HEIMAT WESTFALEN - HEIMAT FÜR KINDER UND JUGENDLICHE - WHB-THEMENJAHR 2019 - WESTFÄLISCHER HEIMATBUND
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I N H A LT
3 Editorial WANdErN IM MÜNSTErLANd
HEIMAT FÜr kINdEr uNd jugENdLIcHE 38 Deutscher Wandertag setzt das Sauerland in Szene
39 Planung von Schülerwanderweg rund um Darup –
4 ANdrEAS WEIHNHoLd Von der Schulbank in die Natur
Lernen im Nahraum – Heimatvereine als Bildungspartner
der Schulen ENgAgIErT vor orT
40 Heimatmacher-Praxisbeispiele aus Ihrer Arbeit
10 brIgITTE ScHorN
TAguNgEN uNd vErANSTALTuNgEN
Kulturelle Bildung in Nordrhein-Westfalen. Landesweite
44 Fachtagung „Heimat zwischen Geschichte, Raum und
Programme, Strukturen und die Besonderheiten der
Identitäten – Lernangebote zur Entwicklung eines
ländlichen Räume regionalen Geschichtsbewusstseins“
45 Herbsttagung der Heimatpfleger im Kreis Höxter
17 rouvEN HALLWAß
„Bildungslandschaft Siegen-Wittgenstein“. Ein regional- NAcHrIcHTEN uNd NoTIzEN
historisches Kooperationsprojekt zwischen außerschuli- 46 Neuaufnahmen in Deutschlands Verzeichnis
schen Lernorten und Grundschulen des Immateriellen Kulturerbes in 2018
MArc kuITHAN PrEISE uNd AuSScHrEIbuNgEN
21 „Kim macht’s – Junges Engagement in NRW“ – Projekt 48 LWL-Kulturstiftung fördert 36 Kulturprojekte mit rund
der Landesarbeitsgemeinschaft Freiwilligenagenturen 1,78 Millionen Euro
in Nordrhein-Westfalen 49 Kreis Höxter ist bundesweiter Vorreiter
für die Digitalisierung im ländlichen Raum
MEINE HEIMAT WESTFALEN
50 „Dritte Orte“ – Förderprogramm unterstützt kulturelle
23 Wolfgang Lippert
Infrastruktur im ländlichen Raum
juNgES ENgAgEMENT
AuSSTELLuNgEN uNd MuSEEN
24 Der WHB fragt nach – im Vorstand des Heimatvereins
51 „L‘Chaim!“ – Auf das Leben!: Jüdisches Museum Westfalen
Ostenland
eröffnet neue Dauerausstellung
26 Heimatslam
dANk uNd ANErkENNuNg
AuS gEScHäFTSSTELLE uNd grEMIEN
52 Helmut Fröhlich
27 WHB-Geschäftsführerin Dr. Silke Eilers ist Mitglied
53 Horst Störmer
in der Volkskundlichen Kommission für Westfalen
54 Ursula Balkenhol
28 Klausurtagung des WHB-Vorstands am 10. Januar 2019
im Sauerland-Museum Arnsberg
54 Bernhard Sehrbrock
WHb-SEMINArE NEuErScHEINuNgEN
29 WHB-Veranstaltungsprogramm 2019 55 Schachtanlage von Oeynhausen in Ibbenbüren
30 Geschichtsforschung und -vermittlung auf lokaler Ebene 55 Paul-Gerhardt-Kirche Dortmund
56 „Die Vernunft befiehlt uns, frei zu sein!“
ProjEkTE dES WHb 56 Wegebilder im Münsterland
32 Rolle vorwärts – der Preis des Westfälischen Heimatbundes 57 Westfälisches Wörterbuch, Band IV, M – Sk
für frische Ideen 57 Dat plattduitsche Wauert
SErvIcEbÜro WHb bucHbESPrEcHuNgEN
34 Starke Partner – die Provinzial und der WHB 58 Wolfgang Büscher · 80 Jahre Flughafen Gütersloh
36 Wir für Sie – Vorteile einer Mitgliedschaft im WHB (G. Römhild)
NEuE MITgLIEdEr IM WHb
37 Förderverein Radrennbahn Bielefeld e. V.
HEIMAT WESTFALEN ISSN 2569-2178 / 32. Jahrgang, Ausgabe 1/2019
Herausgeber: Westfälischer Heimatbund e. V., Kaiser-Wilhelm-Ring 3, 48145 Münster.
Verantwortlich im Sinne des Presserechts: Dr. Silke Eilers
Telefon: 0251 203810 - 0 · Fax: 0251 203810 - 29
E-Mail: whb@whb.nrw · Internet: www.whb.nrw
Schriftleitung: Dr. Silke Eilers
Redaktion: Dr. Silke Eilers, Frauke Hoffschulte, Christiane Liedtke, Sarah Pfeil, Astrid Weber
Layout: Gaby Bonn, Münster Gefördert von:
Druck: Griebsch & Rochol Druck GmbH, Hamm
Für namentlich gezeichnete Beiträge sind die Verfasser persönlich verantwortlich.
Diese Zeitschrift erscheint im Februar, April, Juni, August, Oktober, Dezember.
Titelbild: Schüler der Bockhorster Grundschule betreuen ihren eigenen Bienenstock.
Foto/ Henning Rattenholl/ Heimatverein Bockhorste d it o r ial
W
as bedeutet Heimat für Kinder und Jugend-
liche heute – unabhängig davon, ob sie hier
geboren wurden oder zugezogen sind? Wie
können junge Menschen für die regionalen Besonder-
heiten ihres Ortes, ihrer Region interessiert werden?
Wie kann man sie unterstützen, sich Heimat zu er-
schließen und diese im besten Falle mitzugestalten?
Wie bleiben junge Menschen dem Raum verbunden
und kommen vielleicht auch wieder dorthin zurück? Foto/ Greta Schüttemeyer
Diesen Fragen stellt sich der WHB als Dienstleister und Serviceeinrichtung der Heimat-Akteure in West-
falen mit seinem diesjährigen Themenjahr „Heimat für Kinder und Jugendliche“. Es geht konkret um die
drei Aspekte: Kinder und Jugendliche für Heimat begeistern, Zusammenarbeit von Heimatvereinen und
Schulen sowie Nachwuchsgewinnung. Wie bei allen unseren Bestrebungen stehen nicht kurzlebige Aktio-
nen im Fokus, sondern die Arbeit an Strategien und möglichen Strukturverbesserungen. Dafür braucht
es neben einem langen Atem insbesondere Ihre guten Ideen und kompetente Kooperationspartner.
Die erste Ausgabe der Heimat Westfalen dient einer Einführung in das Themenjahr und einer Vor-
stellung unseres Netzwerkes. Andreas Weinhold von Bildungspartner NRW vermittelt, wie Lernen im
Nahraum in der Zusammenarbeit von Heimatvereinen und Schulen funktionieren kann. Einen Überblick
über kulturelle Bildung in Nordrhein-Westfalen gibt Brigitte Schorn von der Arbeitsstelle „Kulturelle
Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW“. Eine ganz aktuelle regionalhistorische Kooperation zwischen
außerschulischen Lernorten und Grundschulen in Siegen-Wittgenstein präsentiert Rouven Hallwaß von
der Universität Siegen. Abschließend stellt Marc Kuithan „Kim macht’s“ vor, ein Projekt der Landesar-
beitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in Nordrhein-Westfalen.
Passend zum Schwerpunkt werden wir in den kommenden Heften auch bewusst junges Engagement
zu Wort kommen lassen. Den Auftakt machen Vorstandsmitglieder des Heimatvereins Ostenland und
eine Schülerin aus dem Märkischen Kreis. In unserer Servicerubrik finden Sie unser Tagungs- und Fortbil-
dungsprogramm in 2019. Außerdem loben wir „Rolle vorwärts“ – den Preis des Westfälischen Heimatbun-
des für frische Ideen aus. Diesen Wettbewerb kann ich Ihnen nur nachdrücklich ans Herz legen. Machen
Sie mit! Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!
Wir haben wieder ein buntes Paket für Sie geschnürt. Ich wünsche Ihnen gute Impulse!
