Kammerversammlung am 23.November 2019 - Landesärztekammer
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Brandenburgisches
Ärzteblatt 1| 2020
Offizielles Mitteilungsblatt der Landesärztekammer Brandenburg | 30. Jahrgang | Januar 2020
Kammerversammlung am
23.November 2019 Seite 5
Foto: Elmar Esser
Vergütung der ärztlichen Ärzteball 2020
Leichenschau neu geregelt
Seite 11 Seite 14
Kasuistik: Die vergessene Hausarztforum in Neuruppin
Harnleiterschiene
Seite 17 Seite 22Jetzt online verfügbar: Ärzte Selbsthilfe Alkohol
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Bitte bei E-Mails in der Betreffzeile „Hilfsprogramm“ angeben.
Reto Cina, 16835 Lindow, Tel.: 033933 88110, cina@salus-lindow.de
Weitere Informationen Dr. med. Jürgen Hein, 17291 Prenzlau, Tel.: 03984 808604, jue.hein@web.de
unter „Arzt und Gesund-
PD Dr. med. Maria-Christiane Jockers-Scherübl, 16761 Hennigsdorf, Tel.: 03302 5454211, jockers@oberhavel-kliniken.de
heit“ auf
www.laekb.de Dr. med. Timo Krüger, 16761 Hennigsdorf, Tel.: 03302 5454211, timo.krueger@oberhavel-kliniken.de
Prof. Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Johannes Lindenmeyer, 16835 Lindow, Tel.: 033933 88110, lindenmeyer@salus-lindow.de
PD Dr. med. Gudrun Richter, 10243 Berlin/ 16278 Angermünde, Tel.: 0170 3136629, gu.richter@gmx.de
Dipl.-Med. Manfred Schimann, 03046 Cottbus, mschimann@web.de
Prof. Dr. med. Ulrich Schwantes, 16766 Kremmen, Tel.: 033055 22488, ulrich.schwantes@praxis-schwante.de
Impressum Redaktion Das Brandenburgische Ärzteblatt erscheint
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Inhaber und Verleger Elmar Esser (Doppelnummer Juli/August).
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Präsident: Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz Telefon: 0331 505605-525 jährlich € 35,00; ermäßigter Preis für Studenten
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Herausgeber sechs Wochen zum Ende des Kalenderjahres. Für
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Ärzteblatt
Offizielles Mitteilungsblatt der Landesärztekammer Brandenburg | 30. Jahrgang | Januar 2020 1 | 2020
KAMMERINFORMATIONEN / GESUNDHEITSPOLITIK
Kammerversammlung am 23.November 2019 .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
Delegierte zum 123. Deutschen Ärztetag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Gebührenordnung für Ärzte: Vergütung der ärztlichen Leichenschau
neu geregelt .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Ehrennadel der Landesärztekammer Brandenburg:
Dr. med. Ullrich Fleck ausgezeichnet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Marburger Bund: Mehr Medizinstudienplätze für die ärztliche
Versorgung der Zukunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
Fehler bei Versandadressen – Erratum .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
30 Jahre Landesärztekammer Brandenburg:
Seite 5
Feiern Sie mit beim Ärzteball 2020 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
KKRBB: Großes Interesse an 2. Gemeinsamer Qualitätskonferenz .. . . . . . . . . . . . 16
ARZT UND RECHT
Von Fall zu Fall .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
Steuertipp .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
FORTBILDUNG
Fortbildungsangebote für Ärzte und MFA/MTRA .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
„Evidenzbasierte Medizin und Strategien für die Praxis“
Willkommen und Abschied in Neuruppin – das „Hausarztforum“ .. . . . . . . . . . . 22
Seite 12 Akademie für ärztliche Fortbildung 2020 – SAVE THE DATE .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
AKTUELL
Facharztvorbereitungskurs – 20. Facharztvorbereitungskurs Orthopädie/
Unfallchirurgie – Land Brandenburg in Frankfurt (Oder) .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
6. Potsdamer Wundsymposium – Die Wunde im Fokus von
hochkarätigen Referenten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
Ausschreibung: Bewerbung für Hufeland-Preis ab jetzt möglich .. . . . . . . . . . . . . . 27
Hausärzteverband Brandenburg – Thementag Niederlassung
Hausarzt mit der AG Werkzeugkasten .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
Tarifverhandlungen für Ärztinnen und Ärzte an Unikliniken .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
Informationskarte Verfügungen – Neues Angebot von BZgA und
Seite 26
Deutschem Hausärzteverband zur Patientenverfügung .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
Fachtagung der DVfR – Förderung von Vorschulkindern mit chronischen
Krankheiten und Behinderungen .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
PERSONALIA
Wir gratulieren zum Geburtstag im Januar .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
REZENSIERT
Dr. Simon Grübel: Ein Leben im „Paradiesland” .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
WEITERE RUBRIKEN
Editorial .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Kurse und Fortbildungsangebote . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
Nachfolger gesucht? Praxis gefunden! – KVBB lädt am 14. März 2020
zum Infotag für Existenzgründer und Praxisabgeber .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
Brandenburgisches Ärzteblatt 1 • 2020 | 3EDITORIAL
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ein spannendes, ja herausforderndes Schon jetzt möchte ich Sie darüber
Jahr liegt hinter uns. Es gab viele Ge- informieren, dass wir zwei erfolgreiche
setze aus dem Hause Spahn und einige Formate auch 2020 wieder anbieten
davon haben uns in Teilen nicht gerade werden. Neben der Veranstaltung für
erfreut. Das gilt für das Terminservice- junge Ärztinnen und Ärzte ist dies un-
und Versorgungsgesetz ebenso wie für sere beliebte Seniorenakademie. Am
das Digitale-Versorgungsgesetz. 29. August wird es im großen Saal
der Landesärztekammer in Potsdam
Gerade beim DGV liegen Licht und wieder spannende Vorträge sowie die
Schatten dicht beieinander. Das Ge- Möglichkeit zum Wiedersehen ehema-
setz wurde trotz Bedenken des Bun- liger Kolleginnen und Kollegen geben.
desrates am Ende vom Bundestag Vom 25. bis 27. Juni ist die Landes-
regelrecht durchgewunken. Es ist gut, ärztekammer Brandenburg schließlich
dass die Forschung in Deutschland nun Gastgeber für die Vorstandsklausur der
Dipl.-Med. endlich über bessere Versorgungsda- Bundesärztekammer. Dann kommen
Frank Ullrich Schulz, ten verfügen soll. Denn da lagen wir alle Präsidentinnen und Präsidenten
Präsident der Landesärzte
kammer Brandenburg
im internationalen Vergleich doch der Ärztekammern in unser Bundes-
Foto: Elmar Esser deutlich zurück. Warum dann aber land, um über gesundheitspolitische
der Schutz der äußerst sensiblen Pa- und innerärztliche Themen zu beraten.
tientendaten nicht direkt mit geregelt über die Neuregelung der Vergütung Gerne möchte ich Sie zu guter Letzt
werden konnte, kann ich persönlich der ärztlichen Leichenschau lesen, die noch auf zwei weitere Termine auf-
nicht verstehen. Immerhin soll das nun – endlich – am 1. Januar 2020 in merksam machen. Nach dem großen
dafür zuständige DVG 2 im Januar im Kraft tritt. Wir sehen dies als Erfolg – Erfolg im Jahr 2019 werden wir am
Entwurf vorliegen. Ihre Position hierzu der Bundesärztekammer und der Lan- 9. Mai 2020 wieder einen Ärzteball
sowie zur Zulassung und Finanzierung desärztekammer Brandenburg. ausrichten, zu dem Sie sich schon jetzt
von Gesundheits-Apps hat die Kam- anmelden können. Nähere Informatio-
merversammlung am 23. November in Ein wenig hoffe ich allerdings schon, nen sowie ein Anmeldeformular finden
einer Resolution artikuliert, die Sie auf dass die Bundespolitik die Geschwin- Sie auf Seite 15 dieses Heftes. Ganz be-
Seite 6 finden. digkeit ihrer Gesetzesmaschine etwas sonders freue ich mich zudem auf den
zurückfährt. Denn in Brandenburg 4. September 2020. Denn dann findet
Ähnliches gilt für das Masernschutz- haben wir ja immerhin eine neue Re- die Festveranstaltung zum 30. Ge-
gesetz. Es ist zu begrüßen, dass der gierung, der erstmals eines unserer burtstag unserer Landesärztekammer
Bundestag nun die Pflicht zur Masern Kammermitglieder als Ministerin für statt. Lassen Sie sich überraschen, wen
impfung beschlossen hat. Er folg- Soziales, Gesundheit, Integration und wir als Festredner gewinnen werden!
te damit einer Resolution unserer Verbraucherschutz angehören wird.
