Ideen schmieden - Wie Förderprogramme Innovationen befeuern

Ideen schmieden - Wie Förderprogramme Innovationen befeuern
IHK, Postfach 10 15 08, 47015 Duisburg • A 07373 PVSt,
Deutsche Post AG, Entgelt bezahlt.




                                                                                                                                                    www.ihk-niederrhein.de



                                                                                                                                                         Juli/August 7/8 • 2013




                                                                                                                       Ideen schmieden
                                                                                                                              Wie Förderprogramme
                                                                                                                              Innovationen befeuern
                                                                                                                                                                  Seite 10




   (16) 60 Jahre IHK-Gebäude                                                                       (20) IHK-Vollversammlung                      (26) Prüferehrung
                                                         „Haus der Wirtschaft“ feiert Geburtstag         Umfassende Beschlüsse gefasst   Ehrenamtliches Engagement gewürdigt
Ideen schmieden - Wie Förderprogramme Innovationen befeuern
Editorial




Editorial
Raum für Wirtschaftswachstum
Der Niederrhein ist ein Logistikstandort mit internationaler Ausstrahlungskraft. Hier
treffen wichtige Verkehrsadern wie Straßen, Schienen und Wasserwege zusammen –
eine Vernetzung, wie sie in dieser Form kaum anderswo zu finden ist. Verkehr und Logis-
tik bilden die Basis für industrielle Produktion, Handel und Dienstleistungen.

Geeignete und verfügbare Flächen bilden den Nährboden für Logistik und Industrie – und
damit für weiteres Wachstum in der Region. Umso wichtiger ist es, den dafür erforderli-
chen Rahmen richtig zu schaffen. Das ist die Aufgabe der Regionalplanung und – ganz
konkret – des Landesentwicklungsplans (LEP), der die Grundlage für die strukturelle Ent-
wicklung Nordrhein-Westfalens bildet. Der Entwurf eines neuen Landesentwicklungs-
plans wird in den kommenden Wochen und Monaten beraten. Unsere IHK wird sich da-
für einsetzen, dass die Ausweisung neuer Flächen für Industrie, Rohstoffgewinnung,
Logistik und Gewerbe dort ermöglicht wird, wo die Wirtschaft Flächen benötigt.

Die von der Landesregierung verfolgte Politik des Flächensparens behindert allerdings
vielerorts weitere Entwicklungen. Ein Vorrang für Brachflächen greift zu kurz. Denn auch
ehemals industriell genutzte Flächen stehen für neue Verwendungszwecke oftmals nicht
zur Verfügung. Industrie und Logistik brauchen Freiräume und Entwicklungsmöglichkei-
ten. Luftreinhaltung, Wasser- und Artenschutz sind wichtig, dürfen aber nicht zu Wachs-
tumshemmern werden. Diese und weitere Forderungen hat die Niederrheinische IHK
jüngst in ihrer „Duisburger Flächenerklärung“ festgeschrieben und dem nordrhein-westfä-
lischen Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr überreicht.

Die Weichen für die künftige Landesentwicklung werden jetzt gestellt. Ab Ende August
sind die öffentlichen Einrichtungen in NRW aufgerufen, eine Stellungnahme zum vorlie-
genden Entwurf abzugeben. Unsere IHK wird sich dafür einsetzen, dass ein Plan, der das
Wort Entwicklung im Namen trägt, auch tatsächlich neue Perspektiven für die Wirtschaft
ermöglicht.




                                                Dr. Peter Langenbach
                                          Vorsitzender des Ausschusses für
                                    Verkehr und Logistik der Niederrheinischen IHK

                                                                                           Juli/August 2013 • Seite 1
Ideen schmieden - Wie Förderprogramme Innovationen befeuern
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                                     32                                                          78
(10) Von der Idee zur Marktreife                                              (32) Maritime Roadshow
Förderprogramme – wie das „Zentrale Innovationsprogramm Mit-                  Wie stehen die Chancen für die Region, in Zukunft auch auf dem
telstand“ – können helfen, unternehmerische Risiken zu mildern.               Gebiet der maritimen Technologien eine führende Rolle zu über-
„tw“ zeigt anhand von Beispielen aus der Region, wie Unterneh-                nehmen? Die Perspektiven hierfür werden bei einer Roadshow
men und Forschungseinrichtungen Fördergelder einsetzen, um                    der IHK Nord am 10. September in Duisburg ausgelotet.
Innovationen zur Marktreife zu bringen.
                                                  (Titelbild: Bernd Lauter)   (78) Zielvereinbarungen
                                                                              Alle Jahre wieder stehen Zielvereinbarungsgespräche im Unter-
(16) 60 Jahre IHK-Hauptgeschäftsgebäude                                       nehmen an. Doch nicht jede Führungskraft beherrscht die Kunst,
Nur einen Steinwurf vom Duisburger Hauptbahnhof entfernt,                     diese motivierend einzusetzen. Richtig angewandt, können die
steht das markante IHK-Gebäude mit dem Brunnen und dem                        Gespräche sowohl Mitarbeitern als auch dem Chef zur Orientie-
goldenen Anker. Über 16 000 Besucher im Jahr gehen hier ein und               rung dienen.
aus. „tw“ blickt in die Geschichte.

(20) IHK-Vollversammlung
Eine umfangreiche Tagesordnung absolvierte die IHK-Vollver-
                                                                               „tw aktuell“ –
sammlung bei ihrer Sitzung am 12. Juni im PAN Kunstforum in Em-                Das Wirtschaftsmagazin im TV-Format. Die komplette
merich am Rhein. Diesjähriger Gastredner beim anschließenden                   Sendung zu ausgewählten Themen dieser Ausgabe
Sommerempfang war Johannes Remmel, NRW-Minister für Klima-                     kann über den QR-Code oder über die Mediathek unter
                                                                               www.ihk-niederrhein.de aufgerufen werden.
schutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz.



Inhalt
    Editorial                                   (20) Umfassende Beschlüsse der                        (46) Zur Person
(1) Raum für Wirtschaftswachstum                     Vollversammlung in Emmerich
                                                                                                           Betriebspraxis
                                                (26) IHK-Prüferehrung
                                                                                                      (48) Energiesparen im Unternehmen
      Kompakt                                   (32) Maritime Roadshow geht in
                                                                                                      (49) Neues aus den Hochschulen
(4)   Airport verzeichnet Aufwärtstrend              Duisburg vor Anker
(6)   Duale Ausbildung ist gefragt              (35) NRW-Wirtschaftsminister                          (58) IHK-Service: Recht, Steuern, Finanzen
(7)   UDE im Ranking vorne                           machte Halt am Niederrhein
                                                                                                      (60) Handelsregister
(8)   Gründerreport Ruhr erschienen
                                                     Unternehmen im Blick                             (77) Impressum
(9) IHK-Service: Literatur-Tipp der Redaktion   (38) Wirtschaftsticker
                                                (41) Henry Fords Ururenkelin in Moers                      Betriebspraxis plus
                                                                                                      (78) Zielvereinbarungsgespräche
     Titelthema                                 (42) Erneuter Ansiedlungserfolg für Duisport
(10) Von der Idee zur Marktreife                (43) Interzum 2013: Preisgekrönte                     (80) Einblick
                                                     Highlights und globaler Flair
                                                                                                      Beilagenhinweis:
     Wirtschaft und Region                      (44) HNC-Datentechnik feiert                          Dieser Ausgabe liegt eine Beilage der Wortmann AG aus
(16) 60 Jahre IHK-Hauptgeschäftsgebäude              25-jähriges Bestehen                             Hüllhorst bei. Wir bitten um freundliche Beachtung.


Seite 2 • Juli/August 2013                                                                         69. Jahrgang Juli/August 2013
Ideen schmieden - Wie Förderprogramme Innovationen befeuern
Kompakt




                                                                                     l 18 Ausflugsziele für den Sommer

                                                                                     Baggerseenführer für den Niederrhein
                                                                                     Ob Fahrradtouren entlang von Biotopen, Beachvolleyball
                                                                                     oder Wasserski: Mit dem Baggerseenführer stellt der Initia-
                                                                                     tivkreis „Zukunft Niederrhein“ 18 Ausflugstipps rund um die
                                                                                     nassen Gefilde in der Region vor. Alle Seen sind durch die
                                                                                     Kies- und Sandgewinnung entstanden und von den Unter-
                                                                                     nehmen des Initiativkreises „Zukunft Niederrhein“ rekulti-
                                                                                     viert worden.

