VIELFALT Wirksamkeit der Selbsthilfe - Menschen stärken Menschen - Blaues Kreuz
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Menschen stärken Menschen
VIELFALT
Wirksamkeit
der Selbsthilfe
Menschen stärken Menschen
Nr. 2/2018
|
Mitgliederzeitschrift Blaues Kreuz in der Evangelischen Kirche
BKE VIELFALT 2/2018
Offen für alle Suchtformen! 1
www.bke-suchtselbsthilfe.deEDITORIAL
Wer auf andere Leute wirken will, der muss erst einmal
in ihrer Sprache mit ihnen reden.
Kurt Tucholsky
Was uns verbindet...
Blaues Kreuz in der Evangelischen Kirche Blaues Kreuz in der Evangelischen Kirche
Bundesverband e.V. Landesverband NRW e.V.
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Tel.: 0231 5864132 | Fax: 0231 5864133
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www.bke-suchtselbsthilfe.de www.bke-nrw.de liebe Leserinnen und Leser,
Blaues Kreuz in der Evangelischen Kirche Blaues Kreuz in der Evangelischen Kirche
Landesverband Baden-Württemberg e.V. Landesverband Schleswig-Holstein e.V.
Gerhard Förg An der Marienkirche 22 | 24768 Rendsburg für diese Ausgabe der BKE VIELFALT waren wir ganz besonders auf Eure
Seehofweg 61 | 71522 Backnang Tel.: 04331 2019895 | Fax: 04331 2019896 Beiträge, Erfahrungen und Impulse angewiesen. Gemeinsam mit Euch wollen
Tel.: 07191 65532 | Fax: 07191 65532 info@bke-sh.de
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wir uns auf Spurensuche begeben, um das zu identifizieren, was unsere
www.bke-bw.de
Lando Horn
Selbsthilfe wirksam macht. Welche Gründe gibt es, die bewirken, dass rund
Blaues Kreuz in der Evangelischen Kirche Bundesvorsitzender ein Viertel der Menschen in der Sucht-Selbsthilfe allein durch den Besuch der
Landesverband Niedersachsen e.V. Gruppe ein unabhängiges Leben führen kann?
Postfach 37 | 49452 Rehden
Mobil: 0170 5428309 | Fax: 05444 9199756 Ihr seid unserer Bitte nachgekommen und habt Eure Erfahrungen und
info@bke-nds.de Meinungen zu dem Thema für diese Ausgabe mit uns geteilt. Anne und Erwin
www.bke-nds.de
erzählen uns ihre Lebensgeschichten und lassen uns teilhaben an ihrem Aus-
stieg aus dem Suchtkreislauf.
Erste Eindrücke, welche Ansätze und Bedingungen für eine erfolgsversprechen-
de Gruppenarbeit bedeutsam sind, liefert auch die Befragung, die unser
Verband gemeinsam mit einem Forschungsinstitut durchgeführt hat.
Zwei Frauen erlernen nicht nur in einer Schreibwerkstatt, dass kreatives
Schreiben eine wirkungsvolle Verarbeitungsstrategie ist, sondern identifizieren
Förderer dieser Mitgliederzeitschrift ist die
Bitte beachten... für sich auch die Gründe, warum ihnen die Selbsthilfe so guttut. Jung und Alt
Sendet eure Berichte und Fotos als digitale Datensätze an die
Redaktion (redaktion@bke-bv.de). Die Berichte bitte als Word-
erleben an einem Wochenende das „Wunderbare“, wenn es nicht darauf an-
Datei und die Fotos als JPG-Datei (nicht in eine Word-Datei kommt, wer du bist, wie alt du bist, was du hast oder auch nicht hast, sondern
einbinden!). Digitale Fotos in hoher Auflösung (zwischen einfach du selbst sein kannst. Und vielleicht beschreibt die „Kleine Ich-Bot-
Verantwortlich für den Inhalt: Lando Horn, Bundesvorsitzender 2500-4300 x 1500-2900 Pixel) sind für den professionellen
Zeitschriftendruck notwendig. schaft“ genau den Kern dessen, was in der Selbsthilfe wirkt.
Redaktionsteam: Claudia Kornwald (BV), Lando Horn (SH),
Doreen Rupieta (SH), Peter Keller (SH), Thomas Blicker (HS), Fotos von Personen dürfen nur mit deren Zustimmung in der Das Thema zieht sich quer durch diese Ausgabe Eurer Mitgliederzeitschrift.
Andreas Dubenhorst (NDS), Jürgen Hütter (NRW) BKE VIELFALT veröffentlicht werden. Verantwortlich für den
Nachweis über die Zustimmung sind die Einsenderinnen und Ihr findet Impulse hierzu in vielen Artikeln und Beiträgen. Das zeigt uns, dass
Gestaltung: HP KELLER Medienbüro, 25421 Pinneberg
Einsender der Fotos. Wir weisen in diesem Zusammenhang wir alle klarstellen wollen, was unser BKE so wirksam macht und damit das
Fotos: BKE-Bundesverband, BKE-Landesverbände, Mitglieder; darauf hin, dass die BKE VIELFALT auch im Internet auf der
Fotolia.com: ahmetnkececi, javitrapero.com, peterzayda, Website des Bundesverbandes veröffentlicht wird. Geheimnis der Selbsthilfe für alle Menschen, die Hilfe suchen, lüften wollen.
Thomas Reimer, georgejmclittle, Trueffelpix; Lydia Fuchs; Bildunterschriften sind immer mitzuliefern!
NDR Niedersachsen; pixelio.de: A. Liebhart; Lando Horn
Bei unverlangt eingesandten Manuskripten besteht kein
Druck: Grafia-Druck Schröder, 44379 Dortmund Anspruch auf Abdruck und Rücksendung. Bundesvorsitzender
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung der
Autorinnen und Autoren wieder, die sich nicht mit der
Auffassung des Verbandes oder der Redaktion decken muss.
2 www.bke-suchtselbsthilfe.de BKE VIELFALT 2/2018 BKE VIELFALT 2/2018 3INHALT BUNDESVERBAND
1. AUS DEM BUNDESVERBAND
Menschen stärken Menschen – Projektbericht 2018 5-7
Unterschiedliche Suchtmittel – Alle Erkrankte in einer Gruppe? 7
Lebensgeschichten: Sehnsucht und Hoffnung | Das Leben eines Spielers 8-9
SPuH – Was steckt dahinter? | Sucht – Bio-Psycho-Sozial | Evaluation – Zwischenstand 10-11
Ein ganzheitliches Verständnis von Sucht | Das Bio-Psycho-Soziale Modell 12-13
Intervision – Wir sind transparent | WENDEPUNKT – Frühe Hilfen für Angehörige 14-15
Menschen stärken Menschen: Schreiben kann Jede und Jeder! | Das BKE und Ich 16
Frauen ticken einfach anders 17
Jugend: Fachbereich JULITI | JuFam 2018: Grenzenlos und wunderbar 18-19
Seminare - Warum, für wen und überhaupt 20
Gemischtes: Kleine Ich-Botschaft | Danke und auf Wiedersehen | Die neue Bundessatzung | JuFam 2019 21
Der Internetauftritt für die Gruppe: Was muss ich beachten? 22-23
2. AUS DEM LANDESVERBAND NIEDERSACHSEN
Ein außergewöhnliches Sucht-Selbsthilfeprojekt 24-25
BKE Celle startet Gruppe für Angehörige 25
Zu Gast bei der NDR 1 "Plattenkiste" 26
Begegnungstreffen 2018 27
NDS Jahresbericht 2018 | BKE Altwarmbüchen 28
3. AUS DEM LANDESVERBAND NORDRHEIN-WESTFALEN
Lehre tut viel, aber Aufmunterung tut alles 28
Leitbild des Evangelischen Erwachsenenbildungswerkes Westfalen und Lippe e. V. 30
NRW Landesdelegiertenversammlung 2018 31
Das Geheimnis der Suchtselbsthilfe | Das verflixte 7. Jahr | BKE NRW e. V. 32-33
Wo ein Wille, da ein Weg | Weserradtour 2018 34-35
Basiswissen Sucht: Kooperation mit Diakonie R-W-L | Gedicht zum Abschied 36-37
Frauenseminar in Haltern | Planungskonferenz 2018 | Fußballturnier in Kaarst 38-39
BKE: Was ist das eigentlich? | 25 J. Holzwickede | Besuch der Bogenschützen | Selbsthilfetag Gelsenkirchen 40-41
BKE Lippstadt Jubiläum | Frauengruppe Stemwederberg | BKE Dortsen Vereinsseminar 42-43
Wer möchte mit nach Giethorn? | Wir trauten uns ins Münsterland | NRW Veranstaltungen 2018 44-45
Das Kreuz mit der Verwandtschaft... | Stemwederberg bildet sich fort 46
4. AUS DEM LANDESVERBAND SCHLESWIG-HOLSTEIN
Landesmitgliederversammlung 2018 47-49
Kurt Deist: Wer bin Ich? | 30 Jahre: Ein ganz besonderer Tag | 20 Jahre Förderverein für BKE SH 50-51
MSM: Professionelle Unterstützung | Kreisstadtverband Kiel | Frauenseminar in Rickling 52-53
BKE Trägerverein Dithmarschen | Was ist eigentlich normal? | SH Veranstaltungen 2018 54-55
5. Dieters Geschichte: Die kleine Wolke 56
6. JAHRESÜBERBLICK & VERANSTALTUNGEN 57
Kontaktadressen Veranstalter & Regionalgruppen 58
Jahresüberblick Seminare 58-59
7. SEMINARANGEBOTE
Bundesverband
Niedersachsen
60-61
61
Mensch stärken Menschen
Nordrhein-Westfalen 62-68 Projektbericht 2018 – Unser Projektjahr
Schleswig-Holstein 69-70
schreibt Geschichte(n)
8. Vorankündigung BKE VIELFALT 2019 70
In diesem Projektjahr standen unsere Öffentlichkeitsarbeit und das
Thema Transparenz nach innen und außen als Jahresschwerpunkte
9. DANK AN DIE FÖRDERER 71
ganz oben auf unserer Liste, deshalb ist auch das, was wir 2018 um-
gesetzt haben, hier nun für alle transparent! »»»
Fortsetzung nächste Seite
4 BKE VIELFALT 2/2018 BKE VIELFALT 2/2018 5BUNDESVERBAND BUNDESVERBAND
Fortsetzung von Seite 5
des Projektthemas für 2019 sowie der aktuelle Stand
der Evaluation zu Modellen erfolgreicher Gruppenarbeit. Offen für alle Suchtformen!
