Trotz aller Kritk: Die Einführung des eRezepts steht bevor

 
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Brandenburgisches

Ärzteblatt                                                                                                 7 – 8 | 2021
Offizielles Mitteilungsblatt der Landesärztekammer Brandenburg | 31. Jahrgang | Juli – August 2021

                    Trotz aller Kritk:
                   Die Einführung des
                  eRezepts steht bevor
      	                                                                                                   Seite 5

  Foto: KBV

                                                   Digitalisierung muss Qualität          Impfkampagne effizient
                                                   verbessern                             vorantreiben
                                                   Seite 6                                Seite 7

                                                   Qualitätssicherung der                Medizinischer Notfall an Bord
                                                   onkologischen Versorgung               eines Flugzeugs
                                                   Seite 16                               Seite 24
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Jetzt online verfügbar: Ärzte Selbsthilfe Alkohol
                                             • 2-Minuten Schnelltest zur Einschätzung des eigenen Alkoholkonsums
                                             • Online-Programm zur Reduktion des Alkoholkonsums
                                             www.aerzteselbsthilfealkohol.de
                              Ein Angebot der Landesärztekammer Brandenburg und der salus kliniken

                                               Hilfe für suchtgefährdete Kolleginnen und Kollegen
                              Die Vertrauenspersonen der Landesärztekammer Brandenburg beraten und begleiten kollegial, auf Wunsch auch anonym.
                              Bi�e bei E-Mails in der Betreffzeile „Hilfsprogramm“ angeben.

                                  Reto Cina, 16835 Lindow, Tel.: 033933 88110, cina@salus-lindow.de
 Weitere Informationen
unter „Arzt und Gesund-           Dr. med. Jürgen Hein, 17291 Prenzlau, Tel.: 03984 808604, jue.hein@web.de
               heit“ auf
        www.laekb.de
                                  PD Dr. med. Maria-Christiane Jockers-Scherübl, 16761 Hennigsdorf, Tel.: 03302 5454211, jockers@oberhavel-kliniken.de

                                  Dr. med. Timo Krüger, 16761 Hennigsdorf, Tel.: 03302 5454211, timo.krueger@oberhavel-kliniken.de

                                  Prof. Dr. med. Ulrich Schwantes, 16766 Kremmen, Tel.: 033055 22488, ulrich.schwantes@praxis-schwante.de

Impressum                                              Redaktion                                               Das Brandenburgische Ärzteblatt erscheint
                                                       Landesärztekammer Brandenburg                           monatlich
Inhaber und Verleger                                   Anja Zimmermann M.A.                                    (Doppelnummer Juli/August).
Landesärztekammer Brandenburg                          Pappelallee 5, 14469 Potsdam                            Bezugsgebühr (ab Ausgabe 4/2010):
Präsident: Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz             Telefon: 0331 505605-525                                jährlich € 35,00; ermäßigter Preis für Studenten
Pappelallee 5, 14469 Potsdam                           Telefax: 0331 505605-538                                € 17,50. Einzelpreis € 3,35.
Telefon: 0331 505605-520                               E-Mail: aerzteblatt@laekb.de                            Bestellungen bitte an die Druckerei Schiemenz
Telefax: 0331 505605-769                                                                                       GmbH, Byhlener Straße 3, 03044 Cottbus.
                                                                                                               Die Kündigungsfrist für Abonnements beträgt
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Herausgeber                                                                                                    sechs Wochen zum Ende des Kalenderjahres. Für
                                                       Verlagswesen
Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz                                                                                die Mitglieder der Brandenburgischen Ärztekam-
                                                       Druckerei Schiemenz GmbH
                                                                                                               mer ist der Bezugspreis mit dem Mitgliedsbeitrag
                                                       Byhlener Straße 3, 03044 Cottbus
                                                                                                               abgegolten.
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den Herausgeber zu richten. Für mit Autoren­           Telefax 0355 87707-128
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licher und standespolitischer Art sowie Artikel,                                                               Wenn Sie Ihre Texte im Word erfassen, achten
                                                       Vertrieb
die die Kennzeichnung „Pressemitteilung von …“                                                                 Sie bitte darauf, die Texte im txt- oder doc-For-
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men. Die darin geäußerten Ansichten decken sich                                                                einen Ausdruck des Artikels dazu. Texte können
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nen dem freien Meinungsaustausch innerhalb der         Verlagsbüro Kneiseler                                   (aerzteblatt@laekb.de) übermitteln. Verwenden
Ärzteschaft. Die Zeitschrift und alle in ihr enthal-   Uhlandstraße 161, 10719 Berlin                          Sie Bilder für Ihren Artikel, bitte die Vorlagen
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Umschlag mit Rückporto beiliegt. Mit der Annah-
me von Originalbeiträgen zur Veröffentlichung
erwirbt der Herausgeber das uneingeschränkte
Verfügungsrecht. Änderungen redaktioneller Art
bleiben vorbehalten.
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Brandenburgisches

           Ärzteblatt
           Offizielles Mitteilungsblatt der Landesärztekammer Brandenburg | 31. Jahrgang | Juli – August 2021                                                                                                       7 – 8 | 2021
             KAMMERINFORMATIONEN / GESUNDHEITSPOLITIK
           Trotz aller Kritk: Die Einführung des eRezepts steht bevor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
           Präsidentenlogbuch .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
           Pandemiebekämpfung – Impfkampagne effizient vorantreiben .. . . . . . . . . . . . . . . . 7
           Restrisikoabsicherung zum Arzthaftpflichtschutz in Impfzentren .. . . . . . . . . . . . . . 7
           Auch vor dem Start des Sommerurlaubs: Impfungen bleiben
           Corona-Schutzmaßnahme Nummer 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
           Brandenburg braucht eine staatliche medizinische und
           zahnmedizinische Hochschulausbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
           Digitaler Impfnachweis – Testlauf startet im Impfzentrum in Potsdam . . . . . . . 9
Seite 12
           Aktuelle Liefermengenprognose: Corona-Impfkampagne könnte um
           vier Wochen verzögert sein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
           Impftempo legt weiter zu – Deutschland jetzt über dem EU-Schnitt . . . . . . . . . 11
            AKTUELL
           Digitalisierung in der Schlafmedizin – Mit der SomnoApp zum Schlaflabor . 12
           Koronare Herzkrankheit – Drei neue Gesundheitsinformationen in
           Leichter Sprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
           Qualitätssicherung der onkologischen Versorgung .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
           Christiane Krajewski erneut zur SOD-Präsidentin gewählt – Drei neue
           Mitglieder verstärken das Gremium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18

Seite 15    ARZT UND RECHT
           Steuerpflicht pauschal ausbezahlter Lohnzuschläge .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
             FORTBILDUNG
           Corona-Langzeitfolgen – Genesen ist nicht immer gesund . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
           LÄKB – Kursangebote der Akademie für ärztliche Fortbildung der LÄKB .. 20
           Schwierige Patienten – Suchterkrankung? – Kurs in Suchtmedizinischer
           Grundversorgung in der Brandenburger Ärztekammer im Herbst 2021 . . . . . 21
           Fortbildungsangebote für Ärzte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
           Fortbildungsangebote für MFA/MTRA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
           Zertifizierte Kasuistik – Folge 69 .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
Seite 18
             PERSONALIA
           KMG Klinikum Luckenwalde – Neue leitende Ärztin der Zentralen
           Notaufnahme .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
           Wir gratulieren zum Geburtstag im Juli . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
           Wir gratulieren zum Geburtstag im August .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
             WEITERE RUBRIKEN
           Editorial .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
           Kurse und Fortbildungsangebote . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
           KVBB informiert .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
           LAVG – Apotheken und Arzneimittel .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32

                                                                                                                         Brandenburgisches Ärzteblatt 7 – 8 • 2021 |                                            3
Trotz aller Kritk: Die Einführung des eRezepts steht bevor
EDITORIAL

