Huddle statt "huddle" - Kantonsspital Aarau
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Was heisst «Wir-Kultur»? 06
Interview zum Thema Kulturwandel mit
CEO Dr. Robert Rhiner.
Haben Sie Fragen zum
Datenschutz? 18
09/2020 Neue Anlaufstelle für Datenschutzfragen
Rollout von Lean@KSA Bettenstation
Huddle statt
«huddle» Seite 08
lenrätsel
Zah 1
Seite 22 | Impressum Impressum Herausgeber Kantonsspital Aarau AG, Geschäftsleitung Redaktionsadresse KSA, Marketing und Kommunikation, 5001 Aarau, inform@ksa.ch Redaktionsleitung Ralph Schröder Layout und Gestaltung Diana Prokin Fotos Luis Hartl, Indra Joshi, Getty Images Redaktionskommission Rita Bossart-Kouégbé, Ulrich Bürgi, Susanne Müller, Bernd Rosenkranz, Cécile Schmid, Antoinette Skorupinski, Roland Vonmoos, Isabelle Wenzinger Mitarbeitende dieser Ausgabe Andrea Beck, Marco Bellafiore, Andrea Bock, Philipp Braken, Maya Droz, Richard Egger, Lydia Eisenmann, Jennifer Fessler, Jonas Frei, Rahel Frey, Martina Gautschi, Richard Glaab, Andrea Gross, Sadhyo Niederberger, Markus Piller, Robert Rhiner, Urs Riggenbach, Barbara Schoch, Ralph Schröder, Roland Schürch, Philipp Schütz, Corinne Seiler, Antoinette Skoru- pinski, Françoise Truttmann, Christine Unterhuber, Ursula Uttinger, Isabelle Wenzinger, Livia Zumstein Auflage 6100 Stück, erscheint zehnmal jährlich Redaktionsschluss «inform» 10|2020, 5. Oktober 2020 Titelbild: Huddleboard Station 181
Editorial | 3
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Kulturwandel. «Nichts ist so beständig wie der Wandel» Was unter einer neuen «Wir-Kultur» zu verstehen ist,
ist ein bekanntes und vielzitiertes Zitat des griechischen warum sie notwendig und wie die Umsetzung konkret
Philosophen Heraklit. So wahr diese Weisheit sein mag, angedacht ist, darüber gibt CEO Dr. Robert Rhiner in
in vielen Unternehmen hält sich das Bestehende und einem ausführlichen Gespräch Auskunft (S. 6–7). In
vermeintlich Beständige hartnäckig gegen den Wandel einer jetzt lancierten Meinungsumfrage sind im Übrigen
oder begegnet Neuem und Veränderungen mit Wider- alle eingeladen, ihre Vorstellungen von einer «Wir-Kultur»
ständen. Bis zu einem gewissen Grad ist das aufgrund kundzutun (siehe Infobox S. 7).
meist historisch gewachsener Strukturen verständlich, Das Thema «Veränderung» also ist quasi das Motto
aber es gibt einen Zeitpunkt, an dem sich bestimmte dieser Ausgabe. Über die veränderten Bedingungen zum
Entwicklungen nicht mehr aufhalten lassen und es Thema Grippeschutz lesen Sie deswegen z.B. im
deshalb wichtig wird, den Wandel aktiv einzuläuten. Der Vorbericht zur diesjährigen Grippeimpfkampagne (S. 17).
geplante Spitalneubau «Dreiklang» wird das Zusammen- «Transformation» heisst konsequenterweise das Motto
arbeiten und Zusammenleben im Spital komplett der geplanten Mitarbeiterausstellung Anfang des
verändern. Fast zwangsläufig wird damit ein Kulturwan- nächsten Jahres (S. 20). Diese und weitere Berichte
del einhergehen müssen, was Verwaltungsrat und über unser sich laufend veränderndes Spitalleben finden
Geschäftsleitung frühzeitig erkannt haben. Sie haben Sie in der aktuellen Ausgabe. Ich wünsche wie immer
hierfür ein entsprechendes Kulturwandelprogramm eine spannende und unterhaltsame Lektüre!
initiiert und viele bereits laufende Projekte sind schon
jetzt als eigentlich «Change»-Projekte zu sehen. Dazu
gehört auch das Projekt «Lean@KSA» Bettenstation, das
im Fokus dieser Ausgabe steht und angesichts des jetzt
beschlossenen Rollouts aufs Gesamtspital ausführlich Grüsse Ralph Schröder
vorgestellt wird (S. 8–13).
06 Inhaltsverzeichnis
04 Mitarbeitende erhalten Zeitbonus 17 Grippeimpfung – jetzt erst recht!
für Umkleidezeit
18 Haben Sie Fragen zum Datenschutz?
05 20 Jahre Dialyse-Aussenstation Frick
19 Die neue Rauchstopp-Beraterin:
06 Interview mit CEO Dr. Robert Rhiner Lydia Eisenmann
zum Thema Kulturwandel und «Wir-Kultur»
18 20 «Transformation» ist Thema der neuen
08 Huddle statt «huddle» – zum Rollout von Mitarbeiterausstellung
Lean@KSA Bettenstation
21 Zahlenrätsel
14 Livia Zumstein: Studierte Pflegefachfrau
und Zauberin am Hockeystock 22 Jubilare und Pensionierungen
16 Die Case Managerinnen des Spitals Zofingen4 | Aktuell
Mitarbeitende erhalten Prof. Gabriel Schär wechselt
Zeitbonus für Umkleidezeit ans Universitätsspital Zürich
Sechs Minuten. Ab 1. Januar 2021 wird dem berechtigten Personal für den Abschied. Prof. Dr. med. Gabriel Schär, aktuell Chefarzt der Urogynäkologie
Umkleidevorgang ein Zeitbonus von sechs Minuten ausgerichtet. Damit reagiert an der Frauenklinik sowie Leiter des Bereichs Frauen und Kinder im KSA,
das KSA auf die Forderung, wonach die Ankleidezeit von den Spitälern zu wird neuer Direktor der Klinik für Gynäkologie am Universitätsspital Zürich
vergüten sei. Juristisch ist die Frage, ob die Ankleidezeit vergütet werden (USZ). Dr. Robert Rhiner, CEO, gratuliert im Namen der Geschäftsleitung
müsse, noch nicht geklärt. Das Zürcher Verwaltungsgericht hat diese Frage im Gabriel Schär herzlich zur Wahl und freut sich über die Ehre, die ihm damit
Falle des Spitals Limmattal kürzlich verneint. Es gebe keine gesetzliche Grund- zuteil wird. Gleichzeitig bedankt er sich bei Gabriel Schär für sein langjähri-
lage, die vorschreibe, dass die Umkleidezeit der Mitarbeitenden entschädigt ges treues Mitwirken als Chefarzt, Leiter der Frauenklinik (1997–2017) und
werden müsse, befand das Gericht. als Mitglied der Geschäftsleitung (2010–2018).
Nichtsdestotrotz haben die Verwaltungsräte der KSA AG, der KSB AG und der Prof. Schär übernimmt die Funktion des Klinikdirektors in Zürich ab dem
PDAG beschlossen, den Mitarbeitenden pro Dienst einen Zeitbonus von sechs 1. Oktober zu 50%, ab dem 1. Januar 2021 zu 100%. •
Minuten zu gewähren. Für den Zeitbonus berechtigt sind Mitarbeitende, wenn
folgende Bedingungen erfüllt sind:
• Mitarbeitende tragen die aufgrund von geltenden Normen und Richtlinien für Korrigenda:
ihre Tätigkeit von der Arbeitgeberin vorgeschriebene Kleidung.
• Die Arbeitskleidung stellt die Arbeitgeberin zur Verfügung. Mitarbeitende Neue Kaderärzte»
müssen sich diese vor Dienstbeginn besorgen und nach Beendigung des Korrektur. In der letzten «inform»-Ausgabe August haben sich in
Dienstes retournieren. Für Arbeitsschuhe gilt die Betriebsnorm für Arbeits- der Rubrik «Neue Kaderärzte» leider Fehler eingeschlichen. Wir
und Sicherheitsschuhe. bitten dafür um Entschuldigung.
