Bildungsguide2019 Sonderbeilage vom 5./6. Dezember 2018 - Stadt Zürich
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Deine Karriere.
Dein Studium.
flexibel. berufsbegleitend. digital.
Als einzige Fachhochschule der Schweiz bietet die FFHS die Möglichkeit,
grösstenteils orts- und zeitunabhängig zu studieren. Durch die Kombination
von E-Learning und Face-to-Face-Unterricht bleibt genügend Flexibilität für
Beruf, Familie oder Sport.
Manuel (27) will sich beruflich weiter- Lernplan erarbeitet er nun die Etappen- DIE FERNFACHHOCHSCHULE SCHWEIZ
qualifizieren und ein Bachelor-Studium ziele selbstständig – wann und wo es Die FFHS bietet als eidgenössisch anerkannte
absolvieren. An den meisten Fachhoch- ihm gerade am besten passt. Dabei bleibt Fachhochschule berufsbegleitende Bachelor-
schulen hat er berufsbegleitende Stu- er virtuell via Lernplattform mit seinen und Master-Studiengänge sowie Weiter-
diengänge gefunden. Aber sein Arbeits- Dozierenden und Mitstudierenden ver- bildungen an. Mit 20 Jahren Erfahrung im
Distance Learning ist sie die führende E-
pensum auf 50% reduzieren? Dafür sind bunden und kann verschiedene Formen
Hochschule der Schweiz und eine Alterna-
ihm sein Job und seine finanzielle Unab- von E-Learning-Tools wie Online-Tests, tive für all jene, die Berufstätigkeit, Familie
hängigkeit zu wichtig. Das Angebot der Foren oder Multimedia nutzen. und Studium kombinieren möchten.
Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) kam
da wie gerufen. Die anerkannte Fach- AUSTAUSCH MIT DER KLASSE
hochschule bietet ein einmalig flexibles Auch der persönliche Austausch kommt BACHELOR OF SCIENCE (BSC)
Modell, mit dem Manuel einen Grossteil nicht zu kurz: Jeden zweiten Samstag* – BSc Betriebsökonomie
des Studiums selbstbestimmt mit Hilfe trifft sich Manuels Klasse zum Face-to- – BSc Wirtschaftsingenieurwesen
von E-Learning absolvieren kann. Er teilt Face-Unterricht und vertieft das im Selbst- – BSc Wirtschaftsinformatik /
nun seine Studienphasen so ein, dass er studium erworbene Wissen gemeinsam Digital Connected Society
im Job fit bleibt und gleichzeitig sein Ziel mit den Dozierenden. Für Manuel ist klar: – BSc Informatik
– Praxisintegriertes Bachelor-Studium
Bachelor-Diplom verfolgen kann. Er hat das passende Studienmodell ge-
(PiBS) Informatik
funden, das ihm maximale Unabhängig-
– BSc Ernährung & Diätetik
STRUKTURIERTER LEHRPLAN keit bietet.
Und so funktionierts: Die FFHS stellt
Manuel vor Semesterbeginn alle Lehr- * Zeitmodelle können variieren.
PASSERELLEN FÜR HF-ABSOLVENTEN
materialien und das Login zur Online- Einstieg in ein höheres Semester als Absolvent
Lernplattform zu. Gemäss strukturiertem einer höheren Fachschule (HF) der gleichen
Studienrichtung
ffhs.ch/bachelor
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Business Administration und eine breite Palette
an Weiterbildungen auf www.ffhs.ch.BILDUNGSGUIDE 3
Editorial
Die Schweiz rangiert im Bildungs-, Forschungs-
und Innovationsbereich bei wichtigen Indikato- Inhalt
ren unter den besten Ländern. Bei den Daten
zu den Personen in Beschäftigung oder (Weiter-)
Bildung, bei den wissenschaftlichen Publika-
tionen oder in Innovationsrankings schneidet sie Mit fünfzig in die Lehre 4
in aller Regel mustergültig ab.
Zahlen zur Bildung 6
Man kann den erwähnten Leistungsausweis
kaum nur an einem Grund festmachen. Aber Nützliche Links 8
Johann N. Schneider-Ammann wenn es etwas gibt, worin sich die Schweiz vom
Bundesrat Gros der anderen Länder unterscheidet, dann Berufswünsche 9
darin: Die Wissenserarbeitung und -weitergabe geschieht zu einem Grossteil
im dualen Modus. Tatsächlich ist die Dualität «lernen und arbeiten» beinahe GRUNDBILDUNG 11
überall im System verankert. Dies gilt ausgeprägt natürlich in der beruflichen
Grundbildung. Aber eben durchaus auch auf der Tertiärstufe: Die höhere HÖHERE BERUFSBILDUNG 14
Berufsbildung ist praxisnah, die Angebote der Fachhochschulen sind markt-
orientiert und oft berufsbegleitend, und auch in vielen Fachbereichen der
HOCHSCHULSTUFE 16
Universitäten (der ETH sowieso) sorgen Laboraufenthalte und Praktika der
Studierenden für Bodenhaftung in der Arbeitswirklichkeit.
NACHDIPLOMSTUDIENGÄNGE 18
Dazu kommt, dass unser Bildungssystem im Vergleich zu den Systemen
sehr vieler anderer Länder äusserst durchlässig ist. Getreu dem Motto «Kein BERUFSORIENTIERTE WEITERBILDUNG 20
Abschluss ohne Anschluss» gibt es keine Sackgassen. Jede und jeder Einzelne
kann sich demnach gemäss eigenen Neigungen und Talenten einen persönli- Bildungsrouten:
chen Bildungsweg aussuchen und sich zeitlebens beruflich weiterentwickeln
Die grosse Übersicht in der Heftmitte 22
oder umorientieren. Klar ist, dass die Arbeitswelt in einem Prozess umfang-
reicher Veränderungen steckt und sich die Digitalisierung auf die Ausbildung
Berufswege 24
und das Berufsleben auswirkt. Die Wissensgesellschaft, der technologische
Fortschritt und der Strukturwandel stellen ständig neue und häufig auch höhe-
re Qualifikationsanforderungen an die Menschen. Der Erwerb von Wissen und Laufbahnressourcenmodell 27
Können sowie deren kontinuierliche Aktualisierung und Weiterentwicklung
sind unabdingbar. Sie sind Voraussetzung für die persönliche Entfaltung und Im Digitalcheck 30
für die Teilhabe an Gesellschaft und Wirtschaft in all ihren Facetten.
Berufsentscheidung 32
Der vorliegende Bildungsguide macht deutlich: Die Schweiz verfügt nicht
nur über ausgezeichnete Hochschulen, sondern auch über ein hervorragendes Frauen und Männerberufe 34
duales Berufsbildungssystem. Beide Wege sind hierzulande gleichwertig,
aber andersartig. Das Aus- und Weiterbildungsangebot ist heute wohl so gross Umschulungen 36
wie kaum je zuvor. Lernwillige haben somit die Qual der Wahl.
Ich kann Sie deshalb nur ermutigen: Nutzen Sie die Vielfältigkeit des
Validierungsverfahren 38
Schweizer Bildungssystems, um Ihre individuellen Bildungsziele zu erreichen.
Ich wünsche Ihnen dabei viel Neugier, Freude und Erfolg.