Beim Regionalseminar in Baden-Württemberg vom
Unterschiedliche
06.-08.07.2018 in Bad Herrenalb lud der Bundesver-
band zum Kennenlernseminar mit den Themenschwer-
punkten: Impulse zur lebendigen Gruppenarbeit, Mitein-
Suchtmittel –
ander in Kontakt kommen, Einbeziehung der Angehöri-
gen in die Gruppenarbeit, Gewinnung neuer Mitglieder,
Aktivierung zur Mitwirkung, Ideen zur Öffentlichkeitsar-
beit. Weitere Themen waren die Vorstellung des Pro-
jektes Menschen stärken Menschen, die Aufgabenver-
teilung in der Gruppe, Betroffene anderer Süchte und
Alle Erkrankte
in einer Gruppe?
die Frage, wie neue Mitglieder eingebunden werden
können.
In unserer Selbsthilfegruppe können wir für uns Sucht-
Einbeziehung der kranke keine Therapie erwarten, aber durch die Beiträ-
Angehörigen in Gruppenarbeit ge jedes Einzelnen unseren Ängsten, Lüsten, Sorgen
und Sehnsüchten näherkommen und die Abstinenz
aufrechterhalten.
Beim Intervisionstreffen vom 21.-23.09.2018 in Hattin-
gen kam es zum Erfahrungsaustausch, besonders in Wir können unseren Gefühlen näherkommen, Trau-
regionalen Auswertungsgruppen, bei einer Ideenwerk- er und Wut und unseren Bedürfnissen. Indem wir in
statt, in Werkstattgruppen und bei dem Schulungsanteil Kontakt mit anderen Gruppenmitgliedern aussprechen
zur Imagefilmerstellung wurde intensiv gearbeitet. können, was uns verletzt, was wir brauchen – z. B.
Am 19. und 20.01.2018 fand das Referierenden-Coa- teilzunehmen sowie im Rahmen zweier Gruppenbesu-
Anerkennung nach Kritik oder Zuneigung nach Zurück-
ching in Dortmund statt, bei dem es für uns um die in- che innerhalb des Projektjahres die Kontaktpflege als Am 07. und 08.11.2018 fand in Hamburg das Projekt- weisung –, ergibt sich für uns Einzelnen die Chance, die
haltliche Begriffsklärung von Transparenz und die Austauschmöglichkeit zu fördern. Unterstützend und teamtreffen statt, wo uns der Rückblick und die Aus- Abstinenzentscheidung und Gruppenbesuche aufrecht-
konkrete Programmentwicklung für die Multiplikatoren- beratend stand hierbei das Projektteam auf Anfrage den wertung der Treffen in 2018, die Vorausschau auf 2019 zuerhalten und bis zum Lebensende fortzusetzen.
schulung 2018 ging. Multiplikatoren jederzeit zur Verfügung und stellte die sowie die weitere Regionalisierung der Multiplikatoren-
notwendigen Medien und Materialien zur Verfügung. Wir tätigkeiten, eine Bedarfserhebung an Print- und Digital- Wir erleben uns in der Gruppe als gleichwertige Partner-
Beim Projektteamtreffen vom 28.02.-01.03.2018 in
bekamen dort viel „Futter“ und praktische Ideen zur medien sowie Mediengeräten und unsere Internetprä- innen und Partner, statt in einer Kränkung die subjektive
Hamburg wurden das Projektteam auf den aktuellen
regionalen Umsetzung für unsere Öffentlichkeitsarbeit. senz, die Finanzen sowie Finanzbedarfe uns voll und Rolle des Opfers einzunehmen.
Stand gebracht, Veränderungen besprochen, die
Sach – und Kostenberichte vorgetragen sowie der Pro- Unser Himmelfahrtsseminar vom 10.-13.05.2018 in der ganz beschäftigten. Soweit meine Kurzbeschreibung der Aufgaben einer
jektantrag, die Projekterweiterungen, Projektbegründun- Historisch-Ökologischen Bildungsstätte in Papenburg Das Expertentreffen am 14.11.2018 in Dortmund zum Suchtselbsthilfegruppe. Kann diese Aufgabenvielfalt
gen und Projektanpassungen besprochen und, gerade war wieder ein Höhepunkt. Unter der Überschrift „Du Thema Kooperation wird uns zur Orientierung dienen auch umgesetzt werden, wenn sich die Suchterkran-
im Hinblick auf das nächste Projektjahr, die Verbindun- und Ich – Menschen stärken Menschen“ arbeiteten und soll zur inhaltlichen Vorbereitung des Projektthemas kung durch verschiedene Substanzen/Medien (Alkohol,
gen zu CNN bedacht. Weitere Themen waren unsere für 2019 führen. Medikamente, Drogen, Spiele) gezeigt hat?
Evaluation zu Modellen erfolgreicher Gruppenarbeit, die Kontaktpflege als Es ist wohl wissenschaftlich unbestritten, dass wir
Auch regional wird das Projektthema des nächsten Jah-
Supervision des Projektteams sowie aufsuchende Schu- Suchtkranke medizinisch gesehen die gleichen Rezep-
lungskonzepte, der Gruppenaufbau in Ostdeutschland Austauschmöglichkeit res schon gedanklich vorbereitet beim Ahmser Treff am
toren/Botenstoffe in uns haben. Gleichwohl ist die Dyna-
24.11.2018 in Bad Salzuflen. Dort findet eine Auseinan-
und die weitere Terminplanung. mik der Suchtausprägung doch sehr unterschiedlich und
dersetzung mit dem Thema: „Kooperation mit dem Part-
wir in drei Arbeitsgruppen zu den Themen Selbst- und kann uns in der individuell suchterfahrungsbedingten
Vom 13.-15.04.2018 fand unsere Multiplikatorenschu- ner Kirchengemeinde – Wie kann das gehen?“, statt.
Fremd-Wahrnehmung, Selbst- und Fremd-Wirkung und Kommunikation behindern oder gar fehlleiten.
lung in Extertal statt, bei der wir vom Referierendenteam
Selbst- und Fremd-Vertretung. Vom Morgenschleich und Sowohl unser Regionalseminar in Mecklenburg-Vor-
mit hineingenommen wurden in die vielen Möglichkeiten Beispiel: Ich habe mal einen spielabhängigen Teilneh-
den Morgenandachten über vielfältige Freizeitangebote pommern in Boltenhagen vom 16.-18.11.2018 sowie
der Öffentlichkeitsarbeit, aber auch in die Bedeutung mer kennengelernt, der mir erläuterte, dass er nachts
bis zum bunten Abend mit Grillen und Eisbombe hatten unser Regionalseminar in Sachsen-Anhalt vom 07.-
transparenten Handelns nach innen und außen. vor dem Laptop eingeschlafen, nach zwei Stunden
wir ein vielfältiges Programm, und wir gingen mit vielen 09.12.2018 in Magdeburg werden wir nutzen, um uns
Die Themen reichten von der Vorstellung der Chancen guten Impulsen für unser eigenes Leben wieder nach kennenzulernen, unsere BKE Identität zu verinnerlichen, aufgewacht ist und dann weitergespielt hat. Ich konnte
und Nutzungsmöglichkeiten des digitalen Medienkoffers Hause. aber auch unsere Selbst-Wahrnehmung anhand von seine Sucht verstehen, mich aber in seine Abhängigkeit
bis zur praktischen Gestaltung von Flyern und Plaka- Rückmeldungen zu überprüfen und die Zusammenhän- nicht hineinfühlen.