                            Liebe Kolleginnen und Kollegen,

                             „Als sie das Ziel aus den Augen ver-       ebenfalls zu den Ereignissen, die ganz Dabei lagen alle guten Argumente
                            loren hatten, verdoppelten sie ihre         sicher – auch gesellschaftlich – noch spätestens seit Dezember auf dem
                            Anstrengungen.“ An dieses Zitat, das        einmal aufbereitet werden müssen.        Tisch und wurden immer wieder an die
                            Mark Twain für seine „Abenteuer Tom                                                  Politik vermittelt.
                            Sawyers“ geschrieben hatte, fühle ich         Kaum besser war der Umgang mit al-
                            mich seit Beginn des vergangenen Jah-       ten und kranken Menschen, die massiv Zuletzt im März hatten die Kolle-
                            res in Bezug auf die politischen Maß-       unter den Besuchsverboten in Klini- gen Dr. Hanjo Pohle, MUDr./ČS Peter
                            nahmen zur Pandemiebekämpfung oft          ken und Altenheimen leiden mussten. Noack, der brandenburgische DRK-
                            erinnert. Das ist vom Grundsatz her         Auch das ist für mich ein Zeichen des Chef Hubertus C. Diemer und ich dem
                            auch nicht verwunderlich. Denn nie-         mangelnden Respekts gegenüber den Gesundheitsausschuss des Landtages
                            mand im Gesundheitssystem oder in           Schwächsten in der Gesellschaft. Ich alle Zahlen und Argumente für die Ver-
Dr. med. Karin Harre        der Politik hatte bis dahin Erfahrungen     kann und will nicht verstehen, warum lagerung des Impfens in die Praxen ge-
           Foto: privat
                            mit einer pandemischen Situation die-       es immer noch Besuchsverbote gibt, liefert. Dennoch gab es am Ende wie-
                            ses Ausmaßes und dieser Verbreitungs-       die selbst für vollständig Geimpfte der keine Bewegung der Politik.
                            geschwindigkeit sammeln können.             gelten. So sind Menschen gestorben,
                                                                        ohne dass sie die Chance hatten, sich Der virtuelle Deutsche Ärztetag hat
                             Was mich allerdings in diesem Zusam-       von ihren Liebsten verabschieden zu gefordert, dass jetzt Folgen aus dem
                            menhang wirklich erschreckt hat, war        können. Ob die dadurch erfolgte Isola- Umgang mit der Pandemie gezogen
                            die Erkenntnis, wie sehr nicht nur die      tion wirklich zum Nutzen der Patienten werden müssen. Und das ist mehr als
                            Menschlichkeit in der Medizin, sondern      und der Gesellschaft gewesen sind, nötig. So komplex die Problemlage
                            auch der Respekt als eigentlich unver-      muss ebenfalls auch wissenschaftlich auch war und ist: Gelöst werden kann
                            zichtbare Grundlagen medizinischen          untersucht werden.                       sie nur mit einem gemeinsamen und
                            und gesundheitspolitischen Handelns                                                  abgestimmten Vorgehen. Und dabei
                            in den Hintergrund gedrängt wurden.           Komplettiert wird dieses Bild durch darf man die niedergelassenen Ärz-
                            Wir alle können dafür zahlreiche Bei-       die Ignoranz der Politik beim Thema tinnen und Ärzte als unverzichtbare
                            spiele aufzählen.                           Impfzentren. Auch hier kam bei mir Säule der Versorgung auf gar keinen
                                                                        der Eindruck auf, dass die Gleichgültig- Fall noch einmal außen vorlassen. Ein
                              Über Monate mussten wir mit anse-         keit vor der Not des Einzelnen domi- Verfahren, bei dem Impfstäbe quasi
                            hen, wie in der Pandemie die Expertise      nierte. Dabei hätte es auch ohne Me- vom Feldherrnhügel aus an den Betei-
                            und die Empfehlungen von Wissen-            dizinstudium jedem klar sein können, ligten vorbei oder sogar gegen deren
                            schaftlern durch die Politik ignoriert      welche Strapazen die Fahrt zu einem ausdrücklichen Rat „durchregieren“,
                            wurden. Obwohl sich die Virologen           weit entfernten Impfzentrum für viele wird wohl kaum noch einmal akzep-
                            und Epidemiologen nahezu überein-           über 80jährige bedeuten. Gerade für tiert werden.
                            stimmend früh für stringente Strate-        diese Gruppe wäre die wohnortnahe
                            gien ausgesprochen hatten, wurden           Impfung in der Hausarztpraxis bzw. im Von Kaiser Wilhelm stammt der heute
                            vermeintlich unpopuläre Maßnahmen           Hausbesuch besonders wichtig gewe- mehr als merkwürdig anmutende Satz:
                            insbesondere vor anstehenden Wah-           sen. Lediglich für die Seniorenheimbe- „ Es steht den Untertanen nicht zu, den
                            len mit dem Hinweis auf noch nicht          wohner gab es eine angemessene Ver- Maßstab ihrer beschränkten Einsicht an
                            gesichertes Wissen nur zögerlich bzw.       sorgung über die mobilen Impfteams. das Handeln der Obrigkeit anzulegen.“
                            zunächst gar nicht umgesetzt. Das             Klar ist dagegen, dass die Gottlob haben sich seit Kaisers Zeiten
                            nenne ich mangelnden Respekt vor            Impfkampag­ne in Deutschland erst die Rahmenbedingungen politischen
                            Fachleuten.                                 dann wirklich an Fahrt aufgenommen Handelns grundlegend gewandelt.
                                                                        hat, als man uns niedergelassene Ärz-
                              Menschlich noch weit schlimmer            tinnen und Ärzte daran beteiligte. Dass
                            war zudem der fehlende Respekt vor          dann dennoch 15.000 uns zugesagte
                            Kindern und Familien. Natürlich ist es      Impfdosen von einem Tag auf den an-
                            auch in Pandemiezeiten wichtig, dass        deren wieder abgesagt wurden, kann ■ In diesem Sinne! Karin Harre
                            die Wirtschaft nicht komplett ein-          man kaum anders als Missachtung             Mitglied des Vorstands der
                                                                                                                    Landesärztekammer Brandenburg
                            bricht. Dass dann aber Kitas und Schu-      gegenüber dem vertragsärztlichen Be-
                            len trotz der Warnungen zu Folgen für       reich und den betroffenen Bürgern be-
                            die seelische Gesundheit der Kleinsten      zeichnen. Es traf 15.000 Patientinnen
                            geschlossen, Kinder letztlich regelrecht    und Patienten, die Praxismitarbeiter
                            weggesperrt und die Eltern mit dieser       und diejenigen, die den Transport ab-
                            extrem belastenden Situation weitest-       gewickelt hätten.
                            gehend allein gelassen wurden, gehört

                    4     | Brandenburgisches Ärzteblatt 7 – 8 • 2021
Trotz aller Kritk: Die Einführung des eRezepts steht bevor
KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK

TROTZ ALLER KRITK:

Die Einführung des eRezepts steht bevor

 Das elektronische Rezept (eRe-
zept) dürfte schon bald zu den am
meisten genutzten Anwendungen
in der Telematikinfrastruktur zäh-
len. Es löst im Laufe dieses Jahres
nach und nach das altbekannte
rosa Papierrezept (Muster 16) ab.
Ab Januar 2022 ist die Nutzung
des eRezepts zur Verordnung ver-
schreibungspflichtiger Arzneimit-
tel und Rezepturen für alle Ver-
tragsärztinnen und Vertragsärzte
verpflichtend.