Lebenslanges Lernen 39
IMPRESSUM «Bildungsguide» ist eine gemeinsame Beilage der Titel TagesAnzeiger, Der Landbote, Zürcher Oberländer, Lernstrategien 40
Zürcher Unterländer und ZürichseeZeitungen. Herausgeberin/Verlag Tamedia AG, Werdstrasse 21, 8004 Zürich, EMail:
beilagen@tamedia.ch Verlagsleitung Marcel Tappeiner Anzeigen Valère Bärtsch, Philippe Morgenthaler; Tel. +41 (0)44
248 40 30, EMail: inserate@tagesanzeiger.ch, Website: advertising.tamedia.ch Redaktion und Produktion Vesna Burk
halter (Leiterin Beilagen), Philipp Mooser, Anik Coray (Redaktion), Andrea Thüler, Pedä Siegrist (Layout) Zusammenarbeit Checkliste: Die richtige Weiterbildung 42
Laufbahnzentrum der Stadt Zürich Auflage 418 487 (Wemf 2018) Leser 657 000 (MACH Basic 20182) Druck Tamedia AG,
Druckzentrum Bern4 BILDUNGSGUIDE
Mit fünfzig in die Lehre
Vom Geschäftsführer zum Lehrling: So geschehen bei Ingo Buse. Mit fünfzig Jahren
beginnt er nochmals von vorne und startet eine Lehre als Bootfachwart. VON MARCO GRAF
Der grosse, stämmige Mann wartet am Eingang der Beruf gehabt. Sein Standardsatz lautete: Ich bin Hobby-
Werft in Meilen am Zürichsee. Für einen frischgebacke- segler und will mein Hobby zum Beruf machen.
nen Bootfachwart ist Ingo Buse alt, davon zeugt die Glat- Bleibt die Frage, wie ein Geschäftsführer dazu
ze mit dem Haarkranz an den Seiten des Kopfs. Er wirkt kommt, Bootfachwart zu lernen. Ingo Buse blickt zu-
entspannt, relaxt, würden seine jugendlichen Berufs- rück: «Als ich gegen die fünfzig ging, hat das angefan-
schulkollegen sagen. Die Augen blicken freundlich und gen. Wenn ich von einem Segeltörn zurückgekommen
neugierig. Ist sein Gang wiegend, wie wenn er an Bord bin, ist es mir jedes Mal schwerer gefallen, mich im Büro
eines Schiffes wäre? «Das sind die Gene», meint er dazu. wieder zurechtzufinden.» Irgendwann merkt er, dass es
Schon sein Urgrossvater hatte drei Frachtsegler und fuhr so nicht mehr weitergehen kann. Er fragt bei der Werft
als Kapitän zwischen Bremerhaven und Buenos Aires in Arbon am Bodensee, bei der er sein Boot gekauft hat,
hin und her. Sein Grossvater studierte Maschinenbau ob er ein bis zwei Wochen mitarbeiten dürfe. Nach die-
und entwickelte Schiffsmotoren. «Auch mein Vater ist ser Schnupperlehre, einigen Wochen Bedenkzeit und
schon mit siebzehn zur See gefahren und hat sich von langen Gesprächen mit seiner Frau und seinen drei
ganz unten zum Kapitän hochgedient.» Jetzt will Ingo erwachsenen Kindern bewirbt er sich bei der Werft im
Buse diese Tradition fortsetzen, als Bootfachwart. Schon Sommer 2014 als Mitarbeiter. Man ist sich rasch einig.
immer habe er sich mit der Schifffahrt beschäftigt, aber Ingo Buse kann als Lehrling eintreten, aufgrund seiner
nur als Hobbysegler. Vorbildung dauert die Lehrzeit zwei statt drei Jahre, und
er erhält den Lohn eines Hilfsarbeiters. So unterzeich-
Keine Freude mehr am Beruf net Ingo Buse am 18. August 2014 einen Lehrvertrag
Nach wenigen Sätzen ist klar: Dieser Mann ist nicht und tritt zwei Tage später die Lehre an. Bald darauf
nur wegen seines Alters kein gewöhnlicher Lehrling. kommt der erste Tag an der Berufsschule: «Der Lehrer
Zu geschliffen die Sprache, druckreif seine Sätze, präzi- hat mich erst mal mit grossen Augen angeblickt, ich war
se die Wortwahl. So redet kein Handwerker. Ingo Buse fast doppelt so alt wie er, aber das hat sich sehr schnell
ist 54 Jahre alt. Er hat als junger Mann Ökonomie an der entspannt.» Auch die jugendlichen Lehrlinge beäugen
Universität Zürich studiert, eine Dissertation in Umwelt- den ungewöhnlichen Mitschüler, kommen in der ersten
ökonomie geschrieben, als Assistent des Chefökonomen Pause auf ihn zu und wollen wissen, was er hier macht. Ingo Buse schloss im Jahr 2017 seine Lehre zum
der UBS gearbeitet, war Wirtschaftsredaktor bei der NZZ, Nach zwei, drei Schultagen hat sich das normalisiert. Bootfachwart ab. Bild: ZVG
Pressesprecher bei einem Telekommunikationsunterneh-
men und zuletzt Geschäftsführer einer Kommunikati- Vom Geschäftsführer zum Lehrling einen Handwerksbetrieb, das sei ein riesiger Schritt. In
onsfirma mit achtzig Angestellten und Niederlassungen Der Wechsel von der alten in die neue Arbeitswelt, der seiner alten Arbeitswelt sprach Ingo Buse Englisch, kom-
auf der ganzen Welt. Natürlich erzählte er in der Lehre sei schon sehr heftig gewesen. Aus einem internationa- munizierte und verhandelte mit Chinesen, Australiern,
kaum jemandem von seinem Werdegang. Er sagte nur, er len Umfeld in eine kleinräumige, familiär strukturierte Vietnamesen und Südafrikanern. Von einem Tag auf den
sei Journalist gewesen und habe keine Freude mehr am Arbeitsumgebung, von der Unternehmensberatung in anderen steht er in einer Werkstatt, und die Gespräche
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careum Bildungszentrum Näher an der Praxis.BILDUNGSGUIDE 5
beschränken sich ausschliesslich auf die konkreten Ar-
beitsschritte, die es gerade braucht, um das Boot wieder
instand zu stellen. Mittlerweile rede er auch nicht mehr
so viel wie früher. Das bringe der Job einfach mit sich.
Auch der Rollenwechsel vom Geschäftsführer zum
Lehrling war nicht einfach: «Du musst wieder unten-
durch, musst putzen, putzen und putzen. Jeden Morgen
kommt ein Anschiss, jeden Abend hast du die Fragen,
ob du deine Arbeiten erledigt hast.» Heute hat Ingo Buse
damit keine Probleme mehr. Aufmerksam geht er dem
Mechaniker zur Hand und packt mit an. Die Hierarchie
ist klar, der Mechaniker ist der Chef, er ist der Arbeiter.
Es sieht so aus, als ob er schon immer in dieser Rolle ge-
wesen wäre.
Im Lehrbetrieb überfordert
Nach dem ersten Lehrjahr die grosse Krise. Ingo Bu-
se will nicht mehr, fühlt sich ungerecht behandelt, ist
überfordert. «Mit dem Betrieb bin ich fertig, da geh ich
nicht mehr hin», sagt er der Familie. Trocken antwor-
ten ihm seine Kinder, die die Lehre schon hinter sich
haben: «Hey Papa, das haben wir auch erlebt. Glaubst
du, du bist der Einzige? Da musst du durch.» Ingo Bu-
se hält durch und tritt nach zwei Jahren Lehrzeit zur
Abschlussprüfung an. Er fällt bei der praktischen Prü-
fung durch! Was jetzt? Er sucht sich eine grössere Werft
am Zürichsee und fragt wiederum für ein Praktikum
an. Ingo Buse bewährt sich und bekommt einen festen
Arbeitsvertrag. Im zweiten Anlauf besteht er 2017 die
Lehrabschlussprüfung und ist nun Bootfachwart mit
eidgenössischem Fähigkeitszeugnis.