Herzliche Grüße
Ihre Dr. Silke Eilers
Geschäftsführerin des WHB
HEIMAT WESTFALEN – 1/2019 / 3HEIMAT FÜr kINdEr + jugENdLIcHE
Schülerinnen mit Tablet und der App bIPArcourS
Foto/ Andreas Weinhold/ Bildungspartner NRW
LErNEN IM NAHrAuM–
HEIMATvErEINE ALS bILduNgSPArTNEr
dEr ScHuLEN
voN ANdrEAS WEINHoLd
4 / HEIMAT WESTFALEN – 1/2019whb-themenjahr 2019
g
ute Schulen erkennt man an ihren Partnern. In Lernen durch Primärerfahrung
allen Lernbereichen können außerschulische
Kooperationspartner dem Fachunterricht wich- Viele Angebote und Aktivitäten der Heimatvereine er-
tige Impulse geben. Ob Archive, Gedenkstätten, Museen möglichen Primärerfahrungen, die durch das von der
oder Einrichtungen der Natur- und Umweltbildung – sie Lehrkraft, dem Schulbuch oder dem Internet angebo-
alle bieten Möglichkeiten zum Anfassen und Gestalten, tene Wissen nicht ersetzt werden können. Wie bedeut-
Forschen und Recherchieren. Lehrkräfte erweitern ihre sam die direkte Konfrontation mit Menschen, Objekten
Expertise, Schülerinnen und Schüler betreten neue oder Orten für das Lernen ist, haben Pädagogen schon
Handlungs- und Erfahrungsräume. vor Jahrhunderten festgestellt. Die Forderung nach
einem „Lernen mit allen Sinnen“ findet sich bereits
Seit 2005 unterstützt Bildungspartner NRW im Auf- in dem Werk Didactica Magna von Johann Amos
trag des nordrhein-westfälischen Schulministeriums Comenius. Direkt gewonnene Erfahrungen beein-
und der Landschaftsverbände Schulen bei der Zusam- flussen unser Handeln stärker als Sekundärerfahrun-
menarbeit mit kommunalen Bildungs- und Kulturein- gen, die aus der Anschauung anderer stammen und
z. B. durch Schulbücher wiedergegeben
werden. Sie sind fester in unseren Ge-
„Wie bedeutsam die direkte Konfrontation mit Menschen, hirnen verankert, bestimmen unsere Er-
Objekten oder Orten für das Lernen ist, haben Pädagogen innerungen und Erwartungen und sind
schon vor Jahrhunderten festgestellt.“ ausschlaggebend dafür, wie wir auf Er-
lebtes reagieren und es bewerten, so der
Hirnforscher Gerald Hüther.1 In unserer
richtungen. Die Idee einer Bildungspartnerschaft ist durch multimediale Sekundärerfahrungen geprägten
ebenso einfach wie wirkungsvoll: Die Schule und ihr Welt werden Primärerfahrungen zunehmend durch Er-
außerschulischer Partner verabreden in einer schriftli- fahrungen aus zweiter Hand überlagert.
chen Kooperationsvereinbarung gemeinsame Ziele und
Aktivitäten. Das außerschulische Lernen wird damit Handlungsmöglichkeiten schrumpfen; Kindern und Ju-
zu einem festen Bestandteil der schulischen Lernange- gendlichen fällt es schwerer, in die sie umgebende Welt
bote. Die Vorteile für die außerschulischen Bildungs- aktiv einzugreifen und sie zu verändern.2 Wo immer sie
partner liegen auf der Hand: ihre Zusammenarbeit mit der unmittelbaren Begegnung mit Natur, regionaler Kul-
Schulen wird leichter planbar und verlässlicher, und tur oder Geschichte einen hohen Stellenwert einräumen
sie erschließen sich langfristig neue Zielgruppen und und Raum für das eigene Erleben realer Problem- und
Ressourcen. Und: wer mitmacht, profitiert von den Handlungssituationen schaffen, können Lernangebote
Beratungs- und Unterstützungsangeboten der landes- der Heimatvereine – oder müssen – dieser Tendenz ent-
weiten Initiative Bildungspartner NRW, der Bildungs- gegenwirken.
App BIPARCOURS sowie dem landesweiten Wettbewerb
„Kooperation. Konkret. 2019.“
Nahraumbezogenes Lernen
Dass auch Heimatvereine als Bildungspartner NRW
in Frage kommen, ist angesichts ihrer Kernthemen Lernorte im Nahraum der Schule bieten vielfältige Ge-
naheliegend. Wenn sie sich für den Erhalt regiona- legenheiten für Lernende, erworbene Kenntnisse und
ler Kultur oder für den Naturschutz stark machen, Fertigkeiten in die eigene Lebenswelt zu übertragen. Sie
sind dies nicht nur wichtige gesellschaftspolitische stärken die Vertrautheit von Schülerinnen und Schülern
Anliegen. Es sind zugleich Themen und Aktivitäten mit den institutionellen, kulturellen oder natürlichen
von hoher pädagogischer Relevanz. Worin genau das Ressourcen des kommunalen Umfeldes und machen die
pädagogische Potential einer Kooperation mit Schu- Region insgesamt als Lern- und Handlungsraum erleb-
len besteht, soll in den nachfolgenden Ausführungen bar. Lernaktivitäten in der Region zeichnet aus, dass sie
gezeigt werden.
HEIMAT WESTFALEN – 1/2019 / 5HEIMAT FÜr kINdEr + jugENdLIcHE
Schülerinnen und Schüler in einer umweltbildungseinrichtung
Foto/ Dominik Schmitz/ LVR-Zentrum für Medien und Bildung
im vertrauten Umfeld von Kindern und Jugendlichen Identität unterstützen, die eine wichtige Voraussetzung
stattfinden. Im Unterschied zu den überregionalen für die Bereitschaft von Jugendlichen zu sozialem und
Themen des Schulbuches können Stadt- und Heimat- politischem Engagement sowie für die Entwicklung ei-
museen, kommunale Archive, Denkmäler, Gedenk- oder ner europäischen Identität darstellt.3
Kriegsgräberstätten an konkreten Erfahrungen der Ler-
nenden anknüpfen, an familienbiografischen Erzählun-
gen etwa, an Ortskenntnissen, dem Alltagswissen über
PArTIzIPATIvES LErNEN
Stadtteile, Gebäude, Friedhöfe oder Denkmäler. Darüber
hinaus birgt die Nähe zum eigenen Lebensumfeld auch Partizipation und Teilhabe an den Angeboten des so-
die Chance für Schülerinnen und Schüler, den Ergeb- zialen und kulturellen Lebens zählen zweifellos zu
den wichtigsten Bildungszielen in der
„Die Bandbreite möglicher partizipativer Lernaktivitäten bei demokratischen Gesellschaft. Für die
Verwirklichung und den Erhalt demo-
der Kooperation mit Heimatvereinen ist enorm.“ kratischer Verhältnisse stellen sie eine
elementare Voraussetzung dar.4 Aus
nissen ihrer Lernaktivitäten im Alltag begegnen zu gutem Grund steht die Teilhabe eines jeden Menschen
können, zum Beispiel indem der Kontakt mit Koopera- am kulturellen Leben im Rang eines Menschenrech-
tionspartnern über die Schulzeit hinaus bestehen bleibt tes. Jüngere Studien in den Feldern der Jugend- und
oder Gedenkaktivitäten wie die Verlegung von Stolper- Sozialisationsforschung haben eindeutige Zusam-
steinen bleibende Spuren in der Kommune hinterlassen. menhänge zwischen der Bereitschaft junger Bürger
So können Heimatvereine den Aufbau einer regionalen zu politischem und sozialem Engagement einerseits
6 / HEIMAT WESTFALEN – 1/2019whb-themenjahr 2019
und „frühen positiven Partizipationserfahrungen
in Familie, Schule, Vereinen“ andererseits ergeben.5
Zwar bietet auch der innerschulische Raum zahlrei-
che Partizipationsmöglichkeiten für Schülerinnen
und Schüler. Durch die Kooperation mit außerschu-
lischen Lernorten können die Teilhabe- und Mitge-
staltungsspielräume von Kindern und Jugendlichen
jedoch erheblich erweitert werden. Die Bandbreite
möglicher partizipativer Lernaktivitäten bei der Ko-
operation mit Heimatvereinen ist enorm. Wo immer Schüler machen sich Notizen bei Gräbern von Zwangsarbeitern.
sich Vereine für die Gestaltung der lokalen Erinne- Foto/ Andreas Weinhold/ Bildungspartner NRW
rungskultur, für die Pflege des industriellen Erbes
oder den Erhalt des natürlichen Nahraumes engagie-
ren, können Schülerinnen und Schüler wirkungsvolle
Beiträge leisten.