• Es sind im Minimum 3 Kleidungsstücke zu wechseln (z. B. Oberteil, Hose, PD Dr. med. Sabine Gerull (nicht Geruli) ist nicht bereits am
Schuhe). Das Überziehen eines Kittels über private Kleidung oder nur des 1. April 2020 als Leitende Ärztin Hämatologie und stv. Chefärztin
Oberteiles zählt nicht als Umkleidevorgang. Onkologie, Hämatologie und Transfusionsmedizin eingetreten,
• Das mehrmalige Wechseln von Arbeitskleidung (z. B. Einschleusen in den OP) sondern wird diese Position erst am 1. April 2021 einnehmen.
ist bereits in der Arbeitszeit inkludiert und wird nicht separat entschädigt. Dr. med. Jennifer Kienzler hat am 1. April 2020 keine Tätigkeit
• Dürfen aufgrund von Abteilungsrichtlinien Mitarbeitende bereits in Dienst als Leitende Ärztin aufgenommen, sondern ist seit 1. Mai 2020 als
kleidern zur Arbeit erscheinen, wird keine Umkleidezeit gewährt. Oberärztin mbF in der Klinik für Neurochirurgie tätig.
Seit dem 1. August 2020 ist ausserdem PD Dr. med. Kathrin
Für die Berufsgruppe «Ärzte» gilt eine separate Regelung. Eine Gutschrift für Scherer als Leitende Ärztin in die Abteilung Dermatologie und
die Umkleidezeit erhalten Unterassistent/innen, Assistenzärzt/innen und Allergologie eingetreten. Sie wird im Herbst 2021 als Nachfolgerin
Oberärzt/innen. von Prof. Dr. Grabbe die Leitung der Allergologie übernehmen.
Mitarbeitende mit Kaderarbeitsverträgen sowie sämtliche Mitarbeitende ohne Prof. Grabbe ist noch bis 2021 im Amt und offiziell Leiter der
Berufskleidung sind von diesen Regelungen generell ausgenommen. Allergologie. •
Weitere Details zur Neuregelung im Intranet unter dem Stichwort: Umkleidezeit. •Aktuell | 5
20 Jahre Dialyse-Aussenstation Frick
Rollout Windows 10 ist
erfolgreich abgeschlossen
Seit Ende Juli 2020 ist mit 4110 auf Windows 10
Grundtext
umgestellten PCs am KSA der Windows-10-Rollout
Untertitel
abgeschlossen. Nach einer Servicezeit von über
Grundtext
10 Jahren stellte
• Microsoft im Jahr 2020 den bereits
verlängerten Support für Windows 7 und Office 2010
definitiv ein. Dies bedeutete, dass es keine kosten
www.ksa.ch/xxxxxx
losen Sicherheitsfixes für erkannte Sicherheitsrisiken
mehr gab. Die damit verbundenen Risiken waren
nicht kalkulierbar und deshalb musste dieses
Upgrade im KSA/SZ im 2019 in Angriff genommen
Die Dialyse-Aussenstation in Frick hat im werden, wie auch in allen anderen Spitälern.
August ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert. Durch die Migration auf Windows 10 und Office
2016 konnte eine weitere Harmonisierung der im
Mitgründer und Initiator Prof. Dr. med KSA eingesetzten PCs erreicht werden. Den Benut-
Andreas Bock, ehemaliger Chefarzt der zern steht nun eine stabile, robuste Arbeitsplattform
Nephrologie am KSA, blickt zurück. Das Betriebskonzept zur Verfügung.
Den nephrologischen «Frick-Dienst» teilen sich An dieser Stelle bedanke ich mich ganz herzlich bei
seither Chef-, Leitende, Ober- und Assistenzärzte allen Projekt-Mitarbeitern und dem gesamten
Zur Gründung der Dialyse-Aussenstation des KSA in und -ärztinnen der Nephrologie aus dem KSA. Bei Lenkungs-Ausschuss für die tolle Arbeit. Dank viel
Frick im Jahr 2000 haben damals zwei Faktoren einer Vorgabe von einer Stunde Arztpräsenz pro Engagement und guter Zusammenarbeit ist das
geführt: Das KSA war für die Dialyse-Versorgung des Schicht finden die Dialysevisiten je nach ärztlichem Projekt W10 so erfolgreich verlaufen. •
Fricktals zuständig, aber die Fahrt nach Aarau und Wohnort und individueller Motorisierung auf dem Françoise Truttmann
zurück war für die Fricktaler Dialysepatienten ein Hin- oder Rückweg zum/vom KSA statt – oder auch
grosses Problem. Ausserdem kam nach dem als Mittagsausflug mit dem Staffelegg-Bus.
Freizügigkeitsabkommen 1999 die Befürchtung dazu, Die Station wird montags, mittwochs und freitags,
ausländische Nephrologen könnten die Situation im mit je einer Dialyseschicht vor- und nachmittags Zahlen und
Fricktal zur Gründung neuer Privatdialysestationen betrieben, sodass mit 6 Dialyseplätzen 12 Dialyse
ausnützen. patienten behandelt werden können. Zeitweise war Fakten
Von der ersten Idee einer Aussenstation bis zur eine zusätzliche Schicht am Dienstag, Donnerstag • 4110 PCs wurden erfolgreich auf
ersten Dialyse (9. August 2000) dauerte die Umset- und Samstagvormittag nötig. In den 20 Jahren ihres Windows 10 umgestellt, davon über 95%
zung weniger als ein Jahr. Frick erhielt als Standort Bestehens war die Station immer ausgelastet und mit Umstellungen über Nacht.
gegenüber Rheinfelden und Laufenburg den Vorzug. führte durchschnittlich 2400 Dialysebehandlungen • Das gesamte Projekt dauerte 21 Monate,
Dank der guten lokalen Vernetzung eines Fricktaler pro Jahr durch. der Rollout wurde in 30 Wochen abgewi-
Dialysepatienten wurde rasch eine Lokalität im In Frick hat sich über all die Jahre ein schöner, fast ckelt.
historischen, 1719 erbauten Kornhaus gefunden. Die Frontier-mässiger «Wir»-Geist entwickelt. Jeden • Die budgetierten Kosten wurden nicht
meterdicken Mauern waren zwar schwierig fürs Herbst treffen sich Personal und Patienten ausser- ausgeschöpft, das Projekt konnte mit
Verlegen der Wasserleitungen, und die lokale halb der Arbeitszeit in einem der schönen Fricktaler weniger Kosten als geplant abgeschlos-
Wasserqualität erforderte zusätzliche Filter, aber Gasthäuser zum Beisammensein. Das Prinzip der sen werden.
dafür gehörten zum Mietumfang einige Parkplätze. Dialyse-Aussenstation – im Jahr 2000 ein Novum • Von 868 identifizierten Applikationen
Am 23. August 2000 wurde die Dialysestation – wurde von anderen öffentlichen Spitälern (wie dem wurden 688 auf Windows 10 migriert und
offiziell eröffnet. Der sich danach erhebende kleine Unispital Basel oder dem Inselspital Bern) kopiert. Es 180 Applikationen konnten eliminiert
Sturm politischer Vorstösse, welche die Dialyse ist für mich bis heute ein Beispiel für konstruktive, werden.
station lieber zur Sanierung der Spitäler Laufenburg pragmatische und unbürokratische Zusammenarbeit • Das Feedback zur Kundenzufriedenheit
oder Rheinfelden hätten benützen wollen, verlief zwischen Verwaltung, Technik, Pflege- und Arzt- betreffend den gesamten Rollout liegt bei
angesichts des fait accompli, dass die Station schon dienst am KSA, zum Nutzen der Patienten und des 9,90 Punkten (maximal 10). •
in Betrieb war, im Sande. KSA. Es hat «verhebet». • Andreas Bock6 | Interview
CEO Dr. Robert Rhiner im Gespräch zum Thema Kulturwandel: «Lasst uns die Zukunft gemeinsam gestalten.»
«Nur eine neue ‹Wir-Kultur› wird uns
in die Zukunft tragen»
verteilte Betrieb möglichst umfassend in einem
Seit Längerem ist am KSA von Kulturwandel und «Change» die Rede. «Vom einzigen Gebäude konzentriert werden kann. Dies
Ich zum Wir» lautet ein Motto, angestrebt wird eine neue «Wir-Kultur». Warum ist der Grundgedanke und die grosse Chance
unseres Neubaus. Das Thema Kulturwandel stellt
das so wichtig ist und wie der Weg dorthin aussehen soll, darüber haben wir sich also ganz explizit. Die historisch unterschied-
mit CEO Dr. Robert Rhiner gesprochen. lich gewachsenen Kulturen der einzelnen Häuser
müssen zu einer einzigen Kultur zusammenwach-
sen, wenn wir im Neubau erfolgreich sein wollen.