                                                                                     Neben vielen Freizeitattraktionen – wie der Xantener Nord- und
                                                                                     Südsee oder der Duisburger Sechs-Seen-Platte – gibt es auch
                                                                                     kleinere Gewässer zu entdecken, die unter Naturschutz stehen.
                                                                                     Neu angelegte Wege und Uferbereiche können zum Joggen,
                                                                                     Fahrradfahren oder Flanieren genutzt werden. Der Baggerseen-
                                                               Foto: Airport Weeze
                                                                                     führer steht unter www.zukunft-niederrhein.de/baggerseen als
l Passagierzahlen sind um 16 Prozent gestiegen                                       Download zur Verfügung. l

Airport verzeichnet Aufwärtstrend
Deutlicher Zuwachs am Airport Weeze: Insgesamt 1 104 325
Millionen Passagiere haben den internationalen Verkehrsflug-
hafen in den ersten sechs Monaten des Jahres als Start- und
Zielpunkt für ihre private oder geschäftliche Reise gewählt. Die
Fluggastzahlen sind gegenüber dem Vorjahreszeitraum um
16,3 Prozent gestiegen. Mit dem Halbjahresergebnis liegt
der Airport deutlich über der durchschnittlichen Entwick-
lung deutscher Verkehrsflughäfen. Zu diesem Erfolg hat
auch der größte Anbieter am Airport Weeze, Ryanair, beige-
tragen.

Ende Juni konnte die irische Fluggesellschaft den vierzehnmilli-
onsten Passagier seit Aufnahme des Flugbetriebs im Jahr 2003
begrüßen. Ryanair hat im Frühjahr den neunten Jet in Weeze sta-
tioniert und fliegt wöchentlich insgesamt 57 Ziele in Europa und
Nordafrika an. l
                                                                                                                                       Foto: Ullrich Sorbe




                                                           l Hochschule Rhein-Waal vergibt Qualitätssiegel

                                                           Ein Zeichen für Hygiene
                                                           Zur Prävention gegen Infektionen nimmt ein hygienisches Umfeld einen immer größe-
                                                           ren Stellenwert ein – das betrifft insbesondere auch den Einsatz von Geräten und Pro-
                                                           dukten in bestimmten Bereichen. Die sogenannte hygienische Leistungskraft spielt da-
                                                           bei eine besondere Rolle. Durch ein neues Siegel, das die Hochschule Rhein-Waal vergibt,
                                                           haben Unternehmen die Möglichkeit, die hygienische Leistung ihrer Geräte und Pro-
                                                           dukte wissenschaftlich überprüfen zu lassen und ihren Kunden nach außen hin zu
                                                           präsentieren.

                                                           Der Hygienenachweis erfolgt über experimentelle Prüfungen, die an der Hochschule
                                                           Rhein-Waal anhand standardisierter Verfahren und Richtlinien durchgeführt werden.
                                                           Weitere Informationen zur Vergabe und Nutzung des Siegels unter www.hochschule-
                                                           rhein-waal.de. l
                             Foto: Hochschule Rhein-Waal

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Kompakt




l Bekanntmachungen der IHK
                                                                                                  IHK-Service
Immer aktuell im Internet
Wichtiger Hinweis für die IHK-zugehörigen Unternehmen: Alle offiziellen Be-                       Termine kompakt
kanntmachungen veröffentlicht die IHK zeitnah auf ihrer Homepage www.ihk-
niederrhein.de, und zwar unter der Rubrik „IHK-Bekanntmachungen“. Damit ste-                      1. Branchentreff Kreativwirtschaft
hen die Informationen schneller zur Verfügung als bei einer Veröffentlichung in                   Veranstaltung der Industrie- und Han-
der Zeitschrift „Thema Wirtschaft“. Hinsichtlich der Veröffentlichungspflicht zählt               delskammern in Nordrhein-Westfalen
die Bekanntmachung im Internet. Ist bei Beschlüssen Satzungsrecht der IHK be-                     und des Kompetenzzentrums Kultur- und
rührt, so erfolgt die Veröffentlichung weiterhin in der IHK-Zeitschrift „Thema                    Kreativwirtschaft am 28. August, 18 Uhr,
Wirtschaft“.                                                                                      im Rahmen des Zeltfestivals Ruhr, Witten.
                                                                                                  Anmeldung bei der IHK Mittleres Ruhr-
                                                                                                  gebiet, Yvonne Fischer, Telefon 0234
Dies geht zurück auf einen Beschluss der Vollversammlung. Nähere Informationen bei
                                                                                                  9113-252.
Ass. Matthias Wulfert, Geschäftsbereich Recht und Steuern, Telefon 0203 2821-309,
                                                                                                  E-Mail fischery@bochum.ihk.de
E-Mail wulfert@niederrhein.ihk.de.
                                                                                                  IHK-Zertifikatslehrgänge:
Aktuelle Bekanntmachungen: Sachverständigenwesen, Handelsrichter. l                               • IT-Projektleiter
                                                                                                  Dieser Lehrgang richtet sich an Mitar-
                                                                                                  beiter, die sich auf Managementfunk-
                                                                                                  tionen in IT-Projekten vorbereiten. Ziel
                                                                                                  des Lehrgangs ist, die Teilnehmer für
l Fachkräftesicherung                                                                             Führungsaufgaben zu qualifizieren:
                                                                                                  IT-Projekte professionell planen und
Neue Broschüre ermöglicht Selbsttest für KMU                                                      starten, effizient durchführen und er-
                                                                                                  folgreich beenden. 4. September bis
                                                                                                  13. November, jeweils mittwochs und
Im Rahmen der Fachkräfte-Offensive der Bundesregierung haben der Deutsche In-
                                                                                                  freitags 17.30 bis 20.45 Uhr, in der IHK,
dustrie- und Handelskammertag und das Bundesarbeitsministerium bundesweit
                                                                                                  Duisburg.
etwa 290 000 Unternehmen verschiedener Branchen angeschrieben. Ziel ist es, ins-
besondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) auf die Unterstützungsangebo-                     • Logistikmanager
te von Bundesregierung, Bundesagentur für Arbeit und IHK-Organisation aufmerk-                    Der Lehrgang schafft die Vorausset-
sam zu machen.                                                                                    zungen für Karrierechancen in der
                                                                                                  schnell wachsenden Logistikbran-
Das Schreiben enthielt auch die gemeinsame Broschüre „Fachkräfte-Check“. Diese                    che. Vermittelt werden Manage-
ermöglicht Unternehmen einen Selbsttest, wie gut sie hinsichtlich des demografi-                  mentgrundlagen, Arbeitshilfen in der
schen Wandels aufgestellt sind, und bietet Tipps zur Fachkräftesicherung. Ansprech-               Projektarbeit, aber auch die Themen
partner für das Thema Fachkräftesicherung bei der Niederrheinischen IHK: Robert                   Logistikcontrolling und Personalfüh-
Schweizog, Telefon 0203 2821-367, E-Mail schweizog@niederrhein.ihk.de. l                          rung sowie aktuelle Trends und Ent-
                                                                                                  wicklungen in der Logistikbranche.
                                                                                                  6. September bis 19. Dezember, in
                                                                                                  der IHK, Duisburg.

                                                                                                  • Controlling-Assistent
l Initiativpreis NRW 2013                                                                         Controlling ist zum unverzichtbaren
                                                                                                  Führungsinstrument geworden. Der
Engagierte Familienunternehmen gesucht                                                            Assistent entlastet und unterstützt
                                                                                                  nicht nur den Controller in seiner täg-
Der „Initiativpreis NRW 2013“, den die Funke-Mediengruppe, Essen, gemeinsam mit der               lichen Arbeit, sondern bereitet unter-
WGZ Bank, Düsseldorf, verleiht, würdigt das soziale, ökologische und gesellschaftliche            nehmerische Entscheidungen durch
Engagement mittelständischer Familienunternehmen in Nordrhein-Westfalen. Mit der                  das Aufbereiten von Zahlenmaterial,
Auszeichnung sollen besonders tatkräftige Unternehmen bedacht werden, die sich                    Anfertigen von Statistiken und deren
durch innovative Leistungen auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien sowie des Um-                Präsentation vor. 9. September bis
weltschutzes, durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze oder durch gesellschaftliches               2. Dezember, 17.30 bis 20.45 Uhr, in der
                                                                                                  IHK, Duisburg.
Engagement hervorgetan haben.