Von Frühjahr bis Herbst herrscht auf einer Werft
Hochbetrieb. Kaum wird es etwas wärmer, zieht es
die Leute auf den See. Ingo Buse arbeitet in dieser Zeit
oft mehr als zehn Stunden, damit die Kunden mit den
frisch hergerichteten Booten ausfahren können. Moto-
ren kontrollieren und warten, Reparaturen am Boot vor-
nehmen, streichen und polieren sind seine wichtigsten
Arbeiten. Dieses Jahr hat er sein eigenes Segelboot von
Grund auf renoviert, worauf er sehr stolz ist.
Ingo Buse ist zufrieden, auch wenn er nie mehr so
viel verdienen wird wie früher. Der Ökonom meint: «Die
Rechnung habe ich gemacht. Meine Arbeitszufrieden-
heit und das allgemeine Wohlbefinden sind mir so viel
wert, dass ich gut und gerne auf den Lohn verzichten
kann, den ich vorher hatte.» Er sei am See, falle abends
todmüde ins Bett und sehe jeden Tag, was er gemacht
habe. Auch sein Umfeld melde ihm zurück: veränderter
Mensch, sehr viel zufriedener, gelassener und ausgegli-
chener. Lachend sagt Ingo Buse: «Mir wachsen sogar die
Haare wieder auf dem Kopf, ich bin aufgeblüht.»
Marco Graf Berufs, Studien und Laufbahnberater, Ingo Buse ist begeisterter Hobbysegler. Das ging so weit, dass er sogar seinen Beruf wechselte und
Laufbahnzentrum der Stadt Zürich seine Karriere gegen eine neue Lehre eintauschte. Bild: Fotolia6 BILDUNGSGUIDE
Zahlen zur Bildung in der Schweiz
19,3
Durchschnittliche
Klassengrösse in
5 047 700
Mitte 2018 waren in der Schweiz insgesamt
über fünf Millionen Menschen beschäftigt.
1 302 109
Schülerinnen und Schüler auf Primarstufe sowie
Sekundarstufe I und II im Schuljahr 2016/2017.
Schweizer Primarschulen
im Jahr 2016.
1460
Jahr der Eröffnung der ältesten
Universität der Schweiz in Basel.
91
1
Anteil in Prozent der
Bevölkerung zwischen
16 und 74 Jahren, der
63 597
Im Jahr 2016 wurden schweizweit
mindestens einmal in über 60 000 Fähigkeitszeugnisse
der Woche im Internet (EFZ) vergeben. Im selben Jahr sind
surft. 13 852 universitäre Masterdiplome
und 18 626 gymnasiale Maturitäts
zeugnisse erlangt worden.
3,2
19
Rang der Schweiz im Global Innovation
Index 2018. Dabei handelt es sich um
eine internationale Rangliste, welche
die Innovationsfähigkeit von
Ländern vergleicht.
Arbeitslosenquote im
vergangenen Jahr in Prozent.
Diesen Rang belegt die
ETH Zürich im internatio
nalen ShanghaiRanking
(beste Hochschulen welt
weit). Sie ist in der Liste
die am besten eingestufte
1791
Hochschule des Landes.
326 691143
Anzahl der Schüler, die 2016/2017 in Appenzell
Innerrhoden die obligatorische Schule besuchten
20
(tiefste Zahl der Schweiz). Zum Vergleich: Am meisten
Schüler auf dieser Stufe zählten die Kantone Zürich
(157 320) und Bern (104 908).
Von den Kantonen im Jahr 2017 in Form von Stipen
dien ausbezahlter Betrag in Franken.
36 700 000 000
Höhe der öffentlichen Bildungsausgaben
in Franken im Jahr 2015. Zahl der Medaillen der Schweizer
an den World Skills 2017 in Abu
Dhabi, davon elf goldene. Noch
nie wurde so viel Edelmetall an
Berufsweltmeisterschaften abge
210 000
Personen arbeiten in den Bildungsinstitutionen
des Landes, etwas über zwei Drittel zählen zum
räumt. Nur die Chinesen holten
ZUSAMMENGESTELLT VON PHILIPP MOOSER mehr Goldmedaillen. Lehrkörper. Davon sind rund 60 Prozent Frauen.ANZEIGE
Traumberuf Pilot/-in: In vier Schritten zum Wunschjob
TÄGLICH NEUES ENTDECKEN.
IM JOB UND IN DER GANZEN
WELT. CHECK.
Viele träumen davon, Pilot oder Pilotin für eine grosse europäische Airline 3. Die Ausbildung 4. Der Berufseinstieg
zu werden. Hier erfährst du am Beispiel von Edelweiss, was du tun kannst,
um dein Ziel zu erreichen, und wie deine Ausbildung abläuft. Du hast das Auswahlverfahren Nach circa zwei Jahren, ganz viel
erfolgreich absolviert? Theorie und 1500 Flugstunden
„Rumkommen, was von der Welt sehen, mit vielen verschiedenen Leuten Dann kann es mit der Pilotenausbil- erhältst du die international an-
zusammen arbeiten“ – solche und ähnliche Aussagen hört man immer wieder, dung losgehen. Das Training dauert erkannte Airline Transport Pilot
wenn man die Flugschüler der European Flight Academy fragt, warum sie Pilot circa zwei Jahreund du lernst alles License (ATPL). Jetzt bist du fit
oder Pilotin werden wollen. Aber was muss man tun, damit der Traum vom zu Themen wie Navigation, Meteo- für deinen Einsatz als First
Fliegen wirklich wahr wird? rologie, Elektrotechnik, Air Traffic Officer bei Edelweiss.
Control, Aerodynamik sowie Funken
und Luftfahrtenglisch. Referenten,
1. Die Bewerbung 2. Das Auswahlverfahren etwa von Skyguide oder Meteo Die Airline Edelweiss
Schweiz, erzählen darüber hinaus
Du hast Berufsmatura oder Matura? Das Auswahlverfahren umfasst Edelweiss ist mit 1,73 Millionen
aus ihrem Fachgebiet.
Oder du hast die Fachmittel- oder sechs Stufen und dauert drei bis beförderten Passagieren im Jahr
Informatikmittelschule abgeschlos- sechs Monate. Dieser Herausfor- 2017 die führende Schweizer
Das Schönste für die meisten
sen und einen prüfungsfreien Zulas- derung solltest du mit sportlichem Ferienfluggesellschaft.
