Journal - Lebensgemeinschaft Eichhof

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Journal - Lebensgemeinschaft Eichhof
November 2017 · Ausgabe Nr. 49   J o ur na l
                                   Menschen        Handwerk       Lebensfreude

Schwerpunktthema:                  Weitere Themen:

                                   Wettlauf gegen den Zahn der Zeit

Musik                              Themenreihen:
                                   z	Zukunftsplanung zum Lebensende:
                                      „Was ich will“
                                   z Was machen die Gärtner / Landwirte
                                     eigentlich im Winter

                                   Auf der Eichhof-Bühne im April 2018
                                   „Die dumme Augustine“
                                   Ein besonderes Theater-Zirkus-Projekt
Journal - Lebensgemeinschaft Eichhof
Menschen            Handwerk                   Lebensfreude

 Inhaltsverzeichnis

      Grußwort von Georg Rothmann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .                        3
                                                                                                         Handwerk

      Menschen
                                                                                                         Licht in der Dunkelheit –
                                                                                                         Die Lichtkrippe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
      Themenreihe: Gremien
      z Zukunftsplanung zum Lebensende:
         „Was ich will!“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   4   Berufsbildungsbereich auf Tour . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28

                                                                                                         Naturbetrachtungen
      Schwerpunkt „Musik“
                                                                                                         Das Leben der Flechten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31

      Jubiläumskonzert des Eichhof-Orchesters .. . . . . . . . . . . .                               6
                                                                                                         Themenreihe: Werkstattbereich
                                                                                                         z Was machen die Gärtner / Landwirte
      Stella und ihre Trompete . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .             7
                                                                                                            eigentlich im Winter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32

      Die Musik und ich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .        8

      Ein Gespräch über gemeinsames Musizieren .. . . . . . . . . 10                                     Menschen

      Der Eichhof-Chor
      Musik macht Stimmung hörbar                                                                        Wettlauf gegen den Zahn der Zeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
      und lässt die Seele mitschwingen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12

                                                                                                         „Das Schlucken sicherer und besser begleiten“
      Musik in Haus 8 .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
                                                                                                         Fortbildung zum Thema „Schluckstörung“ . . . . . . . . . . . . 38

      Eichhof-Band probt für „Die dumme Augustine“ . . . . . . 14

      Musik! Dir wohnt ein Zauber inne … . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16                          Lebensfreude

      Musik wird hier als schön empfunden
      … auch, wenn sie mit Geräusch verbunden! . . . . . . . . . . . 18                                  Jubiläen .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39

      Lebensgemeinschaft Eichhof –
                                                                                                         Zirkus auf dem Eichhof .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
      Ein wundervoller KulturPartner in unserer Region .. . . . 20

      Disco auf dem Eichhof . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22             Sportfreunde Eichhof
                                                                                                         spielten Kontrahenten schwindelig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
      Wolke Sieben schien greifbar nah . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25

                                                                                                         Termine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
      Die Cajón –
      Ein Musikinstrument als Werkstattprojekt . . . . . . . . . . . . 26
                                                                                                         Impressum .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
      Die Eichhof-Karnevalstanzgruppe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43

 2                                                                                                                            Eichhof-Journal                    · Nr. 49 · November 2017
Journal - Lebensgemeinschaft Eichhof
Menschen         Handwerk    Lebensfreude

     Grußwort von Georg Rothmann

     „Musik liegt in der Luft …“

     Damit ist nicht die ZDF Fernsehsendung mit Dieter Thomas Heck gemeint, die in den
     90ern eine sehr beliebte Samstagsabendsendung war. Wer in den letzten Monaten über
     den Eichhof spazierte, konnte sehr unterschiedliche Musik hören. Meist handelte es
     sich um verschiedene Radiosender. Wer der Quelle auf den Grund gehen wollte, stieß
     bei Haus 8 auf die verschiedenen Handwerker die ihre Arbeit mit Musik angenehmer
     machten. Der regelmäßige Beobachter stellte fest, dass jede Gruppe von Handwerkern
     sehr unterschiedliche Radios dabei hatte. Alle hatten eins gemeinsam. Sie sind sehr
     leistungsstark und der aktuell gespielte Radiosender gab einen Hinweis auf das Alter der Aktiven.

     Diese permanente Beschallung brachte die Redaktion des Eichhof-Journals auf die Idee, die Musik zum
     Schwerpunkt dieser Ausgabe zu machen. Neben der oben beschrieben passiven Form der Musik macht
     den Eichhof unter anderem seine Vielfalt unterschiedlicher Musikangebote und Musiker aus.

     Musik begleitet uns ein Leben lang. Sie bringt unterschiedliche Gefühle in uns hervor und mit einigen
     Musikstücken verbinden wir ganz besondere Situationen in unserem Leben. Die Emotionen die wir in
     diesen Situationen hatten lassen sich durch die Musik erneut erleben. Musik verbindet und berührt
     die Menschen und hat sich, entsprechend eingesetzt, zur eigenen Therapieform entwickelt. Gerade in
     der Betreuung von Personen mit Demenz ermöglicht sie lange einen Zugang zu diesen Menschen. Im
     Vergleich zu anderen Teilen des Gehirns bleibt das Langzeit-Musikgedächtnis erstaunlich lange intakt
     und funktionsfähig.

     Wie vielfältig die Musik das Leben auf dem Eichhof beeinflusst, können Sie im Schwerpunkt des neuen
     Eichhof-Journals erleben. Das Orchester feierte in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen mit einem ganz
     besonderen Jubiläumskonzert. Noch länger als das Orchester musizieren die Sänger im Chor und die
     Musiker in den verschiedenen Rhythmusgruppen zusammen. Dann gibt es noch die unterschiedlichsten
     Momente, in denen Menschen alleine oder mit anderen Musik machen oder sie einfach nur genießen.

     Das Discoteam berichtet von seiner neuen Zusammensetzung und der Unterstützung einiger Nachbarn.
     Einen ganz anderen Aspekt von Musik hat die Holz.Manufaktur entwickelt. Dort werden
     seit einiger Zeit handgefertigte Musikinstrumente gebaut und verkauft.

     Musik kann aber auch ganz andere Dinge ermöglichen. In diesem Sommer organisierten
     viele freiwillige Helfer aus der Region ein Konzert auf dem Eichhof. Der Erlös von 13.000 €
     unterstützt die Arbeit einer Augenklinik in Kamerun / Afrika.

     Musik spielt auch bei unserem aktuellen Theaterprojekt wieder eine große Rolle. Das
     Stück „Die dumme Augustine“ von Otfried Preußler wird im am 27. / 28. / 29. April 2018 im
     Haus der Begegnung aufgeführt. Es handelt sich um das bisher größte Theaterprojekt des
     Eichhofs.

     In mehreren inklusiven Gruppen wird über ein Jahr auf diesen Moment hin gearbeitet.
     Theaterspiel und Zirkusakrobatik werden untermalt von der extra zu diesem Anlass
     gegründeten Band. Zur Band und der Zirkusgruppe finden Sie in dieser Ausgabe je einen Bericht. Wir
     würden uns freuen, Sie bei den Aufführungen im April 2018 begrüßen zu können.                   z

Eichhof-Journal   · Nr. 49 · November 2017                                                                            3
Journal - Lebensgemeinschaft Eichhof
Menschen        Handwerk        Lebensfreude        Themenreihe: Gremien

 Zukunftsplanung zum Lebensende:
 „Was ich will!“
 Vortrag des Hospizvereins Bonn Lighthouse
 im Haus der Begegnung
 von Michael Ziegert

           Die Fragen rings um die Themen Sterben und Tod beschäftigen
           die Menschen auf dem Eichhof. Wie kann man angemessen
           darüber sprechen, wie kann man die individuellen Wünsche erfragen,
           dokumentieren und sicherstellen, dass diese auch in der letzten Lebens-
           phase beachtet werden, Stichwort: Patientenverfügung.
           Dr. Christiane Ohl und Jürgen Goldmann vom Bonner Hospiz-Verein
           Lighthouse berichteten in einem Vortrag von ihren Erfahrungen.