Dekonstruktives Lernen
Auch das Dekonstruieren gehört zu den grundlegen-
den demokratischen Bildungszielen. Die nordrhein-
westfälischen Lehrpläne betonen damit die Fähigkeit
von Schülerinnen und Schülern „die Voreingenom-
menheiten einer kulturellen Sicht im eigenen Leben
immer wieder zu enttarnen und zu relativieren“. 6
Das Dekonstruieren kann vor allem dadurch geför-
dert werden, dass Schülerinnen und Schüler lernen, Holocaust-Überlebende Helga Becker-Leeser zeigt Schülern
die in historischen Ausstellungen oder Denkmälern historische Fotografien in einem Fotoalbum.
zum Ausdruck kommenden kulturellen Sichtweisen Foto/ Andreas Weinhold/ Bildungspartner NRW
zu hinterfragen. Welche Behauptungen liegen diesen
Sichtweisen zugrunde? Welche stillschweigenden po-
litischen Botschaften transportiert eine Ausstellung?
Wessen Perspektive nimmt sie ein, wessen Perspektiven
werden ausgeblendet? Es ist weder banal noch illoyal,
regionale Kulturangebote in dieser Weise zu hinterfra-
gen. Im Gegenteil: Solche Fragen stellen zu können, ist
ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur demokra-
tischen Mündigkeit von Kindern und Jugendlichen.
Denkmäler oder regionalgeschichtliche Museen sind
ideale Orte für dekonstruktives Lernen. So lässt sich bei-
spielsweise in einem Heimatmuseum nicht nur die ver-
gangene Wirklichkeit des eigenen Ortes rekonstruieren.
Zu lernen, nach welchen Prämissen bestimmte Themen
als „ausstellungswürdig“ gelten, während andere gar
nicht berücksichtigt werden, heißt, durchschauen zu
können, auf welchen Fragen und Absichten unser Um- Schüler beim Interview mit einem Zeitzeugen
gang mit der Vergangenheit gegründet ist. Foto/ Andreas Weinhold/ Bildungspartner NRW
HEIMAT WESTFALEN – 1/2019 / 7HEIMAT FÜr kINdEr + jugENdLIcHE
LErNEN FÜr EINE NAcHHALTIgE zu erkennen und auf persönliche, lokale und globale
ENTWIckLuNg Herausforderungen angemessen reagieren zu können.7
Aus schulischer Sicht sind außerschulische Lernorte
Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) ist bei der Förderung dieser Kompetenzen unverzichtbare
im schulischen Kontext zu einem wichtigen Lern- und Partner, da ihr Erwerb ohne direkten lebensweltlichen
Handlungsfeld geworden. Neben der Umweltbildung Situationsbezug wenig aussichtsreich erscheint. Eine
zählen dazu vielfältige Aspekte der technisch-natur- bloß verbale Auseinandersetzung mit der Entwicklung
wissenschaftlichen sowie der historisch-politischen Bil- von Politik und Gesellschaft reicht jedenfalls nicht aus,
dung, des globalen Lernens und der Friedenspädagogik. um bei Kindern und Jugendlichen eine Bereitschaft zur
Solidarität mit Benachteiligten oder zu bürger-
schaftlichem Engagement zu bewirken. „Eige-
„Denkmäler oder regionalgeschichtliche Museen sind
ne Betroffenheit kann nur dann erlebt werden,
ideale Orte für dekonstruktives Lernen.“ wenn sie aus der eigenen Lebenssituation ent-
springt oder eng mit ihr korrespondiert.“8
Zentrales Ziel ist die Förderung von Gestaltungskom- Geradezu modellhaft hierfür können Kooperationspro-
petenzen, die Kinder und Jugendliche dazu befähi- jekte von Schulen und Heimatvereinen sein, die sich um
gen, sich aktiv für nachhaltige Entwicklungsprozesse Naturschutz oder die Inklusion von Zugewanderten und
zu engagieren, nicht nachhaltige Prozesse als solche anderen Bevölkerungsminderheiten bemühen.
Schülerinnen und Schüler in einer umweltbildungseinrichtung
Foto/ Dominik Schmitz/ LVR-Zentrum für Medien und Bildung
8 / HEIMAT WESTFALEN – 1/2019WHb-THEMENjAHr 2019
kooPErIErEN ErWÜNScHT! 1 Hüther, Gerald: Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn. Göttingen
2005, S. 12.
2 Vgl. Gudjons, Herbert: Handlungsorientiert lehren und lernen. Schüleraktivie-
Der Kooperation mit Schulen sind keine institutio- rung, Selbstständigkeit, Projektarbeit. Bad Heilbrunn 1994, S. 13.
nellen Grenzen gesetzt. Sie erfordert lediglich die 3 Schockemöhle, Johanna: „Regionales Lernen 21+ - Konzeption und Evaluation“.
Bereitschaft, auf Schulen in der Region zuzugehen In: Außerschulische Lernorte – Positionen aus Geographie, Geschichte und Natur
wissenschaften. Hrsg. Kurt Messmer, Raffael von Niederhäusern, Armin Rempfler,
und gemeinsam mit den Lehrkräften geeignete, den Markus Wilhelm. Berlin, Münster, Wien, Zürich, London 2011, S. 74 und passim.
Lehrplänen gegenüber anschlussfähige Lernangebote 4 Vgl. Widmaier, Benedikt: „Partizipation und Jugendbildung“. In: Handbuch
zu entwickeln. Eine Bildungspartnerschaft mit einer Außerschulische Jugendbildung. Hrsg. Benno Hafeneger. Schwalbach/Ts. 2013,
Schule können Heimatvereine direkt eingehen, so- S. 455.
5 Widmaier, Benedikt: „Partizipation und Jugendbildung“. a. a. O., S. 469.
fern sie über einen eigenen archivischen oder muse- 6 Neubert, Stefan/Reich, Kersten/Voß, Reinhard: „Lernen als konstruktiver Prozess“.
alen Ausstellungsort verfügen. Ist diese Voraussetzung In: Die Wissenschaft und ihr Wissen, Band 1. Hrsg. Theo Hug. Baltmannsweiler
nicht erfüllt, besteht die Möglichkeit, in Kooperation 2001, S. 253.
7 Erben, Friedrun/Waldmann, Klaus: „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. In:
mit einer weiteren kommunalen Kultureinrichtung,
Handbuch Außerschulische Jugendbildung. Hrsg. Benno Hafeneger. a. a. O., S. 264.
etwa einem Museum oder einem Archiv, Bildungspart- 8 Sauerborn, Petra/Brühne, Thomas: Didaktik des außerschulischen Lernens.
ner einer oder mehrerer Schulen zu werden. Baltmannsweiler 2007, S. 64.
Näheres unter: https://www.bildungspartner.schulmi-
nisterium.nrw.de/Bildungspartner/index.html
Schülerin mit App bIPArcourS vor jüdischem grabstein
Foto/ Andreas Weinhold/ Bildungspartner NRW
HEIMAT WESTFALEN – 1/2019 / 9HEIMAT FÜr kINdEr + jugENdLIcHE
kinder des kunstworkshops im Projekt „Abenteuer kunst“
der jugendkunstschule Schmallenberg
Foto/ Beate Herrmann/ Jugendkunstschule Kunsthaus Alte Mühle, Schmallenberg
10 / HEIMAT WESTFALEN – 1/2019whb-themenjahr 2019
Kulturelle Bildung
in Nordrhein-Westfalen
Landesweite Programme, Strukturen
und die Besonderheiten der ländlichen Räume
Von Brigitte Schorn
Seit vielen Jahren ist die kulturelle Bildung ein Schwerpunkt in der Bildungs-,
Jugend- und Kulturpolitik des Landes Nordrhein-Westfalen.