Kammerversammlung, in der wir die Wir werden viele Gespräche mit Mi- Sehr herzlich möchte ich nun Ihnen
Impfpflicht gefordert hatten. Kein Ver- nisterin Ursula Nonnenmacher führen, und Ihren Lieben auch im Namen des
ständnis habe ich aber für die kurz vor denen ich mit großem Interesse entge- gesamten Kammervorstands ein rund-
knapp ins Gesetz eingefügte Regelung, gen sehe. um positives und natürlich gesundes
nach der jetzt auch Apotheker gegen Jahr 2020 wünschen. Erfolg wünsche
Grippe impfen sollen. Damit wird die Viel Zeit und Augenmaß wird auch ich zudem unserer Kammerarbeit. Und
Axt an die seit mehr als 750 Jahren die neue Weiterbildungsordnung er- hier erlaube ich mir eine kleine Anleihe
erfolgreiche Trennung von Apothe- fordern, über die der Kammervorstand bei Erich Kästner. Denn dieser wusste
ker- und Arztberuf gelegt. In Branden- bereits diskutiert und die in der Früh- schon: „Es gibt nichts Gutes. Außer
burg wollen das übrigens weder die jahrsitzung der Kammerversammlung man tut es.“ Das wird auch 2020 wie-
Ärzte noch die Apotheker. Sie finden vorgelegt werden wird. Schon jetzt wis- der Grundlage für die Arbeit des Kam-
in dieser Ausgabe im Bericht über un- sen wir, dass nicht nur unsere Ärzte in mervorstands sein.
sere Kammerversammlung auf Seite 7 Weiterbildung und deren Weiterbilder,
eine gemeinsame Resolution, die die sondern auch die Medien gespannt da- In diesem Sinne verbleibe ich mit den
höchsten Beschlussgremien der beiden rauf warten. In diesem Zusammenhang besten kollegialen Grüßen
Körperschaften dazu verabschiedet ha- möchte ich darauf hinweisen, dass wir
ben. Ich bin sehr froh, dass wir auch in planen, auch Fortbildungsangebote zu
dieser wichtigen Frage eng zusammen- digitalisieren. Darüber werden wir zu ■ Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz
stehen. Ebenfalls in dieser Ausgabe gegebener Zeit im Brandenburgischen Präsident der Landesärztekammer
Brandenburg
können Sie auf Seite 11 einen Artikel Ärzteblatt berichten.
4 | Brandenburgisches Ärzteblatt 1 • 2020KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK
KAMMERVERSAMMLUNG AM 23.NOVEMBER 2019
Kammer meldet sich zu Wort
Die Ablehnung von Grippeimp-
fungen durch Apotheken sowie
die Forderung, digitale Möglich-
keiten mit Augenmaß zu nutzen
waren die Inhalte von zwei Re-
solutionen, die die Kammerver-
sammlung der Landesärztekam-
mer Brandenburg am 23. Novem-
ber in Potsdam verabschiedete.
Darüber hinaus diskutierten die
Delegierten über die Bereit-
schaftsdienstordnung, Qualitäts-
sicherung im Krankenhaus, eine
Änderung der Berufsordnung und Kammervorstand und
Geschäftsführer auf
den Haushaltsentwurf der Kam- dem Podium
mer für das Jahr 2020. Fotos: Elmar Esser
Brandenburger Wahlkampf bei wei- sein. Dies sei nicht akzeptabel, so
tem keine Hauptrolle gespielt habe. Schulz. „Wir werden uns bei der neuen
Hier habe viel Übereinstimmung in Gesundheitsministerin dafür einsetzen,
den Wahlprogrammen der verschiede- dass die Landesärztekammer Branden-
nen Parteien geherrscht. Unterschiede burg stimmberechtigtes Mitglied wird.“
habe es nur in der Gewichtung und in
wenigen Details gegeben. Die neue Der Kammerpräsident informierte die
Regierung habe sich vorgenommen, Delegierten darüber, dass nach dem
den öffentlichen Gesundheitsdienst Willen der neuen Regierung alle Kran-
auszubauen und die dünne Perso- kenhausstandorte im Land erhalten
naldecke zu stärken. Angesichts der bleiben sollen. In der Koalitionsver-
Tatsache, dass Fachärzte im ÖGD im einbarung sei festgelegt, mindestens
Schnitt 1.000 bis 1.500 Euro weniger 110 Millionen Euro pro Jahr für die Kli-
verdienten als Oberärzte in der Klinik niken zur Verfügung zu stellen. Ein Flä-
müsse eine Anhebung der Besoldung chenland wie Brandenburg brauche die
erfolgen. „Gute Arbeit muss auch Krankenhäuser, um eine wohnortnahe
dementsprechend honoriert werden“, Versorgung sicher zu stellen. Dipl.-Med.
so Schulz. Frank-Ullrich Schulz
Ein Gesetz folgt
Im Lagebericht von Kammerpräsident Integrierte Versorgungs- dem anderen
Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz ging es planung in Brandenburg
aber zunächst um die Landespolitik. Spätestens seit der Amtsübernahme
Denn kurz vor der Kammerversamm- Ein weiteres Ziel der Koalition sei eine durch Jens Spahn habe es keinen La-
lung wurde der Koalitionsvertrag un- integrierte Versorgungsplanung, die gebericht gegeben, der sich nicht mit
terschrieben und damit die Grundlage ambulante und stationäre Angebote mindestens einem Gesetz aus dem
für die bundesweit erste Kenia-Koa- einbezieht. Hierzu soll das entspre- Bundesgesundheitsministerium befas-
lition aus SPD, CDU und Bündnis 90/ chende seit März 2014 bestehende sen musste, erklärte Schulz. Mit dem
Die Grünen gelegt. Und auf noch eine Gemeinsame Landesgremium nach Digitale-Versorgungs-Gesetz (DGV)
Premiere konnte Schulz hinweisen. Mit§ 90a SGB V gestärkt werden. Dieses habe der Minister den Patienten eine
der Ärztin Ursula Nonnenmacher von sogenannte 90a-Gremium existiert in bessere Versorgung und den Ärzten
Die Grünen hat Brandenburg erstmals Brandenburg seit März 2014. Es sei weniger Arbeit versprochen. Gerade
ein Mitglied der Landesärztekammer nun vorgesehen, die Pflegeverbände das DGV habe aber zu erheblichen
als Gesundheitsministerin. Ihr bot mit Stimmrecht aufzunehmen, erklärte Auseinandersetzungen geführt. Aus-
Schulz eine konstruktive Zusammen- Schulz. Die Landesärztekammer Bran- löser sei ein Passus gewesen, der die
arbeit an. denburg als Vertreter von fast 15.000 Weitergabe von Patientendaten ohne
Ärzten soll dagegen anders als in zahl- vorherige Zustimmung der Versicher-
Dabei stellte der Kammerpräsident reichen anderen Bundesländern wei- ten für Forschungszwecke regelt. Die
klar, dass die Gesundheitspolitik im terhin kein stimmberechtigtes Mitglied Krankenkassen sollen die Daten an
Brandenburgisches Ärzteblatt 1 • 2020 | 5KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK
die Wirksamkeit ihrer App nachweisen
und einen Preis mit dem GKV-Spitzen-
verband vereinbaren. Diese Regelung
gelte nur für gesetzlich Versicherte. Die
Bundesärztekammer habe kritisiert,
dass bei diesem Zulassungsverfahren
weder Patienten noch Ärzte einbezo-
gen würden. Genau diese seien aber
die Kernzielgruppe für die Apps. Zu-
dem fehlten klare Regelungen zum
Datenschutz sowie eine Erprobung in
definierten Modellregionen, die den
Entwicklern verlässliche und dauerhaf-
te Rahmenbedingungen böten. Immer-
hin gehe es auch darum, dass die di-
Aufmerksam verfolgen
die Delegierten den Lage- gitalen Anwendungen keinen Schaden
bericht des Präsidenten. anrichten.