                                                                                                  Weitere Informationen und Anmel-
Der erste Preis ist mit 15 000 Euro dotiert, für die Plätze zwei und drei gibt es 10 000 bezie-
                                                                                                  dung bei der IHK: Maria Kersten,
hungsweise 5 000 Euro. Eine Teilnahme ist vom 6. September bis zum 7. Oktober unter
                                                                                                  Telefon 0203 2821-487.
www.initiativpreis-nrw.de möglich – dort stehen auch die Bewerbungsunterlagen und                 E-Mail kersten@niederrhein.ihk.de
Ausschreibungsbedingungen zur Verfügung. l

                                                                                                                      Juli/August 2013 • Seite 5
Ideen schmieden - Wie Förderprogramme Innovationen befeuern
Kompakt




                                             l Wirtschaft fordert runden Tisch
 IHK-Service
                                             Produktpiraterie erzeugt Milliarden-Schaden
 Termine kompakt                             Die Markenpiraterie ist weiter auf dem Vormarsch: Der Deutsche Industrie- und Han-
                                             delskammertag (DIHK) beziffert den Schaden für die deutsche Wirtschaft auf insgesamt
 DNHK-Seminar                                über 50 Milliarden Euro im Jahr. China sei nach wie vor Fälschungsland Nummer eins.
 Veranstaltung „Niederländische Kor-         Und: Das schlechte Beispiel mache Schule. So kämen über Singapur immer mehr ge-
 respondenz“ der Deutsch-Niederländi-        fälschte Waren nach Deutschland.
 schen Handelskammer. 5. September,
 10 bis 17 Uhr, IHK Wuppertal.               Auch die Entwicklung in Indien gibt laut DIHK Anlass zur Sorge. Dort gebe es zu-
 www.dnhk.org/seminars                       nehmend Fälle, in denen deutschen Unternehmen der Patentschutz aberkannt
                                             werde. Der DIHK forderte die Bundesregierung auf, das Thema Marken- und Pa-
 Förderprogramm „go-Inno“
 Die Veranstaltung der Niederrheinischen     tentschutz bei internationalen Verhandlungen immer wieder auf die Agenda zu
 IHK und der Handwerkskammer Düssel-         setzen. Zudem müsse der runde Tisch zwischen Bundesregierung und Wirtschaft
 dorf am 12. September bei der Firma         neu belebt werden. l
 Wystrach in Weeze dreht sich um „go-In-
 no“, ein Programm zur Förderung techno-
 logischer Innovationen. Neben einem
 Praxisbeispiel zur Umsetzung stellt sich
 unter anderem die Hochschule Rhein-         l Junge Unternehmen werden ausgezeichnet
 Waal als Partner für Innovationsvorha-
 ben vor. Anmeldung unter www.ihk-nie-       Neuauflage des Gründerpreises NRW
 derrhein.de/Mut-zur-Innovation oder bei
 Stefan Finke, Telefon 0203 2821-269.        Eine dynamische Wirtschaft braucht Kreativität und die
 E-Mail finke@niederrhein.ihk.de             Bereitschaft, unternehmerisches Risiko zu tragen. Nur
 drinktec                                    so entstehen neue Produkte und Verfahren, die die
 Herstellung – Abfüllung – Verpackung –      Wettbewerbsfähigkeit stärken und neue Arbeitsplät-
 Marketing. Weltleitmesse für die Ge-        ze schaffen. Zum zweiten Mal loben daher das NRW-
 tränke- und Liquid-Food-Industrie.16. bis   Wirtschaftsministerium und die NRW.Bank den Grün-
 20. September, München.                     derpreis aus.
 www.drinktec.com
                                             Mitmachen können Unternehmen, die in den Jahren 2008 bis 2011 in Nordrhein-West-
 Rehacare International                      falen gegründet wurden, nicht mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigen und höchstens
 Internationale Fachmesse und Kon-           zehn Millionen Euro im Jahr umsetzen. Maßstäbe für die Bewertung sind der unter-
 gress – Rehabilitation, Pflege, Präven-
                                             nehmerische Erfolg und die Kreativität der Geschäftsidee. Pluspunkte gibt es unter
 tion, Integration. 25. bis 28. September,
                                             anderem für eine besondere Unternehmensphilosophie, ökologische Verantwortung,
 Messe Düsseldorf.
                                             oder Ansätze zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Preisgelder
 www.rehacare.de
                                             (1. Platz: 5 000 Euro, 2. Platz: 2 000 Euro, 3. Platz: 1000 Euro) stiftet die NRW.Bank.
 Expo Real                                   Bewerbungsschluss ist der 4. September. Mehr Details: www.gruenderpreis.nrw.de. l
 Internationale Fachmesse für Immo-
 bilien und Investitionen. 7. bis 9. Okto-
 ber, Messe München.
 www.exporeal.net
                                             l Duale Berufsbildung ist gefragt wie nie
 GmbH-Geschäftsführer-Tag
 Fachvorträge – Zielgruppen-Messe – Net-     Effektiv gegen Arbeitslosigkeit
 working. 8. Oktober im Gürzenich, Köln.
 www.gmbhchef.de
                                             Anlässlich des EU-Gipfels zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit hat sich der Deut-
 Baumesse Kalkar                             sche Industrie- und Handelskammertag für einen Ausbau der dualen Berufsbildung in
 25. bis 27. Oktober, Messe Kalkar.          Südeuropa eingesetzt. Die Politik dürfe sich nicht darauf beschränken, Jugendliche in
 www.messekalkar.de                          Beschäftigungsmaßnahmen zu bringen, so die IHK-Organisation.

 productronica
                                             Bereits heute helfen die IHKs und Auslandshandelskammern beim Aufbau dualer Aus-
 Weltleitmesse für innovative Elek-
                                             bildungssysteme in den Krisenländern. Rückenwind für das duale System gibt es auch
 tronikfertigung. 12. bis 15. November,
 Messe München.                              durch die OECD-Studie „Education at a Glance“. Sie attestiert Deutschland nicht nur ein
 www.productronica.com                       hohes Niveau bei der Ausbildung seiner Jugend. Sie zeigt auch, dass die praxisnahe du-
                                             ale Berufsbildung nahezu ein Garant gegen Arbeitslosigkeit ist. l

Seite 6 • Juli/August 2013
Ideen schmieden - Wie Förderprogramme Innovationen befeuern
Kompakt




                                                l Universität Duisburg-Essen ist aufstrebende Lehr- und Forschungseinrichtung

                                                In internationalem Ranking vorne
                                                Schöner Erfolg für die Universität Duisburg-Essen (UDE) im zehnten Jahr ihres Be-
                                                stehens: Sie gehört zu den vier deutschen Unis, die es unter die besten 100 der
                                                Welt geschafft haben, die noch keine 50 Jahre alt sind. Die Juroren ordneten sie
                                                neben den Unis in Konstanz, Bayreuth und Bielefeld in die Kategorie der aufstre-
                                                benden Lehr- und Forschungseinrichtungen ein, die großes Potenzial erkennen
                                                lassen.

                                                Dem „Times Higher Education Ranking 100 under 50“ wurden dieselben Kriterien zugrun-
                                                de gelegt wie den klassischen World University Rankings – bereinigt allerdings um sub-
                                                jektive Faktoren, von der oft Universitäten an traditionellen Standorten profitieren. Für
                                                das Ranking wurden unter anderem statistische Kennzahlen, die Häufigkeit zitierter
                                                Artikel in Fachzeitschriften und die Urteile von Akademikern berücksichtigt. Für die Qua-
                                                litätsmessung wurden außerdem Merkmale wie „Personal pro Student“ oder der Anteil
                                                an Doktoranden berücksichtigt. Informationen zu den Aktivitäten der UDE im Jubiläums-
                                                jahr unter www.uni-due.de/10jahre. l
                                  Foto: UDE




l IHK-Organisation für Erhalt der Verschonungsregelungen

Stellungnahme zur Erbschaftsteuer eingebracht
Die Verschonungsregelungen von Betriebsvermögen bei Vererbungen von Unter-
nehmen sollen erhalten bleiben. Dafür hat sich die IHK-Organisation beim Bun-
desverfassungsgericht mit einer Eingabe stark gemacht. Aktuell zweifelt der Bun-
desfinanzhof die Verfassungsmäßigkeit des Erbschaft- und Schenkungsteuerge-
setzes an.

