Erneuerbare energien - SSES
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erneuerbare 06 Geschichte
Die SSES im Visier der
energien
Bundespolizei
38 enerGiewende
Eine Gemeinde eilt der
Energiezukunft voraus
43 enerGiewende
Neuer Verband für dezentrale
Produzenten (VESE)
Nr. 3 Juni 2014
Eine Publikation der SSES in Zusammenarbeit mit Swissolar
JubiläumSauSgabE
ENErgiEViSioN 2054:
WiE diE SchWEiZ iN
40 JahrEN auSSEhEN
köNNtE SEitE 18AURON DF
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diE SSES Wird 40 – Grussbotschaft 05
uNd blickt iN diE ZukuNFt 40 Jahre sses 06
Geschichte: Die SSES stand zu Beginn der
Ja, wir sind stolz, dass die SSES dieses Jahr ihren 40. ge-
1980er-Jahre im Visier der Bundespolizei
burtstag feiern kann. die Schweizerische Vereinigung für
Volksabstimmungen: Eine Auswahl
Sonnenenergie ist teil der Entstehungs- und Etablierungs-
energiepolitischer Abstimmungsplakate
geschichte der Solarenergie in der Schweiz. in dieser Jubi-
läumsausgabe der «Erneuerbaren Energien» dürfen Sie Vision 2054 18
nachlesen, was die SSES seit der gründung am 11. Juni
Siedlung: Schoch und Schoch plädieren
1974 vorangetrieben, bewegt, bewirkt hat – und das mit
für den Rückbau sanierungsbedürftiger
ihrer treuen unterstützung, für die wir uns an dieser Stelle
Quartiere
herzlich bedanken möchten.
Pioniere: Bertrand Piccard animiert uns,
Wir blicken also mit Stolz auf 40 Jahre geschichte zurück –
selber Pioniere zu sein
Annuscha schmidt, aber auch mit klaren Visionen in die Zukunft. Wie Sie alle
Präsidentin sses
Mobilität: Was uns morgen bewegen
wissen, steht die Solarenergie und damit auch die SSES
wird, schreibt Caroline Beglinger
heute an einem ganz anderen ort als vor 40 Jahren. die
Plan B: Anton Gunzinger zeigt, wie
Solarenergie soll zentrales Element der Energiewende werden. Es ist also Zeit geworden, die
der Fussabdruck der Schweiz auf weniger
rolle der SSES zu überdenken: Wir haben uns vorgenommen, die wichtigste konsumenten-
als eine Erde reduziert werden kann
organisation für erneuerbare Energien zu werden. Nebst unserer Präsenz an den verschiede-
Architektur: Ob wir künftig in Iglus
nen messen in der ganzen Schweiz, wo die SSES neutral und professionell Fragen zum Einsatz
oder auf Bäumen wohnen, erläutert
erneuerbarer Energien aller art beantwortet, bietet die SSES seit zwei Jahren schweizweit
Beat Kämpfen
einen check bestehender Solaranlagen (thermie und PV) an. diese beiden Projekte werden
vom nationalen Förderprogramm Energie Schweiz unterstützt und auch die nächsten Jahre energiewende 38
weitergeführt. Neu dazu kommt, dass die SSES ab 2015 die organisation der «tage der
Altbüron: Eine Gemeinde eilt der Energie-
Sonne» von Swissolar übernimmt. die SSES setzt sich ferner für die genossenschaftliche Nut-
zukunft voraus
zung der erneuerbaren Energien ein. Sie unterstützt administrativ und politisch die bestehen-
den und noch zu gründenden Energiegenossenschaften sowie deren dachverband, ein Pro- Verbandsnews 43
jekt, welches heute unter dem Namen VESE läuft: Verband Erneuerbare Schweizer Energie.
VESE: Die SSES gründet den Fachverband
Wir setzen uns auch weiter dafür ein, dass die Qualität der Solaranlagen noch besser wird, und
für dezentrale Energieproduzenten
noch mehr Solaranlagen installiert werden, sowie auf alle erneuerbaren Energien gesetzt wird,
damit die Energiewende nicht nur aus frommen Wünschen besteht, sondern aktiv umgesetzt Flash 45
wird. die Verankerung erneuerbarer Energien in gesetz, Politik und Wirtschaft hat erste
Priorität, und darum brauchen wir Sie, liebe leser und leserinnen, um auch dank unserer Agenda 48
Zeitschrift, die es übrigens auch schon seit 1974 gibt, mit Wissen, Überzeugung und tatkraft
die Energiewende herbeizuführen und zu erleben. Branchenverzeichnis 49
mit unserer Zeitschrift «Erneuerbare Energien» wollen wir Sie auch weiterhin kompetent über
alle wichtigen Entwicklungen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auf dem laufenden hal- impressum 51
ten. diese Jubiläums-ausgabe widmen wir auch den vielen Schweizer gemeinden, die einen
wichtigen beitrag bei der umsetzung der Energiewende leisten und mit grossen, mutigen
Schritten voranschreiten. die gemeinde altbüron hat uns mit ihren energiepolitischen Vor-
zeigeprojekten so begeistert, dass wir diese Sonnenkönigin mit ausstrahlung als beispiel
für andere gemeinden vorstellen. altbüron bleibt mit Energiestadt-label und Solarpreis nicht
stehen, sondern fährt fort, seinen Weg zur Energiewende zu gehen. und hier knüpfen wir
mit unserem 40-Jahr-Jubiläum an:
mit der Energie-Wende-Wanderung am Sonntag, 14. September 2014 im unesco biosphären
reservat Entlebuch, feiern wir mit allen, die sich für die Nutzung erneuerbarer Energien inter-
essieren und einsetzen, unser Jubiläum. Wir hoffen auf viel Sonne und freuen uns, Sie dort
ebenfalls anzutreffen und darauf anzustossen.
annuscha Schmidt, Präsidentin der SSES
liebe mitglieder
die elektronische Version der «Erneuerbaren Energien» finden Sie auf der Website der SSES:
www.sses.ch. Sie erhalten an dieser Stelle jeweils das Passwort für die aktuelle ausgabe.
benutzername: ee/er_abo Passwort: g!haN-3d
titelbild: Swissolar
JubiläumSauSgabE Erneuerbare Energien Nr. 3 Juni 2014 3Ich bin an Ökostrom interessiert.
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«am aNFaNg War diE tat»
bild: Flückiger-kusano
Bundesrätin doris Leuthard,
Vorsteherin des eidgenössischen
departements für Umwelt, Verkehr,
energie und Kommunikation UVeK
Pioniere, Tüftler und unerschütterliche Kämpfer, Mit Blick auf die Energiezukunft der Schweiz
eine Melange von Wissenschaftlern und pfiffi- sind wir alle aufgefordert, mit demselben Elan
gen Handwerkern, manchmal fast so etwas wie der letzten 40 Jahre auch die kommenden 40
eine kleine Volksbewegung – sie alle haben vor Jahre in Angriff zu nehmen. Die Ziele und
40 Jahren nach dem Motto von Johann Wolf- Leitplanken für mehr Energieeffizienz und mehr
gang von Goethe gehandelt. Mit einfachen, erneuerbare Energien hat der Bundesrat mit der
selbst entwickelten ersten PV-Anlagen und Energiestrategie 2050 gesetzt. Seit September
Solarwärmegeräten haben sie es der Welt ge- 2013 beugt sich das Parlament darüber. Wichtig
zeigt: Energie aus Sonne ist möglich! ist, dass sich jeder einzelne Produktionszweig –
Wasser, Wind, Holz, Biomasse, Geothermie,
Seither hat sich in der Schweiz ein breites Know- Umgebungswärme und Sonne – weiterentwickelt
how entwickelt. Zuerst im Technikum Biel, wo und wettbewerbsfähig wird. Investoren, Opera-
Ingenieure mit einem Solarfahrzeug dreimal teure und Netzbetreiber sollten eng zusam-
den World Solar Challenge in Australien gewon- menarbeiten. Wir haben viel Potenzial in der
nen haben. Später mit der Farbstoff-Solarzelle Schweiz. Wir haben viel Wissen und wir können
von EPFL-Professor Michael Grätzel, die aus dieses sinnvoll und ressourcenschonend nutzen
der Grundlagenforschung heraus das grosse – Klimawandel und Atomausstieg erfordern von
Potenzial sichtbar macht. Und schliesslich ein uns weitere Taten!
