Chancen für einen territorialen Wandel - INTERREG IIIB Nordwesteuropa Programmrückblick 2002-2008 - INTERREG IVB NWE ...

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Chancen für einen territorialen Wandel - INTERREG IIIB Nordwesteuropa Programmrückblick 2002-2008 - INTERREG IVB NWE ...
Chancen für einen
territorialen Wandel
INTERREG IIIB Nordwesteuropa
Programmrückblick 2002-2008
Chancen für einen territorialen Wandel - INTERREG IIIB Nordwesteuropa Programmrückblick 2002-2008 - INTERREG IVB NWE ...
‘In Chancen investieren’

Zusammenfassung

Dieser Bericht handelt von Chancen, Lösungsansätzen und Herausforderungen der jüngsten Vergangenheit und der nahen Zukunft.

Seit der ersten Ausschreibungsrunde im Juni 2002 hat das INTERREG IIIB-Programm für NWE in über sechs Jahren und neun Ausschreibungsrunden insgesamt 330 Millionen Euro aus dem Europäischen
Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) bewilligt. Mit diesen Mitteln wurden 99 hochwertige Projekte zur Verbesserung der nachhaltigen Entwicklung in Nordwesteuropa kofinanziert. Die Projektpartner
haben sich ebenfalls an der Projektfinanzierung beteiligt, so dass insgesamt stolze 660 Millionen Euro in die NWE-Projekte investiert wurden. Starke und vielfältige Partnerschaften aus sieben EU-Mit-
gliedstaaten und der Schweiz haben sich der Herausforderung transnationaler territorialer Entwicklungsprobleme gestellt. Dabei konzentrierten sie sich auf fünf Schwerpunktbereiche: Städte & Regionen,
Transport & IT, Wasser & Hochwasserschutz, Natur & kulturelles Erbe und Meere & Häfen.

Das NWE-Programm bot Chancen zur aktiven Einbeziehung von nationalen, regionalen und lokalen Behörden, Unternehmen des privaten Sektors, Forschungsinstituten, Gemeinden und Nichtregierungs-
organisationen. Gemeinsam haben sie innovative Methoden entwickelt, die territorialen Potenziale ihrer Region besser zu nutzen und gemeinsame Probleme zu lösen. Bei IIIB ging es vor allem darum,
experimentierfreudig und innovativ zu sein. Dabei kam es im Rahmen gemeinsamer Maßnahmen und Pilotinvestitionen zum Wissensaustausch. Durch ihre Zusammenarbeit haben die IIIB-Projektpartner
dazu beigetragen, die lokale Implementierung von EU-Richtlinien zu beschleunigen. Schnell waren konkrete Ergebnisse erzielt. Wichtige Stakeholder erkannten die Bedeutung der Projekte und waren bald
von den Erfolgen überzeugt. Viele von ihnen haben sich daraufhin selbst politisch und finanziell an weiteren Projekten beteiligt (Teil 1).

Dass das IIIB-Programm für NWE so überzeugende Ergebnisse vorweisen kann, ist u.a. darauf zurückzuführen, dass die Lösungsansätze und Prozesse, auf denen INTERREG beruht, aktiv nach außen
getragen wurden. Gemeint ist hiermit die Vertrauensbildung und das gegenseitige Lernen durch transnationale Zusammenarbeit, die Stärkung regionaler Netzwerke, die Steigerung der Programmpräsenz
und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit, die Gewährleistung der Einbeziehung der Gesellschaft, die Kultivierung von Synergien und Clustern und die konkrete Umsetzung all dieser Prinzipien (Teil 2).
Die Antwort der Projektpartner auf die territorialen Herausforderungen ist beeindruckend. Wirklich begreifen, was die Projektpartner zuwege gebracht haben, kann aber nur, wer sich das gesamte
Projektportfolio ansieht. Wir haben ein paar der besten Beispiele für Sie zusammengestellt, die für sich sprechen (Teil 3).

Diese Veröffentlichung will die gemeinsamen Anstrengungen von über 900 Projektpartnern in ganz Nordwesteuropa zelebrieren. Sie bezieht sich auf die Ergebnisse, die im Laufe des IIIB-Programmzeit-
raums erzielt wurden und die als Referenzrahmen für den neuen Programmzeitraum dienen können. Dies zeigt wieder einmal, dass INTERREG ein ständiger Lernprozess ist. In den vergangenen sechs
Jahren wurde viel erreicht. Aber auch für die Projektpartner des neuen IVB-Programms, das von 2007 bis 2013 und darüber hinaus laufen wird, bleibt noch genug zu tun. Informationen über die neuen
NWE-Schwerpunktbereiche finden Sie im Internet unter www.nweurope.eu. Das INTERREG-Labor bietet außerdem viel Spielraum für spannende Experimente, auch ohne weißen Kittel und Schutzbrille.
Alles, was Sie brauchen, ist Entschlossenheit, Durchsetzungskraft und Offenheit für neue Ideen.
Chancen für einen territorialen Wandel - INTERREG IIIB Nordwesteuropa Programmrückblick 2002-2008 - INTERREG IVB NWE ...
Inhaltsverzeichnis

                                                                             Über diese Publikation     4

                                                          Interpretation der EU-Kohäsionspolitik        5

                             Über uns - das INTERREG IIIB-Programm Nordwesteuropa (NWE)                 6-7

                        Teil 1: MÖGLICHKEITEN für Projektträger – wer immer Sie auch sind!              8-15

 Investitionen und Pilotprojekte im Baubereich tätigen - Hilfe bei der Umsetzung komplexer EU-
Richtlinien und deren Einbringung in den lokalen Kontext - Kosten reduzieren, Effizienz steigern
   und doppelte Arbeit vermeiden - Finanzielle Mittel mobilisieren und Investitionen stimulieren
    Die Politik- und Entwicklungsagenda beeinflussen - Schnelle Ergebnisse und rasche Wirkung
      Regionale Netzwerke und Institutionen stärken - Neue Wirtschaftsstrategien für regionales
                                                                         Wachstum ausarbeiten

                                     Kapitel-Quiz 1 - Haben Sie NWE in den Griff bekommen?              16-17

             Teil 2: METHODEN, mit denen wir unsere Ziele erreichen können – gemeinsam                  18-29

             Experimentieren und innovieren - Wissen weitergeben (und nicht nur Know-how!)
    Vertrauensbildende Maßnahmen für starke, vielfältige Partnerschaften - Ja zum territorialen
           Leitbild - Synergien und Cluster kultivieren - Präsenz und Sensibilisierung maximieren
                        Die Einbeziehung der Zivilgesellschaft und der Öffentlichkeit sicherstellen
                                                                  Kulturelles Bewusstsein wecken

                                   Kapitel-Quiz 2 - Und wie hat alles in der Praxis funktioniert?       30-31

                                 Teil 3: HERAUSFORDERUNGEN für die territoriale Kohäsion –
                                                               und der bisherige Beitrag der Projekte   32-49

                       Konnektivität - Klimawandel - städtische Entwicklung und Regenerierung
                Natürliche Ressourcen und biologische Vielfalt - Innovation und Wissenstransfer

                                         Kapitel-Quiz 3 - Welches Projekt war das innovativste?         50-51

                                             INTERREG, ansteckend, umstritten und offen für Kritik      52

                                                                    Die NWE-Kohäsion im Wandel          53

                                                                                              Glossar   54-55

                                                                    Antworten auf die Quizfragen        56

                                                                                 Projekt-Webseiten      57

                                                                                                                3
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Über diese Publikation

Die meisten EU-Publikationen konfrontieren den Leser bereits im Vorwort mit einer schier endlosen Kette komplexer Termini: Best Prac-
tice, Mehrwert, hochtrabendes Gerede über Transparenz und Ähnliches … Schon nach drei langen, umständlichen Sätzen unterdrückt
man ein Gähnen und legt die zähe, oftmals recht umfassende Lektüre zurück in den Eingangskorb. Oder sie ist schon vorher hinter ir-
gendein Regal gerutscht. Unter Umständen wird das Dokument auch an einen „sicheren“ Platz gelegt, um es zu lesen, wenn man mehr
Zeit hat, oder mit anderen Worten: nie. Stattdessen greift man lieber zum Economist oder klickt sich durch Euronews – treffend, eingän-
gig und leicht verdaulich. UNSER VERSPRECHEN AN DEN LESER: Diese Publikation weckt mit Sicherheit Ihr Interesse und das mindestens
15 Minuten lang oder bis die Werbung kommt. Schieben Sie daher Ihre Zweifel beiseite und lesen Sie weiter …

Versetzen Sie sich einmal in die Lage eines Kommunalbeamten, der die Vor- und Nachteile einer Beantragung von EU-Geldern gegenei-
nander abwägen muss. Welches Bild drängt sich Ihnen auf? Ein durch die Medien geprägtes Bild von der EU als eine monopolisierende,
kontrollierende Institution, die sogar den Nationalstaat untergräbt. Ironischerweise dient INTERREG dazu, Nationen und Regionen durch
Bereitstellung eines gemeinsamen Aktionsrahmens zu stärken – ein Rahmen, der auf Entscheidungsfähigkeit und dem Ausdruck einer
starken Identität beruht. Die Boulevardpresse dagegen mag Bilder von Brüsseler Bürokraten, Amtsschimmel, Audits und von Anonymität,
Anhäufung von Reichtum und fantasieloser Architektur heraufbeschwören – nicht zu vergessen diese merkwürdige, pinkelnde Bronze-
figur ... Für viele Politiker und Journalisten ist „Europa“ ein Organ, dessen Stärke darin liegt, uns mit Gesetzen zu bombardieren, durch
die sich alles gleich anfühlt, gleich aussieht und gleich schmeckt. Vorschriften und Harmonisierung: ein Krieg gegen krumme Bananen.
Wie man es auch immer nennen mag – Einmischung von oben oder weltfremdes Diktat: Europa scheint selten von Bedeutung für die
tagtägliche Arbeit eines regionalen Entscheidungsträgers, einer öffentlichen Behörde oder eines ganz normalen Verwaltungsbeamten.