In der Zeit vom 22.-24.06.2018 wurden wir auf dem
ten sowie dem Verfassen von Artikeln in einer kleinen ge zwischen Sucht und Gehirn besser zu verstehen. In Ich möchte deswegen an euch die Bitte richten, uns
Leitungsworkshop in Hannover mit Berichten vom Bun-
Schreibwerkstatt. Selbst die freiwilligen Abendangebo- einer Medienwerkstatt, einer Veranstaltungs- und Event- Rückmeldung zu geben, welche Erfahrungen Ihr mit der
desverband, von den Landesverbänden, den Fachbe-
te eines Planspieles für eine öffentlichkeitswirksame planung sowie bei einer Schreib- und Ideenwerkstatt Problematik der Integration von Suchterkrankten (nicht
reichen und den Regionalbeauftragten gut informiert.
Veranstaltung oder ein Vortrag zum Zusammenhang werden wir aktiv unsere Fähigkeiten in der Öffentlich- Alkohol) gemacht habt. Welche anderen Suchterkrank-
Prozessorientiert bearbeiteten wir die gesammelten
von Sucht und Gehirn wurden von vielen Multiplikatoren keitsarbeit verbessern. Neben den inhaltlichen Schwer- ten können integriert werden, z. B. Medikamentenab-
Themenbereiche, auch in Kleingruppen, systematisch
dankbar angenommen. punkten werden Freizeitangebote und Meer sowie die hängige? Sollten Drogenabhängige in separaten Grup-
ab. Hier ging es um die Umsetzung der Datenschutz-
In unserer gemeinsamen Projekterklärung verpflichteten Volksbelustigung, die Zeit zur offenen Begegung und pen ihren Halt finden oder können wir das in unseren
richtlinie, die Projekteinbindung von Menschen stärken
wir uns, mit unserem persönlichen Engagement auf den Menschen in die landesverbandliche Arbeit und die bun- Besinnung aber auf jeden Fall nicht zu kurz kommen. n angestammten Gruppen auch bewältigen? n
unterschiedlichsten Ebenen einzustehen, verbindlich desweite Vernetzungsarbeit. Besprochen wurden die Andreas vom Ende Lutz Refardt
an regionalen und überregionalen Intervisionstreffen einzelnen Veranstaltungen und die weitere Umsetzung Suchtreferent BKE Bundesverband Beisitzer BKE-LV NRW
6 BKE VIELFALT 2/2018 BKE VIELFALT 2/2018 7LEBENSGESCHICHTE LEBENSGESCHICHTE
SehnSucht Das Leben
und eines
Hoffnung Spielers
Mein Name ist Anne, heute mit 58 Jahren, bin ich eine Als drittes Kind von vier Söhnen wurde ich im August
zufrieden abstinent lebende Alkoholikerin, 13 Jahre 1964 in eine Familie mit einer sehbehinderten Mutter
trocken. und einem schwer alkoholkranken und gewalttätigen
Vater hineingeboren. Meine Kindheit lässt sich schnell
Der Weg bis dahin war – lang – schwer – und sehr oft
zusammenfassen. Sie war geprägt von der Alkohol-
auch schmerzhaft!
sucht sowie den Wutausbrüchen meines Vaters und
Ich habe hier meine Geschichte aufgeschrieben, um dem ständigen Kampf um Anerkennung innerhalb
möglichst vielen Leuten Mut zu machen, zu zeigen, meiner Familie. Mein schulischer Werdegang lässt sich
dass es immer Wege gibt zu einem Leben ohne Sucht- als sehr dürftig beschreiben, weshalb ich die Schule
mittel und dass man nie die Hoffnung aufgeben soll. legte der Arzt mir natürlich nahe, darauf zu verzichten. nach der siebten Klasse ohne einen Abschluss ver- Kraftfahrer angestellt und fuhr nebenbei noch Taxi. Lei-
Da ich mir nur sehr schwer vorstellen konnte, keinen ließ. 1980 versuchte ich mich an einer Ausbildung zum der wusste ich mit dem verdienten Geld nichts Besse-
Schon mein Vater war Alkoholiker und hat mein Leben
Alkohol zu trinken, suchte ich in meinem Mann einen Maurer, musste mir jedoch schnell eingestehen, dass res anzufangen als es immer wieder in die Spielhallen
unter anderem auch mit Gewaltausbrüchen unter Alko-
Verbündeten. Der hat sich auch alle Mühe gegeben, diese mich überforderte. So brach ich diese Ausbildung zu tragen. Ein neuer Lichtblick war die Geburt unseres
holeinfluss sehr beeinflusst.
konnte das aber auch recht schnell lassen. Ich habe ja am Ende ab. Im darauffolgenden Jahr wendete sich gemeinsamen Sohnes im Jahr 2001. Ich versuchte, ein
Der „Freund Alkohol“ kam schon sehr früh in mein Le- gemerkt, wie schwer das für ihn war, und habe es dann das Blatt und ich lernte meine große Liebe kennen. Das guter Ehemann und Vater zu sein. Es war wohl zu spät.
ben. Er gab mir Trost, nahm mir Hemmungen, brachte auch so gedreht, dass ich großzügig zugegeben habe, erste Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl, etwas Zu tief war ich in der Spielsucht verankert. Mit meiner
mir den Schlaf! Mit ungefähr 12 Jahren habe ich schon dass ich ja das Problem mit Medikamenten nehmen Wert zu sein und jemandem zu genügen durch die Ge- Frau konnte ich darüberAllenicht
hattenreden. So
viel Spaß aufsehr
dem ich es
Bier getrunken, auch alleine in meinem Zimmer, es hat habe und nicht er! Haben konnte ich das dann zwar borgenheit, die ich von ihr erfuhr. Endlich hatte ich auch auch wollte und mich Christi-Himmelfahrt-Seminar
bemühte, sie war zu sehr in Papenburg
mit der
mir geholfen, mein Zuhause zu ertragen. Schnell habe nicht, dass er trinken „durfte“ und ich nicht, aber dank etwas, woran mein Vater Gefallen fand. So präsentierte Schadensbegrenzung hinsichtlich unseres wirtschaftli-
ich gemerkt, dass ich mich damit gut „wegmachen“ der Medikamente konnte ich ganz gut „ohne“ für eine ich meine Freundin voller Stolz bei jeder sich bietenden chen Zusammenbruchs beschäftigt.
kann! Das Gefühl „es ist genug oder mehr sollte ich Zeit! Gelegenheit. Leider erkrankte sie schwer an einem Im Dezember 2001 suchte ich erstmals eine Psycho-
nicht trinken“ - ich hatte es nie! Krebsleiden und verlor den Kampf nur wenige Jahre
In dieser Zeit wurde mir aber sehr deutlich bewusst, login auf. Ich wurde in eine psychosomatische Klinik
Mit 13 Jahren lernte ich meinen Mann kennen, ich sah dass der Alkoholkonsum in unserem Leben schon lan- später. eingewiesen und ließ meine Frau und unseren Sohn im
ihn ab sofort als meinen Beschützer an, auch vor den ge nicht mehr NORMAL war! n Das Jahr 1986 leitet den Beginn meiner Spielerkarriere von mir verursachten Elend zurück. n
Gewaltausbrüchen meines Vaters. Alkohol trinken war Eure Anne ein. Vom ersten Wehrsold stattete ich dem Spielauto- Euer Erwin
für meinen Mann auch damals schon das normalste maten am Essener Hauptbahnhof einen sehr erfolgs-
von der Welt. versprechenden Besuch ab. Ich gewann 350 DM. Im
gleichen Jahr verstarb auch meine Mutter. Mit diversen
Fortsetzungshinweis
Wir haben früh geheiratet – bekamen zwei Söhne, und
der „Freund Alkohol“ war immer dabei. Natürlich da
schon oft viel zu viel! „Filmrisse“ waren auch da schon
Gelegenheitsjobs finanzierte ich meinen immer stärker
werdenden Drang, noch eine Runde am Spielautoma- Fortsetzungshinweis
oft am Wochenende dabei und was ganz Normales. ten zu sitzen.