Die bisherigen Verschonungsregelungen sorgen dafür, dass die Erbschaftsteuer für
Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen niedriger ausfällt. Sollten die Aus-
nahmeregelungen aufgeweicht werden, wären Arbeitsplätze in Gefahr, besonders der
Mittelstand wäre davon betroffen. Mit einer Entscheidung des Bundesverfassungsge-
richts ist noch in diesem Jahr zu rechnen. l
                                                                                                                                Foto: Olivia Strupp




                                                l Informationsveranstaltung in Duisburg

                                                Neue Regelung zur Gelangensbestätigung
                                                Der vielfache Protest aus der Wirtschaft an der sogenannten Gelangensbestätigung hat
                                                seine Wirkung nicht verfehlt. Nach langen Diskussionen hat der Bundesrat neue Rege-
                                                lungen zur Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung beschlossen. Diese treten mit einer
                                                Übergangsfrist zum 1. Oktober in Kraft. Bis dahin können die bislang bekannten Nach-
                                                weise fortgeführt werden.

                                                Weitere Details zu den neuen Regelungen, die für alle Warenlieferungen innerhalb der
                                                EU relevant sind, sind bei Karina Knauer, Telefon 0203 2821-253, Frank Elbers, Telefon -259,
                                                und Dr. Frank Rieger, Telefon -279, erhältlich. Darüber hinaus bietet die IHK in Duisburg
                                                am 11. September eine Veranstaltung für Unternehmen an, um über die neue Gesetzes-
                                                lage zu informieren. Anmeldung bei Larissa Fuhrmann, Telefon 0203 2821-347, E-Mail
                                                fuhrmann@niederrhein.ihk.de. l
                          Foto: Olivia Strupp

                                                                                                                      Juli/August 2013 • Seite 7
Ideen schmieden - Wie Förderprogramme Innovationen befeuern
Kompakt




l Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet zogen Bilanz

Gründerreport erschienen
Gründungsaktivitäten sind die Keimzelle des Mittelstandes. Als Impulsgeber für Wettbewerb,
Innovation und Strukturwandel sorgen sie für die Sicherung eines leistungsstarken Wirt-
schaftsstandortes. Der aktuell erschienene Gründerreport der Industrie- und Handelskam-
mern im Ruhrgebiet, der das regionale Gründungsgeschehen von 2008 bis 2012 unter die
Lupe genommen hat, zeigt: Gerade in dieser Region schlummern noch wichtige Potenziale.

23 960 Existenzgründungen im Ruhrgebiet weist der Report für das Jahr 2012 aus – 11,5
Prozent weniger als 2011. In Nordrhein-Westfalen beträgt der Rückgang knapp 12,9 Pro-
zent, im Bundesgebiet 13,7 Prozent. Der komplette Gründerreport steht unter www.ihk-
niederrhein.de/Gruenderreport-Ruhr-2012 als Download zur Verfügung. Ansprechpart-
ner bei der Niederrheinischen IHK: Rüdiger Helbrecht, Telefon 0203 2821-335, E-Mail
helbrecht@niederrhein.ihk.de, und Mariann Ludewig, Telefon 0203 2821-235, E-Mail ludewig
@niederrhein.ihk.de. l




l Internationaler Marketing-Kongress in Duisburg                        l Sendung „Du bist Europa“ bei Studio 47

„The Power of Origin“                                                   EU-gefördertes TV-Programm
                               Spax, Pritt, Geberit – das sind starke   Wie groß ist der Einfluss der EU auf den Niederrhein, welches
                               Marken namhafter Hersteller bereits      europäische Sprachengewirr herrscht auf der Königstraße, und
                               über Generationen. Sie alle haben        welche Gemeinsamkeiten hat das kleine belgische Dörfchen
                               eine einzigartige Firmengeschichte,      Duisburg mit der gleichnamigen deutschen Großstadt? Fragen,
                               auf der ihr Erfolg gründet. Welche       denen die neue TV-Reihe „Du bist Europa“ bei Studio 47, dem re-
                               Bedeutung die Firmenherkunft für         gionalen Fernsehsender für Duisburg und den Niederrhein, auf
                               die Entwicklung und das Führen ei-       den Grund geht.
                               ner Marke einnimmt, diesem Thema
widmet sich der eintägige E3-Kongress unter dem Titel „The Power of     Neben Reportagen und Nachrichten rund um das Thema Eu-
Origin“ am 10. Oktober im Landschaftspark Duisburg-Nord. Renom-         ropa sind spannende Interviewgäste dabei – wie etwa der
mierte Wirtschafts- und Marketingexperten berichten in Vorträgen        deutsche EU-Kommissionsvertreter Dr. Jens Koppelberg, unten
und Seminaren über die Chancen und Möglichkeiten, Firmenge-             im Bild mit Moderatorin Navina Haddick. Die Sendereihe wird
schichte als Marketinginstrument einzusetzen, und beleuchten dabei      vom Europäischen Parlament kofinanziert: Insgesamt 150 000
auch die Bedeutung des Unternehmensstandortes.                          Euro werden von Straßburg aus in das Duisburger TV-Projekt
                                                                        gesteckt. Studio 47 ist damit der erste regionale Fernsehsen-
Der Kongress richtet sich an alle Interessierten und Marketing-         der in NRW, der ein EU-gefördertes Programm produziert und
verantwortlichen. Veranstalter sind die deutsch-österreichischen        ausstrahlt. l
und schweizerischen Mitgliederagenturen des E3-Netzwerkes,
eines internationalen Verbundes inhabergeführter Agenturen
der Bereiche Marken- und Marketingkommunikation. „Nicht all
zu oft bietet sich die Chance, mit international anerkannten Ex-
perten aus diesem Bereich zusammenzukommen und ein Forum
für den regen Austausch zu nutzen“, so Marco Pfotenhauer, Ge-
schäftsführender Gesellschafter der SanderWerbung GmbH aus
Duisburg und Co-Organisator der Veranstaltung. Die Teilnehmer
erwarte ein vielseitiges und hochkarätiges Programm, unter an-
derem zum Thema „1000 Ideas for Duisburg“ von Julian Stubbs,
der bereits für Stockholm eine Neupositionierung entwickelt hat
und jüngst zu „I AMsterdam“ gesprochen hat.

Anmeldungen können ab sofort unter gmc@sanderwerbung.de
oder per Fax unter 0203 99377-67 erfolgen. Weitere Informationen
unter www.e3network.com/gmc oder www.facebook.com/gmc.l
                                                                                                                             Foto: Studio 47

Seite 8 • Juli/August 2013
Ideen schmieden - Wie Förderprogramme Innovationen befeuern
IHK-Service: Literatur-Tipp der Redaktion