Für viele von uns ist nach wie vor unklar, wie sich ein Durchschnittsbürger an den EU-Verfah-
ren beteiligen kann. So viel zu den Slogans, die man ständig hört: „In Vielfalt geeint“ und
„Gemeinsam seit 1957“. Geeint – wer? Gemeinsam – wo? Es heißt, uns würden grund-
verschiedene Anschauungen trennen, die jedwede Einigung verhindern. Außerdem liegt es
nicht immer auf der Hand, wie die Bewohner der Regionen zusammenkommen können,
um Probleme zu lösen, die uns alle angehen: Ballungsräume, Umweltverschmutzung, Öko-
logie, Klimawandel. Die politische Komplexität der EU kann gewaltig und sogar bösartig
erscheinen. Bedauerlicherweise liegt das in der Natur der Sache. Und dass die Minister in
ihren Tagungsräumen oft nur leeres Geschwätz von sich geben, macht die Sache auch
nicht besser.

Der Economist und die INTERREG-Projekte für Nordwesteuropa haben übrigens so eini-
ges gemeinsam: Partner und Berichterstatter in ganz Europa, Englisch als Arbeitssprache,
Zuhörer und Akteure, die sich in verschiedenen Sprachen unterhalten, dazu brillante Be-
richte, die von Jung und Alt gelesen werden. Und genau wie die anonymen Artikel im
Economist werden auch EU-finanzierte Projekte jeglicher Art (ob durch den ESF, den EFRE
oder den Kohäsionsfonds kofinanziert) von Autorenteams produziert. Diese Gruppen
sind allerdings alles andere als anonym. Es sind starke, transnationale Partnerschaften, so
schillernd und facettenreich wie die Projekte selbst.

Leider ist es gar nicht so einfach, den Mehrwert der EU-Strukturfonds nach außen zu vermitteln. Dabei haben die Projekte so vieles zu
bieten. Sämtliche INTERREG-Projekte repräsentieren und verfechten „vereint seit 1990“ vor allem einen gemeinsamen Wert und ein ge-
meinsames Leitbild: die Kohäsion. Und an dieser Stelle kommt das Programm für Nordwesteuropa ins Spiel. Seine Aufgabe besteht darin,
die Kohäsion nicht nur an Ort und Stelle sichtbar, sondern auch für das Leben der EU-Bürger relevant zu machen. So haben die Regionen
die zur Lösung von dringenden Entwicklungsfragen zur Verfügung stehenden Instrumente genutzt und durch ihre transnationale Zusam-
menarbeit eine aktive Rolle innerhalb der EU übernommen. Tatsächlich ist die EU-Kohäsionspolitik ausschließlich Sache der Regionen. Denn
von wem sonst könnte man, realistisch gesehen, die Gewährleistung einer nachhaltigen regionalen Entwicklung und einen territorialen
Zusammenhalt in ganz Europa erwarten, wenn nicht von den lokalen Akteuren? Ein chinesisches Sprichwort veranschaulicht das Dilemma,
in dem sich die Regionen befinden: Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen schützende Mauern, die anderen Windmühlen.
Das NWE-Team, unsere Projekte, Partner und Programmmitarbeiter gehören definitiv zu denen, die Windmühlen bauen.

Wenn Sie aktiv werden wollen, warum nicht jetzt? Beginnen Sie einfach damit, diesen Bericht zu Ende lesen. Nehmen Sie einen Stift, lesen
Sie die nächsten Seiten und testen Sie dann jeweils am Ende der drei Teile des Berichts, wie viel Sie über die EU-Kohäsionspolitik wissen
und wie Sie davon profitieren können. Leider gibt es keine Preise in Form von Mitteln aus dem EFRE, doch wir versprechen Ihnen jede
Menge REFE: Regelrechten Enthusiasmus und Felsenfestes Engagement für NWE. Also legen Sie den Economist beiseite, wechseln Sie zu
INTERREG und engagieren Sie sich für Europa.

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Die EU-Kohäsionspolitik interpretieren

Der Europäische Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) wurde ins       Inwieweit haben sich die Schwerpunkt-
Leben gerufen, um zur harmonischen, ausgewogenen und nach-
haltigen wirtschaftlichen Entwicklung, zur Verbesserung der Wett-
                                                                       bereiche für 2007-2013 geändert?
bewerbsfähigkeit, zur Steigerung des Beschäftigungsniveaus, zum
                                                                       Die Europäische Kommission wird voraussichtlich im September
Schutz der Umwelt und zur Gewährleistung der Chancengleichheit
                                                                       2008 ein Grünbuch über territoriale Kohäsion verabschieden und
von Frauen und Männern beizutragen.Der EFRE unterstützt geziel-
                                                                       hatte im Rahmen einer öffentlichen Anhörung um Vorschläge zur
te Aktionen in den Bereichen Forschung und Entwicklung (F&E),
                                                                       Lösung der räumlichen Herausforderungen in Europa gebeten.
Informationsgesellschaft, Artenvielfalt und Verkehr. Die Koopera-
                                                                       Die „territoriale Kohäsion“ als solche wird im EU-Vertrag (1997 in
tion erfolgt auf verschiedene Art und Weise: grenzüberschreitend,
                                                                       Amsterdam eingeführt) erwähnt. Zunächst wurde dieses Thema vor
interregional und transnational – das sind wir!
                                                                       knapp zehn Jahren von mehreren Mitgliedstaaten und Beamten
                                                                       der EU-Kommission debattiert. Resultat war das 1999 beschlosse-
Welches waren die Schwerpunkte der EU-                                 ne Europäische Raumentwicklungskonzept (EUREK), mit dem die
Kohäsionspolitik zwischen 2000 und 2006?                               politischen Akteure ihre Absicht erklärten, sich mit den impliziten
                                                                       aber beachtlichen Folgen der EU-Politik für die räumliche Entwick-
Die Grundsätze der EU-Kohäsionspolitik sind „Additionalität“ (ge-      lung auseinanderzusetzen und das territoriale Potenzial der EU in
nauer gesagt Mehrwert), „mehrjährige Programmplanung“ (im              stärkerem Maße zu nutzen. Diese Erklärung wurde in der Territoria-
Siebenjahresturnus) sowie „Partnerschaft und geteilte Mittelver-       len Agenda vom Mai 2007 verankert. Parallel dazu wurden für die
waltung“ (Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Organisatio-           Ziele der territorialen Zusammenarbeit für den Zeitraum 2007 bis
nen auf mehreren Ebenen). Das Prinzip der geteilten Mittelverwal-      2013 Gelder aus dem EU-Haushalt in Höhe von 8,7 Milliarden EUR
tung besagt, dass die Verwaltung der verfügbaren Gelder gemäß          (oder 2,52% der für die Kohäsionspolitik bestimmten 347 Millionen
dem „Subsidiaritätsprinzip“ (d. h. dass Entscheidungen so nah wie      EUR) veranschlagt. INTERREG ist das einzige Finanzinstrument der
möglich am Bürger getroffen werden) in den Verantwortungsbe-           Strukturfonds, das sich ausdrücklich auf das räumliche Element der
reich der einzelnen Mitgliedstaaten fällt, die wiederum eine für die   Kohäsion konzentriert. Diese Art der Intervention ist für die EU von
Planung, Umsetzung und Einhaltung der einzelnen Maßnahmen              besonderer Bedeutung, wenn sie die Ziele von Lissabon und Göte-
zuständige Verwaltungsbehörde ernennen.                                borg erreichen will.