ihren Spitzenverband leiten, der diese der Patienten in die digitale Gesund- Dieser Kritik schloss sich auch die
dann pseudonymisiert an ein neues heitsversorgung zu stärken. Kammerversammlung an. Ohne Ge-
Forschungsdatenzentrum weiterreicht. genstimmen beschlossen die Delegier-
Dort stünden sie dann Behörden, Schutz von Patientendaten ten eine Resolution, mit der sie zusätz-
Forschungseinrichtungen oder Uni- hat oberste Priorität lich dafür votierten, dass die Zulassung
versitätskliniken zur Verfügung. Eine für derartige Apps künftig beim Ge-
Möglichkeit für Patienten, der Weiter- Kritisch wertete der Kammerpräsident meinsamen Bundesausschuss angesie-
gabe ihrer Daten zu widersprechen, auch das neu geplante Zulassungs- delt werden soll, an dem sowohl Pati-
sei in dem Gesetz nicht vorgesehen, verfahren für Gesundheits-Apps wie enten als auch Ärzte beteiligt sind. Nur
erläuterte Schulz. „Das sorgt für Kritik, digitale Diabetiker-Tagebücher oder so könne sichergestellt werden, dass
zumal schon für die Versendung eines Anwendungen für Bluthochdruckpa- auch digitale Angebote in ein thera-
einfachen Newsletters oft eine aktive tienten. Künftig sollen Patienten die peutisches Gesamtkonzept integriert
Einwilligung des Nutzers gefordert Kosten dafür nicht mehr selbst tragen, werden. (siehe Kasten unten).
wird.“ Minister Jens Spahn habe zwar sondern von der gesetzlichen Kranken-
die Anwendung der Regelungen nach kasse erstattet bekommen. Konkret Ärztliche Kommunikation
Datenschutzgrundverordnung im Ge- solle das Verfahren so laufen: nach ei- soll digital erfolgen
sundheitswesen in Aussicht gestellt, an ner Kontrolle durch das Bundesinstitut
anderer Stelle aber gesagt, dass Daten- für Arzneimittel und Medizinprodukte Die Schlagworte „heilberufliches
schutz „nur was für Gesunde“ sei. Zu- auf Datensicherheit, Datenschutz und Netzwerk“ oder Telematik-Infrastruk-
dem sei fraglich, ob eine gesetzlich ver- Funktionalität sollen die Kassen die Ap- tur stünden für den politischen Plan,
ordnete Datenabschöpfung durch die plikationen für ein Jahr finanzieren. In dass künftig die gesamte Kommuni-
Hintertür geeignet sei, das Vertrauen diesem Zeitraum müssen die Hersteller kation im Gesundheitswesen – wo
Resolution der Landesärztekammer Brandenburg
Digitale Möglichkeiten mit Augenmaß nutzen
Die Kammerversammlung der Landesärztekammer Brandenburg begrüßt die im Digitale- Versorgungs-Gesetz (DVG) geschaf-
fene Regelung, dass Abrechnungsdaten der Krankenkassen künftig anonymisiert zu Forschungszwecken ausgewertet wer-
den dürfen. Es ist gut, dass die medizinische und pharmazeutische Forschung endlich mehr valide Daten erhält. Hier lag
Deutschland lange hinter anderen Staaten zurück. Unverständlich ist aber, dass die dafür dringend notwendigen Regelungen
zum Datenschutz erst in einem späteren Gesetz verabschiedet werden sollen. Kritisch bewertet die Kammerversammlung
auch, dass das Gesetz es den Krankenkassen nicht untersagt, ihrerseits individuelle Gesundheitsprofile von Versicherten zu
erstellen und für eigene Zwecke zu nutzen. Der Schutz individueller Gesundheitsdaten muss ungeteilte und oberste Priorität
haben.
Auf ein kritisches Echo der Delegierten stößt auch die ebenfalls mit dem DGV geschaffene Möglichkeit, dass Ärzte künftig
Gesundheits-Apps verordnen sollen, die dann von den Krankenkassen finanziert werden sollen. Die Kammerversammlung
kritisiert in Übereinstimmung mit dem Bundesrat das im Gesetz vorgesehene Zulassungsverfahren. Nachdem eine App vom
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Datensicherheit, Datenschutz und Funktionalität geprüft
wurde, soll sie ein Jahr lang vorläufig von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet werden. Erst in diesem Jahr müssen
die Hersteller dem BfArM nachweisen, dass ihr Produkt die Versorgung der Patienten tatsächlich verbessert. Die Delegier-
ten fordern, den Nachweis der Verbesserung von Patientenversorgung zur Zulassungsvoraussetzung für Apps zu machen.
Zudem müssen nach Überzeugung der Kammerversammlung Patienten und Ärzte als Kernzielgruppe für Gesundheits- Apps
am Zulassungsverfahren beteiligt werden. Das geeignete Gremium dafür ist aus Sicht der Delegierten der GBA. Nur so kann
sichergestellt werden, dass auch digitale Angebote in ein therapeutisches Gesamtkonzept integriert werden.
6 | Brandenburgisches Ärzteblatt 1 • 2020KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK
auch immer möglich – digital erfolgen hat. Zudem sollten die Patientinnen BMG seien bei den niedergelassenen
solle, erläuterte Schulz weitere Teile und Patienten ihre elektronische Pa- Ärzten rund ein Drittel bereits jetzt von
des DVG. Neben elektronischer Pati- tientenakte bald auch selbst flächen Honorarkürzungen bedroht.
entenakte, elektronischem Rezept und deckend einsehen können.
elektronischem Arztbrief gehöre dazu Impfpflicht für Masern
auch die elektronische AU-Bescheini- Apotheken würden bis Ende Septem- beschlossen
gung, für die der Patient künftig nur ber 2020 und Krankenhäuser bis zum
noch ein Passwort bekomme, das er 1. Januar 2021 verpflichtet, sich an die Positiv bewertete der Kammerprä-
seinem Arbeitgeber zukommen lasse. Telematik-Infrastruktur anschließen zu sident, dass der Deutsche Bundestag
Dieser könne damit – und nur damit – lassen. Für Ärzte, die sich weiterhin eine Woche vor der Kammerversamm-
den AU-Status seines Mitarbeiters von nicht an die Telematik Infrastruktur lung im Masernschutzgesetz die Impf-
einem sicheren Server abrufen. angeschlossen hätten, würde der Ho- plicht für Masern beschlossen hat. Das
norarabzug von bislang 1 % ab dem hatte unter anderem die Kammer-
Zunächst verspreche dies ohne Frage 1. März 2020 auf 2,5 % erhöht. versammlung im April gefordert. Der
eine Vielzahl von Synergien und na- Gesetzentwurf sehe nun vor, dass
türlich weniger Aufwand durch den Dieses System stieß laut Schulz un- alle Kinder ab dem vollendeten ersten
Wegfall von bislang noch notwendi- ter anderem im Bundesrat auf Kritik. Lebensjahr beim Eintritt in die Schule
gen Doppelt- und Dreifacheingaben In einer ersten Stellungnahme hätten oder den Kindergarten die von der
in den unterschiedlichen Sektoren des die Länder die verschärfte Kürzung der Ständigen Impfkommission empfoh-
Gesundheitssystems. Allerdings müsse ärztlichen Vergütung abgelehnt. Sie lenen Masern-Impfungen vorweisen
beispielsweise die AU-Bescheinigung begründeten das unter anderem damit, müssen. Auch bei der Betreuung durch
nach wie vor auch in Papierform er- dass hiervon vor allem niedergelassene eine Tagesmutter müsse in der Regel
stellt werden. Ärzte in ländlichen, vom Breitbandaus- ein Nachweis über die Masernimpfung
bau noch nicht vollständig erfassten erfolgen.