Es ist seit einiger Zeit viel von «Change» die nach demselben System, das heisst, zusätzlicher
Rede. Warum braucht das KSA überhaupt Platzbedarf wurde durch den Bau mehrerer Ein Kulturwandel geht von einem Ist-Zustand
einen Kulturwandel? Wie wichtig ist ein zusätzlicher Gebäude befriedigt. Heute stehen wir aus, der nicht (mehr) zufriedenstellend ist.
solcher für die Zukunft des KSA? vor der Situation, möglichst alle Leistungen nach Sonst bräuchte es ja den Wandel nicht. Wie
Das KSA erbringt seine Leistungen seit seiner einheitlichen und einfachen Prozessen möglichst würden Sie diesen Ist-Zustand oder die
Gründung vor 133 Jahren in einem sogenannten strukturiert zu erbringen. Gleichzeitig müssen die gegenwärtige Kultur beschreiben?
Pavillonsystem, das heisst in vielen verschiedenen heute viel zu langen Wege maximal verkürzt und Der heutige Zustand fusst auf dem Prinzip der
Gebäuden. 1887 war das die übliche Bauart für eine möglichst hohe Digitalisierung sowie Automa- vielen verschiedenen Kulturen, welche innerhalb
Spitäler, um einerseits die Übertragung der tisierung erzielt werden. Wir müssen als Gesamt- der verschiedenen Gebäude funktionieren und nur
damals noch kaum behandelbaren Infektions- unternehmen agiler und ökonomischer werden, beschränkt hausübergreifend wirken. Das ist per
krankheiten vermindern zu können und anderer- wenn wir den anhaltenden und künftigen Heraus- se nicht schlecht, wird aber mit dem Verschwin-
seits eine der Zeit entsprechende strikte Tren- forderungen (z. B. Kostendruck, Service- und den der einzelnen Häuser, aber auch aufgrund
nung nach Geschlechtern zu ermöglichen. In den Kundenorientierung) gewachsen sein wollen. Dies des raschen gesellschaftlichen Wandels und der
späteren Jahren erlebte das KSA seinen Ausbau gelingt uns nur, wenn der heute auf viele Häuser sich dadurch verändernden Bedingungen imInterview | 7
Gesundheitswesen schlicht nicht mehr lebensfä-
hig sein. Aus diesem Grund müssen wir uns eine
«Mit- und füreinan- Tumorboards zu nennen, welche beide Spitäler
seit Langem gemeinsam betreiben. Zu erwäh-
neue Kultur erarbeiten, die zukunftsfähig ist und
unser Zusammenleben und das Zusammenarbei-
der arbeiten und nen ist auch die Integration vieler Behandlungs-
teams in die Konzeption des Neubaus, welcher
ten im Neubau so einfach und leicht wie möglich nicht nebeneinander in der Prozessorganisation einen Zentrumsge-
macht. Nur eine neue «Wir-Kultur» wird uns in die danken verfolgt. Auch die Integration des
Zukunft tragen. muss künftig die Spitals Zofingen ist Teil dieses Wegs. Der jetzt
… und wie könnte diese «Wir-Kultur» in
Devise sein» nach erfolgreichem Pilot beschlossene Rollout
von Lean-Management auf alle Bettenstationen
Zukunft aussehen? des KSA (vgl. Artikel. S. 8–13) ist ein ganz
Ich stelle mir vor, dass wir uns in Zukunft als eine aktuelles «Change-Projekt». Das geplante neue
grosse Familie verstehen, in erster Linie als KSA- Intranet (vgl. «inform» 08/2020, Seite 8–9)
Mitarbeitende und nicht als Angehöriger einer schrittweise auf alle weiteren Stufen auszudeh- wird neue Kollaborations- und Austausch
Klinik. Ich meine damit, dass wir unsere Leistun- nen. Seit gut einem Jahr sind wir im Rahmen der möglichkeiten bieten. Das Zusammenarbeiten
gen als KSA-Mitarbeitende erbringen und nicht Geschäftsleitung an der Arbeit und seit diesem über die Klinikgrenzen hinweg wird zur Norma
als Einzelkämpfende. Jede erfolgreiche Behand- Frühjahr sind auch die Bereichsleitungen in lität werden. Konkrete Projekte sind des
lung und Therapie ist immer auch eine Team Zofingen und in Aarau gemeinsam dazu gekom- Weiteren das bereits laufende Kulturwandelpro-
leistung. Die Herausforderungen der Corona-Pan- men. Wir treffen uns in unterschiedlichen Zusam- jekt, das für alle spürbar werden wird, und
demie haben wir bisher nur durch eine beispiel- mensetzungen, um die Ideen voranzutreiben. Nun auch das in den Anfängen steckende Teilpro-
hafte gemeinsame Anstrengung gemeistert. Wir folgen die Ebene der Klinikleitungen und weitere jekt «Change» des Programms Dreiklang,
werden davon wegkommen müssen, uns inner- Kaderpersonen, bis wir alle Mitarbeitenden der innerhalb welchem die Prozesse erneuert und
halb des KSA gegen andere Kliniken, Abteilungen KSA-Gruppe einbezogen haben. Zudem werden selbstverständlich auch digitalisiert werden.
und Institute abzugrenzen oder im schlechtesten wir die Projektleiter ausgewählter, weil zentraler Auch das wird die gemeinsame Arbeit vieler
Fall andere KIA gar auszugrenzen. Mit- und Projekte (Lean, Dachmarke KSA, Reorganisation KSA-Menschen sein.
füreinander arbeiten und nicht nebeneinander OPs) sensibilisieren und in Sachen Change
muss künftig die Devise sein. Management / Kulturentwicklung aktiv unterstüt- Was ist Ihre persönliche Botschaft an die
zen, um die Grundgedanken einer «Wir-Kultur» Mitarbeitenden im Zusammenhang mit dem
Das Motto für den angestrebten Kulturwandel von Anfang an in den Projekten zu verankern und angestrebten Wandel?
im KSA lautet «Vom Ich zum Wir». Können Sie den Einbezug der Mitarbeitenden zu verstärken. Lasst uns die Zukunft aktiv gemeinsam gestalten,
verstehen, dass nicht alle mit diesem Motto damit es nicht andere tun. Wir können das
glücklich sind? Viele Mitarbeitende sind der Gibt es bereits erkennbare Anzeichen für bestimmt, wenn wir es wollen. Alle sollen sich
Meinung, dass sie dieses «Wir» eigentlich in einen Wandel? Welche konkreten Projekte einbringen können. Es interessiert uns auch, wie
ihrem Arbeitsalltag bereits leben, die Zusam- sollen oder werden helfen, die angestrebte sich die Mitarbeitenden die KSA-Kultur der
menarbeit funktioniere doch in vielen Berei- Transformation erfolgreich zu realisieren? Zukunft vorstellen. Teilen Sie uns deswegen in der
chen sehr gut. Im Rahmen des Onkologiezentrums Mittelland jetzt lancierten Umfrage (siehe Box unten) mit,
«Vom Ich zum Wir» ist für jede Form der Zusam- (OZM) sind die oben genannten interdisziplinären was Sie sich unter einer Wir-Kultur vorstellen. •
menarbeit und des Zusammenlebens eine
Selbstverständlichkeit. Ich freue mich, wenn
bereits viele Mitarbeitende diesen Leitsatz
verinnerlicht haben. Tatsächlich lässt sich in
verschiedenen Teams beobachten, wie gut
gemeinsam gearbeitet wird. Ein schönes Beispiel
sind die interdisziplinären Tumorboards, die sich Mitarbeiterumfrage: Was verstehen Sie
in den letzten Jahren sehr gut entwickelt haben.