Pilotenanwärter ist natürlich das
sungsnachweis für eine Fachhoch- Ehrgeiz begegnen – denn jeder, der Als Schwestergesellschaft von
Flugtraining im Cockpit selbst.Einer
schule? Du bist zudem zwischen daran teilnimmt, wächst daran. Du Swiss International Air Lines und
der Höhepunkte ist die Flugphase in
1.60 m und 1.98 m gross und zum stellst dich ganz neuen Aufgaben Mitglied der Lufthansa Group fliegt
Vero Beach, Florida. Hier können die
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Pilotenschüler vor einer Traumkulis-
20 und höchstens 30 Jahre alt? Stärken und Schwächen heraus. tinationen in 34 Ländern an. 1000
se mit palmengesäumten Stränden
Prima! Dann erfüllst du schon drei Mitarbeiter sorgen bei Edelweiss
Flugmanöver wie Slow Flights, Steep
wichtige Voraussetzungen für eine Im Auswahlverfahren werden unter am Boden und in der Luft für einen
Turns und Stalls üben. Das grossar-
Bewerbung um eine Pilotenausbil- anderem deine kognitiven Fähigkeiten reibungslosen Flugbetrieb.
tige Wetter gibt den angehenden
dung bei Edelweiss. sowie Kenntnisse in Geometrie,
Piloten und Pilotinnen auch schon
Physik oder Mathematik getestet.
mal einen Vorgeschmack auf die
Deine Ausbildung erfolgt an der Aber auch deine persönliche Eignung
Traumziele, die sie mit Edelweiss
Schweizer Niederlassung der Euro- und medizinische Verfassung sowie Du bist neugierig auf den
in Zukunft ansteuern werden.
pean Flight Academy. Sie ist die fliegerisches Talent spielen eine Beruf des Piloten bei
Flugschule der Lufthansa Group, Rolle. So „fliegst“ du im Simulator- Edelweiss geworden?
Am Ende deiner Ausbildung wirst
zu der auch Edelweiss gehört. training (Pilot Instrument Trainer)
du schliesslich in der Schweiz auf
Die Schweizer Ausbildungsstätte zum Beispiel Kurse ab und koordi- Mehr Informationen zur
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Nützliche Links
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eine vielseitige Palette von Informationen, Leitfäden und weiterführenden Links zu allen Themen
rund um die Arbeitswelt finden. Zusätzlich haben wir eine Liste mit weiteren wichtigen
Links zusammengestellt. VON DANIELA BRENN
Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung Firmengründung, Selbstständigkeit
adressen.sdbb.ch Umfassendes Adressverzeichnis der öffentlichen kmu.admin.ch KMUPortal: Checklisten und Informationen zur
Berufs, Studien und Laufbahnberatungen, Firmengründung usw.
der Berufsbildungsämter und der regionalen
gruenden.ch Onlineinformationen und Hilfsmittel zur Firmen
Arbeitsvermittlungen (RAV)
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berufsberatung.zh.ch Berufs, Studien und Laufbahnberatung
easygov.swiss Onlineschalter für Bewilligungs, Antrags und
des Kantons Zürich
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stadt-zuerich.ch/laufbahnzentrum Laufbahnzentrum der Stadt Zürich berufsberatung.ch/weiterbildung Kurse zum Thema berufliche Selbstständigkeit
startups.ch Private Plattform mit Onlineunterstützung,
Bildungsinformationen Beratungs und Kursangeboten
berufsberatung.ch/bildungsschema Schweizerisches Bildungssystem, Bildungssche nefu.ch Netzwerk für EinfrauUnternehmerinnen, die
mata und Adressen zu allen Branchen
sich selbstständig machen wollen / gemacht
berufsbildung.ch Schweizerisches Portal zur Berufsbildung haben
sbfi.admin.ch Staatssekretariat für Bildung, Forschung und gozielselbstaendig.ch Beratung und Mikrokredite
Innovation (u.a. Berufsverzeichnisse, Berufsver
bände und Infos zu Hochschulen) Sprachaufenthalt
berufsberatung.ch/sprachaufenthalt Datenbank mit Angeboten und Stellen zur
Aus- und Weiterbildungsinformationen Vermittlung von Sprachaufenthalten
berufsberatung.ch Datenbank mit fast 30 000 Weiterbildungen intermundo.ch Dachverband für Jugendaustausch Such
> Ausbildung, Weiterbildung suchen (z.B. Kurse, Lehrgänge, Studiengänge usw.)
maschine für Austauschprogramme (auch
berufsberatung.ch/studium Informationen zu Studiengängen an Universitä für Erwachsene)
ten, ETH, Fachhochschulen und Pädagogischen
Hochschulen Berufs- und Bildungsmessen
swissuniversities.ch Informationen zu Schweizerischen Hochschulen
Bildungsmesse Zürich Messe für Aus und Weiterbildung
(Universitäten, ETH, Fachhochschulen und
schoolexpo.ch 25. – 27.3.2019 Shopville / Hauptbahnhof Zürich
Pädagogischen Hochschulen)
Berufsmesse Zürich Messe für Berufswahl, Aus und Weiterbildung
studyprogrammes.ch Suchmaske für Studienangebote und Weiterbil
berufsmessezuerich.ch 19. – 23.11.2019
dungen an Schweizer Hochschulen
www.master-messe.ch Aus und Weiterbildungsmesse über Master
studiengänge und Weiterbildungen an Hoch
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stipendien.educa.ch Überblick über das Stipendienwesen in der ZürichOerlikon
Schweiz, Adressen der zuständigen Stellen
together.ch/karriere/events-messen Suchmaschine für diverse Messen zum Thema
www.berufsberatung.ch/weiterbil- Informationen zu Finanzierungsmöglichkeiten, Kontakte mit der Arbeitswelt für Studienabgän
dung Stipendien, Darlehen, Kosten usw. ger und Berufserfahrene
> Ausbildung und Weiterbildung
berufsberatung.ch/infoveranstal- Infoveranstaltungen, Besuchstage,
finanzieren
tungen Berufsmessen
budgetberatung.ch Onlinebudget: Vorlagen, Beispiele, Adressen, > Typen: Messe / Salon
Merkblätter
edi.admin.ch Stiftungsverzeichnis der Schweiz
> Eidgenössische Stiftungsaufsicht
> Stiftungsverzeichnis
ceps.unibas.ch/de/praxistransfer/ Links und Hinweise zu bestehenden Stiftungs Daniela Brenn Berufs, Studien und Laufbahnberaterin, Laufbahnzentrum
stiftungsverzeichnisse verzeichnissen in der Schweiz und Deutschland der Stadt ZürichBILDUNGSGUIDE 9
Der Traumberuf als Wegweiser
«Was willst du einmal werden?» Diese Frage wird den meisten Kindern
früher oder später gestellt. Anne wollte schon immer Lehrerin werden, Patrik träumt
von einer Karriere als Autorennfahrer. VON ELISABETH ROTHEN
Pilotin, Profifussballer, Kindergärtnerin ... In der 7. Klasse beginnt die Auseinandersetzung mit dem Traumberuf. Bild: Fotolia
Werden die Schülerinnen und Schüler zu Beginn der und wegweisend bei der Berufs- und Ausbildungswahl. während Schnupperlehren sind wichtig. Zum Beispiel
7. Klasse gefragt, was sie werden wollen, so nennen die Wichtig ist, dass sich die Jugendlichen mit ihren Traum- zeigt eine Schnupperlehre in einer Krippe auf, dass es
einen konkrete Traumberufe, die anderen haben noch berufen auseinandersetzen können, sie dabei ernst ge- hier um mehr geht, als mit Kindern zu spielen.