Forscherteam der ETH Zürich, des PSI und des
Caltech, das zeigt, dass aus Wasser, CO2 und
Sonnenlicht sogenannter «Solar-Treibstoff» her- doriS lEuthard
gestellt werden kann. buNdESrätiN
JubiläumSauSgabE Erneuerbare Energien Nr. 3 Juni 2014 5gESchichtE
im ViSiEr dEr
buNdESPoliZEi
tExt: JEaN-marc SutEr versorgung mit kleinen Anlagen. Der Krieg im Nahen
Osten zeigte 1973 die Abhängigkeit der modernen Zivili-
Als Mitglied der SSES seit 1978 habe ich die ersten Jahre sation von den fossilen Energieträgern unwiderlegbar.
der Vereinigung nicht persönlich erlebt. Dem Artikel ih- Parallel dazu bekämpfte die schweizerische Anti-Kern-
res ersten Präsidenten und ETHZ-Professors, Pierre For- kraftwerk-Bewegung das Projekt Kaiseraugst. «Sonnen-
nallaz, in der Sondernummer der damaligen SSES-Zeit- energie nutzen!» hiess ihr Gebot der Stunde.
schrift «Sonnenenergie – Energie solaire» zum 20. Jubi-
läum entnehme ich, dass das Thema «Wachstum und GeBUrtsstUnde der sses
Umwelt» eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe aus For- Die Ergebnisse der erwähnten ETH-Arbeitsgruppe, insbe-
schern der ETH Zürich, der Hochschule St. Gallen und sondere die Forderung «die Nutzung der Sonnenenergie
der Privatwirtschaft beschäftigte. Zu dieser Zeit veröf- zu erforschen und zu lehren», verhallten ohne Wirkung.
fentlichte der Club of Rome sein bekanntes Werk über Da entschloss man sich, eine Vereinigung zur Förderung
die Grenzen des Wachstums, und Amory Lovins plädierte der Sonnenenergie zu gründen. Das war die Geburts-
in seinem ersten energiebezogenen Buch «World Energy stunde der SSES. Sie sollte unter anderem durch Öffent-
Strategies» für eine dezentrale, nicht-nukleare Energie- lichkeitsarbeit (Pressearbeit und Tagungen), Erfahrungs-
6 Erneuerbare Energien Nr. 3 Juni 2014 JubiläumSauSgabE40 JahrE SSES
diE SchWEiZEriSchE VErEiNiguNg FÜr SoNNEN-
ENErgiE SSES Wird am 22. JuNi 40 JahrE alt.
gEgrÜNdEt VoN Eth-ProFESSorEN, hat diE SSES
uNd ihr ZENtralES aNliEgEN, diE FördEruNg
dEr SolarENErgiE, gEgEN ENormE WidErStäNdE
uNd iNtErESSEN Zu kämPFEN gEhabt.
PErSöNlichE EriNNEruNgEN uNd FaktEN auS
dEm archiV EiNES laNgJährigEN aktiVEN.
bild: tour de sol 1985, SSES
austausch unter Fachleuten, Aus- und Weiterbildung häme Und sPott
von Fachkräften und Lobbyarbeit auf dem politischen Die Gründung der SSES fand in der Presse jedoch kein
Parkett die Nutzung der Sonnenenergie vorantreiben. gutes Echo. Nach wie vor löste die Solartechnik vor
Dabei war der Begriff «Sonnenenergie» breit interpre- allem Kopfschütteln und Häme aus. Die schweizerische
tiert: Die indirekten Nutzungsarten Windenergie, Holz- Bevölkerung reagierte jedoch ganz anders. Innert fünf
energie, Biogas, Umweltwärme und Wasserkraft sowie Jahren wurde jeder 1000. Schweizer, bzw. jede 1000.
die Energieeffizienz gehörten unbedingt dazu. Die am Schweizerin Mitglied der SSES. Acht SSES-Symposien
22. Juni 1974 gegründete SSES war die erste schweizeri- wurden bis 1980 mit Teilnehmerzahlen zwischen 450
sche Umweltorganisation, die sich um die Energiewende und 1000 Personen durchgeführt. Schon 1976 präsen-
bemühte. Ihre Gründer fassten sie als schweizerischen tierte die Mustermesse Basel auf Anregung der SSES eine
Zweig der International Solar Energy Society (ISES) auf, Sonderschau Sonnenenergie. Die SSES nutzte jede Gele-
die seit Jahrzehnten in mehreren Ländern, u.a. in den USA genheit, um die Aufmerksamkeit der Zeitungsleserschaft
und Australien, tätig war, die Fachzeitschrift Solar Energy auf die Sonnenenergienutzung zu lenken. In der Presse
veröffentlichte und bereits damals jedes zweite Jahr den entflammte eine Polemik über die Möglichkeiten und
bekannten ISES World Congress organisierte. Grenzen der damals im Vordergrund stehenden Solar-
JubiläumSauSgabE Erneuerbare Energien Nr. 3 Juni 2014 7bild: sozialarchiv, 1975
40 JahrE SSES
die Gründung der sses fand zur zeit der Antiatom-Bewegung statt, verstand sich jedoch nicht also Protestorganisation, sondern als
Promotorin für neue und erneuerbare technologien.
thermie im schweizerischen Klima. Der Wärmeertrag sich der SOFAS auf. Nach einer dreijährigen Übergangs-
von Sonnenkollektoren wurde auf 700 kWh/m2 von Be- zeit unter dem Namen SOLAR wurden ihre Aufgaben
fürwortern, auf 140 kWh/m2 von Gegnern der Solarther- Swissolar übertragen.
mie geschätzt. Schlagzeilen machten die Nachrichten Das rasante Wachstum der Mitgliederzahlen in den
von Eigentümern von Sonnenkollektoranlagen, die 1970er Jahren war erfreulich, brachte der SSES aber or-
durch den Konkurs der Installationsfirma mit einer nicht ganisatorische Schwierigkeiten. Einige Jahre lang war
funktionsfähigen Anlage und ohne jegliches Anlage- das Sekretariat überfordert. Niemand wusste mehr ge-
schema im Stich gelassen wurden. Nach und nach veröf- nau: War die Mitgliederzahl 4000 oder 8000? Wie viele
fentlichten die Sonnenenergie-Forscher am damaligen Exemplare der Zeitschrift sollten gedruckt werden? Wie
Eidg. Institut für Reaktorforschung (EIR) in Würenlingen gross sind die Einnahmen aus den Mitgliederbeiträgen?