  Auch Entlassrezepte in Krankenhäu-
sern müssen ab diesem Zeitpunkt als
eRezept ausgestellt werden – es sei
denn, die Ausstellung des eRezepts ist
aus technischen Gründen nicht mög-                                                                                                    Foto: KBV
lich oder die Dienste und Komponen-
ten der Telematikinfrastruktur stehen bestimmte Wirkstoffe) folgen. Hierbei           Blutteststreifen, Medizinprodukte.
nicht zur Verfügung.                   müssen das Bundesinstitut für Arznei-
                                       mittel und Medizinprodukte sowie die           Welche Komponenten
       Einführungsstufen               Landesgesundheitsbehörden einge-              werden benötigt und wie
          des eRezepts                 bunden werden.
                                                                                         ist der Prozess?
 Technisch möglich soll die Ausstellung    Mit der dritten Stufe können Verord-      Um ein eRezept ausstellen zu kön-
von eRezepten ab dem 1. Juli 2021         nungen für Heil- und Hilfsmittel über     nen, benötigen Ärztinnen und Ärzte
sein. Die gematik ist gesetzlich dazu     das eRezept abgebildet und auch An-       einen elektronischen Heilberufsaus-
verpflichtet, die technischen Kompo-      trags- und Abrechnungsprozesse mit        weise (eHBA), mit dem sie eine so-
nenten bis zum 30. Juni 2021 zu entwi-    der Krankenkasse elektronisch durch-      genannte qualifizierte elektronische
ckeln und bereitzustellen. Dazu gehört    geführt werden.                           Signatur (QES) erstellen können. Die
auch eine eRezept-App, die zukünftig                                                QES ist der eigenhändigen Unterschrift
von den Patientinnen und Patienten         In weitere Stufen sind eine grenzüber-   rechtlich gleichgestellt. Auch ist eine
über den App-Store oder Google Play       schreitende Einlösung und die Einbin-     Anpassung (Update) des Praxisver-
direkt auf das Smartphone geladen         dung weiterer Akteure und Formate         waltungssystems notwendig. Für die
werden kann. Ab Juli 2021 folgt eine      vorgesehen.                               Nutzung der sogenannten „Komfortsi-
dreimonatige Testphase; räumlich be-                                                gnatur“ ist ein Update des Konnektors
grenzt auf die Fokusregion Berlin-Bran-    Im aktuell vom Bundestag beschlos-       erforderlich.
denburg. Anschließend ist die bundes-     senen Digitale-Versorgung- und -Pfle-      Das eRezept wird über das Pra-
weite Einführung des eRezepts das         ge-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG)         xis-IT-System ausgefüllt und mittels
ambitionierte Ziel.                       sind darüber hinaus folgende Termine      eHBA digital unterschrieben. Bei einem
                                          festgelegt:                               Ausfall der Infrastruktur oder einzelner
 Das eRezept wird in mehreren Stufen      • Januar 2023 – elektronische Verord-     Komponenten kann als Ersatzverfah-
eingeführt. In der ersten Stufe sollen       nung von digitalen Gesundheitsan-      ren weiterhin das Papierrezept genutzt
alle apothekenpflichtigen Arzneimittel       wendungen (DiGA),                      werden.
elektronisch verordnet werden, wo-        • Juli 2024 – elektronische Verordnung
bei auf der Empfängerseite öffentliche       von häuslicher Krankenpflege und        Ein eRezept kann eine Fertigarznei-
Apotheken und Versandapotheken               außerklinischer Intensivpflege,        mittel- bzw. Wirkstoffverordnung, eine
eingebunden werden.                       • Juli 2025 – elektronische Verordnun-    Rezeptur oder eine per Freitextfeld
                                             gen von Soziotherapien nach § 37a      beschriebene Verordnung enthalten.
 Die zweite Stufe des eRezepts startet       SGB V,                                 Inhaltlich sind die Angaben identisch
am 1. Januar 2023. Dann sollen auch       • Juli 2026 – elektronische Verord-       mit dem Papierrezept. Bis zu drei Arz-
Verordnungen von Betäubungsmit-              nungen von Heilmitteln und Hilfs-      neimittel (Rezeptcodes) lassen sich in
teln und T-Rezepte (Sonderrezept für         mitteln, Verbandmittel, Harn- u.       einem Sammelcode zusammenfassen.

                                                                                        Brandenburgisches Ärzteblatt 7 – 8 • 2021 |   5
Trotz aller Kritk: Die Einführung des eRezepts steht bevor
KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK

                                Aus dem Praxissystem wird das eRe-        um ein Wiederholungsrezept handelt.       Patienten zukünftig ebenfalls in einer
                              zept über die Telematikinfrastruktur an                                               Arzneimittelliste abgelegt werden.
                              einen gesicherten eRezept-Server – ei-       Einlösen des eRezepts in                 Diese dient als Grundlage für Infor-
                              nen sogenannten Fachdienst – über-           der (Versand-) Apotheke                  mationen des elektronischen Medika-
                              mittelt. In dem Fachdienst werden alle                                                tionsplans und kann in der elektroni-
                              eRezepte verschlüsselt abgelegt. Von         Nutzen Patientinnen und Patienten        schen Patientenakte abgelegt werden.
                              dort aus werden die Verordnungen            die eRezept-App über ihr Smartpho-        Wurde ein eRezept eingelöst, wird es
                              schließlich in die eRezept-App des Pa-      ne, können sie das eRezept vom eRe-       nach 100 Tagen automatisch vom eRe-
                              tienten und in die Apothekensysteme         zept-Server in ihre App laden. Für das    zept-Server (Fachdienst) gelöscht.
                              heruntergeladen.                            Einlösen gibt es zwei Möglichkeiten:
                                                                          • Das eRezept wird persönlich in einer      Die Abrechnung des eRezepts erfolgt
                               Alternativ zum eRezept auf dem                Vor-Ort-Apotheke vorgezeigt.           für gesetzlich Versicherte wie bisher
                              Smartphone, können Patienten – wenn         • Oder die Patienten wählen die Apo-      über das Apothekenrechenzentrum
                              sie es wünschen – einen Papieraus-             theke per Smartphone aus und sen-      (ARZ). Nach der Abgabe des Arznei-
                              druck in der Arztpraxis erhalten und           den das eRezept an diese Apotheke.     mittels erhält die Apotheke eine Bestä-
                              in der Apotheke vorlegen. Der Papier­          Bei dieser kann es sich auch um eine   tigung vom Fachdienst in der Telema-
                              ausdruck des Rezepts ist mit einem             Versandapotheke handeln.               tikinfrastruktur und kann damit die Ab-
                              2D-Barcode und Informationen zu den                                                   rechnung des eRezepts gegenüber der
                              verschriebenen Arzneimitteln verse- Über die eRezept-App können Pati-                 jeweiligen Krankenkasse vornehmen.
                              hen. In diesem Fall benötigt die Praxis entinnen und Patienten zudem bereits
                              einen Drucker, der mindestens eine eingelöste Rezepte und Protokolldaten
                              Auflösung von 450 dpi drucken kann. einsehen.                                         ■ BÄK

                               Alle Schritte zur Vorbereitung des Re- Bezüglich der Dauer der Einlösbarkeit
                              zeptes einschließlich des Ausdruckens, des eRezepts gelten die gleichen Rege-
                              falls der Versicherte das wünscht, kön- lungen wie beim Papierrezept.
                              nen von Praxisangestellten vorgenom- Informationen zu dispensierten Arz-
                              men werden – vor allem, wenn es sich neimitteln sollen für Patientinnen und

                               PRÄSIDENTENLOGBUCH

                               Digitalisierung muss Qualität verbessern
                               Auch wenn durch die Pandemie Teile         ist Fernbehandlung auch bei uns zu-
                              der politisch gewollten Digitalisierung     lässig, wenn sie nicht ausschließlich
                              einen neuen Schub erfahren haben,           erfolgt. Im Rahmen der Therapie muss
                              ändert das nichts an einer grundle-         es also auch immer wieder einmal zu
                              genden Wahrheit: Digitalisierung ist        einem persönlichen (offline)-Gespräch
                              kein Selbstzweck – auch und beson-          zwischen Arzt und Patient kommen.
                              ders nicht in der Medizin. Sie kann         Diese Regel findet auch die große Zu-
                              aber – richtig genutzt – dazu beitra-       stimmung unserer Brandenburgischen
                              gen, die Transparenz zu erhöhen, die        Ärztinnen und Ärzte. Darüber freue
                              Kommunikation zwischen den Ge-              ich mich sehr.
                              sundheitsberufen zu optimieren und            Im Kammervorstand sehen wir es als
                              so auch die Qualität der Behandlung         unsere Aufgabe, qualitätsverbessern-
                              zu verbessern. Dies gilt gleichermaßen      de Maßnahmen der Digitalisierung
                              für die elektronische Patientenakte         zu fördern. Gefälligkeitsrezepte an
                              und den elektronischen Arztbrief wie        den eigenen behandelnden Ärztin-
                              für die Fernbehandlung und das elek-        nen und Ärzten vorbei gehören aber
Dipl.-Med.
Frank-Ullrich Schulz,         tronische Rezept.                           ganz sicher nicht dazu. Die Umstellung
Präsident der LÄKB              Dennoch lässt es natürlich aufhor-        der Rezepte auf die digitale Form ist
Foto: Elmar Esser             chen, dass sich beispielsweise Ver-         letztlich ein Medienwechsel. An den
                              sandapotheken um Portale verstärken,        Grundlagen der Ausübung unseres
                              die ärztliche Fernbehandlung anbieten.      Berufes und unserer Verpflichtung,
                              Als Landesärztekammer werden wir           der Gesundheit unserer Patienten          ■ Mit besten kollegialen Grüßen!
                              darauf zu achten haben, dass unsere         oberste Priorität einzuräumen, ändert       Ihr Frank-Ullrich Schulz
                              Kammermitglieder die Vorschriften           sie nichts.
                              der Berufsordnung beachten. Danach