Man ist sich partei- und ressortübergreifend einig, dass die kulturelle Bildung
ein unverzichtbarer Bestandteil ganzheitlicher Bildung ist.
„D
er aktive Umgang mit Künsten und kultu- Zirkus, neue und alte Medien sind dabei die Kommunika-
rellen Ausdrucksformen, der souveräne tions- und Gestaltungsmittel, um die Welt als Ausdruck
Gebrauch von Medien sowie das experimen- menschlicher Kultur wahrzunehmen, sie mit kreativer
telle Spiel mit Rollen und Symbolwelten spielen eine ent- und sozialer Phantasie neu zu deuten, sie sinnlich-kon-
scheidende Rolle in der Bewältigung individueller und kret zu begreifen und zu verändern. Kulturschaffende,
gesellschaftlicher Herausforderungen. Der Wandel der Kultureinrichtungen, Vereine, Initiativen, Schulen, Ju-
Arbeitsgesellschaft, Globalisierungsprozesse, die Öko- gendfreizeiteinrichtungen und viele andere Akteure set-
nomisierung des gesamten Lebens und die Entwicklung zen entsprechende Angebote um – und das landesweit.
der Informations- und Kommunikationstechnologie mit
einem bis dato nie gekannten Geflecht aus realen, sym- Das Land NRW unterstützt mit umfassenden Landespro-
bolischen und virtuellen Handlungsfeldern, fordern ein grammen dieses Engagement. Möglichst alle Kinder und
verstärktes bildungs-, jugend- und kulturpolitisches Enga- Jugendlichen sollen an kulturellen Bildungsangeboten
gement, das auch die kulturelle Bildung mit einbezieht. teilhaben können. Man möchte die Angebote verstetigen
Gerade im Zusammenhang dieser Entwicklungen ist der und nicht nur Leuchttürme und Highlights für Wenige
ganzheitliche Ansatz der kulturellen Bildung, den Men- realisieren, sondern dauerhafte, nachhaltig wirkende
schen als Wesen mit Kopf, Herz und Hand zu sehen, von Strukturen aufbauen.
entscheidender Bedeutung.“1 Tanz und Musik, Spiel und
Theater, kreatives Schreiben und Lesen, Bildende Kunst,
HEIMAT WESTFALEN – 1/2019 / 11heimat für kinder + jugendliche
Angefangen hat das Konzept in der Stadt Münster. Von
hier aus weitete sich die Idee aus und mittlerweile betei-
ligen sich mehr als 870 Klassen aus rund 60 Städten und
Städteverbünden. Koordiniert wird dieses Programm
durch das Kultursekretariat Gütersloh.
Kulturrucksack NRW
Austauschforum „Digitale Jugendkulturen“ bei einer landes-
weiten Tagung 2012 brachte das Land NRW gemeinsam mit den Kom-
Foto/ Arbeitsstelle „Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW“ munen den „Kulturrucksack NRW“ auf den Weg. Ziel des
landesweiten Vorhabens ist es, Kindern zwischen 10 und
14 Jahren kostenlose beziehungsweise deutlich kosten-
Landesprogramm Kultur und reduzierte kulturelle Angebote zu eröffnen. Das Land
Schule NRW stellt hierfür jährlich rund 3 Mio. Euro zur Verfügung.
Mittlerweile beteiligen sich 220 Kommunen (35 Ein-
Eines der wichtigen seit 2006 existenten Landespro- zelkommunen, 26 kommunale Verbände, 9 Kreise und
gramme ist das Programm „Kultur und Schule“. Es 1 Städteregion). Kommunen, in denen mehr als 3.500
ermöglicht die Durchführung praktischer kulturel- junge Menschen im Alter von 10 bis 14 Jahren leben, kön-
ler Bildungsangebote von 90 Minuten pro Woche, ein nen sich direkt beteiligen. Kleinere Gemeinden bewer-
Schuljahr lang, in der Schule, aber außerhalb der Un- ben sich gemeinsam als interkommunaler Verbund. Eine
terrichtszeit. Mittlerweile ist das Programm auch für landesweite Koordinierungsstelle und „Kulturrucksack-
Kitas geöffnet. Beauftragte“ vor Ort beraten und moderieren die Prozes-
se und laden regelmäßig zum Austausch ein.
Kulturstrolche
JeKits
Die Idee, Grundschulkindern einen ungewöhnlichen und
mehrfachen Zugang zu Kultureinrichtungen (Museum, Das Programm „JeKits – Jedem Kind Instrumente, Tan-
Archiv, Theater, Bürgerzentrum, Bibliothek etc.) zu ver- zen, Singen“ ist ein kulturelles Bildungsprogramm in
schaffen, steckt hinter dem Programm „Kulturstrolche“. der Grundschule mit den drei alternativen Schwerpunk-
Die Kulturstrolche lernen im Klassenverband verschiede- ten Instrumente, Tanzen und Singen. JeKits strebt drei
ne Kultursparten kennen, sammeln Eindrücke und do-
kumentieren jeden Kulturbesuch durch einen Sticker in Bei einer Tagung der Arbeitsstelle
ihrem persönlichen Kulturstrolche-Sammelheft. Foto/ Arbeitsstelle „Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW“
12 / HEIMAT WESTFALEN – 1/2019WHb-THEMENjAHr 2019
zentrale Ziele an: gemeinsames Musizieren oder Tanzen,
kulturelle Teilhabegerechtigkeit und eine Bereicherung
der kommunalen Bildungslandschaft.
PädAgogIScHE LANdkArTE
Außerschulische Lernorte – vom Museum bis zum
Handwerksbetrieb – können den schulischen Unterricht Expertenforum zum Thema kulturelle bildung in der „Akademie
und auch die vorschulische Erziehung in vieler Hinsicht der kulturellen bildung NrW“
bereichern. Um solche Lernorte unter Lehrkräften und Foto/ Arbeitsstelle „Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW“
Fachkräften in Bildungseinrichtungen bekannter und
besser nutzbar zu machen, realisieren das LWL-Me- hat das Land NRW Regionale Bildungsnetzwerke – so-
dienzentrum für Westfalen und das LVR-Zentrum für genannte Bildungsbüros – eingerichtet. Ihre Aufgabe
Medien und Bildung eine „Pädagogische Landkarte“ als ist es, die Akteure in den Bildungsbüros zu unter-
Online-Datenbank außerschulischer Lernorte für ganz stützen und die lokalen Bildungs-, Erziehungs- und
NRW. Die Pädagogische Landkarte hilft als kostenfreier Beratungssysteme zu einem Gesamtsystem zusam-
Internetservice den Schulen, qualitativ hochwertige, menzuführen, um eine optimale Förderung von Kin-
spannende außerschulische Lernorte zu finden. Gleich- dern und Jugendlichen zu gewährleisten. In einigen
zeitig werden die kleinen Museen und Betriebe darin der Bildungsbüros wurde die kulturelle Bildung als
unterstützt, ihre Tore für junge Menschen zu öffnen. ein Schwerpunkt gewählt.