Bei der elektronischen Patientenakte Regionen betroffen seien. Erst wenn
könnten mit Zustimmung des Patienten entsprechende Anschlüsse garantiert Gleiches gelte für Personen, die nach
über die Telematik die von Kollegen wären, könne man über Sanktionen 1970 geboren wurden und in Gemein-
erhobenen Laborwerte bzw. bereits reden. Der Bundesrat habe in diesem schaftseinrichtungen oder medizini-
durchgeführte radiologische Aufnah- Zusammenhang von einem positiven schen Einrichtungen tätig sind. Hierzu
men oder Befunde eingesehen wer- Signal in Richtung Ärzteschaft gespro- gehörten Erzieher, Lehrer, Tagepflege-
den. Dokumentierte Arzneimittelhis- chen. Ein Verzicht auf Sanktionen müs- personen und medizinisches Personal.
torien erlaubten zudem den Blick auf se auch für Kliniken gelten, die eine Zusätzlich müssten auch Asylbewerber
Verordnungen von Drittärzten und be- eventuelle Verspätung beim Anschluss und Flüchtlinge den Impfschutz vier
antworteten die Frage, welche Rezepte an die Telematik-Infrastruktur nicht Wochen nach Aufnahme in eine Ge-
der Patient in der Apotheke eingelöst selbst zu verantworten hätten. Laut meinschaftsunterkunft nachweisen.
Gemeinsame Resolution der Landesärztekammer Brandenburg und der Landesapothekerkammer Brandenburg
Trennung von ärztlicher und apothekerlicher Tätigkeit im Sinne des Patientenschutzes erhalten!
Mit dem Masernschutzgesetz plant die Bundesregierung die Einführung von Modellvorhaben zu Grippeschutzimpfungen
in Apotheken. Bereits mit Bekanntwerden der ersten politischen Initiativen hierzu im vergangenen Jahr hatten die Landes-
ärztekammer Brandenburg und die Landesapothekerkammer Brandenburg ihre Ablehnung zum Ausdruck gebracht. Beide
Delegiertenversammlungen – das jeweils höchste Gremium der beiden Berufsstände – bekräftigen diese Ablehnung.
Impfen ist eine originär ärztliche Tätigkeit und stellt eine komplexe Aufgabe dar, die nicht im Rahmen einer einmaligen
Schulung erlernt werden kann. Im Sinne des Patientenschutzes müssen Impfungen daher da stattfinden, wo eine ärztliche
Überwachung und notfalls auch Behandlung gewährleistet ist. Auf der anderen Seite ist die Beratung zu Arzneimitteln bei
der Abgabe – unabhängig von Verordnung oder Selbstmedikation – Aufgabe der Apotheker. Aufgrund der Kenntnis der
gesamten Medikation eines Patienten und des Wirkmechanismus der Arzneimittel ist er prädestiniert, im Sinne der Arznei-
mitteltherapiesicherheit die Therapie des Arztes zu unterstützen.
Die fachlichen Kompetenzen von Arzt und Apotheker sind anzuerkennen und zu respektieren. Es liegt nicht im Interesse
des jeweiligen Berufsstandes, die Profession des jeweils anderen auszuüben. Es gibt keine Notwendigkeit, die etablierten
und funktionierenden Strukturen aufzubrechen und einer nicht erstrebenswerten Aufgabe des Systems der Trennung von
ärztlicher und apothekerlicher Tätigkeit unnötigen Vorschub zu leisten. Davon ist die interprofessionelle Zusammenarbeit
in keiner Weise berührt.
Die Landesärztekammer Brandenburg und die Landesapothekerkammer Brandenburg lehnen aus diesen Gründen derartige
gesetzgeberische Vorhaben, die einen Eingriff in den Kompe-tenzbereich der ärztlichen sowie apothekerlichen Profession
darstellen und den Erhalt dieser Trennung infrage stellen, weiterhin entschieden ab.
Potsdam, 23. November 2019 Potsdam, 27. November 2019
Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz Jens Dobbert
Präsident Präsident
Landesärztekammer Brandenburg Landesapothekerkammer Brandenburg
Brandenburgisches Ärzteblatt 1 • 2020 | 7KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK
Substitution könne Patienten gefähr-
den und führe im Schadensfall zur Fra-
ge, wer die juristischen Konsequenzen
trage.
Bei der Anhörung im Gesundheitsaus-
schuss des Deutschen Bundestages sei-
en die gegensätzlichen Meinungen der
Sachverständigen der Ärzteschaft und
der Rettungsdienste aufeinanderge-
troffen. Diese Anhörung und die lau-
fende Debatte hätten letztlich dazu ge-
führt, dass Union und SPD am 21. Ok-
tober 2019 einvernehmlich ihren Ände-
rungsantrag zurückgezogen haben. Es
Geschäftsführer Ass. jur. würden nun zunächst Fachgespräche
Herbert Krahforst, mit Vertretern des Bundesministeriums
Präsident Dipl.-Med.
für Gesundheit, der Regierungsfraktio-
Frank-Ullrich Schulz
und Vizepräsident nen sowie Ärzteverbänden, Rettungs-
Dr. Hanjo Pohle (v.r.) sanitätern und Juristen geführt.
Bei Missachtung könnten empfindliche
Strafen auf Eltern und Einrichtungen
zukommen.