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Trotz aller Kritk: Die Einführung des eRezepts steht bevor
KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK

PANDEMIEBEKÄMPFUNG:

Impfkampagne effizient vorantreiben

 „Dass Deutschland nach einem            ausreichend genutzt worden seien.          Brandenburg haben, müssen wir ziel-
verhaltenen Start der Coronaimp-         „Zugleich haben gerade die Nieder-         genau und effektiv einsetzen. Dies sei
fungen inzwischen über dem               gelassenen einschließlich des Praxis-      in den Strukturen im Gesundheitswe-
Durchschnitt der EU-Staaten liegt,       personals dann die Enttäuschung ihrer      sen, in denen diese Kolleginnen und
ist insbesondere dem Einsatz und         Patientinnen und Patienten abfangen        Kollegen bereits tätig sind und in de-
dem Engagement der niederge-             müssen, was die Praxen zusätzlich be-      nen sie die Patientinnen und Patienten
lassenen Ärztinnen und Ärzte zu          lastet hat.“ Die vielen zur Mithilfe be-   gut kennen, am ehesten möglich, so
verdanken. Diese sind durch ihre         reiten Kolleginnen und Kollegen dürf-      Schulz weiter.
Tätigkeit in bewährten Strukturen        ten nicht weiter ausgebremst werden,
zu zügigem, effektivem und wirt-         so Schulz.                                  Ärztinnen und Ärzte, die in etablier-
schaftlichem Impfen besonders in           Die Erfahrung zeige zudem, dass sich     ten Strukturen des Gesundheitswe-
der Lage. Damit dieser Impfturbo         gerade die besonders gefährdeten,          sens die COVID-19-Impfungen durch-
weiter funktioniert und noch bes-        zum Teil immobilen älteren Branden-        führen, sollten deshalb bevorzugt mit
ser wirkt, müssen jetzt aber auch        burgerinnen und Brandenburger eher         Impfstoffen beliefert werden, gerade,
entsprechende politische Rah-            bei Ihren Hausärzten in der Nähe als       solange der Impfstoff noch knapp ist.
menbedingungen folgen“ erklär-           in einem weit entfernten Impfzentrum       Dazu zählen neben den niedergelas-
te der Präsident der Landesärzte-        immunisieren lassen möchten. Auch          senen Ärztinnen und Ärzten auch die
kammer Brandenburg, Dipl.-Med.           diese Chance müsse besser genutzt          Krankenhäuser, die mit konzentrierten
Frank-Ullrich Schulz im Juni in          werden.                                    Impfaktionen unterstützten. „Ein der-
Potsdam.                                                                            art geänderter Verteilmechanismus
                                          Schließlich sei zu berücksichtigen,       kann die Impfkampagne in Branden-
 Dabei verwies er auf das in den letz-   dass die Ressource Arzt, die für jed-      burg deutlich vorantreiben“, erklärte
ten Wochen immer wieder aufgetre-        wede Impfung zur Verfügung stehen          der Präsident der Landesärztekammer
tene Problem, dass diese Ärztinnen       müsse, nicht beliebig multiplizierbar      Brandenburg.
und Ärzte keine ausreichenden Impf-      sei. Dies gelte umso mehr in Bran-
stofflieferungen erhalten hätten und     denburg, dem Bundesland mit der
damit die Möglichkeiten dieses be-       geringsten Arztdichte in Deutschland.      ■ LÄKBB
sonders effektiven Impfstranges nicht    Die Ärztinnen und Ärzte, die wir in

RESTRISIKOABSICHERUNG ZUM ARZTHAFTPFLICHTSCHUTZ IN IMPFZENTREN

Verlängerung des Versicherungsschutzes nach
Corona-Impfeinsatz prüfen

 Erfreulicherweise hatte sich im          Der DÄV, Gruppenversicherungspart-        u. s. w.). Wird der Versicherungsschutz
Frühjahr ein Vielzahl der Ärztin-        ner der Landesärztekammer Branden-         gegenüber der DÄV nicht bis zum
nen und Ärzte im Ruhestand be-           burg, danken wir für diese erfolgreiche    Ende des Jahres gekündigt, verlän-
reit erklärt, an der Impfkampagne        Zusammenarbeit.                            gert sich der Versicherungsschutz um
in Brandenburg mitzuwirken. Vie-                                                    ein weiteres Jahr und die Versiche-
le der Ärztinnen und Ärzte, die           Deutsche Ärzteversicherung und            rungsprämie fällt dann erneut an. Die
dann tatsächlich auch zum Ein-           Landesärztekammer weisen darauf            DÄV teilt mit, dass zur Kündigung eine
satz kamen, haben dabei von der          hin, dass die betreffenden Kammer-         einfache Mitteilung an die DÄV bis
speziellen Haftpflichtversicherung       mitglieder bitte bis zum Ende des Jah-     zum Jahresende genügt (Einhaltung
der Deutschen Ärzteversicherung          res prüfen mögen, ob der Versiche-         der dreimonatigen Kündigungsfrist bis
(DÄV) Gebrauch gemacht, die              rungsschutz weiterhin benötigt wird.       zum Jahresende nicht erforderlich).
die DÄV im Rahmen eines spezi-           Der Versicherungsschutz kann auch
ell auf die Landesärztekammer            unabhängig von der Corona-Mithilfe
Brandenburg       zugeschnittenen        sinnvoll sein (Behandlungen im Freun-      ■ Dr. D. Sobotta, Geschäftsführer der LÄKB
vereinfachten Verfahrens ange-           des- und Bekanntenkreis, freiberufliche
boten hatte.                             Tätigkeiten an jeweils 60 Tagen im Jahr

                                                                                        Brandenburgisches Ärzteblatt 7 – 8 • 2021 |   7
Trotz aller Kritk: Die Einführung des eRezepts steht bevor
KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK

      AUCH VOR DEM START DES SOMMERURLAUBS:

      Impfungen bleiben Corona-Schutzmaßnahme Nummer 1

       Nach dem Start der Sommerferi-             besonders wichtig, fristgerecht und      den aktuellen Studien nicht nur gegen
      en in unserem Bundesland wollen             möglichst noch vor dem Urlaub auch       die neue und besonders ansteckende
      nun auch viele Brandenburgerin-             die Zweitimpfung vornehmen zu las-       Delta-Variante des Virus, sondern ver-
      nen und Brandenburger endlich               sen“, so der Präsident der Landesärz-    hindern im Fall des möglicherweise
      wieder auf Reisen gehen. Das ist            tekammer Brandenburg. Denn wenn          dennoch eintretenden Infektionsfalles
      völlig verständlich. In diesem Zu-          diese nicht erfolge, bestehe kein aus-   auch schwerwiegende Krankheitsver-
      sammenhang appelliert die Lan-              reichender Schutz. Zum Stichtag 23.      läufe.“
      desärztekammer Brandenburg                  Juni 2021 hatten 50,3 Prozent der
      aber an die Bürger, in den schöns-          Brandenburgerinnen und Brandenbur-
      ten Wochen des Jahres auch am               ger mindestens eine Coronaimpfung        ■ LÄKBB
      Urlaubsort auf die Einhaltung der           erhalten. 30 Prozent waren vollständig
      Hygiene- und Abstandsregeln                 geimpft und sind damit nach aktuellem
      zu achten. „Die Tatsache, dass              Stand der Wissenschaft bestmöglich
      wir in Deutschland die Zahl der             gegen Corona geschützt.
      Corona-Neuinfektionen        durch
      Impfungen und entsprechende            Für die Ungeimpften gilt dies aber
      Maßnahmen beherrschen konn-           noch nicht. Daher rief Dr. Steffen Kö-
      ten und zuletzt die Infektionsfälle   nig auch diese Mitbürger dazu auf, das
      sehr deutlich zurückgingen, darf      Impfangebot möglichst bald wahrzu-
      nicht als Entwarnung missverstan-     nehmen. Dies sei bei den niedergelas-
      den werden“, erklärte Dipl.-Med.      senen Ärztinnen und Ärzten, im Rah-
      Frank-Ullrich Schulz. Insofern ge-    men von Impfaktionen der Kranken-
      höre 2021 unbedingt auch eine         häuser sowie in den Impfzentren im
      ausreichende Zahl an Schutzmas-       Lande zurzeit gut möglich. „Impfungen
      ken in das Reisegepäck.               sind und bleiben die Corona-Schutz-
                                            maßnahme Nummer 1“, erklärte der
       „Für Menschen, die bereits eine Imp- Vizepräsident der Landesärztekam-
      fung bekommen haben, ist es zudem mer Brandenburg. „Sie helfen nach