                                                                       Dem NWE-Programm bietet sich nunmehr die Möglichkeit der Un-
EU-Kohäsionspolitik à la INTERREG                                      terstützung und Anerkennung derjenigen Organisationen, die un-
                                                                       ser territoriales Potenzial auf bestmögliche Weise nutzen. Um den
Die Gemeinschaftsinitiative INTERREG IIIB besteht seit 2002. Es        besonderen Bedürfnissen Nordwesteuropas Rechnung zu tragen,
handelt sich hierbei um eine gezielte, im Rahmen der EU-Kohä-          konzentriert sich das IVB-Programm auf die dringlichsten Aufgaben
sionspolitik entwickelte Strategie, mit der man Lösungen für die       mit vier prioritären Themenbereichen: Innovation, natürliche Res-
Probleme der lokalen und regionalen Behörden finden kann. Ziel         sourcen, Konnektivität und stärkere Gemeinden. Weitere Informati-
war es, anhand von Projekten in den Regionen eine transnationale       onen finden Sie auf unserer Website unter www.nweurope.eu. Die
Wirkung zu erzielen und durch Praxis voneinander zu lernen. Man        von den IIIB-Projekten in Angriff genommenen Themen sind nach
wollte auf jeden Fall vermeiden, nur zu reden, anstatt zu handeln.     wie vor für Nordwesteuropa relevant, doch das Programm ist stra-
                                                                       tegischer geworden. Lokale und regionale Bedürfnisse werden auch
Unsere „maßgeschneiderten“                                             in Zukunft von Bedeutung sein, doch die neue geografische Fle-
                                                                       xibilität ermöglicht einen umfassenderen Handlungsspielraum und
thematischen Schwerpunktbereiche                                       bezieht die Rolle Nordwesteuropas in den breiteren europäischen
                                                                       und globalen Kontext ein.
Angesichts der Form, Größe und Charakteristika des NWE-Raums
nahmen die Begründer des Programms (die im Programmraum ak-
tiven Mitgliedstaaten) die Schwerpunkte der EU-Rahmenpolitik als          2,52% des Kohäsionsfonds für die Finanzierung der Euro-
Grundlage und passten sie den besonderen Aufgaben im Bereich              päischen Territorialen Zusammenarbeit mag nicht viel er-
des territorialen Zusammenhalts hinsichtlich der folgenden fünf           scheinen. Insgesamt sind das jedoch 8,7 Milliarden EUR für
Schwerpunktbereiche an:                                                   transnationale Projekte, von denen 355 Millionen EUR für
                                                                          IVB-Projekte in Nordwesteuropa bestimmt sind!

                                               Schaffung eines attraktiven und kohärenten Systems von Großstädten,
         Schwerpunktbereich 1
                                               mittelgroßen Städten und Regionen
                                               Verbesserung der Erreichbarkeit in den Bereichen Verkehr,
         Schwerpunktbereich 2
                                               Kommunikationsinfrastruktur und Wissen

         Schwerpunktbereich 3                  Schutz von Wasserressourcen und Hochwasserprävention

         Schwerpunktbereich 4                  Bildung einer starken ökologischen Infrastruktur und Schutz des kulturellen Erbes

                                               Verbesserung der maritimen Funktionen und Förderung der räumlichen Integration
         Schwerpunktbereich 5                  über die Meeresgebiete hinweg

                                                                                                                                         5
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Über uns
das INTERREG IIIB-Programm „Nordwesteuropa“

Die EU-Kohäsionspolitik kann ausschließlich vor Ort umgesetzt wer-
den. Daher ist es unerlässlich, dass die Partner die jeweiligen Ent-
wicklungschancen und –herausforderungen verstehen und einen                               NWE-Kooperationsraum
gemeinsamen Aktionsplan erarbeiten können. Diese Herausforderun-
gen weisen oftmals territoriale Gemeinsamkeiten aufgrund von geo-
grafischer Nähe und Ähnlichkeiten im Hinblick auf Topografie, Klima,
Tradition und sogar Ideologie auf – und genau das ist der Grund für
die Zusammenarbeit innerhalb eines genau definierten Kooperations-
raums zur Schaffung einer „Megaregion für Intervention“. Doch die
Region Nordwesteuropa (NWE) umfasst nur „alte“ Mitgliedstaaten,
von denen drei mit NEIN gegen einen konstitutionellen Vertrag für
Europa stimmten. Bedeutet dies, dass wir der EU gleichgültig gegen-
überstehen? Gilt das sogar für Irland, das in jüngster Zeit einen re-
gelrechten Wirtschaftsboom verzeichnet hat? Es scheint, als vertrete
man in Nordwesteuropa noch immer fest eine gemeinsame Auffas-
sung zum Thema Kohäsion. Die Ablehnung des von der Kommission
im Rahmen der „Agenda 2007“ eingebrachten Vorschlags, NWE in
ein Rheinprogramm und „etwas anderes“ zu spalten, hat dies erst
kürzlich bewiesen. Alle betroffenen Regionen und Länder hielten in-
brünstig am nordwesteuropäischen Kooperationsraum fest.

Das territoriale Kapital
und Potenzial Nordwesteuropas                                                   © EuroGeographics Association for the administrative boundaries

Die Besonderheiten der Region Nordwesteuropa sind unter anderem
eine solide Wirtschaft, eine hohe Bevölkerungsdichte und ein starker         Die Früchte der transnationalen Arbeit
Verkehrsfluss (einschließlich der dadurch entstandenen Belastungen),
landschaftlich reizvolle Randgebiete und Universitäten von Weltrang.         Die 99 Projekte des INTERREG-IIIB-Programms wurden von belgischen,
Die territoriale Struktur ist jedoch von Gegensätzen geprägt: Die dünn       britischen, niederländischen, französischen, deutschen, irischen, lu-
besiedelten Randgebiete haben noch immer unter Entvölkerung und              xemburgischen und Schweizer Partnern umgesetzt. Sie hatten einen
einem unzureichenden Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln zu              Gesamtwert von über 660 Millionen EUR. Durch den optimalen Ein-
leiden, während sich die Stadtgebiete einer relativ guten IKT-Infrastruk-    satz von EFRE-Geldern in Höhe von 330 Millionen EUR, verteilt auf
tur und eines Zustroms von jungen talentierten Fachkräften erfreuen.         mehrere Schwerpunktbereiche, legten sie den Grundstein für gemein-
Ein durchaus vertrautes Szenario. Und doch wirft die Gesamtheit der          same Aktionen im Bereich der territorialen Entwicklung und bauten
vorgelegten Projekte einige Fragen bezüglich der Folgen einer auf geo-       auf dem IIC-Programm (1997-1999) auf. Etwa die Hälfte der beim
grafischen Charakteristika beruhenden Kohäsionspolitik auf. Schon            IIIB-Programm registrierten Vorschläge wurde zu einem kompletten
allein die Auffassung, was als städtisches und was als ländliches Gebiet     Antrag. Die Ausarbeitung eines Projektantrags dauerte im Schnitt 12
zu klassifizieren ist, variiert beträchtlich innerhalb Europas. Selbstver-   bis 18 Monate. Von den 217 Anträgen (von 164 Projekten) wurden
ständlich kann keine Einzelmaßnahme diese Gegensätzlichkeiten aus            99 genehmigt. Nach Adam Riese lag die Erfolgsquote also bei knapp
der Welt schaffen, doch INTERREG kann hierzu einen Beitrag leisten.          50%. An einer Projektpartnerschaft waren zwischen drei und 26 Part-
Wenn die EU nach einer ausgewogenen regionalen Entwicklung strebt,           ner beteiligt. Der Durchschnitt lag bei 9 Partnern.
dann sind kooperationsunterstützende Instrumente unerlässlich.               Insgesamt waren 900 Partner formal registriert, daneben gab es Tau-
                                                                             sende von Beobachtern. Die Partnerschaften setzten sich aus verschie-
Der NWE-Kooperationsraum umfasst 844 239 km², das entspricht 19%             denen Organisationen zusammen. Sie waren sektorübergreifend und
der gesamten Landfläche der EU-27. Der größte Teil dieses Gebiets liegt      umfassten: öffentliche Behörden (61%), gemeinnützige Organisatio-
in Frankreich (33%) und dem Vereinigten Königreich (28,9%), gefolgt          nen (17%), Universitäten/Forschungseinrichtungen (14%), Privatun-
von Deutschland (17,4%), Irland (8,3%), der Schweiz (4,9%), den Nie-         ternehmen (4%) und sonstige Organe (4%).
derlanden (3,6%), Belgien (3,6%) und Luxemburg (0,3%). Die Bevöl-
kerung beläuft sich auf 179 Millionen und somit rund 36% der EU-27.
Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 307 Einwohner pro
                                                                             Vollendet veredelt
km² – das ist mehr als zweieinhalb Mal so viel wie die durchschnittlich
                                                                             Die meisten Projekte haben ihre Zusammenarbeit inzwischen abge-
118 Einwohner pro km² (2003) in der EU-27. Rund 75 Prozent der Be-
                                                                             schlossen, einige stehen kurz davor. Von Machbarkeitsstudien bis hin
völkerung leben in bebauten Gebieten mit mehr als 500 Einwohnern
                                                                             zu Pilotinvestitionen hatten sämtliche von INTERREG IIIB unterstützten
pro km², was den städtischen Charakter des NWE-Raums verdeutlicht.
                                                                             Projekte ein gemeinsames Ziel: das Streben nach Transnationalität so-
Andererseits sind rund 25 Prozent des Kooperationsraums nur dünn
                                                                             wie deren Umsetzung vor Ort. Während die meisten Projekte mit ihren
besiedelt, und dieser ländliche Raum und die Küstengebiete bilden
                                                                             Aufgaben wuchsen und wie zu erwarten robuste Ergebnisse erzielten,
einen äußerst willkommenen Kontrast zu den dichter bevölkerten
                                                                             gab es auch ein oder zwei, die „dahinwelkten“ und sich schwer damit
Großstadtregionen. Und doch spielen beide eine wichtige Rolle bei der
                                                                             taten, die hohen Erwartungen des Programms zu erfüllen. Im Folgen-
Bewahrung von Wohlstand und Wirtschaftswachstum der Regionen.
                                                                             den werden einige Projekt-Highlights beschrieben, um aufzuzeigen,
                                                                             was zu einem erfolgreichen INTERREG-Projekt in Nordwesteuropa ge-
                                                                             hört.