rEgIoNALE bILduNgSNETzWErkE koMMuNALE gESAMTkoNzEPTE
Kulturelle Bildung benötigt Orte und Menschen zur Will man kulturelle Bildung nachhaltig fördern, müs-
Möglichkeit der Vernetzung, Moderation und ver- sen Strukturen geschaffen werden, die die Zusammen-
antwortliche Stellen, damit Impulse weitergetragen arbeit aller beteiligten Akteure erleichtern. Kulturelle
werden. Hierfür haben sich die sogenannten Bil- Bildung kann vor Ort nur dann optimal gelingen, wenn
dungsnetzwerke als hilfreiche Instanz herausgebil- die verschiedenen Ämter, Kultureinrichtungen, Schu-
det. In den 52 Kreisen und kreisfreien Kommunen len, Kitas und Jugendfreizeiteinrichtungen miteinander
dIE „gESAMTkoNzEPTE“ SoLLEN FoLgENdE
ASPEkTE AuFgrEIFEN:
• Verankerung kultureller Bildung im Leitbild/ • Öffnung von Kulturinstitutionen für die Belange
Profil der Kommune und Interessen von Kindern und Jugendlichen
• Schaffung von Vernetzungsstrukturen für Akteure, • Fokus auf künstlerisch-kulturelle Bildung im
Politik und Verwaltung aller beteiligten Hand- Vorschulalter
lungsfelder • Einbeziehung engagierter Bürgerinnen und Bürger
• Einrichtung einer Kontaktstelle sowie Eltern
• Vernetzung von Künstlern, Kultureinrichtungen • Einbeziehung der lokalen Wirtschaft
mit Kindergärten, Schulen und Weiterbildungs- • Entwicklung und Umsetzung lokaler Angebote für
einrichtungen die Qualifizierung der Akteurinnen und Akteure
HEIMAT WESTFALEN – 1/2019 / 13heimat für kinder + jugendliche
Ein Kunstprojekt im HSK von der Kunstschule Schmallenberg
Foto/ Beate Herrmann/ Jugendkunstschule Kunsthaus Alte Mühle, Schmallenberg
kooperieren und systematisch vernetzt sind. Dazu be- Die Arbeitsstelle „Kulturelle Bildung
darf es einer gemeinsamen Planung von Kulturförde-
in Schule und Jugendarbeit NRW“
rung, Schulverwaltung und Jugendhilfe auf örtlicher
Ebene. Diese Kooperation der verantwortlichen Institu-
tionen und Organisationen ist die Grundlage für gelin- Ein konsequenter Schritt im Rahmen aller Anstrengun-
gende kulturelle Bildung im kommunalen Raum. gen des Landes NRW für die kulturelle Bildung war die
Einrichtung der Arbeitsstelle „Kulturelle Bildung in
Seit dem Jahr 2007 schreibt deshalb die Landesregierung Schule und Jugendarbeit NRW“ im Februar 2009.
jährlich den Wettbewerb „Kommunale Gesamtkonzepte Die Arbeitsstelle unterstützt landesweit die Weiter-
für Kulturelle Bildung“ aus. Der Wettbewerb zeichnet entwicklung und den Aufbau von optimalen regionalen
Kommunen aus, die zielorientiert an der Stärkung der und kommunalen Rahmenbedingungen und Koopera-
kulturellen Bildung arbeiten und unterstützt dieses tionsstrukturen für kulturelle Bildung. Ausgewählten
Regionen und Kommunen
„Man möchte die Angebote verstetigen und nicht nur Leuchttürme in NRW wird dabei geholfen,
und Highlights für Wenige realisieren, sondern dauerhafte, nach- die Zugänge zu kultureller
Bildung für Kinder und Ju-
haltig wirkende Strukturen aufbauen.“ gendliche zu erleichtern und
die Durchlässigkeit zwischen
Engagement finanziell. Die Landesoffensive zur Förde- Schule, Jugendarbeit und Kultur zu erhöhen.
rung der kulturellen Bildung hat gezeigt, dass Kommu- Darüber hinaus informiert die Arbeitsstelle Schulen
nikation und Kooperation der Akteure vor Ort wichtige und Einrichtungen der Jugendarbeit über Möglichkei-
Grundlagen sind, um das Handlungsfeld erfolgreich zu ten der langfristigen Erweiterung ihres kulturellen Bil-
gestalten. Kulturelle Bildung wird dauerhaft im kom- dungsangebots und ihrer Profilentwicklung. Sie berät
munalen Leitbild verankert. Es werden entsprechende Schulen und Einrichtungen der Jugendarbeit bei der
Strukturen geschaffen durch abgestimmtes Vorgehen Zusammenarbeit und nachhaltigen Vernetzung mit Ko-
von Politik, Verwaltung und Akteuren aus der Region. operationspartnern aus Kunst und Kultur.
14 / HEIMAT WESTFALEN – 1/2019whb-themenjahr 2019
N
ordrhein-Westfalen hat damit eine zentrale Ein-
richtung geschaffen, deren Aufgaben von der
Bündelung und Weitergabe von Informationen
über die Vernetzung von und Kooperation mit den vie-
len Akteuren im Schnittfeld Kultur – Schule – Bildung
bis hin zur Entwicklung kommunaler Gesamtkonzepte
kultureller Bildung in den Kommunen und Regionen
reichen.
Kulturelle Bildung in ländlichen
Räumen
Die Auswirkungen des demografischen Wandels stellen
eine große Herausforderung für die ländlichen Räume
Fotografie mit Jugendlichen – ein gutes Medium für die Auseinan-
Nordrhein-Westfalens dar. Dies gilt auch für die kultu-
dersetzung mit sich und dem Umfeld
relle Bildung: Wie gehen Einrichtungen und Akteure
Foto/ Fleur Vogel/ LAG Kunst und Medien NRW
mit den demografischen Veränderungen um? Wie tritt
man der durch Wegzug und Schließung entstehenden Um das vielfältige kulturelle Leben in ländlichen Räu-
Schrumpfung des Gesamtangebots entgegen? Wie hebt men auch für die Zukunft zu sichern, müssen das
man lokale Schätze und belebt sie so, dass sie für Kin- Wissen und die Begeisterung für dieses Engagement auf-
der und Jugendliche bedeutsam werden? Welche Rolle rechterhalten und weitergegeben werden. Allerdings ist
spielt das bürgerschaftliche Engagement zur Aufrecht- die Überalterung in den Vereinen ein großes Thema. Vie-
erhaltung kultureller Angebote? Welche Aufgaben le Vereine und Institutionen haben Nachwuchsmangel.
übernehmen die (Ganztags-)Schulen als Orte für Kunst Welche Möglichkeiten gibt es, Jugendliche z. B. in die
und Kultur? Findet eine interkommunale und inter- Arbeit der Heimatvereine zu integrieren? Wie können
institutionelle Zusammenarbeit statt, und welche Mo- mehr junge Menschen für Belange der Vereine und
bilitätskonzepte können die Teilhabemöglichkeiten an Initiativen und für ein Engagement für das Dorf, die
kulturellen Bildungsangeboten gewährleisten? Region gewonnen werden? Was interessiert die jungen
Menschen, und in welcher Form engagieren sie sich?
Für die kulturelle Infrastruktur ländlicher Räume sind Wie müssen sich die Akteurinnen und Akteure im länd-
vor allem die Amateurtheater und Gesangsvereine, Po- lichen Raum weiterentwickeln, wenn sie Kinder und
saunenchöre und Schützengilden, Heimat- und Müh- Jugendliche in ihre Arbeit einbeziehen wollen?
lenvereine, Gemeindebibliotheken, Heimatmuseen und
Archive wichtige Akteure. Durch sie wird das regionale
Brauchtum gepflegt und Gemeinsamkeit erlebt, Werte
Lokale Schätze heben – Netzwerke
und Traditionen bewahrt und gleichzeitig das kulturel- bilden
le Leben aktuell und zukunftsweisend aktiviert.
Stärker noch als in dichtbesiedelten Regionen Um das Angebot kultureller Bildung für Kinder und Ju-
kommt es im ländlichen Raum auf das Engagement ein- gendliche vor dem Hintergrund dieser vielfältigen Fra-
zelner Personen an. Engagierte Menschen leisten einen gestellungen weiterhin attraktiv zu gestalten, erarbeiten
wichtigen Beitrag zur positiven Ausgestaltung des Le- Kommunen, Kultureinrichtungen, Schulen und Kultur-
bensumfeldes. Dadurch wird das Angebot vielfältig und schaffende Konzepte, die Antworten geben können auf
reicht von Umwelt- und Naturschutz über Kunst- und zukünftige Herausforderungen.