Die Geschichte von Anne geht noch weiter. Sie ist Die Geschichte von Erwin geht noch weiter. Sie ist
Irgendwann kam für mich eine große Krise. Meine Oma Ein neuer Lebensabschnitt begann 1990 für mich. Ich
eine spannende Lebensgeschichte, die Mut macht, eine spannende Lebensgeschichte, die Mut macht,
starb, mein Mann hatte einen schweren Unfall mit dem lernte eine weitaus jüngere Frau kennen und lieben.
die Hoffnung nicht aufzugeben. Alle, die neugierig auf Ich absolvierte meine Ausbildung zum Berufskraftfah- die Hoffnung nicht aufzugeben. Alle, die neugierig auf
Motorrad, unser jüngster Sohn musste für eine OP in
die Fortsetzung sind, können die ganze Geschichte rer. Doch immer wieder trug ich mein verdientes Geld die Fortsetzung sind, können die ganze Geschichte
eine Klinik. Bis dahin hatte ich immer alles, Kinder,
Haushalt, arbeiten gehen, soweit gut gemeistert, so auf unserer Homepage „bke-suchtselbsthilfe.de“ in in die Spielhalle und verlor letztendlich sogar meine auf unserer Homepage „bke-suchtselbsthilfe.de“ in
nach dem Motto: „Anne macht das schon!“ So war es der Rubrik „Vielfalt leben/Erfahrungsberichte“ lesen. Wohnung, da ich keine Miete mehr zahlen konnte. Der der Rubrik „Vielfalt leben/Erfahrungsberichte“ lesen.
mir beigebracht worden oder ich hatte es mir so aufer- Oder direkt: erste Lichtblick war unser gemeinsamer Umzug nach
Oder direkt:
legt. Münster. Dort schaffte ich es, fast zwei Jahre „spielfrei“
www.bke-suchtselbsthilfe.de/sehnsucht-und-hoffnung zu bleiben. Doch dies sollte nicht so bleiben. Ich wurde www.bke-suchtselbsthilfe.de/leben-eines-spielers
Aber auf einmal konnte ich nicht mehr, bekam Angst- im Sommer 1999 rückfällig. Wieder versuchte ich einen
Alle, die Lust bekommen haben, auch einmal ihre Alle, die Lust bekommen haben, auch einmal ihre
zustände und Panikattacken in engen Räumen, im Auf- Neustart und eröffnete ein Fachgeschäft für Hundebe-
zug, hohen Blutdruck, noch mehr Angst und so weiter. eigene Lebensgeschichte zu schreiben, sind herzlich eigene Lebensgeschichte zu schreiben, sind herzlich
darf.
eingeladen, sie unserer Redaktion per E-Mail zu eingeladen, sie unserer Redaktion per E-Mail zu
Körperlich fand der Arzt nichts, also erst mal Entspan- Das nächste Jahr war von positiven sowie negativen
übersenden – für die BKE VIELFALT oder auch für übersenden – für die BKE VIELFALT oder auch für
nung lernen, Tabletten zum Ruhigwerden und dann Einflüssen gekennzeichnet. Kurz gesagt: Pleite des
meine erste Gesprächstherapie. Da sich bekanntlich ja unsere Homepage. E-Mail: redaktion@bke-bv.de unsere Homepage. E-Mail: redaktion@bke-bv.de
Geschäfts und die Hochzeit mit meiner Freundin. Es
Tabletten nicht in Kombination mit Alkohol vertragen, sollte zunächst gut weitergehen. Ich wurde fest als
8 BKE VIELFALT 2/2018 BKE VIELFALT 2/2018 9BUNDESVERBAND BUNDESVERBAND
SPuH–Was steckt dahinter? Evaluation –
Spielsucht Prävention und Hilfe NRW e.V. Ein
Zwischenstand
In Deutschland sind fast 200.000 Menschen spielsüchtig. Auch Angehörige, die ja fast immer mitbetroffen sind,
Vor allem geht es dabei um Geldspielautomaten. können in unseren Gruppen Hilfe und Unterstützung fin-
den. Sie fühlen sich häufig ausgesprochen hilflos – dabei
Gegründet wurde SPuH im Jahr 2013. Der eingetrage-
sind sie oft stark involviert, haben vielfach die Geldver- Unter der Überschrift „Modelle guter Praxis von Sucht-
ne Verein versteht sich als landesweite Vertretung von
waltung übernommen und wissen nicht so recht, wie sie selbsthilfe“ befragte das Institut für interdisziplinäre
Selbsthilfegruppen aus dem Bereich der Glücksspiel-
weiter damit umgehen sollen. ++ Welchen Stellenwert haben die einzelnen Faktoren Sucht- und Drogenforschung (ISD, Hamburg)
sucht und möchte neben der ganz praktischen Unter-
stützung regionaler Gruppen auch langfristig Einfluss Das Gespräch mit anderen Angehörigen in einer Selbst- des Modells für die Menschen, an die sich Suchtpräven- zusammen mit dem BKE
nehmen auf gesundheitspolitische Entwicklungen zum hilfegruppe kann mehr Sicherheit geben und, wie An- tion, Suchthilfe und Sucht-Selbsthilfe richten? ++ Welche Bundesverband in der Zeit
Thema Spielsucht in NRW und über die Landesgren- gehörige oft selbst sagen, das Gefühl vermitteln, „dass Entwicklungen hat es in den vergangenen Jahrzehnten vom 18.06.2018 bis zum
zen hinaus. So fordert er zum Beispiel die Schaffung mit mir alles in Ordnung ist und ich nicht spinne“. Das gegeben? ++ Was ist neu, was muss besser werden? 31.08.2018 in einem
einer gesetzlichen Grundlage für den Anspruch auf eine sind Gedanken, die Angehörige von Süchtigen, nicht nur ++ Was haben rat- und hilfesuchende Menschen davon? ca.15 minütigen Telefonin-
Selbstsperrmöglichkeit für Glücksspielende in NRW und Spielsüchtigen, miteinander verbindet. n Diese und andere Fragen standen bei dem gemeinsa- terview mit bis zu 32 Fragen unsere Gruppenleitenden
das Verbot von Spielautomaten im Bereich der Gastro- men Fachkongress vor dem Hintergrund unterschied- nach ihren Erfahrungen und Ihrer Zufriedenheit mit
Andreas Bünder, ihrer Selbsthilfegruppe. Die Bereitschaft und Motivation
nomie. licher Kompetenzen, Erfahrungen und Aufgaben der
Landesvorsitzender SPuH zur Teilnahme war sehr groß und nur wenige Grup-
Fachkräfte im Mittelpunkt.
Mit seinem 1. Vorsitzenden penleitende wollten an der freiwilligen Befragung nicht
Andreas Bünder ist SPuH Im von Heinz-Josef Janßen (Kreuzbund) moderierten teilnehmen. Dabei kam heraus, dass ca. 30 Gruppen
eines von 16 Mitgliedern halbtägigen Forum Selbsthilfe stellte der Kreuzbund nicht mehr existieren auf Grund von Tod der Gruppen-
des Fachausschusses durch Heinz-Josef Janßen die „Verbesserung der Will- leitenden oder Auflösung der Gruppe und ca. 40 Perso-
Sucht NRW (FAS), der kommenskultur durch digitale Angebote“ vor, das BKD nen wurden bisher mehrfach erfolglos angerufen. Aus
Sucht –
die Interessen der ange- durch Jürgen Naundorff beschäftigte sich mit der Frage diesem Grund wurde der Befragungszeitraum bis zum
schlossenen Verbände in „Quo vadis, Selbsthilfe“, wohin sich die Sucht-Selbst- 21.09.2018 verlängert, verbunden mit der Hoffung, dass
verschiedenen politischen hilfe entwickeln muss, um attraktiv zu bleiben, und das noch mindestens 15 bis 20 weitere Telefoninterviews er-
Gremien vertritt. BKE mit Lando Horn spürte dem Geheimnis nach, wie
bio-psycho-
folgreich geführt werden können. Die 160 bisher erfolg-
„Sucht-Selbsthilfe in Bewegung – Miteinander Zukunft reich geführten Interviews lieferten jedoch bereits erste
Der Landesverband ist, gestalten!“ kann. In bis zu 20-minütigen Fachvorträgen
wie alle Landesverbände wichtige Hinweise, welche Ansätze und Bedingungen für
und Präsentationen entwickelte sich so immer klarer, wie eine erfolgsversprechende Gruppenarbeit bedeutsam
der Suchtselbsthilfe, ein notwendige „Veränderungsprozesse in der Sucht-Selbst-
SOZIAL
Zusammenschluss ver- sind. Die Befragungsergebnisse wurden in anonymisier-
hilfe“ aktuell in den Sucht-Selbsthilfeverbänden gestaltet ter Form ausgewertet, konnten Empfehlungen für die
schiedener Spielsucht-
werden. n Gestaltung unserer Gruppenarbeit liefern und werden
selbsthilfegruppen aus
Andreas vom Ende uns helfen, die Gruppenarbeit insgesamt noch weiter
ganz Nordrhein-Westfalen. In diesen Gruppen findet das
Suchtreferent BKE Bundesverband zu verbessern. Nun werden jeweils mehrere Gruppen-
„Kerngeschäft“ der Spielerselbsthilfe statt. Im Jahr 2018 wurden die „DHS Fachkonferenz Sucht“
und der „fdr+sucht+kongress“ eins: Vom 8. bis 10. Ok- leitende, die ihre Bereitschaft zur einmaligen Teilnahme
Glücksspiele haben eine psychotrope Wirkung, die an regionalen Gesprächgruppen signalisiert hatten, im
denen stoffgebundener Suchtmittel sehr ähnlich ist. tober 2018 veranstalteten beide Verbände einen ge- Impulse für die Gruppenarbeit:
meinsamen Fachkongress. Unter dem Thema „SUCHT: November eingeladen, die aus den Telefoninterviews
Dies kann zu erheblichen Gefährdungen der sozialen, • Wie können wir unsere Willkommenskultur gebildeten inhaltlichen Schwerpunkte noch in einem wei-
familiären und wirtschaftlichen Existenz führen. Gravie- bio-psycho-SOZIAL“ luden die Deutsche Hauptstelle für
Suchtfragen e. V. (DHS) und der Fachverband Drogen- durch digitale Angebote verbessern? teren Gespräch zu vertiefen und dadurch Kriterien und
rende negative Folgen können sein: hohe Verschuldung, Empfehlungen für Praxismodelle in der Suchtselbsthilfe
Beschaffungskriminalität, Verlust des Arbeitsplatzes und und Suchthilfe e. V. (fdr+) nach Berlin-Adlershof ein. Bei- • Wie können wir als Selbsthilfegruppe
de Kongresse sprechen seit Jahrzehnten Fachleute aus vor Ort attraktiver werden für von Sucht zu gewinnen, bevor die Ergebnisse, aller Voraussicht
Suizidalität. nach im Dezember diesen Jahres, gemeinsam mit der
Suchtprävention, Suchthilfe und Sucht-Selbsthilfe an. betroffene Menschen?
