"Generationen" Gemeindemagazin für Grüningen - FO-Fotorotar
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
EDITORIAL
Liebe Leserin, lieber Leser
«Generationen» kennen wir mittlerweile nicht Dazu möchten wir Sie mit diesem Heft auch ein-
nur bei Pflanzen, Tieren und Menschen, son- laden. Denn seit den Zeiten Fontanes hat sich
dern auch zunehmend in der Technik. Die ab- nicht nur der technische Wandel beschleunigt,
gebildeten Telefone zeigen drei Generationen: auch unsere durchschnittliche Lebenserwar-
Wählscheiben-Telefon (Puls-Wahl, analog), Tas- tung ist von 67 Jahren auf 84 Jahre gestiegen.
tentelefon (Ton-Wahl, analog) und ein schnur- Die Menschengenerationen bleiben in einem
loses Digitaltelefon (IP-Telefonie, digital). Auch beschleunigten technischen oder sozialen
im Mobilfunknetz folgen «G»enerationen auf- Wandel länger auf wechselseitige Solidarität
einander. Derzeit telefonieren wir über G3, G4 angewiesen. Keine einfache Sache! Mit der 1948
und auch G5. G2 wird abgeschaltet und wer eingeführten AHV gibt es zwischen den Gene-
noch ein funktionstüchtiges Mobiltelefon aus rationen einen auf einem ausgehandelten Kon-
den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts sens beruhenden Solidaritätsmechanismus.
benutzt, wird gezwungen, sich ein moderneres Dieser muss jeder Generation neu erklärt und
anzuschaffen. Auch beim Radio-Empfang: Ob- von ihr auch getragen werden. So sind Jung und
wohl noch über die Hälfte der im Verkehr be- Alt darauf angewiesen, sich miteinander auszu-
findlichen Autoradios noch mit der bewährten tauschen und voneinander zu lernen. Und wie
UKW-Technologie funktionieren, will der Bund es in der Natur Eichen und Eiben gibt, die 1000
in einem Jahr die UKW-Sender abschalten und bzw. 2500 Jahre alt werden können, so gibt es
uns zur Anschaffung von DAB-Radios für Auto auch die einjährigen Blumen, die wir nun bald
und Heim zwingen. Welch ein Wandel! Zum nach den Eisheiligen in die Blumenkisten und
Besseren? Oder nur zum «Neueren»? Rabatten setzen und die uns bis zum Herbst be-
gleiten. Aber neben dem blühenden Glück des
Theodor Fontane (1819–1898), der grosse Augenblicks stellen sich die knorrigen, «ewigen
deutsche Erzähler, erlebte den Wechsel von Fragen». Welche Welt hinterlassen wir unseren
der Postkutsche über die Eisenbahn zu den Enkeln? Welche Werte wollen wir weitergeben?
ersten Automobilen und Elektrotrams. Vom Über diese nachzudenken, laden wir Sie mit
Kerzenlicht über das Gaslicht zum elektri- diesem Heft ein. Anhand von Geschichten aus
schen Licht. Vom Schreiben mit der Gänse- Grüningen. Ob im Botanischen Garten, am Fa-
oder Schwanenfeder über die Stahlfeder zu milientisch, wo sich die Generationen treffen, im
Schreibmaschine und Morse-Telegraph. In Museum oder gar in einem Kaffeehaus bei Tee
seinem letzten grossen Roman «Der Stechlin» und Kuchen oder beim gemeinsamen Lösen
hält er Rückblick auf diesen rasanten Wandel des Kreuzworträtsels: jedem das Seine.
indem er sich am Bibelwort «Prüft aber alles
und das Gute behaltet.» (1. Thess. 5,21) ori- Für das Redaktionsteam
entiert. Giorgio Girardet
Editorial 3INHALTSVERZEICHNIS
Mai-Ausgabe 2021
Editorial 3 Politik
FDP 48
Thema «Generationen» SVP 49
Im Botanischen Garten 5
Eigenart für die Enkel 9 Vereine
Generationen-Café 12 Mediothek 50
In neunter (?) Generation 15 HSG: Altes Pfarrhaus 52
50 Jahre Schlossbrand 21 TV Rhönrad 53
Kinderschwimmen 54
Gemeinde und Schule Volley Kids 55
Gemeinderat 25 Feuerwehr 57
Badi-Saison 2021 33 E. Kunz AG 58
Schloss-Café 35 Sammlung Nehemia 59
Schulpflege 37
Theater 100 Jahre Zentral 1 43 Dies und Das
Musikschule MZO 44 «La Cruna» 60
Kurse Grüningen 45 Fahreinheit 61
Kreuzworträtsel 62
Kirchen 47 Kolumne 65
Impressum, Veranstaltungen 66
ammann-schmid.ch
HEIZUNG
SANIEREN? Ich weiss wie weiter.
ICH WEISS WIE UND SIE WO. Und Sie wissen jetzt,
UND GEMEINSAM FINDEN
wie Sie mich erreichen:
WIR RAUS, WARUM LIEBER
SO UND NICHT ANDERS.
Agostino De Notaristefano
043 399 25 81
Leiter Montage und Ausbildung
4 Grüninger Post 3/2021EIN GENERATIONENPROJEKT
Im Botanischen Garten wollen Pflanzen aller Art und Alter entdeckt werden
Seit 1961 kann man, keine anderthalb Ki-
lometer ausserhalb des Stedtli, im Bota-
nischen Garten eine fast komplette Über-
sicht über die lokale Flora gewinnen. Doch
nicht nur die Vielfalt begeistert, sondern
auch das Nebeneinander verschiedenster
Pflanzengenerationen.
Wer in der 1,7 Hektaren grossen Gartenanlage
umherstreift, sieht neben diversen fremdlän-
dischen Pflanzen auch viel aus der einheimi-
schen Pflanzenwelt. Das ist kein Zufall, Garten-
leiter Martin Salm: «In unserem Schaugarten
wollen wir von allen heimischen Pflanzen et-
was zeigen. Das Augenmerk ist auch auf Pflan-
zen gerichtet, die bei uns im Zürcher Oberland
selten geworden sind.» Man sei bestrebt, die
heimische Flora im Sinne einer Arterhaltung zu
kultivieren. Wie Martin Salm aber einschränkt,
sind diesen Bemühungen Grenzen gesetzt:
Bevor man sie im Garten
«Erstens haben wir hierfür nur limitiert Per-
anpflanzt, wachsen
sonal, und zweitens sind wir kein Uni-Garten.» viele Pflanzen zuerst im
Gewächshaus heran.
Keine Forschung mehr
Diese zweite Aussage ist bedeutsam. Schliess- auch eine Nutzung als Versuchsgarten. «Zu
lich hatte ab 1976 die Eidgenössische Techni- den zuletzt vorgenommenen Versuchen der
sche Hochschule (ETHZ) den Garten betrieben ETHZ in Grüningen gehörte das Studium von
und der diesbezügliche Vertrag – er war bis Verletzungen an Bäumen oder der Austrock-
Ende 1998 befristet und wurde von der ETHZ nung von aufgeforsteten Waldflächen wie zum
nicht mehr verlängert – enthielt immerhin Beispiel Schutzwald», weiss Martin Salm.
Die Kultivierung nach dem
Generationenprinzip beginnt
beim kurzfristigen Wuchs mit
einer jährlich zweimaligen
Bepflanzung. Namentlich
im Frühling strahlen die
Rabatten mit Zwiebelpflanzen
wie Tulpen oder Osterglocken
in den knalligsten Farben.
Thema 5Was man im Garten macht, ist sowieso nicht
Martin Salm, der Leiter
des Botanischen Gartens frei wählbar. Schliesslich gibt es seit 1987 die
Grüningen, ist stolz auf das von der Zürcher Kantonalbank gegründete
Podest beim Mammutbaum. Stiftung Botanischer Garten Grüningen. Und
Das Besuchserlebnis ist
besser und der Baum ist so
der entsprechende Stiftungszweck lautet: Er-
erst noch geschützt. halt und Betrieb eines botanischen Gartens
als Naherholungszentrum für die Bevölkerung
sowie für den Unterricht von Schulen.