6
Chancen für einen territorialen Wandel - INTERREG IIIB Nordwesteuropa Programmrückblick 2002-2008 - INTERREG IVB NWE ...
Regionale Klassifizierung Europas: Erreichbarkeit
 Regional Classification of Europe: Accessibility

                            !
                                Reykjavik

                                                                                                                                                                                                                                                            Canarias
                                                                                                                                                                                                                                                                                Grad der Erreichbarkeit
                                                                                                                                                                                                                                                                                wird als Summe von 4 Indikatoren dargestellt:
                                                                                                                                                                                                                                                            Guadeloupe Martinique        Réunion

                                                                                                                                                                                         Helsinki                                                                               • Mögliche Erreichbarkeit per Straße +
                                                                                                                                                                                                      !
                                                                                                                                                                                                                                                            Guyane
                                                                                                                 Oslo      !
                                                                                                                                            Stockholm !                                               !
                                                                                                                                                                                                          Tallinn                                                               • Mögliche Erreichbarkeit per Schiene +
                                                                                                                                                                                                                                                                                • Mögliche Erreichbarkeit per Flugzeug +
                                                                                                                                                                                                                                                            Madeira

                                                                                                                                                                                                      !   Riga

                                                                                                                                    !
                                                                                                                                        Kobenhavn                                                                                                                               • Time to market Meso-Skala -
                                     Dublin       !
                                                                                                                                                                                                  Vilnius
                                                                                                                                                                                                                !
                                                                                                                                                                                                                                 !   Minsk
                                                                                                                                                                                                                                                            Acores

                                                       London!
                                                                                         !
                                                                                             Amsterdam
                                                                                                                        Berlin          !                          Warszawa !
                                                                                                                                                                                                                                                                        This map does not
                                                                                                                                                                                                                                                                        necessarily reflect the     unterdurchschnittlich
                                                                                                                                                                                                                                                                        opinion of the ESPON
                                                                                                                                                                                                                                              Kyiv                      Monitoring Committee
                                                                                 !
                                                                  Bruxelles/Brussel
                                                                                                                                                                                                                                                        !
                                                                                                                                                                                                                                                                                                    leicht unterdurchschnittlich
                                                                     !
                                                                                                 !
                                                                                         Luxembourg
                                                                                                                                                !
                                                                                                                                                Praha                                                                                                                                               durchschnittlich
                                                                         Paris

                                                                                                                                                Wien
                                                                                                                                                           !       !
                                                                                                                                                                       Bratislava
                                                                                                                                                                                                                                                    Kishinev
                                                                                                                                                                                                                                                    !
                                                                                                                                                                                                                                                                                                    leicht überdurchschnittlich
                                                                                                                                                                                !
                                                                                                                                                                                    Budapest
                                                                                                                                                                                                                                                                                                    überdurchschnittlich
                                                                                                     !
                                                                                                         Bern
                                                                                                                                   Ljubljana
                                                                                                                                                !
                                                                                                                                                         !
                                                                                                                                                             Zagreb                                                      Bucuresti
                                                                                                                                                                                             !                                           !
                                                                                                                                                                                     Beograd
                                                                                                                                                           Sarajevo
                                                                                                                                                                            !

                                                                                                                                                                                                                 !
                                                                                                                                                                                                                                                                                Quelle: ESPON-Datenbank
                                                                                                                                                                                                                     Sofiya

             Lisboa
                                     !
                                         Madrid                                                                                !
                                                                                                                                   Roma
                                                                                                                                                                                                      !
                                                                                                                                                                                                      Skopje
                                                                                                                                                                                                                                                                                ©Ankara
                                                                                                                                                                                                                                                                                  EuroGeographics Association for administrative boundaries
         !                                                                                                                                                                                                                                                                           !
                                                                                                                                                                                         !
                                                                                                                                                                                         Tirana

                                                                                                                                                                                                                         !   Athinai

                                                                                                                                                                                                                                                                                 Nicosia        !

                                                                                                                                                !   Valletta
                                                                                                                                                                            500 km
                       © BBR - Project 2.4.2, 2005
                                                                                                                                                                                    © EuroGeographics Association for administrative boundaries
Degree of accessibility as an
    Nicht alle Teile Nordwesteuropas sind gleichermaßen zugänglich. Während sich die Hauptstadtregionen nahezu lüc-
aggregate of 4 indicators:
                                                                                                                                                                                                                        Regional level: NUTS 2
                                                                                                                                                                                                            Origin of data: ESPON 1.2.1 S&W,
                                                                                                                                                                                                         ESPON 2.4.2 BBR, own calculations
    kenloser
 - Potential accessibilityphysischer
 - Potential accessibility by road +
                           by rail +    und virtueller Infrastrukturen und somit hoher Wirtschaftlichkeit erfreuen, ist die Anbindung des                                                    Cyprus: data for government controlled areas only
                                                                                                                                                                                                                                                              Source: ESPON database
 - Potential accessibility by air +
    ländlichen
 - Time to market meso-scale  Raums
                                 -    und der atlantischen Küstengebiete vielfach unzulänglich. Das bedeutet: lange Zug- oder Auto-
    fahrten
        Below averageund begrenzter Zugang zu Märkten. INTERREG-Projekte ermöglichen eine verbesserte Infrastruktur, kürzere
                                                           Standardised based on the European mean value

        Moderately below average
    Fahrtzeiten
        Average                 und die Förderung von ländlichem unternehmerischem Handeln durch Informationstechnologien.
         Moderately above average
         Above average

  Regionale Klassifizierung Europas: Lissabon-Ergebnisse
Regional Classification of Europe: Lisbon Performance

                                                                                                                                                                                                                                                                                Darstellung der Lissabon-Ergebnisse
                        !
                            Reykjavik

                                                                                                                                                                                                                                                        Canarias

                                                                                                                                                                                                                                                                                anhand von 5 Indikatoren:
                                                                                                                                                                                                                                                        Guadeloupe Martinique        Réunion

                                                                                                                                                                                                                                                                                • Produktivität (BIP pro Erwerbstätigen 2002) +
                                                                                                                                                                                     Helsinki
                                                                                                                                                                                                  !
                                                                                                                                                                                                                                                        Guyane
                                                                                                                                                                                                                                                                                • Beschäftigungsrate (Erwerbstätige / Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren; 2003) +
                                                                                                                Oslo   !
                                                                                                                                        Stockholm !                                               !
                                                                                                                                                                                                      Tallinn
                                                                                                                                                                                                                                                                                • F&E-Ausgaben (F&E-Ausgaben / Gesamt-BIP; 2001) +
                                                                                                                                                                                                                                                        Madeira

                                                                                                                                                                                                  !   Riga                                                                      • F&E-Sektor (Personal / 1.000 Erwerbstätige; 2001) +
                                                                                                                                    Kobenhavn
                                  Dublin      !
                                                                                                                                !
                                                                                                                                                                                                 Vilnius
                                                                                                                                                                                                            !
                                                                                                                                                                                                                                                                                • hochqualifizierte Bevölkerung (hochqualifizierte Bevölkerung/
                                                                                                                                                                                                                             !   Minsk
                                                                                                                                                                                                                                                        Acores
                                                                                                                                                                                                                                                                                         Gesamtbevölkerung mit einer Ausbildung 2002) +
                                                                                         Amsterdam                                                                                                                                                                     This map does not
                                                      London !
                                                                                     !
                                                                                                                       Berlin       !                          Warszawa !                                                                                              necessarily reflect the
                                                                                                                                                                                                                                                                       opinion of the ESPON
                                                                                                                                                                                                                                             Kyiv                      Monitoring Committee
                                                                                                                                                                                                                                                    !

                                                                                                                                                                                                                                                                                                    unterdurchschnittlich
                                                                             !
                                                                 Bruxelles/Brussel
                                                                                             !                                              !
                                                                                                                                            Praha
                                                                 !
                                                                     Paris
                                                                                     Luxembourg
                                                                                                                                                                                                                                                                                                    leicht unterdurchschnittlich
                                                                                                                                                                   Bratislava
                                                                                                                                                                                                                                                Kishinev
                                                                                                                                                                                                                                                                                                    durchschnittlich
                                                                                                                                                       !       !
                                                                                                                                            Wien                                                                                                !
                                                                                                                                                                            !
                                                                                                 !                                                                              Budapest
                                                                                                     Bern
                                                                                                                               Ljubljana
                                                                                                                                            !
                                                                                                                                                                                                                                                                                                    leicht überdurchschnittlich
                                                                                                                                                     !
                                                                                                                                                         Zagreb                                                      Bucuresti
                                                                                                                                                                                         !
                                                                                                                                                                                    Beograd
                                                                                                                                                                                                                                     !                                                              überdurchschnittlich
                                                                                                                                                      Sarajevo
                                                                                                                                                                        !