           Es gibt im Leben nicht auf alles ein-    sollte) – und zwar unmissverständ-        In Zusammenarbeit mit dem Verein
           deutige Antworten. Eine Binsen-          lich. Und natürlich gilt dies auch für    Bonn Lighthouse wurde ein konkre-
           weisheit, sicherlich. Aber lange Zeit    Menschen mit Assistenzbedarf.             tes Projekt daraus. Herr Vogel und
           blendeten es viele Menschen aus,         Der Impuls, dieses Thema zu vertie-       eine Kollegin fanden Unterstützung
           dass sich diese Weisheit auch auf        fen, ging im Jahr 2009 von zwei Mit­      bei Dr. Christiane Ohl und Jürgen
           die letzte Lebensphase bezieht, das      arbeitern des Heilpädagogischen           Goldmann, der Geschäftsführung
           Sterben. Gerade die in den vergan-       Heims in Bonn-Villich aus, einer Ein-     des Vereins.
           genen Jahrzehnten enorm gewach-          richtung des Landschaftsverbands          Allen war von Beginn an klar, dass man
           senen medizinischen Möglichkeiten        Rheinland. Einer der beiden, Heinz-       die Beteiligten an einen Tisch setzen
           sind dabei irritierend, denn es ist      Peter Vogel, schrieb seinerzeit: „In      muss. So gab es Workshops mit dem
           scheinbar möglich, das Leben mit Hil-    meinem Berufsalltag zeigt es sich         Titel „Zukunftsplanung zum Lebens-
           fe von Apparaten auf unbestimmte         immer dringlicher, dass Selbstbestim-     ende: Was ich will!“ aus denen dann
           Zeit zu verlängern, selbst wenn das      mung nicht in der letzten Lebenspha-      eine Broschüre in einfacher Sprache
           Leben längst nicht mehr lebenswert       se aufhören darf, sondern in der Zeit     entstand, die in Deutschland einzigar-
           ist. Die Patientenverfügung ist ein      von Sterben und Tod besonders wich-       tig ist. Mittlerweile gibt es sie in zwei
           Schriftstück, in dem jeder Mensch        tig ist, weil sich sonst andere berufen   Versionen, beide in Leichter Sprache,
           seine Wünsche festlegen kann (und        fühlen zu entscheiden, was gut tut.“      eine zusätzlich mit Piktogrammen.

 Immer mehr Patientenverfügungen
 Der Deutsche Hospiz- und Palliativ-Verband (DHPV) veröffentlichte am 6. Oktober
 2017 die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage:
 Die Zahl der Menschen, die angeben eine Patientenverfügung verfasst zu haben, ist
 in den vergangenen fünf Jahren stark angestiegen von 26 % auf 43 %. Weitere 32 %
 haben schon einmal ernsthaft darüber nachgedacht (2012: 43 %).
 Dieser Anstieg spiegelt den verstärkten Wunsch der Menschen wieder, sich mit
 Fragen des Lebensendes und der Vorsorge auseinanderzusetzen. Bereits nach der
 gesetzlichen Regelung zu Patientenverfügungen im Jahr 2009 und der damit ver-
 bundenen öffentlichen Diskussion in den Medien, bei Ärzten und in den Kranken-
 häusern sowie in den Einrichtungen der Hospiz- und Palliativversorgung hatten sich
 bis 2012 immer mehr Menschen damit befasst, Vorsorge für den gesundheitlichen
 Bereich treffen zu wollen für den Fall, dass sie sich nicht mehr selbst äußern können.
 In den vergangenen fünf Jahren – nicht zuletzt im Zuge der „Sterbehilfedebatten“ –
 hat sich diese Tendenz noch einmal verstärkt.

 4                                                                                    Eichhof-Journal      · Nr. 49 · November 2017
Journal - Lebensgemeinschaft Eichhof
Themenreihe: Gremien              Menschen          Handwerk        Lebensfreude

Natürlich sind Sterben und Tod
höchst emotionale Themen, höchst           Kasten: Infos zu Patientenverfügung
erschreckende Themen. So ist ei-
nerseits Behutsamkeit gefragt. An-         Eine Patientenverfügung kann höchst individuell gestaltet sein, ähnlich wie bei
dererseits soll man nicht denken,          einem Testament gibt es viele Möglichkeiten, die eigenen Wünsche und (Wert-)
dass dieses Thema im Leben von             Vorstellungen zu beschreiben. Bei einer sehr persönlichen Darstellung besteht je-
Menschen mit geistiger Behinderung         doch die Gefahr, dass die Angehörigen oder die behandelnden Ärzte den jeweiligen
nicht vorkommt. Großeltern sterben,        Wunsch nicht richtig interpretieren. Die Folgen können gravierend sein. Es gibt zahl-
Eltern, andere Angehörige, Freunde –       reiche Urteile von Gerichten, die über Patientenverfügungen entscheiden mussten,
auch auf dem Eichhof haben wir dies        weil die Inhalte nicht präzise genug waren – bis hin zum Bundesgerichtshof.
schon mehrfach erlebt.                     Einen Standard-Text gibt es dennoch nicht. Weithin empfohlen wird von Experten je-
So beginnt die Broschüre, die man als      doch die Version des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV):
Anleitung für Gespräche verstehen          http://www.bmjv.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Patientenverfuegung.pdf
kann, mit der Frage: „Was ich gerne        Allgemeine Informationen zur Patientenverfügung finden Sie hier:
mag?“ Darin geht es beispielsweise         https://de.wikipedia.org/wiki/Patientenverfügung
um Alltagsgestaltung (Hobbies, Vor-
lieben etc.) oder Bezugspersonen.
Über mehrere Abschnitte mit den Ti-     darauf zugreifen zu können und im
teln „Was mir besonders wichtig ist“    Sinne und Interesse dieses Men-
sowie „Hoffnungen und Befürchtun-       schen handeln und entscheiden zu
gen“ und „Medizinische Erklärun-        können.
gen“ bis hin zu der Frage „Was für      Die Resonanz auf den vielbesuch-
mich getan werden soll“ und auch        ten Vortrag war enorm. Einige Be-
„Meine Beerdigung“. Anhand der          sucher berichteten von Erfahrungen
Gespräche kann dann gemeinsam           aus Gesprächen mit ihren Kindern
ein Formular ausgefüllt werden, auf     zu diesem Thema. Das Thema löste
dass später – wenn tatsächlich das      viele Fragen aus, sowohl rechtlicher
Lebensende naht – zurückgegriffen       Art wie auch die Frage, wie man mit
werden kann.                            der eigenen Befangenheit umgeht.
Frau Ohl und Herr Goldmann beton-       Die Empfehlung der Fachleute war
ten in ihrem Vortrag, dass es nicht     da einfach: Zunächst mal mit der
in erster Linie um die juristischen     eigenen Patientenverfügung anzu-
Aspekte geht, auch wenn diese na-       fangen, sich mit den eigenen Sor-
türlich wichtig sind. Bedeutsamer ist   gen auseinander zu setzen. Und sich
es, die individuellen Wünsche des       dann – auch anhand der bewährten
jeweiligen Menschen zu verstehen,       Broschüre – sich nach und nach ge-
um dann in der konkreten Situation      meinsam mit dem eigenen Kind dem
                                        Thema anzunähern, was nicht in ei-
                                        nem einzelnen Gespräch zu erledi-
                                        gen sei. Frau Ohl und Herr Goldmann
                                        erhielten langanhaltenden Beifall
                                        für ihren Vortrag, dem man die sehr
                                        intensive Auseinandersetzung mit
                                        dem Thema bis ins Detail anmerkte.z

                                           25 Jahre Bonn Lighthouse e. V.
                                           Der Verein „Bonn Lighthouse – Verein für Hospizarbeit e. V.“ (Lighthouse = Leucht-
                                           turm) feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Er wurde gegründet in der
                                           Hochphase der öffentlichen Diskussion um HIV und Aids. Der Verein unterhält ein
                                           ambulantes, hospizlich-palliatives Wohnprojekt mit 16 Apartments. Hier leben
                                           Menschen, die an einer schweren, lebensverkürzenden Erkrankung leiden.
                                           Bestellung hier:
                                           http://bonn-lighthouse.de/bestellung_patientenverfuegung/

Eichhof-Journal    · Nr. 49 · November 2017                                                                                     5
Journal - Lebensgemeinschaft Eichhof
Menschen   Handwerk      Lebensfreude       Schwerpunkt: Musik

 Jubiläumskonzert
            des Eichhof- O rchesters

 Jeder ist am wichtigsten beim Ringen um Harmonie und Rhythmus
                      oder
                      Orchester ist der Inbegriff dafür, dass sich viele individuelle Menschen mit
                       all ihrem Können in einen großen Zusammenhang stellen und zum Gelingen
                       einer gemeinsamen Idee beitragen, die den Einzelnen dann wiederum be-
                                               reichert und seelisch tief berührt.