IHK-Service

Literatur-Tipp
der Redaktion


Technologietransfer                                – und aufgeben gilt nicht, meint Andrea
                                                   Ramscheidt in ihrem Buch. Auch ein Pro-
                                                   jekt, das verspätet und mit überzogenem
                                                   Budget abgeschlossen wird, kann noch
                      Rund 70 Milliarden Euro      erfolgreich sein. „Mission Impossible“ ver-
                      werden in Deutschland        leiht Projektleitern neue Souveränität.
                      jährlich für Forschung       Schritt für Schritt vermittelt die Autorin
                      und Entwicklung ausge-       das Handwerkszeug, um die Anlage von
                      geben. Dennoch gelingt       Projekten zu analysieren, Krisensituatio-
                      es nicht immer, die ge-      nen richtig einzuschätzen, Schwachstel-
                      wonnenen Erkenntnisse        len zu bestimmen und verloren geglaubte
in erfolgreiche Innovationen umzusetzen.           Aufträge doch noch zum Erfolg zu führen.
Das Praxishandbuch Technologietransfer             Mission Impossible. Wie Sie unmögliche
stellt neun innovative Methoden und Ansät-         Projekte in Erfolge verwandeln. Andrea
ze vor, die neue Impulse für den Erkenntnis-       Ramscheidt, 208 Seiten, ISBN 978-3-7093-
und Technologietransfer aus der wissen-            0508-9, 24,90 Euro, Linde Verlag, Wien.
schaftlichen Forschung in die industrielle
Anwendung geben. Ein Expertenteam aus
verschiedenen Institutionen stellt die Me-         Niederrhein für kleine Leute
thoden anschaulich vor, gibt Tipps für ihre
praktische Anwendung und zeigt Wege zu
ihrer Implementierung. Das Buch richtet
sich unter anderem an Mitarbeiter aus dem                              Früh übt sich, wer ein
Bereich Technologietransfer, in wissen-                                echter Niederrheiner
schaftlichen Instituten, bei Projektträgern                            werden will. Um auch
und Förderinstitutionen, Wissenschaftler                               den Kleinsten ihre di-
und Verantwortliche in Unternehmen. Praxis-                            rekte Umgebung nä-
handbuch Technologietransfer, Innovative                               herzubringen, ist im
Methoden zum Transfer wissenschaftlicher           Boss-Verlag ein Kinderbuch mit den
Ergebnisse in die industrielle Anwendung,          schönsten Motiven aus der Region er-
Hrsg.: Frank T. Piller, Dennis Hilgers, 224 Sei-   schienen. 20 dicke Pappseiten mit kind-
ten mit zahlreichen Abbildungen, ISBN 978-         gerecht dargestellten Motiven enthält
3-86329-595-0, 69,00 Euro, Symposion Publi-        „Mein erstes Buch vom Niederrhein“.
shing, Düsseldorf.                                 Aus dem Anliegen, das Interesse der
                                                   Jüngsten schon frühzeitig zu wecken
                                                   und auch den Eltern eine „Gesprächsan-
Projektmanagement                                  regung“ an die Hand zu geben, entstand
                                                   eine Sammlung von typischen Motiven
                                                   mit hohem Wiedererkennungswert. Die-
                                                   se hat der Illustrator David Medick liebe-
Projekte erfolgreich durchzuführen, ist für        voll in kindgerechte Zeichnungen umge-
Unternehmen überlebenswichtig – entspre-           setzt: von Rheinschiffen über Schloß
chend sorgfältig und professionell werden          Moyland, den Karnevalsprinz, die Emme-
sie geplant. Trotzdem laufen Projekte oft          richer Rheinbrücke, Kevelaers Gnadenka-
nicht so, wie vorgesehen. Es entstehen Ver-        pelle bis hin zum „Kleefse Schüsterken“
zögerungen oder unvorhersehbare Kompli-            ist viel Vertrautes und Niederrhein-typi-
kationen, die die Verantwortlichen an den          sches vertreten. „Mein erstes Buch vom
Rand der Verzweiflung bringen können.              Niederrhein“, ISBN 978-3-89413-174-6, 7,95
Aber all das ist kein Grund zur Resignation        Euro, Boss-Verlag, Kleve.

                                                                                                                Juli/August 2013 • Seite 9
Ideen schmieden - Wie Förderprogramme Innovationen befeuern
Titelthema




Von der Idee zur Marktreife
Wie Unternehmen Förderprogramme zur Entwicklung technologischer Innovationen nutzen

Erfindergeist ist der Treibstoff für technologische Innovationen. Doch die Kosten für Forschung und Entwicklung sind
oftmals erheblich, sodass sie gerade für kleine und mittlere Unternehmen schwer zu stemmen sind. Förderprogram-
me – wie das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) – können dabei helfen, unternehmerische Risiken zu
mildern. „tw“ zeigt anhand von Beispielen aus der Region, wie Unternehmen und Forschungseinrichtungen Förder-
gelder einsetzen, um Innovationen zur Marktreife zu bringen.




Zahlreiche Unternehmen und Forschungseinrichtungen am               erheblich: So flossen von den seit 2008 bundesweit bewillig-
Niederrhein haben sich bereits erfolgreich um Fördermittel          ten 2,8 Milliarden Euro nur 399 Millionen nach Nordrhein-
aus dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand bewor-            Westfalen – das entspricht einem Anteil von 14 Prozent. Von
ben. Über das ZIM hat das Bundeswirtschaftsministerium be-          diesem entfielen lediglich sechs Prozent auf den Niederrhein.
reits technologieorientierte Vorhaben im Bereich Forschung          Im bundesweiten Vergleich liegt die Region sogar unter ei-
und Entwicklung (F&E) aus der Region mit rund 24 Millionen          nem Prozent – es besteht folglich noch eine ganze Menge
Euro gefördert. Dabei entfielen 17,1 Millionen Euro auf die         Luft nach oben. Dabei sind die Aussichten auf einen Zuschuss
Stadt Duisburg, 5,1 Millionen Euro auf den Kreis Wesel, und         vielversprechend: Über zwei Drittel der bundesweit rund
Projekte im Kreis Kleve erhielten 1,7 Millionen Euro an Zu-         30 000 Anträge wurden bislang bewilligt.
schüssen.
                                                                    Das ZIM ist ein bundesweites, technologie- und branchenoffe-
Doch obwohl 24 Millionen Euro eine stattliche Summe dar-            nes Förderprogramm für kleine und mittlere Unternehmen
stellen, relativiert sich der Betrag im überregionalen Vergleich    sowie die mit diesen zusammenarbeitenden Forschungsein-

Seite 10 • Juli/August 2013
Titelthema




 KMU-Definition              kleine Unternehmen          mittlere Unternehmen

 Beschäftigte                unter 50                    unter 250
 Jahresumsatz oder           bis 10 Millionen €          bis 50 Millionen €
 Jahresbilanzsumme           bis 10 Millionen €          bis 43 Millionen €

 Bis Ende 2013 sind auch Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten antragsberechtigt.




richtungen. Mit dem ZIM sollen die Innovationskraft und                 Welche inhaltlichen Förder-
Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen – das Handwerk und                 voraussetzungen werden gestellt?
die freien Berufe eingeschlossen – nachhaltig gefördert wer-
den. Das Programm wirkt unterstützend bei der Entwicklung
neuer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen. Die intensi-         Die in ZIM-Projekten entwickelten Produkte, Verfahren oder
ve Zusammenarbeit von Unternehmen mit wirtschaftsnahen               Dienstleistungen müssen in ihrer Beschaffenheit den bisheri-
Forschungseinrichtungen beschleunigt dabei den Transfer              gen Stand der Technik deutlich übertreffen. Hierdurch sollen
fortschrittlicher Technologien in die Wirtschaft.                    das technologische Leistungsniveau und die Innovationskom-
                                                                     petenz der Unternehmen erhöht werden. Auch die Wettbe-
   Was wird gefördert?                                               werbsfähigkeit soll gestärkt werden, denn es eröffnen sich
                                                                     neue Marktchancen, und – bei subventionierten Projekten für
                                                                     den öffentlichen Geldgeber immer von Interesse – es werden
Gefördert werden einzelbetriebliche F&E-Projekte sowie F&E-          Arbeitsplätze geschaffen und gesichert. Entscheidend für die
Kooperationsprojekte von Unternehmen und Forschungsein-              Bewilligung des Antrags: Das Projekt muss mit einem erhebli-
richtungen, die zur Entwicklung neuer Produkte und Verfah-           chen, aber kalkulierbaren technischen Risiko behaftet sein,
ren dienen. Sie sollen in einer ausgewogenen Partnerschaft           sodass es ohne Förderung nicht oder nur mit deutlichem Zeit-
durchgeführt werden – das heißt, dass alle Beteiligten inno-         verzug realisierbar wäre.
vative Leistungen erbringen müssen. Unterstützend können
zusätzlich Dienst- und Beratungsleistungen für Unternehmen              Welche Anforderungen werden gestellt?
gefördert werden.


   Wer kann einen Antrag stellen?                                    Unternehmen und Einrichtungen müssen über ausreichend
                                                                     qualifiziertes wissenschaftlich-technisches Personal verfügen,
                                                                     zumindest zeitweilig Personal aus Forschungseinrichtungen
ZIM-Anträge können kleine und mittlere Unternehmen sowie             beschäftigen oder entsprechende Neueinstellungen vorsehen.
Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern stellen. Ob ein Un-          Zudem müssen sie nach Ende des Projekts auch personell den
ternehmen antragsberechtigt ist, lässt sich leicht mit einem         weiteren Geschäftsverlauf sicherstellen können. Antragsteller
Schnelltest ermitteln, der unter www.zim-bmwi.de/schnell-            mit Förderprojekt-Erfahrung müssen vorausgegangene Projek-
einstieg zur Verfügung steht. Es gilt: Unternehmen mit weni-         te ordnungsgemäß abgeschlossen haben. Ein geordnetes
ger als 250 Mitarbeitern können noch bis Ende des nächsten           Rechnungswesen wird vorausgesetzt. Unentbehrlich ist zudem
Jahres entsprechende Anträge einreichen. Die Antragsberech-                                 der Nachweis darüber, den erforderli-
tigung für Unternehmen bis 500 Beschäftigte endet schon am                                  chen finanziellen Eigenanteil aufbrin-
31. Dezember dieses Jahres (vgl. Tabelle). Bei Verbundunter-                                gen zu können.                       
nehmen muss die gesamte Organisation beachtet werden.
                                                                                              Ein ergänzender TV-Beitrag zu diesem Thema ist
                                                                                              auch direkt über den nebenstehenden QR-Code
   Wie hoch sind die Zuwendungen?                                                             oder in der tw-aktuell-Mediathek unter www.
                                                                                              ihk-niederrhein.de abrufbar.