In Generationen denken
Neben dieser Konservierung des Pflanzen-
bestandes gibt es aber auch einen Wandel,
und zwar von Generation zu Generation der
Pflanzen. Dies geschieht in unterschiedlichen
Zeiträumen. Gartenleiter Martin Salm klärt auf:
«Unsere Pflanzen sind in drei verschiedene
Lebenszyklen mit unterschiedlichen Zeithori-
zonten eingeteilt. Konkret gibt es eine kurz-,
mittel- und langfristige Planung.»
nächste Generation sind dann Tagetes, oder
auch Studentenblumen genannt, und auch
«Wir richten ein Augenmerk auf Pflanzen, Geranien und Begonien», ergänzt Salm. Dies
seien Pflanzen, die es gerne warm haben.
die bei uns im Zürcher Oberland selten
geworden sind.» Von Stauden zu Sträuchern und Bäumen
Die mittelfristige Planung mit einem Zeithori-
zont von 5 bis 10 Jahren betrifft staudenför-
Diese Einteilung in Generationen startet beim mige Pflanzen, die überwintern. Diese sind
kurzfristigen Wuchs mit einer Planung von bis zwar auch während ein paar Jahren in der
zu einem Jahr. Es geht hier um eine saisonale Erde, aber nicht über Jahrzehnte wie Sträu-
Rabattenbepflanzung, die in der Regel zwei- cher und Bäume. Stauden können ebenfalls
mal pro Jahr erfolgt. Dies sind Zwiebelpflan- eine Lebensdauer von vielleicht 50 Jahren
zen wie Tulpen oder Osterglocken flankiert von haben. Eine solch beständige Staudenpflan-
Stiefmütterchen und Vergissmeinnicht. Dann ze ist zum Beispiel die Pfingstrose, die zwar
werden von Mitte bis Ende Mai die Rabatten einen sonnigen Standort bevorzugt, aber
geräumt und es folgt der Sommerflor. «Diese auch winterhart ist. Martin Salm: «Ein solches
Der Mammutbaum in
Grüningen ist trotz seiner
«Jugend» in jeder Hinsicht
eine imposante Erscheinung.
6 Grüninger Post 3/2021Seit 2012 lockt ein neues
gläsernes Schauhaus.
Im Gebäude mit einer
Geschossfläche von
18 000 m² können
die Besucher/-innen
zwischen Papaya- und
Bananenpflanzen, Begonien,
Farnen und Sukkulenten
in die Welt subtropischer
Pflanzen eintauchen.
Staudengewächs kann uns Menschen eine laufend Anpassungen der Infrastruktur. Da-
oder gar zwei Generationen lang begleiten.» von zeugt das seit 2012 neue gläserne Schau-
haus, das alte musste nach rund 50 Jahren
Und letztlich gibt es noch die langfristige Pla- weichen. Und nicht zu vergessen sind die sa-
nung mit Pflanzen, Sträuchern und Bäumen, nierten und zumeist barrierefreien Hauptwege
die einen Horizont ab 15 Jahren haben. Auch sowie die ausgebauten Feuerstellen. Gemäss
hier existieren unterschiedliche Lebenszyklen. Martin Salm geht es auch hier um Genera-
Nach den Angaben des Gartenleiters geht man tionen, und zwar jene der Besucher/-innen:
bei einer Birke davon aus, dass sie ungefähr «Das Profil des Publikums hat sich verändert.
100 Jahre alt wird. Hingegen kann eine Eiche Es kommen nicht mehr primär Leute zu uns
1000 Jahre alt werden. Doch es geht noch mit einem starken Interesse an verschiedenen
langlebiger, wie Salm weiter ausführt: «In un- Pflanzen, sondern man will sich hier erholen.»
serem Vegetationsgebiet sind die Eiben die Re- Der Botanische Garten Grüningen – ein Gene-
kordhalter. Diese Nadelbäume können bis zu rationenprojekt.
2500 Jahre alt werden und sind die heimischen
Pflanzen mit der höchsten Lebenserwartung.» Martin Mäder
Die Grössten sind nicht die Ältesten Infos Zu den Weiterentwicklungen
Und was sind im Botanischen Garten Grünin-
im Lauf der Zeit gehört auch
gen die «Oldies»? Bei dieser Frage verweist www.botanischer-garten.ch ein verbessertes Angebot an
Martin Salm auf die Zwergkoniferen – kiefern- Feuerstellen.
artige Nadelhölzer von kleinem Wuchs. Die-
se sind in der 1961 gegründeten Einrichtung
zwar die ältesten Pflanzen, doch mit ihren erst
ca. 80 Jahren sind sie im Vergleich etwa zu den
Eiben wiederum noch recht jung.
Eine der älteren Pflanzen im Garten ist mit ca.
75 Jahren der imposante Mammutbaum. Der
ursprünglich aus Kalifornien stammende Riese
ist aktuell im Mittelpunkt des Interesses, da
man kürzlich für ein besseres Besuchserlebnis
rund um den Stamm ein begehbares Podest
zimmerte. So kann man nach Überwindung
von wenigen Treppenstufen auch bei feuch-
tem Terrain trockenen Fusses zum Baum.
Zudem werden durch die Holzkonstruktion
die flach im Boden verlaufenden Wurzeln des
Riesen geschützt.
War dieses Podest beim Mammutbaum eine
umsichtige Massnahme, gab es auch sonst
Thema 7Partyservice HOLZBAU ACHERMANN GRÜNINGEN
Empfiehlt sich für:
Grüninger Spezialitäten ð kleine und grosse Um-, Neu- und
Elementbauten
ð Wintergärten, Pergolas
hausgemachte Würste ð Dachfenster, Treppen
und Alois Achermann
Eidg. dipl. Zimmerpolier
feine Grilladen Itziker Dorf-Strasse 71
8627 Grüningen
Natel 079 818 71 36
Tel./Fax 044 935 43 55
FASSADEN|HOCHBAU|TIEFBAU|ERDWÄRMESONDEN|IMMOBILIEN
Lehmanns
Hombi-Metzg GmbH
Lehmann
Fleischwaren AG
Qualität
heisst für uns: Bauwerke zu schaffen, die heute wie
morgen höchsten Anforderungen gerecht werden.
Rütistrasse 9 Binzikerstrasse 28
8634 Hombrechtikon 8627 Grüningen
055 244 11 88 044 935 11 74
lehmann-hombi@bluewin.ch info@metzgerei-lehmann.ch
www.metzgerei-lehmann.ch www.metzgerei-lehmann.ch gadola-bau.ch
Schatt Getränkehandelsgruppe
Ihr Getränkelieferant aus der Region.
Flexibel, kundenbezogen und persönlich.
Isenrietstrasse 15, 8617 Mönchaltorf
Tel. 044 982 10 10
prost@getraenkeschatt.ch, www.getraenkeschatt.ch
SEIT
Gebrüder Kessler AG JAHREN IHR
SANITÄR-SPENGLER IM DORF
Farben sind im Trend...
Binzikerstrasse 82 l 8627 Grüningen l Telefon 044 935 11 34 l info@kessler-gk.ch
8 Grüninger Post 3/2021«MEINEN ENKELKINDERN» GEWIDMET
Der Wahl-Grüninger Gerhard Schwarz über Werte und Eigenart
Pünktlich zu seinem 70. Geburtstag ist
Gerhard Schwarz’ Buch «Die Schweiz
hat Zukunft» erschienen. Wir trafen den
einstigen NZZ-Wirtschaftspapst (G.S.),
Vorsitzender der Friedrich A. von Hayek-
Gesellschaft (2002–2011) und Leiter der
Denkfabrik «Avenir Suisse» (2010–2016)
zu einem Fototermin und stellten schrift-
lich Fragen über Schweizer Werte und Ei-
genart, die in Generationen entstanden
sind und es wert sind, an spätere Genera-
tionen weitergegeben zu werden.