      LÄNDESÄRZTEKAMMER UND LANDESZAHNÄRZTEKAMMER

      Brandenburg braucht eine staatliche medizinische und
      zahnmedizinische Hochschulausbildung

       Für die zukünftige Sicherstel-               Eine moderne und zeitgemäße Medi-      und die Landeszahnärztekammer Bran-
      lung der medizinischen und zahn-            zinische Hochschule ist ohne zahnme-     denburg sind sich daher einig: Bran-
      medizinischen Versorgung des                dizinischen Bereich kaum vorstellbar.    denburg braucht die in der Lausitz
      Flächenlandes Brandenburg ist               Die Zusammenhänge zwischen Mund-         geplante medizinische Hochschule mit
      eine eigene staatliche Hochschul­           gesundheit und der allgemeinen Ge-       einem zusätzlichen zahnmedizinischen
      ausbildung von elementarer Be-              sundheit ist seit Jahren wissenschaft-   Ausbildungszweig.
      deutung. Die Ausbildungszahlen              lich erwiesen. Dem Gedanken der en-
      der Universitäten der umliegen-             geren Verknüpfung der Humanwissen-
      den Bundesländer reichen schon              schaften tragen die neuen Approbati-     ■ LÄKBB
      jetzt nicht aus, um den zukünf-             onsordnungen für die Ausbildung der
      tigen Bedarf der brandenburgi-              Humanmediziner und Zahnmediziner
      schen Bevölkerung zu decken.                Rechnung. Gemeinsames Studieren,
      Nur der konstante Zustrom von               gemeinsames Forschen und gemein-
      Absolventen kann die wohnort-               sames Behandeln ist das Ziel.
      nahe Versorgung im ländlichen
      Raum sichern.                                Die Landesärztekammer Brandenburg

8   | Brandenburgisches Ärzteblatt 7 – 8 • 2021
Trotz aller Kritk: Die Einführung des eRezepts steht bevor
KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK

DIGITALER IMPFNACHWEIS

Testlauf startete im Impfzentrum in Potsdam

  Bevor der digitale Impfnachweis
deutschlandweit jeder geimpften
Person angeboten werden konn-
te, wurde das Verfahren getes-
tet. Den Testlauf starteten am 27.
Mai im Impfzentrum in Potsdam
Gottfried Ludewig, Leiter der
Abteilung „Digitalisierung und                                                                                                        Freuten sich über den
Innovation“ im Bundesgesund-                                                                                                          gelungenen Start des
                                                                                                                                      Feldtests im Impfzentrum
heitsministerium, Holger Rostek,                                                                                                      Potsdam: Holger Rostek
stellvertretender     Vorsitzender                                                                                                    (Vorstand KVBB),
der Kassenärztlichen Vereinigung                                                                                                      Dr. Gottfried Ludewig
                                                                                                                                      (Abteilungsleiter
Brandenburg (KVBB), Gesund-
                                                                                                                                      Digitalisierung
heitsstaatssekretär Michael Ranft                                                                                                    und Innovation im
und Projektmanager Ronald Fritz                                                                                                       BMG), Ronald Fritz
(IBM).                                                                                                                                (Projektmanager IBM),
                                                                                                                                      Michael Ranft
                                                                                                                                      (Staatssekretär MSGIV)
 Die KVBB beteiligte sich in Zusam-                                                                                                   Foto: Regine Baeker
menarbeit mit der DigitalAgentur
Brandenburg an der Pilotierung des          Meilenstein auf dem Weg zum digita-     erhielten im Rahmen des Feldtests im
„Digitalen Impfnachweises“. Es war          len Impfnachweis. Der Impfnachweis,     Impfzentrum Potsdam einen digitalen
ein Projekt des Bundesgesundheitsmi-        ob mit dem gelben Impfausweis oder      Impfnachweis in Form eines ausge-
nisteriums, das IBM, Ubirch, govdigital     mit einer App, ermöglicht den Men-      druckten QR-Codes (Impfzertifikat).
und Bechtle mit der Entwicklung einer       schen mehr Freiheiten. Der digitale     Das Impfzertifikat ist ein gültiger di-
Impfpass-App (CovPass) beauftragt           Impfnachweis ist eine einfache und      gitaler Impfnachweis. In den übrigen
hatte. In einem kontrollierten Feldtest     praktikable Lösung. Ich danke allen     Impfzentren des Landes und auch in
sollten zunächst in einzelnen Impfzen-      Beteiligten für die Umsetzung des      den Arztpraxen wurde noch kein digi-
tren Erfahrungen mit dem System ge-         Projekts, ganz besonders der Kassen­    tales Impfzertifikat ausgestellt.
sammelt werden, um Verbesserungs-           ärztlichen Vereinigung Brandenburg
möglichkeiten zu identifizieren. Pro       und der DigitalAgentur Brandenburg,     Wichtig: Die geimpften Personen, die
Tag sollten in jedem teilnehmenden          die sehr engagiert an der Pilotierung  an dem Feldtest teilnahmen, müssen
Impfzentrum zunächst rund 30 digitale       mitwirken.“                            diesen Impfnachweis sorgfältig aufbe-
Impfnachweise ausgestellt werden. In                                               wahren. Erst später könnte er durch
Brandenburg beteiligte sich die KVBB         Dr. André Göbel, Geschäftsfüh- offizielle Prüfstellen überprüft werden.
mit dem Impfzentrum in der Potsda-          rer der DigitalAgentur Brandenburg
mer „Metropolis Halle“.                     GmbH: „Wir freuen uns, dass wir das Dann konnte das Impfzertifikat (QR-
                                            Gesundheitsministerium und die Kas- Code) zum Beispiel über die CovPass
  Holger Rostek, stellvertretender KV-      senärztliche Vereinigung Brandenburg App oder die Corona-Warn-App digi-
BB-Vorsitzender: „Wir starten jetzt die     bei diesem Pilotprojekt unterstützen tal oder alternativ als maschinenles-
Testphase. Das ist ein entscheidender,      können. Die Zusammenarbeit ist ein barer Ausdruck genutzt werden. Das
notwendiger Schritt, um die Technik         gutes Beispiel dafür, wie mit agilen Impfzertifikat enthält nur Informatio-
und die Zuverlässigkeit des Systems zu      Methoden über Organisations- und Zu- nen zum Impfstatus, den Namen des
prüfen. Wenn alles funktioniert und         ständigkeitsgrenzen hinaus in kürzes- Geimpften und das Geburtsdatum. Für
der Bund den digitalen Impfnachweis         ter Zeit IT-Projekte umgesetzt werden Dienstleister, die den Impfstatus über-
für Deutschland frei gibt, erhalten alle   können, die in der Vergangenheit oft prüfen möchten, gibt es eine Prüf-App
Bürgerinnen und Bürger ihren individu-     Monate oder Jahre gebraucht hätten. zur Prüfung des Impfzertifikats. Damit
ellen digitalen Impfausweis als ausge-      Wir begrüßen sehr, dass der digitale kann der Impfstatus ähnlich wie ein
druckten QR-Code direkt im Nachgang         Impfnachweis jetzt in der realen Um- Barcode eines Flug- oder Bahntickets
ihrer Impfung. Den Personen die bereits     gebung getestet und optimiert wird, gescannt werden. Alternativ ist ein
in einem Impfzentrum des Landes voll-       bevor er in Betrieb geht.“             Nachweis mit dem analogen Impfpass
ständig geimpft wurden, soll der Impf-                                             möglich.
nachweis per Post zugesandt werden.“             Informationen zum
                                                      Feldtest
 Gesundheitsstaatssekretär     Mi-                                                 ■ E.B.
chael Ranft: „Das ist ein wichtiger          Ausgewählte    geimpfte    Personen

                                                                                        Brandenburgisches Ärzteblatt 7 – 8 • 2021 |   9
KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK

       AKTUELLE LIEFERMENGENPROGNOSE:

       Corona-Impfkampagne könnte um vier Wochen verzögert
       sein

        Durch die aktuelle Prognose                2021 erreicht. Voraussetzung dafür ist,    Warteschlange von etwa 3 Millionen
       des Bundesministeriums für Ge-              dass Johnson & Johnson ab Juli 1,7         Zweitimpfungen entstehen. Um dies
       sundheit (BMG) über die zu er-              Millionen Dosen und AstraZeneca etwa       zu vermeiden, müsste bereits im Juli
       wartenden Liefermengen der                  2,7 Millionen Dosen wöchentlich nach       ein Teil der verfügbaren Dosen entwe-
       COVID-19-Impfstoffe könnte sich             Deutschland liefern.                       der für Zweitimpfungen mit verkürz-
       die Corona-Impfkampagne rech-                                                          tem Impfintervall verwendet oder zur
       nerisch um weitere vier Wochen               Berücksichtigt man die STIKO-Al-          Bildung von Rücklagen zurückgelegt
       verzögern. Bei vollständiger Um-            tersempfehlung und die Impfung von         werden. In beiden Fällen würden im
       setzung der Altersempfehlung                Kindern und Jugendlichen, verengt          Juli weniger Erstimpfungen durchge-
       der Ständigen Impfkommission                sich die Impfkampagne auf die mR-          führt werden“, sagte der Zi-Vorstands-
       (STIKO) am Robert Koch-Institut             NA-Impfstoffe, insbesondere auf den        vorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.
       (RKI) könnten alle erwachsenen              Wirkstoff von Biontech. Damit rückt
       Impfberechtigten ab 18 Jahren               das rechnerische Datum für eine Erst­       Betrachtet man die Liefermengen-
       erst bis zum 5. September 2021              impfung aller Impfberechtigten im Al-      prognosen, wird ab dem vierten
       eine Erstimpfung und bis zum                ter ab 12 Jahren auf den 12. Septem-       Quartal der Impfstoff von Moderna
       17. Oktober 2021 einen vollen               ber 2021 bzw. für einen vollständigen      für die Auffrischimpfungen beson-
       Impfschutz erhalten haben. Das              Impfschutz auf den 24. Oktober 2021.       ders relevant: Hier stehen nach aktu-
       ist das Ergebnis einer aktualisier-         Geht man von einer Impfbereitschaft        ellem Informationsstand wöchentlich
       ten Simulation zum zeitlichen Ver-          von 85 Prozent aus, könnten alle impf-     1,2 Millionen Dosen von Biontech und
       lauf der Corona-Impfkampagne,               willigen Erwachsenen bei Beachtung         3,8 Millionen Dosen von Moderna zur
       die das Zentralinstitut für die kas-        der STIKO-Altersempfehlung bis zum         Verfügung. Für Auffrischimpfungen
       senärztliche Versorgung (Zi) nach           18. Juli 2021 eine Erstimpfung und bis     in den Arztpraxen wird dabei die Be-
       Veröffentlichung neuer Eckwerte             zum 5. September 2021 den vollständi-      reitstellung der Impfstoffe in Form
       durch das BMG am 17. Juni vorge-            gen Impfschutz erreicht haben.             von bereits aufgezogenen Einzeldosen
       nommen hat.                                                                            wichtig werden.
                                                    „Gebremst wird die Geschwindig-
         Würde die STIKO-Altersempfehlung          keit der Impfkampagne dadurch, dass
       nicht beachtet und der gesamte verfüg-      der Impfstoff von Biontech nach zwi-       ■ ZI
       bare Impfstoff einschließlich aller Dosen   schenzeitlich höheren Liefermengen
       von AstraZeneca und Johnson & John-         im Juni ab Juli nur bei rund 3 Millionen
       son verimpft, wäre es rechnerisch mög-      Dosen wöchentlich liegen wird. Wenn
       lich, alle Erwachsenen bis zum 18. Juli     im Juni eine hohe Zahl von Erstimp-
       2021 erstmals zu impfen. Ein vollständi-    fungen mit Biontech vorgesehen ist,
       ger Impfschutz wäre am 26. September        könnte in der ersten Augusthälfte eine

       Zweitimpfungen in den niedergelassenen Arztpraxen (nur Biontech)
         KW Lieferungen* Zweitimpfungen** mögliche Erstimpfungen
          25  2.837.250      1.167.016          1.670.234
          26  1.400.000       732.955            667.045
          27  1.400.000       714.723            685.277
          28  1.400.000       915.605            484.395
          29  1.400.000       705.210            694.791
       * Erwartete Lieferungen an Arztpraxen
       ** Die Verteilung der Zweitimpfungen erfolgt auf folgende Impfabstände: 10 % 4 Wochen nach
       Erstimpfung, 20 % 5 Wochen und 70 % 6 Wochen nach Erstimpfung.

10   | Brandenburgisches Ärzteblatt 7 – 8 • 2021
KAMMERINFORMATIONEN/GESUNDHEITSPOLITIK

IMPFTEMPO LEGT WEITER ZU –

Deutschland jetzt über dem EU-Schnitt

  Die Impfkampagne in Deutsch-
land nimmt Fahrt auf. Während
Deutschland noch in der ersten
Märzwoche bei den täglichen
Immunisierungen pro 1 Mio. Ein-
wohner 9,6 Prozent unter dem
EU-Durchschnitt lag, hat sich das
Verhältnis grundlegend gewan-
delt, seit auch in den Arztpraxen
geimpft wird. Inzwischen betei-
ligen sich über 67.000 Praxen
an der Impfkampagne. Bis ein-
schließlich 1. Juni 2021 wurden
insgesamt 51.540.953 Impfdo-
sen verabreicht. Hiervon wurden
36.071.518 Dosen in Impfzentren
und 15.469.435 Dosen in Arztpra-
xen injiziert.

 Nach einer Auswertung des Zen-
tralinstituts für die kassenärztliche
Versorgung (Zi) wurden Anfang Juni
hierzulande bereits 19,1 Prozent mehr
tägliche Impfungen als im EU-Schnitt      Betriebsärzte allein ca. 3,6 Mio. Dosen/
                                                                                 wieder abgesagt werden müssen. Vor
durchgeführt. Bestimmend für die         KW der Vakzine von BioNTech und        diesem Hintergrund überlegten bereits
Durchimpfungsrate bleibt aber letztlich   Pfizer vorgesehen. Keine Juni-Zahlen   erste Kolleginnen und Kollegen, vor-
weiterhin die Zahl der zur Verfügung      veröffentlichte das Ministerium für die
                                                                                 übergehend das Impfen auszusetzen,
stehenden Dosen. Und hier rechnete        Impfstoffe von AstraZeneca, Johnson    bis sich die Lage stabilisiert hat, warnte
das BMG insbesondere für den Juni        & Johnson. Diese kämen „je nach Lie-   etwa die KV Hamburg. Kritisiert wurde
2021, in dem die Priorisierung endete,    ferplan der Unternehmen dazu“.         auch, dass die Praxen aus ihrem Kon-
mit einer deutlichen Steigerung der zur                                          tingent nicht nur die Impfdosen für
Verfügung stehenden Coronaimpf­            Allerdings waren auch diese Zahlen Kinder und Jugendliche sicherstellen
stoffe.                                   weiterhin mit Unsicherheiten behaftet. müssen, sondern auch die Impfungen
                                          In der Woche ab dem 31. Mai 2021 durch Betriebsärzte und Privatärzte.
  Herausragend waren dabei die Zah-       wurden die Arztpraxen beispielswei-
len für das Vakzin „Comirnaty“ von       se nur 2,2 Mio. Dosen des Präparates Bleibt es bei den aktuellen Progno-
BioNTech und Pfizer. Während diese       Comirnaty von BioNTech/Pfizer er- sen, geht das BMG bis Ende 2021 von
im April 2021 im Mittel bei 2,5 Mio.      halten. Ursprünglich waren 3,3 Mio. insgesamt 290 Mio. Dosen Impfstoff
Dosen pro Kalenderwoche lagen,            Dosen vorgesehen. Johnson&John- aus, die für die Immunisierung der in
konnten sie ab der KW 17 (Ende April      son wird etwa 720.000 Dosen seiner Deutschland lebenden Menschen zur
2021) auf rund 3,4 Mio. Dosen/Woche       Janssen Vaccine zur Verfügung stellen. Verfügung stehen. Das wiederum wäre
gesteigert werden. Für Juni 2021 pro-    AstraZeneca hatte dem BMG mitge- dann erheblich mehr als für eine wohl
gnostizierte das BMG eine nochmalige      teilt, dass seine erwarteten 300.000 unrealistische Impfquote von sogar
Steigerung auf ca. 5,1 Mio. Dosen Co-     Dosen wegen verzögerter Freigaben 100 Prozent erforderlich.
mirnaty pro KW. Moderna lag dage-         erst Mitte der KW 22 in den Praxen
gen mit Zahlen zwischen 550.000 bis       ankommen.
622.000 Dosen erheblich niedriger.                                                    ■ E.B
  Ebenfalls nach den Prognosen soll-        Inzwischen mehren sich aus der Ärz-
ten die Arztpraxen und die Betriebs­      teschaft Mahnungen, dass die Poli-
ärzte im Juni 2021 zudem insgesamt        tik darauf achten muss, wenn irgend
mehr Impfstoffdosen als die Län-         möglich die angekündigten Mengen
der für ihre Impfzentren erhalten.       aufrechtzuerhalten und nicht zu kür-
Während die Länder im Juni 2021 mit     zen. Patienten ließen ihren Frust häu-
rund 2,6 Mio. Dosen pro KW rechnen        fig beim Praxispersonal ab, wenn bei-
konnten, waren für die Arztpraxen und    spielsweise bereits vereinbarte Termine