Laientheaterprojekte, Denkmalschutz bis zu Veranstal- In den letzten Jahren wurden landauf, landab vielfäl-
tungen für die Dorfgemeinschaft und zur gemeinschaft- tige Initiativen gestartet, um Antworten auf diese Fragen
lichen Dorfgestaltung. zu finden. So z. B. in Südwestfalen. Südwestfalen gewinnt
HEIMAT WESTFALEN – 1/2019 / 15heimat für kinder + jugendliche
sein Profil in hohem Maße aus seiner wirtschaftlichen moderieren entsprechende Prozesse, geben Anstöße zu
Prägung. Seine lange Geschichte als eine der ältesten In- konkreten Projekten und konzipieren mit den Menschen
dustrieregionen Europas ist bis in die Gegenwart wirk- vor Ort regionale Veranstaltungen und Qualifizierungen.
sam. Auch heute verdankt die Region ihre Dynamik einer
großen Zahl von leistungsfähigen Industrie- und Gewer-
beunternehmen. Genau hier setzt man in den Kreisen
Tagungsreihe des Westfälischen
Siegen-Wittgenstein und Olpe an. Kinder und Jugendliche Heimatbundes
werden auf vielfältige Weise mit Geschichte und Gegen-
wart der Wirtschaft in der Region vertraut gemacht. Mit Der Westfälische Heimatbund wird 2019 im Rahmen ei-
seinen fest in der Region verankerten Unternehmen und ner Tagungsreihe, die er gemeinsam mit der Arbeitsstel-
seiner vielfältigen Museumslandschaft bietet Südwest- le „Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW“
falen zahlreiche Lernorte, an denen das Thema „Arbeits- durchführen wird, einen Schwerpunkt auf das Thema
welten in Südwestfalen“ anschaulich und lebendig wird. „Kulturelle Bildung in ländlichen Räumen“ legen.
Das auf die Vernetzung von Schulen, Museen und Un- Die geplanten Tagungen beleuchten anhand von Pra-
ternehmen angelegte Projekt vermittelt Schülerinnen xisbeispielen die oben genannten Fragestellungen und zei-
und Schülern Begegnungen und Erfahrungen mit den gen Perspektiven für ländliche Räume und vor allem für
traditionellen und modernen Arbeitswelten. In eigens da- die Nachwuchsarbeit in Heimatvereinen auf. Neben der
für qualifizierten Museen und Unternehmen lernen sie – Problematisierung aktueller Entwicklungen wollen die
erlebnisorientiert und in authentischen Situationen vor Tagungen vor allem solche Konzepte und Vernetzungs-
Ort –, wie sich die Wirtschaft in Südwestfalen entwickelt strukturen vorstellen, die Beispiel und Anstoß sein
hat und welche Möglichkeiten sie heute bietet. können für lebendige kulturelle Bildung im ländlichen
Raum.
Das Projekt stärkt die Museen als Bildungseinrich-
tungen und die Schulen in der Gestaltung von außer- Die Tagungen richten sich an Verantwortliche in Hei-
schulischen Lernangeboten. Unternehmen sehen den matvereinen, Archiven, Heimatmuseen und anderen
Mehrwert für die Gewinnung von Fachkräften über eine außerschulischen Lernorten, an Mitarbeiterinnen und
frühe Berufsorientierung von Kindern und Jugendli- Mitarbeiter der regionalen Bildungsnetzwerke und der
chen durch Aktivitäten an außerschulischen Lernorten. Jugend- und Kulturbüros, an Künstlerinnen, Künstler
Nicht zuletzt vermittelt das Projekt auch eine stärkere und Kulturschaffende, an Schulleiterinnen und Schul-
Verbundenheit von Kindern und Jugendlichen mit ih- leiter und alle interessierten Lehr- und Fachkräfte aus
rer Region und gibt auch Antworten auf den demogra- Bildung, Schule und Kultur.
fischen Wandel im ländlichen Raum.
1 Witt, Kirsten: KULTURELLE BILDUNG MACHT... GLÜCKLICH. Was ist Kulturelle
So wie in Südwestfalen wurden auch in anderen Regio- Bildung? Download im Zip-Ordner Grundprinzipien Kultureller Bildung unter:
https://www.bkj.de/kulturelle-bildung-dossiers/theoriebildung-und-grundlagen.html
nen Nordrhein-Westfalens Netzwerke gegründet, die die
Akteure vor Ort zusammenführen und in gemeinsamen
Initiativen aktuelle Angebote entwickeln. Erfolgsfakto-
ren sind u. a. die Bildung von thematisch ausgerichteten
Arbeitsgruppen, die Qualifizierung der Akteure und vor INFO
allem die Bündelung und Abstimmung aller Aktivitäten
in einer Koordinierungsstelle. Insofern ist die Entwick- Arbeitsstelle „Kulturelle Bildung in Schule
lung kommunaler und kreisweiter Gesamtkonzepte für und Jugendarbeit NRW“
die kulturelle Bildung gerade in ländlichen Räumen von Brigitte Schorn (Leitung)
besonderem Wert. Unterstützung beim Auf- und Ausbau Küppelstein 34 · 42857 Remscheid
solcher Vernetzungsstrukturen bietet die Arbeitsstelle 0219 1794373
„Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW“. schorn@kulturellebildung-nrw.de
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsstelle https://www.kulturellebildung-nrw.de/home/
16 / HEIMAT WESTFALEN – 1/2019WHb-THEMENjAHr 2019
„bILduNgSLANdScHAFT voN rouvEN HALLWAß
SIEgEN-WITTgENSTEIN“
EIN rEgIoNALHISTorIScHES kooPErATIoNSProjEkT
zWIScHEN AuSSErScHuLIScHEN LErNorTEN uNd
gruNdScHuLEN
„A
ufgabe des Sachunterrichts in der Grund- Weg zur Erfüllung dieses Auftrags liegt in der aktiv ent-
schule ist es, die Schülerinnen und Schü- deckenden Auseinandersetzung mit der sinnlich erfahr-
ler bei der Entwicklung von Kompetenzen baren Welt außerhalb des Klassenzimmers. Unterricht
zu unterstützen, die sie benö-
tigen, um sich in ihrer Lebens- „Erlebnisorientierte Begegnungen mit der Welt an außerschulischen
welt zurechtzufinden, sie zu
erschließen, sie zu verstehen
Lernorten zu ermöglichen, die sich im unmittelbaren Umfeld der
und sie verantwortungsbewusst Schulen befinden, ist zentrales Anliegen des Projektes „Bildungs-
mitzugestalten.“1 So definiert landschaft Siegen-Wittgenstein“.
der Lehrplan des Landes Nord-
rhein-Westfalen den Kernauftrag des Sachunterrichts an an außerschulischen Lernorten bietet in hervorragender
Grundschulen. Dabei kommt dem Bezug zur Lebenswelt Weise die Chance auf authentische Erfahrungen und Er-
der Schülerinnen und Schüler bei der Gestaltung von lebnisse in und mit der eigenen Umwelt. Er kann zudem
Lehr- und Lernangeboten besonderes Gewicht zu. Denn besonders anschaulich, multisensorisch und bewegungs-
diese stellt den alltäglichen realen Erfahrungsraum der orientiert gestaltet werden.2 Sich die eigene Lebenswelt
Kinder dar und ist entsprechend bedeutsam für deren zu erschließen, bedeutet im besten Fall, sie im Wortsinn
Orientierungsbedürfnisse und Fragestellungen. Die zu begreifen, um vorhandenes theoretisches Wissen
Anforderung lautet dementsprechend, Kompetenzen – durch handlungspraktische Erfahrung im konkreten
also Fähigkeiten und Fertigkeiten – zu vermitteln, die
es erlauben, die eigene Lebenswelt zu erforschen, um Auftaktveranstaltung des Projektes „bildungslandschaft Siegen-
sich in ihr orientieren zu können und gestaltend wirk- Wittgenstein“ im juni 2018
sam zu werden. Ein ganz wesentlicher Schritt auf dem Foto/ Kreis Siegen-Wittgenstein
HEIMAT WESTFALEN – 1/2019 / 17heimat für kinder + jugendliche
nicht nur für die materiellen, sondern ebenso für die
immateriellen Kulturgüter wie z. B. mündliche Überlie-
ferungen. Die Teilhabe am kulturellen Erbe ist ein Men-
schenrecht. In Artikel 27 der Allgemeinen Erklärung der
Menschenrechte heißt es: „Jeder hat das Recht, am kul-
turellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich
an den Künsten zu erfreuen und am wissenschaftlichen
Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben.“4
Die Teilnahme an kulturellen Angeboten stärkt außer-
dem durch die Identifikation mit den Aufgaben, Zielen,
Traditionen und Werten5 das Zugehörigkeitsgefühl zu
einer so engagierten Gruppe.