Persönlich trafen wir uns erst zum Fototermin,
das Interview wurde schriftlich geführt. Der
NZZ-Altmeister fragte die «Grüninger Post», ob
gekürzt werde. Wurde nicht, denn die knappen
Antworten von «G.S.» passten haargenau in
den vorgesehenen Platz. «Hoffen wir, dass wir
die Leserschaft nicht überfordern», meinte der
nun in Zürich wohnhafte Wirtschaftsjournalist,
der von 1987 bis 2018 in Grüningen wohnte. übrigens meinen Enkelkindern gewidmet, weil
Gerhard Schwarz wählte 1987
Tun wir das? mir der Ausdruck Enkel etwas zu eng schien. Grüningen als Wohnsitz: Hier
Es sind bisher zwei Mädchen und ein Bub, und präsentiert der ehemalige
Herr Schwarz, warum haben Sie ihr vielleicht werden es ja noch mehr. Wirtschaftschef der NZZ und
Grossvater sein neuestes
jüngstes Buch Ihren Enkeln gewidmet? Buch vor seinem Zürcher
Enkelkinder sind die konkreteste und persön- Sie schlossen 1969 in Bregenz das Wohnsitz.
lichste Form von Zukunft. Ich habe das Buch humanistische Gymnasium ab. Hat sich
darüber noch einer Ihrer Grossväter
freuen dürfen? Welcher Ihrer Grossväter
prägte seinen Enkel Gerhard besonders?
Nein, damals wurden die Menschen nur selten
so alt. Meinen Grossvater väterlicherseits habe
ich nicht mehr erlebt, mein Grossvater mütter-
licherseits ist gestorben, als ich vier Jahre alt
war. Ich meine, mich noch an ihn erinnern zu
können, aber vermutlich ist das eine Mischung
aus Erzählungen und ganz wenig direktem Er-
innern.
Wann und wie trat Friedrich August (von)
Hayek in Ihre Gedankenwelt ein?
An der Hochschule St. Gallen wurde Hayek
in Vorlesungen bestenfalls einmal erwähnt.
Aber 1974 erhielt er zusammen mit dem
«linken» Gunnar Myrdal den Nobelpreis für
Wirtschaftswissenschaften. Von Myrdal habe
ich, weil er für die Entwicklungspolitik, für die Zu seinem 70. Geburtstag
ich mich interessierte, sehr wichtig war, ganz hat Gerhard Schwarz sein
lebenslanges Nachdenken zur
vieles gelesen, von Hayek kaum etwas. Später
Schweizer Eigenart zuhanden
habe ich für die NZZ über die Tagungen der seiner Enkel nochmals
Mont Pelerin Society berichtet, deren führen- zusammengefasst.
Thema 9der Kopf Hayek war. Und ich hatte das Privileg, für die Unternehmer beinhaltet und für
ihn auch persönlich etwas näher kennenzu- Letztere darum besonders attraktiv ist?
lernen. Das war in den frühen 1980er-Jahren. Mich hat Max Weber nie so richtig überzeugt.
Da begann ich, mich intensiver mit seinem Ich bin oft gefragt worden, ob sich Liberalismus
Gedankengut auseinanderzusetzen – und und Katholizismus überhaupt vereinbaren lies-
sehr vieles hat mich überzeugt. sen. Ich bin der Meinung: ja. Hayek sah darin
auch keinen Gegensatz. Er bezeichnete sich
Wer war dieser österreichische allerdings selbst als Agnostiker, liess sich dann
Wirtschaftswissenschaftler, der 1938 die aber doch von einem Jesuitenpater beerdigen
britische Staatsbürgerschaft annahm? – man weiss ja nie ...
Ich bin natürlich nicht ganz objektiv, aber ich
halte ihn für den bedeutendsten Wirtschafts- Ihr Buch heisst «Die Schweiz hat Zukunft:
und Gesellschaftsphilosophen des 20. Jahr- Von der positiven Kraft der Eigenart». Wie
hunderts. 1899 in Wien geboren, studierte er würden Sie diese Eigenart knapp in Worte
dort und schloss mit zwei Doktortiteln ab. 1932 fassen?
erhielt er einen Ruf an die London School of Diese Eigenart besteht nicht so sehr in den
Economics, 1950 wechselte er als Professor für oft genannten schweizerischen Mentalitäten,
«Social und Moral Sciences» an die Universität der Sparsamkeit, der Genauigkeit, der Pünkt-
Chicago. Es folgten Professuren in Freiburg lichkeit usw., sondern im politischen System.
im Breisgau und in Salzburg. Sein berühmtes- Es ist wirklich weltweit einzigartig. Seine vier
tes Buch «Der Weg zur Knechtschaft» (1943, wesentlichen Pfeiler sind die halbdirekte De-
Erlenbach) wurde in über 30 Sprachen über- mokratie, der Föderalismus, der Milizgedanke
setzt, es gibt sogar einen Comic davon, und und die Konkordanz.
er gilt als einer der wichtigsten intellektuellen
Wegbereiter des Umbruchs in den ehemaligen Das Milizsystem gehört in diese Eigenart.
kommunistischen Staaten Osteuropas. In welcher Armee dienten Sie als junger
Mann und welche Milizdienste leisteten
Der «Geist des Kapitalismus» entsprang Sie als Schweizer Bürger von Grüningen
– gemäss Max Weber – der protestan- aus?
tischen (Verantwortungs-)Ethik. Kann Da kann ich leider nicht punkten. Ich verliess
Gerhard Schwarz im Hayeks Neoliberalismus als katholisch Vorarlberg mit 18 Jahren und als ich in der
Gespräch mit Gary grundierte Adaptation des Liberalismus Schweiz eingebürgert wurde, kam ich hier
Becker (1930–2014), dem
verstanden werden, welche Unfehlbarkeit nur noch für etwas Zivilschutz infrage. Und
Wirtschaftsnobelpreisträger
1992, der den Begriff des (in der Theorie), (davon abgeleitet: ) Ge- als einflussreicher politischer Journalist wollte
«Humankapitals» prägte. sinnungsethik und faustische Absolution ich mich nicht aktiv in der Politik engagieren.
Aber ich war und bin immer noch in sehr vielen
gemeinnützigen Vereinen und Stiftungen tätig.
Das ist mein Beitrag an das Gemeinwesen.
In der «Neuen Zürcher Zeitung», wo sie ab
1994 die Wirtschaftsredaktion leiteten und
ab 2008 stellvertretender Chefredaktor
waren, galten Sie mit dem Kürzel «G.S.»
als ordnungspolitischer Kompass. Gibt es
Stellungnahmen, die Sie rückblickend und
mit Blick auf Ihre Enkel bereuen?
Eigentlich nein, denn ich bin mit der Gabe des
Erinnerungsoptimismus ausgestattet. Aber
Spass beiseite: Ich war einerseits selten ein
Mann vorschneller Urteile. Die Kehrseite war,
dass ich manchmal etwas Verspätung hatte.
Vielleicht hätte ich gewisse Masslosigkeiten
in der Wirtschaft, die ich später zum Teil als
krankhaft bezeichnete, bereits etwas früher so
benennen sollen. Anderseits bin ich ein wenig
stolz, dass 1981 meine erste Artikelserie für
die NZZ, die später als Buch erschien, den Titel
«Wirtschaft jenseits der Umweltzerstörung»
trug.
10 Grüninger Post 3/2021Welche schöne Grüninger Erinnerung
Faszination der Macht: Der
möchten Sie mit unserer Leserschaft NZZ-Journalist neben Fritz
teilen? Leutwiler (1924–1997), dem
Ich hatte Grüningen nicht gekannt und musste Nationalbankpräsidenten
(1974–84) und
von Paris aus, wo ich für die NZZ tätig war, Verwaltungsratspräsidenten
ohne Internet oder Handy, für unsere Rück- der BBC/ABB (1985–95).
kehr eine Bleibe suchen. Das verlangte hin
und wieder Rekognoszierungsbesuche. Dabei
habe ich mich in das Stedtli verliebt und habe
es nie bereut. Ein besonderes Erlebnis war der
«Bären», wo Frau Pfenninger, eine Seele von
Mensch mit einer rauen Schale, über allem
wachte, wo die Weihnachtsdekoration unsere
Mädchen zum Staunen brachte, wo man nicht
nur gut essen konnte, sondern sich auch über
Politik und Kultur unterhalten konnte, wo die
NZZ neben der WOZ zur Lektüre auflag. Der
«Bären» war eine kulturelle Institution im brei-
testen und besten Sinn des Wortes. Solange
es solch spezielle Dorfbeizen gibt, die mehr
sind als nur Restaurants, muss einem um die
Zukunft des Gemeinwesens nicht bange sein.