unklare Vorstellungen, was sie beruflich machen möch- nommen werden und ihre Entdeckungslust gefördert Der Verwirklichung eines Traumberufs können ver-
ten, wie zum Beispiel etwas mit Tieren, etwas Kreatives wird. In der Berufsberatung geht man diesen Wünschen schiedene Schwierigkeiten im Weg stehen. Es gibt mög-
oder mit Kindern arbeiten. In der 8. Klasse kommen die nach. Um was geht es? Worin besteht die Faszination licherweise zu wenig Ausbildungsplätze, es herrscht
Jugendlichen klassenweise ins Laufbahnzentrum und des Berufs? Welche persönlichen Bedürfnisse wollen grosse Konkurrenz um die gleichen Lehrstellen, die
lernen die Berufswelt kennen. Dabei interessieren sie befriedigt werden? Welche Schwierigkeiten stehen der Anforderungen sind zu hoch, der Beruf setzt Weiterbil-
sich häufig für folgende Berufe: Moderatorin, Polizist, Verwirklichung des Traumberufs im Weg? dungen oder ein Studium voraus. Oft sind langwierige
Anwältin, Banker/Bankangestellte, Kindergärtnerin, Anstrengungen nötig, um den Erfolg zu schaffen. Die
Informatiker, Architektin, Schreiner, Grafikerin, Auto- Berufswahlprozess in fünf Schritten erste passende Ausbildung nach der Schule ist ein erster
mobilfachmann, Meeresbiologin, Pilot, Profifussballer. Ab der 7. Klasse befassen sich die Jugendlichen mit Schritt dazu.
ihrer Berufs- und Ausbildungswahl. Dabei werden sie
Träume beeinflussen die Berufsfindung von den Eltern, der Schule und der Berufsberatung be- Wegweiser für Laufbahnschritte
Auch wenn der ersehnte Beruf oft bloss ein Traum gleitet. Eine Berufswahl findet in fünf Schritten statt: Auch als Erwachsener kann man sich ab und zu die Fra-
bleibt, so beeinflusst er die Berufsfindung und die spä- 1: Interessen und Fähigkeiten kennen lernen ge stellen: «Was wollte ich einmal werden? Konnte ich
tere Berufswahl wesentlich. Traumberufe sind häufig 2: Berufs- und Ausbildungswege kennen lernen meine Träume verwirklichen? Sind neue dazugekom-
Berufe, die durch besondere Eigenheiten wie Abenteu- 3: Die eigenen Stärken mit den Anforderungen der men?» Die Antworten darauf können gute Wegweiser
erlichkeit, Romantik, Berühmtheit oder durch Tätig- Ausbildungen vergleichen für nächste Laufbahnschritte sein. Im schweizerischen
keiten wie Reisen, Forschen und so weiter bestechen. 4: Berufe während Schnupperlehren in der Praxis Bildungssystem gibt es viele Möglichkeiten, auch auf
Es sind Berufe, von denen wir in unserer Fantasie die kennen lernen Umwegen den Traumberuf zu erreichen. Anna, die
Erfüllung persönlicher Wünsche erwarten. Auch alltäg- 5: Die Entscheidung umsetzen, sich um Lehrstellen ursprünglich Lehrerin werden wollte, leitet heute eine
liche Berufe können zu Traumberufen werden, weil die bewerben oder eine Aufnahmeprüfung absolvieren. Krippe. Nach der Lehre als Fachfrau Betreuung hat sie
wirklichen Berufsrealitäten falsch eingeschätzt werden. sich zur Kindererzieherin HF weitergebildet. Patrik hat
Träume und Fantasie gehören zum Leben, deshalb muss Im Berufswahlprozess geht es darum, Realität herzu- Automobilfachmann gelernt, die Berufsmaturität ab-
überprüft werden, wie der Traumberuf in der Wirklich- stellen, ohne dass die Jugendlichen dabei entmutig wer- solviert und an der Fachhochschule Ingenieur studiert.
keit aussieht. den. Es ist mit einem länger dauernden Reifeprozess zu Nun arbeitet er als Entwicklungsingenieur für neue
Bilder von Traumberufen sind Grundpfeiler, die für rechnen, der von der Eigendynamik der Jugendlichen Baustoffe in der Autoindustrie.
die Berufslaufbahn von Bedeutung sind. Jede Berufs- bestimmt wird. Zeit und praktische Erfahrungen sind
findung kann mit Wunschträumen beginnen. Sie sind wichtig, damit ursprüngliche Träume langsam zur Elisabeth Rothen Berufs, Studien und Laufbahn
Ausdruck von eigenen Interessen und Bedürfnissen Realität werden können. Auch praktische Erfahrungen beraterin, Laufbahnzentrum der Stadt ZürichMeine individuelle Lösung,
berufsbegleitend zu studieren.
Die einzige FernUni der Schweiz
Das Fernstudium erfreut sich heute auch in der Schweiz Facts FernUni Schweiz
wachsender Beliebtheit und ist die perfekte Lösung für
Personen, die Studium, Arbeit, Familie und Freizeit
STUDIERENDE:
vereinen, eine berufliche Karriere anstreben oder sich 1686
beruflich neu orientieren wollen.
DURCHSCHNITTSALTER:
Ein Fernstudium wird ausserdem von Menschen geschätzt, die aufgrund einer 35 Jahre
Krankheit oder Behinderung besondere Studienbedingungen brauchen, die
Spitzensport betreiben, viel unterwegs sind oder oft im Ausland leben. Von SEMESTERBEGINN:
diesem flexiblen Studienmodell hat auch Ramon Zenhäusern, Olympiasieger 2018 Februar und August
und Weltcup Skirennfahrer, profitiert. Er studiert heute im Bachelor Economics
an der FernUni Schweiz. BACHELOR-STUDIENGÄNGE:
Geschichte, Psychologie,
Recht, Wirtschaft
MASTER-STUDIENGÄNGE:
Ramon Zenhäusern Psychologie, Recht,
Student, Skiprofi
Künstliche Intelligenz
«Das Fernstudium bei der FernUni Schweiz gibt mir die Möglichkeit Spitzensport WEITERBILDUNG:
und Studium zu kombinieren. Ausserdem kann ich mir gleichzeitig ein zweites Biometrie und Datenschutz
Standbein für die Zeit nach meiner Sportkarriere schaffen. Es tut auch gut zwischen-
durch den Fokus auf ein anderes Thema als den Sport zu setzen. Durch die Flexibili-
tät der FernUni Schweiz kann ich mir mein Studium selbst einteilen. Als Sportler bin
ich sehr viel unterwegs und kann die Reisezeit somit intensiv fürs Studium nutzen.»
INFOS & EINSCHREIBUNG
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ILDUNG
GRUNDB
Gymnasium oder Lehre?
Gymnasium und Lehre sind gleichwertige Ausbildungswege, sprechen aber unterschiedliche
Fähigkeiten, Interessen und Neigungen an. VON CAROLYN HÄUSERMANN
Wer sich für eine Lehre entscheidet, entschliesst sich praktische Erfahrungen in seinem gewählten Beruf
dazu, in die Welt der Erwachsenen einzutreten. Das sammeln kann. Mit der Berufsmaturität, die er als ge-
gewohnte schulische Umfeld wird verlassen, und man nauso herausfordernd empfindet wie das Gymnasium,
lernt grossenteils anhand praktischer Herausforderun- will er sich weiterhin alle Optionen offenhalten.
gen. Neu ist auch der Umgang mit einer bestimmten Fir- Zeller ist mit seinem Wechsel in die Lehre mit BM
menkultur, mit Kundenwünschen und klaren Vorgaben zufrieden und empfindet seinen Alltag nun als ab-
des Betriebs. Die Berufsfachschule fordert die Lernen- wechslungsreicher. Dass er für seine Arbeit bezahlt
den ebenfalls heraus, denn auch sie ist anspruchsvoll. Je wird, ist ein weiterer Pluspunkt. Wer schon früh in
nach Lehre sogar sehr anspruchsvoll. Elektroniker oder die Welt der Erwachsenen eintreten, eine mehrheitlich
Informatiker müssen beispielsweise in der Mathematik praktische Ausbildung geniessen sowie eigenes Geld
mindestens so gut sein wie Gymnasiasten. verdienen möchte, ist mit einer Berufslehre gut beraten.