                                                                                          Brandenburgisches Ärzteblatt 7 – 8 • 2021 |   11
AKTUELL

                                  DIGITALISIERUNG IN DER SCHLAFMEDIZIN

                                  Mit der SomnoApp zum Schlaflabor

  Abb. 1: Schlafstörungen
nachts und Tageschläfrig-
keit treten häufig gemein-
                   sam auf
        Foto: stock.adobe.com

                                  Schlafprobleme nehmen zu                    Krankenkassen (GKV) sind Wartezeiten        im Allgemeinen rar. Ein weiteres Prob-
                                                                              von mehreren Jahren keine Seltenheit,       lem kann eine natürliche Hemmschwel-
                                   Ein Drittel aller Deutschen hat            um zunächst den Zugang zur Kaskade          le der Betroffenen sein, da es sich bei
                                  Schlafstörungen. Laut einer Stu-            der schlafmedizinischen Diagnostik          Schlafstörungen, Schnarchen und an-
                                  die von Benjafield (1) aus dem Jahr         zu finden. Diese wird in Form einer         deren schlafbezogenen Misslichkeiten
                                  2019 leiden 26 Millionen Men-               Stufendiagnostik von vier Etappen,          um sehr persönliche, zum Teil intime
                                  schen in Deutschland an Schlafap-           den sogenannten BUB-Richtlinien (2)         Probleme handelt, die ungeachtet der
                                  noe, der häufigsten schlafbezoge-           durchgeführt und beinhaltet neben           gravierenden gesundheitlichen und ge-
                                  nen Atmungsstörung, die somit               der Anamneseerhebung und der kör-           sellschaftlichen (manchmal auch part-
                                  eine Volkserkrankung darstellt.             perlichen Untersuchung (Stufe 1),der        nerschaftlichen) Relevanz nicht immer
                                  Während der Corona-Pandemie,                Durchführung einer klinischen Untersu-      öffentlich gemacht werden wollen.
                                  in der leider auch viele Schlafla-          chung mit kardiopulmonalen, neurolo-
                                  bore geschlossen waren, haben               gischen und psychiatrischen Aspekten          Digitale und telemedizi-
                                  sich die Schlafprobleme in der Be-          inklusive obligater Konsultation eines        nische Lösungen in der
                                  völkerung noch verstärkt. Jeder             HNO-Arztes (Stufe 2), die Durchfüh-
                                                                                                                                 Schlafmedizin
                                  zweite beklagte Ein- oder Durch-            rung einer Polygraphie im häuslichen
                                  schlafstörungen. Wer aber nachts            Milieu (Stufe 3) und ggf. die Polysom-        Digitale und telemedizinische Lösun-
                                  nicht oder schlecht schläft, ist            nographie im Schlaflabor( Stufe 4). Vor     gen, die sich insbesondere während
                                  tagsüber müde und leistungsge-              allem die Polygrafie stellt in diesem       der Corona-Pandemie in allen Berei-
                                  mindert. (Abb.1)                            Prozess einen „Flaschenhals“ dar, der       chen sprunghaft entwickelt haben,
                                                                              für viele Patienten schwierig zu passie-    können hier Abhilfe schaffen und sind
                                   Die gesundheitlichen und volkswirt-        ren ist. Doch selbst nach erfolgter Poly-   für die Schlafmedizin geradezu prä-
                                  schaftlichen Auswirkungen sind im-          graphie und einer Diagnosestellung ist      destiniert.(3) Schon seit vielen Jahren
                                  mens. Dem gegenüber sind die Kapa-          die Odyssee für die Patienten oft nicht     wird von der Politik die Einführung von
                                  zitäten bei der Diagnostik und Therapie     abgeschlossen, denn die Schlaflabore        elektronischen Prozessen in der Medi-
                                  der Schlafstörungen unzureichend. Ins-      sind in der Regel für Monate und Jahre      zin (E-Health) adressiert. Auf Grund-
                                  besondere im Bereich der gesetzlichen       ausgebucht und Schlafmediziner sind         lage einiger Gesetze wie z.B. dem

                        12      | Brandenburgisches Ärzteblatt 7 – 8 • 2021
AKTUELL

E-Health – Gesetz aus dem Jahr 2015        dazu beitragen, unentdeckte Fälle von     für Schlafstörungen und schlafbezo-
sollen digitale Anwendungen durch          schlafbezogen Atmungsstörungen zu         gene Atmungsstörungen fungieren
IT-Unterstützung schrittweise papier-      erkennen und durch eine schnelle Dia-     können. BIG Data und künstliche In-
basierte Verfahren im praktischen me-      gnostik- und Therapieeinleitung Risiken   telligenz sind also spätestens seit der
dizinischen Alltag ablösen. Das betrifft   minimieren.                               Corona Pandemie hierzulande in der
u.a. die elektronische Patientenakte,                                                Schlafmedizin angekommen.
den elektronischen Arztausweis, das          Die meisten Menschen besitzen mitt-
elektronische Rezept oder die Kommu-       lerweile ein Smartphone und benutzen Bereits vor Covid-19 kamen schon,
nikation im Medizinwesen (KIM).            Apps – ohne „Digital Nativs“ zu sein. wenn auch sporadisch, telemedizini-
                                           Es gibt viele Apps zur Aufzeichnung
 Ein weiterer Baustein in diesem Pro-      des Schlafes, teilweise gekoppelt mit
zess ist die Videosprechstunde, die        Sensoren bzw. kleinen Geräten, die
inzwischen routinemäßig genutzt wird       am Körper angebracht werden wie
und in Deutschland von verschiedenen       Armbänder und Uhren. Auch wenn
Anbietern zur Verfügung gestellt wird.     die Kosten und die Qualität dieser im
(Abb.2) Die Schlafmedizin ist dafür        Lifestyle angesiedelten wearables he-
durch den hohen Bedarf an Beratung         terogen sind und die Messgenauigkeit
und Auswertung von Befunden bes-           nebst Aussagekraft häufig ein Problem
tens geeignet. Auch die Telekonsultati-    darstellen, sind sie beliebt und be-
on zwischen schlafmedizinisch tätigen      rechtigt, da sie das Gefühl vermitteln,
Ärzten ist aufgrund des interdisziplinä-   Schlafabläufe zu kontrollieren und so-
ren Charakters des noch jungen Fach-       gar zu verbessern.
gebietes und der Notwendigkeit von                                                                                                     Abb. 3: Die SomnoApp
kollegialen Konsultationen ein weiterer Auf der Grundlage des „Digitale                                                                kann auf jedes Smart-
                                                                                                                                       phone heruntergeladen
wichtiger Aspekt.                        Versorgungsgesetzes“ (DVG) kön-                                                               werden
                                                                                                                                       Foto: CoBo App GmbH & Co.KG

                                                                                     sche Maßnahmen der Therapiekon­
                                                                                     trolle bei der Nutzung der PAP-Geräte
                                                                                     (PAP= Positiver Atemwegsdruck) zur
                                                                                     Therapie von Patienten mit schlafbezo-
                                                                                     genen Atmungsstörungen zum Einsatz,
                                                                                     indem die Therapiedaten gespeichert
                                                                                     wurden und am nächsten Morgen
                                                                                     übertragen wurden. Das steigert nach-
                                                                                     weislich die Therapie-Adhärenz der Pa-
                                                                                     tienten, ebenso wie die Nutzung von
                                                                                     sogenannten „Engagement – Apps.“

