie aber weiterhin
                             kostenfrei abonnieren. Mehr dazu demnächst auf uni-bonn.de/forsch.

                                   Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

                                                                                         Ihr Redaktionsteam
                                                                                                                                               Fotos/Montage: Gregor Hübl

Titelfoto:
Vier Treppenhäuser in der Uni Bonn:
Wo ansonsten Menschen
unterwegs sind, herrschte Leere.
Fotos/Montage: Gregor Hübl

                                                                                                              forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN        1
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Inhaltforsch1/2021
    Foto: Volker Lannert

                                                                               Foto: Gregor Hübl
                                                                         4 16
                                                                       18 8                                                                                            28

                                                                                                                                          Foto: Volker Lannert
                                                                               Foto: Volker Lannert
    Schlüssel zur Gesellschaft e.V.

                                                                                                  12 Dozierende lernen Deutsch                              21 Kompaktes aus der Uni
                                                                                                     Internationale Forschende erhalten
                                                                                                     Unterstützung von Anfang an                            22 Zähne zeigen
    Illustrationen:

                                                                                                                                                               Was können wir aus fossilen
                                                                                                  13 Kompaktes aus der Forschung                               Zähnen ablesen – und welcher
                                                                                                                                                               Zahn gehört zu welchem Tier?
                                                                               14 Gemeinsam für Kinderherzen
                                                                                  Angehende Ärztin und Pflegerin                                            24 Machen Menschen
                                          4 Aufbruch mit ambitionierten Zielen    lernen voneinander – für mehr                                                Geschichte?
                                             Rektor Hoch wurde erneut zum         Patientensicherheit und Verständnis                                          Oder schafft Geschichte große
                                             „Rektor des Jahres“ gewählt.                                                                                      Menschen?
                                             Mit neuem Team startet er in die  16 Ein grünes Jahr nah
                                             zweite Amtszeit                      an der Forschung                                                          26 Die fabelhafte Welt der
                                                                                  Diese Erfahrungen haben zwei                                                 Franca Hoffmann
                                          8 Ausgetretene Lehrpfade verlassen      Teilnehmende bei ihrem Freiwilligen                                          Eine Bonner Mathematikerin
                                             Neue Wege gingen Lehrende in der     Ökologischen Jahr gemacht                                                    unterstützt Mathe-Projekte in
                                             Corona-Pandemie – mit digitaler                                                                                   afrikanischen Ländern
                                             Technik und kreativen Ideen       18 Mit Adlerdame Gigi den

                                          10 Gruppenexkursionen
                                                                                  Grundrechten auf der Spur
                                                                                  Studierende haben ein preisge-                                         22
                                             ohne Gruppen                         kröntes Kinderbuch zur Demokratie
                                             Geographen konnten nur zu zweit      geschaffen
                                             das Siebengebirge entdecken
                                                                                                                                                                 Foto: Georg Oleschinski

                                                                               20 Energie aus der Luft
                                          11 Work-Life-Balance in                 Teilchenforscher Philipp Bechtle
                                             Corona-Zeiten                        jagt den Wind mit Drohnen – um
                                             Zuhause arbeiten und dabei           saubere Energie zu gewinnen
                                             fit bleiben

2                     forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN
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Foto: Volker Lannert

                                                                                                                              Foto: Volker Lannert
                                                                                                                    26 30
                                                    37                                                              44 39
Foto: Michael Aust

                                                               Foto: Georg Oleschinski

                                                                                                                              Foto: Volker Lannert

                                                                                     36 Kompaktes aus den                                        46 120 internationale Stimmen und
                                                                                        Exzellenzclustern                                           der Mann im Spiegel

                                                                                     37 Sprache als nichts, was sicher ist                       46 Wer ins Ausland will, findet hier
                                                                                        Ulrike Almut Sandig zu Schnittstel-                         Tipps
                                                                                        len zwischen Literatur und Medien
                       28 Körpereigene Cannabinoide                                                                                              47 Jetzt zum Unifest anmelden
                          und das Immunsystem                                        39 Hürden überwinden
                          Doktorandin aus Nigeria erforscht                             Tagsüber studiert Franziska                              47 Unterstützung beim Weg
                          den Einfluss auf neurodegenerative                            Schuster, und abends überwindet                             in den Beruf
                          Erkrankungen                                                  sie Hürden
                                                                                                                                                 48 Ausgezeichneter Nachwuchs
                       30 Der gesammelte Frieden                                     40 500 Redakteur:innen,
                          Am Zentrum für Historische                                    eine Website                                             49 Vorgestellt
                          Friedensforschung begeben sich                                Die Universität Bonn hat eine neue
                          Forschende auf Spurensuche ins                                Website. Das wurde beim Etappen-                         52 Meldungen
                          17. Jahrhundert                                               ziel erreicht
                                                                                                                                                 55 Impressum
                       33 Wirtschaft ist nicht nur Geld                              42 Warum bekommen Frauen teurere
                          Warum man nicht nur auf                                       Finanzprodukte empfohlen?                                56 Sozialwissenschaften,
                          Unternehmen schauen sollte,                                   Ein Fazit - Christine Laudenbach                            Mathematik, Kommunalpolitik
                          wenn es um die Wirtschaft geht                                hat tausende Beratungsgespräche                             Das jüngste Mitglied des
                                                                                        analysiert                                                  Bonner Stadtrats studiert an der
                       34 Erste Argelander-Professur                                                                                                Universität Bonn
                          besetzt                                                    44 Mit diesem Fossil wurden
                                                                                        Dinosaurier zu Kunst
                       35 Kompaktes aus den TRAs                                        Das Fossil des Jahres liegt im
                                                                                        Goldfuß-Museum.

                                                                                                                                                                           forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN   3
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Foto: Gregor Hübl

                                                       Aufbruch mit ambitionierten Zielen
                                                       Rektorat startet geschlechterparitätisch in neue Amtszeit

                             Das neue Rektorat:        Jetzt hat der Kapitän es „schwarz auf weiß“: Rektor Prof. Dr. Dr. h.c. Michael                               haltigkeit und Digitalisierung, was sich
                      Prof. Dr. Klaus Sandmann,        Hoch hat Ende April im Ministerium für Kunst und Wissenschaft in Düsseldorf                                  auch im neuen Zuschnitt der Resorts wi-
                         Rektor Prof. Dr. Dr. h. c.    von Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen persönlich seine Ernennungsurkunde                                   derspiegelt. Professor Hoch hat die Uni-
                                  Michael Hoch,        erhalten. Mit seinem Rektorats-Team startete er zum Mai 2021 in eine zweite                                  versität Bonn erfolgreich durch den Ex-
                    Prof. Dr. Birgit Ulrike Münch,     Amtszeit, die von 2021 bis 2025 dauert. Dafür hat er ambitionierte Ziele                                     zellenzwettbewerb des Bundes und der
                      Kanzler Holger Gottschalk,       gesteckt.                                                                                                    Länder geführt, aus dem die Hochschule
                        Prof. Dr. Irmgard Förster,                                                                                                                  2019 mit sechs Exzellenzclustern als er-
                       Prof. Dr. Andreas Zimmer.           Im Herbst 2020 war Professor Hoch                                 Erstmals ist das Rektorat der Uni-     folgreichste Bewerberin und mit dem
                     Prof. Dr. Annette Scheersoi,      von der Hochschulwahlversammlung                                  versität Bonn geschlechterparitätisch      begehrten Exzellenzstatus hervorgegan-
                     Prof. Dr. Maren Bennewitz         für eine zweite Amtszeit von vier Jahren                          besetzt: Bonn ist erst die zweite Exzel-   gen ist. Im Jahr 2019 wurde er vom CHE
                                          (v.l.n.r.)   Dauer gewählt worden. Der Wahl war                                lenzuniversität in Deutschland, in deren   und der Wochenzeitung Die Zeit zum
                                                       ein verkürztes Verfahren ohne Aus-                                Leitungsgremium genauso viele Frauen       „Hochschulmanager des Jahres“ sowie
                                                       schreibung vorausgegangen, nachdem                                wie Männer tätig sind. Noch höhere Pri-    im Jahr 2020 und auch in diesem Jahr
                                                       Senat und Hochschulrat den Amtsinha-                              orität für die universitäre Gesamtent-     wieder von den Mitgliedern des Deut-
                                                       ber aufgefordert hatten, erneut zu kandi-                         wicklung erhalten die Themen Chancen-      schen Hochschulverbandes zum „Rektor
                                                       dieren. Komplettiert wurde das Lei-                               gerechtigkeit und Diversität, Nach-        des Jahres“ gewählt.       ANDREAS ARCHUT
                                                       tungsgremium Anfang März 2021, als
                                                       die Hochschulwahlversammlung die
                                                       von Prof. Hoch vorgeschlagenen Prorek-
                                                       torinnen und Prorektoren bestätigte.