                                                                                                                                                                                                             !
                                                                                                                                                                                                                 Sofiya

         Lisboa
                                 !
                                     Madrid                                                                                !
                                                                                                                                                                                                  !
                                                                                                                                                                                                  Skopje
                                                                                                                                                                                                                                                                                Quelle:
                                                                                                                                                                                                                                                                                 Ankara
                                                                                                                                                                                                                                                                                        ESPON-Datenbank
     !                                                                                                                         Roma
                                                                                                                                                                                                                                                                                © EuroGeographics Association for administrative boundaries
                                                                                                                                                                                     !                                                                                           !
                                                                                                                                                                                    Tirana

                                                                                                                                                                                                                     !   Athinai

                                                                                                                                                                                                                                                                               Nicosia      !

                                                                                                                                            !   Valletta
                                                                                                                                                                         500 km
                      © BBR - Project 2.4.2, 2005
                                                                                                                                                                                © EuroGeographics Association for administrative boundaries
Degree of lisbon performance
    Fast der gesamte nordwesteuropäische Raum schneidet in Bezug auf Beschäftigung, Produktivität und Geschäftstäti-
as an aggregate of 5 indicators:
                                                                                                                                                                                                                    Regional level: NUTS 2
                                                                                                                                                                                        Origin of data: ESPON 2.4.2 BBR, own calculations

    gkeit durchschnittlich bzw. überdurchschnittlich ab. INTERREG-Projekte tragen zur Erhaltung und Verbesserung dieser
- Productivity (GDP per person employed 2002) +
- Employment rate (Employed population / population aged 15-64 2003) +
                                                                                                                                                                                                          Cyprus: data for government controlled areas only
                                                                                                                                                                                                                                                             Source: ESPON database

    gemeinsamen                     Wettbewerbsfähigkeit
- Expenditure on R&D (Expenditure on R&D / Total GDP 2001) +
- R&D   Business Enterprise Sector (Personnel / 1.000 active person 2001) +  bei. Achten Sie auf den „Öleffekt“ um die Gegend von Aberdeen oder das in
- High educated population (Highly educated population /
    dunkelgrün
  total                       gehaltene
        educated population 2002) +                   Silicon Fen in der          moorähnlichen Landschaft von East Anglia.
                                                                            Standardised based on the European mean value

     Below average
     Moderately below average
     Average
     Moderately above average
     Above average

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       7
Chancen für einen territorialen Wandel - INTERREG IIIB Nordwesteuropa Programmrückblick 2002-2008 - INTERREG IVB NWE ...
Starke Partnerschaften bilden

8
Chancen für einen territorialen Wandel - INTERREG IIIB Nordwesteuropa Programmrückblick 2002-2008 - INTERREG IVB NWE ...
Möglichkeit Nr. 1
                                                           Investition und Pilotprojekte im Baubereich
Teil 1
MÖGLICHKEITEN                                          Wenn man von Größe spricht, hört man die unterschiedlichsten Kli-
für Projektträger –                                    schees: „Die Größe macht‘s“, „Klein aber fein“, „Je größer desto
                                                       besser“ ... Tatsache ist, dass die Strukturfonds mehr als ein Drittel
wer immer Sie auch sind!                               des gesamten EU-Haushalts für sich in Anspruch nehmen und von
                                                       ungeheurem Ausmaß sind. Auch wenn die transnationale Zusam-
                                                       menarbeit (Ausrichtung B der INTERREG-Programme) keine so hohe
In diesem ersten Abschnitt erläutern wir die von       finanzielle Unterstützung wie die grenzüberschreitende Zusammen-
INTERREG bereitgestellten Möglichkeiten und bele-      arbeit (Ausrichtung A) erhalten hat, so war es doch die transnati-
gen – anhand verschiedener Projektbeispiele – un-      onale Zusammenarbeit, die eine Vorreiterrolle übernahm. IIIB bot
sere kühne Behauptung, dass auch Ihre Region von       nicht nur die besten Möglichkeiten für transnationale Ansätze im
INTERREG profitieren kann. Die hier beschriebenen,     Bereich der territorialen Entwicklung, sondern trug überdies dazu
ehrgeizigen Initiativen bestätigen nicht nur, dass     bei, Nordwesteuropa als eine Region der EU darzustellen, in der
das Potenzial von INTERREG genutzt werden konn-        koordinierte Maßnahmen dazu beitragen konnten, das lokale und
te, sondern dienen auch als „Appetitanreger“ für die   regionale Potenzial zur Lösung gemeinsamer Probleme zu nutzen.
Projektpartnerschaften von morgen.
                                                       Dank der Erkenntnis, dass eine breitere Auffassung von territorialer
Die Europäische Kommission definiert Mehrwert als      Einheit und Kohäsion erforderlich war, gab man den Regionen die
einen „Wert, der aus Gemeinschaftshilfe resultiert     Möglichkeit, Investitionen mit Kofinanzierung aus EFRE-Mitteln zu
und zusätzlich zu den Werten erzielt werden kann,      tätigen und Probleme, die sich über Verwaltungsgrenzen hinweg
die durch nationale und regionale Behörden und den     manifestierten, in Angriff zu nehmen. IIIB eröffnete also einzigar-
Privatsektor bereitgestellt werden.“                   tige Investitionsmöglichkeiten und ist somit dem (interregionalen)
                                                       IIIC-Programm zur Förderung des Austausches von Best Practices
                                                       mittels paneuropäischer Kommunikationsnetze um einen Planungs-
                                                       zeitraum voraus. Dies ist einer der Gründe, warum der Kooperati-
                                                       onsraum für den nachfolgenden Programmzeitraum (2007-2013)
                                                       praktisch unverändert geblieben ist.

                                                       Planier- bzw. Schmetterlingsraupen
                                                       Der durchschnittliche Etat eines Projekts belief sich auf gut drei Mil-
                                                       lionen EUR. Einige Projekte tätigten überhaupt keine Investitionen,
                                                       andere konzentrierten sich fast ausschließlich auf Baumaßnahmen.
                                                       Beispiele sind das unter britischer Leitung stehende Projekt HST IN-
                                                       TEGRATION, das über 97% seines Etats in Höhe von 29 Millionen
                                                       EUR für die Sanierung von Bahnhofsbereichen und die Verbesserung
                                                       der Zubringerdienste von und zu sekundären Schienennetzwerken
                                                       einsetzte, sowie das unter niederländischer Leitung stehende Projekt
                                                       SDF, das mehr als zwei Drittel seines 33,5-Millionen-EUR-Etats in den
                                                       Hochwasserschutz investierte. Am anderen Ende der Skala findet
                                                       man das EGHN (Europäisches Gartennetzwerk), ein Projekt, das
                                                       mit weniger als 200 000 EUR Gärten restaurierte, die Zugänglichkeit
                                                       verbesserte sowie Schilder und Informationen bereitstellte.

                                                       Ein solides Fundament
                                                       Eines ist klar, und zwar unabhängig davon, wie sich die Gelder über
                                                       die einzelnen Etatposten verteilten: INTERREG IIIB bot eine ausge-
                                                       zeichnete Möglichkeit, etwas Neues auszuprobieren. Die Investiti-
                                                       onen zielten auf die Erprobung modernster Technologien, die An-
                                                       nahme alternativer Ansätze und die Anwendung neuentwickelter
                                                       integrierter Instrumente hin. Diesem Vorgehen lag die Idee zugrun-
                                                       de, dass eine von einer breitgefächerten Partnerschaft getragene
                                                       Pilotinvestition, die sich jedoch auf eine oder mehrere Partnerregi-
                                                       onen konzentrierte, nicht nur Kosten sparen würde, sondern auch
                                                       vermeiden könnte, dass Arbeiten doppelt durchgeführt werden.
                                                       Neue Ideen wurden getestet und in besonders günstigen Fällen auf
                                                       Grundlage der von einer transnationalen Gruppe durchgeführten
                                                       Pilotprojekte anderswo übernommen und verbessert.

                                                                                                                            9
Chancen für einen territorialen Wandel - INTERREG IIIB Nordwesteuropa Programmrückblick 2002-2008 - INTERREG IVB NWE ...
Möglichkeit Nr. 2
     Hilfe bei der Umsetzung komplexer EU-Richtlinien                           RheinNetz
     und deren Einbringung in den lokalen Kontext

Die Umsetzung von EU-Richtlinien ist für die nationalen, regionalen
und lokalen Behörden sämtlicher Mitgliedstaaten Pflicht. Doch die
damit verbundenen Kopfschmerzen kann man sich sparen, wenn
man die durch transnationale Zusammenarbeit erzielten Erkennt-
nisse sowie Zeit- und Kostenersparnisse nutzt. Gemeinschaftliche
Methoden zur Umsetzung von Richtlinien können (sub)nationalen
Regierungsstellen dabei helfen, ihre Herangehensweise durch die
Annahme solcher Verfahren (neu) zu gestalten, die andere nord-
westeuropäische Regionen dank ihrer wissenschaftlichen Fach-
kenntnisse und Erfahrungen bereits erfolgreich eingesetzt haben.

           75% der EU-Gesetzgebung werden auf lokaler oder regionaler Ebene umgesetzt.