F&E-Projekte in Unternehmen werden mit bis zu 50 Prozent der
zuwendungsfähigen Kosten – diese sind auf 350 000 Euro pro
                                                                      IHK-Infobox
Teilprojekt begrenzt – gefördert. Forschungseinrichtungen er-
                                                                      Weitere Informationen zum Zentralen Innovationsprogramm Mit-
halten bis zu 100 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten er-
                                                                      telstand unter www.ihk-niederrhein.de/ZIM. Ansprechpartner für
stattet. Für spezielle Kooperations- und Netzwerkformen gel-
                                                                      die Themen Innovationen und Förderprogramme bei der IHK:
ten weitere Regelungen. Die Förderquote hängt auch von der
                                                                      Stefan Finke,Telefon 0203 2821-269, E-Mail finke@niederrhein.ihk.de.
Größe und der regionalen Lage des Unternehmens ab.

                                                                                                                   Juli/August 2013 • Seite 11
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Weltmarktführer aus Bedburg-Hau
Das Unternehmen Fluxana kooperiert im Rahmen eines ZIM-Projekts mit der Hochschule Rhein-Waal



Ein weltweit tätiges Unternehmen vermutet man wohl eher in Duisburg, zweifellos auch in der Landeshauptstadt, vielleicht aber weniger
in Bedburg-Hau. Doch genau hier hat sich das Unternehmen Fluxana angesiedelt, sendet Know-how in die ganze Welt, nach Brasilien und
Indien, in die USA. Mit Hilfe eines laufenden ZIM-Projekts in Kooperation mit der Hochschule Rhein-Waal will Fluxana die Qualität der
eigenen Arbeit steigern.



Geschäftsführer und Firmengründer Dr.         betreuen den Kunden von der Idee bis           Dr. Myint Myint Sein betreut das Projekt
Rainer Schramm: „Wir sitzen in einer Ni-      zur Produktionskontrolle.“ Das Problem         seitens der Hochschule Rhein-Waal. Die
sche. Diese heißt Qualitätssicherung – für    der Kunden beschreibt er so: „Die haben        Wissenschaftlerin aus Myanmar, dem
Zementhersteller und Minenbetreiber, für      das Auto gekauft, aber keiner bietet ih-       ehemaligen Burma, gründete das Labor
Stahl- und Glaswerke. ,Röntgenfluores-        nen den Führerschein an.“                      an der Hochschule, das anfangs nur aus
zenzanalyse’, darum dreht sich bei uns al-                                                   Tischen und Stühlen bestand. Für sie war
les.“ Vereinfacht ausgedrückt: Materialpro-   Das laufende ZIM-Förderprojekt ist be-         die Kooperation mit dem Unternehmen
ben werden in einem Ofen bei über 1100        reits sein zweites. „Die Idee ist: Man hat     ein Glücksfall: „Wenn etwas nötig ist, un-
Grad Celsius eingeschmolzen, anschlie-        ein risikobehaftetes Forschungsprojekt         terstützt Fluxana.“ Die Personalkosten
ßend mit dem Röntgengerät die Inhalts-        und weiß nicht, lohnt sich der Einsatz?        der Hochschule werden zu 100 Prozent
stoffe der Probe bestimmt. Die Geräte         Dann springt der Staat ein“, erklärt der       aus ZIM-Mitteln bestritten, Fluxana er-
müssen kalibriert werden, wofür jeder         Firmenchef. Den größten Teil der Kosten        hält einen Zuschuss von 40 Prozent.
Kunde ein eigens angefertigtes Spezial-       trage man aber immer noch selbst, zu-
glas benötigt – und genau hier fand sich      dem müsse man sich kritischen Nachfra-         Der in der Nähe von Freiburg geborene
die Nische für Fluxana.Chemiker Schramm       gen stellen. Für ihn stand bereits vor dem     Schramm, der bei dem Klever Unterneh-
machte Nägel mit Köpfen: „Wir haben in        Projekt fest, dass man die Hochschule          men Spectro seine Diplomarbeit schrieb
Thüringen eine Glasschmelze aufgemacht.       Rhein-Waal einbinden müsse.                    und dabei am Niederrhein hängen blieb,
Das ist die Schlüsseltechnologie. Wir sind                                                   will die Zusammenarbeit mit der Hoch-
Weltmarktführer.“                             Es geht insbesondere darum, dass bei           schule fortsetzen: „Ich habe wieder eine
                                              der Glasschmelze bestimmte Elemente            neue Idee.“ Ein Projekt, das dann kom-
Hersteller für Geräte zur Röntgenfluores-     verdampfen. Schramm: „Wie flüchtig sind        plett in die Hände der Hochschule gelegt
zenzanalyse gibt es weltweit höchstens        sie, was kann man daran ändern? Wir ver-       werden könnte. Dass im Herbst sein La-
zehn an der Zahl. Doch was macht den          stehen jetzt viele Dinge besser, haben         bor von der nationalen Akkreditierungs-
Unterschied aus? Fluxana setzt dort an,       wirklich wichtige Erkenntnisse gewon-          stelle der Bundesrepublik Deutschland in
wo andere Hersteller aufhören – bei der       nen. Ich sichere mir das Know-how und          Berlin – diese überwacht die Fachkompe-
Einweisung der Kunden in die komplexe         die daraus resultierenden Entwicklun-          tenz unter anderem von Laboratorien –
Funktionsweise der Geräte, die eine Wis-      gen.“ Und, was er nicht erwähnt, damit         akkreditiert wird, ist für ihn nur der Beleg
senschaft für sich ist. Rainer Schramm:       der Wirtschaftsregion sichere und quali-       für eine Tatsache: „Wir sind die Experten.
„Da muss eine Gesamtstrategie her. Wir        tativ hochwertige Arbeitsplätze.               Damit verdienen wir unser Geld.“




Probenhalter.                                 Dr. Myint Myint Sein und Dr. Rainer Schramm.   Im Ofen werden die Materialproben eingeschmolzen.


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Klaus-Peter Ehrlich-Schnelting.


Dem Rohrkataster auf der Spur
Dank eines ZIM-Projekts löst die Moerser RES Group die Probleme der Zukunft



Wasser, Abwasser, Gase, Öle, flüssige und auch umweltschädliche Stoffe – all das wird durch Rohrleitungssysteme gepumpt. Sie sind komplex
und liegen vielfach unter der Erdoberfläche. Ihren Zustand zu erfassen, Daten zu sammeln und darüber hinaus eine Risikobewertung zu erstel-
len, das hat sich Klaus-Peter Ehrlich-Schnelting, Geschäftsführer der RES Group GmbH in Moers, zur Aufgabe gemacht. Seine Software namens
EMS Base I, entwickelt mit einer Partnerfirma und gefördert als ZIM-Projekt, löst Probleme unter anderem der Mineralöl- und Petrochemie.