                                               von Eva Jöckel

                                               Bereichert wurde beim großen            Noten schrei-
                                               Jubiläumskonzert des Eichhof-           ben.“ Oftmals
                                               Orchesters am letzten goldenen          jedoch benötigt es viele Wieder-
                                                Septembersonntag vor allem das         holungen neuer Stücke, eine ge-
                                                       zahlreich erschienene Pub-      konnte Motivation jedes Einzelnen,
                                                         likum während des freu-       Durchhaltevermögen und immer
                                                         digen Spiels der Musiker      wieder viel Humor, um das zu errei-
                                                        auf heimischer Bühne im        chen, was sich dem Zuhörer beim Ju-
                                                        Haus der Begegnung.            biläumskonzert darbot.
                                                       26     völlig   individuelle    Und das war ein gelungenes, vielfäl-
                                                       Menschen mit ganz unter-        tiges und rundes Programm bereits
                                                      schiedlichen     Fähigkeiten     bekannter und ganz neuer Stücke
                                                     gemeinsam auf einer Büh-          aus dem klassischen Bereich, das
                                                    ne: Eine große Herausforde-        waren Popsongs und Filmmusik so-
                                            rung für Musiker und Dirigent. „Ich        wie eine Jazzeinlage.
                                            muss sehen, dass ich jedem gerecht         Kurzweilig wurde das Programm
                                            werde“, so Udo Seehausen, der im           auch dadurch, dass Udo Seehausen
                                            Laufe der Jahre eine sehr feine Wahr-      dem Publikum durch chronologische
                                            nehmung für die Bedürfnisse und            und pointierte Erzählungen Einblicke
                                            Möglichkeiten seiner Musiker entwi-        in die 10-jährige Arbeit mit dem Or-
                                            ckelt hat und diese immer wieder in        chester gab.
                                            den Fokus seiner Arbeit nimmt. „Es         Zu Recht gab es am Ende des Kon-
                                            gibt Menschen, die können wunder-          zerts Standing Ovations (stehenden
                                            bar auswendig lernen: Sie lernen so        Applaus) für die Leistung der Musi-
                                            schnell, so schnell kann ich gar nicht     ker und des Dirigenten!           z

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Journal - Lebensgemeinschaft Eichhof
Schwerpunkt: Musik              Menschen         Handwerk        Lebensfreude

Stella und ihre Trompete
von Stella Oehm und Annette Brittner

Ich spiele schon über zehn Jahre
auf der Trompete.
Im November 2006, als ich auf der
Johannes-Schule war, habe ich wieder
angefangen mit dem Spielen.

               Die Trompete kennen
               gelernt habe ich schon
in der Grundschule. Eine Freundin
meiner Mutter, die hatte drei Kinder
und eine Tochter davon hat Trom-
pete gespielt. Sie fragte mich, ob
ich es nicht auch lernen wollte.
Am Anfang aber kriegst du erstmal           sammen mit anderen zu spielen ist          nach dem Spielen, wieder ruhig bin.
keinen Ton heraus. Da musste ich ein        schön; manchmal ist es aber auch           Manchmal muss ich mich auch zum
halbes Jahr das Horn spielen, bevor         gut, alleine zu spielen. Das klingt ein-   Üben zwingen, aber wenn ich dann
ich Trompete lernte. In der 4. Klasse       fach schön!                                spiele, macht es mir Spaß!
habe ich aber dann das Spielen wie-         Ich spiele gern die Trompete! Wenn         Die Trompete ist mehr als mein
der aufgehört, weil ich so viel für die     ich sauer bin oder wütend, dann hilft      Hobby­. Das Spielen ist eher wie eine
Schule tun musste.                          die Trompete mir, dass ich hinterher,      Berufung!                          z
Jetzt spiele ich ziemlich viel, fast täg-
lich übe ich zu Hause. Und jede Wo-
che fahre ich nach Bonn, entweder
zum Trompetenunterricht oder zum
Posaunenchor. Im Posaunenchor
sind wir über 20 Leute und wir tre-
ten oft auf. Zum Beispiel beim Ge-
meindefest der Friedenskirche oder
in Gottesdiensten. Ich spiele alles
Mögliche auf der Trompete: Kirchen-
musik, Choräle, Martinslieder usw.
Ja, das mache ich besonders gerne,
auf den Sankt-Martins-Umzügen
von Kindern in Bonn mit dem Posau-
nenchor zusammen spielen.
Außerdem bin ich im Eichhof-Or-
chester. Dort spiele ich die Trom-
pete, wie Tim und Mert auch. Zu-

Eichhof-Journal       · Nr. 49 · November 2017                                                                                    7
Journal - Lebensgemeinschaft Eichhof
Menschen    Handwerk      Lebensfreude      Schwerpunkt: Musik

           Die Musik
            und ich                     von Lukas Ihde
                                       und Trina Schlabs

                Wie es mit der Musik begann?
                 In der Schulzeit. Mit Gitarre
         hab ich beim Musik-Unterricht angefangen.
       Da war die Gitarre auf einen Akkord gestimmt.
               Das war ganz einfach und lustig.
       Mit Herrn Seehausen hab ich dann weiter geübt.
           Ich wollte wissen, wie geht der Akkord,
                  wie geht der und wie der?
                      Das hat mir großen
                        Spaß gemacht.

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Journal - Lebensgemeinschaft Eichhof
Schwerpunkt: Musik            Menschen         Handwerk        Lebensfreude

                                                                                  hen wir zum See und spielen dort.
                                                                                  Dann vergessen wir die Zeit!
                                                                                  Was ich auch besonders an Musik
                                                                                  finde: Ich kann mit der Musik ver-
                                                                                  schiedene Stimmungen einfangen.
                                                                                  Wenn ich am Klavier sitze und die
                                                                                  Akkorde, die mir in den Sinn kom-
                                                                                  men, „reinbretter“, dann klingt es
                                                                                  manchmal traurig, manchmal schön
                                                                                  und unterhaltsam, manchmal jazzig
                                                                                  oder auch lustig. Damit herum zu
                                                                                  probieren ist echt toll.
                                                                                  Seitdem ich auf dem Eichhof wohne,
                                                                                  gehe ich in das Eichhof-Orchester.
                                                                                  Vorher war ich im Johannesschulor-
                                                                                  chester und im Ehemaligen-Orches-
                                                                                  ter. Das Eichhof-Orchester ist cool!
                                                                                  Wir machen viele verschiedene Stü-
                                                                                  cke dort von Filmmusik bis zu Beet-
                                                                                  hoven.
                                                                                  Die Musik ist für mich auch immer
                                                                                  dabei. Auch wenn ich mal weg bin.
                                                                                  In der Ferienwoche im Sommer war
                                                                                  ich auf einer Kanu-Tour auf der Lahn.
                                                                                  Da sind einige vom BeWo mitgefah-
                                                                                  ren. Wir haben eine Nacht an der
                                                                                  Lahn übernachtet. Wir haben abends
                                                                                  Lagerfeuer gemacht. Ich hab meine
                                                                                  Gitarre dabei gehabt. Tim Hirsch-
                                                                                  mann hat seine kleine Trompete
                                                                                  ausgepackt. Eine Betreuerin hatte
                                                                                  noch eine Ukulele dabei. Und dann
                                                                                  haben wir zusammen am Lagerfeu-
                                                                                  er gespielt. Das war sehr lustig. Wir
                                                                                  haben probiert zu singen und haben
                                                                                  viel gelacht.
                                                                                  Ich möchte gern noch mehr Instru-
                                                                                  mente lernen. Es ist immer schön,
                                                                                  was Neues zu lernen. Denn ich ma-
                                                                                  che einfach gern Musik!            z

Dann hab ich noch zwölf Jahre Cello       sammen zu jammen (spielen). Wir
mit Herrn Klemm gespielt. Das Cello       haben uns auch Lieder ausgedacht
ist das einzige Instrument, bei dem       und selbst komponiert. Wir sind oft
ich richtigen Unterricht hatte. Den       heimlich in der Pause in den Musik-
Rest hab ich mir selbst beigebracht:      raum zum üben gegangen. Manch-
Gitarre, Klavier und Bass.                mal kam ich deswegen auch zu spät
Trommeln kann ich auch – mit afrika-      zum Unterricht.
nischen Bongo-Trommeln und Cajón          Ich hab gemerkt, es beruhigt mich
(das ist so eine Trommel auf der man      sehr, wenn ich Musik mache. Wenn
sitzt). Ich bin sehr ehrgeizig, wenn es   ich schlechte Laune habe, tut es mir
um Instrumente lernen geht, und ich       gut, Musik zu machen.
hab viel geübt.                           Mit meinen Freunden außerhalb vom
Auf der Johannesschule gab es einen       Eichhof treffe ich mich auch zum Mu-
Mitschüler, der auch Gitarre gespielt     sizieren. Vier Gitarren sind wir oder
hat. Mit ihm hab ich angefangen, zu-      auch mit einer Cajón. Manchmal ge-

Eichhof-Journal     · Nr. 49 · November 2017                                                                                 9
Journal - Lebensgemeinschaft Eichhof
Menschen        Handwerk       Lebensfreude        Schwerpunkt: Musik