So individuell wie die glücksspielenden Menschen sind, Deshalb wurde im Jahr 2018 ein Thema vertieft, das uns uns fördernden Barmer Krankenkasse, der Öffentlichkeit
• Wie können wir Bewegung zum Menschen sein vorgestellt werden können. n
so unterschiedlich ist die jeweils notwendige Hilfe, die fast ebenso lange beschäftigt: Weder die Ursachen der und gemeinsam Zukunft gestalten? Andreas vom Ende
sie benötigen. Die Bandbreite reicht von der sogenann- Sucht, noch deren Bewältigung lassen sich auf einzelne
ten „Selbstheilung“ (jemand stoppt von heute auf mor- Faktoren zurückführen. Das bio-psycho-soziale Modell Suchtreferent BKE Bundesverband
gen dauerhaft das Glücksspielen, ohne professionelle verdeutlicht unterschiedliche Ursachen von Abhängig-
Hilfe in Anspruch zu nehmen) über die Beratung und keit und verpflichtet die Angehörigen unterschiedlicher
anschließende Teilnahme an einer ambulanten oder Berufsgruppen zur Zusammenarbeit bei den Angeboten Impulse für die Gruppenarbeit:
auch stationären Rehabilitation bis hin zum lebensbe- der Hilfe unter Betonung der sozialen Aspekte. • Wir entwickeln an einem Gruppenabend unser
gleitenden Besuch einer Selbsthilfegruppe. Dabei ist es Wunschmodell von Gruppe
nicht leicht, herauszufinden, welcher Weg hilfreich ist. Der Fachkongress bot unterschiedliche Perspektiven auf
die Umsetzung eines integrierten bio-psycho-sozialen • Wir denken über Hinderungsgründe nach,
Rückschritte sind auf diesem Weg nicht ungewöhnlich.
Ansatzes bei der Begleitung, Beratung und Behandlung warum Menschen nicht zu uns kommen wollen
Wichtig ist, wie bei jeder Sucht, immer die Entscheidung
zum Ausstieg, zur Spielfreiheit. von Menschen, deren Teilhabe durch Abhängigkeitspro- • Wir verabreden verbindlich Verbesserungsvor-
bleme beeinträchtigt ist. Neues, Notwendiges und Be- schläge und überprüfen diese nach 6 Monaten
währtes wurde analysiert, diskutiert und weiterentwickelt.
10 BKE VIELFALT 2/2018 BKE VIELFALT 2/2018 11BUNDESVERBAND BUNDESVERBAND
Ein Das
Das bio-psycho-soziale Modell Das bio-psycho-soziale Modell
ganzheitliches erklärt sowohl Krankheit als
auch Gesundheit. Es dient in der
besagt, dass es eine Beziehung
zwischen dem körperlichen
Verständnis von Sucht bio-psycho-
Suchthilfe - im wissenschaftlichen und dem psychischen Zustand
und praktischen Bereich - als ein sowie dem sozialen Leben des
Ursachenmodell für die Suchter- Menschen gibt. Es ist ein ganz-
krankung. Mit dem Verständnis heitliches Modell, das Körper,
von Suchtentstehung nach dem Geist und soziales Lebensumfeld
Symposium & Fachkongress der DHS - Sucht: bio-psycho-SOZIAL bio-psycho-sozialen Modell wird
über die biologischen Faktoren
soziale miteinander in Beziehung setzt.
Krankheit und Gesundheit sind
Modell
Wie entsteht Sucht? Und wie lässt sie sich überwinden? on“ in Kraft. Es stelle zwar einen Fortschritt dar, bleibe (den medizinischen Bereich) und
– Diese Fragen beschäftigen sowohl Wissenschaftler jedoch sozialversicherungsfixiert und entspreche damit nach dieser wissenschaftlich
die psychischen Faktoren (psycho-
als auch Praktiker in der Suchthilfe und Suchtselbsthilfe. nicht den Anforderungen an Gesundheitsförderung als begründeten Theorie kein Zu-
logischer Bereich) hinausgegan-
Erklärungsansätze bietet das bio-psycho-soziale Modell. gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Der Begriff „bio-psy- stand, sondern ein bewegliches
gen. Der soziale Lebensbereich
Es gilt seit Jahrzehnten als das bedeutendste Konzept, cho-sozial“ dürfe die gesellschaftlichen Rahmenbedin- Geschehen. Dabei kann jeder Krankheitsprozess durch
um Gesundheit und Krankheit ganzheitlich zu verstehen. gungen nicht ausklammern, so Prümel-Philippsen. des Menschen ist einbezogen.
biologische, psychische und öko-soziale Faktoren beein-
Für Suchterkrankungen heißt das: Es gibt nicht nur eine Die drei Ebenen des bio-psycho-sozialen Modells: flusst werden. Sowohl für die Diagnose als auch für die
Ursache, auf die sich die Entstehung von Sucht zurück- Warum Minderjährige sich mit Alkohol vergiften, erläuter- Behandlung / Therapie sollten alle drei Ebenen berück-
führen lässt. Vielmehr greifen biologische, psychologi- te Dr. Heidi Kuttler, Expertin für Prävention und Gesund- • biologische Ebene des Menschen = der Körper
sichtigt werden.
sche und soziale Gesichtspunkte ineinander. So spielen heitskommunikation. Einerseits spielen umweltbezogene (incl. den Genen)
beispielsweise körperliche und medizinische Voraus- Faktoren eine Rolle. Alkohol ist in Deutschland leicht Daher muss es eine Zusammenschau der Bereiche
• psychische Ebene des Menschen = Fühlen und Den-
setzungen (bio-), Persönlichkeit, Verhaltensweisen und verfügbar und billig, zudem gilt Rauschtrinken hierzulan- Medizin, Psychologie und Sozialarbeit geben, um die
individueller Lebensstil (psycho-) sowie Beziehungen zu de als „normal“. Andererseits greifen Jugendliche aus ken; Eigenheiten des Erlebens und Verhaltens
Entstehung der Suchterkrankung ganzheitlich zu ver-
Familie und Freunden, der Arbeitsplatz und die finanziel- persönlichen Gründen zur Flasche – beispielsweise, weil • (öko-) soziale Ebene des Menschen = Beziehung stehen und sie folgerichtig zu behandeln. Ebenso ist
le Situation (sozial) bei der Suchtentstehung und Sucht- es leicht als uncool gilt, keinen Alkohol zu trinken. zwischen dem Menschen und seiner Umwelt die Beratung und Begleitung von Suchtkranken auf alle
überwindung eine Rolle. Bereiche auszurichten. n
Welchen Einfluss die Lobby- und
Die Deutsche Hauptstelle für Sucht- Marketingstrategien der Alkoholin-
fragen (DHS) stellt das Thema dustrie haben, beleuchtete Christian
„Sucht: bio-psycho-SOZIAL“ in Bölckow, Suchtreferent der Guttemp-
Fragestellungen für
diesem Jahr in den Mittelpunkt. Beim ler in Deutschland. Er wies in seinem
21. Symposium des Wissenschaftli- Vortrag darauf hin, dass jede zweite
chen Kuratoriums der DHS im Juni Flasche Alkohol in Deutschland von
2018 tauschten sich Wissenschaftler einer Person gekauft wird, die Prob-
Selbsthilfegruppen
aus den Bereichen Suchtmedizin, leme im Umgang mit Alkohol hat. Er
Suchtpsychologie und Soziale Arbeit riet dazu, an der „Alkoholnorm“ zu
mit Praktikern aus der Suchthilfe und rütteln und ein Nein zu Alkohol sofort
Suchtselbsthilfe über zentrale Fragen zu akzeptieren, keine Rechtfertigung
des bio-psycho-sozialen Modells zu erfragen und immer auch alko-
aus. Welchen Stellenwert haben die holfreie Getränke anzubieten. Das bio-psycho-soziale Modell spiegelt eine ganzheitliche Sicht auf den Suchtkranken wider. Die Stärke
einzelnen Faktoren – insbesondere der Selbsthilfe ist ihre Betroffenenperspektive, durch die es eine Vielfalt an Erfahrungen und damit Betrach-
Die große Bedeutung der sozialen tungsweisen auf den Betroffenen und sein Umfeld gibt. Die folgenden Fragestellungen rund um das bio-psy-
das groß geschriebene Soziale in
Dimension von Gesundheit in Bezug
der Theorie und in der Versorgung cho-soziale Modell können in Selbsthilfegruppen bearbeitet und diskutiert werden.
auf Suchtfragen betonten Prof. Dr.