                                                            Die Prorektorinnen und Prorektoren
                                                       sind nebenamtlich tätig. Prof. Dr. Maren
                                                       Bennewitz ist zuständig für Digitalisie-
                                                       rung und Informationsmanagement,
                           Holger Gottschalk ist       Prof. Dr. Irmgard Förster für Chancenge-
                         Diplom-Kaufmann und           rechtigkeit und Diversität, Prof. Dr. Birgit
                          leitet die Universitäts-     Ulrike Münch für Internationales, Prof.
                           verwaltung seit 2017.       Dr. Klaus Sandmann für Studium, Lehre
                      Unter anderem kümmert            und Hochschulentwicklung, Prof. Dr.
                           er sich um die Bewirt-      Annette Scheersoi für Nachhaltigkeit
                       schaftung der Haushalts-        und Prof. Dr. Andreas Zimmer für For-
                                                                                                      Foto: Volker Lannert

                       mittel, die Personal- und       schung und Wissenschaftlichen Nach-
                        Rechtsangelegenheiten          wuchs. Für Prorektorin Bennewitz und
                            sowie das Bau- und         die Prorektoren Sandmann und Zimmer
                    Liegenschaftsmanagement.           ist es bereits die zweite Amtszeit.

  4                   forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN
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Prorektorin für Digitalisierung                                             Prorektorin für Chancengerechtigkeit
und Informationsmanagement                                                  und Diversität

                                                     Foto: Volker Lannert

                                                                                                                                               Foto: Volker Lannert
Prof. Dr. Maren Bennewitz erforscht                                         Prof. Dr. Irmgard Förster ist Professorin
und konstruiert Humanoide Roboter.                                          für Immunologie und Umwelt,
Sie arbeitet am Institut für Informatik                                     Life & Medical Sciences (LIMES)-Institut

                                                     Foto: Volker Lannert

Prorektorin für Nachhaltigkeit                                              Prorektorin für Internationales

                                                                                                                                               Foto: Gregor Hübl
Prof. Dr. Annette Scheersoi                                                 Prof. Dr. Birgit Ulrike Münch
ist Professorin für Fachdidaktik Biologie am                                ist Professorin für Kunstgeschichte
Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen                                am Kunsthistorisches Institut

Prorektor für Studium, Lehre und                                            Prorektor für Forschung und
                                                     Foto: Volker Lannert

Hochschulentwicklung                                                        Wissenschaftlichen Nachwuchs
                                                                                                                                               Foto: Gregor Hübl

Prof. Dr. Klaus Sandmann                                                    Prof. Dr. Andreas Zimmer
ist Professor für Finanzmarktökonomie und arbeitet                          ist Professor für Molekulare Psychiatrie,
am Institut für Finanzmarktökonomie und Statistik                           Institut für Molekulare Psychiatrie

                                                                                                              forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN       5
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Als erneuter „Rektor des Jahres”
                       in die zweite Amtszeit
                       Prof. Hoch spricht im Interview über seine Ziele
                        Zum Beginn seiner zweiten Amtszeit haben die Mitglieder des Hochschulver-                              ist gemeinsam mit den Fakultäten bereits
                        bandes Prof. Hoch erneut zum „Rektor des Jahres“ gewählt. In der Online-                               wichtige Schritte gegangen, nicht zuletzt
                        Befragung erhielt er von den Bonner Mitgliedern die Bestnote und schnitt noch                          mit der Gründung einer neuen Stabsstel-
                        einmal besser ab als im Vorjahr: 69 Prozent der Teilnehmenden halten ihn für                           le. Irmgard Förster wird diesen wichti-
                       „die ideale Besetzung“ des Führungsamts. Wir sprachen mit ihm über seine                                gen Bereich mit ihrer ganzen Erfahrung
                        Pläne für die kommenden vier Jahre.                                                                    und Kompetenz weiter ausbauen. Im
                                                                                                                               Übrigen war es mir wichtig, selbst vor-
                        Sie sind nach 2020 erneut „Rektor des                      Eine ereignisreiche erste Amtszeit liegt    anzugehen, und mein Rektorat erstmals
                        Jahres“. Wie haben Sie das gefeiert?                       hinter Ihnen. Wenn Sie 2015 gewusst         in der Geschichte der Universität ge-
                        Ein bisschen gefeiert habe ich vor allem                   hätten, was Sie heute wissen – was hät-     schlechterparitätisch zu besetzen.
                        im Familienkreis. Die Preisverleihung                      ten Sie anders gemacht?
                        selbst fand auf der digitalen „Gala der                        Grundsätzlich schaue ich immer lie-     Neu ist auch das Prorektorat für Nach-
                        Deutschen Wissenschaft“ statt. Der                         ber nach vorn und entwickle Ideen und       haltigkeit.
                        Preis ist aber eine tolle Anerkennung und                  Konzepte für die Zukunft. Aber selbst-          Nachhaltigkeit ist ein zentrales The-
                        spornt mich an, weiter an und für meine                    verständlich lernt man jeden Tag neu,       ma der Gegenwart und der Zukunft, wel-
                        exzellente Universität zu arbeiten. Dazu                   aus Begegnungen, im Austausch und oft-      ches nahezu alle Bereiche unseres Lebens
                        gehört: Zuzuhören, Kompromisse zu fin-                     mals aus ganz unerwarteten Herausfor-       umfasst. Mein Rektorat hat bereits in der
                        den und neue Ideen zu entwickeln.                          derungen. Ich denke etwa an die Sper-       vergangenen Amtszeit erklärt: Wir wollen
                                                                                   rung des 3. OG des Hauptgebäudes vor        eine nachhaltige Universität werden, zu-
                                                                                   Weihnachten 2018. Hieraus habe ich im       mal in der deutschen Stadt der Vereinten
                                                                                   Positiven gelernt, was wir für eine große   Nationen. Hierzu haben wir unter Einbin-
                                                                                   Kraft entwickeln können, wenn wir aus       dung aller Statusgruppen eine universitäre
                                                                                   einem wirklich massiven Problem ge-         Nachhaltigkeitsstrategie 2030 entwickelt,
                                                                                   meinsam eine Chance entwickeln.             die nun im Prorektorat unter Leitung von

                                                                                       „Das Rektorat um Michael Hoch geht mit Schwung und
                                                                                     ambitionierten Zielen in seine neue Amtsperiode. Die
                                                                                     Steigerung des Frauenanteils auf allen Hierarchieebenen
                                                                                     gehört dazu. Dass unsere Hochschulleitung künftig zu

                                                                                                                                                                         Foto: Gregor Hübl
                                                                                     den wenigen in Deutschland gehört, die geschlechterpari-
                                                                                     tätisch besetzt sind, ist ein starkes Signal.“
                                                                                     PROF. DR. DIETER ENGELS, VORSITZENDER DES HOCHSCHULRATS
                                                             Foto: Ronny Bittner

                                                                                   Durch unsere konzertierte Aktion „Wir       Annette Scheersoi mit der neuen Stabs-
                                                                                   für unser Schloss“ waren wir einer Sa-      stelle koordiniert umgesetzt werden wird.
                                                                                   nierung des Schlosses denke ich noch        In der Nachhaltigkeitsforschung sind wir,
                                                                                   nie näher.                                  zum Beispiel mit unserem Exzellenzcluster
                           „Als Vetreter:innen der Studieren-                                                                  PhenoRob und unserem Innovations-Cam-
                           den unserer Universität sind wir                        Ein neues Ressort in Ihrem Rektorat         pus Bonn, ohnehin sehr stark. In der Lehre
                           über die Wiederwahl von Rektor                          ist das Prorektorat für Chancen-            wollen wir fakultätsübergreifende Lehr-
                           Michael Hoch sehr erfreut, da er                        gerechtigkeit und Diversität. Was hat       module entwickeln und auch im Betrieb
                           auch für studentische Belange und                       Sie dazu bewogen, diesem Thema ein          werden wir, nach Meilensteinen wie dem
                           Zielsetzungen ein offenes Ohr hat.                      eigenes Prorektorat zu widmen?              Fairtrade-Siegel und der Umstellung auf
                           Wir begrüßen die gute Kommunika-                             Unser erklärtes Ziel ist es, dass      Ökostrom, noch nachhaltiger werden.
                           tion zwischen uns und dem Rek-                          Chancengerechtigkeit und Diversität
                           torat, welche bisher auf Augenhöhe                      an der Universität Bonn noch stärker        Was sind Ihre Ziele für die kommenden
                           stattgefunden hat und den gegen-                        umgesetzt und gelebt werden. Dies ist       vier Jahre? Woran wollen Sie gemes-
                           seitigen Ideenaustausch fördert. Die                    ein wesentlicher Teil unseres Selbstver-    sen werden?
                           paritätische Besetzung des Rektorats                    ständnisses. Es geht für uns als global          Unser strategisches Ziel für die kom-
                           ist ein willkommener Schritt in                         vernetzte Exzellenzuniversität eben auch    menden Jahre ist es, die Universität Bonn
                           Richtung Inklusion von Menschen                         darum, die Potentiale in der Vielfalt zu    mit ihrer exzellenten Leistungsfähigkeit in
                           mit Migrationsbiographie, Behinde-                      nutzen. Bei der Erhöhung des Anteils        Forschung und Lehre sowie ihren großen
                           rungen und People of Color.“                            von Professorinnen haben wir eindeuti-      Potentialen in der Vielfalt noch stärker zu
                                     THOMAS KORTSALIS,
                                                                                   ge Ziele formuliert, die wir gemeinsam      einem Schrittmacher der großen globa-
                                     STELLV. ASTA-VORSITZENDER
                                                                                   erreichen müssen. Mein letztes Rektorat     len Transformationsprozesse zu machen.