Klaus-Peter Ehrlich-Schnelting bündelt          ihre Infos liegen haben.“ Genau um diese        sei bei der Planung entscheidend, so Klaus-
mehrere Kompetenzen. Er studierte berufs-       Informationen geht es: Die Software inte-       Peter Ehrlich-Schnelting.
begleitend Bergingenieurwesen in Bo-            griert sich in eine vorhandene Infrastruk-
chum, arbeitete später als Bergbauingeni-       tur und fügt sämtliche Informationen aus        Hier kommt das statistische Alter ins
eur auf der Zeche Walsum. 1996 entschloss       diversen Datenquellen, -systemen und            Spiel, das Erfahrungswerte auf die Gege-
er sich zum Wechsel in den IT-Bereich. „Ich     -formaten zu einer gesamten Zustandsbe-         benheiten eines konkreten Falls über-
bin der gelebte Strukturwandel“, so der Ge-     wertung zusammen. Sein Ansatz: „Alle In-        trägt: Bodeneigenschaften werden von
schäftsführer über seinen Werdegang.            fos in den Köpfen müssen ins System. Wir        der Software dabei ebenso berücksichtigt
2005 erfolgte die Gründung der RES Con-         brauchen ein Wissensmanagement, müs-            wie Verkehrs- und Erdlasten, Belastungen
sulting GmbH, die er zur RES Group ausbau-      sen die Informationen festhalten für die        aus Bodenbewegungen und die Rohrgeo-
te. Seit Dezember 2011 läuft nun – bis Ende     kommenden Generationen.“ Mit dem Fest-          metrie. Die Software liefert alle entschei-
2013 – das ZIM-Projekt mit einem geförder-      halten allein ist es indes nicht getan. Die     dungsnotwendigen Daten auf Knopf-
ten Gesamtvolumen von 350 000 Euro.             Software rechnet unter anderem Stress-          druck, verortet, bewertet. Sobald diese
140 000 Euro kommen vom Bundeswirt-             faktoren ein.                                   vollständig erfasst sind, lässt sich jeder
schaftsministerium. Ohne diese Förderung,                                                       noch so kleine Teil eines komplexen Rohr-
so der RES-Chef, hätte er die Software nicht    Eine Rohrleitung sei zu betrachten wie ein      leitungssystems lokalisieren und abrufen.
entwickelt. Abgerechnet wird quartalswei-       Organismus, so der Geschäftsführer. Dem
se, Erfolgskontrollen gab es bislang zwei.      tatsächlichen Alter müsse ein statistisches     Die RES erweiterte im Laufe der Jahre ihr
                                                Alter gegenübergestellt werden, das zahl-       Leistungsspektrum, wandelte sich vom
Was wird nun mit dem Geld entwickelt? „In       reiche Einflussfaktoren – wie beispielswei-     reinen SAP-Beratungsunternehmen zum
NRW wird es ein flächendeckendes Rohr-          se die geografische Lage der Leitung oder       Softwareentwickler. Um ein ZIM-Projekt
kataster geben“, ist der Moerser Unterneh-      die Auswirkungen des durchgeleiteten Pro-       umsetzen zu können, versicherte man
mer überzeugt. Seine Software eignet sich       dukts auf das Rohr – berücksichtige. Ände-      sich der Hilfe eines externen Beratungs-
für jeden Betreiber von Rohrleitungssyste-      rungen in diesen Parametern lassen eine         unternehmens. Kompetenz, so Klaus-Peter
men, seien es nun Chemieunternehmen             Rohrleitung im Ampel-Schema, das als            Ehrlich-Schnelting, komme schließlich
oder Stadtwerke. Ehrlich-Schnelting: „Die       Warnsignal dient, vom gelben in den roten,      nicht von ungefähr: „Dann hole ich mir je-
allerwenigsten Betreiber wissen, wo sie         gefährlichen Bereich rutschen. EMS Base I       manden, der das kann.“                 

                                                                                                                    Juli/August 2013 • Seite 13
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Schlüsseltechnologie für einen gigantischen Markt
O-Flexx Technologies und die UDE arbeiten an einer Revolution der Wärmeumwandlung



Es ist ein globaler Markt, den das Duisburger Unternehmen O-Flexx Technologies ins Visier genommen hat. Allein in Europa, den USA,
China und Japan betrage das Volumen 125 Milliarden Euro, so O-Flexx-CEO Dr. Holger Ulland. Das Unternehmen versucht nun gemeinsam
mit der Universität Duisburg-Essen (UDE), ein dort entwickeltes Nano-Material in eine der O-Flexx-Produktplattformen zu integrieren.




Dr. Holger Ulland.


Unterstützt durch ZIM-Mittel, könnte         Die Antwort ist einfach: Es fehlt bisher      Halbleiter-Industrie bewährt hat, steht
dabei ein Produkt entstehen, das die-        an der Umsetzung der Schlüsseltechno-         nun in abgewandelter Form in Duisburg.
sen gigantischen Markt revolutionie-         logie. Bislang existierende sogenannte        „Wir könnten jetzt schon ein Megawatt
ren, ja überhaupt erst erschließen           Thermoelektrik-Generatoren waren so-          Kapazität herstellen“, so der CEO.
könnte. Es geht um Stromerzeugung            wohl auf der Materialseite als auch in
aus nicht genutzter Abwärme, um die          ihrem Aufbau und ihrer Herstellung            Strom genau dort zu erzeugen, wo Wär-
Nutzung eines thermoelektrischen Ef-         nicht kompatibel für den Massenmarkt.         me ungenutzt bleibt – das ist das Ziel.
fekts. Dabei handelt es sich um ein          Diesen Missstand zu beheben, sind O-          Beispiel Stahlproduktion: „In einer Bram-
auch im Alltag zu beobachtendes Phä-         Flexx und die Universität Duisburg-Es-        me stecken 600 bis 900 Grad, die heizen
nomen: Wer macht sich beispielswei-          sen angetreten. Während die Uni ein Si-       nur die Halle.“ Holger Ulland zieht den
se beim Halt an der Tankstelle be-           licium-Material entwickelte, das bereits      wirtschaftlichen Vergleich zur Fotovolta-
wusst, dass sein Auto nur ein Drittel        bei 400 Grad Celsius – anstatt der übli-      ik: „Wir haben etwa 1000 Sonnenstunden
des teuren Sprits in Motorleistung           chen 700 bis 900 Grad – verwendbar ist,       im Jahr, aber ein Stahlwerk hat 8 000 Be-
umsetzt, zwei Drittel aber in unge-          machte man sich bei O-Flexx an die Ent-       triebsstunden.“ BASF in Ludwigshafen sei
nutzte Wärme?                                wicklung der sogenannten „Power Cell“.        30 Quadratkilometer groß und produ-
                                             Dünnschichtig und lötbar bietet sie die       ziere Unmengen an Abwärme – warum
Wenn man bedenkt, dass beispielswei-         Möglichkeit, Wärme in Strom zu verwan-        diese nicht direkt vor Ort in Strom um-
se die technischen Systeme mancher           deln, und das zu einem Preis, der sich        wandeln? Die Anwendungsmöglichkei-
Premium-Karosse gut und gerne 2 000          am Markt umsetzen lässt. Ulland: „Diese       ten scheinen unbegrenzt.
Watt benötigen und dem Motor somit           Produkte müssen an den Markt. Unser
eine Leistung von bis zu zehn PS ent-        Ziel für 2017 lautet: 20 Millionen Euro       In die Entwicklung der Technologie fließen
ziehen – wäre es dann nicht überaus          Umsatz.“                                      Mittel des Förderprogramms ZIM mit ein.
sinnvoll, die 500 bis 600 Grad heißen                                                      2009 und 2010 wurden bereits zwei Einzel-
Autoabgase zur Stromerzeugung zu             Ein gigantischer, bislang brachliegender      projekte beantragt. Die Kosten für O-Flexx
nutzen? Ein weiteres Beispiel: In be-        Markt – wie kann sich ein Unternehmen,        lagen jeweils bei 350 000 Euro, davon wur-
sonders kalten Wintern fallen Heizun-        das gerade einmal zehn Mitarbeiter be-        den 40 Prozent gefördert. Die aktuelle För-
gen aus, weil Strom-Freileitungen zer-       schäftigt und unter anderem durch Wag-        dermaßnahme umfasst 122 500 Euro. Dr.
stört werden und in der Folge die            niskapital der NRW-Bank finanziert, die-      Holger Ulland: „Die bürokratischen Hürden
Versorgung zusammenbricht. Eine mo-          ser Aufgabe stellen? Ulland hat nicht nur     waren nicht die kleinsten.“ Aber diese hat
derne Heizung benötigt zwar nicht viel       in Maschinenbau promoviert, sondern ist       O-Flexx bislang ebenso gemeistert wie alle
Strom, um zu funktionieren – etwa 50         auch Diplom-Kaufmann: „Für Thermo-            technischen Probleme. Deren Lösung ist
Watt – aber ganz ohne ihn geht es na-        elektrik gibt es bislang keine Maschinen.     ein Teil der Energiewende: Strom intelli-
türlich auch nicht. Warum dann also          Unsere Kunst ist es, Maschinen aus ande-      gent zu erzeugen und zu nutzen. l
nicht die Abwärme der Heizung nutzen,        ren Industrien zu suchen und umzunut-                        Unternehmensporträts: hr
um eben diesen Strom zu produzieren?         zen.“ Das funktioniert: Was sich in der            Fotos: Bernd Lauter/berndlauter.com

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Das IHK-Hauptgeschäftsgebäude in einer Aufnahme aus dem Jahr 1953. Links und rechts waren noch Ladenlokale untergebracht.   Fotos/Repros: Ullrich Sorbe




60 Jahre IHK-Hauptgeschäftsgebäude
Kleiner Rückblick auf das Duisburger „Haus der Wirtschaft“ / Einweihungs-Ansprache an „Sehr geehrte Herren!“


                                             Wer die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg-
                                             Wesel-Kleve an ihrem Hauptsitz besuchen will, hat es denkbar ein-
                                             fach: Markant steht sie einen Steinwurf entfernt vom Hauptbahn-
                                             hof, per öffentlichem Personennah- und Fernverkehr ebenso gut zu
              | 2 0 13                       erreichen wie mit dem Auto. Über 16 000 Besucher werden immer-
         1953
               Juli                          hin pro Jahr im Hauptgeschäftsgebäude, dem „Haus der Wirtschaft“,


           29.
                                             gezählt. Zu Beginn, nach der feierlichen Einweihung vor 60 Jahren,
                                             war es noch etwas beschaulicher. Ein Blick in die Geschichte.