(heute das Paul Scherrer Institut), dessen Projektleiter ich Eine Antwort auf diese Desorganisation war die Einfüh-
war, gemessene Kollektorertragsdaten und die Gründe rung der noch heute geltenden föderalistischen Struktur
für fehlerhafte Solaranlagen. Die Branche beseitigte in der Vereinigung. 13 Regionalgruppen mit eigener Ver-
der Folge die Kinderkrankheiten ihrer Erzeugnisse und waltung und Budget wurden geschaffen. Die Desorgani-
brachte leistungsfähige, betriebssichere Solaranlagen auf sation kostete zudem den Präsidenten sein Amt. Pierre
den Markt. Danach hiess es bei den Gegnern nicht mehr: Fornallaz behielt jedoch noch die redaktionelle Verant-
«Sonnenenergie bringt nichts», sondern «Sonnenenergie wortung für die Zeitschrift. Etwas später musste er auch
ist zu teuer». diese Funktion abgeben.
rAsAntes wAchstUm Führt zU im Visier der BUndesPoLizei
FöderAListischer strUKtUr Es war die Zeit des kalten Krieges und der «Fichenaffäre»,
1979 fand mit der Gründung des Sonnenergie-Fachver- welche das Schweizer Volk und das Bundesparlament
bands Schweiz (SOFAS) eine Aufteilung der Tätigkeiten beschäftigte. Die SSES war verschiedenen, eher rechts
dem Zielpublikum entsprechend statt. Der SOFAS wen- orientierten politischen Kreisen sehr suspekt. Selbst die
dete sich an die Unternehmungen der Branche. Eines sei- Bundespolizei wurde auf sie aufmerksam; war die SSES
ner Ziele war die Qualitätssicherung der gebauten Anla- eine subversive linke Organisation? Die Bundespolizei
gen. Der SSES blieben die in Zusammenhang mit der schleuste einen hohen Offizier im Generalstab und engen
breiten Öffentlichkeit stehenden Aufgaben. 2002 löste Mitarbeiter des Geheimdienstlers Bachmann als Ge-
8 Erneuerbare Energien Nr. 3 Juni 2014 JubiläumSauSgabEWeniger Energie-
schäftsleiter in die SSES ein. Der falsche Geschäftsführer
sammelte nicht nur Informationen, er versuchte auch, verbrauch für mehr
einen Keil zwischen die Deutsch- und die Westschweizer
Mitglieder der SSES zu treiben. Der Vorstand merkte es
erst nach einem Jahr. An der ausserordentlichen Dele-
Lebensqualität
giertenversammlung vom 23. April 1983 klärte sich die
Lage. Unter der Leitung des Tagespräsidenten Thomas
Nordmann, der eine enorme Kuhglocke zur Wiederher-
stellung der Ruhe im Saal einsetzte, wurde die Entlas- Von kostenloser
sung des Geschäftsführers bestätigt. Die SSES ging an Beratung profitieren!
diesem «Anschlag» fast zugrunde und überlebte weitge-
Werden auch Sie Klimaschützer.
hend dank der Integrationskraft des damaligen Präsiden- Reduzieren Sie den Energieverbrauch
ten Mario Camani und alt Bundesrat Moritz Leuenberger, über EgoKiefer Fenster um bis zu
75% – an 13 Vertriebsstandorten
der als Rechtsanwalt die juristischen Folgen klärte. Meh- und über 350 Fachbetriebs-
rere Regionalgruppen waren mit diesem Entscheid je- partnern in der Schweiz:
egokiefer.ch
doch überhaupt nicht einverstanden und verliessen die
SSES. Einige Jahre lang bildeten sie die parallele Verei-
nigung BIOSOL. Später kehrten sie zur SSES zurück. Die
SSES konnte nach einiger Zeit in einem Gerichtsverfah-
ren das vom entlassenen Geschäftsführer veruntreute
Vermögen bis auf rund 10 Prozent zurückerhalten.
GenUG der PoLemiK
Light Art by Gerry Hofstetter ©
Um die Turbulenzen der Energiepolitik in diesen Jahren
zu illustrieren, möchte ich vom «roten Büchlein» spre-
chen, das 1979 mein damaliger Abteilungsleiter Walter
Seifritz mit dem Titel «Sanfte Energietechnologie – Hoff-
nung oder Utopie?» veröffentlichte. Unbarmherzig be-
stritt er alle Vorteile der Sonnenenergie. Diese sei nicht
erneuerbar, nicht sicher, teuer und nicht rentabel, nicht
speicherbar und nicht unbegrenzt verfügbar, umwelt-
schädlich, asozial, inhuman und sogar nicht christlich(!).
«Die Förderer der Sonnenenergie stammen durchwegs
aus dem Kreis unzufriedener, zivilisationsmüder Intel-
lektueller der oberen Mittelschicht». Die SSES reagierte
mit einem einmaligen, zwölfseitigen Sonderdruck «Ener-
giepolitik für den Menschen» mit einer Auflage von
11´000 Exemplaren. «Genug der Polemik» war der Titel Klimaschutz inbegriffen.
des Beitrags, welcher die drei für das Sonnenenergie-
Eine kleine Robbe liegt auf einer Eisscholle. Das ist nur mit einem
Projekt des EIR verantwortlichen Forscher schrieben. perfekt isolierten Fell möglich. Diese Wärmedämmung ist im
Auch Thomas Nordmann widerlegte Seifritz´ Berech- hohen Norden überlebenswichtig, und in unseren Breiten sorgt
nung des Erntefaktors: In ihrer Lebensdauer liefert eine sie für behagliches Wohnen. EgoKiefer Top-Wärmedämmfenster
Solarthermie-Anlage deutlich mehr Energie, als für ihre schützen Ihre Räume wirksam vor Wärmeverlust und reduzieren
Herstellung verbraucht wird. Leider gibt es heute immer den Energieverbrauch über das Fenster um bis zu 75%.
noch Leserbrief-Autoren, welche am positiven Effekt der
Substitution fossiler Energieträger durch Solarwärme
zweifeln. Ego®Energy steht für Energieeinsparung und
Wärmedämmung und ist Teil des EgoKiefer
FUndis Und reALos Mehrwertsystems Ego®Power. Ausgehend
von den Basisausführungen der EgoKiefer
Die Haltung der SSES gegenüber der Kernenergie war Fenster in Kunststoff, Kunststoff/Aluminium,
schon immer intern umstritten. Der langjährige Konsens Holz und Holz/Aluminium sind diese Optionen
war, dass auch Befürworter der Kernenergie ihren Platz speziell auf Ihre Bedürfnisse ausgerichtet.
bei der SSES haben. Die SSES setzt sich nämlich gemäss
der Grundsatzerklärung ihrer Statuten für die Sonnen-
energienutzung im breitesten Sinn und für Energieeffizi-
enz ein. In einer anderen grundlegenden Fragestellung
liessen sich seit der Gründung zwei unterschiedliche
Grundmeinungen unter den Mitgliedern erkennen. Die
einen («Fundis») argumentieren mit Prinzipien und for-
dern staatliche Eingriffe (Gebote, Verbote, Subventio-
nen), um die Einführung der neuen «sanften» Energie-
JubiläumSauSgabE40 JahrE SSES daS magaZiN Zur SoNNENENErgiE im rÜckblick 10 Erneuerbare Energien Nr. 3 Juni 2014 JubiläumSauSgabE
40 JahrE SSES JubiläumSauSgabE Erneuerbare Energien Nr. 3 Juni 2014 11
40 JahrE SSES
technologien durchzusetzen. Die anderen («Realos») ver-
lassen sich mehr auf den freien Markt und verlangen
vom Staat nur die Einführung positiv wirkender Rah-
menbedingungen. Schliesslich möchte ich auch die in-
nerhalb der SSES lange umstrittene Frage erwähnen, ob
sich die Umweltwärmenutzung mittels Elektro-Wärme-
pumpen mit der SSES-Grundsatzerklärung vereinbaren
lässt. Diese Fragestellung hat sich unterdessen durch den
Zerfall der Gestehungskosten photovoltaischen Stroms
entschärft.