Mit 55 Jahren habe ich selber noch keine Giorgio Girardet
Enkel, aber zwei Töchter. Welchen Anteil
hat Ihre familiäre «Ordnungspolitik» an Buchverlosung
der Tatsache, dass Sie nun drei Enkel
haben? Unter den Lesern der «Grüninger Post» verlosen wir ein Exemplar von
Liberale Ordnungspolitik ist ein Begriff, der mit Gerhard Schwarz’ Buch «Die Schweiz hat Zukunft: Von der positiven Kraft
Wirtschaft und Gesellschaft zu tun hat, nicht der Eigenart» (NZZ libro, 2021). Senden Sie uns bis spätestens 4. Juni
mit der Familie. Deshalb habe ich auch schon 2021 eine Karte oder ein E-Mail, die Ihre Adresse enthält, mit dem Betreff
formuliert, dass in der Familie ruhig Kommu- «Eigenart».: an info@ieb-medien.ch oder per Post: «Grüninger Post» IEB
nismus herrschen dürfe. Aber falls ich Sie rich- Medien AG, Gewerbestrasse 18, 8132 Egg b. Zürich.
tig verstehe: Von mir aus dürften es ruhig noch Der Gewinner erhält das Buch umgehend zugesandt und wird in der
mehr Enkel werden, nur ist das allein die Sache nächsten Ausgabe der «Grüninger Post» genannt. Über die Verlosung wird
meiner Töchter und ihrer Partner. Meine Frau keine Korrespondenz geführt.
und ich können uns höchstens darüber freuen.
Thema 11«HYGGELIGER» TREFFPUNKT IN ITZIKON
Das «Café Bryggan» schlägt Brücken zwischen Generationen
Seit der Schliessung des Dorfladens mit
seiner Kaffeeecke fehlt in Itzikon ein Ort
der Begegnung. Die Schwestern Fränzi
Keller und Barbara Gerber aus Itzikon
möchten dies ändern. Mit dem Café
Bryggan wird diesen Frühling ein Platz
für Jung und Alt geschaffen, wo die Men-
schen aus Itzikon, aus Grüningen sowie
aus der nahen und fernen Umgebung in
einer Wohlfühlatmosphäre einen feinen
Kaffee oder Tee mit einem hausgemach-
ten Süssgebäck geniessen können.
Die Schwestern Fränzi Keller
(links) und Barbara Gerber
(rechts) vor dem Tresen Eine Brücke führt zum ehemaligen Lagerge-
aus Altholz, über den sie bäude an der Itziker Dorfstrasse 58, in dem
am 29. April 2021 erstmals
in den letzten zwei Jahren nach und nach ein
im Take-Away-Betrieb Tee,
Kaffees und Köstlichkeiten heller, farbenfroher und gemütlicher Raum
verkauften. entstand. Bunte Tapeten zieren die Wände,
das Feuer im Schwedenofen knistert und ver-
breitet eine heimelige Atmosphäre. Kleine und Skandinavien und vor allem Schweden war die
grosse Holztische mit Stühlen stehen im Raum Familie von Euw immer wieder begeistert von
bereit und laden zum Verweilen ein. Eine den schnuckeligen kleinen Cafés, in denen die
Kinderecke mit einem Kindercafé bietet die Menschen sich treffen, miteinander plaudern,
Möglichkeit zum Spielen. Vis-à-vis der grossen Kaffee trinken und leckere Zimtschnecken ge-
Holztheke steht eine Küchenbank, wie sie die niessen. Es entstand die Idee, ein kleines Stück
Familie von «Michel aus Lönneberga» beses- dieser nordischen Gemütlichkeit nach Itzikon
sen haben mag, sowie ein Schaukelstuhl, in zu holen, und wurde mit dem Café Bryggan
dem sich dessen Erfinderin Astrid Lindgren in Wirklichkeit – ganz nach dem Motto «gemüt-
den Feierabend schaukelte. lich, genussvoll, hausgemacht!».
Hier erzählten am Sonntag- «Brygga» ist Schwedisch und bedeutet «Steg»
nachmittag bei Kaffee und Die Inspiration kam aus Schweden oder «Brücke», aber auch «Kaffee brühen»
Kuchen und Blick auf den
Die gesamte Einrichtung verbreitet jene Ruhe oder «Bier brauen». So steht die Brücke, die
alten «Frohsinn» Tommy und
Annika ihren Eltern von Pippi und Gemütlichkeit, wie sie nur im Norden Euro- zum Café Bryggan führt, und auch sein Name
Langstrumpfs Abenteuern pas zu finden ist. Auf ihren vielen Reisen durch symbolisch für einen Treffpunkt zwischen Jung
und Alt sowie Menschen aus Itzikon, Grünin-
gen und der Umgebung.
Das Café als Generationenprojekt
Aus dem Café Bryggan wurde ein Familien-
projekt, in dem zwei Generationen involviert
sind. Fränzi Keller-von Euw und ihre Schwes-
ter Barbara Gerber-von Euw übernehmen die
Geschäftsführung des Cafés, während sich die
dritte Schwester Michaela Zanforlin-von Euw
um den Social-Media-Auftritt kümmert und als
Aushilfe im Café zur Verfügung steht. Mutter
Marianne von Euw erledigt die Administration
sowie die Buchhaltung und ist gleichzeitig als
gelegentliche Mitarbeiterin im Café angestellt.
Vater Herbert von Euw sanierte, isolierte und
baute den Raum über Monate in ein Café um,
das nun allen Vorschriften genügt.
12 Grüninger Post 3/2021Ersatz für den alten «Frohsinn»
Beim Umbau kamen in den äusseren Wänden
Bienenwaben zum Vorschein, so wurden die
Wände sorgfältig nach innen isoliert, damit
die Bienen weiterhin im Aussenklima leben
können. Das Gebäude ist seit Generationen
im Besitz der Familie, wobei auch das Bewir-
ten von Gästen an diesem Standort nicht neu
ist. Die Eltern von Herbert von Euw führten
seit 1948 auf dem Areal eine Geflügelfarm
mit Schweinemästerei sowie das Restaurant
Frohsinn im Anbau an das Wohnhaus. Das Re-
staurant wurde Ende 1952 geschlossen und
öffnete nur noch sporadisch für die monat-
lichen Hüttenzahltage und Versammlungen
der Milchgenossenschaft, der Holzkoopera-
tion und der Hagelversicherung, was Anfang
der 1980er-Jahre auch unterblieb. Am Platz
des heutigen Cafés wurde 1860 eine Scheu-
ne erstellt, die 1952 in einen Hühnerstall mit
Pultdach umgebaut wurde. Nach Aufgabe
der Geflügelfarm im Jahr 1968 wurden die
Räumlichkeiten an Gewerbetreibende als Offizielle Eröffnung – gemäss BAG
Tochter Fränzi Keller bäckt
Werkstatt oder Lager vermietet. Als Anfang Ab Donnerstag, 29. April 2021, wurden des- nun …
der 1970er-Jahre Schneefahrzeuge eingestellt halb Getränke und eine kleine Auswahl an Ge- … nachdem Vater Herbert um
wurden, musste die Brücke erstellt werden. bäck als Take-away für Gäste und alle Gwund- ein Bienenvolk herum saniert
und isoliert hat.
Als der Mieter den oberen Teil des Gebäudes rigen, die bereits einmal Café-Bryggan-Luft
im Sommer 2018 kündigte, wurde Raum frei schnuppern möchten, angeboten. Die offizi-
für die Café-Idee. elle Eröffnung findet voraussichtlich im Mai/
Als Scheune erbaut, später
Juni 2021 statt, respektive sobald das BAG die als Geflügelfarm, Schweine-
Hochwertige regionale Produkte Innenräume der Restaurants öffnet. Aktuelle mästerei und Gewerberaum
Die beiden Café-Betreiberinnen backen lei- Informationen dazu findet man auf der Home- genutzt, wird das seit den
1970er-Jahren über eine
denschaftlich gerne und möchten daher im page www.bryggan.ch
Brücke erschlossene Ober-
Café eine kleine, aber feine Auswahl an mit viel geschoss nun zum neuen
Liebe zubereiteten Köstlichkeiten anbieten. Andrina Flöscher Itziker Treffpunkt.