I
n dieser Identität stiftenden Vorstellung von Heimat
Schülerinnen und Schüler lernen, dass klimatische Prozesse
findet sich allerdings auch ein exkludierendes Mo-
grenzüberschreitende Phänomene sind.
ment, mit dem sehr aufmerksam umzugehen ist.
Foto/ Kreis Siegen-Wittgenstein
Wer und was gehört dazu? Wer entscheidet darüber?
Was ist mit jenen, die sich in den gegebenen Identifi-
Umgang mit den Dingen zu bereichern. Solche vor allem kationsangeboten nicht repräsentiert finden? Mit der
auch erlebnisorientierten Begegnungen mit der Welt an Entwicklung heimatbezogener Bildungsangebote ist im-
außerschulischen Lernorten zu ermöglichen, die sich im mer eine bestimmte Auswahl an Themen, Inhalten und
unmittelbaren Umfeld der Schulen befinden, ist zentra- Überzeugungen verbunden, die eine bestimmte Sicht auf
les Anliegen des Projektes „Bildungslandschaft Siegen- die Heimat widerspiegeln. In Bildungsprozessen geht es
Wittgenstein“. gerade deshalb nicht darum, vorgefasste Heimatbilder
Fragt man Menschen danach, was „Heimat“ für sie und bereits festgelegte Identitätsangebote einfach zu
bedeutet, erhält man häufig Antworten, die stark emo- übernehmen, sondern vielmehr darum, sowohl die Viel-
tional betont sind. Es ist dann oft die Rede von einem falt als auch den Konstruktcharakter individueller wie
Ort der Fülle, der Sicherheit, der Gemeinschaft und ers- kollektiver Heimatvorstellungen sichtbar und in ihren
ter prägender Erfahrungen. Gefühle der Zugehörigkeit, Geltungsansprüchen hinterfragbar zu machen. Denn die
Verbundenheit und Selbstverortung spielen dabei eine Heimat als Vorstellung eines gleichförmigen Raumes ist
ein Mythos.6 Insofern scheint
es durchaus ratsam, sich in
„Mit der Entwicklung heimatbezogener Bildungsangebote ist immer Bildungsfragen weniger auf
eine bestimmte Auswahl an Themen, Inhalten und Überzeugungen vage emotionsbestimmte Vor-
verbunden, die eine bestimmte Sicht auf die Heimat widerspiegeln.“ stellungen von Heimat als auf
den Begriff der Lebenswelt zu
beziehen. Diesbezüglich ist zu
zentrale Rolle. 3 Gleichwohl bedeutet Heimat für jeden beachten, dass bestimmte Räume erst durch spezifische
etwas anderes. Sie wird subjektiv erfahren und mit je Handlungs- und Kommunikationsprozesse sozial herge-
eigenen Erinnerungen, Inhalten und Emotionen gefüllt. stellt werden. Sie sind durch bestimmte Gruppen und
Aber auch Gruppen schaffen über Kommunikations- und Akteure sowie deren Interessen und Deutungen geformt
Handlungsprozesse ein kulturelles Gedächtnis, das nicht worden und wirken ihrerseits prägend auf kommende
zuletzt in Kunstwerken, Alltagsgegenständen, Denkmä- Generationen. In diesem Sinne sind historisch gewach-
lern oder Texten sowie durch das Aufbauen von Samm- sene Räume ein kulturelles Erbe und bieten durchaus
lungen und Ausstellungen vor allem im Rahmen einer authentische Angebote der Selbstverortung. 7 Wenn
regen ehrenamtlichen Vereinstätigkeit bewahrt und an Schülerinnen und Schüler sich diese aneignen sollen,
kommende Generationen weitergegeben wird. Dies gilt müssen die in ihnen enthaltenen Zugehörigkeitsange-
18 / HEIMAT WESTFALEN – 1/2019whb-themenjahr 2019
Ein besonders nachhaltiger Teil der Regionalgeschichte – der Historische Hauberg Fellinghausen
Foto/ Förderverein Historischer Hauberg Fellinghausen e. V.
bote jedoch in Bezug auf ihre Entstehungsgeschichte sensbestände sind von zentraler Bedeutung für die
und Absichten, ihre Urheber und vielfältigen Grenzzie- außerschulische Bildung, wie sie im Lehrplan für den
hungen auf sachlicher Grundlage nachvollziehbar und Sachunterricht in NRW explizit gefordert wird. Dort
diskutierbar gemacht werden. heißt es: „Ebenso müssen Kinder die eigene kulturelle
und soziale Wirklichkeit mit ihren Lebensbedingungen,
Das regionalhistorische Lernen im Rahmen des Sachun- Gebräuchen, Traditionen und sozialen Regeln erfahren
terrichtes bietet hierzu ideale Anknüpfungspunkte. Des- und sich in ihr zurechtfinden. Zeitzeugnisse und Kultur-
sen Zielsetzung besteht darin, Schülerinnen und Schüler güter geben dabei Auskunft über technische, künstleri-
dabei zu unterstützen, konkrete Fragen nach dem zeit- sche und kulturelle Entwicklungen, über Wandel und
lich bedingten Wandel menschlichen Zusammenlebens Beständigkeit.“9 Wer, wenn nicht die lokalen Vereine,
sowie dem Gewordensein der eigenen Lebenswelt zu könnte hier einen entsprechenden Beitrag leisten? Aus
stellen, um diese unter Verwendung von Zeitzeugnis- dieser Überlegung heraus wurde mit Unterstützung des
sen und historischen Darstellungen sinnvoll für sich Heimatbundes Siegen-Wittgenstein e. V. und in enger
zu beantworten. Hierzu lernen sie, auf der Grundlage Abstimmung mit dem „Kompetenzteam Kreis Siegen-
überprüfbarer Informationen eigene historisch plau- Wittgenstein“ ab Januar 2018 das Projekt Bildungs-
sible Erzählungen zu bilden, die ihnen Orientierung landschaft Siegen-Wittgenstein auf den Weg gebracht,
nicht nur bezüglich der Vergangenheit, sondern auch das verschiedene Träger außerschulischer Lernorte aus
mit Blick auf ihre eigene Gegenwart und Zukunft geben. allen sieben Städten und vier Gemeinden des Kreises
Dabei ist es besonders wichtig, Schülerinnen und Schü- Siegen-Wittgenstein mit hiesigen Grundschulen zu-
ler für die Unterscheidung zwischen Fakten und Fiktion sammenbringt, um in gemeinsamer Arbeit ein Netz
zu sensibilisieren.8 Wenn es möglich ist, ein an diesem didaktisch anspruchsvoller Angebote außerschuli-
Anspruch ausgerichtetes forschend-entdeckendes Lernen schen Lernens über das gesamte Kreisgebiet hinweg
am historischen Ort beziehungsweise Objekt erlebnisori- aufzubauen. Dabei kooperiert innerhalb einer Kom-
entiert stattfinden zu lassen, bedeutet dies einen erheb- mune jeweils eine ausgewählte Schule mit einem aus-
lichen Mehrwert für alle Beteiligten: die Lernenden, die gewählten Lernort unter der Begleitung des Lehrstuhls
Schulen und die außerschulischen Lernorte. für Didaktik der Geschichte der Universität Siegen. Die
so entstehenden Basiskooperationen werden zu einer
Gerade die kleinen vereinsbetriebenen Museen und Bildungslandschaft Siegen-Wittgenstein integriert und
Sammlungen als Träger lokaler kulturellerer Wis- zudem in die Landesinitiative „Bildungspartner NRW“
HEIMAT WESTFALEN – 1/2019 / 19heimat für kinder + jugendliche
eingebunden. Bei jeder der kommunalen Kooperatio- Weiterhin werden Angebote für Studierende geschaf-
nen geht es darum, zunächst einen einzelnen Aspekt fen, die praxisnahes Lernen in feldbezogenen Muse-
des schulinternen Curriculums in Zusammenarbeit umsprojekten ermöglichen – diesbezüglich wurde
mit dem jeweiligen Partner für das außerschulische gerade erst ein Museumsprojekt für Masterarbeiten
Lernen im Rahmen des Sachunterrichts didaktisch auf- in den Fächern Didaktik der Geschichte und Didaktik
zubereiten. Das Schulamt des Kreises ist ebenfalls in die des Sachunterrichtes ausgeschrieben. Überdies werden
Projektentwicklung miteinbezogen, sodass sich der Auf- Workshop- und Fortbildungsangebote zur Verfügung
bau der Bildungslandschaft auch in Übereinstimmung gestellt, die sich neben den Fragen der inhaltlichen
mit der Schulentwicklungsplanung befindet. Dies ist und didaktischen Konzeption auch den dringenden
insbesondere für die Nachhaltigkeit des Projektes von Fragen der Finanzierung und organisatorischen Um-
entscheidender Bedeutung. setzung widmen. Dabei wird der gesamte Aufbaupro-
Jedes auf diesem Wege neu geschaffene außerschu- zess wissenschaftlich dokumentiert und evaluiert, um
lische Bildungsangebot wird vor Ort wissenschaftlich daraus ein „Best-Practice-Modell“ der Institutionalisie-
evaluiert und dokumentiert, um anschließend in die rung derartiger Kooperationsnetzwerke abzuleiten.