dUrststrecKe üBerwUnden
Zurück zur SSES-Geschichte. Nach der internen Krise
von 1983 unternahm der Vorstand eine systematische
interne Reorganisation unter der Leitung seines Präsi-
denten Mario Camani. Der Sekretär Markus Heimlicher
bereinigte die Mitgliederliste. Es kam eine Mitgliederzahl
von rund 5000 heraus, die sie bis heute mit einem
Höchstwert von 8400 im Jahre 1993 zu halten ver-
bild: hanspter Wyss
mochte. Als das «Waldsterben» sowie die Reaktorkatast-
rophe von Tschernobyl 1986 der Sonnenenergienutzung
einen neuen Schub in der öffentlichen Meinung verlie-
hen, war die Vereinigung bereit. Sie hatte die Durststre-
cke des wieder billig gewordenen Erdöls und der inter-
nen Probleme überstanden. Am 1. Juli 1987 nahm ihr
heutiger Zentralsekretär Beat Gerber sein Amt auf.
toUr de soL
1985 wurde die erste Tour de Sol organisiert. 65 photo- eigentümer. Von dieser Idee begeistert, ergriffen der
voltaisch (und gegebenenfalls mit Muskelkraft) angetrie- Bündner Reto Schmid, SSES-Mitglied, und die Regional-
bene, leichte Fahrzeuge durchquerten die Schweiz vom gruppe Aargau der SSES (Projektleiter: Walter Meier-
Bodensee nach Genf. Die Tour war vom Marketing- Istvan) unabhängig voneinander die Initiative und führ-
Standpunkt aus insbesondere in der Deutschschweiz ein ten den Selbstbau mit der Unterstützung des BFE in die
Riesenerfolg. In Scharen versammelten sich die Zu- Schweiz ein. Daraus wurden die beiden Vereine Solar
schauer, um diese neuartigen, merkwürdigen Mobile zu Schweiz und SEBASOL, die in der Ost- und Zentral-
sehen. Die Tour de Sol wurde jedes Jahr bis 1993 durch- schweiz, bzw. in der Nordwest- und Westschweiz tätig
geführt. waren. 1999 fusionierten sie unter dem Namen Solar
In Österreich wirkte der Selbstbau von Solaranlagen in Support. Unter ihrer Leitung wurden Hunderte von ther-
den 1980er Jahren sehr wirksam als «Katalysator» für mischen Solaranlagen gebaut. Während die Tätigkeiten
den Entscheid, privat thermische Solaranlagen zu instal- in der Deutschschweiz nach und nach auf ein Minimum
lieren. «Mein Nachbar hat es geschafft, eine funktions- reduziert wurden, florieren sie noch heute in der Roman-
tüchtige Solaranlage selbst zu bauen. Wenn ich eine die, wo SEBASOL bis heute rund 1000 (teils selbst-
schlüsselfertige Solaranlage bestelle, trage ich also kein gebaute, teils schlüsselfertige) Solaranlagen unter der
grösseres Risiko», war die Überlegung zahlreicher Haus- Koordination von Pascal Cretton erstellte.
bild: SSES
bild: SSES
das erste miet-solarboot betrieb die sses zürich von 2001–2010 auf dem zürisee. tour de sol, 1985
12 Erneuerbare Energien Nr. 3 Juni 2014 JubiläumSauSgabE«Die ABS war unsere Partnerin der ersten Stunde. Sie hat
auf Anhieb verstanden, worum es bei unserem Projekt
wirklich ging: um nachhaltig und wirtschaftlich produzierte
Energie und um die Zukunft unserer Gemeinde.»
Emil Müller, Verwaltungsratspräsident der Ouvra Electrica Susasca Susch und Gemeindepräsident Susch
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Präsidenten/Präsidentinnen
der sses
■ Annuscha Schmidt
2005 –
der messestand der sses – informationen für Besucher zu erneuerbarer energie
■ Lucien Keller
1995 – 2005
nAmenswechseL Besucher/innen mit Plakaten und Anzeigetafeln auf die
■ Jean-Louis Scartezzini Die folgenden Jahre waren Möglichkeiten der Sonnenenergienutzung aufmerksam
1987 – 1995 durch radikale Veränderungen gemacht werden.
des Umfelds geprägt. Der Be-
■ Mario Camani griff «erneuerbare Energien» es GiBt VieL zU tUn
1983 – 1987 ersetzte das bisherige Konzept Die von Bund, Kantonen und vielen Gemeinden einge-
der breit interpretierten Son- schlagenen neuen Wege in der Energiepolitik sollen bis
■ Doris Morf nenenergienutzung. Heute ver- 2050 zu einer allein auf erneuerbaren Energiequellen be-
1980 – 1983 steht man unter Sonnenenergie ruhenden Energieversorgung führen. Kann die SSES nun
nur die photovoltaische und also ihre Mission als erfüllt betrachten? Kaum. Noch ist
■ Pierre Fornallaz die thermische Nutzung sowie das Ziel nicht erreicht. Die Anerkennung der Solarener-
1974 – 1980 die Solararchitektur. Der Titel gie als eine der zentralen Energielieferantinnen der Zu-
der Zeitschrift wurde 2002 kunft ist für die SSES ein Grund mehr, sich für das Ge-
dementsprechend in «Erneuer- lingen der Energiewende und damit für ihre immer noch
bare Energien» geändert. Da aktuellen Ziele der ersten Stunde mit allen ihr zur Verfü-
sich aber auch die Vereinigung insgesamt immer noch gung stehenden Mittel zu engagieren.
auch mit indirekten Nutzungsarten der Sonnenenergie Die nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima 2011
befasst, steht heute auch wieder ein Namenwechsel der eingeleitete Energiewende in der Schweiz wird sicher in
Vereinigung zur Diskussion. den kommenden Jahren die Zahl der dezentralen Ener-
gieanlagen ansteigen lassen. Sie ist für die Erreichung
Die SSES hat 2003 ein ambitiöses Projekt auf die Beine der gesetzten energiepolitischen Ziele nötig. Zentral ist
gestellt und auf dem Dach der neuen Halle 6 der Palexpo dabei, dass die Qualitätsstandards der installierten Anla-
eine 560 m2 grosse PV-Anlage erstellt. Lucien Keller, da- gen eingehalten werden. Mit der Unterstützung des Bun-
mals Präsident der SSES, Roger Rhyner sowie Lucien desamts für Energie (BFE) führt die SSES seit 2013 Sol-
Bringolf, beides Vorstandsmitglieder der SSES, haben archecks für Solaranlagenbesitzer durch. Die SSES sieht
gemeinsam im Auftrag der SSES das administrativ und die Unterstützung der Eigentümer dezentral produzie-
konstruktiv schwierige Projekt geleitet und ausgeführt. render Energieanlagen als eine ihrer Schwerpunkt-
Die PV-Anlage wurde 2005 an Interplan Forcelec AG tätigkeiten für die Zukunft. Auch im Bereich der Photo-
verkauft, da der Verkauf von Solarstrom nicht zum Kern- voltaik will sich die SSES für die Anlagenbesitzer und
geschäft der SSES gehört. Die Anlage liefert 63 000 kWh die zahlreich gegründeten Solargenossenschaften enga-
pro Jahr. Dieser Strom wird bei den SIG-Kunden als gieren und damit einen Beitrag zum Gelingen der
Ökostrom vermarktet. Zusätzlich können rund 1,5 Mio. Energiewende leisten.