Sie setzen bewusst auf Nachhaltigkeit sowie
auf biologische und regionale Produkte. Dafür
haben sie ein breites Netzwerk von Produzen-
ten, Hofläden und Betrieben in Grüningen und
der näheren Umgebung aufgebaut. So finden
sich auf der Speisekarte unter anderem offene
Tees aus dem «Teehus» in Rapperswil, «Suu-
re Most» vom Früchtehof Lindist in Grünin-
gen oder Bier von der Brauerei «Seebueb» in
Hombrechtikon. Mit dem Verkauf von Mineral-
wasser wird das Projekt «Wasser für Wasser»
(WfW) unterstützt, indem ein fixer Anteil des
Wasserumsatzes an die WfW-Projektarbeit
in Afrika fliesst. Es besteht die Idee für einen
Jass-Nachmittag für Seniorinnen und Senioren
am Freitag.
Das Café-Team besteht aus den Grüninge-
rinnen Fränzi Keller, Barbara Gerber, Sarah
Weiss, Franziska Huber und Kathrin Huber Öffnungszeiten Café Bryggan
sowie weiteren Kolleginnen und Familie, die
tatkräftig mithelfen. Das gesamte Team wartet Donnerstag: 9.00–11.30 / 14.00–17.30
sehnsüchtig darauf – sobald es die Umstände Freitag: 9.00–11.30 / 14.00–17.30
erlauben – ihre Gäste für einige Minuten oder Samstag: 9.00–16.00
Stunden nach Schweden entführen zu dürfen.
Thema 13Ihr Buchhaltungs-Team im Zürcher Oberland
kompetent - vertrauensvoll - digital
Lutikon 8 ● Hombrechtikon ● 055 244 20 00
www.sollundhaben-werkstatt.ch
Grüningen
Hofladen
Binzikerstrasse 23 24h Selbstbedienung
Telefon 044 935 11 27
www.biohofniggenberg.ch
Öffnungszeiten
• Buurehof-Glace • Hühnereier
Montag–Freitag 7.00 bis 20.00 Uhr • Rohmilchautomat • Bienenhonig
Samstag 7.00 bis 18.00 Uhr • Milchprodukte • Saisonal: Kartoffeln
• Fleisch vom Hof
Wir sind durchgehend für Sie da! (Schwein & Rind)
Schlüsselservice 24 h • Schreiner Service • Gossau ZH
Tel. 044 935 14 50 • www.beerli-service.ch System Partner
14 Grüninger Post 3/2021EINE UR-GRÜNINGER FAMILIE
Zu Besuch bei zwei Generationen der Itziker Bauernfamilie Schwilch
Die Familie Schwilch ist in Grüningen seit Vom Zusammenhang der beiden Familien hat
dem 18. Jahrhundert heimatberechtigt. Heinrich «Heini» Schwilch noch eine dunkle
Bei meinem Besuch fand ich grosse Wert- Ahnung, Genaues müsste man nachforschen.
schätzung über die Generationen hinweg 2009 starb Heinrich «Heiri» Schwilch, der 1924
und den Willen, in langen Arbeitstagen geborene Feuerwehrkommandant, der sein
sein Brot zu verdienen und auch für das Amt vor dem Kirchenbrand (siehe S. 21) an
Gemeinwesen da zu sein. seinen Nachfolger weitergab. Aber mit dem
Brand der Scheune Müller auf der Platte (1961)
«Wenn Sie zu uns kommen wollen, dann geht hatte er auch einen denkwürdigen Grossbrand
es nicht vor halb acht», meinte Heinrich «Hei- zu meistern. Er war Sohn eines weiteren Hein-
ni» Schwilch am Telefon. Als ich bei der Riet- rich Schwilch, der von 1937 bis 1950, durch
listrasse nach der richtigen Adresse suchte, den ganzen Zweiten Weltkrieg, Gemeindeprä-
machte mir ein bärtiger Mann mit Dächlikappe sident von Grüningen war. An ihn hat Heini
Zeichen, ihm zu folgen. So stellen wir unsere Schwilch noch eine verschwommene Erinne-
Wagen vor der grossen Scheune mit Laufstall rung: «ein kleiner Mann mit Schnauz». Er selbst
ab. Und Reto Müller, Priskas Ehemann, der stand als Präsident bis 2013 der Braunviehge-
um 19.30 Uhr eben von der Arbeit zurück- nossenschaft Grüningen vor.
kehrt, weist mir den Weg zum Wohnsitz seiner
Die drei Generationen der
Schwiegereltern, einem Haus, das vor 1850 Erste Frau in einer Männerreihe Familie Schwilch vor der
erbaut und 2012 total erneuert wurde, wäh- «So wäre es nun an mir», meint nun Priska grossen Stallscheune von
rend er zu seinen beiden Kindern heimkehrt Müller-Schwilch, die nicht gerne im Mittelpunkt 1991. V.l.n.r.: Heinrich «Heini»
Schwilch, Frieda Schwilch
ins Einfamilienhaus aus den 1980er-Jahren. steht, «ein Amt in der Gemeinde zu überneh-
(-Schumacher), Jula Schwilch,
men», wie sie die Ämter von Urgrossvater, Priska Müller-Schwilch, Reto
In Grüningen seit der Franzosenzeit Grossvater und Vater aufzählen hört. «Aber Müller und Nico Schwilch.
In der Wohnstube neben der offenen Küche,
sitzen wir dann – bald stösst auch Priska Mül-
ler-Schwilch hinzu – am Schiefertisch. «Als wir
das Thema ‹Generationen› hörten, dachten
wir, es ginge um die Hofübergabe, aber die
liegt nun schon neun Jahre zurück», erklärt
Heini Schwilch. Und Priska Müller-Schwilch
antwortet auf die Frage, ob sie gewusst habe,
einer «alteingessenen Familie» anzugehören:
«Dass ich aus einer Familie mit langer Tradition
in Grüningen stamme, wurde mir erst bewusst,
als es um die Berufswahl ging und ich mich mit
dem Gedanken befasste, dereinst den väterli-
chen Betrieb zu übernehmen. Plötzlich tauch-
te die Frage auf, in der wievielten Generation
der Familie ich nun den Hof bewirtschaften
würde.» Sie weiss es bis heute nicht.
Der Familienname Schwilch hat – laut dem
Schweizer Familienbuch – im ganzen Land
nur in Grüningen und in Wetzikon das Hei-
matrecht. In Grüningen schon «vor 1800» in
Wetzikon hat sich ein Zweig der Familie 1954
eingebürgert. Im selben Jahr wurde Walter
Schwilch (1901–1992), der 1939 an der Landi
im Bereich «bäuerliche Selbstversorgung» die
Mosterei und die von ihm entwickelten 25-Li-
ter-Mostflaschen vorstellte, Gemeinderat in
Wetzikon.
Thema 15Herzliche Einladung zum
Infovortrag
Do 27. Mai, 18 Uhr
Ort: Hotel Illuster
Zürichstr. 14 | 8610 Uster
Wie viel
kostet eine
Badsanierung und was
ist dabei zu
beachten?
Viterma AG
Wir bitten um Anmeldung
unter: Tel. 079 837 81 70
www.viterma.ch
e&
Kurs ngen:
r u
Füh er-
nisch
bota ten.ch
gar
Mein Wunder Natur.
Täglich vom 1. April – 31. Oktober, 10 –17 Uhr.*
Jetzt Mammutbaum besuchen.
Eintritt frei.
* Änderungen vorbehalten.
Aktuelle Informationen: botanischer-garten.ch
16 Grüninger Post 3/2021zerstoben», berichtet Priska Müller-Schwilch.
Gemeindepräsident Heinrich
An die Aufrichte der neuen Scheune erinnert Schwilch (links mit Kappe) auf
sie sich nicht mehr, wohl aber an die Rück- einer Exkursion. (Foto: HSG).
kehr der Kühe in den neuen Laufstall am St.
Niklaustag 1991 – sie war damals fünfjährig.
«Du warst immer gern bei den Tieren und
hattest ein gutes Auge für das Vieh», bestäti-
gen ihr Vater und Mutter. Die Aufhebung der
Milchkontingentierung 1998, die hat Priska
Müller-Schwilch ebenso in der Erinnerung wie
die letzte Milchlieferung an die Milchhütte Itzi-
kon am 30. April 2001, «wo die letzte Milchein-
nehmerin, Heidi Roschi, immer ein Sugus für
die Kinder bereithielt.»