Suchtkranker? Welche Entwicklungen waren in den ver-
Katrin Liel von der Hochschule Landshut, Prof. Dr. Peter
gangenen Jahrzehnten zu beobachten? Wie profitieren
Sommerfeld von der Hochschule für Soziale Arbeit in Ol-
rat- und hilfesuchende Klienten und Patienten davon?
ten/Schweiz und Prof. Dr. Ulrich John von der Universität
Themenkomplex 1 Themenkomplex 2
Insgesamt 14 Vorträge ausgewiesener Experten zu
Greifswald in ihren Vorträgen. Blicken wir in unserer Selbsthilfegruppe bei den Wie erleben wir den Austausch über die Bewältigung
unterschiedlichsten Aspekten des bio-psycho-sozialen
Modells bildeten die Grundlage für angeregte Diskussio- In den Diskussionen während des Symposiums wurde einzelnen Gruppenmitgliedern sowohl auf die medi- unserer Suchterkrankung in der Gruppe? Welche
nen unter den Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis. mehrfach hervorgehoben, dass Sucht als medizinisches zinischen als auch auf die psychischen und sozialen Themenbereiche (medizinisch, psychisch, sozial)
und soziales Problem zu betrachten ist. In der Suchthilfe Aspekte der Suchtbewältigung? haben wir bislang ausgeklammert, weil wir dachten,
„Die Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen
und Suchtprävention sollten Medizin und Soziale Arbeit sie hätten nichts mit Suchtbewältigung zu tun?
körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und Mit welchen Betrachtungsweisen haben wir im
daher als gleichberechtigte Partner gesehen werden, die
nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen“, Rahmen unserer Sucht-Selbsthilfearbeit Schwierig- Zu welchen Aspekten des bio-psycho-sozialen Mo-
mit unterschiedlichen Mitteln und Möglichkeiten (Heilen/
heißt es in der Verfassung der Weltgesundheitsorgani- keiten: dells wünschen wir uns mehr Informationen und wie
Therapie bzw. Hilfen zur Lebensbewältigung, Integrati-
sation (WHO) von 1946. Die berühmte Definition wurde bekommen wir sie?
on und Lebensführung) dasselbe Ziel ansteuern. In der • mit den medizinischen (Abhängigkeitserkrankung
während des Symposiums mehrfach zitiert, weil sie
gesundheitlichen Versorgung Suchtkranker ist auch die und weitere körperliche Beschwerden)?
grundlegend für ein modernes Verständnis von Krankheit Themenkomplex 3
Suchtselbsthilfe als „gelebte soziale Gesundheit“ (Liel)
und Gesundheit ist.
ein wichtiger Baustein. • mit den psychischen (Fühlen und Denken;
Wie gehen wir mit dem individuellen Erleben, mit
Im Nachkriegsdeutschland war der niedergelassene Eigenheiten des Erlebens und Verhaltens)?
Mit dem gemeinsamen Fachkongress von DHS und fdr+ Besonderheiten des Verhaltens oder körperlichen
Arzt die Leitfigur der Gesundheitssicherung, führte Dr.
rückt die DHS das Thema „Sucht: bio-psycho-SOZIAL“ • mit den sozialen (den Beziehungen des Einzel- Symptomen einzelner Gruppenteilnehmer/-innen
Uwe Prümel-Philippsen, langjähriger Geschäftsführer
erneut in den Fokus. Fachleute aus Suchtprävention, nen zu seiner Umwelt)? um? n
der Bundesvereinigung für Prävention und Gesundheit
Suchthilfe und Suchtselbsthilfe greifen vom 8.-10. Okto-
(BVPG), in seinem Vortrag aus. Erst nach mehreren Wieso sind diese Themen schwierig?
ber 2018 weitere zentrale Fragen rund um das bio-psy-
gescheiterten Anläufen trat im Juli 2015 das „Gesetz zur
cho-soziale Modell auf. n
Stärkung der Gesundheitsförderung und der Präventi-
12 BKE VIELFALT 2/2018 BKE VIELFALT 2/2018 13BUNDESVERBAND ANGEHÖRIGE IM BKE
Intervision in
was gebraucht wird in den Regionen, und erstellten
konkrete Vorlagen, Medien und Materialien als Grund-
lage zur Weiterverbreitung. Anschließend trugen wir
Hattingen –
die gesammelten Ideen und Ergebnisse wieder in der
Gesamtgruppe zusammen, damit sie für alle transparent
wurden.
Wir sind
Am Sonntag bekamen wir dann noch einmal einen
Schulungsteil zur Erstellung von Image- bzw. Kurzfil-
men. Andreas, Jonathan, Salome und das Referieren-
denteam nahmen uns jung, frech, frisch und aktuell
transparent am Vormittag dann nicht nur theoretisch, sondern auch
ganz praktisch mit in die spannende Welt des Kurzfilms,
damit wir lernen konnten, in kleinen Filmteams preiswer-
te und interessante Kurzfilme zur Vorstellung unserer
BKE Arbeit selbst zu erstellen.
Im letzten Teil entwickelten wir in einer Ideenwerkstatt
zum Schwerpunktthema unseres Projektes im Jahr
2019 „Kooperation“, wie unsere regionalen Vorstellun-
gen und Wünsche aussehen und wie wir die Umset-
zung konkret teamorientiert vor Ort angehen wollen.
Hierzu trafen wir wieder verbindliche Verabredungen
und freuen uns nun schon auf ein Wiedersehen bei der
nächsten Multiplikatorenschulung vom 12.-14.04.2019
in Extertal. n
Andreas vom Ende
Suchtreferent BKE Bundesverband Teilnehmende der ersten Schulungsreihe
mit dem Leitungsteam Clemens Veltrup (ganz links)
und Claudia Kornwald (ganz rechts)
Frühe Hilfen tin des BKE-Bundesverbandes) und Dr. phil. Clemens
Veltrup (leitender Therapeut, Fachklinik Freuden-
holm-Ruhleben) beim Infotag zur Schulungsreihe am
für
27.07.2018 in Hannover: „Wir sollten als Angehörige
nicht den Fehler machen, die Arbeit ausschließlich
als Angehörigenarbeit zu sehen. Es gibt zahlreiche
Angehörige
BKE-Mitglieder mit doppelter Betroffenheit als selbst
suchterkrankt und zudem angehörig, die an unserem
Modellprojekt interessiert sind!“
• 2. Schulung: 24. – 26.05.2019 in Extertal/NRW
Unsere Multiplikatoren – Ein starkes Team für unsere Regionen Bereits 2017 startete das Projekt „Lebenswelten – An- Mit aktuell 16 Teilnehmenden wird nun ein Angebot • 3. Schulung: 09. – 11.08.2019 in Hannover/NI
gehörige im Blick“. Ziel dieses Modellprojekts, das von aufgebaut, dass auch Angehörigen von Suchtkranken (zusätzlicher Termin)
Vom 21.-23.09.2018 trafen sich wieder 31 Multiplika- der Techniker Krankenkasse finanziell unterstützt wird, frühe Hilfen ermöglicht. Dies soll an der Schwelle ge-
Die Frage nach der Motivation* beantworten die Teil-
torinnen und Multiplikatoren aus unseren Regionen zur ist der Aufbau eines gleichwertigen Hilfesystems für schehen, an der Angehörige ihre abhängigen Familien-
nehmenden mit dem Wunsch, etwas zurückgeben zu
bundesweiten Intervison im Projekt „Menschen stärken Angehörige von suchtkranken Menschen. Schwerpunkt angehörigen in die Obhut von Akut- oder Rehakliniken
wollen, von der Unterstützung ihrer Gruppenmitglieder
Menschen“ im rheinisch-westfälischen EC Gäste- und des Jahres 2018 ist die Umsetzung eines Schulungs- übergeben. Um dieses Ziel zu erreichen, startete vom
und dem Bedürfnis der Weiterentwicklung der eigenen
Tagungshaus „Haus Friede“, Hattingen an der Ruhr, um konzepts, das es dem BKE mit seinem Fachbereich 05.-07.10.2018 das erste Schulungswochenende in
Persönlichkeit.