6   forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN
Wege neu verbinden - Frühjahr 2021 - Alumni Netzwerk
Hierzu brauchen wir eine adäquate Inf-
rastruktur, vor allem auch digital, sowie
einen starken Transfer-Bereich, den wir
mit unserem neuen Zentrum enaCom
etabliert haben. Wir als neues Rektorat
werden gemeinsam mit allen Universi-
tätsmitgliedern und unseren Partnern da-
ran arbeiten, unsere sehr gute Position im
weltweiten Wettbewerb weiter auszubau-
en. Hierzu zählen vor allem auch unsere
weltweiten Netzwerke, die Birgit Münch
als neue Prorektorin weiter festigen und
strategisch ausbauen wird.

  „Das Rekto-
  rat von Pro-
                                         Foto: Gregor Hübl

  fessor Hoch
  hat die Uni-
  versität Bonn
  auf Exzellenz-
  kurs gebracht und sie zur erfolg-
  reichsten Hochschule im Wett-
  bewerb gemacht. Nun gilt es,
  diesen Erfolg für die Zukunft zu
  sichern. Dafür ist Professor
  Hoch mit seinem neuen Team
  und den darin vorhandenen
  Kompetenzen bestens gerüstet.“
       PROF. DR. RAINER HÜTTEMANN,
       VORSITZENDER DES SENATS

Das Rektorat schätzt Sie als aus-
gesprochenen „Teamplayer“. Was
braucht man dafür?
     Ein Teamplayer braucht zunächst
einmal ein gutes Team. Ich danke den
Mitgliedern meines letzten Rektorats
von Herzen für Ihre hervorragende Ar-
beit und freue mich sehr auf die Zusam-
menarbeit mit den neuen Kolleginnen
und Kollegen.
     Überhaupt: Ich bin sehr stolz da-
rauf, was wir als Rektorat, gemeinsam
mit den Forschenden, Lehrenden, Stu-
dierenden und Beschäftigten, in den
letzten Jahren erreicht haben. Wir hat-
ten immer einen sehr guten Ruf, aber ich
glaube wir haben in der Wahrnehmung
von außen, auch international, noch ein-
mal entscheidend gewonnen. Als Rektor
sehe ich meine Aufgabe auch weiterhin
darin, die große Kreativität und das
enorme Engagement der Universitäts-
mitglieder zu fördern und zu vernetzen,
sie alle für gemeinsame Ziele zu gewin-
nen, hinter diesen zu versammeln und
                                                                                              Foto: Jürgen Hofmann

hieraus eine große Leistungsfähigkeit
entstehen zu lassen. Wenn uns das weiter
gemeinsam gelingt, dann stimmt mich
das für die Zukunft optimistisch.
                         ANDREAS ARCHUT

                                                             forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN       7
Wege neu verbinden - Frühjahr 2021 - Alumni Netzwerk
Ausgetretene Lehrpfade verlassen
                               Wie das digitale Semester neue Wege eröffnet
                               Lockdown und Präsenzuniversität – seit weit mehr als einem Jahr gehört dieser                            erfragen. Im Anschluss erhielten sie
                               Gegensatz zum Alltag an der Universität Bonn. „Von jetzt auf gleich mussten wir                          Werte aus den Versuchen und mussten
                               von analogen Veranstaltungen, auf digitale Formate umstellen“, erinnert sich                             sich in digitaler Gruppenarbeit mit den
                               Prof. Dr. Karin Holm-Müller, die bis Mai Prorektorin für Studium und Lehre an                            Ergebnissen auseinandersetzen und Ver-
                               der Universität Bonn gewesen ist. „Man erlebt es nicht oft, dass gewohnte                                suchsprotokolle erstellen. Gerahmt wur-
                               Realitäten so drastisch in Frage gestellt werden. Das war eine unglaubliche                              de die Veranstaltung durch ein An- und
                               Kraftanstrengung für alle Angehörigen unserer Universität.“                                              ein Abtestat auf der Lehr- und Lernplatt-
                                                                                                                                        form eCampus. So konnten die Dozie-
                                                                                                                                        renden den Lernerfolg überprüfen.

                                                                                                                                            „Natürlich kann ein digitales La-
                                                                                                                                        borpraktikum nicht das Gefühl erset-
                                                                                                                                        zen, mit Laborkittel, Schutzbrille und
                                                                                                                                        Handschuhen in einem richtigen Labor
                                                                                                                                        zu arbeiten.“ Dennoch habe sie von den
                                                                                                                                        Studierenden durchweg positive Rück-
                                                                                                                                        meldungen bekommen. „Das digitale
                                                                                                                                        Laborpraktikum hat verhindert, dass
                                                                                                                                        sich das Studium auf unbestimmte Zeit
                                                                                                                                        verlängert“, so Kopp. „Das war für uns
                                                                                                                                        eine große Motivation.“

                                                                                                                 Foto: Volker Lannert
                                                                                                                                        Im Escape Room wissenschaftlich
                                                                                                                                        arbeiten

                                                                                                                                             Auch für die Doktorandin Lotta
      Dr. Christina Kopp und       Routinen ablegen und neue Wege         Fakultät, war diese Situation Ansporn,                        Schencking vom Institut für Haushalts-
        ihre Kolleginnen und einschlagen, sich mit ungewohnter Tech-      etwas Neues zu probieren: „Es ist für                         und Verfahrenstechnik an der Land-
     Kollegen setzten bei der nik und Technologie auseinandersetzen:      unseren Masterstudiengang Ernäh-                              wirtschaftlichen Fakultät war klar, dass
          digitalen Lehre auf Das mussten vor allem die Lehrenden         rungswissenschaften nicht denkbar,                            sie in dieser Situation neue Wege gehen
                Videotechnik. seit Beginn der Pandemie lernen. Inner-     dass die Studierenden kein Laborprak-                         will: „Es ist zwar kein Problem, wissen-
                              halb kurzer Zeit mussten sie Lehrange-      tikum besuchen. Gleichzeitig konnten                          schaftliches Arbeiten mittels Manu-
                              bote in die digitale Welt transformieren.   wir im Wintersemester aber keine Prak-                        skripten und Videokonferenzen zu leh-
                              „Sicherlich hat es am Anfang noch an ei-    tika in Präsenz anbieten.“ Im Rahmen                          ren – es ist aber umso schwieriger, die
                              nigen Stellen gehakt“, räumt Holm-Mül-      des NRW-Zertifikats „Professionelle                           Studierenden auf diesem Weg zur Mit-
                              ler ein. „Ich bin aber immer wieder be-     Lehrkompetenz für die Hochschule“, an                         arbeit zu motivieren.“ Es sei, so Schen-
                              eindruckt, mit welchem Elan meine           der Kopp und weitere Lehrende der                             cking, gerade in dieser Situation wich-
                              Kolleg:innen diese Hürde genommen           Universität teilnahmen, hat sie daher                         tig, eine Abwechslung im Lernalltag zu
                              haben.“                                     die Lehreinheit „Praktisch unmöglich                          bieten. „Da kam mir die Idee zu einem
                                                                          – ein Laborpraktikum wird digital“                            digitalen Escape Room.“
                                   Besonders heikel war dies bei Ver-     ausgearbeitet. „Uns war es wichtig, dass
                               anstaltungsformen, die ohne physische      ein digitales Laborpraktikum genau so                              Bei einem Escape-Room-Abenteuer
                               Präsenz eigentlich undenkbar sind. Dazu    abläuft, wie ein analoges Praktikum –                         lässt sich eine Gruppe von Menschen
                               gehören zum Beispiel Praktika in den       nur eben ohne physische Anwesenheit                           normalerweise in aufwendig gestalteten
                               Uni-Laboren. Erst Anfang des Jahres hat    der Studierenden.“                                            Räumen einsperren. Ihnen bleibt eine
                               das Land Ausnahmeregelungen erlas-                                                                       vorher festgelegte Zeit, schwierige Rät-
                               sen, wonach zumindest in einigen Aus-          Kopp und ihre Kolleginnen und                             sel zu lösen und wieder „auf freien Fuß“
                               nahmefällen und unter strengen Vorkeh-     Kollegen setzten auf Videotechnik. Sie                        zu kommen. Das Ganze lässt sich aber
                               rungen Präsenzformate möglich wurden       filmten jeden Schritt des Praktikums –                        auch in digitaler Form durchführen.
                               – längst nicht genug für die große Zahl    vom Versuchsaufbau bis zur Durchfüh-                          „Das Erlebnis, in eine andere Welt ein-
                               an Studierenden, die auf diese Seminare    rung der Versuche. „Für die zehn The-                         zutauchen, ist ziemlich motivierend und
                               angewiesen sind.                           men des Kurses kamen da über zehn                             macht das Lösen der Aufgaben zu einem
                                                                          Stunden ungeschnittenes Videomateri-                          spannenden Erlebnis“, erklärt Schen-
                               Lockdown und Laborpraktikum                al zusammen“, so Kopp. Die Studieren-                         cking. Ihre Adaption eines Online-Esca-
                                                                          den sahen sich dies an, konnten sich in                       pe-Rooms spielt daher in einem verlas-
                                   Für Dr. Christina Kopp, Ernäh-         Videokonferenzen mit den technischen                          senen Krankenhaus – einem unheim-
                               rungsphysiologin am Institut für Er-       Mitarbeiterinnen des Instituts unterhal-                      lichen und dunklen Ort. In den verfal-
                               nährungs- und Lebensmittelwissen-          ten und Details zu den Versuchsauf-                           lenen Räumen müssen die Studierenden
                               schaften der Landwirtschaftlichen          bauten und den verwendeten Geräten                            Rätsel lösen, die auf dem Lernstoff der