Allgemeines Kulturgut ist der Leitsatz aber noch unter einer «Wir-Kultur»?
nicht und hier möchten wir ansetzen. Aktiv mitreden. Liebe Mitarbeitende, Ihre Meinung ist gefragt! Wie stellen Sie sich die
KSA-Kultur der Zukunft vor? Machen Sie bei unserer Online-Umfrage mit und teilen Sie uns mit,
Ein funktionierender Kulturwandel setzt einen was Sie unter einer «Wir-Kultur» verstehen. Die Teilnahme ist freiwillig und kann auch anonym
Prozess der Verinnerlichung neu definierter erfolgen.
Werte und danach das Leben dieser Werte Sämtliche Inputs werden vom Projektteam «Kulturwandel» unter der
voraus. Wie soll oder wird aktuell dieser Leitung von Bernhard Thomet, Leiter HR-Kompetenzcenter, gesichtet
Prozess konkret angestossen und in welchem und in aggregierter Form der Geschäftsleitung zur Diskussion gestellt
Zeithorizont soll sich der Wandel realisieren? und allen Interessierten zugänglich gemacht. •
Wir haben uns vorgenommen, den Kulturwandel www.ksa.ch/kulturwandel-umfrage
von der Unternehmensführung her einzuleiten und8 | Fokus Lean@ksa Die mehrmals täglich stattfindende Team-Besprechung vor dem Huddleboard ist eine wichtige Tool-Komponente einer Lean-Bettenstation.
Fokus Lean@KSA | 9
Huddle statt «huddle» Verbesserungsprozesses unter Beteiligung und
Mitsprache aller Mitarbeitenden die Arbeits- und
damit die Pflegequalität auf den Stationen erhöht:
Die Geschäftsleitung des KSA hat kürzlich beschlossen, das Modell der «Lean- Hauptnutzniesser und Adressaten sind dabei die
Bettenstation» im Gesamtspital auszurollen. Das Prinzip «Lean» ermöglicht ein Patientinnen und Patienten. Sämtliche durch Lean
veränderten Prozesse und Massnahmen sind
patientenfokussiertes Zusammenarbeiten aller Berufsgruppen auf den Stationen. letztlich auf den Patienten fokussiert und dienen
Standards, kontinuierliche Planung, Reduktion von Verschwendungen und dazu, dass der Patient am Ende das bekommt,
Transparenz helfen dabei. Ein echtes «Change»-Projekt auf dem Weg zum Spital was er erwarten darf. Die tägliche Abfrage der
Patientenzufriedenheit als Teil des Lean-Systems
der Zukunft. ist dafür der beste Index. Die Pflegequalität steigt
damit, aber ebenso die Mitarbeiterzufriedenheit,
weil mit Lean sowohl die individuelle Arbeitsbe-
lastung besser verteilt und die Kompetenzen der
Stationsmitarbeitenden aller Berufsgruppe klar
definiert sind. So bleibt mehr Zeit für die tatsäch-
liche Betreuung unserer Patienten und es können
Überzeiten vermieden werden. Durch das verbes-
serte Stationsmanagement sowie verbessertes
Ein- und Austrittsmanagement sind auch weitere
Effekte auf kürzere Liegezeiten oder eine bessere
Bettenkoordination zu erwarten. Des Weiteren
wird die Zusammenarbeit zwischen allen Berufs-
gruppen auf der Station gefördert und verbessert,
weil sie im Lean-Stationsmodell alle im Gesamt-
prozess berücksichtigt werden. Sämtliche
Spitäler, die Lean eingeführt haben, berichten von
diesen positiven Effekten. Lean Hospital, darin
sind sich alle Experten einig, ist die Zukunft der
Spitäler.
Verschwendung reduzieren
Grundsätzlich geht es bei Lean um eine Arbeits-
methode und Denkweise, Verschwendungen
Im Schweizerdeutschen bedeutet in einigen versuchen. Mit einem Huddle resp. dem soge- jeglicher Art zu vermeiden: Verschwendung von
Regionen der Ausdruck «huddle» so viel wie nannten Huddleboard, einem zentralen Element Zeit, Material und Arbeitskraft. Erreicht wird dies
etwas übereilt, hektisch oder planlos erledigen. des Prinzips «Lean» auf einer Bettenstation, soll durch verschiedene neue Arbeits- und Kommuni-
Das englische Wort «huddle» hingegen stammt also, vereinfacht und salopp gesagt, erreicht kationsinstrumente (Patientenboard, Flowboard,
ursprünglich aus dem American Football und werden, dass nicht «gehuddelt» wird, sondern Huddleboard), durch klar definierte Patientenkon-
bezeichnet den Kreis, den die Mitglieder einer nach einheitlichen Standards, effizient, voraus- takte sowie definierte Zeiten für den regelmässi-
Mannschaft in den Spielunterbrüchen bilden, um schauend, ruhig und jederzeit transparent mit gen Austausch mit dem gesamten Team sowie
den nächsten Spielzug zu besprechen, sich zu Fokus auf den Patienten gearbeitet wird. mit den tagesaktuellen Teamkollegen, durch eine
motivieren und gut zuzusprechen. Gleiches Wort Wie gut organisiert eine jede Station bisher auch Standardisierung und Vereinfachung bestimmter
– komplett entgegengesetzte Bedeutung also, sein mag – traditionell variiert die Arbeitsweise Ablauf- und Materialprozesse (beispielsweise
und – zugegeben – auch komplett anders ausge- und -kultur von Station zu Station – kennt jeder Visite, Materialbereitstellung) sowie durch regel-
sprochen. und jede Mitarbeitende die typischen Verschwen- mässige Kurzmeetings, in denen eingebrachte
Dennoch eignet sich das Gegenüberstellen der dungen: Leerläufe, unnötige Wege, langwierige Verbesserungsvorschläge aller Mitarbeitenden
beiden Worte recht schön, um zu verdeutlichen, wiederholte Absprachen, lange Diskussionen, besprochen und auf kurz- oder mittelfristige
was mit dem Prinzip «Lean» oder dem Modell der fehlende Informationen oder fehlendes Material. Umsetzung geprüft werden. Entscheidend für das
«Lean-Bettenstation» letztlich bezweckt werden Diese behindern oder erschweren die tägliche funktionierende System Lean, ist, dass alle diese
soll. Stets den Patienten im Fokus gilt es voraus- Arbeit auf einer Station. Mit der Einführung und Planungs- und Arbeitsinstrumente ineinandergrei-
schauend zu planen und Ruhe in die Arbeits Umstellung auf Lean werden solche Verschwen- fen und alle Stationsmitarbeitenden – von der
abläufe zu bringen statt mit grosser Hektik vieles dungen eliminiert, die Arbeitsprozesse stan Stationsleitung bis zur Pflegehilfe, die Ärztinnen
gleichzeitig und möglichst schnell zu erledigen dardisiert und im Rahmen eines kontinuierlichen und Ärzte, die Hotellerie, das Reinigungspersonal10 | Fokus Lean@KSA
Marco Bellafiore, Leiter Stab Direktion Pflege und
MTTD
«Mit Lean rücken Ärzte und
Pflegende enger zusammen,
das kommt allen (vor allem den
Patientinnen und Patienten)
zugute, aber auch den Mitar-
beitenden. Die Pilotstation 721
verbucht bereits erste Erfolge:
Durch die Prozess
optimierungen konnten z.B. die
Überzeiten gesenkt werden.»
Leanwagen im Testeinsatz während der Pilotphase des Projekts Lean@KSA.