Resolution gegen
Grippeimpfungen durch
Apotheken
Auf harsche Kritik des Kammerprä-
sidenten stieß dagegen eine mit dem
gleichen Gesetz verabschiedete Re-
gelung, wonach Apothekerinnen und
Apothekern in Zukunft im Rahmen von
regionalen Modellvorhaben Erwach-
sene gegen Grippe impfen dürfen sol-
len. Eine Schulung der Apotheker solle
Vor der Kammerver-
sammlung gab es noch vorab durch Ärzte erfolgen. Das BMG
Zeit für Gespräche. verspreche sich davon eine höhere
Durchimpfungsrate. Die Vorstände der
Landesärztekammer Brandenburg und Ausbildung die Notfallsanitäter dazu Fernbehandlung
der Landesapothekerkammer Bran- befähigen solle, eigenverantwortlich erlaubt – aber nicht die
denburg lehnten dies jedoch weiterhin medizinische Maßnahmen der Erstver-
ausschließliche
entschieden ab. Eine entsprechende sorgung bei Patientinnen und Patien-
gemeinsame Resolution beider Kam- ten im Notfalleinsatz durchzuführen. Der Kammerpräsident informierte
mern wurde von den Delegierten ein- Dabei sollten sie auch invasive Maß- die Delegierten schließlich darüber,
stimmig verabschiedet. Am 27.11.2019 nahmen anwenden können. Nachdem dass KBV und GKV-Spitzenverband
stimmte ihr auch die Delegiertenver- der Bundesrat einen entsprechenden zur Förderung der Videosprechstun-
sammlung der Landesapothekerkam- Beschluss gefasst habe, hätten wenig de mehrere neue Regelungen zum
mer Brandenburg zu (siehe Kasten auf später die Koalitionsfraktionen CDU/ 1. Oktober vereinbart haben. So kön-
Seite 7). CSU und SPD im Deutschen Bundestag ne eine Abrechnung der normalen
einen eigenen Vorschlag zur Änderung Versichertenpauschale auch bei ei-
Vorerst dieses Gesetzes vorgelegt. Union und ner Konsultation per Video erfolgen,
keine Änderung des SPD hätten darin abgelehnt, Sanitä- wenn der Patient zuvor noch nicht bei
tern weiterreichende Kompetenzen dem Arzt in Behandlung war. Dies sei
Notfallsanitätergesetzes
zwecks selbstständiger Ausübung von berufsrechtlich auch in Brandenburg
Auf Initiative der Bundesländer Rhein- Heilkunde zu übertragen. Auch meh- möglich. Lediglich die ausschließli-
land-Pfalz und Bayern wollte der Bun- rere Verbände, darunter die Deutsche che Fernbehandlung ohne jeglichen
desrat eine Änderung des Notfallsa- Gesellschaft für Orthopädie und Un- persönlichen Patientenkontakt sei in
nitätergesetzes erreichen, berichtete fallchirurgie, hätten eine Aufweichung Brandenburg berufsrechtlich nicht
Schulz. Ziel sei es gewesen, dass die des Arztvorbehalts abgelehnt. Eine erlaubt – mit der Ausnahme von
8 | Brandenburgisches Ärzteblatt 1 • 2020KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK
Abteilungen erste Ergebnisse vor. Da-
bei habe es vor allem Probleme im
Bereich der Geburtshilfe gegeben. Die
Einleitung einer qualitätsorientierten
Weiterentwicklung der Krankenhaus-
planung sei zwar eine grundsätzlich
richtige Weichenstellung gewesen, sie
könne aber Korrekturen von Fehlent-
wicklungen nur unterstützen und sei
weder Ersatz für Weiterentwicklung
des DRG-Systems, für adäquate In-
vestitionskostenfinanzierung noch für
sektorenübergreifende Strukturpolitik.
Derzeit würden die Kriterien überar-
beitet, da man aus den aktuellen In-
dikatoren der Qualitätssicherung man
noch keine krankenhausplanerischen
Konsequenzen ableiten könne.
Dr. med.
Kammerhaushalt Regina Klakow-Franck
einstimmig genehmigt
Bereitschaftsdienst- und Notfällen. Die möglich sein, die Bewertung der Klini-
Kammer sei zu diesem Thema aktuell ken bis auf die Abteilungsebene herun- Vizepräsident Dr. med. Hanjo Pohle
mit der KVBB in Abstimmung und wer- ter zu brechen. stellte den Entwurf des nunmehr
de ihren Mitgliedern entsprechendes 30. Haushaltsplanes der Landesärzte-
Informationsmaterial zur Verfügung Der GBA, so Klakow-Franck, habe den kammer vor. Die Kammer habe in den
stellen. Die Anfragen, die die Landes- Ländern zwar empfohlen, die PlanQI nahezu 30 Jahren ihres Bestehens eine
ärztekammer bisher von Ärzten hierzu zum Bestandteil ihrer Krankenhaus- nachhaltige Entwicklung genommen,
erreicht hätten, hätten sich überwie- planung zu machen, dies könne aber erklärte er. Dies zeige sich nicht nur an
gend auf die bisher bereits erlaubte durch Landesrecht ganz oder teilweise der Zahl der Mitglieder, die allein von
Fernbehandlung bezogen. Kaum ein geändert werden. Zudem könnten die 2006 bis 2019 von 10.622 auf 14.660
Arzt habe bislang seine Patienten ohne Länder weitere Qualitätsanforderungen angewachsen seien. Im gleichen Zeit-
jeglichen persönlichen Kontakt behan- zum Gegenstand ihrer Krankenhaus- raum stieg die Zahl der beitragspflich-
deln wollen. planung machen. Im Gesamtergebnis tigen Ärzte von 8.221 auf 10.850.
seien den Ländern „mehr Gestaltungs- Seit ihrem Bestehen wurden vor der
Auswirkungen der spielräume“ gegeben worden. Kammer zudem auch 10.765 Wei-
Qualitätssicherung auf die terbildungsprüfungen abgelegt. Das
Insgesamt seien deutschlandweit entspreche rund 1,4 Prüfungen pro
Krankenhausplanung
1.063 Krankenhausstandorte unter- Arbeitstag. Das habe natürlich auch
Dr. med. Regina Klakow-Franck M.A., sucht worden, davon 32 in Branden- eine Ausweitung der Geschäftsstel-
die stellvertretende Leiterin des Insti- burg. Dr. med. Regina Klakow-Franck le erfordert, erklärte Pohle. Dennoch
tuts für Qualitätssicherung und Trans- stellte hierzu anhand gynäkologischer sei der Kammerhaushalt nur moderat
parenz im Gesundheitswesen (IQTIG),
informierte die Kammerversammlung
über die planungsrelevanten Quali-
tätsindikatoren (Plan QI), die auf dem
Krankenhausstrukturgesetz (KHSG)
beruhen. Durch sie sollen sowohl die
Sicherstellung als auch die Planung der
Krankenhausversorgung verzahnt wer-
den. Inzwischen seien die Plan QI für
2017 und 2018 erstellt und durch den
gemeinsamen Bundesausschuss (GBA)
veröffentlicht worden. Dahinter stehe
der Gedanke, die Versorgungsqualität
als neuen finanzierungsrelevanten Pla-
nungsaspekt neben Leistungsfähigkeit
und Wirtschaftlichkeit einzuführen.
Neu sei, dass der GBA mit den PlanQI
für die Krankenhausplanung instru-
mentalisiert werde. Zudem sei es nun Dr. med. Hanjo Pohle
Brandenburgisches Ärzteblatt 1 • 2020 | 9KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK
Berufsordnung, die sich zum einen eine Inanspruchnahme privatärztlicher
auf den § 9 (Schweigepflicht) sowie Verrechnungsstellen weiterhin einer
den § 12 (Honorar- und Vergütungs- Einwilligung der Patienten bedarf. Die
absprachen) bezogen. Anlass war ein Änderungen der Berufsordnung der
Beschluss des 121. Deutschen Ärzte- Landesärztekammer Brandenburg wur-
tages in Erfurt sowie eine Änderung den ebenfalls einstimmig beschlossen.
der Musterberufsordnung durch die
Bundesärztekammer, die nach der Än- Vorerst nur noch
derung des 203 StGB durch den Bun- Bereitschaftsdienstordnung
desgesetzgeber auf eine Klarstellung
der KV
auch in der ärztlichen Berufsordnung
abzielte. Zudem waren die Berufsord- Mehr Diskussionsbedarf sah die
nungsgremien der Auffassung, dass Kammerversammlung bei der
Dr. med. Renate Schuster
angehoben worden. Dies sahen auch
die Delegierten so und stimmten ein-
stimmig für die Annahme des Haus-
haltsplanes für 2020 mit einer Gesamt-
höhe von 7.773.500,00 Euro.