 Ein Gespräch
 über gemeinsames Musizieren
 Gitarrenduo Christina Krieger und Klaus Kanonenberg
 von Klaus Kanonenberg

           Christina Krieger und Klaus Kanonenberg spielen am Montagmorgen                  die besser als ich spielen konnten.
           im „Morgenkreis“ der Werkstatt Gitarre.                                          Denen habe ich dann gut zugehört
           Beim Morgenkreis treffen sich die meisten Werkstattbeschäftigten zu              und auf die Finger geguckt. Ich kann
           Beginn der Woche im Saal, im „Haus der Begegnung“. Die neue Woche                keine Noten lesen. In den ersten Jah-
           wird begrüßt. Ein Gedicht oder eine Geschichte werden vorgetragen.               ren habe ich in Köln in einer Band für
           Ein Instrumentalstück wird gespielt. Die anstehenden Geburtstage wer-            moderne Kirchenmusik gespielt.
           den vorgelesen. Von wichtigen Ereignissen auf und rund um den Eichhof
           wird berichtet. Wir singen gemeinsam ein Lied und sprechen den                   Christina: Ich spiele auch noch Quer-
           Morgenspruch. Zum Abschluss wünschen wir uns eine guten Tag und                  flöte, habe erst sehr spät damit an-
           eine gute Woche.                                                                 gefangen. Am 1. Mai 2004 bin ich
           Christina spielt Konzertgitarre. Klaus spielt Westerngitarre.                    auf den Eichhof gekommen und bin
                                                                                            dann in das Orchester sofort „rein-
           Christina: Ich bin seit sechs Jahren    schwarz, da konnte ich immer noch        gesprungen“. Wir haben uns erst mal
           mit dem Gitarrespielen dran. Ich        spielen. (lacht)                         zusammengesetzt und alles auspro-
           habe aber auch schon Gitarre ge-                                                 biert, ob das auch klappt. Und ich
           spielt, bevor ich auf den Eichhof ge-   Klaus: Ich habe mit Gitarre spie-        spiele auch noch Klavier.
           kommen bin. Wahrscheinlich habe         len angefangen, da war ich zwölf /
           ich auch noch Gitarrenunterricht        dreizehn Jahre alt. Am Anfang habe       Klaus: Du bist ja eine richtige Voll-
           genommen. Eigentlich habe ich so-       ich mit einem Freund zusammen-           blutmusikerin.
           fort Unterricht bekommen. Klas-         gespielt, der mir ein paar Akkorde,
           sische Gitarre hab ich gelernt und      Schlagrhythmen und einfache Zupf-        Christina: Ja genau! Und Altflöte
           Zupfen, zwischendurch auch mal          techniken gezeigt hat. Die ersten bei-   spiele ich auch noch.
           mit Akkorden aber Schlagen nicht.       den Lieder, die ich begleiten konnte
           Ich habe richtig nach Noten gelernt.    waren „Blowing In The Wind“ und          Klaus: Hast du auch ein Lieblingsin-
           Ich konnte schon vorher Noten le-       „House Of The Rising Sun“. Da habe       strument?
           sen. Mit viereinhalb habe ich mit der   ich auch gelernt mit einem Plektrum
           Blockflöte angefangen. Da waren         zu spielen. Am meisten habe ich aber     Christina: Ne, das ist ganz unter-
           die Noten in Farbe. Und dann sind       dadurch gelernt, dass ich viel mit an-   schiedlich. Mal so, mal so.
           sie kopiert worden und waren nur in     deren Leuten Gitarre gespielt habe,
                                                                                            Klaus: Ich spiele noch etwas Tin
                                                                                            Whistle. Das ist eine Metallflöte mit
                                                                                            Plastikmundstück. Die hört man oft
                                                                                            bei bretonischer oder irischer Folk-
                                                                                            Musik.

                                                                                            Christina: Ich begleite auch manch-
                                                                                            mal den Chor mit der Gitarre. Im Or-
                                                                                            chester spiele ich manchmal Gitarre,
                                                                                            Alt- und Sopranflöte und Querflöte.
                                                                                            Klavier spiele ich da nicht. Bei der
                                                                                            Andacht mache ich auch Musik.

                                                                                            Klaus: Und wir beide spielen zusam-
                                                                                            men im Morgenkreis oder manchmal
                                                                                            bei Feiern, z. B. Michaeli.

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Schwerpunkt: Musik             Menschen           Handwerk          Lebensfreude

Christina: Genau!                        Das ist zu merken. Wenn Du nicht da
                                         bist und ich alleine spiele bin ich et-
Klaus: Ich spiele im Moment nicht        was aufgeregter.
mit anderen Leuten zusammen Mu-
sik.                                     Christina: Manchmal komme ich ja
                                         hektisch rein, dann habe ich das Ge-
Christina: Musikmachen bedeutet          fühl erst mal runterzukommen. Da
für mich, dass ich viel, viel ruhiger    hilft es kurz, die Augen zwischen-
bin. Manchmal rege ich mich auf,         durch zu zumachen.
dann gehe ich an die Musik, an Quer-
flöte, egal was ich dann spiele, ran     Klaus: Hast du eigentlich Lieblings-
und dann ruhig. Ohne das einer im        stücke?
Hintergrund quatschen tut. Das mit
dem Klatschen, na ja … im Guten-         Christina: Meine Lieblingsstücke sind
Morgen-Kreis.                            nur die Solostücke beim Orchester,        und den anderen kurz sehen. Dann
Da kommen dann alle „runter“ und         oder wenn wir zusammenspielen:            geht das besser.
werden ruhig von der Musik, ich          „Killing Me Softly“, das mag ich auch     Also, was ich gar nicht haben kann,
auch. Bei aller Musik werde ich ruhig.   gerne. Das spiele ich auch mit meiner     wenn ich alleine im Guten-Morgen-
                                         Bezugsbetreuerin zusammen.                Kreis bin, wenn es hektisch ist und es
Klaus: Auch wenn Du Musik hörst?                                                   so einen Druck gibt, dass ich anfan-
                                         Klaus: Mir gefällt, mit Dir zusammen      gen soll. Das mag ich nicht. Ich muss
Christina: Ja auch.                      das Stück kleiner gelber Vogel zu         erst mal in mich gehen, dann fange
                                         spielen.                                  ich an.
Klaus: Das geht mir ähnlich. Wenn        Sollen wir den Eichhof-Journal-Le-
ich Musik mache, ist das ein guter       sern mal erzählen, wie das mit unse-      Klaus: Hast Du eigentlich eine Idee
Ausgleich, das entspannt mich, dann      rem Zusammenspiel so funktioniert?        für einen Namen für uns beide?
komme ich auch auf andere Gedan-         Wir üben ja so gut wie nie zusam-
ken. Ich bin dann auch ganz im Hier      men. Willst Du das erzählen?              Christina: (lacht) Sehr gute Frage!
und Jetzt. Da geht es mir ähnlich wie
dir. Darüber hinaus bedeutet Musik       Christina: Wir machen das ja immer        Klaus: Wir sind ja ein Gitarrenduo.
auch für mich, das Gefühl, das gera-     spontan, welches Lied dann kommt.
de da ist, zum Ausdruck zu bringen.                                                Christina: … Keine Idee.
Ich drücke mich über Musik aus, wie      Klaus: Genau. Es ist ja so, dass ich
sich der Maler über sein Bild aus-       Dich kurz vorher frage, welches Lied      Klaus: Ich auch nicht. (beide lachen)
drückt oder der Tänzer über seinen       du spielen willst und ob du das mal
Tanz. Deswegen improvisiere ich oft      anspielen kannst. Dann spielst du so      Klaus: Weißt du was, dann spielen
beim Musizieren und spiele nicht so      drei, vier Takte ganz leise. Dann höre    wir weiter ohne Namen, einfach als
oft feste Stücke.                        ich mich ein, welche Tonart das ist.      Christina und Klaus, was meinst Du.
                                         Am besten gefällt mir C und dann
Christina: Bei Konzerten wird ge-        improvisiere ich zu deinem Spiel.         Christina: Genau!                      z
klatscht. Beim Guten-Morgen-Kreis        Weil ich ja keine Noten lesen kann,
eigentlich nicht. Das ist der große      weiß ich auch vorher nicht genau
Unterschied.                             was ich spielen werde. Für mich ist
                                         im Zusammenspiel dann toll, dass
Klaus: Bist Du aufgeregt, wenn Du        ich das spielen kann, was mir in dem
Musik vorspielst?                        Moment einfällt und das ist z. B. bei
                                         Kleiner Gelber Vogel immer ein we-
Christina: Beim Guten-Morgen-Kreis       nig anders. Es ist nie ganz dasselbe.
überhaupt nicht. Beim Orchester
schon, wenn ich Solo spiele.             Christina: Was machst Du da? Das
                                         kriege ich ja gar nicht mit! Ich bin
Klaus: Mir geht das so, wenn wir im      dann so vertieft in meine Melodie!
Morgenkreis zusammen Musik ma-           (beide lachen!)
chen bin ich nicht so aufgeregt. Du
strahlst dann oft eine gewisse Ruhe      Christina: Für mich ist noch wichtig,
aus, weil Du kein Lampenfieber hast.     dass wir zu einander rüber gucken