Wer sich darüber hinaus zu einer Berufsmaturität Kognitiv leistungsfähige und -willige Lernende, die sich
(BM I) entschliesst, nimmt erst recht eine grosse Her- sämtliche Optionen offenhalten wollen, können zudem
ausforderung an. Diese erfordert hohe Leistungsfähig- die Berufsmaturität erwerben.
keit und -bereitschaft, breite Interessen sowie die Fähig-
keit, diszipliniert zu arbeiten und sich gut zu organisie- Das Gymnasium: Arta Redzepi, Gymnasiastin im vierten Jahr.
ren. Das lohnt sich, hat man doch am Ende der Lehre Eine breite Allgemeinbildung
auch das Eintrittsticket für die Fachhochschule. Wer Das Gymnasium gilt demgegenüber als «Königsweg»
die BM nicht während der Lehre absolvieren will, kann zur Universität oder zur ETH. Dies gilt vor allem für Be-
dies danach tun (BM II). Und sollte sich im Laufe der rufsziele, für die ein akademischer Hochschulabschluss
Lehre der Wunsch entwickeln, an der Uni oder an der notwendig ist, wie zum Beispiel Arzt oder Anwältin. Ein
ETH zu studieren, ist auch dies – nach Bestehen einer klar akademisch ausgerichteter Berufswunsch ist jedoch
Zusatzprüfung (Passerellenprüfung) – möglich. nicht der einzige gute Grund, sich für das Gymnasium
zu entscheiden. Grundsätzlich eignen sich Personen für
Abwechslungsreicher Alltag das Gymnasium, die sich für eine breite Allgemeinbil-
Peer Zeller, aktuell Elektroniker im ersten Lehrjahr, dung interessieren und sich vermehrt theoretisch in ei-
war unschlüssig, ob er eine Lehre machen oder das ne breite Themenpalette vertiefen wollen.
Gymnasium besuchen sollte. Nach einem knappen Jahr Darüber hinaus braucht es aber mehr, um am Gym-
im Gymnasium kam er zum Schluss, dass ihm dieser nasium zu bestehen: Freude an vertiefter theoreti-
Weg «zu theoretisch» sei. Er wollte keine weiteren scher Auseinandersetzung, kognitive Leistungsfähig-
drei Jahre zur Schule gehen, sondern praktisch arbei- keit, Durchhaltevermögen und eine selbstständige
ten. Nun macht er eine Lehre und zusätzlich dazu die
Berufsmaturität. Er schätzt es, dass er von Anfang an Fortsetzung auf Seite 12 Peer Zeller, Lernender im ersten Jahr. Bilder: ZVG
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www.raeberschule.ch T +41 (0)41 228 54 93 ∙ weiterbildung@phlu.ch ∙ blog.phlu.ch/weiterbildung12 BILDUNGSGUIDE
Schon im antiken Griechenland war
das Gymnasium eine Einrichtung, in der man
sich philosophisch und wissenschaftlich
betätigen konnte.
Abbildung: Aristoteles-Denkmal der Universität
Freiburg im Breisgau. Bild: Fotolia
Ausbildungsmöglichkeiten
auf Sekundarstufe II
Das eidgenössische Fähigkeitszeugnis (EFZ)
sowie das eidgenössische Berufsattest (EBA)
bilden die Abschlüsse der beruflichen Grundbil
dung. Eine Lehre mit EBAAbschluss dauert zwei
Jahre und ist auf Jugendliche ausgerichtet, die
vor allem praktisch begabt sind. Eine Lehre mit
EFZAbschluss dauert drei oder vier Jahre. Wer
eine Lehre mit EBA erfolgreich abschliesst, kann
in eine EFZAusbildung übertreten. Im Anschluss
an ein EFZ bestehen zahlreiche Weiterbildungs
möglichkeiten der höheren Berufsbildung.
Zusätzlich zum EFZ kann die Berufsmaturität
(BM) erworben werden. Die BM I wird während,
die BM II nach der Lehre (Voll oder Teilzeit)
absolviert. Die BM öffnet den Zugang zu den
Fachhochschulen oder – nach Absolvieren der
Passerellenprüfung – zu der Uni und der ETH.
Das Gymnasium führt mit seiner breiten Allge
meinbildung zur gymnasialen Maturität, welche
den Weg zu der Uni und der ETH, den Pädago
gischen Hochschulen, den Fachhochschulen
(nach Absolvieren eines Praktikums) oder in eine
verkürzte Lehre öffnet (WayupLehre, nur in
bestimmten Berufen).
Die Fachmittelschule (FMS) ist eine allgemein
bildende Schule, an der zusätzlich eine bestimm
Fortsetzung von Seite 11 te berufliche Richtung eingeschlagen wird. Ab
Arbeitsweise. Und natürlich braucht es die Bereit- fung zur Aufnahme ins Gymnasium zu machen – und der 2. Klasse werden nebst den allgemeinbilden
schaft, noch für längere Zeit finanziell von den Eltern bestand. Heute ist sie froh, dass ihr Weg sie dahin ge- den Fächern auch berufsfeldspezifische Fächer
abhängig zu bleiben. Das Gymnasium kann übrigens führt hat. Sie schätzt die breite Palette an Fächern, und studiert. Die FMS führt nach drei Jahren zum
auch dann der richtige Weg sein, wenn das Berufsziel es gefällt ihr, sich in verschiedene Themen zu vertiefen. FMSAusweis, der den Zugang zu einer höheren
Fachschule ermöglicht. In einem freiwilligen
noch unklar ist oder dieses auch über eine Lehre mit Mathematik und Physik machen ihr seit je Spass.
vierten Jahr kann die Fachmaturität erlangt
Berufsmaturität erlangt werden könnte. Denn nach Durch das Gymnasium hat sie aber noch weitere Vor-
werden.
dem Gymnasium steht nicht nur der Weg zu Uni und lieben für sich entdeckt, zum Beispiel das Eintauchen
Diese ermöglicht im gewählten Bereich den
ETH offen, sondern auch zur Pädagogischen Hoch- in literarische Texte und deren «tiefere Bedeutung».
Zugang zur Fachhochschule oder – nach bestan
schule, nach einem Praktikum zur Fachhochschule Nebst den abwechslungsreichen Inhalten schätzt sie
dener Passerellenprüfung – zu Uni und ETH.
oder – in bestimmten Berufen – in eine verkürzte den weiteren Schulbesuch im Klassenverband. Wer ger-
Lehre, beispielsweise als Informatikerin oder Media- ne weiterhin zur Schule gehen und mit Gleichaltrigen Weitere Mittelschulen sind die Handelsmittel
matiker. zusammen sein will, kognitiv leistungsfähig ist und schule (HMS) und die Informatikmittelschule
selbstständig arbeitet, sich eine breite und vertiefte All- (IMS). Dort wird auf mehrheitlich schulischem
Vertieft in literarische Texte gemeinbildung aneignen möchte und noch eine Weile Weg ein beruflicher Abschluss inklusive Berufs
Arta Redzepi, Gymnasiastin im vierten Jahr, wollte ur- auf einen eigenen Lohn verzichten kann, ist im Gymna- maturität erworben: Kaufmann / Kauffrau EFZ
sprünglich eine Lehre absolvieren und Geld verdienen, sium gut aufgehoben. mit Berufsmaturität an der HMS respektive
fand aber in ihrem Traumberuf als Zeichnerin (Fachrich- Informatiker/in (Applikationsentwicklung) EFZ
tung Architektur) keine Lehrstelle. Während eines 10. Carolyn Häusermann Berufs, Studien und Laufbahn mit Berufsmaturität.