die praktischen Erfahrungen seit der letzten Multiplika- Wendepunkt (Angehörige im BKE) ermöglicht, „Frühe Hannover im Stephansstift. Einen Bestandteil dieses
torenschulung, im April in Extertal, zu unserem Jahres- Hilfen“ für Angehörige zu initiieren. Wochenendes nutzten die Teilnehmenden für die Dir gefällt dieses Projekt und Du möchtest dabei sein?
schwerpunkt „Öffentlichkeitsarbeit und Transparenz“, Selbstreflektion, so dass vor Beginn der Beratungstätig-
In Kliniken sollen Beratungs- und Informationsangebote Dann melde Dich gleich an!
gemeinsam zu besprechen und voneinander zu lernen. keit die eigene Rolle und auch Haltung klar sind. Auf
für Angehörige installiert werden. Das ist von den Ge- BKE-Bundesverband, Tel.: 0231 5864132,
Nach einem ersten Erfahrungsaustausch am Freitag- diese Weise wird im Beratungskontext dann ein gesun-
gebenheiten in den vorgesehenen Kliniken möglich. Um E-Mail: c.kornwald@bke-bv.de. n
abend stand der Samstagvormittag ganz deutlich unter des Maß an Distanz zur eigenen Lebensgeschichte hilf-
die von den Klinikleitungen geforderte Nachhaltigkeit Heidi Bous
einer regionalen Überschrift. Die Referierenden erarbei- reich für die Tätigkeit sein.
und Qualität zu sichern, werden die beratenden Men- BKE-Fachbereich Wendepunkt
teten in regionalen Auswertungsgruppen, wo Öffentlich- schen qualifiziert ausgebildet. Um allen Interessierten die Möglichkeit zu geben, 2019
keitsarbeit gelang, wie wir aus Fehlern lernen und das an den vorgesehenen Wochenenden mitwirken zu
„Ist die Schulung nur für Angehörige?
BKE bekannter machen können. In Ideenwerkstätten können, hat sich das Projektteam dazu entschieden, ein
Ich bin beides, abhängig und betroffen.“
überlegten wir, wie wir uns noch mehr regional stärken weiteres Wochenende für die Schulung bereitzustellen. *Dr. phil. Clemens Veltrup argumentiert so: „Ich bin mal
und zusammenwachsen können und wie unser Traum Das Pro und Contra dieser Frage wurde vor Start der So erhalten diejenigen, die am ersten oder zweiten motiviert und mal nicht. Aber ich habe ein Motiv, das mich
von Öffentlichkeitsarbeit aussieht. Am Samstagnach- Schulungsreihe ausgiebig vom Fachbereich und vom Wochenende nicht teilnehmen können, die Möglichkeit, leitet. Das ist für alle wichtig, die ein Ziel haben. Das Motiv,
mittag sammelten wir in kleinen Werkstattgruppen, Projektteam diskutiert. Claudia Kornfeld (Suchtreferen- dennoch alle Schulungsinhalte zu erfahren. warum ich dabei bin und es machen möchte, muss klar sein.
14 BKE VIELFALT 2/2018 BKE VIELFALT 2/2018 15BUNDESVERBAND BUNDESVERBAND
Frauen
Meine erste Selbsthilfegruppe im BKE hatte klare Struk-
ticken turen. Es gab einen festen zeitlichen Ablauf des Abends,
Sucht als Thema war die Nummer 1. Für den Anfang
war es für mich okay, aber dann wurde ich unzufrieden.
einfach anders Ich konnte mich nicht einbringen, ehrlich gesagt, eine
Selbsthilfegruppe hatte ich mir anders vorgestellt. Lag
Was bringt mir die es an den Männern? Nein, ich glaube nicht. Und doch
habe ich dann eine Frauengruppe im BKE kennen-
Selbsthilfegruppe im BKE? gelernt. Eine noch ganz kleine Gruppe, gerade erst
gegründet. Bei dieser Frauengruppe bin ich geblieben.
Wenn ich so über Selbsthilfegruppen nachdenke, Drei Frauen haben mich damals begrüßt, klein aber
komme ich zu unterschiedlichen Erkenntnissen. Es gibt fein. Und hier konnte ich mich einbringen und neue
Schreiben kann Jede
Selbsthilfegruppen, die sind eingefahren, ja fast lang- Ideen entwickeln. Hier fühlte ich mich verstanden, hier
weilig. Immer dasselbe Thema: die Sucht. Das ist wich- konnte ich über alles reden, was mein Herz bewegt.
tig, ohne Zweifel, aber nicht nur oder irgendwie anders.
Frauen reden doch anders, Frauen verstehen anders.
und Jeder!
Dann gibt es Selbsthilfegruppen, die sind dynamisch, Nichts gegen Männer, aber Frauen ticken einfach an-
lebendig und voller Energie. ders.
Liegt es am Gruppenleiter? Aus der damaligen kleinen Frauengruppe ist eine zah-
Nicht nur, kann ich dazu sagen. Es liegt an jedem Mit- lenmäßig große Gruppe geworden, immer neue Frau-
Ergebnisse aus Extertal glied in der Gruppe, wie sich jede und jeder einbringt. en stoßen hinzu. Sie fühlten sich angezogen von der
Wärme, dem Verständnis und der Wertschätzung. Sie
Im Rahmen des Projekts „Menschen stärken Menschen“ weiß ich persönlich seit Extertal. Dort haben wir einfach bringen sich ein, nicht nur die Sucht ist das Gesprächs-
trafen sich bereits im März 2018 die Multiplikatorinnen mal dem Stift „freien Lauf“ gelassen. Und heute möchte thema. Alltagssorgen und jede Art Probleme werden
und Multiplikatoren in Extertal. Hierüber haben wir be- ich Euch die Texte zweier Teilnehmerinnen vorstellen, gemeinsam gewälzt und besprochen. So ergeben sich
reits berichtet. Seither mache ich immer wieder Wer- die auch nicht an ihre Talente geglaubt haben. jeden Gruppenabend rege Diskussionen. Eine Frauen-
bung dafür, dass ihr über eure tolle Arbeit vor Ort und gruppe voller Energie und Dynamik, Frauenpower halt.
Wie Ihr sehen werdet lohnt es sich, es auszuprobieren.
aus den Regionen berichtet. Einige Gruppen senden
Und ein geeigneter Rahmen ist unter anderem die im
uns auch regelmäßig Beiträge nebst Bildmaterial. Be-
neuen Jahr stattfindende Schreibwerkstatt. Probiert
sonders würden wir uns freuen, auch einmal aus Grup-
Euch aus, lasst Eure Talente entdecken und lasst uns
pen zu lesen, die sich bisher noch nicht „getraut“ haben!
gemeinsam über die Ergebnisse staunen.
Auf Nachfrage höre ich dann ganz häufig, dass niemand
Alle notwendigen Informationen zur Schreibwerkstatt er-
einen Bericht verfassen oder schreiben kann.
fahrt Ihr über die Homepage www.bke-suchtselbsthilfe.
Ich habe keine Zweifel, dass es ganz viele BKE Grup- de/veranstaltungen/seminarangebote oder die Bundes- Ich hatte bisher keinen Abend, an dem ich nicht zufrie-
penmitglieder mit dem versteckten Talent des Verfas- geschäftsstelle in Dortmund. n den nach Hause gegangen bin.
sens von schriftlichen Texten gibt. Und dass dies so ist, Doreen Rupieta, Schriftführerin BKE Bundesverband Und genau das sollte uns eine Selbsthilfegruppe geben:
Zufriedenheit.
Das ist das, was ich gesucht habe, und das ist das, was
ich gefunden habe. Und wenn mir meine Selbsthilfe-
Das BKE und Ich gruppe Zufriedenheit und Freude gibt, dann bringe ich
mich ein, übernehme Verantwortung, besuche Seminare
und bilde mich weiter. Das habe ich für mich vor und
Eine grosse Familie ich weiß, den anderen Frauen geht es genauso. Etwas
Schönes haben wir Frauen schon gemeinsam erreicht:
wir haben unseren eigenen Flyer für unsere Frauen-
Während der Entgiftung in der Vitos Klinik habe ich sein. Es ist eine Freundschaft entstanden, es ist wie gruppe entworfen. Mit viel Power versteht sich! Auch
damals die Selbsthilfegruppe „Senfkorn“ kennengelernt. eine Familie. eine WhatsApp-Gruppe haben wir erstellt. Hier kann
Durch viele Gespräche, Hilfsangebote seitens der Klinik sich jede Frau abmelden, wenn sie krank ist oder in
Mittlerweile bin ich so in die Gruppe hineingewachsen,
und zur Unterstützung für meinen Weg aus der Sucht den Urlaub fährt. Hier werden Urlaubsfotos geteilt, auch
habe die Ausbildung zur Suchtkrankenhelferin absol-
besuchte ich einen Gruppenabend. das Bild der neugeborenen Enkelin. Auch der ein oder
viert, was auch mein Interesse an der Gruppenarbeit
Dort saßen Männer und Frauen, die das gleiche weckte. Die Teilnahme an Seminaren und Schulungen andere Joke fehlt nicht.