8   forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN
zugehörigen Vorlesung mit Seminar be-
ruhen. „Das Abenteuer-Setting ist dabei
das Vehikel, um die Lerninhalte noch-
mal anders erfahrbar zu machen und die
Mitarbeit zu erhöhen.“

     Angelegt hat sie den virtuellen Esca-
pe Room auf eCampus. Für jedes Rätsel
gibt es dort einen eigenen Ordner mit
stimmungsvollen Bildern der fiktiven
Heilanstalt. „Nach jeder gelösten Aufga-
be wird der nächste Ordner freigeschal-
tet, der das Bild eines neuen Raums, die
Lerninhalte und die nächste Aufgabe
zeigt“, erklärt Schencking den Ablauf.
„Wenn man sich die Lerninhalte ange-
eignet hat, schafft man es bis in den letz-
ten Ordner, der einen Sonnenaufgang
zeigt und einen so aus diesem unheim-
lichen Ort entlässt.“ Auch eine Urkunde
habe man sich bei der erfolgreichen Teil-
nahme ausdrucken können.

Mehr Aufwand – positives Fazit

     Die beiden Wissenschaftlerinnen
sind sich einig, dass der Aufwand für
die digitalen Formate sehr viel höher ist.
„Das bietet sich sicherlich nicht für jede
Vorlesung an“, so Schencking. Das po-
sitive Feedback der Studierenden habe
ihr aber gezeigt, dass sich der Aufwand
gelohnt habe. Die Pandemie habe den
nötigen Schub gegeben, um ausgetre-
tene Pfade zu verlassen und Lehre neu
zu denken.

    Christina Kopp denkt derweil
schon über die Zukunft nach: „Wir sind
uns schon jetzt einig, dass wir einige
digitale Formate auch für die Zeit nach
der Pandemie beibehalten wollen.“
Zwar könne man den Aufwand der Vi-
deos nicht jedes Semester stemmen,
„aber wir wissen jetzt, wie es geht und
sind mittlerweile sehr viel schneller in
der Umsetzung.“ Die gewonnenen Er-
fahrungen seien in jedem Fall für die
Lehre der Zukunft hilfreich – ob in Prä-
senz oder im Lockdown.       NILS SÖNKSEN

  NRW-Zertifikat
  Neben Christina Kopp und Lotta Schencking erhielten sechs weitere Lehrende
  der Universität Bonn im Frühjahr das NRW-Zertifikat „Professionelle Lehr-
  kompetenz für die Hochschule“. Die mehrjährige Weiterbildung ermöglicht
  den Lehrenden eine hochschuldidaktische Qualifizierung.
  Weitere Informationen finden Sie unter bzh.uni-bonn.de im Bereich
                                                                                                                      Foto: Volker Lannert

 „Zertifikatsprogramme“.
                                                                                           Einen digitalen Escape-
                                                                                           Room schuf Doktorandin

   !
            Schreiben Sie uns Ihre
            Erfahrungen:                                                                   Lotta Schencking für die

            forsch@uni-bonn.de                                                             Studierenden.

                                                                               forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN            9
„Man muss einfach vor Ort sein”
                                               Eine geographische Exkursion in Corona-Zeiten
                                               Bodenarten bestimmen, Aufschlüsse suchen oder Talformen beobachten:                     und wie alles zusammenhängt. In Coro-
                                               Seit vielen Generationen zählen diese Aufgaben zu einer klassischen                     na-Zeiten gibt es gewöhnlich keinen
                                               Exkursion für Studierende der Geographie. In jedem Semerster erforschen                 Aha-Moment vor Ort. Er findet zuhause,
                                               rund 20 Studierende mit Exkursionsleitenden aus der Geographie das                      am Schreibtisch, statt.
                                               Siebengebirge. Dort untersuchen sie Spuren aus vergangenen vulkanischen
                                               Aktivitäten. Dieses Jahr wären wir an der Reihe gewesen. Aber die Pande-                    Später, auf der Suche nach einem
                                               mie stellte auch uns Bonner Geograph:innen vor neue Herausforderungen.                  Aufschluss, trafen wir zwei Menschen,
                                               Ein Bericht von Julia Feth und Johanna Niedick.                                         die im Siebengebirge wohnen und sich
                                                                                                                                       auskennen. Wieder hatten wir Glück: Ei-
                                                   Statt gemeinsam als große Gruppe       wusste auch die Lösung unserer Auf-          ner von beiden war selbst Geograph. Er
                                               loszuziehen, konnten wir nur zu zweit in   gabe: „Wie hoch ist der Kraterrand des       konnte uns den Weg zum gefragten Auf-
                                               die Exkursion starten – ohne unseren       ehemaligen Vulkans?“ Es sind 196,7           schluss erklären. Und er erzählte uns,
                                               Dozenten. Er gab uns stattdessen einige    Meter. Wir hatten uns bei der Frage ein      dass wir hier auf den Spuren vieler Geo-
                                               Dokumente mit auf den Weg: eine Karte      bisschen verschätzt.                         graphstudierender wandeln, die hier
                                               mit verschiedenen Stationen, die wir in                                                 häufig anzutreffen sind, zum Beispiel
                                               Bonn besuchen sollten, eine Liste der          Vor allem hatten wir einen Ge-           auf dem Dollendorfer Hardt.
                                               nötigen Hilfsmittel und natürlich die      sprächspartner; das war sehr wertvoll.
                                               Aufgabenstellungen.                        Ein solcher Aha-Moment ist wichtig in           Auf dem Weilberg angekommen,
                                                                                          der Exkursion: Jener Moment, in dem          wurden wir mit einem sehr beeindru-
                                                   Mit dieser Ausrüstung machten wir      der Dozierende uns dabei unterstützt,        ckenden Steinbruch belohnt.
                                               uns auf, das Siebengebirge hinauf. An      Theorie mit der Praxis zu verknüpfen.
                                               einer Weggabelung am Rodderberg wa-                                                         Exkursionen sind auch in Coro-
                              Julia Feth und   ren wir sehr unsicher: „Forschen“ wir           Jetzt in der Pandemie ist das anders:   na-Zeiten möglich und lehrreich – und
                            Johanna Niedick    überhaupt an der richtigen Stelle? Zum     Wir sind zwar vor Ort und untersuchen        im Geographie-Studium auf keinen Fall
                    studieren im 4. Semester   Glück trafen wir auf einen netten Mit-     die Aufschlüsse oder Steinbrüche. Aber       wegzudenken. Man muss einfach vor
                           Geographie B. Sc.   arbeiter von Gut Broichhof. Nicht nur      erst nach der Exkursion beschäftigen wir     Ort sein, um Geographie zu verstehen.
                   Gemeinsam gingen sie auf    konnte er uns bestätigen, dass wir den     uns mit der Literatur, erst danach können
                                  Exkursion.   richtigen Weg eingeschlagen hatten. Er     wir überprüfen, was wir gesehen haben
Foto: Julia Feth

   10               forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN
Tipps für eine gesunde Work-Life-Balance
nicht nur während Corona
    Gerade in Corona-Zeiten nimmt die Bildschirmzeit
für uns alle massiv zu. Die gemeinsame Mensapause mit
Spaziergang ist nicht machbar. Und so manch einer sitzt
im Homeoffice am Esstisch - ohne ergonomischen
Schreibtischstuhl und guter Beleuchtung. „Das digitale
Arbeiten ist für die meisten von uns Normalität gewor-
den“, so Dr. Katja Stöver von Healthy Campus Bonn (HCBN).

    „Was wir nicht immer auf dem Schirm haben, ist,
regelmäßig Pausen zu machen und Dinge in den Ar-
beitsalltag einzuplanen, die uns guttun“. Unter dem

                                                                                                                                               Foto: Volker Lannert
Motto „Gesund studieren, lehren, forschen und arbeiten“
hat das Team des HCBN deshalb passende Angebote für
Sie zusammengestellt.

1     Pausen mit Bewegung einplanen
     Keine Rücken-, Schulter- und Nackenschmerzen riskieren: Auch im Homeoffice ist es wichtig,
 lange Sitz-Zeiten zu vermeiden. Healthy Campus Bonn empfiehlt deshalb regelmäßiges Aufstehen,
 Positionswechsel und Arbeiten im Stehen. Besonders geeignet sind aktive Bewegungspausen:
 Mitarbeitende und Studierende der Uni Bonn können jede Woche beim digitalen Hochschulsport
 den „Pausenexpress“ oder „Studi-Pausenexpress“ buchen. Via Live-Stream wird gemeinsam mit
 Trainer:in trainiert. Ziele sind Mobilisation, Kräftigung, Dehnung und Entspannung.
    Sie wollen Ihre Pause lieber alleine verbringen? Dann ist die „Smart Break“- Anleitung und        sport.uni-bonn.de/    Smartbreak via
                                                                                                      sportangebot          uni-bonn.de/hcbn
 Videos des HCBN genau das richtige.