Änderungen der Berufs-
ordnung beschlossen
Mittels TED kann die
Kammerversamm-
Nach Vortrag von Dr. med. Renate
lung auch elektronisch
abstimmen – namentlich Schuster beschloss die Kammerver-
und geheim. sammlung zudem Änderungen der
8. LEGISLATURPERIODE 2016 – 2020
Delegierte zum 123. Deutschen Ärztetag
vom 19. bis 22. Mai 2020 in Mainz
Wahlproporz
Fraktion Anzahl Personen
Marburger Bund 3
Hartmannbund 1
Bündnis Brandenburg/Freier Arztberuf 2
Hausärzte Brandenburg 2
Gewählte Delegierte Ersatzdelegierte
Dr. med. Steffen König Dr. med. Mina Stoyanova
Dr. med. Jürgen Fischer Ulrich Schwille
Dr. med. Udo Wolter Dr. med. Karin Harre
Dr. med. Hanjo Pohle Dr. med. Volkmar Skerra
Stephan Grundmann
Dr. med. Karl-Jürn von Stünzner-Karbe
Dr. med. Katharina Weinert
Dr. med. Stefan Roßbach-Kurschat
10 | Brandenburgisches Ärzteblatt 1 • 2020KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK
Bereitschaftsdienstordnung. Die KVBB Bereitschaftsdienstordnung von Kam- der alten Bereitschaftsdienstordnung
hat zwischenzeitlich eine eigene Lö- mer und KVBB mehr. […] Die Rechts- auf. Die KVBB erklärte sich dazu bereit,
sung in Form einer ausschließlichen aufsicht hat im jüngsten Diskurs beider ihre neue Bereitschaftsdienstordnung
KV-Bereitschaftsdienstordnung be- Körperschaften über eine Gemeinsame auf der nächsten Kammerversamm-
schlossen. Kammerpräsident Schulz Bereitschaftsdienstordnung zu vermit- lung vorzustellen. Unabhängig davon
betonte, dass ihm in den langen teln versucht. Bedauerlicherweise kam stimmten die Delegierten abschließend
Verhandlungen die Fortsetzung des es dennoch nicht zu einer Einigung. mit 28 zu 25 Stimmen bei 22 Enthal-
Gemeinsamen Modells einer Bereit- Gleichwohl bleibt aus unserer Sicht tungen einem Antrag zu, der den Vor-
schaftsdienstordnung stets ein wich- eine Verständigung beider Körper- stand beauftragte, an das Ministerium
tiges persönliches Anliegen gewesen schaften weiterhin erstrebenswert.“ heranzutreten, damit es in dieser An-
sei. Nachdem dieses nun aber de facto gelegenheit vermittelt.
nicht mehr bestehe, müsse aus Grün- Schulz machte klar: „Wir stehen
den der Rechtsklarheit die alte ge- in jedem Fall weiterhin für eine Zu-
meinsame Bereitschaftsdienstordnung sammenarbeit auf dem Gebiet des ■ Elmar Esser
formal aufgehoben werden, erklärte Bereitschaftsdienstes in Form einer
Schulz unter Bezug auf ein Schreiben gemeinsamen Lösung zur Verfügung
des Ministeriums. und werden uns weiterhin dafür ein-
setzen.“ Dies wurde auch vor allem von
Die Rechtsaufsicht hatte schriftlich Delegierten aus den Reihen des Mar-
mitgeteilt: „Wir halten die Aufhebung burger Bundes durch Dr. Jürgen Fischer
der Gemeinsamen Bereitschaftsdien- (MB) vehement gefordert. In geheimer
stordnung aus Gründen der Rechts- Abstimmung sprachen sich die Dele-
klarheit für erforderlich, denn de gierten (55 Ja-, 6 Neinstimmen und
facto existiert keine Gemeinsame 14 Enthaltungen) für die Aufhebung
GEBÜHRENORDNUNG FÜR ÄRZTE
Vergütung der ärztlichen Leichenschau neu geregelt
Auf Betreiben der Bundesärz- Forderungen des Deutschen Ärzte Das in der Verordnung vorgesehene In-
tekammer wird die Vergütung tages erfüllt. strument der geringeren Vergütung bei
der ärztlichen Leichenschau zum kürzerer Leistungszeit führt hingegen
1. Januar 2020 neu geregelt. Eine Schönheitsfehler hat die Verordnung zum Ungleichgewicht, da eine längere
entsprechende Verordnung des dennoch. So sieht die Ärzteschaft die Leistungszeit nicht mehr angemessen
Bundesgesundheitsministeriums in der Änderungsverordnung enthal- ausgeglichen wird. Dieser Argumenta-
wurde jetzt im Bundesgesetzblatt tenen zeitlichen Mindestvorgaben für tion ist der Verordnungsgeber jedoch
veröffentlicht. Darin ist der Ver- die Leichenschau kritisch. Die volle nicht gefolgt.
ordnungsgeber langjährigen For- Höhe ist berechnungsfähig sofern die
derungen der Ärzteschaft gefolgt. eingehende Leichenschau mindestens Insgesamt ist die Neuregelung der
40 Minuten, die vorläufige mindes- Leichenschau jedoch als eine deutliche
Für eine eingehende Leichenschau tens 20 Minuten in Anspruch nimmt. Verbesserung zu werten. Sie wird dazu
nach landesrechtlichen Bestimmungen Dauert die eingehende Leichenschau beitragen, die andauernden Gebühren
können ab 1. Januar 2020 165,77 Euro 20 bis 40 Minuten, die vorläufige 10 rechtsstreitigkeiten und den Unmut
(2.844 Punkte) berechnet werden, bis 20 Minuten sind lediglich 60 % der von Ärzten über die unangemessenen
eine vorläufige Leichenschau wird mit Gebühr berechnungsfähig. Vergütungen zu reduzieren.
110,51 Euro vergütet. Neben einge-
hender oder vorläufiger Leichenschau Die Bundesärztekammer hatte in die- Bei Fragen zur neuen Abrechnung der
sind zukünftig die Zuschläge F bis H sem Zusammenhang mehrfach darauf Leichenschau stehen Ihnen die Mitar-
(„Unzeitenzuschläge“) berechnungs- hingewiesen, dass die in der Kalkula beiter der Rechtsabteilung der LÄKB zu
fähig, bei Entfernungen von mehr als tion hinterlegten Zeiten Durchschnitts- Verfügung (Tel. 0331 505605560). Auf
25 Kilometern tritt anstelle des Wege- werte darstellen. Bei dieser mittelwert- der Website der LÄKB werden dem-
geldes die Reiseentschädigung nach bezogenen Mischkalkulation ergibt nächst auch Informationen zu den am
§ 9 GOÄ. Bei einer Leiche mit unbe- sich bei kürzerer Leistungszeit eine hö- häufigsten auftretenden Einzelfragen
kannter Identität oder bei besonderen here Deckung und bei Erbringung über veröffentlicht.
Todesumständen ist ein Erschwerniszu- eine längere Dauer als kalkulatorisch
schlag in Höhe von 27,63 Euro vorge- berechnet eine Unterdeckung. Dieser
sehen. Damit wurden die wesentlichen Effekt gleicht sich in der Summe aus. ■ BÄK/EB
Brandenburgisches Ärzteblatt 1 • 2020 | 11KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK
EHRENNADEL DER LANDESÄRZTEKAMMER BRANDENBURG
Dr. med. Ullrich Fleck ausgezeichnet
Im Rahmen der Kammerver-
sammlung am 23.11.2019 verlieh
Präsident Dipl.-Med. Frank-Ullrich
Schulz im Namen des Vorstandes
Dr. med. Ullrich Fleck die Ehrenna-
del der Landesärztekammer Bran-
denburg. Damit wurde sein lang-
jähriges Engagement für die Ärzte-
schaft in Brandenburg gewürdigt.