„Pädagogische Landkarte Nordrhein-Westfalen“ des
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) aufge- 1 Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.):
nommen zu werden. Zudem soll in Zusammenarbeit Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen. Lehrplan
Sachunterricht Grundschule. Frechen 2008, S. 39.
mit dem Kreis Siegen-Wittgenstein eine interaktive
2 Vgl. von Au, Jakob/Gade, Uta (Hrsg.): „Raus aus dem Klassenzimmer“. Outdoor
Karte des Kreises über das Internet zugänglich ge- Education als Unterrichtskonzept. Weinheim und Basel 2016, S. 24-25.
macht werden, mit deren Hilfe gezielt Informationen 3 Vgl. Burbiel, Ilse: Heimat und Identität. In: Selbstfindung und Sozialisation.
Psychotherapeutische Überlegungen zur Identität. Hrsg. Maria Ammon,
zu den Einzelprojekten abgerufen werden können. Es Egon Fabian. Gießen 2014, S. 59-63.
geht bei der Bildungslandschaft Siegen-Wittgenstein 4 Vgl. https://www.menschenrechtserklaerung.de/kultur-3689/ (abgerufen am:
8.01.2019).
also im Wesentlichen um den Aufbau eines strate-
5 Vgl. Burbiel, Ilse: Heimat und Identität. In: Selbstfindung und Sozialisation.
gischen Netzwerkes, dessen Mitglieder im Rahmen Psychotherapeutische Überlegungen zur Identität. Hrsg. Maria Ammon,
bilateraler Kooperationsvereinbarungen gemeinsam Egon Fabian. Gießen 2014, S. 65.
6 Vgl. Bavaj, Ricardo: Was bringt der „Spatial Turn“ der Regionalgeschichte?
Bildungsangebote entwickeln und in ihrer didakti- Ein Beitrag zur Methodendiskussion. In: Westfälische Forschungen. Bd. 56, 2006,
schen Qualität so absichern, dass mehr außerschu- S. 476.
7 Vgl. ebd. S. 478, 481.
lisches Lernen in der Region möglich wird. Hierzu
8 Vgl. Perspektivrahmen Sachunterricht. Hrsg. Gesellschaft für Didaktik des Sachun-
werden von Seiten der Universität und des Kompetenz- terrichts. Vollständig überarbeitete und erweiterte Ausgabe Bad Heilbrunn 2013,
teams Siegen-Wittgenstein Mediationen, Workshops S. 56-57.
9 Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen. Lehrplan
und Coachings bereitgestellt. Nach der erfolgreichen Sachunterricht Grundschule. Hrsg. Ministerium für Schule und Weiterbildung des
Etablierung der Angebote für den Sachunterricht Landes Nordrhein-Westfalen. Frechen 2008, S. 42.
wird das Projekt für die Sekundarstufen I und II ge-
öffnet. Darüber hinaus wird es in Zukunft eine enge
Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege des LWL ge-
ben, um ausgewählte Teilprojekte der im Rahmen des
Europäischen Kulturerbejahres 2018 sehr erfolgreich INFO
durchgeführten LWL-Initiative – Europa in Westfalen
– gemeinsam fortzuführen. Wer sich in das Projekt einbringen möchte oder
weitergehende Fragen dazu hat, wende sich bitte an:
Die Ziele der Projektarbeit lassen sich abschließend Rouven Hallwaß
wie folgt zusammenfassen: Es werden regionalhis- Wissenschaftlicher Mitarbeiter Historisches Seminar
torische Bildungsangebote an elf außerschulischen Philosophische Fakultät · Universität Siegen
Lernorten des Kreises Siegen-Wittgenstein auf- und Adolf-Reichwein-Straße 2 · 57068 Siegen
ausgebaut, didaktische Fortbildungen für ehren- Raum: AR-D 6108/5
amtlich Tätige angeboten sowie regionalhistorische 0271 740 3084
Fortbildungen für Lehrkräfte zur Verfügung gestellt. Hallwass@geschichte.uni-siegen.de
20 / HEIMAT WESTFALEN – 1/2019WHb-THEMENjAHr 2019
„kIM MAcHT’S –
juNgES ENgAgEMENT
IN NrW“ –
ProjEkT dEr LANdESArbEITS-
gEMEINScHAFT dEr FrEIWILLIgENAgENTurEN
IN NordrHEIN-WESTFALEN
voN MArc kuITHAN die Ergebnisse einer
Projektvorstellung zum Thema
jugendengagement
Foto/ lagfa NRW e. V.
L
aut dem aktuellen Freiwilligensurvey engagiert Aufbau von Projekten zu unterstützen und Beratungs-
sich fast die Hälfte aller jungen Menschen zwi- strukturen für Agenturen und Kommunen anzubieten,
schen 14 und 25 Jahren in Deutschland freiwil- die sich erstmalig mit dem Thema beschäftigen. Zentral
lig (49,2 Prozent). Die Landesarbeitsgemeinschaft der sind dabei Fragen der Erreichbarkeit und Ansprache
Freiwilligenagenturen in Nord-
rhein-Westfalen (lagfa NRW e. V.) „Verkürzte Schulzeiten, geänderte Rahmenbedingungen im Studium
rückt das Jugendengagement
und gewandeltes Medienverhalten erfordern neue Engagementformen
nun mit dem von der Landes-
regierung geförderten Projekt und eine zeitgemäße Ansprache zukünftig Engagierter.“
„Kim macht’s – Junges Engage-
ment in NRW“ in den Fokus ihrer Arbeit – wegen seiner der Zielgruppe sowie zielgruppenspezifischer Anerken-
besonderen Bedeutung für die weitere Engagement- nungskultur oder die Hilfestellung bei der Vernetzung
biografie ebenso wie angesichts des Wandels, in dem mit lokalen Partnern der Jugendarbeit und der Umset-
dieses sich befindet: verkürzte Schulzeiten, geänderte zung von Einstiegsprojekten, etwa Infotagen an Schulen.
Rahmenbedingungen im Studium und gewandeltes Me- Der Startschuss für das Projekt „Kim macht’s – Jun-
dienverhalten erfordern neue Engagementformen und ges Engagement in NRW“ fiel Mitte Dezember bei einer
eine zeitgemäße Ansprache zukünftig Engagierter. Auftaktveranstaltung in Düsseldorf. Rund 90 Vertre-
terinnen und Vertreter von Freiwilligenagenturen, Ju-
Engagement findet zumeist mit einem lokalen Bezug gendorganisationen, Verbänden und Vereinen waren
im Sozialraum der Engagierten statt. Hier bilden junge zu Gast, um sich über erfolgversprechende Ansätze und
Engagierte zunächst keine Ausnahme. Ziel des lagfa-Pro- Wege zu informieren, wie junge Menschen für das bür-
jekts ist es daher, Freiwilligenagenturen landesweit beim gerschaftliche Engagement gewonnen werden können.
HEIMAT WESTFALEN – 1/2019 / 21Sie können auch lesen