2     Stress lass nach – 20 Minuten Spazierengehen reichen bereits
    Schon 20 Minuten Bewegung täglich senken das Stresslevel enorm. Gerade jetzt, wo übliche Wege wegfallen,
                                                                                                                           Anregungen, Übungen
                                                                                                                           oder Tipps:
                                                                                                                           uni-bonn.de/hcbn
 lohnt ein kurzer Spaziergang umso mehr. Überall in Bonn gibt es grüne oder ruhige Pausenparadiese: Die Poppels-
 dorfer Allee, den Hofgarten, das Messdorfer Feld, den Alten Friedhof, Parks wie das Baumschulwäldchen in der              und regelmäßig auf
 Weststadt oder der Rheinaue.
                                                                                                                              @healthycampusbonn

3     Rezept-Ideen zum Nachkochen
    Kommt die gesunde Ernährung im getakteten Arbeitsalltag zu kurz? Mit den Rezept-Ideen vom HCBN ist die ein
                                                                                                                              @healthycampusbonn

 oder andere gesunde Mahlzeit schon mal sicher: Jede Woche gibt’s leckere Rezepte auf der HCBN-Website und
 den Social-Media-Kanälen.

4     Geregelter Tagesabschluss
    Bis in die Nacht Emails checken, am Samstag etwas erledigen: Beim flexiblen Arbeiten fehlt ein geregelter
 Abschluss. Legen Sie nach Arbeitseinheiten kurze Entspannungsübungen ein und schaffen Sie sich Rituale:
 Fahren Sie den Rechner runter, verlassen Sie bewusst Arbeitsbereich und Wohnung.

5     Guter Schlaf
    Abends im Bett eine Serie zu schauen ist verführerisch - aber wir schlafen dadurch schlechter. Besser ist, Sie
 schalten den Bildschirm eine Stunde vor Schlafenszeit aus und nutzen das Bett nicht als Arbeitsplatz. Lüften Sie
 noch einmal durch: Ideal sind 18 Grad im Schlafzimmer. Beruhigende Geräusche wie Meeresrauschen helfen beim
 sanften Einschlafen.

                                                                                                          forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN                              11
Unterstützung
                                                    von Anfang an
                                                    Individuelle Sprachcoachings
                                                    erleichtern internationalen
                                                    Neuberufenen den Start
                                                    in Bonn
Foto: COLOURBOX.de / Bildmontage: Anneliese Mason

                                                     Wie gewinnt und hält man langfristig
                                                     herausragende internationale Spitzen-
                                                     kräfte für Forschung und Lehre? Mit
                                                     ihrer Internationalisierungsstrategie 2025
                                                     will die Universität genau das für Bonn
                                                     erreichen. Dabei geht es auch um optimale
                                                     Rahmenbedingungen für die Arbeit. Durch
                                                     eine gezielte Förderung soll der Anteil von
                                                     Professor:innen ohne deutsche Staatsbürgerschaft
                                                     in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden.
                                                     Dazu zählt auch eine intensive sprachliche Betreuung –
                                                     damit die Neuen in Bonn leichter ankommen.

                                                       Eine Teilnehmerin war           So wie etwa die Roboter-Ethikern             Die Einzel-Sprachcoachings bot die      rigschwellige Angebot erleichtere den
                                                    Prof. Dr. Annaliese Mason.     Prof. Dr. Aimee van Wynsberghe: „Für         Universität Bonn in diesem Jahr erstmals    Start enorm. „Es war für mich auch sehr
                                                       Die Australierin ist seit   mich war es eine echte Hilfe, dass ich       an. Verantwortlich dafür ist die Abtei-     wichtig, dass auch alltägliche Dinge in
                                                    2015 in Deutschland tätig.     ohne großen Aufwand meine Deutsch-           lung „Deutsch als Fremdsprache“ des         das Coaching mit eingeflossen sind. So
                                                         Der Kurs unterstützt      kenntnisse verbessern konnte“, sagt die      Dezernats für Internationales. „Prak-       zum Beispiel Informationen zum deut-
                                                    sie dabei, ihre deutschen      gebürtige Kanadierin. Sie trat Anfang        tisch unmittelbar ab dem Tag der Ruf-       schen Kita-System“, so Robins.
                                                            Sprachfähigkeiten      des Jahres die mit 3,5 Millionen Euro        annahme bieten wir den neuen Wissen-
                                                                  auszubauen.      dotierte Humboldt-Professur „Applied         schaftlerinnen und Wissenschaftlern             „Viele Aspekte des Einlebens in
                                                                                   Ethics of Artificial Intelligence“ an. „So   maßgeschneiderte Deutschlern-Program-       Bonn, von Behördengängen oder über
                                                                                   konnte ich mich schon vor meinem Um-         me an“, erklärt Abteilungsleiterin Dr.      die Kontaktaufnahme zu Kitas und an-
                                                                                   zug nach Bonn mit der Sprache vertraut       Andrea Lax-Küten. „Dabei hat es uns         deren Einrichtungen, sind so mit Sicher-
                                                                                   machen und mich auf die neue Aufgabe         sehr geholfen, dass Videokonferenzen        heit leichter zu bewältigen“, resümiert
                                                                                   vorbereiten“, fasst Wynsberghe zusam-        mittlerweile zum Standard gehören.“ Die     Lax-Küten. Für sie ist es der richtige
                                                                                   men. Auch die neue Professorin für           Deutschstunden haben so schon begin-        Ansatz auch in Zukunft neuberufene
                                                                                   Pflanzenzüchtung am Institut für Nutz-       nen können, als die Neuberufenen noch       Wissenschaftler:innen durch eine inten-
                                                                                   pflanzenwissenschaften und Ressour-          an ihrem alten Arbeitsort tätig waren.      sive sprachliche Begleitung bei ihrem
                                                                                   censchutz (INRES), Prof. Dr. Annalie-                                                    Start zu unterstützen. „Das ist ein wich-
                                                                                   se Mason, nahm an dem Sprach-                    Unter Anleitung von erfahrenen          tiger Baustein unserer Internationalisie-
                                                                                   programm der Universität teil. Die ge-       Sprachcoachs werden individuelle Lern-      rungsstrategie“               NILS SÖNKSEN
                                                                                   bürtige Australierin war zuvor für ei-       ziele vereinbart und ein maßgeschnei-
                                                                                   nige Jahre in Gießen und wollte ihre         dertes Lernprogramm entwickelt. Da-
                                                                                   Sprachkenntnisse weiter verbessern:          von hat auch Dr. Scott Robins profitiert,
                                                                                                                                                                             Alle Informationen zur Internationa-
                                                                                   „In meiner neuen Position an der Uni-        der seit kurzem wissenschaftlicher Mit-
                                                                                                                                                                             lisierungsstrategie 2025:
                                                                                   versität Bonn bin ich stärker in den         arbeiter am Center for Advanced Securi-
                                                                                                                                                                             uni-bonn.de/de/international/
                                                                                   Vorlesungsbetrieb eingebunden. Ich           ty, Strategic and Integration Studies
                                                                                                                                                                             internationales-profil/
                                                                                   bin daher sehr dankbar, dass man so          (CASSIS) der Universität Bonn ist: „Ge-
                                                                                   individuell auf meine konkreten Be-          rade wenn man die Sprache des neuen          Sie studieren, wollen Bonn kennen-
                                                                                   dürfnisse eingehen konnte.“ Aktuell          Arbeitsortes noch nicht gut genug            und Deutsch lernen? Mehr Infos:
                                                                                   halte sie schon die ersten Vorlesungen.      spricht, fällt der Wechsel oft schwer.“      uni-bonn.de/de/studium/
                                                                                   „Das Sprachcoaching hat mir dafür            Zwar bekomme man das Üben der Spra-          internationale-studierende/
                                                                                   das nötige Rüstzeug gegeben.“                che nicht abgenommen, aber das nied-         internationale-studierende

             12                                     forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN
Neuer Sonderforschungsbereich zu
                       Lebensstil und Volkskrankheiten
                       Die Deutsche Forschungsgemeinschaft                              ben und Gesundheit“ angesiedelt. Der SFB
                       richtet an der Universität Bonn einen                            vereint die Expertise von Wissenschaft-
                       neuen Sonderforschungsbereich (SFB)                              ler:innen der Medizinischen Fakultät,
                       ein. Der SFB 1454 „Metaflammation und                            der Mathematisch-Naturwissenschaftli-
                       Zelluläre Programmierung“ befasst sich                           chen Fakultät und der Philosophischen
                       mit dem Zusammenhang eines westli-                               Fakultät. Darüber hinaus sind das Deut-
                       chen Lebensstils und chronisch entzünd-                          sche Zentrum für Neurodegenerative
                       lichen Erkrankungen – etwa, wie eine                             Erkrankungen (DZNE) in Bonn, das Max-
                       übermäßige Kalorienzufuhr gepaart mit                            Planck-Institut für Stoffwechselforschung
                       ungenügender Bewegung die Entwick-                               in Köln und das „Braunschweig Integra-
                       lung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen,                            ted Centre of Systems Biology“ beteiligt.
                       neurodegenerativen Krankheiten oder                              Um die experimentellen Daten zu mo-
                       ein metabolisches Syndrom begünsti-                              dellieren und bioinformatisch zu analy-

                                                                                                                                     Foto: Volker Lannert
                       gen. Sprecher des Verbunds ist Prof. Dr.                         sieren, sind Mitglieder des Transdiszipli-
                       Eicke Latz.                                                      nären Forschungsbereichs „Mathematik,
                       Der neue Wissenschaftsverbund ist im                             Modellierung und Simulation komplexer
                       Transdisziplinären Forschungsbereich „Le-                        Systeme“ im Einsatz.