                                                                                          Schlafmanagement
                                                                                          mittels SomnoApp
                                                                                                                                       Abb.2: Videosprech-
                                                                                      Die SomnoApp kann sowohl im App
                                                                                                                                       stunde
                                                                                     Store als auch im Google Play Store auf           Foto: Dr. Frank Käßner- privat
                                                                                     alle Endgeräte heruntergeladen wer-
  Neben den beiden Standarddiagnos-        nen jedoch auch Apps, wenn sie den        den und dient als zentrales Element
tikverfahren für schlafbezogene At-        Nachweis einer medizinischen Evidenz      des Managements von schlafbezoge-
mungsstörungen (Polygraphie und Po-        erbracht haben, nach entsprechender       nen Atmungsstörungen. (Abb. 3)
lysomnographie) wurden mittlerweile        Zertifizierung durch die gesetzlichen      Zusätzlich zur digitalen Erfassung
auch reduzierte Diagnostikverfahren        Krankenkassen finanziert werden. Sie      der Anamnese gemäß entsprechen-
und Screeningverfahren (unterhalb der      werden dann im sogenannten „DIGA          der Tools basierend auf standardi-
6-Kanal-Polygraphie) mit in die Teilak-    – Katalog“ (DIGA= Digitale Gesund-        sierten Fragebögen wird in Kombi-
tualisierung der Leitlinien aufgenom-      heitsanwendung) gelistet und können       nation mit einem wearable (Chest
men (4). Das sind beispielweise kon-       von Medizinern verordnet werden,          Monitor), das innerhalb von 24 h im
taktarme und kontaktlose Technologi-       quasi als „App auf Rezept“. Im Indi-      deutschsprachigen Raum geordert
en der Aufzeichnung und Analyse von        kationsbereich der Schlafstörungen        werden kann, eine ( oder mehrere)
Surrogatparametern. Diese Verfahren        ist bereits eine entsprechende App        nächtliche Screening-Untersuchung
sind ausschließlich für das Screening      gelistet, weitere werden folgen. Viel-    durchgeführt, bei der die Sauerstoff-
zugelassen, nicht aber für eine ab-        versprechend sind hier z. B. Screening-   sättigung, die Atemfrequenz, der Blut-
schließende Diagnostik. Dennoch            Tools, die anamnestische Daten de-        druck, die Pulswelle, das Herzschlag-
können sie gerade bei Risikogruppen        tektieren und somit als Prädiktoren       volumen, das Herzzeitvolumen, die

                                                                                         Brandenburgisches Ärzteblatt 7 – 8 • 2021 |   13
AKTUELL

  Abb. 4: Algorithmus des
  digitalen Managements
     von schlafbezogenen
  Atmungsstörungen mit-
           tels SomnoApp
Quelle: CoBo App GmbH & Co.KG

                                  Herzfrequenzvariabilität die Pulsampli-     kann. Die Kosten sind gering und be-       verbessert und direkte sowie indirekte
                                  tude und der Herzindex gemessen             lasten nicht das GKV -System. Erst im      Kosten gespart. Erste Validierungsstu-
                                  werden. Anhand dieser Parameter in          Falle eines positiven Befundes wird        dien in Brandenburger Schlaflaboren
                                  Kombination mit den anamnestischen          der Patient in das GKV-System inte-        laufen derzeit an, größere weiterfüh-
                                  Tools kann am nächsten Morgen mit           griert, jedoch üblicherweise unter         rende multizentrische Untersuchungen
                                  einer ausreichenden Spezifität und          Umgehung der langen Wartezeiten,           zur Evidenz sind deutschlandweit ge-
                                  Sensitivität die Diagnose einer schlaf-     der bürokratischen Hürden und der          plant. Die Kostenträger sind am Zug,
                                  bezogenen Atmungsstörung gestellt           persönlichen Hemmschwellen. Somit          dieses Potenzial zu erkennen und zu
                                  bzw. ausgeschlossen werden. Ferner          kann die Therapie schneller und effizi-    honorieren.
                                  erfolgt eine Stratifizierung gemäß dem      enter erfolgen. Die notwendigen The-
                                  Ampelschema:                                rapiekontrollen können im Rahmen des       Literatur:
                                  1. Grün: Kein pathologischer Befund.        SomnoApp-Konzeptes auf digitaler
                                     Herzlicher Glückwunsch!                  und telemedizinischer Basis zuverlässig    1. Benjafield AV et al (2019) Estimati-
                                  2. Gelb: Geringfügige pathologische         mit den bekannten Elementen erfolgen          on of the global prevalence and bur-
                                     Veränderungen. Es erfolgen Emp-          und sorgen für eine verbesserte Thera-        den of obstruction sleep apnoe; a li-
                                     fehlungen!                               pie-Adhärenz. Das SomnoApp-Konzept            terature bases analysis.Lancet Respir
                                  3. Rot: Pathologischer Befund. Drin-        entspricht somit in jeder Hinsicht der        Med. 7 (8):687-698
                                     gende weitere Differenzialdiagnos-       P4-Medizin. Es ist präventiv, personali-   2. Gemeinsamer Bundesausschußss (G-
                                     tik bzw. Therapie ist nötig!             siert, präzise und partizipativ.              BA) (2006) Richtlinie des Gemeinsa-
                                   Ab der Stufe 2 (Ampelfarbe Gelb) ist                                                     men Bundesausschusses zu Untersu-
                                  eine weitere Beratung per Video durch                       Fazit                         chungs- und Behandlungsmethoden
                                  einen erfahrenen Schlafmediziner                                                          der vertragsärztlichen Versorgung
                                  möglich. Bei Notwendigkeit, zumeist           Knappe diagnostische Ressourcen in       3. Schöbel C, Woehrle H (2020) Digita-
                                  ab Stufe 3 (Ampelfarbe Rot) erfolgt         der Schlafmedizin (Polygraphie und            le respiratorische Schlafmedizin I und
                                  auf Basis eines deutschlandweiten           Polysomnographie) und ein schnell             II. Somnologie 24: 138-150
                                  Netzwerkes eine Vermittlung zu einer        wachsender Bedarf bei zunehmenden          4. Glos, M, Triche‘, D, Schöbel, C (2021)
                                  spezialisierten schlafmedizinischen Ge-     Schlafstörungen stellen eine Diskre-          Schlafapnoescreening mit reduzier-
                                  sundheitseinrichtung oder zu einem          panz dar, die durch digitale und tele-        ten Systemen. Somnologie 25:155-
                                  Schlaflabor im regionalen Umfeld des        medizinische Lösungen behoben wer-            165
                                  SomnoApp Nutzers zur weiteren dif-          den kann. Die für die flächendeckende
                                  ferenzierten Diagnostik und Therapie.       Umsetzung dringend erforderlichen
                                  Nach erfolgter Therapie-Einstellung         politischen und technischen Voraus-        ■ Frank Käßner, Robin Kuscheck,
                                  können die Kontrollen im häuslichen         setzungen dafür sind in Deutschland          Johann Edelbrunner
                                  Milieu durch das SomnoApp und Chest         inzwischen vorhanden. Mit dem hier
                                  Monitor System durchgeführt werden.         vorgestellten SomnoApp-Konzept wird
                                  (Abb.4)                                     nicht nur der Zugang zur Schlafmedizin
                                                                              wesentlich vereinfacht und verkürzt,
                                   Die Vorteile des SomnoApp-Konzep-          sondern erstmals ein komplexes Sys-        Korrespondenzadresse:
                                  tes liegen auf der Hand. Dabei handelt      tem des Managements zum Screening,         Dr. med. Frank Käßner
                                  es sich um eine sichere, bequeme,           zur Diagnostik, zur Therapieeinleitung     Ambulantes Zentrum für Lungenkrank-
                                  anonyme und anwenderfreundliche             sowie zur Langzeitbetreuung von Pati-      heiten und Schlafmedizin (AZLS)
                                  Diagnostik von Schlafstörungen, ins-        enten mit schlafbezogenen Atmungs-         MECS-Medical Clinical Studies GmbH
                                  besondere von schlafbezogenen At-           störungen angeboten.                       CoBo App GmbH & Co.KG
                                  mungsstörungen, die beliebig oft im           Dadurch werden die Therapie-Qua-         Thiemstraße 124, 03050 Cottbus,
                                                                                                                         www.lunge-schlaf.de
                                  häuslichen Milieu wiederholt werden         lität und die Therapie-Adhärenz

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