„Problem“ hatten und die offen über ihre Abhängigkeit hat mir die Mitgliedschaft im BKE ermöglicht. Dafür Mit viel Power geht es in dieser quirligen Gruppe weiter,
sprechen konnten. bin ich sehr dankbar. Bei den „Senfkörnern“ fand ich bis zum nächsten Seminar. Und auch auf der Bundes-
Geborgenheit, Verständnis, Wertschätzung und delegiertenversammlung im Oktober mischen wir mit.
Anfangs hatte ich nicht viel zu sagen, ich habe einfach
Gespräche auf Augenhöhe. Sie gaben mir wieder Kraft Das versteht sich, mit viel Power, wie wir Frauen eben
nur zugehört. Mein Weg aus der Sucht war ein ständi-
ges Auf und Ab. und Stärke. n sind. Da lassen wir uns durch nichts abschrecken, Frau-
Karin Weckert, BKE Senfkorn, Wetzlar en ticken halt anders.n
Die Gruppe hat mich in dieser Zeit immer wieder unter-
stützt und ermutigt. Dort durfte ich auch mal schwach Sabine Feisel, Frauengruppe Heide
Sabine Feisel
16 BKE VIELFALT 2/2018 BKE VIELFALT 2/2018 17JUNGEND IM BKE BUNDESVERBAND
Fachbereich
Fachbereichs im Juli 2018 getroffen, um durch konstruk-
tive Kritik die eigene Arbeitsweise weiter zu stärken und Aktiv und begeistert -
Unstimmigkeiten gemeinschaftlich auszuräumen. unsere JuFam-Teilnehmerinnen
JULITI
und Teilnehmer
Das jährlich stattfindende Jugend- und Familiensemi-
nar im Juni 2018 zum Thema „Grenzen setzen“ fand in
diesem Jahr in Mücke-Flensungen statt. In verschiede-
Jugend im BKE
nen Workshops konnten die Teilnehmenden Fähigkeiten
der Selbstverteidigung ausbilden, Überlebensstrategien
entwickeln und Techniken des gegenseitigen Helfens
ausprobieren. Ziel war es, die eigenen Grenzen zu
erkennen und diese in notwendigen Situationen auch
Der Fachbereich JULITI ist seit jeher für die Belange überschreiten zu können.
junger Menschen im BKE verantwortlich. Und so wurde
auch im Jahr 2018 wieder aktiv daran gearbeitet, die be- Im Rahmen der Teilnahme an einer Vielzahl von Veran-
stehenden Angebote zu verbessern und auch zeitgemäß staltungen in ganz Deutschland konnten die Mitarbei-
neue Angebote zu schaffen. Eine Voraussetzung hierfür terinnen und Mitarbeiter des Fachbereichs bestehende
ist eine enge Zusammenarbeit sowohl im Fachbereich Vernetzungen vertiefen und ausbauen. Nur exempla-
selbst wie auch in den regionalen Fachgruppen. risch sei die Teilnahme an regionalen Veranstaltungen
des Gesundheitsamtes Itzehoe und der Veranstaltung
Die Umsetzung des auf fünf Jahre angelegten Projekts 100% (er)leben in Gelsenkirchen erwähnt.
„Was geht ab? – Lebenswelten von Kindern, Jugend-
lichen und Erwachsenen“ wurde wieder maßgeblich Im letzten Quartal 2018 wird durch den JULITI-Fach-
durch die DAK-Gesundheit gefördert. Der respektvolle bereich bereits die Planung des Projektjahres 2019
Umgang und die Auseinandersetzung der Generationen vorbereitet. n
wurden weiter vorangetrieben. Das jährlich wechseln- Doreen Rupieta, BKE Bundesjugendbeauftragte
de Unterthema lautete dabei in diesem Jahr „Grenzen
setzen“.
Neben der Planung des jährlich stattfindenden Jugend-
und Familienseminars wurden auf den beiden jährli-
chen Treffen des Fachbereichs auch die Aktivitäten im
Jugend- und Familienseminar 2018
Bereich der Öffentlichkeitsarbeit intensiviert.
Über das Jahr verteilt haben sich in
den Regionen zudem jeweils viermal
Grenzenlos und wunderbar
die Fachgruppen in NRW, Niedersach- In jedem Jahr hat sich der Fachbereich JULITI auf die Aber bei aller Lust auf Neues durfte auch Altbewährtes
sen und Schleswig-Holstein getroffen Fahne geschrieben, ein besonderes Angebot für junge nicht fehlen. Das „Mörderspiel“, der „Postkasten“ und
und an unterschiedlichen Schwer- Menschen vorzubereiten. Und bisher hat das jährliche der gemeinsame Grillabend waren ein „Muss“. Ja, die
punktthemen gearbeitet: Jugend- und Familienseminar (JuFam) immer den Hitze machte allen zu schaffen und hielt doch keinen
„Nerv“ der jungen Menschen und ihrer Bedürfnisse davon ab, bei allen Angeboten ganz aktiv mitzumachen.
• jugendgerechte Gestaltung der getroffen. In diesem Jahr fand das Seminar „Klipp und
Homepage www.juliti.de Und bei der spontanen Nachtwanderung kam so man-
klar – Lebenswelten treffen aufeinander“ zum Thema
cher Teilnehmende an seine Grenzen und fand doch
• Dokumentation der Projekt- „Grenzen setzen“ in Mücke-Flensungen statt.
Unterstützung bei den anderen Teilnehmenden.
ergebnisse der Vorjahre als Können wir auch in diesem Jahr die rund 50 Teilneh-
JULITI-Geschichte Ein besonderes Erlebnis wird aber allen Teilnehmenden
menden im Alter von 8 bis 71 Jahren für die von uns
in Erinnerung bleiben: das Mitmachtheater am Sams-
• Gestaltung neuer Werbematerialien vorbereiteten Workshops begeistern? Lassen sich alle
tagabend. Die Kreativität kannte keine Grenzen.
auch auf Experimente ein? Und wie in jedem Jahr wa-
Die neu gestalteten Rollups haben sich ren alle Bedenken der JULITIs schon am ersten Abend Ja, es wurde viel ausprobiert und viel gelacht. Am Sonn-
dabei bereits bei diversen Veranstal- verflogen. Alle Teilnehmenden freuten sich auf eine tag fiel es allen schwer, sich zu verabschieden.
tungen als sehr werbewirksam erwie- intensive Zeit.
sen und interessierte Jugendliche zu Aber die Vorfreude auf das nächste Jahr war spürbar.
Gesprächen mit den Mitarbeiterinnen Und die Angebote am Samstag sahen vielfältig aus. Auch im nächsten Jahr werden sich die JULITIs wieder
und Mitarbeitern des JULITI-Fachbe- Elemente der Selbstverteidigung und der Stärkung der bemühen, ein JuFam für und mit euch zu organisieren.
reiches und der jeweiligen Fachgrup- eigenen Fähigkeiten im Bereich des Überlebenstrai- Und unser Anspruch ist wieder eine wunderbare Zeit mit
pen veranlasst. nings weckten die Neugier der Teilnehmenden. Wie allen.
mache ich Feuer ohne Feuerzeug und Streichhölzern?
Die erfolgreiche Arbeit eines Fachbe- An dieser Stelle möchte ich mich bei den externen Refe-
Wie kann ich Erste Hilfe leisten? Kann ich mir im Wald
reichs setzt jedoch auch zu jeder Zeit renten von HOPE e.V. (Familie Standfuss) ganz herzlich
ein Nachtlager bauen?
eine kritische Betrachtung der eigenen für ihre Unterstützung unseres Themas bedanken. Ihr
Arbeitsweise, ihrer Wirksamkeit und Und die externen Referenten von HOPE e.V. hatten für wart klasse! n
gegebenenfalls möglicher Verände- alles eine Lösung.
Doreen Rupieta, BKE Bundesjugendbeauftragte
rungsnotwendigkeiten voraus. Dem- Und ohne Bedenken und Widerspruch verzichteten alle
gemäß haben sich die Mitglieder des Jugendlichen am Samstag einen Tag auf ihr Handy.
18 BKE VIELFALT 2/2018 BKE VIELFALT 2/2018 19Sie können auch lesen