                                                                                                                                                                                                            Prof. Dr. Eicke Latz
                       ULF-G. MEISSNER ERHÄLT EINEN ERC                                                                                                  11,1 MILLIONEN EURO FÜR                         vom Institut für
                       ADVANCED GRANT                                                                                                                    ERFORSCHUNG SYNAPTISCHER                       Angeborene Immunität.
             Was passiert, wenn seltsame Quarks in                                                                                                       MIKRONETZWERKE
             Atomkerne eingefügt werden? Welche                                                                                                             Das Säugetiergehirn ist komplex – schät-
            “bewohnbaren” Universen sind theore-                                                                                                            zungsweise besteht es aus rund 100 Mil-
             tisch möglich? Unter anderem diese                                                                                                             liarden Nervenzellen. Jede dieser Zellen
             Fragen will Prof. Dr. Ulf-G. Meißner vom                                                                                                       ist über Synapsen mit Zehntausenden
             Helmholtz-Institut für Strahlen- und                                                                                                           anderen Gehirnzellen verknüpft. Wie ar-
             Kernphysik der Universität Bonn erfor-                                                                                                         beiten die Elemente eines solchen kom-
             schen. Für dieses Projekt erhält der                                                                                                           plexen Netzwerks zusammen, um Ver-
             Wissenschaftler einen begehrten Ad-                                                                                                            halten zu erzeugen? Wie verändern sich
             vanced Grant des Europäischen For-                                                                                                             die Netzwerke durch Erkrankungen?
             schungsrats (ERC). Meißner ist auch                                                                                                            Wissenschaftler:innen gehen seit acht
                                                                   Foto: Barbara Frommann

             Mitglied in den Transdisziplinären For-                                                                                                        Jahren im SFB 1089 „Synaptische Mikro-
             schungsbereichen „Mathematik, Mo-                                                                                                              netzwerke in Gesundheit und Krankheit“
             dellierung und Simulation komplexer                                                                                                            der Universität Bonn solchen Fragen
             Systeme“ sowie „Bausteine der Materie                                                                                                          nach. Mit Erfolg: Die Deutsche For-
             und fundamentale Wechselwirkungen“.                                                                                                            schungsgemeinschaft fördert den inter-      Prof. Dr. Elvira Mass
             Die Förderung des Vorhabens, an dem                                                                                                            disziplinären Verbund über weitere vier   vom LIMES-Institut.
             das Forschungszentrum Jülich beteiligt                                                                                                         Jahre mit rund 11,1 Millionen Euro. Part-
             ist, beträgt rund 2,3 Millionen Euro.                                          PAUL EHRLICH- UND LUDWIG                                        ner sind das Forschungszentrum caesar
                                                                                            DARMSTÄDTER-NACHWUCHSPREIS                                      in der Max-Planck-Gesellschaft und das
                                                                                            FÜR ELVIRA MASS                                                 Deutsche Zentrum für Neurodegenerati-
                                                                                 Die Weichen für die Gesundheit der Or-                                     ve Erkrankungen in Bonn.
                                                                                 gane werden offensichtlich schon im
                                                                                 frühen Embryo gestellt. Für diese Er-                                                                                      Nervenzellen im
                                                                                 kenntnis erhält Prof. Dr. Elvira Mass,                                                                                  lebenden Mäusegehirn.
                                                                                 Wissenschaftlerin am LIMES-Institut,
                                                                                 den mit 60.000 Euro dotierten Paul Ehr-
                                                                                 lich- und Ludwig Darmstaedter-Nach-
                                                                                 wuchspreis. In ihren Forschungen zeig-
                                                                                 te sie, dass spezialisierte Immunzellen
                                                                                                                                                                                                                                   KOMPAKT

                                                                                 aus dem Dottersack die Entwicklung
                                                                                 der Organe begleiten und zeitlebens
                                                                                 zur Gesunderhaltung beitragen. Sie ist
                                                                                 Vorstandsmitglied im Exzellenzcluster
                                                                                „ImmunoSensation2“ und Bonner Fo-                                                                                       Prof. Dr. Dr. h.c.
Foto: Volker Lannert

                                                                                                                                     Foto: Tobias Rose

                                                                                 rum Biomedizin sowie Mitglied im                                                                                        Ulf-G. Meißner
                                                                                 Transdisziplinären Forschungsbereich                                                                                   vom Helmholtz-Institut
                                                                                „Leben und Gesundheit“ der Universität                                                                                   für Strahlen- und
                                                                                 Bonn.                                                                                                                   Kernphysik.

                                                                                                                                                                                         forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN               13
Gemeinsam üben und handeln
      Patientensicherheit hat
     eine hohe Bedeutung auf
     der „Kinderherzstation“:
       So findet für die IPSTA-   Berufsübergreifendes Lernen im Alltag einer „Kinderherzstation“
         Teilnehmer dazu ein
        Einführungstag statt –
                                  mit direktem Feedback
        inklusive Simulations-    Auf der Interprofessionellen Ausbildungsstation „Kinder IPSTA Bonn“ am               tätsklinikum Bonn. Sie ist deutschland-
          training und Notfall-   Zentrum für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Bonn übernehmen                weit die einzige, die direkt an eine "Kin-
       management. Hier das       angehende Ärztinnen und Ärzte sowie Gesundheits- und Kinderkranken-                  derherzstation" angeschlossen ist.
      IPSTA-Tandem bei einer      pflegeauszubildende eigenverantwortlich die Betreuung von bis zu vier
         Reanimationsübung.       herzkranken Kindern. Dabei werden sie intensiv durch erfahrene ärztliche             Blick über den Tellerrand des
                                  und pflegerische Lernbegleitende unterstützt. Durch die stetige Kommuni-             eigenen Berufs
                                  kation und die gemeinsame Arbeit in interprofessionellen Zweier-Teams
                                  steigt das gegenseitige Verständnis der Berufe füreinander.                              Vor mehr als zwei Jahren startete
                                                                                                                       das innovative Modell nach schwe-
                                      Campus Venusberg, 6:15 Uhr mor-        weiß die intensivere Betreuung zu         dischem Vorbild, gefördert von der Ro-
                                  gens: Gleich beginnt für Isabelle Claus    schätzen: „Dank IPSTA gibt es mehr        bert-Bosch-Stiftung. Aufgrund des
                                  und Melina Schütz ihre Frühschicht auf     Kontakt und wir fühlen uns sehr gut       großen Erfolgs hat es sich jetzt im drit-
                                  Station I im 3. Stock des Eltern-Kind-     aufgehoben.“                              ten Jahr am ELKI fest etabliert. So be-
                                  Zentrums (ELKI). Gemeinsam betreu-                                                   treuen das ganze Jahr über zwei Tan-
                                  en die 26-jährige Medizinstudentin und         Krankengeschichte ermitteln, Dia-     dems aus Medizinstudierenden und
                                  die 20-jährige Gesundheits- und Kin-       gnose stellen, Behandlung planen und      Auszubildenden der Kinderkranken-
                                  derkrankenpflegeschülerin zwei kleine      durchführen: All das, was normalerwei-    pflege jeweils für drei bis vier Wochen
                                  Patientinnen der Kinderkardiologie.        se erfahrene ärztliche und pflegerische   eigenverantwortlich bis zu vier herz-
                                  Eine davon ist die acht Monate alte        Teams im Stationsalltag machen, über-     kranke Kinder in der Früh- und Spät-
                                  Lina. Sie lacht herzlich, als das Duo      nehmen seit zwei Wochen Claus und         schicht – außer an Wochenenden und
                                  jetzt frühmorgens an ihr Bettchen tritt.   Schütz im Tandem. Möglich ist das im      Feiertagen. Zur Seite stehen ihnen da-
                                  „Lina freut sich immer, wenn die Mä-       Rahmen der neuen Interprofessionellen     bei erfahrene ärztliche und pflegerische
                                  dels reinschauen“, sagt ihre Mutter. Sie   Ausbildungsstation IPSTA am Universi-     Lernbegleitende.

14   forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN
„Interprofessionelle    Arbeit    ist
deutschlandweit bisher nicht regulärer
Bestandteil der universitären oder beruf-
lichen Ausbildung. Das Projekt IPSTA
ermöglicht Fortgeschrittenen dagegen
gemeinsames Lernen in der Praxis. In-
haltlich fokussieren wir uns auf Selbst-
management, Verantwortung und inter-
professionelle Zusammenarbeit“, sagt
Rebecca Maria Knecht. Sie ist die koor-
dinatorische und konzeptionelle Leiterin
des IPSTA-Projektes am Dekanat der
Medizinischen Fakultät der Universität
Bonn.