Eichhof-Journal       · Nr. 49 · November 2017                                                                                   11
Menschen        Handwerk        Lebensfreude        Schwerpunkt: Musik

      Der Eichhof-Chor
      Musik macht Stimmung hörbar
      und lässt die Seele mitschwingen
      von Judith Winter

           Eine der Hauptaufgaben der Musik in      nach einiger Zeit und sind nur für      Stimmung unmittelbar aufnehmen
           einer sozialtherapeutischen Gemein-      den einmaligen Gebrauch geeignet.       und mitschwingen. Welche Freude
           schaft ist das Begleiten durch die       Andere Lieder steigen jedes Jahr        herrscht, wenn zum Beispiel der ers-
           Stimmungen eines Jahreskreislaufs.       wie von selbst wieder auf, werden       te Advent naht und „Wir sagen euch
           Wie kann die Musik ein Ausdruck          gewünscht und herbeigesehnt: Die        an den lieben Advent“ zum ersten
           dieses Gangs durch die Jahreszeiten      Advents- und Weihnachtslieder, die      Mal erklingt.
           und Jahresfeste werden? So wie die       Karnevalslieder, die Frühlingslieder,
           Natur sich wandelt vom Frühling zum      die Sommer,- Sonnen- und Johanni­
           Sommer, zu Herbst und Winter, so         lieder, die Herbst- und Michaeli-
           wie jede Woche Veränderungen be-         Lieder und nicht zu vergessen die
           obachtet werden können, so bringt        Lieder zu St. Martin und Nikolaus. So
           auch jede Jahreszeit und jedes Fest      wenig wie das Festefeiern eine blo-
           innerhalb des Jahreslaufs eine ande-     ße Wiederholung ist, ist dies beim
           re musikalische Stimmung hervor.         Wiederaufgreifen von Liedern der
           Beim Singen und Üben, im Morgen-         Fall. Es ist ein Neuankommen im Jah-
           kreis und in den Abschlussrunden,        reslauf, an dem wir schon letztes und
           wird sehr schnell klar, welche Lie-      vorletztes Jahr angekommen sind.
           der die Qualität haben, sie jedes Jahr   Es ist ein Wiedererkennen auch von
           immer wieder in einer bestimmten         sich selbst, weil die Zeit ja weiter-
           Jahreszeit, zu einem bestimmten          gegangen ist und jeder von uns sich
           Fest singen zu können. Einige hal-       verändert hat. Solche Musik macht
           ten der Prüfung des wiederholten         etwas von der Stimmung eines Fests
           Singens nicht stand, sie verblassen      hörbar und die Seele kann diese

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Schwerpunkt: Musik            Menschen            Handwerk          Lebensfreude

                                                                                 Häufig versuche ich auf Wunsch
                                                                                 den Text zu erklären und musikge-
                                                                                 schichtliche Bedeutung und Hinter-
                                                                                 gründe zu erläutern, dies hat mich
                                                                                 schon häufig die Grenzen meines
                                                                                 Allgemeinwissens spüren lassen.
                                                                                 Nicht viele der Chorsänger können
                                                                                 alleine oder kräftig singen. Es kön-
                                                                                 nen aber alle einen Beitrag leisten,
                                                                                 indem sie sich freuen und ganz dabei
                                                                                 sind beim Zuhören.
                                                                                 Gegen Ende wagen wir einen Kanon
                                                                                 zu singen, unterstützt durch die zweite
                                                                                 Gitarre, gespielt von Christina Krieger.
                                                                                 Bevor wir die Chorstunde beenden
Der Ablauf der Chorstunde gleicht       gelegt. Die Lieder variieren zwischen    und zum Abschlussspruch übergehen,
sich seit Jahren: Gemeinsam mit ei-     bekannten und unbekannten Stücken,       gibt es eine kurze Zeit der Stille, in der
nigen fleißigen Erstkommern stel-       anspruchsvolle und einfache, beweg-      die Musik nachklingen kann.
le ich einen Stuhlkreis und gestalte    te, laute und beruhigende, leise, man-   Ich erlebe es immer von neuem, wie
manches Mal die Mitte jahreszeitlich.   che haben einen Üb-Charakter, man-       die Chormitglieder ihren Beitrag ge-
Jeder Ankömmling wird mit Namen         che können direkt durchgesungen          ben, indem sie mit Begeisterung und
begrüßt und wahrgenommen, leise         werden, manche sind klassisch und        innerer Bewegtheit in ein musika-
Gitarrenklänge sind schon zu hören,     manche zeitgenössisch.                   lisches Üben einsteigen oder durch
lassen zur Ruhe kommen und stim-        Nach zwanzig Minuten machen wir          ihr engagiertes Zuhören mithelfen,
men auf den Beginn ein. Wir warten      immer eine kurze Pause und jedes         einen gemeinsamen Hörraum zu
geduldig bis auch die letzten Zuspät-   Mitglied darf einmal die Pausenge-       bilden. Gerade die Beteiligung der
kommer da sind. Neuigkeiten werden      staltung übernehmen, manche mö-          Betreuten lehrt mich, das Musikali-
ausgetauscht, Befindlichkeiten wahr-    gen alleine etwas vorsingen oder         sche aus einem einseitigen virtuo-
genommen … Nach einigen Gesangs-        etwas auf dem Klavier vorspielen,        sen Könnertum oder einem passiven
übungen werden unterschiedliche         manche bringen ein Instrument von        Konsumieren heraus in ein lebendi-
Lieder gesungen, einige mit Bewe-       zu Hause mit, jeder steht einmal kurz    ges, soziales Geschehen unter Men-
gungsspielen, improvisiert oder fest-   im Mittelpunkt.                          schen hineinzuführen.                   z

   Musik in Haus 8

                                          Hi, ich bin Gian-Luca und wohne seit einigen Wochen in Haus 8.
                                          In meiner Freizeit spiele ich Schlagzeug und übe jeden Tag.
                                          Ganz toll ist es, dass ich mit meinem Freund Lukas, den ich von früher gut kenne,
                                          oft gemeinsam Musik machen kann.
                                          Besonders viel Spaß macht es, wenn es auch den anderen in Haus 8 gut gefällt.

Eichhof-Journal    · Nr. 49 · November 2017                                                                                     13
Menschen        Handwerk       Lebensfreude       Schwerpunkt: Musik

 Eichhof-Band probt für „Die dumme Augu
 von Udo Seehausen

           Seit Jahren fragen mich Mitglie-       Ensemble für Theatermusik zu groß       Diese Idee ließ sich zeitlich reali-
           der des Eichhof-Orchesters immer       ist. Die bereits in mehreren Theater-   sieren, indem Jan-Philipp Tödte die
           wieder: „Wann gründen wir eine         produktionen bewährte Leiergruppe       Leiergruppe übernahm und damit
           Band?“ Eine konkrete Antwort auf       kann jedoch in ihren instrumentalen     meinem Stundenplan einen ange-
           diese Frage bin ich bis Herbst letz-   Möglichkeiten dem gesetzten The-        messenen Freiraum verschaffte.

           ten Jahres schon aus Zeitgründen       ma „Zirkus“ nicht gerecht werden.       Technik und Instrumentarium wa-
           immer schuldig geblieben. Die Pla-     Es musste eine ganz anders besetzte     ren zum Teil bereits durch das Eich-
           nungen des derzeitigen großen, ge-     Musikgruppe her; eine Gruppe, die       hof Orchester vorhanden, einiges
           meinschaftlichen    Theaterprojekts    Sängerinnen und Sänger begleiten,       – beispielsweise eine Bassgitarre –
           „Die dumme Augustine“ stellten         die – mal laut, mal leise – Atmosphä-   musste angeschafft werden. Die
           die diesbezüglich nur vagen Über-      ren darstellen und die verschiedens-    Musiker waren sofort bereit: Lukas
           legungen schnell in einen neuen        ten Zirkusdarbietungen halb impro-      an der E-Gitarre, Christina mit akus-
           Zusammenhang. Grundsätzlich war        visatorisch musikalisch untermalen      tischer Gitarre, Andreas am Schlag-
           klar, dass das Eichhof Orchester als   kann. Eine Band eben.                   zeug, Mert mit Saxophon und Tim

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Schwerpunkt: Musik            Menschen          Handwerk        Lebensfreude

ustine“

   mit Trompete. Den E-Bass habe vor-       len, in das Theaterprojekt einsteigt.   anderen Grup-
   läufig ich übernommen. Ab Februar        (Dass die oben genannten Bandstü-       pen des Zir-
   probten wir an drei Stücken: „Kno-       cke seitdem sprichwörtlich auf Eis      kus- und The-
   cking On Heaven‘s Door“ als leicht       liegen, hatte keiner erwartet.) Das     aterprojekts
   überschaubarem Klassiker von Bob         Integrieren weiterer Musiker und        zusammen.