Schuljahrs kam sie eher zufällig auf die Idee, die Prü- beraterin, Laufbahnzentrum der Stadt ZürichEvents
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HÖHERDEU NG
IL
BE F S B
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«Wir fordern die Anerkennung
der Gleichwertigkeit beider Bildungswege»
Wie steht es um die höhere Berufsbildung in der Schweiz?
Im Interview liefert HansUlrich Bigler, Direktor des Gewerbeverbands SGV
und FDPNationalrat, Antworten. INTERVIEW: BERNHARD BURGER
Herr Bigler, welche Bedeutung hat die höhere Will ein Gymnasiast mit einer Matura an eine Fach-
Berufsbildung (HBB) für die Schweiz? hochschule, hat er vorgängig zwingend mindestens
Hans-Ulrich Bigler: Die Höhere Berufsbildung ist in eine einjährige Arbeitswelterfahrung im Bereich des
der Schweiz der Karriereweg für Unternehmerinnen künftigen Studiums zu sammeln. Noch besser wäre
und Unternehmer mit kleinen und mittleren Betrie- eine verkürzte Berufslehre mit eidgenössischem Fä-
ben schlechthin. Nach der beruflichen Grundbildung higkeitszeugnis als Abschluss. Andererseits muss ein
können sie sich berufsbegleitend spezialisieren. Rund Berufsmaturand eine allgemeine Matura bestehen,
27 000 Personen schliessen jährlich entweder eine wenn er an einer Universität ein Studium ergreifen
Berufsprüfung, eine höhere Fachprüfung oder einen will. Berufsleute mit einer höheren Berufsbildung
Bildungsgang einer höheren Fachschule ab. Das sind sind unseres Erachtens mindestens Berufsmaturanden
mehr Abschlüsse als an den Fachhochschulen und gleichzustellen, und ihre Berufserfahrung ist entspre-
fast ebenso viele wie an den Universitäten. Gemäss chend anzurechnen.
Statistik sind weniger Personen mit Abschlüssen der
höheren Berufsbildung arbeitslos als solche mit akade- Der SGV fordert, dass die Abschlüsse
mischen Abschlüssen. der HBB auf denselben Qualifikationsniveaus
eingestuft werden wie die Hochschul-
Begrüsst der Verband eine grössere abschlüsse, und schlägt den Titelzusatz
Durchlässigkeit von der HBB in den «Professional» vor. Wie ist der aktuelle Stand?
Hochschulbereich, oder besteht aus seiner Der aktuelle Stand ist der, dass die meisten Abschlüsse
Sicht eher die Gefahr, dass sich dann gute in der höheren Berufsbildung im nationalen Qualifi-
Mitarbeitende aus ihrem angestammten kationsrahmen der Berufsbildung auf dem Niveau 6
Arbeitsfeld «fortbilden» und ihrer oder 7 eingestuft worden sind. Analog zum nationa-
Branche verloren gehen? len Qualifikationsrahmen der Hochschulen entspricht
Wir fordern die Anerkennung der Gleichwertigkeit dies einem Bachelor- oder einem Masterabschluss.
Hans-Ulrich Bigler, Direktor SGV. Bild: ZVG beider Bildungswege. Konkret heisst das einerseits: Beim internationalen Standard ISCED wird keine Un-
terscheidung mehr zwischen Tertiär A und Tertiär B
gemacht, und alle diese Abschlüsse bewegen sich auf
den Niveaus 5 bis 8. Damit ist für den Verband klar,
dass die Schweiz für ihre höheren Berufsbildungsab-
schlüsse die Begriffe Professional Bachelor und Profes-
Höhere Berufsbildung in der Schweiz sional Master verwenden sollte.
Die höhere Berufsbildung in der Schweiz umfasst Die höhere Fachprüfung ist eine fortgeschrittene
die Höheren Fachschulen (HF) sowie die eidge Stufe der Spezialisierung und geht oft einher mit Gibt es in der HBB einen Fachkräftemangel?
nössischen Prüfungen, Berufsprüfung (BP) und einer Leitungsfunktion oder der Leitung eines In welchen Bereichen?
höhere Fachprüfung (HFP). Höhere Fachschulen Unternehmens. Existieren in einem Bereich BP und Es mangelt auf allen Ebenen an Fachkräften. Besonders
(HF) richten sich an Personen mit einem allge HFP, ist mit der HFP die höhere Stufe gemeint, die betroffen sind die handwerklichen Berufe, das Bau- und
meinbildenden Abschluss oder einer beruflichen bestandene Prüfung führt zum eidgenössischen das Gastgewerbe. Der Fachkräftemangel zeigt sich nicht
Grundbildung. Sie vermitteln mit hohem Praxis Diplom, in manchen Bereichen auch als Meister nur in der Grundbildung, sondern auch in der höheren
bezug Fach und Führungskompetenzen in einem diplom bekannt. Berufsbildung.
bestimmten Bereich.
In aller Regel wird für eine BP berufliche Erfahrung Wichtig: Zur Prüfungsvorbereitung für BP und HFP Bernhard Burger Berufs, Studien und Laufbahn
im Bereich der zu absolvierenden Prüfung verlangt, werden meist berufsbegleitende Kurse angeboten. berater, Laufbahnzentrum der Stadt Zürich
in vielen Fällen eine berufliche Grundbildung. Die Kosten für diese Vorbereitungskurse tragen die
BP sind eine fachliche Vertiefung in einem spezi Absolvierenden selbst. Sie können aber neu seit
fischen Bereich und führen zum eidgenössischen diesem Jahr nach Prüfungsantritt Bundesbeiträge
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Fächerübergreifende Studiengänge
Eine interdisziplinäre Sichtweise ist in der heutigen Arbeitswelt zunehmend gefragt.
Hochschulen reagieren darauf und erweitern ihr Angebot. Ein Blick hinter
die Kulissen dreier Masterstudiengänge. VON TARSIA JANA GOETSCHI UND SELINA TRAXLER
Migration, Klimawandel oder auch der rasante tech- Seiten beleuchtet. «Wichtig war mir dabei, interdiszi- rung von Ökosystemen durch invasive Arten. Alle Stu-
nische Fortschritt: Oft reicht das Wissen einer Diszi- plinär und praxisnah unterwegs zu sein», betont er. dierenden belegen Lehrveranstaltungen in den drei
plin allein nicht mehr aus, die Komplexität unserer Für die Aufnahme in den Studiengang musste er Le- Teilbereichen.