Aufeinander achten und
die Arbeit des anderen schätzen

     Claus ist im Praktischen Jahr, kurz
PJ, also in ihrem letzten Studienjahr. Im
November steht das dritte Staatsexamen
an. Da sie sich sehr gut vorstellen kann,
später mit Kindern zu arbeiten, hat die       treffen Entscheidungen – im Tandem.              Um 14 Uhr ist die Frühschicht zu            Das IPSTA-Tandem
26-Jährige als Wahlfach Pädiatrie ge-         Und das ist auch ein Vorteil für die Fami-   Ende. Die angehende Ärztin sowie die         bespricht sich vor dem
nommen. „IPSTA bietet eine privilegier-       lien. Sie haben uns vier und unsere Lern-    zukünftige Kinderkrankenpflegerin sind       Simulationstraining zum
te Lernsituation. Wir werden sehr eng         begleitung als feste Ansprechpartner.        wieder um einige Erfahrungen reicher.        Thema „Kindernotfall und
betreut und bekommen ein schnelles            Dieses Arrangement ist im üblichen           „Man lernt sich selbst besser zu struktu-    Reanimation“.
persönliches Feedback. Es sind sehr kur-      Wechseldienst nicht möglich“, sagt           rieren und zu organisieren“, sieht Claus
ze Wege, auf denen wir eine Rückmel-          Claus. Jetzt hat sie zusammen mit ihrer      einen zusätzlichen Effekt des IP-
dung erhalten“, sagt die Medizinstuden-       Mitstreiterin die Chance, Patient:innen      STA-Konzepts. Schütz ergänzt: „Das              „Kinder IPSTA Bonn“
tin. Auch Schütz ist fast fertig. Die         bis zur Entlassung zu begleiten. „Lina       Eingehen auf die andere Berufsgruppe         auf der „Kinderherzstation“:
20-Jährige ist im dritten Lehrjahr ihrer      geht es für ihre Krankheit seit ihrer Ein-   macht das Arbeiten auf Station auch          Studentin Isabelle Claus (li.)
Ausbildung zur Gesundheits- und Kin-          lieferung besser. Wir sehen das, weil wir    leichter.“ Prof. Dr. Johannes Breuer, Di-    und Pflegeschülerin Melina
derkrankenpflegerin. Gemeinsam lernt          sie ganz eng betreuen“, bringt es Schütz     rektor der Kinderkardiologie, ist über-      Schütz (re.) lernen zusammen
das Duo die Abläufe auf der „Kinder-          auf den Punkt.                               zeugt, dass durch das moderne Ausbil-        berufsübergreifend, und
herzstation“ kennen, bespricht alles und                                                   dungskonzept gerade der Pflegeberuf an       versorgen als Tandem zwei
trifft Entscheidungen. „Wir sehen direkt      „Lina ist unser Sonnenschein!“               Attraktivität gewinnt: „Es ist mehr als      herzkranke Kinder in
was der andere macht und bekommen                                                          das Erledigen ärztlicher Aufträge. Es        Eigenverantwortung mit
eine Vorstellung vom anderen Beruf. So             11:50 Uhr: Die Frühschicht ist bald     geht um Teamspirit.“             INKA VÄTH   Feedback.
finden wir Kompromisse und treffen            zu Ende. Im IPSTA-Raum auf der „Kin-
bessere Absprachen“, betont Schütz ei-        derherzstation“ fassen Claus und Schütz
nen Vorteil der interprofessionellen Aus-     die Befunde ihrer beiden kleinen Patien-
bildung, der auch einen hohen Nutzen          tinnen und alle ärztlichen und pflege-
für die Patientensicherheit birgt.            rischen Maßnahmen des Vormittags zu-
                                              sammen. Gleich um 12:15 Uhr findet die
Fest für Herzkind und                         Übergabe an das IPSTA-Tandem der
dessen Familie da sein                        Spätschicht statt. Die Lernbegleiterinnen
                                              halten sich weiterhin im Hintergrund.
     Langsam rücken die Zeiger der Uhr        Über Lina kann beispielsweise berichtet
auf 9:15 Uhr vor. Es ist Zeit für die Visi-   werden, dass es ihr von Tag zu Tag bes-
te. Mit Herzschwäche, Gedeihstörung,          sergeht und sie seit gestern 40 Gramm
Trinkschwäche und Schwitzen ist Lina          zugenommen hat. Für die geplante Ope-
vor sechs Tagen als Notfall ins ELKI ein-     ration, wegen der sich Linas Mutter doch
geliefert worden. Seitdem kümmern sich        etwas Sorgen macht, muss unter ande-
die beiden aktuellen IPSTA-Tandems            rem noch ein „Echo“, also eine Ul-
intensiv um das kleine Mädchen, das mit       traschalluntersuchung des Herzens, ge-
einem Herzfehler auf die Welt gekom-          macht werden. Linas Mutter weiß ihre
men ist. Eigentlich sollte Lina erst im       Tochter in guten Händen: „Beide Tan-
Sommer operiert werden. Doch der Ein-         dems sind sehr kompetent, harmonieren
griff wird vorgezogen und ist in zwei         untereinander, haben Interesse an der
                                                                                                                                                                   Fotos: Johann Saba

Tagen. Bis dahin muss die kleine Patien-      Kinderkardiologie und Spaß an der Ar-
tin mit ärztlicher und pflegerischer Un-      beit. Sie machen auf mich einen super
terstützung fit genug dafür werden. „In       Eindruck, aber auch alle anderen. Das
IPSTA arbeiten wir sehr selbständig und       ganze Team ist toll.“

                                                                                                                        forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN                                  15
Ein Jahr für die Umwelt                                                                           „Eigentlich wollte ich nach meinem
                                                                                                                  Schulabschluss erst einmal ein Jahr ins
                                                                                                                  Ausland, aber dann kam Corona.“ So
                    Gelungener Start des Freiwilligen Ökologischen Jahres                                         oder so ähnlich begannen die meisten
                    an der Universität Bonn                                                                       Bewerbungsgespräche, die mit vielen
                                                                                                                  FÖJ-Bewerbenden im letzten Jahr leider
                                                                                                                  nur virtuell geführt werden konnten, er-
                    Seit letztem Jahr können erstmalig Interessierte zwischen 16 und 26 Jahren ein Freiwilliges   innert sich Dr. Martin Berg, Leiter der
                    Ökologisches Jahr (FÖJ) an den Lehr- und Forschungsstationen Wiesengut oder Frankenforst      Lehr- und Forschungsstation für Orga-
                    der Universität Bonn absolvieren. Sie unterstützen Forschende unter anderem bei der           nischen Landbau Wiesengut.
                    Anlage und Durchführung ihrer Feldversuche sowie bei unterschiedlichen agrarökologischen
                    Projekten. Aufgrund der positiven Rückmeldungen aller Beteiligten werden auch in diesem            „Die Idee, ein Freiwilliges Ökolo-
                    Jahr wieder FÖJ-Stellen angeboten.                                                            gisches Jahr anzubieten, stand innerhalb
                                                                                                                  der Professur Agrarökologie und Orga-
                                                                                                                  nischer Landbau (AOL) schon seit Lan-
                                                                                                                  gem im Raum“, so Berg weiter. Trotz
                                                                                                                  widriger Corona-Umstände konnte sie
                                                                                                                  dann im ersten Halbjahr 2020 in Koope-
                                                                                                                  ration mit dem Landschaftsverband
                                                                                                                  Rheinland (LVR) und der Personalver-
                                                                                                                  waltung der Universität Bonn tatsächlich
                                                                                                                  verwirklicht werden.

                                                                                                                      „Wir sind beide sehr froh, dass wir
                                                                                                                  hier sein können. Die Erfahrungen, die
                                                                                                                  wir machen, sind genau das, was wir uns
                                                                                                                  vorgestellt haben“, berichtet Lea Kamps,
                                                                                                                  bevor ihr Mitstreiter Maximilian Weit-
                                                                                                                  kemper ergänzt: „Vor allem während der
                                                                                                                  Vegetationsperiode sind wir jeden Tag
                                                                                                                  draußen.“

                                                                                                                       Seit August sind sie nun schon im
                                                                                                                  FÖJ-Einsatz und assistieren bei den viel-
                                                                                                                  fältigen Versuchs- und Forschungsakti-
                                                                                                                  vitäten des Lehrstuhls. Das Tätigkeits-
                                                                                                                  spektrum ist enorm und reicht von der
                                                                                                                  Assistenz bei der Anlage, Betreuung und
                                                                                                                  Beerntung wissenschaftlicher Feldver-
                                                                                                                  suche über die Entnahme und Aufarbei-
                                                                                                                  tung entnommener Boden-, Pflanzen-
                                                                                                                  und Tierproben bis hin zur Pflege
                                                                                                                  wertvoller zoologischer Sammlungsbe-
                                                                                                                  stände. Die beiden FÖJ‘ler wirken ferner
                                                                                                                  bei der sogenannten Landschaftspflege
                                                                                                                  tatkräftig mit. Dazu gehört, dass die
                                                                                                                  Freiwilligen unter anderem Hecken und
                                                                                                                  Streuobstbäume schneiden. Außerdem
                                                                                                                  helfen sie in der Versuchsimkerei und
                                                                                                                  bei Forschungsprojekten zum Insekten-
                                                                                                                  monitoring und Insektenschutz mit. Da-
                                                                                                                  bei bekommen die Beiden neben einem
                                                                                                                  ersten Einblick ins Berufsleben auch ei-
                                                                                                                  nen umfassenden Überblick über ein
                                                                                                                  Forschungsfeld, das passgenau den Bil-
                                                                                                                  dungsauftrag des FÖJ trifft.