   Dylan, „Free“ nach dem Vorbild von       die Arbeit an den neuen, doch etwas     Bis dahin gibt es noch viel vorzube-
   Lighthouse Family etwas anspruchs-       anders gearteten Stücken fordern        reiten. Aber vielleicht (entsteht dann
   voller im Arrangement und „Faded“        viel Zeit. Die Bandmusiker haben        wieder Freiraum für das ursprüngli-
   als Versuch, einen recht aktuellen Hit   zurzeit donnerstags nach ihrer täg-     che Ziel … vielleicht) kann die Band
   nachzuspielen.                           lichen Arbeit in den Werkgruppen        irgendwann im Jahr 2018 außer der
   Allen Beteiligten war klar, dass die     Bandprobe und Orchesterprobe.           Musik für das Theaterprojekt auch
   Band nach Ostern zusammen mit            Sie sind danach, verständlicherwei-     noch etwas anderes zu Gehör brin-
   anderen Bewohnern, die sich eben-        se, rechtschaffen müde. Ab Januar       gen … und vielleicht hat die Band
   falls musikalisch einbringen wol-        probt die Band dienstags mit den        dann schon einen Namen.             z

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Menschen        Handwerk         Lebensfreude         Schwerpunkt: Musik

 MUSIK! Dir wohnt ein Zauber inne …
 Über vitalisierende Klänge und heilsames Musizieren
 von Jan-Philipp Tödte

           Gern berichte ich über meine langjährige musikali-
           sche Arbeit am Eichhof, über die Trommelgruppen,
           die seit 2002 unter meiner Anleitung stattfinden und
           auch über die Leiergruppe, die ich Anfang des Jah-
           res gebeten wurde weiterzuführen, da der wertge-
           schätzte Kollege Udo Seehausen, der hervorragende
           Vorarbeit geleistet hat, aus zeitlichen Gründen (Eich-
           hof-Orchester und seit diesem Jahr die Eichhof-Band)
           diese nicht mehr weiterführen konnte. Und gern
           möchte ich über meine Arbeitsweise schreiben, die
           sich aus Inhalten meiner Zeit als Student der Heilpä-
           dagogik, langjähriger Erfahrung als Rhythmuspäd-
           agoge, Trommeltherapeut und Klangarbeiter sowie
           umfangreichen musikalischen Schaffen als Musiker
           in zahlreichen Musikprojekten und Gruppen ergibt.
           Mein eigenes Solo-Konzert-Programm hat den englischen Namen TALKIN‘MUSIC, was übersetzt sowohl „spre-
           chende Musik“ als auch einladend und auffordernd „Spreche in Musik!“ bedeuten kann.

           Meist wird Musik als (geordnete)           oder Vogelgezwitscher die „totale       das mag der Andere womöglich gar
           Folge von Tönen, (harmonischen)            Musik“. Schon vor unserer Geburt        nicht gerne hören. Auch Musikinst-
           Vielklängen und (rhythmischen)             sind wir vollkommen von Geräusch        rumente gibt es mittlerweile so vie-
           Mustern verstanden, häufig in Ver-         umhüllt, wortwörtlich „in Klang ge-     le verschiedene, dass man sie kaum
           bindung mit (lyrischen und poeti-          badet“. Die Welt ist Klang! Mein al-    zählen kann, und es werden immer
           schen) gesprochenen oder gesunge-          lerliebster Klang ist Kinderlachen,     wieder neue erfunden. Auch ent-
           nen Texten. Klangfarben verschie-          wahrlich Musik in meinen Ohren!         stehen täglich neue Kompositionen
           dener Instrumente spielen dabei oft        Ich erlebe und glaube, Musik ist eine   und Musikstücke. Das kann ewig so
           eine wichtige Rolle. Und man kann          besondere Art von Sprache. Musik        weitergehen, wenn auch manch ein
           Musik in Noten aufschreiben.               gibt es wohl deshalb weltweit in        Stück nur drei Minuten dauert, ande-
           Für mich selber fasse ich den „Mu-         vielfältiger Erscheinung, ob tradi-     re dafür eine Stunde.
           sikbegriff“ noch viel weiter, so ist für   tionelle Volksmusik, Klassik, Rock-     Musik berührt die Sinne und die
           mich auch Geräusch und vor allem           Pop, Jazz, Elektronik, mit und ohne     Seele, ermöglicht oft auszudrücken
           Umweltklänge,      Wasserplätschern        Gesang. Und was dem Einen gefällt,      wofür, nicht nur mir, manchmal Wor-
                                                                                              te fehlen. Musik transportiert und
                                                                                              erzeugt Gefühle, weckt Erinnerun-
                                                                                              gen an eigene Erlebnisse „Hör mal
                                                                                              Schatz! Sie spielen „unser“ Lied …“,
                                                                                              schafft Verbindung zu sich und (s)ei-
                                                                                              nem „höheren Selbst“ und beim Mu-
                                                                                              sizieren mit anderen Menschen, ob
                                                                                              im Chor, Orchester, Rock-Band oder
                                                                                              Trommelgruppe, entsteht ein tiefes
                                                                                              Gefühl von Gemeinschaft.
                                                                                              Musik kann aber auch irgendwie
                                                                                              „oberflächlich“ oder „funktional“
                                                                                              sein, wie uns die moderne Unter-
                                                                                              haltungsmusikindustrie (Pop-Musik)
                                                                                              bishin zur „Fahrstuhl- und Kaufhaus-
                                                                                              musik“ zeigt.

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Schwerpunkt: Musik              Menschen          Handwerk         Lebensfreude