Knecht, Pächter und Meister
Merkpunkte im Zusammenspiel der Generati-
onen sind die rechtlichen Rollen, in denen sie
auf dem Hof zusammenarbeiten. Wie beim
du versiehst doch schon zwei Ämter», wirft ihre «Ueli» der Gotthelf-Romane gehen die Stufen
Mutter ein, «du bist im Vorstand des Viehzucht- Angestellter (Knecht), Pächter der eigentlichen
vereins Grüningen und in der GPK der VMMO, Hofübergabe («Meister») voraus. Heinis Leben
der vereinigten Milchbauern Mitte-Ost.» ist in diese Etappen eingeteilt: «Da war ich
Heini Schwilch erlebte in den fünfziger und noch angestellt» – «Nein, da waren wir schon
sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts It- Pächter», korrigiert seine Frau Frieda, die sein
zikon noch als Dorf, in dem die Zugpferde die Schicksal teilt und sich an gewisse Details kla-
Landwirtschaft prägten und vereinzelt die ers- rer erinnert. Auch Priskas Müller-Schwilchs Le-
ten Traktoren auftauchten. Er war zehn Jahre ben als Landwirtin hat sich in dieses Muster
alt, als um 1963 sein Vater den ersten Traktor, gefügt: erst Angestellte, dann Pächterin (ab
eine Bührer-Occasion, kaufte. «Mein erster 1. Januar 2012) und nun Besitzerin (seit 1. Ja-
Traktor war ein ‹Same› mit 55 PS», erinnert nuar 2019). Anders als Gotthelfs Emmentaler
er sich. Die Viehzuchtgenossenschaft Grünin- Bauern-Aristokraten auf ihren «Heimet», die
gen, die sich 1956 von der 1890 gegründeten stets ungeteilt an den Jüngsten Sohn gingen,
Viehzuchtgenossenschaft Gossau-Grüningen wurden die «Puuregwärb» im Züribiet lange
abspaltete und Deckstiere mit klingenden Na- unter allen Kinder geteilt. Sie waren darum
men hielt, deren in der Dorfchronik gedacht kleiner und meist Nebenerwerbsbetriebe. Die
wird («Velor, Straus und Orgetorix») war einer
der Fixpunkte der Grüninger Bauern. «Einen
gemeinsam gehaltenen Deckstier der Vieh-
zuchtgenossenschaft», erheitert sich Priska
Müller-Schwilch, «das kann ich mir heute nicht
mehr vorstellen.» Auch die Art der Kennzeich-
nung der Kühe wandelte sich: vom Hornbrand
über die Tätowierung im Ohr zu den gelben
Ohrmarken, die heute üblich sind. Und dann
die Einführung der Milchkontingentierung
1977! «Zwei Jahre zuvor sagten die Oberen der
Milchverbände den Bauern: Liefert weniger
Milch ab, dann lässt sich die Kontingentierung
noch verhindern», erinnert sich Heini Schwilch,
«als sie dann 1977 kam, die Kontigentierung,
waren diejenigen, die sich daran gehalten hat-
ten, die Lackierten: Sie wurden auf ein beschei-
denes Kontingent festgeschrieben.»
Dann auch der Wandel in der Art der Vieh-
haltung. «Von der alten Stallscheune kann ich Heinrich «Heiri» Schwilch
(1924-2009), Landwirt und
mich nur noch an die sauber in der Reihe ge-
Feuerwehrkommandant,
haltenen Kühe erinnern und wie die Mäuse fotografiert auf einer
beim Scheunenabbruch in alle Richtungen Grüninger Viehschau.
Thema 17Vielseitig
engagiert:
Wir unterstützen den Zoo Zürich,
die Zürcher Wanderwege, den
Botanischen Garten Grüningen
und vieles mehr.
zkb.ch/sponsoring
Ihre Dorf-Apotheke in Hombrechtikon!
Aktuell: Körperfett-Analyse
Mistel-Apotheke, Kathrin Knechtle
Rütistrasse 7b, 8634 Hombrechtikon
Telefon 055 244 38 18 www.mistel-apotheke.ch
coiffeur im stedtli.ch
Marc Schneider GmbH
Industriestrasse 7b
8627 Grüningen
Nadja Kunz Tel. 044/935 50 00
Sandra Sigrist Fax 044/935 50 01
044 936 16 16 info@mschneider.ch
mi 08.30-12.00 / 13.30-20.00
www.mschneider.ch
do 13.30-20.00
fr 08.30-12.00 / 13.30-18.30
sa 08.30-13.00
Bagger- und Steinarbeiten, Plattenbeläge, Maurerarbeiten
HOLZ- & BAUPLANUNG
Jakob Thaler
Grüningerstrasse 138 Binzikerstrasse 93
8626 Ottikon (Gossau ZH)
8627 Grüningen
Telefon 044 975 24 20
Fax 044 975 24 22
Natel 079 682 24 20
J. Thaler Fix 044 935 31 89
thalerj@bluewin.ch
thaler-bauplanung.ch Eidg. dipl. Zimmermeister Fax 044 935 42 53
schwarz.grueningen @ bluewin.ch Mobile 079 316 37 13
18 Grüninger Post 3/2021Kindern weitergeben will: «Die Liebe zur Natur,
Heinrich «Heini» Schwilch
die wir noch haben. Die Freude an den Tieren (*1952), Landwirt und
und Pflanzen.» – «Mein Grossvater Heiri zeigte bis 2013 Präsident der
immer grosse Freude für kleine Sachen: einen Braunviehgenossenschaft
Grüningen.
selbstgepflückten Strauss, eine Zeichnung,
die wir Kinder ihm schenkten», erinnert sich
Priska Müller-Schwilch. Und für Heini Schwilch,
der mit zwölf Jahren seine Mutter verlor, war
die Grossmutter eine gute Beraterin, wenn es
darum ging, auf dem Bauernhof die Dinge in
der richtigen Reihenfolge anzupacken: gera-
de im Heuet. Und plötzlich fährt es aus dem
Alt-Präsidenten der Grüninger Braunviehge-
nossenschaft: «Hoffentlich kommen Nico und
Jula diesen Sommer wieder mit in die Badi!»
– «Das werden sie bestimmt gern, nur, sie wer-
Schwilch-Männer bekleideten darum nicht nur den einfach nicht mehr so wie Kletten an dir
Ämter in der Gemeinde, sondern übernah- hängen», meint Priska Müller-Schwilch, welche
men stets auch Arbeiten für die Gemeinde, damals den vierjährigen Nico und die zwei-
als Gemeindearbeiter, Strassenwärter oder jährige Jula beim Heuet nicht um den Traktor
wie Heini, der in den Fussstapfen Heiris bis herum haben wollte und darum ihren Vater
vor kurzem im Nebenamt bei der Wasserver- dazu verdonnerte, mit ihnen in die Badi zu
sorgungsgenossenschaft Grüningen tätig war. verschwinden. Aus der «Strafe» wurde schnell
der beliebte Grossvater-Enkel-Anlass.
Das feine Generationen-Gespinst Was Priska Müller Schwilch an ihren Eltern
Was haben Sie von den Grosseltern und El- schätzt: «Dass sie auch im Alter nicht zurück-
tern gelernt? Das hätte wir auch Nico (bald lehnen. Mein Vater schneidet noch für Kunden
zehn) und Jula (bald acht) gerne gefragt. «Nico Obstbäume, ist mit seinem Häcksler im Dorf
war ganz begeistert von der Idee, dass die unterwegs und die Mutter backt Brote, Zöpfe
Schwilchs in der ‹Grüninger Post› kommen, und Süssgebäck für den Wochenmarkt in Wet-
und malte sich aus, wir würden nun aufs Titel- zikon. Das imponiert mir.» Was will sie ihren
bild kommen (Würde der Tradition des Heftes Kindern weitergeben? Ihre Antwort: «Neugie-
widersprechen, Anm. d. Red.). Jula hingegen rig, offen für Neues und mit dem zufrieden
war eher zurückhaltend», erklärt Priska Mül- sein, was man hat. Dass sie es schätzen, ihren
ler-Schwilch, deren Kinder nun mit einer Gu- Vater meistens und die Mutter immer zum
Priska Müller-Schwilch,
te-Nacht-Geschichte vom Vater eingeschlum- Zmorge, zum Zmittag und zum Znacht am Landwirtin und Mitglied der
mert sind. Heini Schwilch meint zuerst, das Tisch zu haben.» GPK der VMMO (Vereinigte
habe er sich noch nie so richtig überlegt, aber Milchbauern Mitte-Ost), deren
Verbandsoutfit sie hier trägt.
seiner Frau Frieda fällt sogleich ein, was sie den Giorgio Girardet
Wir sorgen
für ein gutes
Betriebsklima.