14 Erneuerbare Energien Nr. 3 Juni 2014 JubiläumSauSgabE40 JahrE SSES
ViEr dEkadEN ENErgiEPolitiSchEr abStimmuNgSkamPF
daS SchWEiZEr StimmVolk koNNtE iN dEN lEtZtEN ViEr JahrZEhNtEN rEgElmäSSig
ÜbEr ENErgiEPolitiSchE VorlagEN aN dEr urNE bEFiNdEN. diE FolgENdE auSWahl aN
abStimmuNgSPlakatEN FÜhrt SiE auF EiNE ENErgiEPolitiSchE uNd graFiSchE ZEitrEiSE.
rEdaktioN: Noëmi EmmENEggEr
bilder: Schweizerische Nationalbibliothek / Nb, bern
die Volksinitiative «stopp dem Atomkraftwerkbau (moratorium)» wurde am 23. september 1990 mit 54.5% Ja-stimmen
angenommen. 17 Kantone sowie fünf halbkantone sprachen sich für die Vorlage aus. die Volksinitiative «Für den Ausstieg
aus der Atomenergie» wurde hingegen mit 52.9% nein-stimmen abgelehnt. 14 Kantone sowie vier halbkantone sprachen
sich gegen die Vorlage aus. der «Bundesbeschluss vom 06.10.1989 über den energieartikel in der Bundesverfassung» wurde
schliesslich mit 71.1% Ja-stimmen angenommen.
JubiläumSauSgabE Erneuerbare Energien Nr. 3 Juni 2014 1540 JahrE SSES
die Volksinitiative «zur wahrung der Volksrechte und der sicherheit beim Bau und Betrieb von Atomanlagen» wurde am 18. Februar 1979 mit 51.2%
nein-stimmen abgelehnt. 12 Kantone sowie vier halbkantone sprachen sich gegen die Vorlage aus.
bilder: Schweizerische Nationalbibliothek / Nb, bern
der «Bundesbeschluss vom 08.10.1982 über den energieartikel in der Bundesverfassung» wurde am 27. Februar 1983 mit 50.9%
Ja-stimmen angenommen.
16 Erneuerbare Energien Nr. 3 Juni 2014 JubiläumSauSgabE40 JahrE SSES
die Volksinitiative «Für eine sichere, sparsame und umwelt-
gerechte energieversorgung» wurde am 23. september 1984
mit 54.2% nein-stimmen abgelehnt. 15 Kantone sowie
vier halbkantone sprachen sich gegen die Vorlage aus. die
Volksinitiative «Für eine zukunft ohne weitere Atomkraft-
werke» wurde gleichentags mit 55% nein-stimmen abgelehnt.
15 Kantone sowie vier halbkantone sprachen sich gegen die
Vorlage aus.
bilder: bibliothèque de genève
die Volksinitiative «Für einen solarrappen (solar-initiative)» wurde am 24. september 2000 mit 68% nein-stimmen abgelehnt. Alle
Kantone sprachen sich gegen die Vorlage aus. der «Verfassungsartikel über eine Förderabgabe für erneuerbare energien» als Gegenent-
wurf zur Volksinitiative «Für einen solarrappen (solar-initiative)» wurde mit 51.8% nein-stimmen abgelehnt. 16 Kantone sowie fünf
halbkantone sprachen sich gegen die Vorlage aus. der «Verfassungsartikel über eine energielenkungsabgabe für die Umwelt» als
Gegenentwurf zur zurückgezogenen «energie-Umwelt-initiative» wurde mit 55.5% nein-stimmen abgelehnt. 18 Kantone sowie fünf
halbkantone sprachen sich gegen die Vorlage aus.
JubiläumSauSgabE Erneuerbare Energien Nr. 3 Juni 2014 17ViSioN 2054
SiEdluNg
damit diE SchWEiZ Nicht WEitEr ZErZauSt uNd ZErSiEdElt Wird, habEN EliSabEth
uNd rolF Schoch alS architEktENPaar EiNE ViSioN: autobahNÜbErdEckuNgEN
FÜr NEuEN SiEdluNgSraum uNd SchliESSlich rÜckbau dES laNdSchaFtSFrESSENdEN
SiEdluNgSbrEiS. ErStE ProJEktE im raum bErN SiNd iN PlaNuNg.
«raumPlaNEr
uNd architEktEN habEN
total VErSagt»
bild: Schoch und Schoch
die Vision
Energetisch schlecht gebaute, in der Erschliessung teuer zu
unterhaltende und kulturlandfressende Einfamilienhaus-
Wohngalerien über der autobahn beim teilprojekt Wittigkofen. siedlungen aus den 1960er sind in der Analyse von Schoch
und Schoch das grosse Übel der zersiedelten Schweiz.
Statt diese Siedlungen aufwändig zu sanieren, plädiert
tExt: aNdrEaS hÜgli das Architektenpaar für deren Abbruch und verdichteten
Neubau von Galerien. So würde auf dem Areal viel
Trotz anderslautendem Verfassungsartikel Fläche für Familiengärten, Weiden, Grasland, Hochstamm-
wird in der Schweiz wenig haushälterisch obstbäume, Spielflächen, Parks und Wald frei. Die zahl-
mit dem Boden umgegangen. Pro Sekunde reichen überflüssig gewordenen Erschliessungsstrassen
verschwindet in der Schweiz ein Quadrat- könnten zugunsten der neuen Nutzung zurückgebaut
meter Grünfläche unter Strassen, Ein- werden.
kaufszentren, Parkplätzen und Häusern.
Das entspricht 10 Fussballfeldern pro Tag.
Dorf- und Stadtränder fransen ins Land vergeblich, den unkontrollierten Boden- Die Energieeinsparung pro Jahr für nach-
hinaus. Am sichtbarsten ist die Zersie- verbrauch einzudämmen. «Raumplaner folgendes Beispiel im Schweizer Mittel-
delung im Mittelland, das schrittweise und Architekten haben seit 1960 total land (Karten S. 19) veranschlagen Schoch
zu einem Siedlungsbrei zusammenwächst, versagt», sagt Architekt Rolf Schoch. Statt und Schoch mit 27 GWh, was 2,3 Mio.