Eine Analyse des Maßnahmentransfers im Rahmen von INTERREG
verdeutlicht mehrere Möglichkeiten dieses Verfahrens: „… ange-
fangen bei einer Kopie (direkter und vollständiger Transfer) über
Nachahmung (Transfer der einer Maßnahme oder einem Programm
zugrundeliegenden Idee) und Kombinationen (Mischung aus meh-
reren unterschiedlichen Maßnahmen) bis hin zur Inspiration (wobei
die ursprüngliche Maßnahme das endgültige Ergebnis zwar inspi-
riert, nicht aber als Grundlage dient)“

                                     (Duhr & Nadin, 2007, S. 376)

     Von quälender Theorie
     zu poetischer Praxis
     Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) stellt
     die Mitgliedstaaten, die Kommission, die Bewerber- und
     EWR-Länder sowie Interessengruppen und NROs vor eine
     Reihe gemeinsamer technischer Probleme. Viele der eu-                                                             RheinNetz
     ropäischen Flusseinzugsgebiete sind international und
     überschreiten Gebiets- und Verwaltungsgrenzen.

     Ein gemeinsames Verständnis und ein gemeinsamer Ansatz sind daher für die erfolgreiche und effektive Um-
     setzung der Richtlinie unerlässlich. Voraussetzung hierfür ist jedoch die frühzeitige Einbeziehung und Beteili-
     gung einer informierten Öffentlichkeit mithilfe einer engen transnationalen Zusammenarbeit.

     Das Projekt RheinNetz gab sich nicht damit zufrieden, passive Bürger anhand von Gesprächen und Workshops
     über die Wasserrahmenrichtlinie zu informieren. Um die Stakeholder zur aktiven Teilnahme an der Umsetzung
     der Richtlinie und zur gemeinsamen Ausarbeitung von Ideen für die zukünftige Wasserwirtschaft im Einzugs-
     bereich des Rheins zu bewegen, wurden Flussbadetage sowie Mal- und Dichterwettbewerbe organisiert.

     Das Projekt SCALDIT bediente sich grenzüberschreitender Zusammenarbeit entlang den Ufern des Einzugs-
     gebiets der Schelde, um die Vorbereitungen zur Umsetzung der WRRL zu harmonisieren. Das gemeinsame
     Projekt gab das Startsignal zur Inangriffnahme einer Reihe von wasserwirtschaftlichen Problemen und Me-
     thoden. Um die Umweltziele der Wasserrahmenrichtlinie auf einzelstaatlicher Ebene verwirklichen zu können,
     wurden klar umrissene Aufgaben formuliert, die eine internationale Koordinierung erforderlich machten. Die
     wasserwirtschaftlichen Aspekte sollten als Grundlage für den Managementplan für das internationale Flus-
     seinzugsgebiet der Schelde dienen.

10
Möglichkeit Nr. 3
    Kosten reduzieren, Effizienz steigern
    und doppelte Arbeit vermeiden

Wie lässt sich der Mehrwert der Projekte bewerten? Die einfachste      “New (and old) kids on the block“
Art und Weise ist die Gegenüberstellung des qualitativen Wertes
der erzielten Ergebnisse einerseits, d. h. die Qualität der Projekte   Die größte Herausforderung für Projektträger, egal ob es sich dabei
sowie deren Beitrag zur Umsetzung der (strategischen) Ziele des        um „INTERREG-Neulinge“ oder „alte Hasen“ handelt, ist zweifa-
Programms, und des Wertes der eingesetzten Mittel andererseits,        cher Natur: erstens, auf früheren Projekten aufzubauen und her-
d. h. die beträchtlichen Mengen an EFRE-Geldern und nationaler         auszufinden, was bereits erreicht worden ist (die Vermeidung von
Kofinanzierung. Jeder Vergleich erfordert aber auch eine Wertbeur-     Wiederholungsprojekten mit geringem Mehrwert ist hierbei ein we-
teilung des von den Projekten erbrachten Mehrwerts.                    sentliches Kriterium), und zweitens, mittels der durch transnationa-
                                                                       le Kooperation gewonnenen Erkenntnisse Zeit und Geld zu sparen.
Betrachtet man unsere 99 Projekte, dann sind vielleicht einige EFRE-
kofinanzierte Aktivitäten darunter, die man auch ohne EU-Mittel
hätte realisieren können. Hätte, könnte, sollte. Doch wäre das Pro-
jekt ohne INTERREG tatsächlich jemals zustande gekommen? Hätte             Den Wasserverbrauch senken,
das Projekt seine Ziele rechtzeitig und mit den vorgegebenen Mit-
teln erreicht? Wären die Ergebnisse von gleicher Qualität gewesen?         Umweltverschmutzung reduzieren
Was oft sofort ins Auge fällt, ist der durch den kooperativen Ansatz       und Geld sparen
erzielte Mehrwert der Projekte.
                                                                           Der erste Etat des Projekts URBAN WATER (zur Redu-
                                                                           zierung der Regenwasserverschmutzung) belief sich auf
                                                                           11,6 Millionen EUR. Der zweite Etat zielte in erster Linie
        Addieren des Mehrwerts?                                            auf die Bereitstellung angemessener Wassersysteme und
                                                                           umfasste nur 6,8 Millionen EUR. Ein doppelter Triumph:
        Einen Blick über den Zaun werfen                                   Die Wasserqualität wurde verbessert und obendrein
        – vielleicht haben die Nachbarn schon etwas
        Nachahmenswertes erreicht
                                                                           wurde Geld gespart! Mehrere der Studien, die über
                                                                           Sanierungsmaßnahmen zur Verbesserung der Qualität
        Sich als Partnerschaft den Kopf zerbrechen                         von Arnheims Wassersystemen durchgeführt wurden,
        – anstatt sich in verzweifelter Einsamkeit das Gehirn              führten zu spürbaren finanziellen Vorteilen. Die Partner-
        zu zermartern                                                      schaft zog wichtige Schlussfolgerungen bezüglich des
        Einem vielseitigen Know-how vertrauen
                                                                           zukünftigen Investitionsprogramms im Bereich des Ab-
        – nicht gestrandet und frustriert wie Robinson Crusoe              wassersystems. So plante einer der Partner zusätzliche
                                                                           Maßnahmen zur Bewirtschaftung des Abwassersystems
         Nicht immer wieder unnötig Geld ausgeben                          anstelle zahlreicher End-of-Pipe-Lösungen zur Filterung
         – die Antwort ist oftmals kostenlos zu haben                      von verschmutztem Regenwasser und reduzierte deren
         Vermeidung billiger Imitationen
                                                                           Zahl um 50%. Man erkannte, dass die sogenannten
         – unter Umständen stehen perfektionierte, anpas-                  „End-of-Pipe“-Maßnahmen sehr viel kostenaufwändi-
         sungsfähige Modelle zu minimalen Kosten bereit                    ger waren als andere Formen der Wasserwirtschaft.

Die Kosten des Alleingangs
Bringt man das, was sich auf den ersten Blick als lokales Problem
präsentiert, nicht zunächst in einen breiteren transnationalen Zu-
sammenhang, riskiert man Zeit und Geld. Nehmen wir einmal die
EU als Beispiel. Auf die Einheitliche Europäische Akte und das Pro-
gramm von 1992 zur Vollendung des Binnenmarktes folgte der
Cecchini-Bericht über die „Kosten der Nichtverwirklichung Euro-
pas“. Ähnlich entstehen im Rahmen einer territorialen und nach-
haltigen Entwicklung massive Kosten für die „Nichtverwirklichung
der Koordination“. Die Regionen können es sich ganz einfach nicht
leisten, begrenzte öffentliche Mittel für Aktivitäten zu verschwen-
den, die bereits ausgeführt wurden – genauso gut könnte man die
Steuergelder zum Fenster hinauswerfen. Örtliche Behörden, die sich
den üblichen Fragen gegenübersahen (Haben andere das gleiche
Problem? Gibt es bereits Lösungen? Wurden sie schon anderswo                                                         Hochwasser
entwickelt? Wie können wir sie testen?), haben sich daher vielfach
und mit Erfolg an INTERREG als die naheliegendste Anlaufstelle ge-
wandt.

                                                                                                                                        11
Möglichkeit Nr. 4
     Finanzielle Mittel mobilisieren
     und Investitionen stimulieren

                                                                           CSI: Demonstrationsanlage am Standort Ewald, Herten (DE)