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An den rechten Teil des Gebäudes schließt sich ein weiterer, von der IHK 1996 erworbener Trakt (Mercatorstraße 16-20) an, wo heute der Geschäftsbereich
Bildung und Technologie und der Bereich IT untergebracht sind. Daneben gibt es eine Reihe Sitzungs- und Besprechungsräume.




Wer am Mittwoch, 29. Juli 1953, gegen               August jenes Jahres. Präsident Erich Ed-            ter, eine Bedeutung wie in keinem ande-
16 Uhr den Hauptbahnhof in Richtung In-             gar Schulze begrüßte die Gäste, es er-              ren des Landes. Und hinsichtlich der
nenstadt verließ – es war ein angeneh-              folgte die feierliche Schlüsselübergabe             Neubaueinweihung sprach er von einem
mer, warmer Sommertag –, war wahr-                  an Hauptgeschäftsführer Dr. Hellmuth                „schönen und würdigen“ Gebäude. Mehr
scheinlich erstaunt über den Andrang vor            Herker. Oberbürgermeister August See-               noch: „Das Kammergebäude ist das Rat-
dem großen Backsteingebäude an der                  ling übermittelte den herzlichen Glück-             haus der Wirtschaft.“
Ecke Mercatorstraße/Friedrich-Wilhelm-              wunsch der Stadt Duisburg und betonte:
Straße. Viel Prominenz aus Politik, Wirt-           „Durch Ihren Neubau haben Sie der Stra-             Schon 1936 war
schaft und öffentlichem Leben traf hier             ße, die den Namen eines hochbedeuten-
ein, eingeladen zur Einweihung des neu              den Forschers trägt, einen starken Ak-
                                                                                                        Bauentscheidung getroffen
erbauten Hauptgeschäftsgebäudes der,                zent verliehen.“
so der Name damals, Niederrheinischen                                                                   Die Geschichte des Gebäudes reicht al-
Industrie- und Handelskammer Duisburg-              Grüße des Landes überbrachte der Minis-             lerdings viele Jahre zurück. Bereits 1936
Wesel zu Duisburg.                                  ter für Wirtschaft und Verkehr und stell-           wurde unter Präsident Dr. J. W. Welker der
                                                    vertretende Ministerpräsident Dr. Artur             einmütige Beschluss gefasst, ein zeitge-
                                                    Sträter. „Die Niederrheinische Industrie-           mäßes Gebäude zu errichten, nachdem
Festakt schlicht und würdevoll                      und Handelskammer Duisburg-Wesel                    der damalige Sitz in Ruhrort nicht mehr
                                                    umfasst einen hoch entwickelten Wirt-               den Erfordernissen entsprach. Die Wahl
„Schlicht und würdevoll, wie sich das               schaftsbezirk, der in mancher Beziehung             fiel auf den Platz gegenüber dem Haupt-
neuerbaute Hauptgeschäftsgebäude (…)                zu den vielgestaltigsten Wirtschaftsräu-            bahnhof, vor allem aufgrund der guten
erhebt, vollzog sich der Festakt seiner             men unseres Landes zählt“, so der Minis-            Erreichbarkeit. Der Plan für das Gebäude
Einweihung in dem mit Blatt- und Blu-               ter, damals noch an die Anwesenden ge-              wurde durch den ersten Preisträger eines
menschmuck versehenen großen Sit-                   richtet mit den Worten: „Sehr geehrte               öffentlich ausgeschriebenen Wettbe-
zungssaal“, heißt es in der IHK-Publikati-          Herren!“ Die Verkehrswirtschaft in die-             werbs, den Architekten Phil. W. Stang,
on „Wirtschaftliche Mitteilungen“ vom 15.           sem Kammerbezirk habe, so Sträter wei-              Düsseldorf, ausgearbeitet.              

                                                                                                                              Juli/August 2013 • Seite 17
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Das Portal des Gebäudes anlässlich der Einweihung vor 60 Jahren.           Aus städtebaulichen Gründen unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes
                                                                           sind auch am Portal nur behutsame Anpassungen vorgenommen worden.




Krieg und Kriegsfolgen verhinderten den             tig aus, indem er die Übersicht beim Ein-       Umbau mit Einsturzgefahr in
Start. Erst 1951 wurden die Baupläne wie-           biegen vom Bahnhofsvorplatz in die
                                                                                                    den 90er-Jahren
der hervorgeholt. Es wurden notwendige              Friedrich-Wilhelm-Straße verbessert.“ Der
Anpassungen vorgenommen, und es galt,               Architekt erwähnte noch die Absicht, auf
den am Baugrundstück noch im Krieg er-              der Ecke eine Hermessäule zu errichten.         Gleichwohl fanden im gegebenen Rah-
richteten Luftschutzbunker, der übrigens            Dazu kam es letztlich nicht. Favorisiert        men erhebliche Veränderungen im Ge-
viele Jahre später noch für Aufregung               wurde schließlich der heute dort noch           bäude statt, und zwar Mitte der 90er-
sorgen sollte, zu berücksichtigen. Am               stehende Brunnen mit dem goldenen An-           Jahre. Mit dem Freiwerden eines Frisör-
15. Juni 1952 begann der Rohbau, in den             ker, errichtet 1956, eingeweiht noch im         geschäftes auf der Ecke Mercator-/
ersten Juli-Tagen des folgenden Jahres              gleichen Jahr am 18. September anläss-          Friedrich-Wilhelm-Straße nahm die IHK
konnte der Neubau bezogen werden.                   lich des 125-jährigen Bestehens der IHK.        den Umbau ihres Gebäudes im Erdge-
                                                                                                    schoss in Angriff. Das Ziel: die Einrich-
In dem Baubericht des Architekten hieß              In den folgenden Jahrzehnten erfolgten          tung eines Service-Centers, das den
es unter anderem: „Um das Kammerge-                 immer wieder Modernisierungen, zuletzt          immer mehr werdenden Besuchern
bäude an der für Duisburg so städtebau-             auch unter Berücksichtigung des gelten-         optimale Voraussetzung für Beratungen
lich wichtigen Stelle gegenüber dem                 den Denkmalschutzes. Hierzu hieß es in          bietet. Am 13. Dezember 1995 war es so-
Hauptbahnhof herauszustellen, wurde                 einer Bewertung durch die Untere Denk-          weit: Nach nur fünf Monaten Umbau –
die Bauflucht des Hauptgebäudes ge-                 malbehörde Duisburg: „Aufgrund der              und trotz Hiobsbotschaften infolge von
genüber der Mercatorstraße in einer                 deutlichen Anknüpfung an die gestalteri-        Einsturzgefahr im Bereich des alten un-
Breite von 32,50 Meter um 10,50 Meter               schen Merkmale des Hauptbahnhofs bil-           terirdischen Luftschutzbunkers – prä-
zurückgenommen. Es entstand so ein ge-              det das Verwaltungsgebäude der IHK ein          sentierte sich die IHK mit einem großzü-
räumiger Vorplatz, der dem Kammerge-                städtebauliches Ensemble mit diesem.            gigen Empfang und einem attraktiven
bäude als öffentliches Gebäude eine                 Der Brunnen setzt eine bedeutsame Mar-          Beratungsbereich, der auch für ange-
gewisse Repräsentation gibt. Dieser Platz           ke im Stadtgefüge. Für den Erhalt liegen        hende Existenzgründer seither ständige
wirkt sich auch verkehrstechnisch güns-             somit städtebauliche Gründe vor.“               Anlaufstelle ist. Folgerichtig wurde hier

Seite 18 • Juli/August 2013
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