Diese Form von Musik spricht mich         Und dass dann tatsächlich der Eine         Notenmaterials und einer Leih-Leier
persönlich allerdings nur wenig an,       oder Andere das Talent mitbringt           zum Ausdruck bringen) wurde be-
mir geht es um echtes Erleben, um         oder entwickelt, so komplexe Rhyth-        reits ein umfangreiches Repertoire
Tiefe, um Seele! Diesen Anspruch          men wie einen „Clave“ oder auch            erarbeitet und jede Teilnehmerin
habe ich auch bewusst zu einem            einen „Djigbo“ (traditionell aus Gha-      hat hier so ihre persönlichen Lieb-
Schwerpunkt meiner musikalischen          na) spielen zu können, ist eigentlich      linglieder, die wir selbstverständ-
Tätigkeit gemacht. Das findet sich        „nur“ eine der vielen begrüßens-           lich weiterhin pflegen und spielen.
selbverständlich auch in meiner Ar-       werten Begleiterscheinungen; dass          Ebenso die traditionellen Lieder. Die
beit in der Lebensgemeinschaft Eich-      Trommeln insbesondere positive             berührendsten und erhebendsten
hof wieder. So erklärt es sich, dass      Wirkung auf Körpermotorik, Gehirn          Momente aber erfahren wir nach
wir in den drei Trommelgruppen zwar       und Psyche haben kann, ist mittler-        meiner Beobachtung stets, wenn
überwiegend mit afrikanischen Trom-       weile weithin anerkannt. Allerdings        wir auf geschriebenes Notenwerk
meln (Kpanlogo, Djembe, Bougara-          gilt ehrlicherweise auch hier: Nicht       verzichten und die Notenmappe
bou, Shekere, Glocken, Basstrom-          jedes Mittel ist in gleichem Maße für      schließen. Dann öffnen wir uns dem
meln, Stocktrommeln, Bongos) arbei-       jeden gleich gut; so erklärt sich auch     Augenblick, schaffen in freiem Spiel
ten, wir aber dennoch keine „traditi-     die unterschiedliche Zusammenset-          einen Moment, bei dem spürbar jede
onelle“ afrikanische Musik machen,        zung der drei Gruppen, die mit meist       Teilnehmerin ganz und gar Wahr-
auch wenn es durchaus passiert,           sechs bis acht Teilnehmern ideal be-       nehmung wird, eine Atmosphäre,
dass es manchmal „original“ wie bei       setzt und offen für spontane Gastbe-       die wirklich echte Musik ist. Musik
einer Festivität auf einem afrikani-      suche und Neueinsteiger (bitte nach        des Herzens! Das hat heilsames Po-
schen Dorfplatz klingt. Vielleicht hat    Anfrage und Anmeldung) sind. Jede          tenzial. Und es bringt den Teilneh-
es damit zu tun, daß die „Wiege der       der Gruppen hat eine ganz eigene           merinnen ein Gefühl echter Freude
Menschheit“ in Afrika vermutet wird?      Dynamik, eine eigene Seele.                und Erfolg. Und wenn dann doch
Dabei spielen wir doch meist „nur“        Abschluss unserer oftmals feurigen         ein bekanntes Lied auswendig oder
uns selbst. Und das ist gut so und        Trommelsessions ist eigentlich im-         sollte ich doch besser sagen inwen-
genau richtig, so kann sich jeder Teil-   mer das sinnliche Musizieren mit der       dig gespielt wird, zeigt sich Musik als
nehmer mit den ihm verliehenen Be-        Kalimba, einem „Daumenklavier“             Teil der Persönlichkeit, das ist dann
gabungen an selbstgewähltem Platz         aus Afrika.                                weit mehr als „nur“ Töne und Noten.
innerhalb des Trommel-Ensembles           Dieses einfache Instrument hat ei-         Dann zeigt sich auch hier wieder der
mit seinem Instrument voll und ganz       nen lieblichen Klang, der uns zurück       so oft besungene „Götterfunken“.
zum Ausdruck bringen. Das ist au-         in die Stille führt und zum freien Spiel   Wahrlich: Musik! Dir wohnt ein Zau-
thentisch! Das ist echt! Das hat leben-   einlädt, gerne im Dialog.                  ber inne …
dige Dynamik! Das ist Polyrhythmik        Ähnlich kreativ offen und prozesso-
pur! Und meistens der totale Groove.      rientiert arbeite ich mit den Teilneh-     Und wie der kleine Prinz schon sag-
Und wenn sich dann wieder „dieser         merinnen der Leiergruppe. In den           te: „Man sieht nur mit dem Herzen
gewisse Ausdruck“ in den Gesich-          Jahren der Vorarbeit durch Udo See-        gut …“, so gilt das wohl meines Er-
tern der Teilnehmer zeigt, weiß ich,      hausen (an dieser Stelle möchte ich        achtens nach auch für das Hören.
dass alle glücklich und zufrieden         gerne meinen persönlichen Dank für         Ohren alleine reichen nicht. Und für
sind. Ziel erreicht. Was kann man         seine freundliche und kollegiale Un-       das Musizieren gilt wohl ganz be-
mehr wollen?                              terstützung durch Bereitstellen des        stimmt das Gleiche.               z

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Menschen        Handwerk       Lebensfreude       Schwerpunkt: Musik

 Musik wird hier als schön empfunden
 … auch, wenn sie mit Geräusch verbunden!
 von Julia Röhrig

           Ganz anders als in der Geschichte von Wilhelm Busch
           ist Musik in Haus 10 ein freudiger Teil des täglichen Lebens.
           Alle mögen sie und jeder lebt sie auf seine eigene Weise.

           Johannes läutet seinen Feierabend
                                                   Johannes: „Ich tanze immer so,
           mit Musik und Tanz in seinem Zim-
                                                   wie ich mich fühle: Fröhlich und
           mer ein.
                                                   glücklich und überhaupt … Wenn
                                                   ich traurig bin höre ich keine Mu-
            Julia: „Johannes, was macht Musik      sik.“
            zu deiner großen Leidenschaft?“        Julia: „Vielen Dank, Johannes!“
            Johannes: „Also, ich tanze zu Mu-
            sik in meinem Zimmer.“
                                                  Im Zimmer gegenüber übt Bastian
            Julia: „Zu welcher Musik tanzt Du

                                                                                            Johannes
                                                  Schlagzeugspielen zu Celin Dion, aller-
            denn gerne?“
                                                  dings nur zu abgesprochenen Zeiten,
            Johannes: „Ich höre gerne alles,
                                                  denn leise ist das Schlagzeug wahrlich
            von Ballermann-Hits bis irische
                                                  nicht. Bastian übt täglich, denn sein
            Volksmusik. Aber nicht so gerne
                                                  großer Traum ist es, mit einer Band
            Klassik, lieber etwas volkstüm-
                                                  groß rauszukommen: „Eine Bühne mit
            licher … Ich kaufe CDs manchmal
                                                  Musik machen … Geld einbringen.“
            auf dem Trödelmarkt oder beim
                                                  Alex, der Bastian häufig mit Gesang        Linda hört im Auto lieber ihre aller-
            Saturn in Hennef. Oder in Gum-
                                                  beim Proben unterstützt, sieht das         liebste CD mit Geburtstagsliedern.
            mersbach kaufe ich mir auch
                                                  anders: „Ich will nicht in einer Band      Fast alle in Haus 10 kennen die
            manchmal welche. Ich nehme die
                                                  sein, weil wenn, dann würde ich            Lieder wohl mittlerweile in- und
            CDs die schön aussehen.“
                                                  Musik in Kneipen machen und dann           aus­wendig, aber Linda juchzt und
            Julia: „Hast auch schon Musik er-
                                                  muss man bei Auftritten immer so           klatscht jedes Mal wieder von
            wischt, die dir nicht gefällt?“
                                                  lange wach bleiben.“ Alex träumt           neuem­voller Begeisterung in die
            Johannes: „Nö, die meisten CDs
                                                  stattdessen davon einmal auf ein           Hände.
            die ich ausgesucht habe gefallen
                                                  Konzert seines großen Vorbilds Jus-        Aber nicht nur Geburtstagslieder
            mir. Aber nur wenn ich zu den Lie-
                                                  tin Bieber zu gehen. Bis es soweit ist     sind hoch im Kurs in Haus 10. Katha-
            dern tanzen kann. Sonst nicht.“
                                                  übt er die schwierigen englischen          rina kennt Lieder für jede Gelegen-
            Julia: „Was fühlst Du, wenn Du zu
                                                  Texte in seinem Zimmer – ab und zu         heit und jede Jahreszeit, auch wenn
            Musik tanzt?“
                                                  auch mal im Auto.                          manchmal die Weihnachts­       lieder
                                                                                                                              Bastian

            Alex

 18                                                                                 Eichhof-Journal     · Nr. 49 · November 2017
Schwerpunkt: Musik            Menschen          Handwerk         Lebensfreude

                                                     David
                                                              Constantin
 schon mitten im Sommer ange-           seiner täglichen Aufgaben im Haus-       neuestens Ballermann-Hits, Kölsche
 stimmt werden oder man zu Ostern       halt. Eine besonders große Freude        Karnevalslieder oder die Lieder von
 schon die Sankt Martins-Lieder aus     kann man ihm machen, wenn man            Queen – Denis kennt und performt
 ihrem Zimmer dröhnen hört.             „Die Katze tanzt auf einem Bein“ mit     sie alle für sein Leben gern. Es tut
 Nebenan lauscht David ruhigerer        ihm trällert.                            einem fast leid ihn zu später Stunde
 Musik: Er liebt klassische Musik und   Auch Bianca hört Lieder mit deut-        von seiner ganz eigenen Bühne zu
 sucht sich regelmäßig sehr bestimmt    schen Texten: „Den kann ich besser       holen, weil Schlafenszeit ist und sei-
 und zielsicher CD’s im Geschäft und    verstehen als die Englischen. Aber       ne Zimmernachbarn ihre Nachtruhe
 auf Flohmärkten aus. Über Blicke       Coldplay höre ich auch gerne. Ich        einfordern.
 zeigt er den Betreuern welche CD es    habe eine DVD von einem Konzert.         Auch den Betreuern klingeln nach
 gerade sein soll.                      Die schaue ich oft in meinem Zimmer      einem Tag voller bunter, vielfältiger
 David hört Musik am liebsten nach-     an und singe mit.“                       und lauter Musik die Ohren, aber
 mittags in seinem Zimmer, Janina       Denis hört sich Musik nicht nur an,      wenn man dann abends vor Haus 10
 hingegen singt mit Vorliebe unter      er lebt sie richtig. Regelmäßig erlebt   in sein Auto steigt, dann ist alles ru-
 der Dusche oder rasselt tempera-       man eine reife Bühnenshow wenn           hig und nur noch das hölzerne Wind-
 mentvoll mit ihren Maracas. Cons-      man abends bei voll aufgedreh-           spiel im Baum klingt zum leisen Ab-
 tantin singt oft bei der Erledigung    ter Musik die Zimmertür öffnet: Die      schied.                              z
Janina

                                                                                                            Denis
  Bianca

 Eichhof-Journal    · Nr. 49 · November 2017                                                                                 19
Menschen        Handwerk        Lebensfreude        Schwerpunkt: Musik

 Lebensgemeinschaft Eichhof –
 Ein wundervoller KulturPartner
 in unserer Region
 von Christina Ottersbach, Bürgerverein Ruppichteroth

           Am Anfang stand eine Idee, die es zu realisieren fast unmöglich erschien: Ein Benefizkonzert zugunsten
           der Manna Eye Clinic in Nkongsamba / Kamerun zu organisieren, in der der Waldbröler Augenarzt
           Dr. Hans-Jürgen Schnell zweimal im Jahr seinen „Arbeitsurlaub“ verbringt.
           Dort operiert er ehrenamtlich die Ärmsten der Armen, Kinder und Erwachsene,
           die ohne seine selbstlose Hilfe das Augenlicht verlieren würden.