                                                                                                                      „Für uns ist die von der UNESCO
                                                                                                                  skizzierte Bildung für nachhaltige Ent-
                                                                                                                  wicklung vorrangiges Ziel nicht nur der
Foto: Gregor Hübl

                                                                                                                  universitären Lehre“, bekräftigt Prof.

                                                                                                                     Maximilian Weitkemper übernimmt
                                                                                                                  die Feinsteuerung der Hacke im Mohnfeld.

    16              forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN
Dr. Thomas Döring, Leiter der Arbeits-    schaften noch zwei weitere FÖJ-Plätze     gangen, wie eine ökologische und sozial
gruppe Agrarökologie und Organischer      auf der Lehr- und Forschungsstation       gerechte Welt von morgen aussehen                                Lea Kamps prüft, ob
Landbau. Sich selbst zu finden und den    Frankenforst eingerichtet. Seit nunmehr   kann, in der die Ressourcen auch für                          die Kartoffeln ausreichend
Fragen nachzugehen, welchen Einfluss      25 Jahren engagieren sich im Rheinland    nachfolgende Generationen reichen                             gekeimt haben, bevor sie
man lokal und global auf die Welt habe,   mittlerweile über 300 Freiwillige in 80   werden.                                                       gepflanzt werden.
seien Themen, die Jugendliche heute       Einsatzstellen für den Natur- und Um-
drängender denn je beschäftigen. Das      weltschutz. Die FÖJ-Zentralstelle des          Für Maximilian Weitkemper steht                             Anlage eines Bio-
FÖJ als Bildungs- und Orientierungs-      LVR-Landesjugendamtes begleitet jun-      fest: „Die Entscheidung für ein Freiwilli-                    diversitätsschutzstreifens:
jahr könne bei der Beantwortung dieser    ge Menschen beim Übergang von der         ges Ökologisches Jahr würde ich jeder-                        Lea Kamps steuert die
Fragen hervorragende Unterstützung        Schule in den Beruf und führt während     zeit wieder treffen.“ Lea Kamps bekräf-                       Saatmaschine und
bieten.                                   der Tätigkeit in der Einsatzstelle Bil-   tigt: „Ich würde mich auch ohne corona-                       Maximilian Weitkemper
                                          dungsseminare etwa zu den Themen          bedingte Auslandsreisebeschränkungen                          füllt das Saatgut nach.
    Neben den beiden Stellen am Wie-      Wasser, Energie und Klima sowie zu        nochmal dafür entscheiden.“
sengut wurden durch die Universität       Globalisierung und Konsum durch.
Bonn und das Institut für Tierwissen-     Hier wird vor allem der Frage nachge-         Wer sich für das Freiwillige Ökolo-
                                                                                    gische Jahr an der Universität Bonn inte-
                                                                                    ressiert, kann sich mit den Lehr- und                            Lea Kamps bestimmt
                                                                                    Forschungsstationen Wiesengut oder                            mit einer Lupe einen Käfer.
                                                                                    Frankenforst in Verbindung setzen.                            Eine wichtige Forschungs-
                                                                                                              ALEXANDER MERTES                    frage auf dem Wiesengut
                                                                                                                                                  ist, wie durch die Bewirt-
                                                                                                                                                  schaftung der Felder die
                                                                                     Infos zum Bewerbungsverfahren                                Biodiversität der Insekten
                                                                                     und Anforderungen: foej.lvr.de/de/                           beeinflusst wird.
                                                                                     nav_main/bewerbung/bewerbung_
                                                                                     1.html
                                                                                     Wiesengut: foej-bewerbung.lvr.de/
                                                                                     einsatzstelle/12-wiesengut-lehr-und-
                                                                                     forschungsstation-der-universitat-
                                                                                     bonn
                                                                                     Frankenforst: foej-bewerbung.lvr.de/
                                                                                     einsatzstelle/12-lehr-und-forschungs-
                                                                                     station-frankenforst

                                                                                                                                                     Lea Kamps und
                                                                                                                                                  Maximilian Weitkemper
                                                                                                                                                  beim Einbau von Bodenfallen
                                                                                                                                                  zum Insektenmonitoring
                                                                                                                             Fotos: Gregor Hübl

                                                                                                                 forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN                                 17
Mit Adlerdame Gigi
                        den Grundrechten auf der Spur
                                  Studierende entwickeln ein Kinderbuch, das mit dem Starterpreis
                                    der Studienstiftung des Deutschen Volkes und dem Leuchtturm-
                                    preis der Friedrich-Naumann-Stiftung ausgezeichnet wurde
                                          Bundesadlerin Gigi ist auf der Suche nach ihren Jungen. Der stolze Vogel ist jedoch nicht allein,
                                           sondern hat Hilfe von den Kindern Ben und Mia. Auf den Seiten eines neuen, von Studierenden
                                               entwickelten Buches lesen Grundschulkinder eine Abenteuergeschichte und lernen nebenbei
                                                     die deutschen Grundrechte kennen. Um zu verstehen, wie es zu dem Kinderbuch kam,
                                                        lohnt es sich, drei Jahre zurückzublicken.

                                                                     Sein Freund Julian Krauskopf, Student      der Universitäten Bonn und Köln, der
                                                                     der RWTH Aachen, fügt hinzu: „Wir          RWTH Aachen und der HSBA Hamburg
                                                                     waren schockiert über so viel Hass – in    wollen etwas bewirken. „Uns ist es wich-
                              Chemnitz im August 2018: Der           einer toleranten Gesellschaft mit den      tig, dass wir alle Gesellschaftsschichten
                         Bonner Student Marcel Müller und sei-       richtigen Grundwerten.“                    erreichen und vor allem die nächste Ge-
                         ne Freund:innen verfolgen, wie rechts-                                                 neration mit unseren Grundwerten ver-
                         extreme Gruppen gewaltsam gegen tat-                                                   traut machen“, sagt Krauskopf.
                         sächliche oder vermeintliche Migran-
                         t:innen, Polizist:innen, Pressevertre-                                                     So entsteht die Idee. Die Studieren-
                         ter:innen und Gegendemonstrant:innen                                                   den aus den Bereichen Chemie, Human-
                         vorgehen. Sie nehmen am Protestkon-                                                    medizin, Agrarwissenschaften, Wirt-
                         zert teil, aber fühlen, dass das nicht                                                 schaftsingenieurwesen, Rechtswissen-
                         reicht. „Die Hetzjagd in Chemnitz und                                                  schaften und International Business
                         die Reaktionen anderer radikaler Grup-                                                 Administration wollen ein Kinderbuch
                         pierungen haben uns klargemacht, wie                                                   entwickeln. „Ein Buch, das den Kindern
                         überrepräsentiert die Ränder unserer                                                   auf spielerische Weise die Grundrechte
                         Gesellschaft in der Öffentlichkeit sind“,                                              näherbringt, gab es noch nicht“, erzählt
                         sagt Müller von der Universität Bonn.                                                  Leah Eitelberg, Alumna der Universität
                                                                                                                Bonn. „Wir wussten nicht, wie ein Kin-
                                                                         Zurück zu Hause in Bonn und Aa-        derbuch produziert wird. Deswegen war
                                                                     chen: Die Freund:innen schauen Nach-       es uns wichtig, dass ein professioneller
                                                                     richten, lesen Artikel und diskutieren.    Lektor das Buch begleitet. Die Ge-
                                                                     Wie konnte es zu den Ausschreitungen       schichte sollte nicht nur uns gefallen.“
                                                                     in Chemnitz kommen? Was zeichnet           Die Freund:innen finden einen Lektor
                                                                     die Mitte der Gesellschaft aus? Und        über die sozialen Medien. An einen Ver-
                                                                     was kann sie verbinden?                    lag verkaufen wollen sie das Buch nicht:
                                                                                                                „Uns geht es nicht um den wirtschaft-
                                                                          „Die Mitte der Gesell-                lichen Erfolg, sondern um die Wirkung
                                                                     schaft hat kein Erken-                     des Buches. Durch Spenden- und Preis-
                                                                     nungszeichen, sie ist plu-                 gelder war es uns möglich, das kom-
                                                                     ralistisch, aber sie vertritt              plette Projekt wirt-
                                                                     gemeinsame Werte“, sagt                    schaftlich unab-
                                                                     Krauskopf. „Deutschland                    hängig zu ver-
                                                                     hat eine der besten Verfassungen der       wirklichen“, sagt
                                                                     Welt, die für viele andere Länder als      Müller.
                                                                     Vorbild gilt.“ Für die 20- bis 25-Jäh-
                                                                     rigen steht fest, dass sie die Werte der
                                                                     Gesellschaft stärken wollen.

                                                                     Nächste Generation mit den
                                                                     Grundwerten vertraut machen

                                                                          Ein halbes Jahr später im Februar
                                                                     2019: Die Studierenden gründen den ge-
                                                                     meinnützigen Verein „Schlüssel zur Ge-
                                                                     sellschaft e.V.“. Marcel
                                                                     Müller, Julian Krauskopf
                                                                     und fünf weitere Freund:innen

18   forsch 1/2021 UNIVERSITÄT BONN
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