Rahel Frey, Stationsleiterin 181
«Ich sehe Lean als eine super und die Logistik – das Prinzip Lean und die damit denheit und anderes mehr. Zu klar definierten und
verbundenen Prozesse und Ziele verinnerlichen. pünktlich einzuhaltenden Zeiten versammelt sich
Chance, über die Jahre einge- Greifen alle Elemente ineinander, funktioniert das hier bis zu 6-mal täglich das gesamte dienst
Ganze in der Tat wie eine taktisch perfekt einge- habende Personal – vor der morgendlichen Visite
führte und gewohnte Strukturen stellte, auf alle Eventualitäten vorbereitete und gut auch der Arztdienst – für einen kurzen Austausch
harmonierende Mannschaft, die im täglichen (Huddle: 3–6 Minuten). Hier können kurzfristig
zu überdenken und im Sinne des Stationsalltag auch auf Unvorhergesehenes auftretende Fragen oder Infos geklärt werden oder
Patienten anzupassen. Lean jederzeit flexibel und rasch reagieren kann. Der der Personaleinsatz je nach anfallendem Arbeitsauf-
Team-Spirit und das «Wir-Gefühl» wird dadurch wand in den Zonen angepasst werden.
sollte aber nicht nur in der erheblich gestärkt, die Arbeit macht wesentlich Die Informationen auf dem Huddleboard werden
mehr Spass. laufend durch die Stations- und Schichtverantwortli-
Pflege, sondern in allen Spital Die Hauptziele und -inhalte einer Lean-Betten chen angepasst. Wichtige Informationsquelle ist
station lauten: neben dem Huddle das sogenannte Flow-Board. Die
bereichen Einzug halten.» • Die Leistungen zum Patienten bringen in einer Zone (6–8 Patienten) eingeteilten Pflege-
• Nivellierung der Arbeitslast fachkräfte tauschen sich jeweils stündlich über ihren
• Qualitätsgerechter Personaleinsatz aktuellen Arbeitsaufwand, über Materialbedarf usw.
• Kontinuierliche Verbesserung aus und tragen diese Informationen auf dem
• Zusammenarbeit fördern Flow-Board mit Farbmagneten oder schriftlich ein.
Richard Glaab, Leitender Arzt Traumatologie • Transparenz steigern Die Flow-Boards werden ebenfalls stündlich von den
Stationsleitungen oder Materialverantwortlichen
«Die Einführung von Lean Das Huddleboard abgelesen. Die Infos fliessen ins Huddleboard ein,
war problemloser als erwar- Das sogenannte Huddleboard ist das Herzstück das angeforderte Material wird just-in-time bereitge-
jeder Lean-Bettenstation. Die fürs KSA massge- stellt. Ebenfalls stündlich kurz vor dem Flow-Board-
tet. Bei den Abläufen mussten schneiderte grosse Magnettafel an zentralem Meeting findet pro Patient ein Check (Runde) im
Standort auf der Station visualisiert sämtliche für Patientenzimmer statt. Bei Dienstantritt erfolgt ein
wir uns als Ärzte anpassen. den Tagesablauf wichtigen Informationen wie ausführlicher Check mit individueller Vorstellung,
Verantwortlichkeiten, individuelle Schicht- und Tagesplanung, Informationen, Schmerzerfassung,
Lean ist bis auf die Begriff- Zoneneinteilungen, Patientenbelegungen, Visiten- Erfassung der Patientenbedürfnisse usw., nachfol-
lichkeiten recht nah am ge- zeiten, Eintritts- und Austrittsinformationen, gend eine stündliche Überprüfung. Diese Informatio-
tagesaktuelle Infos, Tages- und Wochenziele nen werden gemeinsam mit dem Patienten erfasst
sunden Menschenverstand.» sowie Status zur Patienten- und Mitarbeiterzufrie- und auf dem auch für den Patienten (und Angehöri-Fokus Lean@KSA | 11
Barbara Schoch, Stationsleiterin 721
«Die Einführung von Lean
ist anstrengend und
a rbeitsintensiv, aber Lean
ermöglicht strukturierteres
Arbeiten, eine gleich
mässige Arbeitsverteilung,
weniger Überzeit und eine
offenere Kommunikation.»
Jennifer Fessler, Stationsleiterin 182
Infoaustausch vor dem Huddleboard Station 721. «Motivation ist bei Lean alles!
Wichtig ist, dass alle, von der
gen) jederzeit sichtbaren Patientenboard (Nähe Bett) ten für den reibungslosen Stationsalltag betreffen
festgehalten. oder in Form von Memos an Vereinbarungen oder
Führung bis zum Praktikanten,
Weisungen erinnern, wird in wöchentlichen sich einlassen und bereit sind,
Mit den Instrumenten Patientenboard, Flow-Board Meetings über grundsätzliche Verbesserungsvor-
und Huddleboard ist eine jederzeit anpassbare, schläge für den Stationsbetrieb diskutiert. Auch Ideen mit einzubringen. Beim
rollende, proaktive und verbindliche Tagesplanung hier ist der Input von allen Beteiligten gewünscht
des gesamten Stationsbetriebes möglich und, und wird mittels KVP-Board im Stationszimmer kontinuierlichen Verbesse-
was entscheidend ist, für alle transparent ge- (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess) disku-
macht. Eine aktive Mitsprache aller und das tiert.
rungsprozess sollen alle mit
Einbringen von Ideen oder das Hinweisen auf Die Umstellung auf eine Lean-Bettenstation ist reden dürfen und sich auch
Problemfelder ist ausdrücklich erwünscht und Teil ohne Veränderungsbereitschaft und Offenheit für
des Systems, das auf stete Verbesserung setzt. Neues nicht möglich. Sie erfordert von allen an der Umsetzung der Mass-
Ein wichtiges neues Arbeitsinstrument für die Beteiligten, insbesondere aber vom Pflegekader
Pflegefachkräfte ist auch der sogenannte Lean- und auch von der Ärzteschaft ein grosses Com- nahmen beteiligen. Lean ist
Wagen. Der mobile Arbeitsplatz mit fix installier- mitment zum Prinzip Lean sowie die Bereitschaft,
tem Bildschirm und Zugang zu allen klinischen die eigene Arbeitsweise neu zu strukturieren und
kein Projekt der Führung, son-
Applikationen enthält alle Medikamente und Bestehendes zu hinterfragen, aber auch zu dern das gesamten Teams.»
Pflegematerialien, die nach definiertem Bedarf in verabschieden oder anzupassen. In diesem Sinn
sogenannten Pflegesets vorkonfektioniert sind. ist das Projekt «Lean-Bettenstation» für das
Das Bereitstellen und Nachfüllen des Materials Gesamtspital ein grosses «Change»-Projekt und
erfolgt aufgrund der Informationen aus dem Teil des angestrebten Kulturwandels im Hinblick
Flow-Board und erfolgt kontinuierlich durch die auf den Neubau. Weil alle Stationen künftig nach
Pflegeassistenz. Mit dem Lean-Wagen kann der gleichen Methodik und definierten Abläufen
direkt beim Patienten gearbeitet werden und die arbeiten und das Prinzip Lean vor allem in Sachen
Dokumentation vor Verlassen des Patientenzim- Zusammenarbeit und Transparenz geradezu ein
mers abgeschlossen werden. neues Wir-Gefühl verlangt, wird die Implementie-
rung von Lean ein ganz wichtiger Schritt auf dem
Kontinuierlicher Verbesserungsprozess Weg zu einer neuen Wir-Kultur am KSA sein. •
Neben den jederzeit neu auf dem Huddleboard Ralph Schröder
definierbaren Tages- und Wochenzielen, die meist
praktische und sehr pragmatische Angelegenhei-12 | Fokus Lean@KSA
Corinne Seiler, Stv. Stationsleiterin 721
«Die Arbeitsverteilung ist
unter Lean viel ausge
glichener und gerechter
geworden, die Überzeit ist
rückläufig, die Kommuni-
kation ist offener und
direkter geworden, der
Informationsfluss geht viel
schneller und die Zufrie-
denheit der Patienten ist Wichtigstes Tool von Lean@KSA Bettenstation: Das Huddleboard.
gestiegen, da die Be
treuung transparenter ist.
Rollout von Lean@KSA
Das Projekt Lean@KSA startete 2017 mit einem Übrigen in einem «Try and error»-Verfahren im KSA
Prof. Dr. Philipp Schütz, Chefarzt Allgemeine erfolgreichen Pilot in der Frauenklinik auf Station inhouse erarbeitet. Die Abteilung Unternehmensent-
Innere und Notfallmedizin 821 und dem Gebärsaal. Eine Ausweitung des wicklung hat das Pilotprojekt in die Realität umgesetzt
Projekts auf weitere Stationen war zunächst nicht und wird auch das Rollout von Lean auf das Gesamt-
«Mit Lean werden das möglich. Beide Stationen arbeiten jedoch bis heute spital führen. Tatkräftig untertützt wird sie dabei
mit der Lean-Methode sehr erfolgreich. Auf Initiative jeweils vom Technischen Dienst, der Baugruppe und
Teamwork verbessert und des Departements Pflege und MTTD wurde ein der Abteilung Projekte & Prozesse.
die Prioritäten besser weiteres Pilotprojekt 2019 für die Stationen 721
(Medizin) sowie 181 (Chirurgie) geplant. Aus
gesetzt. Wichtig ist jedoch Synergiegründen wurden ebenfalls die Stationen
731 sowie 182 in das Lean-Projekt integriert.
die Adaptation des Kon- Die Stationen 721 und 181 sind heute beide komplett
auf Lean ausgerollt. Die Stationen 731 und 182
zeptes auf die Bedürfnisse arbeiten mit Teilen der Lean-Tools wie dem Huddle-
der individuellen Stationen board, dem Flow-Board sowie dem Kontinuierlichen
Verbesserungsprozess (KVP vgl. S. 10–11) und sollen
und Personen. Lean ist bis Januar 2021 komplett auf Lean umgestellt sein.