                                                                                           ter Rat war teuer – oder eigentlich
                                                                                           auch nicht! Denn von vielen unter-
                                                                                           schiedlichen Veranstaltungen, seien
                                                                                           es Theateraufführungen, seien es
                                                                                           Konzerte, ist der Konzertsaal der Le-
                                                                                           bensgemeinschaft Eichhof bekannt
                                                                                           als eine sehr gute Adresse. Rasch
                                                                                           wurde der Kontakt zum Geschäfts-
                                                                                           führer Georg Rothmann geknüpft
                                                                                           und das große Anliegen geschildert.
           Pia Lux, eine Patientin, die am          schnell mit im Boot und von der gu-    Auch hier sprang der Funke über und
           Opernhaus Zürich arbeitet, entzün-       ten Sache angetan. Auch der Bürger-    umgehend gab es „grünes Licht“ für
           dete den ersten Funken: Drei Tenöre      verein Ruppichteroth e. V. mit ihrer   die – wie es sich im Laufe der Planun-
           des Opernhauses Zürich nebst Pia-        Vorsitzenden Karin Steimel und dem     gen und zuletzt der Durchführung
           nist sollten überzeugt werden, für       Kulturbeauftragten Markus Neuber       herausstellen sollte – phantastische
           diese gute Sache ein Konzert hier in     fingen Feuer und Flamme und waren      Kooperation.
           unserer Heimat zu singen. Ohne Sa-       bereit, mit Logistik und Men-/Wo-      Als Stammgast der unterschied-
           lär, versteht sich, da jeder Cent, der   men-Power das Unternehmen „Be-         lichsten Veranstaltungen kannte ich
           eingenommen werden würde, in das         nefizkonzert“ unter dem Dach des       den Konzertsaal. Und immer wieder
           Projekt in Kamerun fließen sollte.       Bürgervereins durchzuführen.           war und bin ich gerne hier. Das Ge-
           „Tenorsfirst“ (Richard Rost, Chris-      Doch welchen Ort kann man Musi-        fühl entschleunigt und geerdet zu
           topher Hux und Stefan Fiehn) nebst       kern anbieten, die auf den großen      werden in dieser heimeligen Atmo-
           dem Pianisten Loris Perego waren         Bühnen der Welt zuhause sind? Gu-      sphäre, nicht größer, schöner, toller,
                                                                                           schneller (wie es üblich in der heu-
                                                                                           tigen Zeit), sondern einfach ankom-
                                                                                           men, von fremden Menschen be-
                                                                                           grüßt zu werden mit einem „Hallo“
                                                                                           und „Was machst Du denn hier“, DAS
                                                                                           war es und DAS sollte der würdige
                                                                                           Rahmen für unser tolles und unver-
                                                                                           gessliches Konzert werden. Nicht
                                                                                           umsonst hat man den Namen „Haus
                                                                                           der Begegnung“ gewählt. Hier trifft
                                                                                           man nicht einfach aufeinander, hier
                                                                                           begegnet man sich. Menschen aller
                                                                                           Generationen, aller Nationen – Men-
                                                                                           schen halt, wie DU und ICH.
                                                                                           Wir fanden vor, was wir brauchten:
                                                                                           Hilfsbereitschaft und Unterstützung

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Schwerpunkt: Musik             Menschen          Handwerk         Lebensfreude

(durch das Team vom Eichhof mit Ge-     Oper, Film- und Schlagermusik, Klas-
org Rothmann, Andreas Pilz, Guido       sik, Operette und Musical-Melodien
Göbel, dem Klavierhaus Klawun und       zum mitgehen, Erinnerungen erwe-
viele viele Bewohner, die einfach       cken, lachen und träumen bewiesen
mit anpackten) an erster Stelle, eine   die Vielfältigkeit von Tenorsfirst, de-
professionelle Licht- und Tonanlage,    ren Stimmgewalt und Stimmvariatio-
zwei Flügel, eine Künstlerkabine,       nen in der oberen Skala anzusiedeln
eine tolle Akustik, ein Entree, wel-    sind.
ches dazu einlud einen Film über die    Begleitet von Loris Perego am Flügel,
Arbeit vor Ort in Kamerun zu zeigen,    der auch an der Mailänder Scala zu-
einen wundervollen Vorplatz (auf        hause ist, entführten die drei Tenö-
dem wir Würstchen grillen und Ge-       re vom Opernhaus Zürich das Publi-        tausend Euro – hierfür zogen wieder
tränke anbieten konnten, Sonnen-        kum in die große Welt der Musik. Va       einmal viele an einem Strang, um
markisen, Pavillons, Sitzgelegenhei-    pensiero von Giuseppe Verdi aus der       dies bald realisieren zu können.
ten) und alles, was das Herz begehr-    Oper Nabucco gehörte ebenso zum           DANKE …
te. Für die gute Sache, erblindenden    Repertoire, wie „Ganz ohne Wei-           Zuhause haben sich Gäste und
Kindern, Jugendlichen und Erwach-       ber“ aus „Die Csárdásfürstin“, „Ein       Künstler und auch wir – die Veran-
senen im fernen Afrika zu helfen,       Freund, ein guter Freund“ von Wer-        stalter und Organisatoren – im Haus
war das die beste Basis, die man sich   ner Richard Heymann oder „Mein            der Begegnung gefühlt. Für uns alle
wünschen konnte.                        kleiner grüner Kaktus“ (Rolf Marbot/      war es ein unvergesslicher Konzert-
                                        Bert Reisfeld), das an die Comedian       abend.
Der 3. Juli 2017:                       Harmonists der 20er Jahre des letz-       Ein herzliches Dankeschön an die
Stehende Ovationen:                     ten Jahrtausends erinnerte.               Künstler und Pia Lux, an die Lebens-
Tenorsfirst eroberten                   Wer „stief-staatse“ Sänger erwar-         gemeinschaft Eichhof, an alle Mitar-
den Konzertsaal                         tet hatte, lag auch hier daneben. Mit     beiter, Bewohner und Unterstützer
Hohe Gesangskunst, gepaart mit Co-      Charme und Witz gepaart mit pub-          die geholfen haben, dieses große
medy und Show präsentierten „Te-        likumsnaher Show und der Eleganz          Projekt zu stemmen.
norsfirst“ bei dem Benefizkonzert.      der Opernhäuser dieser Welt erober-       Nicht zu vergessen auch ein Danke-
Es war ein Sommerabend der be-          ten sie die Herzen des Publikums –        schön im Namen aller Hilfesuchen-
sonderen Art. Die Sonne schien, das     vom Junior bis zum Greise – im Sturm:     den im fernen Kamerun an Dr. Hans-
Haus war ausverkauft, Menschen          Das dankten die Zuhörer natürlich         Jürgen Schnell, der selbstlos hilft, wo
strömten aus der gesamten Region        mit stehenden Ovationen und dem           große Not herrscht. In Kamerun gibt
ins „Haus der Begegnung“.               großen Wunsch nach Zugaben.               es kein medizinisches Versorgungs-
Hatten die Zuhörer zunächst viel-       Das dies alles noch für den guten         system wie in Deutschland. Mittello-
leicht nur schwere musikalische Kost    Zweck geschah, war ein weiteres           se Menschen haben hier keine Chan-
von den drei Tenören erwartet, so       Bonbon. Insgesamt kamen knapp             ce operiert zu werden und erblinden,
überzeugten alle drei durch musika-     13.000 Euro durch Eintrittskarten,        wenn es die Manna Eye Clinic in
lische Leichtigkeit, temperamentvoll    Verzehr und Spenden zusammen.             Nkongsamba nicht gäbe und Ärzte
wechselndes Timbre, ausgezeichne-       Angeschafft werden muss ein neues         wie Dr. Schnell.
te Beweglichkeit und Koloratur.         Operationsgerät von mehreren zig-         IMMER WIEDER GERNE BIN ICH HIERz

Eichhof-Journal    · Nr. 49 · November 2017                                                                                   21
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