BUBIKON 044 932 43 48, bubikon@mk-klima.ch · ZÜRICH 044 302 06 28, zuerich@mk-klima.ch mk-klima.ch
Thema 19Bei uns wird Ihr Pflanzenkauf
zum einzigartigen Erlebnis!
Jederzeit offen zum Entdecken.
Pflanzenschau AG
Baumschulen & Pflanzenverkauf
Hombrechtikon am Lützelsee
pflanzenschau.ch
TRA
EC
Seit 1973
AG
EL
W
ELECTRA AG Öffnungszeiten
st
S
I S S fir
Montag bis Freitag
Haushaltgrossapparate 7.30 bis 11.30 Uhr
Hauptstrasse 55, 8632 Tann, 055 251 41 00 13.30 bis 18.00 Uhr
www.electra-ag.ch, info@electra-ag.ch
Grosse Ausstellung mit Apparaten der
besten Marken: Top-Service für
SCHULTHESS-Regionalvertretung – ELECTROLUX – Apparateaustausch in
V-ZUG – AEG – BOSCH – SIEMENS – MIELE Küche und Waschraum
Ob einen Schutzkragen, der bequem ist, nicht stört und
somit beim Hund auch keinen Stress erzeugt – oder eine
Hundematratze oder Korb, der sich dem Körper anpasst,
die Gelenke entlastet oder vorbeugend schont –
hat das passende Produkt. Rufen Sie uns an:
Telefon 044 492 76 10 oder schauen Sie in unseren Shop
www.tigi-dog.ch
TIGI-DOG • Itziker Dorfwisen 11 • 8627 Grüningen • Tel. 044 492 76 10 • info@tigi-dog.ch • www.tigi-dog.ch
Innovation und Qualität
in Sachen Holz
Kübler AG
Oetwil am See
Männedorf
Grüningen
Holzbau Schreinerei Parkett Küchen www.kuebler-holzbau.ch
20 Grüninger Post 3/2021EINE NEUE GENERATION TRITT AN
«Zunder und Zaster» macht das Museum zum Generationentreffpunkt
Am Wochenende vom 16./17. April 2021 eins Grüningens. Aus dem Gründungsjahr
wurde die neue Ausstellung im Schloss- 1947 stammen die historisierende Karte über
museum dem Publikum vorgestellt. Die den Umfang der einstigen «Herrschaft Grünin-
«Grüninger Post» war bei der Ausstel- gen» und die Rekonstruktion des untergegan-
lungsabnahme am 14. April und auch bei genen «Regimentsspiegels» der Herrschaft
der Einführung der Ausstellungsaufsich- Grüningen mit den Wappen aller «Schloss-
ten am 1. Mai dabei. Mit «Zunder und herren» von 1408 bis 1830. 1964 machte
Zaster» will die Heimatschutzgesellschaft der Gemeindeschreiber Emil Gehri aus der
Grüningen (HSG) nicht nur mit pandemie-
bedingter Verspätung des Kirchenbran-
des vor 50 Jahre gedenken, sondern auch «Ich hoffte, das Zentralschulhaus brenne
ihr Bijou wieder ins Gespräch bringen.
Die dritte Generation der Grüninger Mu-
und ich sei nun auf unabsehbare Zeit von
seumsgestalterinnen tritt an. der Schulpflicht befreit.» Thefi Müller
Um 5.30 Uhr am 20. Oktober 1970 erging der
Alarm an die Feuerwehr. Zehn Minuten spä- Kommission des Verkehrsvereins die heuti-
ter war die Kirche im Vollbrand. Um 5.45 Uhr ge Heimatschutzgesellschaft Grüningen. Das
krachen die Glocken in die Tiefe, 20 Minuten Schlossmuseum wuchs an Exponaten und der
später stürzte der Turm ein. Weitherum war Raum wurde eng. «Seit 34 Jahren gab es keine
die Feuersäule, die 100 Meter hoch in den Sonderausstellung mehr im Schlossmuseum»,
Himmel loderte, sichtbar. Die Feuerwehren begründet Susanne Gutknecht, Vorstandsmit-
von Grüningen, Gossau, Rüti, Wetzikon, Uster, glied der HSG, warum sie zusammen mit der
Oetwil, der schwere Löschzug der Brandwache Historikerin Iris Blum den Stoff für die Ausstel-
Am 14. April, Tag der Aus-
Zürich und die zufällig in Grüningen einquar- lung «Zunder und Zaster» zusammentrug, den
stellungsübergabe, für das
tierte Luftschutzeinheit des Militärs hatten ei- die Zürcher Ausstellungsmacherin Margarethe Foto unmaskiert vor der
nen harten Einsatz zu leisten. Greiner wirkungsvoll inszenierte. In den zwei Eröffnungswand v.l.n.r.: Bea
Jahren, in denen diese Ausstellung bleiben soll, Althaus (Präsidentin HSG),
Margarethe Greiner (Ausstel-
Erst 1977 war der Wiederaufbau von Kirche will man sich in der HSG Gedanken über die
lungsgestalterin)
und Schloss abgeschlossen. Und die Welt eine Einrichtung einer moderneren Dauerausstel- und Susanne Gutknecht
andere geworden. Die Kavallerie war abge- lung machen. (Vorstand HSG).
schafft, die Frauen hatten nun auch auf natio-
naler Ebene das Stimmrecht erhalten und Ge-
meindepräsident in Grüningen war nicht mehr
Landwirt Ernst Müller (BGB/SVP), sondern der
Bauunternehmer Rolf Gadola (BGB/SVP).
«Im Dorf höre ich oft, ins Schlossmuseum
muss ich nicht mehr hin, da ist ja seit meiner
Schulzeit noch immer dasselbe ausgestellt,
das muss ich nicht mehr anschauen», be-
gründet Bea Althaus, die Präsidentin der Hei-
matschutzgesellschaft Grüningen (HSG), den
Entscheid, die Sonderausstellung «Zunder und
Zaster» zu lancieren: «Jetzt haben wir wieder
etwas, das sich anzuschauen lohnt.»
Dritte Generation im Museum am Werk
Gegründet und eingerichtet wurde das
Schlossmuseum 1947 vom Lehrer Alfred Küb-
ler und vom Posthalter Paul Oberholzer für die
Heimatschutzkommission des Verkehrsver-
Thema 21Rote Explosion und schwarze Grosseltern-Enkel-Besuch
Brandruine «Die noch lebende Dorfbevölkerung, die die-
Zusammen mit der Historikerin Iris Blum, die ses Ereignis erlebt hat, kann nun anhand der
als Fachfrau die Ausstellung kuratierte, trug Ausstellung ihren Enkeln die eigene Rolle in
Susanne Gutknecht im Kirchenarchiv und im diesem Geschehen erklären», führt Susanne
Archiv der HSG den Stoff zusammen. «Es gab Gutknecht am 1. Mai vor den freiwilligen Mu-
Schwerpunkte, die ins Auge stachen: die Frage seumsbetreuern aus. Und tätsächlich funkti-
der neuen Einrichtung der Kirche mit Kirch- onierte die Ausstellung sogleich beim anwe-
gemeindesaal unter dem Kirchenraum. Ob senden ehrenamtlichen Aufsichtspersonal.
dieser nun – wie zuvor – mit festen Kirchen- Thefi Müller erinnert sich: «Als ich an jenem
bänken oder beweglichen Stühlen möbliert Morgen – ich war damals elf – den Feuer-
werden sollte, war lange zwischen der kan- schein mit den herumfliegenden Fetzen von
tonalen Denkmal- und der lokalen Kirchen- der Platte aus über Grüningen sah, meinte ich,
pflege umstritten. Dann war die Vermehrung verkohlte Heft- und Schulbuchseiten zu erken-
des im Brand geschmolzenen Glockengeläuts nen und hoffte, das Zentralschulhaus brenne
von drei auf fünf Glocken Anlass für Diskus- und ich sei nun auf unabsehbare Zeit von der
sionen und originelle Spendensammlungen. Schulpflicht befreit.» Sonja Schmid hingegen
Die mediale Ausstrahlung des Ereignisses in erinnert sich, dass ihre älteren «Gspänli» – da
den in- und ausländischen Printmedien lässt die Kirche noch nicht wiederaufgebaut war –
sich im ‹Brand-Anzeiger› der Ausstellung nach- im Singsaal des Schulhauses getauft wurden,
verfolgen.» während ihr das Privileg zufiel, als Erste der
Familie in der neuen Kirche getauft zu werden.