Zeit zu bewältigen. Heutige Studierende bringen ein benslauf, Motivationsschreiben sowie ein Essay einrei- «Forschung und Lehre sind zeitgemäss ausgerich-
grosses Interesse mit, auf diese globalen Herausfor- chen. Bedingung ist zudem ein Bachelornotenschnitt tet, was uns als Studierenden ermöglicht, die Aktuali-
derungen einzugehen. Sie wünschen sich für ihre von mindestens 5.0. Für den Übertritt in diesen Mas- tät der Entwicklungen nahe zu verfolgen und zu erfor-
berufliche Zukunft eine sinnstiftende Tätigkeit und terstudiengang musste er zusätzlichen Unterrichtsstoff schen», findet Scherrer. Und wie sieht seine berufliche
finden es spannend, bereits im Studium ihr Wissen im Umfang von 32 ECTS-Punkten erwerben. Zurzeit Zukunft aus? «Es ist schön, dass der MSD-Abschluss
zu vernetzen. feilt Simon Betschart an seiner Doktorarbeit. Dane- das Feld der beruflichen Möglichkeiten weit offen
ben ist er in einer Unternehmensberatung tätig, einem lässt, sei dies in Forschung, Lehre, Privatwirtschaft
Vermehrt spezialisierte Masterstudiengänge Berufsfeld, das bei ihm seit Studienbeginn im Vorder- oder auch in der Politik», schwärmt er. Da ihm Bil-
Die Hochschulen tragen dieser Entwicklung Rechnung, grund stand. dung am Herzen liegt, könnte er sich gut vorstellen, in
indem sie vermehrt interdisziplinäre Studiengänge der Lehre tätig zu sein oder in Projekten, welche eine
anbieten. Dabei handelt es sich oft um spezialisierte Stadt als vielfältiger Lebensraum nachhaltige Entwicklung fördern. Was für ihn wichtig
Masterstudiengänge, die nach unterschiedlichen Ba- In den Masterstudiengang «Umwelt und Natürliche Res- ist: «Ich möchte mich dafür einsetzen, dass wir uns als
chelorabschlüssen besucht werden können. Studierende sourcen» der ZHAW einzusteigen, bedeutete für Raïna Gesellschaft so entwickeln, damit ein gutes Leben, auf
haben dadurch die Möglichkeit, nach dem Bachelor eine Rasper nicht nur einen Wechsel an eine andere Fach- Basis einer gesunden Natur, für alle Menschen jetzt
Art zweite Studienwahl zu treffen. Denn wer sich im Ba- hochschule. Auch stofflich galt es einiges nachzuholen, und in Zukunft möglich ist.»
chelor auf einen Fachbereich spezialisiert hat, kann sich da sie ihren Bachelor in «International Management»
durch einen solchen Master neue Wissensgebiete und abgeschlossen hatte. «Ich wollte von Anfang an in den Tarsia Jana Goetschi und Selina Traxler Studien und
Berufsfelder erschliessen. Dadurch werden Studienpro- Bereich der Stadtökologie einsteigen, weil das Ökosys- Laufbahnberaterinnen, BIZ Oerlikon Zürich
gramme spannend, die naturwissenschaftliches, techni- tem Stadt für mich ein vielfältiger und faszinierender
sches und sozialwissenschaftliches Wissen verbinden, Lebensraum ist, in dem so viel Potenzial steckt», meint
um Probleme angemessen beschreiben und lösen zu Rasper. Fachlich interessiert sie sich insbesondere für
können. Themen rund um Stadtbäume, Gebäudebegrünungen,
Entsprechende Angebote lauten etwa «Religion, städtische Materialkreisläufe und ökologische Vernet-
Wirtschaft, Politik» oder «Health Economics and Health zungsstrukturen. Wechsel zwischen Hochschulen
Care Management». Der Master in «Development Stu- Klimawandel und eine anhaltende Urbanisierung
dies» der Universität Genf beschäftigt sich beispielswei- seien mit negativen Effekten auf das Stadtklima verbun- Die Schweizer Studienlandschaft wird von zwei
se mit lokalen und globalen Prozessen im politischen den. Diesen könne durch geschickte Bebauungs- und Hochschultypen geprägt: Universitäten und
und internationalen Kontext, von Umweltthemen bis Bepflanzungskonzepte sowie neue Grünraumstruktu- Fachhochschulen. Welche Unterschiede und
hin zu weltweiten Gesundheitsfragen. Wem ein einzel- ren entgegengewirkt werden. Mittelfristig würde sie Gemeinsamkeiten die beiden Hochschultypen
nes Fach zu eng ist, der findet spannende Möglichkei- gerne in ein ökologisches Planungs- und Beratungsbüro aufweisen, wird unter Berufsberatung.ch
ten, in einem Studium verschiedene Interessen zu ver- einsteigen. Sie könnte sich aber auch vorstellen, auf ei- aufgezeigt. Beim Übertritt vom Bachelor zum
folgen. Simon Betschart, Raïna Rasper und David Scher- nem öffentlichen Amt in der Stadt zu arbeiten. So oder Master ist es möglich, die Hochschule oder den
rer haben die Chance ergriffen, einen interdisziplinären so hofft sie, dass die interdisziplinäre Zusammenarbeit Hochschultyp zu wechseln.
Master zu absolvieren. zwischen Stadtplanern, Landschaftsarchitekten, Biolo-
An den Schweizer Hochschulen ist der konsekuti
gen und eben Stadtökologen in Zukunft verstärkt wird.
ve Master der Regelfall. Er setzt den vorgängigen
Spannende Themenvielfalt
Besuch eines inhaltlich entsprechenden oder
«Vernetztes, unternehmerisches Denken, das der heu- Nachhaltige Entwicklung fördern
sehr verwandten Bachelors voraus und bietet
tigen Komplexität gerecht wird», das bietet laut Simon Auch David Scherrer hat sich im Bachelorstudium vor-
eine Vertiefung im Fachgebiet.
Betschart der Masterstudiengang «Management, Orga- wiegend mit Betriebswirtschaft befasst. Dabei wurde
nisation und Kultur» (MOK) der Universität St. Gallen. ihm klar, wie wesentlich es ist, etwas aus mehreren Mehr und mehr gibt es die Möglichkeit, im
Die Themenvielfalt dieses Studiums findet er enorm Blickwinkeln zu betrachten: «Das ist wichtig, damit Masterstudium neue Wissensgebiete zu er
spannend: «Wir haben uns stark mit dem Thema Or- in Entwicklungsprozessen verschiedene Bedürfnisse schliessen. Dies in Form von nicht konsekutiven
ganisation auseinandergesetzt. Dabei standen gesell- berücksichtigt und im optimalen Fall integriert wer- Masterprogrammen, die aus verschiedenen
schaftliche, kulturelle und strategische Aspekte im Zen- den können.» Das Masterprogramm in «Sustainable Bachelorstudiengängen zugänglich sind und ein
trum.» Bereits bei seinem Bachelor hat Simon Betschart Development» (MSD) der Universität Basel bietet sei- Themengebiet meist interdisziplinär betrachten.
auf Interdisziplinarität gesetzt und an der Universität ner Meinung nach eine optimale Basis dafür, da es Spezialisierte Masterprogramme können dabei
Luzern «Gesellschafts- und Kommunikationswissen- Natur-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaf- besondere Anforderungen stellen. Eine Über
schaften» studiert. ten abdeckt. Ihm erlaubte dies, seinen Fokus auf die sicht über alle Masterprogramme in der Schweiz
Danach suchte er ein Masterstudium, das wirt- Naturwissenschaften zu richten. Schwerpunkte dort bietet Studyprogrammes.ch.
schaftliche Problemstellungen von unterschiedlichen sind beispielsweise Mikroplastik oder die Verände-Sie können auch lesen