und in den Tourismuszentren der Alpen. verdichtet zu bauen, werde weiterhin der Liter Heizöl entspricht. Die jährlichen fi-
Mehr überbaute Fläche bringt auch mehr Einfamilienhausteppich über dem Land nanziellen Einsparungen, die sich auf das
Verkehr. Die Raumplanung versucht oft ausgerollt. Bauen, den Verkehr und die Energie bezie-
18 Erneuerbare Energien Nr. 3 Juni 2014 JubiläumSauSgabEViSioN 2054
die Vision Am BeisPieL einer einFAmiLienhAUssiedLUnG im schweizerischen mitteLLAnd
zwischen Bern Und zürich
Situation heute: Situation neu:
Arealgrösse 622 000 m2 Arealgrösse ca. 622 000 m2
Häuser / Wohnungen ca. 630 Wohnungen ca. 730
Bewohner ca. 1 890 Bewohner ca. 2 200
Bruttogeschossfläche (BGF) ca. 95 000 m2 Arbeitsplätze ca. 475
Strassen inkl. Industrieanteil 13 km Bruttogeschossfläche:
Wohnen, Gewerbe, Schulen ca. 127 500 m2
Strasse ca. 1 km
karten: Schoch und Schoch
hen, lägen demnach bei rund CHF 14 Mio. schon bald auf den überdeckten Auto- sammen mit dem Kanton den Bund er-
Für die Bewohner einer 4-Zimmerwoh- bahnen Wohngalerien entstehen. Dabei sucht, zwischen Muri und Wankdorf eine
nung bedeutet dies, beim Umzug in die soll das Wohnen günstiger werden als unterirdische Umfahrung (Bypass-Tunnel)
Galerien jährlich CHF 25‘000 einsparen zu auf dem Land. Die einzelnen Projekte zu bauen, der Bund hat das Projekt
können. Mit ihren Projekten zeigen Elisa- sollen durch Wohnbaugenossenschaften zwar gutgeheissen, aber eine finanzielle
beth und Rolf Schoch Alternativen zur finanziert werden. Beteiligung abgelehnt. Schoch und Schoch
Zersiedlung der Schweiz auf. Sie rechnen So verteilt sich das Investitionskapital in schlagen nun vor, die Autobahn am jetzi-
vor, dass sich der Abbruch lohnt. Ihre Form von Anteilscheinen auf viele Ge- gen Standort zu belassen, die Ausfahrt
Vorschläge sollen ökologische Vorteile nossenschaftsmitglieder; die Risiken sind Ostring aufzuheben, links und rechts
bringen und zu einer neuen Urbanität auf viele Schultern verteilt. Wer sich für der Autobahn zwei ebenfalls überdeckte
führen. Da die Widerstände gegen Rück- eine Wohnung interessiert, zeichnet einen Langsamspuren einzurichten. Das Ganze
bauten ganzer Quartiere noch zu gross Anteilschein über CHF 2000. Die Kosten würde sich über die Wohnüberbauungen
sind, arbeiten Schoch und Schoch gegen- von der Planung bis zum Bauprojekt be- über dem Autobahnabschnitt finanzieren,
wärtig realisierbare Projekte mit Auto- laufen sich für ein Projekt auf zwischen der Lärmschutz wäre perfekt. Beim Freu-
bahnüberdeckungen aus. Sie schlagen CHF 1,5 und 2 Mio. So könnten 750 bis denbergplatz würde eine Schrägseilkons-
diese vor, weil der Widerstand dagegen 1000 Genossenschaftsmitglieder ein Pro- truktion die bestehende Autobahnaus-
zurzeit noch kleiner ist als bei Rückbau- jekt bis zur Baureife voranbringen. Die fahrt überbrücken. Anstelle der heutigen
konzepten. Überdeckung der Autobahn wird durch Ausfahrt werden zwei Kreisel für die
die darüber liegenden Wohnungen finan- neuen Entlastungsfahrbahnen vorgese-
AUtoBAhnüBerdecKUnGen ziert. Schutz vor Autobahnlärm ist auch hen. Wenn das Projekt Freudenbergplatz
ALs erster schritt für die Bauten der Umgebung gewähr- realisiert werden soll, müssten etwa 400
Ihre Projekte für Autobahnüberdeckun- leistet. Wohnungen zurückgebaut werden. Neu
gen existieren für die Stadt Bern im entstünden 1000 Wohnungen und 1300
Bremgartenwald, in Wittigkofen und am BeisPieL wittiGKoFen/ Arbeitsplätze. Der Ersatz alter Wohnun-
Freudenbergplatz sowie in der Gemeinde FreUdenBerGPLAtz gen lohnt sich in den Augen von Schoch
Köniz im Wangental. Wo sich heute Am weitesten fortgeschritten ist die Pla- und Schoch schon nur deshalb, weil eine
die morgendliche Verkehrsflut mit tägli- nung bei den zusammenhängenden Pro- Sanierung gleich viel kosten würde wie
chen Staus auf der Autobahn mitten jekten Wittigkofen und Freudenbergplatz ein Neubau, der dreimal weniger Energie
durch Berner Quartiere wälzt, sollen im Osten Berns. Die Stadt Bern hatte zu- benötige als ein Altbau, selbst wenn die
JubiläumSauSgabE Erneuerbare Energien Nr. 3 Juni 2014 19bild: Elisabeth Schoch
schoch & schoch
innenarchitektin Elisabeth Schoch und
dipl. architekt htl rolf Schoch führten
während 25 Jahren das architekturbüro
aarPlaN in bern, das in der region ver-
schiedene visionäre Projekte für verdich-
tetes und nachhaltiges Wohnen realisiert
hat. Sie haben mit ihren arbeiten zahlrei-
bild: Schoch und Schoch
che Preise gewonnen: unter anderen den
Schweizer Solarpreis (1995 und 2000),
den atu-Prix bern (1997) sowie den
berner minergiepreis (2002).
wohnen, arbeiten, einkaufen – alles unter einem dach. der Verkehr verschwindet im Untergrund.
graue Energie anteilsmässig berücksich- für Strassen (Astra) vorgestellt haben. Druck muss gross werden, bis sich hier
tigt wird. Dem zu erwartenden Widerstand Gemäss Angaben der Initianten wird Mehrheiten finden.» Anreize bilden die
im Bereich des Zentrums Paul Klee halten die Idee, Autobahnen zu überbauen, vom günstigen Wohnungen und die Arbeits-
Schoch und Schoch entgegen, dass sich Astra unterstützt – insbesondere dort, plätze, die im urbanen Umfeld entstehen.
die Besucherzahlen durch die neuen Ar- wo bereits eine gewisse Dichte vorhan- Als Nebeneffekt sinkt der Druck auf
beitsplätze und die rund 3700 Bewohner den ist, also in den engeren Agglomera- die Agglomerationen, weitere Erschlie-
positiv entwickeln werden. Die Initianten tionen. Damit ein Projekt funktioniert, ssungen vorzunehmen, was eine Reduk-
schlagen deshalb der Stadt Bern vor, die muss die Überdeckung mit dem damit tion des Pendlerverkehrs bewirken kann.
Beurteilung von Renzo Piano, dem Archi- verbundenen Lärmschutz über den Woh- Ein Mittel zur Beschleunigung sieht
tekten des Zentrums Paul Klee, zu den nungsverkauf finanziert werden können. Rolf Schoch in der Einführung der Kos-
Plänen ins Projekt einfliessen zu lassen. Die konkreten Projekte im Raum Bern tenwahrheit im Mobilitätsbereich. Mit
haben noch etliche politische Hürden dem Bau der ressourcensparenden und
LAnGe AnLAUFzeit zu überwinden. «Eines ist klar», sagt ökologischen Galerien erhalten Architek-
Die Vision rückt näher an die Realität. Initiant Rolf Schoch, «solche Projekte ten, Ingenieure und Unternehmer kon-
Dies zeigt auch, dass Schoch und Schoch haben eine lange Anlaufzeit, die Be- krete Projekte für zukunftsgerichtete
ihre Projekte Ende April beim Bundesamt denkenträger werden zahlreich sein, der Aufgaben.