Sämtliche Tools (Huddleboards usw.) wurden im
eine Chance etwas zu
verbessern, braucht aber Jahr 2020 2021
Monat 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 1 2 3 4 5 6 7 8 9
aktive Unterstützung und Pilote 721 + 731 / 181 +182 März bis Juli
ein Mitdenken. Bettenstationen Medizin September bis Januar
Bettenstationen Chirurgie Februar bis Fe
Bettenstationen Kinderklinik
Bettenstationen Frauenklinik Jan.
Beschaffung Lean-Wagen Sep.- Dez.Fokus Lean@KSA | 13
Andrea Beck, Pflegefachfrau Station 821
«Anfangs begegnete ich
dem Projekt mit viel Unsi-
cherheit und Skepsis. Aber
mit Lean kann ich meine
Funktion als Pflegefach-
kraft voll wahrnehmen
und besser mit den
P atienten arbeiten, weil
ich nicht gestört werde
oder Nebensächlichkeiten
erledigen muss.»
Laufender Informationsfluss am Flow-Board. Schulung während der Umstellung auf Lean@KSA.
Martina Gautschi, Assistenzärztin Chirurgie
Rollout bis 2022 für alle Anwenderinnen und Anwender organisiert «Die Patiententafeln mit
Im August dieses Jahres hat die Geschäftsleitung werden (vgl. Veranstaltungshinweis unten).
beschlossen, die Lean-Bettenstationen auf das
klarer Definition des zu-
Gesamtspital auszurollen. Bis Ende 2021 sollen Beschaffung der Lean-Wagen ständigen Pflegepersonals
50% aller Bettenstationen im KSA auf Lean ausge- Im Rahmen der Piloten wurde auch ein Lean-Wagen
rollt sein, bis Ende 2022 sämtliche Bettenstation mit intensiv geprüft und getestet, der für das Gesamtspital und Arztdienstes sowie
der Lean-Methodik arbeiten. Die Einführung von infrage kommt, mit positiven Ergebnissen. Für das
Lean auf allen Bettenstationen erfolgt nach einem Beschaffungsverfahren erfolgt ein Einladungsverfah- der Tagesziele finde ich
standardisierten Vorgehen. Pro Station wird jeweils ren. Hierbei unterstützt der Strategische Einkauf des
ein zehnwöchiges Einführungsprogramm durchge- KSA aktiv. Eine Beschaffungsjury mit Vertretern aus
sinnvoll. Dies verhilft den
führt mit Schulungen, Coachings, Workshops. Um allen involvierten Bereichen wurde ins Leben gerufen. Patienten zu mehr
die Nachhaltigkeit von Lean sicherzustellen, sind Bis im Dezember dieses Jahres rollen die ersten
ausserdem dreimal jährlich interne Lean-Treffen der Lean-Wagen im KSA aus. O rientierung und Struktur
Anwenderinnen und Anwender im KSA geplant Die Gesamtprojektleitung für Lean@KSA liegt bei
sowie gegenseitige interne GEMBAs (Praxisbeob- Urs Riggenbach, Projektleiter Unternehmensent- während ihres Spital
achtungen mit Feedback und Massnahmenplanung). wicklung. Sämtliche Fragen zu Lean können direkt
Einmal jährlich soll des Weiteren ein Lean-Input an ihn gerichtet werden. •
aufenthaltes. Der Nutzen
durch einen externen Referenten/externe Referentin für uns Assistenzärzte
2022 2023 hält sich aber in Grenzen.»
9 10 11 12 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Lean-Input mit
Hitoshi Takeda
16. November 2020
ebruar Ganztägige Veranstaltung
März bis Juli
Vortrag und Workshops
Aug.-Okt. mit Beteiligung weiterer externer
Lean-Spezialisten14 | Persönlich
Studierte Pflegefachfrau offen halten, auch das gehört zum Wesen von Livia.
Nur so ist zu erklären, dass sie vor dem Eintritt ins
Gymnasium in Langenthal in so unterschiedliche
und Zauberin am Hockeystock Berufe wie Innendekorateurin, KV, medizinische oder
Tierarztpraxisassistentin reinschnuppert, oder nach
der Matur gleich ein zweimonatiges Pflegepraktikum
absolviert, um sich, falls es mit dem Medizinstudium,
Die 23-jährige Livia Zumstein ist seit August 2019 im Ambulatorium der Onkologie, Hämatolo- das zu diesem Zeitpunkt ihr innigster Wunsch ist,
gie und Transfusionsmedizin tätig. Zunächst als Fachhochschulstudentin der Pflege, seit März nicht klappen sollte, die Türe für ein Studium der
Pflege offen zu halten. Ärztin zu werden, war damals
dieses Jahres als angestellte dipl. Pflegefachfrau FH. Daneben betreibt sie Leistungssport als ihr grosser Wunsch. Trotz Ehrgeiz und grossem Willen
Unihockeyspielerin der Wizards Bern Burgdorf in der Nationalliga A, ein unglaubliches Pensum. war die Hürde Numerus clausus sprich Eignungstest
für das Medizinstudium dann doch zu hoch, was sie
heute aber nicht bereut, damals aber einen tränenrei-
Sich selbst würde Livia Zumstein wohl nie als Auch der grosse Umschwung mit Garten rund um chen Tag verursachte. Doch Livia ist jemand, der nach
Zauberin am Unihockeystock bezeichnen. Dafür ist das etwas abseits von Herzogenbuchsee gelegene vorne schaut, immer den nächsten Schritt macht.
sie viel zu bescheiden. Livia gehört nicht zu denen, Einfamilienhaus der Eltern hat dazu beigetragen. Bewusst entschied sie sich danach für den Studien-
die sich gross ins Rampenlicht stellen. Aber weil sie Fussballspielen, Volleyball, Tennis, im Winter gar gang Bachelor of Science Pflege, überbrückte das
bei den Wizards Bern Burgdorf im Unihockeyteam Eishockey auf selbst geeister Fläche, ja selbst das folgende Jahr jedoch zunächst mit einem Praktikum in
der Frauen spielt und Wizards ja nichts anderes regional verankerte Hornussen – der grosse Bruder der Controlling-Abteilung der SBB. Während des
heisst als Zauberinnen, ist sie eben eine von insge- trieb die jüngere Schwester zu allen möglichen Bachelor-Studiengangs in Pflege an der Berner
samt 23 Zauberinnen im Damen-Spitzenteam des Sportarten an, nicht ganz uneigennützig zwar, aber Fachhochschule Gesundheit entdeckt sie dann ihr
Vereins. Ziemlich erfolgreiche Zauberinnen im profitiert hat Livia davon natürlich auch. Den grosses Interesse für die Onkologie. Bereits ihr erstes
Übrigen. Die Wizards Bern Burgdorf spielen in der Schwung und bestimmte Techniken hat sie aus Wahlpflichtpraktikum absolvierte sie auf der Onkolo-
Nationalliga A, also der höchsten Spielklasse der gie-Bettenstation und im Ambulatorium des Lindenhof-
Schweiz. Erst kürzlich haben sie Silber im nationalen spitals Bern. Als es um die Suche nach einem Wahl-
Supercup geholt, und der Saisonstart ist mit zwei praktikumsplatz für das Abschlussjahr des Studiums
Auftaktsiegen in der Meisterschaft und im Cup auch geht, sucht sie bewusst eine Stelle in einem onkologi-
gelungen. Die Wizards sind also ein Spitzenteam und
Livia trägt ihren Teil dazu bei.