Die Ausstellungsmacherin Margarethe Greiner Reinhard Hirzel erinnert, dass auch das Büel,
entschied sich, statt Vitrinen oder Stellwände das auf dem Einsatzplan in der Ausstellung
«Brandspickel» aus Grobspanplatten in schrä- nicht erfasst ist, von der Feuerwehr vor dem
gen Formen zu bauen, um den Eindruck ei- benachbarten Brandherd im Stedtli geschützt
ner Brandruine mit dem Bild einer Explosion, werden musste. Elisabeth Greuter erwähnt die
in welcher eckige Trümmerfetzen durch den Klagen der Stedtli-Bewohner über das «Chlefe-
Raum fliegen, zu verbinden. Die anthrazit und li-Dach»: Die provisorische Schutzkonstruktion
feuerrot bemalten und mit rot flammenden aus Baugerüsten und Plastikblachen, um die
Spotlampen beleuchteten Elemente tragen Brandruine vor dem Winter 1970/71 zu schüt-
die Exponate, welche in Bild, Schrift und auch zen, machte im Wind allerlei Geräusche. Thefi
Blick in die von Margarethe
im letzten Jahr von Zeitzeugen aufgenomme- Müller, der sich noch erinnert, in der alten Kir-
Greiner gestaltete Ausstellung
mit den roten und schwarzen nen Erinnerungen den zusammengestellten che im Krippenspiel den Josef gegeben zu ha-
«Brandspickeln». Stoff dem Besucher erzählen. ben, erlebte seine Konfirmation in der Kirche
Gossau, die den Grüninger Reformierten 1971
bis 1976 für den Konfirmationsgottesdienst
Asyl bot. Die Pfarrfamilie Gugerli befand sich
– so erzählt es die Pfarrfrau Gugerli in ihrer Er-
innerung – auf dem Absprung von Grüningen,
weil Pfarrer Gugerli den Eindruck hatte, dass
seine Arbeit nicht mehr geschätzt wurde. Doch
die nach dem Brand von der Gemeinde ge-
zeigte eindrucksvolle Solidarität für die Familie,
die an jenem Morgen buchstäblich alles verlor,
bewog Pfarrer Gugerli, länger in Grüningen zu
bleiben und den Wiederaufbau der Kirche mit
seiner toleranten offenen Art zu prägen. Wie
viele Geschichten lockt diese Ausstellung wohl
noch aus den Grüningern?
Offizieller Festakt am 20. Oktober 2021
Susanne Gutknecht will über das ganze Jahr
in «Brand-Talks», an speziellen Samstagen, Ge-
sprächsrunden zusammenbringen, die einzel-
ne zeitgeschichtliche Aspekte jener Jahre, als
in Grüningen Schloss und Kirche neu gebaut
werden mussten, vertiefen. Die Daten werden
nach und nach bekanntgegeben. Die Grünin-
22 Grüninger Post 3/2021ger Kinder dürfen sich schon den 14. August
2021 merken. Am zweitletzten Sommerferi-
ensamstag werden die Feuerwehr, die Kirche
und die HSG für die Grüninger Kinder einen
besonderen Anlass starten. Auch will Susan-
ne Gutknecht die auf den Fotos abgebildeten
Personen mit Hilfe der Grüninger Bevölkerung
möglichst weitgehend identifizieren, damit
dieses Wissen für spätere Generationen nicht
verlorengeht. Zwei Jahre soll die Ausstellung
bleiben.
Was für weitere Gründe kann es geben, der
Die fünf am 1. Mai 2021
Sechs Besucher gemäss BAG Heimatschutzgesellschaft beizutreten? Präsi- anwesenden freiwilligen
Gemäss dem am 1. Mai 2021 gültigen Coro- dentin Bea Althaus meint: «Wenn man Freude Museumsbetreuer aus
na-Schutzkonzept dürfen bis zu sechs Per- an der Geschichte und ihrer Pflege auch im Grüningen freuen sich auf die
Besucher. V.l.n.r.: Reinhard
sonen gleichzeitig die Ausstellung besuchen lokalen Rahmen hat und mithelfen will, dass Hirzel, Elisabeth Greuter,
(Aufsichtspersonal ausgeschlossen). Der zu dieses Erbe auch für kommende Generatio- Thefi Müller, Sonja Schmid
erwartende Andrang wird sich in den nächs- nen bewahrt und weitervermittelt wird, ist man und Andreas Baumgartner.
ten Sonntagen gut einteilen müssen. Die am bei der HSG richtig. Wir haben kein wöchentli-
1. Mai anwesenden freiwilligen Museumsauf- ches Training oder Proben wie der Turn- oder
seher, welche die Öffnung des Museums erst Musikverein, aber es gibt viele Möglichkeiten,
ermöglichen, freuen sich mit den Besuchern sich im Rahmen unseres Vereins mit seinen
in «säbi Ziit» einzutauchen. Sie werden unter Talenten einzubringen und mitzugestalten.»
den Mitgliedern der HSG rekrutiert. Reinhard Die aktuelle Sonderausstellung im Schloss-
Hirzel weiss aus eigener Erfahrung von der museum ist ein gelungenes Beispiel.
entschleunigenden Wirkung solcher Einsätze:
«Das holt einen herunter: fast so gut wie Yoga.» Giorgio Girardet
N
VI ERE
RE S ER ESTHER MEIER
M I N PRA XI S FÜ R
TER FUSSPFLEGE
Sind Ihre Füsse bereit für einen
schönen Sommer?
Esther Meier
dipl. Fusspflegerin SFPV
ChugelgŠssli 1 043 810 72 71 www.fusspflege-meier.ch
8627 GrŸningen 079 352 56 11 info@fusspflege-meier.ch
Kurierdienst & Take-away
in Gossau ZH
Bei Abholung Fr. 2.- günstiger Fr. 5.-
Am Donnerstag jede Pizza nur Fr. 12.-! Gutschein
Montag - Freitag: 11.30 - 13.30 Uhr / 17.30 - 21.00 Uhr Für eine Bestellung
Samstag: 17.30 - 21.30 Uhr ab Fr. 25.-
Einmalig gültig mit diesem Original-Talon
Tel. 043 548 07 07
für eine Bestellung vom 14.05. - 30.06.2021.
Ausgenommen Donnerstag.
Nicht kumulierbar, keine Barauszahlung.
Online bestellen: www.pizzasette.ch GP
Thema 23Bulls Iconic E
CH F Hardstrasse 19 Tel. 044 932 67 07
–
Wh . 8624 Grüt/Gossau info@lstreuhand.ch
.
Steuererklärungen
Finanzbuchhaltungen
für gewerbliche Betriebe
Finanzbuchhaltungen für Kirchgemeinden
• Bosch Performance Line CX Antrieb der neusten Lohnadministrationen
Generation Firmengründungen
• versenkbare Limotec Sattelstütze
• Shimano Gang Kettenschaltung Unternehmensberatungen
• Shimano Schaltung Deore RD-M-GS Verwaltung Mietliegenschaften
• Farbe: schwarz-matt
Verwaltung Stockwerkeigentum
Velosport Putzi GmbH Verkauf Immobilien
Hombrechtikerstrasse
Grüningen
Telefon
www.velosport-putzi.ch
Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag . –. / . – . Uhr
Samstag . – . Uhr
KLETTERN KÖNNEN
WIR NICHT, ABER …
… MAN TRAUT ES UNS ZU!
virus Ideenlabor AG
Impreza 4×4 Subaru XV 4×4 Outback 4×4 Forester 4×4
Die Garage in Ihrer Nähe
Schlossgarage Furrer AG
Esslingerstrasse 2
8627 Grüningen
Tel. +41 44 935 12 03
info@furrerag.ch
http://furrerag.ch
24 Grüninger Post 3/2021Sie können auch lesen