«Saubere Energie optimal nutzen»
Ein guter Grund, um beim Kauf einer neuen Heizungsanlage besonders sorgfältig
auf den sparsamen Verbrauch der eingesetzten Energie zu achten.
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Neubau beiten notwendig
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sonne bewegt – seit 20 Jahren
Die Sonne bewegt uns… Unsere Leidenschaft, unser Kerngeschäft ist die Kraft der
BE Netz – Portfolio
Sonne. Im BE Netz-Team kombiniert sich hohe fachliche Kompetenz mit langjähri-
ger Erfahrung in der Realisation von Haustechnik- und Solarstrom-Lösungen. Auf Wir beraten, planen und installieren
unserem 20-jährigen Weg rund um die Sonne durften wir bereits satte 18,8 Milliar- ■ Photovoltaik-Anlagen für Solar-
den Kilometer zurücklegen und auf diesem Weg wertvolle Erfahrungen sammeln. strom
Und es steht uns auch noch eine lange Reise bevor! Seit Anfang 2014 sind wir nun ■ Thermische Solaranlagen für
zusammen mit unseren beiden neuen Tochterfirmen BE Netz Energie AG und BE Warmwasser und Heizung
Netz Sicherheit AG mit ca. 30 000 km/s unterwegs. ■ Heizungsanlagen mit erneuerbaren
Energien (Holz, Pellets, Wärme-
Was vor rund 20 Jahren als Randgruppen-Ideologie begann, wird heute in den Tep- pumpen)
pichetagen wirtschaftlich ausgefeilt und als hoch innovatives Invest-Portfolio ange- ■ Fachberatung und Konzepte für
priesen. Die Solar-Branche ist im Wandel. Aus der Einzelfirma mit Homeoffice ist Firmen, Bauherren, Städte und
inzwischen ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitenden geworden. Der Beitrag der sola- Gemeinden
ren Nutzung für unsern Energiehaushalt ist nahezu unerschöpflich und muss noch
deutlich ausgebaut werden. Das BE Netz-Team arbeitet schon 20 Jahre daran und Welche Energieträger – einzeln oder in
freut sich über die nutzbringende Entwicklung ganz nach dem Motto: «Für Wunder Kombination – für Sie in Frage kom-
muss man beten, für Veränderungen aber arbeiten.» men, klärt unser Team von Fall zu Fall
neu und stets systemunabhängig. Wir
Wann bewegen Sie sich der Sonne entgegen und starten den Tag mit einer Dusche begleiten Sie von der Entscheidung bis
aus sonnengewärmtem Wasser? Oder einem Lied aus dem solarstrombetriebenen zur Inbetriebnahme der neuen Anlage.
Radio? Eine Checkliste finden Sie im Internet oder rufen Sie uns einfach an.
Auf unserem 20-jährigen Weg rund um die Sonne
haben wir satte 18,8 Milliarden Kilometer gesammelt. Industriestrasse 4, 6030 Ebikon LU
Wir sind also stolze Kilometermilliardäre! Tel. 041 319 00 00, www.benetz.chViSioN 2054
auch Wir SolltEN PioNiErE
bild: Jean revillard
seit Anfang April ist das Flugzeug solar impulse 2 mit seinen 17 000 solarzellen für die weltumrundung bereit.
bErtraNd Piccard vom Klimawandel spricht, oder vom CO2, Arbeitsplätze schaffen und unseren au-
dann spricht man nicht von der Quelle des sserordentlich hohen Lebensstandard be-
Die internationalen Klimakonferenzen Problems, sondern nur vom Symptom ei- wahren.
finde ich deprimierend. Alle Staatschefs nes Problems, das eine eindeutige Ursache
sagen exakt dasselbe: Der Klimawandel ist hat. Diese Ursache ist unsere Abhängig- einsAtz ins extreme
ein gravierendes Problem, das zu lösen keit von den fossilen Energien. Es ist eine Mit dem Projekt Solar Impulse beweisen
sehr teuer wird, und wir wissen nicht, wo- Tatsache, dass wir viel zu viel nicht erneu- wir, welches Potenzial in diesen Techno-
her das Geld nehmen. Wie will man die erbare Energie verbrennen, die teuer und logien steckt, indem wir ihren Einsatz ins
Leute motivieren, wenn sie nur von Prob- umweltschädlich ist. Und dafür gibt es Extreme treiben und sie für schier unmög-
lemen und Kosten hören? ein Heilmittel, nämlich Cleantech – das liche Aufgaben verwenden, wie zum Bei-
Als Arzt habe ich gelernt, dass Probleme heisst saubere Technologien. Mit Hilfe spiel Tag und Nacht ohne Treibstoff
Symptome genannt werden, dass Symp- von Cleantech können wir unseren Ener- zu fliegen. Alles, was wir in unserem
tome Ursachen haben und es für die Ursa- gieverbrauch reduzieren, erneuerbare Flugzeug verwenden, können auch Sie
chen eine Behandlung gibt. Wenn man Energien produzieren, dabei auch noch verwenden. Es steckt keine geheime Tech-
22 Erneuerbare Energien Nr. 3 Juni 2014 JubiläumSauSgabEViSioN 2054
noch mehr in Forschung und Innovation zent nicht erneuerbare Energie, was kurz-
investiert wurde. Das ist total falsch. Die fristig akzeptabel wäre.
Technologien existieren bereits, aber sie
werden noch kaum genützt. Warum also tun wir das nicht? Meiner
Meinung nach gibt es dafür drei zentrale
technoLoGien sind dA Gründe:
Wenn alle verfügbaren Technologien, 1. Der erste Grund ist, dass viele immer
alle Cleantech-Technologien, die bei Solar noch die Begriffe Preis mit Kosten ver-
Impulse zum Einsatz kommen, in grossem wechseln. Man sagt, dass die erneuer-
Umfang auf der ganzen Welt verwendet baren Energien viel teurer sind als die
würden, dann könnten wir den Konsum fossilen Energien. Das ist ein Missver-
fossiler Energie schon heute um die Hälfte ständnis mit weitreichenden Konse-
reduzieren und die Hälfte der verbleiben- quenzen. In den Kosten für die erneu-
den Hälfte mit erneuerbaren Energie- erbaren Energien sind alle Kosten inbe-
quellen decken. So blieben noch 25 Pro- griffen, während der Preis für Öl, Gas
SEiN
nologie dahinter. Wir verwenden nur
Technologien, die für jeden im Alltag
verfügbar und einsetzbar sind: dieselben
Solarzellen, dieselben Batterien, dieselben
ultraleichten Bau- und Isolationsmate-
rialien, dieselben Lampen, dieselben Elek-
tromotoren. Voraussetzung ist aber, dass
diese in Startups und in den Forschungs-
bild: Jean revillard
labors entwickelten Dinge auf den Markt
gelangen... Und genau hier liegt das
Problem.
Man hört zur Genüge, dass Leute sagen,
dass es noch nicht möglich sei, den Ener- Bertrand Piccard (rechts) und André Borschberg wollen mit ihrem solarflugzeug solar impulse 2
gieverbrauch zu verringern, bevor nicht nächstes Jahr die welt umrunden.