Erfolg beginnt im schen Ambulatorium. Natürlich spielte auch eine Rolle,
dass nur mit geregelten Arbeitszeiten – und solche
Spitzenleistungen kommen natürlich nicht von selbst, Kopf. gelten in einem Ambulatorium – das Weiterführen ihres
schon gar nicht auf diesem Niveau. Livia trainiert seit Leistungssports möglich war. Beides verbinden zu
Jahren hart dafür, aktuell sechsmal die Woche, können, war ihr grosser Traum, und sie hatte Glück.
täglich gut zwei Stunden, davon an zwei Tagen nur Viele onkologische Ambulatorien setzen auf etwas
für sich selbst, für zusätzliche Kondition und Fitness. diesen Erfahrungen mit ins Unihockey genommen, zu ältere, erfahrenere Mitarbeitende, andere nehmen gar
Bei einem Arbeitspensum von 100% wohlgemerkt. dem sie letztlich auch der Bruder gebracht hat, der keine Studentinnen im Abschlusspraktikum. Doch in
Dazu kommen am Wochenende die Liga- und im Übrigen heute Nationalliga B spielt. Aarau gab man ihr die Chance und Livia zahlte es mit
Cupspiele mit Hin-und Rückreisen zu den Spielorten Bei den Junioren B steigt sie als 13-Jährige in viel Einsatz, Engagement und Können zurück. So gut,
in der gesamten Deutschschweiz. Im Sommer Herzogenbuchsee ein, wo wenig später der Bruder dass man ihr nach ihrem Abschluss Ende Februar
kommen diverse Trainingslager dazu, hie und da das Training übernimmt und sie immer weiter bringt. dieses Jahres als dipl. Pflegefachfrau FH eine
auch mal ein internationales Turnier. Das erfordert So weit, dass sie mit 18 beschliesst, einen Gang 90%-Stelle anbieten konnte. Seither ist sie fester
eine enorme Disziplin und vor allem Ehrgeiz, viel höher zu schalten, sich einen neuen Verein sucht und Bestandteil des onkologischen Ambi-Teams, wo sie
Ehrgeiz. Und es braucht einen Arbeitsplatz und eine findet: die Wizards Bern Burgdorf. Seither spielt sie als sich mehr als wohl fühlt und sich darüber freut, dass
Tätigkeit mit geregelten Arbeitszeiten, ein Team und ambitionierte Verteidigerin bei den finanziell eher sie Beruf und Leistungssport weiterhin unter einen Hut
Vorgesetzte, die dafür Verständnis aufbringen bescheiden dotierten Wizards gegen die Ligagrössen bringen kann. Die sehr individuelle, teilweise langfris-
können. Genau das ist es auch, was Livia Zumstein Piranha Chur und die Jets aus Kloten-Dietlikon ganz tige Begleitung und Betreuung der Krebspatienten
letztlich nach Aarau ins onkologische Ambulatorium oben mit. während ihren Therapien ist das, was Livia an ihrer
geführt hat. Doch davon später. Wer seine sportliche Karriere mit so viel Ehrgeiz Arbeit so schätzt. Zaubern wie manchmal beim
Der Ehrgeiz, es sportlich und im Unihockey so weit zu vorantreibt, der wird sich auch beruflich keine kleinen Unihockey, kann sie dabei natürlich nicht, aber ihre
bringen, sei nicht von Anfang an so dagewesen, Ziele stecken. Lange war Livia jedoch auch dabei empathische und fürsorgliche Art kommt bei den
erklärt die in Herzogenbuchsee/Oberönz / BE nicht klar, wohin genau die Reise gehen soll. Aber die Patienten und ihren Angehörigen an. Und was wünscht
aufgewachsene Livia. Pflichtbewusst und fleissig ist Zukunft offen lassen und mal schauen, wo es einen sie sich für ihre Zukunft? Den Master wird sie voraus-
sie zwar immer gewesen, auch in der Schule. Eine hintreibt, ist nicht Livias Sache. Pläne und Ziele sichtlich noch machen, und klar, Damenmeister im
treibende Kraft für ihre sportlichen Aktivitäten sei müssen schon sein, auch wenn der Weg noch nicht Unihockey will sie natürlich auch noch werden. •
aber sehr früh ihr drei Jahre älterer Bruder gewesen. klar ist. Sich absichern und möglichst viele Optionen Ralph Schröder| 15 Livia Zumstein, dipl. Pflegefachfrau FH und Nationalliga-A-Unihockeyspielerin bei den Wizards Bern Burgdorf.
16 | Zofingen
Die Case Managerinnen im Spital Zofingen
Das Case Management im Spital Zofingen ist seit 8 Jahren
sehr gut etabliert und im gesamten stationären Bereich Was bedeutet
inkl. der Akutgeriatrie und der Palliativmedizin tätig. Case Management?
Case Management (CM) ist ein Handlungskonzept mit genau definier-
Hospitalisierte Patientinnen und Patienten in schwierigen oder problematischen ten Schritten. Dabei werden die Unterstützungs- und Beratungspro-
Lebens- und Wohnverhältnissen, vor allem ältere Personen, wissen oft über zesse im Sozial-, Gesundheits- und Versicherungswesen strukturiert
vorhandene, auch finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten, z. B. durch die Sozial- und koordiniert. In einem durch das CM systematisch geführten Prozess
versicherungen, wenig Bescheid. Das Case-Management-Team des Spitals werden Menschen in komplexen Problemsituationen individuell und
Zofingen ist genau dafür da und klärt in solchen Fällen gemeinsam mit den gezielt ressourcen- und lösungsorientiert unterstützt. •
Patienten und bei Bedarf auch mit den Angehörigen und dem übrigen Netzwerk,
wie die gegebene Lebens- und Wohnsituation aussieht und welche Unterstüt-
zungsmöglichkeiten bereits vorhanden sind. Muss beispielsweise eine kosten-
pflichtige Nachsorgelösung nach dem Spitalaufenthalt in Betracht gezogen
werden, wird auch die finanzielle Situation thematisiert und nach Lösungen
gesucht. Das Case Management steht hierfür beratend und begleitend zur Seite.
Rehospitalisierungen verhindern
Ziel ist es jeweils, dass das Case Management möglichst früh involviert wird. Denn
nur durch ein frühzeitiges, gezieltes Management kann eine bedarfsgerechte
Unterstützung gewährleistet und eine Austrittsverzögerung verhindert werden. Die
rechtzeitige Organisation einer passenden Nachsorgelösung wirkt zusätzlich dem
sogenannten «Drehtüreffekt» entgegen, d. h. einer Rehospitalisierung kurz nach
einem erfolgten Austritt, was für das Spital immer zusätzliche Kosten generiert.
Wichtig ist in jedem Fall, dass sich jeder Patient dabei als Individuum wahrgenom-
men fühlt und die gewählte Nachsorgelösung seiner aktuellen Lebenssituation
entspricht. Das Team im Spital Zofingen besteht aus 5 Case-Managerinnen
(280 Stellen-Prozente) und arbeitet eng im interdisziplinären Team mit Arzt-,
Team Case Management Zofingen, hinten (v. l. n. r.): Anna Guggenbühl, Maya Droz Pflege- und therapeutischen Diensten zusammen und koordiniert die Massnah-
(Leitung), Maya Hammel; vorne: Stefanie Maedje und Debora Hunziker. men zur individuellen Austrittsplanung. • Maya Droz
Platzkonzert der Schweizer Militärmusik
Vertraute Klänge. Bei prächtigstem Sommerwetter kamen die Bewohnerinnen
und Bewohner des Pflegezentrums Zofingen und alle Gäste des Spitalrestaurants
Vita am 19. August 2020 in den Genuss eines hochkarätigen Platzkonzertes des
Rekrutenspiels RS 16-2/20. Begleitet von den Trommelwirbeln der Tambouren
marschierten 45 Rekruten vom alten Mitarbeiterparkplatz mit Standarten ums
Pflegezentrum herum und positionierten sich auf der Wiese vor dem Spitalrestau-
rant. Dort wurden sie bereits gespannt von zahlreichen Zuschauern erwartet. Das
abwechslungsreiche Potpourri an Musikstücken, unterbrochen von akkuraten
Einlagen der Tambouren, liess die Zuhörenden Raum und Zeit vergessen.