Jedes INTERREG-Projekt erzielt eine Reihe von Ergebnissen. Dank        Das Projekt CSI (Creating a Setting for Investment) zielt dar-
effektiver Kommunikationsstrategien sind die meisten davon greif-      auf ab, die Auswirkungen einer Umweltsanierung auf die Investi-
barer Art, viele sind deutlich erkennbar. INTERREG-IIIB-Projekte in    tionsentscheidung in ehemaligen Zechen- und Stahlwerksgebieten
Nordwesteuropa nutzten ihren 50%-igen Anteil an EFRE-Mitteln als       zu quantifizieren. Die Studienergebnisse ergaben, dass zwischen
Katalysator für die Beschaffung einer nationalen Kofinanzierung,       Landschaftsverbesserung und Investitionsentscheidung ein Zusam-
die dem Beitrag des Strukturfonds entsprach oder dessen Wert           menhang besteht, der neben der politischen und strategischen Ent-
noch überstieg. Die Projekte in Nordwesteuropa haben somit einen       wicklung auch die Art der Neuinvestitionen beeinflusst.
Gesamtwert von mehr als 660 Millionen EUR. Doch es waren die
unerwarteten Ergebnisse und indirekten Folgen, die häufig über-
raschte Blicke auf sich zogen. Die inhärente Fähigkeit der Projekte,   Das Projekt beinhaltete:
weitere Investitionen anzulocken, wird von Politikern auf nationaler
und auf EU-Ebene schon seit geraumer Zeit anerkannt. Beeindruckt       •    Sammlung von Daten, um den Einfluss der Landschaftsquali-
von der Fähigkeit eines Projekts, sektorübergreifende Akteure ein-          tät auf den Bodenwert zu quantifizieren; die Folgen der Land-
zubinden und zu mobilisieren, entscheiden sich regionale Entschei-          schaftssanierung (z. B. Begrünung von Industriebrachen) wur-
dungsträger oftmals dazu, die Aktivitäten nach Projektende wei-             den mithilfe von Gutachtern beurteilt
ter zu subventionieren. Letztendlich lässt sich der „Erfolg“ eines     •    Rückblickende Kosten-Nutzen-Analyse in bereits früher, im
Projekts wohl daran ablesen, in welchem Maße es die Attraktivität           Rahmen der Revitalisierung des Ruhrgebiets sanierten Berei-
einer bestimmten Region verbessert. Indirekte Folgen, wie die Mo-           chen, um den Einfluss der Umweltqualität auf den Bodenwert
bilisierung zusätzlicher Gelder, scheinen zwar bedeutsam, sind aber         beurteilen zu können
nur schwer zu quantifizieren.                                          •    Erfassung quantitativer und qualitativer Informationen, um
                                                                            mehr darüber zu erfahren, wie (und welche) Landschafts- und
Ein attraktiver Ort zum Leben und Arbeiten                                  Umweltfaktoren die Investitionsentscheidung beeinflussen
                                                                       •    Untersuchung, wie das regionale Umfeld die Entscheidung der
Investitionsentscheidungen werden durch Faktoren wie z.B. Markt-            Investoren beeinflusst, sowie Fallstudien, die sich mit dem Ein-
nähe, Fachkräftepotenzial, Verkehrsinfrastrukturen und Lieferket-           fluss der Planungsverfahren auf die Investitionsentscheidung
ten beeinflusst. Darüber hinaus spielen die Umweltqualität der              befassten
Region sowie die Attraktivität der unmittelbaren Umgebung der Sa-      •    Einbeziehung und Befragung der Kommunen, um zu erfahren,
nierungs- und Investitionsstandorte eine Rolle. Bisher gibt es noch         wie sie die Vorteile der mit der Wirtschaftsentwicklung einher-
keine stichhaltige Untersuchung, welche Gewichtung die Umwelt-              gehenden Umweltverbesserungen bewerten
qualität im Vergleich zu anderen Faktoren besitzt.

12
Möglichkeit Nr. 5
    Die Politik- und Entwicklungsagenda
    beeinflussen

In jedem Jahr veröffentlicht die EU eine Fülle von Empfehlungen,
Mitteilungen und Stellungnahmen. Im Allgemeinen wohnen die für
diese Publikationen verantwortlichen Akteure im vornehmen Brüs-           Freunde, transnationale Partner,
seler Schuman-Viertel. Und doch werden diese Dokumente nicht
in völliger Isolation verfasst, sondern basieren auf empirischen Da-      Landsleute (und Seeleute)
ten – bereitgestellt von Projektpartnern, die sich über ganz Europa
verteilen und ebenso weit verstreute Interessennetzwerke und poli-        Ein vom britischen Joint Nature Conservation Committee
tische Gruppen beeinflussen. Durch Verbreitung ihrer Abschlussbe-         (JNCC) geführtes Konsortium bestehend aus zwölf Part-
richte, strategischen Dokumente und Projektergebnisse haben die           nern aus fünf europäischen Ländern nutzte sein wissen-
NWE-Projekte den politischen Akteuren in den letzten Monaten ihre         schaftliches und technisches Know-how im Bereich der
Bedeutung als Wachstumstreiber, Arbeitsbeschaffer und innovative          Biotopkartierung, Datenerhebung und Datenpflege sowie
Vorreiter in Sachen nachhaltige Entwicklung in den Regionen deut-         seine erwiesene praktische Erfahrung bei der Nutzung von
lich gemacht. Eines haben die IIIB-Projektergebnisse auf keinen Fall      Meeresboden-Biotopkarten für das Umweltmanagement
getan: herumgelegen und Staub gesammelt.                                  innerhalb nationaler Rechtsrahmen, um die Arbeit der Eu-
                                                                          ropäischen Umweltagentur und anderer Organe zu beein-
                                                                          flussen. Das Projekt MESH (Mapping European Seabed
Ich kam, ich kooperierte, ich siegte                                      Habitats) erbrachte unter anderem folgende Ergebnisse:
(Veni, Interreg, Vici)
                                                                          •   GIS-Meeresbodenkarten für den IIIB-Raum
INTERREG-IIIB-Projekte erprobten Theorien, Methoden und Instru-               in Nordwesteuropa
mente vor Ort. Sie lieferten überzeugendes Beweismaterial dafür,          •   Eine Liste international vereinbarter Regeln und
wie die Praktiken europaweit übernommen, das Know-how auf die                 Standards für die Kartierung mariner Lebensräume
übrigen Mitgliedstaaten übertragen und ähnliche Ergebnisse auch               einschließlich Kartierungsstrategien sowie Standards
von anderen Ländern erfolgreich, fristgerecht und problemlos erzielt          für die Fern- und Bodenerkundung zur Kartierung
werden können. Die meisten Projekte entwickelten eine umfassende,             von litoralen und sublitoralen Zonen
gezielte Strategie, um sich bei Ministerien, den Generaldirektionen       •   Modelle für die Prognostizierung von Biotoparten
der Kommission, den Ausschüssen des Europäischen Parlaments,                  basierend auf physischen und hydrografischen
den NROs und den Bürger- und Forschungsbeauftragten Gehör zu                  Informationen in unterschiedlichen Lebensräumen
verschaffen und so die an der Spitze getroffenen politischen Ent-             und Wassertiefen
scheidungen beeinflussen zu können. Dieses Vorgehen war doppelt           •   Nationale Netzwerke bestehend aus Endnutzern
erfolgreich, da sich die Politiker für die Projekte einsetzten und sich       der Biotopkartierung in Vollzugs-, Regulierungs-
überdies anhörten, was die Partnerschaften zu sagen hatten. Erfolg-           und Planungsbehörden
reiche INTERREG-Projekte bildeten überdies Cluster mit Schwester-         •   Nationale Rahmenbedingungen für einen kontinuier-
projekten in ähnlichen Themenbereichen in anderen Kooperations-               lichen Abgleich und die Verbesserung von Biotop-
programmen und steigerten so ihre Fähigkeit, Angelegenheiten zu               karten auf einzelstaatlicher Ebene sowie deren Erfas-
verfechten, in denen sie zu Experten geworden waren.                          sung und Aggregation auf internationaler Ebene
                                                                          •   Fallstudien zur Verdeutlichung der politischen,
                                                                              wirtschaftlichen und umweltbezogenen Nutzung
                                                                              von Meeresbiotopkarten bei Strategie- und Entschei-
                                                                              dungsfindung auf lokaler, regionaler und internatio-
                                                                              naler Ebene

                                                                                                                        MESH

                                                                                                                                      13
Möglichkeit Nr. 6                                                           Möglichkeit Nr. 7
     Schnelle Ergebnisse                                                         Regionale Netzwerke
     und rasche Wirkung                                                          und Institutionen stärken

INTERREG finanziert kurzfristige Projekte mit schnellen Ergebnissen.         Eine Ironie der transnationalen Zusammenarbeit besteht darin, dass
Die wenigsten Projekte haben eine Laufzeit von mehr als sechs Jah-           regionale Behörden häufig erst im Rahmen der Zusammenarbeit
ren, viele sind auf nicht mehr als drei Jahre angelegt. Auf diese Wei-       ihre unmittelbaren Nachbarn – Menschen und Institutionen direkt
se erhalten die Kofinanzierer konkrete Ergebnisse und praktikable            um die Ecke, mit denen man bisher keinen oder nur wenig Kontakt
Lösungen innerhalb kurzer Zeit und können so rechtzeitig auf dring-          hatte – genauer kennenlernen. Ein unerwartetes Phänomen der
liche territoriale Herausforderungen in Nordwesteuropa reagieren.            INTERREG-Partnerschaften ist demnach die Stärkung der lokalen
Daher bietet INTERREG weniger eine Möglichkeit der schnellen Be-             Netzwerke. Auf unterschiedlichsten Gebieten entstanden neue Ar-
reicherung als vielmehr der besseren Reaktionsfähigkeit.                     beitsbeziehungen zwischen Projektpartnern und lokalen Akteuren
                                                                             innerhalb derselben Region. Dieses „Aufspüren“ von Fachleuten,
Der Programmablauf ist relativ überschaubar, die Antragsunterlagen           die im selben Fachbereich oder innerhalb derselben geografischen
so einfach wie möglich und auch die Entscheidung des Programm-               Region tätig sind, ist keineswegs selbstverständlich. Häufig kommt
lenkungsausschusses (PLA) lässt nicht allzu lange auf sich warten.           die transnationale Zusammenarbeit sogar schneller zustande als die
Im Vergleich zu den zentralen EU- oder nationalen Programmen                 Zusammenarbeit innerhalb der eigenen Region.
sind die geforderten Informationsebenen eher gering, denn trans-
nationale Partnerschaften sind zerbrechliche Kreaturen, die häufig           Durch territoriale Zusammenarbeit kommt es zu einer indirekten
etwas liebevoller Zuwendung bedürfen und im Kleinkindstadium                 Änderung der Wahrnehmung der an Kooperationsnetzwerken be-
behütet und geformt werden müssen, damit sie sich optimal ent-               teiligten Akteure. Institutionen lernen und passen sich an, indem
wickeln. Außerdem ist es wichtig, gleich zu Beginn schnell voran-            sie ihre Ideen horizontal über die Landesgrenzen hinweg mit ande-
zukommen.                                                                    ren teilen und ihre politischen Entscheidungen aus „europäischer
                                                                             Perspektive“ treffen. Die Projektteilnehmer entwickeln ihren NWE-
Erfolgreiche INTERREG-Projekte – und das sind die meisten – liefer-          Partnern gegenüber überdies eine stärkere Sensibilität für die kultu-
ten schnelle Lösungen zu Fragen des territorialen Zusammenhalts,             rellen und sprachlichen Unterschiede.
griffen aber gleichzeitig die Bedürfnisse lokaler und regionaler Ak-
teure auf, die sich für die Umsetzung vor Ort und die tagtägliche
Entwicklungsarbeit engagieren.