Ullrich Fleck wurde am 10. August
1954 als zweites Kind eines Hoch-
schullehrers und einer Lehrerin in
Halle an der Saale geboren. Nach un-
beschwerter Kindheit und Abschluss
seiner 12-jährigen Schulzeit konnte
er nach Ableistung einer dreijährigen
Armeezeit Humanmedizin an der Mar-
tin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
studieren. Nach Ablegung des Diplom-
verfahrens erhielt er 1982 die Appro-
bation. Es folgte zunächst ein kurzer
Abstecher in die 2. Medizinische Klinik
von Professor Seige, dem schloss sich
ein mehr als einjähriger Forschungsau-
fenthalt in der Biochemie an der Mar-
tin-Luther-Universität anschloss. Ullrich
Fleck begann 1984 die Weiterbildung
zum Facharzt für Chirurgie bei Profes-
sor Reichmann und Professor Gläser.
Im April 1986 verlieh ihm der wis-
Dr. med. Ullrich Fleck senschaftliche Rat der MLU den aka-
und der Präsident demischen Grad eines Dr. med. und
der LÄKB Dipl.-Med.
Frank-Ullrich Schulz
im gleichen Jahr wechselte Ullrich
Foto: Elmar Esser Fleck mit seinem chirurgischen Leh-
rer Professor Walter Nowak nach Er-
furt an die Medizinische Hochschule. der Allgemein- und Viszeralchirurgie Kammerversammlung und engagierte
Hier vollendete er seine chirurgische zu entwickeln. Im Jahr 2002 übernahm sich maßgeblich im Weiterbildungsaus-
Weiterbildung und wurde 1987 zum er den Vorsitz im Landesverband der schuss als auch Prüfungsausschuss.
Facharzt und 1989 zum Oberarzt er- Deutschen Chirurgen Brandenburgs
nannt. Die politische Wende 1989, die und bekleidete das Amt des Schrift- Die Landesärztekammer Brandenburg
Aberkennung des universitären Status führers im Präsidium des Bundes der ist Dr. Ullrich Fleck aufrichtig zu Dank
der Medizinischen Hochschule Erfurt Deutschen Chirurgen bis 2018. Auch und Anerkennung für seinen langjähri-
und der frühe Tod seines chirurgischen in der Region engagierte er sich in ver- gen Einsatz zum Wohle der Ärzteschaft
Lehrers im November 1992 beendeten schiedenen gesellschaftlichen Orga- in unserem Bundesland, verpflichtet.
die wissenschaftliche Kariere. Am 1. Ja-nisationen, wie dem DRK, der LAGO,
nuar 1996 übernahm er die Leitung der dem Tumorzentrum Potsdam, und der Aus diesem Grund hat der Vorstand
Chirurgischen Abteilung am damaligen Palliative Care-Akademie. Er war in vie- der Ärztekammer entschieden, ihm die
Kreiskrankenhaus in Luckenwalde. len medizinisch-wissenschaftlichen Ge- Ehrennadel der Landesärztekammer
sellschaften der Chirurgie und Gastro Brandenburg, zu verleihen.
Über die Jahre gelang es Ullrich Fleck enterologie Mitglied.
mit seinem Abteilungs- als auch Kran- ■ Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz
kenhausteam von Ärzten und Schwes- Ullrich Fleck ist seit 2004 über die Präsident der Landesärztekammer
Brandenburg
tern eine hochspezialisierte Abteilung Liste des Hartmannbundes in unserer
12 | Brandenburgisches Ärzteblatt 1 • 2020KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK
MARBURGER BUND
Mehr Medizinstudienplätze für die ärztliche Versorgung
der Zukunft
„Wir haben zu wenig medizini- etwa so viele Medizinstudienplätze
schen Nachwuchs, um für die Zu- zur Verfügung stehen wie 1990 in der
kunft gewappnet zu sein. Wer den alten Bundesrepublik. Seitdem aber
Ersatzbedarf ignoriert, der durch seien fünf medizinische Fakultäten in
die Babyboomer-Ruhestandswel- den neuen Ländern hinzugekommen.
le der nächsten Jahre auf uns zu- De facto hätten die Bundesländer über
kommt, verkennt schlichtweg die Jahrzehnte Studienkapazitäten immer
Realität“, kommentiert Dr. Sus- weiter abgebaut. Erst in den vergange-
anne Johna, 1. Vorsitzende des nen zwei Jahren sei in einigen Ländern
Marburger Bundes, jüngste Erklä- ein Umdenken erfolgt.
rungen des Medizinischen Fakul-
tätentages (MFT), der sich gegen „Wer regionalen Engpässen in der
einen weiteren Ausbau von Studi- ärztlichen Versorgung wirksam begeg-
enplätzen ausgesprochen hat. nen will, muss vor allem die Rahmen-
bedingungen verbessern. Attraktive
Der MFT weise zu Recht darauf hin, Arbeitsbedingungen, eine gute Infra- Dr. med. Susanne Johna
dass vor allem jüngere Ärztinnen und struktur und gezielte Unterstützung Foto: Marburger Bund
Ärzte mehr Wert auf gute Arbeitsbe- der Niederlassung im ländlichen Raum von ihrer Einkommenssituation offen-
dingungen und familienfreundliche Ar- sind geeignete Maßnahmen, um auf stehen“, bekräftigte Botzlar.
beitszeiten legten. Das sei im Sinne der Dauer dem Ärztemangel auf dem Land
Patientensicherheit auch durchaus zu entgegenzuwirken“, erklärte Johna. Erst im Mai dieses Jahres hatte der
begrüßen. „Ausgeruhte Ärztinnen und 122. Deutsche Ärztetag in Münster
Ärzte machen weniger Fehler“, so Joh- Den Hinweis des MFT, dass es auch Bund und Länder aufgefordert, die Zahl
na. Der wachsende Anteil von Teilzeit- nicht staatliche, privatwirtschaftlich der Medizinstudienplätze deutlich zu
beschäftigten unter den Ärztinnen und angebotene Studienplätze gebe, kri- erhöhen. Die Versorgung der immer
Ärzten sei auch als Zeichen einer pri- tisierte Dr. Andreas Botzlar, 2. Vorsit- älter werdenden Bevölkerung brauche
vaten Flucht aus Arbeitsüberlastung zu zender des Marburger Bundes. „Die Fi- dringend mehr Ärztinnen und Ärzte. Die
deuten. „Wer nur die Köpfe zählt und nanzierung von Bildung gehört zu den Bundesländer sollten finanzielle Mittel
im Mangel lediglich ein Verteilungs- wesentlichen Säulen unseres Gemein- für eine Erhöhung der Zahl der Studi-
problem sieht, verschließt die Augen wesens. Es muss unser aller Anspruch enplätze in der Humanmedizin um bun-
vor den tatsächlichen Verhältnissen“, sein, dass medizinischer Nachwuchs desweit mindestens zehn Prozent be-
betonte Johna. an staatlichen Universitäten ausge- reitstellen, forderte das Ärzteparlament.
bildet wird, die einem gemeinsamen
Die neue Bundesvorsitzende des MB Ausbildungsstandard verpflichtet sind
wies auch darauf hin, dass derzeit und allen Studierenden unabhängig ■ M.B.
FEHLER BEI VERSANDADRESSEN
Erratum
Aufgrund technischer Probleme korrekt. Dies gilt auch für den der Dru-
in der Druckerei fehlten in der ckerei zur Verfügung gestellten Daten-
Dezemberausgabe des Branden- satz. Wir bitten diesen Fehler, den wir
burgischen Ärzteblattes in den weder korrigieren konnten noch zu
Versandanschriften an unsere verantworten haben, zu entschuldigen.
Mitglieder mitunter der akademi-
sche Titel.
■ LÄKB
Die Meldedaten der Landes
ärztekammer sind selbstverständlich
Brandenburgisches Ärzteblatt 1 • 2020 | 13KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK
30 JAHRE LANDESÄRZTEKAMMER BRANDENBURG
Feiern Sie mit beim Ärzteball 2020
Fotos: LÄKB
Eine tolle Stimmung, gute Musik,
viel Zeit zum Schwofen und auch
für zahlreiche spannende Gesprä-
che mit netten Kolleginnen und
Kollegen: Das waren einige der
Gründe, die den Ärzteball 2019 zu
einer rundum gelungenen Veran-
staltung gemacht haben. Und die
wiederholt man natürlich beson-
ders gerne, wenn es auch etwas
Besonderes zum Feiern gibt.