Gedanken an frühere Erlebnisse während der eigenen Zeit im Militär wurden
wach, Erinnerungen an zahlreiche Festumzüge durchs «Städtli» Zofingen kamen
auf. Auf der Wiese vor dem Spital entstand eine feierliche, beinahe magische
Stimmung, die alle Zuhörenden in ihren Bann zog. Mit einem Lächeln im Gesicht
und sichtlich erhobenem Kopfe spazierte so mancher Bewohnende des Pflege-
zentrums nach dem Konzert am Rollator wieder zurück. • Live-Militärmusik auf der Wiese vor dem Pflegezentrum des Spitals Zofingen.Inside | 17
Grippeimpfung – jetzt erst recht!
In diesem Jahr stellt sich die Frage nach der Grippeimpfung resp. dem Schutz
vor einer Grippe-Ansteckung ganz neu. Warum sich trotz Maskenpflicht eine
Grippeimpfung jetzt erst recht empfiehlt und wo resp. wann man sich im KSA
impfen lassen kann, erfahren Sie hier.
Grippeimpflokalitäten 2020/2021
Impfrate der Mitarbeitenden des KSA
mit Patientenkontakt 2. bis 15. November
Impfaktion auf den Abteilungen
70 % ärztlich tätig
60 % pflegerisch tätig Am 2. / 6. / 9. November, 11.00 bis 13.30 Uhr
im Personalrestaurant Le Clou
50 % patientennah tätig
40 % alle Mitarbeitende mit November
30 % Patientenkontakt im Rahmen von Ärzterapporten
20 % Ab 16. November
10 % im Personalarztdienst / Ambi Medizin:
Mo / Di / Do / Fr, von 09.00 bis 12.00 Uhr und
0%
von 14.00 bis 16.30 Uhr
2015/16 2016/17 2017/18 2018/19 2019/20
Über die letzten Jahre ist die Zahl der gegen die weniger Grippefälle haben werden. Für eine Alle Mitarbeitenden, welche vor Ort tätig sind,
Grippe geimpften Mitarbeiter im KSA erfreulicher- Grippeimpfung sprechen jedoch gerade in der können sich auf den Abteilungen in den ersten
weise deutlich angestiegen. Zugleich haben alle jetzigen Situation weiterhin die bekannten zwei Novemberwochen im Rahmen der Impfaktion
Mitarbeitenden mit Patientenkontakt, die nicht Argumente (siehe Box unten). Darum lautet das gegen die Grippe impfen lassen. Weitere Möglich-
geimpft waren, konsequent einen Mund-Nasen- diesjährige Motto unserer Impfkampagne: keiten bestehen an ausgewählten Terminen
Schutz getragen. Die Sicherheit für unsere Grippeimpfung – jetzt erst recht! während des Mittagessens im Personalrestaurant
Patienten, aber auch in den Teams konnte durch LeClou sowie anlässlich der Besuche der Spital
diesen grossen Einsatz von allen Mitarbeitenden Wie und wo kann man sich in dieser hygiene in den Ärzterapporten.
deutlich erhöht und die Fälle von nosokomialen Grippesaison impfen lassen? Im Personalarztdienst selbst werden Grippe
(im Spital erfolgten) Übertragungen vermindert Der Schwerpunkt der Kampagne liegt dieses Jahr impfungen in diesem Jahr erst ab Montag,
werden. Die Geschäftsleitung und Kampagnen- klar auf der Impfaktion auf den ca. 60 von der 16. November angeboten. •
verantwortlichen wissen dies zu schätzen und Spitalpharmazie belieferten Abteilungen/Bereiche. Andreas Gross
bedanken sich dafür.
COVID-19 verändert die Ausgangslage
In diesem Jahr ist alles etwas anders. COVID-19 Weshalb sollen wir uns gegen die Grippe
und die damit verbundenen Folgen und Massnah-
men haben unsere Lebens- und Arbeitswelt impfen?
radikal verändert. Das Tragen eines Mund-Nasen- 1. Eine Impfung schützt 24 Stunden/Tag (und nicht nur, wenn man eine Maske trägt und die
Schutzes ist zu einem festen Teil unseres Alltags Hygieneregeln strikte umsetzt), privat wie beruflich.
geworden, ob bei der Arbeit, im Öffentlichen 2. Wir betreuen weiterhin viele Personen, die besonders gefährdet sind, nicht nur durch
Verkehr oder bei einem Veranstaltungsbesuch. Im COVID-19, sondern auch durch die Grippeviren.
Spital ist das Tragen einer Schutzmaske seit 3. Eine Grippeimpfung kann eine gleichzeitige Erkrankung an Influenza und COVID-19 mit den
Monaten Pflicht. Dieser Umstand wie überhaupt daraus möglicherweise resultierenden Gefahren verhindern.
die Umsetzung der Hygieneregeln wird mit 4. Es wird uns alle in den kommenden Monaten im Spital wie zu Hause brauchen! In den
grosser Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass wir kommenden Wintermonaten wird es schwierig, die zu erwartenden Ausfälle zu kompensie-
in den kommenden Wintermonaten weniger ren. Da kann uns eine Grippeimpfung helfen. •
«banale» Erkältungskrankheiten und evtl. auch18 | Digital
Datenschutz
Haben Sie Fragen zum Datenschutz?
Praktisch alle Daten im Gesundheitswesen sind besonders schützenswert. Dem
Datenschutz im Spital kommt deswegen eine hohe Bedeutung zu. Die Anlauf-
stelle datenschutz@ksa.ch im Bereich Legal & Compliance bietet neu die
M öglichkeit, Fragen rund um das Thema Datenschutz klären und bearbeiten
zu lassen.
Im Spital werden immer mehr Gesundheitsdaten Bedingungen wieder für Besucher geöffnet. Eine Umgang mit Patientendaten
digital verarbeitet. Generell wächst die Daten- Bedingung dabei war der Eintrag des Namens und Komplexer wird es beim Umgang mit Patientenda-
menge in allen Lebensbereichen exponentiell und Angabe einer Kontaktmöglichkeit auf einer ten. Wer hat wann und zu welchem Zweck Einblick
sie wird mit voranschreitender Digitalisierung Namensliste für ein potenzielles Contact Tracing. in Patientendaten, was darf überhaupt erfasst
auch weiter wachsen. Insbesondere die Corona- Diese Massnahme jedoch erwies sich als nicht werden, welche Informationen dürfen ausgetauscht
Krise hat dieser Entwicklung einen weiteren datenschutzkonform. Sie machte Informationen zu oder weitergeleitet werden. Ähnliche Fragen stellen
Schub verliehen. Das bedeutet aber auch: der Personen und deren Aufenthaltsort zu einem sich auch bei Personendaten von Mitarbeitenden.
Umgang mit den Daten, seien es allgemein bestimmten Zeitpunkt im Spital publik. Was hat Trotz Datenschutzreglementen und -richtlinien, den
Personendaten oder Patientendaten, wird immer mein Nachbar Martin M. gestern oder heute Bestimmungen über die ärztliche Schweigepflicht
komplexer, auch und gerade in den Spitälern. Das im Spital gemacht? Warum war – spekulatives und dem gesundheitsrechtlichen Berufsgeheimnis
Thema Datenschutz wird deswegen immer Beispiel – Aaraus Stadtpräsident Hanspeter kann es in der Praxis immer wieder zu ungeklärten
relevanter und manchmal auch komplizierter, egal Hilfiker kürzlich hier? Die Preisgabe solcher Fragen im Zusammenhang mit dem korrekten
ob digital oder analog. Informationen ist eine klare Verletzung der Privat- Umgang und Erfassen von Daten kommen. Die
Ein Beispiel aus der jüngsten Praxis: Nach dem sphäre. Die Praxis musste geändert werden, geplante Einführung des E-Patientendossiers,
Lockdown und dem Herauffahren des Spitalbe- die Namenslisten mussten weg. Jeder Besucher künftig angestrebte Cloud-Lösungen oder KI
triebs wurde auch das Café Santerra in einem gibt seine Kontaktdaten seither einzeln und (Künstliche Inelligenz) werden diese Thematik
separierten Bereich unter Einhaltung bestimmter vertraulich ab. weiter verschärfen.Sie können auch lesen