JubiläumSauSgabE Erneuerbare Energien Nr. 3 Juni 2014 23ViSioN 2054
oder Kohle nicht alle Kosten enthält. dicht ist. Um die Badewanne zu füllen, schleunigung, Krise, Spekulation. Die
So zahlen Sie nicht für die 200 Millio- dreht er den Wasserhahn weit auf, an- Immobilienkrise ist ein typisches Bei-
nen Jahre, die es gebraucht hat, um die statt den Abfluss abzudichten. Das Pa- spiel des verrückt spielenden Markt-
Öl-, Gas- und Kohlevorkommen entste- radoxe an unserem Fall ist, dass es viel gesetzes.
hen zu lassen, Sie zahlen nicht für all rentabler ist, Strom zu sparen als Ener-
die Ölpest-Katastrophen, für die Kriege, gie zu produzieren, und zwar sowohl weder LinKs noch rechts,
die schon begonnen haben und die im für Investoren als auch für die Gesell- sondern Beides
Kampf ums knapper werdende Öl noch schaft im Allgemeinen. Die Isolierung Die Folge ist, dass es unmöglich geworden
zunehmen werden. Und Sie bezahlen eines Gebäudes oder die Renovation ist, einfach eine Doktrin der Rechten oder
auch nicht für die katastrophalen Um- einer Fabrik bringt ein Plus von 10 eine Doktrin der Linken zu nehmen und
weltschäden, die mit dem Abbau und Prozent pro Jahr, also eine Anlage, die sie anzuwenden. In jeder Doktrin, ob nun
der Verwendung der fossilen Energie mehr Rendite abwirft als die Börse. der Linken oder der Rechten, sind Ele-
einhergehen. Ganz nebenbei werden auf die Art im mente, die absolut notwendig sind, wenn
Inland Arbeitsplätze geschaffen. man ein effizientes Ergebnis erzielen will.
Da werden also Dinge verglichen, die Um die aktuellen Herausforderungen zu
nicht vergleichbar sind. Der Preis für fos- 3. Der dritte Grund ist, dass die sakro- bestehen, braucht es die Unternehmer und
sile Energie ist immer noch tiefer, als der sankten Gesetze des Marktes in der Staatsinterventionen, es braucht das Ren-
für solare Energie. Aber die Kosten für Realität einer globalisierten und speku- tabilitätserfordernis und den Schutz der
fossile Energie sind wesentlich höher als lativen Welt nicht funktionieren. Da- natürlichen Ressourcen – alles auf einmal.
die Kosten für die erneuerbaren Energien. mals, in der Zeit der linearen Entwick- Doch die Parteien weigern sich auf diesem
Sie leben in diesem Sinne auf Kredit, lungen, hätte man gut warten können, absolut zentralen Gebiet zusammenzu-
wenn Sie fossile Energie verwenden. bis die Marktgesetze die Kostengleich- arbeiten, nur weil sie fürchten, Wähler-
2. Der zweite Grund liegt in unserem Irr- heit der verschiedenen Energieträger stimmen an die Konkurrenzparteien zu
glauben, immer mehr Energie produ- erreicht hätten, um einen freiwilligen verlieren.
zieren zu müssen, anstatt sparsam mit Übergang zu erreichen. Heute ist das Das Problem ist, ohne klare Gesetzgebung
der Energie umzugehen, die wir einset- nicht mehr möglich. Unsere Welt funk- wartet jeder Unternehmer, dass der andere
zen. Unsere Gesellschaft ist wie jemand tioniert nicht mehr auf diese Weise. den ersten Schritt macht, denn es birgt
in einer Badewanne, deren Stöpsel un- Unsere Welt funktioniert über Be- ein gewisses Risiko, die Pionierrolle zu
Quelle: renggli-haus.ch
Die Baumesse.
Wo man schaut, bevor man baut.
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Patronatbild: Jean revillard
solar impulse als Beweis, was die erneuerbaren technologien alles können.
übernehmen, in die erneuerbaren Ener- AUch wir soLLten
gien zu investieren, in Energieeffizienz, Pioniere sein
bild: Jean revillard
wenn man der einzige ist, der das tut. Die Heute spricht man von einer Revolution
kritische Masse ist noch nicht erreicht, durch die sauberen Technologien, man
und man weiss nicht genau, welches die spricht von energetischen Sanierungen,
Technologien sind, die am schnellsten von neuen Heizungstypen, von Hybrid-
rentabel werden. Ebenso muss man mit motoren, von erneuerbaren Energiequel-
der Unbekannten «Politik von morgen» le- len für unser Land. Und die Reaktion dar-
ben. Also wartet man besser. Auf der an- auf? Es heisst, das sei zu teuer. Wir sind in
deren Seite erwidern die Politiker, dass die der Vergangenheit gut gefahren, also wa- AUtor
Industriellen den ersten Schritt machen rum irgendetwas daran ändern? Es ist bertrand Piccards grossvater flog mit ei-
und Verantwortung übernehmen sollen. richtig sich zu fragen, warum man etwas nem ballon in die Stratosphäre, sein Vater
Auf diese Weise bewegt sich nichts, oder ändern soll, was gut funktioniert. Das ist tauchte an die tiefste Stelle des meeres,
eben so wenig... die Gefahr für ein Land, das reich, erfolg- er selber flog im ballon bereits 1999 um
reich und sicher ist und einen hohen die Welt. 2015 will bertrand Piccard das
Vor 150 Jahren, als die Schweiz ein armes Lebensstandard bietet. Ich denke, es ist mit einem Solarflugzeug wiederholen.
Agrarland war, überquerte man die Alpen eben genau, weil unsere Vorfahren Pio- der 55-jährige ist eigentlich Psychiater.
zu Fuss oder auf dem Rücken von Maul- niere waren, dass auch wir Pioniere sein 17 000 Photovoltaikzellen produzieren die
eseln, und man beleuchtete die Räume mit sollten. Und gerade weil wir heute reich nötige Energie für Solar impulse 2, das
Kerzen. Doch mit einem Mal haben sich sind, können oder müssen wir in die Zu- nur gerade 2,4 tonnen wiegt. das Solar-
Pioniere, Industrielle und Politiker ver- kunft investieren. flugzeug wurde von 80 ingenieuren ge-
schiedener Couleur zusammengetan, um Es ist heute glücklicherweise verboten im baut. der erfolgreiche Jungfernflug fand
Tunnel zu graben, Brücken und Stau- Wald Abfall zu deponieren, aber es ist am 2. Juni in Payerne statt.
dämme zu bauen. Niemand hat damals erlaubt, Energie zu verschwenden und
gesagt, dass es zu riskant sei, das zu tun so viel CO2 in die Atmosphäre zu schleu-
und viel teurer als der Maulesel oder die dern, wie wir wollen. Der Bundesrat hat
Kerze! Glücklicherweise, denn das hat es den Mut aufgebracht, eine neue Energie- ben, unsere Abhängigkeit von den alten
der Schweiz ermöglicht, innert einiger politik für die Schweiz zu lancieren. Jetzt Energiequellen zu reduzieren. Das ist es,
Jahre ein reiches und industrialisiertes muss der gesetzgeberische Rahmen fol- was wir fördern müssen, wenn wir unsere
Land zu werden, eine Drehscheibe für gen, und unsere Gesellschaft muss die Industrie stärken wollen, Arbeitsplätze
das europäische Transportwesen und ein versammelte Industrie und Konsumenten- schaffen, unsere Kaufkraft erhöhen, die
Land, das auf der ganzen Welt gebraucht schaft zwingen, diejenigen Energiequellen Handelsbilanz verbessern und gleichzeitig
wurde. zu nutzen, die es uns schon heute erlau- die Umwelt schützen.
JubiläumSauSgabE Erneuerbare Energien Nr. 3 Juni 2014 25Sie können auch lesen