Im Jahr 2020 kann die Landesärzte-
kammer Brandenburg auf eine dreißig-
jährige Geschichte zurückblicken. In
dieser Zeit haben wir gemeinsam viel
Positives geschafft. Das ist, so meinen
wir, doch ein wirklich guter Grund für
eine weitere wunderschöne Ballnacht.
unterhaltsamen Rahmenprogramm. Wenn auch Sie dabei sein möchten,
Die Landesärztekammer lädt hierzu Denn Langeweile soll schließlich bei können Sie für Ihre Anmeldung einfach
am 9. Mai 2020 in das nahe bei der keinem unserer Gäste aufkommen. Ge- das auf der nächsten Seite stehende
Kammer gelegene Dorint-Hotel Pots- naueres werden wir hier im Branden- Teilnahmeformular nutzen. Wir sehen
dam ein. Für die passende Begleitmusik burgischen Ärzteblatt später verraten. uns am 9. Mai 2020!
sorgt wieder die österreichische Band
„Cremisa“, die auch schon in diesem Wir würden uns jedenfalls schon jetzt
Jahr die Ballgäste überzeugt hat. sehr freuen, wenn möglichst viele Ärz- ■ Ihr Vorstand der Landesärztekammer
tinnen und Ärzte gemeinsam mit ihren Brandenburg
Das Organisationsteam arbeitet zu- Partnern und uns einen wunderschö-
dem bereits an einem bunten und nen Abend verbringen würden.
14 | Brandenburgisches Ärzteblatt 1 • 2020KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK
Teilnahme – Ärzteball am 9. Mai 2020
– Anmeldeschluss 14. April 2020 –
Fax: 0331 505605769 oder
Mail: aerzteball@laekb.de oder
Telefonisch: 0331 505605760
Ich nehme am Ärzteball am 9. Mai 2020 in Potsdam:
❏ ohne Begleitung teil.
❏ in Begleitung von Personen teil
Name/Vorname:
Anschrift (ggf.Praxis):
Datum
(Unterschrift)
Bitte überweisen Sie den Betrag in Höhe von 119 € pro Person bis zum
16.04.2020 auf folgendes Konto:
Landesärztekammer Brandenburg
IBAN: DE20 3006 0601 0003 0484 11
Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG
Verwendungszweck: Ärzteball und Name des
Teilnehmers/der Teilnehmer
Gesonderte Eintrittskarten werden Ihnen nicht zugesandt. Der Einlass erfolgt
nach Gästeliste und eingegangenem Eintrittspreis.
Es steht ein begrenztes Kontingent an Übernachtungsmöglichkeiten im
Hotel Dorint Potsdam zur Verfügung. Bitte nehmen Sie die Buchung selbst
unter 0331 2740 vor und geben Sie bei Ihrer Reservierung „Ärzteball der
Landesärztekammer Brandenburg“ an.
Brandenburgisches Ärzteblatt 1 • 2020 | 15KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK
KLINISCHES KREBSREGISTER FÜR BRANDENBURG UND BERLIN:
Großes Interesse an 2. Gemeinsamer Qualitätskonferenz
Spannende Vorträge und
viele gute Gespräche am
Rande bot die 2. Gemein-
same Qualitätskonferenz
des KKRBB
Foto: Elmar Esser
Auf lebhaftes Interesse stieß die insbesondere der Geschäftsführerin Patienten begrüßen
2. Gemeinsame Qualitätskonfe- des KKRBB, Dr. Anett Tillack, sowie Krebsregister
renz des Klinischen Krebsregis- Dr. Hanjo Pohle, dem Vizepräsidenten
ters für Brandenburg und Berlin der Landesärztekammer Brandenburg Erstmals war mit Hans-Jörg Schatz
(KKRBB), die unter dem Titel „Qua- die alleiniger Gesellschafter dieser ge- auch ein Patientenvertreter als Redner
lität der onkologischen Versor- meinnützigen GmbH ist. An die Teil- zur Qualitätskonferenz gekommen, um
gung anhand von Registerdaten“ nehmer der Veranstaltung richtete der die Ärztinnen und Ärzte im Auditorium
am 4. Dezember stattfand. Vertreter der Senatsverwaltung den über die Probleme und Erwartungen
Appell, ihrer Meldepflicht nachzukom- der krebskranken Menschen zu infor-
Rund 100 Teilnehmerinnen und Teil- men. „Das ist die Basis für qualitativ mieren. Er wünschte sich unter ande-
nehmer konnte Dr. Hanjo Pohle in der hochwertigen Output.“ rem mehr Referenten, die dazu bereit
Berliner Urania begrüßen. Der Vize sind, in den Selbsthilfegruppen über
präsident der Landesärztekammer Rückmeldung entscheidet aktuelle Innovationen in der Therapie
Brandenburg zeigte sich erfreut über über den Erfolg zu informieren. Schatz regte zudem
die große Teilnahme der Kolleginnen an, dass auch die Patienten Informa-
der gesamten Idee
und Kollegen. Sie waren gekommen, tionen aus dem Krebsregister erhalten
um sich dort aus erster Hand über die Ähnlich äußerte sich auch der Berliner können.
aktuellen Zahlen des Krebsregisters Kammerpräsident Dr. Günther Jonitz.
informieren zu lassen. „Ihre Rückmeldung entscheidet über Im zweiten Teil der gemeinsamen
den Erfolg der gesamten Idee“, erklär- Qualitätskonferenz referierten Vertreter
Schon die Organisationsform des te er. Nur dadurch könne sichergestellt der diversen Arbeitsgruppen des KKRBB
KKRBB ist eine Besonderheit. In sei- werden, dass die Ärztinnen und Ärzte über die Ergebnisse der Analysen Zur
nen Begrüßungsworten wies Dirk über Daten aus dem real existierenden Versorgungsqualität ausgewählter Tu-
Rothenpieler von der Berliner Senats- Alltag zum Nutzen der Patienten und moren anhand der Registerdaten.
verwaltung für Gesundheit, Pflege und der Therapie lernen könnten.
Gleichstellung darauf hin, dass es das Es war eine informative und spannen-
bundesweit einzige Krebsregister ist, Dr. Anett Tillack informierte über die de Veranstaltung für alle Beteiligten,
das von zwei Ländern gemeinsam ge- Entwicklung des KKRBB, das aktuell die wohl auch im nächsten Jahr wieder
tragen wird. Rothenpieler zeigte sich 83 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stattfinden wird. Einen ausführlichen
überzeugt von der Idee und der Ent- hat. Ihnen allen ist es ein besonderes Bericht über die 2. Gemeinsame Qua-
wicklung, die diese gemeinsame Ein- Anliegen, dass die von Ihnen erfassten litätskonferenz des Klinischen Krebs-
richtung in ihrer Geschichte genommen Daten im Versorgungsalltag nutzbar registers für Berlin und Brandenburg
hat. Der Staatsvertrag werde regelmä- sind und relevante Aussagen für die wird das Brandenburgische Ärzteblatt
ßig optimiert und die Geschäfts- sowie Versorgung von Tumorpatientinnen in einer seiner nächsten Ausgaben ver-
die Registerstellen seien ausgebaut und Patienten ermöglichen. Dr. Maren öffentlichen.
und personell verstärkt worden. Für Pflüger stellte anschließend den Bericht
die geleistete Arbeit galt sein Dank der Landesauswertungsstelle vor. ■ Elmar Esser
16 | Brandenburgisches Ärzteblatt 1 • 2020Sie können auch lesen