Innerhalb von nur drei Jahren …
                                                                                 Durch das Projekt HEATH wurden lokale Umweltnetz-
  Fürsorgliche Taktiken
                                                                                 werke in Cornwall und der Bretagne, die sich mit der
Ende 2004 hatte das Projekt FAR eine Entscheidungshilfe-Software zur             Wiederherstellung von Heideland befassten, nicht nur
Unterstützung von Flussbaumaßnahmen sowie ein Modell zur Untersu-                intensiviert, sondern überhaupt erst einmal identifiziert!
chung der zukünftigen Entwicklung und zur Bekämpfung extremer Über-
flutungen an Rhein und Mosel entwickelt.                                         Heideland ist eine der für Nordwesteuropa typischen his-
                                                                                 torischen Landschaftsarten, die im Rahmen der Fauna-
  Faseroptik                                                                     Flora-Habitat-Richtlinie geschützt ist. Allerdings ist die
                                                                                 Fläche in den letzten 200 Jahren kontinuierlich zurück-
Ende 2005 hatte das Projekt TESIS mit 64 KMU in ländlichen Gegenden              gegangen. Ein Rückgang, der sich fortsetzt. Der Grund
Westirlands zusammengearbeitet und den vielversprechendsten unter ih-            hierfür ist fehlendes Management und die Tatsache,
nen Zuschüsse für IKT-Investitionen gewährt. In vier Arbeitsschritten wur-
                                                                                 dass die lokale Bevölkerung den Bezug zu dieser Land-
den die jeweiligen Bedürfnisse der Unternehmen analysiert, ein transnatio-
                                                                                 schaft verloren hat.. Die Reform der landwirtschaftlichen
naler Leistungsvergleich angestellt und E-Strategien implementiert.
                                                                                 Hilfsmechanismen in Europa hatte jedoch zur Folge,
  Frauenbrigade                                                                  dass man den wirtschaftlichen und sozialen Wert die-
                                                                                 ser Landschaftsform wiederentdeckte. Das Projekt half
Das Projekt ELFE organisierte bis Ende 2007 kostenlose Online-Kurse und          Fachleuten und Entscheidungsträgern, das Heideland zu
Workshops für potenzielle deutsche Existenzgründerinnen. Ziel war die            schützen und neue Wege zur Förderung des Wirtschafts-
Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern und Frauen                wachstums durch Tourismus und Landwirtschaft zu fin-
und die Bereitstellung praxisorientierter Modelle für die Entwicklung des        den. Zu den Projektergebnissen gehören eine bessere
ländlichen Raums.                                                                Erschließung von 6 000 Hektar Weideland, die Konso-
                                                                                 lidierung fragmentierter und ungenutzter Flächen durch
  Fantastische Zukunft                                                           gemeinschaftliches Eigentum und die Bekämpfung inva-
                                                                                 siver Pflanzenarten.
Fantastische Zukunft – Das Projekt BIOSMILE schuf bis Mitte 2008 soge-
nannte „Biotech-Bonsais“ zur Unterstützung von Unternehmensclustern
und Existenzgründungen sowie zur Verbesserung der Kommunikation in-
nerhalb des Sektors.

14
Möglichkeit Nr. 8
    Neue Wirtschaftsstrategien
    für regionales Wachstum ausarbeiten

Die ländlichen Gebiete der EU haben unter strukturellen Schwächen
zu leiden. Die Entwicklung neuer Strategien und Instrumente zur
Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit ist daher von absoluter Not-
wendigkeit. Sie ermöglichen diesen Gebieten, in höherem Maße am
künftigen Wohlstand Nordwesteuropas teilzuhaben und zu einer
ausgewogeneren Wachstumsverteilung zwischen Großstädten, mit-
telgroßen Städten und ländlichen Gegenden beizutragen. INTERREG
fördert „Komplementarität“ anstelle von Wettbewerb. Oder simpel
ausgedrückt: INTERREG fördert Arbeitsweisen, bei denen sich Nach-
barn nicht gegenseitig auf die Füße treten. Indem sie Netzwerke
knüpfen, können Städte und Regionen gemeinsame Strategien ent-
wickeln, bei denen jeder Partner eine eigene Nische findet.

Der beispiellose technische Fortschritt erfordert die Koordination von
Zielen und Maßnahmen innerhalb eines multilateralen Rahmens.
INTERREG hat die Fähigkeit, dies zu realisieren, denn transnatio-
nale Projekte zwingen Städte und Regionen, sich die funktionalen
Komplementaritäten zwischen voneinander abhängigen Gebieten
zunutze zu machen. Deshalb unterstützen die maßgeschneiderten
Interventionen in Nordwesteuropa eine diversifizierte und nach-
haltige Wirtschaft. Die Kraft, lokale Aktionen auszulösen und die
Akteure dafür zu begeistern, Projekte durchzuführen, welche die
besonderen territorialen Herausforderungen aufgreifen, ist nur eine
der Waffen des INTERREG-Arsenals.                                                                                   GEOPARKS

                                                                         Logisches geologisches Wachstum
     INTERREG via NWE - eine Billigroute,                                Ziel des Projekts GEOPARKS war die Förderung des Geo-
     die sich zunehmender Beliebtheit                                    Tourismus auf europäischer Ebene, um in benachteiligten
                                                                         ländlichen Gebieten eine nachhaltige Entwicklung zu
     erfreut                                                             fördern. Dank einer gemeinsamen Marketingstrategie
                                                                         wurden drei durch vulkanische Aktivität und Wasserkraft
     Billigflugreisen sind ein relativ neues Phänomen. Sie haben
                                                                         geformte Landschaftsparks in das UNESCO-Netzwerk der
     die Mobilitätsmuster verändert und Tourismusmärkte ge-
                                                                         europäischen Geoparks aufgenommen. So konnten Part-
     schaffen, die noch vor einigen Jahren undenkbar waren.
                                                                         ner aus Irland, Nordirland und Deutschland durch Bünde-
     Wer mit Ryanair, Easyjet oder anderen Billigfliegern durch
                                                                         lung ihres Wissens und ihrer Ressourcen zum Erhalt des
     die Gegend jettet, nimmt die langen, zeitraubenden Wege
                                                                         geologischen Erbes Nordwesteuropas beitragen.
     vom abseits gelegenen Landeflughafen bis ins Stadtzent-
     rum gern in Kauf, sofern man ein paar Euros spart. Aber
     haben Sie schon mal daran gedacht, das Gebiet um den                Wachstum ohne zusätzlichen Flächen-
     Flughafen genauer zu erkunden? Wenn nicht, haben Sie                und Arbeitseinsatz
     unter Umständen etwas verpasst.
                                                                         Anliegen des Projekts SEG war die Förderung des Wirt-
     Und genau das war die Idee des Projekts DART: die Förde-            schaftswachstums und einer „intelligenten“ nachhaltigen
     rung des Tourismus in je einer Region in Irland, Schottland         Flächennutzung ohne Nachteile für Umwelt und Gesell-
     und Deutschland. Die in der Nähe eines Wachstumsflug-               schaft. In Regionen mit Baubeschränkungen und hoher
     hafens angesiedelten Projektpartner stellten fest, dass             Bevölkerungsdichte – in diesem Fall in Südostengland und
     die Fluggäste die Region lediglich auf der Durchreise zu            dem niederländischen Ballungsraum Randstad Holland –
     größeren Städten und Touristenorten durchquerten. Die               sollte die Arbeitskraft der Arbeitnehmer effektiver genutzt
     Regionen hatten eine wenig entwickelte Wirtschaft und               werden. Das Projekt untersuchte flexible Arbeitsvereinba-
     ein schwaches internationales Profil, entdeckten aber ein           rungen wie zum Beispiel „Telearbeit“, und zwar nicht nur
     enormes Wachstumspotenzial, falls sie sich transnational            um Abgase und Verkehrsaufkommen zu reduzieren, son-
     vermarkten könnten.                                                 dern auch um die Arbeitsmoral des Personals zu heben!

                                                                                                                                       15
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